Denver – Film: „Silence“


Ich war am 06.01.17 in Denver und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Silence“ (dt. Kinostart: 02.03.17) 161 min drama, adaptation
dir. Martin Scorsese cast: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Ciarán Hinds, Issei Ogata

 
Im Jahr 1638. Pater Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garupe (Adam Driver) aus Portugal reisen nach Japan. Sie begeben sich auf die Suche nach ihrem ehemaligen Mentor, Pater Ferreira (Liam Neeson), er soll seinem Glauben abgeschworen haben…

 
B (Wertung von A bis F) „Silence“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des japanischen Autors Shusaku Endo. Es ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „Goodfellas“, „Casino“, The Wolf of Wall Street).

„Silence“ gilt als sehr persönlicher Film des römisch-katholischen Regisseurs Martin Scorsese. Wie die meisten seiner Filme sieht auch dieser fantastisch aus. Es ist einer dieser imposanten Filme, der wahrscheinlich ausschließlich auf einer großen Leinwand wirkt. Leider ist er endlos lang und thematisch konnte ich dem Film gar nichts abgewinnen.

Ich halte mich für einen empathischen Menschen, versuche mich bei Filmen auch meist in die Charaktere reinzuversetzen. Das war mir in diesem Film nicht möglich, der einzige Charakter, dessen Handeln ich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen konnte, war Liam Neesons und seine Rolle kommt erst zum Ende zu tragen. Es liegt nun eine ganze Weile zurück, dass ich „Silence“ gesehen habe, lange habe ich überlegt, was ich schreiben kann, ohne anderen Menschen zu nahe zu treten. Generell macht mich die Arroganz sprachlos, mit der Gläubige in ein fremdes Land, in eine fremden Kultur wandern und den Einwohnern ihren Glauben aufzwingen wollen und dabei ihre Meinung/ihren Glauben als die/den einzig wahre (n) gelten lassen. Hier werden Pater Rodgrigues (gespielt von Andrew Garfield) und (japanische) Christen gezeigt, wie sie – im Angesicht des Todes – beharrlich an ihrem Glauben festhalten. Die japanischen Machthaber wollen nicht, dass die christliche Religion ihr Land unterwandert, verfolgen die Christen, nehmen sie fest und verlangen, dass sie – im wahrsten Sinne des Wortes – ihren Glauben mit Füßen treten. Und hier kommt der Punkt, den ich nicht verstanden habe. Wenn ich weiß, dass ich schrecklich gefoltert oder gar getötet werde, warum gebe ich mich dann nicht etwas geschmeidiger? Diese ganze Prozedur wiederholt sich zig Mal in dem Film.

Gut, aber was weiß ich schon davon? Gläubige Menschen werden den Film sehr wahrscheinlich mit ganz anderen Augen sehen. Für mich gab es eindrucksvolle Bilder, ich habe von ganz neuen Folter- und Tötungsmethoden erfahren und hatte Spass mit einem der Nebencharakter, Inquisitor Inoue (gespielt von Issei Ogata). Diese Figur ist der klare Bösewicht des Films. Mich hat er von seiner kultivierten-fiesen Art an Christoph Waltz´ Hans Landa aus Inglourious Basterds erinnert. Diese Rolle könnte für den 64-jährigen japanischen Schauspielers der Durchbruch in Hollywood bedeuten.

In der Oscar-Saison 2016/2017 war „Silence“ der letzte Prestige-Film, der den amerikanischen Kritikern gezeigt wurde. Der Film war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Andrew Garfield), Bester Nebendarsteller (Issey Ogata, Adam Driver, Liam Neeson), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. „Silence“ wurde letztendlich nur für einen Academy Award (Beste Kamera) nominiert.

Die Premiere von„Silence“ fand im Vatikan statt. Am 23.12.16 ist der Film in vier ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 13.1.17 war der Film dann landesweit in den U.S.A. zu sehen. Der Film ist teilweise in Japanisch mit englischen Untertiteln. In Deutschland startet der Film am 02.03.17.

 
Trailer zu sehen:

 
vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Neruda„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Chilenischer Film und nach Jackie zweiter 2016er Film von Pablo Larrain. Mit Gael Garcia Bernal
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „I´m Not Your Negro„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Dokumentation
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „20th Century Women„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Mike Mills neuer Film mit Annette Bening, Elle Fanning, Greta Gerwig und Billy Crudup
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Paterson„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Jim Jarmuschs neuer Film mit Adam Driver
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF 54 gesehen

11 Gedanken zu “Denver – Film: „Silence“

      • Das war auch mehr mit einem Augenzwinkern gemeint, denn wenn der Film im Vatikan Premiere hatte, dann wird natürlich eine andere Botschaft beabsichtigt sein. Ich finde es gut, an seinen Überzeugungen festzuhalten, allerdings sollte man nicht auf Biegen und Brechen und bis zum Tod darauf aus sein. Wozu soll so ein Opfer gut sein? Immerhin hätten die Priester an anderer Stelle vielleicht noch Gutes tun können.

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      • Überzeugungen müssen ja nicht immer religiöser Natur sein. Und daran festhalten, muss nicht bedeuten, sie immer vor sich herzutragen. Das hat natürlich Symbolkraft, mehr bewirken lässt sich aber wahrscheinlich, wenn sie in den Alltag einfließen und derjenige danach handelt. Naja, das ist eine philosophische Diskussion, hat mit dem Film aber wohl nicht mehr viel zutun. Immerhin regt er diese Diskussion schon mal an. Auch was wert :).

        Gefällt 2 Personen

      • Ich hätte gar nicht angenommen, dass Scorsese so religiös ist und die Missionsarbeit so hoch hält und so positiv darstellt. Aber scheinbar meint er es ernst ?!
        Persönlich halte ich überhaupt nichts davon. Mission präsentiert meiner Meinung nach die westlich-christliche Überheblichkeit bis heute und sie Inakzeptanz anderen Religionen gegenüber. Sich dann hinzustellen und zu sagen, man muss für seinen Glauben einstehen ist perfide, die Ablehnung der anderen gegen die religiösen Invasoren als böse hinzustellen, ist fragwürdig, denn die Christen haben auch nie andersgläubige mit offenen Armen empfangen, die katholische Kirche erst recht nicht.
        Ob die Missionare jemals etwas gutes getan haben? Man kann auch ohne das Kreuz helfen und fördern, darum ging es ihnen aber nie.
        Ganz schwieriges Thema, ich habe in der engen Freundschaft auch eine Schwester, die nach China in Mission gegangen ist…wir konnten dazu nichts mehr sagen, ihr Glück hat sie nicht gefunden, zumal es dort noch immer unter Strafe steht.
        Missionare seinerzeit waren auch, und das sieht man schon im Trailer, echte Fanatisten.
        Ganz schwierige Kiste und für uns moderne Christen oder Agnostiker.
        Und dann spielt auch noch Garfield mit…au weia :))

        Ich werde ihn bestimmt ansehen :))

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      • Wow. Mit Deiner Antwort hätte ich so nicht gerechnet.

        Ich denke nicht, dass er die Missionsarbeit mit diesem Film so hoch hält, na vielleicht doch. Schließlich haben die Missionare sich ja irgendwie geopfert und die Christen wurden verfolgt und werden letztlich auch als Opfer dargestellt. Vordergründig geht es Scorsese aber – glaube ich – um den Glauben und dass man daran immer festhalten sollte oder muss. Begründung: weil man sonst nicht in den Himmel kommt? Es ist gut möglich, dass ich einiges in dem Film nicht richtig verstanden habe, bibelfest bin ich nun wirklich nicht. Dachte ich mir, dass Du ihn sehen willst und hoffe, dass Du ein paar Erklärungen lieferst.

        Ich denke natürlich auch, dass die Missionare nicht uneigennützig geholfen und Gutes getan haben. Und klar, kann und sollte man auch ohne religiösen Hintergrund helfen.

        Ich sehe den Glauben (woran auch immer) als Privatsache, das geht niemanden etwas an. Mir macht die Religion, und wie sie von den verschiedensten Glaubensrichtungen gelebt wird, Angst.

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      • Genau das meine ich: „die Christen haben sich geopfert und wurden verfolgt“. Geopfert hat sich kein Missionar. Die Priester waren meiner Meinung nach aggressive Verfechter ihrer Religion und die wollten sie anderen Aufzwängen. Sie wussten, dass das in diesem Land nicht angesagt war (womöglich gegen die dortigen Gesetze) und haben trotzdem weitergemacht. Dass ihre Konvertiten nun auch verfolgt wurden haben sie billigend in Kauf genommen und begründen es mit: „zu seinem Glauben stehen“. Ich denke das ist eine, sofern sie religiös begründet ist, gefährliche Botschaft. Aber ich werde mir den Film ansehen und vielleicht verstehe ich dann, was Scorsese sagen will 🙂
        Und ja Religion und Glaube ist eine private Angelegenheit 🙂

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      • Definitiv ist das eine gefährliche Botschaft, man sollte sich zwischendurch vielleicht auch immer mal hinterfragen, aber das war deren Sache wohl nie. Im Film war Liam Neesons Charakter der interessanteste in der Richtung, auch mit der Auflösung zum Schluss.

        Ja, mach das, vielleicht verstehst Du einiges ganz anders oder ziehst eine andere Botschaft heraus. Scorsese hat ja bereits zwei andere Filme über Religion inszeniert, „The Last Temptation of Christ“ und „Kundun“ – ich habe aber beide nicht gesehen.

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