TV-Serie: „Sharp Objects“


Ich habe mir folgenden HBO-Mehrteiler angeschaut:

 

„Sharp Objects“ (in D. seit dem 31.08.18 episodenweise über VOD-Portale zu sehen, ab dem 26.10.18 die komplette Miniserie)  8 x approx. 55 min  drama, crime 

dir. Jean-Marc Vallée  cast: Amy Adams, Patricia Clarkson, Chris Messina, Elizabeth Perkins, Eliza Scanlen, Miguel Sandoval

 

Camille Preaker (Amy Adams) lebt in St. Louis, Missouri. Sie arbeitet als Zeitungsreporterin und wurde erst kürzlich aus der Psychiatrie entlassen. Camille ist alkoholkrank und leidet unter einem suchtartigen Ritzverhalten. Der Grund dafür dürfte in ihrer Kindheit liegen. Jetzt kehrt sie erstmalig nach längerer Zeit in ihre Heimatstadt Wind Gap, Missouri zurück. Ihr Chefredakteur (Miguel Sandoval) hat sie beauftragt, eine Story über einen Mordfall in ihrer alten Heimat zu schreiben. Im letzten Sommer wurde in der Kleinstadt ein 13-jähriges Mädchen getötet. Jetzt wird eine 14-Jährige vermisst. Camille hat den Auftrag nur widerwillig angenommen. Zu ihrer Mutter Adora (Patricia Clarkson), einer wohlhabenden Unternehmerin in dem Kaff, hat sie nicht gerade ein herzliches Verhältnis. Dafür bekommt sie jedoch die Gelegenheit, ihre 13-jährige Halbschwester Amma (Eliza Scanlen) näher kennenzulernen… 

 

C+ (Wertung von A bis F) „Sharp Objects“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn („Gone Girl“). Dies war der Debütroman der Bestsellerautorin. Serienschöpferin ist die amerikanische Drehbuchautorin und Fernsehproduzentin Marti Noxon („Buffy the Vampire Slayer“, „UnREAL“). Bei allen Episoden dieses Mehrteiler hat der kanadische Filmemacher Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club, Wild, TV-Serie „Big Little Lies“) Regie geführt. 

 „Sharp Objects“ ist eine atmosphärische Südstaaten-Serie, bei der ich mir, aufgrund der Talente, die an diesem Projekt beteiligt sind, wesentlich mehr versprochen habe. 

Um eines gleich vorweg zu nehmen, hier war mir, im Gegensatz zu Gillian Flynns „Gone Girl“, die Romanvorlage nicht bekannt. Dieser achtteilige Mehrteiler wirkt gestreckt, stellenweise sehr zäh und lebt von Rückblenden. Die Geschichte hätte man auch in der Hälfte der Zeit erzählen können. „Sharp Objects“ würde ich als Charakterdrama definieren, bei dem die Mordermittlungen den Handlungsrahmen bilden. Ähnlich wie bei der Mini-Serie Patrick Melrose, die ich kürzlich sah, fehlt mir auch hier ein Sympathieträger. In diesem fiktiven Südstaaten-Kaff scheinen sich die Leute auch fürchterlich zu langweilen, mit ihrem Leben nicht klarzukommen und dann auf dumme Gedanken zu kommen. Durch die Bank sind alle Frauencharaktere mindestens psychisch angeschlagen, wenn nicht sogar krank, schlucken Hochprozentiges, nehmen Drogen und auch ist für die eine oder andere Lady aus Wind Gap das Thema Sex belastend kompliziert.

Manchmal wirkt das Gezeigte wie aus einem anderen Jahrzehnt. Vielleicht ist man schon übersensibilisiert, aber die schwarze Haushälterin die bei der wohlhabenden, weißen Dame in dem stattlichen Herrenhaus arbeitet, wirkt in der heutigen Zeit deplatziert. Dann in Episode 5 („Closer“) diese eigenartige Tradition des Calhoun Days, einem Südstaaten-Feiertag (der in der Realität nicht existiert) mit einem, für heutige Verhältnisse thematisch haarsträubenden Theaterstück im Zentrum. Aber auch sonst könnte der Mehrteiler manchmal in einem anderen Jahrzehnt angesiedelt sein, wenn man die drei Mädchen nimmt, die permanent auf Rollschuhen (nicht Rollerblades bzw. Inliners) fahren oder die, nicht nur anlässlich dieser seltsamen Feierlichkeit, manchmal aus der Zeit gefallenen Garderobe.

Es gibt natürlich bei jeder Serie immer etwas was einem gefällt. Hier konnte mich die Erzählung nicht wirklich überzeugen, dafür aber die atmosphärische Inszenierung. Ich hatte irgendwann förmlich das Gefühl, jeden Winkel dieses fiktiven Kaffs Wind Gap zu kennen, die Wärme zu spüren, den Whiskey zu riechen. Adoras herrschaftliches Anwesen entspricht ziemlich genau meiner Vorstellung von einer perfekten Südstaaten-Residenz. Als das Herrenhaus in den letzten beiden Episoden („Falling“ und „Milk“) auch noch traumhaft ausgeleuchtet wurde, verspürte ich direkt das Bedürfnis, meinen Koffer zu packen und durch die amerikanischen Südstaaten zu reisen. Auch wenn ich dabei dieses pittoreske, viktorianische Herrenhaus vergeblich suchen würde, steht es doch, so habe ich herausgefunden, in Redwood Valley, Kalifornien. Selbstverständlich mochte ich auch die Besetzung. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich enge Familienangehörige in Filmen und Serien optisch ähneln. Patricia Clarkson und Amy Adams und Eliza Scanlen könnten tatsächlich verwandt sein, auch passt Sophia Lillis als Teenager-Ausgabe von Amy Adams Charakter Camille perfekt. 

Im Verlauf der Geschichte gibt es einige Tatverdächtige, was die gänzliche Auflösung der Kriminalfälle angeht, muss man sich tatsächlich gedulden bis der Abspann der finalen Episode („Milk“) zu Ende ist. Und daraus könnte man dann natürlich weitere Geschichten spinnen.

Für die acht Episoden der Serie gibt es keine eigene Filmmusik, hier handelt es sich um einen diegetischen Soundtrack, Es gibt über 150 Musikstücke, die passend zu den Charakteren gewählt wurden. Es soll vermittelt werden, als hätten sie die Musik selbst ausgewählt und auf den CD-Playern, iPods, Plattenspielern, Kassettenrekordern, etc. abgespielt.

Lieblingsszene: keine spezielle, aber ich mochte alle Szenen zwischen Amy Adams Camille und Chris Messinas Detective Richard Willis, aber auch die Szenen mit Camille und John Keene (gespielt von Taylor John Smith) 

Lieblingsfolge: keine 

Für mich blieben am Ende ein paar Fragen offen (SPOILER-Warnung, auch wenn ich mich sehr vage halte: 

  • Camille ist auch auf dem Rücken geritzt, wie soll sie sich diese Verletzungen selbst beigebracht haben?
  • Wer ist Camilles Vater? (ihr Chefredakteur ist eine Art Vaterfigur und auch hier fehlt mir etwas Erklärung, wie sich das entwickelt hat) 
  • Was ist das eigentliche Motiv des Mörders (siehe hierzu unbedingt den Abspann der finalen Episode) 
  • Es gibt hier einen Mann (den ich nicht näher benennen möchte), der etwas wissen muss, aber was genau? Was genau spielt er für eine Rolle in den Kriminalfällen?

SPOILER-Warnung zu Ende

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Camille ist in Wind Gap geboren und aufgewachsen. Sie ist die Tochter von Adora (gespielt von Patricia Clarkson), Camilles Vater ist (dem Zuschauer) nicht bekannt. Sie hat mit Alan (gespielt von Henry Czerny) einen Stiefvater und mit Amma (gespielt von Eliza Scanlen) eine 13-jährige Halbschwester. Ihre andere jüngere Halbschwester, Marian, ist gestorben, als Camille selbst noch ein Teenager war. Camille leidet unter ihre kaltherzigen Mutter und hat kaum Kontakt zu ihr. Heute arbeitet Camille als Kriminalreporterin in St. Louis, ihr Chefredakteur schickt sie in ihre Heimatstadt, um einen Artikel über einen Mordfall an einer Teenagerin und das Verschwinden einer weiteren Teenagerin in Wind Gap zu schreiben. Camille ist alkoholkrank und ihr Körper ist übersäht von Narben, die sie sich durchs Ritzen selbst beigebracht hat. Der Grund für ihr Verhalten liegt in ihrer Kindheit. Sie war deswegen auch bereits in der Psychiatrie. Gespielt wird Camille von der wunderbaren amerikanischen Schauspielerin Amy Adams. Ihr Spielfilmdebüt gab die sympathische Schauspielerin im Jahr 1999 in dem Film „Drop Dead Gorgeous“. Allgemein bekannt wurde sie durch die Disney-Musical-RomCom „Enchanted“. Neulich habe ich sie erst wieder mal neben Leonardo DiCaprio in Spielbergs „Catch Me If You Can“ gesehen. Für „Junebug“, Doubt, The Fighter, The Master und American Hustle hat sie jeweils eine Oscar-Nominierung erhalten. Für ihre Performance in „Sharp Objects“ ist sie für eine Emmy-Nominierung im nächsten Jahr (2019) im Gespräch. 

Adora ist die Mutter von Camille (gespielt von Amy Adams). Die beiden haben kein gutes Verhältnis. Sie ist eine angesehene Unternehmerin in Wind Gap und sehr wohlhabend. Adora ist mit Alan (gespielt von Henry Czerny) verheiratet, sie haben zusammen die 13-Jährige Amma (gespielt von Eliza Scanlen) und auch die verstorbene Marian war ihre gemeinsame Tochter. Gespielt wird Adora von der amerikanischen Schauspielerin Patricia Clarkson. Ihr Spielfilmdebüt gab sie in Brian De Palmas „The Untouchables“. Seither hat sie in unzähligen Spielfilmen („The Green Mile“, „Far from Heaven“, „The Station Agent“, „Good Night, and Good Luck“) mitgespielt. Außerdem hat sie in einigen TV-Formaten („Murder One“, „Frasier“) mitgewirkt. Für ihre Performance in „Pieces of April“ wurde sie für den Oscar nominiert, einen Emmy hat sie für ihre Gastrolle in der TV-Serie „Six Feet Under“ gewonnen. Außerdem hat sie eine Tony-Nominierung für ihre Performance in dem Bühnenstück „The Elephant Man“ erhalten. 

Amma ist die 13-jährige Halbschwester von Camille (gespielt von Amy Adams) und Tochter von Adora (gespielt von Patricia Clarkson). Sie gibt ihrer Mutter gegenüber vor, die anständige, brave Tochter zu sein, kleidet und gibt sich jedoch außerhalb des Hauses ganz anders. Sie hängt ständig mit ihren beiden Freundinnen Kelsey und Jodes (gespielt von den Geschwistern Violet Brinson und April Brinson) rum, meist ist das Dreiergespann auf Rollschuhen unterwegs. Amma wird von der australischen Schauspielerin Eliza Scanlan gespielt. Sie hatte in einer australischen Soap Opera mitgespielt, „Sharp Objects“ ist aber ihr erster Auftritt in einer amerikanischen Produktion. 

Detective Richard Willis unterstützt den örtlichen Polizeichef von Wind Gap, Bill Vickery (gespielt von Matt Craven) bei der Aufklärung des Mordes an der 13-jährigen Teenagerin. Richard kommt aus Kansas City und von Camille (gespielt von Amy Adams) erhofft er sich paar Insider-Informationen über die Kleinstadt und ihre Bewohner. Richard ist für mich der einzige in der Serie mit dem man sich als Zuschauer irgendwo identifizieren kann. Gespielt wird Richard Willis von dem amerikanischen Schauspieler Chris Messina. Er ist aus zahlreichen TV-Serien („Six Feet Under“, „Damages“, „The Newsroom“und Filmen (Ruby Sparks, Argo, Live by Night) bekannt. Amy Adams und Chris Messina haben bereits in Julie & Julia miteinander vor der Kamera gestanden.

„Sharp Objects“ ist im Gespräch für einige Emmy-Nominierungen (allerdings – aufgrund der späten Ausstrahlung im Juli/August 2018 – erst für das kommende Jahr (2019), darunter Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actress in a Limited Series (Amy Adams), Outstanding Supporting Actress in a Limited Series (Patricia Clarkson, Eliza Scanlen) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Sharp Objects“ für 8 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actress in a Limited Series (Amy Adams), Supporting Actress in a Limited Series (Patricia Clarkson)  Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„Sharp Objects“ wurde v. 8.7.18 – 26.8.18 erstmalig auf HBO ausgestrahlt. In Deutschland wurde der Mehrteiler parallel zur US-Austrahlung bei Sky zur Verfügung gestellt. Seit dem 31.08.18 ist „Sharp Objects“ episodenweise und im Wochenrhythmus bei folgenden Anbietern als digitaler Download, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache, verfügbar: Amazon, Deutsche Telekom, Google Play, iTunes, Maxdome, Sony Playstation und Xbox. Die komplette Miniserie wird am 26. Oktober 2018 verfügbar sein.

Trailer zu sehen:

Vorspann zu sehen:

 

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