Oscar-Nominierungen 2021 und meine Meinung


Heute, am 15.03.21, um 5.17 Uhr (zweiter Teil um 5.31 Uhr) lokale Zeit in Los Angeles hat die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (A.M.P.A.S.) die Nominierungen für die 93rd Academy Awards bekanntgegeben. Verkündet wurden die Nominierungen aus London von der indischen Schauspielerin/Sängerin/Produzentin  Priyanka Chopra Jonas und ihrem Ehemann, dem Schauspieler und Sänger (Jonas Brothers) Nick Jonas. Für deutsche (oder europäische) Verhältnisse ist es undenkbar, aber Hollywood ist am Morgen der Oscar-Nominierungen völlig aus dem Häuschen. Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren sehr intensiv mit den Oscars und, obwohl ich auch dieses Jahr nicht viele Überraschungen erwartet habe, fand ich die Live-Übertragungen der Oscar-Nominierungen – wie immer – recht aufregend.

Die Oscar nominierte Leistungen müssen ja im Bild der Allgemeinheit (dem Internet) heutzutage nicht nur die besten ihres Zunftes sein, sondern spätestens seit #OscarsSoWhite scheinbar auch politisch korrekt. Sprich es müssen immer genug nicht-weiße Schauspieler nominiert sein. Zu groß ist auch bei der Oscar-Academy die Angst vor einem weiteren Shitstorm. Finde ich problematisch und außerdem kann man es nie allen recht machen. Kritik wird es immer geben. Die britische Filmakademie hat sich dieses Jahr mit ihrem Konzept, die einzelnen Kategorien von einer Jury (die auch nur zu 50% aus BAFTA-Mitgliedern bestand) bestimmen zu lassen, um so zu garantieren, dass genug auch Dunkelhäutige für den BAFTA nominiert werden, richtig in die Nesseln gesetzt. In meinen Augen ist es lächerlich, Schauspielkunst (oder überhaupt Kunst) mit einer Art Quote zu belegen. Im Jahr 2015 und 2016 wurde der Academy vorgeworfen, dass sie nur „weiße“ Schauspieler nominiert hatten. Das hatte die ganze #OscarsSoWhite-Debatte erst losgelöst. Dieses Jahr, im Jahr 2021, sind insgesamt 9 Schauspieler „of colour“ (Steven Yeun, Riz Ahmed, Chadwick Boseman, Viola Davis, Andra Day, Daniel Kaluuya, Lakeith Stanfield, Leslie Odom Jr. und Yuh-Jung Youn) für den Oscar nominiert. Die Debatte ist damit – zumindest für dieses Jahr – beendet. 

So, zu den eigentlichen Oscar-Nominierungen. 

Dieses Jahr wurden nur 8 Filme für den Oscar als Bester Film nominiert.

„Mank“ hat – wenig überraschend – die meisten (10) Oscar-Nominierungen erhalten. Was mich etwas überrascht hat, ich habe, gegen 14.00 Uhr deutsche Zeit, bevor die Oscar-Nominierungen überhaupt verkündet wurden, eine Push-Nachricht von USA Today erhalten, dass „Mank“ mit 10 Oscar-Nominierungen führt. Mmmh, da habe ich aber komisch geschaut. Die zweitmeisten Oscar-Nominierungen (nämlich 6) haben folgende Filme: „The Father“, „Judas and the Black Messiah“, „Minari“, „Nomadland“, „Sound of Metal“ und „Trial of the Chicago 7“. Dann kommen (mit 5) „Promising Young Woman“ und „Ma Rainey´s Black Bottom“.

Netflix hat zwei ihrer drei Prestige-Filme („Mank“, „The Trial of the Chicago 7) in der Kategorie Bester Film platzieren können. „Ma Rainey´s Black Bottom“ hat es in dieser Kategorie nicht geschafft, dafür in vier anderen (darunter zwei der wichtigen Schauspielkategorien). „Hillbilly Elegy“ war nie ein Oscar-Film, dennoch haben sie Glenn Close eine Nominierung verschaffen können. Insgesamt hat Netflix 35 Nominierungen einfahren können, noch weit mehr als im Vorjahr. 

Besonders gefreut habe ich mich über die Oscar-Nominierung von The Mole Agent als Bester Dokumentarfilm. Natürlich auch für Another Round mit zwei Oscar-Nominierungen (Best International Feature Film und Best Directing), die Regie-Nominierung für viele recht überraschend.

Ich liebe es ja, wenn bei den Oscars Geschichte geschrieben wird, das ist in diesem Jahr mehrmals der Fall. 

Hier sind die wichtigsten sechs Kategorien und meine Meinung:

Best Motion Picture of the Year:

Meine Meinung: Es wurden dieses Jahr nur 8 Filme für den Oscar nominiert, ich hatte auf 9 getippt (meine gestrige Prognose). Auch bin ich davon ausgegangen, dass sicher „Ma Rainey´s Black Bottom“ und „One Night in Miami“ nominiert werden. Beide sind jedoch rausgefallen. Dafür wurde das britische Demenz-Drama „The Father“ nominiert. Ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber der Film konnte keine Nominierungen innerhalb der Filmindustrie (SAG, DGA, PGA) reißen. Außerdem ist der Film momentan ausschließlich im amerikanischen (und wahrscheinlich britischen) Kinos zu sehen und noch nicht auf Video on Demand draußen. Ich gehe davon aus, dass der Film verdient nominiert ist. Die anderen Filme kenne ich alle. Ja, mein Kumpel hatte – wie gesagt – dieselben Filme wie ich in seiner Prognose. Entsprechend haben wir 7 Filme richtig geraten. 

Mein Wunsch: Nomadland  

Der derzeit wahrscheinlichste Gewinner: Nomadland

Der Unsicherheitsfaktor: „Minari“ ist jetzt meines Erachtens raus, „Mank“ ist ohne die Drehbuch- und Schnitt-Nominierung auch raus. „Promising Young Woman“ hat beide wichtigen Nominierungen, der Gewinn wäre natürlich mega 

Achievement in Directing:

Meine Meinung: Ich hatte mich für die fünf Filmemacher, die von der Gewerkschaft der amerikanischen Regisseure nominiert wurden, entschieden. Das hat Aaron Sorkin (The Trial of the Chicago 7) mit eingeschlossen. Gestern hatte ich aber auch erwähnt, dass Aaron Sorkin mit seinem, erst zweiten Film vielleicht noch nicht als „richtiger“ Regisseur dieser elitären Gruppe innerhalb der Academy angesehen wird. Er ist tatsächlich rausgefallen, für ihn wurde Thomas Vinterberg (Another Round) nominiert, auch ihn hatte ich gestern erwähnt, aber ehrlich gesagt, eher weiter hinten gesehen. Er wurde die Woche zuvor allerdings bereits für einen BAFTA nominiert. Viel wichtiger ist: In dieser Kategorie wurde Geschichte geschrieben: Noch nie wurden in einem Jahr zwei Regisseurinnen nominiert. Gratulation. Chloé Zhao wurde insgesamt mit sogar mit 4 Oscar-Nominierungen (als Produzentin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Cutterin ihres Filmes „Nomadland“) bedacht. Emerald Fennell, die Schauspielerin mit ihrem Spielfilmdebüt ist hier allein schon eine Besonderheit, aber auch sie hat insgesamt 3 Oscar-Nominierungen (als Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin ihres Filmes „Promising Young Woman“) eingefahren. Wahnsinn. Ich freue mich, auch weil „Nomadland“ und „Promising Young Woman“ zwei meiner Top Ten-Filme aus dem (Corona-) Jahr 2020 sind. Hier kenne ich alle Regiearbeiten. Richtig geraten habe ich 4, mein Kumpel hatte Aaron Sorkin drin, aber dafür David Fincher raus und Regina King (One Night in Miami) drin. Entsprechend hat er 3 richtig geraten.  

Mein Wunsch: Chloé Zhao oder David Fincher oder Emerald Fennell

Der derzeit wahrscheinlichste Gewinner: Chloé Zhao  

Der Unsicherheitsfaktor: keiner 

Performance by an actress in a leading role:

Meine Meinung: Hier war ich mir bei den ersten drei Schauspielerinnen sehr sicher. Frances McDormand hat auch gleich eine Doppel-Nominierung (auch als Produzentin für „Nomadland“) erhalten. Die Nominierung für Andra Day galt als wahrscheinlich, Vanessa Kirby hatte ich auch genommen, hätte mir hier aber auch Yeri Han aus „Minari“, Rosamund Pike (I Care a Lot) oder Sidney Flanigan (Never Rarely Sometimes Always) vorstellen können. Viola Davis schreibt nun auch Oscar-Geschichte, sie ist die erste schwarze Schauspielerin, die insgesamt für 4 Academy Awards (Doubt, The Help, Fences und jetzt „Ma Rainey´s Black Bottom) nominiert wurde. Für „Fences“ hatte sie den Oscar gewonnen. Letztlich waren es in dieser Kategorie genau die, auf die ich getippt habe. 5 richtig geraten, mein Kumpel übrigens auch. Mit Ausnahme von Andra Days kenne ich alle Performances, über „Pieces of a Woman“ habe ich nie was geschrieben. 

Mein Wunsch: Carey Mulligan 

Der derzeit wahrscheinlichste Gewinner: Tja

Der Unsicherheitsfaktor: Andra Day ist möglich, den Globe hat sie gewonnen.

Performance by an actor in a leading role:

Meine Meinung: Ich habe auf alle Fünf getippt, war mir aber tatsächlich bei den letzten beiden nicht wirklich sicher. Als Alternative hatte ich Tahar Rahim (The Mauritanian), Mads Mikkelsen (Another Round), Delroy Lindo (Da 5 Bloods) und Lakeith Stanfield (Judas and the Black Messiah), der bei den diesjährigen Oscar-Nominierungen an anderer Stelle wieder auftaucht. Steven Yeun ist der erste asiatisch-amerikanische Schauspieler der jemals in dieser Kategorie nominiert wurde. Auch die Nominierung eines muslimischen Schauspielers (Riz Ahmed) in dieser Kategorie gab es noch nicht. Ja, wie gesagt, alle Fünf richtig geraten, mein Kumpel übrigens auch. Diese Kategorie hatten wir gleich. Mit Ausnahme von Anthony Hopkins kenne ich alle Performances.  

Mein Wunsch: zweiter Oscar für Anthony Hopkins oder erster für Riz Ahmed 

Der derzeit wahrscheinlichste Gewinner: posthum an Chadwick Boseman 

Der Unsicherheitsfaktor: keiner 

Performance by an actress in a supporting role:

  • Yuh-Jung Youn Minari
  • Maria Bakalova „Borat Subsequent Moviefilm“
  • Glenn Close „Hillbilly Elegy“
  • Amanda Seyfried Mank
  • Olivia Colman „The Father“ 

Meine Meinung: Ich dachte Jodie Foster wäre (nach ihrer charmanten Golden-Globe-Dankesrede im Schlafanzug und mit Ehefrau und Hund auf der Couch) eine sichere Bank für eine Oscar-Nominierung. Sie ist seit dem Jahr 1976 (Katherine Ross für „Voyage of the Damned“) die erste Golden Globe-Gewinnerin in der Kategorie, die dann nicht für den Oscar nominiert wurde. Gut, Foster ist raus, dafür Amanda Seyfried natürlich wohlverdient drin. Ja und da haben wir nun den seltenen Fall (ich hatte es gestern bereits angedeutet), Glenn Close ist sowohl für den Oscar- als auch den Anti-Oscar (Razzie) nominiert und zwar für dieselbe Performance. Weiter unten habe ich, wie üblich noch mal die Razzie-Nominierungen gelistet, den Fall gab es zuvor erst 2 x. Ich habe hier vier richtig geraten, mein Kumpel hat auch vier richtig geraten (er hatte auch Jodie Foster drin, aber anstelle von Glenn Close Amanda Seyfried drin). Mit Ausnahme von Olivia Colmans Performance kenne ich alle, auch wenn ich nie etwas über „Hillbilly Elegy“ und „Borat Subsequent Moviefilm“ geschrieben habe.

Mein Wunsch: ich kann mit Amanda Seyfried gut leben und wünsche Olivia Colman natürlich den zweiten…obwohl das kann man Glenn Close nicht antun. 

Der derzeit wahrscheinlichste Gewinner: Yuh-Jung Youn 

Der Unsicherheitsfaktor: Maria Bakalova oder Amanda Seyfried. 

Performance by an actor in a supporting role:

Meine Meinung: Auch hier war ich mir bei den ersten Drei ziemlich sicher, auf Paul Raci habe ich gehofft und getippt. Als letzten wollte ich einen der „The Trial of the Chicago 7“-Boys dabeihaben und habe mich für Schauspiellegende Frank Langella entschieden. Es hätte aber auch Mark Rylance sein können. Aber jetzt der Knaller des Tages: Lakeith Stanfield wird nominiert und zwar nicht in die Kategorie, in die er gehört (es ist eindeutig eine Hauptrolle, die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt, er ist „Judas“ aus dem Filmtitel. Unglaublich, darauf komme ich immer noch nicht klar. Gut, wenigstens ist eine Oscar-Nominierung gerechtfertigt und es wurde nicht Jared Leto (The Little Things) oder so nominiert. Mit Ausnahme von Leslie Odom Jr.s Performance (habe nur eine halbe Stunde von „One Night in Miami“ gesehen), kenne ich alle Performances. Vier richtig geraten. Mein Kumpel auch 4, er hatte anstelle von Lakeith Stanfield auf David Strathairn (Nomadlland) getippt.

Mein Wunsch: Daniel Kaluuya 

Der derzeit wahrscheinlichste Gewinner: Daniel Kaluuya 

Der Unsicherheitsfaktor: keiner, na vielleicht Sacha Baron Cohen, mal gucken wie die Oscar-Saison weiter verläuft.

Die Wette mit meinem Kumpel: Habe die scheinbar knapp gewonnen, ist mir aber eh piepe – viel lustiger sind unsere Gespräche rund um die Oscars, vor allen Dingen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.

Hier die komplette Liste aller Nominierten:  

https://www.oscars.org/oscars/ceremonies/2021

Am 12.03.21, drei Tage vor den Oscar-Nominierungen, wurden die Nominierungen für die Goldene Himbeere 2020 bekannt gegeben. 

Folgende Filme, Schauspieler und Regisseure dürfen sich Chancen auf den Anti-Oscar, den Razzie ausrechnen:

Worst Picture:

365 Days

Absolute Proof

Dolittle 

Fantasy Island

Music

Worst Director:

Charles Band (All 3 Barbie & Kendra movies) 

Barbara Bialowas & Tomasz Mandes (365 Days)

Stephen Gaghan (Dolittle) 

Ron Howard (Hillbilly Elegy)

Sia (Music)

Worst Actress:

Anne Hathaway (The Last Thing He Wanted & The Witches)

Katie Holmes (Brahms: The Boy II & The Secret: Dare to Dream

Kate Hudson (Music)

Lauren Lapkus (The Wrong Missy)

Anna-Maria Sieklucka (365 Days) 

Worst Actor:

Robert Downey Jr. (Dolittle)

Mike Lindell (The „My Pillow“ Guy/Absolute Proof

Michele Morrone (365 Days) 

Adam Sandler (Hubie Halloween)

David Spade (The Wrong Missy) 

Worst Supporting Actress:

Glenn Close (Hillbilly Elegy) 

Lucy Hale (Fantasy Island) 

Maggie Q (Fantasy Island) 

Kristin Wiig (Wonder Woman 1984) 

Maddie Ziegler (Music)

Worst Supporting Actor:

Chevy Chase (The Very Excellent Mr. Dundee) 

Rudy Giuliani (Borat Subsequent Moviefilm)

Shia LeBeouf (The Tax Collector)

Arnold Schwarzenegger (Iron Mask) 

Bruce Willis (Breach, Hard Kill & Survive the Night) 

Mit Ausnahme von „Hillbilly Elegy“ und „Borat Subsequent Moviefilm“ habe ich keinen Filmen gesehen. Die meisten Film sagen mir noch nicht mal was. Glenn Close ist nun für den Oscar- und den Anti-Oscar (Razzie) nominiert für dieselbe Rolle. Ich habe mal nachgeschaut, das gab es in der Geschichte vorher nur zwei Mal. Im Jahr 1982 wurde der Schauspieler James Coco für seine Performance in „Only When I Laugh“ sowohl für den Oscar- als auch für den Razzie nominiert und im Jahr 1984 wurde Amy Irving für ihre Performance in „Yentl“ ebenfalls für den Academy Award als auch für den Schmähpreis nominiert. Ansonsten tauchen auf der Razzie-Liste natürlich einige alte Bekannte (Adam Sandler, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger, Anne Hathaway) und auch mal wieder Shia LeBeouf und sogar zum ersten Mal  Robert Downey Jr. auf. Die HFPA hatte ja „Music“ als Best Comedy/Musical und Kate Hudson als Best Actress Comedy/Musical nominiert. Auch die findet sich jetzt mit dem Schmähpreis für dieselbe Rolle wieder.  

Hier die Verkündung der Oscar-Nominierten 2021:

 

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