Golden Globe-Gewinner 2021


Da ich einen frühen Shuttle-Flug am Montag (01.03.21) hatte, konnte ich mir die erste Golden Globe-Verleihung seit der Corona-Pandemie nicht live anschauen. Morgens habe ich mich aber natürlich gleich über die Gewinner informiert und dachte hinsichtlich der Oscars: Danke für Nichts HFPA.

Ein paar Tage vor der Verleihung der diesjährigen Golden Globes hat die L.A. Times in einem Artikel die HFPA ins Visier genommen. Der HFPA wird darin u.a. vorgeworfen, dass sich die Juroren haben bestechen lassen. Der Vorwurf, dass die HFPA käuflich ist, gibt es mindestens seit 1981 mit dem Pia Zadora-Skandal. Seither gelangen immer wieder Käuflichkeitsgerüchte an die Öffentlichkeit. Ein Grund dafür ist sicher auch der manchmal seltsam wirkende Geschmack der HFPA bei den Nominierungen/bzw. Auszeichnungen. Erst vor ein paar Jahren wurde bekannt, dass sie sich von den verbliebenden Mitgliedern der Band Queen haben pampern lassen, was vielleicht nicht nur in der Nominierung, sondern dann auch in der Auszeichnung von „Bohemian Rhapsody“ (als – darauf muss man erst mal kommen – Bestes Drama) resultierte. Innerhalb der Filmbranche wird sich seit Jahrzehnten über den Verband lustig gemacht und selbst der fünfmalige Gastgeber der Globe-Verleihung, Ricky Gervais, hat in seiner Moderation der Show die HFPA dahingehend verspottet. Dieses Jahr geht es um die Netflix-Serie „Emily in Paris“, die mit zwei Golden Globe-Nominierungen bedacht wurden. Die L.A. Times hat aufgedeckt, dass die Produzenten der Serie mehr als 30 Mitglieder der HFPA zu einem Set-Besuch inklusive Übernachtungen in einem Luxushotel nach Paris eingeladen haben. Gewundert hat man sich, dass die exzellente und relevante HBO-Serie „I May Destroy You“ nicht für GGs nominiert wurde. 

Zurück zur Golden Globe-Verleihung 2021. Leider hatte ich in der Zwischenzeit auch keine Zeit, die gesamte Show zu sehen. Ich habe mir aber die Eröffnungsrede von Tiny Fey und Amy Poehler und die Dankesreden der – für mich – wichtigsten Gewinner angeschaut.   

Die Gewinner der Golden Globes 2021: 

Bester Nebendarsteller: Daniel Kaluuya (Judas and the Black Messiah)

Beste Nebendarstellerin: Jodie Foster (The Mauritanien)

Bester Hauptdarsteller Comedy/Musical: Sacha Baron Cohen (Borat Subsequent Moviefilm)

Beste Hauptdarstellerin Comedy/Musical: Rosamund Pike (I Care a Lot) 

Beste Comedy/Musical: Borat Subsequent Moviefilm

Bester Hauptdarsteller Drama: Chadwick Boseman (Ma Rainey´s Black Bottom)

Beste Hauptdarstellerin Drama: Andra Day (The United States vs Billie Holiday) 

Beste Regie: Chloé Zhao (Nomadland)

Bestes Drama: Nomadland

Tiny Fey (aus New York) und Amy Poehler (aus L.A.) sind vor einem kleinen Live-Publikum bestehend aus medizinischem Personal und Vertretern aus anderen systemrelevanten Berufen aufgetreten. Die Laudatoren waren auch alle im Saal, die Nominierten wurden dann via Zoom zugeschaltet. Die Eröffnungsrede war langweilig, Ricky Gervais hätte die seltsame Situation der hauptsächlich virtuellen Show sicher besser gelöst. 

Als erstes kam die Gewinnerin aus dem letzten Jahr, Laura Dern, auf die Bühne und „überreichte“ virtuell Daniel Kaluuya (Judas and the Black Messiah) den Golden Globe in der Kategorie Bester Nebendarsteller. Für den GG mit ihm sind Sacha Baron Cohen (The Trial of the Chicago 7), Jared Leto (The Little Things), Bill Murray (On the Rocks) und Leslie Odom Jr. (One Night in Miami) nominiert. Daniel Kaluuya wurde dann von seinem Zuhause zugeschaltet, redete, leider gab es ein Tonproblem und somit konnte erst mal keiner seine Dankesrede hören. Später hat es dann doch noch geklappt. Dieses Zoom-Meeting wirkte schon recht amateurhaft. 

Jodie Foster (The Mauritanian) und der Rest der Welt, der sich für Filmpreisverleihungen interessiert, war überrascht, dass sie den Golden Globe für Beste Nebendarstellerin gewann. Nominiert sind Glenn Close (Hillbilly Elegy), Olivia Colman (The Father), Amanda Seyfried (Mank) und die deutsche Kinderschauspielerin Helena Zengel (News of the World). Besonders Glenn Close und Helena Zengel sahen etwas bedröppelt aus. Jodie Foster saß mit ihrer Frau und ihrem süßen Hund auf der Couch und bedankte sich herzlich. 

In der Kategorie Bester Hauptdarsteller/Comedy/Musical sind Sacha Baron Cohen (Borat Subsequent Moviefilm), James Corden (The Prom), Lin-Manuel Miranda (für die Aufzeichnung des Broadway-Musicals Hamilton), Dev Patel (The Personal History of David Copperfield) und Andy Samberg (Palm Springs) nominiert. Sacha Baron Cohen gewann, der bedankte sich kurz, während seine Frau, die Schauspielerin Isla Fisher, die ganze Zeit kicherte. 

In der Kategorie Beste Hauptdarstellerin/Comedy/Musical sind Michelle Pfeiffer (French Exit), Kate Hudson (Music), Anya Taylor-Joy (Emma), Maria Bakalova (Borat Subsequent Moviefilm) und Rosamund Pike, die eine ziemlich klasse Performance in dem Netflix-Film „I Care a Lot“ gab, nominiert. Völlig überraschend hat sie gewonnen. Die meisten hatten hier sicherlich auf Maria Bakalova getippt. Cool war die eingeblendete Großfamilie von Kate Hudson (inklusive Kurt Russell und Goldie Hawn). 

In der Kategorie Best Comedy/Musical sind nominiert: Borat Subsequent Moviefilm, Hamilton, Music, Palm Springs und The Prom. Relativ erwartbar gewann „Borat Subsequent Moviefilm“ und damit gewann Sacha Baron Cohen einen weiteren Globe an dem Abend. Er bedankte sich bei dem Comedy-Genie Rudy Giuliani. Die Szene mit dem ehemaligen Anwalt, des aus dem Amt gejagten U.S. Präsidenten Donald Trump ist für mich das beste in diesem ansonsten grausigem Film. Sacha Baron Cohen „versprach“ uns in seiner Dankesrede dann auch weitere Filme mit diesem Comedy-Talent Rudy Giuliani und bezog sich auf die für mich lustigsten Episoden der Zeit nach der U.S.-Wahl, in die Giuliani involviert war (Four Season Landscaping, als ihm vor lauter Schwitzen seine Haarfarbe die Schläfen runterlief und als er aus unerwartet im Gerichtssaal pupste). Da fehlte nur noch die lallende „Star“-Zeugin, die Rudy und irgendwann präsentierte. Was habe ich gelacht. 

Renee Zellweger war dann die Laudatorin für die Kategorie Bester Hauptdarsteller/ Drama. Nominiert sind Anthony Hopkins (The Father), Riz Ahmed (Sound of Metal), Gary Oldman (Mank), Tahar Rahim (The Mauritanian) und posthum natürlich Chadwick Boseman (Ma Rainey´s Black Bottom). Der Preis ging – und das war keine Überraschung – an Chadwick Boseman. Dem Oscar steht scheinbar nichts mehr im Weg. Chadwick Bosemans sehr aufgewühlte Witwe hielt die Dankesrede.

Beste Hauptdarstellerin/Drama: Nominiert sind Viola Davis (Ma Rainey´s Black Bottom), Frances McDormand (Nomadland), Carey Mulligan (Promising Young Woman), Vanessa Kirby (Pieces of a Woman) und Andra Day (The United States vs Billie Holiday). Andra Day gewinnt. Häh? Sie hat sichtlich damit auch nicht gerechnet. 

Beste Regie. Die Nominierten sind drei Frauen Chloé Zhao (Nomadland), Emerald Fennell (Promising Young Woman), Regina King (One Night in Miami) und zwei Männer: David Fincher (Mank) und Aaron Sorkin (The Trial of the Chicago 7). Aaron Sorkin war siegessicher und hatte offensichtlich seine Crew dabei. Alle anderen saßen entweder allein oder mit ihrem Partner. Gewonnen hat die Favoritin auf den Oscar: Chloé Zhao. 

Die letzte Kategorie ist Bestes Drama. Nominiert sind Promising Young Woman, Mank, The Trial of the Chicago 7, The Father und Nomadland. Der große Favorit des Abends war sicherlich The Trial of the Chicago 7, der Preis ging aber an den Film, der so ziemlich alle Filmkritikerpreise abgeräumt hat und auch einer meiner Lieblingsfilme ist: Nomadland

Zur gesamten Golden Globe-Show kann ich natürlich nichts sagen, die Ausschnitte, die ich gesehen habe, haben mir aber gereicht. Schade, die Globes habe ich eigentlich immer gerne gesehen, aber ohne aufgebrezelte Stars, die im Publikum immer wieder eingeblendet werden und live auf der Bühne stehenden Gewinnern ist das nichts. Die Veranstalter der Emmys haben das besser gelöst, wenn ein Komitee vor der Tür der jeweiligen Nominierten stand. Wenn der Gewinner feststand wurde der Emmy überreicht, bei den „Verlierern“ sind sie dann davongebraust. Ist aber wahrscheinlich auch nicht so leicht darstellbar, insbesondere, wenn nicht alle in Los Angeles sind. Bitte Steven Soderbergh lass Dir was für die Oscars einfallen.  

Was bedeutet das für die Oscars?

Offiziell ist „Nomadland“ jetzt der gesetzte Favorit auf den Oscar-Gewinn in der Kategorie Bester Film. Dahingehend hätte ich mir gewünscht, dass „The Trial of the Chicago 7“ den Globe gewonnen hätte. Es ist nie gut der Favorit zu sein, jetzt beginnen die Attacken auf den Film und die Erwartungshaltung der Leute, die den Film noch nicht kennen, wird immens sein. Wenn man ein Rennen in der Oscar-Saison definieren will, ist das sicherlich momentan „Nomadland“ gegen „Trial of the Chicago 7“. 

Chloe Zhao ist seit längerem die Favoritin in der Kategorie Beste Regie und wird wahrscheinlich den Oscar gewinnen.

Chadwick Boseman ist natürlich der Favorit auf den Oscar.  

Bei den Schauspielern hat sich mit Ausnahme von Chadwick Boseman kein Favorit herauskristallisiert. Carey Mulligan, Viola Davis, Frances McDormand, Glenn Close, Amanda Seyfried, Maria Bakalova – keiner der möglichen Favoriten hat einen Globe gewonnen. Bei Daniel Kaluuyas kann ich mir vorstellen, dass das nicht sein letzter Preis in dieser Filmpreis-Saisson war.

Alle Gewinner:

https://www.goldenglobes.com/winners-nominees

Die Eröffnungsrede von Tina Fey und Amy Poehler:

5 Gedanken zu “Golden Globe-Gewinner 2021

  1. Pia Zadora hat einen Golden Globe gewonnen? Wieder was gelernt

    Tja, die machen ihren Ruf alle Ehre, wobei Miss Pike vollkommen verdient gewonnen hat. Jodie Foster war wohl so ein ach die finden wir toll und Glenn Close hat erst vor zwei Jahren einen Preis von uns bekommen. Kaluuya gehe ich jetzt mal von einem verdienen Preis aus.
    Sonst hätte ich gedacht, dass die eher auf Trial 7 gehen, was den Hauptpreis angeht und Borat, die hassen einfach Komödien, anders ist auch das nicht zu erklären.

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    • Klar, die Pike war super, aber es war bisher relativ ausgeschlossen, dass sie für diesen Film überhaupt für den Oscar nominiert wird. Hier wäre es vielleicht richtungsweisend gewesen, wenn Viola Davis, Frances McDormand oder Carey Mulligan gewonnen hätten. Oder bei Glenn Close hätte man ja den Weg noch mal ebnen können, dass sie endlich ihren ersten Oscar gewinnt…wenn auch für den falschen Film, aber das ist ja nicht ungewöhnlich. 😃

      Bei Daniel Kaluuya war das jetzt vielleicht ein gutes Zeichen, mal schauen, vielleicht gucke ich den Film heute. Mein Kumpel war richtig begeistert von seiner Performance.

      Ich hätte definitiv auf Chicago 7 als Bestes Drama gesetzt, auch, weil die Aaron Sorkin so mögen. Wie gesagt, gewünscht hätte ich mir als Gewinnerfilm einen anderen und Nomadland kommt dann mehr aus der Außenseiterecke (wie Moonlight) und holt sich den Oscar.

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      • Für die Oscars waren die Darstellerpreise bei den Damen äußerst nichtssagend, aber immerhin gibt es mal wieder ein echtes Rennen, zuletzt waren die Darstellerpreise ja oft klar vergeben worden.
        Kaluuya ist bestimmt sehr gut, kann mir kaum vorstellen, dass er nicht überzeugt.
        Nomadland ist spätestens jetzt in der Topfavoritenstellung, die in den letzten Jahren eher schädlich war. Aber wer soll denn sonst den Oscar holen? Chicago 7 wird den nicht holen, Mank auch nicht

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      • Die Globes haben noch nie viel bedeutet. The Trial of the Chicago 7 und Minari könnten den Oscar gewinnen, mal schauen, welcher Film innerhalb der Filmindustrie ausgezeichnet wird. Nomadland kann und wird wahrscheinlich von der Gilde der Regisseure ausgezeichnet, von den Schauspielern ist er nicht nominiert, Chicago 7 und Minari schon. Vielleicht bekommt aber auch der Außenseiter Promising Young Woman eine Chance.

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