TV-Serie: „The Third Day“


Ich habe mir folgenden HBO-Mehrteiler angeschaut:

„The Third Day“ (in D. seit dem 15.09.20 bei Sky Ticket zu sehen) 6 x approx. 60 min  drama, mystery, thriller 

dir. Marc Munden, Felix Barrett, Philippa Lowthorpe  cast: Jude Law, Katherine Waterston, Emily Watson, Naomie Harris, Paddy Considine, Mark Lewis, Jessie Ross, Nico Parker, Charlotte Gairdner-Mihell, Paul Kaye 

Sam (Jude Law) hat den gewaltsamen Tod seines kleinen Sohnes nie richtig verarbeiten können. Zu seinem Todestag hat er ein ganz besonderes Ritual. An dem Ort im Wald, an dem damals die Leiche seines ermordeten Sohnes gefunden wurde, legt er jedes Jahr ein Kleidungsstück seines Sohnes ab. Dieses Jahr sieht er dort, wie sich ein junges Mädchen das Leben nehmen will. Er rettet sie im letzten Moment und bringt sie, Epona (Jessie Ross), zurück nach Hause. Epona lebt auf Osea Island. Das ist eine kleine Insel vor der englischen Ostküste, vom Festland führt nur ein schmaler Zufahrtsweg nach Osea. Diese kleine Straße ist auch nur bei Ebbe für wenige Stunden am Tag passierbar. Ansonsten ist Osea Island von der Außenwelt abgeschnitten…

C- (Wertung von A bis F) Serienschöpfer von „The Third Day“ sind die beiden britischen Theatermacher Felix Barrett und Dennis Kelly. Bei den ersten drei Episoden, dem sogenannten Part 1 bzw. „Summer“, hat der englische Filmemacher Marc Munden (TV-Serie „Utopia“ und „The Secret Garden“ aus dem Jahr 2020) Regie geführt und bei den letzten drei Episoden, dem sogenannten Part 3 bzw. „Winter“,  die englische Filmemacherin Philippa Lowthorpe (TV-Serie „The Crown“ und dem Film „Misbehaviour“ aus dem Jahr 2020). Dem aufmerksamen Leser fällt jetzt sicherlich auf, dass ich nur Part 1 und 3 erwähnt habe. Es gibt tatsächlich auch einen Part 2 bzw. „Autumn“, aber den habe weder ich, noch sicherlich die meisten Zuschauer gesehen. Bei Part 2 handelt es sich um eine Spezialepisode, eine zwölfstündige Live-Performance mit Jude Law und weiteren Schauspielern. Diese Episode wurde am 3.10.20 live auf der HBO-Facebook-Seite und dem Pay TV-Sender Sky übertragen. Diese Sonderepisode soll allerdings nicht notwendig sein, um der Geschichte komplett folgen zu können. 

Dieser Mehrteiler eignet sich zum Bingen. Als „The Third Day“ erstmalig auf HBO ausgestrahlt wurde, konnte ich immer nur eine Episode pro Woche schauen. Der Mehrteiler ist reich an Charakteren und Handlungsdetails, da fand ich es in der Gesamtheit, bei nur einer wöchentlichen Folge und so vielen anderen Film- und TV-Projekten, die ich noch nebenher schaue, schwer, die Übersicht zu behalten.

Ziemlich schnell dachte ich aber, was für ein Mist, wer soll das denn glauben, usw. Aber zur selben Zeit  habe ich diesen Look der Serie (zumindest den ersten Part „Summer“ mit seinen insgesamt drei Episoden) verschlungen. Der Look ist schon recht stylisch und cool.

Das war für mich dann auch gleich der Grund, mir diesen Mehrteiler ein zweites Mal anzuschauen. Der Regisseur der ersten drei Episoden, Marc Munden (schon mit einigen BAFTAS ausgezeichnet), und sein Kameramann Benjamin Karcun haben einen ganz besonderen Stil. Bislang kannte ich die Arbeiten des Filmemachers noch nicht, aber ich werde künftig die Augen aufhalten. Die Geschichte (und das Verhalten der Charaktere) fand ich insgesamt vorhersehbar, unlogisch und stellenweise saudämlich. Die finale Episode („Last Day – The Dark“) ist dann völlig an den Haaren herbeigezogen und eine Zumutung (wie Jude Laws Frisur in der Folge). 

Vielleicht hätte man sich insgesamt mehr Zeit nehmen müssen, um die Story, aber auch die Charaktere richtig auszuerzählen. Mir fehlte der Hintergrund, die Beweggründe einiger Charaktere. 

Varianten dieses religiösen Sektenkrams hat man natürlich schon einige Male gesehen. Die Struktur dieser Miniserie ist jedoch neu, auch wenn ich sie in dieser kompletten Form leider nicht sehen konnte. Hier wird eine abgeschlossene TV-Serie mit einer 12-stündigen Live-Performance  gepaart. Nicht uninteressant, vielleicht auch in der Zukunft für andere Projekte. Mittlerweile streamen wir was, wann und wo auch immer wir wollen. Wenn TV dann (wieder) zu einem Event wird, wäre das im Streaming-Zeitalter etwas Besonderes. 

Meine Lieblingsepisoden: 

  • Alle drei Episoden („Friday – The Father“, „Saturday – The Son“ und „Sunday – The Ghost“) des ersten Parts „Summer“ – nicht weil sie mich inhaltlich überzeugten, sondern weil mir der Style, die Bildsprache so ungeheuer gut gefällt
  • Die erste Episode („Monday – The Mother“) des dritten Parts „Winter“. Hier sind es nicht visuelle Aspekte, ich mag aber die neuen Charaktere, die Mutter mit ihren zwei Töchtern. Logisch verhalten die sich allerdings nicht. 

In diesem Mehrteiler sind einige gute Schauspieler (u.a. Jude Law, Emily Watson, Paddy Considine, Katherine Waterston) am Start, mir hat Naomi Harris hier jedoch am besten gefallen. Ansonsten würde ich „The Third Day“ nicht weiterempfehlen. Am Spannendsten ist sicherlich diese Insel. Die Gezeiteninsel Osea Island vor der englischen Ostküste gibt es tatsächlich. Sie befindet sich aber im Privatbesitz und gehört dem Musikproduzenten Nigel Frieda. 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen (ich konnte nur auf wenig eingehen, das ich nicht spoilern wollte:

Sam ist ein verheirateter Familienvater. Sein kleiner Sohn wurde vor einigen Jahren ermordet, zum Todestag seines Kindes hat er ein Ritual, das ihn in einen Wald führt. Dieses Mal trifft er auf ein Mädchen, Epona (gespielt von Jessie Ross), er kann ihr sogar das Leben retten. Epona lebt auf Osea Island. Er bringt sie wieder nach Hause und so beginnt die Geschichte. Sam wird von dem englischen Schauspieler Jude Law gespielt. Kürzlich habe ich festgestellt, dass Jude Law meine Filmbegeisterung schon seit über zwanzig Jahren, seit ich ihn das erste Mal in „Gattaca“ gesehen habe, begleitet. Er hat in zahlreichen Filmen (u.a. „Existenz“, „I Heart Huckabees“, „Alfie“, Hugo, Side Effects und auch in dem, im Corona-Jahr meist gesehenen Pandemie-Film Contagion mitgespielt. Außerdem spielt er in Paolo Sorrentinos Mini-Serien The Young Pope und The New Pope mit.  Jude Law wurde zwei Mal für den Oscar nominiert, ein Mal für seine Performance in „The Talented Mr. Ripley“ und ein Mal für „Cold Mountain“. Außerdem wurde er für seine Performance in den Bühnenstücken „Indiscretions“ und „Hamlet“ jeweils für den Tony nominiert. 

Jess ist Amerikanerin und ist zur Recherche und zu dem Festival nach Osea Island gekommen. Sie lernt Sam (gespielt von Jude Law) kennen. Gespielt wird Jess von der amerikanischen Schauspielerin Katherine Waterston. Ihr Spielfilmdebüt hat sie in Michael Clayton gegeben. Da ist sie aber aber noch nicht aufgefallen. Auch nicht in Night Moves. Richtig aufgefallen ist sie mir in einem meiner Lieblingsfilme Inherent Vice. Sie hat aber auch u.a.  in Steve Jobs und Alien: Covenant und der TV-Serie „Boardwalk Empire“ mitgespielt. Katherine Waterston ist die Tochter des Schauspielers Sam Waterston (der den meisten wahrscheinlich als Bezirksstaatsanwalt in der TV-Serie „Law & Order“ ein Begriff sein wird.) 

Mr. Martin ist einer der Einwohner von Osea Island. Er ist verheiratet und führt mit seiner Ehefrau (gespielt von Emily Watson) einen Pub. Gespielt wird Mr. Martin von dem englischen Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Paddy Considine. Ihn habe ich erst dieses Jahr in einem anderen HBO-Mehrteiler (The Outsider) gesehen. Er hat in unzähligen Filmen (u.a. „Hot Fuzz“, „The Bourne Ultimatum“, Child 44) mitgespielt. Für einen meiner Lieblingsfilme Tyrannosaur hat er das Drehbuch geschrieben und da auch Regie geführt. Für seine Performance in dem Bühnenstück „The Ferryman“ wurde er für den Tony nominiert. 

Mrs. Martin ist eine der Einwohnerinnen von Osea Island. Sie ist verheiratet und führt mit ihrem Ehemann (gespielt von Paddy Considine) einen Pub. Gespielt wird Mrs. Martin von der englischen Schauspielerin Emily Watson. Ihr Spielfilmdebüt gab sie in Lars von Triers „Breaking the Waves“. Seither hat sie in unzähligen Filmen (u.a. „Punch-Drunk Love“, „Red Dragon“, War Horse, Everest) mitgespielt, hatte aber auch eine größere Rolle in einigen TV-Serien/ Mehrteilern, wie Apple Tree Yard und kürzlich in „Chernobyl“. Emily Watson wurde 2 x für den Oscar nominiert (für „Breaking the Waves“ und „Hilary and Jackie“) und wurde für ihre Performance in dem Mehrteiler „Chernobyl“ für den Emmy nominiert. 

Helen ist alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern (die 13-jährige Tochter „Ellie“ wird von Thandie Newtons Tochter Nico Parker gespielt, die 9-jährige Tochter „Talulah“ von Charlotte Gairdner Mihell).  Ihre ältere Tochter, Ellie, hat demnächst Geburtstag und für einen Ausflug mit ihren Töchtern hat sie eine Unterkunft auf Osea Island gebucht. Gespielt wird Helen von der britischen Schauspielerin Naomie Harris. Sie spielt schon länger in internationalen Produktionen („Miami Vice“, „Mandela: Long Walk to Freedom“, Southpaw). Den meisten ist sie aber sicherlich als „Moneypenny“ der James Bond-Reihe seit Skyfall bekannt. Sie hat eine Oscar-Nominierung für ihre Performance in dem Oscar-Film Moonlight erhalten.  

Die jeweils erste Episode von Part 1 „Summer“ und Part 2 „Winter“ wurden erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2020 gezeigt. Die gesamte Mehrteiler wurde dann vom 14.09.20 – 19.10.20 erstmalig auf HBO ausgestrahlt. Der Performance-Event wurde am 3.10.20 auf der Facebook-Seite von HBO und auf Sky live übertragen. In Deutschland ist die Mini-Serie seit dem 15.09.20 bei Sky Ticket zu sehen. 

Trailer zu sehen:

6 Gedanken zu “TV-Serie: „The Third Day“

  1. Marc Mundens „The Secret Garden“ ist mir in der Sneak untergekommen, sah schön aus, war aber gähnend langweilig.
    Misbehaviour von Philippa Lowthorpe mochte ich, auch wenn der filmisch nicht außergewöhnlich war.
    Die Serie klingt jetzt eher so mäh, trotz Jude Law

    Gefällt 1 Person

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