Oscar-Gewinner 2017

MOOOOOOOOOONNNNNLIIIIIIIIGGGGGHHHHT!

Die diesjährige Oscarverleihung habe ich auch wieder in Deutschland gesehen. Letztes Jahr hat Pro7 für die Red-Carpet-Show auf Steven Gätjen verzichtet, sie haben aber wohl festgestellt, dass Annemarie Carpendale auch nicht besser ist, also haben sie Steven Gätjen zurückgeholt. Ich konnte mir das nur ohne Ton anschauen und habe die Mimik der Stars bei seinen Fragen beobachtet und nebenbei auf dem Laptop auf der offiziellen Oscar-Seite ein live streaming der Pre-Show (mit Ton) geguckt, bis endlich zur ABC-Red-Carpet-Show mit zwei meiner Lieblingsmoderatoren von GMA geschaltet wurde. Die Live-Übertragung auf der offiziellen Oscar-Seite habe ich übrigens die komplette Show auf dem Laptop angelassen, weil man da sehen konnte, was in den Pausen passierte. Aus verschiedenen Kameraperspektiven wurde der Zuschauerraum gezeigt und dem Oscar-Fan ein Blick hinter die Kulisse gestattet.

So konnte ich genauer sehen, wer neben wem sitzt, wie Lucas Hedges in der Pause sein Handy checkt, wer mit wem quatscht, wer sich kurz die Beine vertritt, wie der entzückende Junge aus „Lion“ (Sunny Pawar) zu Samuel L. Jackson stürmt, um mit ihm ein Selfie zu machen, wie noch viel mehr Süßigkeiten in den Pausen verteilt wurden, was im Presseraum geschah, was Viola Davis (und alle anderen Preisträger) in die Thank You-Kamera hinter der Bühne gesagt haben, wie die offiziellen Oscar-Fotos von allen Oscar-Preisträgern entstanden sind, wie sich Matt Damons Frau die Lippen noch schnell nachzieht. Wie Matt Damon viel mit Casey Affleck rumhing, Meryl Streep gähnte, Kaugummi verteilt und gekaut wurden und Mel Gibson mit seinem aufgefangenen Donut-Doppel-Beutel rumspielte…alles nebensächlich, aber nicht so langweilig, wie auf Pro7 die ganzen Trailer, der nominierten Filme gefühlte 150.000 Mal zu sehen.

Die Show

Auch wenn die Verleihung, für meinen Geschmack, gerne noch etwas politischer hätte sein können, war es für eine knapp 4-stündige Show ein sehr kurzweiliger Abend. Das fing bereits mit der Justin-Timberlake-Gesangsnummer an (brachte Stimmung und man hatte gleich einen der nominierten Songs abgehakt). Dann Jimmy Kimmel – ich wusste, dass auf ihn Verlass ist. Sehr souverän hat er durch den Abend geführt. Er war quasi immer präsent (nicht wie einige Oscar-Gastgeber in der Vergangenheit, die gefühlt Stunden nicht mehr zu sehen waren), er war witzig und trotzdem nicht unter der Gürtellinie. In Deutschland ist es wahrscheinlich nicht so bekannt, dass sich Jimmy Kimmel und Matt Damon seit vielen Jahren gegenseitig auf die Schippe nehmen. Wunderbar wie konsequent und sehr witzig, Jimmy Kimmel dies auch durch die Oscar-Show zog.

Ich mochte auch die Idee, wie Charlize Theron, Seth Rogen und Jarvier Bardem ihre Wertschätzung gegenüber Shirley MacLaine, Michael J. Fox und Meryl Streep zeigten und dann natürlich die Matt-Damon-Verarsche von Jimmy Kimmel. Brüller.

Der sechste Oscar (Sound Mixing) war eigentlich ne ganz sichere Kiste für „La La Land“. Sound Mixing geht – der Statistik nach – immer an ein Musical (wenn eines nominiert ist). Als dieser Oscar an „Hacksaw Ridge“ ging, ist Team „La La Land“ im Dolby Theatre bestimmt leicht nervös geworden, ich habe derweil leichte Hoffnung geschöpft, dass vielleicht doch der richtige Film mit dem Academy Award als Bester Film auszeichnet wird. Dann hat „La La Land“ jedoch einige der allgemein vermuteten Oscars bekommen und alles war wieder auf Anfang. Als der 13. Oscar (Film Editing), der gerne mal mit Bester Film zusammengeht, an „Hacksaw Ridge“ ging, verflog erneut meine Frustration, die sich in den letzten Wochen aufgebaut hatte. Kann es sein, dass „La La Land“ doch nicht den Besten Film gewinnt? Zugleich setzte bei mir Panik ein, und was ist, wenn „Hidden Figures“ gewinnt? Meinen bereitgestellten Eimer habe ich in dem Moment sicherheitshalber etwas näher zu mir gezogen.

Super gefreut habe ich mich über die Oscars meiner Lieblinge: O.J. Made in America, Piper, Viola Davis, Manchester by the Sea (2 Oscars – auch wenn man Casey Affleck mal die Haare waschen und ihm nur ein Mikrofon reichen sollte, wenn er zuvor ein Drehbuch auswendig gelernt hat) und last but definitely not least natürlich Moonlight (3 wohlverdiente Oscars, inklusive BP).

Beinahe hätte ich den spektakulärsten Teil des Abends verpasst. Das Leinwandpaar aus „Bonnie and Clyde“ Faye Dunaway und Warren Beatty präsentieren den Best-Picture-Oscar und nach einigem Hin und Her liest Beatty (oder war es Faye Dunaway?): „La La Land“. Die kommen auf die Bühne, ich gehe in die Küche, um das Drama nicht noch anhören zu müssen, komme frustriert zurück und dann inmitten der Dankesrede von Team „La La Land“ großes Chaos auf der Bühne, was ich mit meiner Müdigkeit erst mal nicht einordnen konnte und dann hieß es auf einmal, dass es eine Verwechslung gab und der Best-Picture-Gewinner „Moonlight“ heißt. Meine Fresse war ich aufgeregt, mein Herz hat so schnell geschlagen und zugleich konnte ich das Ganze, was gerade bei den weltweit live übertragenen Academy Awards passierte, nicht nicht realisieren. Das dürfte die größte Panne in der Oscar-Geschichte sein. Im Nachhinein tut es mir leid, weil a) das Team „Moonlight“ um den wichtigsten Moment in ihrem Leben gebracht wurde, b) das Team „La La Land“ diesen peinlichen Moment miterleben musste, sie hatten tatsächlich ihren Oscar in der Hand und hielten bereits ihre Dankesreden und dann werden sie mittendrin unterbrochen, die Oscars werden ihnen wieder weggenommen und sie werden von der Bühne gebeten. c) Warren Beatty jetzt als Depp dasteht. Es war ganz sicher nicht seine Absicht, den falschen Gewinner-Film vorzulesen (es ist übrigens auch genauso Faye Dunaways Schuld), aber so etwas gab es noch nie, also wusste er nicht, wie er damit umgehen sollte und d) Jimmy Kimmel perfekt durch eine lange Nacht geführt hat, sich alle einig waren, dass er einen tollen Oscar-Gastgeber abgeben hat und dann bleibt dieser letzte Moment der Show auch sicher an ihm kleben.

 
Persönlich freue ich mich wahnsinnig, darüber, dass ich diese Oscar-Saison „richtig gelesen“ habe. Das zweite Jahr in Folge bin ich nicht mit dem Strom mit geschwommen, sondern habe versucht, eine richtige Begründung zu finden. Im letzten Jahr gab es quasi drei Favoriten auf den Oscar-Gewinner-Film. „The Revenant“, „The Big Short“ und „Spotlight“, jeder dieser drei Filme hat im Vorfeld wichtige Filmpreise gewonnen. Am Ende hatte „The Revenant“ die meisten, und die Oscar-Experten sind zu mehr als 85% von „The Revenant“ ausgegangen. Auch dieses Jahr habe ich für meine Wette die Kategorie „Bester Film“ als letztes eingetragen. Letztes Jahr habe ich mich für „Spotlight“ entschieden, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man sich bei dem preferential voting system auf „The Revenant“ einigen kann. „Spotlight“ hat letztes Jahr den Oscar als bester Film gewonnen. Dieses Jahr gab es eigentlich – wenn man sich die gesamte Oscar-Saison angeschaut hat, seit einiger Zeit nur einen Favoriten auf den Oscar-Gewinn Bester Film: „La La Land“. Für die nicht so Oscar-interessierte Allgemeinheit wahrscheinlich seit „La La Land“ alle Golden Globes abgeräumt hat, für die er nominiert war. Seither war „La La Land“ auf der Gewinnerstraße und hat alle wichtigsten Preise innerhalb der Filmindustrie kassiert – mit Ausnahme einem: Die Gewerkschaft der Schauspieler hat „La La Land“ nicht für den Besten Film (bei denen Best Ensemble) nominiert. Der letzte Film, ich habe es gestern bereits geschrieben, der den Oscar als Bester Film gewonnen hat und nicht für den SAG-Award nominiert war, war „Braveheart“ – im Jahr 1995. Das war, in meinen Augen, ein herber Rückschlag für „La La Land“. Das hat aber – mit Ausnahme eines einzigen – der über 40 professionellen/oder registrierten Oscar-Experten einen Tag vor der Verleihung scheinbar keinen mehr interessiert. Ein einziger Oscar-Experte hat – bevor ich gestern meine Liste veröffentlicht habe – auf „Moonlight“ getippt. Alle anderen auf „La La Land“.

Mich hat das aber beschäftigt, die mit Abstand größte Gruppe innerhalb der Oscar-Academy sind Schauspieler, warum haben die einen Film über eine Schauspielerin nicht nominiert? Und wählen die über 60-jährigen, weißen, heterosexuellen Männer einen Film wie „La La Land“ als ihren Lieblingsfilm auf Platz 1? Ich gebe zu, dass ich nach einem Strohhalm gegriffen und gefunden habe. Letztlich war es aber auch meiner Frustration und Sturheit geschuldet ist, dass ich auf „Moonlight“ setzte.

Was ich aus dieser Oscar-Saison gelernt habe, ist, dass „La La Land“ (logischerweise) nicht auf über 50% aller Stimmen in der Runde 1 des preferential voting systems gekommen ist. Ich weiß es nicht, bin mir aber relativ sicher, dass dies auch „Moonlight“ nicht geschafft hat. Es ging wahrscheinlich mindestens in Runde 2 oder 3 – in jedem Fall war es eine knappe Entscheidung. Und dann hat der Film gewonnen, auf den man sich am ehesten einigen konnte und den keiner hasst.

 
Ich habe Moonlight im letzten Jahr erstmalig auf dem New York Film Festival gesehen, die Stimmung des eigentlich zurückhaltenden New Yorker Publikums war phänomenal. Jetzt hat dieser Film, der nur 1,5 Millionen Dollar !!!!!!! gekostet hat, kaum Geld für eine Oscar-Kampagne hatte, ein Film über einen schwulen, schwarzen Mann in einer Zeit, in der ein egozentrischer, sexistischer und rassistischer ehemaliger Reality-TV-Star zum U.S. Präsidenten gewählt wurde und, seit seiner Vereidigung, die Welt jeden Tag mit neuen Äußerungen und Aktionen verunsichert und schockiert, den Oscar gewonnen. Danke AMPAS. Das war eine verdammt weise Entscheidung.

So, zu meiner Wette, meist bin ich in den kleineren (technischen) Kategorien besser als in den wichtigsten 8 (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Bester Nebendarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes Originaldrehbuch, Bestes adaptiertes Drehbuch). Dieses Jahr habe ich in so unglaublich vielen kleine Kategorien völlig daneben gelegen. Ich rate nicht einfach blind, sondern mache mir tatsächlich zu jeder einzelnen Kategorie länger meine Gedanken. Jedenfalls habe ich im Verlauf der Oscar-Verleihung so oft daneben gelegen, dass ich schon frustriert war. Tatsächlich habe ich aber dieses Jahr alle 8 wichtigsten Kategorien komplett richtig geraten, ich glaube, das hatte ich noch nie. Aber es lässt sich nicht schönreden, ich habe dieses Jahr mit 17 von 24 richtig geratenen Kategorien – zu den Jahren zuvor – ziemlich versagt.

Mein Wettkumpel und ich hatten tatsächlich erstmalig nur vier unterschiedliche Kategorien (Best Picture, Best Actor, Best Foreign Language Film und Best Live Action Short). Er hat auf „La La Land“, Denzel Washington (wie angepisst war DER eigentlich als Casey Affleck gewonnen hat?) und „Toni Erdmann“ gesetzt, ich bekanntlich auf „Moonlight“, Casey Affleck und „The Salesman“, beide haben wir bei dem Live Action Short danebengelegen, ich habe unsere Wette gewonnen.

Alle Oscar-Gewinner 2017:

Best Picture: Moonlight
Best Director: Damien Chazelle (La La Land)
Best Actor: Casey Affleck (Manchester by the Sea)
Best Actress: Emma Stone (La La Land)
Best Supporting Actor: Mahershala Ali (Moonlight)
Best Supporting Actress: Viola Davis (Fences)
Original Screenplay: Manchester by the Sea
Best Adapted Screenplay: Moonlight
Best Animated Feature: Zootopia
Best Production Design: La La Land
Best Cinematography: La La Land
Best Costume Design: Fantastic Beasts and Where to Find Them
Best Editing: Hacksaw Ridge
Best Makeup and Hairstyling: Suicide Squad
Best Sound Mixing: Hacksaw Ridge
Best Sound Editing: Arrival
Best Visual Effects: The Jungle Book
Best Original Score: La La Land
Best Song: “City of Stars” (La La Land)
Best Foreign Language Film: Iran (The Salesman)
Best Documentary Feature: O.J.: Made in America
Best Live Action Short: Sing
Best Animated Short: Piper
Best Documentary Short: The White Helmets

 
Jimmy Kimmels Monolog:

Die Mode – The Best:

Kirsten Dunst (Dior Haute Couture)
Hailee Steinfeld (Ralph & Russo)
Riz Ahmed (Ermenegildo Zegna Couture)
Amy Adams (Tom Ford)
Halle Berry trug in meine Augen wieder das schönste Kleid (Atelier Versace Couture), nur was war mit den Haaren?

 
Die Mode – The Worst:

Octavia Spencer (Marchesa)
Ruth Negga (Valentino)
Scarlett Johannson (Azzedine Alaia)
Dakota Johnson (Gucci)
Felicity Jones (Christian Dior Couture)
Leslie Mann (wobei das weniger an ihrem kanarienvogelgelben Kleid von Zac Posen lag, als mehr an ihrem irgendwie nicht wiederzuerkennenden Gesicht

 
Einen Tag vor der Oscar-Verleihung wurde noch der Anti-Oscar, der Golden Raspberry Award verliehen. Die Goldene Himbeere im Jahr 2017 haben gewonnen:

Worst Picture: Hillary’s America: The Secret History of the Democratic Party
Worst Director: Dinesh D’Souza and Bruce Schooley, Hillary’s America: The Secret History of the Democratic Party
Worst Screenplay: Batman v Superman: Dawn of Justice
Worst Actress: Becky Turner (as Hillary Clinton), Hillary’s America: The Secret History of the Democratic Party
Worst Actor: Dinesh D’Souza (as himself), Hillary’s America: The Secret History of the Democratic Party
Worst Supporting Actress: Kristen Wiig, Zoolander No. 2
Worst Supporting Actor: Jesse Eisenberg, Batman v Superman: Dawn of Justice
Worst Screen Combo: Ben Affleck & His BFF (Baddest Foe Forever) Henry Cavill, Batman v Superman: Dawn of Justice
Worst Remake, Rip-Off or Sequel: Batman v Superman: Dawn of Justice: Dawn of Justice
Razzie Redeemer Award: Worst Supporting Actor nominee Mel Gibson, for his Oscar-nominated direction of Hacksaw Ridge

Der Oscar-Gewinner-Film 2017 ist:

mir ist fast das Herz stehengeblieben. Als der Gewinner-Film mit „La La Land“ genannt wurde, bin ich aus dem Zimmer gegangen. Als ich zurückkam war das ein Moment, den ich nicht fassen konnte und immer noch nicht kann.

Thanks AMPAS

 

„MOONLIGHT“

 

 

ich weiß zwar nicht, wie ich jetzt schlafen soll, später mehr. Ich bin so happy, mein Herz schlägt wie verrückt.

Oscar-Gewinner 2017, meine Wette

Heute ist der 25.02.17, ein Tag vor den 89. Academy Awards. Wie üblich meine letzten Worte und meine Wette.

Ich habe mich damit abgefunden, dass „La La Land“ den Oscar als bester Film gewinnt – oder doch nicht?

 
Die 6.687 wahlberechtigten Academy-Mitglieder haben vom 13.2.17 – 21.2.17 ihre Stimme abgegeben. Während bei den Oscar-Nominierungen jede einzelne Branche ihre Stimme für die besten ihre Branche abgibt und zusätzlich die Kategorie Bester Film wählt, sind – wenn es um die Ermittlung der Oscar-Gewinner geht – alle Academy-Mitglieder aufgefordert, für alle 24 Kategorien ihre Stimme abzugeben. Das bedeutet natürlich auch, dass nicht zwingend die besten in der Kategorie gewinnen, sondern die Filme, die sie am meisten mögen. Ein gutes Beispiel dafür ist Bester Ton (Sound Mixing) und Bester Tonschnitt (Sound Editing). Wer genau kennt den Unterschied? Hier könnte sie einfach in beiden Kategorien „La La Land“ ankreuzen, weil sie vielleicht den Film am meisten mögen. „La La Land“ hat aber kaum Geräusche, die im Studio entstanden sind, daher dürfte er nicht die Kategorie Bester Tonschnitt gewinnen, in dieser Kategorie gewinnt oftmals der lauteste Film, dieses Jahr würde das wohl auf den Kriegsfilm, also „Hacksaw Ridge“ zutreffen.

Seit meine letzten Analyse hat sich noch einiges getan. Jedes Jahr gibt immer mehrere anonyme Befragungen einiger Academy-Mitglieder. Gefragt wird, was ihnen am besten gefallen hat und warum – und wofür sie ihre Stimme abgegeben haben. Das ist sehr interessant zu lesen, bringt einen aber mit der Prognose der Gewinner auch nicht weiter. Ansonsten habe ich aber erfahren, dass „Lion“ sehr gut bei einigen Academy-Mitglieder ankommt. Wenn sie den Film gesehen, haben, mögen sie ihn. (ging mir auch so). Ob das ausreicht, dass „Lion“ auch die Kategorien Bester Nebendarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera und was-weiß-ich-was-noch-alles für sich beansprucht? „Lion“ ist für sechs Oscars nominiert, inkl. einer Nominierung als Bester Film. Es ist ein Harvey Weinstein Film und der ist, was die Oscar-Kampagnen angeht – bekanntlich nie zu unterschätzen. Daher könnte „Lion“ mehr Oscars gewinnen – als auch ich – vermute.

Es würde einen Sinn ergeben, wenn sich die wahlberechtigten Academy-Mitglieder alle Filme auch anschauen müssen. Ist aber nicht so, bzw. sie müssen, so weit ich weiß, eine Erklärung unterzeichnen, dass sie die Filme gesehen habe – aber wer kann das überprüfen? Mittlerweile müssen sie nicht mal mehr, verpflichtend alle Filme in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film angucken. Es ist mir zu Ohren gekommen, dass der schwedische Film „A Man Called Ove“ der beliebteste unter den nominierten fremdsprachigen Filmen ist. Dennoch werden die Academy-Mitglieder wohl politisch wählen und sich damit für Iran und „The Salesman“ entscheiden. Deutschlands Beitrag „Toni Erdmann“ hat wohl kaum einer gesehen, viele Academy-Mitglieder werden wohl auf das amerikanische Remake mit Jack Nicholson warten. Auf den letzten Metern habe ich es noch geschafft, mir „Elle“ anzuschauen und verstehe jetzt, warum AMPAS den Film nicht nominiert hat. Was für ein verstörender Film, Paul Verhoeven muss ein wirklich krankes Verhältnis zu Frauen haben. Ich kann mir jetzt auch nicht wirklich vorstellen, dass Isabelle Huppert den Oscar gewinnen kann. Sie ist gut, dass ist sie sicher immer, ich würde ihr aber dafür auch keinen Oscar geben. Wenn, dann wählen die Academy-Mitglieder aus Respekt vor Isabelle Huppert und dann ist es ein sogenannter „Karriere-Oscar“ und nicht weil sie jetzt ausgerechnet diese Performance so großartig fanden. „Elle“ werden sich die meisten (zumindest amerikanischen) Academy-Mitglieder kaum zu Ende angeschaut haben.

Der in den U.S.A. erfolgreichste Film aller Oscar-nominierten Filme dieses Jahr ist „Hidden Figures“, weltweit hat „La La Land“ am meisten an der Kinokasse eingespielt.

Hier eine kleine Übersicht einiger Preise innerhalb der Filmindustrie im Jahr 2017:

Gewinner PGA: La La Land
Gewinner DGA: La La Land
Gewinner SAG: Hidden Figures
Gewinner WGA: Moonlight (Best Original Screenplay) Arrival (Best Adapted Screenplay – Moonlight hat aber eine Oscar-Nominierung als bestes adaptiertes Drehbuch erhalten.
Gewinner Scripter Award: Moonlight
Gewinner ASC: Lion
Gewinner ACE Eddie: Arrival (dramatic), La La Land (comedy)
Gewinner CAS: La La Land
Gewinner BAFTA: La La Land

 
In dieser kurzen Übersicht sieht man ziemlich genau, wohin die Reise geht. Ich habe in den letzten Wochen lange mit mir gekämpft, mein Herz schlägt für „Moonlight“. Ich habe immer auf den Moment gewartet, dass „Moonlight“ einen wichtigen Preis innerhalb der Filmindustrie gewinnt. Er hat aber weder den Preis der Gewerkschaft der Schauspieler (SAG), noch den britischen Oscar (BAFTA) gewonnen. Es ist wohl mittlerweile nur noch die Frage, wie viele Oscars „La La Land“ gewinnt. Ich bin jetzt okay damit, so lange „Hidden Figures“ nicht Bester Film abräumt. Das wäre für mich so unerträglich, dass ich wohl eine längere Zeit bräuchte, mich von diesem Schock zu erholen. Aber habe ich mich am Ende für meine Wette wirklich für „La La Land“ als Gewinner für den Oscar als bester Film entschieden?

 
In welcher Kategorie könnte es wirklich zu einer Überraschung kommen? Die sicherste Bank ist – nach wie vor – Viola Davis, alles andere ist nicht garantiert. Letztes Jahr sah es lange so aus, als würde Sylvester Stallone einen Oscar gewinnen (ich habe mich sogar gezwungen gesehen, auf ihn zu setzen) und dann hat etwas überraschend, ein richtiger Schauspieler (Mark Rylance) gewonnen. Mahershala Ali nehme ich als richtigen Schauspieler wahr, ein Liebling der Schauspielgarde ist aber zweifelsfrei Michael Shannon oder Oscar-Gewinner Jeff Bridges. Hierzu fällt mir ein, dass Christoph Waltz seinen zweiten Oscar auch für eine ganz ähnliche Rolle gewonnen hat. Jeff Bridges hat daher sehr gute Chancen, den Oscar als bester Nebendarsteller zu gewinnen. Oder Dev Patel, weil „Lion“ so beliebt ist. In der Kategorie Bester Hauptdarsteller ist es ein 50/50-Entscheidung. Denzel oder Casey? Die meisten Oscar-Experten setzen auf Denzel.

Als ich die Liste für meine Wette jetzt fertiggestellt habe, konnte ich mich bei einigen Kategorien schnell entscheiden, bei anderen habe ich mich permanent umentschieden. Zuletzt habe ich mich final für folgende Kategorien entscheiden können:

Best Documentary Short
Best Editing
Best Cinematography
Best Makeup and Hairstyling
Best Actor
Best Supporting Actor
Best Picture

genau in der Reihenfolge.

Ich beschäftige mich ja mit den Oscars quasi das gesamte Jahr. Von September bis Februar natürlich wesentlich intensiver, als die ersten sechs Monate. Zum Schluss bin ich einfach nur müde und bin – wie auch dieses Jahr – froh, wenn die blöde Oscar-Saison endlich vorbei ist. Jedenfalls bin ich gestern nochmal alles durchgegangen und habe überlegt, warum die Gewerkschaft der Schauspieler (SAG) „La La Land“ nicht als Besten Film (bei denen Best Ensemble) nominiert hat? Die Schauspieler bilden innerhalb von AMPAS auch die größte Gruppe. Von 6687 wahlberechtigten Academy-Mitgliedern ist die Schauspielbranche mit 1158 Mitgliedern die mit Abstand größte. Die zweitgrößte ist die der Regisseure (mit 473 Mitgliedern). Warum hat die Gewerkschaft der Schauspieler also nicht „La La Land“ – einen Film über eine Schauspielerin – nominiert? Der letzte Film, der keine SAG-Nominierung hatte und trotzdem den Oscar als Bester Film gewann, war „Braveheart“ und das war im Jahr 1995. Ich greife nach jedem Strohhalm. Auch frage ich mich, was die sogenannten steak eaters – die weißen, männlichen Academy-Mitglieder, die älter als 60 Jahre sind, wählen. „La La Land“? Sicher nicht. Wenn „La La Land“ in der ersten Runde der Auszählung über 50% aller Stimmen für sich beanspruchen kann, ist es der Gewinner-Film. Das ist klar, ich setze aber darauf, dass er es nicht in der ersten Runde schafft. Wenn jemand Geld setzt, empfehle ich „La La Land“ als Gewinner-Film zu nehmen. Ich habe von über 40 Oscar-Experten einen einzigen gefunden, der noch auf „Moonlight“ setzt, alle anderen gehen ganz klar von „La La Land“ als Gewinner-Film aus. Mir ist meine Wette dieses Jahr egal. Zu meiner Ausgangsfrage zurückzukommen, ich habe mich damit abgefunden, dass „La La Land“ den Best-Picture-Oscar gewinnt, ich habe es aber nicht über das Herz gebracht, auf „La La Land“ als besten Film zu setzen. Geht nicht. „Moonlight“ ist der richtige Film, der im Jahr 2017 den Academy Award gewinnen sollte.

 

Egal wie ich gewettet habe, ich freue mich über alle Academy Awards meiner Lieblinge: Moonlight, Manchester by the Sea, Arrival, O.J.: Made in America, Kubo and the Two Strings, The Lobster, Piper, Toni Erdmann, Casey Affleck, Viola Davis und Michael Shannon (seine Rede würde den Saal zum Toben bringen)

Um für das worst case scenario vorbereitet zu sein, stelle ich sicherheitshalber einen Eimer neben das Bett oder die Couch (je nachdem von wo aus ich die Verleihung sehe), sollte „Hidden Figures“ den Oscar als Bester Film gewinnen, schaffe ich es ganz sicher nicht so schnell zur Toilette.

Ein kleiner Überblick, wie ich bei meiner Oscar-Wette In den letzten Jahren gelegen habe. Von den 24 Kategorien habe ich im Jahr 2016 19, im Jahr 2015 ganze 21 richtig geraten, im Jahr 2014 habe ich meine Wette erstmalig verloren, aber 19 richtig geraten, im Jahr 2013 hatte ich einen Gleichstand mit meinen Rate-Kumpel und auch 19 richtig geraten, im Jahr 2012 18 Kategorien richtig geraten, im Jahr 2011 habe ich nur 15 richtig geraten, meine Wette aber trotzdem gewonnen und auch im Jahr 2010, dem Beginn meiner veröffentlichten Aufzeichnungen, habe ich 15 richtig geraten und meine Wette gewonnen. Die Wette ist nur ein Spaß, damit wird für mich die eigentliche Oscar-Verleihung spannender. Dieses Jahr sind die Preise nebensächlich, ich setze im Jahr 2017 vor allen Dingen auf den Oscar-Gastgeber Jimmy Kimmel und die hoffentlich sehr eindrucksvollen Dankesreden.

Die Oscar-Gewinner wurden von vielen Seiten, sogar von der AMPAS Präsidentin Cheryl Boone Isaacs selbst, ermutigt, in ihrer Dankesrede auch ein (politisches) Statement zu setzen. Ich bin gespannt auf die Präsentatoren (Meryl Streep wird auch eine derjenigen sein) und die max. 45 Sekunden aller Preisträger.

 
Ein äußerst amüsanter Blick auf alle, in diesem Jahr für den Oscar nominierten Filme (und was U.S. Präsident Donald Trump dazu sagen könnte):

 
Oscar-Gewinner 2017 – meine Wette:

Best Picture: Adele Romanski, Dede Gardner and Jeremy Kleiner, Producers (Moonlight)
Best Director: Damien Chazelle (La La Land)
Best Actor: Casey Affleck (Manchester by the Sea)
Best Actress: Emma Stone (La La Land)
Best Supporting Actor: Mahershala Ali (Moonlight)
Best Supporting Actress: Viola Davis (Fences)
Original Screenplay: Kenneth Lonergan (Manchester by the Sea)
Best Adapted Screenplay: Barry Jenkins, Tarell McCraney (Moonlight)
Best Animated Feature: Zootopia (Walt Disney Pictures)
Best Production Design: Production Design: David Wasco; Set Decoration: Sandy Reynolds-Wasco (La La Land)
Best Cinematography: Linus Sandgren (La La Land)
Best Costume Design: Madeline Fontaine (Jackie)
Best Editing: Tom Cross (La La Land)
Best Makeup and Hairstyling: Joel Harlow and Richard Alonzo (Star Trek Beyond)
Best Sound Mixing: Andy Nelson, Ai-Ling Lee, Steve A. Morrow (La La Land)
Best Sound Editing: Robert Mackenzie (Hacksaw Ridge)
Best Visual Effects: Robert Legato, ASC, Andrew R. Jones, Adam Valdez, Dan Lemmon (The Jungle Book)
Best Original Score: Justin Hurwitz (La La Land)
Best Song: “City of Stars” – Justin Hurwitz; Benj Pasek and Justin Paul (La La Land)
Best Foreign Language Film: Iran (The Salesman)
Best Documentary Feature: Ezra Edelman and Caroline Waterlow (O.J.: Made in America)
Best Live Action Short: „La Femme et le TGV“ – Timo von Gunten and Giacun Caduff
Best Animated Short: „Piper“ – Alan Barillaro and Marc Sondheimer (Pixar)
Best Documentary Short: „Joe´s Violin“ – Kahane Cooperman and Raphaela Neihausen

Wenn ich richtig gezählt habe, gehen nach meiner Prognose 8 Oscars an „La La Land“ – wahrscheinlich sind es 9 Oscars (weil er zusätzlich Best Picture gewinnt), 3 Oscars gehen an „Moonlight“ – wahrscheinlich nur 2 Oscars (weil er Best Picture natürlich nicht gewinnt). 2 Oscars an „Manchester by the Sea“ und wahrscheinlich nur 1 Oscar (weil Denzel tatsächlich seinen 3. Oscar gewinnt).

 
Die Übersicht meiner Beiträge zu der Oscar-Saison 2016/2017

Meine erste Prognose hinsichtlich der Oscar-Nominierungen 2017
Meine November-Prognose hinsichtlich der Oscar-Gewinner 2017
Golden Globe-Nominierungen 2017 und meine Meinung
Golden Globe Gewinner 2017
Oscar-Nominierungen 2017, meine Wette
Oscar-Nominierungen 2017 und meine Meinung
Oscar-Gewinner 2017, meine Februar-Analyse

In meinen Augen gab es einige Fehlentscheidungen, es haben aber auch viele großartige Filme den Oscar gewonnen. Hier kurze Ausschnitte aller Best-Picture-Gewinner von 1927-2016:

 

Denver – Film: „Gold“

Ich war am 06.02.17 in Denver und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Gold“ (dt. Kinostart: 13.04.17) 120 min   drama
dir. Stephen Gaghan cast: Matthew McConaughey, Edgar Ramirez, Bryce Dallas Howard, Corey Stoll, Toby Kebbell, Craig T. Nelson, Bruce Greenwood, Bill Camp, Stacy Keach, Macon Blair

 

 

1988 in Reno, Nevada. Normale Arbeit ist nichts für Kenny Wells (Matthew McConaughey), er ist ein Prospector. Mittlerweile muss seine langjährige Freundin Kay (Bryce Dallas Howard) für den Lebensunterhalt der Beiden aufkommen. Jetzt hat er von einem größeren Goldfund in Indonesien gehört, kratzt etwas Geld zusammen und fliegt nach Südostasien. Dort trifft er sich mit dem Geologen Michael Acosta (Edgar Ramirez). Die beiden handeln einen Deal aus und engagieren ein Team, um im indonesischen Dschungel nach Gold zu suchen…

 

 

C- (Wertung von A bis F) „Gold“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Der Geschichte lag der Bre-X-Skandal zugrunde. Es ist der neue Film des amerikanischen Drehbuchautors und Filmemachers Stephen Gaghan („Syriana“).

Mir war der Bre-X-Skandal nicht bekannt, sicherlich lohnt es sich, davon zu erfahren, ich weiß nur nicht, ob ein Film die beste Erzählform dafür ist. „Gold“ ist von Beginn an sehr zäh, viel passiert nicht. Mit Ausnahme einiger schauspielerischen Leistungen und der etwas überraschenden Wendung zum Schluss, fand ich den Film überflüssig.

Matthew McConaughey wollte vor vielen Jahren nicht mehr nur als Schönling gelten, sondern auch endlich als Schauspieler ernst genommen werden. Also hat er konsequent alle Rollenangebote für romantische Komödien abgelehnt. Irgendwann kamen dann die anspruchsvolleren Rollen und er zeigte sein Können in Magic Mike, der Serie True Detective, The Wolf of Wall Street, Dallas Buyers Club. Für letztgenannten Film gewann er dann den Oscar. Obwohl mittlerweile wahrscheinlich jeder verstanden hat, dass er auch schauspielern kann, ist er weiterhin bemüht, möglichst unattraktiv auszusehen (wie hier: extreme Gewichtszunahme, Halbglatze mit fettigen Strähnen und falsche Zähne),weil er das scheinbar gleichsetzt mit gutem Schauspiel. Den Oscar kann man ihm leider nicht mehr wegnehmen, aber er wird niemals zu einem der besten Schauspieler zählen. Hier hätte er sich am Set mal ein Beispiel an Corey Stoll, Bill Camp und Edgar Ramirez nehmen sollen, die auf leichte und natürliche Art einen wesentlich größeren Eindruck als Schauspieler hinterlassen.

„Gold“ war ursprünglich für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Matthew McConaughey). Iggy Pops hörenswerter Song „Gold“ wurde für den Golden Globe nominiert, Oscar-Nominierungen hat der Film nicht erhalten.

 
„Gold“ wurde am 30.12.16 in einigen amerikanischen Kinos gestartet, seit dem 27.01.17 ist er dort landesweit in den Kinos. Ab dem 13.04.17 ist der Film in den deutschen Kinos zu sehen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

 
Trailer v. Film: „Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: 5. Film der Serie. Warum genau spielt hier Javier Bardem mit?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Ghost in the Shell„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Sci-Fi-Film mit Scarlett Johansson und Takeshi Kitano, aber auch Juliette Binoche
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Wilson„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Tragikomödie mit Woody Harrelson und Laura Dern. Ich liebe den Film schon vom Trailer her
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Dunkirk„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Der Christopher-Nolan-Film mit Kenneth Branagh, Tom Hardy und Mark Rylance. Der Film ist für den Sommer angekündigt, also kein Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Shack„
Bewertung des Trailers: D+
Kommentar: schnulziger Fantasy-Mist mit Octavia Spencer
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Great Wall„
Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)
Kommentar: Historische Actionfilme sind selten meine Welt. Der hier ist eindeutig für den chinesischen Markt produziert, auch wenn Matt Damon mitspielt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Free Fire„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Ben Wheatleys Actionkomödie mit Brie Larson, Armie Hammer, Sharlto Copley
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: vielleicht

Oscar-Gewinner 2017 – meine Analyse

Die meisten Oscar-Experten haben diese Oscar-Verleihung als „langweilig und vorhersehbar“ abgehakt. Seit meiner ersten Prognose vom September 2016 habe ich auf La La Land getippt, auch wenn alles mittlerweile auf einen Oscar-Gewinn als Bester Film und viele andere Oscars hindeutet, mache ich mir so meine Gedanken.

Zu Erinnerung: Im letzten Jahr sah sich AMPAS einem Shitstorm sondergleichen ausgesetzt. (#OscarsSoWhite) Dieses Jahr sind drei afroamerikanische Filme („Fences“, „Moonlight“ und „Hidden Figures“), ein schwarzer Regisseur (Barry Jenkins) und sieben dunkelhäutige Schauspieler (Denzel Washington, Ruth Negga, Mahershala Ali, Dev Patel, Viola Davis, Naomie Harris, Octavia Spencer) für den Academy Award nominiert. Außerdem sind zwei afroamerikanische Drehbuchautoren (Barry Jenkins und posthum August Wilson) für den Oscar nominiert. Dieses Jahr ist also #OscarsSoWhite vom Tisch, wobei ich den Angriff auf AMPAS – nach wie vor – nicht wirklich nachvollziehen kann, ein #HollywoodSoWhite wäre wesentlich treffender gewesen. Denn es liegt nicht an AMPAS, sondern daran, dass nicht ausreichend hochwertigen Filmen mit nicht-weißen Schauspielern und einer entsprechenden Thematik produziert werden. AMPAS kann nur das nominieren, was da ist.

„La La Land“ hat 14 Oscar-Nominierungen erhalten. Das gab es in 89 Jahren Academy Awards nur 2x Mal zuvor, bei „All About Eve“ und „Titanic“. „All About Eve“ hat Best Picture, Best Supporting Actor (George Sanders) und vier weitere Oscars gewonnen, „Titanic“ hat 11 Oscars, inklusive Best Picture gewonnen, dafür ungewöhnlicherweise keinen Schauspielpreis (Kate Winslet und Gloria Stuart waren nominiert). „Ben-Hur“, „Titanic“ und „The Lord of the Rings: The Return of the King“ haben in der 88 Jahren Oscar-Geschichte die meisten Oscars gewonnen, alle 11 Oscars. Letztgenannter Film war im Jahr 2003 der letzte große Abräumer bei den Oscars. Gegenbeispiele mit vielen Nominierungen und keinem einzigen Oscar-Gewinn gibt es einige. Zuletzt American Hustle, True Grit und „Gangs of New York“ – alle drei Filme hatten 10 Nominierungen, kein einziger Oscar-Gewinn. Gravity hat 7 Oscars gewonnen, aber nicht Best Picture. Oder zurück zum letzten Jahr The Revenant war für 12 Oscars nominiert, Mad Max: Fury Road hat im letzten Jahr sechs Oscars gewonnen und „Revenant“ hat letztlich nur drei (Beste Regie, Leo als Bester Hauptdarsteller und Beste Kamera) gewonnen. Mit dem Oscar für den besten Film wurde letztes Jahr Spotlight ausgezeichnet, ein Film, der nur für 6 Oscars nominiert war.

Es ist also keinesfalls so, dass der Film, der die meisten Oscar-Nominierungen erhalten hat, viele Oscars und dazu noch Best Picture gewinnt. Nun setzen 14 Oscar-Nominierungen „La La Land“ natürlich automatisch in den Favoriten-Sessel – und der ist sehr ungemütlich.

Ich hatte es an anderer Seite schon gesagt, als Favorit bei den Oscars zu gelten ist nie gut. Ab dem Moment, in dem ein Film den Oscar als bester Film quasi schon in der Tasche hat, wird er von allen Seiten angegriffen und für schlechter empfunden, als er vielleicht letztlich ist. Die ganzen PR-Leute hinter den Oscar-Kampagnen versuchen ihre Asse aus dem Ärmel zu schütteln, die Zuschauer gehen mit einer immensen Erwartungshaltung ins Kino und denken am Ende, was und der wird den Oscar gewinnen?

Saturday Night Live – Sketch „La La Land“

„La La Land“ spaltet die Filmgemeinde, allerdings nicht so wie im letzten Jahr „The Revenant“, der Film wurde geliebt oder gehasst. Bei „La La Land“ ist meine Beobachtung, dass es viele gibt, die ihn lieben, einige die ihn hassen, aber die überwiegende Zahl findet ihn gut oder wenigstens okay. Das ist wichtig bei dem preferential voting system. Aus der letzten Oscar-Saison habe ich gelernt, dass „The Revenant“ bei den Academy Mitgliedern entweder auf Platz 1 ihrer Liste war oder gar nicht auf der Liste der 8 nominierten Filme gelandet ist. Zu Erinnerung: Alle Academy-Mitglieder müssen die nominierten Filme entsprechend ihrer Präferenz der Reihe nach listen. Wenn ein Film bei der ersten Auszählung der Stimmen aller Academy-Mitglieder mehr als 50% erreicht hat, haben wir dann bereits den Oscar-Gewinner-Film. Sollte das kein Film schaffen, gehts es in die zweite Runde und dann zählen die Stimmen für die Filme, die auf der Academy-Liste auf den Plätzen 2 und 3 und 4 sind. Ich habe das System verstanden, kann es aber nicht so plausibel erklären wie Steve Pond von The Wrap. Dazu empfehle – mal wieder – sich seine Erklärung in dem folgenden Video anzuschauen:

„La La Land“ ist m. E. ein Platz 1 Film, aber könnte auch bei einigen Academy-Mitgliedern auf Platz 2, 3 oder 4 landen. Die Gewerkschaft der Film- und Fernsehproduzenten (PGA) nutzen ebenso das preferential voting system und da wurde „La La Land“ bereits als bester Film ausgezeichnet. Im letzten Jahr war The Big Short der PGA-Gewinner-Film.

In einem normalen Oscar-Jahr würde „La La Land“ sehr wahrscheinlich den Oscar als bester Film gewinnen, aber ist es ein normales (Oscar)-Jahr?

 
Möchte sich AMPAS noch Jahre später zum Vorwurf machen, dass sie in diesen turbulenten Trump-Zeiten und im Jahr 1 nach #OscarsSoWhite den fröhlichsten, weißesten Film, ein Verfolge-Deine-Träume-Musical, ausgezeichnet haben?

Die Oscar-Saison ist politisch geworden. Als ich meine erste Oscar-Analyse im September geschrieben habe, war der 8.November 16 noch weit weg, kaum einer hat mit dem Wahlausgang wirklich gerechnet. Sehr wohl war mir aber klar, dass eine Trump-Wahl die Oscar-Saison verändern kann. Ich wiederhole mich, wenn ich das 9/11 Szenario in Verbindung mit der Oscar-Verleihung ein Jahr später erinnere. Seinerzeit hat sich Hollywood, die U.S.A. und natürlich die Welt in einer Schockstarre befunden. Vielleicht war aus diesem Grund der Wunsch nach Eskapismus groß und AMPAS hat das Musical „Chicago“ als besten Film ausgezeichnet. Die Schockstarre in Hollywood ist im Februar 2017 lange vorbei, die Wut über die Aussagen und die Aktionen des mittlerweile amtierenden Präsidenten ist riesig. Meryl Streep hat mit ihrer Rede bei den Golden Globes den Stein etwas ins Rollen gebracht, seither melden sich immer mehr Künstler zu Wort. Das zeigen auch die beiden Preisverleihungen der Gewerkschaft der Produzenten und der Schauspieler. Vor allen Dingen, die im TV übertragende SAG-Awards zeigten, dass sich kaum ein Schauspieler bei seiner Dankesrede nicht politisch geäußert hat. Ist es in dieser Zeit noch zu rechtfertigen, dass ein Eskapiskus-Film (dieses Jahr „La La Land“) mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wird, oder ist es jetzt nicht zeitgemäßer und wichtiger, eine Botschaft zu transportieren? Sollte sich AMPAS mit der Wahl ihres besten Films eigentlich politisch einbringen oder geht es nicht vielmehr darum, den besten Film des Jahres 2016 auszuzeichnen?

Ist „La La Land“ der beste Film des Jahres 2016? In meinen Augen ist er weit davon entfernt, bei mir taucht er nicht mal in meiner Top Ten Filme für Filme aus dem Jahr 2016 auf. In meinen Augen sind Moonlight,  Manchester by the Sea und Arrival die wesentlich besseren Filme. „Manchester by the Sea“ ist meines Erachtens raus aus dem Rennen um den Oscar als Bester Film. „Moonlight“ wäre der Film mit einer Botschaft, ein Film über das Anderssein. Ein afroamerikanischer Film mit einer Gay-Thematik.

Meine Träume, dass „Moonlight“ dem Film „La La Land“ den Oscar als bester Film noch abspenstig machen kann, sind am 29.01.17 mit dem SAG-Ensemble-Award (vergleichbar mit Bester Film) erstmal geplatzt. „La La Land“ war nicht für den SAG-Ensemble-Award nominiert, hier hätte die Schauspielgewerkschaft „Moonlight“ oder „Manchester by the Sea“ auszeichnen können. Unfassbarerweise hat aber Hidden Figures gewonnen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie unerträglich das für mich wäre, wenn „Hidden Figures“ den Oscar als Bester Film gewinnt. Dann lasst bitte lieber „La La Land“ alle Academy Awards gewinnen. „Hidden Figures“ ist mittlerweile der erfolgreichste aller Oscar-nominierten Filme an der amerikanischen Kinokasse (dicht gefolgt von „La La Land“).

Und nun? Eines gilt als sicher, sollte „La La Land“ sich durchsetzen wird dieser Film unter den Oscar-Fans noch Jahre später dafür gehasst werden, dass er in so einer Zeit den Oscar als Bester Film gewonnen hat.

 
„La La Land“ hat 14 Oscar-Nominierungen, kann aber faktisch max. 13 Oscars gewinnen (in der Kategorie Bester Song ist er 2x nominiert). Welche Oscars sind „La La Land“ sicher: Beste Regie, Bester Schnitt, Bester Ton, Beste Filmmusik, Bestes Szenenbild – das sind 5, Beste Schauspielerin und Bester Film sind 7, der Beste-Film-Gewinner gewinnt auch meist das beste Drehbuch, (in dem Fall bestes Originaldrehbuch, auch wenn es „Manchester by the Sea“ wesentlich mehr verdient hätte). 8, Beste Kamera müsste an „Arrival“ gehen, könnte aber auch an „La La Land“ gehen – 9. Bestes Kostümdesign müsste an Jackie oder Florence Foster Jenkins gehen, könnte aber auch an „La La Land“ gehen – 10. In der Kategorie Bester Song sind – wie gesagt – 2 Songs nominiert und die könnte sich gegeneinander ausspielen und der Oscar könnte an „How Far I´ll Go“ aus Moana gehen. Das Multitalent Lin-Manuel Miranda wäre damit einer der wenigen EGOT-Gewinner (das bedeutet, er hat alle vier wichtigsten Preise in der amerikanischen Entertainment-Branche Emmy, Grammy, Oscar und Tony gewonnen). Der Favorit in der Kategorie Bester Originalsong ist aber „City of Stars“ – dann wären wir bei 11 Oscars. Es bleiben letztlich nur 2 Kategorien, die eher nicht an „La La Land“ gehen: Bester Hauptdarsteller (Ryan Gosling) und Bester Tonschnitt (diese Kategorie geht meist an den lautesten Film und äußerst selten an ein Musical). Wenn „La La Land“ der Abräumer wird, gewinnt der Film auch Bester Tonschnitt – 12 Oscars.

Im Jahr 2009 wurde das preferential voting system wieder eingeführt (das gab es bereits von 1934-1945), seitdem hat  kein Oscar-Gewinner Film mehr als 6 Oscars gewonnen. Im Jahr 2009 hat The Hurt Locker 6 Oscars gewonnen. „Spotlight“ – wie gesagt – im letzten Jahr nur 2, Birdman  hat 4 und 12 Years a Slave hat 3 Oscars gewonnen.

Die meisten Oscars, die ein Film allein gewonnen hat, waren – wie gesagt – 11. Man stelle sich vor „La La Land“ würde bei den Academy Awards richtig abräumen und wirklich 12 (oder 13) Oscars gewinnen. Dann würde „La La Land“ hinsichtlich der Oscars einen Rekord aufstellen und als bester Film aller Zeiten gelten – viel Spass mit der Bürde.

Ich bin kein großer Fan von „La La Land“, welcher Film mir mehr am Herzen liegt ist: Toni Erdmann. Es sieht immer mehr so aus, als würde – aufgrund der politischen Situation in den U.S.A. – der Oscar für den besten fremdsprachigen Film an Iran („The Salesman“) gehen. Auch habe ich gehört, dass „Toni Erdmann“ auf DVD/Screener nicht so gut wirkt und viel zu lang ist. Die meisten Academy-Mitglieder gucken aber, wenn sie sich die nominierten Filme überhaupt anschauen, die fremdsprachigen Filme Zuhause. Sehr schade für diesen tollen Film. Schon lange wurde gemunkelt, dass Hollywood ein Remake zu „Toni Erdmann“ plant. Mittlerweile sind die Pläne schon etwas konkreter und Jack Nicholson soll die Hauptrolle spielen. Sollte der Film tatsächlich in die Tat umgesetzt werden, wäre das eine riesiges Comeback für Jack Nicholson (von dem man bereits seit Jahren nichts hört und sieht) und dann ist Jack Nicholson ein hundertprozentiger Kandidat für den, seinen vierten, Oscar.

Zurück zu den zu vergebenen Schauspiel-Oscars dieses Jahr:

 
Beste Nebendarstellerin: Viola Davis (für Fences) – das ist die einzige Kategorie, die wohl schon zu hundert Prozent entschieden ist.

Die Kategorie Bester Nebendarsteller geht wohl auch relativ sicher an Mahershala Ali (für  Moonlight), in dieser Kategorie gibt es aber auch sehr gerne mal eine Überraschung. Wenn Michael Shannon gewinnt, flippe ich aus vor Freude.

Emma Stone ist die Favoritin in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin. Wenn „La La Land“ – wie angenommen wird – so viele Oscars gewinnt, ist meistens auch ein Schauspielpreis dabei. Die Einzige, die ihr meines Erachtens gefährlich werden könnte, ist Isabelle Huppert (für „Elle“). Ich habe es schon öfter gesagt, wiederhole mich aber gerne, die Golden Globes sind für die Academy Awards relativ unwichtig. Wichtig ist, dass Filme durch eine GG-Nominierung mehr Beachtung finden, die Academy-Mitglieder sich diese Filme dann auch anschauen und ganz wichtig sind die Dankesreden. Ich bin mir beispielsweise sicher, dass in solch einem Jahr voller hervorragender weiblicher Performances, Meryl Streep mit ihrer Rede bei den Golden Globes ihre 20. Oscar-Nominierung in Stein gemeisselt hat. Nun haben sowohl Isabelle Huppert als auch Emma Stone den Globe (Huppert für Drama, Stone für Comedy/Musical) gewonnen, Huppert war sehr überrascht über ihren GG-Gewinn und hat eine tolle Rede gehalten. Jetzt war die Französin nicht für den Preis der Schauspielgewerkschaft (SAG) nominiert. Gegeneinander mussten Emma Stone und Isabelle Huppert noch nicht angetreten.

 
Bester Hauptdarsteller:

Es wird sich zwischen Denzel Washington und Casey Affleck entscheiden.

Insbesondere in dieser Kategorie wird gerne das meiste Schauspiel, das meiste Sich-ins-Zeug-legen, das meiste Sich-körperlich-verändern, das meiste Sich-in-einen-ganz-anderen-Charakter-verwandeln und/oder Möglichst-eine-berühmte-Persönlichkeit-spielen geehrt. (um ein paar Gewinner der letzten Jahre zu nennen, auf denen dieses Profil passt: Leonardo DiCaprio, Eddie Redmayne, Matthew McConaughey, Daniel Day-Lewis, Colin Firth, Sean Penn. Außerdem gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, nachdem die attraktiven männlichen Schauspieler nicht bevor sie das 40. Lebensjahr erreicht haben, den Oscar gewinnen. Es gibt immer natürlich immer Ausnahmen, Adrien Brody zum Beispiel.

Casey Affleck ist 41 Jahre alt, also knapp über40, sieht aber aus wie Anfang 20. Ich weiß nicht, ob er mit seinem fiesen Bart, den er derzeit trägt, eine Strategie fährt – älter sieht er damit in jedem Fall aus. Auch wenn er mit seiner unaufgeregt-zurückhaltenden Performance (in Manchester by the Sea) nicht ins o.g. Profil passt, sah es lange so aus, als hätte er den Oscar bereits in der Tasche. Ich hatte im letzen Jahr bereits über den Sexskandal aus seiner Vergangenheit berichtet, dieser brodelt weiter vor sich hin, vielleicht führt er aus diesem Grund keine Oscar-Kampagne. Jetzt hat Denzel Washington den Preis der Schauspielgewerkschaft gewonnen (SAG-Award) und läuft durch Hollywood und küsst Babies und hilft alten Damen über die Straße. Im Moment geht die Tendenz wohl eher zu Denzel Washington.

 
Für Denzel Washington spricht, dass er  in „Fences“ eine typische „Theater-Performance“ gibt. Kein Wunder, „Fences“ ist ein – noch dazu von ihm – verfilmtes Theaterstück. Denzel hat für diese Performance bereits den Tony gewonnen und kürzlich seinen 1. SAG-Award gewonnen. Was spricht also gegen den Oscar-Gewinn für Denzel Washington? Meines Erachtens, dass er einen sehr unsympathischen Charakter spielt. Richtige Bösewichte werden in dieser Kategorie gerne ausgezeichnet, beispielsweise Daniel Day-Lewis in „There Will Be Blood“, Forest Whitaker in „The Last King of Scotland“ und – unvergessen – Anthony Hopkins für „The Silence of the Lambs“). Einfach unangenehme Charaktere gewinnen selten in dieser Kategorie, vielleicht kann man aber auch darüber hinwegsehen, weil er hier schließlich eine solide Regiearbeit präsentiert und Viola Davis zu ihrem ersten Oscar verhilft. Ich bin hier noch sehr unschlüssig, vor allen Dingen weil ein Oscar-Gewinn für Denzel Washington bedeutet, dass er bereits seinen 3. Academy Award gewinnt und damit steht er dann auf einer Stufe mit u.a. Meryl Streep, Daniel Day-Lewis und Jack Nicholson. Das ist der Moment, bei dem ich gar nicht überzeugt bin, dass Denzel eine Chance hat.

Ich werde mir die nächsten zwei Wochen noch ein paar Gedanken machen müssen.

 
Die 89. Oscar-Verleihung findet am Sonntag den 26.02.17 statt.

Meine Wette zu komplett allen Kategorien werde ich einen Tag vor den Oscars veröffentlichen.

Denver – Film: „Silence“

Ich war am 06.01.17 in Denver und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Silence“ (dt. Kinostart: 02.03.17) 161 min drama, adaptation
dir. Martin Scorsese cast: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Ciarán Hinds, Issei Ogata

 
Im Jahr 1638. Pater Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garupe (Adam Driver) aus Portugal reisen nach Japan. Sie begeben sich auf die Suche nach ihrem ehemaligen Mentor, Pater Ferreira (Liam Neeson), er soll seinem Glauben abgeschworen haben…

 
B (Wertung von A bis F) „Silence“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des japanischen Autors Shusaku Endo. Es ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „Goodfellas“, „Casino“, The Wolf of Wall Street).

„Silence“ gilt als sehr persönlicher Film des römisch-katholischen Regisseurs Martin Scorsese. Wie die meisten seiner Filme sieht auch dieser fantastisch aus. Es ist einer dieser imposanten Filme, der wahrscheinlich ausschließlich auf einer großen Leinwand wirkt. Leider ist er endlos lang und thematisch konnte ich dem Film gar nichts abgewinnen.

Ich halte mich für einen empathischen Menschen, versuche mich bei Filmen auch meist in die Charaktere reinzuversetzen. Das war mir in diesem Film nicht möglich, der einzige Charakter, dessen Handeln ich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen konnte, war Liam Neesons und seine Rolle kommt erst zum Ende zu tragen. Es liegt nun eine ganze Weile zurück, dass ich „Silence“ gesehen habe, lange habe ich überlegt, was ich schreiben kann, ohne anderen Menschen zu nahe zu treten. Generell macht mich die Arroganz sprachlos, mit der Gläubige in ein fremdes Land, in eine fremden Kultur wandern und den Einwohnern ihren Glauben aufzwingen wollen und dabei ihre Meinung/ihren Glauben als die/den einzig wahre (n) gelten lassen. Hier werden Pater Rodgrigues (gespielt von Andrew Garfield) und (japanische) Christen gezeigt, wie sie – im Angesicht des Todes – beharrlich an ihrem Glauben festhalten. Die japanischen Machthaber wollen nicht, dass die christliche Religion ihr Land unterwandert, verfolgen die Christen, nehmen sie fest und verlangen, dass sie – im wahrsten Sinne des Wortes – ihren Glauben mit Füßen treten. Und hier kommt der Punkt, den ich nicht verstanden habe. Wenn ich weiß, dass ich schrecklich gefoltert oder gar getötet werde, warum gebe ich mich dann nicht etwas geschmeidiger? Diese ganze Prozedur wiederholt sich zig Mal in dem Film.

Gut, aber was weiß ich schon davon? Gläubige Menschen werden den Film sehr wahrscheinlich mit ganz anderen Augen sehen. Für mich gab es eindrucksvolle Bilder, ich habe von ganz neuen Folter- und Tötungsmethoden erfahren und hatte Spass mit einem der Nebencharakter, Inquisitor Inoue (gespielt von Issei Ogata). Diese Figur ist der klare Bösewicht des Films. Mich hat er von seiner kultivierten-fiesen Art an Christoph Waltz´ Hans Landa aus Inglourious Basterds erinnert. Diese Rolle könnte für den 64-jährigen japanischen Schauspielers der Durchbruch in Hollywood bedeuten.

In der Oscar-Saison 2016/2017 war „Silence“ der letzte Prestige-Film, der den amerikanischen Kritikern gezeigt wurde. Der Film war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Andrew Garfield), Bester Nebendarsteller (Issey Ogata, Adam Driver, Liam Neeson), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. „Silence“ wurde letztendlich nur für einen Academy Award (Beste Kamera) nominiert.

Die Premiere von„Silence“ fand im Vatikan statt. Am 23.12.16 ist der Film in vier ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 13.1.17 war der Film dann landesweit in den U.S.A. zu sehen. Der Film ist teilweise in Japanisch mit englischen Untertiteln. In Deutschland startet der Film am 02.03.17.

 
Trailer zu sehen:

 
vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Neruda„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Chilenischer Film und nach Jackie zweiter 2016er Film von Pablo Larrain. Mit Gael Garcia Bernal
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „I´m Not Your Negro„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Dokumentation
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „20th Century Women„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Mike Mills neuer Film mit Annette Bening, Elle Fanning, Greta Gerwig und Billy Crudup
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Paterson„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Jim Jarmuschs neuer Film mit Adam Driver
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF 54 gesehen

Berlin – Film: „Live by Night“

Ich war am 23.01.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Live by Night“ (dt. Kinostart: 02.02.17) 129 min crime, drama, adaptation
dir. Ben Affleck cast: Ben Affleck, Elle Fanning, Brendan Gleeson, Chris Messina, Sienna Miller, Zoe Saldana, Chris Cooper

 

 

In den 1920er Jahren in Boston. Joe Coughlin (Ben Affleck) ist der Sohn des Polizeichefs (Brendan Gleeson). Joe steht auf der anderen Seite des Gesetzes, verdient sein Geld mit Räubereien und Banküberfällen. Als er sich in die Geliebte (Sienna Miller) des berüchtigten Gangsterbosses Albert White (Robert Glenister) verliebt, will er nur noch einen „Job“ machen und dann mit ihr durchbrennen. Dann geht aber etwas schief…

 

 

C- (Wertung von A bis F) „Live by Night“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane. Nach Gone Baby Gone, The Town und Argo ist dies der vierte Spielfilm bei dem der amerikanische Schauspieler Ben Affleck Regie führt.

 
Ich war kein großer Fan von Ben Afflecks ersten beiden Filmen, „Argo“ fand ich aber klasse. Nach vier Filmen würde ich ihm durchaus ein Talent als Regisseur bescheinigen.

 
Es wird aber Zeit, dass irgendjemand Ben Affleck klar macht, dass er kein guter Schauspieler ist. Ich habe mir sagen lassen, dass er im realen Leben sehr attraktiv und charismatisch sein soll, in meinen Augen transportiert sich das leider auch nicht auf die Leinwand. Er sollte auch einfach damit aufhören, in seinen eigenen Filmen die Hauptrolle zu übernehmen. In „Live by Night“ ist er in der Rolle des Joe Coughlin fehlbesetzt, er wirkt die ganze Zeit  angestrengt und in diesen Anzügen einfach steif und verkleidet. (besonders schlimm gegen Ende des Films als er einen weißen Dreiteiler trägt). Die Steigerung von „unglaubwürdig“ ist, wenn mir weisgemacht werden soll, dass Ben Afflecks Charakter der Sohn von Brendan Gleesons Charakter sein soll oder – später im Film – wenn er quasi im Alleingang  gegen den Ku-Klux-Klan kämpft. Ja, nee, ist klar. Vermutlich hätte es dem Film geholfen, wenn Ben Affleck nicht die Hauptrolle gespielt hätte. „Live by Night“ wäre zwar immer noch kein guter Film, aber entscheidend besser.

Ein großer Lichtblick des Films ist Chris Cooper, bei jeder Szene kann man für einen kurzen Moment glauben, hier einen wirklich soliden Film zu sehen, auch kann Elle Fanning überzeugen. Die Ausstattung und die Kostüme sind eindrucksvoll, auch wenn ich nie das Gefühl hatte im Film zu sein, sondern eher auf ein wirklich gelungenes Szenenbild zu schauen.

„Live by Night“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ben Affleck), Bester Nebendarsteller (Chris Messina, Chris Cooper), Beste Nebendarstellerin (Elle Fanning, Sienna Miller, Zoe Saldana), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Letztlich hat es für keine Oscar-Nominierung gereicht.

 
„Live by Night“ ist am 25.12.16 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 13.1.17 ist der Film landesweit zu sehen. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die Originalfassung mit englischen Untertiteln. „Live by Night“ ist ab dem nächsten Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen.

 
Trailer zu sehen: