TV-Serie – „The Plot Against America“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Miniserie angeschaut:

 

„The Plot Against America“ (in D. seit dem 17.03.20 auf Sky zu sehen) 6 x approx. 60 min  drama, alternate history, adaptation

dir. Minkie Spiro, Thomas Schlamme   cast: Zoe Kazan, Morgan Spector, Caleb Malis, Anthony Boyle, David Krumholtz, Azhy Robertson, John Turturro, Winona Ryder, Michael Kostroff, Ben Cole, Ed Moran 

 

Im Juni 1940. In Europa herrscht Krieg. Der Nationalheld Charles Lindbergh (Ben Cole) plant, gegen den amtierenden Präsidenten Franklin D. Roosevelt bei der US-Präsidentschaftswahl im November anzutreten. Lindbergh macht Stimmung gegen die Briten, Juden und die derzeitige Regierung und verspricht der amerikanischen Bevölkerung, sich aus dem Krieg in Europa rauszuhalten. In Weequahic, New Jersey lebt der jüdische Versicherungsvertreter Herman Levin (Morgan Spector) mit seiner Frau Bess (Zoe Kazan), dem 15-jährigen Sohn Sandy (Caleb Malis), dem 10-jährigen Sohn Philip (Azhy Robertson) und seinem Neffen Alvin (Anthony Boyle). Das Ehepaar Levin registriert langsam die Veränderungen im eigenen Land. Bess´Schwester Evelyn (Winona Ryder) macht sich derweil Sorgen, nie einen Mann zum Heiraten zu finden, dann trifft sie aber auf den verwitweten Rabbiner Lionel Bengelsdorf (John Turturro), der jüdische Geistliche unterstützt Charles Lindbergh bei seiner Präsidentschaftskampagne…

 

B+ (Wertung von A bis F) Der Mehrteiler „The Plot Against America“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Romanautors Philip Roth („American Pastoral“, „The Human Stain“, „Indignation“). Philip Roths Buch stammt aus dem Jahr 2004, die jetzige Verfilmung aus dem Jahr 2020 weist aber sicher durchaus gewollt Parallelen zur letzten US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 auf. Serienschöpfer sind die amerikanischen Autoren und Produzenten David Simon und Ed Burns (TV-Serien „The Wire“, „Generation Kill“). Bei den ersten drei Episoden führte die englische TV-Regisseurin Minkie Spiro (TV-Serien: „Downton Abbey“, „Better Call Saul“, Fosse/Verdon) Regie, bei den letzten drei Episoden der amerikanische TV-Produzent und Regisseur Thomas Schlamme („Sports Night“, „The West Wing“).

Wie bereits die TV-Serie The Man in the High Castle gehört auch „The Plot Against America“ dem Genre der Alternativweltgeschichte an. 

Charles Lindbergh war tatsächlich gegen eine Beteiligung der USA am Zweiten Weltkrieg. Er war der bekannteste Sprecher des America First Committee, das u.a. von dem späteren US-Präsidenten Gerald Ford gegründet wurde. Er war offenbar nicht nur ein „American Firster“, sondern auch ein Antisemit und galt als Hitler-Unterstützer. Nachdem seine Gesinnung in einigen seiner Reden deutlich wurde, war seine politische Karriere am Ende. Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 1940 wurde Franklin D. Roosevelt zum dritten Mal im Amt bestätigt. Die Familie Levin in diesem Mehrteiler ähnelt der des Romanautors mit „Philip“ als jungen Philip Roth. In seiner Romanvorlage heißt die Familie tatsächlich auch Roth und die Geschichte über eine fiktive Kindheit in New Jersey wird in der Ich-Form erzählt. Soviel zu den Fakten. Fiktion und Wirklichkeit überschneiden sich aber hier.

Was wäre, wenn der amerikanische Flieger- und Nationalheld sich zur US-Präsidentschaftswahl aufgestellt und von der republikanischen Partei auch nominiert worden wäre? Hätte nicht jeder amerikanische Wähler durchschaut, was für ein Populist Charles Lindbergh ist, was für faschistische und antisemitische Züge er hat und ihn entsprechend nicht zum Präsidenten im Jahr 1940 gewählt? Lindbergh begeisterte hier aber die Bevölkerung mit seiner America-First-Politik und damit, dass er sich gegen eine amerikanische Kriegsbeteiligung aussprach. Einige Zweifel konnte er zusätzlich ausräumen, als den etwas unbedarfte Rabbiner Lionel Bengelsdorf als Unterstützer gewinnen konnte. Was wäre, wenn Charles Lindbergh nun tatsächlich im November 1940 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden wäre? Damit beschäftigt sich dieser Mehrteiler.

Die gesellschaftlichen Veränderungen vor und nach seiner Wahl erlebt man hier aus Sicht der jüdisch-amerikanischen Familie Levin und ihrem Umfeld in Weequahic, New Jersey. Die antisemitischen/rassistischen Strömungen im Land sind nicht gleich für jedermann erkennbar und auch für die Familie Levin nicht gleich bedrohlich, aber immer mehr sicht- und greifbar. Selbst in der Familie Levin gibt es unterschiedliche Meinungen. Während das Ehepaar Herman und Bess Levin (gespielt von Morgan Spector und Zoe Kazan) äußerst beunruhigt die Geschehnisse verfolgt, bewundert ihr 15-jährige Sohn Sandy (gespielt von Caleb Malis) Charles Lindbergh, die ältere Schwester von Bess, Evelyn (gespielt von Winona Ryder) verliebt sich in den Rabbiner und Lindbergh-Unterstützer Lionel Bengelsdorf (gespielt von John Turturro) und Hermans Neffe Alvin (gespielt von Anthony Boyle) will gegen die Nazis in Europa kämpfen. Da die Vereinigten Staaten nicht am Krieg beteiligt sind, geht er nach Kanada und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. 

„The Plot Against America“ spielt in der Zeit von Juni 1940 bis zum 3. November 1942. Diese alternative Weltgeschichte beschäftigt sich in dieser Zeit mit der Gefahr, die von Populisten ausgeht. Im Gegensatz zu Deutschland leben die Amerikaner in einer Demokratie. Man sieht, wie schnell sich Hass verbreiten kann und man ohne eigenes Zutun plötzlich zu den Anderen gehören kann und in seinem eigenen Land nicht mehr sicher ist. 

Ich fand „The Plot Against America“ anfangs recht schwerfällig, im Ganzen ist dieser Mehrteiler aber sehr gelungen. Für die Erzählung hat man sich hier einfach nur die Zeit genommen, die sie brauchte. Die tatsächliche Gefahr offenbart sich nur langsam, aber die Bedrohung frisst sich immer mehr ins Bewusstsein. 

Das komplette Szenenbild ist sehr hochwertig und führt einen unweigerlich in die damalige Zeit. Die Ausstattung, die Kostüme, die Autos, das Kino, in der sich die Amerikaner ein Mal die Woche über die neuesten Nachrichten in den Vereinigten Staaten bzw. dem Rest der Welt (mit vielen Originalfilmaufnahmen) informieren – das wirkt schon sehr authentisch. 

Meine Lieblingsepisode: keine

Meine Lieblingscharaktere: Seldon, der Nachbarjunge der Levins. Er ist im gleichen Alter wie der 10-jährige Philip Levin. So gerne würde Seldon Philips bester Freund sein, der putzige Junge wirkt immer etwas einsam und traurig. Gespielt wird Seldon von dem amerikanischen Schauspieler Jacob Laval. 

Seldon ist aber nur ein Nebencharakter, von den Leitcharakteren ist Bess Levin mein Lieblingscharakter (gespielt wird Bess von der amerikanischen Schauspielerin Zoe Kazan), ihren Charakter habe ich weiter unten vorgestellt. 

Mein Hassfigur des Mehrteiler: da gibts natürlich viele, aber von den Hauptcharakteren kann ich Evelyn am wenigsten ertragen. Gespielt wird sie von Winona Ryder, bei der es sich leider in der letzten Episode gezeigt hat, dass sie schauspielerisch mit der Rolle überfordert ist.

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Herman Levin ist Versicherungsvertreter und Familienvater. Er ist Jude, ohne dass der Glaube und die Religion einen großen Platz in seinem Leben einnimmt. Verheiratet ist er mit Bess (gespielt von Zoe Kazan). Die beiden haben mit Sandy und Philip (gespielt von Caleb Malis und Azhy Robertson) zwei Söhne. Herman kann Ungerechtigkeiten nicht ertragen, ist sehr stolz und mutig und wird damit seine Familie noch in Gefahr bringen. Gespielt wird Herman von dem amerikanischen Schauspieler Morgan Spector. Er hat in einigen Independentfilmen (u.a. The Drop, Chuck, A Vigilante) und auch einigen TV-Serien (u.a. „Person of Interest“, „Boardwalk Empire“, 7. Staffel von Homeland) mitgespielt. 

Elizabeth „Bess“ Levin ist Hausfrau und mit Herman (gespielt von Morgan Spector) verheiratet. Sie haben zwei Söhne, den Teenager Sandy (gespielt von Caleb Malis) und den 10-jährigen Philip (gespielt von Azhy Robertson). Auch hat sie mit Evelyn (gespielt von Winona Ryder) eine ältere Schwester. Weiter oben habe ich es bereits geschrieben, dass Bess mein Lieblingscharakter dieses Mehrteilers ist. Sie ist vernünftig, trifft richtige Entscheidungen, zeigt Herz und Stärke, was man gerade in der finalen Episode sieht. Gespielt wird Bess von der amerikanischen Schauspielerin und Drehbuchautorin Zoe Kazan. Eigentlich war ich kein großer Fan der Schauspielerin (Ruby Sparks, What If), hier hat sie mir aber ausgesprochen gut gefallen. Für ihre Performance in dem großartigen Mehrteiler Olive Kitteridge wurde sie für den Emmy nominiert. Zoe Kazan ist die Enkelin der griechisch-amerikanischen Regie-Legende Elia Kazan („A Streetcar Named Desire“, „On the Waterfront“, „East of Eden“) Außerdem hat sie mit einem meiner Lieblingsschauspieler, Paul Dano, ein Kind. 

Evelyn Finkel ist Bess´ältere Schwester. Sie kümmert sich um ihre Mutter. Evelyn macht sich Sorgen, keinen Mann mehr abzubekommen. Irgendwann lernt sie aber den Rabbiner Lionel Bengelsdorf (gespielt von John Turturro) kennen. Evelyn ist mein Hasscharakter dieses Mehrteilers. Gespielt wird Evelyn von der amerikanischen Schauspielerin Winona Ryder. Sie war Ende der 1980er und in den 1990er Jahren („Beetlejuice“, „Edward Scissorhands“, „Reality Bites“, „The Crucible“) ein großer Star. In den letzten Jahren war sie mehr in TV-Projekten, u.a. in „Stranger Things“ zu sehen. Für ihre Performance in  „The Age of Innocence“ und „Little Women“ wurde sie jeweils mit dem Oscar nominiert. 

Lionel Bengelsdorf ist Rabbiner und unterstützt Charles Lindbergh (gespielt von Ben Cole) bei seiner Präsidentschaftwahl. Ohne diesen, etwas unbedarften jüdischen Geistlichen wäre Lindbergh wohl nie U.S.-Präsident geworden.  Lionel ist Witwer und lernt irgendwann Evelyn Finkel (gespielt von Winona Ryder) kennen. Gespielt wird Lionel Bengelsdorf von dem amerikanischen Schauspieler, Autor und Filmemacher („Barton Fink“, „The Big Lebowski“, TV-Serie The Night Of) John Turturro. Für seine Performance in den TV-Serien „Monk“ und „The Night Of“ wurde er jeweils mit dem Emmy nominiert. 

„The Plot Against America“ wurde für einen Emmy nominiert (Outstanding Cinematography for a Limited Series or Movie)

„The Plot Against America“ wurde erstmalig vom 16.3.20 – 20.4.20 auf HBO ausgestrahlt. In Deutschland läuft die Miniserie seit dem 17.05.20  auf Sky, ab dem 20.05.20 dann auch in der deutschen Synchronfassung.

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

8 Gedanken zu “TV-Serie – „The Plot Against America“

  1. :)) ja Winona’chen. Ich mag sie ja, aber eine wirklich herausragende Schauspielerin ist sie wirklich nicht. In „Stranger Things“ fand ich sie auch oft überfordert, irgendwann habe ich mich an sie gewöhnt.
    Auch wenn sie nicht uninteressant klingt, werde ich wahrscheinlich hierfür niemals Zeit haben 🙂
    Zoe Kazan mag ich ja auch gerne.

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    • Nee, eine wirklich herausragende Schauspielerin ist Winona Ryder wirklich nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie früher besser war. Habe letztens „Reality Bites“ mal wieder gesehen, da fand ich sie ganz gut, die Rolle verlangte aber auch nicht viel von ihr. Vielleicht werde ich sogar mit Zoe Kazan langsam warm. :))

      Im Moment laufen wirklich viele interessante Serien. Ich gucke sogar momentan mehrere gleichzeitig. 🙂

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      • Zwangsweise gucke ich auch mehrer Sachen parallel, weil Westworld noch nicht ganz draußen ist. Gestern habe ich meine kostbare Nachtruhe mit War of the Worlds von FOX verbrannt. War mir etwas zu betroffen, aber gut, Schuld selber :))

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      • Ich weiß nicht, ob Westworld so mein Ding ist, auch wenn ich kürzlich eine Sci-Fi-Serie geschaut habe. War of the Worlds sagt mir nichts, fand den Film damals aber blöd. Vielleicht ist die Serie ja besser.

        Ich gucke eigentlich nur ungern mehrere Serien parallel. Noch weniger mag ich allerdings immer nur eine Folge zu gucken und dann eine ewig lange Woche warten zu müssen, bis die nächste Folge kommt.

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      • Ja klar das ist natürlich nicht ideal mehrere Serien auf einmal zu sehen, aber manchmal geht es nicht anders 🙂
        Ich mochte damals die Filme Westworld und Futureworld so gerne und die Serie macht echt das nonplusultra draus, kehrt die Thematik total auf den Kopf, aber sicher, man muss auch eine gewisse Affinität dazu haben und vor allem Dir Darsteller mögen.
        WotW von Fox ist eine Produktion von Canal+ und auch ganz typisch französisch. Ganz minimalistisch, mehr menschliche Dramen als Außerirdische und Effekte. Kann man sehen, aber mir wäre gestern mehr nach bunt gewesen :))

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      • Nee, ist wirklich nicht ideal mehrere Serien zu sehen, überfordert mich auch teilweise. Aber ich gucke die Serien, die mir gefallen, eh 2 x. Ich glaube Westworld und War of the Worlds ist nicht mein Ding, erstere bin ich zu spät und müsste zu viel nachholen und zweitere schon nicht, weil sie französisch ist. :))

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  2. Eigentlich müsste ich mich für solche alternativgeschichtlichen Sachen interessieren, aber so ganz reißt es mich dann doch nicht (genauso wie bei The Man in the High Castle).

    Man erschreckt, wenn man erfährt, wer alles zunächst Nazisympatisant war. Da waren noch andere große Namen neben Lindbergh dabei, Henry Ford ist da auch so ein Beispiel.

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