SAG-Award-Nominierungen 2022, usw.


Heute (12.1.22) sind die Nominierungen der Screen Actors Guild Awards (der Preis der US-Schauspielgewerkschaft) bekanntgegeben worden. Der Preis ist für eine Schauspiel-Nominierung bei den Oscars nicht unerheblich. 

Zunächst sind am letzten Sonntag (09.01.22) die Golden Globes vergeben worden. Ich hatte bereits darüber geschrieben, warum der Golden Globe dieses Jahr der Problempreis ist. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die HFPA (Auslandspresseverband in Hollywood) irgendwo noch mal Glück gehabt hat. Von außen betrachtet, wenn man sich nicht näher mit der amerikanischen Filmpreis-Saison beschäftigt, könnte man doch annehmen, dass die Golden Globe-Verleihung dieses Jahr durch die, in den Vereinigten Staaten heftig grassierende Omikron-Variante (Im Januar gab es erstmals mehr als eine Million Neuinfektionen an einem Tag) nicht stattfinden konnte. Fakt ist, dass der Haussender der HFPA, NBC, darauf verzichtet hat, die Golden Globe-Verleihung im TV live zu übertragen und es allgemein einen Boykott-Aufruf gab. Zu schwerwiegend waren die Vorwürfe hinsichtlich Intransparenz, Korruption und Rassismus. Namhafte Schauspieler haben sich vor einigen Monaten bereits gegen die HFPA ausgesprochen, Tom Cruise hat sogar seine drei Golden Globes zurückgegeben. 

Dann hat die HFPA aber am 13.1.21 ihre Golden Globe-Nominierung trotzdem bekanntgegeben. Im Gegensatz zu den Jahren zuvor hat aber kaum einer Notiz davon genommen, bis auf wenige Schauspieler (u.a. Jessica Chastain, Rachel Zegler) hat sich auch niemand öffentlich für ihre/seine Golden-Globe-Nominierung bedankt. Entsprechend lange hat sich daraufhin die HFPA Zeit gelassen, der Öffentlichkeit mitzuteilen, in welcher Form sie ihre Preise rund einen Monat später vergeben werden. 

Drei Tage vor ihrer eigentlichen Gala am 9.1.22 hat die HFPA nun bekanntgeben, dass die Golden Globe-Gewinner im Jahr 2022 nur im Rahmen einer Privatveranstaltung (ohne roten Teppich, ohne Stars, ohne Fans, ohne Gäste, ohne Journalisten, bekanntermassen ohne TV-Übertragung, aber auch ohne einen Live-Stream der Veranstaltung) über die HFPA-Website bzw. ihren Twitter-Account verkündet werden.

Die GG-Gewinner 2022 sind:

Bester Film (drama): „The Power of the Dog“

Bester Film (comedy/musical): „West Side Story“

Beste Regie: Jane Campion („The Power of the Dog“) 

Bester Hauptdarsteller (drama): Will Smith („King Richard“)

Beste Hauptdarstellerin (drama): Nicole Kidman („Being the Ricardos“)

Bester Hauptdarsteller (musical/comedy): Andrew Garfield („Tick, Tick…Boom!)

Beste Hauptdarstellerin (musical(comedy): Rachel Zegler („West Side Story“)

Bester Nebendarsteller: Kodi Smit-McPhee („The Power of the Dog“)

Beste Nebendarstellerin: Ariana DeBose („West Side Story“)

Einige der GG-Gewinner (Nicole Kidman, Rachel Zegler, Ariana DeBose) haben sich für ihre Auszeichnung bedankt, waren in ihrer Danksagung jedoch recht zurückhaltend. Viele GG-Gewinner haben ihre Auszeichnung durch die HFPA gänzlich ignoriert. 

Manche haben die Golden Globes früher immer als Orakel für die Oscars gesehen, die Statistiken zeichnen aber ein anderes Bild. Wie es mit den Golden Globes weitergeht, kann man zu dem jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersagen. 

Die Critics Choice Awards, die ebenfalls am 9.1.22 und zwar mit einer Live-Veranstaltung mit TV-Übertragung, stattfinden sollten, wurden tatsächlich aufgrund von Corona auf unbestimmte Zeit verschoben. Übrigens wurden auch die Grammy Awards auf unbestimmte Zeit verschoben. Das im Januar stattfindende Sundance Film Festival wurde als Präsenz-Veranstaltung abgesagt, die Filme werden den Festival-Teilnehmern im Internet gezeigt.

Nun aber zu dem interessanteren Preis, nicht einem der von rund 100 Journalisten der Auslandspresse in Hollywood, sondern einem von Film- und Fernsehschaffenden, den der US-Schauspielergewerkschaft. Warum ist der grundsätzlich auch für den Oscar relevant? Die Schauspieler bilden innerhalb von A.M.P.A.S., die jährlichen die Academy Awards vergibt, die größte Gruppe. Nun gab es in den letzten zehn Jahren aber auch Veränderungen in der US-amerikanischen Schauspielgewerkschaft. Nach dem Zusammenschluss mit AFTRA sind es nicht mehr nur allein Schauspieler, die für die SAG-Nominierung stimmen, sondern beispielsweise auch TV/Radio-Ansager. Auch werden die SAG-Nominierungen nicht von allen Mitgliedern bestimmt, sondern von einem aus über 2.000 Mitgliedern bestehenden Komitee Man kann die Stimmen also nicht 1:1 mit denen der Schauspieler der Oscar-Academy sehen, daher wird es bei den Oscar-Nominierungen am 8.2.22 natürlich noch die eine oder andere Überraschung (bekommt Jared Leto wirklich eine Oscar-Nominierung für „House of Gucci?) geben. 

Hier die SAG-Nominierungen im Bereich Film:

Bestes Schauspielensemble 

Bester Hauptdarsteller:

  • Javier Bardem (Being the Ricardos) 
  • Benedict Cumberbatch (The Power of the Dog)
  • Andrew Garfield (Tick, Tick…Boom!)
  • Will Smith (King Richard)
  • Denzel Washington (The Tragedy of Macbeth)

Beste Hauptdarstellerin:

  • Jessica Chastain (The Eyes of Tammy Faye)
  • Olivia Colman (The Lost Daughter)
  • Lady Gaga (House of Gucci)
  • Jennifer Hudson (Respect)
  • Nicole Kidman (Being The Ricardos)

Bester Nebendarsteller:

  • Ben Affleck (The Tender Bar)
  • Bradley Cooper (Licorice Pizza)
  • Troy Kotsur (CODA)
  • Jared Leto (House of Gucci)
  • Kodi Smit-McPhee (The Power of the Dog)

Beste Nebendarstellerin:

  • Caitriona Balfe (Belfast)
  • Cate Blanchett (Nightmare Alley)
  • Ariana DeBose (West Side Story)
  • Kirsten Dunst (The Power of the Dog)
  • Ruth Negga (Passing)

Seit ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2022 habe ich bislang keinen anderen Film als „The Power of the Dog“ ausgemacht, der den diesjährigen Bester-Film-Oscar hundertprozentig gewinnen könnte. Wird also erstmalig ein Netflix-Film mit dem Königspreis ausgezeichnet? Ich bleibe dran.

Trailer von meinem immer noch für den BP-Oscar favorisierten Film:

4 Gedanken zu “SAG-Award-Nominierungen 2022, usw.

  1. In der deutschen Presse kam wirklich nahezu nichts zu den Vorwürfen gegen die HFPA. Dennoch fällt es mir schwer zu glauben, dass da nicht noch mehr kommen muss, um die Wichtigkeit der Veranstaltung wiederzuerlangen.
    Die SAGs haben Kristen Stewart für Jennifer Hudson gesnubt? Bardem für Being the Ricardos verstehe ich auch nicht wirklich. Kein Belfast Darsteller bei Supporting Actor würde ich auch als Überraschung einstufen und der Zug für Ann Dowd ist wohl auch endgültig abgefahren.

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    • Im Moment sieht es so aus, als ob die übertrieben politisch korrekte Gesellschaft und mit denen die (sozialen) Medien in den Vereinigten Staaten darüber entscheiden, wie es mit den Golden Globes weitergeht. Auf den Zug springen dann die PR- und Produktionsfirmen, die Stars und schließlich NBC auf. Wenn aber der „woken“ Gesellschaft die Reformen der HFPA nicht weit genug gehen, ist es vorbei. Das ist meine Einschätzung im Moment.

      Ich weiß auch nicht, warum die Jennifer Hudson wieder ausgegraben haben. Ich bin mir relativ, dass Kristen Stewart eine Oscar-Nominierung bekommt, aber den Oscar kann sie sich wohl abschreiben. Ich habe „Being the Ricardos“ mal angefangen als er rauskam, hat mich aber nicht gepackt und bislang habe ich ihn nicht zu Ende gesehen. Bardem fand ich aber gut (für die halbe Stunde oder so, die ich ihn gesehen habe). Ann Dowd finde ich persönlich besonders bitter, auch dass der Film in anderen Kategorien übergangen wurde. Ich kann mir nur vorstellen, dass kaum einer des Komitees den Film gesehen hat. Mal abwarten, was BAFTA dann nominiert.

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      • Ich war lange sicher, dass Stewart die Favoriten ist, inzwischen ziehe ich sogar eine Nominierung in Zweifel. Sie ist nicht sonderlich beliebt, der Film schneidet schwächer als erwartet in der Filmpreissaison ab und sie beherrscht das Oscar-Spiel nicht wirklich. Vielleicht nominieren sie ja Alana Haim oder Rachel Zegler bei den Oscars. „Being the Ricardos“ fand ich den bisher mit Abstand schwächsten Aaron Sorkin Film und Bardem fand ich ok, aber nichts, wofür er ne Nominierung haben müsste.
        Auf die Longlist des BAFTAS hat es Ann Dowd immerhin geschafft

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      • Kristen Stewart ist nicht unbeliebt, der Film ist aber allgemein nicht sonderlich gut angekommen. Mal sehen, wer dann eine Nominierung bei den BAFTAS bekommt, beeinflusst die Oscar-Nominierungen zwar nicht mehr, man hat aber vielleicht ein besseres Stimmungsbild. Über Ann Dowd würde ich mich natürlich sehr freuen, aber ich glaube auch nicht mehr wirklich dran.

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