VOD – Film: „Saint Frances“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„Saint Frances“  101 min  drama, comedy  

dir. Alex Thompson  cast: Kelly O´Sullivan, Ramona Edith Williams, Charin Alvarez, Mary Beth Fisher, Lily Mojekwu  

 

Bridget (Kelly O´Sullivan) ist bereits 34 Jahre alt, aber weiß immer noch nicht so recht, wie sie sich ihr Leben vorstellt. Gerade hat sie einen Job als Kindermädchen für die 6-jährige Frances (Ramona Edith Williams) angenommen…

 

B (Wertung von A bis F) „Saint Frances“ ist das Spielfilmdebüt des amerikanischen Filmemachers Alex Thompson. Das Drehbuch zu dem Film hat die Hauptdarstellerin Kelly O´Sullivan geschrieben. 

Vermutlich werde ich mich in ein paar Monaten nicht mehr groß an den Film erinnern. Die Stimmung, die dieser Film schafft zu übermitteln, ist aber wahrscheinlich bleibend. Der Film führt einen zurück in die Zeit, in der man noch nicht so richtig weiß, welche Richtung man in seinem Leben einschlagen will, Beziehungen führt, die wahlweise okay oder schmerzhaft, aber definitiv nicht optimal sind und in der man sich mit der Frage befasst, ob man Kinder haben will oder eben nicht. Die Protagonistin Bridget ist allerdings nicht Mitte/Ende 20, sondern bereits 34 Jahre alt. Sie hat einen jüngeren Freund, nichts festes – natürlich – und beginnt ihren Job als Kindermädchen bei einem lesbischen Paar. Sie betreut den neunmalklugen Nervkeks Frances und nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen sie sich näher. Die Hauptdarstellerin Kelly O´Sullivan, aber auch Ramona Edith Williams, die die Sechsjährige spielt, sind so greifbar und real, dass man sich fragt, ob es sich hier um ein dokumentarisches Filmporträt handelt. Eine kleine Warnung möchte ich dennoch abgeben. Filmemacher Alex Thompson ist nach dem, teils autobiografischem Drehbuch seiner Lebenspartnerin und Hauptdarstellerin des Films, ein sehr authentischer und leichter Sommerfilm über das Erwachsen-, Mutter- und Frausein und alles, was damit alles zusammenhängen (kann) gelungen, der Film befasst sich aber auch mit dem Thema Abtreibung. 

„Saint Frances“ wurde erstmalig auf dem SXSW Film Festival 2019 gezeigt. Dort hat der Film den Publikumspreis und den Special Jury Award gewonnen. Der Film ist am 28.02.20 in einigen ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten gestartet. In Großbritannien war es der erste neue Film, nach dem Corona-Lockdown, der im Kino gezeigt wird. Seit dem 16.06.20 ist der Film auf DVD/Blu-ray und VOD (u.a. auf iTunes, Amazon Prime Video) erhältlich.

Trailer zu sehen:

 

VOD – Film: „The Rental“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/ Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„The Rental“  89 min  thriller, horror 

dir. Dave Franco  cast: Dan Stevens, Alison Brie, Sheala Vand, Jeremy Allen White, Toby Huss

 

Charlie (Dan Stevens), seine Frau Michelle (Alison Brie), sein Bruder Josh (Jeremy Allen White) und  Charlies Arbeitskollegin und Josh Freundin Mina (Sheila Vand) haben sich für das Wochenende ein recht kostspieliges Haus an der Küste gemietet. Aber irgendwas scheint doch mit dem Verwalter Taylor (Toby Huss) nicht zu stimmen…

 

D (Wertung von Abis F) „The Rental“ ist das Regiedebüt des amerikanischen Schauspielers Dave Franco (Fright Night, 21 Jump Street, Now You See Me, The Disaster Artist). 

Der Slasher-Kram in den letzten, vielleicht 15 Minuten ist okay, wenn ich ein Auge zudrücke. Den Abspann mochte ich sogar tatsächlich. Ansonsten weiß ich wirklich nicht, was sich der „kleine Franco“ bei diesem Drehbuch gedacht hat. Die Schreibe hatte jedenfalls zur Folge, dass ich bereits nach 20 Minuten schlechte Laune bekommen habe. Einfach unglaubwürdig, dass sich zwei Pärchen zusammen ein schönes, nicht gerade billiges Haus für das Wochenende mieten und eine davon, Michelle, geht am ersten der beiden Abende früh zu Bett (die Woche war anstrengend,  am nächsten Tag steht ja eine Wanderung an, usw,) gibt aber den anderen zuvor noch die Drogen, die sie eigentlich gemeinsam nehmen wollten. Die Unglaubwürdigkeit spiegelt sich dann auch oft in den Dialogen wieder (machmal sind diese auch noch komplett überflüssig wie der kleine, ins Nichts führende Rassismus-Schlenker). Insgesamt ist der Film höchst unerfreulich, dazu kommt ,dass die Geschichte in weiten Teilen vorhersehbar ist. Über Dave Francos handwerkliches Geschick als Regisseur kann ich nicht meckern, positiv hervorheben möchte ich es aber auch nicht unbedingt. 

„The Rental“ ist am 24.07.20 gleichzeitig in amerikanischen Autokinos, vielleicht sogar dem einen oder anderen traditionellen Kino und auf VOD gestartet. 

Trailer zu sehen:

 

Emmy-Nominierungen 2020

Die Academy of Television Arts & Sciences (ATAS) hat heute die Primetime Emmy-Nominierungen  bekannt gegeben. Das gesamte letzte TV-Jahr gab es so viele klasse TV-Serien und Mehrteiler, dass ich dieses Jahr sogar etwas mitgefiebert habe. Zugegebenermassen hauptsächlich wegen meiner Lieblingsserie Succession und die hat 18 Emmy-Nominierungen (davon allein 9 Schauspiel-Nominierungen) abgeräumt. ❤️

Die Präsentation der wichtigsten Emmy-Nominierungen von Leslie Jones (und Laverne Cox, Josh Gad und Tatiana Maslany) habe ich mir heute sogar live angeschaut, es war mir aber zu hysterisch, Leslie Jones war ähnlich anstrengend wie Tiffany Haddish bei den Oscar-Nominierungen damals. 

 

Gefeiert habe ich natürlich die Emmy-Nominierungen für folgende Schauspieler:

Jeremy Strong für „Succession“ (Best Actor/Drama)

Brian Cox für „Succession“ (Best Actor/Drama)

Nicholas Braun für „Succession“ (Best Supporting Actor/Drama)

Kieran Culkin für „Succession“ (Best Supporting Actor/Drama)

Matthew Macfadyen für „Succession“ (Best Supporting Actor/Drama) 

Sarah Snook für „Succession“ (Best Supporting Actress/Drama) 

James Cromwell für „Succession“ (Guest Actor/Drama)

Cherry Jones für „Succession (Guest Actress/Drama) 

Harriet Walter für „Succession“ (Guest Actress/Drama) 

Jeremy Pope für Hollywood (Best Actor/Limited Series)

Mark Ruffalo für I Know This Much is True (Best Actor/Limited Series)

Cate Blanchett für Mrs. America (Best Actress/Limited Series)

Shira Haas für Unorthodox (Best Actress/Limited Series) 

Dylan McDermott für Hollywood (Best Supporting Actor/ Limited Series)

Jim Parsons für Hollywood (Best Supporting Actor/Limited Series)

Toni Collette für Unbelievable (Best Supporting Actress/Limited Series) 

 

Aber natürlich auch die Emmy-Nominierungen für die Saturday Night Live-Auftritte von 

Adam Driver (als Gastgeber) und 

Brad Pitt (als Dr. Fauci) 

 

Hier die wichtigsten Nominierungen im Überblick:

Outstanding Drama Series

“Better Call Saul” (AMC)

“The Crown” (Netflix)

“The Handmaid’s Tale” (Hulu)

“Killing Eve” (BBC America)

“The Mandalorian” (Disney+)

“Ozark” (Netflix)

“Stranger Things” (Netflix)

“Succession” (HBO)

 

Outstanding Limited Series

“Watchmen” (HBO)

“Mrs. America” (FX on Hulu)

“Unbelievable” (Netflix)

“Unorthodox” (Netflix)

“Little Fires Everywhere” (Hulu)

 

Outstanding Comedy Series

“Curb Your Enthusiasm” (HBO)

“The Good Place” (NBC)

“Dead to Me” (Netflix)

“Insecure” (HBO)

“The Kominsky Method” (Netflix)

“The Marvelous Mrs. Maisel” (Amazon Prime Video)

“Schitt’s Creek” (Pop TV)

“What We Do in the Shadows” (FX)

 

Outstanding Lead Actor in a Drama Series

Jason Bateman, “Ozark”

Brian Cox, “Succession”

Sterling K. Brown, “This Is Us”

Steve Carrell “The Morning Show”

Jeremy Strong, “Succession”

Billy Porter, “Pose”

 

Outstanding Lead Actress in a Drama Series

Jennifer Aniston, “The Morning Show”

Olivia Colman, “The Crown”

Jodie Comer, “Killing Eve”

Laura Linney, “Ozark”

Sandra Oh, “Killing Eve”

Zendaya, “Euphoria”

 

Outstanding Lead Actor in a Limited Series or TV Movie

Jeremy Irons, “Watchmen”

Hugh Jackman, “Bad Education”

Paul Mescal, “Normal People”

Jeremy Pope, “Hollywood”

Mark Ruffalo, “I Know This Much Is True”

 

Outstanding Lead Actress in a Limited Series or TV Movie

Cate Blanchett, “Mrs. America”

Shira Haas, “Unorthodox”

Regina King, “Watchmen”

Octavia Spencer, “Self-Made”

Kerry Washington, “Little Fires Everywhere”

 

Outstanding Lead Actor in a Comedy Series

Anthony Anderson, “black-ish”

Don Cheadle, “Black Monday”

Ted Danson, “The Good Place”

Michael Douglas, “The Kominsky Method”

Eugene Levy, “Schitt’s Creek”

Ramy Youssef, “Ramy”

 

Outstanding Lead Actress in a Comedy Series

Christina Applegate, “Dead to Me”

Rachel Brosnahan, “The Marvelous Mrs. Maisel”

Linda Cardellini, “Dead to Me”

Catherine O’Hara, “Schitt’s Creek”

Issa Rae, “Insecure”

Tracee Ellis Ross, “Black-ish”

 

Die Verleihung der 72nd Emmy Awards findet am 20.09.20 statt. Jimmy Kimmel ist der Gastgeber. 

Hier noch mal, wie es im April 2020 dazu kam und wie Brad Pitt den tollen Dr. Anthony Fauci porträtierte:

 

Hier gibt es restlos alle Emmy-Nominerungen:

 

https://www.emmys.com/awards/nominations

 

Netflix – Serie: „Unorthodox“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Unorthodox“ (in D. seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 50 min drama, adaptation

dir. Maria Schrader  cast: Shira Haas, Amit Rahav, Jeff Wilbusch, Dina Doron, Della Mayer

 

Die 19-jährige Esty (Shira Haas) lebt in der jüdisch-orthodoxen Satmar-Gemeinde in Williamsburg in New York City. Vor ein paar Monaten wurde sie mit Yanky (Amit Rahav) verheiratet. Sie ist unglücklich in ihrer Ehe und mit ihrem Leben und flieht eines Tages nach Berlin…

 

B (Wertung von A bis F) Die Miniserie „Unorthodox“ wurde von Deborah Feldmans Autobiographie „Unorthodox: The Scandalous Rejection of My Hasidic Roots“ inspiriert. Die amerikanische Autorin Anna Winger (u.a. „Deutschland 83“, „Deutschland 86“) und die deutsche Filmemacherin Alexa Karolinski (u.a. „Oma & Bella“) haben das Drehbuch geschrieben, bei den Rückblicken haben sie sich an Deborah Feldmans Memoiren gehalten, aber die gesamte Storyline in Berlin wurde umgeschrieben. Die zentrale Sprache dieses Mehrteilers ist Jiddisch. Bei allen vier Teilen führt die deutsche Schauspielerin („Keiner liebt mich“, „Aimée & Jaguar“, TV-Serie „Deutschland 83“), Drehbuchautorin („Meschugge“) und Regisseurin („Liebesleben“, „Vor der Morgenröte“) Maria Schrader Regie. Neben der Autorin, haben die beiden Drehbuchautorinnen, die Filmemacherin und die meisten Künstler vor und hinter der Kamera dieses Projekts jüdische Wurzeln. 

Als ich mir diesen Mehrteiler angeschaut habe, wusste ich nicht, dass es sich hierbei um eine deutsche (und amerikanische Ko-) Produktion handelt. Schnell wurde ich reingezogen in diese New Yorker Parallelwelt. Geschichten, die in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde spielen, finde ich generell faszinierend. Viel zu wenig weiß man über die in sich geschlossene, streng gläubige Gemeinde. Aber, ganz ehrlich, was für eine Frauen diskriminierende Kultur und Religion. Anzusehen, wie man innerhalb der Chassidischen Glaubensgemeinschaft mit Frauen umgeht, war kaum zu ertragen. Um so mehr ich in die, von zig Regeln bestimmten Welt eingetaucht bin, um so enger stand ich an Estys Seite, habe ihr innerlich die Daumen gedrückt, dass ihr die Flucht gelingt und sie für immer aus der Gemeinde aussteigt. Überhaupt lebt dieser Vierteiler durch Esty (bzw. durch die Schauspielerin Shira Haas). Was für eine starke, kleine Frau. Ich liebe ihr ausdrucksstarkes Gesicht mit diesen riesigen, dunklen Augen. Mit ihrer Präsenz und ihrem offensichtlichen Talent ist sie für mich bereits jetzt schon ein Star, von ihr werden wir sicherlich noch einiges hören und sehen. Das Drehbuch zu „Unorthodox“ und damit die gesamte Netflix-Produktion kommt leider nicht an die Brillanz ihrer Hauptdarstellerin ran. Man hätte die Geschichte anspruchsvoller erzählen können. Durch die Rückblenden kann man sich zwar ein recht gutes Bild von der ultraorthodoxen Welt und Estys Situation machen, aber die Fortsetzung der Geschichte in Berlin ist weit weniger gelungen. Manches hätte glatt in die deutsche Seifenoper-Landschaft gepasst. Auch gibt es einige Anschlussfehler, die mich immer wieder rausgeworfen haben. Mir hat aber gefallen, dass die tragische Geschichte immer mal wieder mit Situationskomik aufgelockert wird. Das „Wir-haben-keine-Probleme-wir-sind-alle-weltoffen-und-leben-Multikulti“-Berlin wirkte auf mich als Berlinerin auch zu sehr inszeniert.  

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Esther „Esty“ Shapiro ist 19 Jahre alt. Sie wurde in die jüdisch-orthodoxe Welt in dem New Yorker Stadtteil Williamsburg in Brooklyn hineingeboren. Die ursprünglich aus Ungarn stammenden Satmarer Juden sind eine chassidische, ultraorthoxe Gemeinde, die von Holocaust-Überlebenden nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Jiddisch ist bis heute die Sprache dieser Gemeinde. Als Esty drei Jahre alt war, hat Estys Mutter Leah (gespielt von Alex Reid) die Gemeinde verlassen. Sie wurde dann von ihrer geliebten Großmutter „Bubbe“ (gespielt von Dina Doron) und ihrer Tante Malka (gespielt von Ronit Asheri) großgezogen. Sie wurde vor einigen Monaten mit Yanky (gespielt von Amit Rahav) verheiratet. Esty ist unglücklich in ihrer Ehe, auch weil sich ihre Schwiegermutter (gespielt von Delia Mayer) permanent in die Ehe und in sehr private, intime Dinge einmischt. Sie lässt schließlich die ultra-orthodoxe Gemeinde hinter sich und flieht nach Berlin. Gespielt wird Esty von der israelischen Schauspielerin Shira Haas. Seit sie in ihrem Heimatland für einige Schauspielpreise nominiert und ausgezeichnet wurde, ist auch Hollywood auf sie aufmerksam geworden. Sie hat in internationalen Produktionen (u.a. „The Zookeeper’s Wife“, „Mary Magdalene“) mitgespielt und auch eine größere Rolle in der hochgelobten israelischen TV-Serie „Shtisel“.

Yanky Shapiro ist mit Esty (gespielt von Shira Haas) verheiratet. Es gibt Probleme in der Ehe, auch weil Yankys Mutter Miriam (gespielt von Delia Mayer) sich immer wieder einmischt. Eines Tages verschwindet Esty und Yanky und sein Cousin Moishe (gespielt von Jeff Wilbusch) machen sich auf die Suche nach ihr. Yanky ist mir ans Herz gewachsen, ganz liebenswert und putzig ist der, in manchen Szenen sieht er aus wie Elijah Wood. Gespielt wird Yanky von dem israelischen Schauspieler Amit Rahav. Er hat zuvor in einigen israelischen TV-Serien mitgespielt.

Moishe ist der Cousin von Yanky (gespielt von Amit Rahav). Er hat selbst schon einmal die Satmar-Gemeinde verlassen, hat scheinbar auch Schulden und muss etwas wieder gutmachen. Der Rabbiner  schickt ihn daher mit Yanky nach Berlin, um Esty zurück nach Williamsburg zu bringen. Gespielt wird Moishe von dem israelisch-deutschem Schauspieler Jeff Wilbusch. Bei dem Casting zu „Unorthodox“ hat er der Crew mitgeteilt, dass Moishes Story ihn an seine im realen Leben erinnert. Jeff Wilbusch stammt aus einer Satmar-Community und ist Jiddisch-Muttersprachler. Mir kam er bekannt vor, vermutlich von dem Mehrteiler „The Little Drummer Girl“ (über die ich eigentlich damals was schreiben wollte). Er hat aber auch in der deutschen TV-Serie „Bad Banks“ und in einigen anderen TV-Serien mitgespielt. 

„Unorthodox“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Best Actress, Limited Series (Shira Haas) Update: „Unorthodox“ wurde für 8 Emmys nominiert (Best Limited Series, Best Actress/Limited Series für Shira Haas, Best Directing/Limited Series für die deutsche Filmemacherin Maria Schrader, Best Writing für „Part 1“ und einige technische Kategorien) 

„Unorthodox“ ist seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen. Empfehlenswert ist auch das Making Of zu dem Mehrteiler (ebenfalls auf Netflix zu sehen). Hier kommt auch die Vorlagenlieferantin Deborah Feldman zu Wort.

Trailer zu sehen:

 

VOD – Film: „Relic“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„Relic“  90 min  drama, horror

dir. Natalie Erika James  cast: Emily Mortimer, Robyn Nevin, Bella Heathcote, Chris Bunton 

 

Kays Mutter Edna (Robyn Nevin) ist über 80 Jahre alt und, nachdem ihre Nachbarn sie seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen haben, fahren Kay (Emily Mortimer) und  ihre erwachsene Tochter Sam (Bella Heathcote) zu ihrem Haus. Seit Wochen hatte Kay keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Im Haus gibt es keine Spur von Edna, aber vieles deutet daraufhin, dass ihre Vergesslichkeit zugenommen hat…

 

A- (Wertung von A bis F) „Relic“ ist das Spielfilmdebüt der japanisch-australischen Autorin und Werbe- und Musikvideo-Regisseurin Natalie Erika James. 

Bevor ich mir ihren ersten Spielfilm angeschaut habe, hatte ich mir zunächst über ihre Website (https://natalieerikajames.com) ihren, mit einigen Preisen ausgezeichneten Kurzfilm „Creswick“ angeguckt. Die kann was, habe ich mir gedacht und das bestätigte sich für mich kurz darauf mit ihrem ersten Spielfilm. 

Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Horrorfilm das letzte Mal so zum Nachdenken brachte und wann mir bei einem solchen Film (ein Mal während des Films und dann am Ende) die Tränen gelaufen sind. „Relic“ ist anders, eine gelungene Genre-Mischung aus Drama und Horrorfilm. Mit der Zweitsichtung empfand ich den Film sogar noch mehr als Familiendrama, dass sich überzeugend einiger wirksamer Horror-Stilmitel bedient. Es geht um Demenz und um Schuldgefühle von Kindern und anderen Angehörigen gegenüber ihren pflegebedürftigen Verwandten. Natalie Erika James erzeugt hier Metaphern wie beispielsweise „das Monster“, das man als demenzbedingte Wesensänderung deuten kann oder „den Schimmel, der sich immer tiefer in das Haus einfrisst“ als langsamen körperlich und geistigen Verfall. Es wird aber sicher nicht nur eine Möglichkeit der Interpretation geben. Die Langsamkeit mit der dieser Film erzählt wird, könnte einige Zuschauer abschrecken. Mich hat es überhaupt nicht gestört und auch die Performances fand ich solide. 

Der Film könnte am Ende des Jahres zu einen meiner Top 10-Filme zählen. 

„Relic“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2020 gezeigt. Der Film lief ab dem 3.7.20 für eine Woche exklusiv in einigen amerikanischen Autokinos und startete dann am 10.7.20 in einigen wenigen Kinos in den Vereinigten Staaten und ist zeitgleich auf VOD herausgekommen.

Trailer zu sehen:

 

Netflix – Film: „Homemade“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Homemade, Volume 1“ (in D. Seit 30.06.20 auf Netflix abrufbar)  17 x from 4 to 11 minutes  anthology

dir. Ladj Ly, Paolo Sorrentino, Rachel Morrison, Pablo Larrain, Rungano Nyoni, Natalia Beristáin, Sebastian Schipper, Naomi Kawase, David Mackenzie, Maggie Gyllenhaal, Nadine Labaki & Khaled Mouzanar, Antonio Campos, Johnny Ma, Kristin Stewart, Grunder Chadha, Sebastián Lelio, Ana Lily Amirpour  cast: Christopher Abbott, Sebastian Schipper, Peter Sarsgaard, Kristen Stewart, Amalia Kassai, Gurinder Chadha, Ana Lily Amirpour voices: Javier Cámara, Olivia Williams, Rachel Morrison, Cate Blanchett 

 

Während des Lockdowns aufgrund der Covid-19 Pandemie im Mai 2020 haben verschiedene Filmemacher und Künstler ihre Kreativität genutzt und einen Kurzfilm gedreht. 

 

A bis D- (Wertung von A bis F)  „Homemade, Volume 1“ zeigt 17 Kurzfilme von namhaften Künstlern während der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Produziert wurde das Ganze von dem chilenischen Filmemacher Pablo Larrain (Jackie), der selbst auch einen Film zu diesem Projekt beigetragen hat. Die Filme zeigen uns manchmal das Zuhause der Filmemacher und führen uns nach Paris, Rom, 3 x Los Angeles, 2 x Santiago, Lissabon, Mexico City, Berlin, Nara in Japan, Glasgow, irgendwo in Vermont, Beirut, Springs in New York, San Sebastián del Oeste in Mexico und London. 

Bei einer Sammlung an Kurzfilmen sind selten alle Filme wirklich sehenswert, einige davon hier waren aber trotzdem fantastisch fotografiert, einer war spannend (Episode 12), wirkte aber nicht so professionell gefilmt, ein paar fand ich regelrecht einschläfernd, einen fand ich sogar unerträglich (Episode 11). Unter den 17 Filmen ist aber sicher für jeden etwas dabei. Ich möchte mich nicht mit den nicht so guten aufhalten, daher nur eine eine kurze Zusammenfassung von den Kurzfilmen, bei denen es sich lohnt, mal reinzuschauen: 

 

Mein Lieblingskurzfilm: Episode 17 „Ride It Out“ A (Wertung von A bis F) Die iranisch-amerikanische Filmemacherin Ana Lily Amirpour („A Girl Walks Home Alone at Night“) hat den für mich besten Kurzfilm und einen wunderbaren Abschluss dieser Reihe gedreht. Cate Blanchett führt als Erzählerin durch den, in Los Angeles entstandenen Film. Es ist ein sehr poetischer Film, der diese besondere Stimmung in dieser außergewöhnlichen (Corona-)Zeit einfängt. In, vielleicht zehn Jahren könnten wir uns mit diesem kleinen Film bestimmt wieder in die Stimmung von dann damals reinversetzen.  

Aber auch die folgenden fand ich gelungen: 

Episode 2 B+ (Wertung von A bis F) Der italienische Filmemacher Paolo Sorrentino (The Great Beauty, TV-Serien The Young Pope und The New Pope) erzählt hier eine kleine Geschichte über das Eingesperrtsein mit den Plastikfiguren der Queen und dem Papst (in meiner kleinen Nebenrolle „The Dude“ Lebowski), gedreht in seinem Zuhause in Rom.  

Episode 3 „The Lucky Ones“ B+ (Wertung von A bis F) Die amerikanische Kamerafrau (Fruitvale Station, Black Panther) Rachel Morrison hat hier eine richtig schöne Erinnerung für ihren Sohn Wiley kreiert. Die Bilder sind fantastisch. Ein Lockdown in diesem noblen Zuhause mit so einer tollen Mama lässt sich sicher aushalten. Ich liebe, wie sie ihrem kleinen Sohn mit auf den Weg gibt, ein solches privilegiertes Leben zu schätzen, aber nicht zu vergessen, Kind zu sein („Be grateful but also be five“).

Episode 4 „Last Call“ : B+ (Wertung von A bis F) Der chilenische Filmemacher Pablo Larrain (Jackie) hat nicht nur dieses „Homemade“-Projekt ins Leben gerufen, er erzählt hier auch eine humorige Geschichte eines alten, einsamen Mannes im Alters- oder Pflegeheim, eine gute Pointe gibt es obendrauf. 

Episode 7 „Casino“ B+ (Wertung von A bis F) Dem deutschen Filmemacher Sebastian Schipper („Viktoria“) ist in seinem Berliner Zuhause langweilig. Ganz origineller 8-Minütiger ist ihm da gelungen, wie ich finde. 

Episode 10 „Penelope“ B+ (Wertung von A bis F) Die amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal („Secretary“, The Dark Knight) gibt mit diesem Film ihr Regiedebüt und hat hier einen dystopischen Sci-Fi-Kurzfilm mit ihrem Ehemann, dem brillanten Peter Sarsgaard, in ihrem Zuhause im Bundesstaat Vermont gedreht. 

Episode 14 „Crickets“ B- (Wertung von A bis F) Die amerikanische Schauspielerin Kristen Stewart lässt sich dabei filmen, wie sie unter Schlaflosigkeit leidet und scheinbar langsam den Verstand verliert. Schön fotografiert. 

Episode 15 „Unexpected Gift“ A- (Wertung von A bis F) Die britische Filmemacherin Gurinder Chadha („Bend it Like Beckham“, „Blinded by the Light“) lässt uns an ihrem Corona-Lockdown-Alltag mit ihrer Familie in ihrer traumhaften Wohnung (da würde ich sofort einziehen) teilhaben. Sie nehmen sich dabei nicht ernst und sind sympathisch, der Film ist lustig, aber auch traurig, ich muss mich, glaube ich, mal ihren Spielfilmen widmen. Dieser Kurzfilm ist mein zweitliebster. 

„Homemade“ ist seit dem 30.06.20 auf Netflix abrufbar. Da dieses Filmprojekt den Zusatz „Volume 1“ bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass die Kurzfilm-Reihe fortgesetzt wird. Darauf freue ich mich schon.

Trailer zu sehen: 

TV – Serie: „Quiz“

Ich habe mir folgenden iTV-Mehrteiler angeschaut:

 

„Quiz“   3 x approx. 50 min  drama, biopic, adaptation

dir. Stephen Frears  cast: Matthew Macfadyen, Michael Sheen, Sian Clifford, Mark Bonnar, Helen McCrory, Michael Jibson, Trystan Gravelle, Risteard Cooper

 

Im Oktober 1997 bekommt der britische TV-Sender iTV Network mit David Liddiment (Risteard Cooper) einen neuen Programmchef. Er möchte „Event Television“ etablieren. Es gibt schon Ideen für ein neues Quiz, bei dieser Quiz-Show kann man eine Million britische Pfund gewinnen. Mit Chris Tarrant (Michael Sheen) ist schon bald ein geeigneter Moderator gefunden. Unter dem neuen Titel  „Who Wants to Be a Millionaire“ wird das unterhaltsame Quiz ein Straßenfeger. Diana (Sian Clifford) liebt es zu spielen, genauso wie ihr Bruder Adrian (Trystan Gravelle). Adrian ist nahezu besessen von der Idee, eines Tages auf den heißen Stuhl der Millionärs-Show zu sitzen…

 

C+ (Wertung von A bis F). „Quiz“ basiert sowohl auf James Grahams gleichnamiges Bühnenstück als auch auf das Sachbuch „Bad Show: The Quiz, the Cough, the Millionaire Major“ des Investigativ-Journalisten Bob Woffinden, das er zusammen mit dem Schach-Großmeister James Plaskett geschrieben hat. Die Geschichte dreht sich um den britischen Major Charles Ingram, der bei der britischen Ausgabe von „Wer wird Millionär“ den Millionengewinn abgesahnt hat und kurz darauf wegen Betruges festgenommen wurde. Ein anderer Kandidat und seine Frau sollen ihm Hust-Signale bei der jeweils richtigen Antwort gegeben haben. Alle drei Beteiligten wurden vor Gericht schuldig gesprochen, aber haben sie tatsächlich betrogen? Der englische Filmemacher Stephen Frears („Dangerous Liaisons“, „High Fidelity“, „The Queen“, Philomena, Florence Foster Jenkins) führt bei allen drei Episoden Regie. 

Ich kann mich noch gut an die ersten „Wer wird Millionär“-Shows erinnern. Seit 1999 gibt es die Show auch in Deutschland und auch ich habe damals gerne am Fernseher mitgeraten. Von dem Skandal bei der britischen Ausgabe hatte ich noch nie was gehört, was aber auch damit zusammenhängen kann, dass dies im September 2001 geschah und da hat der Terroranschlag von 9/11 unseren Nachrichtenalltag über Wochen bestimmt (vergleichbar mit Corona im März und April 2020).

Wie dem auch sei, die Story an sich ist sicher erzählenswert, insbesondere mit der daraus resultierenden Frage, ob der Major und die anderen beiden Beteiligten nun tatsächlich betrogen haben. Bei dem Bühnenstück wird im Theater – nachdem die Plädoyers gehört wurden – unter den Zuschauern abgestimmt, ob die Angeklagten schuldig oder unschuldig sind. Das serielle Erzählen erscheint mir hier unnötig, die Geschichte wäre sicher besser in einem Spielfilm aufgehoben gewesen. So erscheint das Ganze manchmal sehr aufgebläht. Schauspielerisch hat hier besonders Helen McCrory, die die Kronanwältin spielt, mein Interesse geweckt. Ich kann sie nicht aus den TV-Serien („Peaky Blinders“ oder „Penny Dreadful“) kennen, vielleicht habe ich sie aber in „The Queen“, Hugo oder Skyfall gesehen. Künftig werde ich die Augen offen halten.  

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Charles Ingram ist ein Major der britischen Armee. Er ist mit Diana (gespielt von Sian Clifford) verheiratet, sie haben drei Töchter. Charles ist selbst kein Quiz-Fan, sein Schwager (gespielt von Trystan Gravelle) und seine Ehefrau sind es aber und saßen selbst schon bei „Who Wants to Be a Millionaire“ auf dem heißen Stuhl. Nach einigem Training schafft es Charles schließlich auch in die  Millionärsshow und gewinnt sogar den Hauptpreis. Während der Aufzeichnung der Show kamen bereits Zweifel auf, dass bei seinem Ratespiel alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Angeblich soll Charles Hust-Signale bekommen haben und entsprechend seine Antwort gegeben haben. Der Fall landete vor Gericht, die Geschworenen befanden Charles, seine Frau und den anderen Kandidaten schuldig. Bis heute behaupten die Ingrams unschuldig zu sein. Haben sie nun betrogen oder nicht? Gespielt wird Charles Ingram von dem englischen Schauspieler Matthew Macfadyen. Mir ist er am meisten als Tom Wambsgans in meiner Lieblingsserie Succession, 1. Staffel und 2. Staffel ein Begriff. Er hat auch in einigen anderen TV-Serien (u.a. „Spooks“, „Ripper Street“) mitgewirkt und war auch in vielen Kinofilmen (u.a. „Pride & Prejudice“, Frost/Nixon, „Anna Karenina“, The Assistant) zu sehen. 

Chris Tarrant ist der Moderator der britischen Quiz-Show „Who Wants to Be a Millionaire?“. Gespielt wird Chris Tarrant von dem walisischen Theater-, Film und TV-Schauspieler Michael Sheen. Er hat bereits in einigen TV-Serien (u.a. „Masters of Sex“, „The Good Fight“) mitgespielt und war in unzähligen Kinofilmen (u.a. „Blood Diamond“, Frost/Nixon, Midnight in Paris, Kill the Messenger, Brad´s Status) zu sehen. Er ist unglaublich wandelbar, in „Quiz“ habe ich ihn unter der Maske gar nicht erkannt, er spricht auch sehr nasal. Unvergessen ist Michael Sheen als Tony Blair in „The Queen“, im Jahr 2010 war er für seine Performance als Tony Blair in dem TV-Film „The Special Relationship“ für den Emmy nominiert.

Diane Ingram ist die Ehefrau von Charles (gespielt von Matthew Macfadyen). Die beiden haben drei Töchter. Diane ist ein Quiz-Fan und entsprechend irgendwann ein Fan der neuen Show „Who Wants to Be a Millionaire“. Nachdem ihr Bruder Adrian (gespielt von Trystan Gravelle) schon an der Show teilnahm, nimmt auch sie teil und überredet schließlich ihren Ehemann, sich auch zu bewerben. Charles gewinnt schließlich eine Million britische Pfund. Es wird aber vermutet, dass er mit Hilfe von seiner Ehefrau und eines Mitkandidaten (gespielt von Michael Jibson) betrogen hat. Vor Gericht werden alle Drei schuldig gesprochen. Gespielt wird Diane von der englischen Schauspielerin Sian Clifford. Bekannt geworden ist sie durch die Rolle der Claire in der erfolgreichen TV-Serie „Fleabag“. Für ihre Performance in dieser Serie wurde sie für einen Emmy nominiert. 

„Quiz“ wurde erstmalig v. 13.04.20 – 15.05.20 auf dem britischen ITV Sender ausgestrahlt. In den Vereinigten Staaten lief dieser Mehrteiler v. 31.05.20 – 14.06.20 auf AMC. Für Deutschland konnte ich bislang keinen ausstrahlenden/s Sender/Streaming Portal und Datum finden. 

Trailer zu sehen:

 

Man kann sich selbst ein Bild machen, die Originalaufnahmen mit all den mysteriösen Hinweisen zu sehen:

TV-Serie: „I Know This Much is True“

Ich habe mir folgenden HBO-Mehrteiler angeschaut:

 

„I Know This Much is True“ (in D. seit dem 10.05.20 auf Sky zu sehen) 6 x approx.  60 min  drama, adaptation

dir. Derek Cianfrance  cast: Mark Ruffalo, Rosie O´Donnell, Archie Panjabi, Kathryn Hahn, Juliette Lewis, Imogen Poots, Melissa Leo, Rob Huebel, Philip Ettinger, Bruce Greenwood, Donnie Masihi, Rocco Masihi

 

Dominick (Mark Ruffalo) hat selbst ein riesiges Päckchen an Problemen mit sich herumzutragen, am Sterbebett seiner Mutter (Melissa Leo) hatte er ihr jedoch versprochen, sich immer um seinen psychisch schwer kranken Zwillingsbruder Thomas (Mark Ruffalo) zu kümmern. Thomas leidet an paranoider Schizophrenie und lebt und arbeitet seit vielen Jahren in einer Einrichtung. Gerade hat er sich in einer seiner Wahnvorstellungen mit einer Machete die rechte Hand abgetrennt. Im Krankenhaus lässt er sich auch nicht davon überzeugen, die Hand wieder annähen zu lassen. Thomas wird daraufhin in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Brüder sind mit ihrer Mutter und ihrem gewalttätigen Stiefvater, Ray (John Procaccino) aufgewachsen. Noch bevor Dominicks und Thomas´ Mutter vor drei Jahren gestorben ist, hatte sie Dominick ein handgeschriebenes Manuskript ihres Vaters, dem Großvater der Brüder, übergeben. Vielleicht geben die Unterlagen Aufschluss über die Familiengeschichte und auch, wer der biologische Vater der Brüder ist. Da das Manuskript in italienischer Sprache geschrieben ist, wendet sich Dominick an die Übersetzerin Nelda (Juliette Lewis)…

 

B+ (Wertung von A bis F) Der Mehrteiler „I Know This Much is True“ basiert auf Wally Lambs gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1998. Der amerikanische Filmemacher Derek Cianfrance (Blue Valentine, The Place Beyond the Pines, The Light Between Oceans hat das Buch für die Mini-Serie aufbereitet und bei allen sechs Episoden Regie geführt. 

Gewidmet ist der Mehrteiler Scott Ruffalo, Marks im Jahr 2008 verstorbenen (vermutlich ermordeten) jüngeren Bruder und Megan Cianfrance McGinnis, der – kurz nach Ende dieser Dreharbeiten – verstorbenen Schwester des Filmemachers. 

Ich liebe Geschichten, die sich am Ende vollständig, komplett erzählt, anfühlen. „I Know This Much is True“ erzählt eine dieser im Abschluss runden, wenn auch – wie in diesem Fall – äußerst tragischen Geschichten. 

Es ist Familiensaga und zugleich ein Drama über einen psychisch schwer Kranken und sein Umfeld. In meinem Umfeld habe ich auch einige Erfahrungen mit psychisch Erkrankten (sogar im Bereich der paranoiden Schizophrenie) sammeln dürfen/müssen, daher kann ich sagen, dass sich „I Know This Much is True“ sehr realistisch anfühlt. Hier sieht man, wie sich psychische Krankheiten über ein Leben entwickeln können und auch welche Auswirkungen alles auf die engere Verwandtschaft (hier: insbesondere auf den Zwillingsbruder) des Erkrankten haben kann. Das allein macht dieses Serien-Projekt schon zu einem hervorragenden, darüberhinaus bietet „I Know This Much is True“ nahezu makelloses Schauspiel. 

Ich möchte aber auch nicht vorenthalten, dass dieser Mehrteiler schwere Kost ist, für die meisten ist er wahrscheinlich sogar zu deprimierend. Selbst ich, die ich generell ein Faible für Dramen habe, musste das eine oder andere Mal schon schwer schlucken. Wenn es das Leben für einen wie Dominick sowieso nicht sonderlich gut meint, ihm alles gerade über den Kopf wächst, wird noch mal einer drauf gesetzt (exemplarisch dafür, als er am Ende einer Episode noch den Anruf von Ralph Drinkwater erhält). Dieser Mehrteiler deckt Familiengeheimnisse auf, zeigt aber auch ganz gut, wie das gesamte Leben für  Geschwister verlaufen kann, wenn ein Geschwisterteil „anders“, „psychisch auffällig““, und letztlich diagnostiziert „psychisch krank“ ist. Überhaupt glaube ich, dass das Leben für Zwillinge nicht einfach ist. Dominick beschreibt der Therapeutin Dr. Patel ein Mal ganz unmissverständlich, wie das Leben mit seinem Zwillingsbruder für ihn war bzw. ist (It’s like my brother has been an anchor around my entire life. Even before he got sick….An Anchor pulling me down. You know what I get? I get just enough rope to break the surface to breath). 

Doppelgänger-Rollen mit nur einem Schauspieler fand ich in der Vergangenheit oft schwierig. Zu offensichtlich sieht man die Tricks mit denen am Set gearbeitet wurde und man erkennt ein und denselben Schauspieler in der Doppelrolle. Hier ist das nicht so, insbesondre bei Dominick und Thomas als jüngere, aber noch mehr ältere Männer. Man könnte meinen, es wären jeweils zwei verschiedene Schauspieler. 

Mark Ruffalo hat vor den Dreharbeiten rund 10 Kilo an Gewicht verloren, dann wurde der erste Part dieser Mini-Serie mit ihm als Dominick gedreht. Er legte dann eine sechswöchige Pause ein, futterte sich derweil 20 Kilo an, um dann im zweiten Part der Dreharbeiten den übergewichtigen Zwillingsbruder Thomas zu spielen. Unabhängig von dem äußeren Erscheinungsbild, Mark Ruffalo gelingt es auch die eineiigen Zwillinge völlig unterschiedlich anzulegen, insgesamt ist es eine meisterhafte Performance. 

Meine Lieblingsszenen: 1. Nedras Auftritt bei Dominick zu Hause (Part 01 der Miniserie). Unglaublich authentisches Schauspiel von Juliette Lewis und Mark Ruffalo. Die Szene könnte sich genau so in der Realität zugetragen haben. 2. Das erste Aufeinandertreffen von Lisa Sheffer und Dominick (Part 02 der Miniserie), um ehrlich zu sein, auch alle weiteren Treffen der beiden. Ich mochte aber auch beispielsweise zwei musikalische Mini-Momente, in der ein Song die Stimmung setzt (Episode 02 Song „I Got a Name“ von Jim Croce und in Episode 06 als jmd. in dem Pflegeheim Simon & Garfunkels „Bridge over Troubled Water“ singt) 

Mein Lieblingscharakter: Zunächst einmal sind alle einzelnen Charaktere perfekt für die Welt von „I Know This Much is True“ gecastet. Ich mochte aber besonders die Sozialarbeiterin Lisa Scheffer. Als ich die Szene mit ihr und Dominick (Part 02 der Miniserie) das erste Mal sah, musste ich direkt nachschauen, wer denn diese fantastische Schauspielerin ist. Auf Rosie O´Donnell wäre ich im Leben nicht gekommen. Vielleicht ist es einfach zu lange her, dass ich sie in einem Spielfilm oder überhaupt als Schauspielerin gesehen habe. Die Sozialarbeiterin Lisa ist greifbar, real, leicht zynisch, aber hat das Herz am rechten Fleck. Mein zweiter Lieblingscharakter ist Nedra Frank, die Übersetzerin des italienischen Manuskriptes. Gespielt wird Nedra von der amerikanischen Schauspielerin Juliette Lewis. Wenn jemand durchgeknallt und doch als Person glaubhaft spielen kann, dann sie. Bei den wichtigsten Charakteren habe ich sie nicht extra aufgeführt, weil sie wirklich nur ca. vier Szenen hat. Eine dieser Szenen ist aber (s.o.) gleich einer meiner Lieblingsszenen. 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Dominick Birdsey ist 40 Jahre alt und arbeitet als Maler. Er renoviert Häuserfassaden. Dominick hat einen riesigen Rucksack an Problemen mit sich herumzutragen. Sein gesamtes Leben musste er sich bereits um seinen Zwillingsbruder Thomas kümmern, was er als sehr belastend empfand. Beide hatten eine schwere Kindheit mit einem gewalttätigen Stiefvater. Bei Dominicks Bruder Thomas wurde in jungen Jahren paranoide Schizophrenie festgestellt, seither lebt er in den verschiedensten Einrichtungen. Jetzt hat sich sein Bruder gerade mit einer Machete die rechte Hand abgetrennt, ein Opfer wollte erbringen. Dominick hat von seiner Mutter ein Manuskript seines Großvaters, einem italienischen Einwanderer, bekommen. Unbedingt möchte er mehr über die Familiengeschichte herausfinden, vielleicht bekommt er dabei auch Informationen darüber, wer der biologische Vater von Dominick und Thomas ist. Dominick und Thomas im Alter von 8 Jahren wurden von den amerikanischen Schauspiel-Zwillingen Donnie und Rocco Masihi gespielt. Die Brüder als Teenager und junge Männer hat nur ein Schauspieler übernommen. Brillant verkörpert der amerikanische Schauspieler Philip Ettinger (Indignation, First Reformed) die jungen Männer. Unglaublich gut gecastet, man könnte fast meinen, er ist mit Mark Ruffalo verwandt, so ähnlich sieht er ihm in dieser Mini-Serie. Den Hauptpart in dieser Serie übernimmt jedoch der amerikanische Schauspieler Mark Ruffalo. Wie sein Seriencharakter hat auch Mark Ruffalo italienische Wurzeln. Würde dieser Mehrteiler als Film ins Kino kommen, wäre ihm eine Oscar-Nominierung sicher. Er ist schlichtweg exzellent in dieser Doppelrolle. Ich weiß nicht mehr genau, wann mir  Ruffalo das erste Mal aufgefallen ist, rund 20 Jahre ist es aber sicher her. Er hat in unzähligen Filmen („You Can Count on Me“, „My Life Without Me“, Zodiac, The Brothers Bloom, Shutter Island, Dark Waters gespielt, dem Mainstream-Publikum ist er sicherlich vordergründig als HULK in den „The Avengers“-Filmen bekannt. Für seine Performance in The Kids Are All Right, Foxcatcher und Spotlight hat er jeweils eine Oscar-Nominierung erhalten. Außerdem hat er zwei Emmy-Nominierung als Schauspieler und Produzent des HBO-Films The Normal Heart, als Produzent hat er einen Emmy dafür gewonnen. Er wurde auch für einen Tony-Award für seine Performance in dem Theaterstück „Awake and Sing“ nominiert und hat sogar einen Grammy-Nominierung für das eingesprochene Album „Our Revolution: A Future to Believe In“.

Thomas Birdsey ist der Zwillingsbruder von Dominick. Er ist psychisch schwer erkrankt. Paranoide Schizophrenie wurde bei ihm diagnostiziert. Thomas ist sehr gläubig und hat sich im Alter von knapp über 40 in einer religiösen Wahnvorstellung mit einer Machete die rechte Hand abgeschnitten. Wer Thomas in den verschiedensten Lebenssituationen spielt, ist unter „Dominick Birdsey“ zu lesen. 

Lisa Sheffer ist die Sozialarbeiterin, die für Thomas und Dominick (gespielt von Mark Ruffalo) neu zuständig ist. Gespielt wird Lisa von der amerikanischen Comedian, Talk Show-Moderatorin, Produzentin und Schauspielerin Rosie O´Donnell. Sie hatte immer mal wieder TV-Rollen („Queer as Folk“, „Curb Your Enthusiasm“, „Nip/Tuck“) und war auch das eine oder andere Mal in Spielfilmen („Sleepless in Seattle“, „The Flintstones“) zu sehen, für mich ist sie aber eher als Moderatorin ihrer eigenen Talk-Show („The Rosie O´Donnell Show“) und später als Co-Moderatorin einer meiner Lieblingstalkshows „The View“ im Gedächtnis. Natürlich auch für ihre legendären, wortreichen Boshaftigkeiten, die sie mit Donald Trump seinerzeit ausgetauscht hat. Als Gastgeberin der Tonys im Jahr 1998 hat sie einen Emmy gewonnen. Weitere 11 Emmys hat sie für ihre Talk Show „The Rosie O´Donnell Show“ gewonnen. 8 weitere Nominierungen gesellen sich auch noch dazu und wie es aussieht könnte sie für ihre Performance in „I Know This Much is True“ auch für einen weiteren Emmy nominiert werden.

Dr. Patel ist Thomas´ neue Psychologin, die sich aber auch um Dominick (beide gespielt von Mark Ruffalo) kümmert. Dr. Patel wird von der englischen Schauspielerin Archie Panjabi (ich liebe diesen Namen) gespielt.  Mir kam sie wahnsinnig bekannt vor, Nachdem ich nachgeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass ich sie erst kürzlich in der HBO-Serie Run gesehen habe. Eine Serie, die ich quasi parallel zu „I Know This Much is True“ geschaut habe. Sie hat auch in vielen anderen TV-Serien mitgespielt, u.a. hatte sie eine Hauptrolle in „The Good Wife“, sie hat vor vielen Jahren in „Bend It Like Beckham“ mitspielt und seither auch kleinere Auftritte in Spielfilmen (u.a. A Mighty Heart, The Disappearance of Eleanor Rigby: Them). Für ihre Performance in „The Good Wife“ wurde sie drei Mal für den Emmy nominiert, einen Emmy hat sie davon gewonnen. 

Dessa ist die Ex-Frau von Dominick (gespielt von Mark Ruffalo). Sie wird von der amerikanischen Schauspielerin Kathryn Hahn gespielt. Bekannt wurde sie durch ihre erste große Rolle in der TV-Serie „Crossing Jordan“. Seither hat sie in vielen TV-Serien (u.a. „Parks and Recreation“, The Newsroom, Transparent) mitgespielt und war auch in einigen Spielfilmen (u.a. Step Brothers, Our Idiot Brother, „Captain Fantastic“ zu sehen. Für ihre Performance in „Transparent“ wurde sie für den Emmy nominiert. 

„I Know This Much is True“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Actor, Limited Series/Movie (Mark Ruffalo) Supporting Actress, Limited Series/movie (Rosie O´Donnell), etc. Update: „I Know This Much is True“ wurde für einen Emmy (Best Actor/Limited Series für Mark Ruffalo) nominiert. 

„I Know This Much is True“ wurde erstmalig v. 10.05.20 – 14.06.20 auf HBO ausgestrahlt. Parallel  lief dieser Mehrteiler auch erstmalig in Deutschland bei Sky. 

Trailer zu sehen: 

 

Netflix – Film: „Da 5 Bloods“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Da 5 Bloods“ (in D. seit dem 12.06.20 auf Netflix abrufbar)  155 min  drama, war, action

dir. Spike Lee  cast: Delroy Lindo, Jonathan Majors, Clarke Peters, Norm Lewis, Isiah Whitlock Jr., Chadwick Boseman, Mélanie Thierry, Paul Walter Hauser, Jasper Pääkönen, Jean Reno, Johnny Tri Nguyen, Veronica Ngo

 

Jahrzehnte nach ihrem Einsatz im Vietnamkrieg treffen sich die vier „Bloods“, die ehemaligen afroamerikanischen Kriegsveteranen Paul (Delroy Lindo), Eddie (Norm Lewis), Otis (Clarke Peters) und Melvin (Isiah Whitlock Jr.) wieder in Vietnam. Sie wollen die sterblichen Überreste von Norman (Chadwick Boseman), dem fünften und Anführer, ihrer damaligen Einheit bergen. Bei der Mission begleitet David (Jonathan Majors) seinen, an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidenden, Vater Paul und den Rest der Truppe. Und dann ist da noch ein vergrabener Goldschatz…

 

B- (Wertung von A bis F) „Da 5 Bloods“ ist der neue Film des afroamerikanischen Filmemachers und Oscar-Gewinners Spike Lee („Do the Right Thing“, „Malcolm X“, „25th Hour“, Chi-Raq, BlacKkKlansman).

„Da 5 Bloods“ wird sicherlich – mit dem unerträglichen Mord an George Floyd und den daraus resultierenden Protesten in den Vereinigten Staaten und weltweit – zum nahezu perfekten Zeitpunkt veröffentlicht. Die Botschaft(en) in Spike Lees neuestem Werk fand ich eindringlicher und bleibender als den Film selbst. 

So richtig weiß man ja manchmal nicht, was Spike Lee eigentlich für eine Geschichte erzählen will bzw.  welchem Genre seine Filme überhaupt zuzuordnen ist. „Da 5 Bloods“ ist ein (Anti-)Kriegsfilm, Drama über Kriegsveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Vater/Sohn-Drama, ein recht blutiger Abenteuer- und Actionfilm, einen kleinen Liebesfilm-Anteil gibt es auch, zwischendurch mutet der Film auch mal wie eine Reportage an, ständig streut er nebenbei Informationen und historisches Archivmaterial über afroamerikanische Bürgerrechtler oder Helden ein und Donald Trump (oder wie Spike Lee ihn nennt „Agent Orange“) durfte natürlich auch nicht fehlen. Kurzum „Da 5 Bloods“ wirkt ganz schön überfrachtet und in den ersten ca. 57 Minuten recht unaufgeräumt.

Mit seinem ersten Netflix-Film setzt Spike Lee ein klares politisches Statement, wie sinnlos und unmoralisch der Vietnam-Krieg war, wie wenig sich die amerikanische Regierung um die traumatisierten Rückkehrer gekümmert hat, dass gerade afroamerikanische Soldaten als Kanonenfutter herhalten mussten, aber in amerikanischen Mainstream-Filmen oder TV-Serien nie als Helden gefeiert wurden. Er zeigt auch den Zusammenhang vom Vietnamkrieg und Rassismus auf.

Die instrumentale Filmmusik (Terence Blanchard) empfand ich als zu dick aufgetragen. Manchmal passt der Score nicht mal zu den Szenen. Das ist mir bereits im ersten Akt, in der Szene, in der die kämpfenden GIs in der Rückblende gezeigt wurden, aufgefallen. Für die Rückblenden verändert Spike hier das Bildschirm/Leinwand-Format, lässt aber die alten Kriegsveteranen Paul, Eddie Otis und Melvin neben ihrem jungen, und später im Krieg gefallenen, Anführer Norman in den Szenen spielen. Das wirkt zunächst irritierend, man kann es jedoch auch so interpretieren, dass die Grausamkeit des Krieges die Männer bis heute nicht losgelassen hat.

Erkennbar ist Spike Lees neuester Film auch eine Hommage an die Filme „Apocalypse Now“ und „The Treasure of the Sierra Madre“, an die Band „The Temptations“ (allein die Namen der Protagonisten entsprechen denen der Bandmitglieder) und auch an Marvin Gaye.   

Schauspielerisch ist dieser Film durch die Bank hervorragend besetzt. Wenn jemand aus diesem Ensemble besonders positiv hervorsticht, ist es Delroy Lindo. Spike Lee nutzt in seinem Film die unterschiedlichsten Stilmittel, als Delroy Lindos „Paul“ die vierte Wand durchbricht und zu seinem Monolog ansetzt, musste ich schon schlucken. Eine Oscar-Nominierung (ob als beste Neben- oder Hauptdarsteller sei dahingestellt) würde ich befürworten. Ein Wiedersehen gibt es hier auch mit Paul Walter Hauser und Jasper Pääkönen aus „BlacKkKlansman“.

„Da 5 Bloods“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller (Delroy Lindo), Beste Nebendarsteller (Clarke Peters, Jonathan Majors) und einige technische Kategorien

Der Netflix-Film „Da 5 Bloods“ sollte erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2020 (außerhalb des Wettbewerbs) gezeigt werden. Durch die Corona-Krise wurde dieses Filmfestival ersatzlos gestrichen. Angedacht war, den Film im Mai oder Juni 2020 ins Kino zu bringen. Corona-bedingt waren jedoch die  Kinos geschlossen, entsprechend wurde der Film direkt auf Netflix zugänglich gemacht. Seit dem 12.06.20 ist er auf diesem Streamingportal – auch in Deutschland – abrufbar. Es ist aber davon auszugehen, dass Netflix „Da 5 Bloods“ mindestens in einem ihrer jüngst gekauften Kinos in Los Angeles und New York dieses Jahr (bzw. bis zum 28.02.21) noch mal auf der großen Leinwand präsentieren wird. 

Trailer zu sehen:

 

HBO-Films: „Bad Education“

Ich habe mir folgenden HBO-Film angeschaut:

 

„Bad Education“ (in D. ab dem 22.07.20 bei Sky Ticket zu sehen) 108 min  drama, comedy, biopic, adaptation 

dir. Cory Finley  cast: Hugh Jackman, Allison Janney, Geraldine Viswanathan, Alex Wolff, Ray Romano, Annaleigh Ashford

 

Im Jahr 2002 in Roslyn, Long Island im Bundesstaat New York. Rachel (Geraldine Viswanathan) ist Reporterin der Schülerzeitung und schreibt an einem Artikel über ein Bauprojekt der Roslyn High School. Der Bezirksschulinspektor von Roslyn, Dr. Frank Tassone (Hugh Jackman), ermutigt noch die Schülerin und so taucht sie immer tiefer in die Finanzunterlagen der Schulbehörde. Bei ihrer Recherche findet sie schließlich heraus, dass scheinbar ein paar Millionen Dollar unterschlagen wurden und Dr. Tassone und seine Vertreterin Pam Gluckin (Allison Janney) scheinen daran nicht gerade unschuldig zu sein …

 

B+ (Wertung von A bis F) „Bad Education“ basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist eine Adaption von Robert Kolkers New York Magazine Artikel „The Bad Superintendent“. Erzählt wird von dem bis heute größten Fall an Unterschlagung von Schul- und Steuergeldern in einem Schulbezirk in den Vereinigten Staaten. „Bad Education“ ist nach Thoroughbreds erst der zweite Film, bei dem der amerikanische Regisseur Cory Finley Regie geführt hat. 

Dr. Frank Tassone war in der Schulaufsicht und bei Schülern, Eltern, Lehrern und Verwaltungsmitarbeitern gleichermassen beliebt. Während seiner Amtszeit hat es die Roslyn High School auch sogar auf Platz 4 der besten öffentlichen Schulen in den Vereinigten Staaten geschafft. Nun hat er und seine Vertreterin Pam Gluckin aber über einige Jahre mehrere Millionen Dollar an Schul- und Steuergeldern unterschlagen und sich damit ein schönes Leben gegönnt. In diesem Film wird nicht so sehr beleuchtet, wie die beiden auf die Idee gekommen sind und wie durchdacht ihr Plan war, bzw. nicht war, das Kind ist hier längst in den Brunnen gefallen. Die beiden hatten sich an ihren ausschweifenden Lebensstil gewöhnt und, wären nicht irgendwann einige Ungereimtheiten aufgefallen, hätten sie ewig so weiter gemacht. Dank einer eifrigen Schülerreporterin wird der Fall später in Gänze aufgeklärt. „Bad Education“ ist ein Film über einen Skandal, ein Porträt über die Beteiligten, aber nicht zuletzt auch ein Film über guten Journalismus. 

Der Film ist schlüssig und interessant erzählt. Stilistisch hat mir die Parallelmontage, die mit Moby´s „In This World“ unterlegt ist, besonders gefallen. Schauspielerisch ist natürlich die Oscar-Gewinnerin Allison Janney (I,Tonya) ganz weit vorne, auch gut gefallen hat mir Annaleigh Ashford (die, die Nichte von Allison Janneys Charakter spielt) und einmal mehr konnte mich auch Ray Romano (The Big Sick , The Irishman) begeistern. Hugh Jackman kann mich selten überzeugen, hier gibt er sicherlich eine seiner besten und glaubwürdigsten Performances. 

„Bad Education“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best TV Movie, Best TV Movie/Limited Series Actor (Hugh Jackman), Best TV Movie/Limited Series Supporting Actress (Allison Janney), Best TV Movie/Limited Series Supporting Actor (Ray Romano) Update: „Bad Education“ wurde für zwei Emmys (Best Actor/Limited Series or Movie für Hugh Jackman und Outstanding TV Movie) nominiert. 

„Bad Education“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2019 gezeigt. Bei HBO wurde der Film erstmalig am 25.04.20 ausgestrahlt. In Deutschland ist der Film ab dem 22.07.20 bei Sky Ticket zu sehen. 

Trailer zu sehen: