Chicago – Film: „Billy Lynn´s Long Halftime Walk“


Ich war am 24.11.16 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Billy Lynn´s Long Halftime Walk“ (dt. Filmtitel: „Die irre Heldentour des Billy Lynn, dt. Kinostart: 2.2.17)  110 min  drama, adpatation
dir. Ang Lee cast: Joe Alwyn, Kristen Stewart, Chris Tucker, Garrett Hedlund, Vin Diesel, Steve Martin, Tim Blake Nelson

 

 

23. Oktober 2004. Der 19-jährige Billy Lynn (Joe Alwyn) ist amerikanischer Soldat und mit seinem Sergeant (Garrett Hedlund) und sechs Kameraden seiner Einheit auf dem Weg zu einem American Football Spiel. Die amerikanischen Soldaten sind nach der Rückkehr aus dem Irak-Krieg auf einer Propagandatour quer durch die U.S.A. Jetzt sollen sie in der Halbzeit-Show des Football-Spiels als Helden inszeniert werden. Außerdem will Hollywood die Erlebnisse der Frontkämpfer verfilmen…

 

C- (Wertung von A bis F) „Billy Lynn´s Long Halftime Walk“ basiert auf Ben Fountains gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des taiwanischen Filmemachers Ang Lee („Sense and Sensibility“, „Crouching Tiger, Hidden Dragon“, „Brokeback Mountain“, Taking Woodstock, Life of Pi.

Wenn der Film eine Satire sein soll, dann ist das Projekt fehlgeschlagen. Wenn der Film ein Drama sein soll, der die Helden-Verehrung von Soldaten anprangern soll, ist er auch nicht wirklich gelungen. Mir war eigentlich bis zum Schluss nicht klar, was mir hier für eine Geschichte erzählt wird. „Billy Lynn“ ist etwas Kriegsdrama, etwas Familiendrama, etwas Kritik an den Medien (und an Hollywood), etwas Kritik daran, wie Soldaten instrumentalisiert werden und wie absurd doch diese Halbzeit-Shows sind und dann wird auch noch eine Liebesgeschichte eingebaut, die nicht nur komplett überflüssig ist, sondern auch völlig an den Haaren herbeigezogen. Als den Protagonisten dann noch religiöse Worte in den Mund gelegt wurden, wäre ich fast aus meinem Kinosessel gesprungen.

Die großangekündigte Halbzeit-Show-Sequenz fand ich auch seltsam. Beyoncé und Destiny´s Child treten auf bzw. werden von hinten, der Seite oder aus der Ferne gezeigt. Sie werden also von Schauspielern gespielt und man fragt sich, was das soll. Vielleicht waren die Musiker selbst zu teuer oder sie hatten schlichtweg keine Lust, in Ang Lees Film mitzuwirken.

Um etwas Positives über den Film zu berichten, ich mochte die Rückblenden, die die Soldaten im Irak zeigen und auch gefielen mir alle Szenen zwischen Billy Lynn (gespielt von dem Newcomer Joe Alwyn) und seinem Sergeant (gespielt Garrett Hedlund), aber das macht lange noch keinen guten Film aus.

 
Grundsätzlich werden Kinofilme in 24 fps (24 Bilder pro Sekunde) gedreht. Peter Jackson hat sein „Lord of the Rings“-Prequel „The Hobbit“ in 48 fps gedreht. James Cameron dreht im Moment gleichzeitig „Avatar 2“, „Avatar 3“ und „Avatar 4“ und gerüchteweise alle in 60 fps.

 
Ang Lee hat seinen Film „Billy Lynn´s Long Halftime Walk“ in 120 fps (also in einer 5 x so hohen Auflösung wie normal) 4K und 3D gedreht. Es ist der erste Film, der mit dieser klaren Bildfrequenz gedreht wurde. Ich habe ihn, wie quasi alle Zuschauer, die sich diesen Film auch anschauen wollten (und das waren wenige), in der normalen, 24fps-2D-Fassung gesehen. In den gesamten U.S.A. gibt es nur genau zwei Kinos, die mit einer Projektionstechnik ausgestattet sind, dass sie die 120 fps-Version zeigen können. Übrigens gibt es auch nur weitere drei Kinos in Asien, also insgesamt fünf Kinos weltweit, die ein solches hochauflösende Format zeigen können. Da stellt sich doch die Frage, warum man einen Film in diesem Format überhaupt drehen muss. Die amerikanischen Zuschauer, die den Film in dem 120 fps-4K-3D-Format gesehen haben, mussten für dieses Erlebnis 21 Dollar bezahlen. Den Berichten zufolge haben davon viele vorzeitig das Kino verlassen. Insbesondere diese Fassung hat vernichtende Kritiken bekommen.

Vielleicht macht eine so hyperreale Fassung bei Fantasy-Filmen Sinn, „Billy Lynn´s Long Halftime Walk“ zeigt aber sehr viele Nahaufnahmen von Gesichtern und warum man diese hochauflösend sehen soll, weiss ich nicht.

 
„Billy Lynn´s Long Halftime Walk“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Joe Alwyn, Bester Nebendarsteller (Steve Martin, Chris Tucker, Vin Diesel), Beste Nebendarstellerin (Kristen Stewart) – Dieser Film zeigt, wie schwer es ist, Oscar-Prognosen zu geben, bevor ein Film erstmalig gezeigt wurde.

„Billy Lynn´s Long Halftime Walk“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2016 gezeigt. Der Film ist am 11.11. 16 in New York und L.A., in den beiden Kinos, die die 120 fps-Fassung zeigen konnten, gestartet. Ab dem 18.11.16 ist war er dann landesweit in 1176 Kinos zu sehen.  Am 2.2.17 kommt der Film in Deutschland ins Kino.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „La La Land“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Damien Chazelles neuer Film mit Emma Stone, Ryan Gosling und J. K. Simmons. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Fences„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Denzel Washingtons Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks mit Denzel selbst in der Hauptrolle und Viola Davis. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Split„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Wow. Psychothriller mit James McAvoy. Wenn der Film so gut ist wie der Trailer… das Einzige was gegen den Film spricht ist M. Night Shyamalan als Regisseur und ein Kinostart im Januar.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Collateral Beauty„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Drama mit Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Naomie Harris und Kate Winslet – bei dem Trailer kann ich mittlerweile jedes einzelne Wort mitsprechen und der muss so übel sein, dass ich ihn auch nicht mehr gucken will
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

 
Trailer v. Film: „Life„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Sci-Fi-Thriller mit Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Passengers„
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Morten Tyldums neuer Film, Sci-Fi-Romanze mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt. Jennifer Lawrence sieht in dem Kleid echt ein Knaller aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

2 Gedanken zu “Chicago – Film: „Billy Lynn´s Long Halftime Walk“

  1. Schon den Trailer fand ich schrecklich und schon da habe ich mir nicht vorstellen können, was mir der Regisseur hier zeigen will :))
    Mit Ang Lee stehe ich etwas auf Kriegsfuß. Er kann ja gute Filme machen, ist aber sicherlich kein Garant dafür, wenn ich so zurückblicke. Den Hulk werde ich ihm nie verzeihen, was ein Schrott.

    Tja dieser Hochauflösungswahn, anders kann ich das schon nicht mehr nennen, ist mir rätselhaft.
    Wie schön ist doch Liz Taylor in „Ivanhoe“, so unhochauflösend, mit dicken MakeUp, aber man siehts ja nicht :))
    Die hier bestimmt am meisten leiden und sich was einfallen lassen müssen, sind die Maskenbildner. Was eine Herausforderung.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, er kann wirklich tolle Filme inszenieren. Ich glaube, er ist nicht immer der richtige für den Stoff. Bei „Hulk“ und dem hier war er vielleicht einfach nicht der richtige Regisseur. Wobei ich „Hulk“ aus der Erinnerung gar nicht so schlimm fand…aber so selten wie ich eine Comic-Verfilmung sehe und dann noch mit Edward Norton, der hat mich sicherlich verwirrt. :))

      Ich stehe auch schon nicht auf diese HD-Geschichte, ich finde das sieht immer billig aus, gucke Filme am liebsten noch old school. Bei diesem Film sollte man ja das Gefühl haben, dass man bei der Halftime-Show im Stadion dabei ist. Ich will aber gar nicht im Stadion dabei sein, ich bevorzuge es, einen Film zu sehen. 🙂

      Gefällt 1 Person

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