TV-Serie: „The Leftovers 1., 2. und 3. Staffel“

Ich habe mir die kompletten Staffeln folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„The Leftovers, 1.,  2. Staffel und 3. Staffel“ (in D. auf DVD o. beispielsw. über iTunes zu sehen) 28 x approx. 65 min  drama, fantasy, mystery, adaptation 

dir. Peter Berg,  Keith Gordon, Lesli Linka Glatter, Carl Franklin, Mimi Leder, Michelle MacLaren, Daniel Sackheim, Tom Shankland, Nicole Kassell, Craig Zobel  cast: Justin Theroux, Carrie Coon, Margaret Qualley, Ann Dowd, Amy Brenneman, Christopher Eccleston, Liv Tyler, Chris Zylka, Emily Meade, Amanda Warren, Janel Moloney, Max Carver, Charlie Carver, Regina King, Kevin Carroll, Jovan Adepo, Jasmin Savoy Brown, Scott Glenn, Paterson Joseph, Bill Camp

 

Am 14. Oktober 2011 verschwinden plötzlich zwei Prozent der Weltbevölkerung. 140 Millionen Menschen sind von einem Moment auf den anderen spurlos verschwunden. Drei Jahre später sind die Ursachen und Gründe dafür immer noch ungeklärt. Der lokale Polizeichef der Kleinstadt Mapleton, Kevin Garvey Jr. (Justin Theroux), hat auch sein Päckchen zu tragen. Seine Ehefrau Laurie (Amy Brenneman) ist zwar nicht spurlos verschwunden, hat sich aber irgendwann dieser sonderbaren Sekte Guilty Remnant angeschlossen. Die Sektenmitglieder versuchen immer mehr Menschen zu rekrutieren, beispielsweise Meg (Liv Tyler). Kevin Garney lebt unterdessen mit seiner Teenagertochter Jill (Margaret Qualley) zusammen und dann ist da noch Nora (Carrie Coon), am 14. Oktober 2011 haben sich ihr Ehemann und ihre beiden kleinen Kinder plötzlich in Luft aufgelöst… 

 

1. Staffel: B+; 2. Staffel: B-; 3. Staffel: B+ (Wertung von A bis F) Die erste Staffel von „The Leftovers“ basiert auf Tom Perrottas gleichnamigen Roman. Serienschöpfer sind der Vorlagenlieferant Tom Perrotta und der amerikanische Roman- und Drehbuchautor (Cowboys & Aliens, Prometheus, „World War Z) und Produzent/Serienschöpfer Damon Lindelof (u.a. TV-Serien „Lost“, „Watchmen“). Regie bei der ersten Staffel führt u.a. der amerikanische Filmemacher Peter Berg (Lone Survivor, Patriots Day).

Zugegebenermassen ist „The Leftovers“ vielleicht nicht für jeden die richtige Serie, insbesondere nicht im Moment (März 2020, inmitten der Corona-Krise). Ich wollte die Serie aber immer mal gucken und jetzt habe ich Zeit. 

Zur ersten Staffel: B+ (Wertung von A bis F): Ein Ereignis hat eine gesellschaftliche Erschütterung losgelöst. Am 14.10.2011 haben sich 140 Millionen Menschen weltweit plötzlich in Luft aufgelöst. Auch jetzt, drei Jahre später weiß niemand, was eigentlich und warum passiert ist. Die Menschen suchen immer noch nach einer Erklärung und mitunter nach Trost, einem Halt, vielleicht einem Zugehörigkeitsgefühl, das sie auch in der Spiritualität finden. 

Ich mag die Grundidee dieser Serie. Finde es realistisch, wie sich die Menschen nach einem so einschneidigen Ereignis neu suchen, eine gewisse Leere empfinden. Manche suchen Hilfe in verschiedenen (mitunter) dubiosen Glaubensgemeinschaften. 

Meine Lieblingsepisode: 9 („The Garveys at Their Best“) 

Nicht so richtig gute Episode: 10 („The Prodigal Son Returns“) 

Schauspielerisch hervorzuheben: Justin Theroux und Carrie Coon

 

Zur zweiten Staffel: B- (Wertung von A bis F) Die zweite Staffel fängt ungewöhnlich an. Den Prolog hatte ich bis zum Ende der Staffel im Hinterkopf. Diese Staffel spielt ungefähr ein Jahr nach den Ereignissen der ersten und nahezu komplett in einer anderen Stadt: in Jarden, Texas. Jarden ist von dem Sudden Departure am 14.10.2011 verschont geblieben. Tatsächlich ist hier – wie durch ein Wunder – kein einziger der 9,261 Einwohner verschwunden. Entsprechend ist die Stadt zu einem Magnet vieler US-Bürger, gar zu einer Touristenattraktion bzw. einem Wallfahrtsort, geworden. Nora, Kevin, Jill, das Baby, Matt und seine Frau Mary ziehen nach Jarden. Bei der zweiten Staffel werden neue Charaktere eingeführt. Auf Dr. Erika Murphy  (gespielt von Regina King), ihrem Mann John (gespielt von Kevin Carroll) und ihren Kindern Evie (gespielt von Jasmin Savoy Brown) und Michael (gespielt von Jovan Adepo) wird dabei ein besonderes Augenmerk geworfen. 

Im Ganzen ist die zweite Staffel dramaturgisch komplexer als die erste, mir erschien sie aber auch recht wirr. Manchmal war mir das etwas zu viel. Auch hatte ich die ganze Zeit Fragen, die mir über den Verlauf der 2. Staffel nicht beantwortet wurden. Weder bei der ersten Staffel noch bei der zweiten mochte ich die finale Episode, das Staffelende. 

 

Spoiler für die zweite Staffel 

Meine Fragen: Nora hat für 3 Mio Dollar ein Haus gekauft, was sie noch nie gesehen hat, woher hat sie das Geld? Klar hat sie vom Verkauf ihres Hauses in Mapleton sehr viel Geld bekommen, aber – soweit ich das Erinnerung hatte – nicht 3 Mio Dollar.  Sie hat auch keinen Job. Überhaupt, wie halten sich Nora und Kevin finanziell über Wasser? Beide gehen keiner Tätigkeit nach. Was mich auch irritierte: Nora verschwindet eines Tages, wo kommt sie unter? )

Spoiler Ende für die zweite Staffel 

 

Meine Lieblingsepisode: 9 („Ten Thirteen“) 

WTF-Episode: 8 („International Assassin“) 

Nicht so gute Episode: 10. („I Live Here Now“) 

Schauspielerisch hervorzuheben: Carrie Coon

 

 

Zur dritten und letzten Staffel: B+ (Wertung von A bis F) Beginnt, wie bereits die zweite Staffel, mit einem seltsamen Prolog. Ansonsten spielt diese Staffel drei Jahre nach den Ereignissen der zweiten Staffel. Der siebente Jahrestages des Sudden Departure steht bevor. Ein großer Teil der dritten Staffel spielt in Australien. Diese Staffel gefiel mir wieder besser, ist aber auch teils wirr mit aber einem sehr gelungenen Serienende. 

Meine Lieblingsepisoden: 6 („Certified“) und das Serienende, Episode 8 („The Book of Nora“) 

Meine Lieblingsszene: einige, aber besonders: in der Episode 5 („It´s a Matt, Matt, Matt, Matt World“) das Gespräch zwischen Matt und Burton auf der Fähre

Schauspielerisch hervorzuheben: Carrie Coon, Christopher Eccleston, Bill Camp und Justin Theroux

 

Insgesamt betrachtet mag ich diese Serie, finde sie unbedingt sehenswert. Ich liebe die Filmmusik (von dem deutsch-britischen Komponisten Max Richter) und auch die immer passende Auswahl der Songs. 

Mich begeistert – nach wie vor – die Grundidee dieser Serie und die Welt, in der sie spielt. Wenn es zu einem unerklärlichen Ereignis kommt, sucht man zwangsläufig nach Antworten – Was ist, wenn es die vielleicht nicht gibt? Was macht das mit der jeweiligen Gesellschaft? Was macht das mit rational denkenden Menschen? Was macht es mit den Hinterbliebenen, den Menschen, die ihre Liebsten am 14. Oktober tatsächlich verloren haben? Die zentralen (amerikanischen) Charaktere begleiten wir hier auf ihrem Weg. Der eine oder andere verliert vielleicht den Verstand, muss sich ihren/ seinen ureigenen Ängsten und Problemen stellen, ihr/sein Leben neu ordnen, sich darauf besinnen, was wirklich wichtig ist und muss – wie auch immer – ihren/seinen inneren Frieden finden. Ich fand das Ende der Serie dahingehend sehr gut gelöst. Am Ende gibt es aber nicht Antworten auf alle Fragen. Der Schluss lässt Raum für Interpretationen. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen

Kevin Garvey Jr. ist Polizeichef der Stadt Mapleton im Bundesstaat New York. Seine Frau Laurie (gespielt von Amy Brenneman) hat die Familie verlassen, um sich der Sekte Guilty Remnant anzuschließen. Sein Vater, Kevin Garvey Sr. (gespielt von Scott Glenn) war früher der Polizeichef, hat sich dann aber selbst in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Kevin lebt jetzt mit seiner 16-jährigen Tochter Jill (gespielt von Margaret Qualley) zusammen. Sein Stiefsohn Tommy (gespielt von Chris Zylka) ist bereits ausgezogen und hat sich dem Guru „Holy Wayne“ (gespielt von Paterson Joseph) angeschlossen. Kevin Garvey wird von dem amerikanischen Schauspieler Justin Theroux gespielt. Er hat in einigen TV-Serien (darunter „The District“, „Six Feed Under“) mitgespielt und war auch in einigen Kinofilmen („Mulholland Drive“, „Miami Vice“, The Girl on the Train) zu sehen. 

Patti Levin ist die Sektenanführerin der Guilty Remnant in der Kleinstadt Mapleton. Die Mitglieder dieser seltsamen Sekte sehen sich als „lebende Mahnung“ an die, die versuchen das Ereignis vom 14. Oktober zu vergessen. Sie tragen ausschließlich weiße Kleidung, reden nicht, kommunizieren nur in schriftlicher Form und rauchen – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – Kette. Gespielt wird Patti von der amerikanischen Schauspielerin Ann Dowd. Ihre erste Kinorolle hatte sie in dem Film „Green Card“ und war seither in vielen Nebenrollen in Spielfilmen (u.a. Marley & Me, The Informant!, The Drop, American Animals) zu sehen. Mir ist sie das erste Mal in dem Film Compliance aufgefallen. Richtig bekannt wurde sie aber wahrscheinlich durch ihre Rollen in TV-Formaten (Olive Kitteridge, Good Behavior und natürlich The Handmaid´s Tale) Für ihre Performance in „The Handmaid´s Tale“ wurde sie dann auch mit dem Emmy ausgezeichnet. Insgesamt hat sie drei Emmy-Nominierungen (für „The Handmaid´s Tale und „The Leftovers“). 

Matt Jamison ist der Pfarrer in Mapleton. Er führt eine kleine, wenig frequentierte Kirche. Matt glaubt nicht daran, dass die Menschen am 14. Oktober einfach so verschwunden sind, er hält viele davon für Täter. Matt Jamison ist mit Mary (gespielt von Janel Moloney) verheiratet, die seit einem Autounfall im Wachkoma liegt. Matt ist der Bruder von Nora Durst (gespielt von Carrie Coon). Gespielt wird Matt Jamison von dem englischen Schauspieler Christopher Eccleston. Er hat in einigen Kinofilmen („Shallow Grave“, „Elizabeth“, „Existenz“, „28 Days Later“) mitgespielt. Für seine Performance in den beiden Fernseh-Formaten„Accused“ und „Come Home“ wurde er für den Emmy nominiert, gewonnen hat er den Emmy für „Accused“.

Jill ist die 16-jährige Tochter von Kevin Garvey (gespielt von Justin Theroux). Ihre Mutter Laurie (gespielt von Amy Brenneman) hat sich der Sekte Guilty Remnant angeschlossen. Jill wohnt mit ihrer besten Freundin Aimee (gespielt von Emily Meade) mit ihrem Vater zusammen. Gespielt wird Jill von der amerikanischen Schauspielerin Margaret Qualley. Sie hatte ihre erste Rolle in dem Spielfilm Palo Alto. Kurz darauf hat sie eine Rolle in „The Leftovers“ ergattern können. Ich habe sie im letzten Jahr erst in der Mini-Serie Fosse/Verdon gesehen. Den meisten wird sie aber durch ihren Auftritt in Quentin Tarantinos Once Upon a Time…in Hollywood mittlerweile ein Begriff sein. Für ihre Performance in Fosse/Verdon wurde sie für einen Emmy nominiert. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Andie MacDowell.

Nora Durst arbeitet für das Department of Sudden Departure, einer Regierungsbehörde für die sie die Hinterbliebenen, der am 14.10. Verschwundenen befragt. An diesem Schicksalstag sind auch ihr Ehemann und ihre beiden kleinen Kinder verschwunden. Nora ist die Schwester von Reverend Matt Jamison (gespielt von Christopher Eccleston). Gespielt wird Nora von der amerikanischen Theater-, TV- und Kinoschauspielerin Carrie Coon. Sie hat u.a. in David Finchers Film Gone Girl, „Avengers: Infinity War“ und Widows mitgespielt. Auch hatte sie in den TV-Serien „Fargo“ und „The Sinner“ eine Hauptrolle. Für ihre Performance in der TV-Serie „Fargo“ wurde sie für den Emmy nominiert. Außerdem wurde sie für ihre Performance in dem Theaterstück „Who´s Afraid of Virginia Woolf“ für den Tony nominiert. Carrie Coon ist mit dem wunderbaren Schauspieler (Indignation, The Lovers, Ford v Ferrari), Drehbuch- und Stückeschreiber („Bug“, „Killer Joe“, „August: Osage County“) Tracy Letts verheiratet. 

Meg Abbott lebt in Mapleton, sie hat vor, demnächst zu heiraten. Die Mitglieder der Sekte Guilty Remnant  versuchen, sie zu rekrutieren. Gespielt wird Meg von der amerikanischen Schauspielerin Liv Tyler. Sie hat in einigen Kinofilmen (u.a. „Armageddon“, der „The Lord of the Rings“-Trilogie, The Strangers, Robot & Frank) mitgespielt. Liv Tyler ist die Tochter des Aerosmith-Sängers Steven Tyler. 

erst in der zweiten Staffel:

Dr. Erika Murphy arbeitet als Ärztin in einer Notfall-Praxis. Erika ist mit John (gespielt von Kevin Carroll) verheiratet, sie haben zwei Kinder im Teenager-Alter, Evie und Michael  (gespielt von Jasmin Savoy Brown und Jovan Adepo). Gespielt wird Erika von der afroamerikanischen Schauspielerin Regina King. Ich bin nicht wirklich von ihrem Talent überzeugt. Regina King hat bekanntermassen im letzten Jahr einen Oscar für ihre Performance in If Beale Street Could Talk gewonnen, außerdem wurde sie 4 x für den Emmy nominiert, davon allein drei Mal für die TV-Serie „American Crime“ und ein Mal für die Mini-Serie „Seven Seconds“. Gewonnen hat sie bis heute drei Emmys (2x für „American Crime, 1x für „Seven Seconds). 

 

Bei den Emmys wurden alle drei Staffeln von „The Leftovers“ weitestgehend übergangen. Einzig Ann Dowd wurde für ihren Gastauftritt in der dritten Staffel für den Emmy nominiert. 

 

Die erste Staffel von „The Leftovers“ wurde erstmalig vom 29.06.14 – 07.09.14 auf HBO ausgestrahlt, die zweite Staffel vom 04.10.15 – 06.12.15 und die dritte Staffel vom 16.04.17 – 04.06.17. In Deutschland ist die Serie als DVD oder im Stream zu erhalten. 

 

Trailer zu der ersten Staffel:

 

 

Trailer zu der zweiten Staffel:

 

 

und der sehr passende, gute Trailer zu der dritten und finalen Staffel:

 

 

 

 

TV – Serie: „The Outsider“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„The Outsider, 1. Staffel“ (in D. auf Sky Atlantic zu sehen)  10 x approx. 60 min   drama, crime, thriller, horror, adaptation

dir. Jason Bateman, Andrew Bernstein, Igor Martinovic, Karyn Kusama, Daina Reid, J.D. Dillard, Charlotte Brändström  cast: Ben Mendelsohn, Cynthia Erivo, Bill Camp, Julianne Nicholson, Mare Winningham, Paddy Considine, Jason Bateman, Yul Vazquez, Marc Menchaca, Jeremy Bobb, Max Beesley, Derek Cecil 

 

In Cherokee City, Georgia wird die übel zugerichtete, blutüberströmte Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Es sieht sogar so aus, als wäre das Kind regelrecht zerfleischt worden. Einige Indizien, Fingerabdrücke und Zeugenaussagen deuten daraufhin, dass der Familienvater und beliebte Lehrer und Baseball-Trainer Terry Maitland (Jason Bateman) der Mörder ist. Det. Ralph Anderson (Ben Mendelsohn) ermittelt in dem Fall und lässt Terry schließlich festnehmen. Der besteht aber darauf, zum vermeintlichen Tatzeitpunkt nicht mal in der Stadt gewesen zu sein. Es tauchen Beweise auf, die Terrys Aussage stützen, aber da sind immer noch DNA-Spuren am Tatort und die Zeugenaussagen, Terry kann unmöglich an zwei Orten gleichzeitig gewesen sein. Irgendetwas stimmt doch hier nicht und wer ist dieser unheimliche Typ mit dem Kapuzenpulli?

 

B (Wertung von A bis F) „The Outsider“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Stephen King („The Shining“, „Misery“, “The Shawshank Redemption“). Serienschöpfer ist der amerikanische Roman- und Drehbuchautor Richard Price („The Color of Money“, „Sea of Love“, „Shaft“, TV-Serien „The Wire“ und The Night Of). Regie führen u.a. der Schauspieler und Filmemacher Jason Bateman und die Filmemacherin Karyn Kusama (The Invitation, „Destroyer“). 

Ich kannte Stephen Kings Buch nicht und wusste auch nicht wirklich, worauf ich mich einlasse. Im amerikanischen Kino zeigen sie – bevor die Trailer gezeigt werden und der Film offiziell beginnt – oft Vorschauen von TV-Serien, die demnächst anlaufen. Da wurde ich vor einigen Monaten auf „The Outsider“ aufmerksam. Ben Mendelsohn, Bill Camp und Cynthia Erivo in einer scheinbar spannenden, düsteren Serie – das habe ich mir natürlich sofort notiert. Worum es hier genau geht, erfährt man erst nach ein paar Episoden. Der langsame Handlungsaufbau und die vielen Charakter haben auch etwas verhindert, dass ich gleich richtig in diese Serie reinfand. Dennoch gefiel mir was ich sah, in der Folge 5 („Tear Drinker“) gruselte ich mich erstmalig richtig und fand es dann kaum auszuhalten, dass ich immer eine gesamte Woche auf eine weitere Episode warten musste. „The Outsider“ ist anfangs mehr Drama/ Krimi, aber mit einer mysteriösen Geschichte und schließlich Thriller mit übernatürlichen Horror-Elementen. 

Es ist keine TV-Serie, die man nebenbei gucken kann. Dafür gibt es einfach zu viele Charaktere und handlungsrelevante „Kleinigkeiten“, die man schnell verpassen kann. Das war für mich auch ein Grund dafür, dass ich alle zehn Episoden bei der zweiten Sichtung in zwei Sitzungen geschaut habe. 

Ben Mendelsohns Ralph Anderson führt einen hier durch die gesamte Story. Er ist der ermittelnde Cop in dem Kindermordfall. Ralph hat aber noch ein eigenes Päckchen zu tragen, sein Sohn ist vor einem Jahr gestorben. Durch einen „Vorfall“ wird er dazu verdonnert, zum Psychologen zu gehen. Das ist natürlich gar nicht sein Ding, Er ist sehr rational, glaubt einzig an die Dinge, die er sieht. Als in dem aktuellen Kindermordfall dann plötzlich schwer erklärbare, ja übernatürliche Dinge die Auflösung bestimmen, kann er damit schlecht umgehen. Det. Ralph Anderson taugt sicher für die meisten Zuschauer als Identifikationsfigur. Ich sehe Ben Mendelsohn wahnsinnig gerne. Ich weiß nicht, ob mir das vorher schon aufgefallen ist, aber ich mag auch seine raue, tiefe  Stimme und nuschelige Sprache. Schauspielerisch ist er sowieso top, durch die Bank sind aber alle Schauspieler sehr gut und auch perfekt besetzt. Hervorheben möchte ich aber dennoch besonders Cynthia Erivo, Bill Camp und Julianne Nicholson. 

Um so mehr ich darüber nachdenke, um so mehr mag ich, wie die Serie (und wahrscheinlich auch die Romanvorlage) mit dem Thema Schmerz und Trauer umgeht. Leidende, Trauernde, körperlich oder psychisch Verletzte sind sicher auch verwundbarer, also anfälliger für, ja weiteren Schmerz, der ihnen zugefügt wird. Oder anders herum, wie hier, das Böse fühlt sich vom Schmerz angezogen. Vielleicht sind diese Menschen auch oftmals offener für Übernatürliches. Ein Todesfall innerhalb der Familie hat zweifelsfrei Auswirkungen auch auf den Rest der selbigen, auch das wird hier in, mitunter interessante Geschichten eingebettet. 

Ich kann nicht behaupten, dass am Ende dieser zehn Episoden jedes einzelne Detail für mich in einem Zusammenhang gebracht wurde. Es bleiben einige Fragen, was ich aber nicht als störend empfand. 

Meine Lieblingsepisode: Folge 5 („Tear-Drinker“)

Mein Lieblingszitat, gerade in dem hier dargestellten Zusammenhang: „An outsider knows an outsider“

Im Staffelfinale („Must/Can´t“) gibt es während des Abspanns ein, bzw. zwei wichtige Szenen! Also nicht vorher ausmachen. Zur letzten Episode und diesen Abspann-Szenen habe ich mir ein paar Gedanken gemacht bzw. habe ich ein paar Fragen:

 

 

SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER

Noch in der Höhle mit El Cuco: Warum fragt Holly „Wer ist Terry“ (Sie weiß doch ganz genau, wer Terry ist, deshalb wurde sie engagiert)

Warum wird zum Schluss der finalen Episode Frankie Peterson Grabstein eingeblendet, interpretiere ich da zu viel herein, endet die Staffel letztlich nur so wie sie anfing, mit seinem Tod? 

Abspann-Szenen: 

Holly hat im Badezimmer-Spiegel Jack gesehen und hat unmittelbar zum Spiegel gegriffen und ihren Nacken begutachtet, mmmh. Wir als Zuschauer können ihren Nacken nicht sehen. 

Warum spielt Holly mit ihren Haaren (hat sie vorher nie getan)? Warum hört sie Musik? (irgendwann hat sie mal verlauten lassen, dass sie gar keine Musik mag). 

Auf Hollys Unterarm ist definitiv ein Kratzer zu sehen. 

Warum wird der Song „Washington Square“ von dem ihr Ralph erzählt hat (die Anekdote mit seiner Mutter) zum Schluss im Radio gespielt? Das wusste ich tatsächlich nur, weil ich mir immer englische Untertitel einblende und dort die Songs auch genannt werden. 

Holly ist (zusammen mit El Cuco) der Außenseiter dieser Geschichte, wie sie selbst am Ende der Serie äußert. El Cuco kratzt ein Opfer, häutet sich bis er schließlich in einen anderen Körper wandert, die Form des Opfers angenommen hat. Für seine Transformation braucht er ungefähr 27 Tage. Holly leidet unter dem Verlust von Andy, ist verwundbar, hat bereits einen Kratzer auf dem Unterarm  (Ralph hat einen Kratzer im Gesicht, er scheint sich aber langsam mit dem Tod seines Sohnes abgefunden haben)

Frage: Deutet es jetzt darauf hin, dass Holly langsam unter dem Einfluss von El Cuco steht? Wenn sie sich in ihn verwandeln würde, hätte sie sicher keinen Kratzer. Sie könnte aber unter seinem Einfluss stehen, wie Jack seinerzeit. Scheinbar ist ihr bewusst, dass das passieren könnte. Ich habe mir die letzte Episode, wie alle anderen Folgen, ein zweites Mal angeschaut, konnte nicht erkennen, dass Holly gekratzt wurde. Alles sehr mysteriös.

SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE 

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Det. Ralph Anderson ist der ermittelnden Polizist in dem Fall des getöteten Jungen. Er ist mit Jeannie (gespielt von Mare Winningham) verheiratet, die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, der ein Jahr zuvor an Krebs gestorben ist. Ralph hat den frühen Tod seines Sohnes immer noch nicht richtig verarbeiten können. Gespielt wird Ralph Anderson von dem australischen Schauspieler Ben Mendelsohn. Mir ist er tatsächlich das erste Mal in einem meiner Lieblingsfilme Animal Kingdom aufgefallen. Seither habe ich ihn in unzähligen Filmen (u.a. Starred Up, Slow West, Mississippi Grind, Darkest Hour) gesehen. Auch war er großartig in der TV-Serie „Bloodline“. Für seine Performance in den drei Staffeln dieser Serie wurde er drei Mal für den Emmy nominiert, für die zweite Staffel von „Bloodline“ hat er den Emmy gewonnen. 

Holly Gibney ist eine Privat-Ermittlerin. Sie hat autistische Züge, ist dem Übernatürlichem offen und hat einige besondere Gaben. Da die Gesetzeshüter in dem Fall des getöteten Jungen nicht weiterkommen, wird sie einbezogen. Gespielt wird Holly von der englischen Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin Cynthia Erivo. Cynthia Erivo kommt vom Theater, war in einigen TV-Produktionen („Mr. Selfridge“, „Broad City“) zu sehen. Ich war überrascht, dass Cynthia Erivos Filmographie erst drei, bereits abgedrehte Filme (Widows, Bad Times at the El Royale und „Harriet“) umfasst. Für ihren dritten  Film („Harriet“) hat sie dieses Jahr gleich zwei Oscar-Nominierungen (Beste Hauptdarstellerin und Bester Song) erhalten. Für ihre Hauptrolle in dem Broadway-Musical „The Color Purple“ hat sie den Tony gewonnen. Sie hat außerdem für „The Color Purple“ einen Grammy für das Best Musical Theater Album und einen Emmy für Outstanding Musical Performance in a Daytime Program gewonnen. Die Chancen stehen hervorragend, dass die erst 33-jährige Cynthia Erivo schon bald einen Oscar gewinnt und damit zu einer der wenigen, sogenannten EGOT-Gewinner (die einen Emmy, Grammy, Oscar und Tony gewonnen haben) gehört. 

Lt. Yunis Sablo ist ist Lieutenant des GBI (Georgia Bureau of Investigation), somit für die Strafverfolgung des Staates Georgia zuständig. Er arbeitet mit Det. Ralph Anderson (gespielt von Ben Mendelsohn) zusammen. Yunis wird von dem kubanisch-amerikanischen Gitarristen (der Bands Urgent und Diving for Pearls) und Schauspieler Yul Vazquez gespielt. Er hat in einigen TV-Serien (Bloodline , The Looming Tower, „Midnight, Texas“, Russian Doll) mitgewirkt und war auch bereits in großen Filmproduktionen („Traffic“, „War of the Worlds“, „American Gangster“, „Che: Part One & Two“, Captain Phillips, Last Flag Flying) zu sehen. 

Jeannie Anderson ist die Frau von Det. Ralph Anderson (gespielt von Ben Mendelsohn). Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, Derek, der ein Jahr zuvor an Krebs gestorben ist. Jeannie ist dem Übernatürlichen nicht ganz so abgeneigt wie ihr Gatte. Gespielt wird Jeannie von der amerikanischen Schauspielerin Mare Winningham. Zu sehen war sie in unzähligen Serien (u.a. The Affair, „American Horror Story: Hotel“, sie hat aber auch kleinere Rollen in Kinofilmen (Philomena, Dark Waters) gespielt. Mare Winningham wurde insgesamt  7 Mal für den Emmy nominiert (für ihre Performance in „Amber Waves“, „Love is Never Silent“, The Boys Next Door“, „George Wallace“, „Law & Order: Special Victims Unit“, Mildred Pierce und „Hatfields & McCoys“). Gewonnen hat sie zwei Emmys für „“Amber Waves“ und „George Wallace“. Sie hat außerdem eine Oscar-Nominierung für ihre Performance in dem Film  „Georgia“ aus dem Jahr 1995.

Terry Maitland ist Lehrer und Baseball-Trainer für Kinder.  Er wird verdächtigt, einen Jungen getötet zu haben. Terry ist mit Glory (Julianne Nicholson) verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, Maya und Jessa. Gespielt wird Terry von dem amerikanischen Schauspieler, Regisseur  und Produzenten Jason Bateman. Er hat bereits als Kind in „Little House on the Prairie“ gespielt und spielt seither in unzähligen Filmen (Juno, Up in the Air, Disconnect, The Gift, Game Night) und vielen TV-Serien („Arrested Development“, Ozark) mit. Für die TV-Serien „Arrested Development“ und „Ozark“ wurde er insgesamt für 7 Emmys (als Schauspieler, Regisseur und Produzent) nominiert. Im letzten Jahr hat er für eine Episode von „Ozark“ einen Emmy als Regisseur gewonnen. Bei den ersten beiden Episoden von „The Outsider“ führt Jason Bateman auch Regie. 

Glory Maitland ist die Frau von Terry (gespielt von Jason Bateman). Gespielt wird Glory von der amerikanischen Schauspielerin Julianne Nicholson. Bekannt ist sie den meisten wahrscheinlich durch die TV-Serie „Law & Order: Criminal Intent“, sie hat aber auch in anderen TV-Serien, u.a.  Boardwalk Empire und „Masters of Sex“ mitgespielt und war auch in kleineren Rollen in Kinofilmen (August: Osage County, Black Mass, Novitiate und I, Tonya zu sehen. 

Howard Salomon ist der Anwalt von Terry und Glory Maitland (gespielt von Jason Bateman und Julianne Nicholson). Gespielt wird Howard Salomon von dem wunderbaren amerikanischen Schauspieler Bill Camp. Ich weiß nicht warum, aber mir ist er erst sehr spät, genauer: mit der TV-Serie: The Night Of erstmalig aufgefallen. Seither gucke ich mir aber TV-Serien (The Looming Tower) und Filme mitunter sogar schon seinetwegen an. Seine erste Filmrolle hatte er in „Reversal of Fortune“. Ich habe ihn u.a. in Lincoln, 12 Years a Slave, Birdman, Molly´s Game, Skin, Dark Waters gesehen. Der Charakterschauspieler wurde für seine Performance in der TV-Serie „The Night Of“ für den Emmy nominiert. Auch wurde er für seine Darstellung in dem Theaterstück „The Crucible“ für den Tony nominiert. 

Claude Bolton saß bereits einige Male im Gefängnis, ist jetzt auf Bewährung draußen, arbeitet in dem Stripclub Peach Crease und will den Tatverdächtigen Terry Maitland (gespielt von Jason Bateman) blutverschmiert gesehen haben. Gespielt wird Claude von dem englischen Musiker, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Paddy Considine. Er hat in unzähligen Filmen, u.a. „Hot Fuzz“, „The Bourne Ultimatum“, The World´s End, Child 44, „The Death of Stalin“ mitgespielt. Er ist aber auch für das Drehbuch und die Regie von einem meiner Lieblingsfilme, Tyrannosaur, verantwortlich. Im letzten Jahr wurde er für seine Performance in dem Theaterstück „The Ferryman“ für den Tony nominiert. 

Det. Jack Hoskins ist Polizist und Kollege von Det. Ralph Anderson. Jack ist Jäger und Scharfschütze, kürzlich wurde er von seiner Frau verlassen. Det. Jack Hoskins wird von dem amerikanischen Schauspieler Marc Menchaca gespielt. Er hat in zahlreichen TV-Serien (u.a. der ersten Staffel von Homeland und Ozark, und „The Sinner“) mitgespielt. 

„The Outsider“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch.

„The Outsider“ wurde erstmalig v. 12.1.20 – 8.3.20 auf HBO gezeigt. In Deutschland ist diese Miniserie (oder TV-Serie) bei Sky Atlantic zu sehen. Offiziell ist noch keine zweite Staffel bestätigt. Zwei Szenen inmitten des Abspanns der finalen Episode, lassen aber vermuten, dass es eine Fortsetzung gibt. „The Outsider“ hat für HBO extrem gute Einschaltquoten erzielt. Außerdem wenn man bei AppleTV und HBO genau hinschaut, sieht man, dass bei „The Outsider“ für  2 Staffeln angelegt ist. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

TV-Serie „Succession, 2. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Succession, Staffel 2“ (seit dem 10.11.19 in D. über Sky zu sehen oder über den iTunes Store zu erwerben)  10 x approx. 60 min  satire, comedy, drama 

dir. Mark Mylod, Andrij Parekh, Shari Springer Berman and Robert Pulcini, Matt Shakman, Becky Martin, Kevin Bray  cast: Brian Cox, Jeremy Strong, Sarah Snook, Kieran Culkin, Alan Ruck, Nicholas Braun, Matthew Macfadyen, J. Smith-Cameron, Holly Hunter, Jeannie Berlin, Cherry Jones, Hiam Abbass, Peter Friedman, Dagmara Dominczyk, Justine Lupe, James Cromwell, Caitlin FitzGerald

 

Was genau hat Logan Roy (Brian Cox) vor?

 

A (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der HBO-Serie „Succession“ ist der britische TV-Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong („In the Loop“, „Four Lions“). Erzählt wird von dem mächtigen Medienmogul Logan Roy und seiner Familie. Ähnlichkeiten von Logan Roy und Rupert Murdoch mit ihren jeweiligen Familien und Waystar Royco und News Corp sind natürlich nur rein zufällig. Produziert haben die Serie u.a. der amerikanische Schauspieler und Drehbuchautor Will Ferrell (Step Brothers, The Campaign) und der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Adam McKay (The Big Short, Vice). Die Ereignisse der zweiten Staffel knüpfen relativ nahtlos an denen der ersten Staffel an. 

Mein Beitrag zur ersten Staffel liegt jetzt zwei Monate zurück, in der Zwischenzeit lief die Fortsetzung erstmalig auf HBO und die erste Staffel wurde mit zwei wohlverdienten Emmys (Drehbuch für das Staffelfinale und den besten Score für den Vorspann) ausgezeichnet. Leider stand bei den diesjährigen Emmys die letzte Staffel von „Game of Thrones“ im Weg, sonst hätte „Succession“ sicher den Emmy für die Beste Dramaserie gewonnen. 

Ich liebe Filme und Serien, die mich in eine, mir völlig fremde Welt führen, mir diese anhand von Charakteren und Geschichten näher bringen. Erklären, so dass ich diese Welt verstehe. Genau das schafft „Succession“ und ist dabei unglaublich witzig. Hier blickt man hinter die Kulissen einer superreichen dysfunktionalen Familie. Die Roys haben so gut wie keine Berührungspunkte mit der normalen Bevölkerung, sie haben natürlich Bedienstete, aber der Kontakt beschränkt sich darauf, ihnen Anweisungen zu erteilen. Wenn sie unter Druck stehen, geben sie diesen an ihre Untergebenen weiter. Den Unterschied zwischen dem engsten Roy-Familienkreis, ihren wichtigen Geschäftspartnern und allen Anderen sieht man, wenn sie aus Sicherheitsgründen in den Safe/Panic Room gebracht werden. Wenn die Familie Roy den eigenen Vergnügungspark besuchen will, wird der kurzerhand für die anderen Besucher gesperrt. Sie haben riesige Anwesen und Luxus-Wohnungen in Bestlage, werden bei kurzen Strecken in SUVs oder Limousinen (Kendall auch mal auf dem Motorrad) kutschiert, sind aber ansonsten überwiegend in Hubschraubern und Privatjets unterwegs oder verbringen Zeit auf ihrer Jacht. Milliardäre bleiben unter sich, machen Geschäfte mit ihresgleichen. Wenn es um Geld geht, geht es gleich um sehr viel Geld. Die, vermutlich zwischen Anfang 30 und Mitte 50-jährigen Roy-Kinder müssen sich für ihre größeren Ausgaben immer Papas Okay holen und wenn dem etwas nicht in den Kram passt, können sie ihre Wünsche gleich begraben. Manchmal könnte man den Roy-Nachwuchs fast bemitleiden. Es gibt jedenfalls keinen Grund, sie zu beneiden. Die Serie ist ein fiktives, bitterböses Drama und zugleich eine Satire, aber könnte es sich nicht so oder so ähnlich bei den Murdochs oder irgendeiner anderen Milliardärs-Familie zugetragen haben bzw. zutragen? 

In der Familie Roy werden harte Kämpfe ausgetragen. Der Vater, Logan Roy (gespielt von Brian Cox), ist ein Medienmogul, hat das Medienimperium Waystar Royco aufgebaut, er weiß über alles und jeden, innerhalb seiner Familie und in seinem Konzern, Bescheid. Logan Roy ist zwar schon alt, aber noch nicht gewillt, seine Macht abzugeben. Schon gar nicht an seine Kinder, von denen er keinen wirklich ernst nimmt. Allen vier Kindern (gut, Connor ist nicht interessiert, wie wir seit der ersten Staffel wissen, er hat andere Ambitionen) fehlt in Logans Augen das Rückgrat und der Killerinstinkt, den sie seiner Meinung brauchen, um Waystar Royco zu leiten. Vielleicht hat gerade diese Kaltblütigkeit am Ende doch eines der Kinder. Die zweite Staffel steckt bis zur tatsächlichen letzten Sekunde voller Spannung und auch Überraschungen. 

Die erste Staffel war das Amuse-Gueule vor dem mehrgängigen kreativen Dinner in einem Drei-Sterne-Restaurant, was die zweite Staffel, für mich darstellte. Ohne die erste Staffel wird man nicht nachvollziehen können, wie exzellent, die zweite ist. Ich hatte den Eindruck, dass es in der Fortsetzung etwas ernsthafter, dramatischer zugeht. Auf der anderen Seite habe ich bei jeder einzelnen Episode mehrmals lauthals lachen müssen. Mir ist schleierhaft, wie die Schauspieler ihre trockenen und bösartigen Sprüche raushauen können, ohne dabei mit der Wimper zu zucken.

In dieser Staffel geht es um Übernahmen, einen handfesten Skandal, Täter und Opfer und natürlich um Macht und Führungsansprüche der Roy-Geschwister.

Ein kleiner Auszug meiner Lieblingssequenzen:

  • die gesamte Sequenz mit Kendall bei Vaulter (Episode 2, „Vaulter“)
  • die gesamte Sequenz um den rechtsradikalen ATN-Nachrichtensprecher Mark Ravenhead und Connor und Willa bei der Beerdigung von „Mo“ (Episode 4, „Safe Room“)
  • die aussagekräftige Sequenz mit Roman, Shiv und – vor allen Dingen – Kendall und ihrer Mutter (Episode 7, „Return“)
  • die gesamte Sequenz in Schottland. Über Logans Kindheit ist bislang kaum etwas bekannt, daher sind die geringsten Informationen schon willkommen, außerdem mag ich die gesamte Dynamik dieser Episode, „Grexit“ und natürlich Kendall mit ein paar Hochs und Tiefs (Episode 8, „Dundee“)
  • meine absolute Lieblingssequenz ist jedoch das Staffelende (die letzten, vielleicht zehn Minuten von Episode 10 „This is Not for Tears“

Meine Lieblingscharaktere:

In der ersten Staffel hatte ich keinen wirklichen Lieblingscharakter, am meisten habe ich mich sicher über Roman Roy (gespielt von Kieran Culkin) und das Zusammenspiel von Tom Wamsgans und Cousin Greg  (gespielt von Matthew Mcfadyen und Nicholas Braun) amüsiert. Auch in der zweiten Staffel sorgt Roman natürlich mit seinem rätselhaften Sexleben und seinem Sarkasmus für viele Lacher. Greg hingegen orientiert sich langsam um, für die zweite Staffel gibt es zwei (wenn man genau hinschaut, am Ende mit Greg & Ken sogar drei) interessante neue Paarungen: Roman & Gerri und Shiv & Tom. Letztlich ist aber auch sonst jeder einzelne Hauptcharakter vielschichtig und hat seine eigene Geschichte. Bei der zweiten Staffel hat sich jedoch ein Charakter direkt in mein Herz gespielt: Kendall Roy.

Mit der Figur Kendall Roy habe ich auch einen neuen Lieblingsschauspieler: Jeremy Strong. Ich hatte diesen Schauspieler bislang noch gar nicht auf dem Schirm. In der ersten Staffel war seine Serienfigur noch zu grün hinter den Ohren, ich konnte ihn noch nicht wirklich ernst nehmen, außerdem war er der, der mit den Coolen spielen wollte. Coolness kann man aber bekanntlich nicht erzwingen und daher wirkte er oft lächerlich. Er war – um es auf den Punkt zu bringen – der Loser. Kendall ist aber der Einzige der Roy-Kinder, der sich mit dem Mediengeschäft richtig auskennt, jahrelang arbeitete er schon in einer leitenden Position bei Waystar Royco und stand am Anfang der ersten Staffel sogar kurz davor, die Nachfolge von Logan Roy anzutreten…. bis Papa Roy es sich anders überlegt hat. In der zweiten Staffel ist Kens Leben von Ups and Downs bestimmt. Gedemütigt und am Boden, er konsumiert natürlich immer noch Drogen, dann wirkt er auf einmal gefasst und überlegt, manchmal wie ferngesteuert, dann ist er wieder so ein Sausack, macht den Eindruck, als wäre ihm alles egal, kurz darauf wirkt er wieder emphatisch, sehr souverän, angriffslustig, knallhart, dann möchte man ihn wieder einfach in den Arm nehmen, trösten, dann dieser Rap, uswuswusw…Definitiv ist Kendall die faszinierendste Figur der zweiten Staffel. Bei meiner Zweitsichtung der Staffel (die ich übrigens nur jedem ans Herz legen kann, da man bei dieser handlungsdichten und dialogreichen Serie unmöglich alles beim ersten Mal  erfassen kann), war ich manchmal sogar ein bisschen in Kendall verliebt. 

In den letzten paar Wochen habe ich quasi jede freie Minute damit verbracht, „Succession“ zu gucken. Die erste Staffel habe ich, wie alle guten Serien, zwei Mal geschaut. Die zweite Staffel hatte ich schon zwei Mal geschaut, dann war ich erkältet, hatte keine Lust auf Filme oder neue Serien und habe sie mir noch ein weiteres Mal angeschaut. Und auch bei der dritten Sichtung habe ich tatsächlich noch immer wieder etwas Neues entdeckt, mich über Gesichtsausdrücke oder wieder über den Dialogwitz kaputt gelacht und – wie die Male zuvor – meinen Spass mit dieser einfach unfassbar brillant geschriebenen Serie gehabt. 

Definitiv ist „Succession“ keine Serie, die man nebenbei schauen kann, die Handlungsdichte ist viel zu groß, wenn man ein Mal blinzelt, verpasst man schon was. 

 

In meine jährliche Top Ten hatte ich schon einige wenige Male auch eine TV-Serie aufgenommen, die ersten beiden Staffeln von „Succession“ sind jetzt bereits festgesetzt in meiner Top Ten 2019.  Update: Die erste und die zweite Staffel von „Succession“  ist in meiner Bestenliste für 2019 gelistet.

 

Die wichtigsten Charaktere hatte ich bereits in meinem Beitrag zur ersten Staffel vorgestellt, Ein paar für die zweite Staffel wichtige Charaktere, ein Unternehmen und einen TV-Sender möchte ich hier noch vorstellen: 

Gerri ist Wirtschaftsanwältin, leitet die Rechtsabteilung bei Waystar Royco und ist eine wichtige Beraterin für Logan Roy (gespielt von Brian Cox), außerdem gehört sie quasi zur Familie, war  Taufpatin von Logan Roys einziger Tochter, Shiv (gespielt von Sarah Snook), und ist mittlerweile auch für den jüngsten Sohn der Roys, Roman (gespielt von Kieran Culkin), eine enge Beraterin. Gespielt wird Gerri von der amerikanischen Schauspielerin J. Smith-Cameron. Sie hat in vielen TV-Serien (u.a. TV-Serie „True Blood“, ,TV-Serie „Rectify“) gespielt und hat auch in einigen Kinofilmen („In & Out“, Margaret) mitgewirkt. 

Cyd Peach leitet den Nachrichtensender ATN, der zu Waystar Royco gehört. Gespielt wird Cyd von der amerikanischen Schauspielerin Jeannie Berlin. Die mittlerweile 70-jährige war nicht durchgehend auf dem Bildschirm bzw. auf der Leinwand zu sehen. Ich habe sie in den Filmen Margaret und Inherent Vice, sowie der wunderbaren TV-Serie TV-Serie „The Night Of gesehen. Sie hat für ihre Performance in „The Heartbreak Kid“ eine Oscar-Nominierung erhalten. 

Rhea Jarell ist CEO des rivalisierenden Medienkonzerns PGM. Logan Roy will PGM aufkaufen. Rhea hat einen ähnlichen schmutzigen Humor wie die Roys. Gespielt wird Rhea von der amerikanischen Schauspielerin Holly Hunter. Sie hat in den Coen Bros.-Filmen „Raising Arizona“ und „O Brother, Where Art Thou?“ gespielt und auch beispielsweise in dem großartigen Film „Broadcast News“, Sie hat in der TV-Serie „Saving Grace“ und dem Mehrteiler TV-Serie „Top of the Lake mitgewirkt. Sie wurde 6 x für den Emmy nominiert, hat zwei Emmys (für „Roe vs. Wade“ und „The Positively True Adventures of the Alleged Texas Cheerleader-Murdering Mom“) gewonnen. Außerdem wurde sie vier Mal für den Oscar nominiert („Broadcast News“, „The Firm“, „The Piano“ und „Thirteen“), für „The Piano“ hat sie den Oscar gewonnen. 

Naomi ist die Cousine von Nan Pierce (gespielt von Cherry Jones) Sie ist das schwarze Schaf der Familie Pierce, vielleicht kommt sie daher so gut mit Kendall klar. Naomi wird von der amerikanischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Annabelle Dexter-Jones gespielt. Sie war u.a. in Holy Motors, „Under the Silver Lake“ und der HBO-Serie „The Deuce“ zu sehen. 

ATN ist ein amerikanischer Nachrichtensender, ein Propaganda-Sender der Republikaner, gleichzusetzen mit Rupert Murdochs TV-Sender Fox News. Wer schon mal in den Genuss gekommen ist, die Berichterstattung dieses Senders zu verfolgen, ist ratlos. Wie ist es rechtlich überhaupt möglich, so viele Lügen zu verbreiten? 

PGM ist ein großes Medienunternehmen, dass seit 150 Jahren im Familienbesitz ist. Die Matriarchin ist Nan Pierce (gespielt von Cherry Jones). CEO von PGM ist Rhea Jarell (gespielt von Holly Hunter) Waystar Royco hat vor Jahren schon mal versucht, PGM zu übernehmen. Logan Roy unternimmt in der zweiten Staffel einen erneuten Versuch.  Familie Pierce ist alter Geldadel, dagegen sind die Roys neureich. Die Pierces sind liberal und demokratisch und halten gar nichts von den Roys. PGM gehört ein liberaler Nachrichtensender, der in den Augen der meisten, der einzige Sender ist, der „richtige Nachrichten“ bringt, insbesondere im Vergleich zu Waystar Roycos Propagandasender ATN. Shiv Roy meldet Bedenken an, Pierce zu kaufen: „If we own all the news, I do actually wonder where I’ll get my fucking news…You´ve got The Times, The Post, editors of Pierce and a couple of hundred angry women on Twitter and that’s about it“

Die erste Staffel von „Succession“ wurde erstmalig v. 3.6.18-5.8.18 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO gezeigt und war für die im September 2019 verliehenen Emmys qualifiziert. Nominiert war „Succession“ für insgesamt 5 Emmy-Awards (Outstanding Drama Series, Outstanding Directing for a Drama Series (für Adam McKay und die Pilotfolge „Celebration“), Outstanding Writing for a Drama Series (für Jesse Armstrong und die finale Episode „Nobody is Ever Missing“). Außerdem war die Serie für zwei Primetime Creative Arts Emmy Awards (Outstanding Casting for a Drama Series und Outstanding Original Main Title Theme Music) nominiert. Die Serie hat zwei Emmys (Outstanding Writing und Outstanding Original Main Title Theme Music) gewonnen. 

Die zweite Staffel von „Succession“ lief erstmalig vom 8.11.19 – 13.10.19 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO und qualifiziert sich dadurch für die Emmys im Jahr 2020. In Deutschland kann man die zweite Staffel seit dem 10.11.19 auf Sky sehen oder über den deutschen iTunes Store (wohl auch in der, unbedingt empfehlenswerten Originalversion) erwerben. 

Eine dritte Staffel wurde bereits bestätigt. 

Trailer der zweiten Staffel zu sehen: 

 

 Vorspann zu sehen:

 

New Yorker Bus mit Werbung von "Succession"
New Yorker Bus mit Werbung von „Succession“

TV-Serie: „Unbelievable“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

 

„Unbelievable“ (seit dem 13.09.19 weltweit auf Netflix zu sehen)   8 x approx. 60 min   drama, biopic, adaption

dir. Lisa Cholodenko, Michael Dinner, Susannah Grant   cast: Kaitlyn Dever, Toni Collette, Merritt Wever, Dale Dickey, Elizabeth Marvel, Eric Lange, Vanessa Bell Calloway, Danielle MacDonald, Bill Fagerbakke

 

Im Jahr 2008 wird die 18-jährige Marie Adler (Kaitlyn Dever) vergewaltigt. Als sie den Fall bei der Polizei zu Protokoll gibt, muss sie ihre Aussagen ständig wiederholen. Der Täter hatte auch keinerlei Spuren hinterlassen. Bald muss Marie realisieren, dass die beiden männlichen Polizisten Det. Parker (Eric Lange) und Det. Pruitt (Bill Fagerbakke) ihre Ausführungen anzweifeln. Das hat schließlich zur Folge, dass sie ihre Aussage zurückzieht…

Im Jahr 2011 ermittelt Detective Karen Duvall (Merritt Wever) in einem ganz anderen Bundesstaat an einem Vergewaltigungsfall, entdeckt Ähnlichkeiten zu einem weiteren Fall und wendet sich schließlich an eine ihrer Kolleginnen, Detective Grace Rasmussen (Toni Collette). Ein Serienvergewaltiger scheint sein Unwesen zu treiben…

 

B (Wertung von A bis F) „Unbelievable“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist eine Adaption des Artikels „An Unbelievable Story of Rape“ von T. Christian Miller, ProPublica und Ken Armstrong, The Marshall Project. Serienschöpfer sind die amerikanische Drehbuchautorin (Erin Brockovich“, The Soloist) und Filmemacherin Susannah Grant, die israelisch-amerikanische Autorin Ayelet Waldman und der amerikanische Romanautor Michael Chabon („Wonder Boys“). Bei den ersten drei Episoden hat die amerikanische Drehbuchautorin und Filmemacherin Lisa Cholodenko („Laurel Canyon“, The Kids Are All Right, HBO-Miniserie „Olive Kitteridge“) Regie geführt. 

Hier werden zunächst zwei voneinander getrennte Geschichten erzählt. In der einen Handlungsebene folgt man der 18-Jährige Marie (gespielt von Kaitlyn Dever), die das traumatische Erlebnis einer Vergewaltigung verarbeiten muss und sich später auch noch damit auseinandersetzen muss, dass weder die Polizei, noch ihre Pflegemütter oder Freunde ihr glauben, dass sie überhaupt vergewaltigt wurde. In der anderen Handlungs- und Zeitebene suchen zwei Polizistinnen einen Serienvergewaltiger. Diese Mini-Serie hätte man sicher kompakter gestalten und die Geschichte in der Hälfte der Zeit erzählen können. Damit wäre einem dann aber das Zusammenspiel der beiden, so unterschiedlichen Polizistinnen (gespielt von Merritt Wever und Toni Collette) entgangen und vielleicht hätte sich dieser langsame Aufbau dann auch nicht mit der finalen Episode so ausgezahlt. 

Meine große Entdeckung ist hier Merritt Wever. So ganz stimmt das natürlich nicht, erstmalig lobend erwähnt habe ich sie in meinem Beitrag über die TV-Serie Nurse Jackie im Jahr 2010. Merritt Wever hat mich mit ihrem exzellenten Spiel hier an die wunderbare Elizabeth Moss erinnert. Ich finde ihre Serienfigur aber auch sehr angenehm. Det. Karen Duvall hat eine leise, warme Stimme, weiche Tonlage und eine zurückgenommene, in sich ruhende Art, sie ist verständnisvoll ohne anbiedernd zu sein.

Meine Lieblingsszenen: 

  • Das Gespräch der beiden Polizistinnen im Auto (Episode 6)
  • Das Verhör mit dem Bruder (Episode 7)
  • Die letzten vielleicht fünf Minuten von Episode 7

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Marie hatte keine einfache Kindheit, sie ist in Heimen und bei verschiedenen Pflegeeltern aufgewachsen. Eines Tages wird sie Opfer einer Vergewaltigung. Die Polizei hegt Zweifel an ihren Aussagen. Gespielt wird Marie von der amerikanischen Schauspielerin Kaitlyn Dever. Sie hat in einigen TV-Serien (u.a. „Justified“) und Kinofilmen (u.a. The Spectacular Now!, Short Term 12, Outside In, Booksmart mitgespielt) 

Detective Karen Duvall arbeitet zunächst an dem Vergewaltigungsfall von Amber (gespielt von Danielle Macdonald) und ermittelt später gemeinsam mit Detective Grace Rasmusen (gespielt von Toni Collette), um einen Serienvergewaltiger zu finden. Karen Duvall ist mit Max (gespielt von Austin Hébert) verheiratet und hat zwei Töchter. Gespielt wird Det. Duvall von der amerikanischen Schauspielerin Merritt Wever. Bekannt geworden ist sie durch die TV-Serie Nurse Jackie,. Sie hat aber seither auch in anderen TV-Serien (u.a. „The Walking Dead“ und „Godless“) gespielt und war auch in einigen Kinofilmen (u.a. Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)) zu sehen. Sie hat zwei Emmys für die TV-Serien  „Nurse Jackie“ und „Godless“ gewonnen und eine weitere Emmy-Nominierung für die TV-Serie „Nurse Jackie“ erhalten. 

Detective Grace Rasmussen arbeitet bereits seit 14 Jahren als Detective und ermittelt später mit Det. Karen Duvall (gespielt von Merritt Wever) daran, einen Serienvergewaltiger zu finden. Grace Rasmussen ist mit Steve (gespielt von Kai Lennox), der für die Generalstaatsanwaltschaft arbeitet, verheiratet. Det. Grace Rasmussen wird von der australischen Schauspielerin Toni Collette gespielt. Erstmalig aufgefallen ist sie mir in „Muriel´s Wedding“ und seither ist sie in vielen Kinofilmen (u.a. „About a Boy“, „Little Miss Sunshine“, Enough Said, Lucky Them, Hereditary) zu sehen. Toni Collette hat eine Oscar-Nominierung für ihre Performance in „The Sixth Sense“ und drei Emmy-Nominierungen für „United States of Tara“ und „Tsunami: The Aftermath“ erhalten. Für die Serie „United States of Tara“ hat sie schließlich den Emmy gewonnen. 

„Unbelievable“ ist seit dem 13.09.19 auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

 

TV-Serie – „Succession, 1. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Succession, Staffel 1“ (in D. beispielsweise über den iTunes Store zu erwerben)  10 x approx. 60 min  comedy, drama 

dir. Adam McKay, Mark Mylod, Adam Arkin, Andrij Parekh, Miguel Arteta, S. J. Clarkson   cast: Brian Cox, Jeremy Strong, Nicholas Braun, Kieran Culkin, Matthew Macfadyen, Alan Ruck, Sarah Snook, Hiam Abbass, Peter Friedman, Justine Lupe, Eric Bogosian, James Cromwell 

 

Logan Roy (Brian Cox) ist ein sehr einflussreicher Medienmogul, Waystar Royco zählt zu den größten Medienkonzernen der Welt. Nun ist er aber nicht mehr der Fitteste und eigentlich war es abgemacht, dass er zu seinem 80. Geburtstag die Leitung seines weltweiten Imperiums seinem zweitältesten Sohn Kendall (Jeremy Strong) überträgt. Der alte Herr hat es sich jedoch anders überlegt…

 

B+ (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der HBO-Serie „Succession“ ist der britische TV-Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong („In the Loop“, „Four Lions“). Erzählt wird von dem mächtigen Medienmogul Logan Roy und seiner Familie. Logan Roy hat selbstverständlich rein gar nichts, also überhaupt nichts, mit Rupert Murdoch zutun. Auch sind die Ähnlichkeiten von Waystar Royco und News Corp natürlich nur rein zufällig. Produziert haben die Serie u.a. der amerikanische Schauspieler und Drehbuchautor Will Ferrell (Step Brothers , The Campaign) und der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Adam McKay (The Big Short, Vice). Adam McKay hat auch bei der Pilotfolge Regie geführt. 

Es gibt TV-Serien, die perfekt in die Zeit passen, in der sie erstmalig ausgestrahlt werden. Ich erinnere mich da besonders an die erste Staffel von Mr. Robot (im Jahr 2015) und The Handmaid´s Tale (im Jahr  2017). „Succession“ kreist um das meinungsmachende Imperium von Logan Roy und ist eine Serie über Supereiche, die über die Gestaltung der Gesellschaft mitbestimmen, ohne selbst einen Bezug zur „normalen“ Bevölkerung zu haben. Damit passt „Succession“, in meinen Augen, genau in die Zeit 2018/2019 usw. 

Zugegebenermassen springe ich dieses Mal etwas spät auf den Zug auf. Auch wenn ich im letzten Jahr bereits an der ersten Staffel interessiert war, gab es einfach zu viele hervorragende Serien, die meine Aufmerksamkeit erforderten. An den überragenden Kritiken der aktuell laufenden zweiten Staffel komme ich nun aber definitiv nicht mehr vorbei. Zunächst musste ich mir aber die erste Staffel anschauen. 

Hier geht es um die „Roys“, die dem amerikanischen Geldadel angehören, genauer die zu den sogenannten „1%“ zählen. Megareiche, die mit sich selbst überfordert sind, die Bodenhaftung völlig verloren haben, sich vermutlich selbst und alle anderen hassen. Sie begegnen anderen, aber selbst ihren engsten Familienmitgliedern, mit einer unglaublichen Überheblichkeit, Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit. So hauen sich die einzelnen Charaktere permanent irgendwelche Gemeinheiten um die Ohren. Was die Kinder von Logan Roy betrifft, suchen diese letztendlich nach Aufmerksamkeit und Bestätigung. Definitiv ist dies keine Serie, bei der man mit, auch nur einem der Beteiligten tauschen will und wenn man es nicht eh schon wüsste, wäre das hier der Beweis, dass Geld nicht glücklich macht. Gute Menschen oder gar Sympathieträger sucht man in dieser Serie vergeblich. Die Charaktere wären eigentlich kaum zu ertragen, wenn das Ganze nicht als schwarze Tragikomödie aufgezogen wäre. Die Dialoge sind unglaublich brillant. Ich weiß nicht, wie oft ich lauthals lachen musste. Meine unbedingte Empfehlung: die Serie in der Originalfassung, vielleicht mit englischen Untertiteln, schauen.

Die Besetzung jedes einzelnen dieser komplexen Charaktere ist makellos. 

Schauspielerisch und inszenatorisch ist „Succession“ manchmal so überzeugend, dass man glaubt, eine Reportage über diese dysfunktionale Milliardärs-Familie zu sehen. 

Greg, der Cousin von Connor, Kendall, Roman und Shiv, ist nicht im Wohlstand aufgewachsen und reicht damit vielleicht am Anfang noch am ehesten als Identifikationsfigur für den Zuschauer. Zumindest sieht man die superreichen Roys anfänglich durch seine (scheinbar naiven) Augen.

Am meisten habe ich mich sicher über den, von Kieran Culkin verkörperter Roman Roy amüsiert. Vielleicht ist er sowas wie mein Lieblingscharakter der Serie. Es macht aber auch wahnsinnig viel Spaß, den Möchtegerns und irgendwie Außenseitern Greg und Tom (gespielt von Nicholas Braun und Matthew Macfadyen) zuzuschauen. Brian Cox hebt das Niveau jedes Projektes und ist die perfekte Besetzung des Logan Roy. Brian Cox zeigt hier über die gesamte erste Staffel einige Facetten seines Talents.

Was wären Schauspieler ohne ihre Stimme und ihre Sprache? Synchronisationen nehmen ihnen genau das, das sollte man sich immer vor Augen halten. 

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich es kaum erwarten kann, wie es mit den Charakteren in der zweiten Staffel weitergeht und ich endlich wieder diesen tollen Score hören kann.

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Logan Roy ist in Schottland geboren. Er hat sich selbst ein Imperium aufgebaut, dadurch fällt es ihm auch schwer, seinen verwöhnten Kindern, die noch nichts in ihrem Leben erreicht haben, die Nachfolge seines Lebenswerks zu überlassen. Logan ist der CEO eines der weltweit größten Medienkonzerne: Waystar Royco. Ähnlichkeiten zu Rupert Murdoch sind, wie gesagt, rein zufällig. Er ist in dritter Ehe mit Marcia (gespielt von Hiam Abbass) verheiratet. Er hat mit Connor (gespielt von Alan Ruck), Kendall (gespielt von Jeremy Strong) und Roman (gespielt von Kieran Culkin) drei Söhne und eine Tochter: Siobhan (gespielt von Sarah Snook). Logan ist 80 Jahre alt und wollte eigentlich kürzer treten und die Führung seines Konzerns seinem zweitältesten Sohn Kendall überlassen. Er hat es sich aber anders überlegt. Gespielt wird der Patriarch von dem schottischen Schauspieler Brian Cox. Der Theater-, TV- und Filmschauspieler hat in unzähligen Kinofilmen („Braveheart“, „The Bourne Identity“, Zodiac, The Escapist, The Good Heart) und TV-Serien („Deadwood“, „The Game“, „Penny Dreadful“) mitgespielt. Für seine Performance in der TV-Serie „Nuremberg“ hat er einen Emmy gewonnen. Für seine Rolle in der TV-Serie „Frasier“ wurde er für einen weiteren Emmy nominiert. 

Kendall „Ken“ Roy ist der zweitälteste Sohn (aus 2. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Eigentlich sollte Kendall die Nachfolge seines Vaters als CEO bei Waystar Royco antreten, Logan hat es sich jedoch anders überlegt. Kendall hat eine Drogenvergangenheit, was wohl auch ein Grund für seine Ehefrau Rava (gespielt von Natalie Gold) war, ihn mit den beiden Kindern zu verlassen. Gespielt wird Kendall von dem amerikanischen Schauspieler Jeremy Strong. Auch wenn ich wahrscheinlich noch nicht erwähnt habe, hat er in einigen hervorragenden Kinofilmen (Lincoln, Robot & Frank, Zero Dark Thirty,  The Big Short, Molly´s Game) mitgespielt. Auch war er u.a. in den TV-Serien „The Good Wife“ und „Masters of Sex“ zu sehen.

Roman „Rome“ Roy ist der jüngste Sohn (aus 2. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Roman arbeitet bei Waystar Royco, naja, er arbeitet nicht wirklich, aber er hat dort ein Büro.  Gespielt wird Roman von dem amerikanischen Schauspieler Kieran Culkin. Seine erste Rolle hatte er neben seinem Bruder Macauley in „Home Alone“. Er hat in ein paar guten Filmen („The Cider House Rules“, „Igby Goes Down“, Margaret) mitgespielt. Auch hat er in der zweiten Staffel der TV-Serie „Fargo“ mitgewirkt. 

Siobhan „Shiv“ Roy ist die einzige Tochter (aus der 2. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Sie ist die Halbschwester von Connor (gespielt von Alan Ruck) und die Schwester von Kendall und Roman (gespielt von Jeremy Strong und Kieran Culkin) Sie arbeitet als politische Beraterin. Demnächst will sie ihren langjährigen Freund Tom Wambsgans (gespielt von Matthew Macfadyen)  heiraten. Gespielt wird Shiv von der australischen Schauspielerin Sarah Snook. Sie war bereits in einigen Kinofilmen (u.a Steve Jobs, The Glass Castle, Winchester) zu sehen. 

Connor „Con“ Roy  ist der ältester Sohn (aus der 1. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox).  Con lebt auf einer abgelegenen Ranch in New Mexico. Willa (gespielt von Justine Lupe) ist sowas wie seine Freundin, auch wenn er sie kennenlernte, als er ihre Dienste als Callgirl in Anspruch nahm. Das sorgt auch immer wieder für böse Spitzen in ihre Richtung. Connor wird von dem amerikanischen Schauspieler Alan Ruck gespielt. Unvergessen ist er natürlich als „Cameron“ in „Ferris Bueller´s Day Off“. Seither hat er in vielen TV-Serien („Mad About You“, „Spin City“, „The Exorcist“) mitgespielt und war auch in ein paar Kinofilmen („Speed“, War Machine) zu sehen. Neben seiner Ehefrau, Mireille Enos (TV-Serie „The Killing“) hat Alan Ruck in der TV-Serie „The Catch“ gespielt. 

Tom Wambsgans ist der langjährige Freund/später Verlobte von Shiv Roy (gespielt von Sarah Snook). Er arbeitet bei Waystar Royco. Gespielt wird Tom von dem englischen Schauspieler Matthew Macfadyen.  Er hat in einigen Kinofilmen (u.a. „Pride & Prejudice“, „Death at a Funeral“, Frost/Nixon) und TV-Serien („Spooks“, „Ripper Street“) mitgespielt. 

Marica Roy ist die dritte Ehefrau von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Gespielt wird Marcia von der israelischen Schauspielerin („Paradise Now“, „Munich“, The Visitor) und Regisseurin Hiam Abbass. 

Greg ist der Enkel von Logan Roys Bruder Ewan (gespielt von James Cromwell)), damit ist er ein Cousin von Kendall, Roman, Shiv und Connor. Greg selbst ist nicht im Wohlstand aufgewachsen, am Anfang sieht man die ultrareichen Roys mit seinen Augen. Er wirkt etwas naiv und unbeholfen, zeigt aber schon bald einen gewissen Ehrgeiz. Gespielt wird Greg von dem amerikanischen Schauspieler Nicholas Braun. Er hat in einigen TV-Serien (u.a. „10 Things I Hate About You“) und Kinofilmen (u.a.The Perks of Being a Wallflower) mitgewirkt. Nicholas Braun ist sehr groß (fast 2 Meter), was in dieser Serie tatsächlich öfter auffällt. 

Die erste und die zweite Staffel von „Succession“  ist in meiner Bestenliste für 2019 gelistet.

Die erste Staffel von „Succession“ wurde für fünf Emmys nominiert, u.a. Outstanding Drama Series, Outstanding Directing for a Drama Series (für Adam McKays Pilotfolge), Outstanding Writing for a Drama Series (für den Serienschöpfer Jesse Armstrong und die finale Episode der ersten Staffel„Nobody is Ever Missing“) 

Die erste Staffel von „Succession“ wurde erstmalig v. 3.6.18 – 5.8. 18 auf HBO gezeigt. Die zweite Staffel läuft seit dem 11.8.19 auf HBO. Eine dritte Staffel ist bereits bestätigt. In Deutschland kann man die OV der ersten Staffel über den deutschen iTunes Store erwerben. 

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

TV-Serie: „Mindhunter, 2. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

 

„Mindhunter, 2. Staffel“ (seit dem 16.8.19 auf Netflix zu sehen)  9 x approx. 60 min  crime, drama, adaptation 

dir. David Fincher, Andrew Dominik, Carl Franklin   cast: Jonathan Groff, Holt McCallany, Anna Torv, Michael Cerveris, Stacey Rocca, Lauren Glazier, Albert Jones, Sierra McClain, Joe Tuttle, Albert Jones, Cotter, Smith, Cameron Britton, Christopher Livingston, Oliver Cooper, Damon Herriman, Michael Filipowich, Christopher Backus, Morgan Kelly, Robert Aramayo, Corey Allen, Sonny Valicenti  

 

April 1980, FBI-Agent Bill Tench (Holt McCallany) wird mit einem Cold Case konfrontiert. Der BTK (Bind, Torture, Kill)-Fall, dieser Serienmörder ist noch auf freiem Fuß, soll sieben Menschen getötet haben und wird voraussichtlich noch weiter morden. Außerdem bekommt Bill, Dr. Wendy Carr (Anna Torv) und Holden Ford (Jonathan Groff) einen neuen Chef vorgesetzt: Ted Gunn (Michael Cerveris). Er verspricht ihnen und ihrer Verhaltensforschungsabteilung die vollste Unterstützung. Während Bill sich um eine private Sache Zuhause kümmern muss, fährt Holden allein nach Atlanta, um den Serienmörder William Pierce Jr. (Michael Fillipowich) zu interviewen. In Atlanta erfährt er davon, dass in den vergangenen sieben Monaten acht afroamerikanische Kinder ermordet wurden, drei weitere werden vermisst. Ein weiterer Serienmörder scheint sein Unwesen zu treiben…

 

A- (Wertung von A bis F) „Mindhunter“ basiert auf John E. Douglas´ und Mark Olshakers Sachbuch „Mindhunter: Inside FBI´s Elite Serial Crime Unit“. Serienschöpfer ist der englisch-australische Dramatiker und Drehbuchautor Joe Penhall (The Road). Für den amerikanischen Regisseur David Fincher („The Game“, „Fight Club“, The Social Network, Gone Girl) ist es nach House of Cards (U.S.), die zweite Netflix-Serie, die er mitproduziert. Bei der zweiten Staffel hat David Fincher bei den ersten drei der neun Episoden Regie geführt.

Ist es schon wieder zwei Jahre her, dass mich die erste Staffel von „Mindhunter“ so begeisterte? Die Zeit vergeht, die Serie bleibt sich aber auch in der zweiten Staffel treu. Diese Serie ist geradezu mit provozierender Langsamkeit erzählt, darauf muss man sich als Zuschauer einlassen können und wollen. Auch wenn es hier hauptsächlich um (tatsächlich reale) Serienmörder geht, fließt hier kein Blut. Die grausamen Verbrechen spielen sich mehr im Kopf des Zuschauers ab. „Mindhunter“ ist ein meisterhaft erzähltes Charakterdrama vor dem Hintergrund der Kriminalpsychologie und dem Erstellen von Täterprofilen bei Gewaltverbrechen. Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahren war der Beginn des heute bekannten Profilings. Der FBI-Fallanalytiker John E. Douglas (auf dessen Buch die Serie basiert) und sein Kollege Robert Ressler dienten als Vorlage für die fiktiven Protagonisten Holden Ford und Bill Tench. In der zweiten Staffel arbeiten die beiden FBI-Agenten später erstmalig tatsächlich an einem Serienmörder-Fall. Die zweifellos besten Szenen in der zweiten Staffel sind die Befragungen der verurteilten Gewaltverbrecher, Mörder bzw. Serienmörder. Die brillanten Dialoge ziehen sich aber durch die komplette Staffel. Hervorheben möchte ich eine, von David Fincher inszenierte Szene, in der Bill einen Zeugen in einem Auto vernimmt (Episode 2), aber natürlich liebe ich auch die gesamte Charles Manson-Sequenz von dem Moment, in dem sie sich im Büro seine (gar nicht so schlechte) Musik anhören über die eigentlichen Interviews mit Manson und Tex Watson bis zur späteren Analyse (Episode 5). Ich liebe aber auch die Sequenz, die ihre 5-wöchige nächtliche Überwachung der Brücken zusammenfasst (Episode 8). 

Am Ende dieser Staffel war ich etwas unbefriedigt, was aber mehr mit der Verurteilung des Serienmörders zutun hat. Selbstverständlich habe ich mir auch diese Staffel zwei Mal angeschaut und einzelne Szenen könnte ich mir immer wieder anschauen. Der Elektroscore ist vertraut und großartig, die Szenenbilder sind so detailgetreu, dass man nie Zweifel hegt, dass die Serie tatsächlich Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre spielt. 

Die erste Staffel begann bei den meisten Episoden mit einer kurzen Szene, in der man einen mysteriösen Mann sieht. Es stellte sich heraus, dass es sich bei ihm um den BTK-Serienmörder handelt. Diese Tradition wird auch bei den meisten Episoden der zweiten Staffel fortgesetzt. Die 2. Staffel beginnt im April 1980 und Special Agent Bill Tench bekommt den BTK-Fall als Cold Case auf seinen Tisch. Er ermittelt auch an dem Fall, befragt einen Zeugen, nur jetzt spielt das wahre Leben rein, der BTK-Killer wurde erst wesentlich später gefasst. Offiziell gibt es zwar noch keine Bestätigung für eine dritte Staffel, man kann aber davon ausgehen, dass sich der BTK-Fall wie ein roter Faden durch die Serienstaffeln ziehen wird. Das kommt auch nicht von ungefähr, der Vorlagenlieferant dieser Serie, John E. Douglas, hat nämlich zusammen mit Johnny Dodd ein Buch über den BTK-Killer geschrieben („Inside the Mind of BTK: The True Story Behind the Thirty-Year Hunt for the Notorious Wichita Serial Killer.“)

Ein kleiner Auszug von den befragten Gewaltverbrechern bzw. Serienmördern in Staffel 2:

  • David Berkowitz, genannt „Son of Sam“,  gespielt von dem amerikanischen Schauspieler Oliver Cooper 
  • William „Junior“ Pierce, gespielt von dem amerikanischen Schauspieler Michael Fillipowich
  • William Henry Hance, gespielt von Corey Allen 
  • Elmer Wayne Henley, gespielt von dem englischen Schauspieler Robert Aramayo 
  • Ed Kemper, erneut von dem großartigen amerikanischen Schauspieler Cameron Britton gespielt. 
  • Charles Manson, der Sektenführer wird von dem australischen Schauspieler Damon Herriman gespielt (er war bereits als Charles Manson kurz in Once Upon a Time…in Hollywood  zu sehen) 
  • Paul Bateson hatte sogar in William Friedkins „The Exorcist“ einen kurzen Auftritt, bevor er später zum Mörder wurde. Gespielt wird Bateson von dem kanadischen Schauspieler Morgan Kelly. 
  • Wayne Williams, gespielt wird er von Christopher Livingston 

Die zweite Staffel von „Mindhunter“ steht seit dem 16.08.19 auf Netflix zur Verfügung. 

Trailer zu sehen:

Netflix – TV-Serie: „When They See Us“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„When They See Us“ (seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 70 min   drama, biopic 

dir. Ava DuVernay  cast: Jharrel Jerome, Asante Blackk, Caleel Harris, Ethan Herisse, Marquis Rodriguez, Vera Farmiga, Felicity Huffman, John Leguizamo, Famke Janssen, Niecy Nash, Aunjanue Ellis, Blair Underwood, Justin Cunningham, Jovan Adepo, Chris Chalk, Freddy Miyares, Marsha Stephanie Blake, Joshua Jackson

 

Am 19.04.1989 wurde eine 28-jährige, weiße Joggerin im New Yorker Central Park vergewaltigt und brutal misshandelt. Wie durch ein Wunder hat die Frau überlebt. Fünf dunkelhäutige Kinder im Alter von 14 bis 16 Jahren werden auf das Revier gebracht, stundenlang (ohne einen Erziehungsberechtigten) von den Polizisten verhört und unter Druck, zu einem Geständnis gezwungen. Bei den späteren Gerichtsverhandlungen werden Kevin Richardson (Asante Blackk), Antron McCray (Caleel Harris), Yusuf Salaam (Ethan Herisse), Raymond Santana (Marquis Rodriguez) und Korey Wise (Jharrel Jerome) schuldig gesprochen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der älteste der Teenager, der 16-jährige Korey Wise, landet sogar für vierzehn Jahre in einem Erwachsenengefängnis. Noch während Korey Wise seine Haftstrafe verbüsst, gesteht ein anderer Häftling, ein verurteilter Mörder, dass er die Joggerin im Jahr 1989 brutal überfallen, vergewaltigt und ihrem Schicksal überlassen hat. Die DNA-Tests beweisen, dass die Tat von diesem  Einzeltäter verübt wurde. Im Jahr 2003 wurde die Unschuld der Central Park Five bewiesen und die Urteile der Fünf aufgehoben. Nach einem, über elf Jahre andauernden Rechtsstreit wurde den fünf unschuldig verurteilten Männern eine Entschädigung von insgesamt 41 Millionen Dollar gezahlt. 

 

B+ (Wertung von A bis F) „When They See Us“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt von dem „Central Park Jogger Case“ aus dem Jahr 1989. Der Fall gilt als einer der größten Justizskandale der USA. Serienschöpferin und Regisseurin dieses Vierteilers ist die afroamerikanische Filmemacherin Ava DuVernay (Selma, 13th, „A Wrinkle in Time“). Kameramann der Miniserie ist Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Arrival, Where is Kyra?). 

„When They See Us“ ist zweifelsfrei harte Kost. Mir ging das Schicksal dieser Kinder sehr nah und ich habe eine solche Wut auf die amerikanische Polizei und Justiz bekommen, dass ich bei diesem Vierteiler immer wieder eine Pause einlegen musste. Darüberhinaus ist es mir aber auch schwergefallen, die Kinder/ bzw. späteren erwachsenen Männer und ihre Familien auseinanderzuhalten. Da ich dann aber die letzte Episode schlichtweg exzellent fand, habe ich mir alle vier Teile erneut angeschaut. Mit der zweiten Sichtung hat mir diese Miniserie auch noch besser gefallen. 

Dies ist ein Ensemble-Werk, bei dem alle Schauspieler zu dem Erfolg beitragen. Für mich sticht Freddy Miyares, der den älteren Raymond Santana spielt, vor allen Dingen optisch etwas heraus. Die preiswürdigstes Performance gibt – mit Abstand – Jharrel Jerome. Dieser Schauspieler brauchte zwei Castings, um die Serienschöpferin und Regisseurin Ava DuVernay davon zu überzeugen, dass er sowohl den naiven, leicht zurückgebliebenen 16-jährigen Jugendlichen, als auch den erwachsenen Korey Wise spielen kann. Damit ist er der Einzige der Fünf, der seinen Charakter als Teenager und als Erwachsener spielt. Was für eine Performance. Sollte die Mitglieder der TV-Academy bis zur finalen vierten Episode durchhalten – was eine gewisse Herausforderung darstellt – gewinnt Jharrel Jerome den Emmy in diesem Jahr. Jharrel Jerome ist ein Name, den man sich merken sollte.

Ava DuVernay ist eine politische Filmemacherin, so liess sie es sich auch nicht nehmen, den Part, den Donald Trump in dem Fall innehatte, zu zeigen. Der New Yorker Immobilienmogul hatte seinerzeit 85.000 Dollar für ganzseitige Zeitungsannoncen ausgegeben, in denen er sich für Wiedereinführung der Todesstrafe in New York stark machte. Mit anderen Worten: er forderte die Todesstrafe für die fünf (unschuldigen) Jugendlichen. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten wollte sich auf Anfrage dafür auch heute nicht entschuldigen. 

„When They See Us“ ist in seiner Inszenierung mitunter (beispielsweise bei der Musikauswahl) etwas zu aufdringlich. Ein manchmal etwas zurückgenommener Stil hätte diesem Mehrteiler nicht geschadet. 

 

In meinen Augen kann man das Leben nicht spoilern, dennoch eine kurze Spoilerwarnung für den Überblick auf die einzelnen Episoden: 

Part 1 Die Polizeiverhöre und daraus resultierenden Geständnisse zerstören von einem Moment auf den anderen das Leben der fünf Kinder.

Part 2 Sowohl Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft bereitet sich auf die Gerichtsverhandlungen vor. Schließlich: die eigentlichen Prozesse vor Gericht

Part 3 Die Zeit in der Jugendhaftanstalt für vier der Kinder und ihr späteres Leben als freie erwachsene Männer 

Part 4 Diese gesamte Episode ist dem ältesten der fünf unschuldig Verurteilten, Korey Wise, gewidmet. Da er bereits 16 Jahre alt war, ist er in einem Erwachsenengefängnis, dem berüchtigten Rikers Island (später in anderen Haftanstalten für Erwachsene) gelandet. Die Lebensgeschichte von Korey Wise hat mir fast das Herz gebrochen. Eine heftige Episode, aber für mich ganz klar die beste.

Spoilerwarnung zu Ende

 

Die sogenannten Central Park Five sind alle wichtige Charaktere in diesem Mehrteiler, dennoch möchte ich nur einen hervorheben, dem auch die letzte Episode gewidmet wurde:

Korey Wise ist sicherlich die tragischste Figur der „Central Park Five“. Er galt als keiner der Verdächtigen, hatte nur seinen 15-jährigen Kumpel Yusuf Salam auf das Polizeirevier begleitet. Korey Wise war der Einzige, der bereits 16 Jahre alt war und später nicht in Jugendhaft, sondern in ein Gefängnis für Erwachsene kam. Er hat eine furchtbare Mutter (hassenswert gespielt von Niecy Nash) und eine transsexuelle Schwester (gespielt von dem Transgender-Model Isis King), zu der er eine besondere Beziehung hat. Gespielt wird Korey Wise von dem afroamerikanischen Schauspieler Jharrel Jerome. Er hat bereits eine kleinere Rolle in dem, mit dem Oscar prämierten Film Moonlight gespielt. 

Zum Schluss dieses Mehrteilers erfährt man, wie die Central Park Five heute leben und sieht Originalfotos der Männer. 

Am 16.07.19 werden die Emmy-Nominierungen für das Jahr 2018/2019 bekanntgegeben. „When They See Us“ konkurriert mit Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, Fosse/Verdon „Chernobyl“ und „A Very English Scandal“ in einer Kategorie. 

„When They See Us“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter Best Limited Series, Best Actor in a Limited Series/Movie (Jharell Jerome), Best Actress in a Limited Series/Movie (Niecy Nash, Aunjanue Ellis) Best Supporting Actress in a Limited Series/Movie (Vera Farmiga), Best Supporting Actor in a Limited Series/Movie (Michael Kenneth Williams) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „When They See Us“ für 16 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Jharrel Jerome), Lead Actress in a Limited Series (Niecy Nash, Aunjanue Ellis), Supporting Actor in a Limited Series (Asante Blackk, Michael K. Williams, John Leguizamo), Supporting Actress in a Limited Series (Vera Farmiga, Marsha Stephanie Blake)  „When They See Us“ geht damit mit den meisten Schauspiel-Nominierungen (8) ins Emmy-Rennen. Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„When They See Us“ ist weltweit seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen: