TV – Serie: „Mr. Robot, 2. Staffel“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender USA Network-Serie angeschaut:

 
„Mr. Robot, 2. Staffel (in D. über iTunes oder Amazon Prime Video zu sehen) 12 x approx. 45 min mystery, drama, thriller
dir. Sam Esmail cast: Rami Malek, Carly Chaikin, Portia Doubleday, Martin Wallström, Christian Slater, Michael Cristofer, Grace Gummer, Michael Gill, Gloria Reuben, Ben Rappaport, BD Wong, Craig Robinson, Joey Badass, Sandrine Holt

 
Nach den dramatischen Ereignissen (der ersten Staffel), wacht Elliot (Rami Malek) in einem Auto auf. Elliot hat keine Erinnerung mehr an die letzten drei Tage. Was ist passiert?

 
A (Wertung von A bis F) DIESER BEITRAG IST SPOILERFREI.

Nach einer grandiosen ersten Staffel , ist nun vor zwei Tagen (21.09.16) die zweite Staffel zu Ende gegangen. Ich bin noch etwas angefressen hinsichtlich des Staffelendes, aber das hat keine Auswirkung auf meine Bewertung für die gesamte zweite Staffel.

Grundsätzlich gefielen mir in den letzten Jahren einige TV-Serien (House of Cards (U.S.), Orphan Black, True Detective, Bloodline, Daredevil, usw.). Ich liebe die erste Staffel von Fargo, aber eine zweite Staffel ist stets eine große Überwindung. Dafür gibt es einfach zu viel neue tolle Serien und ich habe zu wenig Zeit, alles zu schauen. Im Sommer 2015 habe ich nun „Mr. Robot“ für mich entdeckt und bei dieser Serie war es tatsächlich undenkbar, dass ich mir die zweite Staffel nicht anschaue.

„Mr. Robot“ wird nie zu ein Massenphänomen werden, dafür ist diese Mystery.Serie zu komplex, erfordert die komplette Aufmerksamkeit des Zuschauers. Um die Geschehnisse einer einzelnen Episode zu begreifen, muss man sich diese mehrmals anschauen. Den meisten wird das zu anstrengend sein. Die erste Staffel bildete das Fundament, die zweite Staffel ist viel düsterer und noch mindfuckinger als die erste. Zwischendurch dachte ich, mir platzt der Kopf und konnte meine Gedanken erst nach einer weiteren Sichtung der Episode etwas entwirren…wenn überhaupt. Bei der letzten Folge gibt es – wie bereits bei der ersten Staffel – eine weitere Szene nach dem Abspann.

Warum gehts im Groben?

Um die skrupellose Machenschaften weltweit agierende amerikanischer Konzerne/Banken und deren Verbindungen zu der U.S.-Regierung und den Chinesen, letztlich geht es um Kapitalismus, um Gier, Macht, Kontrolle, Korruption, (organisierte) Religion, aber auch allgemein um den Glauben an eine Sache und letztlich führt alles vielleicht in eine Revolution. Mittendrin steckt der Computerprogrammierer und Hacker Elliot. Er hat starke psychische Probleme, nimmt Drogen und/oder verschreibungspflichtige Medikamente und kämpft für eine bessere Welt.

Wenn einen das Thema grundsätzlich interessiert, sollte man einfach beginnen, „Mr. Robot“ zu gucken. In keinem Fall sollte man zu viel darüber lesen oder sich wichtige Dinge spoilern lassen. Meine dringende Empfehlung – quasi ein Muss – die Folgen mindestens ein weiteres Mal gucken. Nach einigen Wendungen oder Auflösungen sollte man sich eigentlich die ganze Staffel noch mal anschauen. Wie bereits die erste Staffel, habe ich auch die zweite ein zweites Mal gesehen.

 
„Mr. Robot“ ist eine erstklassige Mystery-Serie. Hin und wieder bekommt man Antworten auf dringende Fragen, im nächsten Moment hat man aber noch weit mehr Fragen als zuvor. Diese Serie fordert viel vom Zuschauer. Ohne die erste Staffel gesehen zu haben, wird man NICHTS aus der zweiten verstehen. Auch wenn man die erste Staffel gesehen hat, rätselt man. In der ersten Staffel musste der Zuschauer schon erkennen, dass er dem Erzähler/der Hauptfigur Elliot, der einen durch die Serie führt, nicht trauen kann. Elliot hatte uns (den Zuschauer) aber als Freund gesehen und öfter direkt angesprochen und ins Vertrauen gezogen. In der zweiten Staffel macht uns Elliot ziemlich schnell klar, dass ER uns nicht länger traut. Schließlich haben wir ihm etwas (in der ersten Staffel) verheimlicht, was er erst viel später herausgefunden hat. Stimmt, der aufmerksame Zuschauer hatte bald schon etwas Entscheidendes vermutet, was Elliot erst später realisierte. Dafür war aber mindestens eine andere Wendung wie ein Schlag ins Gesicht. Das ist das Faszinierende an „Mr. Robot“, man kann schnell Theorien zu dem Plot und den Figuren aufbauen – durch die erste Staffel hat man dafür ein noch besser geschultes Auge – ob sie sich dann bewahrheiten steht auf einem anderen Blatt. Die Serie ist aber zu komplex, um alles was vor sich geht, bei nur einer Sichtung zu begreifen. Man sollte es sogar vermeiden, zu blinzeln – in dieser Serie (insbesondere der zweiten Staffel) könnte man ansonsten etwas Wichtiges verpassen. Die Serie steckt voller geheimer Botschaften (die beispielsweise hinter tatsächlich existierenden IP-Adressen versteckt sind), Symbolen und Metaphern – eigentlich ist alles von Bedeutung, auch wenn es noch so trivial erscheint, könnte es am Ende Aufschluss über das Gesamtbild geben.

Die Mystery-Serie „Lost“ habe ich damals am Anfang gerne geschaut, irgendwann fand ich sie dann aber zu wirr und an den Haaren herbeigezogen. Letztlich hat sich herausgestellt, dass J.J. Abrams und seine Co-Autoren keinen Plan für eine Geschichte hatte, die über mehrere Staffeln geht. Ich hatte es bereits in meinem Beitrag zur ersten Staffel erwähnt, dass Serienschöpfer Sam Esmail einen Masterplan für vier oder fünf Staffeln von „Mr. Robot“ hat. Ich hoffe, dass mich dieses Gesamtkonzept so glücklich macht wie die ersten beiden Staffeln. Nach zwei Staffeln habe ich noch keine richtige Idee, wohin die Reise geht. Während der zweiten Staffel hatte ich  nicht mal die geringste Ahnung, was mich in der nächsten Episode erwartet. Sollte der Masterplan jedoch am Ende aufgehen, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich einige Zeit einzuschließen, und alle Episoden der „Mr. Robot“-Staffeln noch eimal zu gucken.

 
Das Serienschöpfer-Genie Sam Esmail hat bei allen Episoden der zweiten Staffel auch Regie geführt. Hiermit gibt er seine Empfehlung für ein großes Kinoprojekt – hoffentlich kein Marvel-Zeugs.

Bei der zweiten Staffel von „Mr. Robot“ spürt man Einflüsse von Filmen, wie „American Psycho“, Fight Club, „Inception“, The Silence of the Lambs, „The Empire Strikes Back“, „Her“, aber auch Quentin Tarantino und David Lynch-Filme und 1980er-Jahre-Sitcoms (z.B. „Full House“ und „Alf“) und die 1990er-Jahre-Sitcoms (z.B.„Seinfeld“ und „Mad About You“).

Wie bereits bei der ersten Staffel ist auch der Soundtrack der zweiten Staffel erstklassig. Die Songs (z.B. „Daydreamin´“ von Lupe Fiasco, Dusty Springfields „You Don´t Have to Say You Love Me“, „Depeche Modes „Walking in My Shoes“ oder ein Tears For Fears Song von einem der Charaktere in der Karaoke-Bar gesungen, passen nicht nur musikalisch perfekt zu den Geschehnissen, sondern fügen sich auch textlich perfekt in die Geschichte ein. Sogar der sonst grausige Phil Collins Song „Take me Home“ ist genial gewählt und erinnert letztlich an „American Psycho“. Selbstverständlich ist Mac Quayles elektronischer Score natürlich erneut erstklassig.

 
Die wichtigsten Charaktere habe ich bereits in meinem Beitrag zu der ersten Staffel vorgestellt. Mehr kann und will ich über diese Figuren nicht erzählen. Für die zweite Staffel sind auch folgende Charaktere von Bedeutung:

 

 

Dominique „Dom“ DiPierro ist FBI-Agentin und ermittelt in der 5/9-Hacker-Attacke. Dom wird von der amerikanischen Schauspieler Grace Gummer gespielt. Sie ist die Tochter von Meryl Straep und Schwester von Schauspielerin Mamie Gummer (Ricki and the Flash). Grace Gummer hat bereits in TV-Serien (z.B. The Newsroom und „American Horror Story“: Freak Show) und in einigen Kinofilmen mitgespielt, u.a. Frances Ha, „The Homesman““, Learning to Drive“. Dom ist meine Lieblingsfigur in der zweiten Staffel von „Mr. Robot“.

Philip Price ist der Vorstandsvorsitzende von E Corp. Mr. Price wird von dem amerikanischen Schauspieler Michael Cristofer gespielt. Michael Cristofer ist Dramatiker, Drehbuchautor, Regisseur und eben auch Schauspieler. Für seine Arbeit wurde er bereits mit dem Pulitzer Prize und dem Tony Award ausgezeichnet. Regie hat er beispielsweise bei einem meiner Lieblingsfilme mit Angelina Jolie, der HBO-Produktion „Gia“, geführt. Als Schauspieler hat er in einigen TV-Serien (u.a. „Ray Donovan“ und „American Horror Story: Coven“) mitgespielt und auch in Kinofilmen, wie z.B. „Die Hard with the Vengeance“ und „The Adderall Diaries“ mitgewirkt.

Joanna Wellick ist die Ehefrau von Tyrell (gespielt von Martin Wallström). Gespielt wird Joanna von der dänischen Schauspielerin Stephanie Corneliussen. Im Alter von 13 Jahren hat sie bei der Castingshow „Supermodel of Scandinavia“ teilgenommen und gewonnen. Seither arbeitet sie als Model, hat aber auch in einigen TV-Serien und in dem Kinofilm „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ mitgewirkt.

Whiterose – no spoiler – Gespielt wird Whiterose von dem amerikanischen Schauspieler BD Wong. Allgemein bekannt wurde er durch seine Rolle in „Jurassic Park“ aus dem Jahr 1993, kürzlich hat er in dem vierten Teil der Reihe Jurassic World auch eine kleine Rolle übernommen. Er hat aber auch jahrelang eine Hauptrolle in einigen TV-Serien (u.a. „Oz“ und „Law & Order: Special Victims Unit) gespielt.

Cisco mit ihm hat Darlene (gespielt von Carly Chaikin) eine On/Off-Beziehung. Gespielt wird Cisco von dem amerikanischen Schauspieler Michael Drayer. Er hat in einigen TV-Serien (u.a. „The Sopranos“, „The Following“, „Vinyl“) mitgewirkt.

Leon ist ein neuer Freund von Elliot. Gespielt wird Leon von dem amerikanischen Rapper Joey Badass. In „Mr. Robot“ gibt er sein Debüt als Schauspieler.

Ray ist ein neuer Bekannter von Elliot. Gespielt wird Ray von dem amerikanischen Comedian und Schauspieler Craig Robinson. Er zählt zu dem engeren Kreis von Seth Rogen und hat entsprechend schon in vielen Filmen mit Seth Rogen (Knocked UpPineapple Express, Zack and Miri Make a Porno, This is the End gespielt. Ich habe ihn auch in dem James-Brown-Biopic Get On Up gesehen.

Susan Jacobs arbeitet als Anwältin für Evil Corp und wird als Madam Executioner bezeichnet. Susan wird von der englisch-kanadischen Schauspielerin Sandrine Holt gespielt. Sie hat in einigen TV-Serien (u.a. „24“, House of Cards ) mitgespielt.

Scott Knowles ist Nachfolger von CTO Terry Colby bei E Corp. Gespielt wird Scott Knowles von dem amerikanischen Theater-, Film- und TV-Schauspieler Brian Stokes Mitchell. Er hat einen Tony Award gewonnen. Ich habe ihn kürzlich in der TV-Serie „The Path“ gesehen.

 
Die erste Staffel von „Mr. Robot“ war für sechs Emmys nominiert. Am letzten Sonntag (18.09.16) hat die Ausnahmeserie zwei Emmys (Bester Hauptdarsteller – Rami Malek und Bester Score – Mac Quayle) gewonnen.

 
Die zweite Staffel von Mr. Robot wurde erstmalig vom 13.07.16 – 21.09.16 auf dem amerikanischen Kabelsender ABC Network ausgestrahlt. Mr. Robot ist über iTunes oder Amazon Prime Video zu streamen. Ab dem 30.09.16 ist die zweite Staffel sogar in der deutschen Synchronisation zu sehen.

Die dritte Staffel wird im Jahr 2017 gezeigt.

Trailer zur ersten Staffel zu sehen:

Trailer zur zweiten Staffel zu sehen:

 

 

 
Rami Maleks Dankensrede bei den Emmys 2016:

 

Foto, das ich im Herbst 2015 in NYC aufgenommen habe, ohne selbstverständlich zu wissen, dass es eine Rolle in "Mr. Robot" spielt.
Foto, das ich im Herbst 2015 in NYC aufgenommen habe, ohne selbstverständlich zu wissen, dass es eine Rolle in „Mr. Robot“ spielt.

 

2 Gedanken zu “TV – Serie: „Mr. Robot, 2. Staffel“

  1. Wenn Dir ein Film oder eine Serie richtig gut gefällt weiß ich immer, dass der Text echt lang werden wird :))

    Du weißt ja, ich fand die Serie nicht wirklich anheimelnd, obwohl ich das Genre prinzipiell total mag.
    Ich denke mein größtes Problem ist Rami Malek und ich kann nicht nachvollziehen, warum gerade er einen Emmy bekommen hat. Aber natürlich freue ich mich für seine Fans.
    Die zweite Staffel schiebe ich und habe ein Glück noch viel Serien, die ich vorziehen werde :))

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    • 🙂 Stimmt wahrscheinlich. Ich kann mich ja mal über was auslassen was mir nicht gefällt. ;))

      Ja, glaube auch, dass Dein größtes Problem der Rami ist. Auch wenn ich das irgendwo verstehe – wenn man mit ihm nicht klar kommt, kann die Serie natürlich auch nichts für einen sein. Ich bin auch kein Fan von Rami Malek, aber er macht seine Sache schon außerordentlich gut. Er hat den Emmy stellvertretend für die TV-Serie bekommen. In meinen Augen hätten sie besser die Serie auszeichnen sollen.

      Gefällt 1 Person

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