TV-Serie: „Pose, 1. Staffel“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender FX-Serie angeschaut:

 

„Pose, 1. Staffel“   8 x approx. 50 min   drama

dir. Ryan Murphy, Nelson Cragg, Gwyneth Horder-Payton, Silas Howard, Janet Mock, Tina Mabry  cast: Evan Peters, Kate Mara, James Van Der Beek, Mj Rodriguez, Dominique Jackson, Ryan Jamaal Swain, Indya Moore, Billy Porter, Christopher Meloni, Kathryn Erbe 

 

New York, 1987. Damon (Ryan Jamaal Swain) ist siebzehn Jahre alt, er liebt das Tanzen und er ist schwul. Das sind für seinen Vater gleich zwei Gründe, ihn zu verprügeln und vor die Tür zu setzen. Er geht nach New York und lebt fortan auf der Straße. Eines Tages lernt er die transsexuelle Blanca (Mj Rodriguez) kennen, sie bietet ihm an, bei ihr zu leben. Kürzlich hat Blanca sich mit der ebenfalls transsexuellen Elektra, der Mother of Abundance (Dominique Jackson) überworfen. Jetzt hat sie ihr eigenes Haus, das House of Evangelista, gegründet. Blanca nimmt nun selbst verlorene Seelen auf, darunter auch die transsexuelle Angel (Indiya Moore). Angel arbeitet im Sexbusiness, sie hat kürzlich  Stan (Evan Peters) kennengelernt. In der Voguing-Szene bieten sich die Transpersonen Elektra und Blanca schon bald rivalisierende Performances….

 

B+ (Wertung von A bis F) „Pose“ spielt in New York in den Jahren 1987 und 1988. Serienschöpfer sind der amerikanische Drehbuchautor, Regisseur und Erfolgsproduzent Ryan Murphy („Glee“, der Anthologie-Serien American Horror Story, The People v. O. J. Simpson: American Crime Story und The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story und Feud: Bette and Joan) und der amerikanische Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Brad Falchuk („Glee“, „American Horror Story“). 

„Pose“ war einer dieser Serie, bei der ich nicht so richtig wusste, ob sie mir zusagen würde. Dafür ist es gut, wenn iTunes die Pilotfolge umsonst zur Verfügung stellt.  Am Ende des Piloten habe ich mit Damon mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihm und auch mit Angel und Stan weitergeht. 

Die Serie führt einen in eine völlig eigene Welt, in eine Subkultur der LGBTQ-Ballroom-Szene und House-Kultur von New York, Ende der 1980er Jahre. 

Das New York Ende der 1980er Jahre war eine völlig andere Ära, als die jetzige. Donald Trump wurde von vielen für seinen Reichtum bewundert, Yuppies überall in seinem Dunstkreis. AIDS war ein großes Thema, wenn jemand die Diagnose „HIV positiv“ erhielt, galt das quasi als Todesurteil. Trans-Menschen wurden von den meisten Homosexuellen noch nicht wirklich akzeptiert. Sie arbeiteten oftmals in der Prostitution bzw. im Sexbusiness. Am New Yorker Times Square gab es noch die ganzen Sex Shops und er war noch nicht mit Touristen übervölkert wie heutzutage. 

Viele Transpersonen lebten in New York in dieser Zeit in Ersatz- bzw. Wahlfamilien, in den sogenannten Houses. Angeführt wird ein House von einer Mother. Diese „Mutter“ ist das Oberhaupt der Ersatzfamilie, sie nimmt verlorene Seelen in ihr „Haus“ auf und versorgt ihre „Kinder“. Die Mitglieder der Houses  tragen ab dem Zeitpunkt den Namen des Houses (House of Evangelista, etc.) und damit auch eine Verantwortung. Bei den Bällen (also den Wettbewerben) laufen sie für ihr House. Der Ballroom ist eine eigene und einzigartige Gemeinschaft. Hier finden die queeren und dunkelhäutigen Menschen, die Anerkennung, die ihnen in der sonstigen Gesellschaft verwehrt bleibt. Das sogenannte Voguing  ist bereits Ende der 1960er Jahre in Harlem entstanden. Das Posen haben sich die dunkelhäutigen Persönlichkeiten von den weißen Models aus der Modezeitschrift „Vogue“ abgeschaut und daraus einen Tanz entwickelt. Das Voguing wurde in Wettbewerben in der Ballroom-Szene vorgeführt und von einer Jury bewertet. Im Jahr 1990 hat die Sängerin Madonna in ihrem Song und Video „Vogue“ die Tanzform allgemein bekannt gemacht. 

Ich hatte es schon öfter erwähnt, ich liebe es, wenn mich ein Film oder eine Serie in eine ganz andere Welt führt. Man wird hier eingeladen, rund acht Stunden in einer besonderen Gemeinschaft in New York der 1980er Jahren zu verbringen. Man lernt die Ladies und ihre (Ersatz-) Familien kennen, wie sie Geld verdienen, welche Probleme sie haben, wie wichtig Schönheitschirurgie in diesem Umfeld war und welche Probleme bei einer Geschlechtsumwandlung auftauchen können. Kann eine Beziehung zwischen einem scheinbar heterosexuellen Mann und einer extrovertierten Transfrau funktionieren? Um ehrlich zu sein, mochte ich die Geschichte zwischen Stan (gespielt von Evan Peters) und Angel (gespielt von Indya Moore) am meisten, bewegt haben mich aber auch andere. 

An der Ausstattung, an den Frisuren, Accessoires, Kostümen habe ich rein gar nichts auszusetzen. Die Musik, die gewählt wurde, ist nicht nur durchweg exzellent, sie ist auch authentisch für die 1980er Jahre und, was vielleicht noch wichtiger ist, sie fügt sich thematisch perfekt ein. 

Das eigentlich Voguing auf den elektrisierenden Bällen war mir etwas zu laut und schrill und das Diven-Getue ging mir auch leicht auf die Nerven. Wobei ich zugeben muss, dass mir die Szenen im Ballroom bei der zweiten Sichtung der Serie wesentlich besser gefallen haben. Vielleicht auch weil ich zu diesem Zeitpunkt die Charaktere bereits kannte, ins Herz geschlossen hatte und verstanden habe, dass sie ihre Identität hierüber finden und die Anerkennung bekommen, nach der sie außerhalb ihrer Gemeinschaft vergebens suchen.

Meine Lieblingsszenen: 

  • Das Ende von Episode 6 („Love is the Message“) unterlegt von Whitesnakes „Is This Love“  – dazu passend die wunderbare „Slave to Love“-Szene aus der der zweiten Episode („Access“) und das perfekt geschnittene Ende derselben Episode, unterlegt mit dem Orchesterstück „In the Hall of the Mountain King“
  • Das Ende von Episode 7 („Pink Slip“), unterlegt mit Tina Turners „Private Dancer“ zusammen mit der Anfangsszene von Episode 8 („Mother of the Year“) unterlegt mit Simply Reds „Holding Back The Years“ 

Meine Lieblingsfolge:  7 („Pink Slip“)

Meine Bewunderung für Ryan Murphy hatte ich bereits in meinem Blogbeitrag zu Feud: Bette and Joan ausgedrückt. Alleine dieses Jahr hat mich der Serienschöpfer schon mit seiner faszinierenden Geschichte über den Serienmörder Andrew Cunanan, der auch den Modedesigner Gianni Versace tötete, begeistert. Mich beeindruckt aber vor allen Dingen seine Selbstverständlichkeit, Minderheiten zu beschäftigen. Für „Pose“ hat er vor und hinter der Kamera über 140 Künstler aus der LGBTQ-Gemeinschaft angestellt. Er hätte nicht zwingend alle Trans-Charaktere mit tatsächlichen Trans-Schauspieler besetzen müssen (siehe Transparent), aber er hat es getan und das trägt hier zur Authentizität bei. Ryan Murphy hat mit dieser Serie auch einen Rekord gebrochen, es gibt keine andere Spielfilm-Serie mit mehr Trans-Schauspielern. Ryan Murphy spendet 100% des Erlöses aus dieser TV-Serie der LGBTQ-community.  

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Stan ist aus dem Mittelstand, er bekommt einen Job in der Trump Organisation angeboten. Stan ist mit Patty (gespielt von Kate Mara) verheiratet, die beiden haben eine kleine Tochter und einen Sohn. Kürzlich hat er die transsexuelle Sex-Arbeiterin Angel (gespielt von Indya Moore) kennengelernt. Gespielt wird Stan von dem amerikanischen Schauspieler Evan Peters. Bei Evan Peters war ich mir am Anfang nicht so sicher, ob er der Richtige für diese Rolle ist. Er wächst aber rein und bereits in Episode 2 („Access“) habe ich ihn als unersetzlich gesehen. Er hat die nötiger Traurigkeit, die jemand hat, der niemanden verletzen will, aber fürchterlich unglücklich in seiner Ehe und seinem irgendwann mal gewählten Leben ist. Evan Perters ist Stan. Okay, ich bin jetzt Fan von Evan Peters. Ich habe ihn erst kürzlich in dem Kinofilm American Animals gesehen. Seinen Durchbruch hatte er wohl in Ryan Murphys ersten Staffel von American Horror Story, wo ich ihn tatsächlich auch bereits wahrgenommen habe. Auch hat er in den X-Men-Filmen Days of Future Past und „Apocalypse“ den Quicksilver gespielt.

Elektra Abundance ist eine der transsexuellen Mütter (House of Abundance) und sehr erfolgreich bei ihrem Voguing im Ballroom. Sie hat eine langjährige Affäre mit einem sehr wohlhabenden, heterosexuellen Mann (gespielt von Christopher Meloni). Elektra träumt von einer geschlechtsangleichenden Operation. Elektra ist bildhübsch, aber arrogant, verbittert und fies. Mir ist sie fast so unsympathisch wie der von James Van Der Beek gespielte Charakter Matt. Gespielt wird Elektra von dem trinidadisch-amerikanischen transsexuellen Model/ der Schauspielerin Dominique Jackson. 

Blanca Evangelista ist eine weitere transsexuelle Mutter (House of Evangelista). Bevor sie ihr eigenes Haus gründete, war sie eines von Elektras „Kindern“. Elektra und Blanca liefern sich schon bald einen Laufsteg-Fight im Ballroom. Blanca ist die Mutter von u.a. Angel (gespielt von Indya Moore) und Damon (gespielt von Ryan Jamaal Swain). Blanca wird von der amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Mj Rodriguez gespielt. Die Schauspielerin wurde als Junge geboren, hat aber vor einigen Jahren bereits eine komplette Geschlechtsumwandlung vollzogen. Sie hatte kleinere Rollen in den TV-Serien „Nurse Jackie“ und „Luke Cage“. „Pose“ ist aber ihr großer Durchbruch, in der Serie spielt sie eine der Hauptrollen. 

Damon ist siebzehn Jahre alt und einer von den Blancas Kindern. Damon war obdachlos, nachdem er bei seinen Eltern rausgeflogen war. Blanca (gespielt von Mj Rodriguez) hat ihn aufgenommen, seither gehört dem House of Evangelista an. Damons großer Traum ist es, als Tänzer erfolgreich zu sein. Gespielt wird Damon von dem amerikanischen Tänzer und Schauspieler Ryan Jamaal Swain. 

Angel ist transsexuell und auch eines von Blancas Schützlingen. Sie gehört dem House of Evangelista an. Sie arbeitet im Sexbusiness. Eines Tages wird sie von dem verheirateten Stan (gespielt von Evan Peters) angesprochen. Gespielt wird Angel von dem amerikanischen Transgender-Model/ der Schauspielerin Indya Moore.  

Die erste Staffel von „Pose“ wurde v. 3.6.18 – 22.7.18 auf dem amerikanischen Kabel-TV-Sender FX ausgestrahlt ausgestrahlt. Eine zweite Staffel wurde bereits bestätigt. Bislang ist unklar, ob diese Serie auch im deutschen TV ausgestrahlt wird. 

Trailer zu sehen: 

Noch wichtiger für den ersten Eindruck aber der First Look:

 

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