HBO-Films: „Coastal Elites“

Ich habe mir folgenden Film auf HBO angeschaut:

 

„Coastal Elites“   87 min   drama, satire 

dir. Jay Roach  cast: Bette Midler, Dan Levy, Issa Rae, Sarah Paulson, Kaitlyn Dever 

 

Im Jahr 2020 hören wir fünf amerikanischen Persönlichkeiten zu, die etwas zu der derzeit noch amtierenden U.S.-Administration, den unfassbaren Aussagen ihres Präsidenten, seinem Vize, eventuell weiteren vier qualvollen Jahren dieser Regierung und zu Corona zu sagen haben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Coastal Elites“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Jay Roach („Meet the Parents“, Dinner for Schmucks, The Campaign, Trumbo, Bombshell) 

„Coastal Elites“ ist der perfekte Film für den Moment, irgendwann im September 2020. Nicht mal zwei Monate vor der U.S.-Präsidentschaftswahl am 3.11.20 greift der Film die Wut über Donald Trump und seinen Klan auf, wie er sein Land, selbst Familien spaltet, die Angst vor einer möglichen Wiederwahl und dann ist da noch die Corona-Pandemie, die in den Vereinigten Staaten einfach nicht in den Griff bekommen wird.

„Coastal Elites“ erzählt am Ende sogar eine runde Geschichte. Der erste Monolog „Lock Her Up“ beginnt im Januar 2020, da sitzt die sehr aufgebrachte, pensionierte Lehrerin (Bette Midler) auf einer New Yorker Polizeistation. Sie wurde von einem Mann angezeigt und gibt ihre Aussage zu Protokoll. Sie erzählt und fängt natürlich irgendwann an, über Donald Trump und Ivanka zu schimpfen. Der zweite Monolog „Supergay“ findet bereits zwei Monate später, im März 2020, in Los Angeles statt. Es ist ein Zoom-Meeting, bei dem wir einem offen schwul lebenden Schauspieler (Dan Levy), der mit seinem Therapeuten redet, zuhören. Er erzählt von seinem Casting für den ersten schwulen Superheldenfilm, aber auch über den U.S.Vize-Präsidenten Mike Pence und seine Meinung zu Homosexuellen. Im Juni 2020 dann der dritte Monolog „A Blonde Cloud“. Eine sehr wohlhabende, junge Afroamerikanerin (Issa Rae) spricht via Zoom mit ihrer ehemaligen Mitschülerin. Beide kannten Ivanka Trump aus ihrem Elite-Internat. Die hübsche Afroamerikanerin erzählt von einem kürzlichen Wiedersehen mit der Trump-Tochter. Der vierte Monolog „Because I Have to Tell Someone“ führt uns zurück in den Mai 2020, eine Frau, (Sarah Paulson) gibt live Online-Meditation-Kurse und erzählt von ihrem letzten Treffen mit ihrer Trump-unterstützenden und Corona-leugnenden Familie in Wisconsin. Der letzte Monolog „President Miriam“ führt uns dann in den April 2020 zurück. Eine, aus Wyoming stammende und in einem New Yorker Krankenhaus arbeitenden, Krankenschwester (Kaitlyn Dever) erzählt an ihrem letzten Tag von ihrem Alltag in den letzten Wochen und einer ganz besonderen Begegnung. 

Am meisten liebe ich sicherlich Bette Midlers Schimpftirade. Diese jüdische New Yorker Lady ist greifbar, real und liebenswert, ich unterschreibe jedes Wort, das sie sagt und ihre Geschichte berührt am meisten. Aber alle anderen Monologe sind auch unbedingt hörens- und sehenswert. Alle fünf Schauspieler überzeugen auf der ganzen Linie. 

„Coastal Elites“ ist seit dem 12.09.20 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO zu sehen. 

Trailer zu sehen: 

Netflix – Film: „I´m Thinking of Ending Things“

Folgenden Film habe ich mir auf Netflix angeschaut:

 

„I´m Thinking of Ending Things“ (in D. seit dem 4.9.20 auf Netflix zu sehen)   134 min  drama, adaptation  

dir. Charlie Kaufman  cast: Jesse Plemons, Jessie Buckley, Toni Collette, David Thewlis, Guy Boyd

 

Eine junge Frau (Jessie Buckley) ist noch nicht lange mit ihrem Freund, Jake (Jesse Plemons), zusammen. Nun wird sie von ihm mit dem Auto abgeholt, das erste Kennenlernen mit seinen Eltern (Toni Collette und David Thewlis) steht an. Es ist kalt, schneit sogar, keine Menschenseele auf den Landstraßen, die zu der abgeschiedenen Farm seiner Eltern führen…

 

A (Wertung von A bis F) „I´m Thinking of Ending Things“ basiert auf Iain Reids gleichnamigen Roman. Es ist nach Synecdoche, New York und Anomalisa der dritte Film, bei dem das  amerikanische Drehbuchgenie („Being John Malkovich“, „Adaptation“, „Confession of a Dangerous Mind“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“), der Filmemacher, Produzent und seit Kurzem auch Romanautor Charlie Kaufman Regie führt. 

Kann man sich eigentlich in einen Trailer verlieben? Als ich diesen das erste Mal sah, hatte ich ein wohliges Gefühl, ein Gefühl von Verliebtheit verbunden mit der Hoffnung, vielleicht in diesem Film eine große Liebe zu finden. Eigentlich war ich von allen Filmen, bei denen Charlie Kaufman seine Finger im Spiel hatte, irgendwo begeistert. Auch dieser Film ist ein Geschenk. 

Auf den allerersten Blick geht es um eine junge Frau, die seit ein paar Wochen mit Jake zusammen ist. Der holt sie eines Tages ab, die beiden fahren zu seinen Eltern, das erste Kennenlernen steht an. Während der Autofahrt lauschen wir als Zuschauer ihren Gedanken. „I´m Thinking of Ending Things“ ist etwas, was ihr immer wieder durch den Kopf geht. Will sie ihre Beziehung mit Jake beenden? Jake scheint irgendwie manchmal sogar ihre Gedanken lesen zu können…und dann ist da noch der Hausmeister einer Schule… Das ist der Beginn dieses Film, viel mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Jedenfalls ist es ein typischer Charlie Kaufman-Film, ein Film mit Tiefgang, dessen Handlung und Sinn man auch nur langsam entschlüsseln kann. Ein Thriller oder gar Horrorfilm, wie der Trailer und einige Szenen vielleicht vermuten lassen, ist es nicht…jedenfalls nicht, wenn man das Rätsel für sich gelöst hat. Dann ist es ein Drama und zwar eines, das mir sehr nahe gegangen ist. 

Jesse Plemons, der mich optisch immer mehr an den von mir so verehrten und viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman erinnert, spielt hier die Hauptrolle. „Jake“ wäre eine dieser Rollen, die zuerst Schauspielgenie PSH angeboten worden wäre. Jesse Plemons ist aber ein guter Ersatz, ich mag ihn mittlerweile richtig gerne. Die beiden hatten für Paul Thomas Andersons The Master seinerzeit sogar, als Vater und Sohn besetzt, gemeinsam vor der Kamera gestanden.

SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER 

„I´m Thinking of Ending Things“ ist ein Film mit einem unzuverlässigen Erzähler. Auf den ersten Blick ist es die junge Frau, die einen an ihren Gedanken teilhaben lässt. Sie redet immer davon, etwas beenden zu wollen. Will sie ihre Beziehung mit Jake beenden? Nicht nur ein Mal errät Jake scheinbar die Gedanken seiner Freundin. In Wahrheit ist die junge Frau und Jake ein und dieselbe Person. Die Story (Erinnerungsfetzen durchsetzt mit Fantasie) spielt sich in Jakes Kopf ab. Der junge Jake ist im Jetzt der ältere (ehemalige) Hausmeister (der im Film auch immer wieder auftaucht). Er beschäftigt sich schon länger mit dem Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die junge Frau entspricht entweder gänzlich Jakes Fantasie, ist also so etwas wie die Idealvorstellung einer Freundin, die er gerne gehabt hätte oder eine bunte Mischung aus allen Freundinnen, mit denen er mal zusammen war.

Scheinbar hat es Jake nie aus dem Kaff, in dem er geboren und aufgewachsen ist, rausgeschafft. Wie wäre sein Leben verlaufen, wenn er einen anderen Weg eingeschlagen hätte, vielleicht in eine größere Stadt gezogen wäre? Er hat als Hausmeister an einer Schule gearbeitet, ein gutmütiger Mann, dennoch haben sich einige Schüler(innen) über ihn lustig gemacht, ihm vielleicht sogar Streiche gespielt. Das hat ihn damals verletzt und das tut ihm heute noch weh. Niemand hat sich mal die Mühe gemacht, hinter seine Fassade zu blicken, Interesse an ihm bekundet. In Jake steckt weit mehr als nur „Hausmeister“. Er malt beispielsweise, ist sehr belesen, liebt Filme, aber seine große Leidenschaft sind Musicals. „Oklahoma!“ ist sein Lieblingsmusical. Ein Musical dessen Handlung auf dem Land spielt und von einer unglücklichen Liebe handelt. Auch in Jakes Leben ist die Liebe ein schwieriges Thema. Es gab Frauen in seinem Leben, immer mal wieder. Waren es nur Schwärmereien, kurze Begegnungen oder hatte er auch Beziehungen mit diesen Frauen namens Lucy, Louisa, Yvonne, Lucia, Ames? Die richtige große und langanhaltende Liebe gab es offensichtlich nicht in seinem Leben. Jetzt im Alter ist er einsam, krank, vielleicht leidet er sogar an beginnender Demenz. Wenn er sein Leben Revue jetzt passieren lässt, vermischen sich seine Erinnerungen. Die Beziehung zu seinen, längst verstorbenen Eltern war auch keine einfache. Irgendwann, als sie älter wurden, waren sie pflegebedürftig, es deutet vieles daraufhin, dass sie dement waren. Jake hatte sich um sie gekümmert, seine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt – vielleicht auch etwas, was er bis heute nicht richtig verarbeitet hat. In der oberflächlich erzählten Geschichte besucht der junge Jake mit seiner neuen Freundin seine Eltern, diese sind in jeder Szene in einem anderen Alters- bzw. Pflegestadium. Jetzt hat Jake genug vom Leben und von all den schmerzhaften Erinnerungen. Seine Hoffnung auf ein besseres oder anderes Leben, auf eine Liebe im selbigen hatte er schon lange begraben. Der Film (und Buch-)Titel bezieht sich darauf, dass er darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen. Am Ende stirbt er, scheinbar noch bevor er Selbstmord begehen kann. Er erleidet einen (Herz-) Infarkt im Auto, vielleicht erfriert er aber auch…

SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE 

Zugegebenermassen verlangt dieser surreale Film dem Zuschauer viel ab. Um die Handlung richtig zu enträtseln, bleibt einem nichts anderes übrig, als mindestens eine weitere Sichtung des Films. Vielleicht ist es aber auch dann nur etwas für eingefleischte Charlie Kaufman-Fans. “I´m Thinking of Ending Things“  ist sehr philosophisch und voller Literatur-, Film- und Musical-Referenzen. Des Rätsels Lösung oder wenigstens einige Szenen lassen unterschiedliche Interpretationen zu. 

Fast zeitgleich ist dieser Film mit Christopher Nolans Tenet veröffentlicht worden. Beide Regisseure spielen in ihren Filmen mit der Zeit. Während „Tenet“ keine Emotionen bei mir hervorrufen konnte, ich ihn nach nur wenigen Tagen bereits vergessen hatte, beschäftigt mich Kaufmans Werk jetzt seit ein paar Tagen. Zwei Mal habe ich mir den Film bereits angeschaut. Gerne hätte ich ihn in einem dunklen, kühlen Kinosaal genossen. Leider blieb mir nichts anderes übrig, als ihn auf meinem Laptop – zwar an einem leicht schattigen Plätzchen, aber – unter der griechischen Sonne zu schauen. 

„I´m Thinking of Ending Things“ ist jetzt bereits festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem (Oscar) Jahr 2020. 

Dieser Netflix-Film ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Beste Hauptdarstellerin (Jessie Buckley), Bester Hauptdarsteller (Jesse Plemons), Bestes adaptiertes Drehbuch

„I´m Thinking of Ending Things“ ist am 28.08.20 in einigen ausgewählten US-amerikanischen Kinos gestartet. Aufgrund der Corona-Situation in den Vereinigten Staaten wurde der Film aber bereits eine Woche später auf Netflix zur Verfügung gestellt. Auch in Deutschland ist er seit dem 4.9.20 exklusiv auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

ungünstige Bedingungen für die Sichtung eines meiner neuen Lieblingsfilme "I´m Thinking of Ending Things"
ungünstige Bedingungen für die Sichtung eines meiner neuen Lieblingsfilme „I´m Thinking of Ending Things“

Berlin – Film: „Tenet“

Ich war am 26.08.20 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Tenet“ (dt. Kinostart war der 26.08.20)  151 min   action, sci-fi

dir. Christopher Nolan  cast: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Michael Caine, Kenneth Brannagh, Aaron Taylor-Johnson, Martin Donovan, Mélanie Laurent, Dimple Kapadia

 

Der Protagonist (John David Washington) hatte sich selbst unter Folter geweigert, seine CIA-Kollegen zu verraten. Dadurch hat er sich für eine Organisation namens Tenet empfohlen. Er soll nicht weniger als den Dritten Weltkrieg verhindern… 

 

C+ (Wertung von A bis F) „Tenet“ ist der elfte Film des britisch-amerikanischen Filmemachers Christopher Nolan („Memento“, The Dark Knight, Inception, Interstellar, Dunkirk). Christopher Nolan hat sieben Jahre an seinem Drehbuch zu diesem Film geschrieben.

So, nach etwas mehr als fünf Monaten mein erster Kinobesuch. Bislang gab es für mich keinen (neuen) Film, der mich auch nur annähernd gereizt hätte. Für „Tenet“ hatte ich mir aber vorgenommen ins Kino zu gehen, weil…ja warum eigentlich? Vielleicht weil ich „Tenet“ offiziell mit dem Startschuss für die Wiedereröffnung der Kinos nach der weltweiten Schließung selbiger aufgrund der Corona-Pandemie gleichsetze. Zum anderen sollte man Christopher Nolans Filme natürlich im Kino gesehen haben. 

Der Film hat einige ruhige Sequenzen, aber er beginnt erst mal mit Action. Und da wusste ich direkt, was ich die fünf Monate ohne Kino vermisst habe: diesen gewaltigen Sound. Damit offenbart sich dann aber auch gleich ein typisches Nolan-Problem, bei diesem Mördersound sind die Dialoge oftmals gar nicht zu verstehen. Ich bin froh, dass ich mich für die OmU-Fassung entschieden habe, ansonsten hätte ich von den, in Action eingebundenen Dialogen akustisch so gut wie gar nichts mitbekommen. 

Nach rund einer Stunde hatte ich aber bereits genug. Auch wenn meine Bewertung noch nach oben oder unten hätte korrigiert werden können, stand sie zu dem Zeitpunkt eigentlich bereits fest. Nach vielen eindrucksvollen (aber auch manchmal nicht so dollen) Szenen, Sequenzen und Kulissen ist mein Interesse an der Handlung und an dem (und den) Protagonisten irgendwann auf der Strecke geblieben. Es gab zwar noch das eine oder andere Highlight, aber die weite Strecke bis zum Ende war dann doch recht lang. 

Christopher Nolan beschäftigt sich in seinem, leider beinahe gänzlich humorlosen Agentenactioner mehr mit der verschachtelten und über einige Zeitebenen überlagerten, ach so cleveren Handlung. Er vergisst dabei, uns als Zuschauer etwas viel Wichtigeres an die Hand zu geben. Warum sollen wir mit dem/den Protagonisten mitfiebern? Mich hatte schon bei „Dunkirk“ gestört, dass man zu wenig Hintergrundwissen über einzelne Figuren hatte, hier weiß man auch nahezu nichts über die Charaktere, sie sind nur mal da oder auch gerade nicht und mal hier oder mal dort. Ist etwas dünn, in meinen Augen. 

Schauspielerisch machen John David Washington (BlackKklansman) und Robert Pattinson ihren Job als Agenten, die – immer wieder – die Welt vor Schlimmerem bewahren müssen, ganz gut, Elizabeth Debicki, die hier eine ähnliche Rolle wie in The Night Manager spielt, weiß auch zu gefallen, am besten hat mir aber tatsächlich Kenneth Branagh als fieser, russischer Oligarch gefallen.

Eigentlich sind Nolans Filme darauf ausgelegt, dass man sie ein paar Mal (möglichst im Kino) sieht, mir hat das eine Mal gereicht. 

„Tenet“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (John David Washington), Bester Nebendarsteller (Robert Pattinson), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien 

„Tenet“ sollte ursprünglich am 17.07.20 in den amerikanischen Kinos starten. Aufgrund der verheerenden Corona-Situation in den Vereinigten Staaten war aber nicht klar, wann die amerikanischen Kinos wieder eröffnen. Zunächst wurde der Film um zwei Wochen nach hinten verschoben, dann sollte er am 12.08.20 dort endlich ins Kino kommen und wurde kurz darauf wieder auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch wenn große Ketten mittlerweile dort vereinzelt Kinos wieder aufgemacht haben, hat sich schließlich Warner Bros. dazu entschlossen, den Film nicht zuerst auf dem US-amerikanischen Markt herauszubringen, sondern am 26.08.20 im Nachbarland Kanada,  in vielen Teilen Europas, Australien und Südkorea und dann eine Woche später, am 3.9.20,  in vereinzelten Kinos im Risikogebiet U.S.A. Die beiden größten Städte der Vereinigten Staaten, New York und Los Angeles, waren in der Vergangenheit immer die ersten Städte in denen aktuelle Filme gezeigt wurden, damit ist „Tenet“ der erste Film – nach einem  landesweiten amerikanischen Kinostart – auf den die New Yorker und die Angelenos noch eine Weile warten müssen. Ich hatte mir die Kinokarte rechtzeitig gesichert, so dass ich den Film in einer Nachmittagsvorstellung am Kinostart-Tag in Deutschland sehen konnte. Letztlich war diese Vorstellung aber nicht ausverkauft. Gesehen habe ich den Film in der OmU, aber dafür nicht in der 70mm-Version und auch nicht in einem Imax-Kino. 

Trailer zu sehen:

Was ich tatsächlich nicht vermisst habe, ist Werbung in deutschen Kinos. Im Kino International haben sie sich aber mit insgesamt 18 Minuten (inkl. 4 Trailer) vor dem 151-minütigen Film relativ kurz gehalten. 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Wonder Woman 1984„

Bewertung des Trailers: B- (Trailer wurde in der Synchro gezeigt)

Kommentar:  Patty Jenkins neuer Film, Sequel zu Wonder Woman. Der eingedeutschte Trailer schmerzt, da hilft auch die perfekte Einbettung in „Blue Monday“ nicht. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wahrscheinlich schon 


Trailer v. Film: „Jim Knopf und die wilde 13„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar:  Wusste gar nicht, dass dies schon die Fortsetzung ist. Ja, okay für einen deutschen Film sieht es okay aus, aber sowas würde ich mir niemals, nie, im Kino und wahrscheinlich auch sonst nicht anschauen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Wunderschön„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: deutscher Film von Karoline Herfurth mit Nora Tschirner und Martina Gedeck 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: vielleicht mal im TV


Trailer v. Film: „Cortex„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar:  deutscher Thriller von und mit Moritz Bleibtreu (Regiedebüt von ihm)

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht 

Nach mehr als 5 Monaten Kino-Abstinenz "Tenet" im Kino International in Berlin
Nach mehr als 5 Monaten Kino-Abstinenz „Tenet“ im Kino International in Berlin
Kino International, 26.08.20, Film "Tenet"
Kino International, 26.08.20, Film „Tenet“

Kino International, 26.08.20, Film "Tenet"

 

VOD – Film: „She Dies Tomorrow“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/AppleTV (U.S.) angeschaut: 

 

„She Dies Tomorrow“  84 min   drama, horror

dir. Amy Seimetz  cast: Kate Lyn Sheil, Jane Adams, Chris Messina, Katie Aselton, Kentucky Audley, Josh Lucas, Adam Wingard, Michelle Rodriguez 

 

Amy (Kate Lyn Sheil) ist gerade in ihr neues Haus gezogen. Sie wacht eines Morgens auf, ihr geht es gar nicht gut. Sie bittet ihre Freundin Jane (Jane Adams), vorbeizukommen. Amy erzählt ihr, dass sie sich sicher ist, am nächsten Tag sterben zu müssen. Jane führt ihr Geschwafel auf den Alkoholkonsum zurück, aber schon bald hat sie selbst die Eingebung, am nächsten Tag sterben zu müssen. Hat Amy ihre Freundin Jane mit ihren schrecklichen Gedanken angesteckt?

 

C- (Wertung von A bis F) „She Dies Tomorrow“ ist der neue Film der amerikanischen Schauspielerin (You´re Next, Lucky Them), Autorin und Filmemacherin („Sun Don´t Shine“) Amy Seimetz. 

Die Idee mit der sich der Film befasst, hat was. Wissenschaftler beschäftigen sich schon länger mit der These, dass beispielsweise ein Suizid Folgefälle nach sich ziehen kann. Hier ist es der Gedanke, die Klarheit am nächsten Tag sterben zu müssen, die sich scheinbar auf andere Menschen überträgt. Als wäre allein der Gedanke an den Tod, vielleicht auch die Angst vor selbigen, ansteckend. Amy Seimetz inszeniert hier inhaltliche Schwere, hält ihren Film dabei aber experimentell, visuell einen Tick zu dunkel und haut einem dann auch noch laut Mozart auf die Ohren. Am Ende ist es einer dieser Filme, die man mag oder mit dem man so gar nichts anfangen kann. Meins war dieser sonderbare Film nicht, ich fand unfassbar anstrengend. 

Ursprünglich sollte „She Dies Tomorrow“ erstmalig auf dem South by Southwest Festival 2020 gezeigt werden, aufgrund der Corona-Pandemie wurde dieses Festival allerdings abgesagt. Am 31.07.20 ist der Film dann in einigen ausgewählten (Auto-) Kinos in den Vereinigten Staaten angelaufen, seit dem 7.8.20 kann man ihn auch VOD sehen. 

Trailer zu sehen:

VOD – Film: „Saint Frances“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„Saint Frances“  101 min  drama, comedy  

dir. Alex Thompson  cast: Kelly O´Sullivan, Ramona Edith Williams, Charin Alvarez, Mary Beth Fisher, Lily Mojekwu  

 

Bridget (Kelly O´Sullivan) ist bereits 34 Jahre alt, aber weiß immer noch nicht so recht, wie sie sich ihr Leben vorstellt. Gerade hat sie einen Job als Kindermädchen für die 6-jährige Frances (Ramona Edith Williams) angenommen…

 

B (Wertung von A bis F) „Saint Frances“ ist das Spielfilmdebüt des amerikanischen Filmemachers Alex Thompson. Das Drehbuch zu dem Film hat die Hauptdarstellerin Kelly O´Sullivan geschrieben. 

Vermutlich werde ich mich in ein paar Monaten nicht mehr groß an den Film erinnern. Die Stimmung, die dieser Film schafft zu übermitteln, ist aber wahrscheinlich bleibend. Der Film führt einen zurück in die Zeit, in der man noch nicht so richtig weiß, welche Richtung man in seinem Leben einschlagen will, Beziehungen führt, die wahlweise okay oder schmerzhaft, aber definitiv nicht optimal sind und in der man sich mit der Frage befasst, ob man Kinder haben will oder eben nicht. Die Protagonistin Bridget ist allerdings nicht Mitte/Ende 20, sondern bereits 34 Jahre alt. Sie hat einen jüngeren Freund, nichts festes – natürlich – und beginnt ihren Job als Kindermädchen bei einem lesbischen Paar. Sie betreut den neunmalklugen Nervkeks Frances und nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen sie sich näher. Die Hauptdarstellerin Kelly O´Sullivan, aber auch Ramona Edith Williams, die die Sechsjährige spielt, sind so greifbar und real, dass man sich fragt, ob es sich hier um ein dokumentarisches Filmporträt handelt. Eine kleine Warnung möchte ich dennoch abgeben. Filmemacher Alex Thompson ist nach dem, teils autobiografischem Drehbuch seiner Lebenspartnerin und Hauptdarstellerin des Films, ein sehr authentischer und leichter Sommerfilm über das Erwachsen-, Mutter- und Frausein und alles, was damit alles zusammenhängen (kann) gelungen, der Film befasst sich aber auch mit dem Thema Abtreibung. 

„Saint Frances“ wurde erstmalig auf dem SXSW Film Festival 2019 gezeigt. Dort hat der Film den Publikumspreis und den Special Jury Award gewonnen. Der Film ist am 28.02.20 in einigen ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten gestartet. In Großbritannien war es der erste neue Film, nach dem Corona-Lockdown, der im Kino gezeigt wird. Seit dem 16.06.20 ist der Film auf DVD/Blu-ray und VOD (u.a. auf iTunes, Amazon Prime Video) erhältlich.

Trailer zu sehen:

 

VOD – Film: „The Rental“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/ Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„The Rental“  89 min  thriller, horror 

dir. Dave Franco  cast: Dan Stevens, Alison Brie, Sheala Vand, Jeremy Allen White, Toby Huss

 

Charlie (Dan Stevens), seine Frau Michelle (Alison Brie), sein Bruder Josh (Jeremy Allen White) und  Charlies Arbeitskollegin und Josh Freundin Mina (Sheila Vand) haben sich für das Wochenende ein recht kostspieliges Haus an der Küste gemietet. Aber irgendwas scheint doch mit dem Verwalter Taylor (Toby Huss) nicht zu stimmen…

 

D (Wertung von Abis F) „The Rental“ ist das Regiedebüt des amerikanischen Schauspielers Dave Franco (Fright Night, 21 Jump Street, Now You See Me, The Disaster Artist). 

Der Slasher-Kram in den letzten, vielleicht 15 Minuten ist okay, wenn ich ein Auge zudrücke. Den Abspann mochte ich sogar tatsächlich. Ansonsten weiß ich wirklich nicht, was sich der „kleine Franco“ bei diesem Drehbuch gedacht hat. Die Schreibe hatte jedenfalls zur Folge, dass ich bereits nach 20 Minuten schlechte Laune bekommen habe. Einfach unglaubwürdig, dass sich zwei Pärchen zusammen ein schönes, nicht gerade billiges Haus für das Wochenende mieten und eine davon, Michelle, geht am ersten der beiden Abende früh zu Bett (die Woche war anstrengend,  am nächsten Tag steht ja eine Wanderung an, usw,) gibt aber den anderen zuvor noch die Drogen, die sie eigentlich gemeinsam nehmen wollten. Die Unglaubwürdigkeit spiegelt sich dann auch oft in den Dialogen wieder (machmal sind diese auch noch komplett überflüssig wie der kleine, ins Nichts führende Rassismus-Schlenker). Insgesamt ist der Film höchst unerfreulich, dazu kommt ,dass die Geschichte in weiten Teilen vorhersehbar ist. Über Dave Francos handwerkliches Geschick als Regisseur kann ich nicht meckern, positiv hervorheben möchte ich es aber auch nicht unbedingt. 

„The Rental“ ist am 24.07.20 gleichzeitig in amerikanischen Autokinos, vielleicht sogar dem einen oder anderen traditionellen Kino und auf VOD gestartet. 

Trailer zu sehen:

 

Emmy-Nominierungen 2020

Die Academy of Television Arts & Sciences (ATAS) hat heute die Primetime Emmy-Nominierungen  bekannt gegeben. Das gesamte letzte TV-Jahr gab es so viele klasse TV-Serien und Mehrteiler, dass ich dieses Jahr sogar etwas mitgefiebert habe. Zugegebenermassen hauptsächlich wegen meiner Lieblingsserie Succession und die hat 18 Emmy-Nominierungen (davon allein 9 Schauspiel-Nominierungen) abgeräumt. ❤️

Die Präsentation der wichtigsten Emmy-Nominierungen von Leslie Jones (und Laverne Cox, Josh Gad und Tatiana Maslany) habe ich mir heute sogar live angeschaut, es war mir aber zu hysterisch, Leslie Jones war ähnlich anstrengend wie Tiffany Haddish bei den Oscar-Nominierungen damals. 

 

Gefeiert habe ich natürlich die Emmy-Nominierungen für folgende Schauspieler:

Jeremy Strong für „Succession“ (Best Actor/Drama)

Brian Cox für „Succession“ (Best Actor/Drama)

Nicholas Braun für „Succession“ (Best Supporting Actor/Drama)

Kieran Culkin für „Succession“ (Best Supporting Actor/Drama)

Matthew Macfadyen für „Succession“ (Best Supporting Actor/Drama) 

Sarah Snook für „Succession“ (Best Supporting Actress/Drama) 

James Cromwell für „Succession“ (Guest Actor/Drama)

Cherry Jones für „Succession (Guest Actress/Drama) 

Harriet Walter für „Succession“ (Guest Actress/Drama) 

Jeremy Pope für Hollywood (Best Actor/Limited Series)

Mark Ruffalo für I Know This Much is True (Best Actor/Limited Series)

Cate Blanchett für Mrs. America (Best Actress/Limited Series)

Shira Haas für Unorthodox (Best Actress/Limited Series) 

Dylan McDermott für Hollywood (Best Supporting Actor/ Limited Series)

Jim Parsons für Hollywood (Best Supporting Actor/Limited Series)

Toni Collette für Unbelievable (Best Supporting Actress/Limited Series) 

 

Aber natürlich auch die Emmy-Nominierungen für die Saturday Night Live-Auftritte von 

Adam Driver (als Gastgeber) und 

Brad Pitt (als Dr. Fauci) 

 

Hier die wichtigsten Nominierungen im Überblick:

Outstanding Drama Series

“Better Call Saul” (AMC)

“The Crown” (Netflix)

“The Handmaid’s Tale” (Hulu)

“Killing Eve” (BBC America)

“The Mandalorian” (Disney+)

“Ozark” (Netflix)

“Stranger Things” (Netflix)

“Succession” (HBO)

 

Outstanding Limited Series

“Watchmen” (HBO)

“Mrs. America” (FX on Hulu)

“Unbelievable” (Netflix)

“Unorthodox” (Netflix)

“Little Fires Everywhere” (Hulu)

 

Outstanding Comedy Series

“Curb Your Enthusiasm” (HBO)

“The Good Place” (NBC)

“Dead to Me” (Netflix)

“Insecure” (HBO)

“The Kominsky Method” (Netflix)

“The Marvelous Mrs. Maisel” (Amazon Prime Video)

“Schitt’s Creek” (Pop TV)

“What We Do in the Shadows” (FX)

 

Outstanding Lead Actor in a Drama Series

Jason Bateman, “Ozark”

Brian Cox, “Succession”

Sterling K. Brown, “This Is Us”

Steve Carrell “The Morning Show”

Jeremy Strong, “Succession”

Billy Porter, “Pose”

 

Outstanding Lead Actress in a Drama Series

Jennifer Aniston, “The Morning Show”

Olivia Colman, “The Crown”

Jodie Comer, “Killing Eve”

Laura Linney, “Ozark”

Sandra Oh, “Killing Eve”

Zendaya, “Euphoria”

 

Outstanding Lead Actor in a Limited Series or TV Movie

Jeremy Irons, “Watchmen”

Hugh Jackman, “Bad Education”

Paul Mescal, “Normal People”

Jeremy Pope, “Hollywood”

Mark Ruffalo, “I Know This Much Is True”

 

Outstanding Lead Actress in a Limited Series or TV Movie

Cate Blanchett, “Mrs. America”

Shira Haas, “Unorthodox”

Regina King, “Watchmen”

Octavia Spencer, “Self-Made”

Kerry Washington, “Little Fires Everywhere”

 

Outstanding Lead Actor in a Comedy Series

Anthony Anderson, “black-ish”

Don Cheadle, “Black Monday”

Ted Danson, “The Good Place”

Michael Douglas, “The Kominsky Method”

Eugene Levy, “Schitt’s Creek”

Ramy Youssef, “Ramy”

 

Outstanding Lead Actress in a Comedy Series

Christina Applegate, “Dead to Me”

Rachel Brosnahan, “The Marvelous Mrs. Maisel”

Linda Cardellini, “Dead to Me”

Catherine O’Hara, “Schitt’s Creek”

Issa Rae, “Insecure”

Tracee Ellis Ross, “Black-ish”

 

Die Verleihung der 72nd Emmy Awards findet am 20.09.20 statt. Jimmy Kimmel ist der Gastgeber. 

Hier noch mal, wie es im April 2020 dazu kam und wie Brad Pitt den tollen Dr. Anthony Fauci porträtierte:

 

Hier gibt es restlos alle Emmy-Nominerungen:

 

https://www.emmys.com/awards/nominations

 

Netflix – Serie: „Unorthodox“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Unorthodox“ (in D. seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 50 min drama, adaptation

dir. Maria Schrader  cast: Shira Haas, Amit Rahav, Jeff Wilbusch, Dina Doron, Della Mayer

 

Die 19-jährige Esty (Shira Haas) lebt in der jüdisch-orthodoxen Satmar-Gemeinde in Williamsburg in New York City. Vor ein paar Monaten wurde sie mit Yanky (Amit Rahav) verheiratet. Sie ist unglücklich in ihrer Ehe und mit ihrem Leben und flieht eines Tages nach Berlin…

 

B (Wertung von A bis F) Die Miniserie „Unorthodox“ wurde von Deborah Feldmans Autobiographie „Unorthodox: The Scandalous Rejection of My Hasidic Roots“ inspiriert. Die amerikanische Autorin Anna Winger (u.a. „Deutschland 83“, „Deutschland 86“) und die deutsche Filmemacherin Alexa Karolinski (u.a. „Oma & Bella“) haben das Drehbuch geschrieben, bei den Rückblicken haben sie sich an Deborah Feldmans Memoiren gehalten, aber die gesamte Storyline in Berlin wurde umgeschrieben. Die zentrale Sprache dieses Mehrteilers ist Jiddisch. Bei allen vier Teilen führt die deutsche Schauspielerin („Keiner liebt mich“, „Aimée & Jaguar“, TV-Serie „Deutschland 83“), Drehbuchautorin („Meschugge“) und Regisseurin („Liebesleben“, „Vor der Morgenröte“) Maria Schrader Regie. Neben der Autorin, haben die beiden Drehbuchautorinnen, die Filmemacherin und die meisten Künstler vor und hinter der Kamera dieses Projekts jüdische Wurzeln. 

Als ich mir diesen Mehrteiler angeschaut habe, wusste ich nicht, dass es sich hierbei um eine deutsche (und amerikanische Ko-) Produktion handelt. Schnell wurde ich reingezogen in diese New Yorker Parallelwelt. Geschichten, die in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde spielen, finde ich generell faszinierend. Viel zu wenig weiß man über die in sich geschlossene, streng gläubige Gemeinde. Aber, ganz ehrlich, was für eine Frauen diskriminierende Kultur und Religion. Anzusehen, wie man innerhalb der Chassidischen Glaubensgemeinschaft mit Frauen umgeht, war kaum zu ertragen. Um so mehr ich in die, von zig Regeln bestimmten Welt eingetaucht bin, um so enger stand ich an Estys Seite, habe ihr innerlich die Daumen gedrückt, dass ihr die Flucht gelingt und sie für immer aus der Gemeinde aussteigt. Überhaupt lebt dieser Vierteiler durch Esty (bzw. durch die Schauspielerin Shira Haas). Was für eine starke, kleine Frau. Ich liebe ihr ausdrucksstarkes Gesicht mit diesen riesigen, dunklen Augen. Mit ihrer Präsenz und ihrem offensichtlichen Talent ist sie für mich bereits jetzt schon ein Star, von ihr werden wir sicherlich noch einiges hören und sehen. Das Drehbuch zu „Unorthodox“ und damit die gesamte Netflix-Produktion kommt leider nicht an die Brillanz ihrer Hauptdarstellerin ran. Man hätte die Geschichte anspruchsvoller erzählen können. Durch die Rückblenden kann man sich zwar ein recht gutes Bild von der ultraorthodoxen Welt und Estys Situation machen, aber die Fortsetzung der Geschichte in Berlin ist weit weniger gelungen. Manches hätte glatt in die deutsche Seifenoper-Landschaft gepasst. Auch gibt es einige Anschlussfehler, die mich immer wieder rausgeworfen haben. Mir hat aber gefallen, dass die tragische Geschichte immer mal wieder mit Situationskomik aufgelockert wird. Das „Wir-haben-keine-Probleme-wir-sind-alle-weltoffen-und-leben-Multikulti“-Berlin wirkte auf mich als Berlinerin auch zu sehr inszeniert.  

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Esther „Esty“ Shapiro ist 19 Jahre alt. Sie wurde in die jüdisch-orthodoxe Welt in dem New Yorker Stadtteil Williamsburg in Brooklyn hineingeboren. Die ursprünglich aus Ungarn stammenden Satmarer Juden sind eine chassidische, ultraorthoxe Gemeinde, die von Holocaust-Überlebenden nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Jiddisch ist bis heute die Sprache dieser Gemeinde. Als Esty drei Jahre alt war, hat Estys Mutter Leah (gespielt von Alex Reid) die Gemeinde verlassen. Sie wurde dann von ihrer geliebten Großmutter „Bubbe“ (gespielt von Dina Doron) und ihrer Tante Malka (gespielt von Ronit Asheri) großgezogen. Sie wurde vor einigen Monaten mit Yanky (gespielt von Amit Rahav) verheiratet. Esty ist unglücklich in ihrer Ehe, auch weil sich ihre Schwiegermutter (gespielt von Delia Mayer) permanent in die Ehe und in sehr private, intime Dinge einmischt. Sie lässt schließlich die ultra-orthodoxe Gemeinde hinter sich und flieht nach Berlin. Gespielt wird Esty von der israelischen Schauspielerin Shira Haas. Seit sie in ihrem Heimatland für einige Schauspielpreise nominiert und ausgezeichnet wurde, ist auch Hollywood auf sie aufmerksam geworden. Sie hat in internationalen Produktionen (u.a. „The Zookeeper’s Wife“, „Mary Magdalene“) mitgespielt und auch eine größere Rolle in der hochgelobten israelischen TV-Serie „Shtisel“.

Yanky Shapiro ist mit Esty (gespielt von Shira Haas) verheiratet. Es gibt Probleme in der Ehe, auch weil Yankys Mutter Miriam (gespielt von Delia Mayer) sich immer wieder einmischt. Eines Tages verschwindet Esty und Yanky und sein Cousin Moishe (gespielt von Jeff Wilbusch) machen sich auf die Suche nach ihr. Yanky ist mir ans Herz gewachsen, ganz liebenswert und putzig ist der, in manchen Szenen sieht er aus wie Elijah Wood. Gespielt wird Yanky von dem israelischen Schauspieler Amit Rahav. Er hat zuvor in einigen israelischen TV-Serien mitgespielt.

Moishe ist der Cousin von Yanky (gespielt von Amit Rahav). Er hat selbst schon einmal die Satmar-Gemeinde verlassen, hat scheinbar auch Schulden und muss etwas wieder gutmachen. Der Rabbiner  schickt ihn daher mit Yanky nach Berlin, um Esty zurück nach Williamsburg zu bringen. Gespielt wird Moishe von dem israelisch-deutschem Schauspieler Jeff Wilbusch. Bei dem Casting zu „Unorthodox“ hat er der Crew mitgeteilt, dass Moishes Story ihn an seine im realen Leben erinnert. Jeff Wilbusch stammt aus einer Satmar-Community und ist Jiddisch-Muttersprachler. Mir kam er bekannt vor, vermutlich von dem Mehrteiler „The Little Drummer Girl“ (über die ich eigentlich damals was schreiben wollte). Er hat aber auch in der deutschen TV-Serie „Bad Banks“ und in einigen anderen TV-Serien mitgespielt. 

„Unorthodox“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Best Actress, Limited Series (Shira Haas) Update: „Unorthodox“ wurde für 8 Emmys nominiert (Best Limited Series, Best Actress/Limited Series für Shira Haas, Best Directing/Limited Series für die deutsche Filmemacherin Maria Schrader, Best Writing für „Part 1“ und einige technische Kategorien) 

„Unorthodox“ ist seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen. Empfehlenswert ist auch das Making Of zu dem Mehrteiler (ebenfalls auf Netflix zu sehen). Hier kommt auch die Vorlagenlieferantin Deborah Feldman zu Wort.

Trailer zu sehen:

 

VOD – Film: „Relic“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes/Apple TV (U.S.) angeschaut:

 

„Relic“  90 min  drama, horror

dir. Natalie Erika James  cast: Emily Mortimer, Robyn Nevin, Bella Heathcote, Chris Bunton 

 

Kays Mutter Edna (Robyn Nevin) ist über 80 Jahre alt und, nachdem ihre Nachbarn sie seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen haben, fahren Kay (Emily Mortimer) und  ihre erwachsene Tochter Sam (Bella Heathcote) zu ihrem Haus. Seit Wochen hatte Kay keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Im Haus gibt es keine Spur von Edna, aber vieles deutet daraufhin, dass ihre Vergesslichkeit zugenommen hat…

 

A- (Wertung von A bis F) „Relic“ ist das Spielfilmdebüt der japanisch-australischen Autorin und Werbe- und Musikvideo-Regisseurin Natalie Erika James. 

Bevor ich mir ihren ersten Spielfilm angeschaut habe, hatte ich mir zunächst über ihre Website (https://natalieerikajames.com) ihren, mit einigen Preisen ausgezeichneten Kurzfilm „Creswick“ angeguckt. Die kann was, habe ich mir gedacht und das bestätigte sich für mich kurz darauf mit ihrem ersten Spielfilm. 

Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Horrorfilm das letzte Mal so zum Nachdenken brachte und wann mir bei einem solchen Film (ein Mal während des Films und dann am Ende) die Tränen gelaufen sind. „Relic“ ist anders, eine gelungene Genre-Mischung aus Drama und Horrorfilm. Mit der Zweitsichtung empfand ich den Film sogar noch mehr als Familiendrama, dass sich überzeugend einiger wirksamer Horror-Stilmitel bedient. Es geht um Demenz und um Schuldgefühle von Kindern und anderen Angehörigen gegenüber ihren pflegebedürftigen Verwandten. Natalie Erika James erzeugt hier Metaphern wie beispielsweise „das Monster“, das man als demenzbedingte Wesensänderung deuten kann oder „den Schimmel, der sich immer tiefer in das Haus einfrisst“ als langsamen körperlich und geistigen Verfall. Es wird aber sicher nicht nur eine Möglichkeit der Interpretation geben. Die Langsamkeit mit der dieser Film erzählt wird, könnte einige Zuschauer abschrecken. Mich hat es überhaupt nicht gestört und auch die Performances fand ich solide. 

Der Film könnte am Ende des Jahres zu einen meiner Top 10-Filme zählen. 

„Relic“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2020 gezeigt. Der Film lief ab dem 3.7.20 für eine Woche exklusiv in einigen amerikanischen Autokinos und startete dann am 10.7.20 in einigen wenigen Kinos in den Vereinigten Staaten und ist zeitgleich auf VOD herausgekommen.

Trailer zu sehen:

 

Netflix – Film: „Homemade“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Homemade, Volume 1“ (in D. Seit 30.06.20 auf Netflix abrufbar)  17 x from 4 to 11 minutes  anthology

dir. Ladj Ly, Paolo Sorrentino, Rachel Morrison, Pablo Larrain, Rungano Nyoni, Natalia Beristáin, Sebastian Schipper, Naomi Kawase, David Mackenzie, Maggie Gyllenhaal, Nadine Labaki & Khaled Mouzanar, Antonio Campos, Johnny Ma, Kristin Stewart, Grunder Chadha, Sebastián Lelio, Ana Lily Amirpour  cast: Christopher Abbott, Sebastian Schipper, Peter Sarsgaard, Kristen Stewart, Amalia Kassai, Gurinder Chadha, Ana Lily Amirpour voices: Javier Cámara, Olivia Williams, Rachel Morrison, Cate Blanchett 

 

Während des Lockdowns aufgrund der Covid-19 Pandemie im Mai 2020 haben verschiedene Filmemacher und Künstler ihre Kreativität genutzt und einen Kurzfilm gedreht. 

 

A bis D- (Wertung von A bis F)  „Homemade, Volume 1“ zeigt 17 Kurzfilme von namhaften Künstlern während der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Produziert wurde das Ganze von dem chilenischen Filmemacher Pablo Larrain (Jackie), der selbst auch einen Film zu diesem Projekt beigetragen hat. Die Filme zeigen uns manchmal das Zuhause der Filmemacher und führen uns nach Paris, Rom, 3 x Los Angeles, 2 x Santiago, Lissabon, Mexico City, Berlin, Nara in Japan, Glasgow, irgendwo in Vermont, Beirut, Springs in New York, San Sebastián del Oeste in Mexico und London. 

Bei einer Sammlung an Kurzfilmen sind selten alle Filme wirklich sehenswert, einige davon hier waren aber trotzdem fantastisch fotografiert, einer war spannend (Episode 12), wirkte aber nicht so professionell gefilmt, ein paar fand ich regelrecht einschläfernd, einen fand ich sogar unerträglich (Episode 11). Unter den 17 Filmen ist aber sicher für jeden etwas dabei. Ich möchte mich nicht mit den nicht so guten aufhalten, daher nur eine eine kurze Zusammenfassung von den Kurzfilmen, bei denen es sich lohnt, mal reinzuschauen: 

 

Mein Lieblingskurzfilm: Episode 17 „Ride It Out“ A (Wertung von A bis F) Die iranisch-amerikanische Filmemacherin Ana Lily Amirpour („A Girl Walks Home Alone at Night“) hat den für mich besten Kurzfilm und einen wunderbaren Abschluss dieser Reihe gedreht. Cate Blanchett führt als Erzählerin durch den, in Los Angeles entstandenen Film. Es ist ein sehr poetischer Film, der diese besondere Stimmung in dieser außergewöhnlichen (Corona-)Zeit einfängt. In, vielleicht zehn Jahren könnten wir uns mit diesem kleinen Film bestimmt wieder in die Stimmung von dann damals reinversetzen.  

Aber auch die folgenden fand ich gelungen: 

Episode 2 B+ (Wertung von A bis F) Der italienische Filmemacher Paolo Sorrentino (The Great Beauty, TV-Serien The Young Pope und The New Pope) erzählt hier eine kleine Geschichte über das Eingesperrtsein mit den Plastikfiguren der Queen und dem Papst (in meiner kleinen Nebenrolle „The Dude“ Lebowski), gedreht in seinem Zuhause in Rom.  

Episode 3 „The Lucky Ones“ B+ (Wertung von A bis F) Die amerikanische Kamerafrau (Fruitvale Station, Black Panther) Rachel Morrison hat hier eine richtig schöne Erinnerung für ihren Sohn Wiley kreiert. Die Bilder sind fantastisch. Ein Lockdown in diesem noblen Zuhause mit so einer tollen Mama lässt sich sicher aushalten. Ich liebe, wie sie ihrem kleinen Sohn mit auf den Weg gibt, ein solches privilegiertes Leben zu schätzen, aber nicht zu vergessen, Kind zu sein („Be grateful but also be five“).

Episode 4 „Last Call“ : B+ (Wertung von A bis F) Der chilenische Filmemacher Pablo Larrain (Jackie) hat nicht nur dieses „Homemade“-Projekt ins Leben gerufen, er erzählt hier auch eine humorige Geschichte eines alten, einsamen Mannes im Alters- oder Pflegeheim, eine gute Pointe gibt es obendrauf. 

Episode 7 „Casino“ B+ (Wertung von A bis F) Dem deutschen Filmemacher Sebastian Schipper („Viktoria“) ist in seinem Berliner Zuhause langweilig. Ganz origineller 8-Minütiger ist ihm da gelungen, wie ich finde. 

Episode 10 „Penelope“ B+ (Wertung von A bis F) Die amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal („Secretary“, The Dark Knight) gibt mit diesem Film ihr Regiedebüt und hat hier einen dystopischen Sci-Fi-Kurzfilm mit ihrem Ehemann, dem brillanten Peter Sarsgaard, in ihrem Zuhause im Bundesstaat Vermont gedreht. 

Episode 14 „Crickets“ B- (Wertung von A bis F) Die amerikanische Schauspielerin Kristen Stewart lässt sich dabei filmen, wie sie unter Schlaflosigkeit leidet und scheinbar langsam den Verstand verliert. Schön fotografiert. 

Episode 15 „Unexpected Gift“ A- (Wertung von A bis F) Die britische Filmemacherin Gurinder Chadha („Bend it Like Beckham“, „Blinded by the Light“) lässt uns an ihrem Corona-Lockdown-Alltag mit ihrer Familie in ihrer traumhaften Wohnung (da würde ich sofort einziehen) teilhaben. Sie nehmen sich dabei nicht ernst und sind sympathisch, der Film ist lustig, aber auch traurig, ich muss mich, glaube ich, mal ihren Spielfilmen widmen. Dieser Kurzfilm ist mein zweitliebster. 

„Homemade“ ist seit dem 30.06.20 auf Netflix abrufbar. Da dieses Filmprojekt den Zusatz „Volume 1“ bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass die Kurzfilm-Reihe fortgesetzt wird. Darauf freue ich mich schon.

Trailer zu sehen: