TV-Serie: „Barry, 1. Staffel“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Barry, 1. Staffel“ (in Deutschland über SKY zu sehen oder den iTunes Stores zu erwerben)  8 x approx. 30 min  comedy, crime, drama, thriller

dir. Bill Hader, Maggie Carey, Hiro Murai, Alec Berg  cast: Bill Hader, Stephen Root, Sarah Goldberg, Paula Newsome, Glenn Fleshler, Anthony Carrigan, Henry Winkler, Cameron Britton  

 

Barry (Bill Hader) ist ein Ex-Marine, der durch seinen Einsatz in Afghanistan depressiv wurde. Fuches (Stephen Root), ein Freund seines Vaters, den Barry als Onkel sieht, hat ihn damals unter seine Fittiche genommen. Mittlerweile ist er sein Zwischenhändler, denn Barry arbeitet als Profikiller. Sein neuer Auftrag führt ihn nach Los Angeles. Für den tschetschenischen Mafiaboss Goran Pazar (Glenn Fleshler) soll er einen Mann töten. Seine Zielperson findet er in einem Schauspiellehrgang. Von der Gruppe wird Barry fälschlicherweise auch für einen Schauspieler gehalten. Schon bald bekommt er Anerkennung und findet sogar Gefallen an der Schauspielerei – vielleicht wäre das ein neuer Start für ihn, denn Barry steckt in einer großen Lebenskrise. So einfach lässt sich sein bisheriges Leben aber natürlich nicht abschütteln, die Tschetschenen haben eine gewisse Erwartung an ihn…

 

B+ (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der neuen HBO-Serie sind der amerikanische Autor (TV-Serie „Seinfeld“) und TV-Regisseur („Curb Your Enthusiasm“) Alec Berg und der amerikanische Comedian („Saturday Night Live“) und Schauspieler Bill Hader (Adventureland, The Skeleton Twins, Trainwreck). Bill Hader spielt in dieser Serie die titelgebende Hauptrolle und hat zusätzlich bei den ersten drei Episoden Regie geführt. Dies ist Bill Haders Regiedebüt. 

„Barry“ ist eine ungewöhnliche Serie. Am Ende der rund vier Stunden, die die erste Staffel tatsächlich nur zeitlich in Anspruch nimmt, hat man eine andere Serie, als zu Beginn. Einfach zu kategorisieren ist das Ganze definitiv nicht. Die Serie ist dem Genre Krimi sowie (düstere) Comedy zuzuordnen. Es gibt einiges an Situationskomik, dabei spielt die Serie auch mit Vorurteilen. „Barry“ hat auch einen gewissen Drama-Anteil und gibt – wie ich mir habe sagen lassen – einen fast schon dokumentarischen Blick auf Schauspielschüler und einen Schauspiellehrgang in Hollywood. Am Ende der ersten Staffel macht es fast den Anschein, als würde es in Richtung Thriller gehen. In der vielfältigen Serien-Landschaft ist diese neue Serie ungewöhnlich. Für eine Serie, die unter Schauspielschülern in Hollywood spielt, gibt es erwartungsgemäß viele Referenzen auf Filme und Schauspieler. 

Bill Hader spielt den Antihelden Barry. Barry ist erstklassig als Auftragsmörder, vor allen Dingen, weil er annimmt, dass seine Opfer es auch irgendwie verdient haben, von ihm getötet zu werden (vergleichbar vielleicht mit Dexter der gleichnamigen Serie). Ihn plagt jedoch zunehmend sein Gewissen und schließlich gerät er in eine Sinn- und Lebenskrise. Als er – mehr oder weniger – durch Zufall in einen Schauspiellehrgang gerät, fühlt er sich dort aufgehoben. Zu Beginn ist er ein schlechter Schauspieler, bis er langsam lernt, seine Emotionen zu kanalisieren und in seine Performance einfliessen zu lassen. Bill Hader gibt hier eine sehr nuancierte Performance. Das Casting der gesamten Serie ist aber exzellent. 

In jedem Fall empfiehlt es sich, die Serie ein zweites Mal zu sehen. Zwischen meiner ersten und zweiten Sichtung der ersten Staffel von „Barry“ lagen die Emmy-Nominierungen und diese neue Serie hat, wenig überraschend, auch bei der Television Academy Eindruck hinterlassen. 

Wer mich kennt oder meine Beiträge hin und wieder liest, weiß, dass ich Filme und Serien ausschließlich in der Originalfassung gucke.  Ich versuche, dieses sensible Thema nicht auszureizen und versuche eigentlich nur noch daraufhin hinzuweisen, wenn ich es als unerlässlich ansehe, ein bestimmtes Film- oder Fernsehprojekt in der OV bzw. OmU zu sehen. Da die  TV-Serie „Barry“ u.a. im Umfeld von angehenden Theaterschauspielern angesiedelt und man mit entsprechenden Performances rechnen sollte, die Serie einen guten Wortwitz und teils eine akzentreiche Sprache hat, ist definitiv davon abzuraten, sie in der Synchro zu sehen. Bei „Barry“ musste ich tatsächlich selbst die schmerzhafte Erfahrung machen, wie deutsche Synchronsprecher Performances und Dialoge hinhunzen. Meiner eigenen Unaufmerksamkeit geschuldet, habe ich mir diese  Serie im deutschen iTunes Store zuerst in der synchronisierten Fassung heruntergeladen. Ich kaufe eigentlich überwiegend im amerikanischen Store und hatte mir schon lange nichts mehr im deutschen gekauft. Entsprechend wusste ich nicht, dass man bei Kauf eines Films oder einer Serie nicht mehr auf andere Sprache zugreifen kann. Wie dem auch sei, 2 Folgen von „Barry“ habe ich in der deutschen Synchro gesehen und kann daher aus erster Hand bestätigen, dass zwischen der Originalfassung und der Übersetzung Welten liegen. 

 

Meine Lieblingsepisode: Die finale Folge („Chapter Eight: Know Your Truth“), außerdem liebe ich die letzten ca. 15 Minuten der siebenten Folge („Chapter Seven: Loud, Fast, and Keep Going“) 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Barry Berkman/ Block ist ein ehemaliger Marine, der seit Jahren als Auftragsmörder arbeitet. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Los Angeles. Er ist unzufrieden mit seinem Leben, leidet an Depressionen und kommt durch Zufall in die, von Gene M. Cousineau (gespielt von Henry Winkler) angeführte Schauspiel-Gruppe. Hier fühlt er sich erstmalig akzeptiert und findet auch Interesse an der Schauspielerei. Außerdem hat er sich in eine der Schauspielschülerinnen, Sally (gespielt von Sarah Goldberg), verknallt. Gespielt wird Barry von dem amerikanischen Stand-up-Comedian, Autor und Schauspieler Bill Hader. Berühmt wurde er durch seine Arbeit bei Saturday Night Live. Er arbeitet auch viel als Synchronsprecher für Animationsfilme und -serien, hat aber mittlerweile sein Schauspieltalent in Indies und größeren Produktionen (Adventureland, The Skeleton Twins, Trainwreck) auch schon einige Male unter Beweis stellen können. Bill Hader ist eigentlich mehr als Comedian bekannt, um so interessanter ist seine Rolle in „Barry“, bei der er sämtliche Nuancen seines Talents zeigen kann. Für seine Arbeit bei SNL wurde er für, mittlerweile vier Emmys nominiert. Kürzlich hat er für „Barry“ weitere vier Emmy-Nominierungen erhalten, neben den Kategorien Schauspiel und Regie, wurde er noch für seine Autorentätigkeit belohnt und dafür, dass er die Serie produziert.

Fuches war ein Freund von Barrys Vater. Nach Barrys traumatischen Erfahrungen als Marine in Afghanistan hat er ihn aufgefangen und ihm eine neue Aufgabe gegeben  Barry sieht ihn als seinen Onkel an. Fuches wird von dem amerikanischen Schauspieler Stephen Root gespielt. Auch er leistet viel Synchronarbeit für Animationsfilme. Für mich war Stephen Root einer dieser Schauspieler, dessen Gesicht, ich kenne, aber dessen Namen mir nicht bekannt war. Er hat in einigen TV-Serien, u.a. True Blood, „Justified“ mitgespielt, aber auch in vielen Kinofilmen No Country For Old Men, Everything Must Go, Selma, Trumbo mitgewirkt. Erst im letzten Jahr war er in Get Out zu sehen. 

Goran Pazar ist ein tschetschenischer Mafiaboss. Barry (gespielt von Bill Hader) hat über Fuches (gespielt von Stephen Root), den Auftrag angenommen, den vermeintlichen Liebhaber von Gorans Frau zu töten. Goran wird von dem amerikanischen Schauspieler Glenn Fleshler gespielt. Auch er fällt für mich in die Kategorie „oft gesehen, der Name ist mir trotzdem nicht bekannt“. Glenn Fleshler hat in vielen TV-Serien, u.a. „Boardwalk Empire“, True Detective, The Night Of mitgespielt, war aber auch in einigen Kinofilmen (All Good Things, A Most Violent Year, Suburbicon zu sehen. 

Gene M. Cousineau ist Schauspiellehrer. Als Schauspieler ist er selbst nicht sonderlich erfolgreich, dafür leitet er einen Schauspiellehrgang. Einer seiner Schauspielschüler ist irgendwann Barry (gespielt von Bill Hader). Gene M. Cousineau wird von dem legendären amerikanischen Schauspieler Henry Winkler gespielt. Berühmt wurde er für seine Rolle als Fonzie bzw. The Fonz in der 1970er Jahre-Serie „Happy Days“. In dieser TV-Serie hat er neben dem damaligen Schauspieler, der heutigen Regie-Größe Ron Howard gespielt. Später hat er immer wieder mit Ron Howard zusammengearbeitet. Er hat auch u.a. in den Serien „Arrested Development“,„Royal Pains“ und „Parks and Recreation“) mitgewirkt. Für seine Rolle in „Happy Days“ wurde er für drei Emmys nominiert. Außerdem hat er eine Emmy-Nominierung für seine Gastrolle in den Serien „Battery Park“ und „The Practice“ und aktuell ist er für seine Performance in „Barry“ für einen Emmy nominiert.  

NoHo Hank ist die rechte Hand des tschetschenischen Gangsterbosses Goran Pazar (gespielt Glenn Fleshler). NoHo wird von dem amerikanischen Schauspieler Anthony Carrigan gespielt. Er hat sich bisher hauptsächlich durch Serien (u.a. „The Forgotten“, “The Flash“, „Gotham“) einen Namen gemacht. 

Detective Janice Moss ist die ermittelnde Polizistin in dem Fall des ermordeten Schauspielschülers. Sie tappt ziemlich im Dunklen, aber dann doch irgendwie nicht. Janice wird von der amerikanischen Schauspielerin Paula Newsome gespielt. Vorwiegend ist die Schauspielerin durch TV-Serien (u.a. „Ally McBeal“, „Dharma & Greg“, Transparent) bekannt. Sie hat aber auch in Kinofilmen („Little Miss Sunshine“ und Things We Lost In the Fire) mitgewirkt. Ich mag die Serienfigur Janice sehr gerne und könnte mich über sie totlachen.  

Den Schauspieler Cameron Britton (der einen der Serienmörder in der exzellenten Serie Mindhunter spielt) habe ich sofort an seiner Stimme erkannt. Diese Stimme erkenne ich aus einer Millionen Stimmen heraus. In „Barry“ spielt er einen IT-Mitarbeiter des Polizeipräsidiums in Los Angeles. Kürzlich wurde er übrigens für seine Performance in „Mindhunter“ für den Emmy nominiert. 

Apropos Emmys. „Barry“ ist im Jahr 2018 für 13 Emmys (darunter Outstanding Comedy Series, Outstanding Lead Actor in a Comedy Series, Bill Hader, Outstanding Supporting Actor, Henry Winkler, Outstanding Directing) nominiert worden. Update: „Barry“ hat drei Emmys gewonnen: Outstanding Lead Actor in a Comedy Series (Bill Hader), Outstanding Supporting Actor in a Comedy Series (Henry Winkler) und Outstanding Sound Mixing for a Comedy

Die erste Staffel von „Barry“ wurde vom 25.03.18 – 13.05.18 erstmalig auf HBO ausgestrahlt. Sie bildet eine vielversprechende Basis für weitere Staffeln. Eine zweite Staffel ist bereits bestätigt. In Deutschland kann man „Barry“ bei dem Pay-TV-Sender Sky sehen oder über den iTunes Store erwerben. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

3 Gedanken zu “TV-Serie: „Barry, 1. Staffel“

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