NYC – Film: „Moonlight“


Ich war am 2.10.16 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Moonlight“ (dt. Kinostart: 09.03.17) 110 min drama, adaptation
dir. Barry Jenkins cast: Trevante Rhodes, André Holland, Janelle Monáe, Naomie Harris, Mahershala Ali, Alex Hibbert, Jaden Piner, Ashton Sanders, Jharrel Jerome

 
Chiron (Alex Hibbert) ist zehn Jahre alt, sehr schüchtern und anders als seine gleichaltrigen Schulkameraden. Kev (Jaden Piner) ist noch ganz okay, aber seine anderen Mitschüler mobben ihn ständig. Auch Zuhause hat er keinen Halt, seine Mutter (Naomie Harris) ist drogensüchtig und der Vater hat schon lange das Weite gesucht. Eines Tages lernt er einen Erwachsenen, Juan (Mahershala Ali), kennen, er freundet sich mit ihm und seiner Freundin Teresa (Janelle Monáe) an.

 

 

A- (Wertung von A bis F) „Moonlight“ basiert auf das von Tarell Alvin McCraneys geschriebene semi-autobiografische Theaterstück „In Moonlight Black Boys Look Blue“. Es ist erst der zweite Spielfilm des amerikanischen Regisseurs Barry Jenkins („Medicine for Melancholy“).

 
„Moonlight“ ist ein Porträt des Afroamerikaners Chiron. Es ist eine Charakterstudie, bei dem man Chiron als Kind (in dem Kapitel „Little), als Jugendlicher (in dem Kapitel („Chiron“) und als Erwachsener (in dem Kapitel „Black“) begleitet und an seinem Leben teilnimmt. Es ist ein intensiver Film über das Erwachsenwerden, das Anderssein, das Schwul sein – ohne es sich aber selbst eingestehen zu können oder zu wollen und schließlich ist es auch eine Liebesgeschichte zwischen zwei afroamerikanischen Männer.

Ich hätte dieser Geschichte noch ewig zuschauen können. Ganz besonders war ich von Juan begeistert, den der kleine Chiron kennenlernt. Gespielt wird er von dem wunderbaren Mahershala Ali (Free State of Jones). Leider taucht Juan später nicht wieder auf und es wurde auch nicht mehr über die, für Chiron so wichtige Person gesprochen. Im anschließenden Q & A auf dem New York Film Festival wurde der Regisseur Barry Jenkins darauf angesprochen. Er meinte, dass es so beabsichtigt war, weil es manchmal Menschen gibt, die in einem Leben auftauchen, für eine gewisse Zeit wichtig sind und dann aber aus verschiedenen Gründen einfach nicht mehr da sind. Ich habe darüber nachgedacht und kann dem nur beipflichten.

„Moonlight“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

 
Im Jahr 2006 – ein Jahr bevor ich meine Oscar-Prognosen erstmalig veröffentlichte – hat Paul Haggis Film „Crash“ völlig überraschend den Oscar gewonnen. Ang Lees „Brokeback Mountain“ war damals DER Favorit. Für viele Oscar-Experten gilt „Crash“ noch heute als einer der schlechtesten Oscar-Gewinner-Filme überhaupt und das Ganze als einer der größten Oscar-Skandale. War es doch der Beweis, das AMPAS hauptsächlich von homophoben, alten, weißen Männern dominiert wurde. Ich sehe es etwas differenzierter, mochte „Brokeback Mountain“ fand aber „Crash“ (in Deutschland übrigens unter „L.A. Crash“ geführt) nicht so schlimm, mein Lieblingsfilm von den seinerzeit fünf nominierten Filmen war George Clooneys „Good Night, and Good Luck“.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und geguckt wie viele neue Künstler AMPAS in den letzten zehn Jahren jährlich eingeladen hat:

2006 – 120
2007 – 115
2008 – 105
2009 – 134
2010 – 135
2011 – 178
2012 – 176
2013 – 276
2014 – 271
2015 – 322
2016 – 683

Wenn man sich die Listen, der Künstler, die eingeladen wurden anschaut, kann davon ausgehen, dass AMPAS seither viel „bunter“ geworden ist: viele Frauen, Nicht-Weiße, Homosexuelle (ob offen oder nicht) und überhaupt wesentlich jüngere Künstler beleben seither die Academy. Für die Oscar-Experten wird es dadurch immer schwieriger, zu ergründen was DIE Academy wohl wählt. „Moonlight“ ist so gut, dass ich mir fast sicher bin, dass er als Bester Film nominiert wird. Mit dem Oscars-So-White-Desaster im Rücken gibt es noch drei andere Filme („Fences“, „Loving“ und „The Birth of a Nation“), die nominiert werden könnten. Ob einer der drei („Birth“ hat keine Chance, ich berichtete darüber) Filme letztlich bei dieser NEUEN ACADEMY den Oscar gewinnt, kann man derzeit noch nicht sagen. Die Chancen für einen (schwarzen) Gay-Film der Oscar-Gewinner-Film zu sein, stehen aber definitiv besser als noch vor 10 Jahren.

„Moonlight“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali, Trevante Rhodes, Andre Holland), Beste Nebendarstellerin (Naomi Harris), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: „Moonlight wurde für insgesamt 8 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali), Beste Nebendarstellerin (Naomie Harris), Bestes adaptierte Drehbuch, Beste Filmmusik, Beste Kamera, Bester Schnitt. Gewonnen hat „Moonlight“ drei Academy Awards (Bester Film, Bester Nebendarsteller Mahershala Ali und Bestes adaptiertes Drehbuch. 

„Moonlight“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2016 gezeigt. Der Film startet am 21.10.16 in einigen amerikanischen Kinos. Ich habe ihn auf dem New York Film Festival 2016 gesehen. Im Anschluß an den Film gab es stehende Ovationen. Der Filmemacher Barry Jenkins und die komplette Besetzung waren anwesend und haben sich den vielen Fragen des Publikums gestellt. Der Film startet am 09.03.17 in den deutschen Kinos.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

 

amerikanisches Filmplakat von "Moonlight"
amerikanisches Filmplakat von „Moonlight“

 

Vor dem Screening von "Moonlight" auf dem New York Film Festival zeigt sich der Regisseur und seine Besetzung dem Publikum.
Vor dem Screening von „Moonlight“ auf dem New York Film Festival zeigt sich der Regisseur und seine Besetzung dem Publikum.

 

 

Nach dem Screening von "Moonlight" auf dem New York Film Festival zeigt sich Barry Jenkins (links) mit seinen Schauspielern unter tosendem Applaus vom Balkon des Theaters.
Nach dem Screening von „Moonlight“ auf dem New York Film Festival zeigt sich Barry Jenkins (links) mit seinen Schauspielern unter tosendem Applaus vom Balkon des Theaters.

 

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