TV-Serie „Succession, 2. Staffel“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Succession, Staffel 2“ (seit dem 10.11.19 in D. über Sky zu sehen oder über den iTunes Store zu erwerben)  10 x approx. 60 min  satire, comedy, drama 

dir. Mark Mylod, Andrij Parekh, Shari Springer Berman and Robert Pulcini, Matt Shakman, Becky Martin, Kevin Bray  cast: Brian Cox, Jeremy Strong, Sarah Snook, Kieran Culkin, Alan Ruck, Nicholas Braun, Matthew Macfadyen, J. Smith-Cameron, Holly Hunter, Jeannie Berlin, Cherry Jones, Hiam Abbass, Peter Friedman, Dagmara Dominczyk, Justine Lupe, James Cromwell, Caitlin FitzGerald

 

Was genau hat Logan Roy (Brian Cox) vor?

 

A (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der HBO-Serie „Succession“ ist der britische TV-Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong („In the Loop“, „Four Lions“). Erzählt wird von dem mächtigen Medienmogul Logan Roy und seiner Familie. Ähnlichkeiten von Logan Roy und Rupert Murdoch mit ihren jeweiligen Familien und Waystar Royco und News Corp sind natürlich nur rein zufällig. Produziert haben die Serie u.a. der amerikanische Schauspieler und Drehbuchautor Will Ferrell (Step Brothers, The Campaign) und der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Adam McKay (The Big Short, Vice). Die Ereignisse der zweiten Staffel knüpfen relativ nahtlos an denen der ersten Staffel an. 

Mein Beitrag zur ersten Staffel liegt jetzt zwei Monate zurück, in der Zwischenzeit lief die Fortsetzung erstmalig auf HBO und die erste Staffel wurde mit zwei wohlverdienten Emmys (Drehbuch für das Staffelfinale und den besten Score für den Vorspann) ausgezeichnet. Leider stand bei den diesjährigen Emmys die letzte Staffel von „Game of Thrones“ im Weg, sonst hätte „Succession“ sicher den Emmy für die Beste Dramaserie gewonnen. 

Ich liebe Filme und Serien, die mich in eine, mir völlig fremde Welt führen, mir diese anhand von Charakteren und Geschichten näher bringen. Erklären, so dass ich diese Welt verstehe. Genau das schafft „Succession“ und ist dabei unglaublich witzig. Hier blickt man hinter die Kulissen einer superreichen dysfunktionalen Familie. Die Roys haben so gut wie keine Berührungspunkte mit der normalen Bevölkerung, sie haben natürlich Bedienstete, aber der Kontakt beschränkt sich darauf, ihnen Anweisungen zu erteilen. Wenn sie unter Druck stehen, geben sie diesen an ihre Untergebenen weiter. Den Unterschied zwischen dem engsten Roy-Familienkreis, ihren wichtigen Geschäftspartnern und allen Anderen sieht man, wenn sie aus Sicherheitsgründen in den Safe/Panic Room gebracht werden. Wenn die Familie Roy den eigenen Vergnügungspark besuchen will, wird der kurzerhand für die anderen Besucher gesperrt. Sie haben riesige Anwesen und Luxus-Wohnungen in Bestlage, werden bei kurzen Strecken in SUVs oder Limousinen (Kendall auch mal auf dem Motorrad) kutschiert, sind aber ansonsten überwiegend in Hubschraubern und Privatjets unterwegs oder verbringen Zeit auf ihrer Jacht. Milliardäre bleiben unter sich, machen Geschäfte mit ihresgleichen. Wenn es um Geld geht, geht es gleich um sehr viel Geld. Die, vermutlich zwischen Anfang 30 und Mitte 50-jährigen Roy-Kinder müssen sich für ihre größeren Ausgaben immer Papas Okay holen und wenn dem etwas nicht in den Kram passt, können sie ihre Wünsche gleich begraben. Manchmal könnte man den Roy-Nachwuchs fast bemitleiden. Es gibt jedenfalls keinen Grund, sie zu beneiden. Die Serie ist ein fiktives, bitterböses Drama und zugleich eine Satire, aber könnte es sich nicht so oder so ähnlich bei den Murdochs oder irgendeiner anderen Milliardärs-Familie zugetragen haben bzw. zutragen? 

In der Familie Roy werden harte Kämpfe ausgetragen. Der Vater, Logan Roy (gespielt von Brian Cox), ist ein Medienmogul, hat das Medienimperium Waystar Royco aufgebaut, er weiß über alles und jeden, innerhalb seiner Familie und in seinem Konzern, Bescheid. Logan Roy ist zwar schon alt, aber noch nicht gewillt, seine Macht abzugeben. Schon gar nicht an seine Kinder, von denen er keinen wirklich ernst nimmt. Allen vier Kindern (gut, Connor ist nicht interessiert, wie wir seit der ersten Staffel wissen, er hat andere Ambitionen) fehlt in Logans Augen das Rückgrat und der Killerinstinkt, den sie seiner Meinung brauchen, um Waystar Royco zu leiten. Vielleicht hat gerade diese Kaltblütigkeit am Ende doch eines der Kinder. Die zweite Staffel steckt bis zur tatsächlichen letzten Sekunde voller Spannung und auch Überraschungen. 

Die erste Staffel war das Amuse-Gueule vor dem mehrgängigen kreativen Dinner in einem Drei-Sterne-Restaurant, was die zweite Staffel, für mich darstellte. Ohne die erste Staffel wird man nicht nachvollziehen können, wie exzellent, die zweite ist. Ich hatte den Eindruck, dass es in der Fortsetzung etwas ernsthafter, dramatischer zugeht. Auf der anderen Seite habe ich bei jeder einzelnen Episode mehrmals lauthals lachen müssen. Mir ist schleierhaft, wie die Schauspieler ihre trockenen und bösartigen Sprüche raushauen können, ohne dabei mit der Wimper zu zucken.

In dieser Staffel geht es um Übernahmen, einen handfesten Skandal, Täter und Opfer und natürlich um Macht und Führungsansprüche der Roy-Geschwister.

Ein kleiner Auszug meiner Lieblingssequenzen:

  • die gesamte Sequenz mit Kendall bei Vaulter (Episode 2, „Vaulter“)
  • die gesamte Sequenz um den rechtsradikalen ATN-Nachrichtensprecher Mark Ravenhead und Connor und Willa bei der Beerdigung von „Mo“ (Episode 4, „Safe Room“)
  • die aussagekräftige Sequenz mit Roman, Shiv und – vor allen Dingen – Kendall und ihrer Mutter (Episode 7, „Return“)
  • die gesamte Sequenz in Schottland. Über Logans Kindheit ist bislang kaum etwas bekannt, daher sind die geringsten Informationen schon willkommen, außerdem mag ich die gesamte Dynamik dieser Episode, „Grexit“ und natürlich Kendall mit ein paar Hochs und Tiefs (Episode 8, „Dundee“)
  • meine absolute Lieblingssequenz ist jedoch das Staffelende (die letzten, vielleicht zehn Minuten von Episode 10 „This is Not for Tears“

Meine Lieblingscharaktere:

In der ersten Staffel hatte ich keinen wirklichen Lieblingscharakter, am meisten habe ich mich sicher über Roman Roy (gespielt von Kieran Culkin) und das Zusammenspiel von Tom Wamsgans und Cousin Greg  (gespielt von Matthew Mcfadyen und Nicholas Braun) amüsiert. Auch in der zweiten Staffel sorgt Roman natürlich mit seinem rätselhaften Sexleben und seinem Sarkasmus für viele Lacher. Greg hingegen orientiert sich langsam um, für die zweite Staffel gibt es zwei (wenn man genau hinschaut, am Ende mit Greg & Ken sogar drei) interessante neue Paarungen: Roman & Gerri und Shiv & Tom. Letztlich ist aber auch sonst jeder einzelne Hauptcharakter vielschichtig und hat seine eigene Geschichte. Bei der zweiten Staffel hat sich jedoch ein Charakter direkt in mein Herz gespielt: Kendall Roy.

Mit der Figur Kendall Roy habe ich auch einen neuen Lieblingsschauspieler: Jeremy Strong. Ich hatte diesen Schauspieler bislang noch gar nicht auf dem Schirm. In der ersten Staffel war seine Serienfigur noch zu grün hinter den Ohren, ich konnte ihn noch nicht wirklich ernst nehmen, außerdem war er der, der mit den Coolen spielen wollte. Coolness kann man aber bekanntlich nicht erzwingen und daher wirkte er oft lächerlich. Er war – um es auf den Punkt zu bringen – der Loser. Kendall ist aber der Einzige der Roy-Kinder, der sich mit dem Mediengeschäft richtig auskennt, jahrelang arbeitete er schon in einer leitenden Position bei Waystar Royco und stand am Anfang der ersten Staffel sogar kurz davor, die Nachfolge von Logan Roy anzutreten…. bis Papa Roy es sich anders überlegt hat. In der zweiten Staffel ist Kens Leben von Ups and Downs bestimmt. Gedemütigt und am Boden, er konsumiert natürlich immer noch Drogen, dann wirkt er auf einmal gefasst und überlegt, manchmal wie ferngesteuert, dann ist er wieder so ein Sausack, macht den Eindruck, als wäre ihm alles egal, kurz darauf wirkt er wieder emphatisch, sehr souverän, angriffslustig, knallhart, dann möchte man ihn wieder einfach in den Arm nehmen, trösten, dann dieser Rap, uswuswusw…Definitiv ist Kendall die faszinierendste Figur der zweiten Staffel. Bei meiner Zweitsichtung der Staffel (die ich übrigens nur jedem ans Herz legen kann, da man bei dieser handlungsdichten und dialogreichen Serie unmöglich alles beim ersten Mal  erfassen kann), war ich manchmal sogar ein bisschen in Kendall verliebt. 

In den letzten paar Wochen habe ich quasi jede freie Minute damit verbracht, „Succession“ zu gucken. Die erste Staffel habe ich, wie alle guten Serien, zwei Mal geschaut. Die zweite Staffel hatte ich schon zwei Mal geschaut, dann war ich erkältet, hatte keine Lust auf Filme oder neue Serien und habe sie mir noch ein weiteres Mal angeschaut. Und auch bei der dritten Sichtung habe ich tatsächlich noch immer wieder etwas Neues entdeckt, mich über Gesichtsausdrücke oder wieder über den Dialogwitz kaputt gelacht und – wie die Male zuvor – meinen Spass mit dieser einfach unfassbar brillant geschriebenen Serie gehabt. 

Definitiv ist „Succession“ keine Serie, die man nebenbei schauen kann, die Handlungsdichte ist viel zu groß, wenn man ein Mal blinzelt, verpasst man schon was. 

 

In meine jährliche Top Ten hatte ich schon einige wenige Male auch eine TV-Serie aufgenommen, die ersten beiden Staffeln von „Succession“ sind jetzt bereits festgesetzt in meiner Top Ten 2019.  Update: Die erste und die zweite Staffel von „Succession“  ist in meiner Bestenliste für 2019 gelistet.

 

Die wichtigsten Charaktere hatte ich bereits in meinem Beitrag zur ersten Staffel vorgestellt, Ein paar für die zweite Staffel wichtige Charaktere, ein Unternehmen und einen TV-Sender möchte ich hier noch vorstellen: 

Gerri ist Wirtschaftsanwältin, leitet die Rechtsabteilung bei Waystar Royco und ist eine wichtige Beraterin für Logan Roy (gespielt von Brian Cox), außerdem gehört sie quasi zur Familie, war  Taufpatin von Logan Roys einziger Tochter, Shiv (gespielt von Sarah Snook), und ist mittlerweile auch für den jüngsten Sohn der Roys, Roman (gespielt von Kieran Culkin), eine enge Beraterin. Gespielt wird Gerri von der amerikanischen Schauspielerin J. Smith-Cameron. Sie hat in vielen TV-Serien (u.a. TV-Serie „True Blood“, ,TV-Serie „Rectify“) gespielt und hat auch in einigen Kinofilmen („In & Out“, Margaret) mitgewirkt. 

Cyd Peach leitet den Nachrichtensender ATN, der zu Waystar Royco gehört. Gespielt wird Cyd von der amerikanischen Schauspielerin Jeannie Berlin. Die mittlerweile 70-jährige war nicht durchgehend auf dem Bildschirm bzw. auf der Leinwand zu sehen. Ich habe sie in den Filmen Margaret und Inherent Vice, sowie der wunderbaren TV-Serie TV-Serie „The Night Of gesehen. Sie hat für ihre Performance in „The Heartbreak Kid“ eine Oscar-Nominierung erhalten. 

Rhea Jarell ist CEO des rivalisierenden Medienkonzerns PGM. Logan Roy will PGM aufkaufen. Rhea hat einen ähnlichen schmutzigen Humor wie die Roys. Gespielt wird Rhea von der amerikanischen Schauspielerin Holly Hunter. Sie hat in den Coen Bros.-Filmen „Raising Arizona“ und „O Brother, Where Art Thou?“ gespielt und auch beispielsweise in dem großartigen Film „Broadcast News“, Sie hat in der TV-Serie „Saving Grace“ und dem Mehrteiler TV-Serie „Top of the Lake mitgewirkt. Sie wurde 6 x für den Emmy nominiert, hat zwei Emmys (für „Roe vs. Wade“ und „The Positively True Adventures of the Alleged Texas Cheerleader-Murdering Mom“) gewonnen. Außerdem wurde sie vier Mal für den Oscar nominiert („Broadcast News“, „The Firm“, „The Piano“ und „Thirteen“), für „The Piano“ hat sie den Oscar gewonnen. 

Naomi ist die Cousine von Nan Pierce (gespielt von Cherry Jones) Sie ist das schwarze Schaf der Familie Pierce, vielleicht kommt sie daher so gut mit Kendall klar. Naomi wird von der amerikanischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Annabelle Dexter-Jones gespielt. Sie war u.a. in Holy Motors, „Under the Silver Lake“ und der HBO-Serie „The Deuce“ zu sehen. 

ATN ist ein amerikanischer Nachrichtensender, ein Propaganda-Sender der Republikaner, gleichzusetzen mit Rupert Murdochs TV-Sender Fox News. Wer schon mal in den Genuss gekommen ist, die Berichterstattung dieses Senders zu verfolgen, ist ratlos. Wie ist es rechtlich überhaupt möglich, so viele Lügen zu verbreiten? 

PGM ist ein großes Medienunternehmen, dass seit 150 Jahren im Familienbesitz ist. Die Matriarchin ist Nan Pierce (gespielt von Cherry Jones). CEO von PGM ist Rhea Jarell (gespielt von Holly Hunter) Waystar Royco hat vor Jahren schon mal versucht, PGM zu übernehmen. Logan Roy unternimmt in der zweiten Staffel einen erneuten Versuch.  Familie Pierce ist alter Geldadel, dagegen sind die Roys neureich. Die Pierces sind liberal und demokratisch und halten gar nichts von den Roys. PGM gehört ein liberaler Nachrichtensender, der in den Augen der meisten, der einzige Sender ist, der „richtige Nachrichten“ bringt, insbesondere im Vergleich zu Waystar Roycos Propagandasender ATN. Shiv Roy meldet Bedenken an, Pierce zu kaufen: „If we own all the news, I do actually wonder where I’ll get my fucking news…You´ve got The Times, The Post, editors of Pierce and a couple of hundred angry women on Twitter and that’s about it“

Die erste Staffel von „Succession“ wurde erstmalig v. 3.6.18-5.8.18 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO gezeigt und war für die im September 2019 verliehenen Emmys qualifiziert. Nominiert war „Succession“ für insgesamt 5 Emmy-Awards (Outstanding Drama Series, Outstanding Directing for a Drama Series (für Adam McKay und die Pilotfolge „Celebration“), Outstanding Writing for a Drama Series (für Jesse Armstrong und die finale Episode „Nobody is Ever Missing“). Außerdem war die Serie für zwei Primetime Creative Arts Emmy Awards (Outstanding Casting for a Drama Series und Outstanding Original Main Title Theme Music) nominiert. Die Serie hat zwei Emmys (Outstanding Writing und Outstanding Original Main Title Theme Music) gewonnen. 

Die zweite Staffel von „Succession“ lief erstmalig vom 8.11.19 – 13.10.19 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO und qualifiziert sich dadurch für die Emmys im Jahr 2020. In Deutschland kann man die zweite Staffel seit dem 10.11.19 auf Sky sehen oder über den deutschen iTunes Store (wohl auch in der, unbedingt empfehlenswerten Originalversion) erwerben. 

Eine dritte Staffel wurde bereits bestätigt. 

Trailer der zweiten Staffel zu sehen: 

 

 Vorspann zu sehen:

 

New Yorker Bus mit Werbung von "Succession"
New Yorker Bus mit Werbung von „Succession“

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