Berlin – Film: „La La Land“


Ich war am 29.11.16 in Berlin und am 29.12.16 in Charlotte und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„La La Land“ (dt. Kinostart: 12.01.17) 128 min  musical
dir. Damien Chazelle cast: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend, Rosemarie DeWitt, J.K. Simmons, Tom Everett Scott, Finn Wittrock

 
Die leidenschaftliche Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der charismatische Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) suchen das große Glück in Los Angeles. Sie halten sich mit Nebenjobs über Wasser und nachdem sich ihre Wege zufällig kreuzen, verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander. Gemeinsam schmieden sie Pläne für ihre Zukunft auf der Bühne und genießen den Zauber der jungen Liebe in La La Land – der Stadt der Träume. Doch schon bald müssen Mia und Sebastian einsehen, dass sie Opfer bringen müssen, um ihren Träumen näher zu kommen. Kann ihre Beziehung diesem Druck standhalten? (Quelle: Presseheft)

 

 

B+ (Wertung von A bis F) „La La Land“ ist nach „Guy and Madeline on a Park Bench“ und dem, mit drei Oscars ausgezeichneten Whiplash erst der dritte Film des 31-jährigen amerikanischen Filmemachers Damien Chazelle.

„La La Land“ ist ein moderner und zugleich nostalgischer Musicalfilm. Wer einen durchweg fröhlichen Film erwartet, der sei vorgewarnt, „La La Land“ ist auch traurig. Die letzten, vielleicht zehn Minuten sind brillant, diese Montage zählt sicherlich zu den besten überhaupt. Alleine für diese Schlusssequenz lohnt es sich, diesen Film anzuschauen.

Damien Chazelle ließ sich für „La La Land“ von den Musicals des französischen Regisseurs Jacques Demy („Les parapluies de Cherbourg“, „Les demoiselles de Rochefort“) aus den 1960er Jahren inspirieren.

 
Nach Crazy, Stupid, Love und „Gangster Squad“ ist dies bereits die dritte Zusammenarbeit von Emma Stone und Ryan Gosling. In den vorangegangen Filmen haben die beiden Schauspieler bereits unter Beweis gestellt, dass sie glaubhaft ein Paar abgeben können. Für „La La Land“ hatte Damien Chazelle ursprünglich Miles Teller und Emma Watson für die Hauptrollen im Auge – Danke, dass es dazu nicht gekommen ist. In den Rollen der Mia und des Sebastian sind Emma Stone und Ryan Gosling in meinen Augen unersetzbar, sie geben ein perfektes Leinwandpaar ab.

Ich habe mittlerweile bereits einige Male gehört/gelesen, dass die Geschichte von Emma Stones Charakter Mia den Film dominiert. Dieser Meinung bin ich nicht. Der Film handelt von zwei Künstlern, die versuchen in Los Angeles ihre Träume zu verwirklichen. Auf der einen Seite zeigt der Film den Alltag der Schauspielerin Mia, die von Casting zu Casting rennt und darauf hofft, entdeckt zu werden. Auf der anderen Seite sieht man aber, wie sich der leidenschaftliche Jazzmusiker Sebastian mit Jobs über Wasser hält und dabei seinen großen Traum, einen eigenen Jazzclub zu eröffnen, nicht aus den Augen verliert. Die beiden verlieben sich ineinander und fortan begleitet der Film die Liebes- und Lebensgeschichte von Mia und Sebastian.

 

Beide Schauspieler geben hier überzeugende Performances. Man kann und sollte sowohl Emma Stone als auch Ryan Gosling für den Oscar nominieren. Vielleicht hat Emma Stone mehr sogenannte „Oscar-Szenen“ (alleine die zwei, etwas längeren Casting-Szenen). Ich finde, dass das erste längere Vorsprechen, in der sie vorgibt, am Telefon zu sein, ihre beste Szene ist. Hier kann sie mit ihrer starken Mimik und ihrem ausdrucksvollen Gesicht ihr komplette schauspielerische Bandbreite zeigen. Emma Stone spielt demnächst die legendären Disney-Schurkin Cruella de Vil – bislang sprengt das den Rahmen meiner Vorstellungskraft, aber ich bin gespannt.Ryan Gosling hat für „La La Land“ extra das Klavierspielen gelernt und den Jazzpianisten Sebastian nimmt man ihm ab.

Ich habe mir „La La Land“ exakt einen Monat nachdem ich ihn das erste Mal gesehen habe, mir ein zweites Mal in einem amerikanischen Kino angeschaut. Meine Bewertung bleibt unverändert, alle Szenen, die ich bei der ersten Sichtung mochte, gefielen mir auch beim zweiten Mal, meine Kritikpunkte bleiben auch dieselben. Ich liebe die Party-Sequenz, bei der Mia zum dritten Mal auf Sebastian trifft und sich den A Flock of Seagulls-Song „I Ran“ wünscht. Bei der zweiten Sichtung waren mir alle Melodien und Songs natürlich vertraut und so konnte ich es nicht verhindern, dass meine Füße im Takt mitwippten. Bei der sehr gut besuchten Vorstellung nach den Weihnachtsfeiertagen in Charlotte, North Carolina wurde sogar applaudiert. Einen großen Applaus gab es nach der Eröffnungsnummer und zum Schluss zeigten die Zuschauer noch mal ihre Begeisterung für den Film.
„La La Land“ hat einige unvergessliche Szenen, die Musik ist einprägend und gut, der Song „City of Stars“ ist großartig und der Schluss ist – wie bereits erwähnt – einer der besten der Filmgeschichte, dennoch ist der Film für mich nicht stimmig, in seiner Inszenierung nicht harmonisch.

 

Morgen ist die Golden-Globe-Verleihung, ich gehe davon aus, dass „La La Land“ mindestens drei Golden Globes (Bester Film (Musical/ Comedy), Beste Hauptdarstellerin (Musical/Comedy) für Emma Stone und Bester Song „City of Stars“ gewinnt. Sollte der Film noch mehr GGs gewinnen, ist das ein gutes Zeichen für die Oscars.

In meiner ersten Oscar-Prognose vom September 2016  habe ich bereits „La La Land“ als Oscar-Gewinner Film gesehen, dabei bleibe ich vorerst, auch wenn der Film mit der Nicht-Nominierung für einen SAG-Ensemble Award einen herben Rückschlag erlitten hat. Seit „Braveheart“ im Jahr 1995 hat kein Film den Oscar gewonnen, der nicht auch für den Best-Ensemble-Award der Schauspielgewerkschaft nominiert war. Aus diesem Grund neige ich gerade dazu, zu dem Zweitplatzierten meiner September-Prognose  Manchester by the Sea (oder vielleicht sogar Moonlight) zu wechseln. Ich möchte aber nicht voreilig agieren und erst Mal abwarten, was „La La Land“ an der amerikanischen Kinokasse einspielt. In jedem Fall würden mehr als drei Golden Globes einen dringend benötigten Impuls für die Academy Awards geben.

Sollte „La La Land“ am 26.02.2017 den Oscar als Bester Film gewinnen, wäre dieser Film der erste Oscar-Gewinner-Film seit „Million Dollar Baby“, der nicht in meiner Top Ten auftaucht.

 
„La La Land“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ryan Gosling), Beste Hauptdarstellerin (Emma Stone), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: „La La Land“ wurde für insgesamt 14 Oscars nominiert. So viele Nominierungen hatten in 89 Jahren Oscar-Geschichte nur die beiden Filme „All About Eve“ und „Titanic“ erhalten. Nominiert wurde der Film in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ryan Gosling), Beste Hauptdarstellerin (Emma Stone), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Beste Kostüme, Bester Schnitt, Beste Filmmusik, Bester Filmsong („Audition“ und „City of Stars“), Bestes Szenenbild, Bester Ton, Bester Tonschnitt. Gewonnen hat „La La Land“ sechs Academy Awards (Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin Emma Stone, Beste Kamera, Beste Filmmusik, Bester Song „City of Stars“, Bestes Szenenbild) 

„La La Land“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat Emma Stone den Preis der Beste Hauptdarstellerin gewonnen. Auf dem Toronto International Filmfestival 2016 hat der Film den Publikumspreis gewonnen. Der Film wurde am 9.12.16 in fünf ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 25.12.16, ist der Film in den U.S.A. landesweit zu sehen. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die OmU. In Deutschland startet der Film am nächsten Donnerstag.

 
Trailer zu sehen:

 

 

8 Gedanken zu “Berlin – Film: „La La Land“

  1. Hier ringen bei mir Engelchen und Teufelchen. Ich möchte ihn sehen, aber die Trailer finde ich so lala ( :)) ).
    Und mit Musicals tue ich mich auch schwer.aber ich werde versuchen meinen inneren Schweinehund zu überwinden – ich sehe die Stone wirklich gerne.

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    • Um ehrlich zu sein war der Film sogar nur „B“ für mich, aber ich fand das Ende so toll, dass ich noch ein „+“ spendiert habe.

      Du hast ihn also bewundert, wow. Ich bin gespannt auf Deine Kritik und evtl. Kritikpunkte. Eigentlich hätte ich auch gerne eine Punktanzahl. 🙂 Ich brauche etwas Input für meine neue Oscar-Gewinner-Prognose. Im Moment bin ich etwas verunsichert, dass der den Oscar als bester Film gewinnt, auch wenn er mit Sicherheit für die meisten Oscars nominiert wird.

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      • Die Kritik habe ich soeben fertiggeschrieben und deswegen anderslautende Meinungen gesucht. Aber nur eine deutschsprachige gefunden, die ihm ein wirklich schlechtes Zeugnis ausstellt.

        Ich persönlich hätte bei dem Ende fast geweint (und das will durchaus was heißen).
        Oscar-mäßig habe ich noch einige Filme nicht gesehen, die hierzulande erst in den nächsten Wochen erscheinen, aber wenn man bedenkt wie schon The Artist abgeräumt hat, dann würde mich ein Sieg von La La Land ganz und gar nicht wundern. Dazu ist Hollywood auch ein bisschen zu sehr selbstverliebt, oder was meinst du?

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  2. „The Artist“ hat seinerzeit so ziemlich alles abgeräumt, was ein Film bei den amerikanischen Kritikern und innerhalb der Branche gewinnen kann und er war für den Best Ensemble-Preis (sozusagen deren Bester Film-Award) bei der Schauspielgewerkschaft nominiert. „La La Land“ hat keine SAG-Nominierung, was ich mir versuche, zu erklären. Was den Bester-Film-Oscar angeht,- gewinnt nach dem preferential-ballot-system – der Film auf den sich alle einigen können. Ich bin mir nicht sicher, ob „La La Land“ dieser Film ist, dafür gibt es auch einige kritische Stimmen in den U.S.A.

    Klar ist Hollywood selbstverliebt, aber es ist mit der Trump-Präsidentschaft auch ein besonderes Jahr, was sich vielleicht auch bei den Oscars wiederspiegeln kann. Das kann in Richtung Eskapismus-Film (La La Land) gehen oder in Richtung solides Drama (Manchester by the Sea) oder ein Film über das Anderssein (Moonlight) gehen.

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