Oscar-Gewinner 2017, meine November-Prognose


Heute ist der 30.11.16 und an dieser Stelle hätte ich gerne den Gastgeber der 89. Oscar-Verleihung verkündet, jedoch ist dieser immer noch nicht bekannt. Seitdem ich mich mit den Oscars beschäftige, kann ich mich nicht erinnern, dass AMPAS sich so lange Zeit gelassen hat, den Moderator der Oscar-Verleihung preiszugeben. Was ist der Hintergrund? Dazu kann ich nur spekulieren.

 

Kurz vor dem Ausgang des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes wurde bekanntgegeben, dass die Oscar-Show erstmalig von Michael De Luca und Jennifer Todd produziert wird. Michael De Lucca wurde als Produzent 3x für den Oscar nominiert („The Social Network“, „Moneyball“ und „Captain Phillips“). Jennifer Todd hat Filme wie „Memento“, „Alice in Wonderland“ und die „Austin Powers“-Filme produziert. Sie ist Präsidentin von Ben Afflecks und Matt Damons Produktionsfirma Pearl Street Films und erst die zweite Frau, der der Ehre zuteil wird, die Oscar-Show zu produzieren. Dann hat die U.S.A. einen neuen Präsidenten gewählt. Der Schock über Donald Trump als neu gewähltes Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika saß und sitzt bei der einen Hälfte der U.S.A., insbesondere im liberalen Hollywood, tief. AMPAS hat sicherlich einige potenzielle Oscar-Moderatoren in petto und steht derzeit offensichtlich noch in Verhandlungen. Vielleicht warten sie aber auch auf das Ergebnis der Neuauszählung der drei Swing States – ich weiß es nicht.

 
Wer soll also in solchen Zeiten die Oscars moderieren? Für mich gibt es drei Wunschkandidaten:

  1. der EMMY-Gewinner und Brite John Oliver (der das „gute Amerika“ – und mich – mit seiner HBO-Polit-Show “Last Week Tonight with John Oliver“ mit so viel Humor durch die unsägliche Zeit des Präsidentschaftswahlkampfes (und danach) geführt hat oder

  2. der Amerikaner Bill Maher (der auch immer da ist, wenn man ihn braucht, bekannt durch seine HBO-Polit-Show „Real Time with Bill Maher) oder

  3.  Barack Obama. Ja, gut hört sich erst mal etwas illusorisch an, aber: die Oscar-Verleihung ist DIE im TV übertragene (mit kleiner Zeitversetzung) LIVE-Prestige-Show und sie findet in den U.S.A. statt, wo kürzlich ein stets pöpelnder und eitler TV-Star ohne jegliche Politikerfahrung zum POTUS gewählt wurde – Nichts ist unmöglich. Hollywood liebt Barack Obama, Ende Februar ist er nicht mehr länger amtierender U.S. Präsident. Mittlerweile wurde bekannt, dass er und seine Familie nach seiner Amtszeit nach Kalifornien ziehen und so könnte er sich doch gebührend verabschieden. (Schließlich kam er auch noch Deutschland, um sich zu verabschieden). Ich bin sicher, dass er die richtigen Worte finden würde und für AMPAS würde das die höchsten Einschaltquoten aller Zeiten garantieren.

Also weiter warten, ich schätze, dass AMPAS in den nächsten Tagen ihren Oscar-Host verkündet. Update: Am 05.12.16 ist bekanntgegeben worden, dass ABCs Late Night Moderator Jimmy Kimmel der Gastgeber der 89. Academy Awards am 26.02.17 sein wird.

 

 

Zu meiner Oscar-Gewinner-Prognose:
In meiner September-Prognose hatte ich bereits geschrieben, dass der Ausgang der Präsidentschaftswahlen durchaus Auswirkungen auf die Oscars haben kann. Da ich etwas Vergleichbares noch nicht miterlebt habe, bin ich selbst gespannt.Der Schock über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen sitzt ähnlich tief wie nach dem 11. September 2001. Bei den darauffolgenden Oscars im Jahr 2002 wurde das Musical „Chicago“ als Bester Film ausgezeichnet. Zeichnet AMPAS einen Monat nachdem Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wurde dann auch einen leichten Film als besten Film des Jahres aus, bei dem man für 2 Stunden den Horror der Welt vergessen kann oder gewinnt – wie üblich – ein solides Drama mit vielleicht noch dazu einer politischen Botschaft? Vielleicht will AMPAS auch ein Zeichen setzen und ein Film über das Anderssein gewinnt gerade jetzt den Oscar? Es ist schwer, vorherzusagen – insbesondere so kurz nach der Wahl. So lange bleibe ich bei meiner September-Prognose, dem Eskapismus-Film „La La Land“.

 
In dem diesjährigen Oscar-Rennen gibt es eigentlich nur noch eine unbekannte Größe: Martin Scorseses „Silence“. Bevor der erste Trailer des Films im Internet zu sehen war, wurde er exklusiv vor Zemeckis „Allied“ gezeigt. Ich war, glaube ich, selten so aufgeregt, einen Trailer zu sehen. Martin Scorsese ist bei den Academy-Mitgliedern hochgeschätzt, den einzigen Scorsese-Film, den sie im letzten Jahrzehnt nicht als Besten Film nominiert haben, war „Shutter Island“. Vor ein paar Tagen gab es nun das erste Screening für das National Board of Review, gestern haben die ihre Bestenliste für 2016 veröffentlicht und „Silence“ ist unter den besten 10 Filmen gelandet. Die Tage erfolgen weitere Screenings aber nur für amerikanische Kritikergruppen, die demnächst ihre Bestenlisten herausbringen. Schließlich sollten die die Möglichkeit bekommen, Scorseses Film vorher noch zu sehen. Gestern feierte „Silence“ eine Art Weltpremiere vor rund 300 Priestern in Rom. Heute (30.11.16) soll der Film vor einem noch kleineren Kreis im Vatikan gezeigt werden. Wie jedes Jahr, wenn Martin Scorsese einen Film herausbringt, schafft er es tatsächlich noch gerade in der letzten Minute seinen Film fertigzustellen und zu zeigen. Morten Tyldums „Passenger“ ist der andere Film der noch nicht gezeigt wurde, es wird gemunkelt, dass er noch nicht ganz fertig ist. Ich denke aber dieser Sci-Fi-Film wird bei den Oscars eh nichts reißen, höchstens eine Oscar-Nominierung für Jennifer Lawrence. Die anderen Vielleicht-Oscar-Filme Patriots Day, Miss Sloane, Hidden Figures, Live By Night, The Founder wurden bereits gezeigt, aber stehen teilweise noch unter Embargo.

 

 

Denzel Washingtons „Fences“ wurde vor einiger Zeit erstmalig gezeigt. Der Film hat wohl das Potenzial als Oscar-Gewinner-Film und Denzel Washington hat tatsächlich Chancen, seinen dritten Oscar als Schauspieler zu gewinnen.

 

Viola Davis hat sich entschlossen, sich für ihre Performance in „Fences“ in der Kategorie Beste Nebendarstellerin aufstellen zu lassen. Sie hat die Rolle in dem gleichnamigen Theaterstück bereits gespielt und wurde dafür mit einem Tony als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Warum hat sie sich nun dazu entschlossen, es nicht auch in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin zu versuchen?

Für die Oscar-Saison und Filmpreisverleihungen müssen sich Produktion/Verleih und die Schauspieler entscheiden, in welcher Kategorie die Schauspieler jeweils aufgestellt werden sollen. Daran halten sich auch die Verantwortlichen, die für die Verleihung der amerikanischen Filmpreise zuständig sind. Wird also ein Schauspieler als Bester Nebendarsteller vorgeschlagen, vorausgesetzt seine Performance ist entsprechend preiswürdig, wird er bei den Kritikerpreisen, den Golden Globes, etc. als Bester Nebendarsteller nominiert. Bei den Oscars ist es anders, AMPAS entscheidet, ob sie die Performance als Hauptrolle oder als Nebenrolle sehen. Ein Beispiel: Harvey Weinstein hat im Jahr 2008/2009 eine Kampagne für Kate Winslet („The Reader“) geführt. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits 5 x für den Oscar nominiert. Harvey Weinstein wollte für sie jetzt endlich den Oscar nach Hause holen, sah aber ihre Chancen als Beste Nebendarstellerin größer. Er schlug sie als Beste Nebendarstellerin vor und sie gewann den Golden Globe und den SAG-Award als Beste Nebendarstellerin. AMPAS war das aber schnuppe und sie haben sie als Beste Hauptdarstellerin nominiert. Kate Winslet gewann ihren ersten Academy Award als Beste Hauptdarstellerin für „The Reader“.

 
So, zurück zu Viola Davis. Sie ist eine brillante Schauspielerin, die bereits einen Emmy und einen Tony gewonnen hat – sie gilt in der Branche schon lange als überfällig für den Oscar-Gewinn. Zwei Nominierungen hat sie (für Doubt und The Help). Ich habe seinerzeit gewettet, dass sie für „The Help“ gewinnt, AMPAS hat aber überraschend Meryl Streep mit ihrem 3. Academy Award ausgezeichnet. Viola Davis hatte seinerzeit darauf bestanden, eine Kampagne als Beste Hauptdarstellerin (und nicht Beste Nebendarstellerin) zu führen. Nun sieht diese Oscar-Saison (2016/2017) so aus, als wäre der Wettbewerb in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin am stärksten besetzt (üblicherweise ist es Bester Hauptdarsteller). Emma Stone, Natalie Portman und Annette Benning gelten als gesetzt und derzeit als aussichtsreichste Kandidaten auf den Oscar-Gewinn als beste Hauptdarstellerin. Viola Davis hat scheinbar eingesehen, dass sie wohl größere Chancen auf den Oscar-Gewinn in der Kategorie Beste Nebendarstellerin hat. Was den Film „Fences“ angeht, gilt sie – für die, die das Privileg hatten, den Film schon sehen zu dürfen – auch mehr als „supporting“ für Denzel Washingtons Rolle. Seitdem durchgedrungen ist, dass sie tatsächlich herausragend in „Fences“ ist, ist für mich klar, dass Viola Davis den Oscar als Beste Nebendarstellerin gewinnen wird. (Vorausgesetzt AMPAS behält sie in der Kategorie)

 

 

Von den Filmen, die in irgendeiner Kategorie für eine Oscar-Nominierung im Gespräch sind oder waren, habe ich folgende Filme gesehen – in der Reihenfolge, in der ich sie tatsächlich gesehen habe:

 
The LobsterHail, Caesar!, Indignation, Maggie´s Plan, Miles AheadLittle Men, The Witch, 10 Cloverfield Lane, ZootopiaEye in the Sky, Everybody Wants Some!!, Hello, My Name is Doris, Born to Be Blue, The Meddler, Life, Animated, Always Shine, A Bigger Splash, „Love & Friendship“, The BFGDe Palma, Finding Dory, O.J.: Made in America, Popstar: Never Stop Never Stopping, Tickled, Free State of Jones, Swiss Army Man, Toni ErdmannFrantz, Hell or High Water, Florence Foster JenkinsKubo and the Two Strings, Sausage Party, „Krisha“, The Light Between Oceans, „Sing Street“, „The Jungle Book“, SullySnowdenDeepwater Horizon13th, „Amanda Knox“, Denial, I, Daniel BlakeManchester by the SeaMoonlight, Paterson, „Weiner“, The Girl on the Train, The Birth of a Nation, Queen of Katwe, American Pastoral, Desierto, Certain Women, The Handmaiden, Arrival, Doctor Strange, The Eagle Huntress, „Blue Jay“, Nocturnal Animals, Loving, The Edge of Seventeen, Bleed for This, Allied, Rules Don´t Apply, Moana, Billy Lynn´s Long Halftime Walk, La La Land, Update: „Under the Shadow“, „Kate Plays Christine“, Miss Sloane, Jackie, Patriots Day, Fences, Lion, „Captain Fantastic“, Hidden Figures, SilenceLive by Night  (ein Update erfolgt regelmäßig)

 

 

Nachstehend habe ich die Filme, die Regisseure, die Schauspieler der Reihe nach gelistet, in der ich sie mir jetzt Ende November (30.11.16) am ehesten als Gewinner vorstellen kann. Seit September setze ich auf „La La Land“ als Oscar-Gewinner-Film. Nachdem ich ihn jetzt auch gesehen habe (steht für mich bis Anfang 2017 unter Embargo), bin ich sicher, dass „La La Land“ mit den meisten Oscar-Nominierungen ins Rennen gehen. Es werden, wie bereits in den Jahren zuvor, von der Academy 5 bis zu 10 Filme nominiert. Höchstwahrscheinlich werden mehr als 5 Filme nominiert, ich denke aber, dass nur noch fünf Filme, tatsächlich eine Chance auf den Oscar-Gewinn haben. Die Kategorie Bester Nebendarsteller ist die einzige Kategorie, die derzeit noch keine Richtung aufweist.

 

 

Bester Film
La La Land
Fences
Manchester by the Sea
Moonlight
Silence (kaum einer hat den Film bislang gesehen)

 

Bester Regisseur
Damien Chazelle (La La Land)
Denzel Washington (Fences)
Kenneth Lonergan (Manchester by the Sea)
Barry Jenkins (Moonlight)
Martin Scorsese (Silence) – kaum einer hat den Film bislang gesehen

 
Bester Hauptdarsteller

Denzel Washington (Fences)
Casey Affleck (Manchester by the Sea)

 

 

Beste Hauptdarstellerin

Emma Stone (La La Land)
Natalie Portman (Jackie)
Annette Bening (20th Century Women)
Isabelle Hupppert (Elle)

 

 

Bester Nebendarsteller

Michael Shannon (Nocturnal Animals) – eigentlich mehr mein persönlicher Favorit
Hugh Grant (Florence Foster Jenkins)
Mahershala Ali (Monlight)
Kevin Costner (Hidden Figures)
Adam Driver (Silence)
Jeff Bridges (Hell or High Water)
Dev Patel (Lion)
Ralph Fiennes (A Bigger Splash)
Aaron Eckhart (Bleed for This)

 
Beste Nebendarstellerin

Viola Davis (Fences) – in meinen Augen mittlerweile konkurrenzlos

 
Der perfekte Trailer zu dem Oscar-Gewinner-Film 2017?

 

 

 
und ein Trailer von „Fences“ mit meiner Favoritin auf den Oscar-Gewinn als Bester Nebendarstellerin:

 

 

Meine Helden:

 

John Olivers Reaktion auf den frisch gewählten Präsidenten Donald Trump:

 

 

Bill Mahers Reaktion auf den frisch gewählten Präsidenten Donald Trump:

 

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