Golden Globe-Gewinner 2019


Gestern bin ich leider etwas zu spät in unserem Washingtoner Hotel angekommen und habe die Golden Globe-Verleihung nicht komplett gesehen. 

Gefreut habe ich aber natürlich für Ryan Murphy und seine TV-Serie The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story und den brillanten Hauptdarsteller Darren Criss. Auch löblich ist die Auszeichnung für Richard Madden (aus der TV-Serie Bodyguard). Typisch für die HFPA ist es jedoch „The Kominisky Method“ und seinen Hauptdarsteller Michael Douglas auszuzeichnen. Ist er doch mit Abstand der größte Star der Comedy-Serien, die nominiert waren. Ich habe mir kürzlich diese  Serie angeschaut, ist nett, kann man auch gucken, ist aber längst nicht so gut wie Barry. Bei „Killing Eve“ hatte ich im letzten Jahr auch reingeschaut, ein Grund, warum ich mir die Serie nicht zu Ende anschauen konnte, war das ausdruckslose Gesicht von Golden Globe-Moderatorin und -Gewinnerin Sandra Oh. 

Es wird als eine ziemliche Überraschung angesehen, dass Lady Gaga gestern nicht als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Der HFPA ist es immer wichtig, dass sie die größten Stars im Beverly Hilton Hotel versammeln können. Auch zeichnen sie gerne die größten Stars aus, da sie Lady Gaga aber bereits für den Gewinn für ihren Song „Shallow“ auf der Bühne hatten, brauchten sie ihr keinen weiteren Preis zu geben. Alles richtig gemacht. So kann und wird es bei den Oscars weitergehen. Eins kann man aus der gestrigen Show nämlich ziemlich sicher wissen: Glenn Close gewinnt jetzt auch den Academy Award. Bislang gab es noch keine handfesten Anzeichen dafür, sie hat zwar hier und da mal einen kleineren Kritiker-Preis für The Wife gewonnen, aber bisher nichts Wegweisendes. Das bedarf es aber auch für eine (dann am 22.1.19) sieben Mal für den Oscar nominierte Schauspiellegende. Nun gelten die Golden Globes immer als sogenanntes Casting für die Oscars. Wer hier eine tolle Dankesrede hält, den möchten die Academy-Mitglieder auch auf ihrer Bühne sehen. Glenn Close hat zwar bereits zwei Golden Globes für TV-Projekte gewonnen, der Award für „The Wife“ war aber ihr erster für einen Kinofilm. Da ihr im Vorfeld wohl gesagt wurde, dass Lady Gaga die Favoritin ist, war Mrs. Close auch sichtlich überrascht. Mit ihrer tränenreichen und tollen Dankesrede bei den Globes holt sie sich jetzt auch endlich ihren ersten Oscar. Ich freue mich darüber sehr. Auch wenn Olivia Colman (für The Favourite) im letzten Jahr die noch etwas bessere Performance gegeben hat. Mrs. Colman war auch super sympathisch und bezaubernd bei ihrer Dankesrede. Ihre Karriere in Hollywood hat jetzt begonnen. 

Dass Rami Malek für Bohemian Rhapsody ausgezeichnet wurde, war irgendwie überraschend, da in dieser Kategorie Bradley Cooper (für A Star is Born) der große Favorit war. Auch Rami Maleks große Hollywood-Karriere hat jetzt begonnen. 

Was gibt es sonst noch zu berichten? Anne Hathaway sah aus wie ein Clown, nichts Neues also. 

Die Oscars:

Marhershala Ali (Green Book) und Regina King („If Beale Street Could Talk“) haben beide vorerst wieder ihren Favoritenstatus in der Kategorie Beste Nebenrolle eingenommen. Auch wenn Regina King überraschenderweise nicht für den SAG-Award nominiert wurde. Das Rennen in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin ist, wie gesagt vorbei. Glenn Close hat ihn in der Tasche. In der Kategorie Bester Hauptdarsteller haben wir jetzt einen Wettbewerb zwischen Rami Malek, Christian Bale und Bradley Cooper. Ich hoffe immer noch auf Letzteren, der mit einem Oscar-Gewinn für das komplette Projekt „A Star is Born“ ausgezeichnet werden würde. 

Bislang gab es, was die Oscars angeht, noch keinen klaren Kandidaten auf den Gewinn in der Königskategorie Bester Film. Mein Favorit in meiner ersten und zweiten Prognose war Roma, dann habe ich mir den Film allerdings im Kino angeschaut und konnte mir nicht mehr vorstellen, dass die größte Gruppe innerhalb der Academy (die Schauspieler) diesen Film mit vorwiegend Laienschauspielern als ihren Lieblingsfilm wählen. Bei den Globes konnte „Roma“ nicht in der Kategorie Bester Film/Drama nominiert werden, da er nicht-englischsprachig ist. (Einer dieser seltsamen Regeln der HFPA). Die Globes helfen hier also nicht, auch weil „Bohemian Rhapsody“ definitiv nicht den Oscar gewinnen kann. Undenkbar, dass so ein Film den Oscar gewinnt. Auch wenn dieser Film unfassbar viel Geld einspielt, ändert es nichts an der Tatsache, dass der Film nicht gut genug ist. Weder Rami Malek noch die Produzenten haben ihrem, in der Kritik stehenden und gefeuerten Regisseur Bryan Singer gedankt. Er war sicherlich nicht mal eingeladen. Schlechte Presse ist etwas, was A.M.P.A.S. im Moment genug hat, ihren Ruf sollte und wird sie mit der Auszeichnung eines solchen Debakels nicht aufs Spiel setzen. 

Auch ist „Green Book“ viel zu gewöhnlich und zu kontrovers, um den Oscar zu gewinnen. „A Star is Born“ ist der große Verlierer der gestrigen Globes und wird jetzt auch ein paar Mitleidspunkte sammeln. Man stelle sich vor, Bradley Cooper wird nicht als bester Regisseur bei den Oscars nominiert. Haben wir dann eine Situation wie bei Ben Affleck und seinem Film„Argo“? Ich gehe zurück zu meiner Ausgangsprognose und denke, dass „Roma“ den Oscar als bester Film gewinnt. BlacKkKlansman könnte auch gewinnen, dafür bräuchte Spike Lee nun zunächst einmal eine DGA-Nominierung und vielleicht einen DGA-Gewinn. 

Von heute (7.1.19) an bis zum 14.1.19 wählen die Academy-Mitglieder für die Oscar-Nominierungen. Auch in der Kategorie Bester Film hat jedes Academy-Mitglied genau fünf Stimmen. Sie dürfen also nicht zehn, sondern nur fünf ihrer Lieblingsfilme listen. Nach der Auszählung werden am 22.01.19 fünf bis zu zehn Filme für den Oscar nominiert sein. Eine Nominierung derzeit relativ sicher haben:

Roma

BlackKklansman

A Star is Born

Green Book

Black Panther

—————————

Bohemian Rhapsody

The Favourite

—————————

und dann:

If Beale Street Could Talk

Vice

A Quiet Place

Mary Poppins Returns, etc.

 

Mit dem Golden Globe-Gewinn für die Filme „Bohemian Rhapsody“ und „Green Book“ beginnen jetzt die Schmutzkampagnen richtig. Was „BR“ angeht wird aber mit Kanonen auf einen Spatz geschossen. 

 

Golden Globe Gewinner für das Filmjahr 2018:

 

Movies

Best picture, drama: “Bohemian Rhapsody”

Best picture, comedy or musical: „Green Book”

Actress, drama: Glenn Close „The Wife“

Actor, drama: Rami Malek „Bohemian Rhapsody“

Actress, musical or comedy: Olivia Colman, “The Favourite”

Actor, musical or comedy: Christian Bale “Vice”

Supporting actress: Regina King „If Beale Street Could”

Supporting actor: Mahershala Ali, “Green Book”

Director: Alfonso Cuaron, “Roma”

Screenplay: „Green Book“

Animated film: ”Spider-Man: Into the Spider-Verse“

Foreign language film: “Roma“ (Mexiko)

Original score: “First Man”

Original song: „Shallow“, „A Star is Born“

Cecil B. DeMille Award: Jeff Bridges

 

Television:

Best series, drama: “The Americans”

Best series, comedy or musical: “The Kominsky Method“

Best Television Limited Series or Motion Picture Made for Television: “The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story”

Best Performance by an Actress in a Limited Series or a Motion Picture Made for Television: Patricia Arquette, “Escape at Dannemora”

Best Performance by an Actor in a Limited Series or a Motion Picture Made for Television: Darren Criss „American Crime Story: The Assassination of Gianni Versace“

Actress, drama: Sandra Oh „Killing Eve”

Actor, drama: Richard Madden „Bodyguard“

Actress, comedy or musical: Rachel Brosnahan ”The Marvelous Mrs. Maisel“

Actor, comedy or musical: Michael Douglas „The Kominsky Method“

Supporting actress, Series, Limited Series or Motion Picture Made for Television: Patricia Clarkson „Sharp Objects“ 

Supporting actor, Series, Limited Series or Motion Picture Made for Television: Ben Whishaw „A Very English Scandal“

 

Glenn Closes Reaktion auf ihren ersten Globe für einen Kinofilm:

 

Glenn Closes Dankesrede:

 

 

8 Gedanken zu “Golden Globe-Gewinner 2019

  1. Als ich heute morgen las, dass Bohemian Rhapsody zwei GGs gewonnen hat, konnte ich das nicht glauben. Rami Malek ist bei weitem nicht Auszeichnungswürdig und haben alle vergessen, dass der Film absolut mittelmäßig ist. Ich glaube, dass The Favorite den Oscar gewinnt. Der Film ist so schräg und wird immer unterm Tisch gehandelt und entgeht so den Schmutzkampagnen, die Green Book, Roma und A Star is Born abkriegen. Vielleicht gewinnt sogar Black Panther…
    Ich hoffe, dass Glenn Close den Oscar gewinnt und werde nächste Woche ihren Film gucken gehen.

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    • Ich habe mir heute „The Favourite“ ein zweites Mal angeschaut. Auch hinsichtlich der Oscars, der Film spaltet das Publikum zu sehr. Ein paar wenige (inklusive natürlich mir) können über diesen düsteren, teils sehr bösen Humor lachen. Die meisten Leute finden den Film bestimmt zu exzentrisch und dann hat er auch noch ein übles Ende. Keine guten Voraussetzungen, um den Oscar zu gewinnen.

      Glenn Close wird gewinnen. Sie gewinnt dann zwar für den falschen Filme, aber das ist ja meist so und besser spät als nie. 🙂

      Gefällt 2 Personen

      • Ich bin inzwischen ratlos, ich hab jetzt gelesen, dass „A Star is Born“ sexistisch und chauvinistisch sei. First Man ist raus, Widows auch. BlackkKlansman muss ich noch gucken, Black Panther und Bohemian Rhapsody sind nicht gut genug. The Favorite ist zu „extrem“, Green Book zu Mainstreaming, Roma ein fremdsprachiger schwarz-weiß Film mit Laiendarstellern, da bleibt fast nur noch Beale Street…

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      • Naja, es kann sich auch noch eine Menge ändern bis zum 24.02.19. Zunächst geht es ja um die Oscar-Nominierungen. Gestern habe ich mir auch „If Beale Street Could Talk“ angeschaut, den ich toll fand, aber der sich wohl glücklich schätzen kann, wenn er überhaupt nominiert wird. Bisher gibt es einfach keinen richtigen Oscar-Favoriten auf den Oscar-Gewinn, das kann sich aber bald ändern. So lange halte ich an „Roma“ und „BlackKklansman“ fest.

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      • Rein theoretisch kann „Beale Street“ natürlich gewinnen, es braucht immer mindestens einen weiteren Gewinn. Der Beste-Film-Oscar geht üblicherweise einher mit einem Oscar in der Kategorie Regie, Drehbuch oder Schauspiel. Wenn Regina King den Oscar gewinnt, hätten wir hier mindestens zwei. Roma gewinnt sehr wahrscheinlich den Regie-Oscar. Den könnte aber auch Spike Lee mit Blackkklansman gewinnen. Man muss halt immer auch gucken, welcher Film in die heutige Zeit mit Trump, etc. passt. Würde ich im PR-Team für Netflix arbeiten, würde ich zusehen, dass ich diesen mexikanischen Film als Film für Migranten ins Bewusstsein der Academy-Mitglieder bringe.

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      • Puh, ich leg mich erst fest, wenn ich alle dann nominierten Filme gesehen habe. Ich glaube nicht, dass Roma gewinnt, da er schwarz weiß, fremdsprachig, mit Laiendarstellern und von Netflix ist.
        Ich würde, wenn ich Academy Mitglied wäre, versuchen mich so gut es geht von den PR Strategen frei zu machen.

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