Oscar-Gewinner 2018, meine Wette


Heute ist der 03.03.18, ein Tag vor den 90th Academy Awards. Wie üblich meine letzten Worte und meine Prognose für alle 24 Kategorien. Mein Kumpel hat bereits meine Mail erhalten, also kann ich meine Meinung nicht mehr ändern…

Ich beschäftige mich schon seit so vielen Jahren mit den Oscars, aber ein Jahr wie dieses, habe ich noch nicht erlebt. Wie jedes Jahr nach einer langen Saison bin ich jetzt auch Oscar-müde und froh, dass Sonntag Nacht alles vorbei ist.

Letztes Jahr habe ich, auch wenn so vieles dagegensprach an dieser Stelle auf „Moonlight“ getippt, das Jahr zuvor habe ich, ebenfalls entgegen der Expertenmeinungen an dieser Stelle auf „Spotlight“ getippt. Dieses Jahr haben sich die Meinungen der professionellen Oscar-Experten in der letzten Woche noch mal gravierend geändert. Die Profis sind dieses Jahr erfreulicherweise auch völlig ratlos. Lange haben fast alle auf „The Shape of Water“ als Gewinner-Film getippt. Seit den BAFTAs gehen mittlerweile die meisten davon aus, dass „Three Billboards Outside Ebbing Missouri“ gewinnt, es gibt aber noch genug, die bei „The Shape of Water“ blieben und ein paar gehen davon aus, dass „Get Out“ der Oscar-Gewinner-Film ist. Ich habe sogar einen gefunden, der von „Lady Bird“ ausgeht.

Ich hatte in meiner Analyse zum dem Oscar-Gewinnerfilm 2018 bereits ausführlich geschrieben, dass es für jeden der neun nominierten Filme einige Für und Wider für den Oscar-Gewinn gibt.

In  meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2018 (vom September 2017)  habe ich auf „Three Billboards“ getippt, habe an dem Film bis zu den Oscar-Nominierungen festgehalten. Dann wurde der Film jedoch nicht in der wichtigen Kategorie Beste Regie nominiert und ich musste davon Abstand nehmen. Als der Film zwei BAFTAs (Bester Film und Bester britischer Film) gewann, war er wieder mein Favorit. Würde der Oscar für den besten Film durch eine Mehrheitswahl entschieden, würde „Three Billboards“ sicher gewinnen. Nun gibt es hier aber das etwas komplizierte preferential voting system. Bei den neun nominierten Filmen kann man hundertprozentig davon ausgehen, dass keiner dieser Filme in der ersten Runde auf über 50% aller Stimmen kommt. Für das jetzt richtig zum Zuge kommende Wahlsystem müsste man wissen, wie die in den letzten Jahr extrem verjüngte Gruppe der Academy-Mitglieder tickt und welche Filme sie präferieren. Weiss aber keiner und die Vorhersage welcher Film den Oscar gewinnt, wird immer schwieriger. Insbesondere in einer Oscar-Saison, in der es keinen Favoriten gab und gibt.

Es scheint, dass die Nicht-Amerikaner und die Schauspieler (die die größte Gruppe innerhalb von AMPAS bilden) „Three Billboards“ favorisieren. Der Film hat den Publikumspreis der Toronto International Filmfestival gewonnen, er hat einen Doppel-Gewinn bei den BAFTAs abgeräumt und den SAG Ensemble Award gewonnen, selbst den Preis der Auslandspresse (Golden Globe) hat er eingesackt. „Three Billboards“ ist ein Film eines irischen Filmemachers, der den Amerikanern den Spiegel vorhält und u.a. die Polizeigewalt und den Rassismus gegenüber Afroamerikaner zeigt. So wollen sich die Amerikaner aber nicht sehen. Daher mögen sie den Film nicht. Es gab regelrechte Hass-Kampagnen gegen den Film während der Oscar-Saison.

„Get Out“ hingegen ist ein Film, den die Amerikaner mögen, der zweiterfolgreichste Film an der amerikanischen Kinokasse (der neun nominierten Filme, gleich nach Dunkirk). Er prangert auf raffinierte Weise den Rassismus der gebildeten Gesellschaftsschicht in den U.S.A. an. Es ist letztlich aber auch ein Film, der den liberalen Amerikaner den Spiegel vorhält. Aber es ist ein Film eines afro-amerikanischen Filmemacher und er hat ein positives Ende.

„Three Billboards“ und „Get Out“ sind jetzt zum Schluss meine beiden Favoriten gewesen. „The Shape of Water“, „Dunkirk“ „Call Me By Your Name“ und „Lady Bird“ sehe ich aber in der Endrunde.

Mit einer einzigen Ausnahme in 90 Jahren Oscar-Geschichte gewinnt ein Oscar-Gewinner-Film immer mindestens einen weiteren Oscar. „Grand Hotel“ hat bei den 5th Academy Awards für die Jahre 1931/1932 nur den Oscar für den Besten Film gewonnen (gut, er war auch in keiner weiteren Kategorie nominiert). Das gab es danach nie wieder. Was gewinnt der möglicher Oscar-Gewinner-Film also noch dieses Jahr?

„Three Billboards“ gewinnt sehr wahrscheinlich mindestens einen Schauspielpreis

„Get Out“ könnte das Beste Originaldrehbuch gewinnen

„The Shape of Water“ gewinnt sehr wahrscheinlich Beste Regie und Bestes Szenenbild

„Dunkirk“ könnte die Sound-Kategorien und vielleicht Bester Schnitt für sich entscheiden

„Call Me by Your Name“ gewinnt höchstwahrscheinlich Bestes adaptiertes Drehbuch.

„Lady Bird“ könnte Beste weibliche Nebenrolle und evtl. (aber eigentlich nicht) das Beste Originaldrehbuch gewinnen. Der Film könnte aber auch keinen weiteren Oscar gewinnen und „Grand Hotel“-mäßig Oscar-Geschichte schreiben. Sollte das geschehen, würde AMPAS, glaube ich, das preferential voting system wieder abschaffen.

Es gibt Gerüchte, dass Warren Beatty und Faye Dunaway – nach ihrem Supergau bei den 89th Academy Awards – bei dem sie fälschlicherweise „La La Land“ als Gewinner-Film ausriefen – am Sonntag erneut die Gelegenheit bekommen, den Top-Preis zu präsentieren. Ich habe mich nach langem Hin und Her und Für und Wider für „Get Out“ entschieden und muss gestehen, dass ich am liebsten meine Meinung wieder ändern würde, so wie ich in den letzten Tagen andauernd meine Meinung geändert habe…

Was die Schauspieler angeht, stehen die Favoriten (Gary Oldman, Frances McDormand, Sam Rockwell und Allison Janney) schon lange fest. Alle Vier haben alle wichtigen Preise gewonnen. Ich habe es dennoch nicht über das Herz gebracht, wollte, dass „Lady Bird“ wenigstens einen Preis gewinnt, also habe ich mich für Laurie Metcalf entschieden.

Unabhängig von meiner Wette drücke ich meinen Lieblingen Three Billboards, Get Out, Lady Bird, Coco, The Square, War for the Planet of the Apes und Frances McDormand, Sam Rockwell, Laurie Metcalf,  Gary Oldman UND ganz besonders (mal wieder) Roger Deakins ganz fest die Daumen.

Fun Fact: Alfie, der Sohn von Gary Oldman und Lesley Manville, ist bestimmt fürchterlich aufgeregt, sind doch beide dieses Jahr für den Oscar nominiert.

 

Oscar-Gewinner 2018 – meine Wette:

Best Picture: Sean McKittrick, Jason Blum, Edward H. Hamm Jr. and Jordan Peele (Get Out)
Best Director: Guillermo del Toro (The Shape of Water)
Best Actor: Gary Oldman (Darkest Hour)
Best Actress: Frances McDormand (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri)
Best Supporting Actor: Sam Rockwell (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri)
Best Supporting Actress: Laurie Metcalf (Lady Bird) mein Kumpel: Allison Janney
Original Screenplay: Jordan Peele (Get Out) mein Kumpel: Three Billboards
Best Adapted Screenplay: James Ivory (Call Me By Your Name)
Best Animated Feature: Coco (Pixar)
Best Production Design: Paul Denham Austerberry, Shane Vieau, Jeff Melvin (The Shape of Water)
Best Cinematography: Roger Deakins (Blade Runner 2049)
Best Costume Design: Mark Bridges (Phantom Thread)
Best Editing: Lee Smith (Dunkirk)
Best Makeup and Hairstyling: Kazuhiro Tsjuji, David Malinkowski and Lucy Sibbick (Darkest Hour)
Best Sound Mixing: Gregg Landaker, Gary A. Rizzo and Mark Weingarten (Dunkirk)
Best Sound Editing: Richard King and Alex Gibson (Dunkirk)
Best Visual Effects: Joe Letteri, Daniel Barrett, Dan Lemmon and Joel Whist (War for the Planet of the Apes)
Best Original Score: Alexander Desplat (The Shape of Water)
Best Song: “This is Me“ – Benj Pasek and Justin Paul (The Greatest Showman) mein Kumpel: „Remember Me“ (Coco)
Best Foreign Language Film: Chile (A Fantastic Woman)
Best Documentary Feature: „Faces Places“ – Agnés Varda, JR and Rosalie Varda mein Kumpel: „Icarus“
Best Live Action Short: La DeKalb Elementary – Reed Van Dyk
Best Animated Short: „Garden Party“ – Victor Caire and Gabriel Grapperon mein Kumpel: „Dear Basketball“
Best Documentary Short: „Heroin (e)“ – Elaine McMillion Sheldon and Kerrin Sheldon

 

Dieses Jahr wieder die großartigen Honest Trailer für alle neun Oscar-nominierten Filme:

Jimmy Kimmel wird es richten:

 

2 Gedanken zu “Oscar-Gewinner 2018, meine Wette

  1. Also ich bin sicher, dass 3BB morgen den Hauptpreis absahnen wird. Hab aber auch auf Laurie Metcalf getippt. Könnte mir vorstellen, dass Dunkirk leer ausgeht und Baby Driver die Tonkategorien abräumt. Filmsong glaube ich sogar an Call me by your Name oder eben Remember Me. Roger Deakins wird endlich seinen ersten Oscar gewinnen. Originaldrehbuch hab ich lange geschwankt und dann auf Get Out getippt, weil irgendwas wird der Gewinn und der Gewinn schien mir am plausibelsten. Alles andere als Siege für Frances und Sam und auch für Oldman (auch wenn er nicht so stark war, wie die beiden) würde mich völlig überraschen.

    Gefällt 1 Person

    • Die Statistiken sprechen auch am ehesten für Thee Billboards, mich hat aber zum Schluss abgeschreckt, dass viele den Film eben nicht mögen. Aber gut, man wird sehen, ich würde mich für beide Filme freuen.

      Laurie Metcalf ist eine mutige Wahl, weil sie wirklich bisher gar nichts (innerhalb der Filmindustrie) gewonnen hat, vielleicht gewinnt Lesley Manville und dann ist Alfie happy. 🙂

      Bei den Ton-Kategorien war ich auch hin- und hergerissen, wenn ein Kriegsfilm und zugleich BP-Film nominiert ist, gewinnt aber meistens der. Baby Driver hätte es aber in meinen Augen eher verdient.

      Nachdem ich gehört habe, dass dieser Song aus „The Greatest Showman“ zu den Olympischen Spielen (in den U.S.A. ich weiß nicht, ob sonst auch, gucke sowas nicht) gedudelt wurde, habe ich mich für den Song entschieden. Der ist sicherlich dann so vielen geläufig.

      Das Problem bei Roger Deakins ist, dass sein Name nicht auf dem Stimmzettel steht. Bei allen Kategorien (außer bei den Schauspielern) steht immer nur der Film drauf und ich weiß nicht, ob die Academy-Mitglieder wissen, dass er der DP für Blade Runner 2049 war. Das war ja bereits in der Vergangenheit das Problem. Aber: Ich habe gehört, dass es dieses Jahr extra eine Kampagne gab, damit sie seinen Namen mit dem Film in Verbindung bringen.

      Gefällt 1 Person

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