L. A. – Film: "Inherent Vice"

Ich war am 7.1.15 in Los Angeles und am 17.1.15 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Inherent Vice“ (dt. Filmtitel: „Inherent Vice – Natürliche Mängel“, dt. Kinostart: 12.02.15) 148 min comedy, crime, adaptation
dir. Paul Thomas Anderson cast: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston Owen Wilson, Reese Witherspoon, Benicio del Toro, Martin Short, Maya Rudolph, Eric Roberts

Los Angeles im Jahr 1970. Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) arbeitet als Privatdetektiv und – naja – kifft recht viel. Seine Ex-Freundin und große Liebe Chasta Fay Hepworth (Katherine Waterston) taucht eines Tages bei Doc auf, und erzählt ihm von ihrem derzeitigen Freund, dem Millionär Mickey Wolfmann (Eric Roberts). Der jedenfalls ist jetzt verschwunden und Chasta vermutet, dass Wolfmanns Ehefrau und ihr Liebhaber etwas mit Wolfmanns Verschwinden zu tun haben. Doc ermittelt und unglücklicherweise bekommt er eine übergebraten und wacht neben der Leiche von Wolfmanns Leibwächter auf. Das ist alles sehr unerfreulich, vor allen Dingen weil er sich jetzt wieder mit dem Polizisten und seinem alten Widersacher Lt. Christian „Bigfoot“ Bjornson (Josh Brolin) rumschlagen muss.

A- (Wertung von A bis F) „Inherent Vice“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon.

Paul Thomas Anderson dreht Filme ganz nach meinem Geschmack. „Boogie Nights“, „Magnolia“, There Will Be Blood waren Filme, die in meiner Top Ten-Liste des jeweiligen Jahres gelandet sind und bei The Master frage ich mich heute, warum er nicht in meiner Bestenliste von 2012 platziert ist. „Inherent Vice“ ist PTAs erste richtige Komödie und hat selbstverständlich den Weg in meine Top Ten-Liste von 2014 gefunden.

Die Handlung in Paul Thomas Andersons Filmen ist eigentlich nie sonderlich wichtig. Es sind mehr die Charaktere mit denen man sich auf eine Reise begibt. So auch hier. Es ist sicherlich sehr mühsam, die einzelnen Puzzleteile der Erzählung zusammenzusetzen und wenn man Pech hat, ist es auch nicht von Erfolg gekrönt. Der Handlung ist etwas wirr und komplex, es werden viele Drogen konsumiert und selbst die Beteiligten, insbesondere der dauerbekiffte Doc (einmal mehr ein ganz natürliches Spiel von Joaquin Phoenix) können nicht immer unterscheiden, ob das und jenes jetzt tatsächlich passiert ist oder ob es der Fantasie entspringt. „Inherent Vice“ macht viel Spass, wenn man Doc einfach bei seinem Abenteuer begleitet. Einige Charaktere denen Doc begegnet stellen für ihn eine Herausforderung dar (so bekifft wie er ist, versteht er nicht immer alle Fragen oder Antworten), für den Kinozuschauer sind die Begegnungen in den meisten Fällen ein weiterer Gewinn. Es gibt einige bekannte Schauspieler, die hier kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Am Besten hat mir überraschenderweise Eric Roberts gefallen, aber auch Martin Short und Benicio del Toro sind großartig. Paul Thomas Anderson hat hier sogar das erste Mal seiner langjährigen Lebensgefährtin (Maya Rudolph) und Mutter seiner vier Kinder eine kleine Rolle gegeben.

Restlos alle Szenen – und ich meine wirklich jede einzelne Szene – mit Doc (gespielt von Joaquin Phoenix) und seinem Schokobananen-liebenden und Hippies-hassenden Widersacher Bigfoot (gespielt von Josh Brolin) sind der Knaller und so witzig, dass ich früher oder später oder manchmal gar die komplette Szene durch schallend lachen musste. Eigentlich hätten die beiden Figuren einen eigenen Film verdient.

Ich liebe Joaquin Phoenix. Es überrascht natürlich nicht sonderlich, wie grandios er auch in diesem Film ist. Er ist ein bekannter method actor und bereits bei I´m Still Here hatte ich mich gefragt, ob er eigentlich die gesamten Dreharbeiten zugedröhnt war. Die Frage kommt zu „Inherent Vice“ zwangsläufig wieder auf, aber er ist auch ein Ausnahmetalent und so ist es auch vorstellbar, dass er alles nur spielt. Fakt ist, dass er von seiner Filmfigur Doc untrennbar ist und alleine seine Gesichtsausdrücke den Kinobesuch wert sind.

Ich habe schon sämtliche Filme (Michael Clayton, Taking Woodstock, Robot & Frank, „Glass Chin“, Being Flynn, Night Moves) gesehen, in denen Katherine Waterston mitspielt, in „Inherent Vice“ ist sie mir das erste Mal aufgefallen. Sie ist die Tochter von „Law & Order“/“The Newsroom“ Schauspieler Sam Waterston und jetzt werde ich sie in jedem Fall wiedererkennen.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass „Inherent Vice“ schon bald das Etikett des Kiffer-Kultfilms anhaften wird.

Der Gitarrist von Radiohead (Jonny Greenwood) hat, wie zuvor schon bei PTAs Filmen „There Will Be Blood“ und „The Master“, den Score komponiert. Mein Lieblingssong auf dem Soundtrack ist „Vitamin C“ von Can (der Song, der zum Anfang gespielt wird)

„Inherent Vice“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2014 gezeigt.

In den U.S.A. ist der Film am 12.12.14 mit genau 5 Kopien landesweit gestartet. Seit dem 9.1.15 läuft er in 645 (und mehr) amerikanischen Kinos.

„Inherent Vice“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch. Am 15.01.15 wurde der Film mit zwei Academy Award-Nominierungen (Bestes adaptiertes Drehbuch und Bestes Kostümdesign) bedacht. In meine Augen hätte er mindestens auch in der Kategorie Bestes Make-up und beste Frisuren nominiert werden müssen.

A- (Wertung von A bis F) Mittlerweile habe ich „Inherent Vice“ ein zweites Mal im Kino gesehen. Das ist definitiv ein Film, den ich mir zig Mal angucken kann. Ich liebe den Film für seine Locations, seine Ausstattung, seine Szenen, seine Szenenbilder, seine Musik, seine Dialoge, für Doc und Bigfoot, für Doc alleine, für Docs Gesichtsausdrücke… Ganz sicher ist der Film jedoch nicht für jeden geeignet. Das erste Mal habe ich „Inherent Vice“ in einem Programmkino gesehen, da waren die Zuschauer von dem Film ähnlich angetan wie ich. Bei meinem zweiten Kinobesuch war ich in einem Kinocenter und habe beobachtet, dass einige Zuschauer die Vorstellung während des Films verlassen haben.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

sicherlich einige. Bei dem Film „A Most Violent Year“, den ich mir direkt davor angeschaut habe, gab es aber leider Tonprobleme und der Film musste neu gestartet werden, dadurch kam ich zu spät, um die Trailer zu sehen. Bei meiner zweiten Sichtung im Kino wurden folgende Trailer gezeigt:

Trailer v. Film: „Still Alice“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Alzheimer-Drama, das Julianne Moore den Oscar bescheren wird
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Danny Collins“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Tragikomödie mit Al Pacino (der immer schlechtere Perücken zu tragen scheint), Annette Bening, Christopher Plummer und Bobby Cannavale
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Terminator Genisys“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: noch einer? Was die Welt so alles nicht braucht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Focus“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Neuer Film mit Will Smith und „The Wolf of Wall Street“s Margot Robbie.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Run All Night“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Bei einem Liam Neeson-, Ed Harris-Actioner bin ich grundsätzlich an Bord
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Unfinished Business“
Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer)
Kommentar: Komödie mit Vince Vaughn, Tom Wilkinson und Dave Franco. Der Film spielt in Berlin, schon alleine deshalb muss ich ihn gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2014

Heute Nacht werden die Golden Globes verliehen, Zeit meine Top Ten Liste für Filme aus dem Jahr 2014 zu veröffentlichen.

In meiner persönlichen Filmliste tauchen genau 100 Filme auf, die ich bewertet habe. 84 Filme habe ich davon im Kino gesehen (einige davon sogar mehrmals im Kino) und 16 Filme habe ich auf VOD oder DVD gesehen/ bzw. nachgeholt. Ich war im Jahr 2014 auf drei Filmfestival (Berlinale, Tribeca Film Festival und zum ersten Mal auf dem New York Film Festival).

Ich finde es ist recht schwer, eine Bestenliste zu erstellen. Es ist nicht nur schwierig, zehn meiner Lieblingsfilme auszuwählen, die Liste soll auch mein jeweiliges Filmjahr stimmig repräsentieren. Da ich die Filme, die ich mir anschaue, sehr bewusst wähle, sehe ich wenig schlechte Filme, sehr viele gute Filme und einige hervorragende Filme. Da ich die Möglichkeit habe, mir Filme in den U.S.A. anzuschauen, versuche ich am Jahresende noch möglichst alle sogenannten Oscar-Filme zu gucken, bevor ich meine Liste erstelle. So ist meine Bestenliste gerade zum Ende des Jahres im permanenten Wandel. Seit letztem Donnerstag stehen aber alle Kandidaten fest.

Kleine Anmerkung zu meiner Top Ten Liste für das Jahr 2014. Ich habe zwei Filme auf Platz 1 gesetzt, weil ich mich nicht entscheiden konnte, welcher der beiden mein absoluter Lieblingsfilm ist. Auf Platz 1 sind Whiplash und Foxcatcher. Bei beiden Filmen habe ich etwas besonderes gespürt und das ist das was für mich einen besonderen Film ausmacht. Die Plätze 3 bis 9 stehen eigentlich nicht wirklich in Reihenfolge. Warum habe ich sie nominiert? Birdman – ich liebe das Theater und ich liebe das Schauspiel, beides ist von Alejandro González Iñárritu in einen für mich überragenden Film verschmolzen. Inherent Vice  – der Film, der es als letzter auf meine Liste geschafft hat. Bereits vom Trailer her wusste ich, dass er mir gefällt. Paul Thomas Andersons erste Komödie ist so wirr, so verrückt, so witzig und die Szenen mit Doc und Bigfoot könnte ich mir in einer Dauerschleife angucken, „Inherent Vice“ hat es verdient, in meiner Liste zu stehen. The Skeleton Twins  – eine Tragikomödie mit einem so bezaubernden Bill Hader. Ich habe keine Geschwister, der Film hat mich neidisch gemacht, nicht so einen Bruder zu haben. Starred Up – ein sehr intensives und spannendes Gefängnisdrama, dass ich auf dem Tribeca Film Festival gesehen habe. Blue Ruin – ein origineller und hochspannender Indie – The Drop – Tom Hardy in Bestform in einem guten Krimi – was brauche ich mehr. Und dann kommen wir zu Boyhood – der Oscar-Gewinner-Film 2015, naja so sieht es zumindest seit einigen Wochen aus. „Boyhood“ hat es so ziemlich auf alle Bestenlisten geschafft. Wie man sieht auch auf meine. Ich habe mir tatsächlich überlegt, ob es nicht zu blöd ist, einen Film zu nominieren, den praktisch ALLE toll finden. Nein ist es nicht. Ich habs nicht so mit Kindern und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mit einer gewissen Leere und verheult aus dem Berliner Kino kam, weil „mein“ Kind jetzt aus dem Haus ist und zum College geht. Wenn ein Film das schafft, dann muss er auf meine Liste. Und damit komme ich zu meinem Platz 10 – und da habe ich etwas geschummelt. Für mich ist es aber zweifelsohne einer der besten Filme, die ich im Jahr 2014 gesehen habe, er hat Überlänge (ist knapp 10 Stunden lang) und ich habe ihn nicht im Kino gesehen, aber er repräsentiert mein Filmjahr 2014 mindestens so gut wie alle anderen 9 Filme: die die erste Staffel der TV-Serie „Fargo“.

Meine Lieblingsfilme im Jahr 2014:

1. Whiplash und Foxcatcher
3. Birdman
4. Inherent Vice
5. The Skeleton Twins
6. Starred Up
7. Blue Ruin
8. The Drop
9. „Boyhood“
10. die erste Staffel der TV-Serie „Fargo“

Eine lobende Erwähnung bekommen (in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe): The Lego Movie, The Grand Budapest Hotel, In Fear, The Two Faces of January, The Double, Under the Skin, Lucky Them, Match, Bad Hair, Loitering with Intent, Locke, Cold in July, The Rover, Dawn of the Planet of the Apes, Begin Again, Calvary, Gone Girl, The Disappearence of Eleanor Rigby: Them, Pride, The Boxtrolls, Citizenfour, The Imitation Game, Wild Tales, Wild, The Babadook, Ida, Force Majeure, Only Lovers Left Alive, The Trip to Italy, A Most Violent Year, Selma

Die für mich besten Performancen im Jahr 2014 (in keiner besonderen Reihenfolge): Andy Serkis (Dawn of the Planet of the Apes), Jack O´Connell (Starred Up), Bill Hader (Skeleton Twins), Tom Hardy (The Drop), J. K. Simmons (Whiplash), Robert Duvall (The Judge), Edward Norton und Emma Stone (Birdman) Jake Gyllenhaal (Nightcrawler), Joaquin Phoenix (Inherent Vice), Elisabeth Moss (The One I Love, Listen Up Philip) und Essie Davis (The Babadook),

Meine Neuentdeckung des Jahres 2014: Boyd Holbrook (Skeleton Twins, A Walk Among the Tombstones, Gone Girl), Domhnall Gleeson (Calvary, Frank) Essie Davis (The Babadook)

Die schlechtesten Filme, die ich 2014 gesehen habe: A Million Ways to Die in the West,  The Giver, St. Vincent,  Serena

Diese Filme waren vielleicht nicht schlecht, aber halt gar nicht mein Fall: What If, Guardians of the Galaxy, Obvious Child, Listen Up Philip, Mr. Turner

Eine lobende Erwähnung bei den TV-Serien erfahren dieses Jahr, mit Ausnahme von der dritten Staffel von Homeland, alle Serien, die ich im Jahr 2014 gesehen habe: Orphan Black, 1. Staffel, True Detective, 1. Staffel, Broadchurch, 1. Staffel,  Rectify, The Honorable Woman und Transparent, 1. Staffel (die erste Staffel von Fargo hat es in meine Top Ten Filmliste geschafft)

Das waren die Filme, auf die ich mich im Jahr 2014 am meisten gefreut habe (kopiert aus meiner eigenen Liste aus meiner Top Ten-Liste aus dem Jahr 2013:

Foxcatcher, dir. Bennett Miller
A Most Wanted Man, dir. Anton Corbijn
The Grand Budapest Hotel, dir. Wes Anderson
The Skeleton Twins, dir. Craig Johnson
Macbeth, dir. Justin Kürzel ist in das Jahr 2015 verschoben
Frank, dir. Lenny Abrahamson
Maps to the Stars, dir. David Cronenberg
Birdman, dir. Alejandro González Inárritu
Inherent Vice, dir. Paul Thomas Anderson
Gone Girl, dir. David Fincher
Interstellar, dir. Christopher Nolan
Exodus, dir. Ridley Scott, ist in „Exodus: Gods and Kings“ umbenannt worden, habe ich mir erspart
Cyber, dir. Michael Mann, ist mittlerweile in „Blackhat“ umbenannt worden und in das Jahr 2015 verschoben worden
Selfless, dir. Tarsem Singh ist ins Jahr 2015 verschoben
Jupiter Ascending, dir. Andy Wachowski, Lana Wachowski ist in das Jahr 2015 verschoben worden
The Imitation Game, dir. Morten Tyldum
Big Eyes, dir. Tim Burton
How to Catch a Monster, Regiedebüt von Ryan Gosling, wurde mittlerweile umbenannt in „Lost River“, kommt im Jahr 2015 direkt auf VOD
Transcendence, Regiedebüt von Wally Pfister, habe ich mir erspart
The Boxtrolls, dir. Anthony Stacci, Graham Annable
Midnight Special, dir. Jeff Nichols ist in post-production und in das Jahr 2015 verschoben worden
Knight of Cups, dir. Terrence Malick wurde in das Jahr 2015 verschoben
Carol, dir. Todd Haynes ist in post-production und in das Jahr 2015 verschoben
Unbroken, dir. Angelina Jolie
The Giver, dir Phillip Noyce

von dieser Liste haben es vier Filme (Foxcatcher, The Skeleton Twins, Birdman und Inherent Vice) in meine Top Ten geschafft

Die Filme, die mich bisher im Jahr 2015 am meisten interessieren:

verschobene Filme, aus meiner 2014er-Liste übernommen:

Macbeth, dir. Justin Kurzel
Carol, dir. Todd Haynes
Midnight Special, dir Jeff Nichols
Knight of Cups, dir. Terrence Malick

und weiter:
The Revenant, dir. Alejandro Gonzáles Inarritu
Silence, dir. Martin Scorsese
Our Brand is Crisis, dir. David Gordon Green
Everest, dir. Baltasar Kormákur
Demolition, dir. Jean-Marc Vallee
Hail Caesar, dir. Joel and Ethan Coen
The Last Face, dir. Sean Penn
By The Sea, dir. Angelina Jolie
Money Monster, dir. Jodie Foster
The Martian, dir. Ridley Scott
Truth, dir. James Vanderbilt
Crimson Peak, dir. Guillerma del Toro
The Early Years, dir. Paulo Sorrentino
Flashmob, dir. Michael Haneke
Sea of Trees, dir. Gus van Sant

Chicago – Film: "Foxcatcher"

Ich war am 27.11.14 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Foxcatcher“ (dt. Kinostart: 05.02.15) 134 min drama, biopic
dir. Bennett Miller cast: Steve Carell, Channing Tatum, Mark Ruffalo, Vanessa Redgrave, Sienna Miller, Guy Boyd, Anthony Michael Hall

Im Jahr 1987. Mark Schultz (Channing Tatum) ist Ringer und 27 Jahre alt. Vor drei Jahren hat er und sein Bruder Dave (Mark Ruffalo) als Ringer olympisches Gold gewonnen. Während Dave mittlerweile als Trainer arbeitet und mit Nancy (Sienna Miller) verheiratet ist und zwei Kinder hat, hat Mark seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Eines Tages wird er von dem Multimillionär John du Pont (Steve Carell) eingeladen. Er macht ihm das Angebot, mit einem Ringerteam auf seinem Anwesen Foxcatcher für die nächsten olympischen Spiele in Seoul zu trainieren. Vielleicht ist das für Mark die Möglichkeit, aus dem Schatten seines älteren Bruders zu treten.

A (Wertung von A bis F) „Foxcatcher“ basiert auf einer wahren Geschichte.

Nach „Capote“ und Moneyball ist „Foxcatcher“ erst der dritte Spielfilm von Bennett Miller. Auch dieser Film handelt über eine, bzw. in diesem Fall über zwei außergewöhnliche amerikanische Persönlichkeiten.

„Foxcatcher“ ist ein sehr düsterer und grandioser Film. Es gibt wenig Filme, die mich so fesselten wie dieser. Den ganzen Film über war ich fürchterlich angespannt. Bennett Miller hat hier eine Atmosphäre geschaffen, dass ich die ganze Zeit dachte, gleich passiert etwas ganz Schlimmes. Letztendlich steuert die Geschichte auch auf einen Mord hin, aber es sind mehr die Charaktere und das psychische Drama, die meine Angespanntheit auslösten. Der Film liefert auch keine Erklärung für den Mord. So einfach macht es einen der Film nicht. „Foxcatcher“ ist ein sehr komplexer Film, so komplex wie seine Charaktere. Es ist kein Film über eine Kriminalgeschichte, es ist eher ein ruhig erzähltes, intensives und hochspannendes Beziehungsdrama und eine Charakterstudie. Eine Charakterstudie, bei der man am Ende des Films, aber auch nicht wirklich mehr über das Innerste der Charaktere weiß als vorher. Ganz seltsam und sehr schwer zu beschreiben und ich kann auch nachvollziehen wenn einem in dem Film zu wenig los ist oder man mit „Foxcatcher“ nicht so viel anfangen kann. Der Film ist definitiv kein Film für ein Mainstream-Publikum.

Als Zuschauer ist man auf die beiden Hauptcharaktere (gespielt von Steve Carell und Channing Tatum) angewiesen. Mich haben die Beiden von Anfang an in den Bann gezogen. Zwei introvertierte, unsichere und unglückliche Männer, die noch nicht wirklich einen Platz im Leben gefunden haben. Die Herkunft der beiden Männer könnte nicht unterschiedlicher sein. Der eine kommt aus einer Familie alten Geldadels und der andere kann sich gerade so finanziell über Wasser halten. Vermutlich verbindet beide eine unglückliche Kindheit. Großartig hier übrigens Vanessa Redgrave als John du Ponts Mutter. Die wenigen Szenen mit ihr sagen so viel über ihre Beziehung aus.

John du Pont stammt aus einer der reichsten Familien der U.S.A. Selten war Reichtum in einem Film so sicht- und greifbar und wirkte zugleich so bedrohlich wie in „Foxcatcher“. John ist es gewohnt, zu kontrollieren, zu dominieren und seine Macht auszuspielen. Wer nicht nach seinen Regeln spielt, muss die Konsequenzen tragen. Der Film zeigt vieles unterschwellig, er ist viel zu smart, um Entscheidendes direkt zu zeigen oder auszusprechen. Über Gefühle wird nie gesprochen, dennoch ist vieles an Reaktionen oder Situationen ablesbar.

Steve Carell (Dan in Real Life, Dinner for Schmucks, Seeking a Friend for the End of the World, The Way, Way Back) ist hier kaum wiederzukennen. Nicht nur seine künstliche Nase und das ganze Make-up, sein Körperbau, seine Körperhaltung und seine seltsame Stimme und monotone Sprache – wenn man nicht weiß, dass der bislang mehr auf komödiantische Rollen festgelegte Schauspieler hier mitspielt, wird man ihn nicht wirklich erkennen. Als ich mir „Foxcatcher“ angeschaut habe, wusste ich nicht, wie der echte John du Pont aussah. Nach eigenen Angaben hat Steve Carell John du Pont studiert. Mittlerweile habe ich auch Videomaterial gesehen und muss sagen, dass er ihn ganz gut getroffen hat. Steve Carell spielt hier einen unangenehmen, nicht durchschaubaren Menschen. Es gibt kleine Momente im Film, in denen man ahnt, was in ihm vorgeht, die gibt es genauso bei Mark Schultz. Ich bin kein Freund von Channing Tatum (21 Jump Street, Magic Mike, 22 Jump Street), in meinen Augen ist er sehr begrenzt, in dem was er glaubhaft spielen kann. Hier ist er perfekt. Mark Schultz ist ein Muskelpaket, nicht ganz helle – eine verlorene Seele, dem man anmerkt, wie es in ihm brodelt. Er ist nicht fähig, sich auszudrücken, man kann sich aber einiges denken, das meiste bleibt aber sein Geheimnis. Gerne hätte ich in der einen oder anderen Szene gewusst, was in John du Ponts oder Marks Schultz´Köpfen vorgeht. Vielleicht machte es den Film noch besser, dass ich es nicht genau wusste.

Wie Bennett Miller bestimmte Szenen inszeniert, ist besonders. In wichtigen (Dialog-) Szenen verzichtet er ganz auf unterlegte Musik und das sorgt für eine beklemmend intime Kammerspiel-Atmosphäre. Das Reduzierte macht die Szenen nur noch intensiver. Überhaupt fand ich die Musikauswahl sehr gelungen. Mit David Bowies Song „Fame“ wusste ich, dass „Foxcatcher“ in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014 landet. Lange nachdem ich das Kino verlassen habe, hat mich der Film noch beschäftigt.

Ich empfehle dringend, diesen Film in der Originalfassung zu sehen, weil ich der Meinung bin, dass Sprache hier einen wichtigen Teil zur Atmosphäre beiträgt.

„Foxcatcher“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Steve Carell, Channing Tatum), Bester Nebendarsteller (Mark Ruffalo), Beste Nebendarstellerin (Vanessa Redgrave) Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik

„Foxcatcher“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2014 gezeigt und Bennett Miller wurde dort als Bester Regisseur ausgezeichnet.

„Foxcatcher“ ist am 14.11.14 in 6 Kinos in den U.S.A. gestartet, eine Woche später war der Film dann national in 24 Kinos zu sehen und dann wurde der Film wöchentlich immer mehr Zuschauern zugänglich gemacht. Eine Strategie, die ich bereits bei „Birdman“ als gelungen empfand.

Trailer zu sehen:

Trailer zu sehen:

Trailer v. Film: „A Most Violent Year“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: J.C. Chandors neuer Film. Oscar-Film mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „McFarland USA“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: wieder so ein Sportsfilm mit Kevin Costner
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „American Sniper“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Clint Eastwoods neuer Film, Biopic/Action mit Bradley Cooper. Trailer ist großartig. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Blackhat“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Michael Manns neuer Film mit Chris Hemsworth und Viola Davis. Bei Michael Mann bin ich grundsätzlich dabei
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Chappie“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Neil Blomkamps neuer Film sieht aus wie ein Sci-Fi-Film für Teenager. Erschwerend dazu kommt, dass Dev Patel und Hugh Jackman mitspielen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Wild“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Reese Witherspoon. Film sieht so aus wie Sean Penns „Into the Wild“ nur leider mit Reese in der Hauptrolle. Oscar-Film, mal gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Mr. Turner“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Mike Leighs neuer Film über den Maler William Turner. Biopic und Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

D. C. – Film: "Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)"

Ich war am 25.10.14 in Washington und am 29.11.14 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“ (dt. Titel: „Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, dt. Kinostart: 29.01.15) 119 min drama, comedy
dir. Alejandro González Inárritu cast: Michael Keaton, Edward Norton, Zach Galifianakis, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Amy Ryan, Andrea Riseborough

Riggan Thomson (Michael Keaton) ist ein in die Jahre gekommener Schauspieler. In den 1980er und 1990er Jahren war eine ganz große Nummer in Hollywood. Durch seine Rolle als Superheld Birdman wurde er zum Superstar. Nachdem er es ablehnte, einen weiteren Teil der Birdman-Reihe zu drehen, ging seine Karriere den Bach runter. Jetzt strebt er mit einem Theaterstück am Broadway ein Comeback an. Riggan hat mit vielen Problemen zu kämpfen, da sind seine Selbstzweifel und Ängste, seine Tochter Sam (Emma Stone), seine Freundin Laura (Andrea Riseborough), eine der Schauspielerinnen (Naomi Watts), seine Ex-Frau (Amy Ryan), die gefürchtete Theaterkritikerin (Lindsay Duncan) und schließlich sein brillanter, aber auch arroganter Co-Star (Edward Norton)..

A- (Wertung von A bis F) „Birdman“ ist ein Arthouse-Film. Der Film ist eine Kritik an der Filmindustrie, der Obsession Hollywoods für Superhelden-Filme, dem Status von Berühmtheiten, egozentrischen Schauspielern, der Liebe und dem Hass mit dem sich Hollywoodstars auseinandersetzen müssen, den Einfluss von Kritikern (insbesondere der Macht der Theaterkritiker) und den Stellenwert von sozialen Medien – es ist aber auch ein Film über Eitelkeiten und Selbstzweifel und Ängste verschiedener Art – „Birdman“ ist ein viel tiefgründigerer Film, als es vielleicht zunächst anmutet. Die Fäden laufen über die Theaterproduktion eines midlifekriselnden Filmstars zusammen. Der 51-jährige Regisseur hat angegeben, dass die Thematik des Films auch autobiografisch ist.

Ich wusste eigentlich schon mit dem ersten Trailer, dass ich diesen Film lieben werde. Die ersten Töne, der Sound und die ersten Bilder des Films machten mir klar, dass mich „Birdman“ nicht enttäuschen wird. Der Film ist etwas für Theater-Liebhaber, vielleicht muss man tatsächlich auch das Theater lieben, um diesen Film richtig wertzuschätzen. Vielleicht aber auch nicht, weil „Birdman“ in jedem Fall eine Bereicherung für die Kinowelt ist.

Nach „Amores Perros“, „21 Grams“, „Babel“ und Biutiful) ist dies erst der fünfte Spielfilm des mexikanischen Filmemachers. Ich mag alle seine Filme. Im Gegensatz zu den Dramen, die er bislang inszenierte, ist „Birdman“ ein sehr humorvolles Drama. Es ist die erste Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt „Chivo“), der erst dieses Jahr für seine Kameraarbeit in Gravity mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Die beiden mexikanischen Künstler arbeiten aber bereits an ihrem zweiten Werk („The Revenant“), dieses Mal ein Western mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy.

„Birdman“ wirkt als ob er an einem Stück, in einem Take gedreht wurde. Die Kamera stoppt praktisch nie, sie verfolgt meist Riggan Thomson (aber auch manchmal andere Charaktere), hält dann die Kamera auf z.B. eine Unterhaltung, ist in Bewegung und begleitet dann Riggan Thomson (oder halt einen anderen Charakter) weiter. So hat man das Gefühl, dabei zu sein oder im Theater zu sitzen und trotzdem mitzubekommen, was hinter den Kulissen passiert. Damit der Film auf technischer Ebene so aussieht, als wäre er ohne Unterbrechung gefilmt, war eine exakte Choreografie der einzelnen Szenen notwendig. Bevor die Dreharbeiten losgingen, musste viel geprobt werden. Als dann tatsächlich die Filmarbeiten begannen, mussten die Schauspieler nicht nur ihren Text beherrschen und auf ihren Einsatz vorbereitet sein, sondern sie mussten auch genau so stehen, laufen und sich bewegen wie ihnen exakt vorgegeben wurde. Jede Bewegung war präzise durchgeplant. Sie durften nicht zu schnell sprechen, aber auch nicht zu langsam. „Birdman“ ist ein Film, bei dem nichts dem Zufall überlassen werden konnte. Wenn ein Schauspieler ein Texthänger hatte oder falsch gestanden hat, nicht – wie vorgegeben – gelaufen ist oder in die falsche Richtung geguckt hat, hatte das gleich erhebliche Konsequenzen. Durch die sehr langen Takes mussten nicht nur die Szene des Schauspielers, der gerade seine Szene vergeigt hat, wiederholt werden, sondern auch vorangegangene Szenen anderer Schauspieler, die mitunter sehr dialoglastig waren.

In einem Fernsehinterview hat Emma Stone davon erzählt, dass sie einige Szenen in den Sand gesetzt hat. Für sie war es besonders schrecklich, wenn eine Szene bereits 10 Minuten und länger angedauert hat, ihr Einsatz dann kam und sie sich dann versprochen hat oder irgendetwas anderes falsch gemacht hat. So hat sie beispielsweise die eine oder andere perfekte und lange Dialogszene von Michael Keaton und Edward Norton ruiniert und alles musste neu gedreht werden.

Man sollte sich „Birdman“ aber nicht anschauen und nach Filmschnitten suchen. Alejandro González Inárritu hat sich etwas bei dieser außergewöhnlichen Inszenierung gedacht und er hält sich auch sehr bedeckt, was die tatsächliche Anzahl der Schnitte angeht. Fakt ist, dass es ein paar Filmschnitte gibt und sehr wahrscheinlich sogar ein paar mehr als der Laie erkennen kann.

Für Michael Keaton ist dies sicherlich die Rolle seines Lebens. Bei ihm, wie auch bei Edward Norton, war es nicht unerheblich, dass die Schauspieler und ihre Karriere ihrem Rollenprofil sehr ähneln. Was Edward Norton angeht wollte ich es kaum glauben, dass er im wahren Leben ein A… sein soll. Michael Keatons Karriere ist der seines Charakters sehr ähnlich. Es ist großartig zu beobachten, dass er irgendwann während des Films zu dieser Figur Riggan Thomson wird. Ich hätte nie gedacht, dass er ein so guter Schauspieler ist, in meinen Augen gibt er eine Oscar-Performance. Es gilt als sicher, dass er für diese Rolle für den Oscar nominiert wird. Ich sehe es auch gar nicht mehr als ausgeschlossen an, dass er tatsächlich auch den Oscar gewinnt. Michael Keaton wäre dann nach George Clooney und Christian Bale der dritte Batman-Darsteller, der einen Oscar gewinnt.

Ich bin Fan von Edward Norton, seitdem ich ihn in seinem Spielfilmdebüt „Primal Fear“ gesehen habe. Leider habe ich ihn in den letzten Jahren immer weniger gesehen oder wenn, dann nur in kleineren Rollen (Moonrise Kingdom, The Grand Budapest Hotel). „Primal Fear“, „Fight Club“ und „American History X“ waren, in meinen Augen, die besten Performances die er gegeben hat. (Für „Primal Fear“ und „American History X“ hat er eine Oscar-Nominierung erhalten.) In „Birdman“ ist er Mike Shiner und für mich ist das eine eindeutige Oscar-Performance. J.K. Simmons sieht mit seiner Rolle (für Whiplash) im Moment zwar schon als klarer Oscar-Gewinner aus, Edward Norton ist ihm aber dicht auf den Fersen. Wenn sich der Oscar-Gewinner in der Kategorie bester Nebendarsteller zwischen diesen beiden exzellenten Performances entscheiden wird, dann ist MEINE Welt in Ordnung.

Manche Szenen in „Birdman“ fand ich so umwerfend, dass mein Herz ganz schnell zu schlagen begann. In der ersten Szene, in der Michael Keatons Charakter vor Publikum spielt, habe ich realisiert, wie großartig er hier als Schauspieler ist, dann liebe ich die Szenen mit Edward Norton und Emma Stone auf dem Dach des Theaters, aber auch die Szene mit Michael Keaton und der Theaterkritikern (gespielt von Lindsay Duncan), um nur ein paar Szenen zu nennen.

Das gesamte Ensemble ist stimmig. Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan und Zach Galifianakis möchte ich neben Michael Keaton und Edward Norton noch hervorheben. Die Einzige, die zwar ihre Berechtigung im Film hat, die ich aber nicht mochte, war Andrea Riseborough. Für mich hat sie einfach richtig fiese Augen.

A- (Wertung von A bis F) Meine Bewertung nach der zweiten Sichtung bleibt dieselbe. Näheres folgt in Kürze.

„Birdman“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach zahlreiche Oscar-Nominierungen erhalten, z.B. für: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Michael Keaton), Bester Nebendarsteller (Edward Norton), Beste Nebendarstellerin (Emma Stone), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik Beste visuelle Effekte, Beste Nebendarstellerin (Naomi Watts), Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Ton, Bester Tonschnitt

„Birdman“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2014 gezeigt.

„Birdman“ ist am 17.10.14 in den U.S.A. mit ganzen vier Kopien gestartet, eine Woche später wurden auf 50 Kopien (verteilt im gesamten Land) aufgestockt. Der Film soll wöchentlich immer mehr Zuschauern zugänglich gemacht werden. Eine clevere Politik des amerikanischen Verleihers (Fox Searchlight Pictures). Meine Vorstellung war bis zum letzten Platz ausverkauft. In jedem Fall werde ich mir „Birdman“ noch einmal anschauen. Update: Bei der 87. Oscarverleihung am 22.02.15 wurde „Birdman“ mit vier Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch und Beste Kamera) ausgezeichnet.

„Birdman“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014.

Mein Lieblingstrailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Rosewater“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Jon Stewarts Film mit Gael Garcia Bernal in der Hauptrolle. Wahre Geschichte und Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Theory of Everything“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Stephen Hawking Biopic mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Diplomacy“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Volker Schlöndorffs neuer Film, in französischer Sprache
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Foxcatcher“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Biopic-Drama von Bennett Miller mit Steve Carrell, Mark Ruffalo und Channing Tatum. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Wild“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Reese Witherspoon. Film sieht so aus wie Sean Penns „Into the Wild“ nur leider mit Reese in der Hauptrolle. Oscar-Film, mal gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Big Eyes“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Neuester Tim Burton-Film mit Amy Adams und Christoph Waltz. Habe gehört, dass dies der schlimmste Burton-Film sein soll. Na da muss man erst mal gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60% RT

NYC – Film: "Whiplash"

Ich war am 28.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Whiplash“ (dt. Kinostart: 19.02.15) 106 min drama
dir. Damien Chazelle cast: Miles Teller, J.K. Simmons, Melissa Benoist, Paul Reiser

Andrew Neyman (Miles Teller) ist ein leidenschaftlicher Schlagzeuger. Er besucht in New York die beste Musikschule des Landes. Andrew ist sehr ehrgeizig und möchte einer der besten Drummer werden. Der berüchtigte Musiklehrer Terence Fletcher (J.K. Simmons) wird auf den jungen Schlagzeuger aufmerksam. Gern würde Andrew in seiner Schul-Jazzband aufgenommen werden, nur hat Andrew überhaupt das Talent, um den hohen Ansprüchen des Maestros gerecht werden?

A (Wertung von A bis F) Der 29-jährige Regisseur hat zunächst das Drehbuch zu dem Spielfilm geschrieben und um Geldgeber zu finden, hat er eine Szene des späteren Spielfilms als Kurzfilm inszeniert und diesen, ebenfalls unter dem Filmtitel „Whiplash“, auf dem Sundance Film Festival 2013 vorgestellt. Der Kurzfilm hat auf diesem Festival den Short Film Jury Award U.S. Fiction gewonnen. Damit waren die Finanziers für einen abendfüllenden Film schnell gefunden. Mit „Whiplash“ gibt Regisseur Damien Chazelle sein Spielfilmdebüt. Er erzählt eine Geschichte aus seinem eigenen Leben. Er selbst war vor einiger Zeit Absolvent einer renommierte Musikschule, war Schlagzeuger und einem J.K. Simmons Charakter in dem Film ähnelnden Mentor ausgesetzt.

Was für eine Achterbahn an Film. Wenn man die Inhaltsangaben zu dem Film liest, denkt man, ja okay habe ich schon einige Male gesehen. Fakt ist, dass man es so definitiv noch nie gesehen hat. Der Film ist so mitreißend und so nervenaufreibend.

Damit mich ein Film so fesselt wie „Whiplash“, bedarf es sehr wahrscheinlich zwei überzeugender Charaktere. Miles Teller (The Spectacular Now) gibt hier alles, Schweiß, Tränen und sogar Blut – er ist ganz in dieser Figur. Es ist eine überragende Performance und für mich eindeutig eine Oscar-Performance. Der Regisseur wollte ihn unbedingt für diese Rolle. Damien Chazelle hatte Miles Teller zuvor in seinem Spielfilmdebüt Rabbit Hole gesehen. Zu Beginn der Dreharbeiten hat Miles Teller bereits seit 10 Jahren Schlagzeug gespielt, was der Performance hier zweifelsfrei zugute kam. Dennoch hatte er, wie er im anschließenden Q & A sagte, die Hosen voll, weil alle Anderen im Film richtige, professionelle Musiker sind. Selbst J. K. Simmons hat einen musikalischen Background. Mich erinnert Miles Teller, und das habe ich bereits schon mal erwähnt, an den jungen John Cusack.

J.K. Simmons ist in Bestform (sowohl physisch als auch schauspielerisch). Wie er hier den charismatischen Musiklehrer/Dirigenten und zugleich cholerischen und sadistischen Perfektionisten gibt, verfolgt einen noch lange nach dem der Film vorbei ist. Man fühlt regelrecht mit den Musikern, die unter ihm leiden müssen. Die eine oder andere Szene war schon als Zuschauer unerträglich. Dennoch zieht er einen in den Bann. Man will von dem Besten lernen, angetrieben werden, um besser zu werden und das hat vielleicht einfach seinen Preis. Fletchers Methoden gleichen jedoch psychischen und physischen Missbrauch. J. K. Simmons (TV-Serien „The Closer“, „Law & Order“ und „Thank You for Smoking“, Juno, „Burn After Reading“, Up in the Air ) hat in meiner Erinnerung bislang nur gute, bzw. sympathische Charaktere gespielt und der Wandel in diesem Film wird zu seiner ersten Oscar-Nominierung führen. In meiner ersten ersten Oscar-Prognose für 2015 vom 22.09.14 habe ich J. K. Simmons – nach einigem Überlegen – an die zweite Stelle, direkt nach dem zweimaligen Oscar-Nominierten Edward Norton (für „Birdman“) gesetzt. Mittlerweile habe ich auch Robert Duvall in The Judge gesehen und der gibt für mich auch unbedingt eine Oscar-Performance. Ich glaube aber dennoch, dass es sich zwischen J. K. Simmons und Edward Norton entscheiden wird. Derzeit gilt J. K. Simmons gemeinhin sogar als Favorit auf den Oscar-Gewinn. In „Whiplash“ spielt J. K. Simmons (neben Miles Teller) in meinen Augen auch eine Hauptrolle. Alle anderen Charaktere im Film sind nebensächlich und werden auch so vom Drehbuch behandelt. Mich hat es nicht weiter gestört, weil beide Protagonisten so faszninierend waren.

Auf dem New York Film Festival gab es einen frenetischen Applaus zum Ende des Films und als der junge Filmemacher Damien Chazelle und die Schauspieler J.K. Simmons und Miles Teller zum anschließenden Q & A auf die Bühne gebeten wurden, gab es sogar Standing Ovations. Ich habe mir sagen lassen, dass dies bei einem nicht so leicht begeisterungsfähigen New Yorker Publikum eine Rarität ist. Ganz aktuell habe ich gelesen, dass „Whiplash“ kürzlich auf dem London Film Festival als einziger Film auch stehende Ovationen erhalten hat. Dies soll auch dort eine Seltenheit sein.

Es ist ganz simple, auch wenn ich noch nicht so viele Oscar-Filme im Jahr 2014 gesehen ist „Whiplash“ ist für mich jetzt schon definitiv einer der besten Filme dieses Jahres. „Whiplash“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014 und der Film für den derzeit mein Herz schlägt.

„Whiplash“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Miles Teller), Bester Nebendarsteller (J.K. Simmons), Bestes Originaldrehbuch, Bester Song. Ich drücke fest die Daumen, dass „Whiplash“ nach „Boyhood“ der zweite Indie-Film ist, der im nächsten Jahr für den Oscar als bester Film nominiert wird. Update: Bei der 87. Oscarverleihung am 22.02.15 wurde „Whiplash“ mit drei Oscars (Bester Nebendarsteller, Bester Schnitt und Bester Tonschnitt) ausgezeichnet.

Der Spielfilm „Whiplash“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt. Dort hat er den U.S. Grand Jury Prize: Dramatic gewonnen. Außerdem wurde er dort mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Der Film wurde am 10.10.14 in sechs amerikanischen Kinos gestartet. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2014 gesehen. Gerne hätte ich noch Bilder eingestellt, nur leider war der Akku meiner Kamera leer und aus unerfindlichen Gründen hat auch mein iPhone vorübergehend den Geist aufgegeben.

Trailer zu sehen:

NYC – Film: "The Drop"

Ich war am 24.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Drop“ (dt. Filmtitel: „The Drop – Bargeld“, dt. Kinostart: 04.12.14) 107 min drama, adaptation
dir. Michael R. Roskam cast: Tom Hardy, Noomi Rapace, James Gandolfini, Matthias Schoenaerts, Ann Dowd, Michael Aronov

Bob (Tom Hardy) und sein Cousin Marv (James Gandolfini) arbeiten in einer Bar in Brooklyn. Cousin Marv ist der Besitzer der Bar, früher hat sie ihm sogar gehört. Mittlerweile ist der tschetschenischen Gangster Chovka (Michael Aronov) der Eigentümer und die Bar dient der Geldwäsche. Auf dem Nachhauseweg entdeckt Bob eines Abends einen verletzten Welpen in einer Mülltonne. Dadurch lernt er Nadia (Noomi Rapace) kennen. Bob kümmert sich um den kleinen Hund, bekommt aber dann irgendwann Ärger mit dem Psychopathen Eric (Matthias Schoenaerts). Dann werden Bob und Marv auch noch eines Nachts in der Bar überfallen und ausgeraubt. Die tschetschenischen Mafia lässt nicht lange auf sich warten und fordert ihr Geld zurück.

A- (Wertung von A bis F) „The Drop“ basiert auf Dennis Lehanes Kurzgeschichte „Animal Rescue“. Es ist ein nicht wirklich vorhersehbarer Krimi mit einem sehr gelungenen Spannungsaufbau. „The Drop“ ist das englischsprachige Regiedebüt des belgischen Filmemachers Michael R. Roskam („Bullhead“)

Ich kann kaum beschreiben, wie exzellent Tom Hardy hier ist. Es gibt nicht viele Schauspieler, die eine solche Präsenz und Intensität haben und die verblüffenderweise immer wieder hinter ihrer jeweiligen Filmfigur verschwinden. Bei Tom Hardy habe ich das Gefühl, dass er für kurze Zeit zu einem anderen Menschen wird, diese Figur nach den Dreharbeiten zu Grabe trägt, um dann das nächste Mal ganz geschmeidig in einen komplett anderen Charakter zu schlüpfen. Wenn ich es selbst nicht immer wieder mit eigenen Augen sehen würde, ich könnte es wahrscheinlich nicht glauben. Bei diesem Film steigert sich die Spannung und ich hatte den Eindruck, dass sich sogar Tom Hardy noch steigert. Was nicht bedeutet, dass er nicht gleich zu Beginn großartig wäre. Einer der besten Schauspieler unserer Zeit ist hier der, auf den ersten Blick etwas ungelenk wirkende, aber fürsorglichen Hundebesitzer Bob, den man zu keinem Zeitpunkt unterschätzen sollte. Ich fand Bob hinreißend und faszinierend. Tom Hardy gibt für mich hier eine eindeutige Oscar-Performance.

James Gandolfinis ist traurigerweise im letzten Jahr verstorben. „The Drop“ ist der letzte Film, in dem er zu sehen ist. Der belgische Schauspieler Matthias Schoenaerts ist mir bereits in Rust and Bone aufgefallen. In „The Drop“ hatte ich den Eindruck, dass er in einigen Szenen sogar mit Tom Hardy auf Augenhöhe spielt.

„The Drop“ hat mir so gut gefallen, dass er in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014 landen könnte.

„The Drop“ war/ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Hauptdarsteller (Tom Hardy), Bester Nebendarsteller (James Gandolfini), Bestes adaptiertes Drehbuch

„The Drop“ wurde erstmalig in einer Sondervorführung auf dem Toronto International Film Festival 2014 gezeigt.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Two Faces of January“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Patricia Highsmiths Romanverfilmung mit Viggo Mortensen, Oscar Isaac und Kirsten Dunst
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits in D. gesehen

Trailer v. Film: „Keep on Keepin on“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Musik-Dokumentation, die im Gespräch für einen Oscar nominiert zu werden.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „All Is By My Side“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Jimi Hendrix Biopic mit André 3000 als Jimi Hendrix
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60%

Trailer v. Film: „White Bird in a Blizzard“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Romanverfilmung mit Shailene Woodley, Eva Green, Gabourey Sidibe. Da spielen leider hauptsächlich Leute mit, die ich nicht gerne sehe.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bei mind. 80% RT

Trailer v. Film: „Foxcatcher“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Biopic-Drama von Bennett Miller mit Steve Carrell, Mark Ruffalo und Channing Tatum. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: "The Skeleton Twins"

Ich war am 24.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Skeleton Twins“ 91 min drama, comedy
dir. Craig Johnson cast: Kristen Wiig, Bill Hader, Luke Wilson, Ty Burrell, Boyd Holbrook

Die Zwillinge Maggie (Kristen Wiig) und Milo (Bill Hader) haben seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr miteinander. Gerade als sich Maggie das Leben nehmen will, bekommt sie einen Anruf aus dem Krankenhaus, dass ihr Bruder versucht hätte, sich umzubringen. Maggie eilt ins Krankenhaus und irgendwie ist ihre Bindung sofort wieder da. Milo nimmt Maggies Angebot, vorübergehend zu ihm und ihrem Ehemann Lance (Luke Wilson) zu ziehen, an. Wenn das Leben der Geschwister nicht bloß so verfahren wäre ..

B+ (Wertung von A bis F) „The Skeleton Twins“ ist ein tragikomischer Beziehungsfilm.

Ich hatte das Gefühl, beide Charaktere zu kennen. Kristen Wiig und Bill Hader sind authentisch und reden so vertraut, als ob sie in meinem Bekanntenkreis wären. Bill Hader verleiht seiner Figur viel Wärme, Tragik und Humor und ist dabei so bezaubernd, dass ich ihn sofort ins Herz geschlossen habe. Bill Haders Performance ist für mich eine preiswürdige, wenn nicht sogar eine Oscar-Performance.

Meine Lieblingsszene ist die Performance zu dem wirklich grauenhaften Song „Nothing´s Gonna Stop Us Now“ von Starship (wofür hat man denn Shazam?). Gerade in dieser Szene zeigt sich das komödiantischen Talent der beiden ehemaligen Saturday Night Live-Kollegen.

Auch gut gefallen hat mir Ty Burrell (Modern Family). In „The Skeleton Twins“ ist er mal in einer ungewöhnlich ernsthaften Rolle zu sehen.

Das erste Mal ist mir hier Boyd Holbrook aufgefallen. Komischerweise habe ich den, auch erfolgreich als Männermodel arbeitenden amerikanischen Schauspieler dann die Tage gleich noch in zwei weiteren Filmen (A Walk Among the Tombstones  und Gone Girl) gesehen.

„The Skeleton Twins“ war/ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Bill Hader), Beste Hauptdarstellerin (Kristen Wieg), Bestes Originaldrehbuch

„The Skeleton Twins“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt. Dort hat er Preis für das beste Drehbuch in der Kategorie Drama gewonnen

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Lilting“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Drama mit Ben Wishaw
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Kill the Messenger“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Thriller mit Jeremy Renner, Ray Liotta, Mary Elizabeth Winstead, Oliver Platt
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Birdman (or the Unexpected Virtue of Ignorance)“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Mein erklärter Lieblingstrailer. Oscar-Film von Alejandro González Inárritu.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Imitation Game“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Biopic und Kriegsdrama mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley und Matthew Goode. Definitiv ein Oscar-Film. Eine Oscar-Nominierung für Benedict Cumberbatch gilt als sicher, langsam muss ich mich wohl mit ihm anfreunden.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Homesman“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Der neueste Film von und mit Tommy Lee Jones. Besetzt auch mit Hilary Swank und Meryl Streep
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

TV – Serie: "Fargo, 1. Staffel"

Ich habe mir die komplette Staffel folgender FX-Serie angeschaut:

„Fargo, 1. Staffel“ 10 x approx. 50 min drama, comedy, crime
dir. Adam Bernstein, Randall Einhorn, Colin Bucksey, Scott Winant, Matt Shakman cast: Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Allison Tolman, Colin Hanks, Bob Odenkirk, Oliver Platt, Adam Goldberg, Russell Harvard, Keith Carradine, Kate Walsh, Joey King, Kelly Holden Bashar

Bemidji, Minnesota im Jahr 2006. Der 40-jährige Versicherungsvertreter Lester (Martin Freeman) hat einen üblen Tag, seine Frau Pearl (Kelly Holden Bashar) ist am rumnörgeln, im Job läufts auch nicht so gut und dann trifft er auch noch seinen alten Schulkameraden – der Typ, der ihn in der Schule früher immer gehänselt und verprügelt hat. Der provoziert ihn wieder und haut ihm zur Krönung auch noch gegen eine Fensterscheibe. Mit einer gebrochenen Nase landet er schließlich im Krankenhaus. Dort lernt er auch noch diesen seltsamen Typen, Lorne Malvo (Billy Bob Thornton), kennen. Sie unterhalten sich und Lester erzählt ihm von dem Mann, der ihm die Nase gebrochen hat. Lorne Malvo fragt, ob er ihn für ihn umbringen soll. Ein unheimlicher Typ dieser Lorne Malvo. Am Ende des Tages gibt es ein paar Tote und nichts ist mehr so wie es war…

A (Wertung von A bis F) Die Miniserie „Fargo“ wurde von dem gleichnamigen Coen Bros. Film aus dem Jahr 1996 inspiriert.

Ähnlich wie bei „True Detective“ erzählt die erste Staffel von „Fargo“ eine komplett abgeschlossene Geschichte. Auch hier ist bereits die zweite Staffel bestätigt. Die zweite Staffel von „Fargo“ wird ebenfalls 10 Episoden enthalten. Es wird eine ganz andere Geschichte erzählt, eine die bereits in der ersten Staffel angedeutet wurde. Die Story wird im Jahr 1979 in Sioux Falls, South Dakota spielen. Die Handlung dreht sich um den 33-jährigen Lou Solverson, dem Vater von Deputy Molly aus der ersten Staffel. Lou Solverson wurde in der ersten Staffel von Keith Carradine verkörpert. Die zweite Staffel von „Fargo“ wird in den U.S.A. im Herbst 2015 auf FX ausgestrahlt.

Über die letzten Jahre habe ich viele sehenswerte und auch großartige Mehrteiler/Serien gesehen: „Damages“, „Entourage“, „Dexter“, „True Blood“, „Bored to Death“, „Californication“, „Boardwalk Empire“, „Mad Men“, „Nurse Jackie“, „Sons of Anarchy“, „Breaking Bad“, „Homeland“, „American Horror Story“, „The Newsroom“, „Bates Motel“, „House of Cards“, „Top of the Lake“, „Orphan Black“, „True Detective“ und „Broadchurch“. Die TV-Serie „Fargo“ ist das Beste was ich seit längerer Zeit gesehen habe.

Als ich das erste Mal davon gehört habe, dass einer meiner Lieblingsfilme der Coen-Brüder als TV-Serie in Produktion geht, dachte ich nur erbost, dass denen wohl gar nichts heilig ist. Die TV-Adaptionen von „Bates Motel“ und „Hannibal“ waren ja nun auch nicht gerade glorreiche Beispiele. Entsprechend habe ich mich erstmal nicht weiter um die TV-Serie „Fargo“ gekümmert. Es wurde aber auch sehr wenig über die Serie geredet oder geschrieben, vielleicht weil sie nicht bei den Prestige-Sendern HBO und SHOWTIME ausgestrahlt wurde, sondern auf dem Kabelsender FX. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es bereits im Jahr 1997 einen Anlauf gab, „Fargo“ als Serie zu produzieren. Die Pilotfolge wurde Jahre später, im Jahr 2003, ausgestrahlt, aber die Serie wurde gekippt. Das nächste Mal als ich mit der Serie „Fargo“ konfrontiert wurde, habe ich mir die Critics´ Choice Television Awards live im Fernsehen angeschaut und „Fargo“ wurde als beste Miniserie, Allison Tolman als beste Nebendarstellerin und Billy Bob Thornton als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. In dem Moment war mir klar, dass ich die Serie unbedingt sehen muss. Billy Bob hat ja auch in zwei Filmen der Coens („The Man Who Wasn´t There“ und „Intolerable Cruelty“) mitgespielt, bei „Bad Santa“ waren die Coens ausführende Produzenten. Der Serienschöpfer Noah Hawley und seine Regisseure haben sich für ihre TV-Serie „Fargo“ nicht allein von dem Film „Fargo“ inspirieren lassen, sondern, so liess Noah Hawley wissen, auch von „No Country for Old Men“ und „A Serious Man“.

Die Anthologie-Serie „Fargo“ hat Noah Hawley (TV-Serie „Bones“) kreiert. Ungewöhnlich für die amerikanische TV-Landschaft ist, dass er als Autor auch die Drehbücher aller 10 Folgen geschrieben hat. Noah Hawley behielt beim Schreiben sorgfältig die Grundidee des Films im Auge, hat einen sehr ähnlichen Humor wie die Coens und spricht dieselbe Sprache wie die einzigartigen Filmemacher. Die Serie hätte komplett von den Coen-Brüdern geschrieben und inszeniert sein können. Als großer Verehrer der Kunst von Joel und Ethan Coen hatte ich durch die TV-Serie das Gefühl, 10 Stunden in ihre bizarre Welt eintauchen zu dürfen. In einem Interview hat Noah Hawley gesagt, dass es ihm wichtig war, oftmals einfach Bilder sprechen zu lassen, Seine Drehbücher, so er weiter, beinhalten auch manchmal seitenlang keine Dialoge, sondern beschreiben einfach nur die Kameraarbeit und bestimmte Szenen. Den Coens muss das gefallen haben, jedenfalls sind sie auch Produzenten der Serie. Die TV-Serie „Fargo“ ist eine Art Hommage an den Film und an die Coen-Brüder.

Auch wenn die Serie eine eigenständige Geschichte mit eigenen Charakteren erzählt, gibt es auch einige Verbindungen zu dem Film „Fargo“. Die erzählte Geschichte spielt im Winter in der amerikanischen Provinz, in Minnesota, es gibt viel Schnee, viel Blut, einen Loser, einen Geldkoffer, eine Erpressungsgeschichte, eine Schwangere (in der Serie sind es sogar zwei) eine smarte Polizistin, eine Szene, die auf dem Parkplatz eines Hochhausdaches beginnt, ein schräges Gangster-Duo, skurrile Gestalten, viele Absurditäten, brillante Dialoge, lustige Namen für die Charaktere, viel Situationskomik, großartige Szenen, schöne Bilder, wundervolle Kameraführung und eine ordentliche Portion schwarzen Humor. In dem Film „Fargo“ wird die titelgebenden Stadt nur kurz erwähnt in der Serie spielt ein Part in der Stadt Fargo.

„Fargo“ – der Film: um noch mal die Gemeinsamkeiten von Film und Serien herauszufinden (und weil ich den Film so liebe), habe ich mir den, inzwischen achtzehn Jahre alten, Film erneut angeschaut. Offiziell ist „Fargo“ Joel Coens Film, das Drehbuch wurde von Beiden verfasst. Bekanntermassen haben auch die Brüder zusammen Regie geführt, nach den seinerzeit geltenden Regeln, musste man sich auf einen Regisseur einigen. „Fargo“ hat zwei Oscars gewonnen (einer ging an Frances McDormand als Beste Hauptdarstellerin und einer für das beste Originaldrehbuch). Die Serie „Fargo“ habe ich mir zwei Mal angeschaut. Zwischen der ersten und zweiten Sichtung der Serie habe ich mir den Film „Fargo“ angeschaut. Im Vergleich zur Serie war mir der Film viel zu kurz, da war so viel Potenzial, etwas tiefer zu gehen. Dennoch „Fargo“ ist für mich natürlich immer noch ein großartiger Film.

Der Film „Fargo“ erzählt eine Geschichte um einen etwas unbeholfenen und naiven Loser namens Jerry Lundegaard (gespielt von William H. Macy). Jerry ist in Finanznöten und lässt sich mit den falschen Leuten (das skurrile Gangster-Duo Steve Buscemi und Peter Stormare) ein. Er lässt seine Frau entführen, das Lösegeld soll vom wohlhabende Schwiegervater bezahlt werden. Der Plan ist, dass Jerry dann das Geld mit den beiden Kriminellen teilt. Es gibt ein paar Tote und die schwangere Polizistin Marge Gunderson (gespielt von Frances McDormand) ermittelt in dem Fall und die Ermittlungen führen sie irgendwann zu Jerry.

Der Film „Fargo“ beginnt mit den folgenden Worten:

THIS IS A TRUE STORY.

The events depicted in this film took place in Minnesota in 1987.

At the request of the survivors, the names have been changed.

Out of respect for the dead, the rest has been told exactly as it occured.

„Fargo“ – die Miniserie: zunächst einmal beginnt sie mit denselben Worten mit Ausnahme, dass die Ereignisse im Jahr 2006 stattfanden.

Sowohl im Film als auch in der Serie „Fargo“ wird selbstverständlich eine fiktive Geschichte erzählt.

Die TV-Serie „Fargo“ erzählt im Groben eine Geschichte um einen etwas unbeholfenen und naiven Loser names Lester Nygaard (gespielt von Martin Freeman). Morgens hat noch seine Frau rumgestänkert, später trifft er auch seinen alten Schulkamerad, der ihn damals schon tyrannisiert hat. Nachdem der ihm die Nase bricht, trifft Lester im Krankenhaus auf den mysteriösen Fremden Lorne Malve (gespielt von Billy Bob Thornton). Eine Zufallsbekanntschaft, die Lesters Leben verändert. Dann ist da noch der Polizist Gus Grimly (gespielt von Colin Hanks), der auch auf Lorne Malve trifft, ein Supermarktketten-Besitzer (gespielt von Oliver Platt), der erpresst wird und die Polizistin Molly Solverson (gespielt von Allison Tolman), die einen guten detektivischen Spürsinn besitzt.

Um es auf einen Nenner zu bringen: Wenn man den Film „Fargo“ mag/liebt, wird man die TV-Serie mögen/lieben.

Man könnte die TV-Serie „Fargo“ als ein wunderschön fotografiertes, brillant geschriebenes, spannungsgeladenes Überraschungspaket bezeichnen. Ich weiß nicht, ob man zu irgendeinem Zeitpunkt erahnen kann, welche Entwicklungen die Handlung und die Charaktere noch nehmen. Ich war immer wieder perplex, was der Serienmacher Noah Hawley sich jetzt schon wieder einfallen ließ. Erwähnen möchte ich noch, dass Jeff Russos Score unfassbar gelungen ist. Er ist bewusst dem des Films ähnlich, und doch so eigen. Man sollte in der Serie keinen tieferen Sinn oder gar eine Botschaft suchen, das sucht man auch in den Coen-Werken vergeblich.

Es gibt immer wieder Schauspieler die sich in meinen Augen rar machen, die ich selten sehe oder schon länger nicht gesehen habe und wenn die dann wieder in meinem Dunstkreis auftauchen, merke ich, wie ich sie vermisst habe. Billy Bob Thornton ist so einer, ich liebe ihn. Lorne Malvo ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Billy Bob Thornton hat hier einen eigenen Bösewicht kreiert und wat ne schräge, coole Type er hier wieder ist. Bei quasi jedem Auftritt von Lorne Malvo hat mein Herz schneller geschlagen. Billy Bob Thornton umgibt eine solche Intensität, wie man sie selten bei Schauspielern spürt. Manchmal, eigentlich ziemlich oft, musste ich einfach schallend lachen, wenn Billy Bob Thorntons Lorne Malvo auftritt. Die Dialoge sind aber auch zum Brüllen komisch.

Alle Schauspieler in der Serie „Fargo“ sind großartig, Billy Bob Thornton spielt hier aber in einer eigenen Klasse.

Allison Tolman bzw. Molly Solverson zählt zu dem Typ Frau, an den ich mich erst mal gewöhnen muss. Die Art von Frau gewinnt mich durch Authentizität, Humor, Charme und Beharrlichkeit. Irgendwann hat mich Molly Solverson gehabt und dann wollte ich sie nicht mehr missen, vielleicht auch weil sie das Gute in der Serie repräsentiert. Die durchaus talentierte Schauspielerin Allison Tolman kann ich mir derzeit noch in keiner anderen Rolle vorstellen, ich hoffe aber inständig, dass „Fargo“ für sie erst der Start einer großen Karriere ist.

Ein paar Anmerkungen zu einigen Episoden der ersten Staffel:

Episode 5 (The Six Ungraspables): Bei meiner zweiten Sichtung war bereits die fünfte Folge meine Lieblingsfolge

Episode 6 (Buridan´s Ass): Bei meiner ersten Sichtung war diese Folge vermutlich meine Lieblingsfolge. Gerade mit dem ganzen Schnee zum Schluss.

Episode 7 (Who Shaves the Barber?); Bei meiner ersten Sichtung setzte bei mir hier etwas Panik ein. Die Form von Panik, die ich als Kind hatte, wenn ich ein neues Lieblingsspielzeug bekommen habe (oder in abgeschwächter Form noch heutzutage wenn ich ein neues Apple-Gerät, eine neue Tasche oder sonstwas bekomme). In den ersten paar Tagen, früher vielleicht Wochen überkam/ überkommt mich die Angst, dass mein neues Spielzeug ein paar Kratzer abbekommt oder gar kaputt geht. Das hatte ich bei „Fargo“ mit der 7. Folge. Angst, dass meine potenziellen neuen Lieblingsserie zum Ende hin abflacht, eine Wendung nimmt, die mir nicht gefällt, sowas in der Art. Ich wollte mir diese Serie nicht kaputtmachen lassen, entsprechend unentspannt habe ich (während der ersten Sichtung) die letzten drei Folgen der erste Staffel geguckt. Das war natürlich auch ein Grund für mich, sie ein zweites Mal zu schauen und dann zu geniessen.

Episode 8 (The Heap): In dieser Folge kommt es zu einer Besonderheit, die ich nicht spoilern möchte.

Eigentlich Quatsch – jede Episode hat ihre Berechtigung und ich liebe jede einzelne Folge.

Drei Empfehlungen, die ich geben möchte:

1. Möglichst die TV-Serie „Fargo“ in einem Marathon gucken, vielleicht nicht alle 10 Folgen hintereinander (habe ich auch nicht gemacht), aber an zwei oder drei Tagen

2. Die TV-Serie dringend im Original sehen, alleine die Sprache von Billy Bob Thorntons Charakter ist vielleicht nur so zu erfassen. Wenn man nicht alles versteht, englische Untertitel helfen.

3. Definitiv die TV-Serie „Fargo“ ein zweites Mal sehen. Wie bereits „True Detective“ habe ich mir auch diese komplette erste Staffel ein zweites Mal angeschaut. Beim ersten Mal habe ich noch überlegt, ob ich die von mir äußerst selten gezückte „uneingeschränkte A“ Bewertung vergebe, war es mir mit der zweiten Sichtung spätestens mit Ende der zweiten Episode klar. Bei der zweiten Sichtung wusste ich, dass sie bis einschließlich der 10. Folge brillant ist, also konnte ich mich entspannt zurücklehnen und auf Kleinigkeiten (Bilder an der Wand, etc.) achten. Ich habe erst nach der ersten Sichtung gelesen, wie es mit der zweiten Staffel weitergeht. Beim zweiten Mal konnte ich dann auch auf die Hinweise, die die zweite Staffel betreffen, achten.

Die Charaktere im Einzelnen:

Lester Nygaard ist ein Versicherungsvertreter, seit 18 Jahren mit Pearl (Kelly Holden Bashar) verheiratet, hat einen Bruder Chazz (gespielt von Joshua Close) wirkt wie ein Versager, ist ziemlich naiv, etwas trottelig und einfach gestrickt, aber blöd ist er nicht. Ich mag, wie sich seine Figur entwickelt. Zu Beginn der Serie hat er mich etwas an Mr. Bean erinnert. Gespielt wird Lester von dem britischen Schauspieler Martin Freeman. Mir kam er zwar irgendwie bekannt vor, aber so richtig konnte ich ihn nicht zuordnen. Er hat in zahlreichen Kinofilmen („Love Actually“, „The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy“, „Hot Fuzz“, Peter Jacksons „The Hobbit“) und in einigen TV-Produktionen („The Office“, „Sherlock“) gespielt. Martin Freeman wurde für diese Rolle für einen Emmy Award als Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie nominiert.

Lorne Malvo ist ein Einzelgänger und kommt nicht aus der Stadt, aber viel mehr Worte möchte ich auch nicht über ihn verlieren. Man muss diese undurchsichtige Type einfach erleben, muss ihn sehen und ihm zuhören, wie geschickt er andere Menschen einlullt und manipuliert. Das führt zu Dialogen, bei denen man losbrüllen möchte oder einfach nur staunt. Wenn man sonst noch nicht überzeugt ist, diese Serie zu gucken, er gibt einen allen Grund dazu. Der Amerikaner Billy Bob Thornton ist nicht nur Schauspieler („U Turn“, „A Simple Plan“, „The Gift“, „Monster´s Ball“, „Bandits“, „The Man Who Wasn´t There“, „Bad Santa“), sondern auch Musiker, Regisseur und Drehbuchautor. Für „Sling Blade“ hat er einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch gewonnen. Er hat eine weitere Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller für „Sling Blade“. Für seine Rolle in „Fargo“ ist er für einen Emmy Award als Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie nominiert.

Deputy Molly Solverson ist eine 31-jährige Polizistin aus Bemidji, Minnesota hat sich festgebissen an der Idee, dass Lester schuldig ist. Sie ist alleinstehend, ihr Vater ist der Restaurantbesitzer von Bemidji (gespielt von Keith Carradine). Gespielt wird Molly Solverson von der Amerikanerin Allison Tolman. Die Schauspielerin ist bislang noch nicht groß in Erscheinung getreten. Sie hatte mal einen Gastauftritt in der TV-Serie „Prison Break“. Allison Tolman ist sie für einen Emmy Award als beste Nebendarstellerin in einer Miniserie nominiert.

Officer Gus Grimly ist ein etwas ängstlicher Polizist aus Bemidjis Nachbarkaff Duluth. Arbeitet nicht gerne als Polizist. Seit zehn Jahren Witwer und alleinerziehender Vater einer 12-jährigen Tochter. Gespielt wird Gus Grimly von Colin Hanks. Er ist der älteste Sohn des zweimaligen Oscar-Gewinners Tom Hanks und wird optisch seinem Vater immer ähnlicher. Er ist noch nicht so ein guter Schauspieler wie sein Vater, aber er macht sich langsam. Er hat in einigen TV-Serien („Roswell“, „Band of Brothers“, „Mad Men“) mitgewirkt. Mir ist er am meisten durch die 6. Staffel von „Dexter“ im Gedächtnis. Er hat aber auch in einigen Kinofilmen (The Great Buck HowardW.) mitgespielt. Colin Hanks wurde für diese Rolle für einen Emmy Award als bester Nebendarsteller in einer Minserie nominiert.

Lou Solverson ist der Vater von Polizistin Molly (gespielt von Allison Tolman). Witwer, führt das Diner Lou´s Coffee Shop in Bemidji. Seine Vergangenheit wird in der zweiten Staffel von „Fargo“ aufgearbeitet. Lou Solverson wird von dem amerikanischen Schauspieler Keith Carradine gespielt. Keith Carradine kommt aus einer Schauspieler-Familie. Sein verstorbener Vater John und sein verstorbener älterer Bruder David waren Schauspieler, sein jüngerer Bruder Robert arbeitet als Schauspieler und selbst Keith Carradines Tochter Martha Plimpton arbeitet als Schauspielerin. Keith Carradine hat im Jahr 1975 einen Oscar gewonnen, allerdings nicht als Schauspieler sondern für den von ihm geschriebenen Song „I´m Easy“ aus dem Film „Nashville“. Als Schauspieler hat er viel in TV-Serien und in einigen Kinofilmen mitgespielt. Zu sehen war er auch in der zweiten und vierten Staffel von Dexter.

Chazz Nygaard ist der Bruder von Lester (gespielt von Martin Freeman), verheiratet, hat einen Sohn, Waffennarr. Optisch könnte er der jüngere Bruder von Schauspieler Patrick Wilson sein. Gespielt wird Chazz von Joshua Close.

Stavros Milos ist der Besitzer der größten Supermarktkette in Minnesota. Stavros Milos hat einen Erpresserbrief erhalten und hat Lorne Malvo (gespielt von Billy Bob Thornton) angeheuert, den Fall aufzuklären. Gespielt wird von dem großartigen amerikanischen Schauspieler Oliver Platt. Oliver Platt habe ich bewusst das erste Mal in dem Film „Flatliners“ gesehen. Seit dieser Zeit taucht er immer wieder auf und ich freue mich jedes Mal, ihn zu sehen. Er hat in erfolgreichen TV-Serien wie „The West Wing“, „Bored to Death“ und „The Big C“ gespielt. In jüngerer Zeit war habe ich ihn auch in den Kinofilmen „Pieces of April“, Hope Springs, Frost/Nixon, Please Give und Chef gesehen.

Chief Bill Oswalt ist ein Polizist in Bemidji und Mollys Vorgesetzter. Er ist mit Lester zur Schule gegangen. Auch er ist sehr einfach gestrickt. Glaubt Molly nicht, dass sein alter Schulkamerad Lester irgendwas Böses getan haben kann. Bill Oswalt wird von dem amerikanischen Schauspieler Bob Odenkirk gespielt. Bob Odenkirk hat regelmässig in der Serie „Breaking Bad“ gespielt, ich habe ihn aber auch erst kürzlich in The Spectacular Now und Nebraska gesehen

Greta Grimly ist die 12-jährige Tochter von Gus Grimly (gespielt von Colin Hanks). Ich habe Joey King erst kürzlich in Wish I Was Here gesehen

Mr. Numbers – er und sein taubstummer Kollege Mr. Wrench (gespielt von Russell Havard) bilden ein ziemlich schräges Gangster-Duo. Er wird von dem amerikanischen Schauspieler Adam Goldberg gespielt. Ich habe ihn schon zahlreichen Nebenrollen einiger TV-Serien („Will & Grace“, „Entourage“) und Kinofilmen( „EDtv“, „How to Lose a Guy in 10 Days“) gesehen.

Mr. Wrench ist der Komplize von Mr. Numbers (gespielt von Adam Goldberg). Mr. Wrench ist riesig und taubstumm. Gespielt wird er von dem amerikanischen Schauspieler Russell Havard. Sein Spielfilmdebüt hat er in „There Will Be Blood“ gegeben. Er hat aber ansonsten noch nicht viel gedreht, war mal in einer Folge von „CSI: NY“ und „Fringe“ zu sehen.

Bill Budge ist ein afro-amerikanischer FBI-Agent. Gespielt wird Budge von dem amerikanischen Schauspieler und Komiker Keegan Michael Key. Er war in „MADtv“ zu sehen und hatte Auftritte in einigen TV-Serien. Ich finde ihn und seinen Partner Pepper göttlich.

Webb Pepper ist ein afro-amerikanischer FBI-Agent. Gespielt wird Pepper von dem amerikanischen Schauspieler und Komiker Jordan Harworth Peele. Er war in „MADtv“ zu sehen und hatte zahlreiche Auftritte in TV-Serien. Wie gesagt, ich liebe die Beiden.

Die TV-Serie „Fargo“ wurde vom 15.04.14 bis zum 17.06.14 auf dem amerikanischen Kabelsender FX ausgestrahlt.

Die TV-Serie „Fargo“ wurde insgesamt für sensationelle 18 Fernsehoscars (nur Game of Thrones konnte das mit 19 toppen) nominiert, u.a. für einen Emmy als beste Miniserie, bester Hauptdarsteller (Billy Bob Thornton, Martin Freeman), Bester Nebendarsteller (Colin Hanks), Beste Nebendarstellerin (Allison Tolman). „Fargo“ hat sehr gute Chancen, einige Kategorien für sich zu entscheiden, auch und gerade Beste Miniserie zu gewinnen. Das liegt hauptsächlich daran, dass die andere Anthologie-Serie „True Detective“ nicht in dieser Kategorie nominiert ist. HBO hat „True Detective“ als Beste Serie/Drama eingereicht, ob das ein smarter Schachzug von HBO war, ist fraglich, schließlich tritt „TD“ in dieser Kategorie gegen die letzte Staffel von „Breaking Bad“ an. Die Macher von „Fargo“ können sich bei HBO für diesen Schritt jedenfalls bedanken, die größte Konkurrenz ist aus dem Weg. Am kommenden Montag, dem 25.08.14, ist die große Emmy-Verleihung. Ich denke, dass „Fargo“ beste Miniserie, bester Hauptdarsteller (Billy Bob Thornton) und auch beste Nebendarstellerin (Allison Tolman) für sich entscheiden kann. Ich drücke ganz fest die Daumen.

Teaser zu sehen:

Jeff Russos Score aus der Serie „Fargo“ (Main Theme):

San Francisco – Film: „Dawn of the Planet of the Apes“

Ich war am 17.07.14 in San Francisco und am 25.07.14 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Dawn of the Planet of the Apes“ (dt. Titel: „Planet der Affen – Revolution“, dt. Kinostart: 07.08.14) 130 min sci-fi, fantasy, sequel
dir. Matt Reeves cast: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell, Toby Kebbell, Judy Greer, James Franco, Kodi Smit-McPhee

 

10 Jahre nach dem Ausbruch der tödlichen Seuche ist beinahe die komplette Menschheit zum Opfer gefallen. Ein paar hundert Überlebenden sind immun gegen das, im Labor entstandene Virus und haben sich in San Francisco gruppiert.

Seit zwei Jahren haben die Affen Caesar (Andy Serkis) und seine Untertanen keinen Menschen mehr gesehen. Dann kommt es in ihrem Waldgebiet zu einer Konfrontation mit einer kleinen Menschengruppe um Malcolm (Jason Clarke). Caesar will keinen Krieg gegen Menschen führen, Koba (Toby Kebbell), der sehr unter den Menschen leiden musste, sieht das etwas anders…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Dawn of the Planet of the Apes“ ist der Fortsetzungsfilm von Rise of the Planet of the Apes aus dem Jahr 2011. Beide Filme sind eine Neuauflage der Originalfilme „Planet of the Apes“. „Dawn“ schließt zehn Jahre nach den Ereignissen von „Rise“ an und führt die Geschichte weiter.

In „Rise of the Planet of the Apes“ hat man Caesar aufwachsen gesehen, ich mochte diesen Film (Bewertung: B-, aus meiner Erinnerung heraus, dachte ich, ihn besser bewertet zu haben), die Fortsetzung hat mir dann offensichtlich noch besser gefallen. So muss ein Blockbuster aussehen. Eine gute, spannende Handlung mit erstklassigen Spezialeffekten, einer überzeugenden Ausstattung und atemberaubenden Szenenbildern. Die 170 Millionen Produktionskosten sind gut und sichtbar investiert.

Der Regisseur von „Dawn of the Planet of the Apes“ ist Matt Reeves. Nach dem, in meinen Augen unsäglichen „Cloverfield“ und dem „Let Me In“-Remake ist dies beeindruckenderweise erst sein dritter Kinofilm.

In „Dawn of the Planet of the Apes“ geht es nun endlich und hauptsächlich um die Affen. Die Menschen spielen in diesem Film nur noch eine Nebenrolle, dafür werden die Affen den Menschen immer ähnlicher. Ein Film, der seinen Filmtitel auch verdient. Gleich nach der Einführung taucht man in die Welt ein, die sich die Affen aufgebaut haben. Sie leben in einem Waldgebiet in und um San Francisco, man sieht wie sie sich vermehrt haben, sich weiterentwickelt haben, intelligenter wurden, man versteht, in was für einer Gemeinschaft sie leben, versteht die Beziehungen untereinander und ihre Regeln, letztlich versteht man die Affen. Caesar ist der Anführer der Affen und man ist praktisch zu jeder Zeit (emotional) an seiner Seite. Man sieht wie wichtig ihm seine eigene kleine Familie ist und wie sehr ihm seine Artgenossen am Herzen liegen. Caesar vertraut einzig den Affen, misstraut den Menschen, seine Meinung wird er aber über den Verlauf der Ereignisse überdenken müssen.

So sehr mir immer das Herz aufging wenn Caesar auf der Leinwand auftauchte, so faszinierend fand ich Koba. Gelungener Charakteraufbau und Weiterentwicklung, so muss ein Bösewicht sein. Mit seiner Vielschichtigkeit sorgt Koba immer für Unterhaltung und für die eine oder andere Überraschung. Dennoch haben mich seine Aktionen das eine oder andere Mal beinahe aus dem Film geworfen. Die Rivalität zwischen Caesar und Koba entsteht langsam. Das Virus, das fast die Menschheit ausgerottet hat, hat die Laboraffen Caesar und Koba intelligenter werden lassen. Warum Caesar englisch spricht verstehe ich, es ergibt auch einen Sinn, dass Koba englisch spricht. Bei ihm hat es mir aber hin und wieder Probleme bereitet, dass er so gut englisch spricht. Auch mochte ich nicht wirklich, dass sie untereinander englisch sprechen. Update nach dem zweiten Kinobesuch: Ich habe keinerlei Probleme mehr mit Koba und/oder dass die Affen englisch reden.

Bereits bei dem Vorgängerfilm „Rise“ gab es die Diskussion, ob Andy Serkis´ Motion-Capture-Performance für den Oscar nominiert werden kann und sollte. Die kommen mit diesem Film natürlich wieder auf, Caesar war bereits in „Rise“ die Seele des Films, in „Dawn“ sieht das nicht anders aus, man fühlt jederzeit mit ihm. Natürlich darf man die exzellente Arbeit der Makeup-Artisten nicht herunterspielen, aber was Andy Serkis mit seinem Blick, seiner Mimik, seiner Ausstrahlung, Präsenz, Körpersprache und Bewegung in seine Figur einbringt, ist eine Meisterleistung. Meiner Meinung nach gibt Andy Serkis hier definitiv eine Oscar-Performance. Toby Kebbell, der hinter der Figur Koba steht, könnte man in die Diskussionen um eine Oscar-Nominierung eigentlich auch mit einbeziehen. Vielleicht sollte man für die Motion-Capture-Performances wenigstens über eigene Kategorie bei den Academy Awards nachdenken.

Von der menschlichen Performances würde ich einzig den australischen Schauspieler Jason Clarke („Zero Dark Thirty“) hervorheben. Ansonsten schwächelt der Film immer, wenn die Geschichte zu nah und zu lange ausschließlich bei den Menschen ist.

Ohne dass ich es geplant habe, habe ich „Dawn of the Planet of the Apes“, wie bereits den Vorgängerfilm, in einem Kino in San Francisco gesehen. Selten fand ich es so cool einen Film, in der Stadt, in der er tatsächlich spielt, zu sehen.

Zum Schluss gab es Applaus vom (vorwiegend jungen) Publikum.

Ich mag das Ende von „Dawn of the Planet of the Apes“. Der dritte Teil dieser Reihe wurde bereits Anfang Januar bestätigt, ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Matt Reeves wird auch bei „Planet of the Apes 3“ (Arbeitstitel) Regie führen.

„Dawn“ ist für folgende Oscars im Gespräch: Bester Ton, bester Tonschnitt, beste visuelle Effekte, bestes Make-up und beste Frisuren und eine Oscar-Nominierung für Andy Serkis

Da ich auf der deutschen Website des Films einen synchronisierten Trailer gesehen habe, rate ich dringend zu der Originalfassung. Außerdem empfiehlt es sich, diesen Film in einem Kino mit der größtmöglichen Leinwand zu sehen. Ich habe ihn in der 2D-Fassung gesehen. Voraussichtlich werde ich mir „Dawn of the Planet of the Apes“ diese Woche ein zweites Mal anschauen.

Update nach dem zweiten Kinobesuch:

A- (Wertung von A bis F) Ich habe mir eine Woche nachdem ich „Dawn“ im Kino gesehen habe, ihn mir ein zweites Mal im Kino angeschaut. Ich habe meine ursprüngliche Bewertung tatsächlich noch nach oben korrigiert. Ich war ja bereits beim ersten Mal begeistert, jetzt finde ich den Film nahezu perfekt. Ich gebe ungern ein uneingeschränktes „A“, ich war aber kurz davor eines zu vergeben. Definitiv wird er aber jetzt in meiner Top Ten-Kategorie für Filme aus dem Jahr 2014 geführt und wer weiß, vielleicht taucht er am Ende in meiner finalen Liste auf.

Wie bereits weiter oben erwähnt, habe ich mit der zweiten Sichtung kein Problem mehr mit Kobas Verhalten (es gibt einfach Psychopathen auf der Welt und bei den Affen wird es da keine Ausnahme geben). Auch hat mich Kobas Englisch nicht mehr aus dem Konzept gebracht. Beim zweiten Mal habe ich die Gelegenheit genutzt, mehr auf Caesars Sohn Blue Eyes und den Orang-Utan Maurice zu achten. Beide finde ich großartig. Ich liebe aber Caesars Gesicht und da sind bei mir auch wieder ein paar Tränen vor Rührung gekullert. Außerdem finde ich es klasse, mit welcher Kameraeinstellung die Geschichte der Affen beginnt und mit welcher sie endet.

Viele Trailer Spoilern mir den Film zu sehr, daher habe ich mich dafür entschieden, auf eine kurze (geschnittene) Szene aus dem Film hinzuweisen:

Caesars Geschichte in folgendem Featurette zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Get On Up“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Biopic über James Brown (wenn bloß Octavia Spencer nicht zu sehen wäre)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x (1x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „November Man“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Actionthriller mit Pierce Brosnan
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

Trailer v. Film: „The Judge“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Tragikomödie mit Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga und Billy Bob Thornton. Mal gucken, ob der oscarmäßig was reißen kann.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x (1x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Unbroken“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Angelina Jolies Biopic/Drama mit Jack O´Connell. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Fury“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: David Ayers neuer Film. Kriegsfilm mit Brad Pitt (der sich seit ein paar Monaten jetzt auch Oscar-Gewinner nennen darf) Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Gone Girl“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: David Finchers neuer Film. Mit Ben Affleck, Rosamunde Pike, Neil Patrick Harris. Ich kenne die Romanvorlage, für den Film wurde (von der Romanautorin, die für den Film das Drehbuch geschrieben hat) das Ende geändert. Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Exodus: Gods and Kings“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Ridley Scotts neuer Film mit Christian Bale, Joel Edgerton, Aaron Paul, Ben Kingsley und Sigourney Weaver. Ich weiß nicht, warum dieses Jahr so viele Bibel-Filme rauskommen. Die Bilder im Trailer wirken sehr imposant.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x (1x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: fraglich

vorgeschaltete Trailer beim zweiten Kinobesuch:

Die Trailer von „Get On Up „, „The Judge“ und „Exodus: Gods and Kings“ wurden auch hier gezeigt, ansonsten aber folgende Trailer:

Trailer v. Film: „Guardians of the Galaxy“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Marvel-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Equalizer“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Actionthriller mit Denzel Washington (der hier einen guten Eindruck macht) und Melissa Leo
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 51%

Trailer v. Film: „The Skeleton Twins“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Komödie mit Kristen Wiig, Luke Wilson und Bill Hader
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Maze Runner“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Fantasy/Sci-Fi-Buchverfilmung
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

Berlin – Film: "Boyhood"

Ich war am 05.06.14 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Boyhood“ (dt. Kinostart war der 05.06.14, „Boyhood“ wird am 22.01.15 wiederaufgeführt) 164 min drama
dir. Richard Linklater cast: Ethan Hawke, Patricia Arquette, Ellar Coltrane, Lorelei Linklater, Marco Perella

Der 7-jährige Mason (Ellar Coltrane) und seine wenig ältere Schwester Samantha (Lorelei Linklater) wachsen bei ihrer Mutter Olivia (Patricia Arquette) auf. Von dem Vater der Kinder (Ethan Hawke) lebt sie getrennt. Die Mutter will irgendwann ihre Uni-Abschluss nachholen und zieht mit ihren Kindern nach Houston. Für die Kinder bedeutet das, dass sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Seit anderthalb Jahren haben sie ihren Vater nicht mehr gesehen, fortan werden sie aber öfter am Wochenende etwas gemeinsam unternehmen. Muter Olivia heiratet irgendwann erneut, die Kinder bekommen einen Stiefvater (Marco Perella) und Stiefgeschwister. Boyhood erzählt von einer Kindheit.

A- (Wertung von A bis F) „Boyhood“ ist ein ganz außergewöhnlicher Film über das Erwachsenwerden. Alleine der Entstehungsprozess ist bemerkenswert. Der Regisseur Richard Linklater („Before“-Trilogie, Bernie) hat zwar nur an 39 Drehtagen gefilmt, diese waren aber über einen Zeitraum von 12 Jahren verteilt. „Boyhood“ fühlt sich an wie eine Langzeitstudie. Über 12 Jahre begleitet man diese fiktive Familie, nimmt an ihrem normalen Alltag teil, sieht sie bei besonderen Ereignissen oder Anlässen oder auch wenn sich ihre Lebensumstände wieder mal gravierend verändern. Eigentlich sind es ganz einfach die Dinge, die Szenen, an denen sich rückblickend jeder andere auch erinnern würde.

Bei „Boyhood“ wurde nach einem Drehbuch gefilmt. Viele Szenen sind gut beobachtet und einfach aus dem Leben gegriffen. Ich hatte bei diesem Film mehr den Eindruck eine Reportage über die Kindheit von Mason und Samantha zu sehen, als einen Spielfilm.

Über den langen Zeitraum von 12 Jahren verändern sich die Erwachsenen und bei den Kindern kann man buchstäblich dabei zuschauen, wie sie erwachsen werden. Normalerweise werden bei solchen Zeitspannen unterschiedliche Schauspieler genommen oder es wird mit Computertechnik nachgeholfen, hier sind es tatsächlich dieselben Kinderschauspieler und auch das macht den Film besonders. Das erste Mal stand Ellar Coltrane im Alter von 7 Jahren vor der Kamera und als Zuschauer sehen wir ihn (und die Tochter des Regisseurs, Lorelei Linklater) in diesem Film aufwachsen. Am Anfang sieht man diesen kleinen Jungen, der den Film über zu einer Persönlichkeit heranwächst und am Ende ein wirklich cooler junger Mann ist.

So etwas wie Muttergefühle sind mir normalerweise fremd, Mason ist mir aber durch die Erzählung so ans Herz gewachsen und so vertraut geworden als hätte ich ihn großgezogen. Als er dann gegen Ende des Films Zuhause auszieht, um aufs College zu gehen, sind mir auch die Tränen gelaufen. Ich hatte das Gefühl, dass er mein Zuhause verlässt und jetzt eine riesige Lücke und Leere hinterlässt. Das fand ich schon faszinierend.

Eigentlich mag ich Ethan Hawke gar nicht. In diesem Film mochte jedoch die (seltenen) Begegnungen der Kinder mit ihrem leiblichen Vater am meisten. Gerade hier fand ich die Dialoge auffällig gut. Ethan Hawke spielt hier einen, wenigstens seinen Kindern gegenüber, sehr sympathischen und recht lockeren Typen, der zwangsläufig altert, aber leider langsam auch immer spießiger wird. Patricia Arquettes Olivia arbeitet viel als überwiegend alleinerziehende Mutter, hat wenig Zeit für ihre Kinder und entscheidet sich immer für die falschen Männer. Patricia Arquette hat sich über die Jahre auch optisch ziemlich verändert. Hauptsächlich waren bei ihr ihre wechselnden Frisuren und die Gewichtszunahme zu beobachten.

Ich kann grundsätzlich ganz schlecht das Alter von Kindern schätzen und hätte in der Geschichte der Einfachheit halber das eine oder andere Mal gerne gewusst, wie alt Mason bzw. Samantha jetzt gerade sind. Sicherlich kann erkennen, in welchem Jahr der Film jetzt gerade spielt, man braucht nur auf die entsprechenden Apple-Geräte zu achten, die eingesetzte Musik, wenn sich einer mit Harry Potter auskennt, kann man das Jahr vielleicht anhand der Bände oder Filme erkennen oder wenn man sich daran erinnert, wann Facebook begann, die gesellschaftliche Welt zu verändern.

Der Film ist beinahe drei Stunden lang, kam mir aber nicht so vor, im Gegenteil. Am Ende des Films habe ich mir gedacht, dass ich sehr gerne wissen möchte, wie Mason weiter durchs Leben geht. Es wäre toll, einen zweiten Teil, in vielleicht weiteren 12 Jahren zu sehen.

„Boyhood“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt. Der Film wird ab dem 11.07.14 in einigen amerikanischen Kinos gezeigt. Ich habe den Film am 5.6.14 in Berlin in der OV gesehen. Dankenswerterweise gab es, trotz einer Laufzeit von beinahe drei Stunden, keine Unterbrechung (wie in Deutschland bereits bei Filmen, die länger als 120 Minuten andauern, üblich) und auch bei der Werbung hat sich das Kino kurz gehalten.

„Boyhood“ ist quasi seit dem diesjährigen Sundance Film Festival für zahlreiche Oscars im Gespräch, u. a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ellar Coltrane), Bester Nebendarsteller (Ethan Hawke), Bestes Originaldrehbuch. Update: „Boyhood“ wurde bei den Oscars im Jahr 2015 für sechs Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt) nominiert. Bei der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 wurde „Boyhood“ mit einem Oscar (für Patricia Arquette als Beste Nebendarstellerin) ausgezeichnet.

Der Trailer, der im amerikanischen Kino gezeigt wurde:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Fault in Our Stars“ (in der OV gezeigt)
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Shailene Woodley
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Jersey Boys“ (in der OV gezeigt)
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Clint Eastwoods neuer Film ist die Verfilmung des berühmten Broadway-Musicals
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%, ausschließlich wenn er gute Kritiken bekommt

Trailer v. Film: „Walk of Shame“ (in der OV gezeigt)
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Komödie mit Elizabeth Banks und James Marsden. So gerne ich Elizabeth Banks sehe, den Film erspare ich mir.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%