TV – Serie: „The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender FX-Serie angeschaut:

 

„The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story“ (in D. über Sky zu sehen)  9 x approx.  55 min  crime, drama, biopic, adaptation

dir. Ryan Murphy, Nelson Cragg, Gwyneth Horder-Payton, Daniel Minahan, Matt Bomer  cast: Darren Criss, Édgar Ramirez, Penélope Cruz, Ricky Martin, Finn Wittrock, Cody Fern, Michael Nouri, Judith Light, Terry Sweeney, Joanna P. Adler, Joe Adler, Jon Jon Briones, Sophie von Haselberg

15.Juli 1997. Miami Beach, Florida. Andrew Cunanan (Darren Criss) erschiesst den italienischen Modeschöpfer Gianni Versace (Édgar Ramirez) direkt vor seiner Villa. Während Giannis Schwester, Donatella (Penélope Cruz) sich um die Beerdigung des Designers und die Geschäfte des berühmten Modelabels kümmert, begibt sich das FBI auf die Jagd nach dem Versace-und Serienmörder Andrew Cunanan…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Assassination of Gianni Versace“ wurde von wahren Begebenheiten und den Ermittlungsakten inspiriert. Die erzählte Geschichte beruht auf Maureen Orths Buch „Vulgar Favors: Andrew Cunanan, Gianni Versace, and the Largest Failed Manhunt in U.S. History“. Nach The People v. O. J. Simpson ist dieses die zweite Staffel von Ryan Murphys American Crime Story. 

Der Titel der zweiten Staffel mag etwas irreführend sein, geht es doch nicht nur um die Ermordung des italienischen Modedesigners, die wäre sicherlich auch zu schnell erzählt. Man erfährt einiges  über Gianni Versaces Leben und das Leben von Cunanans anderen Opfern, hauptsächlich ist die zweite Staffel aber ein Porträt über den Versace-Attentäter, den Psychopathen und Serienmörder Andrew Cunanan. In dieser Anthologie-Serie werden auch fünf der brutalen Morde, denen er überführt wurde, sehr fesselnd rekonstruiert. Die Erzählstruktur ist dabei keine chronologische, was – insbesondere wenn man, wie ich, sehr wenig über den Täter wusste, der Spannung sehr zugute kommt. Wie bereits in der ersten Staffel von „American Crime Story“ erzählt der Serienschöpfer Ryan Murphy hier aber auch eine größere Geschichte. In der ersten Staffel ging es um Rassismus, in dieser ist Homophobie das zentrale Thema. Auch versetzt die zweite Staffel den Zuschauer in die Vereinigten Staaten der 1990er Jahren, in eine Zeit, in der Schwule noch viel mehr um Akzeptanz kämpfen mussten, bzw. ihre Sexualität oftmals versuchten, zu verheimlichen. Wie bereits bei der ersten Staffel liegt auch hier der Vergleich zur Gegenwart nahe. Wie steht es heute mit der Anerkennung und der Rechte der LGBT-Gemeinschaft in den U.S.A.? Was hat sich in den letzten zwanzig Jahren geändert? Beispielsweise waren Homosexuelle im amerikanischen Militär seit 1993 zwar geduldet, aber nur so lange sie ihre sexuelle Orientierung für sich behielten (Policy: „Don´t Ask, Don´t Tell“ – wird in dieser Staffel in der gleichnamigen Episode 5 thematisiert). Erst seit dem Jahr 2011 dürfen auch Bi- oder Homosexuelle (die offen mit ihrer Sexualität umgehen) dem amerikanischen Militär beitreten. Ich musste das nochmal recherchieren, weil ich kaum glauben konnte, dass die Gesetze erst im Jahr 2011 geändert wurden.

True-Crime-Formate sind ja bereits seit einigen Jahren bei den Film- und Fernseh- und Podcast-produzenten äußerst populär. Mir ist aufgefallen, dass in den letzten zwei Jahren insbesondere reale Verbrechen aus den 1990er Jahren (O.J. Simpson, Tonya Harding, Waco, jetzt Gianni Versace)  aufgegriffen wurden. 

Wie alle gute Serien habe ich auch „The Assassination of Gianni Versace“ komplett zwei Mal hintereinander gesichtet. Bei der zweiten Sichtung kannte ich den Lebens- und Amoklauf von Andrew Cunanan, seine Weggefährten, seine Bluttaten und Opfer und konnte mich damit entspannt auf die größere Geschichte einlassen. Die Story ist ansprechend und wirklich gut erzählt. 

Darren Criss ist sehr überzeugend als Andrew Cunanan. Es ist sicher nicht einfach, einer solchen komplexen Figur gerecht zu werden. Der amerikanische Schauspieler macht es aber mit seinem nuancierten und facettenreichen Spiel möglich. 

Penélope Cruz und Édgar Ramirez habe ich überraschenderweise sofort Donatella und Gianni Versace abgenommen. Beide sind generell sehr gute Schauspieler, neben dem Handwerk bringen sie aber auch die notwendigen Äußerlichkeiten für ihre Rollen mit. Édgar Ramirez hat generell schon eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem legendären Designer. Penélope Cruz hat hier hellblonde Haare (eine Perücke). Die beiden Schauspieler haben mit ihrer Mimik und Gestik, dem Make-Up, den Frisuren und dem Kostümdesign, vor allen Dingen aber mit ihrem Englisch, das mit einem sehr starkem italienischen Akzent durchzogen ist, schnell vergessen lassen, dass sich hinter diesen Charakter eigentlich Schauspieler verbergen. 

Ich hätte es rücksichtsvoll gefunden, wenn man mir Ricky Martin erspart hätte. In jeder einzelnen Szene hat er mich mit seinem Ricky-Martin-Sein aus der sonst so fesselnden Serie gebracht. Besonders lustig war sein Auftritt in Folge 7 („Ascent“).

Meine Lieblingsepisode: Ich mag alle, am wenigsten vielleicht die vorletzte, Episode 9 („Creator/Destroyer“). Ein großer Part dreht sich um diesen unangenehmen, gar widerlichen Vater von Andrew Cunanan. Was für eine Loser. Vielleicht habe ich mich aber einfach nur über diese Figur geärgert. 

Meine Lieblingsszenen: 

Episode 2 („Manhunt“): Eine recht krasse Szene unterlegt mit Phil Collins´“Easy Lover“ (Ich liebe die komplette Szene in dem Hotelzimmer, weil sie dem Zuschauer erstmalig genau zeigt, was für ein Psycho Andrew Cunanan war. Außerdem erinnert mich die Szene an einen meiner Lieblingsfilme, „American Psycho“.  In der zweiten Folge mochte ich auch die gesamte Sequenz, die mit dem Song „Gloria“ unterlegt ist. Ferner mochte ich die Schlussszene der zweiten Episode in dem Schwulenclub – dieses Szene ist insbesondere toll, wenn man bereits die komplette erste Staffel gesehen hat. 

Episode 3 („A Random Killing“): Alle Szenen mit Judith Light 

Episode 4 ( „House by the Lake“): Die „Good News – Bad News“-Szene mit David und seinem Papa. Herzzerreissend und tränenreich für mich die Szene mit den Beiden in der Hütte. 

Episode 6 („Descent“) Die Szene mit David und Andrew. Hier realisiert David, dass Andrew einfach nicht die Wahrheit sagen kann. Nicht meine Lieblingsszene, aber dennoch erwähnenswert: Auf Andrews Geburtstagsparty wird ein Foto aufgenommen. Das Foto zeigt Andrew Cunanan mit drei seiner späteren Opfer. 

Episode 7 (Ascent“) Die Szene im Hotelzimmer mit David und Andrew. Der Moment dieser Nacht ist überzeugend transportiert. 

Episode 9 („Creator/Destroyer“) Die kurze Sequenz, die mit dem The Bangles-Song „Hazy Shade of Winter“ unterlegt ist. Auch, weil mir ganz warm ums Herz wird, der Song erinnert mich an einen meiner Lieblingsfilme, der Bret Easton Ellis Verfilmung „Less Than Zero“). Später in der Episode fand ich den Party-Auftritt von Andrew Cunanan großartig. Die Episode ist das Regiedebüt des amerikanischen Schauspielers Matt Bomer (The Normal Heart, „American Horror Story: Hotel“). 

Der hier gezeigte Palast von Gianni Versace ist traumhaft. Auch wenn ich selbst klare Linien und das minimalistisches Design vorziehe, würde ich mir dieses opulente Domizil gerne mal anschauen. Das ist auch durchaus möglich, da Versaces Villa, „Casa Casuarina“ (http://vmmiamibeach.com) zu einem Boutique-Hotel umgebaut wurde.

Die Versace-Familie ist selbst nicht so glücklich über „The Assassination of Gianni Versace“. Das liegt voraussichtlich auch daran, dass Gianni Versaces HIV-Erkrankung angedeutet wird. Die Familie hat immer behauptet, der Designer wäre an Krebs erkrankt. FX weist daraufhin, dass sie ausgiebig die Fakten geprüft haben und zuvor eine intensive Recherche erfolgt ist. Donatella Versace war aber sehr wohl zufrieden, dass sie von Penélope Cruz portraitiert wurde. Die beiden haben sich bereits vor diesem Projekt einige Male getroffen. 

Die Musik in dieser TV-Serie ist perfekt ausgewählt. Die Songs sind entweder thematisch abgestimmt oder sie passen in die 1990er Jahre, vor allen Dingen in der Gay-Szene.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen: 

Andrew Cunanan war ein tief gestörter Mann, Psychopath und Serienmörder. Er war intelligent, attraktiv, wusste sich gut auszudrücken und zu kleiden. Er stammte aus armen Verhältnissen mit einer psychisch kranken Mutter und einem Betrüger als Vater. Er hat sich immer gewünscht, der besseren Gesellschaft anzugehören. So hat er sich bereits als Kind in eine Phantasiewelt geflüchtet und anderen Lügen über seine Herkunft und später auch seinen sozialen und beruflichen Status aufgetischt. Er war ein Hochstapler und pathologischer Lügner. Er hat nie geleugnet, schwul zu sein. Sein Geschichtsstudium schmiss er hin und zog lieber durch die besten Gay-Clubs auf der Suche nach schnellem Sex und reichen Liebhabern, die seinen gewünschten Lebenswandel finanzierten. Durch sie bekam er Zugang zur der besseren Gesellschaft. So wirklich aufgenommen wurde er jedoch nie, irgendwann sind Andrews Lügen immer aufgeflogen. Gespielt wird Andrew Cunanan von dem amerikanischen TV-, Theaterschauspieler und Sänger Darren Criss. Bekannt geworden ist er durch seine Rolle in der TV-Serie „Glee“. Er hat eine Nominierung für einen Emmy und einen Grammy (beides für die Musik in „Glee“).

Gianni Versace war ein berühmter italienischer Modedesigner, der mit seinem Partner (hier gespielt von Ricky Martin) zusammenlebte. Im Alter von nur 50 Jahren wurde er vor seiner Haustür in Miami Beach erschossen. Täter war der 27-jährige Andrew Cunanan (in der Serie gespielt von Darren Criss). Gespielt wird Gianni Versace von dem venezolanischen Schauspieler Édgar Ramirez. Bekannt wurde er durch den Mehrteiler „Carlos“. Ich habe ihn aber auch schon in einigen Kinofilmen (Zero Dark Thirty, The Counselor, Joy) gesehen. Für seine Performance in „Carlos“ hat er eine Emmy-Nominierung erhalten. 

Donatella Versace ist Gianni Versaces Schwester und eine harte Geschäftsfrau. Später startete sie dann selbst als Modedesignerin des Labels durch. Den Lebenspartner ihres Bruders muss sie gehasst habe. Als Gianni Versace (an HIV oder Krebs) erkrankte, hatte sie bereits ein Mal die Geschäfte übernommen. Gespielt wird Donatella von der spanischen Schauspielerin Penélope Cruz. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie wohl mit Pedro Almodovars Film „All About My Mother“. Kurz darauf wurde sie schon in amerikanischen Kinofilmen („Blow“, „Gothika“) besetzt. Sie wurde drei Mal ( für ihre Performance in „Volver“, Vicky Cristina Barcelona und Nine) für den Oscar nominiert. Für ihre Performance in dem Woody Allen Film hat sie den Oscar gewonnen. 

Antonio D´Amico war Gianni Versaces Lebensgefährte. 15 Jahre waren sie ein Paar und haben zusammengelebt. Antonio D´Amico war Model, später hat er als Designer für Versace Sport gearbeitet. Gespielt wird Antonio D´Amico von dem puerto-ricanischen Sänger Ricky Martin. Hätte man für diese Rolle nicht irgendeinen richtigen Schauspieler finden können? Ricky Martin hat drei Grammy-Nominierungen.

David ist die große Liebe von Andrew Cunanan (gespielt von Darren Criss). Gespielt wird David von dem australischen Schauspieler Cody Fern. Bislang hat er vorwiegend Theater gespielt. Man könnte „The Assassination of Gianni Versace“ als seinen Durchbruch, zumindest in den U.S.A., ansehen. In der nächsten, der sechsten Staffel von „House of Cards“ wird er aber scheinbar eine größere Rolle spielen. Mich hat er an den jungen Andrew McCarthy erinnert. Interessanter Schauspieler und einer, den man ganz sicher auch bald im Kino sehen wird. 

Marilyn Miglin war seit einigen Jahrzehnten die Frau des sehr erfolgreichen Unternehmers Lee Miglin. Auch wenn Lee Miglin tatsächlich als Immobilienmogul recht bekannt war, wird seine Geschichte den meisten nicht geläufig sein, daher möchte ich hierzu nichts spoilern. Gespielt wird Marilyn Miglin von der amerikanischen TV- und Theaterschauspielerin Judith Light. Auch wenn sie aussieht wie ein sehr gepflegter, älterer Herr in eleganter Damenrobe mit viel zu viel Schminke im Gesicht, ist Judith Light umwerfend in dieser Rolle. Sie spielt sehr nuanciert, jeder Gedanke ist in ihrem Gesicht zu lesen. Ich würde mir wünschen, dass sie für diese Gastperformance oder Nebenrolle mit einem Emmy ausgezeichnet wird.  Bekannt geworden ist Judith Light durch ihre Hauptrolle in der 1980er Jahre Serie „Who´s the Boss? Sie hat auch in der Serie Transparent mitgespielt. Sie hat sowohl einen Emmy (für ihre Performance in der TV-Serie „One Life to Live“) als auch einen Tony für ihre Performance in dem Theaterstück „The Assembled Parties“ gewonnen. 

Update: „The Assassination of Gianni Versace“ ist im Jahr 2018 für achtzehn Emmys (darunter: Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actor, Darren Criss, Outstanding Supporting Actor, Ricky Martin, Édgar Ramirez und Finn Wittrock,  Outstanding Supporting Actress, Penélope Cruz und Judith Light, Outstanding Directing für die Episode „The Man Who Would Be Vogue“, Outstanding Writing für die Episode „House by the Lake“ und Outstanding Casting for a Limited Series) nominiert worden. Update: Die Miniserie hat sieben Emmys gewonnen, darunter Outstanding Limited Series, Outstanding Casting for a Limited Series, Outstanding Directing for a Limited Series (für „The Man Who Would Be Vogue“), Outstanding Lead Actor in a Limited Series (Darren Criss)

„The Assasination of Gianni Versace: American Crime Story“ wurde erstmalig v. 17.01.18 . 21.03.18 auf dem amerikanischen Kabelsender FX ausgestrahlt. In Deutschland war die Serie über den Bezahlsender Sky Atlantic HD ab dem 29.01.18 zu sehen. 

Trailer zu sehen:

 

 

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.