TV-Serie: „Severance“


Ich habe mir folgende Apple TV+ Serie angeschaut:

„Severance“ (in D. seit dem 18.02.22 zu sehen)  9 x approx. 50 min  mystery, drama, sci-fi, fantasy comedy 

dir. Ben Stiller, Aoife McArdle  cast: Adam Scott, John Turturro, Patricia Arquette, Britt Lower, Zach Cherry, Tramell Tillman, Jen Tullock, Michal Chernus, Christopher Walken, Yul Vazquez, Michael Cumpsty 

Mark S. (Adam Scott), Dylan G. (Zach Cherry) und Irving „Irv“ B. (John Turturro) arbeiten für Lumon Industries. Acht Stunden am Tag üben sie eine scheinbar sinnbefreite, stupide Tätigkeit aus. Keiner stellt Fragen. Die Drei hatten sich bereiterklärt, sich einer Severance-Prozedur zu unterziehen. Dabei wurde ihnen Chip implantiert, der sie jeweils quasi in zwei Menschen aufteilt –  ein Ich (das Innie) für das Berufliche und ein Ich für die private Welt (das Outie). Wenn sie aus dem Fahrstuhl auf ihrer Abteilungsetage aussteigen, ist das Private vergessen und wenn sie nach einem Arbeitstag die Firma verlassen, ist die Erinnerung an das Berufliche verschwunden. Die Drei hatten noch einen vierten Kollegen, ihren Abteilungsleiter, Petey K. (Yul Vazquez), der ist aber plötzlich nicht mehr aufgetaucht. Daraufhin wird Mark S. von seiner Chefin, Harmony Nobel (Patricia Arquette) direkt befördert, er übernimmt Peteys Abteilungsleiterposten. Kurz darauf soll eine junge Frau, Helly R. (Britt Lower) rekrutiert werden, aber die will so gar nicht für dieses seltsame Unternehmen arbeiten… 

B+ (Bewertung von A bis F) Serienschöpfer ist Dan Erickson. Er ist keiner, der mit dem  Entertainment-Geschäft bisher zutun hatte. Dafür hatte Dan Erickson ein paar langweilige Bürojobs, als er nach Los Angeles gezogen ist. Er hat es gehasst, diese Jobs auszuüben, dabei fiel ihm aber das Konzept zu dieser Serie ein und er schrieb das Drehbuch. Das wiederum landete irgendwann bei dem amerikanischen Schauspieler („Theres Something About Mary“, „Keeping the Faith“, „Meet the Parents“) und Filmemacher („Reality Bites“, „Zoolander“, HBO-Mehrteiler Escape at Dannemora) Ben Stiller. Der liebte das Drehbuch, übernahm mit anderen die Produktion und führte bei den ersten drei und den letzten drei Episoden dieses Neunteilers Regie. Für die Folgen 4, 5 und 6 hat die irische Werbe-, Musikvideo, TV- und Filmregisseurin Aoife McArdle die Regiearbeit übernommen. 

Was habe ich lange nach einer neuen Serie geforscht, die man nicht nur unbedingt gesehen haben sollte, sondern die mich (im Moment) auch wirklich interessiert. Klar, ich habe eine ewig lange Liste an älteren Serien, die ich schon ewig sehen will, aber dazu bislang keine Lust. In der Zwischenzeit habe ich einige Mehrteiler/Serien angefangen, die meisten schnell wieder abgebrochen, weil sie mich nicht gepackt haben. Meiner Jahresendliste wird man wieder die Serienformate entnehmen können, die ich tatsächlich zu Ende geschaut habe. Über die meisten hatte ich dennoch keine Lust, etwas zu schreiben. Wenn ich wiederum nichts über konsumierte Filme/Serien schreibe, vergesse ich sie quasi umgehend. Ist mir erst kürzlich passiert. Auf Netflix gab es einen neuen Mehrteiler („Anatomy of a Scandal“ mit Rupert Friend, Sienna Miller und Michelle Dockery), direkt nachdem die Miniserie veröffentlicht wurde, habe ich sie gesehen. Habe sie für recht zäh und „muss man nicht gesehen haben“ befunden. Dann war ich ein paar Tage später – mit vielen neuen Eindrücken – beruflich unterwegs und bekomme eine Textnachricht von einem Kollegen, der mir die, so schrieb er, großartige neue Miniserie „Anatomy of a Scandal“ wärmstens empfehlen will. Ich lese die Nachricht, denke noch so bei mir, der Titel sagt mir was, schreibe aber zurück „nee kenne ich nicht, worum geht’s denn da?“. Dann hat sich natürlich schnell geklärt, dass ich sie natürlich doch schon gesehen hatte. Soweit ist es schon. 

„Severance“ ist aber nun eine Serie, die ich außergewöhnlich finde und über die ich ein paar Worte verlieren will. Die Idee gefällt mir einfach. Wissenschaftlern ist es geglückt, dass man sein Privatleben komplett von seinem Berufsleben trennen kann. Ein Traum für jeden Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer kann sich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren und ist nicht abgelenkt von etwaigen Problemen, die ihn außerhalb seiner Arbeit beschäftigen, Betriebsinterna können so definitiv nicht ausgeplaudert werden. Für die Angestellten hört sich das auch nach einer recht idealen Work-Life-Balance an. Nur ganz so einfach funktioniert es nicht, den Angestellten, die am „Severance“-Programm teilnehmen, muss ein Chip implantiert werden, der sie zu Innies (also Arbeitnehmer bei der Arbeit) und Outies (Menschen im Privatleben) macht. 

Oberflächlich betrachtet gibt es in unserer Gesellschaft schon eine Art Innies und Outies. Beispielsweise bei der Kleidung, die meisten ziehen für ihren Job ein Business-Outfit an (manche tragen eine Uniform), im Privaten wählen viele einen, vielleicht nicht ganz so konservativen Kleidungsstil. Vielleicht hat Corona das jetzt etwas gelockert. Auch verhält man sich anders, redet vielleicht mit seinen Kollegen und Chefs anders, als wenn man mit seinen Freunden abhängt. In der Serie sieht man, dass sich einzelne Abteilungen nicht mischen solllen, Begegnungen finden also so gut wie gar nicht statt, Beziehungen sind unerwünscht. Das ist sicher auch für den einen oder anderen Arbeitgeber wünschenswert. Dann können sich die Angestellten nicht austauschen, Probleme benennen und sich vielleicht sogar zusammentun, um eine Personalvertretung oder gar einen Betriebsrat wählen, der ihre Interessen vertritt. Viele, wahrscheinlich die meisten Arbeitgeber haben ein Regelbuch, ein Handbuch mit einem Verhaltenskodex, an den sich die Angestellten zu halten haben. „Severance“ greift das alles auf, geht aber natürlich mit dieser Denke noch weiter. Da gibt es die Abteilung der Arbeitnehmer, die die Severance-Prozedur vollzogen haben, keiner der Angestellten weiß, woran genau sie tagein tagaus am Computer arbeiten. Als einer ihrer Kollegen plötzlich nicht mehr auftaucht und eine neue Kollegin frischen Wind in die Abteilung bringt und partout dort nicht arbeiten will, werden auch die anderen drei Angestellten irgendwann mißtrauisch. Die Serie ist Drama/Mystery/Fantasy kombiniert mit Büro-Satire.  – durch Situationen und Dialoge ist es wirklich manchmal auch recht lustig. 

Die Charaktere fand ich gut beobachtet, wer hat in seinem Arbeitsleben nicht schon mal mit einem Kollegen gearbeitet, der das Regelwerk der Firma in- und auswendig kennt und sich haarklein daran hält, nicht mal Fünfe gerade sein lassen kann und andere belehren muss? Auch kennt jeder bestimmt die ehrgeizigen, streberhaften Kollegen, die immer besser sein wollen, als alle anderen. Beides recht unangenehme Zeitgenossen, hier in Irv und Dylan vertreten. 

Was ist das Ziel von dieser mysteriösen Firma Lumon Industries? In der finalen Episode der ersten Staffel wird etwas angedeutet, einige Fragen werden im Staffelfinale beantwortet, zugleich kommen aber einige neue Fragen auf, die hoffentlich in der zweiten Staffel beantwortet werden. 

„Severance“ ist definitiv was für Zuschauer, die gerne Rätsel lösen. Während der neun Episoden bekommt man immer wieder Hinweise, womit wir es zutun haben. Man kann und sollte viel auf Details achten. Ich mochte besonders den Style der Serie. Diese endlos langen, weißen Gänge, dieses Großraumbüro mit seinen klobigen Computern (überhaupt wirkt Technik machmal veraltet, so kommt beispielsweise eine alte Kamera, ein Klapphandy oder ein Handy mit einer Antenne zum Einsatz) und den grünen Stellwänden, die sich hoch- und runterfahren lassen. Der Arbeitsplatz ist recht grell ausgeleuchtet, während das Privatleben, beispielsweise Marks überwiegend im Dunkeln stattfindet. Besonders hat mir die Inszenierung der Farben Blau, Grün und Rot gefallen. 

Mein Lieblingscharakter: Irv 

Meine Lieblingsepisode: keine, aber ich mochte Ben Stillers 6 Episoden einen Tick mehr als Episode 4, 5 und 6

Insgesamt ist „Severance“ eine originelle Serie, die es dieser Form noch nicht gibt. Die erste Staffel ist eine gute Basis auf die man aufbauen kann. Auch lohnt es sich, sie ein weiteres Mal zu gucken. Aus Zeitgründen habe ich eine Zweitsichtung nur für Episode 1-4 und 9 geschafft. Ich bin aber sehr gespannt auf die zweite Staffel. 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen: 

Mark S. war Geschichtsprofessor bis seine Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Um seine Trauer zu überwinden, hat er sich der „Severance“-Prozedur unterzogen. Jetzt arbeitet er in seinem Job bei Lumon Industries und muss seine Trauer nicht mehr mit auf Arbeit nehmen. Im Privaten lebt er recht ruhig und zurückgezogen, eigentlich hat er nur seine Schwester Devon (gespielt von Jen Tullock), die mit Ricken (gespielt von Michael Chernus) verheiratet ist. Die beide erwarten gerade ihr erstes Kind. Gespielt wird Mark S. von dem amerikanischen Schauspieler Adam Scott. Er hat in einigen Filmen (u.a. The Great Buck Howard, „Operation Endgame“, Piranha 3D) und TV-Serien (u.a. „Party of Five“, „Parks and Recreation“, Big Little Lies) mitgespielt. Ich kannte ihn bislang eher aus Komödie (wie z.B. Step Brothers, Our Idiot Brother).

Harmony Cobel ist Marks Chefin bei Lumon Industries. Nach dem plötzlichen Verschwinden von Marks, Dylans und Irvs Kollegen, dem Abteilungsleiter Petey, befördert Mrs. Cobel Mark S. zum Abteilungsleiter. Gespielt wird Mrs.Cobel von der amerikanischen Schauspielerin Patricia Arquette. Sie hat in vielen Filmen, u.a. „True Romance“, „Flirting with Disaster“„Lost Highway“ und auch TV-Serien („Medium“, „Boardwalk Empire“, „CSI: Cyber“) mitgespielt. Für ihre Performance in Boyhood hat sie den Oscar gewonnen. Sie wurde auch bereits jeweils mit einem Emmy für ihre Rolle in der TV-Serie „Medium“ und dem TV-Mehrteiler „The Act“ ausgezeichnet. Sie hat zwei weitere Emmy-Nominierungen für „Medium“ und für ihre Performance in dem, ebenfalls von Ben Stiller inszenierten Mehrteiler Escape at Dannemora. Patricia Arquette ist die Schwester der Schauspieler Richmond, Alexis, David und Rosanna Arquette.  

Irving „Irv“ B. Ist ein Kollege von Mark S., Dylan G. und der neuen Kollegin Helly R. (gespielt von Adam Scott, Zach Cherry und Britt Lower). Irv ist ein nerviger Prinzipienreiter. Er mag einen Kollegen aus einer anderen Abteilung, Burt (gespielt von Christopher Walken). Gespielt wird Irv von dem amerikanischen Schauspieler John Turturro. Wenn ich an ihn denke, fallen mir als erstes seine  Rollen in Filmen der Coen Bros. ein. Seinen ersten Auftritt in einem Film hatte er lt. IMdB – auch wenn er es nicht auf die offizielle Besetzungsliste geschafft hat – in Martin Scorseses „Raging Bull“, kein schlechter Start für eine Filmkarriere. Ich kenne John Turturro seitdem ich die Coens Filme kenne, in vier Filmen hat er mitgespielt („Miller´s Crossing“, „Barton Fink“, unvergessen als Jesus Quintana in „The Big Lebowski“ und „O Brother, Where Art Thou?“), auch in einigen Spike Lee-Filmen (u.a. „Do the Right Thing“, „He Got Game“) hat er mitgespielt. Kürzlich habe ich ihn erst in The Batman gesehen. Er hat auch in einigen TV-Serien/Mehrteilern mitgespielt, da habe ich ihn in dem großartigen Mehrteiler The Night Of gesehen und erst vor zwei Jahren in The Plot Against America. Regie führt John Turturro auch seit einigen Jahren (u.a. „Illuminata“, „Romance & Cigarettes“, Fading Gigolo). Für seine Gastrolle in der TV-Serie „Monk“ hat er einen Emmy gewonnen, eine weitere Emmy-Nominierung hat er für seine Performance in „The Night of“ erhalten. 

Helly R. findet sich plötzlich in den Räumlichkeiten von Lumon Industries wieder. Sie will so gar nicht in der neuen Firma bleiben und versucht, wieder rauszukommen. Gespielt wird Helly von der amerikanischen Schauspielerin Britt Lower. Sie hat bisher überwiegend in TV-Serien (u.a. „Unforgettable“, „Man Seeking Woman“, „Casual“) mitgespielt. 

Burt arbeitet auch bei Lumon Industries, aber in einer anderen Abteilung als Mark S., Irv B., Helly R. und Dylan G. (gespielt von Adam Scott, John Turturro, Britt Lower und Zach Cherry). Burt hat eine besondere Beziehung zu Irv (gespielt von John Turturro). Gespielt wird Burt von dem legendären Schauspieler amerikanischen Christopher Walken. Ich weiß nicht warum, aber ich verwechsle ihn immer wieder mit James Woods. Walken hat jedenfalls schon seit den 1950er Jahren als Schauspieler gearbeitet. Er hat u.a. in „Annie Hall“, „Batman Returns“, „True Romance“, „Pulp Fiction“, Seven Psychopaths mitgespielt. Er hat auch in zwei von John Turturros Regiearbeiten („Romance & Cigarettes, „The Jesus Rolls“) mitgewirkt. Für seine Performance in „The Deer Hunter“ hat Christopher Walken den Oscar gewonnen, eine weitere Oscar-Nominierung hat er für seine Performance in „Catch Me if You Can“ erhalten. Für den Mehrteiler „Sarah, Plain and Tall“ hat er eine Emmy-Nominierung erhalten. Auch hat er viel Theater gespielt und zwei Tony-Nominierungen (für „James Joyce´s The Dead“ und „A Behanding in Spokane“) bekommen. 

Die erste Staffel „Severance“ wurde weltweit erstmalig vom 18.02.22 – 08.04.22  auf Apple TV+ ausgestrahlt. Mittlerweile ist bei dem Streamingdienst die komplette Staffel abrufbar. Die zweite Staffel wurde bereits bestellt. 

Trailer zu sehen: 

Der sehr coole Vorspann zu sehen:

4 Gedanken zu “TV-Serie: „Severance“

  1. Die Serie interessiert mich sehr. Doch bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, mein geplantes kurzzeitiges Apple-TV-(Probe?)-Abo durchzuziehen. Generell finde ich die fiktionale Aufarbeitung des Themas Arbeitswelt, vor allem im Büro (weil ich selbst in einem arbeite), sehr interessant.

    Aoife McArdle ist übrigens eine Frau. Aoife ist die irische Variante des Namens Eve/Eva.

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  2. Oh man, haben wir angefangen, aber ich bin noch nicht so weit gekommen, weil ich immer wieder was Neues gucke. Totale Sinnüberflutung hier. Ich fand die ersten Folgen ganz gut, aber etwas zu ruhig und Frau Arquette etwas anstrengend. Mal sehen, da muss ich mich mal reinknien.
    Ansonsten geht es mir nicht anders, als Dir. Ich gucke Serien und Filme, die ich sofort wieder vergesse oder abbreche und schon gar keine Lust habe was zu zu schreiben, weil sie nicht gut oder nicht schlecht genug waren. Mein letztwöchiger Rekord war an einem Abend drei Filme angefangen und zwei Serien. Durch die Pandemie sind dazu noch einige so lange unterbrochen, dass ich die erste Hälfte der Staffel oft schon wieder vergessen habe.

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    • Ah ja, bei der Serie musst Du dabei bleiben, am besten bingen. Ist in der Tat sehr ruhig, dachte eigentlich, dass ich das auch noch erwähne. Die Arquette fand ich – wieder mal – sehr gut, auch wieder mal eine interessante Rolle für sie.

      Ich gebe ja den Filmen die max. Badewannen-Zeit (30 Minuten) :)), Serien meist nur eine Folge.

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