VOD – Film: „Luce“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes (U.S.) als Leihvideo angeschaut:

 

„Luce“  110 min  drama, thriller, adaptation    

dir. Julius Onah  cast: Kelvin Harrison Jr., Octavia Spencer, Naomi Watts, Tim Roth, Brian Bradley, Norbert Leo Butz, Andrea Bang, Astro  

 

Luce (Kelvin Harrison Jr.) ist 17 Jahre alt und wurde von dem liberalen, weißen Ehepaar, Amy (Naomi Watts) und Peter (Tim Roth) adoptiert. Ursprünglich stammt er aus Eritrea und wurde dort sogar als Kindersoldat eingesetzt. Jetzt lebt Luce seit sieben Jahren in den Vereinigten Staaten, hat sich gut eingelebt, gilt an seiner Highschool als einer der besten und beliebtesten Schüler. Eines Tages zeigt sich seine Geschichtslehrerin, Mrs. Wilson (Octavia Spencer) besorgt und bestellt Luces Mutter ein. Der von Luce geschriebene Aufsatz zeigt eine politisch motivierte Gewaltbereitschaft und dann wurden auch noch illegale Feuerwerkskörper in seinem Spind gefunden…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Luce“ basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von JC Lee. Es ist nach „The Girl is in Trouble“ und The Cloverfield Paradox erst der dritte Film des nigerianisch-amerikanischen Filmemachers Julius Onah. 

„Luce“ ist ein spannendes Drama und dabei sehr nuanciert, genau wie die Performance des Hauptdarstellers Kelvin Harrison Jr. (The Birth of a Nation, „Mudbound“, It Comes at Night). 

Als wir als Zuschauer das erste Mal auf den Schüler Luce treffen, sehen wir ihn als eloquenten Redner. Er scheint sehr smart zu sein, sieht blendend aus, ist charmant und strahlt – ein Sonnenschein. Der Afroamerikaner ist ein Musterschüler an seiner Highschool. Seine (ebenfalls afroamerikanische) Geschichtslehrerin glaubt jedoch, bei Luce eine dunkle Seite entdeckt zu haben. In seinem Aufsatz las sie eine politisch motivierte Gewaltbereitschaft heraus, hat daraufhin sein Spind durchsuchen lassen und illegale Feuerwerkskörper entdeckt. Die besorgte Lehrerin informiert Luces Mutter. Wir erfahren, dass er von einem wohlhabenden, weißen Ehepaar adoptiert wurde, seine ersten zehn Jahre im kriegsgebeutelten Eritrea gelebt und sogar als Kindersoldat eingesetzt wurde. Seine Adoptiveltern sind jahrelang mit ihm zur Therapie gegangen, damit er die traumatischen Erlebnisse verarbeiten konnte. 

„Luce“ ist einer dieser Film, bei dem sich der Zuschauer selbst hinterfragen kann. Lassen wir uns beispielsweise einfacher von attraktiven, charmanten und charismatischen Menschen blenden? Teenager aus gutem Haus haben sicherlich generell bessere Chancen im Leben als Kinder, die aus einfachen Verhältnissen kommen. Durch den elterlichen Sozialstatus geniessen diese Kinder auch meist  ein besseres Ansehen als andere Kinder. Wenn die privilegierten Kinder sich dann noch integrieren, Teil einer Gemeinschaft sind, sich durch gute Leistungen hervorheben und bei Schülern und Lehrern gleichermassen beliebt sind, erfüllen sie genau das, was wir von ihnen erwarten. Luce ist solch ein Kind, ein Sympathieträger, der einen mit seinem Charme um den Finger wickelt. Dann kommt auf einmal diese Lehrerin und kratzt an seinem Image, verdächtigt ihn gar… „Luce“ ist ein Film über Vorteile und Schubladendenken, zunächst geht es aber darum, ob Luce tatsächlich diese dunkle Seite überhaupt hat. Warum sollte er? Was wäre seine Motivation?

„Luce“ ist ein ruhiger Film, bei dem man auf Zwischentöne achten muss. Kein Film, den man nebenbei gucken kann. Ich habe es versucht, es hat nicht funktioniert. Zunächst habe ich mich aber natürlich bemüht, ihn im Kino zu sehen. Wie so oft bei Independent-Produktionen, war der Film  leider sehr schnell wieder aus der amerikanischen Kinolandschaft verschwunden. Bei meiner ersten Sichtung auf Video on Demand war ich zu abgelenkt, habe zu viel nebenbei erledigt, ich fand ihn aber am Ende so interessant, dass ich ihn (innerhalb der Mietdauer von 48 Stunden) nochmal gesehen habe und dann hat er mich für die nächsten paar Tage nicht mehr losgelassen. 

„Luce“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Kelvin Harrison Jr.), Beste Nebendarstellerin (Octavia Spencer, Naomi Watts), Bester Nebendarsteller (Tim Roth), Bestes adaptiertes Drehbuch 

„Luce“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 2.8.19 in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Er lief insgesamt in nicht mehr als 235 Kinos in den Vereinigten Staaten landesweit. 

Trailer zu sehen:

Denver – Film: „Vice“

Ich war am 28.12.18 in Denver und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Vice“  (dt. Filmtitel: „Vice – Der zweite Mann“, dt. Kinostart: 21.02.19)  132 min  biopic

dir. Adam McKay  cast: Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell, Sam Rockwell, Tyler Perry, Alison Pill, Lily Rabe, Shea Whigman, Eddie Marsan, Bill Pullman, Bill Camp, Alfred Molina, Jesse Plemons  voice: Jesse Plemons 

 

„Vice“ ist ein Porträt eines der mächtigsten und zugleich am meisten gehassten Politikern der Vereinigten Staaten: Dick Cheney.

 

 

D+ (Wertung von A bis F) „Vice“ ist der neue Film des amerikanischen Autors und Filmemachers Adam McKay („Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“, Step Brothers , The Big Short). Sein Biopic über den ehemaligen US-Vize-Präsidenten Dick Cheney eröffnet er mit folgenden Worten: “The following is a true story. Or as true as it can be, given that Dick Cheney is known as one of the most secretive leaders in recent history. We tried our fucking best.”

Es kommt natürlich immer auch auf die Erwartungshaltung an. Nach dem äußerst gelungenen „The Big Short“ war McKays Nachfolgefilm einer der 2018er-Filme, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Jetzt ist es meine größte filmische Enttäuschung des vergangenen Jahres. 

Adam McKay wollte unbedingt einen Film über Dick Cheney machen, warum, bzw. was er mit seinem Werk bezweckt und welche Zielgruppe der Film ansprechen soll, bleibt sein Geheimnis. Zunächst einmal hätte der Film während der Obama-Administration herauskommen müssen, jetzt mit Donald Trump im Weißen Haus, will man sich gerade nicht wirklich nochmal mit Dick Cheney beschäftigen. Dick Cheney ist sicher an vielem schuld (er hat den damaligen U.S. Präsidenten George W. Bush als Marionette mißbraucht, das amerikanische Volk und die Welt hinsichtlich Massenvernichtungswaffen im Irak belogen, aus wirtschaftlichen Interessen einen Angriffskrieg gegen den Irak geführt, ohne den wir heute sicher nicht so eine Instabilität in der arabischen Region hätten, etc. ), den Klimawandel und die Wahl von Donald Trump würde ich ihm nicht in die Schuhe schieben. Was hat aber Dick Cheney angetrieben, was hat ihn ausgemacht, was war seine Motivation? Diese Fragen versucht Adam McKay nicht zu ergründen. Das wäre aber die Aufgabe einer filmischen Biografie, auch wenn sie mehr satirischer Natur ist. 

Diejenigen, die Cheneys Vizepräsidentschaft unter Bush Jr. nicht selbst miterlebt haben, nehmen durch diesen Film vielleicht ein paar oberflächliche Fakten mit. Aufschlussreicher gegliedert können sie die aber Cheneys Wikipedia-Seite entnehmen. Als Unterstützung in Spielfilmform kann ich Oliver Stones Biopic W. empfehlen. Wieso der verheerende Terroranschlag vom 11. September 2001 von den amerikanischen Geheimdienstlern nicht verhindert wurde, erklärt die brillante TV-Serie The Looming Tower. Warum die CIA-Agentin Valerie Plame von der Bush-Adminstration enttarnt wurde (was auch kurz in „Vice“ zur Sprache kommt) kann man durch Doug Limans Film Fair Game erfahren. 

„Vice“ ist ein Paradebeispiel dafür, dass man nicht jedem Regisseur bei der Fertigstellung seines Films freie Hand lassen sollte. Warum haben hier die Produzenten, die Geldgeber, diesen überladenen Film so abgenommen und nicht darauf gedrängt, dass er zurück in den Schneideraum geht, um das Chaos etwas zu strukturieren? 

McKays Inszenierung ist nämlich eine unstrukturierte, gar wirre, teils schnell geschnittene Zusammenstellung von kreativen und nicht so kreativen Ideen, Montagen von historischen Fakten und biografischen Punkten in Cheneys Lebenslauf, vielen Zeitsprüngen, Metaphern, schockierenden Fotos, Rückblenden, Originalaufnahmen, einem Dialog in Shakespeare-Form, einem Abspann inmitten des Films (hat Adam McKay Gaspar Noés Climax gesehen?). einer ähnlich wirksamen Szene, wie Margot Robbies-Badewannen-Monolog in „The Big Short“, einer vierten Wand-Szene, einem Rätsel, was es wohl mit dem Erzähler (Jesse Plemons, der auch 10x im Film auftaucht) auf sich hat, vielen plakativen Worten, einer Szene während des Abspanns, usw, usw. Dabei merkt man der Inszenierung an, dass sie smart, cool und witzig sein sollte. Clevere Filme müssen aber nicht nochmal erklären, was man gerade sowieso auf der Leinwand gesehen hat und auch versehen sie nicht jede bekannte Persönlichkeit mit einer Untertitelung. 

Es ist nicht so, dass ich „Vice“ von vorne bis hinten hasse. Immer wieder gibt es Szenen die ich mag (Im Krankenhaus mit Dick und Lynne Cheney und ihrer Tochter, Stabchef Scoott Libbys „Verteilung“ der Posten, die Szene während des Nachspanns). Die Alfred Molina-Szene ist für mich die beste des gesamten Films, aber ansonsten bleibt mir der Film nur als nachlässiges, verbissen witzig sein wollendes, chaotisches Biopic in Erinnerung. Dick Cheney ist eine faszinierende Figur der Zeitgeschichte, er hat einen besseren Film verdient. 

Schauspielerisch ist der Film sehr gut. Am meisten positiv überrascht war ich von Steve Carell als Donald Rumsfeld, entsprechend ausgeleucht sah er dem Original manchmal erschreckend ähnlich. LisaGay Hamilton und Tyler Perry als Condoleezza Rice und Colin Powell haben ihre Sache auch sehr gut gemacht. Amy Adams ist mir besonders in der Szene im Krankenhaus in Erinnerung. Sam Rockwell hat nun nicht wirklich Ähnlichkeit mit George W. Bush (warum hat Adam McKay nicht Josh Brolin, der George W. Bush in „W.“ so überzeugend spielte, besetzt?). Christian Bale ist natürlich überragend in der Rolle (wann ist er es mal nicht?), er sieht dem ehemaligen Vizepräsidenten nicht nur sehr ähnlich, er trifft sogar seine Stimmlage und Sprache. Dennoch habe ich mir mitten im Film notiert, dass er für diese Performance keinen zweiten Oscar gewinnt. 

„Vice“ und Clint Eastwoods „The Mule“ waren die letzten beiden möglichen Oscar-Anwärter, die im Filmjahr 2018 der amerikanischen Presse gezeigt wurden. „Vice“ stand lange unter Embargo, was ein sehr kluger Schachzug der PR-Experten von Annapurna Pictures war. Schließlich hat der Film und die Schauspieler in der Zwischenzeit Golden Globe-Nominierungen erhalten und auch wurden die Schauspieler für die SAG-Awards nominiert, darüber kann man fast vergessen, dass die amerikanischen Kritiken eher durchwachsen sind.  

„Vice“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Christian Bale), Bester Nebendarsteller (Sam Rockwell, Steve Carell), Bestes Originaldrehbuch Update: „Vice“ hat 8 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Christian Bale, Bester Nebendarsteller Sam Rockwell, Beste Nebendarstellerin Amy Adams, Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt und Bestes Make-up und Beste Frisuren) erhalten. Update: „Vice“ hat einen Oscar (Bestes Make-up und beste Frisuren) gewonnen. 

„Vice“ ist am 25.12.18 in 2,442 amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit sogar in 2,534 Lichtspielhäusern. In Deutschland startet der Film unter dem deutschen Filmtitel: „Vice – Der zweite Mann“ am 21.02.19 in den Kinos. 

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Captain Marvel„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Wann hört das endlich auf mit diesen Marvel-Filmen?

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „What Men Want„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Komödie, eine scheinbar völlig unlustige noch dazu. Mit Taraji P. Henson und Tracy Morgan 

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ganz sicher nicht 


Trailer v. Film: „The Upside„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Remake dieses französischen Films („Ziemlich beste Freunde“), hier mit Bryan Cranston, Kevin Hart und Nicole Kidman

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Cold Pursuit„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Actionthriller mit Liam Neeson und Laura Dern

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bei Liam Neeson bin ich eigentlich immer dabei


Trailer v. Film: „Us„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: nahezu perfekter Trailer von Jordon Peeles neuem Horrorfilm

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „They Shall Not Grow Old„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Peter Jacksons neuer Film, Doku über den Ersten Weltkrieg

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Fighting with my Family„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Biopic/Sportsdrama mit Dwayne Johnson, Vince Vaughn und Nick Frost

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Where´d You Go, Bernadette„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Romanverfilmung und Richard Linklaters neuer Film mit Cate Blanchett in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: „The Glass Castle“

Ich war am 13.08.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Glass Castle“ (dt. Filmtitel: „Schloss aus Glas“, dt. Kinostart: 21.09.17) 126 min drama, adaptation, biopic
dir. Destin Daniel Cretton cast: Brie Larson, Woody Harrelson, Naomi Watts, Max Greenfield, Ella Anderson, Brigette Lundy-Paine, Josh Caras, Sarah Snook, Chandler Head

 

 

Ende der 1980er Jahre. Jeannette Walls (Brie Larson) lebt in New York und arbeitet als Kolumnistin für ein Klatschmagazin. Eines Abends sieht sie ihre Eltern (Naomi Watts und Woody Harrelson) zufällig auf der Straße. Sie erinnert sich an ihre Kindheit, wie sie und ihre drei Geschwistern in Armut aufwuchsen. Die Kinder mussten früh lernen, für sich selbst zu sorgen, da Ihr alkoholkranker Vater und ihre exzentrische Mutter zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Jeannette hat aber auch ein paar schöne Erinnerungen…

 

C+ (Wertung von A bis F) „The Glass Castle“ basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist die Filmadaption von Jeannette Walls gleichnamigen Memoiren. Dies ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Destin Daniel Cretton (Short Term 12).

Bei einigen Filmen funktioniert es, wenn die Geschichte in der Gegenwart startet und rückblickend erzählt wird. Die Erzählstruktur nimmt diesem Film aber leider die Spannung. Dramaturgisch wäre es besser gewesen, die Geschichte in der Kindheit zu beginnen.

Jeannette Walls erzählt, wie sie und ihre drei Geschwister von frühester Kindheit lernen mussten, für sich selbst Verantwortung zu tragen. Die Mutter (gespielt von Naomi Watts) war psychisch labil und hielt sich für eine Künstlerin, der Vater (gespielt von Woody Harrelson) war ein Träumer, ging selten arbeiten und war oftmals betrunken. Die Familie ist ständig umgezogen, oft lebten sie ohne Strom und fließend Wasser. Zur Schule sind die Kinder nicht gegangen, auch kam es mal vor, dass sie für drei Tage gar nichts zu Essen hatten. Jeannettes Kindheitserinnerungen offenbaren Schockierendes, es gab aber auch immer wieder schöne, unbeschwerte Momente. In jedem Fall geht hervor, dass sie eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Vater pflegte.

Jeannette und ihre Geschwister wuchsen in den 1960er bzw. 1970er Jahren auf, der Vater brachte seinen Kindern bei, was Freiheit bedeutet und erzog sie zur Eigenständigkeit. Nicht wirklich ging für mich aus dem Film hervor, warum er dann nicht wollte, dass sie irgendwann ihren eigenen Weg gehen. Auch hätte  ich gerne etwas mehr über die Familie des Vaters erfahren.

„The Glass Castle“ ist ein Film, den man so aus den U.S.A. erwartet. Frech zielt er auf die Tränen der Zuschauer ab. Das spezielle Vater-Tochter-Verhältnis hat mich tatsächlich berührt, als „Papa-Kind“ war ich jedoch auch ein leichtes Opfer. Ich habe gehört, dass die literarische Vorlage wesentlich eindrucksvoller sein soll. Schade.

Woody Harrelson gibt – wie beinahe in jedem Film – eine nominierungswürdige Performance. Zwei Schauspielerinnen (Chandler Head und Ella Anderson) portraitieren Jeannette als kleineres Kind und als Teenager, beide haben mir schauspielerisch sehr gut gefallen.

Zum Ende des Films werden Originalfotos und -videos der realen Personen gezeigt.

„The Glass Castle“ ist war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a.: Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Woody Harrelson), Bestes adaptierter Drehbuch

„The Glass Castle“ ist am 11.08.17 landesweit in 1,461 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland ist der Film ab dem 21.09.17 in den Kinos zu sehen.

 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „American Assassin„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Action-Thriller mit Michael Keaton und einem neuen Filmstar? ( Dylan O`Brien)
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschauen: 100%

Trailer v. Film: „The Mountain Between Us„
Bewertung des Trailers: D- (der Trailer verrät quasi die komplette Story)
Kommentar: Bestseller-Verfilmung mit Kate Winslet und Idris Elba
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Blade Runner 2049„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Fortsetzung zu dem Film aus dem Jahr 1982. Denis Villeneuves führt Regie und Roger Deakins ist der DP, der Film sieht fantastisch aus. Es spielen Ryan Gosling, Jared Leto und Harrison Ford mit
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Suburbicon„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: George Clooneys neuer Film mit Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Wonder„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Ich hoffe, dass dieser Film kein ernstzunehmender Oscar-Kandidat ist. Film mit Julia Roberts, Owen Wilson und Jacob Tremblay
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich will ihn nicht sehen

Trailer v. Film: „Thank You for Your Service„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic-Drama mit Miles Teller
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Stronger„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: David Gordon Greens neuer Film. Drama mit Jake Gyllenhaall (mit Mut zur Hässlichkeit – wie anders er mit dunklen Kontaktlinsen aussieht), Tatiana Maslany und Miranda Richardson
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

NYC – Film: „Chuck“

Ich war am 29.04.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Chuck“ (a.k.a. „The Bleeder“) 99 min drama, biopic
dir. Philippe Falardeau cast: Liev Schreiber, Naomi Watts, Elisabeth Moss, Ron Perlman, Michael Rapaport, Jim Gaffigan, Morgan Spector, Pooch Hall

 

 

In den 1970er Jahren. Der Schwergewichtsboxer Chuck Wepner (Liev Schreiber) war nie ein großer Boxer, aber irgendwann hat er die Gelegenheit, gegen Muhammad Ali (Pooch Hall) im Ring zu kämpfen. Er hält sich überraschend wacker. Das macht ihn über Nacht berühmt. Der Ruhm steigt ihm jedoch zu Kopf, mit seinen Alkohol-, Drogen- und Frauengeschichten kann seine Frau (Elisabeth Moss) so gar nichts anfangen…

 
B+ (Wertung von A bis F) „Chuck“ basiert auf einer wahren Geschichte. Chuck Wepners Lebensgeschichte soll Sylvester Stallone dazu inspiriert haben, das Drehbuch für „Rocky“ zu schreiben. Es ist der neue Film des kanadischen Filmemachers Philippe Falardeau („Monsieur Lazhar“).

Ich hatte bisher noch nie etwas von Chuck Wepner gehört und so geht es wahrscheinlich den meisten Menschen. Sogar der Regisseur wusste bis zu diesem Projekt nichts über den Profiboxer aus New Jersey. Nun gibt es natürlich zahlreiche Boxfilme, wenn ich zurückblicke habe ich mindestens einen pro Jahr gesehen. Viele dieser Filme ähneln sich, am Ende steht meistens der große Kampf. Dieser ist anders, allein der erste Akt widmet sich seiner Karriere als Profiboxer, später geht es darum, wie er versucht an seinem kurzfristigen Ruhm festzuhalten. Es ist eine erzählenswerte Geschichte mit einem authentischen Kostüm- und Produktionsdesign und einem tollen Disco-/Funk-Soundtrack.

 
Liev Schreiber kann hier zweifelsfrei als Chuck Wepner überzeugen, mit seiner prägnanten Stimme führt er auch durch die Handlung.

Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass mich Elisabeth Moss (Mad Men, Top of the Lake, Queen of Earth) an Jodie Foster erinnert, aber das tut sie – jedes Mal, wenn ich sie sehe. Schauspielerisch zählt die Amerikanerin zu der Elite und das offenbart sich insbesondere in dieser Knaller-Szene in dem Diner. Allein durch ihre Performance hat sich der Film für mich schon gelohnt. Erwähnenswert sind aber auch Liev Schreibers Ex-Freundin Naomi Watts und  Michael Rapaport als Chucks Bruder.

 
Der Film hieß ursprünglich „The Bleeder“. Der Film wurde umgenannt, weil viele Zuschauer – dem Filmtitel nach – dachten, es handelt sich um einen Horrorfilm. Außerdem wollte man vermeiden, dass dieser Film mit dem Boxfilm v. letzten Jahr Bleed for This verwechselt wird.

„Chuck“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Ich habe den Film auf dem Tribeca Film Festival 2017 gesehen. Der Filmemacher war anwesend und hat sich im Anschluss an den Film den zahlreichen Fragen des Publikums gestellt. Der Film startete am 5.5.17 in vier amerikanischen Kinos und ist mittlerweile landesweit in 39 Kinos zu sehen.

 
Trailer zu sehen:

Tribeca Film Festival

Das Tribeca Film Festival wurde nach dem 11. September 2001 von u.a. Robert De Niro ins Leben gerufen. Der New Yorker Robert De Niro besitzt in TriBeCa (Triangle below Canal Street) ein Hotel und Restaurants, auch seine Produktionsfirma ist dort ansässig. Durch das Film Festival wollte er nach den Terroranschlägen seinen Beitrag leisten, Manhattan – insbesondere Lower Manhattan, wieder in ein positives Licht zu rücken und für Investitionen, insbesondere im Filmbereich, werben. Im Jahr 2017 feierte das TFF bereits seinen 16. Jahrestag.

 

Berlin – Film: „Shut In“

Ich war am 04.11.16 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Shut In“ (dt. Kinostart: 15.12.16) 90 min thriller
dir. Farren Blackburn cast: Naomi Watts, Oliver Platt, Charlie Heaton, Jacob Tremblay

 

 

Bei einem schweren Autounfall hat Mary (Naomi Watts) ihren Ehemann verloren und ihr 18-jähriger Sohn Steven (Charlie Heaton) ist seither gelähmt. Sie lebt zurückgezogen in einem abgelegenen Haus und kümmert sich aufopferungsvoll um ihren pflegebedürftigen Sohn. Nebenbei arbeitet sie noch in ihrem Beruf als Kinderpsychologin. Der verhaltensauffällige 9-jährige Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay) ist ihr neuer Patient, am liebsten würde sie eine Weile bei sich aufnehmen. Eines Tages verschwindet der Junge spurlos und Mary wacht nachts von unheimlichen Geräuschen im Haus auf. Ist sie im Alltag und ihrem Sohn überfordert oder verliert sie langsam den Verstand? Mary sucht Rat bei ihrem Psychologen Dr. Wilson (Oliver Platt)…

 

 

B- (Wertung von A bis F) „Shut In“ ist erst der zweite Spielfilm bei dem der britische Filmemacher Farren Blackburn Regie führt. Bislang hat er sich vorwiegend mit TV-Serien, u..a. mit „Luther“ und „Doctor Who“ einen Namen gemacht. Der Regisseur hat auch zwei Episoden (Nr. 5 und meine Lieblingsfolge Nr. 10) der ersten Staffel von Daredevil inszeniert.

„Shut In“ hat einige Logiklöcher und Ungereimtheiten und ist zum Schluss Augen-rollend-absurd, aber ich kann aber nicht behaupten, dass ich mir zu irgendeiner Zeit gelangweilt oder zu sehr geärgert (wie bei The Girl on the Train) habe. Von Anfang bis Ende war ich von dem Film gefesselt, mal waren es die Performances, dann sicher ein paar gut gesetzte Schocker, insgesamt fand ich den Film unterhaltsam und – was für einen Thriller nicht unwichtig ist – wirklich spannend.

Naomi Watts macht jeden Film sehenswert, Oliver Platt ist auch immer klasse und es ist schön, den kleinen Mann aus Room (Jacob Tremblay) mal wieder zu sehen. Von dem Schauspieler Charlie Heaton hatte ich bislang noch nichts gehört. Von Beginn an war ich aber von seiner Präsenz beeindruckt. Schauspielerisch muss man abwarten, wie er sich entwickelt.

„Shut In“ ist am 11.11.16 in die amerikanischen Kinos gekommen. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die OmU. In Deutschland wird der Film ab diesem Donnerstag in den Kinos gezeigt.

Trailer zu sehen:

deutscher Trailer zu sehen:

San Francisco – Film: „Demolition“

Ich war am 16.04.16 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Demolition“ (dt. Filmtitel: „Demolition – Lieben und Leben“, Kinostart: 16.06.16) 101 min drama, comedy
dir. Jean-Marc Vallée cast: Jake Gyllenhaal, Naomi Watts, Chris Cooper, Judah Lewis

 

 

Dave (Jake Gyllenhaal) ist ein erfolgreicher Investmentbanker. Gerade ist seine Frau verstorben, er befindet sich noch im Krankenhaus und jetzt ist auch noch der Süßwaren-Automat kaputt. Dave hinterfragt sein gesamtes Leben. Schließlich schreibt er einen Brief an den Kundendienst dieser Automaten-Firma. Zum einen ist es ein Beschwerdebrief, da der Automat schließlich nicht die M & Ms rausgerückt hat, zum anderen bringt er aber auch seine Lebenssituation zu Papier. Die Sachbearbeiterin Karen (Naomi Watts) hat seinen Brief, bzw. Briefe, denn bei einem wird es nicht bleiben, alle erhalten und ruft ihn kurzerhand an…

C+ (Wertung von A bis F) „Demolition“ ist der neue Film des kanadischen Regisseurs Jean-Marc Vallée (The Young Victoria , Dallas Buyers Club, Wild)

Vom Trailer her habe ich mir soviel mehr erwartet. Auch beginnt der Film verheißungsvoll. Der von Jake Gyllenhaal, wieder mal brillant verkörperte Dave ist erschöpft, ja förmlich gelähmt, kann seine Gefühle nicht ausdrücken. Er steckt in einer Krisensituation. Schließlich reflektiert er sein bisheriges Leben, in dem er alles, was ihm einfällt zu Papier bringt. Die Filmfigur Dave ist zu Beginn des Films präzise beobachtet und gezeichnet. Aber gerade als ich begonnen habe den Film zu lieben, verliert die Geschichte den Fokus. Auch wird Dave immer weniger greifbar (warum zerstört er all diese Dinge, ohne auch nur eines je wieder zusammenzubauen? – Das war doch der Sinn des Ganzen). Jedenfalls driftet die Geschichte irgendwann ganz von Dave weg, konzentriert sich auf Naomi Watts Charakter und landet schließlich bei dem Jungen.

Mir hätte der Film besser gefallen, wenn er weiterhin hauptsächlich Daves Geschichte erzählt hätte. So wirkt der Film unstrukturiert. Der Film beschreibt die Lebenssituationen dreier Charaktere und mir kam es so vor, als ob der Drehbuchschreiber einer alleine nicht getraut hat. Auch fand ich die (platonische) Beziehung zwischen Jake Gyllenhaals und Naomi Watts Charakter nicht glaubwürdig.

Die eine oder andere Szene kann Judah Lewis (der den Sohn von Naomi Watts Charakter spielt) für sich beanspruchen. Der amerikanische Schauspieler hat es scheinbar nur knapp verpasst, als neuer Spider-Man besetzt zu werden. Wenn man ihn jedoch in diesem Film sieht, er etwas Glück hat und die richtigen Entscheidungen trifft, wird er eine große Karriere vor sich haben.

„Demolition“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2015 gezeigt. Der Film wurde seit dem 8.4.16 landesweit in den amerikanischen Kinos gezeigt. Am 16.06.16 soll der Film in den deutschen Filmtheatern starten.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Elvis & Nixon„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Michael Shannon als Elvis und Kevin Spacey als Präsident Nixon in dieser Komödie
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „Everybody Wants Some„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Richard Linklaters neuer Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Captain America: Civil War„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Marvel-Mist, wobei ich den ersten nicht schlecht fand, den 2. habe ich aber nicht gesehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Bridget Jones´s Baby„
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Wer – um Himmels Willen – guckt freiwillig so einen Mist? Da gucke ich eher jeden einzelnen Marvel-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Money Monster„
Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer)
Kommentar: Jodie Fosters neuer Film mit George Clooney und Julia Roberts
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Me Before You„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Romanverfilmung
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Mike & Dave Need Wedding Dates„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Komödie. Zac Efron würde mich schon davon abhalten den Film zu gucken, aber dann auch noch mit Anna Kendrick…
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: nie – nicht mal, wenn ich eine Wette verliere…

Trailer v. Film: „A Bigger Splash„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Dieser Thriller basiert vage auf „The Swimming Pool“ aus dem Jahr 1969. Hier spielt Matthias Schoenaerts, Tilda Swinton und Ralph Fiennes mit.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: na logisch

 

amerikanisches Filmplakat von "Demolition"
amerikanisches Filmplakat von „Demolition“

 

D. C. – Film: "Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)"

Ich war am 25.10.14 in Washington und am 29.11.14 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“ (dt. Titel: „Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, dt. Kinostart: 29.01.15) 119 min drama, comedy
dir. Alejandro González Inárritu cast: Michael Keaton, Edward Norton, Zach Galifianakis, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Amy Ryan, Andrea Riseborough

Riggan Thomson (Michael Keaton) ist ein in die Jahre gekommener Schauspieler. In den 1980er und 1990er Jahren war eine ganz große Nummer in Hollywood. Durch seine Rolle als Superheld Birdman wurde er zum Superstar. Nachdem er es ablehnte, einen weiteren Teil der Birdman-Reihe zu drehen, ging seine Karriere den Bach runter. Jetzt strebt er mit einem Theaterstück am Broadway ein Comeback an. Riggan hat mit vielen Problemen zu kämpfen, da sind seine Selbstzweifel und Ängste, seine Tochter Sam (Emma Stone), seine Freundin Laura (Andrea Riseborough), eine der Schauspielerinnen (Naomi Watts), seine Ex-Frau (Amy Ryan), die gefürchtete Theaterkritikerin (Lindsay Duncan) und schließlich sein brillanter, aber auch arroganter Co-Star (Edward Norton)..

A- (Wertung von A bis F) „Birdman“ ist ein Arthouse-Film. Der Film ist eine Kritik an der Filmindustrie, der Obsession Hollywoods für Superhelden-Filme, dem Status von Berühmtheiten, egozentrischen Schauspielern, der Liebe und dem Hass mit dem sich Hollywoodstars auseinandersetzen müssen, den Einfluss von Kritikern (insbesondere der Macht der Theaterkritiker) und den Stellenwert von sozialen Medien – es ist aber auch ein Film über Eitelkeiten und Selbstzweifel und Ängste verschiedener Art – „Birdman“ ist ein viel tiefgründigerer Film, als es vielleicht zunächst anmutet. Die Fäden laufen über die Theaterproduktion eines midlifekriselnden Filmstars zusammen. Der 51-jährige Regisseur hat angegeben, dass die Thematik des Films auch autobiografisch ist.

Ich wusste eigentlich schon mit dem ersten Trailer, dass ich diesen Film lieben werde. Die ersten Töne, der Sound und die ersten Bilder des Films machten mir klar, dass mich „Birdman“ nicht enttäuschen wird. Der Film ist etwas für Theater-Liebhaber, vielleicht muss man tatsächlich auch das Theater lieben, um diesen Film richtig wertzuschätzen. Vielleicht aber auch nicht, weil „Birdman“ in jedem Fall eine Bereicherung für die Kinowelt ist.

Nach „Amores Perros“, „21 Grams“, „Babel“ und Biutiful) ist dies erst der fünfte Spielfilm des mexikanischen Filmemachers. Ich mag alle seine Filme. Im Gegensatz zu den Dramen, die er bislang inszenierte, ist „Birdman“ ein sehr humorvolles Drama. Es ist die erste Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt „Chivo“), der erst dieses Jahr für seine Kameraarbeit in Gravity mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Die beiden mexikanischen Künstler arbeiten aber bereits an ihrem zweiten Werk („The Revenant“), dieses Mal ein Western mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy.

„Birdman“ wirkt als ob er an einem Stück, in einem Take gedreht wurde. Die Kamera stoppt praktisch nie, sie verfolgt meist Riggan Thomson (aber auch manchmal andere Charaktere), hält dann die Kamera auf z.B. eine Unterhaltung, ist in Bewegung und begleitet dann Riggan Thomson (oder halt einen anderen Charakter) weiter. So hat man das Gefühl, dabei zu sein oder im Theater zu sitzen und trotzdem mitzubekommen, was hinter den Kulissen passiert. Damit der Film auf technischer Ebene so aussieht, als wäre er ohne Unterbrechung gefilmt, war eine exakte Choreografie der einzelnen Szenen notwendig. Bevor die Dreharbeiten losgingen, musste viel geprobt werden. Als dann tatsächlich die Filmarbeiten begannen, mussten die Schauspieler nicht nur ihren Text beherrschen und auf ihren Einsatz vorbereitet sein, sondern sie mussten auch genau so stehen, laufen und sich bewegen wie ihnen exakt vorgegeben wurde. Jede Bewegung war präzise durchgeplant. Sie durften nicht zu schnell sprechen, aber auch nicht zu langsam. „Birdman“ ist ein Film, bei dem nichts dem Zufall überlassen werden konnte. Wenn ein Schauspieler ein Texthänger hatte oder falsch gestanden hat, nicht – wie vorgegeben – gelaufen ist oder in die falsche Richtung geguckt hat, hatte das gleich erhebliche Konsequenzen. Durch die sehr langen Takes mussten nicht nur die Szene des Schauspielers, der gerade seine Szene vergeigt hat, wiederholt werden, sondern auch vorangegangene Szenen anderer Schauspieler, die mitunter sehr dialoglastig waren.

In einem Fernsehinterview hat Emma Stone davon erzählt, dass sie einige Szenen in den Sand gesetzt hat. Für sie war es besonders schrecklich, wenn eine Szene bereits 10 Minuten und länger angedauert hat, ihr Einsatz dann kam und sie sich dann versprochen hat oder irgendetwas anderes falsch gemacht hat. So hat sie beispielsweise die eine oder andere perfekte und lange Dialogszene von Michael Keaton und Edward Norton ruiniert und alles musste neu gedreht werden.

Man sollte sich „Birdman“ aber nicht anschauen und nach Filmschnitten suchen. Alejandro González Inárritu hat sich etwas bei dieser außergewöhnlichen Inszenierung gedacht und er hält sich auch sehr bedeckt, was die tatsächliche Anzahl der Schnitte angeht. Fakt ist, dass es ein paar Filmschnitte gibt und sehr wahrscheinlich sogar ein paar mehr als der Laie erkennen kann.

Für Michael Keaton ist dies sicherlich die Rolle seines Lebens. Bei ihm, wie auch bei Edward Norton, war es nicht unerheblich, dass die Schauspieler und ihre Karriere ihrem Rollenprofil sehr ähneln. Was Edward Norton angeht wollte ich es kaum glauben, dass er im wahren Leben ein A… sein soll. Michael Keatons Karriere ist der seines Charakters sehr ähnlich. Es ist großartig zu beobachten, dass er irgendwann während des Films zu dieser Figur Riggan Thomson wird. Ich hätte nie gedacht, dass er ein so guter Schauspieler ist, in meinen Augen gibt er eine Oscar-Performance. Es gilt als sicher, dass er für diese Rolle für den Oscar nominiert wird. Ich sehe es auch gar nicht mehr als ausgeschlossen an, dass er tatsächlich auch den Oscar gewinnt. Michael Keaton wäre dann nach George Clooney und Christian Bale der dritte Batman-Darsteller, der einen Oscar gewinnt.

Ich bin Fan von Edward Norton, seitdem ich ihn in seinem Spielfilmdebüt „Primal Fear“ gesehen habe. Leider habe ich ihn in den letzten Jahren immer weniger gesehen oder wenn, dann nur in kleineren Rollen (Moonrise Kingdom, The Grand Budapest Hotel). „Primal Fear“, „Fight Club“ und „American History X“ waren, in meinen Augen, die besten Performances die er gegeben hat. (Für „Primal Fear“ und „American History X“ hat er eine Oscar-Nominierung erhalten.) In „Birdman“ ist er Mike Shiner und für mich ist das eine eindeutige Oscar-Performance. J.K. Simmons sieht mit seiner Rolle (für Whiplash) im Moment zwar schon als klarer Oscar-Gewinner aus, Edward Norton ist ihm aber dicht auf den Fersen. Wenn sich der Oscar-Gewinner in der Kategorie bester Nebendarsteller zwischen diesen beiden exzellenten Performances entscheiden wird, dann ist MEINE Welt in Ordnung.

Manche Szenen in „Birdman“ fand ich so umwerfend, dass mein Herz ganz schnell zu schlagen begann. In der ersten Szene, in der Michael Keatons Charakter vor Publikum spielt, habe ich realisiert, wie großartig er hier als Schauspieler ist, dann liebe ich die Szenen mit Edward Norton und Emma Stone auf dem Dach des Theaters, aber auch die Szene mit Michael Keaton und der Theaterkritikern (gespielt von Lindsay Duncan), um nur ein paar Szenen zu nennen.

Das gesamte Ensemble ist stimmig. Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan und Zach Galifianakis möchte ich neben Michael Keaton und Edward Norton noch hervorheben. Die Einzige, die zwar ihre Berechtigung im Film hat, die ich aber nicht mochte, war Andrea Riseborough. Für mich hat sie einfach richtig fiese Augen.

A- (Wertung von A bis F) Meine Bewertung nach der zweiten Sichtung bleibt dieselbe. Näheres folgt in Kürze.

„Birdman“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach zahlreiche Oscar-Nominierungen erhalten, z.B. für: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Michael Keaton), Bester Nebendarsteller (Edward Norton), Beste Nebendarstellerin (Emma Stone), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik Beste visuelle Effekte, Beste Nebendarstellerin (Naomi Watts), Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Ton, Bester Tonschnitt

„Birdman“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2014 gezeigt.

„Birdman“ ist am 17.10.14 in den U.S.A. mit ganzen vier Kopien gestartet, eine Woche später wurden auf 50 Kopien (verteilt im gesamten Land) aufgestockt. Der Film soll wöchentlich immer mehr Zuschauern zugänglich gemacht werden. Eine clevere Politik des amerikanischen Verleihers (Fox Searchlight Pictures). Meine Vorstellung war bis zum letzten Platz ausverkauft. In jedem Fall werde ich mir „Birdman“ noch einmal anschauen. Update: Bei der 87. Oscarverleihung am 22.02.15 wurde „Birdman“ mit vier Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch und Beste Kamera) ausgezeichnet.

„Birdman“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2014.

Mein Lieblingstrailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Rosewater“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Jon Stewarts Film mit Gael Garcia Bernal in der Hauptrolle. Wahre Geschichte und Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Theory of Everything“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Stephen Hawking Biopic mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Diplomacy“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Volker Schlöndorffs neuer Film, in französischer Sprache
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Foxcatcher“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Biopic-Drama von Bennett Miller mit Steve Carrell, Mark Ruffalo und Channing Tatum. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Wild“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Reese Witherspoon. Film sieht so aus wie Sean Penns „Into the Wild“ nur leider mit Reese in der Hauptrolle. Oscar-Film, mal gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Big Eyes“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Neuester Tim Burton-Film mit Amy Adams und Christoph Waltz. Habe gehört, dass dies der schlimmste Burton-Film sein soll. Na da muss man erst mal gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60% RT

D. C. – Film: "St. Vincent"

Ich war am 25.10.14 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„St. Vincent“ (dt. Kinostart: 08.01.15) 103 min comedy, drama
dir. Theodore Melfi cast: Bill Murray, Scott Adsit, Melissa McCarthy, Chris O´Dowd, Naomi Watts, Terrence Howard

Vin (Bill Murray) lebt in einem heruntergekommenen Haus, ist pleite, trinkt zu viel Alkohol und ist ständig schlecht gelaunt. Mit der schwangeren, russischen Stripperin/Prostituierten Daka (Naomi Watts) hängt er jedoch gerne ab. Im Nachbarhaus zieht dann die alleinerziehende Mutter Maggie (Melissa McCarthy) mit ihrem 12-jährigen Sohn Oliver (Jaeden Lieberher) ein. Aus der Not heraus muss Maggie ihren Sohn bei dem Stinkstiefel lassen…

D (Wertung von A bis F) St. Vincent ist eine Tragikomödie.

Wer schreibt eigentlich so einen klischeehaften, vorhersehbaren Mist? Der Regisseur Theodore Melfi gibt hier sein Regiedebüt und hat auch das Drehbuch geschrieben. Vielleicht sollte man eher fragen, wer produziert so einen Mist. Übrigens auch Theodore Melfi. Aber warum spielen namhafte Schauspieler überhaupt in einem Film eines Newcomers? Vielleicht weil sich Bill Murray beispielsweise mit dieser Rollenbeschreibung seinen lang ersehnten Oscar erhofft – anders kann ich mir das nicht erklären.

Unter normalen Umständen sehe ich Bill Murray und Naomi Watts wirklich sehr gerne. Hier konnte ich sie beinahe kaum ertragen. Ab einem gewissen Zeitpunkt im Film (den ich nicht spoilern möchte) sieht man, wie sich Bill Murray um eine Oscar-Performance bemüht, das machte das Ganze für mich nur noch unerträglicher. Bill Murrays Charakter ist ein Typ, den man ins Herz schließen soll, in meinen Augen ist seine Figur aber eine zutiefst unsympathische mit der ich partout keine Zeit verbringen will.

„St. Vincent“ hat eine Laufzeit von geringfügig mehr als 100 Minuten, für mich hat sich der Film wie eine Strafe angefühlt. Vergleichbar mit früher, wenn ich Hausarrest bekommen habe und alle anderen Kinder durften weiter draußen spielen. Klar hätte ich einfach aufstehen und gehen können, aber wenn ich mich für einen Film (im Kino) entscheide, dann halte ich tapfer bis zum Ende durch. Der Film hat zwischendurch auch ein paar tolerierbare Momente, ein paar gute Sprüche, ich mag Chris O´Dowd einfach gerne und auch Melissa McCarthy, die hier eine sehr zurückgenommene Performance gibt, hat mir hier auch ausnahmsweise gefallen. Alles in allem, ist der Film aber weder witzig noch traurig, er hat mich schlichtweg gar nicht berührt.

Bill Murrays Figur im Film und seine Performance zielt mir zu aufdringlich (und dabei, wie gesagt, noch nicht mal gut) auf Filmpreise ab. Bill Murray ist wahnsinnig beliebt in Hollywood, wenn er tatsächlich für diese Rolle für einen Oscar nominiert wird und beispielsweise nicht ein Robert Duvall (für The Judge), dann ist das ein Skandal.

„St. Vincent“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Bill Murray), Beste Nebendarstellerin (Naomi Watts, Melissa McCarthy), Bestes Originaldrehbuch

„St. Vincent“ wurde erstmalig aus dem Toronto International Film Festival 2014 gezeigt.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Theory of Everything“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Stephen Hawking Biopic mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Inherent Vice“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: PTAs neuer Film mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Benicio del Toro, etc. Oscar-Film. Josh Brolin ist echt der Knaller.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Dumb and Dumber To“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: 20 Jahre nach dem ersten Film nun die Fortsetzung mit Jeff Daniels und Jim Carrey.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Homesman“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Der neueste Film von und mit Tommy Lee Jones. Besetzt auch mit Hilary Swank und Meryl Streep
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Wild“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Reese Witherspoon. Film sieht so aus wie Sean Penns „Into the Wild“ nur leider mit Reese in der Hauptrolle. Oscar-Film, mal gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Imitation Game“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Biopic und Kriegsdrama mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley und Matthew Goode. Definitiv ein Oscar-Film. Eine Oscar-Nominierung für Benedict Cumberbatch gilt als sicher.
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: "While We´re Young"

Ich war am 28.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„While We´re Young“ (dt. Filmtitel: „Gefühlt Mitte Zwanzig“, dt. Kinostart: 30.07.15) 97 min comedy, drama
dir. Noah Baumbach cast: Ben Stiller, Naomi Watts, Adam Driver, Amanda Seyfried, Charles Grodin, Adam Horowitz

Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) sind Anfang/Mitte 40 und seit einigen Jahren verheiratet. Alle Paare um sie herum haben mittlerweile Kinder. Bei den Beiden hat es nie geklappt, mittlerweile genießen sie aber ihr Leben ohne Verpflichtung. Der Dokumentarfilmer Josh arbeitet nun seit bald zehn Jahren an seinem neuen Film. Eines Tages lernt er den jungen, kreativen Jamie (Adam Driver) kennen. Josh ist begeistert von diesem Hipster und freundet sich schnell mit ihm und seiner ebenfalls jungen Frau Darby (Amanda Seyfried) an. Das junge Paar hat einen ziemlichen Einfluss auf Josh und Cornelia. Josh plant sogar, ihm bei seiner Dokumentation zu helfen..

B (Wertung von A bis F) „While We´re Young“ ist eine smarte Tragikomödie.

Ich mochte besonders die erste Hälfte des Films. In meiner ausverkauften Vorstellung wurde so viel gelacht, dass man manchmal kaum die Dialoge verstehen konnte. Ben Stiller und Naomi Watts Charaktere sind glücklich verheiratet, nicht mehr ganz jung und kinderlos. Jetzt sind gerade auch noch ihre besten Freunde Eltern geworden. Dadurch sind und werden sie irgendwie ausgrenzt. Da kommt dieses junge Pärchen (Adam Driver und Amanda Seyfried) wie gerufen. Mit ihrer Unbeschwertheit und Kreativität bringen sie auch frischen Wind in die Beziehung von Josh und Cornelia. Ich mochte insbesondere diesen Aspekt, ist es doch im wahren Leben nicht anders. Immer wenn man neue, interessante Leute kennenlernt, inspirieren die einen und erweitern den eigenen Horizont.

Wenn es in einem Film einen hippen und charismatischen Typen gibt, der am liebsten Filme auf VHS guckt, eine riesige Schallplattensammlung hat, ganz altmodisch auf der Schreibmaschine rumhackt, Gesellschaftsspiele liebt, Rocksongs cool findet, die in den 1980er Jahren als supergurkig oder peinlich galten und kein Interesse daran hat, sein Leben mit anderen über Facebook und Twitter zu teilen, bin ich schon mal grundsätzlich dabei. In diesem Film wird dieser Typ von Adam Driver verkörpert wird, das macht die Sache nur noch besser. Adam Driver (Frances Ha, Lincoln, Inside Llewyn Davis, What If) finde ich mittlerweile einfach mega. Parallel zu dem jungen, freigeistigen Jamie sieht man das zwanzig Jahre ältere Pärchen das in ihrem Leben irgendwie festgefahren ist. Es hält sich für modern, beschäftigt sich die ganze Zeit mit ihren neuesten iPhones und iPads und guckt Film über VOD (obwohl sie bei der riesigen Auswahl nicht immer etwas finden). Gerade die Gegenüberstellung dieser beiden Generationen hat Noah Baumbach brüllend komisch inszeniert. Für mich hätte der Film ewig so weitergehen können. Später hat der Film aber eine Wendung und dadurch schwächelt er etwas. Mir war er auch etwas zu lang, die Schlussszene fand ich jedoch wieder toll. Außerdem fand ich es schön, Ben Stiller mal wieder in einem guten Film zu sehen. Es ist definitiv ein Film, den ich mir gerne ein zweites Mal anschaue.

Der Regisseur Noah Baumbach (The Squid and the Whale, Greenberg, Frances Ha) hat später angegeben, dass ihn sein eigenes Leben für diesen Film inspiriert hat. Er ist mit der Schauspielerin Greta Gerwig liiert und verbringt auch viel Zeit mit wesentlich jüngeren Menschen.

Ich hatte wahnsinnig viel Glück gehabt, eine der begehrten Kinokarten für das Suprise Screening (in den vergangenen Jahren gab es ein Secret Screening) auf dem New York Film Festival 2014 zu ergattern. Viel wusste man nicht, einzig:  Don’t miss this highly anticipated 2015 release from a New York Film Festival favorite!

Grundsätzlich bin ich nicht der Typ, der in Sneak Previews geht (weder in den U.S.A., noch in Deutschland), die Gefahr ist einfach zu groß, irgendeinen Murks zu sehen. Ein surprise oder secret screening auf dem Filmfestival in New York ist jedoch eine ganz andere Nummer. Hier konnte ich hundertprozentig davon ausgehen, dass ein Film gezeigt wird, den ich mir sowieso angeschaut hätte. Im Jahr 2011 wurde auf dem New York Film Festival bei dem secret screening erstmalig Martin Scorseses Hugo und im Jahr 2012 Steven Spielbergs Lincoln gezeigt (Im Jahr 2013 gab es kein secret screening). Dieses Jahr gab es eine Umbenennung des Events und schnell die wildesten Spekulationen, welcher Film gezeigt wird. Bekommt man wieder einen potentiellen Oscar-Kandidaten zu sehen?

Ich hatte mich mit einigen Festival-Besuchern unterhalten und es formte sich irgendwann die Gewissheit, dass Noah Baumbachs „While We´re Young“ gezeigt wird. Nicht schlecht, aber noch mehr hätte ich mich über „American Sniper“ oder „A Most Violent Year“ (die auch in den engen Kreis der Wahrscheinlichkeit gerückt sind) gefreut. Die Veranstalter haben es aber spannend gemacht und tatsächlich erst wenige Minuten vorher bekanntgegeben, welcher Film tatsächlich gezeigt wird. Noah Baumbach wurde dann auf die Bühne gebeten (das Ensemble kam dann kurze Zeit später dazu) und verkündete unter tosendem Gelächter, dass er hier ist, um Christopher Nolans „Interstellar“ zu präsentieren.

Die Schauspieler Adam Driver, Ben Stiller und Naomi Watts und der Regisseur Noah Baumbach haben sich im Anschluss an den Film sehr sympathisch und witzig gegeben und sich den zahlreichen Fragen des Publikums gestellt. Ich habe ein paar Fotos reingestellt.

„While We´re Young“ hat bereits einen amerikanischen Verleih (A24), der Film wird jedoch aller Voraussicht nach tatsächlich erst im Jahr 2015 in die amerikanischen Kinos kommen. Da der Film wohl auch nicht für eine Woche in Kinojahr 2014 (wie für Oscar-Nominierungen erforderlich) in einem kommerziellen Kino in L.A. County gezeigt wird, ist der Film auch nicht mehr länger im Gespräch für Oscar-Nominierungen im Jahr 2014.

„While We´re Young“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2014 gezeigt.

Trailer zu sehen:

New York Film Festival

Das New York Film Festival (NYFF) gilt als Prestige-Filmfestival. Nach Venedig, Telluride und Toronto hat sich mittlerweile das New York Film Festival als Festival etabliert, das wichtige Oscar-Filme (erstmalig) zeigt. Erstmalig gab es das Festival im Jahr 1963. Die Filme werden von Film Society of Lincoln Center ausgesucht. Obwohl ich so oft in New York bin, war ich tatsächlich im Jahr 2014 das erste Mal auf dem NYFF. Aber gut, ich war dieses Jahr auch das erste Mal seit langer Zeit wieder auf der Berlinale und lebe in Berlin. Im Jahr 2014 wurden u.a. Gone GirlInherent Vice und Citizenfour als Weltpremiere gezeigt.

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NYC – Film: "Sunlight Jr."

Ich war am 26.04.13 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„Sunlight Jr.“ 90 min drama
dir. Laurie Collyer cast: Naomi Watts, Matt Dillon, Norman Reedus, Tess Harper

Melissa (Naomi Watts) und ihr Freund Richie (Matt Dillon) leben immer am Existenzminimum. Durch ihren Job in einem kleinen Supermarkt kommen sie gerade so über die Runden. Richie sitzt im Rollstuhl und bezieht nur eine kleine staatliche Unterstützung. Sie können sich nur ein Zimmer in einem heruntergekommenen Motel leisten. Dann erfährt Melissa, dass sie schwanger ist, sie verliert ihren Job und ihr gewalttätiger Ex-Freund (Norman Reedus) taucht auch wieder auf…

C (Wertung von A bis F) Dem Film kann ich auch etwas positives abgewinnen, so zum Beispiel wird die partielle Querschnittslähmung von Matt Dillons Charakter nicht thematisiert. Er sitzt im Rollstuhl und das ist einfach eine gegebene Situation, relevant für die Story ist das nicht. Erzählt wird eine andere Geschichte. „Sunlight Jr.“ ist eine Liebesgeschichte unter den schwierigen Bedingungen der amerikanischen Wirtschaftskrise. Die Regisseurin Laurie Collyer hat im Anschluss an den Film gesagt, dass sie eines Morgens aufgewacht ist und die Idee zu dem fertigen Film im Kopf hatte. Die Umsetzung ihrer Idee hat für mich leider nicht wirklich gut funktioniert. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Das hatte nicht unerheblich damit zu tun, dass die Chemie zwischen Naomi Watts und Matt Dillon für mich nicht stimmte. Dann hat es auch nicht mehr geholfen, dass ich die einzelnen Charaktere glaubwürdig fand. Vielleicht hat mir eine richtige Sympathiefigur gefällt. „Sunlight Jr.“ ist eine, mitunter sehr intime, Beobachtung des irgendwie frustrierenden Alltags von Melissa und Richie, ohne dabei aber eine richtige Charakterstudie zu sein. Auch war mir die Musik zu dominant und anstrengend. Schade.

„Sunlight Jr.“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2013 aufgeführt. Ich habe ihn auf diesem Festival gesehen. Ich sitze vorzugsweise immer in der letzten Reihe und habe, während des Festivals festgestellt, dass der Platz direkt neben den reservierten Plätzen der beste ist, wenigstens der interessanteste. Während des Films saß die Regisseurin Laurie Collyer direkt neben mir, was ich irgendwie verstörend fand, weil mir der Film so gar nicht gefiel. Drei Plätze weiter saß Michael Moore (mit dem sämtliche Zuschauer ein Foto haben wollten) Viel interessanter war es für mich, die jetzt sehr kurzhaarige Maggie Gyllenhaal im Publikum zu erblicken. Erst später habe ich gelesen, dass die Regisseurin mit ihr seinerzeit den wunderbaren „Sherrybaby“ gedreht hatte.

„Sunlight Jr.“ hat bislang noch keinen amerikanischen Verleih.

Trailer zu sehen:

Tribeca Film Festival

Das Tribeca Film Festival wurde nach dem 11. September 2001 von u.a. Robert De Niro ins Leben gerufen. Der New Yorker Robert De Niro besitzt in TriBeCa (Triangle below Canal Street) ein Hotel und Restaurants, auch seine Produktionsfirma ist dort ansässig. Durch das Film Festival wollte er nach den Terroranschlägen seinen Beitrag leisten, Manhattan – insbesondere Lower Manhattan, wieder in ein positives Licht zu rücken und für Investitionen, insbesondere im Filmbereich, werben.