NYC – Film: „13th“


Ich war am 30.09.16 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
13th“ (in Deutschland ab 7.10.16 auf Netflix zu sehen) 100 min documentary
dir. Ava DuVernay cast: Angela Davis, Newt Gingrich

 
Der 13. Zusatzartikel der US-amerikanischen Verfassung wurde im Jahr 1865 vom Kongress verabschiedet. Damit war die Sklaverei offiziell abgeschafft. Die Afro-Amerikaner waren dadurch freie Menschen, hätte es für die Weißen nicht andere Mittel gegeben, um sie weiter klein zu halten. Seit der Nixon-Ära in den 1970er Jahren wurden sie bereits für kleinere Delikte (Besitz von Haschisch, etc.) verurteilt und ins Gefängnis gesteckt. Einer von drei Afro-Amerikaner wird während seines Leben irgendwann hinter Gittern landen und damit von der Teilhabe an der amerikanischen Gesellschaft ausgeschlossen sein. Im Jahr 1970 gab es 357.292 amerikanische Strafgefangene – im Jahr 2016 sitzen über 2,3 Millionen U.S.-Amerikaner im Gefängnis.

 

 

B+ (Bewertung von A bis F) „13th“ ist der neue Film der amerikanischen Filmemacherin Ava DuVernay („Middle of Nowhere“, Selma). Es ist der erste Dokumentarfilm, der das New York Film Festival eröffnet.

Ava DuVernay hat früher als Journalistin und dann als PR-Beraterin gearbeitet. Hat sich dann mit ihrer eigenen Firma selbständig gemacht und u.a. Oscar-Kampagnen für Michael Mann, Steven Spielberg und Clint Eastwood geführt. Im Jahr 2008 hat sie als Filmemacherin ihre ersten Dokumentation veröffentlicht. Vier Jahre später hat sie mit dem Spielfilm „Middle of Nowhere“ auf dem Sundance Film Festival ihren ersten Preis als Regisseurin erhalten. Weitere zwei Jahre später, im Jahr 2014, wurde ihr Film „Selma“ als Bester Film für einen Academy Award nominiert. Heute ist die Afroamerikanerin eine einflussreiche Persönlichkeit in der Filmbranche. Sie besitzt das Feingespür und das perfekte Timing für Themen, die die U.S.Amerikaner bewegen.

Die amerikanische Filmemacherin schafft mit ihrem Film eine Verbindung von dem Ende der Sklaverei zur systematischen Stigmatisierung und Kriminalisierung der Afroamerikaner. Seit Präsident Richard Nixon Drogen den Krieg erklärte, wanderten unzählige amerikanische Bürger (vorwiegend Latinos und Schwarze) wegen geringer Drogendelikte ins Gefängnis. Seither hat sich das amerikanische Gefängnissystem zu einem sehr profitablen Wirtschaftszweig entwickelt. Schließlich findet die Regisseurin zu der heutigen Situation in den U.S.A., in der die Polizeigewalt gegenüber Schwarzen alltäglich ist und die BLACK-LIVES-MATTER-Bewegung daraus entstanden ist.
Der Film ist eine smarte, sehr wütende, aber hervorragend recherchierte und unterhaltsam zusammengestellte Dokumentation. In meinen Augen neigt sie mit ihrer Dokumentation aber auch dazu, die Situation etwas zu vereinfachen, nicht alle Afroamerikaner sitzen wegen eines Bagatelldeliktes im Gefängnis. Auch war mir der Film etwas zu lang.

Die Filmemacherin setzt viel Archivmaterial (z.B. Filmausschnitte des erschreckend rassistischen Films „The Birth of a Nation“ aus dem Jahr 1915, Originalfilm- und Tonaufnahmen von Gewaltverbrechen gegenüber Afroamerikanern, aber auch mit Aussagen von diversen U.S.-Präsidenten), sie lässt aber auch Experten wie die amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis zu Wort kommen und setzt schließlich Animationen und Musik wirkungsvoll ein.

 
Der Film „13th“ hiess übrigens zunächst „The 13th“ und wurde unmittelbar vor der Eröffnung des New York Film Festivals noch umbenannt.

 
„13th“ ist für Oscar-Nominierungen als Bester Dokumentarfilm, aber auch als Bester Film im Gespräch. Für die Kategorie Bester Dokumentarfilm hat er sich sofort als Favorit positioniert. Oscars-So-White wird dabei helfen, wobei mir tatsächlich O.J.: Made in America besser gefallen hat. Update: „13th“ hat eine Oscarnominierung als bester Dokumentarfilm erhalten.

 
„13th“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2016 gezeigt. Der Film startet am 7.10.16 in einigen amerikanischen Kinos und ist zeitgleich auf Netflix abrufbar. Ich habe den Film am Eröffnungsabend auf dem New York Film Festival gesehen. Zum Schluss gab es Applaus. Während meiner Vorstellung (Opening Night des NYFF54) haben jedoch auch einige Zuschauer das Kino verlassen.

Trailer zu sehen:

 

 

 

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