Charlotte – Film: „Lion“


Ich war am 28.12.16 in Charlotte und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Lion“ (dt. Filmtitel: „Lion: Der lange Weg nach Hause“, dt. Kinostart: 23.02.17) 121 min drama, adaptation, biopic
dir. Garth Davis cast: Sunny Pawar, Dev Patel, Rooney Mara, David Wenham, Nicole Kidman, Abhishek Bharate

 
Im Jahr 1986 in Khadwa, Indien. Der fünfjährige Saroo (Sunny Pawar) lebt mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in den Slums. Eines Nachts ist er mit seinem älteren Bruder Gaddu (Abhishek Bharate) unterwegs. Saroo wird müde, er wird von seinem Bruder auf dem Bahnhof zurückgelassen und soll auf ihn warten. Als der Kleine wach wird, sucht er seinen Bruder, steigt in einen verlassenen Zug und schläft erneut ein. Am nächsten Morgen befindet sich der Fünfjährige im fahrenden Zug und irgendwann ist er in Kalkutta, 1600 km von seinem Heimatort entfernt. Saroo weiß weder seinen Familiennamen noch kennt er seinen genauen Wohnort. Fortan ist er völlig auf sich allein gestellt und und in der Millionenstadt verschiedener Gefahren ausgesetzt. Eines Tages landet er in einem Waisenhaus. Saroo wird dann von einem australischen Ehepaar (Nicole Kidman und David Wenham) adoptiert. Die Jahre vergehen und als Erwachsener (Dev Patel) hat er zunehmend Probleme mit seiner Situation. Er begibt sich schließlich auf die Suche nach seiner Mutter und seinen Geschwistern…

 
B+ (Wertung von A bis F) „Lion“ basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist die Adaption von Saroo Brierleys Memoiren „A Long Way Home“ und der erste Spielfilm, bei dem der australische Künstler und Regisseur für Werbefilme Garth Davis Regie führt. Mit dem TV-Mehrteiler Top of the Lake hat er bereits eine eindrucksvolle Regiearbeit abgegeben.

Auch wenn ich wusste, dass dieser Film für den Oscar als bester Film im Gespräch ist, war meine Erwartung nicht sonderlich hoch. Oftmals gibt es einen faulen Apfel im Korb der oscarnominierten Filmen und ich dachte, ihn in „Lion“ zu finden. Dann begibt man sich aber auf die Reise mit diesem putzigen, definitiv adoptionswürdigen Jungen und man befindet sich inmitten einer spannenden Geschichte. Der stärkste Part ist zweifelsfrei der mit dem kleinen Saroo, ich habe den Jungen so ins Herz geschlossen, dass ich regelrecht einen Verlust- oder Trennungsschmerz verspürt habe, als er plötzlich erwachsen war. Der Mittelteil des Film weist ein paar Schwächen auf, dafür endet er aber wieder zufriedenstellend und für mich tränenreich. „Lion“ ist in dieser Oscar-Saison der Film mit Herz, ein Feelgood-Film.

Garth Davis bringt mit diesem Film seinen ersten abendfüllenden Spielfilm auf die Leinwand. Als Vorlage liegt hier eine wirklich herzergreifende Geschichte zugrunde, dass dies auch als Film funktioniert, ist nicht automatisch gesagt. Gerade der erste Part, in dem kaum gesprochen wird, ist unglaublich fesselnd inszeniert und letztlich ist es ein sehr eindrucksvolles Regiedebüt. Die amerikanische Gewerkschaft der Regisseure (Directors Guild of America) hat – für mich etwas überraschend – Garth Davis gleich mit einer Nominierung für einen DGA-Award belohnt. Damit stehen die Chancen für eine Oscar-Nominierung als Bester Regisseur nicht schlecht, sicherer ist zu diesem Zeitpunkt wohl eine als Bester Film.

Kaum einer kennt das Oscar-Geschäft so gut wie Harvey Weinstein. Mit „Lion“ zeigt er allen Oscar-Strategen auf eindrucksvolle Weise, wie der Hase läuft. Wenn ein Film allgemein als Favorit gilt (dieses Jahr La La Land) ist das gar nicht so gut, wie viele denken. Ab dem Moment wird dieser Film nämlich von allen Seiten attackiert und der Zuschauer geht mit einer riesigen Erwartungshaltung in den Film und fragt sich am Ende vielleicht: „Ist das alles?“. Wesentlich besser ist es, tief zu stapeln und das hat The Weinstein Company mit diesem Film gemacht. Zum jetzigen Zeitpunkt fällt „Lion“ in der Oscar-Saison die Außenseiterrolle zu und dennoch hat der Film durch die Bank Nominierungen bei allen wichtigen brancheninternen Preisen (PGA, DGA und zwei SAGs) eingesackt.

Jeder, der ein Kind aus einem anderen Land adoptiert hat oder sich mit Adoptionsplänen rumschlägt, sollte sich diesen Film schauen. Am Ende des Films erfährt man, dass in Indien 80.000 Kinder pro Jahr verschwinden. See-Saw Films und The Weinstein Company haben mit #LionHeart ein Hilfsprojekt, das indische Straßenkinder unterstützt, ins Leben gerufen. (mehr darüber zu erfahren von Nicole Kidman und Dev Patel: http://lionmovie.com/#charity.

„Lion“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller bzw. Bester Nebendarsteller (Sunny Pawar), Bester Nebendarsteller (Dev Patel), Beste Nebendarstellerin (Nicole Kidman), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Lion“ wurde für insgesamt 6 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Bester Nebendarsteller (Dev Patel), Beste Nebendarstellerin (Nicole Kidman), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Filmmusik

„Lion“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2016 gezeigt. Dort hat „La La Land“ den Publikumspreis gewonnen, „Lion“ war der Zweitplatzierte. Der Film ist am 25.11.16 in vier ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 23.12.16 war der Film in 55 Kinos und seit dem 6.1.17 in 600 Kinos landesweit zu sehen. „Lion“ startet am 23.02.17 in den deutschen Kinos.

 

 

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „A United Kingdom„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Biopic-Drama mit Rosamund Pike und David Oyelowo
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: interessiert mich gar nicht

Trailer v. Film: „Silence„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Martin Scorsese neuer Film. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „Born in China„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Disney´s Nature Tier-Doku, chinesisch-amerikanische Produktion
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Gold„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Drama mit Matthew McConaughey, Edgar Ramirez und Bryce Dallas Howard
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Founder„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Biopic über die McDonald-Gründer mit Michael Keaton
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

kanadischer Aufsteller von "Lion"
kanadischer Aufsteller von „Lion“

3 Gedanken zu “Charlotte – Film: „Lion“

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