Berlin (ale) – Film: „Light of My Life“

Ich war am 10.02.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Light of My Life“  110 min  drama

dir. Casey Affleck  cast: Anna Pniowksky, Casey Affleck, Tom Bower, Elisabeth Moss, Hrothgar Mathews, Timothy Webber 

 

Ein Vater (Casey Affleck) zeltet mit seiner 11-jährigen Tochter Rag (Anna Pniowksky) mitten im Wald. Die beiden machen jedoch keinen Campingausflug, vor einigen Jahren brach eine Pandemie aus, wodurch die weibliche Population nahezu ausgelöscht wurde. Rag ist scheinbar immun gegen den Virus. Bei Begegnungen mit anderen Männern versucht der Vater, sein Kind zu verstecken oder als Junge auszugeben. Bald müssen sie sich jedoch wieder einen neuen Zufluchtsort suchen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Light of My Life“ ist nach einer Kollektion an Kurzfilmen und der Mockumentary  I´m Still Here die dritte Regiearbeit des amerikanischen Schauspielers und Oscar-Preisträgers Casey Affleck (Manchester by the Sea). Für diesen Film hat er auch das Drehbuch geschrieben und spielt eine der Hauptrollen. 

Zu Beginn hat mich dieser Film an Debra Graniks wunderbares Werk Leave No Trace erinnert. Auch hier leben Vater und Tochter im Wald, fern von jeglicher Zivilisation. Nur in Casey Afflecks Film – so erfährt man bald – ist vor Jahren eine Pandemie ausgebrochen, die einen erheblichen Teil der weiblichen Population ausgelöscht hat. Was es mit dem Virus auf sich hat, wird weitgehend offen gelassen, ist auch nicht relevant, ohne Frauen ist die Gesellschaft aus der Balance geraten. Gerade die Vorstellung, wie wohl eine Gesellschaft ohne Frauen aussieht, fand ich faszinierend. Gerne wäre ich da noch etwas tiefer eingetaucht. Affleck konzentriert sich in seiner Erzählung jedoch hauptsächlich auf die beiden Protagonisten. Seine Inszenierung macht es einem leicht, sich in die  Charaktere und ihrer Situation hineinzuversetzen. So spürt man, sobald Fremde auf der Bildfläche auftauchen, auch die Bedrohung und man wird immer tiefer in ihre Geschichte hineingezogen.  

Was ich jedoch nicht verstanden habe, warum handelt der Vater in der vorgegebenen Situation eigentlich so verantwortungslos und hat seiner Tochter nicht beigebracht, wie sie notfalls ohne ihn zurecht kommen und überleben kann. Wäre das nicht seine Aufgabe? Stattdessen erzählt er seiner 11-Jährigen dass er sie immer beschützen wird. 

„Light of My Life“ ist ein sehr langsam erzähltes, atmosphärisches Überlebensdrama, dass durch seine beiden Protagonisten lebt. Einige spannungsgeladenen Momente, in diesem sonst ruhigen Film, sind mir noch heute sehr präsent. 

„Light of My Life“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2019 gezeigt. Dort lief er in der Sektion Panorama. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen. Gezeigt wurde die Originalfassung. Der Film hat derzeit weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleih gefunden. Update: „Light of My Life“ ist am 9.8.19 in einigen amerikanischen Kinos gestartet. 

Bisher gibt es noch keinen Trailer, aber einen kurzen Ausschnitt aus der Anfangsszene :

 

NYC – Film: „Her Smell“

Ich war am 30.09.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Her Smell“  134 min  drama 

dir. Alex Ross Perry   cast: Elisabeth Moss, Agyness Deyn, Cara Delevingne, Dan Stevens, Gayle Rankin, Amber Heard, Eric Stoltz, Virginia Madsen

 

Über einen längeren Zeitraum begleiten wir die Sängerin der Punkrock-Band Something She, Becky (Elisabeth Moss)…

 

C- (Wertung von A bis F) „Herr Smell“ ist der sechste Spielfilm des amerikanischen Autors und Filmemachers Alex Ross Perry („Listen Up Philip“, Queen of Earth, Golden Exits). Es ist die dritte Zusammenarbeit des Regisseurs mit der amerikanischen Schauspielerin Elisabeth Moss.

Ich weiß nicht, ob der Film besser wäre, wenn man Drogen genommen hätte, helfen würde es aber sicher. Alex Ross Perry schreibt vorwiegend Geschichten über unangenehme  Charaktere. Inspiriert von Danny Boyles Steve Jobs ist dieser Film in fünf Akte unterteilt, jeder einzelne findet quasi in Echtzeit und vor einem Ereignis (z.B. vor dem Auftritt der Band) statt. Eine durchgehende Geschichte wird hier also nicht erzählt, eher bekommt man über einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren einen kurzen Einblick in das Leben, den Ab- und Aufstieg dieser fiktiven Punkrock-Sängerin Becky Something. Diese Sängerin hat sich selbst nicht unter Kontrolle, ist völlig überdreht (alkohol- und drogensüchtig – na klar),  aggressiv, neurotisch und für alle Beteiligten (ja, auch den Zuschauer) lästig. Um Beckys chaotisches Leben noch greifbarer darzustellen, hält die Kamera einfach nicht still. Vier dieser Episoden (also der größte Teil des Films) waren für mich kaum zu ertragen. Mir fiel es auch schwer, den Fokus zu halten. Der vierte Akt, das möchte ich jedoch auch betonen, ist exzellent. Bis dahin ist es aber ein sehr langer, kräftezehrender Weg, einige meiner Mitzuschauer brachten nicht die Geduld auf und verließen vorzeitig das Kino. Ich habe mich am Ende darüber geärgert, dass der vierte Akt nicht Bestandteil eines guten Films ist. 

Elisabeth Moss (Mad Men, Top of the Lake, The Handmaid´s Tale, The One I Love, The Square) ist zweifelsfrei eine der talentiertesten Schauspielerinnen unserer Zeit, von allen Performances die sie je gegeben hat, mochte ich diese (mit Ausnahme ihrer im vierten Akt) am wenigsten. In dem Interview nach dem Film hat die Schauspielerin auch zugegeben, dass dies das erste Projekt war, bei dem ihr die Rolle nicht durchgehend Spass gemacht hat. 

„Her Smell“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2018 gezeigt. Der Film hat bereits einen kleinen amerikanischen Verleih gefunden, ein Kinostart in den U.S.A. ist jedoch bislang noch nicht bekannt. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2018 gesehen, dort wurde der Film in der US-Premiere gezeigt. Nach der Vorstellung gab es ein Interview mit dem Filmemacher Alex Ross Perry und seiner Hauptdarstellerin Elisabeth Moss und anschließend haben sie sich den Fragen des Publikums gestellt. Ob dieser Film in Deutschland ins Kino kommt, ist fraglich. 

Teaser zu sehen:

 

 

Q & A mit Alex Ross Perry (Mitte) und der Hauptdarstellerin Elisabeth Moss nach dem Screening ihres Filmes „Her Smell“ auf dem NYFF56

NYC – Film: „The Old Man & the Gun“

Ich war am 29.09.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Old Man & the Gun“ (dt. Filmtitel: „Ein Gauner & Gentleman“, dt. Kinostart: 28.03.19) 93 min  crime, comedy, biopic, adaptation

dir. David Lowery  cast: Robert Redford, Casey Affleck, Sissy Spacek, Danny Glover, Tom Waits, Keith Carradine, John David Washington, Elisabeth Moss 

 

Im Jahr 1981 fahndet Detective John Hunt (Casey Affleck) nach einem alten Mann, der in den letzten zwei Jahren mehrere Banküberfälle begangen haben soll. Der Bankräuber Forrest Tucker (Robert Redford) sieht den Fahndungsaufruf des Detectives irgendwann im Fernsehen. Daraufhin hinterlässt der alte Mann bei seinem nächsten Banküberfall eine persönliche Nachricht für Hunt….

 

C (Wertung von A bis F) Der Film erzählt die Lebensgeschichte des amerikanischen Bankräubers  Forrest Tucker. Seine Banküberfälle waren nicht immer von Erfolg gekrönt und entsprechend saß er auch einige Male im Gefängnis. Ihm soll es jedoch über achtzehn Mal gelungen sein, aus dem Gefängnis auszubrechen. Das Drehbuch zu „The Old Man & the Gun“ basiert auf David Granns gleichnamigen Artikel im The New Yorker. Dies ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers David Lowery (Ain´t Them Bodies Saints, A Ghost Story). 

Das meiste soll auf einer wahren Geschichte beruhen, so erfährt man. Ich habe mir während des Films aber die Frage gestellt, ob man diese Lebensgeschichte wirklich verfilmen musste. Die Bankräuber-Story plätschert recht einfallslos und mitunter unrealistisch vor sich hin. Im Hintergrund dann noch dieses einlullernde Klavier-Geklimper oder ähnliches Gedudel und ich hatte meine Mühe, nicht einzuschlafen. 

Dieser Film versteht sich vermutlich als eine Hommage an die Hollywood-Legende Robert Redford. Auf jeden Fall wird dem 82-jährigen Schauspieler geschmeichelt was das Zeug hält. In „The Old Man & the Gun“ spielt er einen 74-Jährigen und wird von einem Bankmanager sogar als zwischen 50 und 60 Jahre alt (aber eher 50) beschrieben. Bitte? Ich musste direkt noch mal nachschauen, wie alt Robert Redford tatsächlich ist, hätte ich ihn sogar noch etwas älter als 82 Jahre geschätzt. Das Gesicht seiner 68-jährige Filmpartnerin Sissy Spacek ist nur durch einen Weichzeichner-Filter zu sehen, ein solcher Filter hätte Redfords falten- und furchenreichem Gesicht sicher auch gut getan. 

Vor der Premiere dieses Films hat Robert Redford groß angekündigt, mit der Schauspielerei aufzuhören. Dies sollte der letzte Film sein, in dem man ihn als Schauspieler sieht. Da Robert Redford nie als Schauspieler einen Oscar gewonnen hat, wurde er, bevor irgendjemand den Film sah, natürlich gleich für eine Oscar-Nominierung gehandelt. Seine Performance ist aber nicht Oscar-würdig und mittlerweile hat der Schauspieler auch zurückgerudert. Vielleicht klappt es ja bei seinem nächsten Film mit dem Schauspiel-Oscar. Er hat aber bereits einen Regie-Oscar (für Ordinary People) und einen Oscar für sein Lebenswerk gewonnen. 

„The Old Man & the Gun“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Robert Redford), Beste Nebendarstellerin (Sissy Spacek), Bestes adaptiertes Drehbuch

„The Old Man & the Gun“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 28.09.18 in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft der Film in 1,042 Kinos landesweit. In Deutschland soll der Film unter dem Titel: „Ein Gauner & ein Gentleman“ am 28.03.19 in den Kinos starten.

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Favourite„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat. Yorgos Lanthimos neuer Film mit Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF56 gesehen


Trailer v. Film: „Green Book„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: ziemlich sicherer Oscar-Kandidat mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „A Star is Born„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: ziemlich sicherer Oscar-Kandidat von und mit Bradley Cooper

Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „What Men Want„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Komödie, eine scheinbar völlig unlustige noch dazu. Mit Taraji P. Henson und Tracy Morgan 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ganz sicher nicht 


Trailer v. Film: „Can You Ever Forgive Me?„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat mit Melissa McCarthy und Richard E. Grant

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Hunter Killer„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Actioner mit Gerard Butler und Gary Oldman

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „The Front Runner„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Jason Reitmans neuer Film, Biopic über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart. Hugh Jackman in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „On the Basis of Sex„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat mit Felicity Jones als RBG 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: „The Square“

Ich war am 01.10.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Square“ (dt. Kinostart: 19.10.17) 150 min drama, comedy, satire
dir. Ruben Östlund cast: Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West, Terry Notary

 

 

Christian (Claes Bang) ist Ende Vierzig und Museumskurator in Stockholm. Als er am helllichten Tag bestohlen wird, setzt er alles dran, seine Wertgegenstände wiederzubekommen. Das Handy lässt sich schnell orten. Das ist aber nicht die einzige Baustelle, die er gerade hat. Für die neue Ausstellung The Square soll eine aufsehenerregende Marketingkampagne kreiert werden. Bald gerät Christians Leben komplett aus den Fugen…

 

 

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Square“ ist der neue Film des schwedischen Filmemachers Ruben Östlund (Force Majeure)

Eigentlich bin ich etwas verärgert aus dem Kino gekommen. Wenn der Film vielleicht zwanzig Minuten kürzer gewesen wäre, hätte ich keinen Grund gehabt, ihn nicht in meine Top Ten für Filme aus dem Jahr 2017 aufzunehmen. Aber die letzten zwanzig, vielleicht waren es sogar dreißig Minuten (ich habe nicht auf die Uhr geschaut) sind etwas sehr zäh und unnötig. Den Film hätte man an einem bestimmten Punkt einfach enden lassen sollen, dann wäre er perfekt gewesen. So musste ich schweren Herzens meine, eigentliche „A-„-Bewertung nach unten korrigieren.

„The Square“ ist für mich ein typisch europäischer Film, im besten Sinne. Es ist ein Film, bei dem man nie so recht weiß, was als Nächstes passiert, wie weit die Szenen gehen, was der Zuschauer aushalten muss. Das New Yorker Publikum ist grundsätzlich für Andersartigkeiten zu haben, entsprechend war die Begeisterung für diesen Film bei meiner Vorstellung zu spüren. Situationskomik, witzige Dialoge und einige kuriose Szenen haben für viele Lacher gesorgt.

Die Performances von Elisabeth Moss, Claes Bang (der den Christian spielt), aber auch Terry Notary (der auf einer Gala einen ganz besonderen Auftritt hinlegt) sind brillant. Elisabeth Moss spielt hier eine amerikanischen Kunstjournalistin. Die zwei letzten Szenen zwischen ihrem und Claes Bangs Charakter sind so absurd komisch, dass ich mich vor lauter Lachen kaum noch einkriegen wollte. Ging meinen Mitzuschauern übrigens auch so.

Sein Vorgängerfilm Force Majeure (dt. Filmtitel „Höhere Gewalt“) ist ein sehr smartes Beziehungsdrama, „The Square“ ist nun eine Gesellschafts- aber auch Kunstsatire – ich bin gespannt auf Ruben Östlunds nächsten Film.

„The Square“ wurde von Schweden offiziell für die Kategorie Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars eingereicht. Update: Bei der Europäischen Filmpreis-Verleihung am 9.12.17 wurde „The Square“ mit 6 Preisen (bester europäischer Film des Jahres, bestes Drehbuch, Regie, Szenenbild, beste Komödie und beste Hauptrolle für Claes Bang) geehrt. Update: The Square wurde für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert.

„The Square“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2017 gezeigt. Auf diesem Festival hat der Film die Goldene Palme gewonnen. In den U.S.A. startet der Film am 27.10.17 in einigen Kinos. Ab dem 19.10.17 ist der Film bereits in den deutschen Kinos zu sehen. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2017 gesehen. Gezeigt wurde der Film in der schwedischen Originalfassung mit englischen Untertiteln. (Einige Szenen sind in English).

Trailer zu sehen:

TV – Serie: „Top of the Lake: China Girl“

Ich habe mir folgenden BBC-Two-Mehrteiler angeschaut:

 

„Top of the Lake: China Girl“ 6 x 55 min drama, sequel
dir. Jane Campion, Garth Davis, Ariel Kleiman cast: Elisabeth Moss, Gwendoline Christie, Alice Englert, Nicole Kidman, David Dencik, Ewen Leslie, David Wenham

 

Vor fünf Jahren hat Detective Robin Griffin (Elisabeth Moss) an einem Kriminalfall in ihrer Heimatstadt Laketop gearbeitet. Seinerzeit war eine schwangere 12-Jährige verschwunden. Für Robin ist der Fall jedoch leider immer noch nicht hundertprozentig abgeschlossen, aber zunächst ermittelt sie an einem neuen Fall. Die Leiche einer asiatischen Frau wurde an einen Strand gespült. Der neue Fall lenkt Robin auch von ihren privaten Problemen ab. Erst vor vier Wochen hat sie sich von ihrem Verlobten getrennt und vor einigen Jahren hat sie einen Brief von ihrer leibliche Tochter erhalten. Auch wenn sie seinerzeit nicht geantwortet hat, beschäftigt sie das Thema sehr, vor allen Dingen seitdem sie zurück in Sydney ist. Irgendwann entschließt sich Robin, die Adoptiveltern (Nicole Kidman und Ewen Leslie) ihrer, mittlerweile 17-jährigen Tochter Mary (Alice Englert) zu kontaktieren…

 

B (Wertung von A bis F) Der sechsteilige Mehrteiler „Top of the Lake: China Girl“ ist eine Fortsetzung zu Jane Campions Mehrteiler Top of the Lake aus dem Jahr 2013.

Auch wenn ich die eigentliche Kriminalstory in „China Girl“ nicht sonderlich spannend und durchdacht fand, mochte ich die Fortsetzung von „Top of the Lake“ vor allen Dingen als Charakter- und Beziehungsdrama. Robin Griffin ist ein bodenständiger und sympathischer Charakter, dem man gerne folgt. In den neuen Folgen muss sie sich immer noch mit ihrem zurückliegenden Fall auseinandersetzen. Sie ist aber sonst wieder zurück in Sydney, ermittelt in einem neuen Fall und bekommt eine Kollegin zugewiesen, die so gar nicht zu ihr passen will. Die Sache mit ihrer mittlerweile 17-jährigen Tochter bereitet ihr auch Kopfzerbrechen. Sie hat das Mädchen damals direkt nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben. Vor vier Jahren hatte ihr ihre Tochter einen Brief geschrieben, wollte ihre leibliche Mutter kennenlernen. Robin war seinerzeit mit der Situation überfordert. Jetzt würde sie jedoch gerne wissen, was aus ihrem Kind geworden ist…

Das alles dominierende Thema in „China Girl“ ist Mutterschaft mit allen Facetten, die man sich vorstellen kann.

Ich konnte in Elisabeth Moss´Performances noch nie so etwas wie ein Makel entdecken. Egal in welchen Charakter sie schlüpft, man hat nie den Eindruck, sie würde eine Figur nur spielen. Ein paar Tage bevor ich „China Girl“ angefangen habe, habe ich noch fürchterlich mit ihr als versklavte Offred in einem totalitären Regime (The Handmaid´s Tale) mitgelitten und jetzt bin ich ganz bei ihr, wenn sie als furchtlose australische Polizistin Robin Griffin ihren Alltag bestreitet.

Zugegebenermassen ist aber auch Nicole Kidman exzellent. Um so älter sie wird, um so besser entwickelt sie sich als Schauspielerin. Vor einigen Tagen wurde sie für Big Little Lies mit ihrem ersten Emmy ausgezeichnet, wenn ihre Performance in „Top of the Lake: China Girl“ zur Debatte gestanden hätte, hätte die Academy of Television Arts & Sciences (ATAS) es sicherlich nicht einfach gehabt, sich hier für eine ihrer beste Performance zu entscheiden.

Meine Lieblingsfolge in „China Girl“ : Episode 3 (Surrogate)

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen

Detective Robin Griffin arbeitet als Polizistin in Sydney. Sie hat einige private Probleme, ihr letzter Fall, bei dem sie in ihrer Heimatstadt Laketop ermittelte, hat ihr auch ordentlich zugesetzt. Jetzt arbeitet Robin an einem neuen Fall. Außerdem möchte sie ihre, mittlerweile 17-jährige Tochter Mary (gespielt von Alice Englert) kennenlernen. Gespielt wird Robin Griffin von der amerikanischen Schauspielerin Elisabeth Moss (Mad Men, Top of the Lake). Sie hat acht Emmy-Nominierungen und kürzlich wurde diese wandelbare Schauspielerin mit ihrem ersten Emmy Award für ihre Performance in The Handmaid´s Tale ausgezeichnet.

Mary ist Robins leibliche Tochter. Sie ist mittlerweile siebzehn Jahre alt, in einem Monat wird sie volljährig. Mary ist das erste Mal richtig verliebt und zwar in den wesentlich älteren, deutschstämmigen Bordell-Besitzer Puss (gespielt von David Dencik). Ihre Adoptiveltern (gespielt von Nicole Kidman und Ewen Leslie) wissen nicht, womit Marys Freund sein Geld verdient. Gespielt wird Mary von der australischen Schauspielerin Alice Englert. Sie hat bereits in einigen internationalen Produktionen mitgespielt, u.a. in „Ginger & Rosa“, In Fear, „Beautiful Creatures“. Alice Englert ist die Tochter der neuseeländischen Filmemacherin Jane Campion („The Piano“). Jane Campion ist die Serienschöpferin der ersten und auch der zweiten Staffel von „Top of the Lake“, außerdem hat sie bei insgesamt acht Episoden auch Regie geführt.

Miranda Hilmarson arbeitet als Polizistin bei der Polizei in Sydney. Miranda ist Robins neue Partnerin. Gespielt wird Miranda von der englischen Schauspielerin Gwendoline Christie. Wahrscheinlich muss man sich an die Optik der Schauspielerin erst einmal gewöhnen. Ganz zum Schluss des Mehrteilers mochte ich sie auch. Gwendoline Christie spielt in der HBO-Serie „Game of Thrones“ mit und hat auch bereits in einigen internationalen Kinoproduktionen (The Hunger Games: Mockingjay – Part 2, „Star Wars: The Force Awakens“) mitgewirkt.

Julie Edwards ist die Adoptivmutter von Mary (gespielt von Alice Englert). Da sich Julie in eine Frau verliebt hat, hat sie sich von ihrem Ehemann (gespielt von Ewen Leslie) getrennt. Mit ihrer Tochter Mary versteht sich Julie gar nicht. Julie wird von der australischen Schauspielerin Nicole Kidman gespielt. Mir ist sie das erste Mal in „Dead Calm“ aufgefallen. Sie hat in zahlreichen Filmen („Moulin Rouge!“, „The Others“, „Dogville“, „The Stepford Wives“, Stoker) mitgespielt. Für ihre Performance in „The Hours“ hat sie einen Oscar gewonnen, sie hat drei weitere Oscar-Nominierungen für „Moulin Rouge!“, Rabbit Hole und Lion erhalten. Außerdem wurde sie für ihre Performance in „Hemmingway & Gellhorn“ und Big Little Lies für den Emmy nominiert. Kürzlich wurde sie für ihre Performance in „Big Little Lies“ mit ihrem ersten Emmy ausgezeichnet.

Pyke Edwards ist der Adoptivvater von Mary (gespielt von Alice Englert). Pyke wird von dem australischen Schauspieler Ewen Leslie gespielt. In dem Film The Railway Man hat er bereits neben Nicole Kidman gespielt. Sonst hat er in einigen australischen Theater-, Film- und TV-Produktionen mitgewirkt.

Alexander „Puss“ Braun ist der 42-jährige, deutschstämmige Freund von Mary. Er ist Bordell-Besitzer, was Marys Eltern natürlich nicht wissen. Puss wird von dem schwedisch-dänischen Schauspieler David Dencik gespielt. Er hat in einigen internationalen Kinoproduktionen (u.a. Tinker Tailor Soldier Spy, The Girl with the Dragon Tattoo mitgespielt

„Top of the Lake: China Girl“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2017 gezeigt und wurde v. 27.07.17 bis zum 31.08.17 auf BBC Two mit sechs Episoden ausgestrahlt. In den U.S.A. wurde der Mehrteiler erstmalig im September 2017 auf Sundance TV gezeigt. Für Deutschland ist bislang noch kein Ausstrahlungstermin bekannt.

 

Trailer zu sehen:

 

 

TV-Serie: „The Handmaid´s Tale, 1. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Hulu-Serie angeschaut:

 

„The Handmaid´s Tale, 1. Staffel“ (dt. Titel: „The Handmaid´s Tale: Der Report der Magd“, ab dem 4.10.17 bei dem Telekom-Portal Entertain TV zu sehen) 10 x approx. 50 min sci-fi, drama, adaptation
dir. Reed Morano, Mike Barker, Floria Sigismondi, Kate Dennis, Kari Skogland, cast: Elisabeth Moss, Joseph Fiennes, Alexis Bledel, Max Minghella, Ann Dowd, Yvonne Strahovski, Madeline Brewer, Samira Wiley, O-T Fagbenie, Amanda Brugel, Jordana Blake

 

Amerika, in der nahen Zukunft.
June (Elisabeth Moss) befindet sich mit ihrem Mann Luke (O-T Fagbenie) und ihrer achtjährige Tochter Hannah (Jordana Blake) auf der Flucht. Irgendwann trennen sich ihre Wege, June hört Schüsse und dann wird sie gefangen. Zwei Monate später lebt June als Offred in einer ganz anderen, restriktiven Welt. Sie ist im Besitz von Commander Fred Waterford (Joseph Fiennes) und seiner Ehefrau Serena Joy (Yvonne Strahovski). Offred ist eine Handmaid, eine Magd, deren einzige Bestimmung es ist, für die Staatsfunktionäre und ihre Ehefrauen Kinder zu bekommen, Diese Ehepaare konnten selbst keine Kinder zeugen. Wie konnte es soweit kommen? Umweltverschmutzung und eine nukleare Katastrophe haben eine Epidemie ausgelöst, die bei den meisten Menschen zu einer Unfruchtbarkeit geführt hat. Die Geburtenrate ist drastisch gesunken. Religiöse Fundamentalisten, eine Gruppierung unter dem Namen Sons of Jacob hat in den ehemaligen U.S.A.. die Macht übernommen. Sie haben ein totalitäres Regime errichtet und die Stellung der Frau neu definiert. Die einst freien, jungen und fruchtbaren Frauen werden gefangen und in dem Red Center, einem Umerziehungsheim, unter der strengen Aunt Lydia (Ann Dowd) auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet…

A (Wertung von A bis F) „The Handmaid´s Tale“ basiert auf dem gleichnamigen, im Jahr 1985 veröffentlichten,  Roman der kanadischen Autorin Margaret Atwood (sie hat einen Cameo-Auftritt in der ersten Episode – sie ist eine Aunt und schlägt Offred ins Gesicht). In Deutschland erschien der dystopische Roman unter dem Titel „Der Report der Magd“. Die TV-Serie hält sich nicht strikt an die Vorlage, die Geschichte wurde aktualisiert und in die Gegenwart versetzt. Bei den ersten drei Episoden der TV-Serie hat die amerikanische Kamerafrau und Regisseurin Reed Morano (Kill Your Darlings, The Skeleton Twins, Meadowland) geführt.

„The Handmaid´s Tale“ spielt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Ich weiß nicht, wann mich eine TV-Serie das letzte Mal so extrem mitgenommen, ja so verstört hat.

Wie alle Serien, die mich begeistern, habe ich auch „The Handmaid´s Tale“ ein zweites Mal geschaut. Normalerweise beginne ich diese Mehrteiler, bzw. Serien unmittelbar nachdem ich alle Episoden das erste Mal gesehen habe, ein zweites Mal. Die zweite Sichtung einer exzellenten TV-Produktion empfinde ich als entspannend, die Charaktere und die Story bekannt, dann habe ich Zeit, genau auf die Details zu achten. Bei „The Handmaid´s Tale“ war nicht mal im Traum daran zu denken, dass ich sie mir nach der ersten Sichtung direkt ein zweites Mal anschaue. Undenkbar, auch wenn ich sie noch so exzellent fand. Diese Serie hat mich viel zu sehr heruntergezogen, ich war deprimiert und frustriert nach den ersten zehn Folgen. Zur Aufmunterung brauchte ich zunächst andere Mehrteiler/Serien, die mich weg aus dieser Welt führten. So habe ich Apple Tree Yard, die erste Staffel von Ozark, und die dritte Staffel von Broadchurch geguckt, dann bin erst mal in den Sommerurlaub geflogen und als ich zurückkam habe ich mich immer noch äußerst widerwillig an die Wiederholung der ersten Staffel von „The Handmaid´s Tale“ gemacht.

Diese Serie ist einfach zu realitätsnah, wie leicht kann sich eine Welt durch einen Regime-Wechsel einer kranken (und oftmals religiösen) Regierung ändern? Von Jetzt auf Gleich werden Menschen (in diesem Fall vordergründig Frauen) die Rechte genommen. Alles was man bisher als selbstverständlich erachtet hat, ist nicht mehr da. Nach einem Staatsstreich verhängt man den Ausnahmezustand, damit wird die Verfassung außer Kraft gesetzt, man ändert Gesetze, verhaftet oder exekutiert Andersdenkende oder bestimmte Minderheiten. Im Fall von „The Handmaid´s Tale“ sperrt man den Frauen die Konten, lässt sie von ihren Arbeitgebern entlassen, nimmt ihnen schließlich alle Rechte und unterteilt sie in Kasten. Entsprechend ihrer Kaste haben sie eine Aufgabe, für die jeweilige Kaste gibt es Kleidungs- und Verhaltensregeln. Die unfruchtbaren Akademikerinnen werden in die Kolonien geschickt. Die fruchtbaren jungen Frauen werden gefangen und versklavt, sie gehören ab dann ihrem jeweiligen Kommandanten. Frauen wird der Zugang zu Bildung verwehrt, allein das Lesen ist bereits verboten. Andere Medien existieren nicht. Alles natürlich im Namen Gottes. Heutzutage gibt es genug rückständige frauenverachtende Staatsmächte, vor allen Dingen, aber nicht nur in muslimischen Ländern (z.B. im Iran, Afghanistan oder Saudi Arabien). Wie schnell sich ein Land verändern kann, sah man in Ende der 1970er Jahre im Iran und sieht man heutzutage in der Türkei. Einst recht freie, westliche orientierte Länder… Man kann man aber auch den jüngsten Regierungswechsel in der westlichen Welt (U.S.A.) nehmen. Da weiß man auch noch nicht, wo dieses Land mit dem 45. (wie viele Amerikaner U.S.-Präsident Donald Trump nur noch nennen) in zwei oder drei Jahren steht.

Mich machen Kulturen oder Religionen krank, bei denen sich Jungs oder Männer für mehr wert halten als Mädchen oder Frauen. Meine feministische Seite hat eine solche Wut im Bauch, dass die Männer sich in solchen Gesellschaften weitestgehend alle Freiheiten nehmen und ihren Frauen Verhaltensvorschriften machen und ihnen beispielsweise vorschreiben, eine Art Uniform zu tragen. Die einzig wirkliche Aufgabe der Frauen ist es, Kinder zu gebären. Mich verunsichern auch die Veränderungen in Deutschland. Ich kann nur für das Berliner Straßenbild sprechen, aber ich beobachte seit einigen Jahren, dass die Zahl der verschleierten und verhüllten jungen Frauen extrem zugenommen hat. Mir bereitet das Sorgen und „The Handmaid´s Tale“ hat dieses Gefühl nur noch verstärkt. Müssen wir in unserer Welt für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen (die ich im 21. Jahrhundert als selbstverständlich erachte) eines Tages wieder kämpfen?

„The Handmaid´s Tale“ wird aus aus der Perspektive von June bzw. der Handmaid (der Magd) Offred erzählt. Wir lernen Gilead mit all seinen Grausamkeiten durch sie kennen. June führt als Erzählerin durch die Geschichte.

Elisabeth Moss ist June, die als Offred versklavt wurde. Sie ist die Seele der Serie, ohne diese talentierte Schauspielerin würde die Serie nicht so perfekt sein. Als Frau kann man sich zu jeder Zeit in ihre Lage versetzen, fühlt mit ihr, weiß was sie denkt, was sie fürchtet. Elisabeth Moss kann mit ihrer Mimik alles aussagen und hat selbstverständlich für diese nuancierte Performance eine Emmy-Nominierung erhalten. Gestern (17.09.17) Nacht wurde sie mit dem Emmy-Award für ihre Performance in „The Handmaid´s Tale“ ausgezeichnet. Bravo!!! Wenn „The Handmaid´s Tale“ auf zweieinhalb Stunden gekürzt und ins Kino gebracht worden wäre, hätte sie wahrscheinlich sogar den Oscar gewonnen – so einmalig und erstklassig ist sie.

Ganz zum Schluss der ersten Staffel (und ich werde nicht spoilern durch welchen Seriencharakter) bekommt man einen guten Eindruck davon, was es bedeutet von dem Horror in seinem Heimatland flüchten zu müssen, bzw. Flüchtling zu sein.

Mit der letzten Episode sind mir natürlich die Tränen gekommen. Inhaltlich, klar war ich über die gesamte Zeit tief bewegt, aber auch die wunderschöne cineastische Inszenierung dieser grauenhaften Welt hat mir die Tränen in die Augen getrieben. „The Handmaid´s Tale“ ist visuell eine tolle Serie. Das Ende der ersten Staffel – so viel sei verraten – bleibt relativ offen. Die Produktion der zweiten Staffel beginnt im Herbst 2017.

Ein (heterosexueller) Mann wird „The Handmaid´s Tale“ nie so verstehen, sich in die Lage der Handmaids nie so hereinversetzen können wie eine Frau. Vielleicht finden viele Männer diese TV-Serie auch langweilig. Obwohl 99% bei Rotten Tomatoes lassen Anderes vermuten.

 

Begriffe, bzw. Originalbezeichnungen, die für „The Handmaid´s Tale“ wichtig sind:

Gilead ist die Republik, in der „The Handmaid´s Tale“ spielt. Früher waren es die Vereinigten Staaten von America. Die fundamentalistische Gruppierung Sons of Jacob hat die Macht übernommen. In der Diktatur regieren die Kommandanten. Ihre Gesellschaft basiert auf christlich-biblischen Grundlagen. Das wichtigste Merkmal ist, dass die Frau sich dem Mann unterordnet. Den Frauen werden alle Rechte genommen. Dadurch haben sich die Männer die Machterhaltung gesichert. Die Frauen sind in Kasten unterteilt und müssen sich entsprechend ihres Standes kleiden. Die Ehefrauen der Staatsfunktionäre (der Kommandanten) haben den höchsten sozialen Status, auch wenn sie keine Kinder bekommen konnten. Sie tragen die Farbe Blau. Die einzige Aufgabe der Handmaids (der Mägde) ist es, Kinder für die mächtigen Ehepaare zu gebären. Die Handmaids tragen bodenlange rote Gewänder und eine weiße Kopfbedeckung. Die Farbe Rot symbolisiert die Fruchtbarkeit der Frauen. Wenn Frauen (aber auch Männer) sich nicht an die Gesetze von Gilead halten, drohen ihnen drakonische Strafen.
Sons of Jacob – war ursprünglich eine fanatisch-religiöse Untergrundbewegung, die nach einem Putsch die Regierung übernommen und Gilead gegründet hat.
Red Center (auch Rachel and Leah Center) ist ein Umerziehungsheim für die Handmaids (die Mägde). Nachdem die jungen, fruchtbaren Frauen gefangen genommen wurden kommen sie zunächst in das Red Center. Hier werden sie von den Aunts (den Tanten) auf ihre künftige Funkion vorbereitet.
Colonies – In die Kolonien werden Homosexuellen, Intellektuelle, Andersdenkende, aber auch die Mägde geschickt, wenn sie keine Kinder gebären. In den entlegenen Kolonien müssen sie Gift- und Atommüll entsorgen bis sie sterben.
Jezebel ´s ist ein eleganter Sexclub in Gilead, natürlich ist der Ort geheim und daher offiziell verboten
Mayday ist die Widerstandsbewegung
Wives sind die Ehefrauen der mächtigen Staatsfunktionäre. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben, auch wenn sie selbst keine Kinder bekommen können. Die Ehefrauen tragen die Farbe Blau.
Handmaid ist die Magd, die junge Frau, bei der angenommen wird, dass sie fruchtbar ist. Die Magd befindet sich im Besitz eines Kommandanten (und seiner Ehefrau). Einmal im Monat vergewaltigt der Kommandant die Magd, alles in einer Zeremonie und im Beisein seiner Ehefrau. Sobald die Magd dem Ehepaar ein gesundes Kind „geschenkt“ hat, das Baby abgestillt ist, wird sie an einen anderen Kommandanten (und seiner Ehefrau) weitergereicht. Mägde sind die Gebärmaschinen von Gilead. Sollte die Magd nicht schwanger werden, gilt sie irgendwann als unfruchtbar (auch wenn oftmals die Männer zeugungsunfähig sind) und wird in eine der Kolonien geschickt. Die Mägde tragen die Farbe Rot, rote bodenlange Gewänder mit einer weißen Flügelhaube als Kopfbedeckung).
Marthas sind die Hausangestellten, sie sind Haushälterinnen und Köchinnen. Die Marthas tragen die Farbe Khaki.
Aunts sind ältere Frauen, die die Mägde kontrollieren und disziplinieren. Sie tragen die Farbe Braun.
Eyes – sind die Gesetzeshüter bzw. der Geheimdienst in Gilead. Die Eyes tragen vorzugsweise die Farbe Schwarz und sind in schwarzen Wagen unterwegs. Eyes können aber auch verdeckt ermitteln.
„Blessed Be the Fruit“ gilt in Gilead als Begrüßung, darauf antwortet man traditionell „May the Lord open“
„Under His Eye“ – ist zugleich eine Begrüßung- und Verabschiedungs-Floskel in Gilead

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Offred ist eine Handmaid (eine Magd), da sie sich im Besitz des Kommandanten Fred Waterston befindet, wird sie Offred („of Fred“) genannt. In ihrem früheren, bürgerlichen Leben hieß sie June, war verheiratet und hatte eine Tochter, Hannah. Gespielt wird Offred/June von der amerikanischen Schauspielerin Elisabeth Moss. Ihren internationalen Durchbruch hatte die Schauspielerin als Peggy Olsen in der Serie Mad Men,. Zuvor hat sie aber bereits in den amerikanischen Serien „Picket Fences“ und „The West Wing“ gespielt. Seit einiger Zeit zählt sie für mich schon zu den wandelbarsten, talentiertesten Schauspielern unserer Zeit. Ich habe sie in einigen Filmen (The One I Love, Queen of Earth, Truth, Chuck) gesehen. Auch in dem Mehrteiler Top of the Lake hat sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie hat eine Tony-Award-Nominierung. Für „Mad Men“ und „Top of the Lake“ war sie sieben Mal für den Fernseh-Oscar, den Emmy-Award, nominiert. Für ihre Performance in „The Handmaid´s Tale war sie zum achten Mal für den Emmy nominiert. Am 17.09.17 hat sie für diese Performance ihren ersten Emmy gewonnen.

Commander Fred Waterford gehört zu der Staatsführung von Gilead. Der Kommandant ist mit Serena Joy (gespielt von Yvonne Strahovski) verheiratet. Offred (gespielt von Elisabeth Moss) ist bereits die zweite Handmaid des Ehepaares. Commander Fred Waterford wird von dem englischen Schauspieler Joseph Fiennes gespielt. Er hat in einigen internationalen Filmproduktionen (u.a. „Elizabeth“, „Shakespeare in Love“, „The Merchant of Venice“, The Escapist) gespielt und hat in den TV-Serien „Flash Forward“ und „American Horror Story: Asylum“ mitgewirkt. Er ist der Bruder des großen Schauspieltalents Ralph Fiennes („Schindler´s List“, „The English Patient“, The Grand Budapest Hotel, Hail, Caesar!)

Serena Joy bzw. Mrs. Waterford ist die Ehefrau des Commander Waterford (gespielt von Joseph Fiennes). Mrs. Waterford wird von der australischen Schauspielerin Yvonne Strahovski gespielt. Sie hatte eine größere Rolle in der siebenten und achten Staffel der Serie Dexter (leider habe ich bisher nur sechs Staffeln geguckt) und der Mini-Serie „24: Live Another Day“.

Nick ist Commander Waterfords Chauffeur. Gespielt wird Nick von dem englischen Schauspieler Max Minghella. Er hat in einigen internationalen Filmproduktionen (The Social Network, The Ides of March) mitgespielt und ist der Sohn des, vor einigen Jahren verstorbenen, Filmemachers Anthony Minghella („The English Patient“, „The Talented Mr. Ripley“).

Ofglen ist eine Handmaid und Offreds Einkaufsbegleiterin. Ofglen hieß im früheren Leben Emily. Gespielt wird Ofglen von der amerikanischen Schauspielerin Alexis Bledel. Mir war sie nicht bekannt, den meisten wird sie aber durch die amerikanische Serie „Gilmore Girls“ bekannt sein. Für ihre Gastrolle in „The Handmaid´s Tale“ wurde sie mit einem Emmy-Award ausgezeichnet.

Aunt Lydia ist die Aufseherin der Handmaids (der Mägde). Gespielt wird Aunt Lydia von der amerikanischen Schauspielerin Ann Dowd. Sie hat in vielen TV-Produktionen („Judging Amy“, „Masters of Sex“, The Leftovers“, Olive Kitteridge, Good Behavior) mitgewirkt und hat auch viele Nebenrollen in amerikanischen Filmen (u.a. „Philadelphia“, „Garden State“, Marley & Me, The Informant!) gespielt. Mir ist sie das erste Mal in Compliance aufgefallen. Für ihre Performance in „The Leftovers“ und „The Handmaid´s Tale“ wurde sie dieses Jahr für den Emmy nominiert. Am 17.09.17 wurde sie als Beste Nebendarstellerin in „The Handmaid´s Tale“ mit ihrem ersten Emmy Award ausgezeichnet.

Ofwarren ist eine Handmaid, hieß früher Janine und ist eine von Offreds Freundinnen. Ofwarren wird von der amerikanischen Schauspielerin Madeline Brewer gespielt. Sie hat bereits eine größere Rolle in den TV-Serien „Orange is the New Black“ und „Hemlock Grove“.

Moira war in ihrem früheren Leben die beste Freundin von June (gespielt von Elisabeth Moss), sie ist lesbisch. Moira wird von der afroamerikanischen Schauspielerin Samara Wiley gespielt. Sie hatte eine Hauptrolle in der TV-Serie „Orange is the New Black“. Kürzlich war sie auch in Kathryn Bigelows Film Detroit zu sehen. Für ihre Rolle in „The Handmaid´s Tale“ wurde sie für den Emmy nominiert,

 

„The Handmaid´s Tale war im Jahr 2017 für dreizehn Fernseh-Oscars nominiert. Als beste Drama-Serie (die Königskategorie bei den Emmys) stand sie in Konkurrenz mit „The Crown“, „Stranger Things“, „This Is Us“, „Better Call Saul“, House of Cards und „Westworld“. „The Handmaid´s Tale“ hat insgesamt acht Emmy Awards abgeräumt. Darunter hat sie auch die wichtigsten Emmys gewonnen: Outstanding drama series, outstanding directing for a drama series, outstanding lead actress in a drama series (Elisabeth Moss), outstanding supporting actress in a drama series (Ann Dowd) und outstanding writing for a drama series. Dazu hat die Serie bereits im Vorfeld noch best outstanding guest actress (Alexis Bledel), outstanding production design und outstanding cinematography for a single-camera series) gewonnen.

„The Handmaid´s Tale“ ist eine Eigenproduktion der amerikanischen Streaming-Plattform HULU. Sie wurde erstmalig vom 26.04.17 – 14.06.17 auf HULU ausgestrahlt. Eine zweite Staffel (mit dreizehn Episoden) ist bereits bestätigt und wird im Jahr 2018 ausgestrahlt. Ab dem 4.10.17 soll diese Serie unter dem Titel „The Handmaid´s Tale: Der Report der Magd“ exklusiv bei dem Telekom-Portal Entertain TV zu sehen sein.

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

 

 

 

NYC – Film: „Chuck“

Ich war am 29.04.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Chuck“ (a.k.a. „The Bleeder“) 99 min drama, biopic
dir. Philippe Falardeau cast: Liev Schreiber, Naomi Watts, Elisabeth Moss, Ron Perlman, Michael Rapaport, Jim Gaffigan, Morgan Spector, Pooch Hall

 

 

In den 1970er Jahren. Der Schwergewichtsboxer Chuck Wepner (Liev Schreiber) war nie ein großer Boxer, aber irgendwann hat er die Gelegenheit, gegen Muhammad Ali (Pooch Hall) im Ring zu kämpfen. Er hält sich überraschend wacker. Das macht ihn über Nacht berühmt. Der Ruhm steigt ihm jedoch zu Kopf, mit seinen Alkohol-, Drogen- und Frauengeschichten kann seine Frau (Elisabeth Moss) so gar nichts anfangen…

 
B+ (Wertung von A bis F) „Chuck“ basiert auf einer wahren Geschichte. Chuck Wepners Lebensgeschichte soll Sylvester Stallone dazu inspiriert haben, das Drehbuch für „Rocky“ zu schreiben. Es ist der neue Film des kanadischen Filmemachers Philippe Falardeau („Monsieur Lazhar“).

Ich hatte bisher noch nie etwas von Chuck Wepner gehört und so geht es wahrscheinlich den meisten Menschen. Sogar der Regisseur wusste bis zu diesem Projekt nichts über den Profiboxer aus New Jersey. Nun gibt es natürlich zahlreiche Boxfilme, wenn ich zurückblicke habe ich mindestens einen pro Jahr gesehen. Viele dieser Filme ähneln sich, am Ende steht meistens der große Kampf. Dieser ist anders, allein der erste Akt widmet sich seiner Karriere als Profiboxer, später geht es darum, wie er versucht an seinem kurzfristigen Ruhm festzuhalten. Es ist eine erzählenswerte Geschichte mit einem authentischen Kostüm- und Produktionsdesign und einem tollen Disco-/Funk-Soundtrack.

 
Liev Schreiber kann hier zweifelsfrei als Chuck Wepner überzeugen, mit seiner prägnanten Stimme führt er auch durch die Handlung.

Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass mich Elisabeth Moss (Mad Men, Top of the Lake, Queen of Earth) an Jodie Foster erinnert, aber das tut sie – jedes Mal, wenn ich sie sehe. Schauspielerisch zählt die Amerikanerin zu der Elite und das offenbart sich insbesondere in dieser Knaller-Szene in dem Diner. Allein durch ihre Performance hat sich der Film für mich schon gelohnt. Erwähnenswert sind aber auch Liev Schreibers Ex-Freundin Naomi Watts und  Michael Rapaport als Chucks Bruder.

 
Der Film hieß ursprünglich „The Bleeder“. Der Film wurde umgenannt, weil viele Zuschauer – dem Filmtitel nach – dachten, es handelt sich um einen Horrorfilm. Außerdem wollte man vermeiden, dass dieser Film mit dem Boxfilm v. letzten Jahr Bleed for This verwechselt wird.

„Chuck“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Ich habe den Film auf dem Tribeca Film Festival 2017 gesehen. Der Filmemacher war anwesend und hat sich im Anschluss an den Film den zahlreichen Fragen des Publikums gestellt. Der Film startete am 5.5.17 in vier amerikanischen Kinos und ist mittlerweile landesweit in 39 Kinos zu sehen.

 
Trailer zu sehen:

Tribeca Film Festival

Das Tribeca Film Festival wurde nach dem 11. September 2001 von u.a. Robert De Niro ins Leben gerufen. Der New Yorker Robert De Niro besitzt in TriBeCa (Triangle below Canal Street) ein Hotel und Restaurants, auch seine Produktionsfirma ist dort ansässig. Durch das Film Festival wollte er nach den Terroranschlägen seinen Beitrag leisten, Manhattan – insbesondere Lower Manhattan, wieder in ein positives Licht zu rücken und für Investitionen, insbesondere im Filmbereich, werben. Im Jahr 2017 feierte das TFF bereits seinen 16. Jahrestag.