Charlotte – Film: „Fences“


Ich war am 27.12.16 in Charlotte und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Fences“ (dt. Kinostart: 16.02.17) 133 min drama, adaptation
dir. Denzel Washington cast: Denzel Washington, Viola Davis, Stephen McKinley Henderson, Jovan Adepo, Russell Hornsby, Mykelti Williamson

 

 

Pittsburgh, Pennsylvania, Ende der 1950er Jahre. Troy (Denzel Washington) ist ein einfacher Mann, er arbeitet bei der Müllabfuhr und ist seit 18 Jahren glücklich mit Rose (Viola Davis) verheiratet. Troy hat einen 34-jährigen Sohn (Mykelti Williamson) aus einer früheren Beziehung, der versucht, sein Geld als Musiker zu verdienen. Seinem Vater wäre es lieber, wenn er etwas „Anständiges“ arbeiten würde und ihn nicht andauernd um Geld bitten würde. Rose und Troy haben einen gemeinsamen Sohn, den 17-jährigen Cory (Joyan Adepo). Jetzt muss Troy seiner Rose mitteilen, dass er eine Affäre hat und seine Geliebte schwanger ist…

 
B+ (Wertung von A bis F) „Fences“ basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von August Wilson. Das Theaterstück wurde im Jahr 1987 uraufgeführt und hat einen Pulitzer Prize und einen Tony Award gewonnen. Im Jahr 2010 wurde das Theaterstück mit Denzel Washington und Viola Davis am Broadway wiederaufgeführt. Beide Schauspieler wurden für einen Tony Award als Beste Hauptdarsteller ausgezeichnet. „Fences“ ist nach „Antwone Fisher“ und „The Great Debaters“ bereits die dritte Regiearbeit des amerikanischen Schauspielers und Filmemachers Denzel Washington.

Ich bin ein großer Bewunderer der Schauspielkunst und liebe das Theaters. Daher ist „Fences“ natürlich „mein Film“. Dieses verfilmte Theaterstück ist ein afroamerikanisches Charakter- und Familiendrama. Mir war das Bühnenstück zuvor nicht bekannt. Die Geschichte braucht eine Weile bis sie in Schwung kommt, zuvor lernt man anhand ihrer Unterhaltungen die einzelnen Charaktere kennen. Was Frauen und Söhne früher durchmachen mussten, weil sie von ihren Ehemännern oder Vätern (finanziell oder anderweitig) abhängig waren, zeigt dieses verfilmte Theaterstück eindrucksvoll. Es ist eine bewegende Geschichte, die sich genauso gut auch in einer weißen Familie, irgendwo anders auf der Welt, hätte abspielen können.

Ich finde es absolut faszinierend, insbesondere Denzel Washington und Viola Davis hier zu sehen. Ihr Schauspiel könnte nicht unterschiedlicher sein. Denzel war und ist für mich vordergründig der Filmstar. Er ist sicherlich ein guter Schauspieler, ich finde aber, dass ihm sein Charisma und sein gutes Aussehen immer irgendwie im Weg stehen. Für diese Rolle ist er aber idealbesetzt, auch wenn ich nur in wenigen Momenten vergessen konnte, hier Denzel Washington zu sehe. Viola schafft es hingegen immer, hinter ihrer jeweiligen Serien- oder Filmfigur komplett zu verschwinden. Für mich ist das große Kunst, man vergisst hier die Schauspielerin und leidet (wie in diesem Film) mit ihrer Filmfigur.

 
Viola Davis wurde, wie bereits erwähnt, für diese Rolle in dem Theaterstück mit einem Tony als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Für die Verfilmung des Stückes hat sie sich frühzeitig entschieden, eine Oscar-Kampagne als Beste Nebendarstellerin zu starten. Am letzten Sonntag wurde sie für diese Performance mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Der Academy Award ist ihr – in meinen Augen – sicher. Ich hatte an anderer Stelle schon darüber berichtet, dass es schwer genug ist, die Academy-Mitglieder zu bewegen, sich bestimmte Filme überhaupt anzuschauen. Man muss sich vorstellen, dass die AMPAS-Mitglieder zu unzähligen Academy-Screenings eingeladen werden und hunderte von Filmen zugeschickt bekommen. Vielleicht liegt ein über zwei stündiges verfilmtes Theaterstück bei einigen Academy-Mitgliedern nicht gerade ganz oben auf dem riesigen Stapel der Screeners. In diesem Fall könnte ich mir aber sogar vorstellen, dass sie – auch ohne diese Performance gesehen zu haben – ihre Stimme für eine der besten amerikanischen Schauspielerinnen abgeben.

Denzel Washington wurde bereits mit zwei Oscars für seine Performances in „Glory“ und „Training Day“ ausgezeichnet. Mann kann davon ausgehen, dass er für „Fences“ als Bester Hauptdarsteller nominiert wird. Er könnte also seinen dritten Academy Award gewinnen. Damit würde er mit Walter Brennan, Ingrid Bergman, Jack Nicholson, Meryl Streep und Daniel Day-Lewis gleichziehen. Katherine Hepburn ist hier die ungeschlagene Königin mit vier Academy Awards. Ich sehe Denzel Washington nicht als dreimaligen Oscar-Gewinner. Man muss das sicherlich von der jeweiligen Performance abhängig machen, er liefert, aber um für einen dritten Oscar ausgezeichnet zu werden, bedarf es mehr. Übrigens: Nur zwei Schauspieler haben einen Schauspiel-Oscar für einen Film, bei dem sie selbst Regie führten, gewonnen: Laurence Olivier für „Hamlet“ und – man mag es schon vergessen haben – Roberto Benigni für „Life is Beautiful“

Denzel spielt hier Troy, einen ehemaligen Baseball-Spieler, der glaubt, es aus rassistischen Gründen nie in die Profi-Liga geschafft zu haben. In jungen Jahren ist er auf die schiefe Bahn geraten und im Gefängnis gelandet. Heutzutage führt er ein normales, bürgerliches Leben. Er arbeitet bei der Müllabfuhr und ist seit 18 Jahren mit seiner großen Liebe, Rose (gespielt von Viola Davis), verheiratet. Sie führen eine glückliche Ehe. Ihr gemeinsamer 17-jähriger Sohn Cory (wunderbar gespielt von Jovan Adepo) strebt eine Profi-Karriere als Football-Spieler an, Troy will aber nicht, dass sein Sohn eine Sportkarriere beginnt, die – wie er vermutet – ins Nichts läuft. Dass Troy seine Träume als Profisportler selbst nicht verwirklichen konnte, nagt an ihm. Jetzt muss er seiner Rose mitteilen, dass seine Geliebte ein Kind von ihm erwartet. Mehr sei nicht über die Handlung verraten, man kann aber schon erahnen, dass Troy kein Sympathieträger ist. Er ist der Typ Mann, der – wenn er den Raum betritt – selbigen für sich beansprucht. Das ist natürlich das, was der Persönlichkeit Denzel Washington zuspielt. Troy redet, und wenn er redet, hören ihm selbstverständlich alle zu. Er hört sich selbst am liebsten reden und daher quasselt er ununterbrochen. Denzel Washington gibt in „Fences“ eine gute und durchaus nominierungswürdige Performance.

Auch wenn die Performances von Viola Davis und Denzel Washington den Film dominieren, sind – mit Ausnahme von Mykelti Williamson (der Troys geistig zurückgebliebenen Bruder spielt) – alle Schauspieler hervorragend.

„Fences“ ist sehr dialoglastig (ohne Übertreibung kann man sagen, dass ununterbrochen geredet wird). Um diese, von August Wilson geschriebenen Dialoge in ihrer Brillanz zu verstehen und auch um die schauspielerische Leistung aller Beteiligten erfassen zu können, empfehle dringend, den Film im Original zu sehen.

„Fences“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Denzel Washington), Beste Nebendarstellerin (Viola Davis), Bester Nebendarsteller (Mykelti Williamson, Stephen McKinley Henderson, Jovan Adepo, Russell Hornsby), Bestes adaptiertes Drehbuch. Update: „Fences“ wurde für insgesamt 4 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Denzel Washington), Beste Nebendarstellerin (Viola Davis), Bestes adaptiertes Drehbuch. Gewonnen  hat„Fennes“ einen Academy Award (Beste Nebendarstellerin Viola Davis). 

 
„Fences“ war einer der letzten sogenannten Oscar-Filme, die im Filmjahr 2016 innerhalb der amerikanischen Filmbranche gezeigt wurde. Der Film ist am 16.12.16 in vier ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 23.12.16 ist er landesweit in den U.S. Kinos zu sehen. Ab dem 16.02.17 kommt er in die deutschen Kinos.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Silence„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Martin Scorsese neuer Film. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Hidden Figures„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic über afroamerikanische Frauen, die für die NASA gearbeitet haben. Bei Octavia Spencer bin ich generell draußen. Unerträglicherweise leider auch ein Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 8 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Live by Night„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Ben Afflecks neuer Film als Regisseur und Hauptdarsteller. Eine Dennis-Lehane-Verfilmung mit Elle Fanning, Brendan Gleeson, Chris Cooper und Sienna Miller
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Zookeeper´s Wife„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Romanverfilmung mit Jessica Chastain und Daniel Brühl
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Shack„
Bewertung des Trailers: D+
Kommentar: schnulziger Fantasy-Mist mit Octavia Spencer
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Transformers: The Last Knight„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Michael Bay-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: NIEMALS…NIE…

amerikanischer Aufsteller von "Fences"
amerikanischer Aufsteller von „Fences“

 

2 Gedanken zu “Charlotte – Film: „Fences“

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