NYC – Film: „Dreamland“

Ich war am 29.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Dreamland“  98 min  action, drama, thriller

dir. Miles Joris-Peyrafitte  cast: Margot Robbie, Finn Cole, Travis Fimmel, Kerry Condon, Garrett Hedlund, Darby Camp  voice: Lola Kirke

 

In den 1930er Jahren zieht in Texas ein heftiger Staubsturm auf. Der 17-jährige Eugene Evans (Finn Cole) lebt mit seiner Mutter (Kerry Condon), der jüngeren Stiefschwester (Darby Camp) und seinem Stiefvater (Travis Fimmel) auf einer Farm. Der Sturm vernichtete die Ernte und die Familie steht vor dem Ruin. Derweil fahndet die Polizei nach der jungen Bankräuberin Allison Wells (Margot Robbie). 10,000 Dollar Belohnung sind ausgesetzt. Geld, das Eugenes Familie gut gebrauchen könnte. Eines Tages entdeckt Eugene die hübsche, aber verletzte Bankräuberin in der Scheune der Evans-Familie…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Dreamland“ ist der zweite Film des noch recht jungen, amerikanischen Schauspielers („Gut“, „Valley of the Sasquatsch“), Autors und Filmemachers („As You Are“) Miles Joris-Peyrafitte.

Als Erzählerin (Lola Kirke) führt die Stiefschwester des damals 17-jährigen Eugene durch die Ereignisse, die sich vor rund zwanzig Jahren zugetragen haben. Eugenes größter Wunsch ist es, seinen Vater (der ihn und seine Mutter verlassen hatte, als er erst Fünf war) eines Tages wieder zu treffen. Mexiko ist das Sehnsuchtsland, denn da vermutet er seinen leiblichen Vater. Ansonsten passiert nicht viel in seinem Leben und dann entdeckte der Teenager diese bildhübsche, flüchtige  Bankräuberin. Das Ganze spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise im rauen Texas. Western dieser Art werden heutzutage nur noch selten gedreht, um so schöner sich für 1 1/2 Stunden in so einer Welt wiederzufinden.„Dreamland“ ist ein Mix aus Coming-of-Age und „Bonnie and Clyde“-Story.  Miles Joris-Peyrafittes Inszenierung ist die eines großen Filmemachers: zurückhaltend, aber selbstbewusst und visionär. Finn Cole und Margot Robbie lassen einen vergessen, dass hier Schauspieler am Werk sind, aber auch alle anderen Schauspieler überzeugen.

„Dreamland“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Feature Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das zweite Screening des Films. Der sympathische, junge Filmemacher hat es sich aber nicht nehmen lassen, seinen Film anzukündigen. Sichtlich begeistert war er, dass sein neuer Film im großen Saal seines New Yorker Lieblingskinos (Village East Cinema) gezeigt wurde. Er bat uns sogar, für seine Mama ein Foto von uns, also dem Publikum seines zweiten Films in diesem Kino, knipsen zu dürfen. Putzig. 

Einen Trailer von dem Film gibt es bislang noch nicht, dafür aber ein Foto von dem Regisseur Miles Joris-Peyrafitte:

Tribeca Film Festival 2019, Film „Dreamland“ der Regisseur Miles Joris-Peyrafitte

„Dreamland“ hat bisher weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

 

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NYC – Film: „Georgetown“

Ich war am 27.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Georgetown“   99 min  drama, thriller, biopic, adaptation  

dir. Christoph Waltz  cast: Christoph Waltz, Annette Bening, Vanessa Redgrave, Corey Hawkins

 

Der deutsche Hochstapler Ulrich Mott (Christoph Waltz) hat durch die Heirat, der um mehr als 40 Jahre älteren Elsa Brecht (Vanessa Redgrave) den Aufstieg in die bessere Gesellschaft Washingtons geschafft. Eines Tages ist die 91-jährige Dame tot und nicht nur ihre Tochter (Annette Bening) hat den Verdacht, dass Ulrich Mott sie getötet hat…

 

B (Wertung von A bis F) „Georgetown“ beruht auf Franklin Foers New York Times Artikel „The Worst Marriage in Georgetown“. Der Film wurde von Tatsachen inspiriert. Für diesen Film wurden die Namen geändert. Christoph Waltz hat bereits im Jahr 2000 bei dem deutschen Fernsehfilm „Wenn man sich traut“ Regie geführt, „Georgetown“ ist das amerikanische Regiedebüt des deutsch-österreichischen Schauspielers und zweifachen Oscar-Preisträgers Christoph Waltz („Inglourious Basterds, Django Unchained, Big Eyes). Etwas irritierend: im Abspann heißt es „directed by C. Waltz“. 

Zunächst einmal hat sich der Deutschösterreicher für sein amerikanisches Regiedebüt eine geeignete Geschichte ausgesucht, insbesondere wenn er dann auch selbst noch den exzentrischen, deutschen Hochstapler spielt. Diese Rolle ist maßgeschneidert, sie ist aber auch nicht in einem völlig anderen Spektrum angesiedelt, als die, für die er seine zwei Oscars gewonnen hat. 

In sechs Kapiteln wird der Werdegang des spleenigen, deutschen Gernegroß Albrecht Gero Muth im politischen Washington nacherzählt. Der Pulitzer-Preisträger David Auburn („Proof“) mag mit seinem Drehbuch die Geschichte etwas aufgepeppt haben, der New York Times Artikel drängt aber förmlich auf die Verfilmung dieser Story. „Georgetown“ ist ein solider Film, es bringt mich aber generell immer etwas raus, wenn – wie hier – beide deutschstämmigen Ehepartner, nicht mal im Streit in ihrer Muttersprache miteinander reden. Schauspielerisch überzeugt Christoph Waltz, Vanessa Redgrave ist brillant, Annette Bennings Rolle hätte, für meinen Geschmack, größer sein können. 

„Georgetown“ lief erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019. Dort lief der Film in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening des Films. Vor dem Film hat die Programmdirektorin des Tribeca Filmfestivals, Cara Cusumano, den Regisseur und Hauptdarsteller Christoph Waltz vorgestellt. Der hat sich dann aber kurz gehalten, eigentlich nur gesagt, dass der Film für sich selbst spricht. Bislang hat dieses Werk weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

Bisher gibt es auch noch keinen Trailer.

Weltpremiere von "Georgtown", Tribeca Film Festival 2019, Christoph Waltz stellt sein Regiedebüt vor
Weltpremiere von „Georgtown“, Tribeca Film Festival 2019, Christoph Waltz stellt sein amerikanisches Regiedebüt vor

NYC – Film: „Something Else“

Ich war am 26.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Something Else“  83 min  drama, horror

dir. Jeremy Gardner, Christian Stella   cast: Jeremy Gardner, Brea Grant, Henry Zebrowski, Justin Benson, Ashley Song, Nicola Masciotra 

 

Abby (Brea Grant), die langjährige Freundin von Hank (Jeremy Gardner) ist plötzlich verschwunden. Er leidet schrecklich darunter und dann steht da scheinbar auch noch jede Nacht ein Monster vor seinem Haus… 

 

D+ (Wertung von A bis F) „Something Else“ ist der neue Film des amerikanischen Schauspielers („Tex Montana Will Survive!“; Psychopaths), Autors und Regisseurs („The Battery“) Jeremy Gardner. Die Regiearbeit teilt er sich hier erneut mit seinem besten Freund, dem Filmemacher Christian Stella. Jeremy Gardner spielt in diesem Film auch die Hauptrolle. 

Dieser Film nahm wirklich kein Ende, wie das Filme so an sich haben, die man grauenhaft findet. Die beiden Filmemacher treffen hier unzählige, nicht nachvollziehbare Regieentscheidungen. Angefangen von viel zu vielen Rückblenden. Auch mit einer abgespeckten Version dessen hätte man nachvollziehen können, dass Hank unter der Trennung von seiner Freundin leidet. Dann die Musik: Die hätte man kaum eindeutiger und aufdringlicher einsetzen können. Auch sind so gut wie alle Szenen einfach zu lang. Es gibt alleine eine 14-minütige Dialogszene. Nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Freund von brillanten Dialogszenen, dies war aber leider keine davon. Dass sich Jeremy Gardner hier selbst als Hauptdarsteller besetzt hat, deutet auf Selbstüberschätzung hin. Mein „+“ für dieses Beziehungsdrama im Horrormantel gibt es für die einzig gute Szene am Ende des Films. Wobei die natürlich auch nicht überwältigend gut war, aber überraschend, ich war auf einmal wieder putzmunter und – vor allen Dingen – froh, dass dieser Film vorbei war. 

„Something Else“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Midnight. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening. Die beiden, durchaus sympathischen Filmemacher, die komplette Besetzung und ein Großteil des Stabs (sprich: mit mir max. zehn zahlende Zuschauer) waren anwesend und haben sich nach dem Film den Fragen des „Publikums“ gestellt. Bislang hat dieser Film weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden. 

Ausschnitt zu sehen:

 

Tribeca Film Festival 2019 im Village East Cinema
Tribeca Film Festival 2019, Film "Something Else" anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner, Christian Stella (mittig) und einem Teil der Besetzung und der Crew.
Tribeca Film Festival 2019, Film „Something Else“ anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner, Christian Stella (mittig) und einem Teil der Besetzung und der Crew.

 

Tribeca Film Festival 2019, Film "Something Else" anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner und Christian Stella
Tribeca Film Festival 2019, Film „Something Else“ anschließendes Q & A mit den beiden Filmemachern Jeremy Gardner (Mitte) und Christian Stella (rechts daneben)

NYC – Film: „Lost Transmissions“

Ich war am 28.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Lost Transmissions“  105 min drama 

dir. Katharine O´Brien  cast: Simon Pegg, Juno Temple, Alexandra Daddario, Tao Okamoto, Bria Vinaite, Robert Schwartzman, Nana Ghana, Daisy Bishop  

 

Songwriterin Hannah (Juno Temple) lernt den talentierten Musikproduzenten Theo Ross (Simon Pegg) auf einer Party kennen. Die beiden freunden sich an und beginnen damit, zusammenzuarbeiten. Hannah realisiert bald, dass Theo psychisch krank ist. Bei ihm wurde eine Schizophrenie diagnostiziert. Da er befürchtet, dass die nötigen Medikamente seine Kreativität einschränken, weigert er sich, die Tabletten zu nehmen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Lost Transmissions“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Dies ist das Spielfilmdebüt der amerikanischen Autorin („The Automatic Hate“) und Filmemacherin Katherine O´Brien. 

Man muss es erst mal aushalten, zum hilflosen (Weg-)Begleiter eines psychisch Kranken zu werden. Genau das schafft Katherine O´Brien nämlich mit ihrem Charakterdrama. Als jemand, der selbst bereits ähnliche Erfahrungen im Freundeskreis machen musste, kann ich sagen, dass die Filmemacherin hier ein recht realistisches Bild dieser Situation zeichnet. Die vielen Nahaufnahmen vermitteln einem das Gefühl, quasi direkt an der Seite der Protagonisten zu stehen. Katherine O´Briens Inszenieriung ist sehr selbstbewusst, sie weiß genau, was sie wie erzählen will. Kaum zu glauben, dass dies ihr erster Spielfilm ist. 

Ab und zu hat mich Simon Pegg etwas rausgebracht. Nicht, dass ich ihm die Rolle des schizophrenen Musikproduzenten nicht abgenommen hätte. Es sind Mini-Momente, die seine Performance von einer überragenden unterscheiden. Juno Temple überzeugt, wie so häufig. Auch wenn sie (ähnlich wie Scoot McNairy) für mich keine erinnerungswerten Gesichtszüge hat und ich sicher das nächste Mal wieder nicht weiß, wer „diese Schauspielerin“ ist.

„Lost Transmissions“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening. Die Filmemacherin Katherine O´Brien, die Schauspieler Simon Pegg und Juno Temple, Jacob Loeb, Nana Ghana, Tao Okamoto, Daisy Bishop und der Filmproduzent Filip Jan Rymsza waren anwesend und haben sich nach dem Film einem Interview und den Fragen des Publikums gestellt. Bislang hat der Film weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleiher gefunden.

Bislang gibt es noch keinen Trailer. 

Tribeca Film Festival 2019, Film „Lost Transmissions“, Regisseurin Katherine O´Brien (zweite v. l.) und rechts daneben die Schauspieler Simon Pegg und Juno Temple, der Produzent Filip Jan Rymsza und ein Teil der Besetzung
Tribeca Film Festival 2019, Film „Lost Transmissions“, die Regisseurin Katharine O´Brien
Tribeca Film Festival 2019, Film „Lost Transmissions“, die beiden Hauptdarsteller Simon Pegg und Juno Temple

NYC – Film: „American Woman“

Ich war am 28.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„American Woman“   85 min  drama, adaptation 

dir. Semi Chellas  cast: Hong Chau, Sarah Gadon, Lola Kirke, John Gallagher Jr., Ellen Burstyn, David Cubitt

 

Die Linksextremistin Jenny (Hong Chau) ist seit ein paar Jahren untergetaucht und lebt ein relativ normales Leben. Einer ihrer früheren Kameraden hat jetzt einen Auftrag für sie. Das FBI fahndet nach drei ihrer Gesinnungsgenossen (John Gallagher Jr., Lola Kirke und Sarah Gadon), Jenny soll sich um diese radikale Zelle kümmern…  

 

C+ (Wertung von A bis F) „American Woman“ basiert auf Susan Chois gleichnamigen Roman. Es ist das Regiedebüt der kanadisch-amerikanischen Drehbuchautorin und Produzentin (TV-Serien „Mad Men“, „The Romanoffs“) Semi Chellas. Inspiriert wurde „American Woman“ von dem Entführungsfall der Millionenerbin Patty Hearst im Jahr 1974.

Handwerklich und auch schauspielerisch habe ich an dem Film gar nichts auszusetzen. Eine Story ist aber quasi nicht vorhanden. Wenn der Unterhaltungswert des Film nicht durch eine fundierte Geschichte gesichert ist, braucht man wenigstens eine faszinierende Filmfigur. Die gibt es hier tatsächlich, bedauerlicherweise ist die Protagonistin aber Jenny (gespielt von Hong Chau), von der man am Ende der Geschichte nicht wesentlich mehr weiß, als am Anfang.

Vielleicht hätte ich mir einfach auch lieber ein komplexes Psychodrama/ Biopic über Patty Hearst gewünscht. Im Jahr 1974 wurde Patty Hearst, die 19-jährige Enkeltochter des legendären US-amerikanischen Zeitungsverlegers und Medienmoguls William Randolph Hearst, von Linksradikalen verschleppt, in einen Schrank gesperrt, misshandelt und mit dem Tode bedroht. Patty Hearst lief dann aber trotzdem zu ihren Entführern, der terroristischen Guerilla-Gruppe (SLA), über. Sie beging sogar einen Banküberfall mit ihnen. Auch wenn Paul Schrader diese Geschichte in den 1980er Jahren bereits verfilmt hat, der bizarre Fall der Millionenerbin hat das Potenzial für eine weitere Verfilmung. In „American Woman“ kommt Patty Hearst auch vor (heißt hier Pauline und wird von Sarah Gadon gespielt), aber mehr am Rande, längst übergelaufen, hält sich zu Beginn des Films bereits mit zwei ihrer Komplizen (gespielt von John Gallagher r. und Lola Kirke) irgendwo in einem abgelegenen Haus auf. Dieser Film wird aus der Perspektive von Hong Chaus Charakter Jenny erzählt. „Jenny“ wurde vage inspiriert von Wendy Yoshimura, eine der Linksextremisten, die die letzten Monate vor ihrer Verhaftung mit Patty Hearst verbracht hat. Das gibt jetzt als Story nicht wahnsinnig viel her. Auch wenn die Filmmusik versucht, eine andere, eine wesentlich spannendere Geschichte zu erzählen. 

„American Woman“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Der Film lief in der Sektion Spotlight Narrative. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das erste Screening und die Filmemacherin Semi Chellas, die Schauspieler Hong Chau, Sarah Gadon, Lola Kirke und John Gallagher Jr. und Teile der Produktion waren anwesend und haben sich nach dem Film den Fragen des Publikums gestellt. Bislang hat der Film weder einen  amerikanischer noch ein deutschen Verleiher gefunden. 

Bislang gibt es noch keinen Trailer.

 

Tribeca Film Festival 2019, Film „American Woman“ die Schauspieler Lola Kirke, Sarah Gadon, Hong Chau, David Cubitt, die Filmemacherin Semi Chellas und der Schauspieler John Gallagher Jr. (v. l.)

 

Tribeca Film Festival 2019, Film „American Woman“, die Schauspieler Sarah Gadon und Hong Chau (v.l.)

NYC – Film: „Come to Daddy“

Ich war am 25.04.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Come to Daddy“   93 min  drama, comedy, thriller, horror 

dir. Ant Timpson  cast: Elijah Wood, Stephen McHattie, Martin Donovan, Michael Smiley, Madeleine Sami, Simon Chin 

 

Norval (Elijah Wood) hat einen Brief seines Vaters erhalten. Der hatte die Familie verlassen als er fünf Jahre alt war. Das liegt jetzt dreißig Jahre zurück und nun steht Norval seinem alten Herrn (Stephen McHattie) nach über dreißig Jahren gegenüber, in diesem sehr abgelegenen und schönen Haus an der Küste…

 

B- (Wertung von A bis F) „Come to Daddy“ ist das Regiedebüt des neuseeländischen Filmproduzenten Ant Timpson („The ABCs of Death“, „Housebound“, „The Greasy Strangler“).

Zunächst lässt sich der Film schwer in ein Genre allein pressen. Am Anfang mehr ein Zwei-Personen-Stück als Tragikomödie, irgendwann überschlagen sich die Ereignisse, dann geht es in Richtung Thriller und aufgrund seiner völlig überraschenden Brutalität findet der Film sogar im Horror-Genre ein Zuhause. Die Handlung war für mich nicht vorhersehbar. 

Vielleicht meiner Müdigkeit geschuldet, am Ende war ich mir nicht sicher, ob ich den Film cool oder überhaupt nicht gelungen fand – es war wohl irgendetwas dazwischen. Der Film kann leider nicht das halten, was er am Anfang verspricht. Gerade zu Beginn kann „Come to Daddy“ nämlich mit ein paar brillanten Szenen aufwarten (insbesondere ist eine, in der es um Elton John ging, haften geblieben). Die (witzigen) Dialoge mögen das beste im Film sein, auch konnten mich die Performances, insbesondere von dem tollen Stephen McHattie („A History of Violence“, Pontypool), aber sogar von Elijah Wood (auch wenn seine augenfeindliche Hipster-Frise etwas zu sehr ablenkt) überzeugen.

„Come to Daddy“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2019 gezeigt. Dort lief der Film in der Sektion Midnight. Ich habe den Film auf diesem Filmfestival gesehen. Es war das 1. Screening des Films und die Produzenten, der Regisseur, die Hauptdarsteller (Elijah Wood und Stephen McHattie) und ein Teil der Crew waren anwesend und haben sich nach dem Film einem Interview und den Fragen des Publikums gestellt. Der Film hat bislang weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleih gefunden. 

Eine kurze Szene aus dem Film:

 

 

Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" Filmemacher Ant Timpson und Teil der Besetzung und Crew in der anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: „Come to Daddy“ Filmemacher Ant Timpson und Teil der Besetzung und Crew in der anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" Filmemacher Ant Timpson im anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: „Come to Daddy“ Filmemacher Ant Timpson im anschließenden Q & A
Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" die beiden Schauspieler Elijah Wood, Stephen McHattie (v. r.)
Tribeca Film Festival 2019, Film: „Come to Daddy“ die beiden Schauspieler Elijah Wood, Stephen McHattie (v. r.)

Tribeca Film Festival 2019, Film: "Come to Daddy" die beiden Schauspieler Elijah Wood, Stephen McHattie (v. r.)

 

NYC – Film: „To Dust“

Ich war am 28.04.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„To Dust“  90 min  drama, comedy

dir. Shawn Snyder  cast: Géza Röhrig, Matthew Broderick, Leo Heler, Sammy Voit 

 

Nachdem der strenggläubige Jude Shmuel (Géza Röhrig) seine geliebte Frau an den Krebs verlor, ist er untröstlich und leidet unter schrecklichen Albträumen. Shmuel möchte verstehen, was jetzt mit den sterblichen Überresten seiner großen Liebe geschieht. In seiner ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde bekommt er dazu keine brauchbare Erklärung. Auch wenn es gegen sämtliche religiöse Regeln verstösst, sucht Shmuel schließlich eine Antwort in der normalen Welt und landet irgendwann bei dem Biologie-Professor Albert (Matthew Broderick). Nach einigem Hin und Her starten die beiden ein Experiment…

 

B+ (Wertung von A bis F) „To Dust“ ist das Spielfilmdebüt des amerikanischen Sängers, Songwriters, Autors und Filmemachers Shawn Snyder („Lulu“, „Festus“).

Ich wusste nicht wirklich worauf ich mich bei diesem Film einlasse. Ich liebe aber den jüdischen Humor und die Inhaltsangabe zu diesem Film las sich entsprechend. Bei einem Filmfestival, insbesondere bei Weltpremieren, weiß man nie, was man am Ende bekommt. „To Dust“ ist eine Indie-Perle, etwas was ich immer hoffe, auf einem Filmfestival zu entdecken. Auch wenn der Film ein paar kleinere Längen hat, besticht er durch seine Situationskomik. Tragik und Komik liegen oft nah beieinander, bei „To Dust“ trifft Religion auf Wissenschaft. Shawn Snyder findet den richtigen Ton, der oftmals an den der Coen Bros. erinnert. Einige Male musste ich sogar lauthals lachen. An dem Tag meines Screenings (ein Tag vor Ende des Filmfestivals) wurde bekanntgegeben, dass dieser Film den Publikumspreis des TFF 2018 gewonnen hat. Auch das ist mir bisher noch nicht gelungen, im Vorfeld, den späteren Publikumsliebling auszuwählen.

Sowohl Matthew Broderick als auch der ungarische Schauspieler Géza Röhrig („Son of Saul“) sind perfekt besetzt. 

„To Dust“ ist Lydia Snyder, der verstorbenen Mutter des Regisseurs gewidmet. In dem, an mein Screening anschließenden, Q & A erzählte der Regisseur dass er (zusammen mit seinem Co-Autor Jason Begue) das Drehbuch zu dem Film geschrieben hat, nachdem seine Mutter verstarb und er in tiefer Trauer war. Das Q & A entwickelte sich daraufhin zu einem sehr emotionalen. Drei Zuschauer schilderten, wie sehr sie dieser Film bewegt hat, weil auch ihre Mutter erst kürzlich verstorben ist. Die Zuschauer waren tränenaufgelöst und auch der Regisseur rang schließlich um Fassung. In dem Q & A erzählte Shawn Snyder auch von dem glücklichen Umstand, dass die Schauspielerin Emily Mortimer sein Drehbuch zu lesen bekam, ihn kurz darauf kontaktierte und ihm mitteilte, dass sie und ihr Ehemann, der Schauspieler Alessandro Nivola, dieses Projekt unbedingt produzieren wollten.

„To Dust“ wurde erstmalig auf dem Tribeca Film Festival 2018 gezeigt. Dort hat der Film den Preis in der Kategorie Regie (Erstlingswerk: Spielfilm) und den Publikumspreis (Kategorie: Spielfilm) gewonnen. Der Film hat bislang weder einen amerikanischen noch einen deutschen Filmverleih gefunden. Ich habe den Film auf dem Tribeca Filmfestival gesehen. Update: „To Dust“ ist am 8.2.19 in einem amerikanischen Kino gestartet. 

Ausschnitt zu sehen:

 

Tribeca Film Festival

Das Tribeca Film Festival wurde nach dem 11. September 2001 von u.a. Robert De Niro ins Leben gerufen. Der New Yorker Robert De Niro besitzt in TriBeCa (Triangle below Canal Street) ein Hotel und Restaurants, auch seine Produktionsfirma ist dort ansässig. Durch das Filmfestival (samt Filminstitut und Filmcenter) wollte er nach den Terroranschlägen seinen Beitrag leisten, Manhattan – insbesondere Lower Manhattan, wieder in ein positives Licht zu rücken und für Investitionen, insbesondere im Filmbereich, werben. Im Jahr 2018 feierte das TFF bereits seinen 17. Jahrestag.

 

Q & A zu „To Dust“ mit dem ungarischen Hauptdarsteller Géza Röhrig, dem Autor und Filmemacher Shawn Snyder und dem Co-Autor Jason Begue (v. r.) auf dem Tribeca Film Festival 2018