San Francisco – Film: „Honey Boy“

Ich war am 20.11.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Honey Boy“  95 min  drama, biopic  

dir. Alma Har´el  cast: Noah Jupe, Lucas Hedges, Shia LaBeouf, Natasha Lyonne, Martin Starr, FKA Twigs, Laura San Giacomo, Maika Monroe Clifton Collins Jr. 

 

Im Jahr 1995 in Los Angeles. Otis (Noah Jupe) ist 12 Jahre alt und arbeitet schon längere Zeit als Schauspieler. Nach der Trennung seiner Eltern lebt er mit seinem exzentrischen Vater (Shia LaBeouf) zusammen. Die beiden wohnen in einem heruntergekommenen Wohnkomplex. Otis bestreitet den Lebensunterhalt der beiden und auch sonst zeigt sein alkohol- und drogenabhängiger Vater wenig Verantwortungsbewusstsein…

 

A- (Wertung von A bis F) Während seines Aufenthalts in der Entzugsklinik hat der Schauspieler Shia LaBeouf das autobiografische Drehbuch zu „Honey Boy“ geschrieben. Wie der Schauspieler bekannt gab, haben sich die Ereignisse in dem Film tatsächlich auch so in seinem Leben zugetragen. Shia LaBeouf litt durch seine Kindheit und seine komplizierte Beziehung zu seinem Vater an einer posttraumatischen Belastungsstörung und hat dieses Projekt dazu genutzt, sie zu verarbeiten. Er hat diesen Film auch produziert und spielt eine Version seines eigenen Vaters. Die Namen im Film wurden alle geändert. Es ist das Spielfilmdebüt der israelisch-amerikanischen Werbe- und Musikvideo-Regisseurin und Dokumentarfilmerin („Bombay Beach“, „LoveTrue“) Alma Har´el. 

Shia LaBeouf ist mir das erste Mal in dem Film Disturbia aufgefallen, das war im Jahr 2007. Da war er 21 Jahre alt und galt als der neue Shooting Star. Tatsächlich hat er da aber bereits seit zehn Jahren in der Entertainment-Branche gearbeitet. Kurz nach seinem Durchbruch mit „Disturbia“ spielte er in Michael Bays „Transformer“-Filmen und wurde von Steven Spielberg in „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ besetzt. So ein Blog ist schon nützlich, so konnte ich in meinen eigenen Beiträgen (A Guide to Recognizing Your Saints, New York, I Love You, Wall Street; Money Never Sleeps, Lawless, Fury) noch mal nachlesen, wie ich in  der jeweiligen Zeit und den entsprechenden Filmen über Shia LaBeoufs Schauspielleistungen gedacht habe. Um es kurz zusammenzufassen, ich habe ein leicht angespanntes Verhältnis zu dem Schauspieler. Unabhängig von seinem Talent oder Nichttalent als Schauspieler irritierte er mich immer wieder durch sein ungehöriges Benehmen und seine skurrilen öffentlichen Auftritte. Bis ich den ersten Trailer von „Honey Boy“ gesehen habe, wollte ich mir den Film gar nicht anschauen. 

Mit dem ersten Trailer war klar, dass ich den Film sehen muss. Bevor ich ins Kino ging, habe ich mir auch noch das längere, sehr offene „The Hollywood Reporter“-Interview mit dem 33-jährigen angehört und habe seinen Erzählungen über seine schwierige Kindheit, seinen beruflichen Werdegang, seine Probleme und auch seine Beziehung zu seinen Eltern und anderen Weggefährten interessiert gelauscht. Danach stand ich Shia etwas positiver gegenüber und konnte mich entspannt auf „Honey Boy“ einlassen.  

Es hat sich gelohnt, Alma Har´els „Honey Boy“ ist ein wunderbarer Film, der mich sehr berührte. Am Ende konnte ich sogar nachvollziehen, warum Shia vom Weg abgekommen ist und selbst zu Alkohol und Drogen griff. Der Film ist auch keine Abrechnung mit seinem Vater, er zeigt auch gute Seiten an ihm und letztlich hat der Film auch eine versöhnliche Note. Ich glaube, dass Shia Labeouf jetzt wieder auf dem richtigen Weg ist. 

„Honey Boy“ ist ein Film über Abhängigkeiten, die von Alkohol und Drogen, aber vielmehr die finanzielle und emotionale. Es ist ein schonungslos ehrliches Porträt über Shias Kindheit mit seinem Vater und einen Teil seines Erwachsenenlebens. Durch seine Rolle in einer Disney-Serie hat er als Kind bereits finanziell für seine Familie gesorgt. Seit der Trennung seiner Eltern lebte er mit seinem Vater, einem Kriegsveteranen und Alkoholiker zusammen. Das 12-jährige Kind ist oft einsam und wünscht sich einfach nur eine normale Kindheit und Zeit, mit seinem Papa zu verbringen. Herzzerreissend, das mündet dann auch in einer Szene, die mir beinahe das Herz brach.

Ich habe schon viele hervorragende Filme über Kinder aus dysfunktionalen Familien gesehen.„Honey Boy“ ist besonders, weil er auf einer autobiografischen Vorlage basiert und einem zeigt, was ein Leben als Kinderstar mit sich bringen kann. Viele Kinderstars (Macaulay Culkin, Drew Barrymore, Lindsay Lohan, Britney Spears, usw.) kamen mit dem frühem Ruhm nicht klar, griffen zu Alkohol und Drogen, eigentlich können einen diese Kinder nur leid tun.

Apropos Kinderstar: Der englische Jungschauspieler Noah Jupe (The Night Manager, A Quiet Place, Ford v Ferrari) ist mir das erste Mal in Suburbicon aufgefallen. Spätestens mit „Honey Boy“ sieht man, dass er mal ein ganz Großer wird. Er hat einfach das gewisse Etwas, vergleichbar mit Leonardo DiCaprio in jungen Jahren. Lucas Hedges (Manchester by the Sea, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) hat auch bereits früh als Schauspieler gearbeitet. Beide jungen Schauspieler scheinen aber aus einem verantwortungsvollen Elternhaus zu stammen und wirken sehr geerdet. In „Honey Boy“ geben beide eine überragende Performance. Schauspielerisch hat mich hier auch Shia Labeouf selbst begeistern können. Mit Ausnahme von ein paar wenigen Szenen konnte ich vergessen, dass Shia hier selbst seinen Vater spielt.

Alma Har´els Film beginnt mit einer brillanten Eröffnungssequenz und hat mir im Ganzen so gut gefallen, dass er sogar am Ende des Jahres in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2019 landen könnte. Das Einzige, was mich störte, war, dass der 12-jährige Otis (gespielt von Noah Jupe) zehn Jahre später niemals wie Lucas Hedges aussehen würde. 

Zum Abspann sieht man Originalfotos von Shia LaBeouf und seinem Vater. Bevor Shia das Drehbuch zu dem Film schrieb, hatte er bereits seit sieben Jahren keinen Kontakt zu seinem Vater. Falls man sich fragt, wie Papa Labeouf den Film findet, er hat Folgendes getwittert: „Watched this final cut many times. Laughed, cried, accepted. Thank You Alma You did a great job. Wonderful Film, exposes so much ❤️“

„Honey Boy“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Noah Jupe), Bester Nebendarsteller (Shia LaBeouf, Lucas Hedges), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien

„Honey Boy“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film der Amazon Studios wurde am 8.11.19 in ein paar ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Der Film soll eine reguläre Kinoauswertung bekommen, im Moment ist noch nicht bekannt, ob „Honey Boy“ auch im deutschem Kino zu sehen sein wird und ab wann der Film dann auf dem Streamingportal Amazon zur Verfügung steht.

Trailer zu sehen: 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Rhythm Section„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Reed Moranos neuer Film, Actionthriller mit Blake Lively und Jude Law, startet im Januar, schwieriges Startdatum…

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Antlers„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Scott Coopers neuer Film, dieses Mal Horrorfilm mit Jesse Plemons. Der Trailer ist toll

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Knives Out„

Bewertung des Trailers: A- 

Kommentar: Rian Johnsons neuer Film: Willkommen zurück in der Indie-Welt. Mit Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Michael Shannon

Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Dark Waters„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Todd Haynes neuer Film. Mark Ruffalo macht einen sehr guten Eindruck. Für mich bedeutet das, dass ich mir wohl mal wieder einen Film mit Anne Hathaway anschauen muss.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Queen & Slim„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Drama/Thriller mit Daniel Kaluuya 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Fantasy Island“

Bewertung des Trailers: D

Kommentar: Horrorfilm mit Michael Pena, der Trailer verrät doch scheinbar wieder den ganzen Film  

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht 


Trailer v. Film: „Birds of Prey„

Bewertung des Trailers: D-

Kommentar: Ernsthaft? Superhelden-Film mit Margot Robbie, Mary Elizabeth Winstead, Ewan McGregor 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

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Trailer v. Film: „Burden„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Drama, das in Sundance 2018 gezeigt wurde, dort den Publikumspreis gewonnen hat. 2 Jahre später kommt er ins Kino. Mit Garrett Hedlund, Forest Whitaker, Tom Wilkinson  

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%  

NYC – Film: „Judy“

Ich war am 29.09.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Judy“ (dt. Kinostart: 2.1.20)   118 min  drama, biopic, adaptation  

dir. Rupert Goold  cast: Renée Zellweger, Rufus Sewell, Michael Gambon, Finn Wittrock, Jessie Buckley, Darci Shaw, Bella Ramsay

 

Judy Garland (Renée Zellweger) ist Ende 40, abhängig von Tabletten und Alkohol, in finanziellen Schwierigkeiten und verliert auch noch ihre Bleibe. Nun droht ihr auch noch ihr Ex-Mann (Rufus Sewell), ihr die beiden Kinder wegzunehmen. Judy muss dringend Geld verdienen, mittlerweile bucht aber kaum einer mehr die, einst begnadete Entertainerin. Dann bekommt sie das Angebot, eine Konzerttournee in London zu geben….

 

B (Wertung von A bis F) „Judy“ ist ein biografisches Drama über Judy Garland. Es ist die vage Kinoadaption von Peter Quilters Theaterstück „End of the Rainbow“. Nach True Story ist dies erst der zweite Kinofilm, bei dem der englische TV-, Film- und Theaterregisseur Rupert Goold Regie führt. 

Es ist immer von Vorteil, wenn man eine Katastrophe an Film und Performance erwartet. „Judy“ ist, in meinen Augen, ein etwas besseres Biopic. Der Film ist von seiner Erzählstruktur traditionell. Wir erleben die letzten Monate in Judy Garlands Leben und durch die vielen Rückblenden bekommen wir ein guten Eindruck, wie sich ihr gesamtes Leben gestaltete. Judy Garland ist bereits im Alter von 47 Jahren gestorben und war am Ende ihres Lebens essgestört und abhängig von Tabletten und Alkohol. Der Grundstein für ihre Mager- und Tablettensucht wurde bereits in ihrer Kindheit gelegt. Von ihrer Kindheit hatte der einstige Kinderstar wenig, Ihre ehrgeizige Mutter drängte sie bereits in jungen Jahren in eine künstlerische Laufbahn. Durch Vorgaben des Filmstudios gab ihr die Mutter Aufputsch- und Schlaftabletten und setzte sie auf Diät, damit sie dem Schönheitsideal entsprach. Judy Garland wurde ihr gesamtes Leben lang finanziell ausgebeutet, in den letzten Lebensjahren musste sie für eine Konzerttournee in London zusagen, damit sie wieder genug Geld für ein eigenes Zuhause hatte und wieder mit ihren beiden kleineren Kindern zusammenleben konnte. Ein trauriges Schicksal. 

Wie bei so vielen Filmbiografien wurde auch hier aus dramaturgischen Gründen einiges dazu gedichtet oder weggelassen. Gerne hätte ich beispielsweise noch etwas mehr von ihrer älteren Tochter, Liza Minelli, gesehen. „Judy“ konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf die gebrochene und verletzliche Persönlichkeit von Judy Garland und ihre Bedeutung in der Gay-Community. Besonders gerührt war ich von der gesamten Sequenz mit dem schwulen Paar, die man durchaus als Hommage an ihre zahlreichen treuen, schwulen Fans verstehen kann. Und auch die letzten Szene des Films hat mir ein ein Tränchen entlockt. 

„Judy“ ist aber vor allen Dingen durch seine Hauptdarstellerin sehenswert. Ich war nie ein Freund von Renée Zellweger (mochte sie eigentlich nur in „Nurse Betty“), hier macht sie aber sie aber ihre Sache wirklich gut. Sie singt selbst. Klar, sie hätte nie die einzigartige Stimme von Judy Garland treffen können, aber die hatte die Ausnahmekünstlerin in den letzten Monaten ihres Lebens selbst wohl auch nicht mehr. Es gab Momente im Film, in dem ich Renée Zellweger nicht mehr gesehen habe, dank des hervorragenden Arbeit der Haar- und Make-up-Artisten verschwand sie manchmal förmlich in ihrer Rolle. 

Man kann davon ausgehen, dass Renée Zellweger für diese Performance für den Oscar nominiert wird. Einige Oscar-Experten gehen sogar davon aus, dass sie den Oscar gewinnt. Nun hat sie aber bereits einen Oscar für „Cold Mountain“ gewonnen und seit ein paar Tagen ist bekannt, dass „Bombshell“ ein guter Film ist und hervorragende Performances, insbesondere von Charlize Theron, hervorbringt. Das Oscar-Rennen in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin sieht im Moment so aus, dass es sich wohl zwischen den zweimaligen Oscar-Gewinnerinnen Renée Zellweger und Charlize Theron und Scarlett Johansson (für „Marriage Story“) entscheidet. 

„Judy“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Renée Zellweger), Bestes Make-up und beste Frisuren, Bestes adaptiertes Drehbuch 

„Judy“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist seit dem 27.09.19 in 461 amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft der Film in 1,458 Kinos in den Vereinigten Staaten. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 2.1.20 geplant. 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Honey Boy„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Eine Art Shia LaBeouf-Biopic. So seltsam es sich anhört, nach dem Trailer möchte ich  „Honey Boy“ unbedingt sehen

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Lucy in the Sky„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Sci-Fi-Drama mit Natalie Portman und Jon Hamm

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Frankie„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Ira Sachs´neuer Film mit Isabelle Huppert, Brendan Gleeson und Marisa Tomei 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Dark Waters„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Todd Haynes neuer Film. Hätte ich den Trailer vorher gesehen, hätte ich ihn wohl in meine erste Oscar-Prognose aufgenommen. Mark Ruffalo macht einen sehr guten Eindruck. Für mich bedeutet das, dass ich mir wohl mal wieder einen Film mit Anne Hathaway anschauen muss.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Waves„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Trey Edward Shults neuer Film, Oscar-Film, soweit ich gehört habe. Dem Trailer nach ist er dem Oscar-Gewinner-Film „Moonlight“ nicht unähnlich.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 

NYC – Film: „The Irishman“

Ich war am 27.09.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Irishman“ (ab dem 14.11.19 in Deutschland im Kino zu sehen, ab dem 27.11.19 weltweit auf Netflix abrufbar)   209 min    drama, crime, biopic, adaptation 

dir. Martin Scorsese  cast: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Harvey Keitel, Bobby Cannavale, Anna Paquin, Ray Romano, Jesse Plemons

 

Frank „The Irishman“ Sheeran (Robert De Niro) ist alt und einsam und blickt zurück auf sein Leben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Irishman“ basiert auf Charles Brandts True Crime Bestseller „I Heard You Paint Houses“. Es ist der 26. Kinofilm des New Yorker Filmemachers Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „Goodfellas“, „The Departed“, Shutter Island, Hugo, The Wolf of Wall Street, Silence). Das Drehbuch zu „The Irishman“ hat der amerikanische Filmemacher („A Civil Action“, TV-Serie „The Night Of“) und Drehbuchautor („Schindler´s List“, „Gangs of New York“, Moneyball) Steve Zaillan geschrieben. 

„The Irishman“ ist eine Adaption von Charles Brandts Buch „I Heard You Paint Houses“. Für sein Buch hatte Brandt über einen Zeitraum von fünf Jahren den Mafia-Killer Frank „The Irishman“ Sheeran befragt. In der Mafia-Sprache umschreibt der „house painter“ einen Auftragskiller. „I Heard You Paint Houses“ waren die ersten Worte, die der legendäre amerikanische Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa zu Frank Sheeran sagte. 

Der von Robert De Niro gespielte Frank Sheeran ist ein alter, einsamer Mann, der in einem Pflegeheim lebt, wenn wir als Zuschauer das erste Mal auf ihn treffen. Der Zweite-Weltkriegsveteran erzählt von dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Mafia-Boss Russell Bufalino (gespielt von Joe Pesci) und, wie er dann begann, als Auftragskiller für die Mafia zu arbeiten. Irgendwann freundete sich Sheeran dann mit dem Gewerkschaftspräsidenten Jimmy Hoffa (gespielt von Al Pacino) an und arbeitete für ihn. Jimmy Hoffa hatte Verbindungen zur Mafia und verschwand im Jahr 1975 spurlos. Was es damit auf sich hatte, erfahren wir und auch, was das alles für Auswirkungen auf Sheerans Privatleben hatte. 

„The Irishman“ ist auf der einen Seite ein gelungenes Mafia-Epos und auf der anderen Seite eine ehrliche und am Ende auch rührende Charakterstudie über den titelgebenden Charakter. Auch wenn sich die Laufzeit von 3 1/2 Stunden recht lang anhört, war ich überrascht, wie wenig ich die Länge gespürt habe. Wenn ich an den Film zurückdenke, fallen mir als erstes die brillanten und witzigen Dialoge ein (allein für den „Fisch-Dialog im Auto“ würde ich mir den Film jetzt, sofort nochmal anschauen), dann die sehr starken letzten, vielleicht dreißig Minuten des Films, die vielen exzellenten Kamerafahrten und -einstellungen, Zeitlupen-Szenen und nicht zuletzt die Performances von Joe Pesci, Ray Romano, Al Pacino und Robert De Niro (letzterer insbesondere als alter Mann). „The Irishman“ spielt über vier Zeitebenen, zeigt Pesci und De Niro über einen Zeitraum von über 40 Jahren. Mit einer sehr aufwendigen und teuren Verjüngerungstechnik, an die man sich erst gewöhnen muss, die sich aber am Ende auszahlt, sehen wir die Charaktere in unterschiedlichen Stadien ihres Lebens. Mit dem jüngeren De Niro bzw. Frank Sheeran hatte ich meine Probleme. Naja eigentlich haben mich nur seine stahlblauen, glasigen Augen irritiert und manchmal hat mich auch sein wächsern wirkendes Gesicht etwas zu sehr abgelenkt. Zwei Mal musste ich mir kurz die Augen reiben, weil ich glaubte, in Joe Pesci (den ich eigentlich für einen der coolsten Typen des Planeten halte) plötzlich Gollum aus den „The Lord of the Rings“-Filmen gesehen zu haben.

Al Pacino neigt oft zur Übertreibung in seinem Spiel. Hier spielt er den stoischen Hitzkopf Jimmy Hoffa und ich wüsste keinen Schauspieler, der ihn besser hätte spielen können. Wenn er auf der Leinwand zu sehen ist, ist es fraglos sein Film. In den besten, bzw. witzigsten Szenen ist er meist beteiligt. Gegen Al Pacino geben Joe Pesci und De Niro eine sehr zurückgenommene Performance. Alle drei Schauspieler qualifizieren sich aber für den Oscar. Es ist wunderbar zu sehen, wie Pacino und De Niro, die in den letzten Jahren auch viele Schrottfilme drehten, jetzt mit 79 bzw. 76 Jahren noch einmal das zeigen, was sie eigentlich drauf haben. Das, wofür sie von vielen, wesentlich jüngeren Schauspielern noch heute so verehrt werden. Auch hervorragend, in einer kleineren Rolle, haben mir Ray Romano und Louis Cancelmi (der mit der Brille und dem Fisch in dem Auto) gefallen.

„The Irishman“ ist Martin Scorseses neunter Spielfilm mit Robert De Niro und der erste seit „Casino“ aus dem Jahr 1995. Seit Jahren suchten sie schon nach einem gemeinsamen Spielfilmprojekt. Als sie schließlich Charles Brandts Buch fanden, hatten sie Schwierigkeiten, eine Finanzierung für das Projekt zu bekommen. Ohne Netflix hätte es den teuersten und mit 3 1/2 Stunden längsten Scorsese-Film bis heute nicht gegeben. Der Film sollte ursprünglich 100 Millionen Dollar kosten, die Produktionskosten sind aber irgendwann explodiert (man spricht von 175 Millionen Dollar), wobei ein Großteil davon in die ausgeklügelte, digitale De-Aging-Technik floß. 

Joe Pesci wollte eigentlich immer als Musiker arbeiten, konnte aber sein Geld nur mit der Schauspielerei verdienen. Eines Tages riefen Robert De Niro und Martin Scorsese an, verpflichteten ihn für den Film „Raging Bull“. Mit „Goodfellas“ (für seine Performance gewann Pesci den Oscar) und „Casino“ gab es zwei weitere Filme, bei denen die Drei zusammenarbeiteten. Joe Pesci beendete im Jahr 1999 dann offiziell seine Filmkarriere. Auch wenn er hin und wieder mal in dem ein oder anderen Film einen Kurzauftritt hatte, erschien ihm kein Rollenangebot attraktiv genug, wieder eine größere Rolle in einem Film anzunehmen. Nach Angaben von De Niro und Scorsese mussten sie auch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, damit Joe Pesci ein weiteres Mal mit den beiden Ikonen in „The Irishman“ zusammenarbeitete. Für Al Pacino ist es, man glaubt es kaum, seine erste Kooperation mit Martin Scorsese.

„The Irishman“ ist natürlich bereits auf dem Papier ein Oscar-Anwärter. Scorsese, De Niro, Pacino, Pesci, Paquin, Drehbuchautor Steven Zaillian – alles Oscar-Preisträger. Ein Mafia-Epos ist etwas, was man mit dem Alten Hollywood verbindet. Ich weiß nicht, ob so ein Film es noch in der heutigen Zeit schafft, den Oscar tatsächlich zu gewinnen. „The Irishman“ wäre vielleicht der letzte Film dieser Art, der das könnte. Die Oscar-Gewinner-Filme der letzten Jahre waren alle nicht mehr sonderlich lang. In der Vergangenheit gab es aber einige Oscar-Gewinner-Filme mit einer Laufzeit von um die 200 Minuten, dazu gehören „Lord of the Rings: The Return of the King, „Titanic“, „The Godfather, Part II“ und etwas länger her „Ben Hur“ und natürlich „Gone with the Wind“. Nun ist „The Irishman“ ein Film von Netflix, die haben seit Roma die besten Oscar-Strategen der Branche am Start. Sie sind auch bei den letzten Oscars sehr weit gekommen, bis… (lassen wir das). Dieses Jahr haben sie mit „The Irishman“, „Marriage Story“, „The Two Popes“ und den jeweiligen Schauspieler einige Hochkaräter in petto. Auch werden sie eine Oscar-Kampagne für Eddie Murphy für seine Performance in „Dolemite is My Name“ führen. Auf welchen Film Netflix ihr Hauptaugenmerk setzt, wird sich zeigen. Im Moment (Anfang Oktober 19) sieht es aus, als ginge der Oscar für den Besten Film an Scorseses „The Irishman“, Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ oder Noah Baumbachs „Marriage Story“ – aber das kann sich auch noch ändern. 

„The Irishman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Robert De Niro), Bester Nebendarsteller (Al Pacino, Joe Pesci), Beste Nebendarstellerin (Anna Paquin), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien 

„The Irishman“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist im Verleih des Streaming Portals Netflix und soll ab dem 1.11.19 In einigen ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten zu sehen sein. Ich habe den Film am Eröffnungstag auf dem NYFF57 gesehen. Der Film war ursprünglich mit vier Vorstellungen für den 27.09.19 geplant. Aufgrund der riesigen Nachfrage des, in der Weltpremiere gezeigten Films, wurden aber immer mehr Vorstellungen hinzugefügt. Der Film soll ab dem 14.11.19 auch in ein paar ausgewählten deutschen Kinos gezeigt werden und ist dann ab dem 27.11.19 weltweit auf Netflix abrufbar. 

Trailer zu sehen:

 

NYFF57 Opening Afternoon Screening von "The Irishman"
NYFF57 Opening Afternoon Screening von „The Irishman“
NYFF 57, Opening Night, Film: „The Irishman“

Vor unserer 15.45 Uhr-Vorstellung gab es in dem Kino eine Pressevorführung. Während Joe Pesci und Al Pacino nach der PV an den enttäuschten Fans vorbei, in ihre Limousine huschten, gab Robert De Niro den dankbaren Fans bereitwillig Autogramme. 

Joe Pesci auf dem NYFF57 "The Irishman"
Joe Pesci auf dem NYFF57 „The Irishman“
Al Pacino auf dem NYFF57 „The Irishman“
Robert De Niro auf dem NYFF57 „The Irishman“

D.C. – Film: „Hustlers“

Ich war am 25.09.19 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Hustlers“ (dt. Kinostart: 28.11.19)   110 min  drama, biopic, adaptation  

dir. Lorene Scafaria  cast: Constance Wu, Jennifer Lopez, Cardi B., Julia Stiles, Lili Reinhart, Mercedes Ruehl, Frank Whaley, Keke Palmer  

 

Im Jahr 2007 hat Destiny (Constance Wu) begonnen, als Stripperin in dem Club „Moves“ zu arbeiten. Der Star dieses Clubs ist Ramona (Jennifer Lopez). Destiny freundet sich mit Ramona an, diese bringt ihr sämtliche Tricks bei und bald beginnen die beiden Frauen zusammen mit anderen Stripperinnen, den Männern von der Wall Street möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen…

 

C+ (Wertung von A bis F) Der Film wurde von wahren Begebenheiten inspiriert und basiert auf Jessica Presslers New York Magazin Artikels „The Hustlers at Scores“. Es ist nach Seeking a Friend for the End of the World und The Meddler erst der dritte Film der amerikanischen Drehbuchautorin und Filmemacherin Lorene Scafaria. 

Wie konnte es dazu kommen, dass Jennifer Lopez für ihr Porträt einer Stripperin auf einmal als Oscar-Anwärterin gilt? Das habe ich mich gefragt, als ich erstmalig davon gehört habe und frage ich mich immer noch, jetzt, wo ich den Film gesehen habe. 

Der Film erzählt eine relativ wahre Geschichte, die ich aber nicht für sonderlich erzählens- bzw. verfilmenswert halte. Es beginnt schon damit, dass ich keine Sympathien für die Hauptcharaktere aufbringen konnte und die Männer nicht ausreichend (fies) genug gezeichnet sind, dass man es vielleicht irgendwie okay finden könnte, wie hinterhältig sie betrogen wurden. „Hustlers“ liebt seine Frauencharaktere, ich wünschte, etwas von dieser Liebe wäre auf mich übergesprungen, dann hätte mir der Film vielleicht besser gefallen.

Die Geschichte beginnt 2007, viele Wall-Street-Banker haben sich bekanntlich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert und machten (in den Stripclubs) einen auf dicke Hose. Dann kam im Jahr 2008 die Finanzkrise, die Banker verloren ihre Jobs, kamen nicht mehr in die einschlägigen Läden, die Stripperinnen mussten sich entsprechend neue Jobs suchen, bei denen sie weit weniger verdienten und nun konnten sie sich Pelzmäntel und teure Designertaschen nicht mehr leisten. Ein paar Jahre später beruhigte sich die Lage und die ehemaligen Stripperinnen sahen jetzt eine Möglichkeit, sich an den Männern von der Wall Street zu rächen. Nun zogen sie ihren ehemaligen Kunden auf kriminelle Weise das Geld aus der Tasche. Ende der Geschichte. Tja. Ich finde auch das amerikanische „Man muss sehen, wo man bleibt“ hier unpassend. Dazu finde ich den Frauen und ihr späteres Verbrechen viel zu  niederträchtig.

Der Film ist jedoch ganz ansprechend fotografiert, am Anfang vielleicht auch spaßig und kurzweilig, irgendwann wiederholen sich aber die Szenen und es wird trötenlangweilig.  Ein kleines Highlight gab es für mich dann mit „Doug“, der einzige männliche Charakter über den man etwas mehr erfährt. Doug wird  realistisch von dem Schauspieler Steven Boyer verkörpert. Die Geschichte von ihm ging mir irgendwo nahe und bestärkte mich in meiner Meinung über die leichtbekleideten Frauen. 

Jennifer Lopez´ Performance empfand ich nicht als etwas Besonderes. Sie ist ein klarer Hingucker und sexy, das ist aber nichts Neues. Hier zeigt sie Nichts, was man nicht sowieso schon mit ihr assoziiert. Wenn sie hierfür einen Oscar bekommen würde, müsste ich mich wieder fürchterlich aufregen. Jennifer Lopez gefiel mir in Oliver Stones „U Turn“ (wie anders sie da noch aussah) und definitiv in Steven Soderberghs „Out of Sight“ – vielleicht aber auch, weil ich beide Filme sehr mag. Sie hat das Charisma und die Präsenz eines Filmstars, ist aber in ihrem schauspielerischen Spektrum begrenzt. „Hustlers“ ist ein Film für Fans von J.Lo. 

„Hustler“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Constance Wu), Beste Nebendarstellerin (Jennifer Lopez), Bestes adaptiertes Drehbuch

„Hustler“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 13.9.19 in 3,250 amerikanischen Kinos gestartet. Aufgrund des großen Erfolgs an der amerikanischen Kinokasse ist die Kopienzahl kurz darauf sogar noch auf 3,525 aufgestockt worden. In Deutschland soll der Film am 28.11.19 starten. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „21 Bridges„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Actionthriller mit Chadwick Boseman und J.K. Simmons

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x 

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht


Trailer v. Film: „Charlie´s Angels„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: 3. „Charlie´s Angles“-Film, dieses mal führt Elizabeth Banks Regie mit Kristin Stewart 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht 


Trailer v. Film: „Like a Boss„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Komödie, da Tiffany Haddish mitspielt, kann ich sie mir nicht anschauen 

Wie oft schon im Kino gesehen:  0 x 

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Queen & Slim„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Drama/Thriller mit Daniel Kaluuya 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile 100% 


Trailer v. Film: „Countdown„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Horrorfilm 

Wie oft schon im Kino gesehen:  0 x 

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Netflix – TV-Serie: „When They See Us“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„When They See Us“ (seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 70 min   drama, biopic 

dir. Ava DuVernay  cast: Jharrel Jerome, Asante Blackk, Caleel Harris, Ethan Herisse, Marquis Rodriguez, Vera Farmiga, Felicity Huffman, John Leguizamo, Famke Janssen, Niecy Nash, Aunjanue Ellis, Blair Underwood, Justin Cunningham, Jovan Adepo, Chris Chalk, Freddy Miyares, Marsha Stephanie Blake, Joshua Jackson

 

Am 19.04.1989 wurde eine 28-jährige, weiße Joggerin im New Yorker Central Park vergewaltigt und brutal misshandelt. Wie durch ein Wunder hat die Frau überlebt. Fünf dunkelhäutige Kinder im Alter von 14 bis 16 Jahren werden auf das Revier gebracht, stundenlang (ohne einen Erziehungsberechtigten) von den Polizisten verhört und unter Druck, zu einem Geständnis gezwungen. Bei den späteren Gerichtsverhandlungen werden Kevin Richardson (Asante Blackk), Antron McCray (Caleel Harris), Yusuf Salaam (Ethan Herisse), Raymond Santana (Marquis Rodriguez) und Korey Wise (Jharrel Jerome) schuldig gesprochen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der älteste der Teenager, der 16-jährige Korey Wise, landet sogar für vierzehn Jahre in einem Erwachsenengefängnis. Noch während Korey Wise seine Haftstrafe verbüsst, gesteht ein anderer Häftling, ein verurteilter Mörder, dass er die Joggerin im Jahr 1989 brutal überfallen, vergewaltigt und ihrem Schicksal überlassen hat. Die DNA-Tests beweisen, dass die Tat von diesem  Einzeltäter verübt wurde. Im Jahr 2003 wurde die Unschuld der Central Park Five bewiesen und die Urteile der Fünf aufgehoben. Nach einem, über elf Jahre andauernden Rechtsstreit wurde den fünf unschuldig verurteilten Männern eine Entschädigung von insgesamt 41 Millionen Dollar gezahlt. 

 

B+ (Wertung von A bis F) „When They See Us“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt von dem „Central Park Jogger Case“ aus dem Jahr 1989. Der Fall gilt als einer der größten Justizskandale der USA. Serienschöpferin und Regisseurin dieses Vierteilers ist die afroamerikanische Filmemacherin Ava DuVernay (Selma, 13th, „A Wrinkle in Time“). Kameramann der Miniserie ist Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Arrival, Where is Kyra?). 

„When They See Us“ ist zweifelsfrei harte Kost. Mir ging das Schicksal dieser Kinder sehr nah und ich habe eine solche Wut auf die amerikanische Polizei und Justiz bekommen, dass ich bei diesem Vierteiler immer wieder eine Pause einlegen musste. Darüberhinaus ist es mir aber auch schwergefallen, die Kinder/ bzw. späteren erwachsenen Männer und ihre Familien auseinanderzuhalten. Da ich dann aber die letzte Episode schlichtweg exzellent fand, habe ich mir alle vier Teile erneut angeschaut. Mit der zweiten Sichtung hat mir diese Miniserie auch noch besser gefallen. 

Dies ist ein Ensemble-Werk, bei dem alle Schauspieler zu dem Erfolg beitragen. Für mich sticht Freddy Miyares, der den älteren Raymond Santana spielt, vor allen Dingen optisch etwas heraus. Die preiswürdigstes Performance gibt – mit Abstand – Jharrel Jerome. Dieser Schauspieler brauchte zwei Castings, um die Serienschöpferin und Regisseurin Ava DuVernay davon zu überzeugen, dass er sowohl den naiven, leicht zurückgebliebenen 16-jährigen Jugendlichen, als auch den erwachsenen Korey Wise spielen kann. Damit ist er der Einzige der Fünf, der seinen Charakter als Teenager und als Erwachsener spielt. Was für eine Performance. Sollte die Mitglieder der TV-Academy bis zur finalen vierten Episode durchhalten – was eine gewisse Herausforderung darstellt – gewinnt Jharrel Jerome den Emmy in diesem Jahr. Jharrel Jerome ist ein Name, den man sich merken sollte.

Ava DuVernay ist eine politische Filmemacherin, so liess sie es sich auch nicht nehmen, den Part, den Donald Trump in dem Fall innehatte, zu zeigen. Der New Yorker Immobilienmogul hatte seinerzeit 85.000 Dollar für ganzseitige Zeitungsannoncen ausgegeben, in denen er sich für Wiedereinführung der Todesstrafe in New York stark machte. Mit anderen Worten: er forderte die Todesstrafe für die fünf (unschuldigen) Jugendlichen. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten wollte sich auf Anfrage dafür auch heute nicht entschuldigen. 

„When They See Us“ ist in seiner Inszenierung mitunter (beispielsweise bei der Musikauswahl) etwas zu aufdringlich. Ein manchmal etwas zurückgenommener Stil hätte diesem Mehrteiler nicht geschadet. 

 

In meinen Augen kann man das Leben nicht spoilern, dennoch eine kurze Spoilerwarnung für den Überblick auf die einzelnen Episoden: 

Part 1 Die Polizeiverhöre und daraus resultierenden Geständnisse zerstören von einem Moment auf den anderen das Leben der fünf Kinder.

Part 2 Sowohl Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft bereitet sich auf die Gerichtsverhandlungen vor. Schließlich: die eigentlichen Prozesse vor Gericht

Part 3 Die Zeit in der Jugendhaftanstalt für vier der Kinder und ihr späteres Leben als freie erwachsene Männer 

Part 4 Diese gesamte Episode ist dem ältesten der fünf unschuldig Verurteilten, Korey Wise, gewidmet. Da er bereits 16 Jahre alt war, ist er in einem Erwachsenengefängnis, dem berüchtigten Rikers Island (später in anderen Haftanstalten für Erwachsene) gelandet. Die Lebensgeschichte von Korey Wise hat mir fast das Herz gebrochen. Eine heftige Episode, aber für mich ganz klar die beste.

Spoilerwarnung zu Ende

 

Die sogenannten Central Park Five sind alle wichtige Charaktere in diesem Mehrteiler, dennoch möchte ich nur einen hervorheben, dem auch die letzte Episode gewidmet wurde:

Korey Wise ist sicherlich die tragischste Figur der „Central Park Five“. Er galt als keiner der Verdächtigen, hatte nur seinen 15-jährigen Kumpel Yusuf Salam auf das Polizeirevier begleitet. Korey Wise war der Einzige, der bereits 16 Jahre alt war und später nicht in Jugendhaft, sondern in ein Gefängnis für Erwachsene kam. Er hat eine furchtbare Mutter (hassenswert gespielt von Niecy Nash) und eine transsexuelle Schwester (gespielt von dem Transgender-Model Isis King), zu der er eine besondere Beziehung hat. Gespielt wird Korey Wise von dem afroamerikanischen Schauspieler Jharrel Jerome. Er hat bereits eine kleinere Rolle in dem, mit dem Oscar prämierten Film Moonlight gespielt. 

Zum Schluss dieses Mehrteilers erfährt man, wie die Central Park Five heute leben und sieht Originalfotos der Männer. 

Am 16.07.19 werden die Emmy-Nominierungen für das Jahr 2018/2019 bekanntgegeben. „When They See Us“ konkurriert mit Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, Fosse/Verdon „Chernobyl“ und „A Very English Scandal“ in einer Kategorie. 

„When They See Us“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter Best Limited Series, Best Actor in a Limited Series/Movie (Jharell Jerome), Best Actress in a Limited Series/Movie (Niecy Nash, Aunjanue Ellis) Best Supporting Actress in a Limited Series/Movie (Vera Farmiga), Best Supporting Actor in a Limited Series/Movie (Michael Kenneth Williams) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „When They See Us“ für 16 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Jharrel Jerome), Lead Actress in a Limited Series (Niecy Nash, Aunjanue Ellis), Supporting Actor in a Limited Series (Asante Blackk, Michael K. Williams, John Leguizamo), Supporting Actress in a Limited Series (Vera Farmiga, Marsha Stephanie Blake)  „When They See Us“ geht damit mit den meisten Schauspiel-Nominierungen (8) ins Emmy-Rennen. Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„When They See Us“ ist weltweit seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

 

 

TV-Serie: „Fosse/Verdon“

Ich habe mir die folgende FX-Serie angeschaut:

 

„Fosse/Verdon“  8 x approx  50  min   drama, biopic, adaptation

dir. Thomas Kail, Adam Bernstein, Jessica Yu, Minkie Spiro  cast: Sam Rockwell, Michelle Williams, Margaret Qualley, Norbert Leo Butz, Jake Lacy, Aya Cash, Nate Corddry, Evan Handler, Paul Reiser, Brandon Uranowitz, Lin-Manuel Miranda  

 

Nach dem Misserfolg des Films „Sweet Charity“ kämpft der Tänzer, Choreograf und Theater- und Filmregisseur Bob Fosse (Sam Rockwell) darum, bei einem weiteren Hollywood-Film Regie zu führen. Er ist an der Filmadaption des Bühnenstücks „Cabaret“ interessiert. Der Produzent Cy Feuer (Paul Reiser) denkt nicht, dass er für den Film der richtige Regisseur ist. Schließlich bekommt Bob Fosse aber grünes Licht. Während der Dreharbeiten in München findet seine Ehefrau, die Tänzerin und Choreografin Gwen Verdon (Michelle Williams) heraus, dass Bob sie betrügt. Es ist nicht das erste Mal, aber dieses Mal ist alles anders…

 

A- (Wertung von A bis F) „Fosse/Verdon“ beruht auf Sam Wassons Biografie „Fosse“. Diese neue F/X- Miniserie basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt über das künstlerische und private Leben der beiden Broadway-Legenden Bob Fosse und Gwen Verdon. Die gemeinsame Tochter Nicole Fosse ist Mitproduzentin dieser Serie. Serienschöpfer sind der amerikanische Dramatiker Steven Levenson (Broadway-Musical „Dear Evan Hansen“) und der Regisseur des Erfolgs-Musicals „Hamilton“, Thomas Kail. Thomas Kail hat hier auch bei fünf Episoden Regie geführt. Der amerikanische Komponist, Schauspieler und Sänger Lin-Manuel Miranda (Bühnen-Musical „Hamilton“, Moana , Mary Poppins Returns) ist einer der Produzenten der Miniserie und spielt in der letzten Episode die Rolle des Roy Scheider. 

Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nichts über Bob Fosse und Gwen Verdon. Irgendwann habe ich aber  im amerikanischen Kino ein Making of von „Fosse/Verdon“ gesehen und da ich Sam Rockwell und Michelle Williams sehr mag, generell an Showbiz-Stories interessiert bin, habe ich etwas recherchiert. Dann kamen die Oscars ins Spiel und es war klar, dass ich diesen Mehrteiler unbedingt anschauen muss.

Bob Fosse ist hierzulande wahrscheinlich wenig bekannt. Er ist es aber, der aus dem Bühnenstück „Chicago“ ein Musical kreierte. Dieses Musical läuft seit 1975 und bis heute und ist damit das am längsten gespielte amerikanische Musical. Im Jahr 2002 hat Rob Marshall „Chicago“ verfilmt und der Film gewann sechs Oscars (inkl. Bester Film). Bob Fosse ist aber auch bekannt für den Film „Cabaret“, für den Bob Fosse im Jahr 1973 selbst den Regie-Oscar gewann. In diesem Jahr gewann Bob Fosse  außerdem noch drei Emmys und zwei Tonys und ist damit, bis heute, der Einzige, dem es gelungen ist, in einem Jahr einen Oscar, einen Emmy und einen Tony zu gewinnen. Allein für seine Choreografien gewann er insgesamt acht Tony-Awards. Gwen Verdon war eine der besten Schauspielerinnen und Tänzerinnen am Broadway und wurde vier Mal mit dem Tony als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. 

Bob Fosse war ein kreatives Genie und hat, so habe ich jetzt erfahren, viele Künstler, darunter Michael Jackson und Beyoncé, beeinflusst. Er benutzte Requisiten wie Hüte, Stöcke und Stühle und liess sie in seine Choreografien einfliessen. Bob Fosse war aber auch ein Womanizer, Ehebrecher, Egoist und Kettenraucher (5 bis 6 Packungen pro Tag). Ich weiß gar nicht mehr, seit wann ich eigentlich ein Fan von Sam Rockwell bin, wahrscheinlich seit seiner Rolle in George Clooneys „Confessions of a Dangerous Mind“. Sam Rockwell ist die perfekte Wahl für Bob Fosse. In einigen Filmen und bei zahlreichen Talkshow-Auftritten konnte der Schauspieler bereits mit Tanzeinlagen beeindrucken. Um so bemerkenswerter, dass ihm erst jetzt ein „Tanz-Projekt“ angeboten wurde. Der Oscar-Gewinner zeigt hier eine Facette, die ich bislang noch nicht von ihm gesehen habe. 

Die Kritiker sind – vor allen Dingen – voll des Lobes für Michelle Williams. Sie spielt (und singt und tanzt) auch fantastisch, selbst ihre Stimme und Sprache hat sie bis ins Unkenntliche verändert und der von Gwen Verdon angepasst. Wenn „Fosse/Verdon“ ein Kinofilm wäre, wäre sie nur schwer, bei den nächsten Oscars zu schlagen. Zu Beginn dieser Miniserie hat mich Michelle Williams Performance noch mehr als die von Sam Rockwell beeindruckt. Das liegt vielleicht auch daran, dass ihre Figur zugänglicher ist und man mit Sam Rockwells Bob Fosse erst warm werden muss. Selbstverständlich wird sich auch über Sam Rockwell anerkennend geäußert. Für meinen Geschmack müsste man über seine Performance aber auch in den allerhöchsten Tönen sprechen. Die Aufgabe von Schauspielern ist es, ihre jeweilige Rolle so authentisch wie möglich rüberzubringen. Wenn gezeigt werden soll, dass sich zwei Menschen  verlieben, muss man das als Zuschauer spüren. Genau das gelingt den Beiden. Darüberhinaus, schafft es Sam Rockwell, dass sich auch der Zuschauer in ihn verliebt. Bei beiden Schauspielern vergisst man irgendwann, hier überhaupt Schauspieler zu sehen. Kurzum Beide spielen auf höchstem Emmy-Niveau und bewerben sich um diese Auszeichnung. 

„Fosse/Verdon“ beginnt kurz vor dem Lebensende von Bob Fosse, eine Szene, die am Ende der ersten Episode erneut aufgenommen wird. Der Countdown, der immer wieder anhand einiger Titelkarten eingeblendet wird, bezieht sich zum einen auf Bob Fosses Tod, aber, was mit der finalen Szene mit Bob Fosse und Gwen Verdon deutlich wird, auch auf das Ende ihrer langjährigen engen Bindung. 

Auch wenn ich nichts über beide Broadway-Legenden zuvor wusste, am Ende der Miniserie hatte ich einen ziemlich guten Eindruck, was Bob Fosse und Gwen Verdon ausgemacht hat, sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene. Aufgrund von Bob Fosses Untreue endete die Ehe von Bob Fosse und Gwen Verdon. Sie haben sich aber nie scheiden lassen und blieben, bis zu seinem Tod, enge Vertraute. 

„Fosse/Verdon“ zieht einen schnell in die amerikanische Theater- und Filmwelt. In erster Linie ist es aber ein Charakterdrama. Natürlich gibt es auch kurze Tanz- und Musical-Nummern, für mich als Nicht-Musical-Fan aber zu keinem Zeitpunkt belastend. 

Wie jede TV-Serie, die ich herausragend finde, habe ich auch „Fosse/Verdon“ zwei Mal gesehen. Ähnlich wie bei der TV-Serie Feud: Bette and Joan ist „Fosse/Verdon“ ein Mehrteiler, bei dem man sich auch mit den Werken der Charaktere auseinandersetzen sollte. Daher habe ich mir zwischen der ersten und zweiten Sichtung von „Fosse/Verdon“ einige YouTube-Videos mit Bob Fosse und Gwen Verdon und folgende Filme angeschaut:

  • „Lenny“ (1974, dir. Bob Fosse) meine Bewertung für dieses sehr künstlerische s/w-Biopic über den amerikanischen Stand-up Comedian Lenny Bruce mit einer Oscar-Performance von Dustin Hoffman: A- . Der Film wurde für sechs Oscars (darunter Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch) nominiert. 
  • Cabaret (1972, dir. Bob Fosse) meine Bewertung für die Romanadaption und die Verfilmung des Broadway-Musicals mit Liza Minelli und Michael York in den Hauptrollen: B+ Der Film wurde für zehn Oscars nominiert, gewonnen hat er acht (darunter Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin Liza Minelli, Bester Nebendarsteller Joel Grey). „Cabaret“ war auch für die Kategorien Bester Film und Bestes adaptiertes Drehbuch nominiert, hat diese beiden Kategorien jedoch an Francis Ford Coppolas „The Godfather“ verloren. „Cabaret“ hält bis heute (Juli 2019) den Rekord für einen Film, der mit den meisten Oscars (8) ausgezeichnet wurde, ohne, dass der Film die Kategorie Bester Film gewann. Sollte irgendwann die Lebensgeschichte von Liza Minelli verfilmt werden, sollte man die Oscar-Gewinnerin Olivia Colman als optisch perfekte Besetzung der Hauptrolle im Augen behalten. Das ist mir aufgefallen, als ich „Cabaret“ sah.
  • All That Jazz (1979, dir. Bob Fosse) meine Bewertung für dieses Musical/Drama, das an das Leben von Bob Fosse angelehnt ist, mit Roy Scheider in der Hauptrolle und Jessica Lange und John Lithgow: B+ Der Film wurde für neun Oscars nominiert (inkl. Bester Film, Bester Regisseur, Bester Hauptdarsteller), gewonnen hat der Film vier (Bester Schnitt, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bester Original Song Score) 

Über die wichtigsten Episoden im Einzelnen:

Nr. 2 („Who´s Got the Pain?) Tony-Gewinnerin Gwen Verdon trifft das erste Mal auf den, seinerzeit noch verheirateten Choreografen Bob Fosse. Der Beginn ihrer Liebe und beruflichen Zusammenarbeit. Dies ist eine meiner Lieblingsepisoden

Nr. 5 („Where Am I Going?) Hierbei handelt es sich um eine sogenannte „bottle episode“. An einer Location (Bobs Sommerhaus) verweilen Bob, Neil, Paddy, Ann, Nicole, Gwen und Ron 

Nr. 6 („All I Care About Is Love“, Drehbuch: Ike Holter, Regie: Minkie Spiro ) Diese Episode zeigt  Bob Fosse als Teenager und wie überarbeitet er im Jetzt ist. Er arbeitet zeitgleich an seinem Film „Lenny“ und dem Broadway-Musical „Chicago“.  Letztlich führt das und der Konsum von Alkohol, Zigaretten und Drogen zu einem Herzinfarkt. Bob Fosse schlüpft dabei immer wieder in die Rolle des Stand-up Comedian Lenny Bruce (über den er den s/w-Film „Lenny“ mit Dustin Hoffman drehte). Diese Folge ist nicht nur außergewöhnlich kreativ, hier sieht man spätestens, dass Sam Rockwell nicht nur ein facettenreicher Charakterschauspieler, sondern auch den Charme, das Charisma und die Präsenz eines Filmstars hat. Ganz klar, eine meiner Lieblingsepisoden, vielleicht sogar die beste aller acht Episoden

Nr. 8 („Providence“) Die letzten Jahre von Bob Fosse. Er dreht „All That Jazz“, ein Film über sein Leben. Nun realisiert er, dass er einige Fehler in seinem Leben begangen hat. Eine sehr emotionale und für mich tränenreiche Folge. 

Sowohl Sam Rockwell als auch Michelle Williams spielen ihre Charaktere über einen Zeitraum von über 30 Jahren. Im Jahr 1955, als Gwen Verdon 30 Jahre und Bob Fosse 28 Jahre alt waren, haben sich die Beiden kennengelernt. Sie haben dann bei dem Broadway-Musical „Damn Yankees“ zusammengearbeitet. Ein Jahr später war das Musical der große Abräumer bei den Tony Awards und bescherte Gwen Verdon einen Tony als Beste Hauptdarstellerin in einem Musical und ihm einen für die beste Choreografie. Auch wenn ihre Ehe nach elf Jahren, im Jahr 1971, am Ende war, liessen sie sich nie scheiden und blieben sowohl freundschaftlich als auch beruflich bis zu seinem Tod (im Jahr 1987) verbunden. In „Fosse/Verdon“ spielt Sam Rockwell  Bob Fosse im Alter von 28 bis 60 Jahren, Michelle Williams spielt Gwen Verdon hier im Alter von 30 bis 62 Jahren.

Die Charaktere im Einzelnen:

Bob Fosse war zunächst ein US-amerikanischer Tänzer, der davon träumte, der nächste Fred Astaire zu sein. Später hat er als Choreograf und Theater- und Filmregisseur gearbeitet. Er wurde vier Mal für den Oscar nominiert, als Regisseur des Films „Cabaret“ gewann er im Jahr 1973 den Oscar. Im selben Jahr gewann er auch zwei Tony Awards (für „Pippin“ ) und drei Emmys für „Liza with a Z“, eine Liza Minelli-Konzertproduktion für das Fernsehen. Bis heute gibt es niemanden, der in einem Jahr einen Oscar, einen Tony und einen Emmy gewann. Bob Fosse war eine Broadway-Legende. Zwischen 1955 und 1986 wurde er insgesamt 20 x für den Tony nominiert und hat den Theater-Oscar 9 x gewonnen. Seit dem Jahr 1960 war er mit der Schauspielerin und Tänzerin Gwen Verdon (gespielt von Michelle Williams) verheiratet. Die beiden hatten mit Nicole eine gemeinsame Tochter. Gespielt wird Bob Fosse von dem amerikanischen Schauspieler Sam Rockwell. Rückblickend ist er mir, glaube ich, das erste Mal in „Charlie´s Angels“ aufgefallen. In George Clooneys „Confessions of a Dangerous Mind“ hat er die erste Hauptrolle gespielt. Seither hat er in unzähligen Filmen mitgespielt (u.a. Frost/Nixon, Moon, Seven Psychopaths, Loitering with Intent). Sam Rockwell wurde für seine Performance in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und Vice für den Oscar nominiert, für „Three Billboards“ hat er den Oscar gewonnen. 

Gwen Verdon war eine Schauspielerin und Tänzerin. Sie war eine Legende und eine der besten Broadway-Tänzerinnen ihrer Zeit. Zwischen 1953 und 1976 wurde sie 6 x für den Tony nominiert und hat den Theater-Oscar 4 x gewonnen. Sie wurde außerdem drei Mal für den Emmy nominiert (u.a. für ihre Gastrolle in „Magnum P.I.“). Es war ihre Idee, das Bühnenstück „Chicago“ als Musical umzusetzen. Jahrelang hat sie um die Rechte gekämpft, bis das Musical dann im Jahr 1975 unter der Regie von Bob Fosse und mit ihr als Roxie Hart am Broadway Premiere feierte. Seit dem Jahr 1960 war sie mit dem Choreografen, Theater- und Filmregisseur Bob Fosse (gespielt von Sam Rockwell) verheiratet. Die Beiden hatten eine gemeinsame Tochter, Nicole. Gespielt wird Gwen Verdon von der amerikanischen Schauspielerin Michelle Williams. Bekannt geworden ist sie vor rund zwanzig Jahren durch die TV-Serie „Dawson´s Creek“. Mit ihrer Rolle in „Brokeback Mountain“ hatte sie ihren Durchbruch in Hollywood. Am Set hatte sie auch den Vater ihrer Tochter, den leider viel zu früh verstorbenen Heath Ledger, kennengelernt. Michelle Williams hat in unzähligen Filmen mitgespielt, sie wurde vier Mal für den Oscar nominiert (für „Brokeback Mountain“, Blue Valentine, My Week with Marilyn und Manchester by the Sea). Für ihre Performance in „Blackbird“ wurde sie zudem noch für den Theater-Oscar, den Tony, nominiert. Was für „Fosse/Verdon“ interessant ist, Michelle Williams hat im Jahr 2014 Sally Bowles in dem Broadway-Musical „Cabaret“ gespielt. 

Paddy Chayefsky war ein Dramatiker und Drehbuchautor. Er war der beste Freund von Bob Fosse (gespielt von Sam Rockwell). Paddy Chayefsky hat drei Oscars für seine Originaldrehbücher (für „Marty“, „The Hospital“ und „Network“) gewonnen. Gespielt wird Paddy von dem amerikanischen Bühnen- TV- und Filmschauspieler und Sänger Norbert Leo Butz. Für seine Performance in den Broadway-Musicals „Dirty Rotten Scoundrels“ und „Catch Me If You Can“ hat er zwei Tonys gewonnen. Weitläufiger bekannt ist er aber sicherlich durch die TV-Serie „Bloodline“. Er hat aber auch in einigen Filmen (u.a. Dan in Real Life, Fair Game, Higher Ground, Disconnect) mitgespielt.

Ann Reinking ist mittlerweile 69 Jahre alt und lebt heute hauptsächlich in Arizona. Die Amerikanerin hat als Schauspielerin, Tänzerin und Choreografin drei Tony-Nominierungen erhalten. Für ihre Choreografie für das Broadway-Musical „Chicago“ wurde sie mit dem Tony ausgezeichnet. Ann Reinking hat eine langjährige Beziehung mit Bob Fosse (gespielt von Sam Rockwell) geführt und mit ihm einige Male, (u.a. auch in seinem Film „All That Jazz“) zusammengearbeitet. Gespielt wird Ann von der amerikanischen Schauspielerin und Tänzerin Margaret Qualley. Bekannt ist sie den meisten wahrscheinlich durch ihre Rolle in „The Leftovers“. Sie hat aber auch in einigen Kinofilmen (u.a. Palo Alto, The Nice Guys, Novitiate) gespielt. Margaret Qualley ist die Tochter der Schauspielerin Andie MacDowell. 

Ron ist Schauspieler und der Freund von Gwen Verdon (gespielt von Michelle Williams). Ron basiert auf keiner realen Person. Er ist auch kein sonderlich wichtiger Charakter dieses Mehrteilers. Ich sah hier aber die Gelegenheit, Jake Lacy, der den Ron spielt, zu erwähnen. Für mich hat Jake Lacy einen großen Wiedererkennungswert. Mir ist er bereits einige Male positiv aufgefallen. Der amerikanische Schauspieler hat in einigen TV-Serien (u.a. „The Office“, „Girls“) und auch Kinofilmen (u.a. Carol, Love the Coopers, Miss Sloane, Diane) mitgespielt. 

Seit vielen Jahren kann man beobachten, dass Fernsehproduktionen immer hochwertiger werden. Es gibt kaum einen Charakterschauspieler (und auch Hollywoodstar), der nicht bereits in einer TV-Serie oder einem Mehrteiler mitgewirkt hat. Mein Interesse bei den Fernsehproduktionen gilt vordergründig den Mehrteilern. Ich mag das Format, das einem etwas längerem, aber nicht zu langem Spielfilm gleicht. Entsprechend habe ich mittlerweile auch immer mehr Interesse an dem Fernseh-Oscar, dem Emmy. Die,  für die Emmy-Saison 2018/2019  wichtigsten Mehrteiler (Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, „Fosse/Verdon“, When They See Us und der so gehypte Mehrteiler „Chernobyl“) habe ich jetzt alle gesehen. Am besten hat mir aber tatsächlich „Fosse/Verdon“ gefallen.

„Fosse/Verdon“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter: Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actor in a Limited Series or Movie (Sam Rockwell), Outstanding Lead Actress in a Limited Series or Movie (Michelle Williams). Anmerkung: Michelle Williams größte Konkurrentin ist derzeit sicher Patricia Arquette (für ihre Rolle in Escape at Dannemora). Sie gibt auch eine exzellente Performance, aber Michelle Williams Performance ist um einiges anspruchsvoller und daher hoffe ich, dass sie den Emmy gewinnt. Auch hoffe ich auf die Auszeichnung von noch mehr Emmys für „Fosse/Verdon“ Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Fosse/Verdon“ für 17 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Sam Rockwell), Lead Actress in a Limited Series (Michelle Williams), Supporting Actress in a Limited Series (Margaret Qualley)  Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„Fosse/Verdon“ wurde erstmalig v. 9.4.19 – 28.05.19 auf dem amerikanischen TV-Sender FX ausgestrahlt. 

Trailer zu sehen:

 

Plakat der F/X-Serie "Fosse/Verdon" in New York, April 2019
Plakat der F/X-Serie „Fosse/Verdon“ in New York, April 2019

Berlin – Film: „Rocketman“

Ich war am 01.06.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Rocketman“ (dt. Kinostart war der 30.05.19)  121 min  musical, fantasy, biopic 

dir. Dexter Fletcher  cast: Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard, Tate Donovan, Charlie Rowe 

 

Im Alter von ungefähr vierzig Jahren begibt sich Superstar Elton John (Taron Egerton) in eine Selbsthilfegruppe. Er berichtet von seinen zahlreichen Süchten und blickt dabei zurück auf sein Leben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Rocketman“ ist ein Musical und Biopic über den englischen Musiker Elton John. Regie führt der englische Schauspieler und Filmemacher („Eddie the Eagle“) Dexter Fletcher. Nachdem der Regisseur Bryan Singer während der Dreharbeiten von „Bohemian Rhapsody“ gefeuert wurde, ist Dexter Fletcher für die letzten beiden Drehwochen für ihn eingesprungen. Aufgrund der Richtlinien der US-amerikanischen Regiegewerkschaft wurde jedoch Bryan Singer als offizieller Regisseur in den Credits des Films genannt. 

Gut, dass Bohemian Rhapsody ein weichgespülter, spießiger Familienfilm über die Rockband Queen und ihren Leadsänger Freddie Mercury ist, ist nicht Dexter Fletchers Schuld. Mit „Rocketman“ hat er einen Film für Erwachsene inszeniert, der dem porträtierten Ausnahmemusiker gerecht wird. Elton John liess ihm als ausführender Produzent dabei alle Freiheiten. 

Generell bin ich kein Musical-Fan, das biografische Werk über Elton John ist aber vordergründig genau das.

Meine leichte Anspannung löste sich aber bereits mit den ersten Tönen und Bildern von „Rocketman“. In der Anfangssequenz sieht man Elton John in einem glitzernd-schrillen orangefarbenen Outfit, wie er in die Entzugsklinik schreitet und in der Selbsthilfegruppe darüber erzählt, dass er Alkoholiker, drogen-, sex- und kaufsüchtig und noch dazu essgestört ist. Die Selbsthilfegruppe bildet die Rahmenhandlung des Films. Unter Einbindung seiner Songs (großartig die „Your Song“-Sequenz) erfahren wir – in einer Mixtur aus Realität und Fantasie – von Eltons Kindheit, seinen Anfängen, seinem Durchbruch und Erfolg als Musiker. Dabei immer auf der Suche nach Liebe, die er augenscheinlich weder von seiner Mutter noch von seinem Vater erhalten hat. Eine besondere Bindung hat er zu dem Songwriter Bernie Taupin (ein fantastischer Jamie Bell), mit dem Elton John über Jahrzehnte zusammenarbeitete. Bernie ist dann scheinbar auch der Mann, in den sich Elton das erste Mal richtig verliebt hat, die „Tiny Dancer“-Sequenz lässt daran kaum zweifeln. Kurz darauf platzt aber ein anderer Mann in Eltons Leben: John Reid (mit seltsamer Perücke, aber sonst sehr James Bond-mäßig: Richard Madden). Natürlich der falsche Mann, die unglückliche Liebe zu seinem Manager (und auch zeitweise dem Manager von Queen) stürzt Elton John immer mehr in den Kreislauf von Alkohol, Drogen, usw. Das wiederum führt dann zwangsläufig zum Absturz und einer eindrucksvollen „Rocketman“-Sequenz. Ich liebe die „Goodbye Yellow Brick Road“-Sequenz, die dann wieder zum Anfang des Films führt. Im Gesamten betrachtet ist der Film ein kreatives Künstlerporträt und dabei rund und stimmig. 

Hier haben wir nun die Oscar-Performance eines Schauspielers, der eine Musiklegende verkörpert. Taron Egerton ist Elton John, zwischendurch habe ich immer wieder vergessen, dass es doch gar nicht der junge Elton John selbst ist, den ich hier auf der Leinwand sehe. Taron Egerton singt hier selbst und das beeindruckend. Der Schauspieler trägt den Film und schafft es, dem Zuschauer das Wesen von Elton John nahe zu bringen und dabei zu berühren. Wenn Rami Malek diesen Film sieht, dürfte es ihm unangenehm sein, dass er für seine, mehr auf die Optik angelegte Darstellung von Freddie Mercury den Oscar gewann. 

„Rocketman“ ist gerade erst in den Kinos angelaufen, ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass er so erfolgreich Kasse macht wie „BoRap“, dafür hat die Band Queen und ihre Songs einfach eine viel breit gefächerte Fangemeinde. Schade. 

Zum Schluss werden Originalfotos eingeblendet und man sieht im direkten Vergleich, wie sehr sich die Schauspieler, Kostüm- und Maskenbildner Mühe gegeben haben, den Originalen möglichst nahe zu kommen.  

„Rocketman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Taron Egerton), Bester Nebendarsteller (Jamie Bell, Richard Madden), Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren

„Rocketman“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. In Großbritannien ist der Film am 22.05.19 gestartet, in den Vereinigten Staaten am 31.05.19 in 3,610  Kinos. Der Film läuft seit dem 30.05.19 in den deutschen Kinos. Ich habe den Film in der OV gesehen. 

Teaser zu sehen:

 

 

Elton John & Taron Egerton singen gemeinsam „Tiny Dancer“ auf Elton Johns Oscar-Party 2019:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „O Beautiful Night„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: deutscher Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Dead Don´t Die„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Jim Jarmusch Film mit Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Yesterday„

Bewertung des Trailers: B+ (Trailer in der OV)

Kommentar: Der neue Danny Boyle Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%