Montréal – Film: „Midsommar“

Ich war am 19.07.19 in Montréal und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Midsommar“ (dt. Kinostart: 26.09.19)  140 min.  drama, horror

dir. Ari Aster cast: Florence Pugh, Jack Reynor, William Jackson Harper, Will Poulter, Vilhelm Blomgren

 

Dani (Florence Pugh) muss eine Familientragödie verarbeiten, ihr langjähriger Freund Christian (Jack Reynor) ist ihr dabei keine große Hilfe. Eigentlich wollte der sich auch schon länger von ihr trennen. Jetzt erfährt Dani, dass er bereits vor einiger Zeit eine Reise mit seinen Freunden Josh (William Jackson Harper) und Mark (Will Poulter) gebucht hat. Ihr Freund Pelle (Vilhelm Blomgren) hatte sie in sein Heimatdorf nach Schweden eingeladen. Dort wird in diesem Jahr ein ganz besonderes Fest gefeiert. Kurzerhand fährt Dani nun mit. Schon bald müssen die Amerikaner aber feststellen, dass die Mitglieder dieser Kommune höchst befremdliche Rituale pflegen….

 

A (Wertung von A bis F) „Midsommar“ ist nach Hereditary der zweite Spielfilm, bei dem der  Autorenfilmer Ari Aster Regie führt. 

Ich liebe diesen Film. Es ist nicht so sehr, was für eine Geschichte präsentiert wird, sondern wie sie erzählt wird. Wenn man sich darauf einlassen kann und will, lädt Ari Aster einen ein, einige Zeit in einer obskuren Sekte zu verbringen, ohne dass man selbst einen Schaden davonträgt oder gar sein Leben verliert. Ich bin immer noch verblüfft, wie er es vollbracht  hat, diese Atmosphäre zu kreieren. Ich hatte tatsächlich das Gefühl hat, mit den anderen Neuankömmlingen (den vier Amerikanern und zwei Engländern) zeitgleich in dieser seltsamen Kommune anzukommen. Der Film führt einen durch seinen langsamen und ruhigen Aufbau in diese, so andere Welt.

Alles an dieser Idylle mit ihren scheinbar glücklichen, weißbekleideten schwedischen Menschen in ihrem Dorf mit den schlichten Häusern, die im Inneren detailreich verzierte Wände haben, den Tisch-Ritualen, etc. habe ich aufgesaugt als wäre ich vor Ort und mir würde die schwedische Sonne ins Gesicht brutzeln. Irgendwann kippt natürlich die Stimmung, eines der bizarren religiösen Rituale schockiert bis ins Mark. Dann ist man als Zuschauer aber bereits bei den Charakteren, das Schicksal der Einzelnen nimmt seinen Lauf und als aufmerksamer Zuschauer ahnt man, was kommt. Das Ende – im Gegensatz zu Asters Vorgängerfilm „Hereditary“ – fügt sich dann auch homogen in die Szenerie. 

Gestalterisch ist dieser Film ein Meisterwerk. „Midsommar“ ist das Werk eines visionären Künstlers, von denen es in der neuen Generation von Filmemachern nur ganz wenige gibt. Es wird der Vergleich zu Stanley Kubricks Inszenierungen gezogen und das kommt nicht von ungefähr. Im Gegensatz zu dem legendären Filmemacher schreibt Ari Aster aber auch die Geschichten zu seinen Filme selbst. Für den 33-jährige New Yorker war sein Erstlingswerk (Spielfilm) „Hereditary“ ein Familiendrama, im Gerüst eines Horrorfilms.  Auch mit seinem neuen Film bedient sich der Filmemacher der Stilmittel des Horrorfilms, aber eigentlich ist es ein tief verstörendes Melodrama, das auf brillante Weise die Verarbeitung von Schmerz und Trauer zeigt. Anders ausgedrückt, die Zuschauer, die einen reinen Horrorfilm sehen wollen, können mit diesem Film sicher nicht viel anfangen. Dafür passiert in diesem fast 2 1/2 Stunden-Film einfach zu wenig und die eigentliche Spannung und der Grusel kommen hier hauptsächlich durch die transportierte Atmosphäre und Stimmung. Der Zuschauer, der ein reines (Beziehungs- oder Trennungs-) Drama erwartet, wird aber mit diesem Film auch nicht glücklich. Dafür sind einige Szenen zu krass und blutig. „Midsommar“ ist daher am besten als ein gelungenes Zusammenspiel aus Drama und Horrorfilm zu beschreiben. Hervorheben möchte ich jetzt nur noch, dass mir gefallen ist, wie der Filmemacher das Atmen und das Schreien hier arrangiert und teilweise in die Handlung einbettet hat. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, Sequenzen, in denen bewusstseinserweiternde Drogen konsumiert werden, jemals so realistisch und nachhaltig beeindruckend inszeniert gesehen zu haben.

Vor Beginn der Dreharbeiten hatte Ari Aster ein komplett ausgearbeitetes Konzept für seinen Film im Kopf und hat das dann später mit den besten gestalterischen Möglichkeiten umgesetzt. Aus technischer Sicht (Regie, Schnitt, Kamera, Filmmusik, Sound-, Production- und Kostümdesign) ist der Film Perfektion. 

Man sollte diesen Film unverfälscht sehen. Eine synchronisierte Fassung des Films sollte nicht in Betracht gezogen werden. Er eignet sich außerdem perfekt für das Kino. Ich werde versuchen, den Film ein weiteres Mal im Kino sehen. Ari Aster hat bereits eine extended version für die DVD-Auswertung angekündigt. 

„Midsommar“ wird die Zuschauerschaft spalten, für mich ist der Film bereits jetzt festgesetzt als einer meiner Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

„Midsommar“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Florence Pugh) 

„Midsommar“ ist ein A24-Film, der am 3.7.19 in 2,707 amerikanischen Kinos gestartet ist. Ich habe den Film in Kanada gesehen. Der Film startet am 26.09.19 in Deutschland. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „Once Upon a Time in Hollywood„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Quentin Tarantinos neunter Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Ad Astra„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: James Grays neuer Film. Sci-Fi mit Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%


Trailer v. Film: „It Chapter Two„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Fortsetzung zu dem Horrorfilm aus dem Jahr 2017. Habe weder Original noch Remake gesehen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Death & Life of John F. Donovan„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Xavier Dolans neuer Film mit Susan Sarandon, Kit Harrington, Natalie Portman, Jacob Tremblay. Ich bin kein Freund von Xavier Dolan und auch nicht von seinen Filmen. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „My Spy

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Actionkomödie

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

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Hong Kong – Film: „Parasite“

Ich war am 8.7.19 In Hongkong und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Parasite“ (Originaltitel: „Gisaengchung“, dt. Kinostart: 17.10.19)  132 min drama, horror, satire 

dir. Bong Joon Ho. cast: Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hyae Jin

 

Ki-taek (Kang-ho Song), seine Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang), ihr Sohn Ki-woo (Woo-sik Choi) und ihre Tochter Ki-jung (So-dam Park) leben in prekären Verhältnissen. Die Familie hält sich mit Aushilfsjobs, wie dem Falten von Pizzakartons, über Wasser. Mithilfe einer Empfehlung eines Freundes und gefälschter Dokumente erhält nun der Sohn einen Job als Englischlehrer für die Tochter einer sehr wohlhabenden Familie. Auf einmal verdient er richtig viel Geld. Auch seine Schwester kann er als  Kunsttherapeutin bei der Familie Park einschleusen. Langsam beginnt sich die komplette Familie Ki bei der reichen Familie Park einzunisten.…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Parasite“ ist der neue Film des südkoreanischen Autorenfilmers Bong Joon Ho („The Host“, Mother, „Snowpiercer“, „Okja“).

Bong Joon Hos neuer Film ist nicht einfach in nur ein Genre zu verfrachten, Drama, Komödie, Thriller, Horrorfilm, alles irgendwie dabei, am meisten kann man sich sicherlich darauf einigen, hier eine düstere Gesellschaftssatire zu sehen. Während die wohlhabende Familie in einem schönen Haus auf einem Hügel residiert, haust die arme Familie in einer Kellerwohnung. Wenn es denn wie aus Eimern regnet, freuen sich die Reichen darüber, wie der Regen die Luft säubert, wohingegen der mittellosen Familie das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht. Auch haftet den Menschen aus einfachen Verhältnissen ein spezieller Geruch an, wie der Vater der reichen Familie Park äußert. Anhand solcher Metaphern und Aussagen zeigt der koreanische Regisseur, dass die Welten der beiden Familien nicht unterschiedlicher sein könnten. Dabei zeichnet Bong Joon Ho kein klares Gut und Böse vor, letztlich ist es der Kapitalismus, der die Gesellschaft in Arm und Reich aufgespaltet hat. Im Verlauf des Films veranschaulicht er, dass die Parasiten sowohl in der Unter- als auch in der Oberschicht zu finden sind. 

Es dauert eine Weile bis der Film richtig Fahrt aufnimmt. „Not macht erfinderisch“ könnte man den, etwas zu langen ersten Akt des Films umschreiben. Die arme Familie Ki schleicht sich langsam und nicht mit unbedingt legalen oder fairen Mitteln bei der Familie Park ein. Man ahnt natürlich, dass das nicht lange gutgeht und hat entsprechend einen groben Plan der Handlung vor Augen. Wenn da nicht diese freche Wendung wäre…mehr sei inhaltlich nicht verraten.

„Parasite“ ist seltsamer Film, durchaus smart, (schwarz-) humorig, blutig, dabei aber etwas zu lang. Bong Joon Hos Film „Mother“ war im Jahr 2010 einer meiner Top Ten Filme , „Parasite“ läuft nicht Gefahr, einer meiner Lieblingsfilme in diesem Jahr zu werden, dennoch würde ich sein neues Werk wirklichen Filmfans in jedem Fall ans Herz legen. 

„Parasite“ ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung als Bester nicht-englischsprachiger Film

„Parasite“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. Dort wurde der Film mit dem Hauptpreis, der Goldenen Palme, ausgezeichnet. Es ist das erste Mal, dass der große Preis nach Südkorea ging, entsprechend ist der Film in seinem Heimatland (in der er bereits am 30.05.19 ins Kino gekommen ist) ein großer Erfolg. In den amerikanischen Kinos wird der Film voraussichtlich am 11.10.19 starten. „Parasite“ ist am 20.06.19 in Hongkong ins Kino gekommen. Ich habe den Film dort in der koreanischen Originalfassung mit chinesischen und englischen Untertiteln gesehen. In Deutschland soll der Film am 17.10.19 ins Kino kommen. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw„

Bewertung des Trailers: B+ (ganz anderer Trailer mit Originalfassung mit chin. Untertiteln)

Kommentar: Erster Spinn-off mit Dwayne Johnson, Jason Stratham, Idris Elba u.a., ich habe keinen der F & F-Filme gesehen

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ist von einem der Regisseure des ersten „John Wick“-Films, vielleicht doch

 

Filmplakat von „Parasite“ in einem Kino in Hongkong

Hong Kong – Film: „Spider-Man: Far From Home – 3D“

Ich war am 8.7.19 in Hongkong und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut: 

 

„Spider-Man: Far From Home – 3D“ (dt. Kinostart war der 4.7.19)  129 min  action, fantasy, sequel 

dir. Jon Watts  cast: Tom Holland, Samuel L. Jackson, Zendaya, Cobie Smulders, Jacob Batalon, Jon Favreau, Marisa Tomei, Jake Gyllenhaal 

 

Der 16-jährige Peter Parker a. k. a. Spider-Man (Tom Holland) geht zusammen mit seinem besten Freund Ned (Jacob Batalon) und seinem Schwarm MJ (Zendaya) auf Klassenfahrt nach Europa. Peter nimmt sich vor, MJ in Paris seine Liebe zu gestehen. Zunächst sind sie aber in Venedig und bereits kurz nach ihrem Eintreffen kommt es zu einem Zwischenfall. Ein riesiges Wassermonster wütet durch die Stadt. Zusammen mit einer, zunächst unbekannten Person (Jake Gyllenhaal) kämpft Peter Parker gegen dieses Monster…

 

C (Wertung von A bis F) „Spider-Man: Far From Home“ ist die zweite Einzelverfilmung der Titelfigur innerhalb des MCU und eine Fortsetzung zu Spider-Man: Homecoming und „Avengers: Endgame“.  Wie bereits bei dem Vorgänger führt der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Jon Watts (Cop Car) Regie. 

Nach einer kurzen Einleitungsschlacht in Mexiko hält der Film gleich im Anschluss die beste Szene parat. Die bringt einen dann auch gleich auf den neuesten Stand des Marvel-Universums. Ich war damit eigentlich in freudiger Erwartung, die perfekte Spidey-Besetzung (Tom Holland) in ein ungewöhnliches  Umfeld (Europa) zu begleiten. Das führt auch hin und wieder zu ganz unterhaltsamen Szenen. Das Ganze wiederholt sich dann aber und bei der x-ten computeranimierten Schlacht (in London) war ich dann von dem Gezeigten so ermüdet, dass ich tatsächlich eingenickt bin. Vielleicht bin ich einfach durch mit diesem Marvel-Kram. 

Anmerkung: Bei meiner ursprünglichen Veröffentlichung dieses Beitrags hatte ich vergessen zu erwähnen, dass ich den Film in der 3D-Fassung gesehen habe. Diese fand ich sehr lohnenswert.

„Spider-Man: Far From Home“ ist am 2.7.19 in 4,634 amerikanischen Kinos gestartet. In Hong Kong ist der Film bereits am 28.06.19 ins Kino gekommen. Ich habe den Film dort in der Originalfassung mit chinesischen Untertiteln gesehen. In Deutschland läuft der Film seit dem 4.7.19 im Kino. 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Once Upon a Time in Hollywood„

Bewertung des Trailers: B+ (anderer Originaltrailer mit chinesischen Untertiteln)

Kommentar: Quentin Tarantinos neunter Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Aufsteller von „Spider-Man: Far From Home“ in Hongkong

Netflix – TV-Serie: „When They See Us“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„When They See Us“ (seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 70 min   drama, biopic 

dir. Ava DuVernay  cast: Jharrel Jerome, Asante Blackk, Caleel Harris, Ethan Herisse, Marquis Rodriguez, Vera Farmiga, Felicity Huffman, John Leguizamo, Famke Janssen, Niecy Nash, Aunjanue Ellis, Blair Underwood, Justin Cunningham, Jovan Adepo, Chris Chalk, Freddy Miyares, Marsha Stephanie Blake, Joshua Jackson

 

Am 19.04.1989 wurde eine 28-jährige, weiße Joggerin im New Yorker Central Park vergewaltigt und brutal misshandelt. Wie durch ein Wunder hat die Frau überlebt. Fünf dunkelhäutige Kinder im Alter von 14 bis 16 Jahren werden auf das Revier gebracht, stundenlang (ohne einen Erziehungsberechtigten) von den Polizisten verhört und unter Druck, zu einem Geständnis gezwungen. Bei den späteren Gerichtsverhandlungen werden Kevin Richardson (Asante Blackk), Antron McCray (Caleel Harris), Yusuf Salaam (Ethan Herisse), Raymond Santana (Marquis Rodriguez) und Korey Wise (Jharrel Jerome) schuldig gesprochen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der älteste der Teenager, der 16-jährige Korey Wise, landet sogar für vierzehn Jahre in einem Erwachsenengefängnis. Noch während Korey Wise seine Haftstrafe verbüsst, gesteht ein anderer Häftling, ein verurteilter Mörder, dass er die Joggerin im Jahr 1989 brutal überfallen, vergewaltigt und ihrem Schicksal überlassen hat. Die DNA-Tests beweisen, dass die Tat von diesem  Einzeltäter verübt wurde. Im Jahr 2003 wurde die Unschuld der Central Park Five bewiesen und die Urteile der Fünf aufgehoben. Nach einem, über elf Jahre andauernden Rechtsstreit wurde den fünf unschuldig verurteilten Männern eine Entschädigung von insgesamt 41 Millionen Dollar gezahlt. 

 

B+ (Wertung von A bis F) „When They See Us“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt von dem „Central Park Jogger Case“ aus dem Jahr 1989. Der Fall gilt als einer der größten Justizskandale der USA. Serienschöpferin und Regisseurin dieses Vierteilers ist die afroamerikanische Filmemacherin Ava DuVernay (Selma, 13th, „A Wrinkle in Time“). Kameramann der Miniserie ist Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Arrival, Where is Kyra?). 

„When They See Us“ ist zweifelsfrei harte Kost. Mir ging das Schicksal dieser Kinder sehr nah und ich habe eine solche Wut auf die amerikanische Polizei und Justiz bekommen, dass ich bei diesem Vierteiler immer wieder eine Pause einlegen musste. Darüberhinaus ist es mir aber auch schwergefallen, die Kinder/ bzw. späteren erwachsenen Männer und ihre Familien auseinanderzuhalten. Da ich dann aber die letzte Episode schlichtweg exzellent fand, habe ich mir alle vier Teile erneut angeschaut. Mit der zweiten Sichtung hat mir diese Miniserie auch noch besser gefallen. 

Dies ist ein Ensemble-Werk, bei dem alle Schauspieler zu dem Erfolg beitragen. Für mich sticht Freddy Miyares, der den älteren Raymond Santana spielt, vor allen Dingen optisch etwas heraus. Die preiswürdigstes Performance gibt – mit Abstand – Jharrel Jerome. Dieser Schauspieler brauchte zwei Castings, um die Serienschöpferin und Regisseurin Ava DuVernay davon zu überzeugen, dass er sowohl den naiven, leicht zurückgebliebenen 16-jährigen Jugendlichen, als auch den erwachsenen Korey Wise spielen kann. Damit ist er der Einzige der Fünf, der seinen Charakter als Teenager und als Erwachsener spielt. Was für eine Performance. Sollte die Mitglieder der TV-Academy bis zur finalen vierten Episode durchhalten – was eine gewisse Herausforderung darstellt – gewinnt Jharrel Jerome den Emmy in diesem Jahr. Jharrel Jerome ist ein Name, den man sich merken sollte.

Ava DuVernay ist eine politische Filmemacherin, so liess sie es sich auch nicht nehmen, den Part, den Donald Trump in dem Fall innehatte, zu zeigen. Der New Yorker Immobilienmogul hatte seinerzeit 85.000 Dollar für ganzseitige Zeitungsannoncen ausgegeben, in denen er sich für Wiedereinführung der Todesstrafe in New York stark machte. Mit anderen Worten: er forderte die Todesstrafe für die fünf (unschuldigen) Jugendlichen. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten wollte sich auf Anfrage dafür auch heute nicht entschuldigen. 

„When They See Us“ ist in seiner Inszenierung mitunter (beispielsweise bei der Musikauswahl) etwas zu aufdringlich. Ein manchmal etwas zurückgenommener Stil hätte diesem Mehrteiler nicht geschadet. 

 

In meinen Augen kann man das Leben nicht spoilern, dennoch eine kurze Spoilerwarnung für den Überblick auf die einzelnen Episoden: 

Part 1 Die Polizeiverhöre und daraus resultierenden Geständnisse zerstören von einem Moment auf den anderen das Leben der fünf Kinder.

Part 2 Sowohl Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft bereitet sich auf die Gerichtsverhandlungen vor. Schließlich: die eigentlichen Prozesse vor Gericht

Part 3 Die Zeit in der Jugendhaftanstalt für vier der Kinder und ihr späteres Leben als freie erwachsene Männer 

Part 4 Diese gesamte Episode ist dem ältesten der fünf unschuldig Verurteilten, Korey Wise, gewidmet. Da er bereits 16 Jahre alt war, ist er in einem Erwachsenengefängnis, dem berüchtigten Rikers Island (später in anderen Haftanstalten für Erwachsene) gelandet. Die Lebensgeschichte von Korey Wise hat mir fast das Herz gebrochen. Eine heftige Episode, aber für mich ganz klar die beste.

Spoilerwarnung zu Ende

 

Die sogenannten Central Park Five sind alle wichtige Charaktere in diesem Mehrteiler, dennoch möchte ich nur einen hervorheben, dem auch die letzte Episode gewidmet wurde:

Korey Wise ist sicherlich die tragischste Figur der „Central Park Five“. Er galt als keiner der Verdächtigen, hatte nur seinen 15-jährigen Kumpel Yusuf Salam auf das Polizeirevier begleitet. Korey Wise war der Einzige, der bereits 16 Jahre alt war und später nicht in Jugendhaft, sondern in ein Gefängnis für Erwachsene kam. Er hat eine furchtbare Mutter (hassenswert gespielt von Niecy Nash) und eine transsexuelle Schwester (gespielt von dem Transgender-Model Isis King), zu der er eine besondere Beziehung hat. Gespielt wird Korey Wise von dem afroamerikanischen Schauspieler Jharrel Jerome. Er hat bereits eine kleinere Rolle in dem, mit dem Oscar prämierten Film Moonlight gespielt. 

Zum Schluss dieses Mehrteilers erfährt man, wie die Central Park Five heute leben und sieht Originalfotos der Männer. 

Am 16.07.19 werden die Emmy-Nominierungen für das Jahr 2018/2019 bekanntgegeben. „When They See Us“ konkurriert mit Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, Fosse/Verdon „Chernobyl“ und „A Very English Scandal“ in einer Kategorie. 

„When They See Us“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter Best Limited Series, Best Actor in a Limited Series/Movie (Jharell Jerome), Best Actress in a Limited Series/Movie (Niecy Nash, Aunjanue Ellis) Best Supporting Actress in a Limited Series/Movie (Vera Farmiga), Best Supporting Actor in a Limited Series/Movie (Michael Kenneth Williams) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „When They See Us“ für 16 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Jharrel Jerome), Lead Actress in a Limited Series (Niecy Nash, Aunjanue Ellis), Supporting Actor in a Limited Series (Asante Blackk, Michael K. Williams, John Leguizamo), Supporting Actress in a Limited Series (Vera Farmiga, Marsha Stephanie Blake)  „When They See Us“ geht damit mit den meisten Schauspiel-Nominierungen (8) ins Emmy-Rennen. Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„When They See Us“ ist weltweit seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

 

 

TV-Serie: „Fosse/Verdon“

Ich habe mir die folgende FX-Serie angeschaut:

 

„Fosse/Verdon“  8 x approx  50  min   drama, biopic, adaptation

dir. Thomas Kail, Adam Bernstein, Jessica Yu, Minkie Spiro  cast: Sam Rockwell, Michelle Williams, Margaret Qualley, Norbert Leo Butz, Jake Lacy, Aya Cash, Nate Corddry, Evan Handler, Paul Reiser, Brandon Uranowitz, Lin-Manuel Miranda  

 

Nach dem Misserfolg des Films „Sweet Charity“ kämpft der Tänzer, Choreograf und Theater- und Filmregisseur Bob Fosse (Sam Rockwell) darum, bei einem weiteren Hollywood-Film Regie zu führen. Er ist an der Filmadaption des Bühnenstücks „Cabaret“ interessiert. Der Produzent Cy Feuer (Paul Reiser) denkt nicht, dass er für den Film der richtige Regisseur ist. Schließlich bekommt Bob Fosse aber grünes Licht. Während der Dreharbeiten in München findet seine Ehefrau, die Tänzerin und Choreografin Gwen Verdon (Michelle Williams) heraus, dass Bob sie betrügt. Es ist nicht das erste Mal, aber dieses Mal ist alles anders…

 

A- (Wertung von A bis F) „Fosse/Verdon“ beruht auf Sam Wassons Biografie „Fosse“. Diese neue F/X- Miniserie basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt über das künstlerische und private Leben der beiden Broadway-Legenden Bob Fosse und Gwen Verdon. Die gemeinsame Tochter Nicole Fosse ist Mitproduzentin dieser Serie. Serienschöpfer sind der amerikanische Dramatiker Steven Levenson (Broadway-Musical „Dear Evan Hansen“) und der Regisseur des Erfolgs-Musicals „Hamilton“, Thomas Kail. Thomas Kail hat hier auch bei fünf Episoden Regie geführt. Der amerikanische Komponist, Schauspieler und Sänger Lin-Manuel Miranda (Bühnen-Musical „Hamilton“, Moana , Mary Poppins Returns) ist einer der Produzenten der Miniserie und spielt in der letzten Episode die Rolle des Roy Scheider. 

Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nichts über Bob Fosse und Gwen Verdon. Irgendwann habe ich aber  im amerikanischen Kino ein Making of von „Fosse/Verdon“ gesehen und da ich Sam Rockwell und Michelle Williams sehr mag, generell an Showbiz-Stories interessiert bin, habe ich etwas recherchiert. Dann kamen die Oscars ins Spiel und es war klar, dass ich diesen Mehrteiler unbedingt anschauen muss.

Bob Fosse ist hierzulande wahrscheinlich wenig bekannt. Er ist es aber, der aus dem Bühnenstück „Chicago“ ein Musical kreierte. Dieses Musical läuft seit 1975 und bis heute und ist damit das am längsten gespielte amerikanische Musical. Im Jahr 2002 hat Rob Marshall „Chicago“ verfilmt und der Film gewann sechs Oscars (inkl. Bester Film). Bob Fosse ist aber auch bekannt für den Film „Cabaret“, für den Bob Fosse im Jahr 1973 selbst den Regie-Oscar gewann. In diesem Jahr gewann Bob Fosse  außerdem noch drei Emmys und zwei Tonys und ist damit, bis heute, der Einzige, dem es gelungen ist, in einem Jahr einen Oscar, einen Emmy und einen Tony zu gewinnen. Allein für seine Choreografien gewann er insgesamt acht Tony-Awards. Gwen Verdon war eine der besten Schauspielerinnen und Tänzerinnen am Broadway und wurde vier Mal mit dem Tony als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. 

Bob Fosse war ein kreatives Genie und hat, so habe ich jetzt erfahren, viele Künstler, darunter Michael Jackson und Beyoncé, beeinflusst. Er benutzte Requisiten wie Hüte, Stöcke und Stühle und liess sie in seine Choreografien einfliessen. Bob Fosse war aber auch ein Womanizer, Ehebrecher, Egoist und Kettenraucher (5 bis 6 Packungen pro Tag). Ich weiß gar nicht mehr, seit wann ich eigentlich ein Fan von Sam Rockwell bin, wahrscheinlich seit seiner Rolle in George Clooneys „Confessions of a Dangerous Mind“. Sam Rockwell ist die perfekte Wahl für Bob Fosse. In einigen Filmen und bei zahlreichen Talkshow-Auftritten konnte der Schauspieler bereits mit Tanzeinlagen beeindrucken. Um so bemerkenswerter, dass ihm erst jetzt ein „Tanz-Projekt“ angeboten wurde. Der Oscar-Gewinner zeigt hier eine Facette, die ich bislang noch nicht von ihm gesehen habe. 

Die Kritiker sind – vor allen Dingen – voll des Lobes für Michelle Williams. Sie spielt (und singt und tanzt) auch fantastisch, selbst ihre Stimme und Sprache hat sie bis ins Unkenntliche verändert und der von Gwen Verdon angepasst. Wenn „Fosse/Verdon“ ein Kinofilm wäre, wäre sie nur schwer, bei den nächsten Oscars zu schlagen. Zu Beginn dieser Miniserie hat mich Michelle Williams Performance noch mehr als die von Sam Rockwell beeindruckt. Das liegt vielleicht auch daran, dass ihre Figur zugänglicher ist und man mit Sam Rockwells Bob Fosse erst warm werden muss. Selbstverständlich wird sich auch über Sam Rockwell anerkennend geäußert. Für meinen Geschmack müsste man über seine Performance aber auch in den allerhöchsten Tönen sprechen. Die Aufgabe von Schauspielern ist es, ihre jeweilige Rolle so authentisch wie möglich rüberzubringen. Wenn gezeigt werden soll, dass sich zwei Menschen  verlieben, muss man das als Zuschauer spüren. Genau das gelingt den Beiden. Darüberhinaus, schafft es Sam Rockwell, dass sich auch der Zuschauer in ihn verliebt. Bei beiden Schauspielern vergisst man irgendwann, hier überhaupt Schauspieler zu sehen. Kurzum Beide spielen auf höchstem Emmy-Niveau und bewerben sich um diese Auszeichnung. 

„Fosse/Verdon“ beginnt kurz vor dem Lebensende von Bob Fosse, eine Szene, die am Ende der ersten Episode erneut aufgenommen wird. Der Countdown, der immer wieder anhand einiger Titelkarten eingeblendet wird, bezieht sich zum einen auf Bob Fosses Tod, aber, was mit der finalen Szene mit Bob Fosse und Gwen Verdon deutlich wird, auch auf das Ende ihrer langjährigen engen Bindung. 

Auch wenn ich nichts über beide Broadway-Legenden zuvor wusste, am Ende der Miniserie hatte ich einen ziemlich guten Eindruck, was Bob Fosse und Gwen Verdon ausgemacht hat, sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene. Aufgrund von Bob Fosses Untreue endete die Ehe von Bob Fosse und Gwen Verdon. Sie haben sich aber nie scheiden lassen und blieben, bis zu seinem Tod, enge Vertraute. 

„Fosse/Verdon“ zieht einen schnell in die amerikanische Theater- und Filmwelt. In erster Linie ist es aber ein Charakterdrama. Natürlich gibt es auch kurze Tanz- und Musical-Nummern, für mich als Nicht-Musical-Fan aber zu keinem Zeitpunkt belastend. 

Wie jede TV-Serie, die ich herausragend finde, habe ich auch „Fosse/Verdon“ zwei Mal gesehen. Ähnlich wie bei der TV-Serie Feud: Bette and Joan ist „Fosse/Verdon“ ein Mehrteiler, bei dem man sich auch mit den Werken der Charaktere auseinandersetzen sollte. Daher habe ich mir zwischen der ersten und zweiten Sichtung von „Fosse/Verdon“ einige YouTube-Videos mit Bob Fosse und Gwen Verdon und folgende Filme angeschaut:

  • „Lenny“ (1974, dir. Bob Fosse) meine Bewertung für dieses sehr künstlerische s/w-Biopic über den amerikanischen Stand-up Comedian Lenny Bruce mit einer Oscar-Performance von Dustin Hoffman: A- . Der Film wurde für sechs Oscars (darunter Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch) nominiert. 
  • Cabaret (1972, dir. Bob Fosse) meine Bewertung für die Romanadaption und die Verfilmung des Broadway-Musicals mit Liza Minelli und Michael York in den Hauptrollen: B+ Der Film wurde für zehn Oscars nominiert, gewonnen hat er acht (darunter Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin Liza Minelli, Bester Nebendarsteller Joel Grey). „Cabaret“ war auch für die Kategorien Bester Film und Bestes adaptiertes Drehbuch nominiert, hat diese beiden Kategorien jedoch an Francis Ford Coppolas „The Godfather“ verloren. „Cabaret“ hält bis heute (Juli 2019) den Rekord für einen Film, der mit den meisten Oscars (8) ausgezeichnet wurde, ohne, dass der Film die Kategorie Bester Film gewann. Sollte irgendwann die Lebensgeschichte von Liza Minelli verfilmt werden, sollte man die Oscar-Gewinnerin Olivia Colman als optisch perfekte Besetzung der Hauptrolle im Augen behalten. Das ist mir aufgefallen, als ich „Cabaret“ sah.
  • All That Jazz (1979, dir. Bob Fosse) meine Bewertung für dieses Musical/Drama, das an das Leben von Bob Fosse angelehnt ist, mit Roy Scheider in der Hauptrolle und Jessica Lange und John Lithgow: B+ Der Film wurde für neun Oscars nominiert (inkl. Bester Film, Bester Regisseur, Bester Hauptdarsteller), gewonnen hat der Film vier (Bester Schnitt, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bester Original Song Score) 

Über die wichtigsten Episoden im Einzelnen:

Nr. 2 („Who´s Got the Pain?) Tony-Gewinnerin Gwen Verdon trifft das erste Mal auf den, seinerzeit noch verheirateten Choreografen Bob Fosse. Der Beginn ihrer Liebe und beruflichen Zusammenarbeit. Dies ist eine meiner Lieblingsepisoden

Nr. 5 („Where Am I Going?) Hierbei handelt es sich um eine sogenannte „bottle episode“. An einer Location (Bobs Sommerhaus) verweilen Bob, Neil, Paddy, Ann, Nicole, Gwen und Ron 

Nr. 6 („All I Care About Is Love“, Drehbuch: Ike Holter, Regie: Minkie Spiro ) Diese Episode zeigt  Bob Fosse als Teenager und wie überarbeitet er im Jetzt ist. Er arbeitet zeitgleich an seinem Film „Lenny“ und dem Broadway-Musical „Chicago“.  Letztlich führt das und der Konsum von Alkohol, Zigaretten und Drogen zu einem Herzinfarkt. Bob Fosse schlüpft dabei immer wieder in die Rolle des Stand-up Comedian Lenny Bruce (über den er den s/w-Film „Lenny“ mit Dustin Hoffman drehte). Diese Folge ist nicht nur außergewöhnlich kreativ, hier sieht man spätestens, dass Sam Rockwell nicht nur ein facettenreicher Charakterschauspieler, sondern auch den Charme, das Charisma und die Präsenz eines Filmstars hat. Ganz klar, eine meiner Lieblingsepisoden, vielleicht sogar die beste aller acht Episoden

Nr. 8 („Providence“) Die letzten Jahre von Bob Fosse. Er dreht „All That Jazz“, ein Film über sein Leben. Nun realisiert er, dass er einige Fehler in seinem Leben begangen hat. Eine sehr emotionale und für mich tränenreiche Folge. 

Sowohl Sam Rockwell als auch Michelle Williams spielen ihre Charaktere über einen Zeitraum von über 30 Jahren. Im Jahr 1955, als Gwen Verdon 30 Jahre und Bob Fosse 28 Jahre alt waren, haben sich die Beiden kennengelernt. Sie haben dann bei dem Broadway-Musical „Damn Yankees“ zusammengearbeitet. Ein Jahr später war das Musical der große Abräumer bei den Tony Awards und bescherte Gwen Verdon einen Tony als Beste Hauptdarstellerin in einem Musical und ihm einen für die beste Choreografie. Auch wenn ihre Ehe nach elf Jahren, im Jahr 1971, am Ende war, liessen sie sich nie scheiden und blieben sowohl freundschaftlich als auch beruflich bis zu seinem Tod (im Jahr 1987) verbunden. In „Fosse/Verdon“ spielt Sam Rockwell  Bob Fosse im Alter von 28 bis 60 Jahren, Michelle Williams spielt Gwen Verdon hier im Alter von 30 bis 62 Jahren.

Die Charaktere im Einzelnen:

Bob Fosse war zunächst ein US-amerikanischer Tänzer, der davon träumte, der nächste Fred Astaire zu sein. Später hat er als Choreograf und Theater- und Filmregisseur gearbeitet. Er wurde vier Mal für den Oscar nominiert, als Regisseur des Films „Cabaret“ gewann er im Jahr 1973 den Oscar. Im selben Jahr gewann er auch zwei Tony Awards (für „Pippin“ ) und drei Emmys für „Liza with a Z“, eine Liza Minelli-Konzertproduktion für das Fernsehen. Bis heute gibt es niemanden, der in einem Jahr einen Oscar, einen Tony und einen Emmy gewann. Bob Fosse war eine Broadway-Legende. Zwischen 1955 und 1986 wurde er insgesamt 20 x für den Tony nominiert und hat den Theater-Oscar 9 x gewonnen. Seit dem Jahr 1960 war er mit der Schauspielerin und Tänzerin Gwen Verdon (gespielt von Michelle Williams) verheiratet. Die beiden hatten mit Nicole eine gemeinsame Tochter. Gespielt wird Bob Fosse von dem amerikanischen Schauspieler Sam Rockwell. Rückblickend ist er mir, glaube ich, das erste Mal in „Charlie´s Angels“ aufgefallen. In George Clooneys „Confessions of a Dangerous Mind“ hat er die erste Hauptrolle gespielt. Seither hat er in unzähligen Filmen mitgespielt (u.a. Frost/Nixon, Moon, Seven Psychopaths, Loitering with Intent). Sam Rockwell wurde für seine Performance in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und Vice für den Oscar nominiert, für „Three Billboards“ hat er den Oscar gewonnen. 

Gwen Verdon war eine Schauspielerin und Tänzerin. Sie war eine Legende und eine der besten Broadway-Tänzerinnen ihrer Zeit. Zwischen 1953 und 1976 wurde sie 6 x für den Tony nominiert und hat den Theater-Oscar 4 x gewonnen. Sie wurde außerdem drei Mal für den Emmy nominiert (u.a. für ihre Gastrolle in „Magnum P.I.“). Es war ihre Idee, das Bühnenstück „Chicago“ als Musical umzusetzen. Jahrelang hat sie um die Rechte gekämpft, bis das Musical dann im Jahr 1975 unter der Regie von Bob Fosse und mit ihr als Roxie Hart am Broadway Premiere feierte. Seit dem Jahr 1960 war sie mit dem Choreografen, Theater- und Filmregisseur Bob Fosse (gespielt von Sam Rockwell) verheiratet. Die Beiden hatten eine gemeinsame Tochter, Nicole. Gespielt wird Gwen Verdon von der amerikanischen Schauspielerin Michelle Williams. Bekannt geworden ist sie vor rund zwanzig Jahren durch die TV-Serie „Dawson´s Creek“. Mit ihrer Rolle in „Brokeback Mountain“ hatte sie ihren Durchbruch in Hollywood. Am Set hatte sie auch den Vater ihrer Tochter, den leider viel zu früh verstorbenen Heath Ledger, kennengelernt. Michelle Williams hat in unzähligen Filmen mitgespielt, sie wurde vier Mal für den Oscar nominiert (für „Brokeback Mountain“, Blue Valentine, My Week with Marilyn und Manchester by the Sea). Für ihre Performance in „Blackbird“ wurde sie zudem noch für den Theater-Oscar, den Tony, nominiert. Was für „Fosse/Verdon“ interessant ist, Michelle Williams hat im Jahr 2014 Sally Bowles in dem Broadway-Musical „Cabaret“ gespielt. 

Paddy Chayefsky war ein Dramatiker und Drehbuchautor. Er war der beste Freund von Bob Fosse (gespielt von Sam Rockwell). Paddy Chayefsky hat drei Oscars für seine Originaldrehbücher (für „Marty“, „The Hospital“ und „Network“) gewonnen. Gespielt wird Paddy von dem amerikanischen Bühnen- TV- und Filmschauspieler und Sänger Norbert Leo Butz. Für seine Performance in den Broadway-Musicals „Dirty Rotten Scoundrels“ und „Catch Me If You Can“ hat er zwei Tonys gewonnen. Weitläufiger bekannt ist er aber sicherlich durch die TV-Serie „Bloodline“. Er hat aber auch in einigen Filmen (u.a. Dan in Real Life, Fair Game, Higher Ground, Disconnect) mitgespielt.

Ann Reinking ist mittlerweile 69 Jahre alt und lebt heute hauptsächlich in Arizona. Die Amerikanerin hat als Schauspielerin, Tänzerin und Choreografin drei Tony-Nominierungen erhalten. Für ihre Choreografie für das Broadway-Musical „Chicago“ wurde sie mit dem Tony ausgezeichnet. Ann Reinking hat eine langjährige Beziehung mit Bob Fosse (gespielt von Sam Rockwell) geführt und mit ihm einige Male, (u.a. auch in seinem Film „All That Jazz“) zusammengearbeitet. Gespielt wird Ann von der amerikanischen Schauspielerin und Tänzerin Margaret Qualley. Bekannt ist sie den meisten wahrscheinlich durch ihre Rolle in „The Leftovers“. Sie hat aber auch in einigen Kinofilmen (u.a. Palo Alto, The Nice Guys, Novitiate) gespielt. Margaret Qualley ist die Tochter der Schauspielerin Andie MacDowell. 

Ron ist Schauspieler und der Freund von Gwen Verdon (gespielt von Michelle Williams). Ron basiert auf keiner realen Person. Er ist auch kein sonderlich wichtiger Charakter dieses Mehrteilers. Ich sah hier aber die Gelegenheit, Jake Lacy, der den Ron spielt, zu erwähnen. Für mich hat Jake Lacy einen großen Wiedererkennungswert. Mir ist er bereits einige Male positiv aufgefallen. Der amerikanische Schauspieler hat in einigen TV-Serien (u.a. „The Office“, „Girls“) und auch Kinofilmen (u.a. Carol, Love the Coopers, Miss Sloane, Diane) mitgespielt. 

Seit vielen Jahren kann man beobachten, dass Fernsehproduktionen immer hochwertiger werden. Es gibt kaum einen Charakterschauspieler (und auch Hollywoodstar), der nicht bereits in einer TV-Serie oder einem Mehrteiler mitgewirkt hat. Mein Interesse bei den Fernsehproduktionen gilt vordergründig den Mehrteilern. Ich mag das Format, das einem etwas längerem, aber nicht zu langem Spielfilm gleicht. Entsprechend habe ich mittlerweile auch immer mehr Interesse an dem Fernseh-Oscar, dem Emmy. Die,  für die Emmy-Saison 2018/2019  wichtigsten Mehrteiler (Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, „Fosse/Verdon“, When They See Us und der so gehypte Mehrteiler „Chernobyl“) habe ich jetzt alle gesehen. Am besten hat mir aber tatsächlich „Fosse/Verdon“ gefallen.

„Fosse/Verdon“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter: Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actor in a Limited Series or Movie (Sam Rockwell), Outstanding Lead Actress in a Limited Series or Movie (Michelle Williams). Anmerkung: Michelle Williams größte Konkurrentin ist derzeit sicher Patricia Arquette (für ihre Rolle in Escape at Dannemora). Sie gibt auch eine exzellente Performance, aber Michelle Williams Performance ist um einiges anspruchsvoller und daher hoffe ich, dass sie den Emmy gewinnt. Auch hoffe ich auf die Auszeichnung von noch mehr Emmys für „Fosse/Verdon“ Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Fosse/Verdon“ für 17 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Sam Rockwell), Lead Actress in a Limited Series (Michelle Williams), Supporting Actress in a Limited Series (Margaret Qualley)  Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„Fosse/Verdon“ wurde erstmalig v. 9.4.19 – 28.05.19 auf dem amerikanischen TV-Sender FX ausgestrahlt. 

Trailer zu sehen:

 

Plakat der F/X-Serie "Fosse/Verdon" in New York, April 2019
Plakat der F/X-Serie „Fosse/Verdon“ in New York, April 2019

L. A. – Film: „Late Night“

Ich war am 14.06.19 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Late Night“ (dt. Kinostart: 29.08.19)  102 min   comedy

dir. Nisha Ganatra  cast: Emma Thompson, Mindy Kaling, Hugh Dancy, John Lithgow, Denis O´Hare, Amy Ryan, Paul Walter Hauser, Reid Scott, Max Casella

 

Die 56-jährige Britin Katherine Newbury (Emma Thompson) hat seit 28 Jahren ihre eigene amerikanische Late-Night-Talkshow. Sie ist die einzige Moderatorin einer Late-Night-Show. Nun sinken die Quoten, ihr wird vorgeworfen, Frauen zu hassen und auch will die Chefin des Senders (Amy Ryan) ihren Vertrag nicht verlängern. Katherine kommt auf die Idee, eine Frau in ihr, sonst nur aus weißen Männern bestehendes Autorenteam aufzunehmen. Die indisch-amerikanische Quer-Einsteigerin Molly (Mindy Kailing) bekommt die Chance, sich bei der gefürchteten Talkshow-Moderatorin zu beweisen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Late Night“ ist der neue Film der kanadischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin  (TV-Serie „Transparent“, TV-Serie „Mr. Robot“) Nisha Ganatra. Das Drehbuch stammt von der amerikanischen Schauspielerin (TV-Serie „The Mindy Project“, The Night Before), Synchronsprecherin (Wreck-It-Ralph, Inside Out), Autorin und Filmemacherin (TV-Serie „The Office“) Mindy Kaling. Sie spielt neben Emma Thompson auch die Hauptrolle in „Late Night“. 

„Late Night“ hat einen herrlichen Dialogwitz, eine gute Situationskomik und vor allen Dingen: Emma Thompson. 

Wenn man Emma Thompsons Performance und ihren Charakter sieht, fällt einen zwangsläufig irgendwann Meryl Streep und ihre Miranda Priestly in „The Devil Wears Prada“ ein. Emma Thompson wird für die Laufzeit des Films zu Katherine Newbury, für mich ist das eine Oscar-Performance. Es überrascht nicht, dass Mindy Kaling ihr die Rolle auf den Leib geschrieben. Es ist eine dieser Rollen, bei der man sich auch keine andere Schauspielerin vorstellen kann. Letztlich wird durch sie der Film auch erst richtig sehenswert. Exzellent aber wieder auch John Lithgow, der den an Parkinson erkrankten, liebenswerten Gatten von Katherine Newbury spielt. An der restlichen Besetzung gibt es  auch nichts rumzumäkeln.

„Late Night“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Am 7.6.19 ist der Film in vier amerikanischen Kinos gestartet. Eine Woche später lief der Film dann landesweit in 2,220 Kinos. In Deutschland soll die Komödie am 29.08.19 ins Kino kommen.

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Anna „

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Luc Bessons neuer Film  

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Gemini Man„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Sci-Fi-Actionthriller mit Will Smith. Neuer Film von Ang Lee, leider schon länger keinen richtig guten Film präsentiert hat.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wahrscheinlich schon 


Trailer v. Film: „The Art of Racing in the Rain„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Romanverfilmung und neuer Film von Simon Curtis.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Yesterday„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Der neue Danny Boyle Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Once Upon a Time in Hollywood„

Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer) 

Kommentar: Quentin Tarantinos neunter Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Downton Abbey „

Bewertung des Trailers: B- (erster richtiger Trailer) 

Kommentar: Ich habe die Serie nie gesehen, jetzt also der Film dazu. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „The Goldfinch„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Romanverfilmung mit Nicole Kidman, Ansel Elgort, Sarah Pauslon u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Brittany Runs a Marathon„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Komödie

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Berlin – Film: „The Dead Don´t Die“

Ich war am 19.06.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Dead Don´t Die“ (dt. Kinostart war der 13.06.19)  103 min  comedy, horror 

dir. Jim Jarmusch  cast: Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, Chloe Sevigny, Steve Buscemi, Danny Glover, Caleb Landry Jones, Rosie Perez, Iggy Pop, RZA, Selena Gomez, Tom Waits

 

Durch Polar-Fracking hat sich die Erdachse verschoben. In dem amerikanischen Provinzkaff Centerville häufen sich seither seltsame Dinge. Haus- und Nutztiere verschwinden spurlos, Handy-Akkus sind plötzlich leer, Uhren bleiben stehen und dunkel scheint es auch nicht mehr zu werden. Dann werden Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray) und Officer Ronnie Peterson (Adam Driver) zu dem örtlichen Diner gerufen, dort liegen zwei bestialisch zugerichtete Leichen. Officer Ronnie hat da so eine Ahnung, vielleicht stecken Zombies dahinter…

 

B- (Wertung von A bis F) „The Dead Don´t Die“ ist der neue Film des amerikanischen Autorenfilmers Jim Jarmusch („Down by Law“, „Night on Earth“, The Limits of Control, „Only Lovers Left Alive“, Paterson).

Man könnte den gesamten Film als eine Promotion für den (Titel-) Song „The Dead Don´t Die“ von Sturgill Simpson halten. Viel mehr ist Jim Jarmuschs erster Zombie-Film aber als Kritik an Politik und Gesellschaft zu verstehen. Eigentlich ist es nur ein Einsiedler, Kinder in einer Besserungsanstalt und der Polizist Ronnie die den Ernst der Lage hier erkennen (letztere aus einem anderen Grund). Alle anderen sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder generell desinteressiert und/oder schenken der Politik Glauben, die ihren Bürgern weismachen will, dass das Fracking am Nordpol natürlich nichts mit der seltsamen Geschehen auf der Erde zutun hat und somit alles „Fake News“ ist. Selbstverständlich gibt es mit Steve Buscemis Charakter auch eine Kritik an dem Trump-Wähler ansich, u.a. fällt er durch sein rotes Basecap mit dem sinnbefreiten Aufdruck „Keep America White Again“ auf und wittert hinter allem eine Verschwörung. Wenn dann selbst die Untoten nach Wi-Fi, Blootooth, Süßigkeiten, Kaffee, Chardonnay etc. gieren, ist das sicher auch als eine Kritik an der (Kosum-) Gesellschaft zu sehen. Der Film ist – auch wenn er im Horrorgenre angesiedelt ist –  zu keinem Zeitpunkt gruselig, er nimmt sich aber auch selbst nicht sonderlich ernst, dafür sorgen schon die zahlreichen Meta-Referenzen. Allgemein betrachtet ist der Film nicht wirklich rund, aber Jim Jarmusch schafft es immer wieder mit seinem Stammpersonal und kauzigen Charakteren eine Atmosphäre zu kreieren, in der man sich wohl fühlt und in der man für eine gewisse Zeit verweilen möchte. 

„The Dead Don´t Die“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. Es war der Eröffnungsfilm. Der Film ist am 14.06.19 in 613 amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit in 690 US-Kinos. In Deutschland läuft er seit dem 13.06.19 in den Kinos. Ich habe den Film in der OV im regulären deutschen Kino gesehen. 

Trailer zu sehen: 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „O Beautiful Night„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: deutscher Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „They Shall Not Grow Old„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OmU) 

Kommentar: Peter Jacksons neuer Film, Doku über den Ersten Weltkrieg

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Kursk„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der dt. Synchro) 

Kommentar: Thomas Vinterbergs neuer Film über das Kursk-Unglück mit Matthias Schoenaerts, Colin Firth, August Diehl und Matthias Schweighöfer

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 

L.A. – Film: „Ma“

Ich war am 13.6.19 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Ma“ (dt. Filmtitel: „Ma – Sie sieht alles“, dt. Kinostart war der 30.05.19)  99 min  drama, thriller 

dir. Tate Taylor  cast: Octavia Spencer, Diana Silvers, Juliette Lewis, Luke Evans, Allison Janney Missi Pyle, Haley McKaley Miller, Corey Fogelmanis, Gianni Paolo, Dante Brown, Tate Taylor 

 

Maggie (Diane Silvers) ist mit ihrer Mutter Erica (Juliette Lewis) gerade umgezogen. Während Maggies Mutter in der Kleinstadt aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, ist für Maggie alles neu. Sie muss sich erst mal eingewöhnen und neue Freunde suchen. Gut, dass sie am ersten Schultag gleich Bekanntschaft mit Haley (McKaley Miller) und ihren Freunden Andy (Corey Fogelmanis), Chaz (Gianni Paolo) und Darrell (Dante Brown) macht. Die Fünf wollen feiern und sich betrinken. Da sie selbst noch nicht alt genug sind, um Alkohol zu kaufen, bitten sie die Passantin Sue Ann (Octavia Spencer), dies für sie zutun. Eines Tages lädt die ältere Frau die Teenager ein, bei ihr unten im Keller zu feiern. Die Teenager nehmen es dankend an, nennen die mütterliche Sue Ann sogar „Ma“, aber irgendetwas stimmt nicht mit ihr…

 

C+ (Wertung von A bis F) „Ma“ ist der neue Film des amerikanischen Schauspielers (Winter´s Bone) und Regisseurs (The Help, Get On Up, The Girl on the Train) Tate Taylor. In einer kleinen Nebenrolle als Polizist ist er auch in diesem Film zu sehen. 

Ich weiß nicht, was mich geritten hat, dass ich mir diesen Film angeschaut habe. Von dem Regisseur habe ich bislang noch keinen wirklich guten Film gesehen, die Hauptdarstellerin Octavia Spencer finde ich, höflich ausgedrückt „schwierig“ und Luke Evans kann ich auch nicht leiden. Aber gut, irgendwann saß ich im Kino und fand den Film, wie man meiner Bewertung entnehmen kann, gar nicht so übel. Oder anders ausgedrückt, meine Meinung zu Tate Taylor-Filmen ändert sich nicht, aber die letzten, vielleicht dreißig Minuten von „Ma“ waren solides Thriller/Horrorfilm-Material. Die vorangegangene Stunde zog sich jedoch ziemlich, immer in hoffnungsvoller Erwartung, dass gleich bestimmt wirklich was passiert. 

Octavia Spencer, ich muss fair bleiben, macht ihre Sache als durchgeknallte „Ma“ wirklich gut. Bei Diane Silvers („Maggie“) bin ich mir noch nicht so sicher, kürzlich habe ich sie bereits in Booksmart gesehen, vielleicht erinnert sie mich manchmal zu sehr an Anne Hathaway. Positiv aufgefallen ist mir aber Corey Fogelmanis, der hier Maggies Freund „Andy“ spielt. 

„Ma“ ist am 31.05.19 in 2,808 Kinos in den U.S.A. gestartet. Der Film ist unter dem Filmtitel „Ma – Sie sieht alles“ bereits einen Tag zuvor, am 30.05.19, in die deutschen Kinos gekommen. 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Crawl„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Alexandre Ajas neuer (Katastrophen-) Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Child´s Play„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Remake/Reboot des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1988.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Stuber„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Action-Komödie mit Dave Bautista und Kumail Nanjiani 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 


Trailer v. Film: „Scary Stories to Tell in the Dark„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Horrorfilm von dem norwegischen Regisseur André Ovedal

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 


Trailer v. Film: „Midsommar„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: Ari Asters neuer (Horror-) Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „It Chapter Two„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Fortsetzung zu dem Horrorfilm aus dem Jahr 2017. Habe weder Original noch Remake gesehen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Once Upon a Time in Hollywood„

Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer) 

Kommentar: Quentin Tarantinos neunter Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Good Boys„

Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer)

Kommentar: Komödie mit Jacob Tremblay 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Dead Don´t Die„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: Der neue Jim Jarmusch Film mit Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Werbung von Film „Ma“ in Los Angeles

Netflix – Film: „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“

Ich habe mir folgenden Film auf Netflix (U.S.) angeschaut:

 

„Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ (in D. ab dem 4.7.19 auf DVD erhältlich)  109 min   drama, biopic, adaptation 

dir. Joe Berlinger  cast: Zac Efron, Lily Collins, Kaya Scodelario, Jeffrey Donovan, Dylan Baker, Jim Parsons, John Malkovich, Haley Joel Osment

 

Seattle im Jahr 1969. Die alleinerziehende Mutter Liz (Lily Collins) lernt den attraktiven Ted (Zac Efron) kennen. Die Beiden verlieben sich ineinander und kommen zusammen. Einige Jahre später verschwinden einige junge Frauen in Seattle. Ted Bundys Name landet irgendwann auf der Liste der Verdächtigen. Als im Bundesstaat Utah eine Frau ihrem Angreifer entkommen konnte und Ted später in einer Gegenüberstellung erkennt, landet er vor Gericht und wird wegen der Entführung sowie versuchten Mordes der Frau angeklagt. Liz glaubt zunächst weiter an seine Unschuld…

 

C+ (Wertung von A bis F) „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist eine Adaption von Elizabeth Kloepfers (unter dem Pseudonym Elizabeth Kendall), veröffentlichtem Buch „The Phantom Prince: My Life with Ted Bundy“. Der Filmtitel bezieht sich dabei auf die Aussage des Richters Richard E. Cowart, nachdem Ted Bundy schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde. Nach „Blair Witch 2“ ist dies erst der zweite Spielfilm, bei dem der amerikanische Dokumentarfilmer Joe Berlinger Regie führt. Nachdem Joe Berlinger mit dem Netflix-Mehrteiler Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes eine Dokumentation über Ted Bundy präsentierte, ist dies sein Spielfilm über den Serienmörder. 

Ted Bundy ist einer der bekanntesten Serienmörder der Vereinigten Staaten. Kurz vor seiner Hinrichtung hat er gestanden, über 30 Frauen getötet zu haben, wahrscheinlich waren es aber bis zu 100 Opfer. Bis heute weiß niemand, warum er die Frauen getötet hat. Der Spielfilm versucht nicht, darauf Antworten zu geben.

Der Spielfilm basiert auf den Memoiren von Elizabeth Kloepfer (a.k.a. Elizabeth Kendall) und konzentriert sich überwiegend auf die Beziehung, die die alleinerziehende Mutter mit dem Serienmörder hatte. Sie war mit Ted Bundy verlobt, hat sogar sechs Jahre mit ihm zusammengelebt und über viele Jahre an seine Unschuld geglaubt. „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ ist aber auch ein Porträt eines Soziopathen, der eine Fassade aufgebaut hat und durch seinen Charme und sein Charisma, Menschen manipulieren konnte. Was für eine Gefahr von diesem Mann ausging, kommt dabei nur in einer kleineren Sequenz am Ende des Spielfilms rüber. Wenn man nur diesen Film sieht und nichts über den Fall Ted Bundy weiß, kann man hier den Eindruck gewinnen, dass die Ereignisse für die Spielfilmversion dramatisiert wurden. Was Ted Bundys Lebenslauf angeht, hat sich vieles aber tatsächlich so zugetragen. Joe Berlinger möchte mit seinem Spielfilm vor allen Dingen zeigen, dass Monster nicht immer als solche erkennbar sind. Auch ein brutaler Frauenmörder kann normal und nett wirken. Der attraktive Ted Bundy wurde von vielen Frauen angehimmelt, selbst als er als Mehrfachmörder vor Gericht stand. Am Ende war die Beweislast zu groß, er konnte die Geschworenen durch seine beispiellose Show vor Gericht nicht blenden und wurde schuldig gesprochen. 

Auch wenn ich zuvor anderes gehört und gelesen hatte, ich konnte es nicht wirklich glauben, dass Zac Efron (also: DER Zac Efron) hier wirklich exzellent ist. Ist er aber tatsächlich. Er hat es sogar erstmalig geschafft hat, dass ich alles, was ich mit Zac Efron assoziiere, vergessen konnte. Für mich gibt er eine preiswürdige Performance. Seinetwegen (und auch wegen John Malkovich, der hier den Richter spielt) würde ich diesen, sonst eher langweiligen Spielfilm empfehlen.  Wer allerdings Interesse an Ted Bundy hat, dem möchte ich eher dazu raten, Joe Berlingers Netflix-Doku „Conversations with a Killer: The Ted Bundy Tapes“ anzuschauen. 

Zum Schluss des Film werden die Namen von Ted Bundys (bekannten) Opfern eingeblendet. Im Abspann sieht man Originalfilm- und Fotoaufnahmen. 

Dieser Netflix-Film ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung für Zac Efron als Bester Hauptdarsteller. 

„Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film läuft seit dem 3.5.19 in den U.S.A. (und auch einigen anderen Ländern) auf Netflix. Zeitgleich lief der Netflix-Film wohl in einigen amerikanischen Kinos. In Deutschland wird der Film voraussichtlich ab dem 4.7.19 auf DVD erhältlich sein. 

Trailer zu sehen: 

L.A. – Film: „Booksmart“

Ich war am 5.6.19 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Booksmart“ (dt. Kinostart: 14.11.19) 102 min  comedy

dir. Olivia Wilde  cast: Kaitlyn Dever, Beanie Feldstein, Jessica Williams, Lisa Kudrow, Will Forte, Jason Sudeikis, Noah Galvin, Billie Lourd, Mason Gooding voice: Maya Rudolph 

 

Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever) sind beste Freundinnen und erleben heute den letzten Tag ihrer Highschool-Zeit. Um an einer Elite-Uni studieren zu können, haben sie die gesamte Schulzeit für gute Noten gepaukt und auf das Party machen gänzlich verzichtet. Jetzt erfahren sie, dass aber auch die Mitschüler, die viel gefeiert haben, eine Zusage von einer Top-Universität erhalten haben. Am Tag vor ihrem Abschluss wollen es Molly und Amy noch mal richtig krachen lassen…

 

B (Wertung von A bis F) „Booksmart“ ist der erste Spielfilm, bei dem die amerikanische Schauspielerin Olivia Wilde (TV-Serie: „House“, The Next Three Days, Rush, Meadowland, A Vigilante) Regie führt.

Olivia Wilde macht mit ihrem Film vieles richtig. Die beiden Mädchen Molly und Amy (gespielt von Jonah Hills kleiner Schwester Beanie Feldstein und Kaitlyn Dever) sind perfekt gecastet, die Chemie stimmt, sie sind sympathisch und ihre enge Bindung glaubwürdig. Bei zwei, relativ kurz aufeinander folgenden Szenen möchte ich die Regiearbeit (und Kamera) hervorheben. Sowohl bei der Poolszene als auch bei der Streitszene zeigt Olivia Wilde, ein Gespür fürs Inszenieren. Wenn man sich mit einer sehr wichtigen Person in seinem Leben in der Öffentlichkeit streitet, dann ist in dem Moment um einen herum alles egal. Heutzutage kann man es wohl auch nicht verhindern, dass man dabei dann noch gefilmt wird. Ein weiterer Pluspunkt des Films ist, wie selbstverständlich hier mit Homosexualität umgegangen wird. Selbst eine der Protagonistinnen (Amy) ist lesbisch, seit zwei Jahren geoutet und in eine Mitschülerin verliebt. 

Die größte Stärke dieser Highschool-Komödie sind zweifelsfrei die beiden Mädchen und ihre Freundschaft. Darüber kann man dann auch einige Ungereimtheiten vergessen (wieso ist es so schwer, die richtige Party zu finden, warum hat sie nicht die Telefonnummer von „Nick“ oder anderen Mitschülern im Handy gespeichert und fragt nach der Location, warum hat überhaupt nur eine der Mädchen ein Handy, usw.). Etwas irritiert hat mich auch, dass die Mädchen ausschließlich mit Amys Eltern und in ihrem Elternhaus zu sehen sind, gerade einen Tag vor dem Abschluss tauchen die Eltern ihrer besten Freundin nirgendwo auf. Kurzum, der Film funktioniert nicht durchweg, ist aber definitiv sehenswert.

Etwas auf die Nerven ging Billie Lourd (übrigens Tochter von Carrie Fisher), die hier die „Gigi“ spielt. Einen weiteren Spross eines Schauspielers haben wir hier mit Mason Gooding („Nick“), den Sohn von Cuba Gooding Jr. 

„Booksmart“ wurde erstmalig auf dem South by Southwest Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 24.05.19 in 2,505 amerikanischen Kinos gestartet. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 14.11.19 geplant.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Art of Racing in the Rain„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Romanverfilmung und neuer Film von Simon Curtis.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Men in Black: International„

Bewertung des Trailers: D+

Kommentar: vierter Film der Reihe jetzt mit Chris Hemsworth, Tessa Thompson, etc. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Child´s Play„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Remake/Reboot des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1988.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Shaft„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Fortsetzung zu John Singletons Film aus dem Jahr 2000, den ich seinerzeit sehr mochte. Der neue Film kommt wohl nur in den U.S.A. ins Kino.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: definitiv nicht im Kino


Trailer v. Film: „Late Night„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Komödie mit Emma Thompson und Mindy Kailing

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Where´d You Go, Bernadette„

Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer) 

Kommentar: Romanverfilmung und Richard Linklaters neuer Film mit Cate Blanchett in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Crawl„

Bewertung des Trailers: B+ (anderer Trailer)

Kommentar: Alexandre Ajas neuer (Katastrophen-) Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Good Boys„

Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer)

Kommentar: Komödie mit Jacob Tremblay (den ich nicht erkannt habe) 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Berlin – Film: „Long Shot“

Ich war am 08.05.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Long Shot“ (dt. Filmtitel: „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“, dt. Kinostart: 20.06.19)  125 min   comedy 

dir. Jonathan Levine   cast: Charlize Theron, Seth Rogen, June Diane Raphael, Andy Serkis, O´Shea Jackson Jr., Bob Odenkirk, Alexander Skarsgard, Lisa Kudrow

 

Fred Flarsky (Seth Rogen) arbeitet als investigativer Journalist. Nachdem seine Zeitung jedoch von einem zwielichtigen Medienmogul (Andy Serkis) aufgekauft wurde, hat er gekündigt. Sein bester Freund (O´Shea Jackson Jr.) hilft ihm dabei, über den Tag zu kommen und geht mit ihm am Abend zu einer Benefizveranstaltung. Dort trifft er auf die amerikanische Außenministerin Charlotte Field (Charlize Theron). Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Beiden begegnen, Charlotte war sogar mal Freds Babysitterin…

 

B- (Wertung von A bis F) „Long Shot“ ist der neue Film des amerikanischen Drehbuchautors und  Filmemachers (The Wackness, 50/50, „Warm Bodies“, The Night Before) Jonathan Levine. 

Es ist bereits nicht leicht, sich Charlize Theron und Seth Rogen zusammen in einem Film vorzustellen. Bei „Long Shot“ kommt noch erschwerend dazu, dass die beiden ein Paar abgeben sollen. Charlize Theron ist dabei jedoch nicht auf „häßlich“ geschminkt, sondern sieht aus wie ein beneidenswert schöner Hollywoodstar und spielt hier – recht überzeugend – die US-Außenministerin mit Ambitionen auf das US-Präsidentenamt. Seth Rogen spielt einen Loser namens Fred Flarsky und sieht dabei aus wie Seth Rogen, bei dem die Klamotten, die er trägt, eindeutig darauf hindeuten, dass er gleich zum Zelten in der menschenfreien Natur aufbricht. Auf so eine Paarung können nur bekiffte Teenager oder Typen wie Seth Rogen kommen. 

Vielleicht hätte der Film als RomCom funktioniert, wenn er umgekehrt besetzt wäre. Seth Rogen als amerikanische Außenminister mit… (okay, allein das bekomme ich schon nicht in meinem Kopf zusammen) Nee, ich kann es drehen und wenden, wie ich will, aus den Beiden wird kein Paar.

Abgesehen von dem, nicht mal im Ansatz funktionierenden RomCom-Aspekt, dem  haarsträubend absurden Ende des Films und der Tatsache, dass man die eine oder andere Szene, bzw. gleich die letzten 20 Minuten, hätte streichen müssen, fand ich den Film sehenswert. Das klingt widersprüchlich, aber „Long Shot“ ist als Komödie und Politsatire über weite Strecken wirklich witzig, smart, hat einen guten Dialogwitz und ist voller Situationskomik. Bei zwei Szenen (eine im Flugzeug und eine nachts auf dem Flur) habe ich lauthals lachen müssen. 

Besonders kann Charlize Theron mit ihrem komödiantischen Timing und Talent punkten. June Diane Raphael, die die bissige Assistentin von Therons Charlotte Field spielt, sorgt für die lustigsten Momenten im Film. 

Etwas irritiert hat mich Andy Serkis, der hier einen umstrittenen Medienmogul à la Rupert Murdoch spielt und in seiner Maske aussieht, als hätten sie Caesar (aus Rise , Dawn und War for the Planet of the Apes) in ein menschliches Kostüm gesteckt. 

„Long Shot“ wurde erstmalig auf dem SXSW Filmfestival 2019 gezeigt. Auf diesem Filmfestival gewann der Film den Publikumspreis. Der Film ist am 03.05.19 in 3,230 amerikanischen Kinos gestartet. Für Deutschland soll der Film unter dem Filmtitel „Long Shot – Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich“ am 20.06.19 starten. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die OmU. 

Trailer zu sehen:

VOD – Film: „A Vigilante“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo auf iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„A Vigilante“ (dt. Filmtitel: „Vigilante – Bis zum letzten Atemzug“, dt. DVD-Start war der 31.05.19)  92 min   thriller 

dir. Sarah Dagger-Nickson  cast: Olivia Wilde, Morgan Spector, Tonye Patano, Judy Marte, Betsy Aidem

 

Sadie (Olivia Wilde) hilft Frauen dabei, von ihren gewalttätigen Männern loszukommen. Dabei scheut sie nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden. Sie hat einen unbändigen Hass auf Männer, die ihre Frauen und Kinder mißhandeln. Sadie war früher selbst ein Opfer häuslicher Gewalt, konnte jedoch fliehen und untertauchen. Eines Tages wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt…

 

B+ (Wertung von A bis F) „A Vigilante“ ist das Spielfilmdebüt der australischen Autorin und Filmemacherin Sarah Dagger-Nickson. Für diesen Film hat sie auch das Drehbuch geschrieben. 

Der Film zeigt zum einen, wie hilflos manche Frauen ihren gewalttätigen Männern ausgeliefert sind und zeigt auf der anderen Seite eine Frau, die misshandelte Frauen dabei unterstützt, von diesen Männern für immer loszukommen. Man könnte soweit gehen, diesen Film als einen feministischer Thriller zu bezeichnen.  

„A Vigilante“ hat einen gelungener Charakteraufbau, irgendwann fiebert man mit der Protagonistin. Olivia Wilde spielt die, nach außen hin starke Frau, körperlich trainiert und  gewaltbereit. Am Ende des Tages ist sie aber allein und verzweifelt. Sie war selbst Opfer, konnte aber fliehen und hat sich zurück ins Leben gekämpft. Irgendwann wird sie aber von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der Film nimmt einen emotional mit und ist ab einem gewissen Moment ungemein spannend. Die Anwendung direkter Gewalt erspart der Film dem Zuschauer beinahe völlig. Anhand der schweren Verletzungen kann man sich aber vorstellen, was geschehen ist. 

„A Vigilante“ wurde erstmalig auf dem South by Southwest Festival 2018 gezeigt. Über ein Jahr später ist der Film am 29.03.19 in den Vereinigten Staaten scheinbar nur auf VOD herausgebracht worden. In Deutschland ist der Film unter dem Filmtitel „Vigilante – Bis zum letzten Atemzug“ seit dem 31.05.19 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Trailer zu sehen:

 

 

 

Berlin – Film: „Rocketman“

Ich war am 01.06.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Rocketman“ (dt. Kinostart war der 30.05.19)  121 min  musical, fantasy, biopic 

dir. Dexter Fletcher  cast: Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard, Tate Donovan, Charlie Rowe 

 

Im Alter von ungefähr vierzig Jahren begibt sich Superstar Elton John (Taron Egerton) in eine Selbsthilfegruppe. Er berichtet von seinen zahlreichen Süchten und blickt dabei zurück auf sein Leben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Rocketman“ ist ein Musical und Biopic über den englischen Musiker Elton John. Regie führt der englische Schauspieler und Filmemacher („Eddie the Eagle“) Dexter Fletcher. Nachdem der Regisseur Bryan Singer während der Dreharbeiten von „Bohemian Rhapsody“ gefeuert wurde, ist Dexter Fletcher für die letzten beiden Drehwochen für ihn eingesprungen. Aufgrund der Richtlinien der US-amerikanischen Regiegewerkschaft wurde jedoch Bryan Singer als offizieller Regisseur in den Credits des Films genannt. 

Gut, dass Bohemian Rhapsody ein weichgespülter, spießiger Familienfilm über die Rockband Queen und ihren Leadsänger Freddie Mercury ist, ist nicht Dexter Fletchers Schuld. Mit „Rocketman“ hat er einen Film für Erwachsene inszeniert, der dem porträtierten Ausnahmemusiker gerecht wird. Elton John liess ihm als ausführender Produzent dabei alle Freiheiten. 

Generell bin ich kein Musical-Fan, das biografische Werk über Elton John ist aber vordergründig genau das.

Meine leichte Anspannung löste sich aber bereits mit den ersten Tönen und Bildern von „Rocketman“. In der Anfangssequenz sieht man Elton John in einem glitzernd-schrillen orangefarbenen Outfit, wie er in die Entzugsklinik schreitet und in der Selbsthilfegruppe darüber erzählt, dass er Alkoholiker, drogen-, sex- und kaufsüchtig und noch dazu essgestört ist. Die Selbsthilfegruppe bildet die Rahmenhandlung des Films. Unter Einbindung seiner Songs (großartig die „Your Song“-Sequenz) erfahren wir – in einer Mixtur aus Realität und Fantasie – von Eltons Kindheit, seinen Anfängen, seinem Durchbruch und Erfolg als Musiker. Dabei immer auf der Suche nach Liebe, die er augenscheinlich weder von seiner Mutter noch von seinem Vater erhalten hat. Eine besondere Bindung hat er zu dem Songwriter Bernie Taupin (ein fantastischer Jamie Bell), mit dem Elton John über Jahrzehnte zusammenarbeitete. Bernie ist dann scheinbar auch der Mann, in den sich Elton das erste Mal richtig verliebt hat, die „Tiny Dancer“-Sequenz lässt daran kaum zweifeln. Kurz darauf platzt aber ein anderer Mann in Eltons Leben: John Reid (mit seltsamer Perücke, aber sonst sehr James Bond-mäßig: Richard Madden). Natürlich der falsche Mann, die unglückliche Liebe zu seinem Manager (und auch zeitweise dem Manager von Queen) stürzt Elton John immer mehr in den Kreislauf von Alkohol, Drogen, usw. Das wiederum führt dann zwangsläufig zum Absturz und einer eindrucksvollen „Rocketman“-Sequenz. Ich liebe die „Goodbye Yellow Brick Road“-Sequenz, die dann wieder zum Anfang des Films führt. Im Gesamten betrachtet ist der Film ein kreatives Künstlerporträt und dabei rund und stimmig. 

Hier haben wir nun die Oscar-Performance eines Schauspielers, der eine Musiklegende verkörpert. Taron Egerton ist Elton John, zwischendurch habe ich immer wieder vergessen, dass es doch gar nicht der junge Elton John selbst ist, den ich hier auf der Leinwand sehe. Taron Egerton singt hier selbst und das beeindruckend. Der Schauspieler trägt den Film und schafft es, dem Zuschauer das Wesen von Elton John nahe zu bringen und dabei zu berühren. Wenn Rami Malek diesen Film sieht, dürfte es ihm unangenehm sein, dass er für seine, mehr auf die Optik angelegte Darstellung von Freddie Mercury den Oscar gewann. 

„Rocketman“ ist gerade erst in den Kinos angelaufen, ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass er so erfolgreich Kasse macht wie „BoRap“, dafür hat die Band Queen und ihre Songs einfach eine viel breit gefächerte Fangemeinde. Schade. 

Zum Schluss werden Originalfotos eingeblendet und man sieht im direkten Vergleich, wie sehr sich die Schauspieler, Kostüm- und Maskenbildner Mühe gegeben haben, den Originalen möglichst nahe zu kommen.  

„Rocketman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Taron Egerton), Bester Nebendarsteller (Jamie Bell, Richard Madden), Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren

„Rocketman“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. In Großbritannien ist der Film am 22.05.19 gestartet, in den Vereinigten Staaten am 31.05.19 in 3,610  Kinos. Der Film läuft seit dem 30.05.19 in den deutschen Kinos. Ich habe den Film in der OV gesehen. 

Teaser zu sehen:

 

 

Elton John & Taron Egerton singen gemeinsam „Tiny Dancer“ auf Elton Johns Oscar-Party 2019:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „O Beautiful Night„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: deutscher Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Dead Don´t Die„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Jim Jarmusch Film mit Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Yesterday„

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Danny Boyle Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Berlin – Film: „John Wick: Chapter 3 – Parabellum“

Ich war am 23.05.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„John Wick: Chapter 3 – Parabellum“ (dt. Filmtitel: „John Wick: Kapitel 3“, dt. Kinostart: 23.05.19)   125  min 

dir. Chad Stahelski  cast: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Anjelica Huston, Ian McShane, Lance Reddick

 

Nachdem der ehemalige Auftragskiller John Wick (Keanu Reeves) gegen die wichtigste Regel des Hotel Continental verstossen hat, steht er auf der Abschussliste. Ihm bleibt noch eine Stunde, dann wird er offiziell zum „Excommunicado“ erklärt, was bedeutet, dass er von der internationalen Gemeinschaft der Auftragskiller ausgeschlossen wird, alle Privilegien verliert und weltweit gejagt wird. Darüberhinaus ist ein Kopfgeld in Höhe von 14 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt…

 

B+ (Wertung von A bis F) Wie bereits bei John Wick und John Wick: Chapter 2  führt auch in „John Wick: Chapter 3 – Parabellum“ der amerikanische Stuntman, Stunt-Choreograf und Filmemacher Chad Stahelski Regie. Die „John Wick“-Reihe erzählt eine Fortsetzungsgeschichte, die Ereignisse des dritten Kapitels enden direkt nach denen des zweiten Teils.

„Parabellum“ hätte man um gute zwanzig Minuten kürzen können, aber:  Immer wenn ein Anflug von Ermüdung aufkam, habe ich mich an den fantastischen Szenenbildern erfreut oder überlegt, aus welchem Grund man wohl jetzt noch mal in die Telefon- und Verwaltungszentrale dieses Auftragkiller-Netzwerkes schalten könnte. Ich liebe ja überhaupt die (Unter- bzw. Parallel-) Welt von John Wick, aber diese Zentrale mit ihrem Mitarbeiterstab ist einfach mega. „Parabellum“ bleibt mir als eine Aneinanderreihung von exzellent choreografierten Actionszenen in großartigen Locations in Erinnerung. Keanu Reeves ist ein toller Actionheld, insbesondere, wenn er nicht redet,  in seinem kugelsicheren Maßanzug schick aussieht und um sein Leben kämpft. Dabei kommen im  dritten Teil sämtliche Waffen (sogar ein Buch, Pferde und Hunde) zum Einsatz. Nach wenigen Minuten dieses Films weiß man bereits, warum der Film in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben wurde. Der Film ist mit seiner grenzenloser Brutalität nichts für Kinder und auch ich musste mich bei der einen oder anderen Szenen mädchenhaft hinter meinem Schal verkriechen. 

Der Film setzt sich einige Male über die Gesetze der Logik hinweg, was während des Films nicht stört, weil die fantastischen Actionszenen die gesamte Aufmerksamkeit erfordern. Am Ende des Films bleiben dann aber einige Fragen offen, die vielleicht im Mai 2021 mit „John Wick: Chapter 4“ geklärt werden. 

„John Wick: Chapter 3 – Parabellum“ wurde am 17.05.19 in 3,850 amerikanischen Kinos gestartet. Der Film ist am 23.05.19 unter dem Filmtitel „John Wick: Kapitel 3“ in den deutschen Kinos gestartet. Ich habe den Film in der OV gesehen. Meine Vorstellung war so gut wie ausverkauft, wobei das Publikum zu rund 90% aus Männern bestand. Etwas irritiert mich, dass der Film im Internet offiziell mit 132 Minuten angegeben wurde und auf meine direkte Nachfrage im CineStar im Berliner Sony Center aber dann nur eine Laufzeit von 125 Minuten hatte. 

Trailer zu sehen: 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Dead Don´t Die„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Jim Jarmusch Film mit Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Annabelle Comes Home„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OV)

Kommentar: 3. Fortsetzung des Horrorfilms „Annabelle“ und Teil des The Conjuring Universe 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0% 


Trailer v. Film: „Stuber„

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Action-Komödie mit Dave Bautista und Kumail Nanjiani 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 


Trailer v. Film: „Brightburn„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OV)

Kommentar: Horrorfilm mit Elizabeth Banks

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich weiß nicht


Trailer v. Film: „Crawl„

Bewertung des Trailers: C+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Alexandre Ajas neuer (Katastrophen-) Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Anna „

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Luc Bessons neuer Film  

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Godzilla: King of the Monsters„

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: ganz anderer Trailer, als die, die ich bisher gesehen habe

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: trotzdem nichts für mich


Trailer v. Film: „Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw„

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Erster Spinn-off mit Dwayne Johnson, Jason Stratham, Idris Elba u.a., ich habe keinen der F & F-Filme gesehen

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ist von einem der Regisseure des ersten „John Wick“-Films, vielleicht doch

 

Berlin – Theater: „Panikherz“

Ich war am 9.5.19 in Berlin und habe mir folgendes Theaterstück angeschaut:

 

„Panikherz“  130 min  drama, adaption

dir. Oliver Reese   cast: Nico Holonics, Bettina Hoppe, Owen Peter Read, Carina Zichner

 

Der Pastorensohn, Benjamin von Stuckrad-Barre, arbeitet irgendwann als Redakteur für die TAZ, den Rolling Stone, dann folgt sein Debütroman „Soloalbum“. Ein großer Erfolg, weitere Bücher, Autorentätigkeiten und medienwirksame Auftritte folgen, gleichzeitig aber seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit mit Abstürzen, Therapien uswusw…

 

A- (Wertung von A bis F) Das Theaterstück „Panikherz“ ist eine Adaption von Benjamin von Stuckrad-Barres gleichnamigen Autobiografie. Regie führt der Intendant des Berliner Ensembles Oliver Reese. 

Es gibt kein Hörbuch, dass ich mehr liebe und öfter gehört habe als „Panikherz“. Da war es dann schon selbstverständlich, dass ich mir irgendwann auch die Bühnenadaption – so wenig ich mir darunter auch etwas vorstellen konnte – im Berliner Ensemble anschaue. Es ist tatsächlich schwer zu beschreiben, wie zwei weibliche und zwei männliche Schauspieler durch die verschiedenen Lebensphasen (mit einem Hauptaugenmerk auf die Suchtjahre, in Form von Geltungssucht, Selbstsucht, Alkohol- und Drogen- und Ess- und Brechsucht) in Stuckrad-Barres Leben laufen. Bettina Hoppes Benjamin blickt zurück, Carina Zichner zeigt den hippeligen Teenager Benjamin, dem die Welt in der Provinz zu klein ist, Owen Peter Read spielt den jungen Journalisten Benjamin, der versucht, Fuß zu fassen und dann – als Vierter im Bunde – Nico Holonics als erfolgreiche Autor Benjamin, der ein selbstzerstörerisches Rockstar-Leben führt. Begleitet werden die Benjamins von einer Band und der Musik von Nirvana, Oasis, Rammstein und, klar, Udo Lindenberg. Im Nachhinein ist es nur logisch, dass dieses autobiografische Buch auf die Theaterbühne gehört, auch wenn hier nur rund 40 Seiten seines rund 600-seitigen Buches (Hörbuch: 16 Std., 39 Minuten) verwertet wurden. 

In meiner Aufführung waren überwiegend junge Leute, Schulklassen, so machte es den Anschein. Ich weiß nicht, ob das Buch Klassenlektüre war oder die Lehrer dieses Theaterstück zum Einstieg ausgesucht haben, um das Thema Sucht später im Unterricht zu behandeln. Die Kids waren aber augenscheinlich begeistert von Oliver Reeses schonungslosem Bühnenstück. 

Stuckrad-Barres Buch selbst ist natürlich auch eine Abrechnung mit seinem exzessiven Leben. Durch seine Sprachbegabung und seinen Sprachwitz und den zahlreichen Anekdoten, nicht nur über Udo Lindenberg, Harald Schmidt, Helmut Dietl, Bret Easton Ellis aber auch wahnsinnig unterhaltsam. Das Theaterstück kann ich definitiv empfehlen, noch mehr möchte ich aber jedem das, von Benjamin von Stuckrad-Barre selbst eingesprochene Hörbuch ans Herz legen.

„Panikherz“ wurde am 17.02.18 am Berliner Ensemble uraufgeführt. Bei der Aufführung, die ich mir angeschaut habe, hat Owen Peter Read den Part von Laurence Rupp übernommen. Nach einem sehr intensiven Monolog von Carina Zichner gab es Szenenapplaus. Am Ende wurde minutenlang applaudiert. Als dann auch noch – völlig überraschend – der Schriftsteller und Vorlagenlieferant Benjamin von Stuckrad-Barre die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Das Theaterstück „Panikherz“ wird von verschiedenen Regisseuren deutschlandweit aufgeführt. Auch im Berliner Ensemble wird es weitere Termine geben. 

https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/panikherz

 

Theaterstück „Panikherz“ im Berliner Ensemble (die Schauspieler Nico Holonics, Bettina Hoppe, Carina Zichner und Owen Peter Read, v.l.)

 

Theaterstück „Panikherz“ im Berliner Ensemble, Benjamin von Stuckrad-Barre taucht überraschend auf.

NYC – Theater: „Burn/This“

Ich war am 1.5.19 in New York und habe mir folgendes Theaterstück angeschaut:

 

„Burn/This“  150 min (1 intermission) drama, comedy, revival 

dir. Michael Mayer  cast: Adam Driver, Keri Russell, David Furr, Brandon Uranowitz 

 

In den 1980er Jahren in New York. Larry (Brandon Uranowitz) und Anna (Keri Russell) sind geschockt, dass ihr Mitbewohner Robbie so plötzlich bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Ein paar Wochen nach der Beerdigung taucht dann mitten in der Nacht Robbies älterer Bruder Pale (Adam Driver) in ihrem Loft auf. Eigentlich wollte Pale nur die Sachen seines verstorbenen Bruders abholen, irgendwie ergibt sich aus der ersten Begegnung zwischen Anna und Pale eine recht intensive Beziehung…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Burn/This“ ist ein Bühnenstück des amerikanischen Dramatikers Lanford Wilson. Bei der Aufführung aus dem Jahr 2019 hat der amerikanische Theater- („The Lion in Winter“, „Hedwig and the Angry Inch“) und Filmregisseur Michael Mayer („A Home at the End of the World“, „The Seagull“) Regie geführt. Für seine Inszenierung des Musicals „Spring Awakening“ hat er einen Tony gewonnen. Die amerikanische Schauspielerin Keri Russell hat mit diesem Theaterstück ihr Broadway-Debüt gegeben. 

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mir am Broadway ein Theaterstück (damals Jessica Chastain in The Heiress) angeschaut habe. Früher bin ich häufiger ins Theater gegangen, mittlerweile sind die Broadway-Karten für populäre Stücke aber geradezu unverschämt teuer. Schnell liegt man bei 120 Dollar, sitzt aber dafür nur im Rang. Nicht gerade der beste Platz, die Schauspieler aus nächster Nähe zu sehen und schwindelfrei muss man auch sein. Ich habe aber wieder Bühnenluft geschnuppert und gehe jetzt wohl wieder häufiger ins Theater. 

Anna (Keri Russell) und Larry (Brandon Uranowitz) sind immer noch mitgenommen von dem plötzlichen Unfalltod ihres Freundes und Mitbewohners als der, ihnen zunächst völlig unbekannte, aber dafür alkoholisierte und zugekokste Pale (Adam Driver) mitten in der Nacht in ihr Apartment poltert und sich lauthals über alles Mögliche aufregt. 

Als Adam Driver lautstark monologisierend die Bühne betrat, wurde natürlich applaudiert. Er zählt zu den Schauspielern, die Raum brauchen, sich ihrer Wirkung bewusst sind, und die durch ihre starke (Bühnen-) Präsenz quasi umgehend die Kontrolle über das Geschehen übernehmen. Als Zuschauer musste ich mich bei seinem intensiven und redeschwalligen Auftritt erst mal kurz daran erinnern, dass keiner gesagt hat, ich soll aufhören zu atmen. Adam Driver verschwindet in der Rolle des lauten, selbstsüchtigen und doch irgendwie  sexy Typen „Pale“. Es gibt einige Schauspieler, die ich gerne mal auf der Theaterbühne sehen will. Der amerikanische Schauspieler Adam Driver (Frances Ha, Lincoln, Inside Llewyn Davis, While We´re Young,“Star Wars: The Force Awakens“, Paterson, BlacKkKlansman), war einer von Ihnen. Besonders beeindruckte mich seine stimmliche und körperliche Ausdrucksstärke. 

„Burn/This“ ist ein dialogreiches Vier-Personenstück, ein Drama in dem es um den Verlust, die Liebe und die Suche nach der eigenen Identität und einer Bedeutung im Leben geht. Der Handlungsort ist ein Loft in Manhattan. Das Bühnenstück ist in den 1980er Jahren angesiedelt. Bereits vor Beginn wurde man durch einige Popsongs von u.a. Fleetwood Mac und Bruce Springsteens „I´m on Fire“ bereits musikalisch auf die Zeit eingestimmt. 

„Burn/This“ hat drei Nominierungen für den Theater-Oscar, den Tony, erhalten: Best Revival of a Play, Best Performance by an Actor in a Leading Role in a Play (Adam Driver), Best Performance by an Actor in a Featured Role in a Play (Brandon Uranowitz)

Das Theaterstück wurde am im Jahr 1987 uraufgeführt, seinerzeit noch Off-Broadway und mit Joan Allen und John Malkovich in den Hauptrollen. Joan Allen hat für ihre Performance den Tony gewonnen. Seither wurde das Stück bereits einige Male wiederaufgeführt, u.a. mit Edward Norton, Catherine Keener, Peter Sarsgaard und Elisabeth Shue in den Hauptrollen. 

Die jetzige Aufführung von „Burn/This“ ist jedoch die erste Broadway-Wiederaufführung und fand am 16.04.19 im Hudson Theatre am Broadway statt. Das Theaterstück unter der Regie von Michael Mayer ist dort noch bis zum 14.07.19 zu sehen. Karten kosten zwischen 59 USD und 250 USD + 30 USD Servicegebühren

Broadway Theaterstück „Burn/This“

 

 

 

Broadway-Theaterstück „Burn/This“ mit Brandon Uranowitz, Keri Russell, Adam Driver und David Furr (v. l.)

 

NYC – Film: „The Mustang“

Ich war am 02.05.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Mustang“   96 min  drama

dir. Laure de Clermont-Tonnerre  cast: Matthias Schoenaerts, Jason Mitchell, Bruce Dern, Gideon Adlon, Connie Britton, Josh Stewart

 

Roman Coleman (Matthias Schoenaerts) wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt und sitzt seit mittlerweile zwölf Jahren im Gefängnis. Seine unbändige Wut hat er immer noch nicht unter Kontrolle, darum hat er bisher auch Maßnahmen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft  abgelehnt. Nun bekommt er die Möglichkeit, bei einem speziellen Programm zur Resozialisierung von Straftätern teilzunehmen. Dabei sollen die Häftlinge wilde Pferde zähmen und trainieren, damit diese später auf eine Auktion versteigert werden können…

 

A- (Wertung von A bis F) „The Mustang“ wurde von dem tatsächlichen Programm zur Resozialisierung von Straftätern in Carson City im amerikanischen Bundesstaat Nevada inspiriert. Bei diesem Programm lernen gewalttätige Häftlinge, sich auf die Wildpferde einzulassen, Geduld aufzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Dieses Programm gibt es derzeit noch in sechs amerikanischen Bundesstaaten. „The Mustang“ ist das Spielfilmdebüt der französischen Schauspielerin und Regisseurin (TV-Serie „The Act“) Laure de Clermont-Tonnerre. 

Es gibt nur wenige Schauspieler wie den Belgier Matthias Schoenaerts (Rust and Bone, The Drop, Far from the Madding Crowd, A Bigger Splash), die eine solche Präsenz, Intensität und zugleich Glaubwürdigkeit in ihren Rollen rüberbringen. Von diesem Kaliber fallen mir ad hoc Michael Shannon, Tom Hardy, Christian Bale und der von mir so verehrte und viel zu früh verstorbene Philip Seymour Hoffman ein. Alles Ausnahmetalente, die jeden Film aufwerten. Matthias Schoenaerts macht „The Mustang“ untrennbar zu seinem Film. Darüber kann man leicht übersehen, dass auch die Regiearbeit, insbesondere für ein Erstlingwerk, hervorragend ist. Insgesamt ist der Film definitiv ein lohnenswerter Indie, bei dem am Ende die Spannung nochmal richtig Fahrt aufnimmt. 

„The Mustang“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Im Jahr 2015 wurde die Autorenfilmerin und dieses Projekt von dem Sundance Institute auserwählt und unterstützend begleitet. Diese Unterstützung (NHK-Award) bekam bereits Benh Zeitlin für seinen, dann später für den Oscar nominierten Film Beasts of the Southern Wild. „The Mustang“ wurde am 15.03.19 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft dieser Film in 527 Kinos landesweit. Bislang ist noch kein deutscher Kinostart bekannt. 

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Echo in the Canyon„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Musik-Doku

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Biggest Little Farm“

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Doku

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Rocketman„

Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)

Kommentar: Biopic über Elton John mit Taron Egerton in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Shadow„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Neuer Film des chinesischen Filmemachers Zhang Yimou („Hero“)

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: „Dreamland“

Ich war am 29.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Dreamland“  98 min  action, drama, thriller

dir. Miles Joris-Peyrafitte  cast: Margot Robbie, Finn Cole, Travis Fimmel, Kerry Condon, Garrett Hedlund, Darby Camp  voice: Lola Kirke

 

In den 1930er Jahren zieht in Texas ein heftiger Staubsturm auf. Der 17-jährige Eugene Evans (Finn Cole) lebt mit seiner Mutter (Kerry Condon), der jüngeren Stiefschwester (Darby Camp) und seinem Stiefvater (Travis Fimmel) auf einer Farm. Der Sturm vernichtete die Ernte und die Familie steht vor dem Ruin. Derweil fahndet die Polizei nach der jungen Bankräuberin Allison Wells (Margot Robbie). 10,000 Dollar Belohnung sind ausgesetzt. Geld, das Eugenes Familie gut gebrauchen könnte. Eines Tages entdeckt Eugene die hübsche, aber verletzte Bankräuberin in der Scheune der Evans-Familie…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Dreamland“ ist der zweite Film des noch recht jungen, amerikanischen Schauspielers („Gut“, „Valley of the Sasquatsch“), Autors und Filmemachers („As You Are“) Miles Joris-Peyrafitte.

Als Erzählerin (Lola Kirke) führt die Stiefschwester des damals 17-jährigen Eugene durch die Ereignisse, die sich vor rund zwanzig Jahren zugetragen haben. Eugenes größter Wunsch ist es, seinen Vater (der ihn und seine Mutter verlassen hatte, als er erst Fünf war) eines Tages wieder zu treffen. Mexiko ist das Sehnsuchtsland, denn da vermutet er seinen leiblichen Vater. Ansonsten passiert nicht viel in seinem Leben und dann entdeckte der Teenager diese bildhübsche, flüchtige  Bankräuberin. Das Ganze spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise im rauen Texas. Western dieser Art werden heutzutage nur noch selten gedreht, um so schöner sich für 1 1/2 Stunden in so einer Welt wiederzufinden.„Dreamland“ ist ein Mix aus Coming-of-Age und „Bonnie and Clyde“-Story.  Miles Joris-Peyrafittes Inszenierung ist die eines großen Filmemachers: zurückhaltend, aber selbstbewusst und visionär. Finn Cole und Margot Robbie lassen einen vergessen, dass hier Schauspieler am Werk sind, aber auch alle anderen Schauspieler überzeugen.

„Dreamland“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Feature Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das zweite Screening des Films. Der sympathische, junge Filmemacher hat es sich aber nicht nehmen lassen, seinen Film anzukündigen. Sichtlich begeistert war er, dass sein neuer Film im großen Saal seines New Yorker Lieblingskinos (Village East Cinema) gezeigt wurde. Er bat uns sogar, für seine Mama ein Foto von uns, also dem Publikum seines zweiten Films in diesem Kino, knipsen zu dürfen. Putzig. 

Einen Trailer von dem Film gibt es bislang noch nicht, dafür aber ein Foto von dem Regisseur Miles Joris-Peyrafitte:

Tribeca Film Festival 2019, Film „Dreamland“ der Regisseur Miles Joris-Peyrafitte

„Dreamland“ hat bisher weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

 

 :

NYC – Film: „Georgetown“

Ich war am 27.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Georgetown“   99 min  drama, thriller, biopic, adaptation  

dir. Christoph Waltz  cast: Christoph Waltz, Annette Bening, Vanessa Redgrave, Corey Hawkins

 

Der deutsche Hochstapler Ulrich Mott (Christoph Waltz) hat durch die Heirat, der um mehr als 40 Jahre älteren Elsa Brecht (Vanessa Redgrave) den Aufstieg in die bessere Gesellschaft Washingtons geschafft. Eines Tages ist die 91-jährige Dame tot und nicht nur ihre Tochter (Annette Bening) hat den Verdacht, dass Ulrich Mott sie getötet hat…

 

B (Wertung von A bis F) „Georgetown“ beruht auf Franklin Foers New York Times Artikel „The Worst Marriage in Georgetown“. Der Film wurde von Tatsachen inspiriert. Für diesen Film wurden die Namen geändert. Christoph Waltz hat bereits im Jahr 2000 bei dem deutschen Fernsehfilm „Wenn man sich traut“ Regie geführt, „Georgetown“ ist das amerikanische Regiedebüt des deutsch-österreichischen Schauspielers und zweifachen Oscar-Preisträgers Christoph Waltz („Inglourious Basterds, Django Unchained, Big Eyes). Etwas irritierend: im Abspann heißt es „directed by C. Waltz“. 

Zunächst einmal hat sich der Deutschösterreicher für sein amerikanisches Regiedebüt eine geeignete Geschichte ausgesucht, insbesondere wenn er dann auch selbst noch den exzentrischen, deutschen Hochstapler spielt. Diese Rolle ist maßgeschneidert, sie ist aber auch nicht in einem völlig anderen Spektrum angesiedelt, als die, für die er seine zwei Oscars gewonnen hat. 

In sechs Kapiteln wird der Werdegang des spleenigen, deutschen Gernegroß Albrecht Gero Muth im politischen Washington nacherzählt. Der Pulitzer-Preisträger David Auburn („Proof“) mag mit seinem Drehbuch die Geschichte etwas aufgepeppt haben, der New York Times Artikel drängt aber förmlich auf die Verfilmung dieser Story. „Georgetown“ ist ein solider Film, es bringt mich aber generell immer etwas raus, wenn – wie hier – beide deutschstämmigen Ehepartner, nicht mal im Streit in ihrer Muttersprache miteinander reden. Schauspielerisch überzeugt Christoph Waltz, Vanessa Redgrave ist brillant, Annette Bennings Rolle hätte, für meinen Geschmack, größer sein können. 

„Georgetown“ lief erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019. Dort lief der Film in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening des Films. Vor dem Film hat die Programmdirektorin des Tribeca Filmfestivals, Cara Cusumano, den Regisseur und Hauptdarsteller Christoph Waltz vorgestellt. Der hat sich dann aber kurz gehalten, eigentlich nur gesagt, dass der Film für sich selbst spricht. Bislang hat dieses Werk weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

Bisher gibt es auch noch keinen Trailer.

Weltpremiere von "Georgtown", Tribeca Film Festival 2019, Christoph Waltz stellt sein Regiedebüt vor
Weltpremiere von „Georgtown“, Tribeca Film Festival 2019, Christoph Waltz stellt sein amerikanisches Regiedebüt vor

NYC – Film: „Something Else“

Ich war am 26.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Something Else“  83 min  drama, horror

dir. Jeremy Gardner, Christian Stella   cast: Jeremy Gardner, Brea Grant, Henry Zebrowski, Justin Benson, Ashley Song, Nicola Masciotra 

 

Abby (Brea Grant), die langjährige Freundin von Hank (Jeremy Gardner) ist plötzlich verschwunden. Er leidet schrecklich darunter und dann steht da scheinbar auch noch jede Nacht ein Monster vor seinem Haus… 

 

D+ (Wertung von A bis F) „Something Else“ ist der neue Film des amerikanischen Schauspielers („Tex Montana Will Survive!“; Psychopaths), Autors und Regisseurs („The Battery“) Jeremy Gardner. Die Regiearbeit teilt er sich hier erneut mit seinem besten Freund, dem Filmemacher Christian Stella. Jeremy Gardner spielt in diesem Film auch die Hauptrolle. 

Dieser Film nahm wirklich kein Ende, wie das Filme so an sich haben, die man grauenhaft findet. Die beiden Filmemacher treffen hier unzählige, nicht nachvollziehbare Regieentscheidungen. Angefangen von viel zu vielen Rückblenden. Auch mit einer abgespeckten Version dessen hätte man nachvollziehen können, dass Hank unter der Trennung von seiner Freundin leidet. Dann die Musik: Die hätte man kaum eindeutiger und aufdringlicher einsetzen können. Auch sind so gut wie alle Szenen einfach zu lang. Es gibt alleine eine 14-minütige Dialogszene. Nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Freund von brillanten Dialogszenen, dies war aber leider keine davon. Dass sich Jeremy Gardner hier selbst als Hauptdarsteller besetzt hat, deutet auf Selbstüberschätzung hin. Mein „+“ für dieses Beziehungsdrama im Horrormantel gibt es für die einzig gute Szene am Ende des Films. Wobei die natürlich auch nicht überwältigend gut war, aber überraschend, ich war auf einmal wieder putzmunter und – vor allen Dingen – froh, dass dieser Film vorbei war. 

„Something Else“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Midnight. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening. Die beiden, durchaus sympathischen Filmemacher, die komplette Besetzung und ein Großteil des Stabs (sprich: mit mir max. zehn zahlende Zuschauer) waren anwesend und haben sich nach dem Film den Fragen des „Publikums“ gestellt. Bislang hat dieser Film weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

Ausschnitt zu sehen:

 

Tribeca Film Festival 2019 im Village East Cinema
Tribeca Film Festival 2019, Film "Something Else" anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner, Christian Stella (mittig) und einem Teil der Besetzung und der Crew.
Tribeca Film Festival 2019, Film „Something Else“ anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner, Christian Stella (mittig) und einem Teil der Besetzung und der Crew.

 

Tribeca Film Festival 2019, Film "Something Else" anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner und Christian Stella
Tribeca Film Festival 2019, Film „Something Else“ anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner (Mitte) und Christian Stella (rechts daneben)

NYC – Film: „Lost Transmissions“

Ich war am 28.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Lost Transmissions“  105 min drama 

dir. Katharine O´Brien  cast: Simon Pegg, Juno Temple, Alexandra Daddario, Tao Okamoto, Bria Vinaite, Robert Schwartzman, Nana Ghana, Daisy Bishop  

 

Songwriterin Hannah (Juno Temple) lernt den talentierten Musikproduzenten Theo Ross (Simon Pegg) auf einer Party kennen. Die beiden freunden sich an und beginnen damit, zusammenzuarbeiten. Hannah realisiert bald, dass Theo psychisch krank ist. Bei ihm wurde eine Schizophrenie diagnostiziert. Da er befürchtet, dass die nötigen Medikamente seine Kreativität einschränken, weigert er sich, die Tabletten zu nehmen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Lost Transmissions“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Dies ist das Spielfilmdebüt der amerikanischen Autorin („The Automatic Hate“) und Filmemacherin Katherine O´Brien. 

Man muss es erst mal aushalten, zum hilflosen (Weg-)Begleiter eines psychisch Kranken zu werden. Genau das schafft Katherine O´Brien nämlich mit ihrem Charakterdrama. Als jemand, der selbst bereits ähnliche Erfahrungen im Freundeskreis machen musste, kann ich sagen, dass die Filmemacherin hier ein recht realistisches Bild dieser Situation zeichnet. Die vielen Nahaufnahmen vermitteln einem das Gefühl, quasi direkt an der Seite der Protagonisten zu stehen. Katherine O´Briens Inszenieriung ist sehr selbstbewusst, sie weiß genau, was sie wie erzählen will. Kaum zu glauben, dass dies ihr erster Spielfilm ist. 

Ab und zu hat mich Simon Pegg etwas rausgebracht. Nicht, dass ich ihm die Rolle des schizophrenen Musikproduzenten nicht abgenommen hätte. Es sind Mini-Momente, die seine Performance von einer überragenden unterscheiden. Juno Temple überzeugt, wie so häufig. Auch wenn sie (ähnlich wie Scoot McNairy) für mich keine erinnerungswerten Gesichtszüge hat und ich sicher das nächste Mal wieder nicht weiß, wer „diese Schauspielerin“ ist.

„Lost Transmissions“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening. Die Filmemacherin Katherine O´Brien, die Schauspieler Simon Pegg und Juno Temple, Jacob Loeb, Nana Ghana, Tao Okamoto, Daisy Bishop und der Filmproduzent Filip Jan Rymsza waren anwesend und haben sich nach dem Film einem Interview und den Fragen des Publikums gestellt. Bislang hat der Film weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden.

Bislang gibt es noch keinen Trailer. 

Tribeca Film Festival 2019, Film „Lost Transmissions“, Regisseurin Katherine O´Brien (zweite v. l.) und rechts daneben die Schauspieler Simon Pegg und Juno Temple, der Produzent Filip Jan Rymsza und ein Teil der Besetzung
Tribeca Film Festival 2019, Film „Lost Transmissions“, die Regisseurin Katharine O´Brien
Tribeca Film Festival 2019, Film „Lost Transmissions“, die beiden Hauptdarsteller Simon Pegg und Juno Temple

NYC – Film: „American Woman“

Ich war am 28.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„American Woman“   85 min  drama, adaptation 

dir. Semi Chellas  cast: Hong Chau, Sarah Gadon, Lola Kirke, John Gallagher Jr., Ellen Burstyn, David Cubitt

 

Die Linksextremistin Jenny (Hong Chau) ist seit ein paar Jahren untergetaucht und lebt ein relativ normales Leben. Einer ihrer früheren Kameraden hat jetzt einen Auftrag für sie. Das FBI fahndet nach drei ihrer Gesinnungsgenossen (John Gallagher Jr., Lola Kirke und Sarah Gadon), Jenny soll sich um diese radikale Zelle kümmern…  

 

C+ (Wertung von A bis F) „American Woman“ basiert auf Susan Chois gleichnamigen Roman. Es ist das Regiedebüt der kanadisch-amerikanischen Drehbuchautorin und Produzentin (TV-Serien „Mad Men“, „The Romanoffs“) Semi Chellas. Inspiriert wurde „American Woman“ von dem Entführungsfall der Millionenerbin Patty Hearst im Jahr 1974.

Handwerklich und auch schauspielerisch habe ich an dem Film gar nichts auszusetzen. Eine Story ist aber quasi nicht vorhanden. Wenn der Unterhaltungswert des Film nicht durch eine fundierte Geschichte gesichert ist, braucht man wenigstens eine faszinierende Filmfigur. Die gibt es hier tatsächlich, bedauerlicherweise ist die Protagonistin aber Jenny (gespielt von Hong Chau), von der man am Ende der Geschichte nicht wesentlich mehr weiß, als am Anfang.

Vielleicht hätte ich mir einfach auch lieber ein komplexes Psychodrama/ Biopic über Patty Hearst gewünscht. Im Jahr 1974 wurde Patty Hearst, die 19-jährige Enkeltochter des legendären US-amerikanischen Zeitungsverlegers und Medienmoguls William Randolph Hearst, von Linksradikalen verschleppt, in einen Schrank gesperrt, misshandelt und mit dem Tode bedroht. Patty Hearst lief dann aber trotzdem zu ihren Entführern, der terroristischen Guerilla-Gruppe (SLA), über. Sie beging sogar einen Banküberfall mit ihnen. Auch wenn Paul Schrader diese Geschichte in den 1980er Jahren bereits verfilmt hat, der bizarre Fall der Millionenerbin hat das Potenzial für eine weitere Verfilmung. In „American Woman“ kommt Patty Hearst auch vor (heißt hier Pauline und wird von Sarah Gadon gespielt), aber mehr am Rande, längst übergelaufen, hält sich zu Beginn des Films bereits mit zwei ihrer Komplizen (gespielt von John Gallagher r. und Lola Kirke) irgendwo in einem abgelegenen Haus auf. Dieser Film wird aus der Perspektive von Hong Chaus Charakter Jenny erzählt. „Jenny“ wurde vage inspiriert von Wendy Yoshimura, eine der Linksextremisten, die die letzten Monate vor ihrer Verhaftung mit Patty Hearst verbracht hat. Das gibt jetzt als Story nicht wahnsinnig viel her. Auch wenn die Filmmusik versucht, eine andere, eine wesentlich spannendere Geschichte zu erzählen. 

„American Woman“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Der Film lief in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening und die Filmemacherin Semi Chellas, die Schauspieler Hong Chau, Sarah Gadon, Lola Kirke und John Gallagher Jr. und Teile der Produktion waren anwesend und haben sich nach dem Film den Fragen des Publikums gestellt. Bislang hat der Film weder einen  amerikanischer noch ein deutschen Verleiher gefunden. 

Bislang gibt es noch keinen Trailer.

 

Tribeca Film Festival 2019, Film „American Woman“ die Schauspieler Lola Kirke, Sarah Gadon, Hong Chau, David Cubitt, die Filmemacherin Semi Chellas und der Schauspieler John Gallagher Jr. (v. l.)

 

Tribeca Film Festival 2019, Film „American Woman“, die Schauspieler Sarah Gadon und Hong Chau (v.l.)

NYC – Film: „Come to Daddy“

Ich war am 25.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Come to Daddy“   93 min  drama, comedy, thriller, horror 

dir. Ant Timpson  cast: Elijah Wood, Stephen McHattie, Martin Donovan, Michael Smiley, Madeleine Sami, Simon Chin 

 

Norval (Elijah Wood) hat einen Brief seines Vaters erhalten. Der hatte die Familie verlassen als er fünf Jahre alt war. Das liegt jetzt dreißig Jahre zurück und nun steht Norval seinem alten Herrn (Stephen McHattie) nach über dreißig Jahren gegenüber, in diesem sehr abgelegenen und schönen Haus an der Küste…

 

B- (Wertung von A bis F) „Come to Daddy“ ist das Regiedebüt des neuseeländischen Filmproduzenten Ant Timpson („The ABCs of Death“, „Housebound“, „The Greasy Strangler“).

Zunächst lässt sich der Film schwer in ein Genre allein pressen. Am Anfang mehr ein Zwei-Personen-Stück als Tragikomödie, irgendwann überschlagen sich die Ereignisse, dann geht es in Richtung Thriller und aufgrund seiner völlig überraschenden Brutalität findet der Film sogar im Horror-Genre ein Zuhause. Die Handlung war für mich nicht vorhersehbar. 

Vielleicht meiner Müdigkeit geschuldet, am Ende war ich mir nicht sicher, ob ich den Film cool oder überhaupt nicht gelungen fand – es war wohl irgendetwas dazwischen. Der Film kann leider nicht das halten, was er am Anfang verspricht. Gerade zu Beginn kann „Come to Daddy“ nämlich mit ein paar brillanten Szenen aufwarten (insbesondere ist eine, in der es um Elton John ging, haften geblieben). Die (witzigen) Dialoge mögen das beste im Film sein, auch konnten mich die Performances, insbesondere von dem tollen Stephen McHattie („A History of Violence“, Pontypool), aber sogar von Elijah Wood (auch wenn seine augenfeindliche Hipster-Frise etwas zu sehr ablenkt) überzeugen.

„Come to Daddy“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Midnight. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das 1. Screening des Films und die Produzenten, der Regisseur, die Hauptdarsteller (Elijah Wood und Stephen McHattie) und ein Teil der Crew waren anwesend und haben sich nach dem Film einem Interview und den Fragen des Publikums gestellt. Der Film hat bislang weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleih gefunden. 

Eine kurze Szene aus dem Film:

 

 

Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" Filmemacher Ant Timpson und Teil der Besetzung und Crew in der anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: „Come to Daddy“ Filmemacher Ant Timpson und Teil der Besetzung und Crew in der anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" Filmemacher Ant Timpson im anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: „Come to Daddy“ Filmemacher Ant Timpson im anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" die beiden Schauspieler Elijah Wood, Stephen McHattie (v. r.)
Tribeca Film Festival 2019, Film: „Come to Daddy“ die beiden Schauspieler Elijah Wood, Stephen McHattie (v. r.)

Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" die beiden Schauspieler Elijah Wood, Stephen McHattie (v. r.)

 

NYC – Film: „Missing Link“

Ich war am 26.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Missing Link“ (dt. Filmtitel: „Mister Link – ein fellig verrücktes Abenteuer, dt. Kinostart: 30.05.19)  95 min  animation

dir. Chris Butler  voices: Hugh Jackman, Zoe Saldana, Emma Thompson, Stephen Fry, Timothy Olyphant, Matt Lucas, Zach Galifianakis

 

Sir Lionel Frost (Hugh Jackman) ist ein, von seinem eigenen Ego getriebener Abenteurer. Gerne möchte er Mitglied des elitären Entdecker-Clubs werden. Die werten Herren sind aber nicht wirklich daran interessiert, Sir Frost in ihrer Mitte aufzunehmen. Zunächst soll er Beweise für die Existenz eines „Sasquatch“, also eines Vorfahren des Menschen, beibringen. Auf seiner Reise trifft er dann auch bald auf eine rostbraune fellige Kreatur mit riesigen Füßen (Zach Galifianakis). Sir Frost tauft ihn Mr. Link und der kann sogar sprechen… 

 

B (Wertung von A bis F) „Missing Link“ ist der neue Stop-Motion-Film des englisch-amerikanischen Storyboard-Artisten („Corpse Bride“, Coraline) Autors (Kubo and the Two Strings) und Regisseurs (ParaNorman) Chris Butler. Es ist der fünfte Film der Laika-Studios. 

Wenn zwei der fünf produzierten Filme eines Filmstudios („Coraline“ und „Kubo and the Two Strings“) in meiner persönlichen Top Ten eines Jahres landen, dann macht es, in meinen Augen, alles richtig und jeder neue Film kommt auf meine Must-See-Liste. 

Diesen Film hätte ich aber dennoch beinahe übersehen, der Trailer muss an mir vorbei gegangen sein, das Filmplakat sprach mich nicht an und auch wusste ich nichtmal, dass Laika einen neuen Film rausbringt. Na, ist ja nochmal gut gegangen.

„Missing Link“ mangelt es etwas an einer soliden Story und auch hat der Film ein paar unübersehbare Längen, dafür überzeugt er aber mit seinem Humor und Charme und einer detailreichen perfekten Animation. Man möchte förmlich den Film anhalten, um die Gestaltung der Szenenbilder (insbesondere bei den Szenen im Saloon und im Himalaya-Dorf) genauer zu betrachten. 

Der Film ist recht dialogreich, daher vielleicht eher etwas für Erwachsene. Die Kinder in meiner Vorstellung waren allesamt sehr unruhig. 

Stop-Motion ist eine sehr aufwendige Filmtechnik, für „Missing Link“ wurden allein über 100 Filmsets gebaut. Mir bricht es fast das Herz, wenn ich lese, dass die Laika-Filme nicht das nötige Geld einspielen. Wenig innovative computer-animierte Fortsetzungen von Animationsfilme (wie „The LEGO Movie 2“, bei dem ich tatsächlich vorzeitig das Kino verlassen hatte, weil er mir auf die Nerven ging) sind dagegen mördererfolgreich an der (amerikanischen) Kinokasse. 

„Missing Link“ ist am 12.04.19 in 3,413 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland soll der Film am 30.05.19 ins Kino kommen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „UglyDolls„

Bewertung des Trailers: C- (neuer Trailer) 

Kommentar: Animationsfilm und Musical

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Abominable„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Dreamworks-Animationsfilm 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Toy Story 4„

Bewertung des Trailers: B+ (erster richtiger Trailer) 

Kommentar: PIXAR-Animationsfilm und Fortsetzung

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Angry Birds Movie 2„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Animationsfilm und Fortsetzung

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Pokémon Detective Pikachu„

Bewertung des Trailers: C+ 

Kommentar: Ernsthaft?

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Dora and the Lost City of God„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Abenteuerfilm für Kinder 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „The Addams Family„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: neuer Animationsfilm, der auf den gleichnamigen Comics basiert

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: jooaa 

TV-Serie: „After Life, 1. Staffel“

Ich habe mir folgende Netflix-Serie angeschaut:

 

„After Life, 1. Staffel“ (in D. seit dem 8.3.19 auf Netflix zu sehen)   6 x approx. 30 min  comedy, drama 

dir. Ricky Gervais  cast: Ricky Gervais, Tom Basden, Tony Way, Diane Morgan, Mandeep Dhilon, Ashley Jensen, David Bradley, Kerry Godliman, Penelope Wilton 

 

Seit dem Tod seiner geliebten Frau Lisa (Kerry Godliman) sieht Tony (Ricky Gervais) keinen Sinn mehr im Leben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich das Leben nimmt, aber erst mal muss er sich um seine Hündin Brandy kümmern. Dafür beschließt er, künftig einfach das zutun, wozu er Lust hat und auch nur noch das zu sagen, was ihm gerade einfällt und dabei keine Rücksicht mehr auf seine Mitmenschen zu nehmen. Was hat er schon zu verlieren? 

 

B+ (Wertung von A bis F) „After Life“ ist die neue Serie des englischen Stand-up-Comedian, Schauspielers („Night at the Museum“) Autors, Regisseurs („The Invention of Lying“) und Serienschöpfer („The Office“, „Extras“) Ricky Gervais. Ricky Gervais spielt in dieser Serie auch die Hauptrolle. 

Ich liebe Ricky Gervais. Mit seinem (trockenen, sehr schwarzen) Humor trifft er treffsicher genau mein Humorzentrum. Unvergessen natürlich seine provokanten Auftritte als viermaliger Golden-Globe-Gastgeber. Er ist gesegnet mit einer brillanten Beobachtungsgabe und dem Mut, Dinge (die andere denken) einfach auszusprechen. Das zeigt sich auch in seiner Serienfigur „Tony“. Dass diese Kurzserie nur sechs Episoden (von jeweils nicht mal 30 Minuten) beinhaltet, war mir zuvor nicht bewusst. Ich war – zugegebenermassen – etwas enttäuscht, dass sie so schnell zu Ende war. 

„After Life“ thematisiert Depressionen, aber auf eine sehr unterhaltsame und witzige Art. Der Protagonist Tony ist ein Mann, dessen langjährige große Liebe gestorben ist. Seither sieht er keinen Sinn mehr im Leben, betäubt seinen Schmerz mit Alkohol. Er würde sich wahrscheinlich selbst das Leben nehmen, wenn er sich nicht um seine Hündin und seinen, an Demenz erkrankten Vater kümmern müsste. Schließlich fasst er den Entschluss, künftig nur noch das zu tun, wozu er Lust hat, Höflichkeitsgeplänkel über Bord zu werfen und anderen Menschen immer geradeheraus seine Meinung zu sagen. Als trauernder Witwer wird ihm seine direkte Art sowieso keiner richtig übel nehmen. Das Ganze führt zu alltäglichen Situationen, die einfach unglaublich komisch sind. Begünstigt durch den Fakt, dass Tony als Redakteur einer kostenfreien Tageszeitung arbeitet und ständig mit Menschen konfrontiert wird, die unbedingt in der Zeitung stehen wollen. Es sind aber auch die kleinen Alltagssituationen, bei denen Tony auf seinen Postboten, seinen Therapeuten, seine nervige Bürokollegin usw. trifft, die mich herzhaft lachen ließen. 

Auch wenn ich es nicht bei jedem einzelnen Film oder jeder TV-Serie extra erwähne, bin ich generell der Meinung, dass man Film- und Fernsehprojekte ausschließlich in der Originalsprache (egal welche Sprache) konsumieren sollte. Bei „After Life“ sollte man nicht mal auf die Idee kommen, sich eine synchronisierte Fassung anzuschauen. Tipp: englische Untertitel. Zweiter Tipp: die gesamte Kurzserie zwei Mal schauen, bzw. wenn man gerade schlechte Laune hat, einfach eine Episode gucken.   

Zu einzelnen Episoden:

Episode 2: Ich liebe das Ende dieser Folge (unterstützt von Elton Johns „Rocket Man“)

Episode 4: Das Ende dieser Folge fand ich ungewöhnlich und sehr mutig.

 

Die Charaktere im Einzelnen:

Tony lebt in einer Kleinstadt und arbeitet für das lokale Anzeigenblatt The Tambury Gazette. Herausgeber der Zeitung ist sein Schwager Matt (gespielt von Tom Basden) Kürzlich ist Tonys geliebte Frau Lisa (in Rückblenden gespielt von Kerry Godliman) gestorben. Fünfundzwanzig Jahre waren sie verheiratet. Seit Lisa nicht mehr da, sieht er keinen Sinn mehr im Leben. Er ist depressiv, wenn er seine geliebte Hündin Brandy nicht füttern müsste, hätte er sich wahrscheinlich längst das Leben genommen. Er hat aber auch noch einen Vater (gespielt von David Bradley), der an Alzheimer erkrankt ist und in einem Pflegeheim lebt. Tony sieht nicht mehr länger einen Vorteil daran, anderen Menschen gegenüber rücksichtsvoll und höflich zu sein und hat beschlossen, jetzt immer genau das zu sagen, was er denkt. Gespielt wird Tony von dem britischen Allround-Talent Ricky Gervais. Als Autor, Regisseur, Hauptdarsteller, Serienschöpfer, für sein Stand-Up-Special und sein Golden-Globe-Programm wurde er insgesamt dreiundzwanzig Mal für den Emmy nominiert. Davon hat er drei Emmy-Trophäen (eine als Hauptdarsteller für seine TV-Serie „The Office“, eine als Hauptdarsteller für seine TV-Serie „Extras“ und eine für seine Comedy-Serie „The Office“) erhalten. 

Matt ist Herausgeber der lokalen Zeitung The Tambury Gazette. Einer kostenloses Zeitung, die sich durch Anzeigen finanziert. Matt ist der Schwager von Tony (gespielt von Ricky Gervais) und Bruder der verstorbenen Lisa. Gespielt wird Matt wird von dem englischen Comedian und Schauspieler Tom Basden. 

Anne hat ihren langjährigen Ehemann Stan verloren. Sie lernt Tony (gespielt von Ricky Gervais) auf dem Friedhof kennen. Gespielt wird Anne von der englischen Schauspielerin Penelope Wilton. Sie hat in vielen Spielfilmen (u.a. „Calendar Girls“, „Shaun of the Dead“, „Matchpoint“) mit und hatte auch eine größere Rolle in der britischen Erfolgsserie „Downton Abbey“. 

Ray ist der Vater von Tony (gespielt von Ricky Gervais). Ray ist an Demenz erkrankt und lebt in einem Pflegeheim. Ray wird von dem englischen Schauspieler David Bradley gespielt. Bekannt ist er sicherlich durch die „Harry Potter“-Filme und vielleicht durch die TV-Serie „Game of Thrones“, ich kannte ihn aus der TV-Serie Broadchurch und den Filmen „Hot Fuzz“ und Harry Brown.

„After Life“ steht seit dem 8.3.19 auf Netflix (weltweit) zur Verfügung. Mittlerweile wurde bekanntgegeben, dass es eine zweite Staffel der Serie geben wird. 

Trailer zu sehen: 

 

NYC – Film: „High Life“

Ich war am 2.10.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„High Life“ (dt. Kinostart: 30.05.19) 110 min  sci-fi, adventure, drama

dir. Claire Denis  cast: Robert Pattinson, Juliette Binoche, André Benjamin, Lars Eidinger, Mia Goth

 

Amerikanische Wissenschaftler nutzen Todeskandidaten als Versuchskaninchen. Monte (Robert Pattinson) und andere Strafgefangene sind auf einer Mission im Weltraum unterwegs. Den Strafgefangenen ist dabei nicht bewusst, dass gar nicht geplant ist, ihr Raumschiff zur Erde zurückzuholen…

 

B (Wertung von A bis F) „High Life“ ist der neue Film der französischen Autorin und Filmemacherin Claire Denis („Chocolat“, „Trouble Every Day“, „White Material“, „Let the Sunshine In“). Es ist der erste englischsprachige Film der fast 73-jährigen Französin. 

Rund ein halbes Jahr ist es her, dass ich den Film gesehen habe. Jetzt sind mir meine Notizen zu dem Film wieder in die Hände gefallen, der A24-Film ist mittlerweile in ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet und eine deutsche Kinoauswertung steht auch bevor. 

„High Life“ war für mich der erste Film, der bei den amerikanischen Cineasten unglaublich  beliebten, französischen Filmemacherin. Hatte zuvor einiges über diesen Film gehört und wollte mir ihn mir nicht entgehen lassen. Als der Festivalleiter des NYFF56, Kent Jones (der kürzlich sein Spielfilmdebüt mit Diane gab) die Filmemacherin angekündigt hat, ist das New Yorker Publikum komplett ausgeflippt. Unter tosendem Applaus kam Claire Denis auf die Bühne. Das perfekte Umfeld also, meinen ersten Denis-Film zu sehen. 

Diesen Film zu beschreiben oder dem Ganzen überhaupt einen Sinn abzugewinnen, halte ich für schwierig. „High Life“ ist definitiv kein herkömmlicher und vielleicht auch nicht leicht konsumierbarer Sci-Fi-Film. Im, an die Vorführung anschließenden, Q & A gab die Filmemacherin an, dass es sich bei ihrem neuen Film vordergründig um einen Familienfilm handelt. Gut, Robert Pattinsons Charakter und sein Baby nehmen einen großen Teil des Gezeigten in Anspruch, aber auf dem Raumschiff gibt es auch viele gewalttätige Kriminelle, einige Tote, eine durchgeknallte Wissenschaftlerin, Samenraub und dann gibt es noch eine wilde (und exzellent fotografierte) Sexszene in dieser Fuck-Box – Familie kam mir da erst mal weniger in den Sinn. Von dem Erzählerischem sollte sich vielleicht jeder ein eigenes Bild machen. Gestalterisch weiß der Film in jedem Fall zu beeindrucken. Ein ungewöhnlicher Film, vielleicht sollte ich ihn mir noch mal anschauen. Definitiv macht er mich neugierig auf die anderen Werke der Französin. 

Das (übrigens tolle) Filmbaby ist, so berichtete Robert Pattinson, die Tochter seines besten Freundes. 

„High Life“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2018 gezeigt. Der A24-ist am 05.04.19 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Seit heute läuft er in 146 Kinos landesweit. In Deutschland soll der Film am 30.05.19 ins Kino kommen. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2018 gesehen. Im Anschluss an den Film standen die Regisseurin Claire Denis und ihr Hauptdarsteller Robert Pattinson den zahlreichen Fragen des Publikums zur Verfügung. 

Trailer zu sehen:

 

 

NYFF56, Film „High Life“ Q & A mit Robert Pattinson, Filmemacherin Claire Denis und Festivalleiter Kent Jones. (v.l.)

 

VOD – Film: „Diane“

Folgenden Film habe ich mir als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„Diane“  96 min  drama 

dir. Kent Jones  cast: Mary Kay Place, Jake Lacy, Deirdre O´Connell, Glynnis O´Connor, Joyce Van Patten 

 

Diane (Mary Kay Place) ist immer für andere da. Bei ihrem eigenen Sohn (Jake Lacy) kommt sie jedoch an ihre Belastungsgrenze… 

 

A- (Wertung von A bis F) „Diane“ ist das Spielfilmdebüt des amerikanischen Filmkritikers (Film Comment), Dokumentarfilmers („A Letter to Elia“, „Hitchcock/Truffaut“) und Direktor des New York Film Festivals Kent Jones. 

„Wow“ war das, was mir rausrutschte, als der Film endete. Und dann habe ich ihn mir gleich ein zweites Mal angeschaut. 

Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir „Diane“ auf dem Tribeca Filmfestival anschauen wollte. Hauptsächlich weil ich neugierig auf das Spielfilmdebüt des sympathischen Festivalleiters des New York Film Festivals war. Es kam aber irgendwas dazwischen und dann ärgerte ich mich erst richtig, als der Filme am Ende des Filmfestivals ein paar Preise (darunter: Bester Spielfilm) absahnte. Das ist jetzt über ein Jahr her, mittlerweile ist der Film im amerikanischen Kino und gleichzeitig auf VOD gestartet und Mary Kay Place ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung. 

„Diane“ ist eine Charakterstudie über eine Frau, die ihr Leben darauf ausgerichtet hat, anderen Menschen zu helfen. Am Ende des Tages ist sie jedoch allein, vor allen Dingen mit ihren Sorgen und ihrem Ärger um ihren erwachsenen Sohn. Die komplexe Beziehung zu ihrem einzigen Kind belastet Diane, sie schwankt immer zwischen Hoffnung, Wut und Verzweiflung. Man muss nicht in einer ähnlichen Situation stecken, um Dianes Gefühle nachvollziehen zu können. Ihr Schmerz transportiert sich auf den Zuschauer. Der Film ist aber noch weit mehr, letztlich ist es ein Film über das Leben und was am Ende davon übrig bleibt. Wenn man das Glück hat, relativ gesund, alt zu werden, kommt zwangsläufig irgendwann die Zeit, in der viele seiner Lieben sterben und was bleibt dann? „Diane“ ist auch ein Film über Erinnerungen. Was waren einschlägige Erlebnisse im Leben, welche Begebenheiten bleiben präsent? Belasten einen Schuldgefühle, weil man etwas getan oder vielleicht nicht getan hat? War das Leben nicht viel einfacher als man jung war? Wie hat man sich als Person seit der Jugend weiterentwickelt? Täuscht einen vielleicht irgendwann die Erinnerung und was geht einem im Moment des Todes durch den Kopf? 

Die Amerikanerin Mary Kay Place (The Big Chill, „Being John Malkovich“, State Like Sleep) ist einer dieser typischen Nebendarstellerinnen, die ich nie bewusst wahrgenommen habe. In „Diane“ spielt die 71-Jährige ihre erste Hauptrolle und überzeugt gleich auf ganzer Linie. Besonders gut hat mir hier auch Jake Lacy (Miss Sloane) gefallen. 

Die Erzählstruktur des Films ist mitunter etwas verwirrend. vielleicht angelehnt an den Erinnerungen am Ende eines Lebens. Bei meiner ersten Sichtung des Films dachte ich, eine reine Charakterstudie zu sehen. Am Ende stand – wie gesagt – das „Wow“ und eine weitere (dieses Mal sehr tränenreiche) Sichtung später bewirbt sich der Film um einen Platz in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2019. 

„Diane“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Mary Kay Place) und in der Nebenrolle 

„Diane“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2018 gezeigt. Auf diesem Filmfestival wurde der Film dann auch mit drei Preisen (Bester Film, Beste Kamera und Bestes Drehbuch) ausgezeichnet. „Diane“ ist am 29.03.19 in drei amerikanischen Kinos und zeitgleich auf VOD gestartet. Mittlerweile läuft der Film in 63 Kinos landesweit. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart bekannt. 

Trailer zu sehen: 

 

VOD – Film: „The Hole in the Ground“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„The Hole in the Ground“ 91 min  thriller, horror 

dir. Lee Cronin  cast: Seána Kerslake, James Quinn Markey, James Cosmo, Simone Kirby, Steve Wall, Kati Outinen 

 

Sarah (Seána Kerslake) zieht mit ihrem Sohn Chris (James Quinn Markey) aufs Land. In der Nähe ihres Hauses am Waldrand befindet sich ein riesiger Krater. Eines Nachts hört Sarah laute Geräusche, ihr Sohn ist verschwunden. Dann taucht er jedoch wieder auf und seither bemerkt Sarah immer mehr Veränderungen im Verhalten ihres Sohnes. Irgendwann glaubt sie, dass der Junge nicht ihr Sohn ist…

 

B (Wertung von A bis F) „The Hole in the Ground“ ist das Langfilm-Debüt des irischen Autors und Filmemachers Lee Cronin („Ghost Train“). 

Das Erstlingswerk eines vielleicht nächsten großen Filmemachers zu sehen, ist für mich generell Grund genug, möglichst viele Regiedebüts zu schauen. Zu Beginn der Filmkarriere eines Regisseurs hat dieser meist nur ein geringes Produktionsbudget zur Verfügung und muss entsprechend mit seiner/ihrer Vision punkten. Ob jemand Talent hat, sieht man schnell. Lee Cronin hat ein Gespür für das künstlerische Gestalten und das Erzählen, das kann man bereits den ersten Einstellungen aus der Vogelperspektive und der Farbgebung der Szenerie entnehmen. Meine Neugierde auf diesen Film war damit geweckt, und das, noch bevor der Filmtitel eingeblendet wurde. Bei dem Film mochte ich besonders die düstere, aber klare auf das Wesentliche reduzierte Bildsprache. Etwas rummäkeln muss ich aber, der Film hätte mir der Schwarzblende enden müssen. Es folgen noch ein paar Szenen im Anschluss, die aber unnötig sind. 

„The Hole in the Ground“ erfindet den Horrorfilm sicherlich nicht neu, ich würde ihn als einen dieser neuen Indie-Kunsthorrorfilme bezeichnen. Den Grusel zieht dieser Film aus seiner atmosphärischen Inszenierung und der Ungewissheit, was hier nun eigentlich genau vor sich geht. Das Geschehen muss man für sich selbst interpretieren, es ist kein Film, der am Ende eindeutige Erklärungen liefert. 

Die Hauptdarstellerin Seána Kerslake empfand ich als sehr ausdrucksstark. 

„The Hole in the Ground“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der A24-Film wurde am 1.3.19 in 24 ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet und zeitgleich auf VOD herausgebracht. Für Deutschland ist ein Kinostart am 02.05.19 geplant. 

Trailer zu sehen:

 

 

TV-Serie: „Escape at Dannemora“

Ich habe mir den folgenden Showtime-Mehrteiler angeschaut:

 

„Escape at Dannemora“(in D. seit dem 19.12.18 auf Sky zu sehen)   7 x approx. 60 min  drama, thriller, biopic 

dir. Ben Stiller  cast: Benicio Del Toro, Patricia Arquette, Paul Dano, Eric Lange, David Morse, Bonnie Hunt

 

 

Im Juni 2015 gelang den beiden verurteilten Mördern Richard Matt (Benicio Del Toro) und David Sweat (Paul Dano) die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora im Bundesstaat New York. Die Generalinspektorin des Staates New York, Catherine Leahy Scott (Bonnie Hunt), beginnt mit der Befragung von Tilly Mitchell (Patricia Arquette). Es macht den Anschein, als hätte die Gefängnisangestellte den beiden Häftlingen zur Flucht verholfen…

 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Escape at Dannemora“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt die Geschichte eines spektakulären Gefängnisausbruchs aus dem Jahr 2015. Um die Ereignisse so authentisch wie möglich zu halten, haben sich die Autoren an den Bericht der Generalinspektorin des Staates New York gehalten. Gedreht wurde u.a. in der Stadt Dannemora und für Außenaufnahmen sogar in der Clinton Correctional Facility. Ben Stiller und sein Produktionsteam hatten darüberhinaus während des achtmonatigen Drehs viele Berater (Angestellte des Gefängnisses und Ermittlern, die an der intensiven Verbrecherjagd beteiligt waren) an ihrer Seite. Bei allen sieben Episoden hat der amerikanische Schauspieler („Meet the Parents“, „The Royal Tenenbaums“, „Starsky & Hutch“, While We´re Young, Brad´s Status), Drehbuchautor, Regisseur („Zoolander“, Tropic Thunder) und Produzent Ben Stiller Regie geführt. 

Der beste Gefängnisfilm für mich (und einer meiner liebsten Filme überhaupt) ist „The Shawskank Redemption“. Der spektakuläre Gefängnisausbruch in Dannemora erinnert an den in Frank Darabonts Film (bzw. Stephen Kings Buch). 

Ein Mehrteiler mit zwei meiner Lieblingsschauspieler (Benicio Del Toro und Paul Dano)? Motivation genug, dieses Projekt auf meine MUST-SEE-Liste zu setzen. „Escape at Dannemora“ zeigt auf der einen Seite, wie den zwei Häftlingen der Gefängnisausbruch gelang, ist aber auch ein Porträt der beiden Schwerverbrecher und eine Charakterstudie der Gefängnisangestellten, die den beiden zur Flucht verholfen hat. 

Man hätte diese Geschichte auch in vier oder fünf Episoden erzählen können, so wirkt es etwas gestreckt. Gefallen hat mir der Mehrteiler aber dennoch. 

Ich mag die Einleitung der Story. Zu Beginn die Dialog-Szene der Generalinspektorin mit der Gefängnisangestellten, die mit einer 360-Grad-Kamerafahrt auf „Tilly“ (der Protagonistin der Geschichte) endet. Auch mag ich, wie diese Szene in der finalen Episode wieder aufgenommen wird. Durch die Inszenierung bekommt man auch sehr schnell den Eindruck, dass die ganze  Bevölkerung der Kleinstadt Dannemora, entweder direkt oder indirekt für das Gefängnis arbeitet.

Etwas Probleme hatte ich mit der Charakterentwicklung von Benicio Del Toros Charakter Richard Matt. Er wird eingeführt als jemand, der alles unter Kontrolle hat, mit dem sich keiner im Knast anlegt. Ein Alpha-Mann, der  sehr smart und manipulativ ist. Schließlich hat er den Plan für den Gefängnisausbruch. Künstlerisch ist er auch begabt (übrigens werden ganz zum Schluss des Mehrteilers auch die Originalbilder von Richard Matt gezeigt). Wie ist aber dann sein irrationales Verhalten auf der Flucht zu erklären? Aber gut, so oder so ähnlich scheint es sich zugetragen zu haben. Ein weiteres Problem hatte ich mit der Erzählstruktur. 

Dramaturgisch ist dieser Mehrteiler etwas seltsam aufgebaut. Die ersten vier Teile lernt man die Charaktere und ihren Gefängnisalltag kennen. Natürlich ist einem bewusst, dass die beiden Häftlinge nicht unschuldig im Gefängnis sitzen, beide sind verurteilte Mörder. Man hegt aber irgendwo Sympathien für sie, ist bei ihnen, wenn sie ihren Fluchtplan umsetzen. Entsprechend ist die sechste Episode dann ein Schlag in die Magengrube. Hier, also sehr spät, erfährt man, aufgrund welcher brutalen Verbrechen Richard Matt und David Sweat im Gefängnis gelandet sind. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die Geschichte so zu erzählen. Üblicherweise werden solche Informationen in einigen Szenen am Anfang eingestreut.

Patricia Arquette zählt zu den Schauspielerinnen, die ich immer etwas unterschätze. Hier ist sie kaum wiederzuerkennen, aber glaubhaft als einfache, leicht übergewichtige Frau, die nie sonderlich viel Wert auf ihr Äußeres gelegt hat. Sie spielt eine frustrierte (Ehe-)Frau, die in einer Gefängnisschneiderei arbeitet. Nur dort fühlt sie sich auch anerkannt und wohl von den Männern (Sweat, später auch Hacksaw) begehrt. Die beiden Schauspieler Benicio Del Toro und Paul Dano machen den Mehrteiler sehenswert, letztlich ist es aber die Patricia Arquette-Show. 

Anmerkungen zu den Episoden

Part 6 – spielt ausschließlich in der Vergangenheit (am Anfang der Episode ist Ben Stillers Tochter, Ella Olivia Stiller, in ihrer ersten Rolle – sie spielt die Teenager-Autofahrerin, die von dem Sheriff angehalten wird – zu sehen)

Part 7 – die finale Folge ist meine Lieblingsepisode. Es ist mit einer Stunde und 39 Minuten auch die längste.

 

Den Audio-Kommentaren zu den einzelnen Episoden mit Ben Stiller, den Autoren, der Kamerafrau, den Cuttern, der Schauspielerin Patricia Arquette, u.a. kann man sehr viele interessante Informationen entnehmen. Insbesondere der Audio-Kommentar zu der letzen Episode mit dem, tatsächlich für die Jagd nach den flüchtigen Häftlingen Hauptverantwortlichen Chuck Guess fand ich sehr aufschlussreich. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Richard „Hacksaw“ Matt ist ein verurteilter Mörder, der in dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora einsitzt. Er hat sich mit dem Gefängnisinsassen David Sweat (gespielt von Paul Dano) angefreundet. Die beiden sitzen im sogenannten „Honor Block“, für Strafgefangene, deren Verhalten während der Haftzeit mustergültig ist. Den beiden glückt irgendwann die Flucht aus der Clinton Correctional Facility. Gespielt wird Richard Matt von dem amerikanischen Schauspieler Benicio Del Toro. Sein Talent konnte er in vielen Filmen, u.a. „The Usual Suspect“, „Fear and Loathing in Las Vegas“, „21 Grams“, Things We Lost In the Fire, Inherent Vice, Sicario und Sicario: Day of the Soldado) unter Beweis stellen. Für seine Performance in Steven Soderberghs „Traffic“ hat er den Oscar gewonnen. 

Joyce „Tilly“ Mitchell arbeitet in der Schneiderei des Hochsicherheitsgefängnisses in Dannemora. Sie ist seit über 20 Jahren mit Lyle (gespielt von Eric Lange) verheiratet und frustriert mit ihrem Leben. Sie hat eine Affäre mit dem Gefängnisinsassen David Sweat (gespielt von Paul Dano). Beiden verurteilten Mördern Hacksaw (gespielt von Benicio Del Toro) und David Sweat hat sie zur Flucht verholfen. Gespielt wird Tilly von der amerikanischen Schauspielerin Patricia Arquette. Sie hat in vielen Filmen, u.a. „True Romance“, „Flirting with Disaster“„Lost Highway“ und auch TV-Serien („Medium“, „Boardwalk Empire“, „CSI: Cyber“) mitgespielt. Für ihre Performance in Boyhood hat sie den Oscar gewonnen. Sie wurde auch bereits mit einem Emmy für ihre Rolle in der TV-Serie „Medium“ ausgezeichnet. Sie ist die Schwester der Schauspieler Richmond, Alexis, David und Rosanna Arquette. 

David Sweat ist ein verurteilter Mörder, der bereits seit 12 Jahren in dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora einsitzt. Er hat eine Affäre mit der Gefängnisangestellten Tilly (gespielt von Patricia Arquette). Befreundet ist er mit dem Gefängnisinsassen Hacksaw (gespielt von Benicio Del Toro). Den beiden gelingt schließlich auch die Flucht aus der Clinton Correctional Facility. Gespielt wird David Sweat von dem amerikanischen Schauspieler, Drehbuchautor und Filmemacher Paul Dano. Mir ist er das erste Mal in „Little Miss Sunshine“ aufgefallen, kurz darauf beeindruckte er bereits neben Daniel-Day Lewis in PTAs There Will Be Blood und seither gucke ich auch Filme seinetwegen. Er hat u.a. in The Good Heart, Being Flynn, 12 Years a Slave, Prisoners, Love & Mercy  und Youth mitgespielt. Mit Wildlife gab er sein Regiedebüt.

Gene Palmer ist ein Gefängniswärter, der sich mit dem Insassen Richard Matt (gespielt von Benicio del Toro) etwas angefreundet hat. Gespielt wird Gene Palmer von dem amerikanischen Schauspieler David Morse. Er hat in vielen Filmen („The Negotiator“, „The Green Mile“, Disturbia, The Hurt Locker und auch in einigen TV-Serien (u.a. „St. Elsewhere“, „Medium“, „True Detective“) mitgespielt. Für seine Performance in der  TV-Serie „House“ und dem Mehrteiler „John Adams“ hat er jeweils eine Emmy-Nominierung erhalten. 

Lyle Mitchell arbeitet im Gefängnis. Er ist seit über 20 Jahren mit Tilly (gespielt von Patricia Arquette) verheiratet. Lyle wird von dem amerikanischen TV- und Filmschauspieler Eric Lange gespielt. In vielen TV-Serien hatte er kleinere Gastauftritte, In dem Mehrteiler Waco und in den TV-Serien „The Bridge“ und  „Narcos“ hatte er eine größere Rolle. Auch war er in dem Film Wind River zu sehen. 

„Escape at Dannemora“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Best Actress Limited Series/Movie (Patricia Arquette), Best Actor Limited Series/Movie (Benicio del Toro), Best Supporting Actor Limited Series/Movie (Paul Dano). Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Escape at Dannemora“ für 12 Emmys nominiert  (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Benicio Del Toro), Lead Actress in a Limited Series (Patricia Arquette), Supporting Actor in a Limited Series (Paul Dano)  Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

Escape at Dannemora“ wurde erstmalig vom 18.11.18 – 30.12.18 auf dem amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime gezeigt. In Deutschland ist dieser Mehrteiler seit dem 19.12.18 auf Sky zu sehen. 

Trailer zu sehen: 

 

Berlin – Film: „Us“

Ich war am 21.03.19 in Berlin und am 24.03.19 in Hongkong habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Us“ (dt. Filmtitel: „Wir“, dt. Kinostart: 21.03.19) 116 min  horror

dir. Jordan Peele  cast: Lupita Nyong´o, Winston Duke, Evan Alex, Shahadi Wright Joseph, Elisabeth Moss, Tim Heidecker

 

Adelaide (Lupita Nyong´o) hatte ein traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit und leidet immer noch darunter. Sie macht mit ihrem Mann Gabe (Winston Duke), ihrer Tochter Zora (Shahadi Wright Joseph) und ihrem Sohn Jason (Evan Alex) Urlaub in ihrem Ferienhaus in der Küstenstadt Santa Cruz. Nachdem sie mit ihren Freunden Kitty (Elisabeth Moss) und Josh (Tim Heidecker) einen Tag am Strand verbrachten, steht am Abend plötzlich eine fremde Familie in ihrer Einfahrt. Erschreckenderweise ähneln die Vier ihnen, zumindest optisch…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Us“ ist der zweite Spielfilm des afroamerikanischen Comedians, Autors, Filmemachers und Produzenten Jordan Peele. Für seinen Oscar-nominierten Film Get Out hat er einen Oscar für das beste Originaldrehbuch erhalten. Für diesen Film hat er auch das Drehbuch geschrieben, ist Regisseur und Produzent. 

„Us“ ist ein Film, der die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers verlangt. Um Lupitas Nyong´os exzellente Performance in einer Doppel-Rolle richtig erfassen zu können, ist es ratsam, den Film in der Originalfassung zu sehen. Ich empfehle auch mindestens eine zweite Sichtung von „Us“. Bei meiner ersten Sichtung war ich nicht nur durch die Erzählung sehr angespannt, ich versuchte die vielschichtige Geschichte im Ganzen einzuordnen und zugleich auf alle Details und auch auf die Referenzen zu anderen Filmen zu achten. Das ist mit einer Sichtung allein kaum möglich. Jordan Peele überlässt bei dieser Inszenierung nichts dem Zufall. Selbst die Musik ist perfekt eingebunden. Sein zweiter Spielfilm ist ein komplexer, aber auch humorvoller Horrorfilm, der eine Gesellschaftskritik enthält und am Ende Raum für Interpretationen lässt. Wie bei solchen Filmen üblich, gibt es hier auch mit Sicherheit „Experten“, die den Film zerpflücken und einige Logiklücken aufdecken. Jordan Peele verfolgt aber mit seinem Film eine diskussionswürdige Grundidee, was schon weit mehr ist, als man den meisten (Horror-) Filmen nachsagen kann.

Jordan Peele ist US-Amerikaner und er macht Filme vordergründig für US-Amerikaner. Während er mit seinem ersten Film Rassismus in den Vereinigten Staaten mal von einer völlig anderen Seite beleuchtete, spielt die Hautfarbe in seinem zweiten Film kaum eine Rolle. Seine Gesellschaftskritik hier zielt auf die soziale Schichtung in den USA ab. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Alleine aufgrund der Herkunft stehen manchen Tür und Tor offen, ohne dass die Privilegierten, das was sie haben, zu schätzen wissen. Andere haben aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder einer anderweitigen Ausgrenzung keinen Zugang zu Bildung, usw.  Bei dem ersten Aufeinandertreffen von Adelaide und Red mit ihren jeweiligen Familien werden die Fremden gefragt: „Who are you?“ Woraufhin Red antwortet: „We are Americans“. Das führt auch zu der Doppelbedeutung des Originaltitels „Us“, was man damit nicht nur als „wir“ bzw. „uns“ deuten kann, sondern auch als die Gesellschaft der US (United States) im Allgemeinen. Letztere ist heute so gespalten wie nie zuvor. 

 

SPOILER – Anfang 

Meine Interpretation:

Adelaides Doppelgängerin (Red) ist die Anführerin der Revolution der Doppelgänger bzw. Klone (the Tethered – der Verbundenen) in den USA. Sie ist auch die einzige, die richtig Englisch sprechen kann. Ihre Ausdrucksweise ist jedoch recht einfach, sie spricht mit einer kratzigen, brüchigen Stimme, wie jemand, der jahrelang nicht geredet hat. Die Klone sind eine einfachere Version, der mit ihnen eng verbundenen Originale. Sie sind nicht behütet und mit Liebe aufgewachsen wie ihre Originale. Das Ganze war scheinbar ursprünglich ein Experiment der Regierung, das aber irgendwann für gescheitert erklärt wurde. Die Klone sind dann ihrem Schicksal überlassen worden. Sie sind die Unterdrückten, die im Schatten ihrer privilegierten Originale jahrzehntelang im Untergrund, in einer Parallelgesellschaft, lebten.  Die Revolution wurde über Jahre geplant. Um an der Oberfläche zu leben, müssen die Kopien ihre  Alpha-Version „ausradieren“. Die Klone wollen ein Zeichen setzen. Dafür bilden sie eine („Menschen“-)Kette (angelehnt an die Wohltätigkeitsaktion für sozial Benachteiligte Hands Across America, bei der im Jahr 1986 von den Teilnehmern eine Menschenkette von New York nach Long Beach in Kalifornien gebildet wurde. Diese Aktion war damals sehr kostspielig und hat am Ende kaum Gelder für die Bedürftigen übrig gelassen. Daher hat sich diese Aktion als Flop dargestellt, was bei der ursprünglichen Idee natürlich keiner wusste). Der erste Klon, der jetzt an die Oberfläche kam, ist der Obdachlose am Strand (mit dem Jeremiah 11:11-Schild). Er startete auch Kette der Klone. Ganz zum Schluss des Films erfährt man offiziell (man kann es schon vorher ahnen), dass Red (also Adelaides Klon) bereits als Kind den Platz von Adelaide eingenommen hat. Daher konnte „sie“, als sie als Kind für kurze Zeit verschwand und von ihren besorgten Eltern wieder entgegengenommen wurde, auch nicht sprechen und hat sich seltsam verhalten. Ihre Eltern sind mit „ihr“ zu einer Psychologin gegangen, die eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostizierte. Im Umkehrschluss erklärt das auch, dass Adelaide (die ja nun jahrzehntelang im Untergrund lebte) als einzige von den Klonen sprechen kann. Bis zu diesem Urlaub mit ihrer Familie konnte sich Red an die Begebenheiten von damals nur bruchstückhaft erinnern. Am Ende weiß sie jedoch wieder, wer sie ist. Ihr Sohn vermutet am Ende wohl auch, dass seine Mama eigentlich Red ist. 

SPOILER – Ende 

 

A- (Wertung von A bis F) Ein paar Tage nach der ersten Sichtung habe ich mir den Film ein zweites Mal angeschaut. Jetzt konnte ich auf viel mehr Kleinigkeiten achten und das, was ich für mich mit der ersten Sichtung bereits herausgefunden hatte, vertiefen. „Us“ ist ein Film, der besser wird, um so öfter man ihn sieht. Erwähnen möchte ich noch, dass Elisabeth Moss – wieder mal – eine herausragende Performance gibt.

„Us“ hat ein sehr erfolgreiches Eröffnungswochenende an der amerikanischen Kinokasse hingelegt, dadurch ist der Film jetzt auch für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Lupita Nyong´o), Beste Nebendarstellerin (Elisabeth Moss), Bestes Originaldrehbuch 

„Us“ wurde erstmalig bei dem South by Southwest Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 22.03.19 in 3,741 amerikanischen Kinos landesweit gestartet. In Deutschland ist „Us“ unter dem Filmtitel „Wir“ bereits seit dem 21.03.19 im Kino zu sehen. Ich habe den Film zunächst im Delphi Lux in Berlin in der OV gesehen und dann in Hongkong in der Originalfassung mit chinesischen Untertiteln. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

(Berlin) 

Trailer v. Film: „Border„

Bewertung des Trailers: B+ (gezeigt wurde der synchronisierte Trailer)

Kommentar: sehr sehenswerter schwedischer Fantasie-Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF56 gesehen


Trailer v. Film: „Zwei Familien auf Weltreise„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: deutsche Reise-Dokumentation 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: vielleicht im Fernsehen


Trailer v. Film: „Das schönste Paar„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: deutsches Drama

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


(Hongkong)

Trailer v. Film: „Shazam!„

Bewertung des Trailers: B- 

Kommentar: Superhelden-Kram

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: nö

Kinoplakat von „Us“ in Hongkong

San Francisco – Film: „Apollo 11“

Ich war am 14.03.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Apollo 11“   93 min  documentary

dir. Todd Douglas Miller  cast: Neil Armstrong, Buzz Aldrin, Michael Collins, Walter Cronkite 

 

Am 16.07.1969 begeben sich die drei Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin „Buzz“ Aldrin an Bord des Raumschiffs „Columbia“. Ein paar Tage später, am 21.7.19 (UTC), betrat der Kommandant der Apollo-11-Mission, Neil Armstrong, als erster Mensch die Mondoberfläche. Nach acht Tagen hatten die drei Astronauten ihre Mission erfolgreich beendet und landeten mit ihrer Landekapsel im pazifischen Ozean. 

 

B (Wertung von A bis F) Wie der Filmtitel bereits vermuten lässt, thematisiert diese Dokumentation die gleichnamige Raumfahrtmission. Es war der erste bemannte Flug mit einer Mondlandung. Der Film schildert diese legendäre Durchführung dieser Apollo 11-Mission. Es ist der neue Film des Dokumentarfilmers Todd Douglas Miller („Gahanna Bill“, „Dinosaur 13“). 

Dies war einer dieser Kinobesuche, die ich durchaus als Event bezeichnen würde. Dieser Film ist eine wunderbare Ergänzung zu Damien Chazelles Spielfilm First Man aus dem letzten Jahr. 

Es gibt keine – wie sonst bei Dokumentationen üblich – Ausführungen von Zeitgenossen und auch keinen Erzähler, der durch die historischen Ereignisse führt. Einzig bislang unveröffentlichtes, restauriertes Archivmaterial von Foto-, Audio- und Filmaufnahmen begleitet von der damaligen Live-Berichterstattung des Nachrichtensprecher Walter Cronkite lassen einen an diesem ersten bemannten Flug zum Mond, der Landung und der Rückkehr teilhaben. 

Wenn man zu Beginn Hunderttausende von US-Amerikanern auf den Straßen sieht, die voller Begeisterung verfolgen, wie die drei Astronauten zum Kennedy Space Center gefahren werden und miterleben, wie die Trägerrakete schließlich startet, wird man zwangsläufig emotional mitgerissen. Die ganzen Bilder geben einem das Gefühl, diesem Jahrhundertereignis irgendwie selbst beizuwohnen. Als die Sekunden dann runtergezählt wurden (und später bei der Landung und Rettung) bekam ich Gänsehaut und sogar feuchte Augen. Die Aufnahmen sind unfassbar klar und tatsächlich atemberaubend. Mit dieser Doku bekommt man viele technische und wissenschaftliche Daten an die Hand und dennoch kann ich mir nicht erklären, wie diese Flugmission zum Mond und zurück glücken konnte. Dafür reicht mein technisches Verständnis einfach nicht aus. Beeindruckend ist der Film trotzdem.

„Apollo 11“ ist für eine Oscar-Nominierung als Bester Dokumentarfilm im Gespräch. 

„Apollo 11“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Dort hat der Regisseur den Special Jury Award for Editing erhalten. Der Film ist am 1.3.19 in 120 amerikanischen Kinos gestartet. Für eine Woche lief der Film in vielen IMAX-Kinos, bis „Captain Marvel“ dann nahezu alle IMAX-Kinos blockierte. Ich habe den Film entsprechend leider nicht in der, mir empfohlenen IMAX-Fassung gesehen. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart bekannt. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Penguins“

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Disneynature´s Tierdoku über Pinguine und insbesondere Pinguin Steve

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Nancy Drew and the Hidden Staircase“

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Teenagerfilm 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Mia and the White Lion“

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Familiendrama mit Mélanie Laurent 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Amazing Grace“

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Doku über Aretha Franklin

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Biggest Little Farm“

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Doku

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

San Francisco – Film: „Greta“

Ich war am 12.03.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Greta“ (dt. Kinostart: 16.05.19)   98 min    thriller

dir. Neil Jordan  cast: Isabelle Huppert, Chloe Grace Moretz, Maika Monroe, Chris Rea, Colm Feore, Zawe Ashton

 

Frances (Chloe Grace Moretz) ist kürzlich zu ihrer Freundin Erica (Maika Monroe) nach Manhattan gezogen. Sie versucht immer noch, den Tod ihrer Mutter vor einem Jahr zu verarbeiten. Eines Tages findet sie eine Handtasche in der U-Bahn, nimmt sie an sich, um sie der rechtmäßigen Eigentümerin zurückzugeben. Die ältere  Dame, Greta (Isabelle Huppert), ist sehr dankbar. Die beiden unterschiedlichen Frauen finden schnell einen Draht zueinander und verbringen fortan etwas Zeit miteinander. Dann findet Frances etwas über Greta heraus und versucht sich daraufhin, von ihr zu distanzieren…

 

D- (Wertung von A bis F) „Greta“ ist der neue Film des irischen Roman- und Drehbuchautors, Filmemachers und Oscar-Preisträgers Neil Jordan („Interview with the Vampire“, „Michael Collins“, „The Brave One“, Byzantium). 

Neil Jordan wird bei mir immer ein Stein im Brett haben, allein schon dafür, dass er mir im Jahr 1992 dieses besondere Kinoerlebnis mit seinem Film „The Crying Game“ bescherte. Bis heute ist dieses Werk für mich einer der Filme mit den besten Wendungen überhaupt (die sehr wahrscheinlich nicht funktioniert, wenn man vorher darüber gelesen hat und auch nicht in der Wucht, wenn man sich den Film ein zweites Mal anschaut). Seither kann man seine Filmografie objektiv als „durchwachsen“ bezeichnen. Ich dachte immer, mit „In Dreams“ hätte er den Tiefpunkt seiner Karriere erreicht bis ich jetzt den vergleichbar schlechten „Greta“ sah. 

Was hat sich dieser Filmemacher nur bei diesem Film gedacht? „Greta“ ist einer dieser Stalker-Thriller, die man so oder so ähnlich schon zig Mal – und meistens wesentlich besser – gesehen hat. Der Film zieht sich wie Kaugummi (auch in Anlehnung an eine Aussage im Film), ist irgendwann anstrengend, auch ohne den Trailer gesehen zu haben, bis in Einzelheiten vorhersehbar und – mit Ausnahme von einer Szene – völlig spannungsfrei. Und da habe ich nicht mal angefangen, mich über die zahlreichen Ungereimtheiten auszulassen. Als Einleitung der Geschichte findet Frances eine Handtasche in der New Yorker U-Bahn. Auch wenn sie neu in der Stadt ist, in dem gesamten MTA-Bereich gibt es Hinweisschilder, die einen ständig auf eine mögliche Terrorgefahr aufmerksam machen sollen. Wenn man irgendetwas ungewöhnliches findet oder bemerkt soll man sich umgehend an die Behörden wenden. Wie Frances´Freundin so treffend sagt, wenn Du in der New Yorker U-Bahn eine Tasche findest, nimmst Du sie nicht an Dich, Du rufst sofort das Bomben-Einsatzkommando. 

Ich hätte gerne etwas Positives hervorgehoben, leider fällt mir jedoch nichts ein.  Nicht mal die Performances sind erwähnenswert. Isabelle Huppert als Greta zu besetzen finde ich nicht sonderlich gelungen. Dieses zarte Persönchen hat nichts Angsteinflössendes, kann viel zu schnell überwältigt werden und Schweres kann sie ganz sicher auch nicht tragen. Isabelle Hupperts Darbietung ist okay mit einer Tendenz zur Übertreibung – eigentlich hätte ich eine andere Schauspielerin lieber als Greta gesehen. Auch Maika Monroe wäre für die Hauptrolle die interessantere Wahl gewesen. 

Ach und bitte keine Fortsetzung zu dem Film. 

In meiner Reihe im Kino saß ein Mann, der unentwegt aus sein Handy starrte. Mit unentwegt meine ich, dass er tatsächlich nicht einmal auf die Leinwand schaute. Irgendwann mitten im Film ist er dann aufgestanden und gegangen. Er kam aber dann nach ca. 10 Minuten zurück, setzte sich wieder auf seinen Platz und starrte wieder pausenlos auf sein Handy. Am Ende des Films guckte er kurz auf die Leinwand, lachte laut auf und verließ das Kino. Ich weiß nicht, ob er den Film bereits kannte oder warum er überhaupt ins Kino ging, vielleicht war es aber auch nur seine etwas abenteuerliche Strategie, sich nicht über einen Film ärgern zu müssen. 

„Greta“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 1.3.19 in 2,411 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland ist ein Kinostart für den 16.05.19 geplant. 

Der Trailer lässt keine Fragen offen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Intruder„

Bewertung des Trailers: F (auch dieser Trailer verrät scheinbar den gesamten Film) 

Kommentar: Thriller mit Dennis Quaid 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Pet Sematary„

Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)

Kommentar: Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stephen King. Dieser Film kann nur besser sein als der Film aus dem Jahr 1989. In der Neuverfilmung spielen Jason Clarke und John Lithgow mit.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Us„

Bewertung des Trailers: A- 

Kommentar: Ich liebe diesen Trailer. Neuer (Horror-) Film von Jordan Peele

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Hellboy„

Bewertung des Trailers: D+

Kommentar: Wer bitte braucht denn einen Hellboy-Film, der nicht von Guillermo del Toro inszeniert wurde und in dem nicht mal Ron Perlman die Hauptrolle spielt? Der Film sieht jedenfalls völlig uncool aus. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Tolkien„

Bewertung des Teasers: B- 

Kommentar: Biopic über J. R. R. Tolkien mit Nicolas Hoult und Lily Collins 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: im Moment sehe ich keinen Grund, den Film gucken zu wollen. 


Trailer v. Film: „The Curse of La Llorona„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Horrorfilm

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Mustang„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Pferdefilme sind zwar nicht meins, aber wenn Matthias Schoenaerts mitspielt… 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Captive State„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Sci-Fi-Thriller mit John Goodman

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 


Trailer v. Film: „Avengers: Endgame„

Bewertung des Trailers: B+ (sehr unaufgeregter guter Trailer) 

Kommentar: Marvel-Zeugs 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht 

Chicago – Film: „Arctic“

Ich war am 16.02.19 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Arctic“  98 min  drama, thriller 

dir. Joe Penna  cast: Mads Mikkelsen, Maria Thelma Smaradottir 

 

Ein Mann (Mads Mikkelsen) ist nach einem Flugzeugabsturz in der Arktis gestrandet. In der Eiswüste findet er Unterschlupf im Flugzeugwrack und kämpft tagtäglich ums Überleben… 

 

A- (Wertung von A bis F) „Arctic“ ist das Spielfilmdebüt des brasilianischen Filmemachers Joe Penna. Joe Penna wurde durch seinen YouTube-Kanal MysteryGuitarMan bekannt. 

„Arctic“ ist ein durchweg spannender Film, der den Überlebenskampf eines Mannes zeigt. Er ist nach einem Flugzeugabsturz in der Arktis gestrandet, hat Zuflucht in dem Flugzeugwrack gefunden und bereits eine gewisse Routine in seinen Alltag gebracht. Wie lange er dort ist, weiß man nicht, auch erfährt man sonst nicht viel über den Mann. Es gibt keine Erklärungen, keine Rückblenden, keine inneren Monologe und auch kaum Dialoge, das ist auch nicht notwendig, man kann sich als Zuschauer in seine Lage versetzen, fühlt, bangt und friert mit diesem Mann. Es gibt Momente der Hoffnung und der Hoffnungslosigkeit, Momente von akuter Gefahr, die ich alle irgendwo mit dem sympathischen Protagonisten miterlebt habe. Irgendwann – ich möchte nicht näher eingehen, warum – ist der Mann nicht mehr allein und kümmert sich um eine schwerverletzte Überlebende. Die Frau kommt immer mal wieder für ganz kurze Zeit zu Bewusstsein und Englisch spricht sie scheinbar auch nicht. Durch diese Begegnung sehen wir den Mann aber von seiner menschlichen Seite, er verhält sich wie man sich wohl selbst in dieser Extremsituation verhalten würde. Überhaupt ist „Arctic“ kein Film (wie beispielsweise J.C. Chandors All is Lost )bei dem man sich über den Protagonisten ärgert, weil er dumme oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen trifft. In einer gewissen Situation habe ich überlegt, was ich selbst tun würde. 

Mads Mikkelsen gibt hier eine fantastische Performance, wahrscheinlich seine beste bis heute. 

Ich habe ein Faible für diese Art von Filmen. Filme, bei dem der Filmemacher durch seine smarte und zurückgenommene Inszenierung zeigt, dass er den erwachsenen Zuschauer ernst nimmt. 

In diesem jungen Filmjahr ist das der erste Film, der sich um einen Platz in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2019 bewirbt. 

„Arctic“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 1.2.19 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit in 268 Kinos in den U.S.A.  Ein deutscher Kinostart ist bislang noch nicht bekannt. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Ruben Brandt, Collector„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Animation

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Rocketman„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Biopic über Elton John mit Taron Egerton in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Godzilla: King of the Monsters„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Warum? 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bei über 90% Rotten Tomatoes und wenn er für einen Oscar als Bester Film im Gespräch ist. 


Trailer v. Film: „Teen Spirit„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Musical mit Elle Fanning und Rebecca Hall

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

TV – Serie: „True Detective, 3. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„True Detective, 3. Staffel“ (in D. auf VOD erhältlich)  8 x approx  60 min  drama 

dir. Jeremy Saulnier, Daniel Sackheim, Nic Pizzolatto  cast: Mahershala Ali, Carmen Ejogo, Stephen Dorff, Scoot McNairy, Ray Fisher, Mamie Gummer, Michael Greyeyes, Michael Graziadei, Steven Williams, Sarah Gadon

 

Im Jahr 2015 in Arkansas. Wayne Hays (Mahershala Ali) ist im Ruhestand. Im Jahr 1980 hat er als Detective bei der Polizei in Arkansas gearbeitet. Ihn beschäftigt immer noch ein Verbrechen aus diesem Jahr. Damals wurde die Leiche eines 12-jährigen Jungen entdeckt und seine 10-jährige Schwester als vermisst gemeldet. Er hatte seinerzeit mit seinem Partner Roland West (Stephen Dorff) in dem Fall ermittelt. Jetzt 35 Jahre später ist er von zunehmender Demenz geplagt und wird nochmal mit dem Fall konfrontiert. Für ein True Crime-Projekt wird er befragt und versucht sich die Tage und Wochen nach dem Verbrechen ins Gedächtnis zu rufen. Auch die Entwicklungen zehn Jahre später, als dieser Fall neu aufgerollt wird, kommen dabei wieder ans Tageslicht. Seine mittlerweile verstorbene Ehefrau (Carmen Ejogo) hatte seinerzeit ein Buch über den ungelösten Fall und über die Auswirkungen auf ihr Familienleben geschrieben. Er hatte es nie gelesen… 

 

B- (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der „True Detective“-Reihe ist der amerikanische Roman- und Drehbuchautor Nic Pizzolatto. Jede der drei Staffeln erzählt eine abgeschlossene Geschichte. Während bei der kompletten ersten Staffel der amerikanische Filmemacher Cary Fukunaga (Jane Eyre, Beasts of No Nation) Regie führte sollte ursprünglich bei der dritten Staffel auch nur ein Filmemacher die künstlerische Leitung übernehmen. Die Inszenierung aller acht Episoden des amerikanischen Filmemacher Jeremy Saulnier (Blue Ruin, Green Room) hätte ich nur allzu gern gesehen. Später hiess es, er teilt sich die Regiearbeit mit Serienschöpfer Nic Pizzolatto. Fakt ist, Jeremy Saulnier ist, nachdem er die ersten zwei Episoden abgedreht hatte, etwas überraschend als Regisseur ausgestiegen. Der TV- und Film-Regisseur Daniel Sackheim (TV-Serie Ozark, „The Glass House“) hat dann bei vier Episoden die Regie übernommen und Nic Pizzolatto gab mit Episode 4 und 5 sein Regiedebüt.

Die zweite Staffel, die Pizzolatto nach dem Erfolg der ersten schnell aus dem Hut gezaubert hat, hatte mich nie wirklich interessiert. Entsprechend ist es bei mir jetzt fünf Jahre her, dass ich True Detective gesehen habe. Als ich jetzt die dritte Staffel begann, fühlte ich mich schnell wieder an die erste erinnert. Ein Detective wird vorgeladen und zu einem Verbrechen befragt, an dem er vor Jahren ermittelte. Während die erste Staffel in Louisiana spielte, ist die Handlung der dritten Staffel in den auch recht pittoresken Ozarks, im Nordwesten des Bundesstaates Arkansas, angesiedelt. Der Serienschöpfer, Produzent, Autor und Neu-Regisseur Nic Pizzolatto hat selbst ein paar Jahre in Fayetteville im Bundesstaat Arkansas gelebt.

Die dritte Staffel springt – wie bereits die solide Ursprungsstaffel mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson – zwischen mehreren Zeitebenen. Hier ist es das Jahr 1980, 1990 und 2015. Als Werkzeug, um in die dritte Zeitebene zu gelangen, wird hier recht smart (nicht wie bei Halloween) ein True Crime-Format eingesetzt. 

Vordergründig ist „True Detective“ wohl als Charakterstudie anzusehen. Hier wird man als Zuschauer über einen Zeitraum von 35 Jahren zum Wegbegleiter von Wayne Hays (und zu einem geringeren Anteil auch von seinem Partner Roland West). Ich mag die Charakterentwicklung. Dadurch wird auch eine gewisse Spannung aufgebaut, wenn man als Zuschauer überlegt, wie es zu der Veränderung der Lebenssituation und auch der Partnerschaft der beiden Polizisten (gespielt von Mahershala Ali und Stephen Dorff) gekommen ist. Das eigentliche Verbrechen ist dabei der rote Faden. Die Aufklärung des Verbrechens ist recht unspektakulär, beinahe banal. Jede Zeitebene hat seine eigene Farbgebung und ein bestechend realistisches, detailgetreues Set- und Kostümdesign.

Ich mag die dritte Staffel hauptsächlich aufgrund ihrer Machart und der Performance von Mahershala Ali.  Er strahlt eine Ruhe und Selbstsicherheit aus, ist unglaublich wandelbar und kann überzeugend Typen auf beiden Seiten des Gesetzes spielen. Hier spielt er einen Mann im Alter von 34, 44 und knapp 70 Jahren. Mir kam es bei diesem Projekt vor, als würde ich eine Art Boyhood, sehen, bei dem tatsächlich erst mit einem Abstand von 10 bzw. 25 Jahren die Dreharbeiten fortgesetzt wurden. Nie wirkt es, als wäre Mahershala Alis Charakter Wayne Hays  auf „älter“ oder „alt“ geschminkt. Selbst seine Stimme und Sprache, die Körperhaltung, sein Gang verändern sich – wie im normalen Leben – über so einen längeren Zeitraum – eine sehr facettenreiche Performance. Das trifft auch zum großen Teil auf Stephen Dorff und seinen Charakter Roland West zu. Mahershala Ali musste den Serienschöpfer Nic Pizzolatto erst überreden, dass er in der dritten Staffel die Hauptrolle übernimmt. Ein rassistischer Aspekt sollte nicht dominierend sein. Ist es auch glücklicherweise nicht, der Rassismus wird mehr subtil thematisiert. 

Meine Lieblingsepisoden: 1. und 2.  („The Great War and Modern Memory“, „Kiss Tomorrow Goodbye“)

Meine Lieblingsszenen: Das erste Zusammentreffen zwischen Wayne Hays und Roland West nach über zwanzig Jahren (Episode 5 „If You Have Ghosts“) aber auch viele anderen Szenen zwischen den beiden älteren Herren im Jahr 2015 haben mich berührt. 

„True Detective“ ist sicherlich keine Serie für Freunde der temporeichen Erzählung. Auch die dritte Staffel schreitet mit einem ähnlich langsamen Tempo voran wie die erste. In meinen Augen bedarf es keiner acht Folgen, die Geschichte hätte man auch in fünf oder sechs Folgen erzählen können. Das Staffelfinale („Now Am Found“) hingegen ist strukturell etwas missraten (so gibt es eine Auflösung, die besser an das Ende der vorletzten Episode gehört hätte) außerdem ist die letzte Folge im Ganzen etwas verwirrend. Später habe ich gelesen, dass der Serienschöpfer und Autor Nic Pizzolatto rund zwei Stunden für die finale Episode einplante, die aber auf knapp 80 Minuten gekürzt werden musste. Die Beantwortung einer bestimmten Frage, die sich mir stellte, ist vielleicht dem Schnitt zum Opfer gefallen. Die beiden finalen Szenen der dritten Staffel lassen Raum für Interpretationen. 

 

SPOILER

Die Szenen mit Wayne und seiner Tochter Becca fand ich seltsam. Vater und Tochter haben sich seit längerer Zeit nicht mehr gesehen, es wird aber nie genau erklärt, warum. Dann fährt Wayne zu der Adresse, vergisst aber, was er da eigentlich wollte, ruft seinen Sohn an und lässt sich von ihm abholen. Dann steht ihm aber plötzlich auch seine Tochter gegenüber und fährt ihren Vater nach Hause. Später besucht Roland seinen Freund Wayne. Wayne sitzt mit seiner Tochter und seiner Schwiegertochter auf der Veranda. Waynes Sohn stellt seine Frau vor. Waynes Tochter wird von niemanden beachtet, auch nicht von Roland begrüßt. Entspringen die Szene mit Wayne und seiner Tochter Waynes Fantasie, seinem Wunsch seine komplette Familie samt Freund Roland um sich zu haben? Ich fand es etwas irritierend. 

Die Serie endet dann zunächst mit einer Rückblende. Wayne sitzt in einer Bar und macht Amelia eine Art Heiratsantrag, später verlassen sie die Bar gemeinsam. Als sie aus der Bar schreiten, erscheint helles Licht. Da könnte man „den Himmel“ bzw. ein gemeinsames „Leben nach dem Tod“ reininterpretieren, aber nicht zwingend. Zum Abschluss sieht man Wayne dann in Dschungel in Vietnam. In der allerletzten Szene wendet sich Wayne zurück, blickt fast in die Kamera. Das Ende kann man verschieden interpretieren, so richtig konnte ich mir da erst keinen Reim darauf machen. Definitiv bezweifle ich, dass Wayne schon länger tot ist. Ich deute dieses abstrakte Ende eher so, dass Wayne nun bereit ist loszulassen, von seinen Vietnamerfahrungen, diesem Fall, der ihn über 35 Jahre beschäftigte und nun auch von seiner längst verstorbenen Frau Amelia (auch wenn ich die Beziehung nie so richtig nachvollziehen konnte und ich immer noch nicht weiß, wann und woran sie eigentlich gestorben ist). Dazu passt auch der Song, der das Finale untermalt: „St. James Infirmary Blues“. Das Thema Erinnerung bestimmte die gesamte dritte Staffel, auch dafür wäre es ein solider Abschluss. 

SPOILER ENDE

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Wayne „Purple“ Hays ist ein Vietnam-Kriegsveteran und im Jahr 1980 ein 34-jähriger Detective bei der Arkansas State Police. Er ermittelt, zusammen mit seinem Partner, Detective Roland West (gespielt von Stephen Dorff) in dem Mord- und Vermisstenfall der 12- und 10 Jährigen Kinder. Der Fall konnte seinerzeit nicht geklärt werden und wird zehn Jahr später neu aufgerollt. Weitere 25 Jahre später ist Wayne Hays 70 Jahre alt, längst pensioniert und wird von den Produzenten eines True Crime Formats erneut an den Fall erinnert. Er ist aber mittlerweile an Demenz erkrankt und hat starke Erinnerungslücken. Wayne Hays wird von dem afroamerikanischen Schauspieler Mahershala Ali in drei Lebensphasen gespielt. Ich habe mal überlegt, wann mir der Schauspieler erstmalig aufgefallen ist. Dunkel kann ich mich an eine kleinere Rolle in der ersten Staffel von House of Cards erinnern, das war 2013. Ebenfalls dunkel erinnern kann ich mich, dass er in den letzten beiden Parts von „The Hunger Games“, Mockingjay Part 1 und Part 2 mitgespielt hat. Richtig schauspielerisch aufgefallen ist er mir, bzw. erstmalig namentlich erwähnt habe ich ihn in meinem Beitrag aus dem Jahr 2016 für den Film Free State of Jones, dann natürlich in Hidden Figures und Moonlight (wofür er mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet wurde). In der Nacht, in der die letzte Episode der dritten Staffel von „True Detective“ erstmalig auf HBO ausgestrahlt wurde, hat Mahershala Ali seinen zweiten Oscar für Green Book gewonnen. (Übrigens war Matthew McConaughey den US-Amerikanern vor seinem Oscar-Gewinn (für Dallas Buyers Club) im Jahr 2014 ähnlich präsent wie jetzt Mahershala Ali im Jahr 2019 vor seinem 2. Oscar-Gewinn. Von Januar bis März 2014 lief nämlich die erste Staffel von „True Detective“ auf HBO). Beide Schauspieler haben den Oscar also – mehr oder weniger – auch für „True Detective“ gewonnen. Mahershala Ali hat vor und seit seiner Kinokarriere auch in einigen TV-Serien mitgespielt (u.a. „Crossing Jordan“, „The 4400“, „Treme“, wie gesagt, „House of Cards“ und „Marvel´s Luke Cage“. Für seine Performance in „House of Cards“ wurde er für einen Emmy nominiert.

Roland West ist Detective bei der Arkansas State Police und Partner von, wie er ihn nennt „Purple“ (gespielt von Mahershala Ali). Roland hat einen Draht zu dem Vater des ermordeten Jungen und des vermissten Mädchens Tom (gespielt von Scott McNairy). Roland West wird von dem amerikanischen Schauspieler Stephen Dorff gespielt. Stephen Dorffs junger Roland West hat mich hier mehrmals an den jungen Dennis Quaid erinnert. Leider hat mich sein Haarteil manchmal etwas abgelenkt. Stephen Dorff hat in einigen Fernsehserien (u.a. Roseanne) mitgewirkt und auch in einigen Kinofilmen (u.a. „Blade“, Public Enemies, Somewhere, The Iceman) mitgespielt. 

Amelia ist Lehrerin, beginnt irgendwann Bücher zu schreiben und ist die spätere Ehefrau von Wayne Hays (gespielt von Mahershala Ali). Gespielt wird Amelia von der dunkelhäutigen britischen Schauspielerin Carmen Ejogo. Sie hat in einigen amerikanischen Kinofilmen (u.a. „The Brave One“, „Pride and Glory“, „The Purge: Anarchy“, Selma, Born to Be Blue, Roman J. Israel, Esq. mitgespielt. Auch hat sie in einigen Serien mitgewirkt, u.a. „Kidnapped“,  „Chaos“. 

Lucy Purcell ist die Mutter des ermordeten 12-jährigen Will und der vermissten 10-jährigen Julie. Sie ist Alkoholikerin und mit Tom (gespielt von Scoot McNairy) verheiratet. Gespielt wird Lucy Purcell von der amerikanischen Schauspielerin Mamie Gummer. Als Kind spielte sie bereits neben ihrer Mutter Meryl Streep in „Heartburn“, ihr Schauspieldebüt als Erwachsene gab sie jedoch in dem Film The Hoax, namentlich genannt habe ich sie erstmalig im Jahr 2007 in meinem Beitrag zu dem Film Evening. Sie hat auch in einigen anderen Kino- und TV-Projekten mitgespielt (u.a. „Stop-Loss“, Taking Woodstock, Side Effects, „Ricky and the Flash“, TV-Serie „The Good Wife“). Auch spielt sie erfolgreich Theater. 

Tom Purcell ist der Vater des ermordeten 12-jährigen Will und der vermissten 10-jährigen Julie. Tom ist mit Lucy (gespielt von Mamie Gummer) verheiratet. Gespielt wird Tom Purcell von dem amerikanischen Schauspieler Scoot McNairy. Mit Scott McNairy habe ich offensichtlich ein Problem. Ich habe ihn schon in zig Kinofilmen (Argo, 12 Years a Slave, Non-Stop, The Rover, Frank, War Machine), gesehen, finde ihn auch meist gut oder wenigstens nicht auffällig schlecht. Ich kann mir aber einfach sein Gesicht nicht merken bin sozusagen gesichtsblind was ihn angeht. Wahrscheinlich würde ich ihn nie in einem Film selbst erkennen, ich kann mir gar nicht erklären, warum das so ist.  Ein Allerweltsgesicht hat er nun auch nicht. Seltsam. 

Auch diese Staffel ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch (u.a. Beste Limited Series, Bester Schauspieler einer Mini-Serie, Mahershala Ali). Update:The Academy of Television Arts & Sciences hat die dritte Staffel von  „True Detective“ für 9 Emmys nominiert (darunter Lead Actor in a Limited Series (Mahershala Ali) Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

Die dritte Staffel von „True Detective“ wurde vom 13.1.19 – 24.2.19 erstmalig auf HBO gezeigt. In Deutschland ist die dritte Staffel über VOD (iTunes, etc.) erhältlich. 

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

Berlin (ale) – Film: „The Souvenir“

Ich war am 12.02.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Souvenir“  114 min  drama 

dir. Joanna Hogg  cast: Honor Swinton-Byrne, Tom Burke, Tilda Swinton, Richard Ayoade, Jack McMullen

 

Anfang der 1980er Jahren in England. Die Filmstudentin Julie (Honor Swinton-Byrne) arbeitet an ihrem ersten Filmprojekt. Auf einer Party lernt sie den, um einiges älteren Anthony (Tom Burke) kennen. Sie fühlt sich von ihm angezogen und auch inspiriert. Anthony verheimlicht Julie jedoch etwas…

 

C- (Wertung von A bis F) „The Souvenir“ ist der vierte Film der britischen Autorin und Filmemacherin Joanna Hogg („Unrelated“, „Archipelago“, „Exhibition“). Der Film ist semiautobiografisch, die Filmstudentin Julie ist eine Art fiktive Version der Filmemacherin in jungen Jahren. „The Souvenir“ ist als zweiteiliger Spielfilm geplant. Die Dreharbeiten zu der Fortsetzung sollen noch im Sommer 2019 beginnen. 

Wenn keine solide Story im Vordergrund des Films steht, findet man oftmals durch den Protagonisten einen Zugang zu dem Gezeigten. Die Protagonistin Julie taugt aber weder als Identifikationsfigur noch ist sie, in meinen Augen, sonderlich interessant oder sympathisch. Da mich aber weder die Handlung noch die Charaktere zu fesseln wussten, hätten es noch die Idee des Films, die Inszenierung oder vielleicht herausragende Schauspieler schaffen können. Gegen die Idee, im Groben: ein Film über das Filmemachen verbunden mit einer Liebesgeschichte, ist nichts einzuwenden. Die Inszenierung wirkt aber sehr improvisiert und experimentell und auch wenn der Humor hin und wieder etwas durchscheint, ist das Ganze doch eine recht öde Veranstaltung. Es hätte vielleicht geholfen, wenn die Hauptdarstellerin Honor Swinton Byrne optisch eine gewisse Ähnlichkeit oder wenigstens eine ähnliche Präsenz wie ihre tolle Mutter Tilda Swinton hat. Hat sie aber nicht leider nicht und entsprechend ist jeder noch so  kurze Auftritt der ausdrucksstarken Mama herzlich willkommen. Den Rest des Films hatte ich bereits kurz nach dem Berlinale-Besuch wieder vergessen.

„The Souvenir“ ist der erste Part eines zweiteiligen Projekts. Während an ein paar vereinzelten Stellen in diesem Film gelacht wurde, konnte ich die größten Lacher vernehmen,  als nach dem extrem zähen Film und dem langen Abspann ganz am Ende angekündigt wurde, dass es in Kürze einen zweiten Teil gibt. 

Nach einem kurzen Auftritt in Luca Guadagninos Film „I Am Love“ ist dies das offizielle Spielfilmdebüt von Honor Swinton-Byrne. 

„The Souvenir“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Dort hat die Filmemacherin den World Cinema Dramatic Grand Jury Prize gewonnen. Der Film lief in der Internationalen Premiere auf der Berlinale, Sektion Panorama. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen. Gezeigt wurde die Originalfassung. Die Filmemacherin, die Hauptdarstellerin Honor Swinton-Byrne, die Schauspieler Tom Burke, Jaygann Ayeh und auch Tilda Swinton und einige der Produzenten und andere Crew-Mitglieder waren anwesend. Der New Yorker Filmverleih A24 bringt diesen Film voraussichtlich am 17.05.19 in den U.S.A. ins Kino. Für Deutschland ist noch kein Kinostart bekannt. 

Trailer zu sehen:

 

Nach der Berlinale-Vorführung v. „The Souvenir“ die Filmemacherin Joanna Hogg (v. r.), die Schauspieler Honor Swinton Byrne, Tilda Swinton, Tom Burke und Jaygann Ayeh.

Berlin (ale) – Film: „Skin“

Ich war am 11.02.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Skin“(dt. Kinostart: 03.10.19)   117 min  drama, biopic

dir. Guy Nattiv  cast: Jamie Bell, Danielle Macdonald, Vera Farmiga, Bill Camp, Mike Colter, Zoe Colletti, Colbi Gannett, Kylie Rogers, Louisa Krause, David Henshall

 

Bryon Widner (Jamie Bell) gehört seit vielen Jahren der US-amerikanischen Neonazi-Szene an. Einst wurde er von dem Anführer Fred (Bill Camp) und seiner Frau Shareen (Vera Farmiga) von der Straße geholt und in die „Familie“ aufgenommen. Um die Treue zu der Gruppe zu beweisen, liess er sich über die Jahre am ganzen Körper und im Gesicht tätowieren. Nachdem er die dreifache Mutter Julie (Danielle MacDonald) kennenlernt, beschließt er irgendwann aus dieser Szene aussteigen. Er zieht mit seiner neuen Familie sogar an einen anderen Ort. Doch so einfach ist das nicht, dem rechtsextremen Milieu zu entkommen…

 

B (Wertung von A bis F) „Skin“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Es ist ein biografischer Film über den berühmten amerikanischen Neonazi-Aussteiger Bryon Widner, der sich in vielen schmerzhaften Behandlungen, seine Tätowierungen im Gesicht und am gesamten Körper entfernen liess. Es ist der neue Film des israelischen Filmemachers Guy Nattiv („Strangers“). Dies ist sein erster englischsprachiger Spielfilm. Guy Nattivs gleichnamiger Kurzfilm, der vor einer Woche, bei den 91st Academy Awards, den Oscar als bester Kurzfilm gewonnen hat, liegt diesem Film nicht zugrunde. Beide Filme sind in einem ähnlichen Umfeld angesiedelt, es gibt sogar eine bestimme Szene, die sowohl in dem Kurz- als auch dem Spielfilm zu sehen ist, die australische Schauspielerin Danielle Macdonald spielt in beiden Projekten mit, aber ansonsten erzählen beide Werke eine unterschiedliche Geschichte.  

Vor zwanzig Jahren war ich auf der Europapremiere des Films „American History X“. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion moderiert von Ulrich Wickert mit u.a. Michel Friedman, der – wie üblich – ungefähr 90% Redezeit für sich beanspruchte, ach ja und der Hauptdarsteller Edward Norton war auch da. Warum ich das erzähle? Weil mich dieser Film und Edward Nortons Performance (für die er seine 2. Oscar-Nominierung damals erhalten hat) damals umgehauen haben und Filme, die in der US-amerikanischen Neonazi-Szene spielen sich von mir wohl auf ewig damit vergleichen lassen müssen.

„Skin“ war für mich keine so intensive Filmerfahrung wie Tony Kayes Film, auch kommt Jamie Bells Performance nicht an die von Edward Norton heran. Dennoch hat der Film und einige der Performances bei mir einen starken Eindruck hinterlassen. 

Zunächst waren es die beiden hervorragenden Schauspieler Bill Camp und Vera Farmiga in, für beide äußerst ungewöhnlichen Rollen als furchteinflössender Anführer dieser Neonazis-Gruppierung, die mich in die Geschichte zogen. Der Filmemacher arbeitet hier dann aber viel mit Nahaufnahmen, was eine intime Atmosphäre bzw. Nähe zu den Protagonisten Bryon und Julie (gespielt von Jamie Bell und Danielle MacDonald) schafft. Bryons Tätowierungen, insbesondere die im Gesicht haben mich leider immer etwas rausgebracht (auch weil ich mich immer fragen musste, wie man eigentlich so blöd sein kann). Bryons späterer Gesinnungswandel wird für mich hier nicht wirklich glaubwürdig herübergebracht. Das ging mir etwas zu schnell. Bryon ist schon ewig in dieser Szene, trägt seinen Hass für alle sichtbar auf der Haut und nur weil er sich verknallt, will er aussteigen?  Aber gut, irgendwann distanziert er sich und steigt schließlich aus der rechtsextremistischen Szene aus, lebt dann mit Julie und ihren Kindern zusammen findet aber aus plausiblen Gründen (Gesichtstätowierungen) keinen normalen Job und seine ehemalige Szene macht es dem Aussteiger natürlich auch schwer. Parallel zum Geschehen werden immer wieder einzelne, der insgesamt 612 schmerzhaften Laser-Behandlungen gezeigt, mit denen sich Bryon die Tätowierungen im Gesicht und am Körper entfernen liess.

Alles in allem ist „Skin“ ein krasses und auch spannendes Charakter- und Familiendrama. 

Jamie Bell, der seinen Durchbruch als „Billy Elliot“ hatte, habe ich erstmalig wieder im letzten Jahr in dem „Film Stars Don´t Die in Liverpool“ richtig wahrgenommen. Ich war überrascht, dass aus ihm ein toller Mann und ernstzunehmender Schauspieler geworden ist. 

„Skin“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2018 gezeigt. Auf der Berlinale 2019 lief der Film in der europäischen Premiere und in der Sektion Panorama. Ich habe den Film  auf diesem Filmfestival gesehen. Gezeigt wurde der Film in der Originalfassung. Der Filmemacher Guy Nattiv und die beiden Hauptdarsteller Jamie Bell und Danielle MacDonald waren anwesend und zeigten sich auch noch einmal nach dem Film kurz auf der Bühne. Für den amerikanischen Markt wurde der Film von A24 erworben, bislang ist jedoch noch kein Kinostart anvisiert. Für Deutschland ist derzeit auch noch kein Kinostart bekannt. Update: „Skin“ startet im amerikanischen Kino am 26.07.19 und im deutschen am 03.10.19.

Bislang gibt es leider noch keinen Trailer von dem Spielfilm, Update: Trailer von Skin:

 

Europa-Premiere des Films „Skin“. Nach der Vorstellung zeigten sich der Regisseur Guy Nattiv und die Schauspieler Danielle Macdonald und Jamie Bell (v. links) auf der Bühne.

Berlin (ale) – Film: „Light of My Life“

Ich war am 10.02.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Light of My Life“  110 min  drama

dir. Casey Affleck  cast: Anna Pniowksky, Casey Affleck, Tom Bower, Elisabeth Moss, Hrothgar Mathews, Timothy Webber 

 

Ein Vater (Casey Affleck) zeltet mit seiner 11-jährigen Tochter Rag (Anna Pniowksky) mitten im Wald. Die beiden machen jedoch keinen Campingausflug, vor einigen Jahren brach eine Pandemie aus, wodurch die weibliche Population nahezu ausgelöscht wurde. Rag ist scheinbar immun gegen den Virus. Bei Begegnungen mit anderen Männern versucht der Vater, sein Kind zu verstecken oder als Junge auszugeben. Bald müssen sie sich jedoch wieder einen neuen Zufluchtsort suchen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Light of My Life“ ist nach einer Kollektion an Kurzfilmen und der Mockumentary  I´m Still Here die dritte Regiearbeit des amerikanischen Schauspielers und Oscar-Preisträgers Casey Affleck (Manchester by the Sea). Für diesen Film hat er auch das Drehbuch geschrieben und spielt eine der Hauptrollen. 

Zu Beginn hat mich dieser Film an Debra Graniks wunderbares Werk Leave No Trace erinnert. Auch hier leben Vater und Tochter im Wald, fern von jeglicher Zivilisation. Nur in Casey Afflecks Film – so erfährt man bald – ist vor Jahren einen Pandemie ausgebrochen, die einen erheblichen Teil der weiblichen Population ausgelöscht hat. Was es mit dem Virus auf sich hat, wird weitgehend offen gelassen, ist auch nicht relevant, ohne Frauen ist die Gesellschaft aus der Balance geraten. Gerade die Vorstellung, wie wohl eine Gesellschaft ohne Frauen aussieht, fand ich faszinierend. Gerne wäre ich da noch etwas tiefer eingetaucht. Affleck konzentriert sich in seiner Erzählung jedoch hauptsächlich auf die beiden Protagonisten. Seine Inszenierung macht es einem leicht, sich in die  Charaktere und ihrer Situation hineinzuversetzen. So spürt man, sobald Fremde auf der Bildfläche auftauchen, auch die Bedrohung und man wird immer tiefer in ihre Geschichte hineingezogen.  

Was ich jedoch nicht verstanden habe, warum handelt der Vater in der vorgegebenen Situation eigentlich so verantwortungslos und hat seiner Tochter nicht beigebracht, wie sie notfalls ohne ihn zurecht kommen und überleben kann. Wäre das nicht seine Aufgabe? Stattdessen erzählt er seiner 11-Jährigen dass er sie immer beschützen wird. 

„Light of My Life“ ist ein sehr langsam erzähltes, atmosphärisches Überlebensdrama, dass durch seine beiden Protagonisten lebt. Einige spannungsgeladenen Momente, in diesem sonst ruhigen Film, sind mir noch heute sehr präsent. 

„Light of My Life“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2019 gezeigt. Dort lief er in der Sektion Panorama. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen. Gezeigt wurde die Originalfassung. Der Film hat derzeit weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleih gefunden. 

Bisher gibt es noch keinen Trailer, aber einen kurzen Ausschnitt aus der Anfangsszene :

 

Oscar-Gewinner 2019

So, nachdem ich einige Stunden geschlafen habe, meine Aggressionen beim Sport etwas abbauen konnte, sicherheitshalber aber dann noch mal eine halbe Stunde Yoga rangehängt und mir einen riesigen Strauß Papageien-Tulpen gekauft habe, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass das (Oscar-) Leben irgendwie weitergeht. 

Nach einem Langstreckenflug, und ohne vorher schlafen zu können, habe ich mir auch die diesjährige Oscar-Verleihung wieder in Deutschland angeschaut. Die Red-Carpet-Show mit Steven Gätjen – wie immer zum Fremdschämen. Nachdem er die Oscar-nominierte Dokumentation „RBG“ „RBJ“ ausspricht, musste ich den Ton ausmachen, habe mich lieber auf die Kleider und Stars konzentriert. 

Die Oscar-Verleihung  

Die Show wurde mit einer Musiknummer von Queen und Adam Lambert eröffnet. Der Film „Bohemian Rhapsody“ und insbesondere, dass der bei den Oscars vertreten ist, hat mir mittlerweile sogar etwas die Freude an der Musik von Queen genommen. Im Anschluss an den musikalischen Auftritt haben Maya Rudolph, Tina Fey und Amy Poehler eine Mini-Rede gehalten, aber darauf hingewiesen, dass sie nicht die Gastgeber sind. Es gibt bekanntermassen keinen Gastgeber bei den 91st Academy Awards.

Erste Gewinnerin des Abends: Regina King als Beste Nebendarstellerin, ein tränenreicher Auftritt.

Ein Highlight war etwas später Melissa McCarthys pompöses Kostüm auf dem (ich konnte sie nicht zählen, aber) mindestens 17 Stoffkaninchen genäht waren. Sie hat mit Brian Tyree Henry Bestes Kostümdesign präsentiert. 

Als „Black Panther“ Beste Kostüme gewinnt, war natürlich klar, dass sie auch Bestes Szenenbild gewinnen. Die Gewinnerin liest ihre Dankesrede von ihrem Handy ab! Unglaublich. Bis zu diesem Zeitpunkt waren vier Oscars vergeben, es gab aber keinen Oscar-Gewinner, der wirklich sympathisch war. Dann wird mit dem fünften Oscar aber die Beste Kamera ausgezeichnet und der Oscar ging erwartungsgemäß an Alfonso Cuarón. Goldig, wie er seinem langjährigen Freund und dreimaligen Oscar-Gewinner für die Beste Kamera  „Chivo“ (übrigens einer der bezauberndsten Passagiere, die ich je an Bord hatte) dankt. Kurze Zeit zum Aufatmen. 

Dann trat leider Jennifer Hudson mit ihrer Kreischstimme auf und sang den Oscar-nominierten Song „I´ll Fight“ aus der Dokumentation „RBG“. Musste den Ton ausmachen, sonst hätte ich Kopfschmerzen bekommen. 

Die nächsten beiden Oscars gingen dann an den Besten Tonschnitt und Besten Ton und damit relativ vorhersehbar an „Bohemian Rhapsody“. Meine Laune hat sich erst wieder mit dem nächsten Oscar gebessert. Dieser Oscar ging erstmalig an Mexiko (für den Besten nicht-englischsprachigen Film) und damit wieder an Alfonso Cuarón. 

Ich liebe übrigens die Rolex-Werbung (mit den Filmemachern und Oscar-Gewinnern Martin Scorsese, Alejandro G. Iñárritu, James Cameron und Kathryn Bigelow). In den U.S.A. wurde der Mini-Teaser von „The Irishman“ in der Werbung gezeigt. Hier macht Netflix hoffentlich nicht den Fehler wie bei „Roma“ und sie bringen den Martin Scorseses Film für eine längere Zeit exklusiv im Kino. 

Nach der Werbung geht der Bester Filmschnitt an „Bohemian Rhapsody“. Dritter Oscar für den Film in einer Kategorie, in der er überhaupt nicht nominiert sein dürfte. 

Dann kommt aber der (zweite) Oscar-Gewinn für den wunderbaren Mahershala Ali. Warum hatte er eine Wollmütze auf? 

Im Anschluss daran stellt Laura Dern mit einem kurzen Filmbeitrag das Academy Museum vor. Das soll dieses Jahr noch eröffnet werden und selbstverständlich werde ich es mir auch anschauen. 

Jetzt kommt erneut ein guter Oscar-Gewinn: Bester Animationsfilm geht an „Spider-Man: Into the Spider-Verse“ (präsentiert von einer sehr eleganten Michelle Yeoh und Pharrell Williams in Camouflage-Look und kurzen Hosen)

Dann die Kurzfilme: Animated Short geht natürlich an Pixars „Bao“, Documentary Short konnte ich leider nicht im Kino sehen, der Oscar geht an „Period. End of Sentence“. Die Gewinnerin konnte auch nicht glauben, dass ein Film über die Menstruation den Oscar gewinnt. 

Der nächste Oscar (Visuelle Effekte) geht verdient an „First Man“. Marvel-Filme haben in dieser oder auch irgendeiner anderen Kategorie noch nie einen Oscar gewonnen. Dieses Jahr hat Marvel mit „Black Panther“ bereits zwei Oscar-Gewinne (am Ende des Abends sogar drei).

Dann ein weiterer musikalischer Auftritt, dieses Mal von Bradley Cooper (dem man seine Aufregung vor diesem Publikum live zu singen, angemerkt hat – hat er aber gut gemacht) und Lady Gaga. 

Die dritte Kurzfilm-Kategorie (Live Action) geht an „Skin“ (und doch nicht „Marguerite“). Super sympathische Gewinner.

Brie Larson hat abgenommen und sieht irgendwie verändert aus. Sie präsentiert mit Samuel L. Jackson die Gewinner in den Kategorien Bestes Originaldrehbuch und Bestes adaptiertes Drehbuch. Der erste Oscar geht unfassbarerweise an „Green Book“, da musste selbst Samuel L. Jackson schlucken. Geht jetzt der Oscar an „Green Book“? Der zweite Oscar in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch – jetzt wird es spannend – YES. Der erste „richtige“ Oscar (er hat einen Ehrenoscar) für Spike Lee. Natürlich hält er eine sehr politische Rede, die er mit folgenden Worten abschließt: „The 2020 presidential election is around the corner. Let’s all mobilize. Let’s all be on the right side of history. Make the moral choice between love versus hate. Let’s do the right thing! You know I had to get that in there.“ Was man in dem Moment noch nicht wusste, aber wären doch die Oscars mit dem Gewinn in der Kategorie Bester Film „on the right side of history“.

Die nächste Kategorie ist die Beste Filmmusik und der Oscar geht wieder an „Black Panther“, der dritte Oscar für den Marvel-Film. 

Mir ist es zu diesem Zeitpunkt lieber wenn „Black Panther“ den Besten Film gewinnt, Hauptsache nicht „Green Book“. 

Dann gewinnt erwartungsgemäß Lady Gaga für ihren Song „Shallow“.  

Der Präsident von A.M.P.A.S. John Bailey (selbst Kameramann) kündigt das IN MEMORIAM an. Es wundert mich schon fast, dass es keine Buh-Rufe für ihn gibt. Er sollte zurücktreten. 

Nun wird Barbra Streisand mit Standing Ovations begrüßt. Sie stellt den Oscar-nominierten Film „BlacKkKlansman“ vor. Sehr würdevoll und spricht sogar noch mal an, wie wichtig die Wahrheit in der heutigen Zeit ist. – Ich wünschte dieser Film würde Best Picture gewinnen. Zu dem Zeitpunkt glaube ich aber, dass es sich zwischen „Roma“ und „Green Book“ entscheidet. 

Jetzt kommt die Kategorie Bester Hauptdarsteller und dieser Oscar geht – leider – an Rami Malek und damit ein vierter Oscar für Bryan Singers „Bohemian Rhapsody“. Der Regisseur des Films wurde von keinem der Gewinner mit nur einer Silbe erwähnt. Das gab es tatsächlich noch nie. Rami ist aber mega-sympathisch und hält eine der besten Dankesreden überhaupt. Bin also wieder einigermassen versöhnt mit diesem Oscar-Gewinn. 

Jetzt Frances McDormand und Sam Rockwell für die Kategorie Beste Hauptdarstellerin es kann nur eine geben: Ich drücke der siebenmaligen Oscar-Nominierten Glenn Close die Daumen. Dann der Mega-Schocker: Olivia Colman. (für, wenn man es super genau nimmt nicht mal eine Hauptrolle). Gut, sie war fantastisch in „The Favourite“, ich liebe sie und ich gönne es ihr selbstverständlich, aber das war wahrscheinlich für Glenn Close die letzte Chance, einen Oscar zu gewinnen. Vielleicht bekommt sie in den nächsten Jahren einen Ehrenoscar. Olivia Colman ist – wie in diesem Augenblick alle, die sich mit den Oscars beschäftigen – völlig schockiert, weint und ist sprachlos, ist dabei aber charmant, witzig, sie entschuldigt sich sogar bei Glenn Close (“Glenn Close, you’ve been my idol for so long, and this is not how I wanted it to be, and I think you’re amazing.”). Olivia Colman wollte nicht, dass es so ausgeht, ich und alle Oscar-Fans auch nicht. 

Ganz klar ist aber jetzt schon Olivia Colman und Rami Malek haben mit Abstand die besten Dankesreden des Abends gehalten. 

Nun die vorletzte Kategorie Beste Regie. Der Gewinner vom letzten Jahr Guillermo del Toro (der aussieht, wie ein übergroßer Teddy, den man in einen Anzug gesteckt hat) übergibt und – das war zu erwarten – seinem Freund Alfonso Cuarón den Regiepreis. Putzig, dass Cuarón in all seinen drei Dankesreden seinen beiden Darstellerinnen (Yalitza Aparicio und Marina de Tavira) dankt. 

Und nun schließlich der Königspreis der Oscars. Diesen vergibt dieses Jahr Julia Roberts. Ich erwarte nichts Gutes. Und richtig, der falsche Film („Green Book“) gewinnt. Einer der unambitioniertesten Oscar-Best-Picture-Gewinner überhaupt. Ein 08/15-Film, der den Geschmack der Massen repräsentiert, aber ganz sicher keine Filmkunst. Ein Film, für den der Regisseur des Films -zu Recht – nicht mal nominiert war. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe das Gefühl, ich wäre wieder zurück in den 1990er Jahren, „Green Book“ wäre ein Harvey Weinstein-Film, er hätte eine seiner superfiesen Kampagnen geführt, damit dieser Film den Oscar als Bester Film gewinnt. Dieser Film hätte niemals in einer Mehrheitswahl im Jahr 2019 gewonnen. Entspricht dieses altmodische Feel-Good-Rassismusdrama doch eher dem Geschmack der „alten“ Academy, den alten weißen Männer, die denken, sie hätten – nachdem sie sich den Film geschaut haben – etwas gegen Rassismus getan. Spike Lee konnte es auch nicht fassen, als Julia Roberts „Green Book“ als Gewinner des Besten Films ausruft. Während der Oscar-Saison wurde er immer wieder zu diesem Film befragt, hat sich zurückgehalten, hat aber nun seiner Wut freien Lauf gelassen und während Peter Farrellys Dankesrede der Bühne seinen Rücken gekehrt. Ich bin auch sehr zornig, „Green Book“ ist kein Film, der das Filmjahr oder überhaupt das Jahr 2018 repräsentiert. Die 91st Academy Awards sind die Oscars, die – die letzten zwanzig Jahre betrachtend – mich am meisten deprimieren. 

Die erste Veränderung, die A.M.P.A.S. jetzt dringend vornehmen sollte, ist das Wahlsystem (preferential voting system), dass den Besten Film bestimmt. Wie in allen anderen 23 Kategorien bei den Oscars sollte auch hier wieder die Mehrheitswahl den Oscar-Gewinner hervorbringen. Filmkunst kann mit diesem Wahlsystem scheinbar nicht mehr ausgezeichnet werden. 

Ich habe jetzt erst mal für längere Zeit das Interesse an den Oscars verloren. 

Seit einigen Jahren bin ich mehr an Oscar-Geschichte interessiert. Ich wette zwar immer noch mit meinem Kumpel, aber eigentlich nur noch, um die eigentliche Verleihung spannender zu machen. Er hat dieses Jahr um einen Punkt Vorsprung gewonnen und, wenn ich mich nicht verzählt habe, 15 der 24 Kategorien richtig geraten. Glückwunsch an dieser Stelle. 

 

Alle Oscar-Gewinner 2019:

Best Picture: Green Book

Best Director: Alfonso Cuarón (Roma)

Best Actor: Rami Malek (Bohemian Rhapsody)

Best Actress: Olivia Colman (The Favourite)

Best Supporting Actor: Mahershala Ali (Green Book) 

Best Supporting Actress: Regina King (If Beals Street Could Talk)  

Original Screenplay: Green Book 

Best Adapted Screenplay: BlacKkKlansman 

Best Animated Feature: Spider-Man: Into the Spider-Verse 

Best Production Design:  Black Panther

Best Cinematography:  Alfonso Cuarón (Roma) 

Best Costume Design:  Black Panther 

Best Editing: Bohemian Rhapsody 

Best Makeup and Hairstyling: Vice  

Best Sound Mixing: Bohemian Rhapsody  

Best Sound Editing: Bohemian Rhapsody 

Best Visual Effects: First Man 

Best Original Score: Black Panther 

Best Song: Shallow (A Star is Born) 

Best Foreign Language Film: Mexico  (Roma)  

Best Documentary Feature: Free Solo 

Best Live Action Short: Skin

Best Animated Short: Bao 

Best Documentary Short: Period. End of Sentence 

 

 

Olivia Colmans Dankesrede:

 

 

Rami Maleks Dankensrede: 

 

 

 

Die Mode – The Best:

Michelle Yeoh (Elie Saab) 

Olivia Colman (Prada) 

Brie Larson (Celine) 

Lady Gaga (Alexander McQueen) 

 

Die Mode – The Worst

Extrem scheußlich und in Pink bzw. Rosa, teilweise Tüll waren:

Maya Rudolph (auch dieses Jahr sicherlich wieder selbst entworfen und geschneidert)

Gemma Chan (Valentino)

Linda Cardellini  

Kacey Musgraves (Giambattista Valli Couture) 

Gemma Chan (Valentino Couture)

 

 

Einen Tag vor der Oscar-Verleihung wurde noch der Anti-Oscar, der Golden Raspberry Award verliehen. Die Goldene Himbeere im Jahr 2019 haben gewonnen:

Worst Picture: Holmes & Watson 

Worst Director: Etan Cohen (Holmes & Watson)

Worst Screenplay: Fifty Shades Freed 

Worst Actress: Melissa McCarthy (The Happytime Murders and Life of the Party)

Worst Actor: Donald J. Trump (as himself) (Death of a Nation and Fahrenheit 11/9) 

Worst Supporting Actress: Kellyanne Conway (as herself) (Fahrenheit 11/9)

Worst Supporting Actor: John C. Reilly (Holmes & Watson) 

Worst Screen Combo: Donald J. Trump and his self-perpetuating pettiness (Death of a Nation and Fahrenheit 11/9) 

Worst Prequel, Remake, Rip-Off or Sequel: Holmes & Watson

Razzie Redeemer Award: Melissa McCarthy (Can You Ever Forgive Me?)

Oscar-Gewinner 2019, meine Wette

Die Oscar-Saison 2018/2019 geht (endlich) zu Ende. Zeit, meine kleine, persönliche Oscar-Wette zu veröffentlichen. 

 

Bevor ich meine Liste fertiggestellt habe, habe ich mir gestern noch die Oscar-nominierten Kurzfilme (Animated und Live Action) im Kino angeschaut Hier die Filme mit meiner Bewertung:

„Bao“ (USA), Disney Pixar A-

„Late Afternoon“ (Irland) B-

„Animal Behaviour“ (Kanada) B+

„Weekends“ (USA) B

„One Small Step“ (USA, China) A

„Bao“ war der Kurzfilm, der vor Pixars Incredibles 2 im Kino zu sehen war, demnach habe ich ihn bereits das zweite Mal gesehen. Der Film ist wirklich rührend und von der Animation (Pixar) natürlich erstklassig. „Late Afternoon“ über eine demente ältere Dame mochte ich von der Zeichnung gar nicht. „Animal Behaviour“ über eine Therapiesitzung mit Tieren hat mir sehr gefallen, „Weekends“ über ein Kind geschiedener Eltern besticht vor allen Dingen durch die kunstvolle Illustration und „One Small Step“ hat mich am meisten berührt und mir beinahe das Herz gebrochen. Wenn ich für den Oscar stimmen müsste, hätte ich mein Kreuz bei „One Small Step“ gemacht. Die Academy-Mitglieder wählen aber wahrscheinlich Pixars „Bao“ 

Anmerkung zu den Shorts, im Kino wurden zusätzlich „Wishing Box“ (USA) B- und „Tweet, Tweet“ (Russland) gezeigt B+ gezeigt (die beide nicht mal auf der Shortlist der Academy landeten). Außerdem wurden zum Schluss von „Late Afternoon“, „Animal Behaviour“ und „One Small Step“ gezeigt, wie die Verantwortlichen der jeweiligen Filme sich die diesjährigen Oscar-Nominierungen live anschauten und sich freuten, als sie hörten, dass ihr Film dieses Jahr nominiert wurde. 

Bei den Live-Action-Kurzfilmen mutet es etwas seltsam an, dass sich in 4 der 5 Filmen Kinder in Gefahr befinden, in drei davon sogar in akuter Gefahr, in einem durch das Umfeld, in dem das Kind aufwächst. Ein einziger Film (Marguerite) sticht aus dieser Liste eindeutig hervor, er erzählt von einer alten Dame, die durch ihre Pflegerin an ihre große Liebe (eine Frau) erinnert wird. Die einzelnen Filme:

„Madre“ (Mother), Spanien A- (von diesem Kurzfilm würde ich gerne einen abendfüllenden Film sehen)

„Fauve“, Kanada B- (hat den Special Jury Price in Sundance gewonnen) 

„Marguerite“, Kanada B+

„Detainment“, Irland C- (ich fand es kaum zu ertragen, den Ereignissen und diesem schrecklichen 10-jährigen Robert zu folgen) 

„Skin“, USA B+ (auch wenn der gleichnamige Spielfilm des Regisseurs in einem sehr ähnlichen Milieu spielt und er sogar ähnliche Szenen beinhaltet, basiert sein Spielfilm nicht auf diesem Kurzfilm. In Kürze mehr über den Spielfilm, den ich mir auf der diesjährigen Berlinale angeschaut habe). 

Anmerkung zu dem Film „Detainment“: Er basiert auf Aufzeichnungen der Vernehmungen der beiden Jungen. Die Mutter des ermordeten Kleinkindes hat sich dafür (offensichtlich nicht erfolgreich) eingesetzt, dass die Academy die Oscar-Nominierung für diesen Film zurückzieht. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass dieser Film mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Meistens ist es so, dass der Film, der aus der Masse hervorsticht, den Oscar gewinnt. Das ist „Marguerite“.

Ich wünschte, Olivia Colman wäre in der Kategorie Beste Nebenrolle nominiert, das wäre – insbesondere wenn man sich jetzt kurz vor den Oscars die Kategorie anschaut – hundertprozentig ihr Oscar. Regina King galt zu Beginn der Saison zwar als Favoritin, wurde dann aber weder für den SAG-Award, noch für den BAFTA nominiert. Wenn sie jetzt den Oscar gewinnt, wäre sie nach Marcia Gay Harden („Pollock“) erst die zweite, der das überhaupt gelingt. Olivia Colman wird jetzt aller Voraussicht nach keinen Oscar gewinnen, einfach weil dies Glenn Closes 7. Oscar-Nominierung ist, sie eine überragende Rede bei den Globes gehalten hat, ihre Performance in „The Wife“ gut ist  und sie jetzt einfach dran ist. Colman ist ihr aber sehr dicht auf Fersen, ich hoffe, hier kommt es nicht noch zu einer Überraschung. Das nächste Mal wenn Amy Adams für den Oscar nominiert wird, wird sie dann wohl den Oscar gewinnen. Sie löst dann nämlich Glenn Close ab, hätte auch sieben Nominierungen ohne einen Gewinn und wäre dann der einzig noch lebende Schauspieler mit so vielen Oscar-Nominierungen ohne Gewinn.

Nichts ist natürlich hundertprozentig besonders nicht in so einer verrückten Oscar-Saison, daher drücke ich Glenn Close lieber noch mal ganz fest die Daumen, ebenso Rachel Weisz (für die ich mich schließlich für meine Wette entschieden habe, das wäre ihr zweiter Oscar), außerdem den Filmen „BlacKkKlansman“, „The Favourite“ und „Roma“, einer dieser drei Filme wird hoffentlich den Oscar für den Besten Film des Jahres gewinnen. Ich freue mich über alle Oscars, mit denen diese drei Filme ausgezeichnet werden. 

Letztlich ist es dieses Jahr besonders schwer, vorherzusagen, welcher Film dieses Jahr den Oscar gewinnt. Mein Gefühl sagt mir, dass „BlacKkKlansman“ der Film ist, der am besten das Jahr 2018 repräsentiert. Ich habe jetzt gehört, dass „The Favourite“ doch wohl sehr beliebt bei den Academy-Mitgliedern ist. Bei dem Preferential Voting System könnte dieses Jahr, da sind sich sogar die Oscar-Experten einig, quasi jeder der acht nominierten Filme gewinnen. Fast alle Oscar-Experten haben sich für „Roma“ entschieden, ein paar für „Green Book“, wenige für „Black Panther“ und wenige für „The Favourite“. Ich habe keinen gefunden, der „BlacKkKlansman“ genommen hat. Mir völlig schnuppe. Wenn man die komplette Saison verfolgt hat, wäre es wirklich am lustigsten, wenn „A Star is Born“ jetzt den BP-Oscar holt. „Black Panther“ könnte natürlich auch den Oscar holen. Hauptsache es gewinnt nicht „Green Book“ (dann würde ich gerne Spike Lees Gesicht in Großaufnahmen sehen. Er wurde in der gesamten Saison immer wieder zu diesem Film gefragt und hat sich extrem zusammengerissen und nicht seine wahre Meinung zu dem Film kundgetan.), schlimm wäre es, wenn „Vice“ gewinnt und „Bohemian Rhapsody“ würde einen Shitstorm für A.M.P.A.S. hervorrufen, von dem sich die Academy nur sehr schwer wieder erholen könnte. 

In meiner Prognose habe ich keinen Oscar-Gewinn für „Black Panther“ und das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, vielleicht gewinnt er doch Kostüm- und Setdesign. 

 

 

Oscar-Gewinner für das Filmjahr 2018 – meine Wette:

Best Picture: Sean McKittrick, Jason Blum, Raymond Mansfield, Jordan Peele and Spike Lee, Producers (BlacKkKlansman) mein Kumpel: Roma

Best Director: Alfonso Cuarón (Roma)

Best Actor: Rami Malek (Bohemian Rhapsody)

Best Actress: Glenn Close (The Wife)

Best Supporting Actor: Mahershala Ali (Green Book) 

Best Supporting Actress: Rachel Weisz (The Favourite)  mein Kumpel: Regina King (If Beale Street Could Talk)

Original Screenplay: Written by Deborah Davis and Tony McNamara (The Favourite)

Best Adapted Screenplay: Written by Charlie Wachtel & David Rabinowitz and Kevin Willmott & Spike Lee (BlacKkKlansman) 

Best Animated Feature: Spider-Man: Into the Spider-Verse (Bob Persichetti, Peter Ramsay, Rodney Rothman, Phil Lord and Christopher Miller)

Best Production Design: Production Design: Fiona Crombie; Set Decoration: Alice Felton (The Favourite) 

Best Cinematography: Alfonso Cuarón (Roma) 

Best Costume Design: Sandy Powell (The Favourite)

Best Editing: Barry Alexander Brown (BlacKkKlansman) mein Kumpel: Bohemian Rhapsody

Best Makeup and Hairstyling: Greg Cannom, Kate Biscoe and Patricia Dehaney (Vice)

Best Sound Mixing: Paul Massey, Tim Cavagin and John Casali (Bohemian Rhapsody)

Best Sound Editing: John Warhurst and Nina Hartstone (Bohemian Rhapsody) mein Kumpel: First Man

Best Visual Effects: Paul Lambert, Ian Hunter, Tristan Myles and J.D. Schwalm (First Man) mein Kumpel: Avengers: Infinity War

Best Original Score: Terence Blanchard (BlacKKKlansman) mein Kumpel: If Beale Street Could Talk

Best Song: “Shallow“ – Music and Lyric by Lady Gaga, Mark Ronson, Anthony Rossomando and Andrew Wyatt (A Star is Born) 

Best Foreign Language Film: Mexico (Roma)

Best Documentary Feature: „Free Solo“ (Elizabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin, Evan Hayes and Shannon Dill)

Best Live Action Short: „Marguerite“ (Marianne Farley and Marie-Hélène Panisset) 

Best Animated Short: „Bao“ (Domee Shi and Becky Neiman-Cobb)  

Best Documentary Short: „End Game“ (Rob Epstein and Jeffrey Friedman) mein Kumpel: Period. End of Sentence

 

Besonders großartig dieses Jahr die Honest Trailers der acht nominierten Filme:

 

Berlin (ale) – Film: „Grâce à Dieu“

Ich war am 9.2.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Grâce à Dieu“ (englische Filmtitel: „By the Grace of God“, dt. Filmtitel: „Gelobt sei Gott“)  137 min   drama

dir. Francois Ozon  cast: Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud, Éric Caravaca, Francois Marthouret, Aurelia Petit 

Der 40-jährige Banker Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) lebt mit seiner Frau (Aurelia Petit) und seinen fünf Kindern in Lyon. Kürzlich hat er erfahren, dass der Priester, der ihn als Kind sexuell mißbraucht hat, immer noch mit Kindern arbeitet. Der streng gläubige Alexandre sucht die Aussprache mit dem jetzigen Kardinal Philippe Barbarin (Francois Marthouret) und stellt sogar den Priester (Bernard Verley), der ihn sexuell mißbrauchte zur Rede. Der leugnet seine Taten nicht, stellt sich aber auch selbst als Opfer dar. Irgendwann finden sich mehrere Opfer dieses Priesters zusammen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Grâce à Dieu“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es geht um den Skandal des französischen Priesters Bernard Preynat, der mutmaßlich viele Jungen sexuell mißbraucht hat. Derzeit stehen mehrere hochrangige katholische Geistliche (darunter auch der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin) in Frankreich vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, von den Vorgängen des Missbrauchs durch diesen Priester gewusst, sie aber nicht zur Anzeige gebracht zu haben. Ein Urteil wird am 7.3.19 erwartet. Dem Priester Preynat steht ein separater Prozess bevor. „By the Grace of God“ ist der neue Film des französischen Autors und Filmemachers Francois Ozon („8 Women“, „Swimming Pool“, Frantz) 

„Grâce à Dieu“ erinnert etwas an den Oscar-Gewinnerfilm Spotlight, bei dem es auch um den sexuellen Missbrauch katholischer Priester geht. Der hervorragende amerikanische Film basiert auf einer wahren Geschichte. Da deckten investigative Journalisten auf, dass über 80 pädophile Priester im Raum Boston Kinder missbraucht hatten und die katholische Kirche versuchte, den Missbrauch unter den Teppich zu kehren. In diesem französischen Film wird nun eine weitere wahre Geschichte erzählt. Hier ist es ein französischer Priester, der in mehr als 70 Fällen mutmaßlich Kinder missbraucht hat. Hier sind es aber drei frühere Opfer des Priesters (Alexandre, Francois und Emmanuel), durch die wir als Zuschauer sehen, wie sich sich der Missbrauch in der Kindheit auf ihr Leben auswirkt und wie schwer es für sie ist, „gehört“ zu werden. Einige der Opfer von Priester Preynat gründeten den Verein „La parole libérée“, suchten nach weiteren Leidensgenossen, erweckten irgendwann mediales Interesse und erwirkten schließlich, dass einige hochrangige katholische Geistliche von Lyon vor Gericht landeten. 

Der deutsche Filmtitel ist etwas unglücklich gewählt, eigentlich müsste er „Gott sei Dank“ heißen, so sagte der Kardinal Barbarin, der nun vor Gericht steht, irgendwann in einer Pressekonferenz, in der es um die Missbrauchsvorwürfe gegen Priester Bernard Preynat ging, „Gott sei Dank, seien die meisten Taten bereits verjährt“. 

Aufgrund dieser Affäre wurde in Frankreich die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch von 20 auf 30 Jahren, mit Beginn der Volljährigkeit, hochgesetzt. 

Schauspielerisch fand ich insbesondere die drei Männer, die Alexandre, Francois und Emmanuel spielen (Melvil Poupaud, Denis Ménochet und Swann Arlaud) glaubwürdig. Swann Arlaud gab eine besonders starke Performance. 

„Grâce à Dieu“wurde erstmalig Anfang Dezember 2018 in Frankreich gezeigt. Auf der Berlinale lief der Film als Internationale Premiere im Wettbewerb. Auf diesem Filmfestival wurde der Film mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen. Gezeigt wurde die französische Originalfassung mit englischen und deutschen Untertiteln. Bislang hat der Film weder einen amerikanischen, noch einen deutschen  Verleih gefunden. In Frankreich startet der Film heute (20.02.19) regulär in den Kinos, auch wenn der Anwalt des Priesters Bernard Preynat versucht hatte, den Kinostart zu verhindern. 

Trailer zu sehen:

 

 

Oscar-Gewinner-Film 2019, meine finale Analyse

Oberflächlich betrachtet deutet mittlerweile vieles daraufhin, dass Alfonso Cuaróns Film „Roma“ am nächsten Sonntag (24.02.19) den Oscar als Bester Film gewinnt. Der Film war zunächst der Kritikerliebling des Jahres 2018, dann hat Alfonso Cuarón den Preis des Verbands der Regisseure (DGA) gewonnen, dann wurde der Film für zehn Oscars nominiert (inkl. – etwas überraschend – zwei Schauspiel-Nominierungen) und hat damit Stärke bei den einzelnen Berufszweigen innerhalb der Academy gezeigt. Schließlich hat auch die britische Academy (BAFTA) ihn zu ihrem Besten Film des Jahres gekürt. Morgen (19.02.19) ist nun Stichtag für die Academy-Mitglieder, bis morgen müssen sie ihre Stimmen für alle 24 Kategorien abgeben. Zeit also, diese dynamische Oscar-Saison etwas Revue passieren zu lassen.

Um zu schauen, welcher Film den Königspreis von A.M.P.A.S. gewinnt, muss man sich immer  anschauen, welche Preise innerhalb der Filmindustrie vergeben wurden. Dann lasse ich einfliessen, was mir zu Ohren gekommen ist und ich lege dieses Jahr auch ein besonderes Augenmerk auf das Preferential Voting System, das den Gewinner des Besten Films bei den Oscars bestimmt. Soviel sei jetzt schon verraten, ich neige dazu, von meinem Oscar-Gewinner-Film, an dem ich seit September festgehalten habe, abzuweichen und das hat hauptsächlich mit diesem System zutun, dass den Besten Film bestimmt. Aber gucken wir uns das Ganze mal genauer an. 

Statistisch gesehen haben spätere Oscar-Gewinner-Filme bereits vorher wichtige Preise innerhalb der Filmindustrie abgeräumt. 

Gewinner und Nominierte der wichtigsten Preise innerhalb der amerikanischen Filmindustrie Oscar-Saison 2018/2019:

PGA (Verband der Produzenten) – Gewinner: Green Book, nominiert waren Black Panther, BlacKkKlansman, Bohemian Rhapsody, Crazy Rich Asians, The Favourite, Green Book, A Quiet Place, Roma, A Star is Born und Vice 

SAG (Verband der Schauspieler) – Gewinner: Black Panther, nominiert waren: A Star is Born, Black Panther, BlacKkKlansman, Bohemian Rhapsody, Crazy Rich Asians

DGA (Verband der Regisseure) – Gewinner:  Alfonso Cuarón (Roma) Nominiert waren Peter Farrelly (Green Book), Spike Lee (BlacKkKlansman), Adam McKay (Vice), Bradley Cooper (A Star is Born), Alfonso Cuarón (Roma) 

Dass drei unterschiedliche Filme die drei wichtigsten Preise innerhalb der Filmindustrie (vor den Oscars) gewinnen, gab es in der Vergangenheit nur vier Mal: 1 x war der spätere Oscar-Gewinner-Film der PGA-Gewinner, 1 x der SAG-Gewinner und 2 x haben die Regisseure den späteren Best-Picture-Gewinner bestimmt. 

Hilft also nur bedingt weiter. In den meisten Jahren hat der Film, der den Best Picture-Oscar gewann auch den Oscar für das Beste Drehbuch (Original oder adaptiert) gewonnen. Wie hat dazu der Verband der Autoren entschieden? 

WGA (Verband der Autoren)  Diesjähriger Gewinner des WGA Bestes Originaldrehbuch: Eighth Grade, für den Oscar Bestes Originaldrehbuch nominiert sind: The Favourite, First Reformed, Green Book, Roma und Vice; Diesjähriger Gewinner des WGA Bestes adaptiertes Drehbuch: Can You Ever Forgive Me, für den Oscar Bestes adpatiertes Drehbuch nominiert sind: The Ballad of Buster Scruggs, BlacKkKlansman, Can You Ever Forgive Me?, If Beale Street Could Talk und A Star is Born

So und jetzt haben wir eine Situation, die es bisher noch nie gab. Die vier wichtigsten Verbände innerhalb der Filmindustrie (die der Produzenten, Schauspieler, Regisseure und Autoren) haben sich alle für einen anderen Film entschieden. 

Okay, jetzt muss man – was bereits vergebene Filmpreise angeht – nach einem Strohhalm greifen. Was hat die britische Academy (viele Briten sind auch A.M.P.A.S.-Mitglieder) als Besten Film gewählt:

BAFTA (Preis der British Academy of Film and Television Arts) – Gewinner: Best Film: Roma, Best British Film: The Favourite nominiert waren für Best Film: BlacKkKlansman, The Favourite, Green Book, Roma und A Star is Born; Best British Film: Beast, Bohemian Rhapsody, The Favourite, McQueen, Stand & Ollie und You Were Never Really Here 

Zumindest haben wir jetzt einen Preis für Alfonso Cuarón als Regisseur und einen Preis für seinen Film „Roma“. Mir zeigt es aber, dass es keine richtige Übereinstimmung gibt und es alles andere als sicher ist, dass „Roma“ den Oscar als Bester Film gewinnt. 

Bevor ich auf alle einzelnen acht Oscar nominierten Filme eingehe, ein paar nicht unwichtige Fragen und Fakten, die den Oscar-Gewinn Bester Film beeinflussen können:

Welches sind die an der amerikanischen Kinokasse erfolgreichsten Filme des Jahres 2018?

  1. Black Panther 
  2. Bohemian Rhapsody
  3. A Star is Born
  4. Green Book
  5. BlacKkKlansman 
  6. Vice 
  7. The Favourite 

(Bei „Roma“ sind die Umsatzzahlen nicht bekannt) 

 

Welche der acht Oscar-nominierten Filme haben ein Happy Ending?

einzig Green Book

 

Welche Filme haben die meisten Oscar-Nominierungen? 

Roma (10)

The Favourite (10)

 

Welche der acht Filme haben alle wichtigsten Oscar-Nominierungen?

Einzig The Favourite, BlacKkKlansman und Vice. 

Die haben Nominierungen in den Kategorien Regie, jeweils Schauspiel-Nominierungen (The Favourite und Vice haben sogar jeweils drei Schauspiel-Nominierungen) eine Drehbuch-Nominierung und eine Nominierung in der, für den Oscar-Gewinn als Bester Film nicht unerheblichen Kategorie Bester Schnitt. 

 

Blicken wir in die Zukunft, auf welchen Film kann die Academy in vielleicht zehn Jahren zurückblicken und sagen, es war eine gute Entscheidung, dass dieser Film im Jahr 2019 Bester Film gewonnen hat:

BlacKkKlansman

Roma

The Favourite 

 

Präziser bzw. anders: welcher Film spiegelt in vielleicht zehn Jahren die Zeit wieder, in der wir uns befunden haben. Die Staaten sind gespalten wie nie zuvor, Donald Trump ist im Jahr 2019 der US-amerikanische Präsident. Welche Filme setzen ein Zeichen:

BlacKkklansman

Black Panther 

Roma 

 

Rotten Tomatoes Bewertung aller acht Oscar-nominierten Filme (Stand 13.2.19):

Black Panther 97% RT

BlacKkKlansman 96% RT

Roma 95% RT

The Favourite 93% RT

A Star is Born 89% RT

Green Book 79% RT

Vice 66% RT

Bohemian Rhapsody 61% RT

 

Welche Filme spalten die Zuschauerschaft und damit vielleicht auch die Mitglieder der Academy:

Bohemian Rhapsody

Vice

mit aufnehmen würde ich hier auch:

(Green Book) – weil die heftige Kritik an dem Film auch die Academy-Mitglieder beeinflussen könnte? und der Film einfach nicht zeitgemäß ist

(Black Panther) – weil Superheldenfilm?

(Roma) weil Netflix-Film? 

(The Favourite) – ich wünschte, ich hätte ein Academy-Screenings dieses Films besuchen können. Ich weiß nicht wie der Film bei den Mitgliedern von A.M.P.A.S. ankommt (habe auch nichts dahingehend gehört), weiß nur, dass er bei „normalen“ Programmkinozuschauern gemischt aufgenommen wurde

 

 

Auf welchen Film kann man sich am ehesten einigen:

BlacKkKlansman 

A Star is Born

(viele Oscar-Experten denken auch Green Book)

 

Welches ist ein typischer Nr. 2 Film im Ranking der acht Oscar-nominierten Filme? 

Wenn man das hundertprozentig beantworten kann, kennt man vielleicht den Oscar-Gewinner-Film

Ich habe hin und her überlegt, meiner Theorie zufolge sind dies die Filme, auf die man sich am ehesten einigen kann (siehe vorherige Frage), also 

BlacKkKlansman und A Star is Born. 

Viele Oscar-Experten gehen aber von Green Book aus (da der Film den PGA, den Preis der Produzenten, gewonnen hat). Die Produzenten ermitteln ihren Gewinnerfilm mit derselben Methode wie A.M.P.A.S. Man kann davon ausgehen, dass er bei den Produzenten der Nr. 2 Film war. Nur – die Academy-Mitglieder sind nicht nur Produzenten, sie kommen aus 17 unterschiedlichen Berufszweigen.

 

Und nun zu der alles entscheidenden Frage. Der Oscar-Gewinner-Film wird durch das Preferential Voting System entschieden. In 23 von 24 Kategorien bei den Oscars gewinnt der Kandidat mit den meisten Stimmen. Einzig in der Kategorie Bester Film müssen die Academy-Mitglieder ein Ranking aller acht Filme abgeben. Diese Kategorie wird durch das Preferential Voting System entschieden. Daher ist es auch in einem Jahr, in dem die Preise innerhalb der Filmindustrie breitgefächert vergeben wurden, schwer, die Kategorie Bester Film vorherzusagen. Sollte bei der Wahl des Besten Films des Jahres in der ersten Runde bereits ein Film über 50% aller Stimmen erhalten, haben wir den Best-Picture-Gewinner. Schafft es dieses Jahr der Netflix-Film Roma über 50% der Stimmen aller Academy-Mitglieder zu erhalten? Sollte das nicht der Fall sein, kommt das Preferential Voting System zum Zuge, es geht in Runde 2 und vielleicht Runde 3, da zählen die Filme, die die Academy-Mitglieder auf ihre Plätze 2 und 3 gewählt haben. Der Film mit den wenigsten Nr. 1 Stimmen (nehmen wir dieses Jahr beispielsweise Bohemian Rhapsody) scheidet dann nach der ersten Runde aus und gezählt werden die Nr. 2 und Nr. 3 Filme, des Academy-Mitglieds das Bohemian Rhapsody als seinen Nr. 1-Film wählte (was könnten das für Filme sein?). Wählt jemand, der Bohemian Rhapsody als seinen Lieblingsfilm gewählt hat, auf Platz 2 Roma, relativ unwahrscheinlich in meinen Augen. Roma wird in meinen Augen, sollte es zu Runde 2 oder Runde 3 kommen, nur wenige Stimmen dazu gewinnen und damit dann wohl nicht den Besten Film gewinnen. An dieser Stelle ist es wichtig sich vorstellen zu können, auf welche Filme man sich am ehesten einigen können. Weiter oben habe ich versucht, mich dieser Frage zu nähern? Vor zwei Jahren waren die finalen Favoriten auf den Königspreis der Academy „La La Land“ und „Moonlight“. Genaue Zahlen werden leider nicht preisgegeben, wir können aber bei 14 Oscar-Nominierungen für „La La Land“ davon ausgehen, dass „La La Land“ die meisten Nr. 1-Stimmen hatte. Bei der ersten Auszählung hatte „La La Land“ aber nicht mehr als 50% aller Stimmen erreichen können, demnach ging es in Runde 2 (oder sogar 3) und als ihren Nr. 2-Film haben offensichtlich viele Academy-Migliedern „Moonlight“ gesetzt, der Film auf den man sich am ehesten einigen konnte. „Moonlight“ hat den Oscar als Bester Film gewonnen. Übrigens „Moonlight“ hat seinerzeit viele Kritikerpreise abgeräumt und war für den SAG Ensemble, den PGA, den DGA und den BAFTA nominiert und hatte den WGA gewonnen. „La La Land“ hatte PGA, den DGA und den BAFTA gewonnen, war für den WGA nominiert, aber – und das war wohl auch entscheidend – war für den SAG Ensemble nicht nominiert. Dieses Jahr war Roma nicht für den SAG Ensemble Preis nominiert. Die Gewerkschaft der Produzenten haben auch dieses Preferential Voting System und der Gewinner des PGAs war dieses Jahr Green Book.  

Ich weigere mich strikt „Green Book“ für meine kleine persönliche Wette zu nehmen. Ich war mit den beiden überraschenden Schauspiel-Nominierungen der Meinung, „Roma“ ist der Gewinnerfilm. Roma könnte also den Oscar als Bester Film gewinnen, wenn er in der ersten Runde über 50% aller Stimmen der Academy-Mitglieder bekommt. 

Jetzt ist mir aber zu Ohren gekommen, dass es innerhalb der Oscar Academy, einflussreiche Leute gibt (darunter Steven Spielberg), die mit ihrer Stimme ein Statement gegen Netflix (und damit gegen Roma) abgeben könnten und entsprechend Roma als ihren letzten Film im Ranking setzen könnten.  Das ist das Spannende an der Oscar-Saison, was gestern noch als sicher galt, ist es morgen nicht mehr. 

Vieles hat dazu beigetragen, dass die Oscars immer undurchsichtiger werden, darunter:

  • das Preferential Voting System (wieder eingeführt vor zehn Jahren) 
  • neue Mitglieder der Academy (in den letzten Jahren gibt es extrem viel jüngere und auch nicht-amerikanische und nicht-weiße Academy-Mitglieder) 
  • auf die Statistiken kann man sich nicht mehr zuverlässig verlassen 
  • politisches und gesellschaftliches Denken beeinflusst seit einigen Jahren den Oscar-Gewinner in der Kategorie Bester Film

Bevor ich zu meinem persönlichen Ranking und zu den einzelnen Filmen komme, kurz zu den Schauspielern. Relativ sicher in ihrem Favoriten-Status für den Oscar gelten die Schauspieler Glenn Close, Rami Malek und Mahershale Ali. Einzig die Kategorie Beste Nebendarstellerin ist völlig offen. Regina King startete als Favoritin in dieser Kategorie, wurde dann aber weder von den Schauspielern für einen SAG-Award, noch von den Briten für einen BAFTA nominiert. Mir ist eigentlich nur Marcia Gay Harden (für „Pollock“) bekannt, die dann trotzdem den Oscar gewann. 

Ich kenne alle acht Oscar-nominierten Filme, drei dieser Filme (Roma, BlacKkklansman und The Favourite) sind in meiner persönlichen Top Ten für Filme aus dem Jahr 2018 gelandet. Wenn ich den Oscar als Bester Film bestimmen müsste, würde mein Ranking folgendermassen aussehen: 

BlacKkKlansman

The Favourite

Roma

A Star is Born

Black Panther 

Green Book

Vice

Bohemian Rhapsody

 

BlacKkklansman ist der einzige Film unter den acht nominierten, der von der Statistik her am ehesten gewinnen könnte. Der Film hat eine Filmpreis-Nominierung der Produzenten, der Regisseure, der Schauspieler und er hat zusätzlich (wie auch „The Favourite“ und Vice“) eine Oscar-Nominierung von den Regisseuren, den Autoren, den Schauspielern und Cuttern erhalten. Eine Nominierung für den Besten Schnitt geht mit einem Bester Film-Gewinn oftmals einher. Spike Lee hat „leider“ vor Jahren bereis einen Ehrenoscar erhalten, ohne den hätte er wahrscheinlich dieses Jahr mehr Chancen als Regisseur ausgezeichnet zu werden. Immerhin wurde er von A.M.P.A.S erstmalig als Regisseur nominiert. Spike Lee hat sich während der gesamten Oscar-Saison ungewöhnlich handzahm verhalten. Genützt hat es ihm und seinem Film bislang aber nichts.  Alfonso Cuarón hat – wie erwartet – den Preis der Gewerkschaft der Regisseure (DGA) gewonnen. Sechs schwarze Regisseure (John Singleton, Lee Daniels, Steve McQueen, Barry Jenkins, Jordan Peele und jetzt Spike Lee) sind in 91-jähriger Oscar-Geschichte erst für den Oscar als bester Regisseur des Jahres nominiert worden. Kein schwarzer Regisseur hat je den Oscar als Bester Regisseur des Jahres gewonnen. Spike Lee hat selbst gesagt, dass sein Film zeigt, was in den U.S.A. gerade passiert. Der Film hat eine Aussage, ist politisch wichtig und zeitgeistig.

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $48,686,605 Stand 31.1.19

Produktionskosten: 15 Mio Dollar

Rotten Tomatoes Bewertung: 96%

Oscar-Nominierungen: 6 (Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Adam Driver), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Filmmusik, Bester Schnitt)

Das preferential voting system: Könnte hier gewinnen

Welchen wichtigen Oscar könnte BlacKkKlansman außer Bester Film noch gewinnen?

Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt

Vorteil: Wenn Spike Lee gewinnen sollte, wäre er der erste schwarze Filmemacher, der von A.M.P.A.S. als Bester Regisseur des Jahres ausgezeichnet würde. „BlacKkKlansman“ ist der zeitgeistigste Film aller Oscar-nominierten Filme. Der Film hat eine Nominierung der Schauspieler (SAG) für das Beste Ensemble. Wie gesagt, der Film hat eine Aussage und ist ein Film, auf den die Academy in zehn Jahren rückblickend als guten Oscar-Gewinner-Film schauen kann.

Größter Nachteil: dass er bislang noch nichts gewonnen hat.

 

 

 

The Favourite ist ein etwas sperriger Kostümfilm, der entweder gefällt oder mit dem man wenig anfangen kann. Was man aber unbestritten behaupten kann, der Film ist eine künstlerische Leistung. Und damit ein Film, der es verdient hätte, den Oscar als Bester Film zu gewinnen. In zehn Jahren könnte die Academy mit Stolz auf diesen Oscar-Gewinner-Film zurückblicken. Er hat alle Oscar-Nominierungen, die er braucht, um auch Bester Film zu gewinnen: Beste Regie, drei Nominierungen für Schauspieler, Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt. Hat aber (überraschenderweise) nicht den großen Preis der Schauspielgewerkschaft (SAG) gewonnen. Auch nicht den PGA, Yorgos Lanthimos war nicht für den DGA nominiert. Dafür hat The Favourite 7 BAFTAS (inklusive Best British Film und für die beiden Schauspieler Olivia Colman und Rachel Weisz) gewonnen. 

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $28,597,605 Stand 3.2.19

Produktionskosten: 15 Mio Dollar

Rotten Tomatoes Bewertung: 93%

Oscar-Nominierungen: 10 (Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Olivia Colman), Beste Nebendarstellerin (Emma Stone und Rachel Weisz), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt 

Das Preferential Voting System: Ist für mich zunächst ein typischer Nr. 1 Film. Vielleicht unterschätze ich es auch, dass dieser Film auch Nr. 2 und Nr. 3 Stimmen erhalten kann. Hier bin ich sehr unsicher.

Welchen wichtigen Oscar könnte The Favourite außer Bester Film noch gewinnen? Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt. Die Chance besteht, dass Rachel Weisz die Kategorie Beste Nebenrolle gewinnt. 

Vorteil: Der Film hat alle Nominierungen, die er braucht, um Bester Film zu gewinnen. Mit Roma zusammen hat er die meisten Oscar-Nominierungen. Die Briten innerhalb der Academy mögen den Film. Der Film passt irgendwie in die MeToo-Ära. 

Größter Nachteil: Das Preferential Voting System…vielleicht

 

 

 

Roma ist zweifelsfrei der Kritikerliebling der Oscar-Saison 2018/2019. Zusammen mit The Favourite, ist Roma der Film mit den meisten Oscar-Nominierungen dieses Jahr (10). Überraschend wurde er sogar in zwei Schauspielkategorien nominiert. Roma hatte nämlich zuvor keine Nominierung der Schauspielgewerkschaft. Es gab in der Vergangenheit zwei Ausnahmen (Braveheart und im letzten Jahr The Shape of Water), bei dem ein Film ohne eine SAG Ensemble Nominierung später den Oscar für den Besten Film gewann. Ohne PGA-Gewinn (der dieses Jahr an Green Book ging) kann man gewinnen (siehe Moonlight und Spotlight). Roma hat aber auch  keine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt. Ohne eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt  haben in 90-jähriger Oscar-Geschichte erst 10 Filme den Oscar als Bester Film gewonnen. Es hat auch in 90-jähriger Oscar-Geschichte noch nie ein nicht-englisch-sprachiger Film den Oscar gewonnen. In diesen 91  Jahren wurden überhaupt erst mit Roma zehn nicht-englischsprachige Filme  für den Oscar als Bester Film nominiert. Roma ist nach „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ erst der zweite nicht-englischsprachige Film, der so viele Oscar-Nominierungen erhalten hat. Seit 1960 gab es erst zwei schwarz/weiß-Filme, die den BP Oscar gewannen („Schindler´s List“ und „The Artist“) gewannen. Es gab noch nie einen Netflix-Film, der für den Oscar als Bester Film nominiert war und entsprechend auch keinen der den Oscar als Bester Film gewann. Für viele in Hollywood (beispielsweise auch Academy-Mitglied Steven Spielberg) zerstört Netflix das Kino. Spielberg hat sich auch dazu geäußert, dass Netflix-Filme bei den Oscars nichts zu suchen haben, sie sollten um einen Fernseh-Oscar (Emmy) konkurrieren. Wie viele Leute innerhalb der Academy gibt es, die wie Steven Spielberg denken? Ich habe bereits davon gehört, dass Academy-Mitglieder aus diesem Grunde Roma in ihrem Ranking auf Nr. 7 oder Nr. 8 setzen wollen. Roma ist ein künstlerisch wertvoller Film, aber kein Film, der es einen einfach macht, dabei zu bleiben und ihn bis zu Ende zu gucken. Roma muss man im Kino gesehen haben. Auf DVD bzw. Netflix Zuhause einen untertitelten langsamen Film gucken, das halten die meisten nicht durch. Aber Roma ist auch kein Film (wie vor ein paar Jahren beispielsweise „12 Years a Slave“) den Academy-Mitglieder wählen, ohne ihn gesehen zu haben. Für „12 Years a Slave“ haben sie trotzdem gestimmt.

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: keine Angabe von Netflix

Produktionskosten: 15 Mio Dollar 

Rotten Tomatoes Bewertung: 95%

Oscar-Nominierungen: 10 (Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Yalitza Aparicio), Beste Nebendarstellerin (Marina de Tavira), Bestes Originaldrehbuch, Bester fremdsprachiger Film, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bester Ton und Bester Tonschnitt)

Das Preferential Voting System: Roma ist sicher ein Nummer 1-Film und könnte in der erste Runde gewinnen. Sollte er in der ersten Runde nicht mehr als 50% aller Stimmen haben, hat Roma wahrscheinlich nicht mehr die Chance, den Oscar als BP zu gewinnen. Roma ist kein Nr. 2 oder Nr. 3 Film. Viele wollen Netflix boykottieren. 

Welchen wichtigen Oscar könnte Roma außer Bester Film noch gewinnen? Beste Regie, vielleicht bester fremdsprachiger Film (wenn der nicht an Cold War geht), Beste Kamera (wenn die nicht an Cold War geht), aber auch mit einer Außenseiterchance Beste weibliche Nebenrolle 

Vorteil: Netflix will unbedingt den Oscar für den Besten Film des Jahres gewinnen, hat das beste PR-Team der Branche angeheuert und die teuerste und beste Kampagne in dieser Oscar-Saison geführt. Roma hat den BAFTA gewonnen und Alfonso Cuarón hat den DGA gewonnen. Viele nicht-amerikanische Academy-Mitglieder könnten für diesen mexikanischen Film stimmen. Noch nie hat ein fremdsprachiger Film den Oscar als Bester Film gewonnen.

Größter Nachteil:  Auch hier ein Unsicherheitsfaktor, wie die Academy-Mitglieder mit einem Netflix-Film umgehen, fremdsprachiger schwarz/weiß-Film mit überwiegend Laienschauspielern. Keine Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt, keine SAG-Ensemble-Nominierung. Viele Academy-Mitglieder werden sich diesen Film wahrscheinlich gar nicht angeguckt haben. 

 

 

 

A Star is Born ist der Film mit den meisten Nominierungen innerhalb der Filmindustrie. Es gibt keinen anderen Film in der Oscar-Saison, der wirklich quasi von allen Verbänden (den Produzenten, den Regisseuren, den Schauspielern, den Autoren, den Kameramännern, den Sound-Experten, den Kostümdesignern, den Make-Up und Hairstylisten und und und) nominiert wurde. Der Film hat aber bisher keinen wichtigen Preis gewonnen. Worauf ist das zurückzuführen? A Star is Born war recht früh, bei vielen Oscar-Experten der Oscar-Favorit. Bradley Cooper hat eine Kampagne als Bester Regisseur geführt, nicht als Bester Schauspieler. Das hat sich dann auch zunächst ausgezahlt, von dem Verband der Regisseure war Bradley Cooper sogar in zwei Kategorien nominiert: In der Kategorie Bestes Regiedebüt und Bester Regisseur. (Gewonnen hat er keine der Kategorien).  Dann wurde ziemlich überraschend Bradley Cooper nicht für den Oscar als Bester Regisseur nominiert. Das erinnerte auf den ersten Blick an Ben Affleck und seiner Nicht-Nominierung als Regisseur für seinen Film „Argo“. Der Unterschied zu „Argo“ ist aber, dass „Argo“ zum Zeitpunkt der Oscar-Nominierungen bereits Kritikerpreise gewonnen hat, die Wähler der HFPA, der Crittic Choice Awards sich bereits für „Argo als Gewinner-Film entschieden hatten. Am Abend der Oscar-Nominierung hat „Argo“ dann den Critic Choice Award gewonnen, drei Tage später den Golden Globe, zwei Wochen später den Preis der Produzenten-Gewerkschaft (PGA) dann den Preis der Schauspiel-Gewerkschaft (SAG), dann hat Ben Affleck (der nicht für den Oscar als Bester Regisseur nominiert war) den Preis der Gewerkschaft der Regisseure (DGA) gewonnen und dann noch den Filmpreis der Briten (BAFTA) Da war es eigentlich klar, dass er – trotz der unüblichen Nicht-Nominierung des Regisseurs – auch den Oscar als Bester Film gewinnt. Dieses Jahr sind genau diese Preise auch alle bereits vergeben worden, A Star is Born hat nichts gewonnen. Vielleicht war die Strategie der Warner (war übrigens bei „Argo“ auch die Warner) A Star is Born bei den Globes als Drama und nicht als Musical/Comedy zu führen, nicht so smart. In dieser Kategorie hätte er vielleicht den Golden Globe gewonnen. So ein erster Gewinn bei einer live im Fernsehen übertragenen Show hätte vielleicht eine Gewinn-Serie ausgelöst. Vielleicht,  vielleicht aber auch nicht. Ein Problem ist sicher auch, dass der Film zu früh (Anfang Oktober) in den amerikanischen Kinos startete und den Hype nicht lange halten konnte. Knapp einen Monat später ist dann „Bohemian Rhapsody“ (die beiden Filme werden merkwürdigerweise oft verglichen) gestartet. Der Hype um A Star is Born war vergessen. Dass Bradley Cooper und sein Film nun aber für, durch die Bank alle Preise nominiert war und keinen gewonnen hat, wird vielleicht (so habe ich es mehrmals gehört) auch etwas mit Neid gegenüber Bradley Cooper zutun haben. Der Mann, der bevor er A Star is Born drehte, bereits vier Oscar-Nominierungen hatte (drei allein als Schauspieler), kann also schauspielern, ist dazu noch attraktiv, hat ein Supermodel als Freundin, kann Drehbücher und Songs schreiben und scheinbar auch noch Regie führen. Den soll man für sein Erstlingswerk als Regisseur auch noch mit großen Preisen überschütten? Es ist so wie es ist. Nun ist A Star ist Born, in meinen Augen, ein Film auf den man sich einigen kann und damit kann er tatsächlich mit dem Preferential Voting System den Oscar als Bester Film gewinnen. Unwahrscheinlich, aber durchaus möglich. 

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $207,836,984 Stand 3.2.19

Produktionskosten: 36 Mio Dollar 

Rotten Tomatoes Bewertung: 89% 

Oscar-Nominierungen: 8 (Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Bradley Cooper), Beste Hauptdarstellerin (Lady Gaga), Bester Nebendarsteller (Sam Elliot), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Bester Ton und Bester Originalsong (Shallow) 

Das Preferential Voting System: Wie auch bei Green Book, der Bohemian Rhapsody-Fan in der Academy könnte A Star is Born als seinen Nr. 2 oder Nr. 3 Film wählen

Welchen wichtigen Oscar könnte A Star is Born außer Bester Film noch gewinnen? Vielleicht Bester Hauptdarsteller, zu diesem Zeitpunkt aber extrem unwahrscheinlich 

Vorteil: A Star is Born war sehr erfolgreich an der amerikanischen Kinokasse. Hat eine Nominierung für alle Preise innerhalb der Filmindustrie. Der Film gilt zu diesem Zeitpunkt irgendwie als Loser der Oscar-Saison, da er keinen wichtigen Preis gewonnen hat. Das kann auch ein Vorteil sein

Größter Nachteil: Er hat keinen einzigen wichtigen Preis innerhalb der Filmindustrie gewonnen. Keine Regie-und keine Schnitt-Nominierung, bisher gab es keinen Film, der beides nicht hat und trotzdem Bester Film gewann. (es gab aber nicht immer das Preferential Voting System)

 

 

Black Panther ist der erste Superhelden-Film, der jemals für einen Oscar als Bester Film nominiert wurde. Eigentlich ist hier schon die Nominierung der Gewinn. Der Film hat aber auch den großen Preis der Schauspielgewerkschaft (SAG-Award) gewonnen. Black Panther hat nun aber weder eine Oscar-Nominierung in den wichtigen Kategorien Regie, Schauspiel noch Drehbuch oder Schnitt. Ohne die ist zwar ein Oscar-Gewinn als Bester Film in dem Preferential Voting System möglich, der Film scheint aber die Zustimmung in einigen Berufszweige innerhalb der Academy nicht zu haben. 

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $700,059,566 total 

Produktionskosten: 210 Mio Dollar 

Rotten Tomatoes Bewertung: 97%

Oscar-Nominierungen: 7 (Bester Film, Beste Filmmusik, Bester Originalsong (All the Stars), Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bester Ton und Bester Tonschnitt)

Das Preferential Voting System: Vermutlich ist Black Panther ein Nr. 1-Film, könnte aber auch ein Nr. 2 oder Nr.3 Film sein oder eben weit unten auf der Liste der Academy-Mitglieder. Bei diesem Film finde ich es sehr schwer, das vorherzusagen.

Welchen wichtigen Oscar könnte Black Panther außer Bester Film noch gewinnen? Keinen, da er in keiner anderen wichtigen Kategorie nominiert wurde. 

Vorteil: Der Film hat den großen Preis der Schauspiel-Gewerkschaft (SAG) gewonnen und es ist erste Blockbuster mit ausschließlich schwarzen Hauptdarstellern. Das läutet in den U.S.A. eine neue Zeit ein, schwarze Künstler sind mit diesem Marvel-Film im Pop-Mainstream angekommen. Der Film ist in den U.S.A. der erfolgreichste Film des Jahres 2018 

Größter Nachteil: Von allen acht nominierten Filmen ist „Black Panther“ der einzige Film, der gar keine andere wichtige Oscar-Nominierung (Regie, Schauspiel, Drehbuch oder Schnitt) hat. Ohne für die Beste Regie nominiert zu sein, ist es relativ unwahrscheinlich, Bester Film zu gewinnen. Es wäre also eine ziemlich Sensation, wenn „Black Panther“ den Oscar als Bester Film gewinnt. Außerdem sind sowohl Netflix als auch Superhelden-Filme vielen in Hollywood (bzw. in der Academy) ein Dorn in Auge. 

 

 

 

Green Book hat den Publikumspreis auf dem Toronto International Film Festival gewonnen. Seitdem der Film in die amerikanischen Kinos kam, stand (u.a. weil er eine unwahre Geschichte erzählt) in der Kritik. Der Film gilt als altmodisch, ist aber bei den Zuschauern beliebt. „Green Book“ hat dann bei der ersten, im TV live übertragenen Filmpreisverleihung (Golden Globes) den Globe in der Kategorie Best Comedy gewonnen. Nach dem PGA-Gewinn am 19.1.19 und vor den Oscar-Nominierungen am 22.01.19 war Green Book auf einmal der Favorit auf den Oscar-Gewinn als Bester Film. Dann wurde der Film aber nur in fünf Kategorien und nicht in der Kategorie Beste Regie nominiert. Ohne eine Regie-Nominierung ist es in dem Preferential Voting System möglich, die Beste Film-Kategorie für sich zu entscheiden, aber relativ unwahrscheinlich. In 90 Jahren Oscar-Geschichte ist es genau vier Filmen (Wings, Grand Hotel, Driving Miss Daisy und Argo) gelungen, den Oscar als Bester Film ohne eine Nominierung des Regisseurs für diesen Film, zu gewinnen. „Green Book“ gilt von seiner Art als der diesjährige „Driving Miss Daisy“. Dass so ein Film im Jahr 1989 den Oscar gewann, war auch schon fragwürdig, aber okayer als im Jahr 2019. Green Book hat aber im Vergleich zu A Star is Born eine Oscar-Nominierung in der nicht unwichtigen Kategorie Bester Schnitt. Mahershala Ali gewinnt ziemlich sicher den Oscar als Bester Nebendarsteller. Also ein Oscar gewinnt „Green Book“ in jedem Fall. 

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $55,821,331 Stand 3.2.19

Produktionskosten: 23 Mio Dollar 

Rotten Tomatoes Bewertung: 79%

Oscar-Nominierungen: 5 (Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Viggo Mortensen), Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali), Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt) 

Das preferential voting system: vielleicht mögen Bohemian Rhapsody-Fans innerhalb der Academy Green Book und wählen ihn als ihren Nr. 2 oder Nr.3 Film 

Welchen wichtigen Oscar könnte Green Book außer Bester Film noch gewinnen? Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali), vielleicht Bestes Originaldrehbuch, wahrscheinlicher wäre aber The Favourite, First Reformed oder Roma (der Verband der Autoren hat „Eighth Grade“ ausgezeichnet)

Vorteil: „Green Book“ ist der einzige Film aller Oscar-nominierten Filme in diesem Jahr mit einem Happy Ending. Es ist ein Feel-Good-Movie mit dem gerade ältere, weiße Academy-Mitglieder zufrieden sind. Mahershala Ali ist äußerst beliebt in der Branche und wird wohl seinen zweiten Oscar gewinnen, vielleicht reicht das diesen Film zu pushen. 

Größter Nachteil: Der Film hat keine Oscar-Nominierung in der Kategorie Beste Regie, ohne die ist es relativ aussichtslos, dass er Bester Film gewinnt. Der Film hat auch nur 5 Oscar-Nominierungen. Außerdem fehlt dem Film eine Nominierung der Gewerkschaft der Schauspieler (SAG) als Bestes Ensemble. Dann gibt es einen großen Unsicherheitsfaktor, inwieweit konnte die heftige Kritik an dem Film die Academy-Mitglieder beeinflussen? 

 

 

 

Vice ist wahrscheinlich auch ein Film, den man liebt oder hasst. Ich fand ihn furchtbar. Der Film hat aber auch alle Oscar-Nominierungen, die man braucht, um den Oscar als Bester Film zu gewinnen: Beste Regie, drei Schauspiel-Nominierungen, Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt 

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $44,083,963 Stand 3.2.19

Produktionskosten: 60 Mio Dollar 

Rotten Tomatoes Bewertung: 66%

Oscar-Nominierungen: 8 (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Christian Bale), Bester Nebendarsteller (Sam Rockwell), Beste Nebendarstellerin (Amy Adams), Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt und Bestes Make-Up und Beste Frisuren)

Das preferential voting system: hat meines Erachtens keine Chance, ist bei nicht genug Academy-Mitgliedern ein Nr. 1-Film und kein typischer Nr. 2 oder Nr. 3-Film.

Welchen wichtigen Oscar könnte Vice außer Bester Film noch gewinnen?  Bester Schnitt (wenn in dieser Kategorie nicht der beste Schnitt, sondern die meisten Schnitte ausgezeichnet werden). Christian Bale ist mittlerweile sehr unwahrscheinlich, vielleicht Bestes Originaldrehbuch (wobei das wohl eher an The Favourite, First Reformed, Roma oder Green Book geht)

Vorteil: 8 (auch wichtige) Oscar-Nominierungen 

Größter Nachteil: Vice ist an der amerikanischen Kinokasse gefloppt. Der Film hat nicht mal seine Produktionskosten eingespielt (ganz zu schweigen vom Marketing). Vice ist längst nicht so gut wie McKays „The Big Short“ und auch der hat nur einen Oscar für das Beste Originaldrehbuch gewonnen

 

 

 

Bohemian Rhapsody zu dem Film fällt mir nicht viel ein, in der Liste der Oscar-nominierten Filme  hat er, in meinen Augen, schlichtweg nichts zu suchen.  Es ist ein Film für den Massengeschmack. Das wäre ein Film für den Best Popular Oscar (wie auch Black Panther). Qualitativ fällt dieser Film nicht positiv auf, nur die Musik von Queen ist gut und daher lieben auch viele den Film. Eigentlich ziemlich clever so einen Film zu produzieren. Bryan Singer ist der Regisseur des Films und keiner möchte mit ihm in Verbindung gebracht werden. 

Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse: $208,536,373 Stand 3.2.19

Produktionskosten: 55 Mio Dollar 

Rotten Tomatoes Bewertung: 61% 

Oscar-Nominierungen: 5 (Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Rami Malek), Bester Ton, Bester Tonschnitt und Bester Schnitt) 

Das Preferential Voting System: kaum ein Academy-Mitglied wird diesen Film auf einer der ersten Plätze setzen. 

Welchen wichtigen Oscar könnte Bohemian Rhapsody außer Bester Film noch gewinnen? Bester Hauptdarsteller (Rami Malek) 

Vorteil: Der Film wurde von der Gewerkschaft der Schauspieler (SAG) für das Beste Ensemble nominiert. Bohemian Rhapsody ist der zweiterfolgreichste Film an der amerikanischen Kinokasse des Jahres 2018

Größter Nachteil: Die Academy hat derzeit genug Baustellen. In den letzten Monaten hat A.M.P.A.S. ständig irgendetwas angekündigt, um es dann kurze Zeit später (aufgrund heftigster Kritik) wieder zurückzuziehen. Erst war es die Kategorie Best Popular Film, dann Kevin Hart als Oscar-Gastgeber, dann dass die vier Kategorien (inklusive zwei der wichtigsten Beste Kamera und Bester Schnitt – ohne die gibt es schlichtweg gar keinen Film!!!) nicht komplett während der Live-Show, sondern auch während der Werbepausen ausgehändigt werden. Bei den Kategorien bleibt es jetzt wie es ist bzw. wie es immer war und einen Oscar-Gastgeber wird es 2019 nicht geben. Die Academy macht sich gerade etwas lächerlich. Da kann sie es sich nicht jetzt noch leisten, einen der schlechtesten Filme des Jahres mit dem Oscar als Bester Film auszuzeichnen.

 

Hier meine erste Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2019 vom September (da hatte ich auf „Roma“ als Gewinner-Film getippt)

Hier meine zweite Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2019 vom November (da hatte ich auf „Roma“ als Gewinner-Film getippt)

Meine Meinung zu Oscar-Nominierungen 2019  (auch hier war ich noch sicher mit „Roma“) 

 

Aufgrund der Statistiken, Fakten, dem Hörensagen und dem Wahlsystem, das den Besten Film bestimmt, neige ich für meine persönliche Wette (die ich kurz vor den Oscars veröffentliche) derzeit dazu, auf BlacKkKlansman zu tippen, auch bei The Favourite kann ich es mir irgendwie vorstellen, dass er Bester Film gewinnen könnte. Ganz möchte ich mich aber von Roma noch nicht verabschieden. Ich werde mir das Ganze noch ein paar Tage durch den Kopf gehen lassen. 

 

Szenen aus allen acht, für den Oscar nominierten Filmen:

 

 

 

Berlin (ale) – Film: „Der Goldene Handschuh“

Ich war am 10.02.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Der Goldene Handschuh“ (englischer Filmtitel: „The Golden Glove“, dt. Kinostart: 21.02.19)   110 min  drama, adaptation, biopic  

dir. Fatih Akin  cast: Jonas Dassler, Margarethe Tiesel, Katja Studt, Martina Eltner-Acheampong, Hark Bohm, Jessica Kosmalla, Barbara Krabbe, Tilla Kratochwil, Uwe Rohde, Marc Hosemann

 

In den 1970er Jahren in Hamburg. Die Kiez-Kneipe „Der Goldene Handschuh“ ist Heimat für viele gescheiterte Existenzen. Der Hilfsarbeiter Fritz Honka (Jonas Dassler) reißt hier ältere, alleinstehende Frauen auf, betrinkt sich mit ihnen und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Niemand bemerkt dabei, dass einige der Frauen für immer verschwinden…

 

C- (Wertung von A bis F) „Der Goldene Handschuh“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Heinz Strunk. Dem Film und der Filmvorlage liegt der reale Fall des Frauenmörders Fritz Honka zugrunde. Es ist der neue Film des deutschen Filmemachers Fatih Akin („Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“, „Aus dem Nichts“).

Vielleicht hätte ich mir einfach eine reine Milieustudie gewünscht. Wenn Fatih Akin Ansätze in seinem Film davon zeigt, war ich durchaus begeistert. Angefangen von den ausgewählten Typen, den Nebenschauspielern bis hin zu den authentischen Kostümen, dem Szenenbild inklusive der detailgetreuen Accessoires (sowohl in der Kiez-Spelunke als auch in Honkas völlig überladener Mansardenbude). Dann taucht aber immer wieder Quasimodo (also nicht wirklich Quasimodo, aber einer der so aussieht) auf als würde der aus einem Parallelfilm stammen, den man irgendwie dazwischen geschnitten hat. Oft wird bei Filmen, die auf Geschichten realer Personen basieren, am Ende Originalfotos eben dieser Persönlichkeiten eingeblendet. Hier macht es den Anschein, als würde Fatih Akin den Zuschauern ein Beweisfoto liefern wollen, seht her: er sah wirklich übel  aus. Gut, Fritz Honka war nun keine Schönheit, aber wie der Serienmörder in diesem Film darstellt wird, ist er von geradezu absurder Hässlichkeit geprägt. Die meisten Szenen mit diesem gestörten Fritz Honka sind entweder unfreiwillig komisch oder ekel- und grauenhaft, definitiv aber unnötig in die Länge gezogen. Bei den Gewaltszenen hört Honka 1970er-Jahre-Schlagermusik, was in diesem Film auch als Stilmittel gebraucht wird und damit zu gewollt und aufgesetzt wirkt. Lieber schnell wieder zurück in die authentische Arme-Leute-Kneipe, da ist dann auch die Schlagermucke ertragbar und der Film irgendwo doch gar nicht so schlecht. 

„Der Goldene Handschuh“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2019 gezeigt. Dort lief der Film im Wettbewerb. Ich habe ihn auf diesem Filmfestival gesehen. Gezeigt wurde die deutsche Originalfassung mit englischen und deutschen Untertiteln. Der Film hat derzeit noch keinen amerikanischen Verleiher gefunden. „Der Goldene Handschuh“ startet am 21.02.19 in den deutschen Kinos. 

Trailer zu sehen:

 

Berlinale 2019 

Man könnte meinen, ein Filmfest in meiner Heimatstadt würde mich weniger stressen als eines in New York oder München. Weit gefehlt. Im direkten Vergleich zu dem Tribeca Film Festival und den New York Film Festival (die ich beide seit einigen Jahren regelmäßig besuche) ist die Berlinale generell unübersichtlich. Die Website der 69. Berlinale gleicht einer Katastrophe. Das Mini-Kontingent an Online-Tickets ist längst nicht mehr zeitgemäß. Ich kann auch gar nicht nachvollziehen, warum sich Leute immer noch in Massen an den Vorverkaufs- und Tageskassen anstellen. Ihnen bleibt aber wahrscheinlich nichts anderes übrig, da die Online-Tickets innerhalb von, manchmal Sekunden ausverkauft sind. Da ich mich grundsätzlich nicht für Berlinale-Tickets irgendwo anstelle, kann ich nur von Glück sprechen, dass ich tatsächlich auf der Website fünf Karten für fünf Filme, die auch alle sehen wollte, ergattern konnte. Richtig verärgert mich jedoch der völlig ungeordnete Einlass ins Kino. Das ist wirklich beispiellos. Da bilden sich also am Eingang vor dem Kino zwei Schlangen, eine für die Kartenbesitzer und eine für die Akkreditierten (soweit normal). Irgendwann bilden sich aber Nebenschlangen (es gibt immer Leute die sich für besonders schlau halten bzw. sich einfach, weil sie später kommen, nicht in die lange Schlange einreihen wollen) und wenn dann das Kino (der Eingang) geöffnet wird, stürmen alle gleichzeitig von überall los und drängeln was das Zeug hält. Unfassbar. Vielleicht ist das eine menschliche Reaktion, aber dann muss hier von den Organisatoren für Ordnung gesorgt werden. (Bei beiden Filmfestivals in New York  werden zig Freiwillige für die Zeit angestellt und simple Absperrungen verhindern ein Vordrängeln). Wie es auf der Berlinale abläuft ist es jedenfalls völlig chaotisch und extrem nervig für alle Festivalteilnehmer. 

Berlin – Film: „Cold Pursuit“

Ich war am 25.01.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Cold Pursuit“ (dt. Filmtitel: „Hard Powder“, dt. Kinostart: 28.02.19)  119 min  thriller, remake 

dir. Hans Petter Moland  cast: Liam Neeson, Laura Dern, John Doman, Emmy Rossum, Tom Bateman, Micheál Richardson

 

Nels Coxman (Liam Neeson) arbeitet als Schneepflugfahrer in einem Skigebiet in den Rocky Mountains. Dort lebt er mit seiner Frau (Laura Dern) und seinem Sohn Kyle (Micheál Richardson). Als ihm mitgeteilt wird, dass sein einziger Sohn an einer Überdosis Heroin verstorben ist, will er das nicht wahrhaben. Kyle war ganz sicher nicht drogensüchtig, er hat sich aber scheinbar mit den falschen Leuten eingelassen. Nels begibt sich auf Spurensuche…

 

B- (Wertung von A bis F) „Cold Pursuit“ ist ein Remake des norwegischen Films „In Order of Disappearance“ („Kraftidioten“). Der norwegische Filmemacher Hans Petter Moland hat sowohl bei dem Originalfilm, als auch bei diesem englischsprachigen Remake Regie geführt. 

Die Liam-Neeson-Actionthriller sind quasi schon ein eigenes Sub-Genre. Ich habe mich mittlerweile von dem Gedanken verabschiedet, dass der Schauspieler dauerhaft seiner Actionhelden-Laufbahn den Rücken kehrt und wieder – wie früher – herausfordernde  Rollenangebote annimmt. Die Actionfilme mit ihm (Taken 1-3, Unknown, Non-Stop, A Walk Among the Tombstones, Run All Night, The Commuter) ähneln sich alle, sind irgendwo spannend, aber kommen nie über das Mittelmaß hinaus. Nun, „Cold Pursuit“ sticht aus seinem bisherigen Action-Brei etwas hervor. Der Filmemacher hat eine schräge Herangehensweise, seine Geschichte zu erzählen. Ich kannte seinen norwegischen Originalfilm nicht und musste seinen Humor für mich zunächst mal einordnen. Einige Regieentscheidungen (alleine die Würdigung der einzelnen Toten) manche Szenen und die Musikauswahl erinnerten immer wieder kurz an Filme der Coen Bros. Die begnadeten Regiebrüder schaffen mit ihrem subtilen Humor und teils skurrilen Charakteren immer wieder Meisterwerke. Der norwegische Filmemacher versucht sich etwas in dieser Welt. Sein „Viking“ ist jedoch eine Karikatur von einem Bösewicht (soll er vielleicht auch sein – ein passenderer und besserer Schauspieler hätte dem Film aber sicher nicht geschadet). Auch die Figur der asiatischen Ehefrau war mir zu überzogen und hat mich rausgebracht. Letztlich hat der Film aber seine Momente (der beste ist einer, nicht in die deutsche Synchronisation transportierbarer in einem Hotel). Der Film ist durchaus sehenswert, aber im Vergleich zu den anderen Liam Neeson-Actionthrillern ist dieser schwarzhumorige schon etwas irritierend. 

„Cold Pursuit“ ist am 8.2.19 in 2,630 amerikanischen Kinos gestartet. Der Film startet am 28.02.19 unter dem Titel „Hard Powder“ in den deutschen Kinos. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die OmU. 

Trailer zu sehen: 

 

San Francisco – Film: „Escape Room“

Ich war am 10.01.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Escape Room“ (dt. Kinostart: 28.02.19)  100 min  thriller, horror

dir. Adam Robitel  cast: Taylor Russell, Logan Miller, Jay Ellis, Deborah Ann Woll, Tyler Labine, Nik Dodani 

 

Die Physikstudentin Zoey (Taylor Russell), der Lagerist Ben (Logan Miller) und der Finanzanalyst  Jason (Jay Ellis) kennen sich nicht, jeder von ihnen hat aber eine mysteriöse Box erhalten. Die ist mit einer Einladung verbunden, ein Rätsel sollen sie lösen und 10.000 Dollar können sie auch noch gewinnen. In einem Gebäude in Chicago treffen sie außerdem noch auf Amanda (Deborah Ann Woll), Mike (Tyler Labine) und Danny (Nik Dodani). So richtig wissen die Sechs nicht auf was sie sich da einlassen, das wird sich aber schon bald ändern…

 

C- (Wertung von A bis F) „Escape Room“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Adam Robitel („Paranormal Activity: The Ghost Dimension“, „Insidious: The Last Key“). 

Es ist kein Geheimnis, dass die Filme, die im Januar in den U.S.A. starten, nichts taugen. Zu dieser Zeit laufen immer noch die ganzen Oscar-Filme, da will kein Verleih das Risiko eingehen, dass sein, vielleicht guter Film untergeht. Eigentlich ist damit alles über „Escape Room“ gesagt. Aber gut, noch ein paar Worte mehr. Ich mag es nicht, wenn ein Film mit einer Szene, die man später im Film sieht, beginnt. Aber auch ohne diese Einleitung ist der Film vorhersehbar, alleine dadurch, dass nur drei der sechs Charaktere richtig vorgestellt werden. Das Setdesign dieser Escape Rooms hat mir aber gefallen und auch die Hintergrundstories der einzelnen Charaktere sind grundsätzlich nicht uninteressant. Irgendwann sind die Räume und Rätsel aber ermüdend, die Logiklücken nur noch ärgerlich und der Filmemacher verpasst es, seinen Horrorthriller mit einem okayen Ende abzuschließen. 

Ein zweiter Teil von „Escape Room“ ist wohl unvermeidlich.  

„Escape Room“ ist am 4.1.19 in 2,717 amerikanischen Kinos gestartet. Der Film startet am 28.02.19 in den deutschen Kinos. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Greta„

Bewertung des Trailers: F (Trailer verrät scheinbar den kompletten Film)

Kommentar: Neil Jordans neuer (Horror-) Film mit Isabelle Huppert, Chloe Grace Moretz und Maika Monroe

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 


Trailer v. Film: „Happy Death Day 2U„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Fortsetzung zu dem Horrorfilm „Happy Death Day“

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Pet Sematary„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stephen King. Dieser Film kann nur besser sein als der Film aus dem Jahr 1989. In der Neuverfilmung spielen Jason Clarke und John Lithgow mit.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Prodigy„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Horrorfilm 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht


Trailer v. Film: „Alita: Battle Angel„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Robert Rodriguez´neuer Film, basierend auf einem Manga mit Christoph Waltz, Mahershala Ali und Jackie Earle Haley

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Godzilla: King of the Monsters„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Warum? 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Miss Bala„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Actionthriller mit Gina Rodriguez und Anthony Mackie

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht 


Trailer v. Film: „The Intruder„

Bewertung des Trailers: F (auch dieser Trailer verrät scheinbar den gesamten Film) 

Kommentar: Thriller mit Dennis Quaid 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Berlin – Film: „Cold War“

Ich war am 10.01.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Cold War“ (dt. Filmtitel: „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“, dt. Kinostart: 22.11.18)  89 min  drama

dir. Pawel Pawlikowski  cast: Joanna Kulig, Tomasz Kot, Borys Szyc, Agata Kuleza, Jeanne Balibar

 

Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Polen. Im Auftrag des sozialistisches Regimes soll ein Folklore-Ensemble zusammengestellt werden. Dafür reisen der Komponist Wiktor (Tomasz Kot), die Gesangslehrerin Irena (Agata Kulesza) und der Parteifunktionär Kaczmarek (Borys Szyc) in die Provinz und suchen nach polnischem Liedgut, Volkstänzen und Bewerbern für das Ensemble. Bei einem Gesangswettbewerb verguckt sich Wiktor (Tomasz Kot) in die attraktive Sängerin Zula (Joanna Kulig). Zula wird unter den Bewerbern für das Ensemble ausgewählt. Aus Wiktor und Zula wird ein heimliches Liebespaar, bis sie ihm eines Tages etwas gesteht…

 

A- (Wertung von A bis F) „Cold War“ ist der neue Film des polnischen Filmemacher Pawel Pawlikowski. Für seinen Film „Ida“ hat der den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen. Dieses Liebesdrama zur Zeit des Kalten Krieges wurde von der Beziehung von Pawlikowskis Eltern inspiriert, der Regisseur hat den Film seinen, inzwischen verstorbenen Eltern gewidmet.

Unweigerlich hat mich dieser exzellent fotografierte Schwarz-Weiß-Film in seinen Bann gezogen. Zunächst war es der attraktive Wiktor, dann dieses rebellische Mädchen und schließlich ihre Geschichte. „Cold War“ spielt – wie der Filmtitel vermuten lässt – zur Zeit des Kalten Krieges und erzählt über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren eine ergreifende (Liebes-) Geschichte. Ein Liebespaar aus einem sozialistischen Land, das von einer gemeinsamen und besseren Zukunft im Westen träumt. Sie hat nicht genug Selbstvertrauen in sich und ihre Liebe, das Paar wird getrennt und das ist natürlich noch nicht das Ende der Geschichte. 

Bilder, Szenen, aber auch die Stimmung des Films sind etwas, was ich so schnell nicht vergesse. „Cold War“ ist ein schnörkelloser Film, den ich mir mit Leichtigkeit wieder ins Gedächtnis zurückrufen kann. Mit dem Filmende war ich allerdings nur so mittelzufrieden. 

„Cold War“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018.

„Cold War“ hat im Jahr 2018 fünf European Film Awards gewonnen (Bester europäischer Film, Bester europäischer Regisseur, Beste europäische Schauspielerin, Joanna Kulig, Bester europäischer Drehbuchautor und Bester europäischer Schnitt. Der Film wurde für Polen als Kandidat in der Kategorie bester fremdsprachiger Film für die Oscars eingereicht. Der Film wurde für drei Oscars (Beste Regie, Beste Kamera und Bester nicht-englischsprachiger Film) nominiert.  

„Cold War“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2018 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat Pawel Pawlikowski den Regiepreis gewonnen. Der Film ist am 21.12.18 in drei amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 217 Kinos landesweit.  Der Film läuft unter dem Filmtitel: „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ seit dem 22.11.18 in den deutschen Kinos. Ich habe den Film in Deutschland gesehen. In dem Kino meiner Wahl lief der Film leider nur in der Synchronisation. Teile des Films sind in Französisch und Italienisch mit deutschen Untertiteln. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Capernaum„

Bewertung des Trailers: B- (Trailer in der Synchro) 

Kommentar: libanesischer Film, der als bester nicht-englischsprachiger Film für den Oscar nominiert wurde

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Yuli„

Bewertung des Trailers: C (Trailer in der Synchro) 

Kommentar: Film über den kubanischen Ballet-Star Carlos Acosta

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0% 


Trailer v. Film: „Beautiful Boy„

Bewertung des Trailers: C+ (Trailer in der Synchro) 

osKommentar: Familiendrama

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen


Trailer v. Film: „On the Basis of Sex„

Bewertung des Trailers: B- (Trailer in der Synchro) 

Kommentar: Biopic über RBG mit Felicity Jones in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Netflix – TV-Serie: „Russian Doll“

Ich habe mir folgende Netflix-Serie angeschaut:

 

„Russian Doll“  (dt. Serientitel: „Matrjoschka“, seit dem 1.2.19 auf Netflix zu sehen)  8 x approx. 25 min  comedy, drama  

dir. Leslye Headland, Jamie Babbit, Natasha Lyonne  cast: Natasha Lyonne, Greta Lee, Yul Vazquez, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Rebecca Henderson, Brendan Sexton III, Dascha Polanco, Chloe Sevigny 

 

Nadia (Natasha Lyonne) durchlebt ihren 36. Geburtstag immer und immer wieder. Hat sie ein Déjà-vu oder hat es vielleicht etwas mit dem Israeli Joint zutun, den ihr ihre Freundin Maxine (Greta Lee) gegeben hat? Nadia steckt irgendwie in einer endlosen Zeitschleife fest. Sie muss herausfinden, warum und wie sie da wieder herauskommt…

 

B (Wertung von A bis F) Die Serienschöpfer von „Russian Doll“ sind drei amerikanische Frauen: die Comedian, Schauspielerin und Synchronsprecherin Amy Poehler („Saturday Night Live“, TV-Serie „Parks and Recreation“ Baby Mama, Inside Out), die Schauspielerin Natasha Lyonne (TV-Serie „Orange is the New Black“) und die Dramaturgin, Autorin und Regisseurin Leslye Headland. Natasha Lyonne spielt in dieser Serie auch die Hauptrolle. 

Optisch zählt die Protagonistin Nadia zu den Frauen, die mir gar nicht liegen. Sobald sie jedoch den Mund aufmachte, habe ich die schlagfertige, gerne schlecht gelaunte und zynische New Yorkerin direkt in mein Herz geschlossen. Nadia ist nun auf ihrer Geburtstagsfeier, stirbt irgendwann und landet wieder auf ihrer eigenen Geburtstagsparty, undsoweiterundsoweiter. Wie sie versucht, dem Ganzen einen Sinn abzugewinnen ist wirklich amüsant, anzuschauen. Mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten. Es lohnt sich aber definitiv, mal einen Blick zu riskieren, eine Episode ist auch nur knapp eine halbe Stunde lang. Insgesamt ist die die TV-Serie nur rund vier Stunden lang. 

„Russian Doll“ ist sehr „New York“ (genauer East Village) und repräsentiert vieles, was ich an der Stadt und ihren Bewohnern so liebe. Die Serie lebt natürlich durch ihre Protagonistin Nadia. Um Nadia in ihrer ganzen Blüte zu erleben, bleibt einem jedoch nichts anderes übrig, als die Kurz-Serie in der Originalfassung (damit man nichts der teils brillanten Dialogen verpasst, vielleicht mit englischen Untertiteln) zu sehen. Ich habe einige Male lauthals lachen müssen, fand den Soundtrack cool und die gesamte Staffel wirklich kurzweilig. 

Gegen Ende (gerade mit der siebenten Episode „The Way Out“) schwächelt „Russian Doll“ etwas, das Staffelende fand ich dann auch nur mittel. 

Meine Lieblingsepisode: Definitiv Episode 3 („A Warm Body“), die habe ich mir auch mehrmals angeschaut. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen: 

Nadia ist New Yorkerin und entwickelt Videospiele. Gerade ist sie 36 Jahre alt geworden. Ihre beste Freundin Maxine (gespielt von Greta Lee) hat ihr eine Geburtstagsparty organisiert. Nadias Katze Oatmeal ist seit drei Tagen verschwunden. Naja und dann stirbt sie und erlebt ihren Geburtstag wieder und wieder…Gespielt wird Nadia von der amerikanischen Schauspielerin Natasha Lyonne. Sie hat in den „American Pie“-Filmen mitgespielt, richtig bekannt wurde sie jedoch durch ihre Rolle in der TV-Serie „Orange is the New Black“. Für ihre Performance in dieser Serie wurde sie auch für einen Emmy nominiert.

Alan wollte eigentlich seiner Freundin Beatrice (gespielt von Dascha Polanco) einen Heiratsantrag machen, es kommt aber alles anders. Eines Tages trifft er auf Nadia. Gespielt wird Alan von dem amerikanischen Schauspieler Charlie Barnett. Mir kam er bekannt vor, vermutlich habe ich ihn in der nicht so guten Serie „Secrets and Lies“ registriert. Die anderen TV-Serien in denen er mitspielte „Chicago Fire“ und „Valor“ habe ich nicht gesehen. Charlie Barnett hat sogar mal in einer Episode von „Orange is the New Black“ mitgespielt. 

Maxine ist einer der besten Freundinnen von Nadia (gespielt von Natasha Lyonne). Max ist mein zweitliebster Charakter der Serie. Gespielt wird Maxine von der koreanisch-amerikanischen Schauspielerin Greta Lee. Sie kam mir auch bekannt vor. Sie hat beispielsweise in den TV-Serien Nurse Jackie und „Wayward Pines“ mitgespielt. 

John ist Nadias Ex-Freund. Gespielt wird John von dem kubanisch-amerikanischen Schauspieler Yul Vazquez. Er hat in vielen Kinoprojekten („American Gangster“, „Che: Part One & Two“, Captain Phillips, Kill the Messenger, Glass Chin, Last Flag Flying) mitgespielt. Auch hatte er eine größere Rolle in der HBO-Serie „Divorce“. 

Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Russian Doll“ für 13 Emmys nominiert (darunter Comedy Series, Lead Actress in a Comedy Series (Natasha Lyonne).Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen.

„Russian Doll“ läuft in Deutschland auch unter dem Titel „Matrjoschka“ und ist seit dem 1.2.19 auf Netflix zu streamen. Eine zweite Staffel ist bereits im Gespräch. 

Trailer zu sehen: 

 

Netflix – Serie: „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“  (dt. Doku-Titel: „Ted Bundy – Selbstporträt eines Serienmörders“, seit dem 24.01.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 55 min   documentary

dir. Joe Berlinger  cast: Stephen Michaud, Hugh Aynesworth, Bob Keppel, Ted Bundy

 

Vor dreißig Jahren, am 24.01.1989, wurde der berüchtigte Serienmörder Ted Bundy hingerichtet. Er gestand, mehr als dreißig Frauen getötet zu haben. Wahrscheinlich gehen aber weit mehr Morde auf sein Konto… 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“ ist eine vierteilige Doku-Serie. Bei diesem Streaming-Format hat der amerikanische Filmemacher Joe Berlinger („Paradise Lost“-Trilogie, „Metallica: Some Kind of Monster“), Regie geführt. Der Regisseur hat Ted Bundy sowohl diese Doku-Serie als auch den Spielfilm „Extremely Wicked, Shocking Evil and Vile“ gewidmet. Dieser wurde jetzt erstmalig auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival vorgestellt und soll voraussichtlich noch dieses Jahr in die Kinos kommen. 

Ich liebe True Crime-Formate ob in Podcast-, Doku oder Spielfilmform (The Jinx,  „Making a Murderer“, The Imposter, Foxcatcher, O.J.: Made in America, The People v. O. J. Simpson, The Assassination of Gianni Versace usw…), außerdem mag ich generell Serienmörder-Stories, demzufolge habe ich natürlich direkt auf „Play“ gedrückt, als die vierteilige Doku-Serie über Ted Bundy bei Netflix veröffentlicht wurde. 

Ted Bundy war gut aussehend, charmant, gebildet, redegewandt, hatte ein abgeschlossenes Psychologie-Studium, begann sein Jura-Studium, hat nebenbei Wahlkampf für einen republikanischen Politiker gemacht, hatte Freundinnen mit denen er normale Beziehungen führte – was hat diesen Mann dazu veranlasst, so viele Frauen zu töten? 

Im Jahr 1980 versuchten die beiden Journalisten Stephen Michaud und Hugh Aynesworth der rätselhaften Persönlichkeit von Ted Bundy auf die Spur zu gehen. Zu dem Zeitpunkt der Interviews war er bereits ein verurteilter Serienmörder und saß in der Todeszelle. Er wollte Journalisten seine Geschichte erzählen und irgendwie erreichen, dass sein Fall neu aufgerollt wird. Über einen Zeitraum von sechs Monaten haben die Journalisten mit dem berüchtigten Serienmörder gesprochen, dabei entstanden rund 100 Stunden Interview-Material auf ca. 75-80 Kassetten. 

Dieser Doku-Mehrteiler führt einen in die U.S.A. der 1970er Jahre. Seinerzeit gab es erstmalig das Phänomen der Serienmörder (Charles Manson, Son of Sam, The Hillside Strangler, John Wayne-Gacy, etc.). Im Jahr 1974 verschwanden auf einmal, zunächst im Bundesstaat Washington, viele junge Frauen. Der Ted Bundy-Fall bringt einen zwangsläufig auch zu den Anfängen des Profilings des (neuen) FBIs (hierzu kann ich nur die brillante Neflix-Serie Mindhunter empfehlen). Die Kriminaltechnik und die Technik im Allgemeinen waren logischerweise noch nicht auf dem Stand von Heute. Eine DNA-Analyse gab es noch nicht und die Ermittlungsteams der Polizei  in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten waren auch noch nicht untereinander vernetzt. Dadurch konnte Ted Bundy über einen längeren Zeitraum in mindestens fünf verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten über 30 Frauen töten. Relativ am Anfang seiner Mordserie galt er sogar mal als Hauptverdächtiger, musste aber wieder freigelassen werden, da es einfach schwer war, ihm Taten nachzuweisen. Ins Visier der Gesetzeshüter kam er (jedes Mal) durch eine simple Verkehrskontrolle. Bundy war einer der ersten Serienmörder, der später, als er in der Todeszelle saß, mit dem FBI zusammenarbeitete und Täterprofile für Serienmörder erstellte. 

Ich finde den deutschen Titel dieser Doku-Reihe etwas irreführend. Ted Bundy war sicherlich ein Narzisst und hätte die Aufmerksamkeit geliebt, die ihm diese Dokumentation entgegenbringt. Es ist aber kein Selbstporträt dieses Serienmörders. Dieser Doku-Mehrteiler geht der Frage nach, was Ted Bundy für eine Persönlichkeit war, zeichnet seinen Lebenslauf (und seine gestandenen Morde) chronologisch nach. Ich fand es verstörend, aber auch wahnsinnig faszinierend, Ted Bundy in den Film- und Audioaufnahmen zu sehen und seine Stimme zu hören. Es kommen aber auch viele andere zu Wort, beispielsweise die beiden Journalisten, die ihn interviewten, viele Weggefährten von Ted Bundy, sowie die damals ermittelnden Polizisten, sein Psychologe, sein Verteidiger, selbst seine Mutter, seine Ex-Freundin Elizabeth Kloepfer und sogar eines seiner Opfer, die ihm entkommen konnte. Die Dokumentation arbeitet viel mit Archivfotos und Original Audio- und Filmaufnahmen, von denen man sich letztendlich selbst ein Bild von diesem berüchtigten Serienmörder machen kann. 

Schockiert hat mich, was Ted Bundy in der amerikanischen Gesellschaft bewirkt hat. Von Frauen, die den vor Gericht stehenden Serienmörder anhimmelten bis hin zu den Amerikanern, die sich vor dem Gefängnis versammelten und seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl wie ein Volksfest feierten. Sein Prozess in Florida war die erste Gerichtsverhandlung, die live im Fernsehen übertragen wurde. Das hat einen bis dahin nie da gewesenen Medienrummel ausgelöst. 

„Conversations with a Killer: The Ted Bundy Tapes“ ist seit dem 24.01.19 auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

Netflix – Film: „Outside In“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Outside In“ (in Deutschland auf Netflix zu sehen)   109 min   drama 

dir. Lynn Shelton  cast: Jay Duplass, Edie Falco, Kaitlyn Dever, Ben Schwartz

 

Chris (Jay Duplass) wurde nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Einen großen Anteil an seiner Entlassung hat seine ehemalige High School-Lehrerin Carol (Edie Falco). Über viele Jahre hat sie sich für Chris eingesetzt und auch intensiven Kontakt zu ihm gehalten. Für den 38-jährigen Chris ist sie jetzt die einzige Bezugsperson, nur ist Carol verheiratet und hat mit Hildy (Kaitlin Deve) eine Teenager-Tochter… 

 

A- (Wertung von A bis F) „Outside In“ ist der neue Film der amerikanischen Filmemacherin Lynn Shelton („Touchy Feely“, Your Sister´s Sister).

Seit ich drei Monaten zuvor Sunday´s Illness auf Netflix entdeckte, habe ich immer wieder geschaut, eine ähnliche Indie-Perle zu entdecken. Mit diesem Film habe ich sie gefunden.

„Outside In“ ist ein Drama, das von seinen beiden authentischen Charakteren lebt. Chris ist nach zwanzig Jahren endlich aus dem Gefängnis entlassen worden, saß wohl zu Unrecht, jetzt darf er nicht gegen die Bewährungsauflagen verstossen. Zunächst kommt er bei seinem Bruder unter, er sehnt sich aber nach einem einfachen, normalen Leben in dieser, für ihn veränderten Welt. Einen Job findet er nicht so einfach, entsprechend hat er viel Zeit und sucht den Kontakt zu seiner ehemaligen Lehrerin, einer um einiges älteren Frau, die über die ganzen Jahre auch seine Bezugsperson im Gefängnis war. Der 38-jährige Chris hat etwas so sympathisches und schützenswertes. Als Zuschauer ist man die ganze Zeit bei ihm, hat aber – zumindest trifft es für mich zu – das Gefühl, man begleitet ein Hundebaby, bei dem man ständig Angst hat, dass er nicht auf dumme Ideen kommt bzw. andere Leute könnten ihn vom rechten Weg abbringen. 

Jay Duplass und Edie Falco sind so „echt“, wie ich es mir immer von Schauspielern wünsche. Andere Akteure kann ich mir in diesen beiden Rollen nicht vorstellen. „Outside In“ ist ein Beispiel für exzellentes American Independent Cinema. Es sind oftmals die kleinen Filme, die wirklich überraschen und berühren können. 

„Outside In“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2018. (Anmerkung: Mein Beitrag zu diesem Film kommt sehr verspätet, genauer gesagt, Monate nachdem ich den Film erstmalig gesehen habe).

„Outside In“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film ist am 30.03.18 in neun amerikanischen Kinos gestartet. Er war in nicht mehr als 16 Kinos landesweit zu sehen. Aktuell läuft er immer noch bei Netflix, auch in Deutschland. 

Trailer zu sehen:

D. C. – Film: „If Beale Street Could Talk“

Ich war am 7.1.19 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„If Beale Street Could Talk“  (dt. Filmtitel: „Beale Street“, dt. Kinostart: 07.03.19) 119 min drama, adaptation

dir. Barry Jenkins  cast: KIKI Layne, Stephen James, Regina King, Colman Domingo, Teyonah Parris, Brian Tyree Henry, Fin Wittrock, Diego Luna, Dave Franco

 

In den 1970er Jahren in New York. Die 19-jährige Tish (KiKi Layne) ist schwanger, Vater ist der 22-jährige Fonny (Stephan James). Tish muss ihr Baby unehelich auf die Welt bringen, ihr Freund sitzt nämlich im Gefängnis. Unschuldig, aber beweisen kann er seine Unschuld nicht….

 

B+ (Wertung von A bis F) „If Beale Street Could Talk“ basiert auf James Baldwins gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des afroamerikanischen Filmemachers Barry Jenkins (Moonlight).

Barry Jenkins erzählt in seinem unaufdringlichen und sehr poetischen Film eine Liebesgeschichte und rechnet zugleich mit dem amerikanischen Justizsystem ab. 

Tish und Fonny kennen sich seit frühester Kindheit, irgendwann verlieben sich die Teenager ineinander, sie wollen zusammenziehen, dann kommt es zu einem Zwischenfall und Fonny wird kurz darauf verhaftet. Er wird verdächtigt, eine Frau vergewaltigt zu haben. Obwohl Fonny ein Alibi hat und unschuldig ist, landet er im Gefängnis. 

Der Filmemacher hat hier eine nicht-lineare Erzählweise gewählt und nimmt sich viel Zeit für seine Charaktere und die Geschichte.

Der Film thematisiert Polizeigewalt gegen Schwarze und Rassismus im Justizsystem. „If Beale Streat Could Talk“ spielt in den 1970er Jahren, aber noch heute kommt es in den U.S.A. zu Masseninhaftierungen von Dunkelhäutigen, die  – wenn sie ihre Unschuld nicht beweisen können –  sich auf einen Deal einlassen, um nicht noch länger ins Gefängnis zu wandern. 

Mich hat der Film leider nicht so berührt, wie ich es gerne gehabt hätte. Die Hauptdarstellerin (KiKi Layne) ist zwar bildhübsch, ihr mangelt es aber an Charisma und auch etwas an schauspielerischem Talent. Vordergründig ist mir bei diesem Film die Bildsprache und die Filmmusik als besonders schön in Erinnerung. Dass am letzten Dienstag „If Beale Street Could Talk“ nicht mit einer Oscar-Nominierung für die Beste Kamera bedacht wurde, kann man eindeutig als Fehlentscheidung bezeichnen. Roma, „Cold War“ und „If Beale Street Could Talk“ sind die drei am kunstvollsten fotografierten Filme dieser Oscar-Saison.  

„If Beale Street Could Talk“ wurde für drei Oscars (Beste Nebendarstellerin Regina King, Bestes adaptiertes Drehbuch und Beste Filmmusik) nominiert. Update: „If Beale Street Could Talk“ hat einen Oscar (Beste Nebendarstellerin – Regina King) gewonnen. 

„If Beale Street Could Talk“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 14.12.18 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 11.01.19 läuft er landesweit in 1,018 Kinos in den U.S.A. In Deutschland wird der Film unter dem Titel „Beale Street“ am 07.03.19 in den Kinos starten.

Trailer zu sehen: 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Mapplethorpe„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Biopic über den New Yorker Fotografen Robert Mapplethorpe

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Cold War„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Pawel Pawlikowskis neuer Film, einer meiner Top Ten-Filme

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen


Trailer v. Film: „Everybody Knows„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Asghar Farhadis neuer Film mit Penelope Cruz und Javier Bardem. Wenn der Film bloß so gut wäre wie der Trailer. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem Münchner Film Fest gesehen


Trailer v. Film: „Destroyer„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Karyn Kusamas neuer Film mit Nicole Kidman. Leider unerträglich

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

 

TV-Serie: „Sharp Objects“

Ich habe mir folgenden HBO-Mehrteiler angeschaut:

 

„Sharp Objects“ (in D. seit dem 31.08.18 episodenweise über VOD-Portale zu sehen, ab dem 26.10.18 die komplette Miniserie)  8 x approx. 55 min  drama, crime 

dir. Jean-Marc Vallée  cast: Amy Adams, Patricia Clarkson, Chris Messina, Elizabeth Perkins, Eliza Scanlen, Miguel Sandoval

 

Camille Preaker (Amy Adams) lebt in St. Louis, Missouri. Sie arbeitet als Zeitungsreporterin und wurde erst kürzlich aus der Psychiatrie entlassen. Camille ist alkoholkrank und leidet unter einem suchtartigen Ritzverhalten. Der Grund dafür dürfte in ihrer Kindheit liegen. Jetzt kehrt sie erstmalig nach längerer Zeit in ihre Heimatstadt Wind Gap, Missouri zurück. Ihr Chefredakteur (Miguel Sandoval) hat sie beauftragt, eine Story über einen Mordfall in ihrer alten Heimat zu schreiben. Im letzten Sommer wurde in der Kleinstadt ein 13-jähriges Mädchen getötet. Jetzt wird eine 14-Jährige vermisst. Camille hat den Auftrag nur widerwillig angenommen. Zu ihrer Mutter Adora (Patricia Clarkson), einer wohlhabenden Unternehmerin in dem Kaff, hat sie nicht gerade ein herzliches Verhältnis. Dafür bekommt sie jedoch die Gelegenheit, ihre 13-jährige Halbschwester Amma (Eliza Scanlen) näher kennenzulernen… 

 

C+ (Wertung von A bis F) „Sharp Objects“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn („Gone Girl“). Dies war der Debütroman der Bestsellerautorin. Serienschöpferin ist die amerikanische Drehbuchautorin und Fernsehproduzentin Marti Noxon („Buffy the Vampire Slayer“, „UnREAL“). Bei allen Episoden dieses Mehrteiler hat der kanadische Filmemacher Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club, Wild, TV-Serie „Big Little Lies“) Regie geführt. 

 „Sharp Objects“ ist eine atmosphärische Südstaaten-Serie, bei der ich mir, aufgrund der Talente, die an diesem Projekt beteiligt sind, wesentlich mehr versprochen habe. 

Um eines gleich vorweg zu nehmen, hier war mir, im Gegensatz zu Gillian Flynns „Gone Girl“, die Romanvorlage nicht bekannt. Dieser achtteilige Mehrteiler wirkt gestreckt, stellenweise sehr zäh und lebt von Rückblenden. Die Geschichte hätte man auch in der Hälfte der Zeit erzählen können. „Sharp Objects“ würde ich als Charakterdrama definieren, bei dem die Mordermittlungen den Handlungsrahmen bilden. Ähnlich wie bei der Mini-Serie Patrick Melrose, die ich kürzlich sah, fehlt mir auch hier ein Sympathieträger. In diesem fiktiven Südstaaten-Kaff scheinen sich die Leute auch fürchterlich zu langweilen, mit ihrem Leben nicht klarzukommen und dann auf dumme Gedanken zu kommen. Durch die Bank sind alle Frauencharaktere mindestens psychisch angeschlagen, wenn nicht sogar krank, schlucken Hochprozentiges, nehmen Drogen und auch ist für die eine oder andere Lady aus Wind Gap das Thema Sex belastend kompliziert.

Manchmal wirkt das Gezeigte wie aus einem anderen Jahrzehnt. Vielleicht ist man schon übersensibilisiert, aber die schwarze Haushälterin die bei der wohlhabenden, weißen Dame in dem stattlichen Herrenhaus arbeitet, wirkt in der heutigen Zeit deplatziert. Dann in Episode 5 („Closer“) diese eigenartige Tradition des Calhoun Days, einem Südstaaten-Feiertag (der in der Realität nicht existiert) mit einem, für heutige Verhältnisse thematisch haarsträubenden Theaterstück im Zentrum. Aber auch sonst könnte der Mehrteiler manchmal in einem anderen Jahrzehnt angesiedelt sein, wenn man die drei Mädchen nimmt, die permanent auf Rollschuhen (nicht Rollerblades bzw. Inliners) fahren oder die, nicht nur anlässlich dieser seltsamen Feierlichkeit, manchmal aus der Zeit gefallenen Garderobe.

Es gibt natürlich bei jeder Serie immer etwas was einem gefällt. Hier konnte mich die Erzählung nicht wirklich überzeugen, dafür aber die atmosphärische Inszenierung. Ich hatte irgendwann förmlich das Gefühl, jeden Winkel dieses fiktiven Kaffs Wind Gap zu kennen, die Wärme zu spüren, den Whiskey zu riechen. Adoras herrschaftliches Anwesen entspricht ziemlich genau meiner Vorstellung von einer perfekten Südstaaten-Residenz. Als das Herrenhaus in den letzten beiden Episoden („Falling“ und „Milk“) auch noch traumhaft ausgeleuchtet wurde, verspürte ich direkt das Bedürfnis, meinen Koffer zu packen und durch die amerikanischen Südstaaten zu reisen. Auch wenn ich dabei dieses pittoreske, viktorianische Herrenhaus vergeblich suchen würde, steht es doch, so habe ich herausgefunden, in Redwood Valley, Kalifornien. Selbstverständlich mochte ich auch die Besetzung. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich enge Familienangehörige in Filmen und Serien optisch ähneln. Patricia Clarkson und Amy Adams und Eliza Scanlen könnten tatsächlich verwandt sein, auch passt Sophia Lillis als Teenager-Ausgabe von Amy Adams Charakter Camille perfekt. 

Im Verlauf der Geschichte gibt es einige Tatverdächtige, was die gänzliche Auflösung der Kriminalfälle angeht, muss man sich tatsächlich gedulden bis der Abspann der finalen Episode („Milk“) zu Ende ist. Und daraus könnte man dann natürlich weitere Geschichten spinnen.

Für die acht Episoden der Serie gibt es keine eigene Filmmusik, hier handelt es sich um einen diegetischen Soundtrack, Es gibt über 150 Musikstücke, die passend zu den Charakteren gewählt wurden. Es soll vermittelt werden, als hätten sie die Musik selbst ausgewählt und auf den CD-Playern, iPods, Plattenspielern, Kassettenrekordern, etc. abgespielt.

Lieblingsszene: keine spezielle, aber ich mochte alle Szenen zwischen Amy Adams Camille und Chris Messinas Detective Richard Willis, aber auch die Szenen mit Camille und John Keene (gespielt von Taylor John Smith) 

Lieblingsfolge: keine 

Für mich blieben am Ende ein paar Fragen offen (SPOILER-Warnung, auch wenn ich mich sehr vage halte: 

  • Camille ist auch auf dem Rücken geritzt, wie soll sie sich diese Verletzungen selbst beigebracht haben?
  • Wer ist Camilles Vater? (ihr Chefredakteur ist eine Art Vaterfigur und auch hier fehlt mir etwas Erklärung, wie sich das entwickelt hat) 
  • Was ist das eigentliche Motiv des Mörders (siehe hierzu unbedingt den Abspann der finalen Episode) 
  • Es gibt hier einen Mann (den ich nicht näher benennen möchte), der etwas wissen muss, aber was genau? Was genau spielt er für eine Rolle in den Kriminalfällen?

SPOILER-Warnung zu Ende

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Camille ist in Wind Gap geboren und aufgewachsen. Sie ist die Tochter von Adora (gespielt von Patricia Clarkson), Camilles Vater ist (dem Zuschauer) nicht bekannt. Sie hat mit Alan (gespielt von Henry Czerny) einen Stiefvater und mit Amma (gespielt von Eliza Scanlen) eine 13-jährige Halbschwester. Ihre andere jüngere Halbschwester, Marian, ist gestorben, als Camille selbst noch ein Teenager war. Camille leidet unter ihre kaltherzigen Mutter und hat kaum Kontakt zu ihr. Heute arbeitet Camille als Kriminalreporterin in St. Louis, ihr Chefredakteur schickt sie in ihre Heimatstadt, um einen Artikel über einen Mordfall an einer Teenagerin und das Verschwinden einer weiteren Teenagerin in Wind Gap zu schreiben. Camille ist alkoholkrank und ihr Körper ist übersäht von Narben, die sie sich durchs Ritzen selbst beigebracht hat. Der Grund für ihr Verhalten liegt in ihrer Kindheit. Sie war deswegen auch bereits in der Psychiatrie. Gespielt wird Camille von der wunderbaren amerikanischen Schauspielerin Amy Adams. Ihr Spielfilmdebüt gab die sympathische Schauspielerin im Jahr 1999 in dem Film „Drop Dead Gorgeous“. Allgemein bekannt wurde sie durch die Disney-Musical-RomCom „Enchanted“. Neulich habe ich sie erst wieder mal neben Leonardo DiCaprio in Spielbergs „Catch Me If You Can“ gesehen. Für „Junebug“, Doubt, The Fighter, The Master und American Hustle hat sie jeweils eine Oscar-Nominierung erhalten. Für ihre Performance in „Sharp Objects“ ist sie für eine Emmy-Nominierung im nächsten Jahr (2019) im Gespräch. 

Adora ist die Mutter von Camille (gespielt von Amy Adams). Die beiden haben kein gutes Verhältnis. Sie ist eine angesehene Unternehmerin in Wind Gap und sehr wohlhabend. Adora ist mit Alan (gespielt von Henry Czerny) verheiratet, sie haben zusammen die 13-Jährige Amma (gespielt von Eliza Scanlen) und auch die verstorbene Marian war ihre gemeinsame Tochter. Gespielt wird Adora von der amerikanischen Schauspielerin Patricia Clarkson. Ihr Spielfilmdebüt gab sie in Brian De Palmas „The Untouchables“. Seither hat sie in unzähligen Spielfilmen („The Green Mile“, „Far from Heaven“, „The Station Agent“, „Good Night, and Good Luck“) mitgespielt. Außerdem hat sie in einigen TV-Formaten („Murder One“, „Frasier“) mitgewirkt. Für ihre Performance in „Pieces of April“ wurde sie für den Oscar nominiert, einen Emmy hat sie für ihre Gastrolle in der TV-Serie „Six Feet Under“ gewonnen. Außerdem hat sie eine Tony-Nominierung für ihre Performance in dem Bühnenstück „The Elephant Man“ erhalten. 

Amma ist die 13-jährige Halbschwester von Camille (gespielt von Amy Adams) und Tochter von Adora (gespielt von Patricia Clarkson). Sie gibt ihrer Mutter gegenüber vor, die anständige, brave Tochter zu sein, kleidet und gibt sich jedoch außerhalb des Hauses ganz anders. Sie hängt ständig mit ihren beiden Freundinnen Kelsey und Jodes (gespielt von den Geschwistern Violet Brinson und April Brinson) rum, meist ist das Dreiergespann auf Rollschuhen unterwegs. Amma wird von der australischen Schauspielerin Eliza Scanlan gespielt. Sie hatte in einer australischen Soap Opera mitgespielt, „Sharp Objects“ ist aber ihr erster Auftritt in einer amerikanischen Produktion. 

Detective Richard Willis unterstützt den örtlichen Polizeichef von Wind Gap, Bill Vickery (gespielt von Matt Craven) bei der Aufklärung des Mordes an der 13-jährigen Teenagerin. Richard kommt aus Kansas City und von Camille (gespielt von Amy Adams) erhofft er sich paar Insider-Informationen über die Kleinstadt und ihre Bewohner. Richard ist für mich der einzige in der Serie mit dem man sich als Zuschauer irgendwo identifizieren kann. Gespielt wird Richard Willis von dem amerikanischen Schauspieler Chris Messina. Er ist aus zahlreichen TV-Serien („Six Feet Under“, „Damages“, „The Newsroom“und Filmen (Ruby Sparks, Argo, Live by Night) bekannt. Amy Adams und Chris Messina haben bereits in Julie & Julia miteinander vor der Kamera gestanden.

„Sharp Objects“ ist im Gespräch für einige Emmy-Nominierungen (allerdings – aufgrund der späten Ausstrahlung im Juli/August 2018 – erst für das kommende Jahr (2019), darunter Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actress in a Limited Series (Amy Adams), Outstanding Supporting Actress in a Limited Series (Patricia Clarkson, Eliza Scanlen) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Sharp Objects“ für 8 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actress in a Limited Series (Amy Adams), Supporting Actress in a Limited Series (Patricia Clarkson)  Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„Sharp Objects“ wurde v. 8.7.18 – 26.8.18 erstmalig auf HBO ausgestrahlt. In Deutschland wurde der Mehrteiler parallel zur US-Austrahlung bei Sky zur Verfügung gestellt. Seit dem 31.08.18 ist „Sharp Objects“ episodenweise und im Wochenrhythmus bei folgenden Anbietern als digitaler Download, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache, verfügbar: Amazon, Deutsche Telekom, Google Play, iTunes, Maxdome, Sony Playstation und Xbox. Die komplette Miniserie wird am 26. Oktober 2018 verfügbar sein.

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