Netflix – Film: „I´m Thinking of Ending Things“

Folgenden Film habe ich mir auf Netflix angeschaut:

 

„I´m Thinking of Ending Things“ (in D. seit dem 4.9.20 auf Netflix zu sehen)   134 min  drama, adaptation  

dir. Charlie Kaufman  cast: Jesse Plemons, Jessie Buckley, Toni Collette, David Thewlis, Guy Boyd

 

Eine junge Frau (Jessie Buckley) ist noch nicht lange mit ihrem Freund, Jake (Jesse Plemons), zusammen. Nun wird sie von ihm mit dem Auto abgeholt, das erste Kennenlernen mit seinen Eltern (Toni Collette und David Thewlis) steht an. Es ist kalt, schneit sogar, keine Menschenseele auf den Landstraßen, die zu der abgeschiedenen Farm seiner Eltern führen…

 

A (Wertung von A bis F) „I´m Thinking of Ending Things“ basiert auf Iain Reids gleichnamigen Roman. Es ist nach Synecdoche, New York und Anomalisa der dritte Film, bei dem das  amerikanische Drehbuchgenie („Being John Malkovich“, „Adaptation“, „Confession of a Dangerous Mind“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“), der Filmemacher, Produzent und seit Kurzem auch Romanautor Charlie Kaufman Regie führt. 

Kann man sich eigentlich in einen Trailer verlieben? Als ich diesen das erste Mal sah, hatte ich ein wohliges Gefühl, ein Gefühl von Verliebtheit verbunden mit der Hoffnung, vielleicht in diesem Film eine große Liebe zu finden. Eigentlich war ich von allen Filmen, bei denen Charlie Kaufman seine Finger im Spiel hatte, irgendwo begeistert. Auch dieser Film ist ein Geschenk. 

Auf den allerersten Blick geht es um eine junge Frau, die seit ein paar Wochen mit Jake zusammen ist. Der holt sie eines Tages ab, die beiden fahren zu seinen Eltern, das erste Kennenlernen steht an. Während der Autofahrt lauschen wir als Zuschauer ihren Gedanken. „I´m Thinking of Ending Things“ ist etwas, was ihr immer wieder durch den Kopf geht. Will sie ihre Beziehung mit Jake beenden? Jake scheint irgendwie manchmal sogar ihre Gedanken lesen zu können…und dann ist da noch der Hausmeister einer Schule… Das ist der Beginn dieses Film, viel mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Jedenfalls ist es ein typischer Charlie Kaufman-Film, ein Film mit Tiefgang, dessen Handlung und Sinn man auch nur langsam entschlüsseln kann. Ein Thriller oder gar Horrorfilm, wie der Trailer und einige Szenen vielleicht vermuten lassen, ist es nicht…jedenfalls nicht, wenn man das Rätsel für sich gelöst hat. Dann ist es ein Drama und zwar eines, das mir sehr nahe gegangen ist. 

Jesse Plemons, der mich optisch immer mehr an den von mir so verehrten und viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman erinnert, spielt hier die Hauptrolle. „Jake“ wäre eine dieser Rollen, die zuerst Schauspielgenie PSH angeboten worden wäre. Jesse Plemons ist aber ein guter Ersatz, ich mag ihn mittlerweile richtig gerne. Die beiden hatten für Paul Thomas Andersons The Master seinerzeit sogar, als Vater und Sohn besetzt, gemeinsam vor der Kamera gestanden.

SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER 

„I´m Thinking of Ending Things“ ist ein Film mit einem unzuverlässigen Erzähler. Auf den ersten Blick ist es die junge Frau, die einen an ihren Gedanken teilhaben lässt. Sie redet immer davon, etwas beenden zu wollen. Will sie ihre Beziehung mit Jake beenden? Nicht nur ein Mal errät Jake scheinbar die Gedanken seiner Freundin. In Wahrheit ist die junge Frau und Jake ein und dieselbe Person. Die Story (Erinnerungsfetzen durchsetzt mit Fantasie) spielt sich in Jakes Kopf ab. Der junge Jake ist im Jetzt der ältere (ehemalige) Hausmeister (der im Film auch immer wieder auftaucht). Er beschäftigt sich schon länger mit dem Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die junge Frau entspricht entweder gänzlich Jakes Fantasie, ist also so etwas wie die Idealvorstellung einer Freundin, die er gerne gehabt hätte oder eine bunte Mischung aus allen Freundinnen, mit denen er mal zusammen war.

Scheinbar hat es Jake nie aus dem Kaff, in dem er geboren und aufgewachsen ist, rausgeschafft. Wie wäre sein Leben verlaufen, wenn er einen anderen Weg eingeschlagen hätte, vielleicht in eine größere Stadt gezogen wäre? Er hat als Hausmeister an einer Schule gearbeitet, ein gutmütiger Mann, dennoch haben sich einige Schüler(innen) über ihn lustig gemacht, ihm vielleicht sogar Streiche gespielt. Das hat ihn damals verletzt und das tut ihm heute noch weh. Niemand hat sich mal die Mühe gemacht, hinter seine Fassade zu blicken, Interesse an ihm bekundet. In Jake steckt weit mehr als nur „Hausmeister“. Er malt beispielsweise, ist sehr belesen, liebt Filme, aber seine große Leidenschaft sind Musicals. „Oklahoma!“ ist sein Lieblingsmusical. Ein Musical dessen Handlung auf dem Land spielt und von einer unglücklichen Liebe handelt. Auch in Jakes Leben ist die Liebe ein schwieriges Thema. Es gab Frauen in seinem Leben, immer mal wieder. Waren es nur Schwärmereien, kurze Begegnungen oder hatte er auch Beziehungen mit diesen Frauen namens Lucy, Louisa, Yvonne, Lucia, Ames? Die richtige große und langanhaltende Liebe gab es offensichtlich nicht in seinem Leben. Jetzt im Alter ist er einsam, krank, vielleicht leidet er sogar an beginnender Demenz. Wenn er sein Leben Revue jetzt passieren lässt, vermischen sich seine Erinnerungen. Die Beziehung zu seinen, längst verstorbenen Eltern war auch keine einfache. Irgendwann, als sie älter wurden, waren sie pflegebedürftig, es deutet vieles daraufhin, dass sie dement waren. Jake hatte sich um sie gekümmert, seine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt – vielleicht auch etwas, was er bis heute nicht richtig verarbeitet hat. In der oberflächlich erzählten Geschichte besucht der junge Jake mit seiner neuen Freundin seine Eltern, diese sind in jeder Szene in einem anderen Alters- bzw. Pflegestadium. Jetzt hat Jake genug vom Leben und von all den schmerzhaften Erinnerungen. Seine Hoffnung auf ein besseres oder anderes Leben, auf eine Liebe im selbigen hatte er schon lange begraben. Der Film (und Buch-)Titel bezieht sich darauf, dass er darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen. Am Ende stirbt er, scheinbar noch bevor er Selbstmord begehen kann. Er erleidet einen (Herz-) Infarkt im Auto, vielleicht erfriert er aber auch…

SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE 

Zugegebenermassen verlangt dieser surreale Film dem Zuschauer viel ab. Um die Handlung richtig zu enträtseln, bleibt einem nichts anderes übrig, als mindestens eine weitere Sichtung des Films. Vielleicht ist es aber auch dann nur etwas für eingefleischte Charlie Kaufman-Fans. “I´m Thinking of Ending Things“  ist sehr philosophisch und voller Literatur-, Film- und Musical-Referenzen. Des Rätsels Lösung oder wenigstens einige Szenen lassen unterschiedliche Interpretationen zu. 

Fast zeitgleich ist dieser Film mit Christopher Nolans Tenet veröffentlicht worden. Beide Regisseure spielen in ihren Filmen mit der Zeit. Während „Tenet“ keine Emotionen bei mir hervorrufen konnte, ich ihn nach nur wenigen Tagen bereits vergessen hatte, beschäftigt mich Kaufmans Werk jetzt seit ein paar Tagen. Zwei Mal habe ich mir den Film bereits angeschaut. Gerne hätte ich ihn in einem dunklen, kühlen Kinosaal genossen. Leider blieb mir nichts anderes übrig, als ihn auf meinem Laptop – zwar an einem leicht schattigen Plätzchen, aber – unter der griechischen Sonne zu schauen. 

„I´m Thinking of Ending Things“ ist jetzt bereits festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem (Oscar) Jahr 2020. 

Dieser Netflix-Film ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Beste Hauptdarstellerin (Jessie Buckley), Bester Hauptdarsteller (Jesse Plemons), Bestes adaptiertes Drehbuch

„I´m Thinking of Ending Things“ ist am 28.08.20 in einigen ausgewählten US-amerikanischen Kinos gestartet. Aufgrund der Corona-Situation in den Vereinigten Staaten wurde der Film aber bereits eine Woche später auf Netflix zur Verfügung gestellt. Auch in Deutschland ist er seit dem 4.9.20 exklusiv auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

ungünstige Bedingungen für die Sichtung eines meiner neuen Lieblingsfilme "I´m Thinking of Ending Things"
ungünstige Bedingungen für die Sichtung eines meiner neuen Lieblingsfilme „I´m Thinking of Ending Things“

Berlin – Film: „Tenet“

Ich war am 26.08.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Tenet“ (dt. Kinostart war der 26.08.20)  151 min   action, sci-fi

dir. Christopher Nolan  cast: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Michael Caine, Kenneth Brannagh, Aaron Taylor-Johnson, Martin Donovan, Mélanie Laurent, Dimple Kapadia

 

Der Protagonist (John David Washington) hatte sich selbst unter Folter geweigert, seine CIA-Kollegen zu verraten. Dadurch hat er sich für eine Organisation namens Tenet empfohlen. Er soll nicht weniger als den Dritten Weltkrieg verhindern… 

 

C+ (Wertung von A bis F) „Tenet“ ist der elfte Film des britisch-amerikanischen Filmemachers Christopher Nolan („Memento“, The Dark Knight, Inception, Interstellar, Dunkirk). Christopher Nolan hat sieben Jahre an seinem Drehbuch zu diesem Film geschrieben.

So, nach etwas mehr als fünf Monaten mein erster Kinobesuch. Bislang gab es für mich keinen (neuen) Film, der mich auch nur annähernd gereizt hätte. Für „Tenet“ hatte ich mir aber vorgenommen ins Kino zu gehen, weil…ja warum eigentlich? Vielleicht weil ich „Tenet“ offiziell mit dem Startschuss für die Wiedereröffnung der Kinos nach der weltweiten Schließung selbiger aufgrund der Corona-Pandemie gleichsetze. Zum anderen sollte man Christopher Nolans Filme natürlich im Kino gesehen haben. 

Der Film hat einige ruhige Sequenzen, aber er beginnt erst mal mit Action. Und da wusste ich direkt, was ich die fünf Monate ohne Kino vermisst habe: diesen gewaltigen Sound. Damit offenbart sich dann aber auch gleich ein typisches Nolan-Problem, bei diesem Mördersound sind die Dialoge oftmals gar nicht zu verstehen. Ich bin froh, dass ich mich für die OmU-Fassung entschieden habe, ansonsten hätte ich von den, in Action eingebundenen Dialogen akustisch so gut wie gar nichts mitbekommen. 

Nach rund einer Stunde hatte ich aber bereits genug. Auch wenn meine Bewertung noch nach oben oder unten hätte korrigiert werden können, stand sie zu dem Zeitpunkt eigentlich bereits fest. Nach vielen eindrucksvollen (aber auch manchmal nicht so dollen) Szenen, Sequenzen und Kulissen ist mein Interesse an der Handlung und an dem (und den) Protagonisten irgendwann auf der Strecke geblieben. Es gab zwar noch das eine oder andere Highlight, aber die weite Strecke bis zum Ende war dann doch recht lang. 

Christopher Nolan beschäftigt sich in seinem, leider beinahe gänzlich humorlosen Agentenactioner mehr mit der verschachtelten und über einige Zeitebenen überlagerten, ach so cleveren Handlung. Er vergisst dabei, uns als Zuschauer etwas viel Wichtigeres an die Hand zu geben. Warum sollen wir mit dem/den Protagonisten mitfiebern? Mich hatte schon bei „Dunkirk“ gestört, dass man zu wenig Hintergrundwissen über einzelne Figuren hatte, hier weiß man auch nahezu nichts über die Charaktere, sie sind nur mal da oder auch gerade nicht und mal hier oder mal dort. Ist etwas dünn, in meinen Augen. 

Schauspielerisch machen John David Washington (BlackKklansman) und Robert Pattinson ihren Job als Agenten, die – immer wieder – die Welt vor Schlimmerem bewahren müssen, ganz gut, Elizabeth Debicki, die hier eine ähnliche Rolle wie in The Night Manager spielt, weiß auch zu gefallen, am besten hat mir aber tatsächlich Kenneth Branagh als fieser, russischer Oligarch gefallen.

Eigentlich sind Nolans Filme darauf ausgelegt, dass man sie ein paar Mal (möglichst im Kino) sieht, mir hat das eine Mal gereicht. 

„Tenet“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (John David Washington), Bester Nebendarsteller (Robert Pattinson), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien 

„Tenet“ sollte ursprünglich am 17.07.20 in den amerikanischen Kinos starten. Aufgrund der verheerenden Corona-Situation in den Vereinigten Staaten war aber nicht klar, wann die amerikanischen Kinos wieder eröffnen. Zunächst wurde der Film um zwei Wochen nach hinten verschoben, dann sollte er am 12.08.20 dort endlich ins Kino kommen und wurde kurz darauf wieder auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch wenn große Ketten mittlerweile dort vereinzelt Kinos wieder aufgemacht haben, hat sich schließlich Warner Bros. dazu entschlossen, den Film nicht zuerst auf dem US-amerikanischen Markt herauszubringen, sondern am 26.08.20 im Nachbarland Kanada,  in vielen Teilen Europas, Australien und Südkorea und dann eine Woche später, am 3.9.20,  in vereinzelten Kinos im Risikogebiet U.S.A. Die beiden größten Städte der Vereinigten Staaten, New York und Los Angeles, waren in der Vergangenheit immer die ersten Städte in denen aktuelle Filme gezeigt wurden, damit ist „Tenet“ der erste Film – nach einem  landesweiten amerikanischen Kinostart – auf den die New Yorker und die Angelenos noch eine Weile warten müssen. Ich hatte mir die Kinokarte rechtzeitig gesichert, so dass ich den Film in einer Nachmittagsvorstellung am Kinostart-Tag in Deutschland sehen konnte. Letztlich war diese Vorstellung aber nicht ausverkauft. Gesehen habe ich den Film in der OmU, aber dafür nicht in der 70mm-Version und auch nicht in einem Imax-Kino. 

Trailer zu sehen:

Was ich tatsächlich nicht vermisst habe, ist Werbung in deutschen Kinos. Im Kino International haben sie sich aber mit insgesamt 18 Minuten (inkl. 4 Trailer) vor dem 151-minütigen Film relativ kurz gehalten. 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Wonder Woman 1984„

Bewertung des Trailers: B- (Trailer wurde in der Synchro gezeigt)

Kommentar:  Patty Jenkins neuer Film, Sequel zu Wonder Woman. Der eingedeutschte Trailer schmerzt, da hilft auch die perfekte Einbettung in „Blue Monday“ nicht. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wahrscheinlich schon 


Trailer v. Film: „Jim Knopf und die wilde 13„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar:  Wusste gar nicht, dass dies schon die Fortsetzung ist. Ja, okay für einen deutschen Film sieht es okay aus, aber sowas würde ich mir niemals, nie, im Kino und wahrscheinlich auch sonst nicht anschauen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Wunderschön„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: deutscher Film von Karoline Herfurth mit Nora Tschirner und Martina Gedeck 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: vielleicht mal im TV


Trailer v. Film: „Cortex„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar:  deutscher Thriller von und mit Moritz Bleibtreu (Regiedebüt von ihm)

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht 

Nach mehr als 5 Monaten Kino-Abstinenz "Tenet" im Kino International in Berlin
Nach mehr als 5 Monaten Kino-Abstinenz „Tenet“ im Kino International in Berlin
Kino International, 26.08.20, Film "Tenet"
Kino International, 26.08.20, Film „Tenet“

Kino International, 26.08.20, Film "Tenet"

 

VOD – Film: „Relic“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„Relic“  90 min  drama, horror

dir. Natalie Erika James  cast: Emily Mortimer, Robyn Nevin, Bella Heathcote, Chris Bunton 

 

Kays Mutter Edna (Robyn Nevin) ist über 80 Jahre alt und, nachdem ihre Nachbarn sie seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen haben, fahren Kay (Emily Mortimer) und  ihre erwachsene Tochter Sam (Bella Heathcote) zu ihrem Haus. Seit Wochen hatte Kay keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Im Haus gibt es keine Spur von Edna, aber vieles deutet daraufhin, dass ihre Vergesslichkeit zugenommen hat…

 

A- (Wertung von A bis F) „Relic“ ist das Spielfilmdebüt der japanisch-australischen Autorin und Werbe- und Musikvideo-Regisseurin Natalie Erika James. 

Bevor ich mir ihren ersten Spielfilm angeschaut habe, hatte ich mir zunächst über ihre Website (https://natalieerikajames.com) ihren, mit einigen Preisen ausgezeichneten Kurzfilm „Creswick“ angeguckt. Die kann was, habe ich mir gedacht und das bestätigte sich für mich kurz darauf mit ihrem ersten Spielfilm. 

Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Horrorfilm das letzte Mal so zum Nachdenken brachte und wann mir bei einem solchen Film (ein Mal während des Films und dann am Ende) die Tränen gelaufen sind. „Relic“ ist anders, eine gelungene Genre-Mischung aus Drama und Horrorfilm. Mit der Zweitsichtung empfand ich den Film sogar noch mehr als Familiendrama, dass sich überzeugend einiger wirksamer Horror-Stilmitel bedient. Es geht um Demenz und um Schuldgefühle von Kindern und anderen Angehörigen gegenüber ihren pflegebedürftigen Verwandten. Natalie Erika James erzeugt hier Metaphern wie beispielsweise „das Monster“, das man als demenzbedingte Wesensänderung deuten kann oder „den Schimmel, der sich immer tiefer in das Haus einfrisst“ als langsamen körperlich und geistigen Verfall. Es wird aber sicher nicht nur eine Möglichkeit der Interpretation geben. Die Langsamkeit mit der dieser Film erzählt wird, könnte einige Zuschauer abschrecken. Mich hat es überhaupt nicht gestört und auch die Performances fand ich solide. 

Der Film könnte am Ende des Jahres zu einen meiner Top 10-Filme zählen. 

„Relic“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2020 gezeigt. Der Film lief ab dem 3.7.20 für eine Woche exklusiv in einigen amerikanischen Autokinos und startete dann am 10.7.20 in einigen wenigen Kinos in den Vereinigten Staaten und ist zeitgleich auf VOD herausgekommen.

Trailer zu sehen:

 

Netflix – Film: „Da 5 Bloods“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Da 5 Bloods“ (in D. seit dem 12.06.20 auf Netflix abrufbar)  155 min  drama, war, action

dir. Spike Lee  cast: Delroy Lindo, Jonathan Majors, Clarke Peters, Norm Lewis, Isiah Whitlock Jr., Chadwick Boseman, Mélanie Thierry, Paul Walter Hauser, Jasper Pääkönen, Jean Reno, Johnny Tri Nguyen, Veronica Ngo

 

Jahrzehnte nach ihrem Einsatz im Vietnamkrieg treffen sich die vier „Bloods“, die ehemaligen afroamerikanischen Kriegsveteranen Paul (Delroy Lindo), Eddie (Norm Lewis), Otis (Clarke Peters) und Melvin (Isiah Whitlock Jr.) wieder in Vietnam. Sie wollen die sterblichen Überreste von Norman (Chadwick Boseman), dem fünften und Anführer, ihrer damaligen Einheit bergen. Bei der Mission begleitet David (Jonathan Majors) seinen, an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidenden, Vater Paul und den Rest der Truppe. Und dann ist da noch ein vergrabener Goldschatz…

 

B- (Wertung von A bis F) „Da 5 Bloods“ ist der neue Film des afroamerikanischen Filmemachers und Oscar-Gewinners Spike Lee („Do the Right Thing“, „Malcolm X“, „25th Hour“, Chi-Raq, BlacKkKlansman).

„Da 5 Bloods“ wird sicherlich – mit dem unerträglichen Mord an George Floyd und den daraus resultierenden Protesten in den Vereinigten Staaten und weltweit – zum nahezu perfekten Zeitpunkt veröffentlicht. Die Botschaft(en) in Spike Lees neuestem Werk fand ich eindringlicher und bleibender als den Film selbst. 

So richtig weiß man ja manchmal nicht, was Spike Lee eigentlich für eine Geschichte erzählen will bzw.  welchem Genre seine Filme überhaupt zuzuordnen ist. „Da 5 Bloods“ ist ein (Anti-)Kriegsfilm, Drama über Kriegsveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Vater/Sohn-Drama, ein recht blutiger Abenteuer- und Actionfilm, einen kleinen Liebesfilm-Anteil gibt es auch, zwischendurch mutet der Film auch mal wie eine Reportage an, ständig streut er nebenbei Informationen und historisches Archivmaterial über afroamerikanische Bürgerrechtler oder Helden ein und Donald Trump (oder wie Spike Lee ihn nennt „Agent Orange“) durfte natürlich auch nicht fehlen. Kurzum „Da 5 Bloods“ wirkt ganz schön überfrachtet und in den ersten ca. 57 Minuten recht unaufgeräumt.

Mit seinem ersten Netflix-Film setzt Spike Lee ein klares politisches Statement, wie sinnlos und unmoralisch der Vietnam-Krieg war, wie wenig sich die amerikanische Regierung um die traumatisierten Rückkehrer gekümmert hat, dass gerade afroamerikanische Soldaten als Kanonenfutter herhalten mussten, aber in amerikanischen Mainstream-Filmen oder TV-Serien nie als Helden gefeiert wurden. Er zeigt auch den Zusammenhang vom Vietnamkrieg und Rassismus auf.

Die instrumentale Filmmusik (Terence Blanchard) empfand ich als zu dick aufgetragen. Manchmal passt der Score nicht mal zu den Szenen. Das ist mir bereits im ersten Akt, in der Szene, in der die kämpfenden GIs in der Rückblende gezeigt wurden, aufgefallen. Für die Rückblenden verändert Spike hier das Bildschirm/Leinwand-Format, lässt aber die alten Kriegsveteranen Paul, Eddie Otis und Melvin neben ihrem jungen, und später im Krieg gefallenen, Anführer Norman in den Szenen spielen. Das wirkt zunächst irritierend, man kann es jedoch auch so interpretieren, dass die Grausamkeit des Krieges die Männer bis heute nicht losgelassen hat.

Erkennbar ist Spike Lees neuester Film auch eine Hommage an die Filme „Apocalypse Now“ und „The Treasure of the Sierra Madre“, an die Band „The Temptations“ (allein die Namen der Protagonisten entsprechen denen der Bandmitglieder) und auch an Marvin Gaye.   

Schauspielerisch ist dieser Film durch die Bank hervorragend besetzt. Wenn jemand aus diesem Ensemble besonders positiv hervorsticht, ist es Delroy Lindo. Spike Lee nutzt in seinem Film die unterschiedlichsten Stilmittel, als Delroy Lindos „Paul“ die vierte Wand durchbricht und zu seinem Monolog ansetzt, musste ich schon schlucken. Eine Oscar-Nominierung (ob als beste Neben- oder Hauptdarsteller sei dahingestellt) würde ich befürworten. Ein Wiedersehen gibt es hier auch mit Paul Walter Hauser und Jasper Pääkönen aus „BlacKkKlansman“.

„Da 5 Bloods“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller (Delroy Lindo), Beste Nebendarsteller (Clarke Peters, Jonathan Majors) und einige technische Kategorien

Der Netflix-Film „Da 5 Bloods“ sollte erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2020 (außerhalb des Wettbewerbs) gezeigt werden. Durch die Corona-Krise wurde dieses Filmfestival ersatzlos gestrichen. Angedacht war, den Film im Mai oder Juni 2020 ins Kino zu bringen. Corona-bedingt waren jedoch die  Kinos geschlossen, entsprechend wurde der Film direkt auf Netflix zugänglich gemacht. Seit dem 12.06.20 ist er auf diesem Streamingportal – auch in Deutschland – abrufbar. Es ist aber davon auszugehen, dass Netflix „Da 5 Bloods“ mindestens in einem ihrer jüngst gekauften Kinos in Los Angeles und New York dieses Jahr (bzw. bis zum 28.02.21) noch mal auf der großen Leinwand präsentieren wird. 

Trailer zu sehen:

 

Fortsetzung: Folgt.

Eine super Idee und etwas, das ich auch gerne unterstütze: 

Berliner Programmkinos initiieren gemeinsame Unterstützungskampagne auf Startnext

Die Berliner Kinolandschaft ist eine der vielfältigsten der Welt. Engagierte Programmkinos bringen auf 75 Leinwänden Woche für Woche eine Vielzahl von Filmen und Veranstaltungen zum Leuchten, ein Programm so bunt wie die Stadt. Filmstarts jenseits des Mainstreams aus allen Ecken der Welt, internationale und verrückte Festivals, Kinder- und Jugendarbeit, Retrospektiven, Filmgespräche, Podiumsdiskussionen: In diesen Kinos tauchen Menschen in andere Lebenswirklichkeiten ein, lachen, lernen, lieben und streiten. Wie keine andere Stadt lebt und liebt Berlin seine Kinos und die europaweit einzigartige Programmvielfalt.

Durch die vorübergehende unfreiwillige Kreativpause sind die Berliner Programmkinos akut in ihrer Existenz bedroht, denn obwohl derzeit keine Einnahmen erzielt werden, laufen die Fixkosten weiter. Wie bei vielen anderen Kulturunternehmen auch ist es unmöglich, Rücklagen zu bilden, um solche Ausfälle kompensieren zu können.

Damit diese Vielfalt auch in der Zukunft erhalten bleibt, brauchen die Kinomacher*innen Unterstützung.

Berliner Programmkinos haben sich zusammengeschlossen und eine Unterstützungskampagne auf Startnext initiiert. Die Aktion startet am Freitag, 27. März 2020 und ist hier zu finden https://www.startnext.com/fortsetzungfolgt

 

Alle erzielten Spendeneinnahmen werden an die teilnehmenden Berliner Programmkinos verteilt. Mit den Spenden werden die Kinos einen kleinen Teil ihrer Ausgaben decken können. Gleichzeitig ist auch die Politik gefragt, schnell und unkompliziert finanzielle Unterstützung zu geben, so wie es das Medienboard Berlin-Brandenburg schon bereits getan hat.

Die Berliner Programmkinos haben eine entscheidende Gemeinsamkeit: Sie machen Kino mit Herz. Und dennoch sind sie alle auf ihre eigene Art sehr verschieden. Wem diese Vielfalt wichtig ist, ist aufgerufen, zu helfen.

Babylon Kreuzberg
Blauer Stern
Bundesplatz-Kino
Capitol Dahlem
Central
Cinema Paris
City Kino Wedding
Cosima
Delphi Filmpalast
delphi LUX
Eva Lichtspiele
Filmkunst 66
Filmtheater am Friedrichshain
fsk Kino
Hackesche Höfe Kino
IL KINO
International
Kant Kino
Kino im Kulturhaus Spandau
Kino Kiste
Lichtblick-Kino
Moviemento
Neues Off
Odeon
Passage
Rollberg
Sputnik Kino
Tilsiter Lichtspiele
Toni
Union Filmtheater Friedrichshagen
Wolf Kino
Xenon
Yorck Kino
Zukunft am Ostkreuz

Die Kinos bedanken sich herzlich für die großartige Unterstützung bei Erik Schmitt („Cleo“), dessen Trailer zur Kampagne in Kürze auch auf https://www.startnext.com/fortsetzungfolgt verfügbar ist.

#FortsetzungFolgt
#ToBeContinued

 

Montréal – Film: „The Invisible Man“

Ich war am 04.03.20 in Montréal und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Invisible Man“ (dt. Filmtitel: „Der Unsichtbare“, dt. Kinostart war der 27.02.20)  124 min   thriller, adaptation

dir. Leigh Whannell  cast: Elisabeth Moss, Aldis Hodge, Storm Reid, Harriet Dyer, Michael Dorman, Oliver Jackson-Cohen

 

Zwei Wochen nachdem es Cecilia (Elisabeth Moss) geglückt ist, von ihrem kontrollsüchtigen  Ehemann Adrian (Oliver Jackson-Cohen) zu fliehen, erfährt sie, dass er sich das Leben genommen hat. Ihre neugewonnene Freiheit kann sie jedoch nur kurz genießen, denn sie hat das Gefühl beobachtet zu werden…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Invisible Man“ ist eine moderne Adaption von H. G. Wells gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des australischen Schauspielers, Drehbuchautors („Saw“, „Death Silence“, Insidious) und Filmemachers („Insidious: Chapter 3“, „Upgrade“) Leigh Whannell. 

Natürlich darf man bei solchen Filmen nicht mit Logik rangehen, man muss sich einfach darauf einlassen können und das konnte ich. Mich erinnerte dieser Film an zwei gut gemachte, spannende Thriller aus den 2000er Jahren („What Lies Beneath“ und „Enough“). Auch dieser hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, teilweise saß ich sogar aufrecht im Sitz. Beste Unterhaltung für zwei Stunden.  Besonders gut gefallen hat mir, dass einiges nur andeutet wird. Man braucht beispielsweise keine Rückblenden, um zu verstehen, aus was für einer Beziehung die Protagonistin Cecilia flüchtet. Man muss auch nicht aussprechen, woher Cecilia genau James kennt. Üblicherweise werden gerade die Art von Filmen idiotensicher geschrieben. Der Score und der Sound sind im Thriller/Horror-Genre nicht unerheblich, die Musik und der Ton sind hier auffällig gut gewählt und in Szene gesetzt. 

In der Tradition von weiblichen Oscar-Performances in Thriller/ Horrorfilmen (Emily Blunt in A Quiet Place, Toni Collette in Hereditary und Lupita Nyong´o in Us), wird sicherlich auch Elisabeth Moss´ hervorragende Performance in diesem Film bei den Oscars übergangen. 

Eine Fortsetzung zu dem Film ist durchaus vorstellbar.

„The Invisible Man“ wurde am 28.02.20 in 3,610 amerikanischen Kinos gestartet. In Deutschland kam der Film unter dem Filmtitel „Der Unsichtbare“ bereits einen Tag früher ins Kino. Ich habe den Film in Kanada gesehen, wo er ebenfalls am 28.02.20 in den Kinos startete. 

„The Invisible Man“ war der vorletzte Film, den ich vorerst im Kino gesehen habe. Der Trailer verrät zu viel und empfehle ich daher nicht unbedingt:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Saint Maud„

Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)

Kommentar:  A24-Horrorfilm mit Jennifer Ehle

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „No Time to Die“

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Cary Fukunagas James Bond-Film. Als ich diesen Trailer am 04.03.20 im Kino sah, wurde kurz vorher bekannt gegeben, dass wegen des Coronavirus die Premiere des Films verschoben wird. Damals fand ich das noch etwas übertrieben. Heute, drei Wochen später, leben wir in einer völlig anderen Welt. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Hunt“

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Horrorfilm/Thriller mit Hilary Swank und Emma Roberts. Ich hätte schwören können, dass ich einen Trailer von dem Film schon im Kino gesehen habe, konnte ihn aber nicht finden. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Free Guy“

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Shawn Levys neuer Film, Actionkomödie mit Ryan Reynolds…und Taika Waititi 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Berlin (ale) – Film: „Shirley“

Ich war am 01.03.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Shirley“  106 min  drama, adaptation, biopic 

dir. Josephine Decker  cast: Elisabeth Moss, Michael Stuhlbarg, Odessa Young, Logan Lerman 

 

Im Herbst 1964 zieht der junge Doktorand Fred (Logan Lerman) und seine schwangere Ehefrau Rose (Odessa Young) in eine Kleinstadt in Vermont. Fred arbeitet dort als Assistent des College-Professors Stanley Hyman (Michael Stuhlbarg). Eigentlich sucht das junge Paar eine Wohnung, sie kommen aber zunächst im Haus des Professors und Literaturkritikers  Stanley Hyman (Michael Stuhlbarg) und seiner Frau, der Schriftstellerin Shirley Jackson (Elisabeth Moss), unter. Dafür soll sich Rose um den Haushalt und um Shirley kümmern. Shirley hat aber offensichtlich psychische Probleme und leidet unter einer Schreibblockade, das Zusammenleben wird für Rose zunehmend zur Belastungsprobe…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Shirley“ ist eine Adaption von Susan Scarf Merrells Roman: „Shirley: A Novel“. Es ist der neue Film der amerikanischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Filmemacherin Josephine Decker („Madeline´s Madeline“). Der Film erzählt eine fiktive Geschichte, wurde aber vom Leben der amerikanischen Schriftstellerin Shirley Jackson und ihrem Mann, den College-Professor und Literaturkritiker Stanley Edgar Hyman inspiriert. 

Die Geschichte ist schnell erzählt und hat man in abgewandelter Form auch schon oft gesehen. Für mich war es also nicht die Geschichte, die mich hier in den Bann gezogen hat, es ist die atmosphärische, beklemmende, aber auch anstrengende Inszenierung und die überragenden Performances von Elisabeth Moss, Michael Stuhlbarg und Odessa Young. 

Josephine Deckers letzter Film „Madeline´ s Madeline“ hatte mir schon gut gefallen, bei „Shirley“ arbeitet sie erstmalig nicht mit ihrem eigenen Drehbuch. Der Film wirkt weniger experimentell als ihr letztes Werk, mit der eingesetzten Musik und der Kameraführung sticht ihr, so eigener Regiestil aber immer noch hervor. Während des Films sind meine Gedanken dann tatsächlich auch abgedriftet, weil ich überlegt habe, wie der Film wohl aussehen würde, wenn sich ein anderer Regisseur des Stoffes angenommen hätte und eine andere Schauspielerin die Titelrolle spielen würde. Es wäre ein völlig anderer und nicht so guter Film entstanden, soviel ist sicher. 

Elisabeth Moss hat in vielen Projekten (TV-Serien „The West Wing“, Mad Men,  Top of the Lake, The Handmaid´s Tale und Kinofilmen Her Smell, Us bereits bewiesen, wie wandelbar und talentiert sie ist. Auch hier geht sie völlig uneitel an die Rolle und lässt einen nicht einen Moment daran zweifeln, dass sie Shirley Jackson ist. Für mich ist sie einer der besten Schauspielerinnen unserer Zeit. 

„Shirley“ wurde erstmalig auf dem Sundance Filmfestival 2020 gezeigt. Dort hat der Film bzw. die Regisseurin den U.S. Dramatic Special Jury Award: Auteur Filmmaking gewonnen. „Shirley“ wurde einen Monat später bei den Filmfestspielen in Berlin in der neu eingeführten Sektion Encounters gezeigt. Ich habe den Film auf der Berlinale 2020 gesehen, gezeigt wurde die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. „Shirley“ wird von dem New Yorker Indie-Produzenten/Verleih NEON vorauss. am 24.04.20 ins amerikanische Kino gebracht. Bislang ist ein deutscher Kinostart noch nicht bekannt.

Filmausschnitt zu sehen:

 

Berlin (ale) – Film: „The Roads Not Taken“

Ich war am 27.02.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Roads Not Taken“ (dt. Kinostart: 30.04.20)   85 min  drama 

dir. Sally Potter  cast: Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek, Laura Linney

 

Molly (Elle Fanning) macht sich Sorgen um ihren Vater Leo (Javier Bardem). Er liegt teilnahmslos im Bett, ist verwirrt und erkennt sie nicht. Mollys Vater ist mit seinen Gedanken in der Vergangenheit, was war oder was hätte sein können…

 

C+ (Wertung von A bis F) „The Roads Not Taken“ ist der neue Film der Londoner Filmemacherin Sally Potter („The Man Who Cried“, „Ginger & Rosa“, „The Party“).

Auf der einen Seite sieht man, wie sich die Tochter um ihren scheinbar demenzkranken Vater kümmert und auf der anderen Seite folgt man alles, was den Vater beschäftigt. Sind es Erinnerungsbruchstücke oder doch mehr – wie der Filmtitel vermuten lässt – Parallelentwürfe zu seinem bisher vergangenen Leben? Man weiß es nicht so genau, definitiv ist er nie wirklich im Heute. „The Roads not Taken“ mit seinen drei Erzählsträngen wirkt am Ende etwas unaufgeräumt, vielleicht wollte die Regisseurin das Leben eines an Demenz Erkrankten genau so zeigen, aber der Film hätte berühren müssen. Letztlich macht er es auch, aber erst sehr spät. Erst als Leo auf die beiden pakistanischen Taxifahrer trifft und schließlich als er seiner verzweifelten Tochter gegenübersitzt.

Zusammenfassend ist der Film bedauerlicherweise nicht so gut wie das involvierte Talent (Javier Bardem, Elle Fanning und Laura Linney). 

„The Roads Not Taken“ wurde erstmalig auf den Berliner Filmfestspielen 2020 gezeigt. Dort lief der englische Film im Wettbewerb. Ich habe den Film auf der Berlinale 2020 gesehen, gezeigt wurde die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Der Film soll am 13.03.20 in den amerikanischen Kinos starten und für Deutschland ist ein Kinostart für den 30.04.20 geplant.

Trailer zu sehen:

 

 

Berlin (ale) – Film: „Never Rarely Sometimes Always“

Ich war am 26.02.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Never Rarely Sometimes Always“  (dt. Kinostart: 11.06.20) 101 min  drama 

dir. Eliza Hittman  cast: Sidney Flanigan, Talia Ryder, Théodore Pellerin, Ryan Eggold, Sharon Van Etten 

 

Autumn (Sidney Flanigan) lebt in einem Provinzkaff in Pennsylvania. Sie ist 17 Jahre alt und ungewollt schwanger. Ihre Familie soll davon nichts erfahren. Schließlich fährt sie mit ihrer Cousine Skylar (Talia Ryder) nach New York, in der dortigen Abtreibungsklinik sollen sogar Abtreibungen bei Minderjährigen, ohne die Zustimmung der Eltern, vorgenommen werden.

 

B+ (Wertung von A bis F) „Never Rarely Sometimes Always“ ist der neue Film der New Yorker Filmemacherin Eliza Hittman („It Felt Like Love“, „Beach Rats“).

Es ist ein stiller und langsam erzählter, aber eindringlicher Arthouse-Film über eine Teenager-Schwangerschaft und der einsamen Entscheidung einer ungewollt Schwangeren und verzweifelten Jugendlichen, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Es ist aber auch ein Film über die Reise zweier junger Mädchen aus der Provinz in das völlig fremde New York.

„Never Rarely Sometimes Always“ ist eines dieser Werke, bei dem man einzelne Szenen noch lange in Erinnerung trägt. Eliza Hittman hat hier einen intensiven, fast schon dokumentarisch anmutenden Film inszeniert. Einen der Zwischentöne, bei dem kaum etwas, aber zur gleichen Zeit so viel passiert. Insbesondere beim Thema Abtreibung ist es wichtig, dass weibliche Regisseure die Geschichten erzählen. So hebt sie auch nicht den moralischen Zeigefinger, hier wird einfach mit Tatsachen umgegangen.

Der im ersten Moment etwas umständlich erscheinende Filmtitel („Never Rarely Sometimes Always“) bezieht sich auf die Auswahl der Antworten auf sehr persönliche Fragen, die der Protagonistin Autumn von der Sozialarbeiterin von Planned Parenthood gestellt werden. Eine unglaublich starke Szene, durch die man auch erfährt, dass die junge Frau Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht hat. Überhaupt macht der Film auf subtiler Weise darauf aufmerksam, dass Frauen tagtäglich in unterschiedlichen Facetten sexueller Übergriffigkeit ausgesetzt sind. 

Ich habe es sicher schon das eine oder andere Mal erwähnt, dass ich es liebe, wenn „mein New York“ mal ganz anders oder aus einer völlig anderen Perspektive gezeigt wird. Hier von zwei Teenagern, die erstmalig nach New York reisen und dabei keine Urlaubsreise machen und auch nicht mal genug Geld in der Tasche haben. 

Sidney Flanigan, eigentlich eine Musikerin, ist sehr glaubwürdig in ihrer allerersten Rolle, sie gibt ihrem Charakter die nötige Tiefe. Die Beziehung von Autumn zu ihrer Cousine ist auch greifbar und zeigt, dass es dafür auch mal eben nicht dauerndes Gerede braucht.

„Never Rarely Sometimes Always“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Sidney Flanigan), Bestes Originaldrehbuch 

„Never Rarely Sometimes Always“ wurde erstmalig auf dem Sundance Filmfestival 2020 gezeigt. Dort hat der Film den U.S. Dramatic Special Jury Award (Neorealism) gewonnen. Der amerikanische Film lief einen Monat später auf den Berliner Filmfestspielen im Wettbewerb. Dort hat der Film den Großen Preis der Jury gewonnen. Ich habe den Film auf der Berlinale 2020 gesehen, gezeigt wurde die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Der Film soll am 13.03.20 in den amerikanischen Kinos starten. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 11.06.20 geplant. 

Trailer zu sehen:

 

Berlin (ale) – Film: „Siberia“

Ich war am 25.02.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Siberia“ (dt. Kinostart: 19.03.20)  92 min  drama

dir. Abel Ferrara  cast: Willem Dafoe, Dounia Sichov, Simon McBurney, Cristina Chiriac, Daniel Giménez Cacho Anna Ferrara 

 

Clint (Willem Dafoe) führt eine kleine Kneipe in der verschneiten Wildnis im sibirischen Nirgendwo. Dort hat er immer wieder Begegnungen mit Fremden. Eines Tages bricht er mit seinem Hundeschlitten auf. Er erforscht seine Träume, konfrontiert sich mit Erinnerungen, (be)sucht seine Visionen…

 

C+ (Wertung von A bis F) „Siberia“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Abel Ferrara („Bad Lieutenant“).

Gut, es gibt schlimmere Filme, aber es gibt halt auch wesentlich bessere. Abel Ferrara hat diesen wahrscheinlich vordergründig für sich selbst gedreht. Entsprechend können viele Zuschauer sicher mit dem Projekt voller Wunsch- und Albträume, Visionen, Erinnerungen, möglicher anfänglicher Unzurechnungsfähigkeit oder Selbstfindung oder doch der Suche nach dem Sinn des Lebens dann auch wenig anfangen. Im Zuschauerraum war es extrem unruhig, viele meiner Mitzuschauer haben die Vorstellung vorzeitig verlassen. Für mich ist das kein Film, den ich mir nicht bis zu Ende anschauen würde. Der wunderbaren Willem Dafoe (hier wieder als Abel Ferraras Alter Ego) bewahrte mich davor, schlechte Laune zu bekommen. Und dafür, dass Dafoe zu Del Shannons Song „Runaway“ singt und tanzt gibt es sogar noch einen Extra-Pluspunkt. Dennoch ist dieser spirituelle Film kein kommerzieller und auch generell keiner, den ich irgendjemanden empfehlen würde. 

„Siberia“ wurde erstmalig auf den Berliner Filmfestspielen 2020 gezeigt. Dort lief die italienisch-deutsch-mexikanische Koproduktion im Wettbewerb. Ich habe den Film auf der Berlinale 2020 gesehen, gezeigt wurde die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 19.03.20 geplant.

Trailer zu sehen: