TV – Serie: „Hollywood“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

 

„Hollywood“ (auch in D. seit dem 1.5.20 auf Netflix zu sehen)  7 x approx. 50 min.   drama, alternate history 

dir. Ryan Murphy, Daniel Minahan, Michael Uppendahl, Janet Mock, Jessica Yu cast: Darren Criss, David Corenswet, Laura Harrier, Jake Picking, Jeremy Pope, Jim Parsons, Samara Weaving, Joe Mantello, Dylan McDermott, Holland Taylor, Patti LuPone, Queen Latifah, Michelle Krusiec, Maude Apatow, Mira Sorvino, Rob Reiner

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchen ein paar aufstrebende Schauspieler, ein Drehbuchautor und ein Filmemacher ihr Glück in Hollywood… 

 

B (Wertung von A bis F) Serienschöpfer des Netflix-Mehrteilers „Hollywood“ sind der amerikanische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Ian Brennan (u.a. TV-Serie „Glee“ und „Scream Queens“) und Ryan Murphy, der Serienschöpfer von so vielen TV-Projekten (u.a. „Nip/Tuck“, „Glee“, „American Horror Story“, The People v. O. J. Simpson: American Crime Story, Feud: Bette and Joan, The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story, Pose). 

Wie The Man in the High Castle und The Plot Against America gehört auch „Hollywood“ dem Genre der Alternativen Welt- (hier mehr Film-)geschichte an. Ryan Murphy nennt seine neue Miniserie „faction“, eine Mischung aus Fakten und Fiktion. 

Wie hätte sich Hollywood (und damit sicher auch die amerikanische Gesellschaft) vielleicht grundlegend verändert, wenn bereits in den 1940er Jahren die Einflussreichen etwas mehr Mut bewiesen hätten? Was wäre, wenn im Nachkriegshollywood eine Frau eines der großen Hollywood-Studios geleitet hätte und noch dazu, einfach ein Risiko eingegangen wäre? Was wäre, wenn Homosexuelle in der Goldenen Ära Hollywoods offen mit ihrer Sexualität umgegangen wären oder eine schwarze Schauspielerin im Jahr 1947 für eine Hauptrolle in einem großen Studiofilm besetzt worden wäre? 

In diesem Wunschtraum, diesem Märchen, das hier erzählt wird vermischen sich fiktive Charaktere und teils überzogene Versionen von realen Persönlichkeiten. So gab es bekanntermassen u.a. natürlich den Filmemacher George Cukor (Filme wie „The Philadelphia Story“, „Gaslight“ und Oscar-Gewinner für „My Fair Lady“ ), den Filmstar Rock Hudson, die erste dunkelhäutige Oscar-Gewinnerin Hattie McDaniel („Gone with the Wind“), die talentierte chinesisch-amerikanische Schauspielerin Anna May Wong, die seinerzeit sicherlich die perfekte Besetzung der chinesische Bäuerin in „The Good Earth“ gewesen wäre (die Rolle ging jedoch – wie es seinerzeit üblich war – an eine Weiße. Die deutsche Schauspielerin Luise Rainer gewann für die Rolle sogar den Oscar). Es gab aber auch den schmierigen und übergriffigen Hollywood-Agenten Henry Wilson und selbst den Zuhälter Scotty Bowers (in dieser Serie hat er den Namen Ernie West). Erst kürzlich habe ich die sehr sehenswerte Doku „Scotty and the Secret History of Hollywood“ gesehen. Scotty Bowers hat viele (insbesondere bi- und homosexuelle) Hollywoodstars junge Männer und Frauen „vermittelt“. Es gab übrigens auch die Schauspielerin Peg Entwistle, die sich in den 1930er Jahren vom „H“ des berühmten Hollywood(land)-Schriftzug in den Tod stürzte. Der fiktive Film, der in diesem Mehrteiler gedreht werden soll, basiert auf ihr Leben.

Ryan Murphys Tinseltown-Projekt konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Schwer fiel es mir auch nicht, in seine Wunschwelt einzutauchen. Der Mehrteiler zeigt, wie Hollywood im Studiosystem funktionierte, Schauspieler, Autoren, Regisseure, die exklusiv bei einem Major (hier das fiktive Studio Ace Studios) unter Vertrag standen. Ich liebe einfach generell alte Hollywood-Geschichten und den Glanz und Glamour, die die Verfilmungen meist ausstrahlen. Auch wenn diese Miniserie durchweg unterhaltsam ist, ein paar klasse Szenen und kreative Ideen bereithält. hätte „Hollywood“ in meinen Augen noch besser sein können. Dafür gibt es hier einfach zu viele Charaktere, die eingeführt werden. Jeder für sich hat eine eigene, meist gute Story, irgendwann brennt man für diese Charaktere, aber allgemein wirkt dieser Mehrteiler dadurch etwas überladen. Auch gibt es in meinen Augen ein paar Drehbuchschwächen (nicht sonderlich interessant fand ich die familiäre Story um Jack Castello und nicht besonders lebensnah erschien mir das Gespräch von Avis Amberg mit der Geliebten ihres Mannes, Ellens plötzliches Interesse an Richard „Dick“ Samuels und ihre Annäherungsversuche und auch Henrys kreative Einflussnahme). Dafür liebe ich das traum- und märchenhafte Ende von „Hollywood“.

Meine Lieblingsepisode: Wie sollte es anders sein: Episode 7 („The Hollywood Ending“) Es geht um die Oscars. Auch wenn mich hier störte, dass das Wording bei der Oscar-Verleihung nicht korrekt war, seinerzeit hieß es immer: „And the the winner is…“ und nicht „And the Oscar/the Academy Award goes to…“ 

Meine Lieblingsszene: In Episode 7 („The Hollywood Ending“) Hattie McDaniels rührende Geschichte rund um ihren Oscar und ihre eindringlichen Worte an die aufstrebende, afroamerikanische Schauspielerin Camille Washington. (Queen Latifah als Hattie McDaniel ist exzellent)

Meine Lieblingscharaktere:  

Richard „Dick“ Samuels ist leitender Produzent bei Ace Studios. Ein älterer feiner, in sich gekehrter Herr, der sich nicht traut, seine Homosexualität auszuleben. Dick habe ich ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Die ganze Geschichte um ihn ist auch herzzerreißend. Dick Samuels ist ein fiktiver Charakter. Gespielt wird er von dem amerikanischen Theaterschauspieler- und Regisseur Joe Mantello. 

 Henry Wilson ist der mächtige Hollywood Agent. Ich mag seine Figur einfach, weil sie so schön schrill und fies ist. Er ist schlagfertig und hat eine herrlich spitze Zunge. Ihn gab es wirklich. Henry Wilson hat sich junger Schauspieler angenommen, sie in großen Filmprojekten besetzt, aber dafür auch sexuelle Gegenleistungen gefordert. Den jungen Rock Hudson hatte er tatsächlich auch unter Vertrag, ihm auch erst seinen Namen gegeben und ihn zum großen Star gemacht. Mit einer Ausnahme (seiner exzentrischen Tanzeinlage in Episode 3 „Outlaws“ ) liebe ich Jim Parsons Verkörperung von Henry Wilson. Für diese Performance müsste er eigentlich den Emmy gewinnen. Bekannt wurde Jim Parsons durch seine Rolle in „The Big Bang Theory“

Nicht gleich erkannt habe ich Dylan McDermott als Tankstellenbesitzer und Zuhälter Ernie West, aber auch nicht Rob Reiner als Studiochef Ace Amberg und Mira Sorvino als ältere Schauspielerin, alle Drei sind aber auch schauspielerisch hervorzuheben. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Rock Hudson a.k.a. Roy Fitzgerald (bzw. in der Realität Roy Harold Scherer, Jr.) ist ein einfacher Junge aus der Provinz. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er nach Hollywood gekommen, um seinen Traum zu verwirklichen. Irgendwann kommt er bei dem schmierigen Talentscout und Hollywood-Agenten Henry Wilson (gespielt von Jim Parsons) unter Vertrag. Rock Hudson ist schwul und verliebt sich hier irgendwann in den schwarzen Drehbuchautor Archie Coleman (gespielt von Jeremy Pope). In der Realität war Rock Hudson einer der größten Stars der 1950er und 1960er Jahre und auch bei dem Hollywood-Agenten Henry Wilson unter Vertrag. Frauenhelden spielte er besonders überzeugend und sprach nie öffentlich über seine Homosexualität. Er gab aber im Jahr 1985 – kurz vor seinem Tod – bekannt, dass er an AIDS erkrankt ist und war damit der offiziell erste Prominente, der der damals noch relativ neuen Krankheit AIDS zum Opfer fiel. In „Hollywood“ wird Rock Hudson von dem, in Deutschland geborenen amerikanischen Schauspieler Jake Picking gespielt. Er hat bereits in einigen Kinofilmen (The Way, Way Back, Patriots Day, Sicario: Day of the Soldado) mitgespielt. 

Jack Castello ist mit seiner Frau (gespielt von Maude Apatow) aus dem Mittleren Westen nach Los Angeles gekommen. Seine Frau ist schwanger und er in Geldnot. Er beginnt für Ernie (gespielt von  Dylan McDermott) als Gigolo zu arbeiten, aber eigentlich träumt er davon, es als Schauspieler in Hollywood zu schaffen. Jack Castello ist ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Jack Castello von dem amerikanischen Schauspieler David Corenswet. Er hatte schon TV-Auftritte in einigen Serien, in Ryan Murphys Serie „The Politician“ spielt er sogar eine Hauptrolle.. 

Camille Washington ist eine dunkelhäutige, äußerst talentierte junge Schauspielerin. Sie ist bei Ace Studios unter Vertrag. Camille ist ein fiktiver Charakter, hier ist sie außerdem die Freundin des talentierten Jungregisseurs Raymond Ainsley (gespielt von Darren Criss). Gespielt wird Camille Washington von dem ehemaligen Model und der Schauspielerin Laura Harrier. Ihren Durchbruch hatte die Schauspielerin als sich Peter Parker in sie (also Liz) in Spider-Man: Homecoming verliebte. Auch hat sie in BlacKkKlansman mitgespielt. 

Claire Wood ist eine hübsche, blonde junge Frau, die unbedingt Schauspielerin werden will. Sie will es ohne ihren berühmten Namen schaffen und so hat die Tochter des Studiochefs Ace Amberg (gespielt von Rob Reiner) ihren Namen geändert. Claire ist auch ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Claire von der australischen Schauspielerin Samara Weaving. Sie hat schon in einigen TV-Serien („Home and Away“, „Ash vs Evil Dead“, „SMILF“) und in ein paar Kinofilmen (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Ready or Not“) mitgespielt. Der bekannte, englische Schauspieler Hugo Weaving ist Samaras Onkel. 

Archie Coleman ist ein afroamerikanischer Drehbuchautor. Bereits sein erstes Drehbuch wird hochgehandelt. Archie ist schwul und arbeitet anfänglich für den Tankstellenbesitzer und Zuhälter Ernie West (gespielt von Dylan McDermott). Dabei lernt er Roy Fitzgerald, a.k.a. Rock Hudson (gespielt von Jake Picking) kennen und lieben. Archie Coleman ist auch ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Archie Coleman von dem ziemlich tollen amerikanischen Theaterschauspieler Jeremy Pope. Der 27-jährige Schauspieler hat bereits zwei Tony-Nominierungen (für seine Performances in dem Bühnenstück „Choir Boy“ und dem Musical „Ain´t Too Proud“) und bald vielleicht schon eine Emmy- und irgendwann auch eine Oscar-Nominierung, da bin ich mir ziemlich sicher.  

Raymond Ainsley ist ein talentierter Jungregisseur, der bei Ace Studios unter Vertrag steht. Raymond hat selbst philippinische Wurzeln und lebt mit seiner Freundin, der dunkelhäutigen Schauspielerin Camille Washington (gespielt von Laura Harrier), zusammen. Auch er ist ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Raymond Ainsley von dem amerikanischen Theater- und TV-Schauspieler und Sänger/Songwriter Darren Criss. Bekannt wurde Darren Criss durch die TV-Serie „Glee“, für einen seiner Songs in dieser Serie wurde er für den Emmy nominiert. Für seine Performance in The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story hat er einen Emmy gewonnen.

„Hollywood“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series/Movie, Best Actor/Actress/Supporting Actor/Atcress for a Limited Series/Movie Jim Parsons, Joe Mantello, Darren Criss, Jeremy Pope, Patti Lupone, Holland Taylor Update: „Hollywood“ wurde für 12 Emmys nominiert (darunter Best Actor/Limited Series für Jeremy Pope, Best Supporting Actor/Limited Series für Dylan McDermott und Jim Parsons, Best Supporting Actress/Limited Series für Holland Taylor, ansonsten nur technische Kategorien)

„Hollywood“ ist seit dem 1.5.20 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

4 Gedanken zu “TV – Serie: „Hollywood“

    • Ich kannte Maude Apatow gar nicht, also außer als Tochter von… Ist mir hier auch nicht besonders positiv aufgefallen.

      🙂 Das ist natürlich eine gute Nachricht, dass Du an den Päpsten dran bist. Wenn Dir schon der junge wirklich gut gefällt, müsste Dir der neue sogar noch besser gefallen. Ich bin sehr gespannt auf Deine Beiträge.

      Gefällt 1 Person

  1. Die Serie hat mir auch sehr gefallen – auch wenn ich die ersten beiden Folgen als die schwächsten der Serie empfand. Da mussten leider viel zu viele Figuren eingeführt werden. Jim Parsons fand ich auch klasse in der Rolle und beim Tankstellenbesitzer musste ich auch erst googlen, wer das ist – und war dann sehr überrascht 😀 Anscheinend basierte diese Rolle auch auf realen Figuren.

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    • Mein Kumpel fand komischerweise die ersten Episoden am besten, ich fand den Mittelpart mit dem Casting und dem Dreh am schwächsten und halt die Oscar-Episode am besten. Jim Parsons ist wirklich unglaublich brillant.

      Der Tankstellen-Besitzer basiert auf Scotty Bowers, kannst Dir ja mal die Doku „Scotty and the Secret History of Hollywood“ anschauen, ganz interessant, wobei der offensichtlich auch ein ziemlicher Messie war.

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