Boston – Film: „The Shape of Water“

Ich war am 08.12.17 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Shape of Water“ (dt. Filmtitel: „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, dt. Kinostart: 15.02.18)  123 min   fantasy, drama, thriller
dir. Guillermo del Toro cast: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Doug Jones, Michael Stuhlbarg, Octavia Spencer, Lauren Lee Smith, Nick Searcy, David Hewlett

 

Während des Kalten Krieges, im Jahr 1962 in Baltimore. Die stumme Elisa (Sally Hawkins) arbeitet als Reinigungskraft in einem geheimen Hochsicherheitslabor des US-Militärs. Eines Tages wird ein Amphibien-Wesen aus dem Amazonas geliefert. Elisa freundet sich mit der Kreatur an, fühlt sich sogar zu ihm hingezogen. Als sie realisiert, dass er in Gefahr ist, überzeugt sie ihren Nachbarn Giles (Richard Jenkins), den Amphibien-Mann zu befreien…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Shape of Water“ ist der neue Film des mexikanischen Filmemachers Guillermo del Toro („Mimic“, „The Devil´s Backbone“, „Pan´s Labyrinth“, Hellboy II: The Golden Army , Crimson Peak).

Alexander Desplats einprägsamer, wunderbarer Score zieht einen gleich zu Beginn in die Geschichte und in del Toros fantasiereiche, in Grün getauchte Welt. Die Filmmusik unterstützt die Handlung fortwährend. Es gibt so vieles an dem Film zu lieben. Wenn ich zurückblicke, fällt mir als Erstes ein, wie tief beeindruckt mich die Szenenbilder haben. Während des Films habe ich daran gedacht, wie gerne ich jetzt durch diese Sets schlendern und mir alles ganz genau anschauen würde. Die Apartments von Richard Jenkins und Sally Hawkins Charakteren, das Diner (mit dieser tollen, runden Kuchen-Vitrine) oder das Büro mit den schrägen, fast bodenlangen Fenstern von Michael Shannons Charakter – ich konnte mich nicht genug an den Details sattsehen. Guillermo del Toro als kreativer Chef und sein Filmausstatter und Bühnenbildner nutzen hier, was die komplette grüne Farbpalette bietet. Die Farbe sieht man hier nicht nur in allen Varianten und Nuancen, selbst als Wort wird das Grün einige Male erwähnt.

„The Shape of Water“ ist ein Genre-Mix aus einem Drama, Thriller, Monsterfilm, Musical und einer Romanze, alles nicht zufällig in der Zeit des Kalten Krieges angesiedelt. Leider mochte ich die Liebesgeschichte nicht. Als Guillermo del Toro sich die Story ausgedacht hat, hat er die Rolle der Elisa für Sally Hawkins geschrieben. Mit der englischen Schauspielerin (Blue Jasmine) hatte ich bereits einige Male ein Problem, hier ging sie mir zunehmend auf die Nerven, was vorwiegend an ihrer Filmfigur liegt. Die süße Klebrigkeit von Elisa hat mich an Amélie aus dem gleichnamigen französischen RomCom-Film aus dem Jahr 2001 erinnert. So wenig ich Amélie mochte, so wenig mag ich Elisa. Perfekt wäre „The Shape of Water“ für mich mit Richard Jenkins Charakter als zentrale Figur und Elisa als Nebenfigur, die eine rein freundschaftliche Beziehung mit der Wasserkreatur pflegt.

In dieser Oscar-Saison gibt es wohl keinen Film mit vielfältigeren Hauptfiguren: eine stumme Putzfrau, ein schwuler Werbegrafiker, eine Afroamerikanerin, ein Amphibien-Monster als romantischer Held und im Kontrast ein weißer, rassistischer und sexistischer Amerikaner als Bösewicht. Für die Besetzung hatte der Filmemacher bereits beim Schreiben nicht nur Sally Hawkins, sondern auch Octavia Spencer, Michael Shannon und Doug Jones (als Amphibien-Mann) im Sinn. Ich bin nun auch nicht wirklich Fan von Octavia Spencer, hier gefiel sie mir zum ersten Mal. Michael Shannon ist generell klasse und kann das Böse wie kaum ein anderer repräsentieren. Richard Jenkins spielt hier einen so liebenswerten Charakter, dass ich – wie bereits erwähnt – mir gewünscht hätte, der Film würde seiner Figur wesentlich mehr Raum geben. Michael Stuhlbarg hat wohl die Zeit seines Lebens. Im Jahr 2017 ist er in tatsächlich drei potenziellen Oscar-Filmen („The Shape of Water“, The Post“ und „Call Me by Your Name“) zu sehen. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass er für seine Oscar-Szene in Call Me by Your Name nominiert werden müsste.

Auch wenn mir „The Shape of Water“ von der Story her etwas überladen erschien und ich auf die Liebesgeschichte hätte verzichten können, ist der Film ein fantastisches und sehr mutiges Werk, welches in jeder Szene Guillermo del Toros Handschrift trägt. Darüberhinaus merkt man seinen Filmfiguren an, wieviel Herzblut er in jeden einzelnen Charakter gesteckt hat. Guillermo del Toro ist der letzte, der drei mexikanischen Ausnahme-Regisseure (in Hollywood als die Three Amigos bekannt: Alfonso Cuarón, Alejandro González Inárritu und Guillermo del Toro), der noch keinen Oscar hat. Ich hoffe, dass er für sein visuell perfektes, bildgewaltiges Erwachsenen-Märchen mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet wird. In meinen Augen hätte er den Oscar bereits für den besten fremdsprachigen Film für „Pan´s Labyrinth“ verdient (gewonnen hatte seinerzeit, nicht weniger verdient, der deutsche Film „Das Leben der Anderen“).

Was den Oscar-Gewinn als Bester Film angeht, hat „The Shape of Water“ kürzlich einen herben Rückschlag erlitten. Ausgerechnet die Gewerkschaft der Schauspieler hat diesen Film nicht für einen SAG-Award Best Ensemble nominiert.

„The Shape of Water“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Sally Hawkins), Bester Nebendarsteller (Richard Jenkins, Michael Shannon), Beste Nebendarstellerin (Octavia Spencer), Bestes Originaldrehbuch und viele technische Kategorien. Update: „The Shape of Water“ hat 13 Oscar-Nominierungen erhalten (Best Picture, Best Director, Best Actress – Sally Hawkins, Best Supporting Actress – Octavia Spencer, Best Supporting Actor – Richard Jenkins, Best Original Screenplay, Best Cinematography, Best Costume Design, Best Film Editing, Best Production Design, Best Score, Best Sound Mixing, Best Sound Editing) Update: „The Shape of Water“ hat vier Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes Szenenbild und Beste Filmmusik) gewonnen.

„The Shape of Water“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film wurde mit dem wichtigsten Preis des Festivals, den Goldenen Löwen, ausgezeichnet. „The Shape of Water“ ist am 1.12.17 in zwei amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 730 Kinos in den U.S.A. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 15.02.18 geplant.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Fifty Shades Freed„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: das dieser Mist so viel Geld macht…
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Post„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Der neue Spielberg-Film mit Meryl Streep und Tom Hanks. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Isle of Dogs„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Wes Andersons neuer Stop-motion-Animationsfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Phantom Thread„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Paul Thomas Andersons neuer Film mit der (vorerst) letzten Performance von Daniel-Day Lewis.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „All the Money in the World„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer mit nun Christopher Plummer)
Kommentar: Kevin Spacey rausgeschnitten, Plummer drin und nach diesem Trailer sieht der Film wesentlich actionreicher aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „12 Strong„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kriegsfilm mit Michael Shannon und anderen
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Quiet Place„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Wow, cooler Trailer. Horrorfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

VOD – Film: „Bone Tomahawk“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

 

 

„Bone Tomahawk“ (in Deutschland ab 21.01.16 auf DVD) 132 min western, horror
dir. S. Craig Zahler cast: Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox, Richard Jenkins, Lili Simmons, David Arquette, Sean Young, Fred Melamed

 

 

Im Jahr 1890 in der Kleinstadt Bright Hope. Arthur O´Dwyer (Patrick Wilson) ist mit der Ärztin Samantha (Lili Simmons) verheiratet. Er hat sich das Bein gebrochen und wird von seiner Frau zuhause gepflegt. Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russell) bittet Samantha nun ins Gefängnis, sie soll sich die Verletzungen eines Gefangenen (David Arquette) anschauen und die Kugel aus seinem Fuss entfernen. Am nächsten Morgen sind Mrs O´Dwyer, der Assistent des Sheriffs und der Gefangene verschwunden. Offensichtlich sind sie entführt worden. Sheriff Hunt, Deputy Chicory (Richard Jenkins), der verletzte Arthur O´Dwyer und der zwielichtige Indianer-Jäger John Brooder (Matthew Fox) nehmen die Verfolgung auf.

 

 

B (Wertung von A bis F) „Bone Tomahawk“ ist das Regiedebüt des Schriftstellers S. Craig Zahler.

Es ist ein atmospährischer, beeindruckend schön fotografierter Western. Die Geschichte wird recht langsam erzählt, die Dialoge sind so brillant wie die Besetzung. Nach ca. 1 1/2 Stunden – und das sollte man vielleicht vorher wissen – wechselt der Film das Genre vom Western zum Horrorfilm. Besonders eine Szene lässt wenig Interpretationsspielraum und war, für meinem Geschmack, in dieser präzisen Ausführung völlig unnötig. Vielleicht hätte ich den Film sogar ohne diese, nicht leicht zu verdrängenden, Bilder noch besser bewertet.

„Bone Tomahawk“ wurde für zwei Film Independent Spirit Awards nominiert. Eine Nominierung erhielten das, von S. Craig Zahler geschriebene Drehbuch und eine Richard Jenkins als Bester Nebendarsteller.

„Bone Tomahawk“ wurde erstmalig auf dem Fantastic Fest 2015 gezeigt. Am 23.10.2015 kam er in einige amerikanische Kinos und wurde zeitgleich auf VOD zur Verfügung gestellt.
Trailer zu sehen:

HBO-Films: "Olive Kitteridge"

Ich habe mir folgende HBO-Miniserie angeschaut:

„Olive Kitteridge“ (in D. über iTunes zu sehen) 4 x approx. 60 min drama, adaptation
dir. Lisa Cholodenko cast: Frances McDormand, Richard Jenkins, Zoe Kazan, Rosemarie DeWitt, Ann Dowd, Bill Murray, Peter Mullan, John Gallagher Jr., Devin Druid

Die Mathelehrerin Olive Kitteridge (Frances McDormand) lebt in dem kleinen Küstenörtchen Crosby. Sie ist mit dem Apotheker Henry (Richard Jenkins) verheiratet. Die Beiden haben einen 13-jährigen Sohn (Devin Druid). Olive kann Menschen ganz gut analysieren, ist aber nicht gerne in ihrer Gesellschaft, Henry ist da viel offener und geselliger. Gerade hat er die junge begeisterungsfähige Denise (Zoe Kazan) eingestellt, er mag ihre unbefangene Art. Glücklich scheint das Leben von Olive und Henry nicht zu sein.

A (Wertung von A bis F) „Olive Kitteridge“ basiert auf der gleichnamigen Sammlung von Kurzgeschichten von Elizabeth Strout. Das Buch hat im Jahr 2009 den Pulitzer Prize gewonnen.

„Olive Kitteridge“ ist keine Serie, es ist ein Film in vier Teilen. Ein Mehrteiler bzw. eine Mini-Serie ist das TV-Format, das ich am liebsten gucke. Bei diesem Mehrteiler hatte ich das Buch nicht gelesen und hatte mich auch sonst nicht informiert, worum es genau geht. Ich hatte keine Kritik gelesen, wusste lediglich von der Besetzung und den Preisen, mit denen diese Mini-Serie bereits kurz nachdem sie auf HBO ausgestrahlt wurde, prämiert wurde. Hin und wieder mag ich es ganz gerne, mich von einem Projekt komplett überraschen zu lassen.

„Olive Kitteridge“ ist ganz klar als Drama zu kategorisieren, es ist aber auch eine gut beobachtete Charakterstudie. Die Figurenzeichnung ist exzellent. Man hat ausreichend Zeit, um die Titelheldin und andere Charaktere kennenzulernen, mit ihnen warm zu werden, sie (insbesondere was Olive angeht) versuchen zu verstehen und – was mich betrifft – so von ihr berührt zu werden, dass ich mich außerstande sah, mich wieder zu beruhigen als der Film vorbei war. „Olive Kitteridge“ ging mir wirklich sehr nahe.

Die erste Folge habe ich bereits vor einer Weile geguckt. Ich war neugierig und wollte nur mal reinschauen. Das Gesehene gefiel mir, leider hatte ich überhaupt keine Zeit, mir auch nur einen weiteren Teil anzugucken. Den zweiten Anlauf begann ich dann Wochen später, mittlerweile war so viel Zeit verstrichen, dass ich mich nicht mehr richtig an den ersten Teil erinnerte. Entsprechend habe ich mir den ersten Teil erneut angeschaut. Eigentlich wollte ich nur zwei Teile gucken und am nächsten Tag fortsetzen. Mit der zweiten Folge war ich dann aber so gefesselt von Olive (und ein paar anderen Figuren), dass ich nicht anders konnte, als bis zum Schluss zu gucken. Vergleichbar mit einem guten Freund, den man nicht alleine lassen kann, wenn er in Schwierigkeiten steckt.

Manchmal, und das geht mir durch die unzähligen Begegnungen durch meinen Job häufig so, mag ich einfach bestimmte Menschen und kann andere wiederum von vornherein nicht leiden. Wenn mich jemand dann fragt warum, kann ich es nicht immer benennen. Zu einigen Menschen fühlt man sich einfach hingezogen, bei anderen stört einen etwas, ohne dass derjenige vielleicht von vornherein irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Die Chemie muss einfach stimmen.

Die Chemie zwischen mir und Olive Kitteridge stimmt. In der Mini-Serie gibt es einige interessante Charaktere. Der Titelfigur galt aber meine gesamte Aufmerksamkeit und Zuneigung. Ich fand sie einfach faszinierend, wollte wissen, was sich hinter ihrer rauen Schale verbirgt, was sie spröde und unnahbar werden ließ, wie ihr Leben verläuft, ob sie irgendetwas in ihrem Leben bereut, was ihr bestimmte Menschen bedeuten, wie andere auf ihre direkte Art und ihre Eigenarten reagieren, usw. Ich hatte so viele Fragen, wie man sie immer hat, wenn jemand Interessantes in sein Leben tritt. Vielleicht habe ich nicht auf all meine Fragen eine Antwort bekommen. Manchmal gibt es Menschen, die einfach in einigen Bereichen undurchsichtig bleiben und die man gerade daher noch spannender findet. Olive ist sicherlich eine Persönlichkeit, die es einem leicht macht, sie ins Herz zu schließen. Ich mag Menschen, die unverstellt und anders sind und die sich nicht verbiegen lassen, weil sie es entweder nicht können oder nicht wollen. Man erlebt Olive Kitteridge über einen Zeitraum von 25 Jahren. Mit der dritten Folge (und zwar schon zu Beginn) sind mir die Tränen gelaufen, nicht das irgendetwas Besonderes passiert ist. In der letzten Folge sah ich mich nicht mehr in der Lage, mich zusammenreissen zu können. Ich war zu diesem Zeitpunkt zu tief mit der komplexen Olive (und ein paar anderen Figuren) verbunden.

Frances McDormand ist Olive Kitteridge. Die amerikanische Schauspielerin ist stets brillant, diese Performance bildet aber den vorzeitigen Höhepunkt ihres kreativen Schaffens. Es ist keine Performance, die auf den ersten Blick ins Auge fällt. Es sind mehr die leisen Töne, die Stimmung, die sie mit ihrer nuancierten Performance transportiert. Es gibt nur wenige Schauspieler, die das beherrschen. Wenn „Olive Kitteridge“ ein Kinofilm aus dem Jahr 2015 wäre (und ich finde es schade, dass es keiner ist), dann wäre Frances McDormands Performance, die die es bei den nächsten Oscars zu schlagen gilt. Da es aber nunmal eine TV-Produktion ist, ist ihr der Fernseh-Oscar „Emmy“ wohl sicher. Von der Schauspielgarde wurde sie hierfür bereits im Januar mit einem SAG-Award ausgezeichnet.

Aber auch Henry ist eine Figur, die man schnell ins Herz schließt. Er macht es einem natürlich auch leichter als seine Frau Olive, ihn zu mögen. Richard Jenkins zeigt sich auch wieder mal in Bestform. So klar, wie die Figuren definiert sind, so klar erkennt man auch, was Olive und Henry für eine Ehe führen. Man spürt die Gewohnheit, die Vertrautheit, die Liebe, aber auch auf der anderen Seite kann man die Verachtung greifen, die Olive ihrem Henry manchmal entgegenbringt. Besonders mochte ich aber auch die Beziehung zwischen Olive und O´ Casey.

Eine Lieblingsfolge habe ich bei diesem Vierteiler nicht. In der dritten Folge geschieht etwas, womit ich in dieser Art von Film überhaupt nicht gerechnet habe. Das hat mich komischerweise auch unter Stress gesetzt. Gut gefallen hat mir auch, wie die Barsängerin bestimmte Klassiker vorträgt. Nicht nur, dass die Songs einen geeigneten Platz im Film finden und die Handlung unterstützen, bei manchen Songs (insbesondere bei einem meiner Lieblingssongs „Close to You“) wird mir einfach immer warm ums Herz.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass „Olive Kitterdige“ u.a. von Tom Hanks und Frances McDormand produziert wurde, Die amerikanische Filmemacherin Lisa Cholodenko („Laurel Canyon“, The Kids Are All Right) hat Regie führt.

Die Charaktere im Einzelnen:

Olive Kitteridge arbeitet als Mathelehrerin und ist seit vielen Jahren mit Henry (gespielt von Richard Jenkins) verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, Christopher (gespielt von Devin Druid bzw. als Erwachsener von John Gallagher Jr.). Mit den wenigsten Menschen kann sie was anfangen, sie beobachtet und analysiert Menschen, aber will sie nicht in ihrer Nähe haben. Olive hat ein großes Herz, aber zeigt ganz selten Gefühle und verschreckt andere mit ihrer Übellaunigkeit und ihrem Zynismus. Sie ist nicht wirklich glücklich, vielleicht sogar depressiv. Depressionen liegen in ihrer Familie, ihr Vater litt daran. Manche Menschen können nicht über ihren Schatten springen, nicht mal wenn sie es ernsthaft versuchen. Ich liebe ihren Charakter. Ihr Charakter ist ganz klar beschrieben und dadurch konnte ich ihr Denken und ihr Verhalten oft nachvollziehen. Gespielt wird Olive Kitteridge von der wunderbaren Frances McDormand. Die Oscar-Gewinnerin („Fargo“) und Tony-Gewinnerin (für ihre Rolle in dem Theaterstück „Good People“) bewirbt sich mit dieser Rolle um einen Emmy-Award. Frances McDormand begleitet mein Filmleben schon so lange, weil sie einfach ein Talent hat, in den richtigen Filmen mitzuspielen. In dem Coen Bros Film „Blood Simple“ gab sie ihr Spielfilmdebüt. Dort hat sie den Regisseur Joel Coen kennengelernt und vom Fleck weg geheiratet. Mittlerweile sind sie 32 Jahre verheiratet. Gespielt hat Frances McDormand in zahlreichen Spielfilmen: „Raising Arizona“, „Mississippi Burning“, „Primal Fear“, „Almost Famous“, „The Man Who Wasn´t There“, „Laurel Canyon“, Miss Pettigrew Lives for a Day, Moonrise Kingdom

Henry arbeitet als Apotheker und ist seit Jahren mit Olive (gespielt von Frances McDormand) verheiratet. Sie haben einen Sohn, Christopher. Henry ist immer freundlich, im Gegensatz zu seiner Frau ein sehr herzlicher, lebensfroher und geselliger Mensch, der unter der lieblosen Ehe mit seiner Frau Olive leidet. Spätestens mit der dritten Folge hat mich Henry zu Tränen gerührt. Gespielt wird Henry von dem amerikanischen Schauspieler Richard Jenkins. Vielen ist er vielleicht durch die HBO-Serie „Six Feet Under“ bekannt. Lange davor war er aber schon in Kinofilmen zu sehen („Hannah and Her Sisters“, „Sea of Love“, „Wolf“), er hat in einigen Coen Bros-Filmen mitgespielt („The Man Who Wasn´t There“, „Intolerable Cruelty“ und „Burn After Reading“). Für seine Rolle in The Visitor wurde er für den Oscar nominiert. Für seine Rolle in „Olive Kitteridge“ hat er eine SAG-Nominierung erhalten und bewirbt sich damit zweifelsfrei um eine Emmy-Award-Nominierung.

Denise ist eine Angestellte von Henry. Sie ist ein junges, einfach gestricktes, unsicheres Mädchen. Henry ist von ihrer Fröhlichkeit und Unbeschwertheit angetan, Olive ist genervt von ihr und ihrem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein. Ich kann verstehen, warum Olive sie nicht mag. Gespielt wird Denise von der amerikanischen Schauspielerin Zoe Kazan. Sie ist die Enkelin des legendären Film- und Theaterregisseurs und Oscar-Gewinners Elia Kazan („A Streetcar Named Desire“, „On the Waterfront“, „East of Eden“). Zusammen ist sie mit einem der besten Jungschauspieler, Paul Dano. Ich habe zahlreiche Kinofilme „The Savages“, „Fracture“, „Revolutionary Road“, „It´s Complicated“, „Meek´s Cutoff“ gesehen, in denen Zoe Kazan mitspielt. Ich mag sie am meisten, wenn sie kleinere Rollen spielt und mir nicht auffällt. Sie sollte keine Hauptrolle wie in Ruby Sparks oder What If bekleiden.

Christopher ist der Sohn von Olive und Henry. Olive und ihr Sohn haben ein schwieriges Verhältnis. Christopher wird von zwei Schauspielern gespielt. Devin Druid verkörpert den 13-jährigen Christopher und der amerikanische Schauspieler John Gallagher J.r spielt den erwachsenen Christopher. John Gallagher Jr. ist ein Theater-, Film- und Fernsehschauspieler. Für seine Rolle in dem Musical „Spring Awakening“ hat er bereits einen Tony-Award gewonnen. Ich habe ihn in den Kinofilmen „Pieces of April“, „Jonah Hex“, „Margaret“ und Short Term 12 gesehen. Bekannt ist er aber selbstverständlich auch aus der HBO-Serie The Newsroom

Jim O Casey arbeitet als Englischlehrer und ist ein Kollege und Freund von Olive. Sie sind sich beide sehr ähnlich. Er ist ein Eigenbrötler und zynisch. Er ist einer der wenigen Menschen, die Olive wirklich mag. Ich mag Jim O´Casey logischerweise auch sehr gerne. Gespielt wird er von dem großartigen schottischen Schauspieler Peter Mullan. Den meisten wird Peter Mullan wohl durch seine Rolle in den „Harry Potter“-Filmen bekannt sein. Ich habe nie einen dieser Filme gesehen, mir war er noch ganz frisch in Erinnerung durch die Mini-Serie Top of the Lake. Er hat aber auch in einigen meiner Lieblingsfilme („Shallow Grave“, „Trainspotting“ und Tyrannosaur) mitgespielt.

Jack Kennison spielt eine wichtige Rolle in der Mini-Serie. Er kommt zwar erst in der letzten Folge richtig zum Einsatz, aber er kommt gerade im richtigen Moment. Gespielt wird Jack Kennison von dem amerikanischen Schauspieler Bill Murray. Bill Murray hatte nach seinem letzten filmischen Fehltritt St. Vincent bei mir noch einiges wiedergutzumachen. Ich bin immer noch unfassbar sauer auf die pure Existenz dieses Films und seine furchtbare Performance. Das liess mich beinahe vergessen, in welchen tollen Filmen er über die Jahre gespielt hat. Bill Murray hat für seine Rolle in einem meiner Lieblingsfilme „Lost in Translation“ eine Oscar-Nominierung erhalten. In den U.S.A. wurde er in den 1970er Jahren durch „Saturday Night Live“ berühmt. In Deutschland kennt man ihn wohl erst seit den 1980er Jahren, vor allen Dingen durch „Caddyshack“ und „Ghostbusters“. Ich mag ihn besonders in den ganzen Indie-Filmen, in denen er spielte („Rushmore“, „Coffee and Cigarettes“, „Broken Flowers“, „The Darjeeling Limited“, Get Low)

Der Mehrteiler „Olive Kitteridge“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2014 gezeigt. Die Mini-Serie wurde ab dem 2.11.2014 auf HBO an zwei Tagen ausgestrahlt und war jetzt schon für zahlreiche TV-Preise nominiert. Gewonnen hat Frances McDormand bislang einen SAG-Award für ihre Rolle und auch wurde die Regisseurin Lisa Cholodenko mit einem DGA Award ausgezeichnet. Die Autorin Jane Anderson konnte bei den WGAs als Siegerin für ihr Drehbuch hervorgehen. Man kann davon ausgehen, dass Olive Kitteridge einige Emmy-Nominierungen und Awards einheimsen wird. Update: „Olive Kitteridge“ war für 13 Emmy Awards nominiert und hat 6 Emmys gewonnen. Ausgezeichnet wurde „Olive Kitteridge“ in folgenden Kategorien: Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actor in a Limited Series or a Movie (Richard Jenkins), Outstanding Lead Actress in a Limited Series or Movie (Frances McDormand), Outstanding Supporting Actor in a Limited Series or a Movie (Bill Murray), Outstanding Supporting Actress in a Limited Series or a Movie (Zoe Kazan), Outstanding Directing for a Limited Series, Movie or a Dramatic Special, Outstanding Writing for a Limited Series, Movie or a Dramatic Special und Outstanding Casting for a Limited Series, Movie or a Special

Der Vorspann zu sehen:

Trailer zu sehen:

Boston – Film: "Norman"

Ich war am 27.10.11 in Boston und habe mir im Kino angeschaut:

„Norman“ 97 min drama, comedy
dir. Jonathan Segal cast: Dan Byrd, Emily VanCamp, Richard Jenkins, Adam Goldberg, Billy Lush

Norman (Dan Byrd) ist gerade 18 Jahre alt und irgendwie ein Einzelgänger auf seiner Schule. Vor kurzem ist seine Mutter bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Jetzt ist sein Vater (Richard Jenkins) erneut an Magenkrebs erkrankt und lehnt es ab, sich einer weiteren Chemo-Therapie zu unterziehen. Norman fühlt sich noch viel zu jung, um auf einmal erwachsen zu werden und so viel Verantwortung zu tragen. Seinem besten Freund James (Billy Lush) erzählt er, dass nicht sein Vater, sondern er an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Die Nachricht macht an der Schule schnell die Runde und auch sein Schwarm Emily (Emily VanCamp) erfährt davon…

C (Wertung von A bis F) „Norman“ ist wieder einmal ein Film, der so gar nicht auf meiner Wunschliste stand. Leider liefen im Kino nur Filme, die ich entweder schon kannte oder die mich nicht interessierten.

Das Hauptproblem des Films ist für mich eindeutig die Besetzung. Dan Byrd ist weder ein guter Schauspieler, noch hat er die Ausstrahlung, um den Zuschauer ein gewisses Verständnis für seine Filmfigur zu entlocken. Der Filmcharakter Norman an sich ist schon nicht sonderlich interessant, aber vielleicht hätte es mit einem anderen Schauspieler funktioniert. Der Film hätte mir aller Voraussicht nach wesentlich besser gefallen, wenn es mehr um die Beziehung zwischen Vater und Sohn gegangen wäre. Dann wäre auch der stets exzellente Richard Jenkins („The Man Who Wasn´t There“, „North Country“, The Visitor) öfter im Bild gewesen und hätte dem Film etwas mehr Substanz verliehen. Eine weitere Fehlbesetzung ist für mich Emily VanCamp („Brothers & Sisters“). Vielleicht liegt es daran, dass ich sie jetzt in der Serie „Revenge“ gesehen habe. Definitiv nehme ich der Schauspielerin jedenfalls keine 18 oder 19-jährige Schülerin mehr ab. Emily VanCamp und Dan Byrd passen auch überhaupt nicht zusammen. „Norman“ ist ein Indie-Film, auf den man getrost verzichten kann.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Artist“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Den (und ein paar andere) Trailer schleppe ich nun seit einigen Monaten schon auf meinem iPad mit mir herum und zeige ihn/sie – wenn ich lustig bin – Filminteressierten. Wenn man den Trailer aber das erste Mal im Kino sieht, merkt man, dass das noch mal eine ganz andere Nummer ist. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen. Ein schwarz-weißer Stummfilm, so etwas sieht man heutzutage einfach nicht mehr im Kino. „The Artist“ hält sich seit Monaten schon als einer der Oscar-Favoriten bei den Oscars 2012.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Tinker Tailor Soldier Spy“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Spionagethriller nach dem Roman von John le Carré. Film mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: "Friends with Benefits"

Ich war am 22.07.11 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Friends with Benefits“ (dt. Titel: „Freunde mit gewissen Vorzügen“, dt. Kinostart: 08.09.11) 120 min romantic comedy
dir. Will Gluck cast: Justin Timberlake, Mila Kunis, Patricia Clarkson, Woody Harrelson, Richard Jenkins, Jenna Elfman, Emma Stone

Dylan (Justin Timberlake) lebt in Los Angeles und wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Jetzt wird er von der Headhunterin Jamie (Mila Kunis) in New York für die Position des Art Directors bei dem GQ Magazin vorgeschlagen. Er nimmt den Job an und lässt sich von Jamie die Stadt zeigen. Die beiden sind sich sympathisch und da auch Jamie gerade frisch getrennt ist, einigen sich Dylan und Jamie darauf, eine Affäre ohne Verpfilichtungen zu haben. So einfach ist das aber nicht…

C- (Wertung von A bis F) Der Film beginnt eigentlich vielversprechend, die Anspielungen auf schlechte RomComs sind wirklich komisch. Es sitzen auch sonst einige Gags, ich mag insbesondere das Hervorheben der unterschiedlichen Mentalitäten zwischen Angelenos und New Yorkern. Es ist also nicht so, dass der Film keine Ideen hat, aber er driftet zu schnell in die vorhersehbare Rom/Com Szenerie ab, die so öde ist, dass ich kurz davor war, entweder einzuschlafen oder das Kino zu verlassen. Auch wenn einige amerikanische Kritiker etwas anderes behaupten, ich bin nicht der Meinung, dass zwischen Justin Timberlake und Mila Kunis eine Chemie besteht. Justin Timberlake, von dem ich noch in „The Social Network“ begeistert war, fand ich hier fad. Die einzigartige Patricia Clarkson („Dogville“, „The Station Agent“, „Pieces of April“, „Good Night, And Good Luck“) und stets geniale Woody Harrelson („Natural Born Killers“, „The People Vs. Larry Flynt“, Transsiberian, Zombieland, The Messenger) haben den Film für mich aufgewertet. So hat sich „Friends with Benefits“ noch auf eine „C“-Bewertung retten können. Trotzdem ist der Film eine Zeitverschwendung.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Shark Night – 3D“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Hai-Horror, der nur besser sein kann als der Piranha-Horror vom letzten Jahr
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60%

Trailer v. Film: „Abduction“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Thriller/Action mit dem Schauspieler aus dieser Kinder-Vampir-Reihe. Alleine vom Trailer her ist Taylor Lautner eine klare Fehbesetzung (für jede Hauptrolle). Hier spielt auch Maria Bello, Alfred Molina und Sigourney Weaver mit
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60%

Trailer v. Film: „What´s Your Number?“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Komödie mit Anna Faris und Chris Evans
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 20%

Trailer v. Film: „Footloose“
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: Hilfe!
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Bucky Larson: Born to Be a Star“
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: Comedy…die nicht meinen Humor trifft
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Straw Dogs“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Thriller mit sexy Alexander Skarsgaard und Kate Bosworth und James Marsden
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Los Angeles – Step Brothers

Ich war am 03.08.08 in Los Angeles und habe mir im Kino angeschaut:

„Step Brothers“ (dt. Titel „Die Stiefbrüder“, dt. Kinostart 11.09.08) 95 min comedy
dir. Adam McKay cast: Will Ferrell, John C. Reilly, Richard Jenkins, Mary Steenburger, Adam Scott, Seth Rogen

Die geschiedene Nancy (Mary Steenburger) hat ihren verwöhnten 39jährigen Sohn Brennan (Will Ferrell) bislang noch nicht zur Selbständigkeit bewegen können und so wohnt ihr Muttersöhnchen immer noch zu Hause. Auf einer Veranstaltung verliebt sie sich in den verwitwten Robert (Richard Jenkins), der mit seinem permanent arbeitslosen 40jährigen Sohn Dale (John C. Reilly) zusammenlebt. Als Nancy und Robert heiraten und zusammenziehen, müssen sich fortan die beiden Stiefbrüder ein Zimmer teilen. Von der ersten Minute an verachten sich die beiden aus tiefster Überzeugung bis sie immer mehr Gemeinsamkeiten entdecken…

C (Wertung von A bis F) Der Film ist zwar von dem Regisseur Adam McKay, es lässt sich aber nicht leugnen das es eine Judd Apatow („40 Year Old Virgin“, Knocked Up, Superbad) Produktion ist. „Step Brothers“ trägt eindeutig Apatows Handschrift, durchaus gute Ideen und Szenen, leider von einem Fäkalhumor dominiert. Apatows Freund Seth Rogen hat auch einen Cameoauftritt, etwas vermisst habe ich Paul Rudd. Meine Matinee war recht gut besucht und teilweise haben meine Mitzuschauer so laut gelacht, dass man kaum etwas verstanden hat, andere Leute haben bereits nach 20 Minuten das Kino verlassen und immer wieder sind Zuschauer aus der Vorstellung gegangen. Ich habe mich irgendwo dazwischen gesehen. Was mich davon abgehalten hat, das Kino zu verlassen, war hauptsächlich die perfekte Besetzung. Wer kann 40jährige Nerds, die Fantasien und das Verhalten eines 10jährigen haben, besser verkörpern als Will Ferrell und John C. Reilly? Die Chemie der beiden ist unverkennbar. Will Ferrell ist als Improvisationskünstler bekannt und das zeigt sich bei einigen Szenen. Ausserdem überträgt sich der Spass, den die beiden ganz offensichtlich bei den Dreharbeiten hatten. Von Adam Scott, der den aalglatten Bruder von Will Ferrells Figur spielt (und sehr an Tom Cruise erinnert), war ich irgendwie gefesselt.

Trailer zu sehen:

„passabel“

Detroit – The Visitor

Ich war am 25.04.08 in Detroit und habe mir im Kino angeschaut:

„The Visitor“ (dt. Kinostart: 04.01.10) 108 min drama
dir. Tom McCarthy cast: Richard Jenkins, Haaz Sleimann, Hiam Abbass

Walter Vale (Richard Jenkins) arbeitet als Professor am College von Connecticut, ist sehr eigenwillig und lebt seit dem Tod seiner Frau völlig zurückgezogen. Als er zu einer Konferenz nach New York fährt und nach vielen Monaten mal wieder seine Zweitwohnung aufsucht, trifft er dort auf ein verschrecktes Immigrantenpärchen. Ohne sein Wissen haben die beiden schon vor zwei Monaten seine Wohnung angemietet und sind einem Mietbetrug zum Opfer gefallen. Um seiner Einsamkeit zu entfliehen, lässt Walter Tarek (Haaz Sleimann) und seine Freundin weiterhin bei ihm wohnen. Er nimmt bei Tarek sogar Musikunterricht und freundet sich schliesslich mit beiden an. Eines Tages wird Tarek durch ein Missverständnis verhaftet, und durch seinen illegalen Aufenthalt in den U.S.A., gerät er in den Strudel amerikanischer Bürokratie und ihm droht die Abschiebung. Walter setzt sich für seinen neuen Freund ein, bezahlt den Anwalt und besucht ihn so oft er kann. Schliesslich lernt er Tareks verzweifelte Mutter kennen und lieben…

B+ (Wertung von A bis F) Facettenreiches Drama über illegale Einwanderer in den U.S.A. und einen älteren Mann, der in seinem Leben so festgefahren ist, dass es nur Wirkungen von aussen ermöglichen, dass er sich verändert und sich Menschen gegenüber wieder öffnet. Richard Jenkins, bekannt aus vielen Nebenrollen und als Familienoberhaupt der U.S. Serie „Six Feet Under“ ist schlichtweg umwerfend in dieser Rolle. Er verkörpert die Traurigkeit, die diese Rolle erfordert, mit viel Würde. Rührende Performance und erste schauspielerische Leistung in diesem Jahr, die eine Oscarnominierung nach sich ziehen kann.

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„sehenswert“