Oscar-Gewinnerfilm 2018, meine Analyse


Zunächst: Jeder (egal aus welchem Land), der kreativ in der Filmbranche arbeitet, träumt davon, den wichtigsten Filmpreis der Welt, den Oscar, gewinnen. Vergleichbar ist das mit Leistungssportlern, die sich ausmalen, eines Tages olympisches Gold oder den Weltmeistertitel zu holen. Die Academy-Mitglieder, die die Oscars verleihen, sind keine Journalisten und auch keine Filmkritiker. Es sind allesamt Kreative bzw. Künstler, die sich irgendwann in der Filmbranche verdient gemacht haben und in den elitären Kreis der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (A.M.P.A.S.) aufgenommen wurden. Nicht umsonst werden von großen Filmstudios, bzw. den Indie-Produzenten/Verleihern jedes Jahr viele Millionen Dollar investiert, um Oscar-Nominierungen für ihre Filme zu erhalten oder tatsächliche Academy Awards zu gewinnen. Im Gegensatz zu Deutschland, schnellen in den U.S.A., nach der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen auch die Kino-Besucherzahlen für die nominierten Filme extrem in die Höhe. Sollte der Film zu dem Zeitpunkt bereits auf DVD oder über Streaming erhältlich sein (in diesem Jahr z.B. „Get Out“ und „Dunkirk“), dann kurbelt das auch die Verkaufs- Verleih- oder Streamingzahlen in den U.S.A. an. Bei den Oscars geht es nicht nur um Prestige, sondern auch um sehr viel Geld. Der Academy Award ist auch nicht – wie manche vielleicht denken – ein Preis, der nur Amerikaner oder amerikanische Filme auszeichnet. Allein wenn man sich dieses Jahr die Liste der Nominierten in den „wichtigsten“ Kategorien (Regie, Schauspiel und Drehbuch) anschaut, da sind auch viele Engländer bzw. Briten, Iren, ein Mexikaner, ein Kanadier, eine Australierin und sogar ein Pakistani unter den Nominierten.

Ich weiß, dass die Oscars kritisiert werden, aber eigentlich nur von denen, die wirklich keine Ahnung haben. Das musste ich einfach mal loswerden. Es muss sich auch nicht jeder für die Oscars interessieren, für mich ist Oscar-Geschichte und die jährlichen Oscars seit sehr vielen Jahren einfach eines meiner Hobbys.

So, alle Kritikerpreise und, bis auf den Oscar, alle Preise innerhalb der Filmindustrie für das Filmjahr 2017 wurden mittlerweile vergeben. Ab morgen (20.02.18) bis zum 27.02.18 geben die Academy-Mitglieder ihre Stimme ab und wählen die Oscar-Gewinner. Das bedeutet, dass wir uns jetzt gerade nochmal in einer äußerst sensiblen Phase befinden, die Beeinflussung der Academy-Mitglieder ist entsprechend noch nicht abgeschlossen. Dieses Jahr sind mir einige Schmutzkampagnen zu Ohren gekommen, das hat in erster Linie „Three Billboards“ getroffen, außerdem wurde mit miesen Tricks versucht, Jordan Peele und Gary Oldman ins schlechte Licht zu stellen und auch Guillermo del Toro wurde angegriffen. Ihm wurde vorgeworfen, er hätte aus Jean-Pierre Jeunets Film „Delicatessen“ geklaut. Inwiefern das den jeweiligen Kandidaten geschadet hat, wird sich noch zeigen.

Hier liste ich alle wichtigen Preise, die innerhalb der Filmbranche verliehen wurden und üblicherweise relevant für den Oscar-Gewinner-Film sein könnten, auch liste ich die beiden Golden Globe-Preise:

Golden Globe, Drama: Three Billboards
Golden Globe, Comedy: Lady Bird
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SAG Outstanding Cast: Three Billboards
nominiert für den SAG Outstanding Cast Award waren: The Big Sick, Get Out, Lady Bird, Mudbound und Three Billboards
DGA: The Shape of Water (Guillermo del Toro) und Get Out (Jordan Peele – für den First Time Feature Film)
PGA: The Shape of Water
ACE Eddie Award: Dunkirk (für Drama) und I, Tonya (für Comedy)
nominiert für den ACE Eddie Award waren: Blade Runner 2049, Dunkirk, Molly´s Game, The Post und Shape of Water (drama), Baby Driver, Get Out, I, Tonya, Lady Bird und Three Billboards (comedy)
WGA: (Bestes Originaldrehbuch) Call Me By Your Name
(Bestes adaptiertes Drehbuch) Get Out

als Vorbote für die Oscars war der WGA dieses Jahr nur nicht sonderlich hilfreich, da Three Billboards und Darkest Hour die nötigen Auflagen nicht erfüllt hatten und damit nicht für den WGA nominiert werden konnten
BAFTA: Bester Film: Three Billboards (und bester britischer Film: Three Billboards)
nominiert für den BAFTA BP waren: Call Me By Your Name, Darkest Hour, Dunkirk, The Shape of Water und Three Billboards

Als ich meine erste Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2018 im September 2017 veröffentlicht habe, gingen einige der professionellen Oscar-Experten davon aus, dass „Dunkirk“ den Oscar als Bester Film gewinnt. Danach ist mit dem Harvey-Weinstein-Skandal und im Anschluss daran mit allen anderen öffentlich gemachten Mißbrauchsvorwürfen, der #MeToo und der #TimesUp-Bewegung viel passiert. Während der Oscar-Saison 2017/2018 war irgendwann mal jeder der dann 23.01.18 neun nominierten Filme, Favorit auf den Oscar-Gewinn. Diese Oscar-Saison ist insofern beispiellos, weil es wirklich bis heute keinen Favoritenfilm gibt. Sonst gibt es immer zwei oder drei Filme, zwischen denen es sich letztendlich entscheidet. Dieses Jahr haben die meisten der neun Filme viele Gründe die für einen Oscar-Gewinn sprechen und mindestens einige, die dagegen sprechen. Mittlerweile gehen die meisten professionellen Oscar-Experten von „The Shape of Water“ als Gewinnerfilm aus und kurioserweise auch wieder von „Dunkirk“. Wenn man zu sehr in der Materie steckt, neigt man dazu, zu „verkopft“ zu sein. Ist das hier der Fall?

Kann in dieser Zeit, in der die Ungleichbehandlung der Frauen entschieden angeprangert wird und immer mehr Geschichten von sexuelle Übergriffen gegen Frauen (aber auch Männern) an die Öffentlichkeit geraten, „Dunkirk“ den Oscar gewinnen? Dazu kommt, dass dieser sexistische und rassistische Donald Trump immer noch amerikanische Präsident ist, die Welt verunsichert und in dessen Land ein Amoklauf nach dem nächsten passiert –  sollte da ein Kriegsfilm den Oscar gewinnen? Ein Film, in der keine einzige Frau eine Rolle spielt?

In meinen Augen wäre es sowas von nicht in Ordnung, wenn „Dunkirk“ den Oscar gewinnt. Davon abgesehen, ist mir der Film auch nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Heute ist der 19.02.18, in meiner September-Prognose  und meiner November-Prognose habe ich darauf getippt, dass „Three Billboards“ den Oscar gewinnt. Als die Oscar-Nominierungen herauskamen und „Three Billboards“ keine Beste Regie-Nominierung erhalten hat, musste ich davon Abstand nehmen. Das ist nämlich ein ziemlich eindeutiger Indikator, dass dieser Film eben nicht den Oscar gewinnt. Es gibt Ausnahmen: „Argo“, Ben Affleck wurde nicht als Bester Regisseur nominiert. Das war aber ein Sonderfall, Martin McDonagh ist kein Ben Affleck. Man muss schon viel weiter in die Oscar-Geschichte zurückgehen bis man einen Film findet, der ohne in der Kategorie Beste Regie für den Oscar nominiert zu sein, den Oscar BP gewann: Das war „Driving Miss Daisy“ im Jahr 1989. Gestern hat „Three Billboards“ aber den BAFTA gewonnen. Die britische „Oscar“-Academy hat „Three Billboards“ sogar zwei Mal ausgezeichnet, 1x als Bester Film und 1x Bester britischer Film. Man kann jetzt also davon ausgehen, dass die britischen A.M.P.A.S-Mitglieder auch „Three Billboards“ für den Oscar wählen, oder? Ich halte jetzt jedenfalls wieder an „Three Billboards“ fest, mit einem Ausweichkandidaten und das ist „Get Out“. Zugegebenermassen spricht vieles gegen „Get Out“ als Oscar-Gewinnerfilm (weiter unten aufgelistet), aber dieser Film trifft, wie kein anderer Film, den (amerikanischen) Zeitgeist. Außerdem glaube ich, dass „Get Out“ unter dem preferential voting system gewinnen kann. Bis zu meiner Wette habe ich noch etwas Zeit und werde das natürlich noch mal alles überdenken.

Rein mathematisch kann „Dunkirk“ natürlich sehr wohl den Oscar als Bester Film gewinnen (wie übrigens, jeder andere Film dieses Jahr auch), der Grund dafür ist das preferential voting system. Diese Art, den Gewinnerfilm zu ermitteln, gab es bereits von 1934 bis 1945, allerdings bei einer unterschiedlichen Anzahl von nominierten Filmen, von festen 5 bis zu festen 10 bzw. sogar 12. Dieses System hat Oscar-Gewinner-Filme wie z.B. „It Happened One Night“, „Gone with the Wind“ und „Casablanca“ hervorgebracht. Seit dem Jahr 2009 wurde es wieder eingeführt. Durch dieses System werden alle Academy-Mitglieder angehalten, alle nominierten Filme entsprechend ihrer Präferenzen der Reihe nach zu listen. Dann werden die Nummer 1-Filme aller Academy-Mitglieder ausgezählt und wenn kein Film auf mehr als 50% kommt, geht es in die nächste Runde. Ach, ich kann das nicht so gut erklären…wie jedes Jahr setze ich hier wieder Steve Ponds anschauliche Erklärung, wie der Oscar-Gewinner-Film ermittelt wird, rein:

Voilà:

Jetzt gehe ich ins Detail und versuche für jeden einzelnen Film ein Für und ein Wider für den Oscar-Gewinn zu finden.

Zunächst habe ich mir die aktuellen Einspielergebnisse (Stand 17.02.18) aller neun nominierten Filme angeschaut. (Bei den Oscar-Gewinner-Filmen zählt auch manchmal, wieviel Geld ein Film eingespielt hat). Da dafür nur die amerikanischen Zuschauerzahlen relevant ist, beziehen sich die nachfolgenden Einnahmen nur auf das Geld, das die Filme in den U.S.A. eingespielt haben. Damit das auch abgehakt ist, dahinter die aktuelle Rotten Tomatoes Bewertung (Stand auch hier 17.02.18).

Dunkirk: ca. 188 Millionen Dollar – 92% Rotten Tomatoes
Get Out: ca.176 Millionen Dollar – 99% Rotten Tomatoes
The Post: ca. 75 Millionen Dollar – 88% Rotten Tomatoes
Darkest Hour: ca. 52 Millionen Dollar – 86% Rotten Tomatoes
Shape of Water: ca. 51 Millionen Dollar – 92% Rotten Tomatoes
Three BB: ca. 46 Millionen Dollar – 93% Rotten Tomatoes
Lady Bird: ca. 45 Millionen Dollar – 99% Rotten Tomatoes
Phantom Thread: ca. 16 Millionen Dollar – 91% Rotten Tomatoes
Call Me By Your Name: ca. 14 Millionen Dollar – 96% Rotten Tomatoes

Nun liste ich bei allen 9 nominierten Filme Argumente die für, und Argumente die gegen einen Oscar-Gewinn Bester Film sprechen (alle Gründe kann ich natürlich nicht listen):

Three Billboards
Pro: 1. hat den Publikumspreis in Toronto gewonnen, 2. ist SAG-Ensemble-Gewinner 3. ist BAFTA-Doppel-Gewinner 4. Man kann davon ausgehen, dass der Film mindestens einen Schauspiel-Oscar gewinnt 5. Story bzw. Figuren: eine starke, kämpfende Frau, die sich in einer von Männern dominierenden, ungerechten Welt durchsetzt.
#Meetoo und #TimesUp-Bewegung: geeigneter Gewinner-Film
Con: 1. Ohne eine Oscar-Regie-Nominierung den Oscar zu gewinnen ist sehr schwierig. Mit Ben Affleck/„Argo“ war das ein außergewöhnlicher Fall, da der in „Argo“ regieführende Schauspieler in Hollywood äußerst beliebt ist, alle das als ungerecht ansahen und schließlich für „Argo“ als Gewinnerfilm stimmten. Das ist kein gutes Beispiel. Davor war es „Driving Miss Daisy“, im Jahr 1989 2. auch wenn die RT-Bewertung anders aussieht, sind die Meinungen über diesen Film in den U.S.A. gespalten. 3. Story bzw. Figuren: ein rassistische Cop, der irgendwie auch ein Sympathieträger ist und eine Frau und Mutter, die (etwas) zu weit geht

The Shape of Water
Pro: 1. 13 Oscar-Nominierungen 2. hat den PGA gewonnen 3. es gilt als sicher, dass Guillermo del Toro den Regie-Oscar für diesen Film gewinnt. 4. Story bzw. Figuren: Ein Film über Außenseiter, der Film hat ein positives Ende.
#Metoo und #TimesUp Bewegung: geeigneter Gewinner-Film
Con: 1. Es würde ein Film ohne von der Schauspiel-Gewerkschaft für das beste SAG-Ensemble nominiert zu sein, gewinnen. Der letzte Film, der das geschafft hat, war: „Braveheart“, im Jahr 1995 2. ebenso wie bei „Three Billboards“ sind die Meinungen über den Film gespalten 3. Story bzw. Figuren: Erwachsenenmärchen, mit dem nicht jeder etwas anfangen kann. Eine stumme Putzfrau verliebt sich in einen Fischmann und hat Sex mit ihm

Dunkirk
Pro: 1. Dunkirk hat eine Beste-Schnitt-Oscar-Nominierung und hat bereits den ACE Eddie gewonnen 2. Es ist sicher ein Nr. 1-Film der weißen, alten Männer innerhalb der Academy 3. Dunkirk ist der erfolgreichste Film an der amerikanischen Kinokasse
Con: 1. Wie bei „The Shape of Water“, „Call Me“, „Darkest Hour“, „Phantom Thread“ und „The Post“ würde ein Film ohne eine SAG-Ensemble-Nominierung den Oscar gewinnen 2. Es würde auch ein Film ohne eine Schauspiel- und Drehbuch-Oscar-Nominierung gewinnen 3. „Dunkirk“ hat nur den ACE Eddie, ansonsten keinen wichtigen Preis innerhalb der Filmindustrie gewonnen 4. Story, bzw. Figuren: Kriegsfilm in dem keine einzige Frau mitspielt
#MeToo und der #TimesUp-Bewegung: völlig ungeeigneter Gewinner-Film

Get Out
Pro: 1. Dieser Film trifft mit seiner Sozialkritik wie kein anderer den (amerikanischen) Zeitgeist. 2. Er hat eine wichtige Regie-, Schauspiel- und eine Drehbuch-Oscar-Nominierung. 3. Er hat einen WGA für das beste Originaldrehbuch gewonnen 4. 99% RT, den Film mag jeder 5. auch wenn „Get Out“ keine Oscar-Nominierung für den Besten Schnitt erhalten hat, er hat wenigstens eine ACE-Eddie-Nominierung (Bester Schnitt) im Bereich Comedy. 6. „Get Out“ ist nach „Dunkirk“ der erfolgreichste Film an der amerikanischen Kinokasse 7. „Get Out“ hat den DGA (First Timer) gewonnen 8. Kann es wirklich sein, das einer der erfolgreichsten und beliebtesten Filme des Jahres 2017 ohne einen einzigen Oscar nach Hause geht?
Con: 1. Der Film hat keine Oscar-Nominierung für den Besten Schnitt, es gab in der neunzigjährigen Geschichte der Oscars erst 10 Filme („It Happened One Night“, „The Life of Emile Zola“, „Hamlet“, „Marty“, „Tom Jones“, „A Man for All Seasons“, „The Godfather Part II“, „Annie Hall“, „Ordinary People“ und „Birdman“), die ohne diese Nominierung den Oscar gewannen 2. Der Film hat auch keine anderen Nominierungen in den technischen Kategorien, 3. Der Film hat überhaupt nur vier Oscar-Nominierungen, das ist verdammt wenig für einen Oscar-Gewinner-Film 4. Thriller/Horrorfilm: der letzte und einzige Film, der den Oscar gewonnen hat, war: „The Silence of the Lambs“ 5. Der Film hat scheinbar nicht die Briten hinter sich, die haben den Film nicht für den BAFTA Kategorie Best Picture nominiert 6. Get Out spricht mit seiner Botschaft über liberalen Rassismus ein uramerikanisches Problem an, vielleicht können internationale Academy-Mitglieder damit nicht so viel anfangen.
#MeToo und #TimesUp Bewegung: kein geeigneter Gewinner-Film

Lady Bird
Pro: 1. Die besten PR- und Oscar-Strategen der Branche legen alles dran, dass der Film den Oscar gewinnt. (Sie haben damals auch „Crash“ und „The King´s Speech“ zum Oscar verholfen). 2. A24, hat erst letztes Jahr den Oscar für „Moonlight“ geholt. 3. „Lady Bird“ hat (wie „Get Out“) wenigstens eine ACE-Eddie-Nominierung (Bester Schnitt) im Bereich Comedy 4. „Lady Bird“ ist ein Kritiker-Liebling 5. 99% RT. Kann es sein, dass der scheinbar beliebteste Film der gesamten Oscar-Saison keinen einzigen Oscar mit nach Hause nimmt?
#Meetoo und #TimesUp Bewegung: geeigneter Gewinner-Film, insbesondere weil hier auch eine Frau Regie führt.
Con: Der Film hat keine Beste Schnitt-Oscar-Nominierung, siehe Begründung bei „Get Out“ 2. Er hat auch keine, der durchaus anderen wichtigen technischen Kategorien, sie auch „Get Out“, 3. Der Film hat nur fünf Oscar-Nominierungen 4. Der Film hat noch keinen einzigen wichtigen Preis innerhalb der Filmindustrie gewonnen. 5. Ein Film über das Erwachsenwerden hat noch nie den Oscar gewonnen. 6. Der Film hat scheinbar nicht die Briten hinter sich, die haben den Film nicht für den BAFTA Kategorie Best Picture nominiert, siehe „Get Out“

Call Me By Your Name
Pro: 1. Es gilt als ziemlich sicher, dass dieser Film den Preis für das beste adaptierte Drehbuch gewinnt, mit einer einzigen Ausnahme (Grand Hotel im Jahr 1932) gewinnt der Oscar-Gewinner-Film immer mindestens zwei Oscars, ganz oft das Drehbuch) 2. Ich habe den Eindruck, dass dieser Film sehr beliebt ist, es ist ein typischer Nr.1-Film
Con:1. Wie bei „The Shape of Water“, „Dunkirk“, „Phantom Thread“, „Darkest Hour“ und „The Post“ würde ein Film ohne eine SAG-Ensemble-Nominierung gewinnen 2. Wie bei „Three Billboards“, „Darkest Hour“ und „The Post“ hat der Film keine Regie-Nominierung 3. Der Film hat auch keine Beste Schnitt-Nominierung 4. Story bzw. Charaktere: In den U.S.A. gilt es als problematisch, dass Elio erst 17 Jahre alt (under age) ist und von einem viel älteren Mann verführt wird.
#Meetoo und #TimesUp Bewegung: Kein geeigneter Gewinner-Film

Phantom Thread
Pro: 1. Die größte Überraschung am Oscar-Nominierungstag war „Phantom Thread“, insbesondere mit seinen Nominierungen für Bester Film, Beste Regie und Beste Nebendarstellerin, das zeigt, dass der Film offensichtlich wesentlich beliebter ist, als man zuvor geglaubt hatte.
#Meetoo und #TimesUp Bewegung: Nicht gänzlich ungeeigneter Gewinner-Film
Con: 1. Der Film hat keine Beste-Schnitt-Oscar-Nominierung, siehe „Get Out“ und „Lady Bird“ 2. Der Film hat auch keine SAG-Ensemble-Nominierung, siehe „Shape of Water“, „Dunkirk“, „Call Me By Your Name“, „Darkest Hour“ und „The Post“ 3. Der Film hat keine Drehbuch-Oscar-Nominierung. 4. Der Film hat noch keinen wichtigen Preis innerhalb der Filmindustrie gewonnen

Darkest Hour
Pro: 1. Es gilt als relativ sicher, dass Gary Oldman den Oscar gewinnt 2. Biopics sind grundsätzlich beliebte Oscar-Gewinner-Filme
Con: 1. Der Film hat keine Regie-Nominierung, siehe „Three Billboards“, „Call Me By Your Name“ und „The Post“ 2. Der Film hat keine Beste-Schnitt-Oscar-Nominierung, siehe „Get Out“, „Lady Bird“, etc. 3. Der Film hat keine SAG-Ensemble-Nominierung, sie „Dunkirk“, „Shape of Water“, „Phantom Thread“, „The Post“ und „Call Me By Your Name“ 4. Der Film hat keine Drehbuch-Nominierung
#MeeToo und #TimesUp-Bewegung: Kein geeigneter Oscar-Gewinner-Film

The Post
Pro: 1. Meryl Streep hat für ihre Performance in diesem Film ihre 21. Oscar-Nominierung erhalten hat. 2. Ein Film über die Pressefreiheit in einer Zeit, in der der amtierende U.S.-Präsident selbige bekämpft.
#MeToo und #TimesUp-Bewegung: Geeigneter Oscar-Gewinnerfilm
Con: 1.2.3.4.5. Hier würde ein Film ohne Regie-, Schnitt- und Drehbuch- Oscar-Nominierungen gewinnen, auch sonst keine technische Kategorien, überhaupt hat der Film nur zwei Oscar-Nominierungen. 6. Der Film hat keine SAG-Ensemble-Nominierung, siehe „The Shape of Water,“ „Call Me By Your Name“, „Darkest Hour“ und „Phantom Thread“ 7. Der Film hat keinen wichtigen Preis innerhalb der Filmindustrie gewonnen

 

und jetzt noch ein paar, vielleicht nicht unwichtige Beobachtungen:

 

Welche Filme werden von allen gemocht?

Get Out und Lady Bird

 

Welcher Film war der erfolgreichste an der amerikanischen Kinokasse?

Dunkirk (relativ dicht gefolgt von Get Out)

 

Wenn man seine Unterstüztung für die #MeToo und #TimesUp-Kampagnen in einem Oscar-Gewinn für den besten Film ausdrücken will, welchen Film würde man dann wählen?

Three Billboards, The Shape of Water, Lady Bird, The Post (und vielleicht Phantom Thread)

 

Welcher Film trifft den (amerikanischen) Zeitgeist am ehesten?

Get Out

Welche Filme sind dieses Jahr klare Nr. 1 Filme?

Ich denke: Dunkirk, Call Me By Your Name, Phantom Thread, Three Billboards und The Shape of Water

 

Welche Filme könnten klare Nr. 2 und Nr. 3 Filme sein?

Ich denke: Get Out und Lady Bird

Die Mehrheit der Oscar-Academy-Mitglieder sind immer noch weiße, alte Männer – welcher Film ist wohl ihr Lieblingsfilm?

Ich denke: Dunkirk, Darkest Hour und vielleicht Three Billboards

Welchen Film mögen die vielen britischen Academy-Mitglieder?

Ich denke: Three Billboards (s. BAFTA-Doppelgewinn), Dunkirk und Darkest Hour

 

Welcher Film hat die besten PR- bzw. Oscar-Strategen hinter sich:

Lady Bird

Welche Schauspieler haben dieses Jahr die beste Oscar-Kampagne geführt:

Timothee Chalamet und Allison Janney

Sind die folgenden vier Golden Globe-, SAG- und BAFTA-Gewinner auch automatisch die sicheren Oscar-Gewinner:

Frances McDormand
Gary Oldman
Allison Janney
Sam Rockwell

das wäre in dieser beispiellosen Oscar-Saison zu einfach, oder? Ich könnte mir eine Überraschung in den Kategorien der besten Nebenrolle am ehesten vorstellen. Vor zwei Jahren war Sylvester Stallone der Favorit auf den Oscar und dann hat, etwas überraschend, Mark Rylance gewonnen. (wobei, zuvor hatte er den BAFTA gewonnen). Jedenfalls könnte ich mir hier auch Laurie Metcalf oder auch Christopher Plummer vorstellen.

 

Wie man sieht, es ist dieses Jahr alles andere als einfach auf den richtigen Oscar-Gewinner-Film zu tippen. Wahrscheinlich kann man nur raten und am Ende Glück oder Pech haben.

 

Ich werde mir das alles jetzt noch mal durch den Kopf gehen lassen und – wie immer – einen Tag vor den Oscars (am 03.03.18) meine Oscar-Wette zu allen 24 Kandidaten veröffentlichen.

Von den Filmen, die mindestens eine Oscar-Nominierung erhalten haben, habe ich folgende Filme gesehen – in der Reihenfolge, in der ich sie tatsächlich gesehen habe:):

Call Me by Your Name, Get Out, Logan, The Big Sick, Baby Driver, War for the Planet of the Apes, Dunkirk, „Victoria & Abdul“, The Florida Project, The Square, Blade Runner 2049, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, Lady Bird, „Mudbound“, Roman J. Israel, Esq., Coco ,The Disaster Artist, The Shape of Water, Darkest Hour, All the Money in the World, Phantom Thread, I, Tonya, Molly´s Game, The Post, Update: „Stronger Island“

7 Gedanken zu “Oscar-Gewinnerfilm 2018, meine Analyse

  1. Vielen Dank für die ausführliche Analyse. Zunächst einmal hoffe ich, dass der beste Film gewinnt. Das war in den letzten Jahren nicht immer der Fall…
    Ich denke, dass Three Billboards knapp gewinnen wird, reine Intuition. Unsicher bin ich bei Regie, obwohl viele den Preis bei Del Toro sehen. Frances wird ihren zweiten Oscar gewinnen, Oldman seinen ersten. Sam Rockwell muss den Oscar gewinnen! Bei den Damen denke ich an Laurie Metcalf. Die Drehbuchkategorien gehen an Call me by your Name und Three Billboards…
    Mich würde mal interessieren, wie die Voter in den letzten Jahren abgestimmt haben. Ich glaube, das wären interessante Schlüsse…

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    • Gerne 🙂
      Es ist ja immer recht subjektiv, welcher der beste Film ist. Da „Three Billboards“, „Get Out“ und „Lady Bird“ in meiner Top Ten gelandet sind, wäre ich mit allen drei Filmen happy. Naja, noch mehr happy wäre ich mit den beiden Erstgenannten. 🙂
      Guillermo del Toro hat alle wichtigen Preise gewonnen, ich kann mir nicht vorstellen, dass er jetzt nicht auch den Oscar gewinnt – Er ist der letzte der Three Amigos!!!

      Ich hoffe darauf, dass die drei Golden Globe/SAG und BAFTA-Gewinner (Frances, Gary und Sam) auch den Oscar gewinnen. Und ich wünschte, dass Laurie Metcalf den Oscar gewinnt, aber sie hat nicht einen einzigen Preis bisher gewonnen, hätte sie gestern den BAFTA gewonnen, wäre ich etwas zuversichtlicher)

      Bei Drehbuch ist „Call Me“ klar, damit gewinnt übrigens mit James Ivory auch der älteste Nominierte aller Zeiten. Bei Originaldrehbuch ist es sehr unsicher, den Preis für das beste Drehbuch der amerikanischen Autoren, den WGA, hat „Get Out“ gewonnen (aber, wie gesagt, „Three Billboards“ hatte die Auflagen nicht erfüllt)
      Ich sage Dir, wenn während der Oscar-Verleihung (die ich natürlich live schaue) der Oscar des besten Originaldrehbuchs an „Three Billboards“ geht, dann – ja dann – gewinnt er auch sicher Bester Film. Das ist für mich wahrscheinlich der spannendste Moment der Verleihung.

      Von A.M.P.A.S. erfährt man leider nicht, wie knapp vielleicht die eine oder andere Entscheidung in der Vergangenheit war, ich würde viel darum geben, dies zu erfahren. 🙂

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      • Klar, aber man kann ja bis heute sagen, dass zum Beispiel Shakespeare in Love niemals den Hauptpreis hätte gewinnen dürfen… Von den bisher wenigen Filmen des Jahrgangs, die ich sehen durfte, ist für mich Three Billboards der beste. Ich versuche noch Dunkirk und Get Out zu sehen und im Kino The Post, The Shape of Water und Call me by your Name bis zum Dritten zu sehen. Dann hätte ich zum ersten mal alle in Deutschland veröffentlichten BP-Filme vor den Oscars gesehen…
        Allerdings kommt mir unter anderem mein Vorabi in die Querre…

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      • Das ist Geschmacksache, Ich fand persönlich „The Thin Red Line“ in dem Jahr besser, aber ich habe nichts gegen „Shakespeare“.
        Ja, gucke Dir „Get Out“ an, ich habe ihn mittlerweile vier Mal gesehen, ist ein wirklich guter Film, vor allen Dingen als Regiedebüt.
        Am 4.3. sind die Oscars, am 1.3. startet „Call Me“ im deutschen Kino, ich hatte Glück, ihn letztes Jahr auf der Berlinale gesehen zu haben.
        Na man kann ja nicht nur lernen, irgendwann ist der Kopf voll (geht mir auch so), da ist Kino doch eine gute Ablenkung. 🙂

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      • Sicher, der war nicht schlecht, im Gegenteil, einer der wenigen Filme, die ich zuerst auf Englisch gesehen habe, allerdings kam er bei eher wenigen Mitmenschen im Kurs gut an und ja, irgendwie finde ich, ist das kein Oscarfilm…
        Es geht ja nicht nur um Lernen, abgesehen davon, dass ich eher zu den ökonomischen lernern gehöre. Irgendwann ist mein Kinobudget aufgebraucht und um vergünstigte Tickets zu bekommen, brauche ich jemanden der mitguckt und da ist es schwierig jemanden zu finden…

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      • Ja doch, aber der ist Dienstags im großen Kino und da habe ich jetzt immer Sport bis 16.30 und im kleineren Arthousekino ist der Donnerstags und da hat das andere Kino dann dieses 2 für 1 Angebot…

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