TV – Serie: „The Young Pope“


Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

 

„The Young Pope“ (dt. Serientitel: „Der junge Papst“, in Deutschland auf DVD erhältlich) 10 x approx. 50 min drama
dir. Paolo Sorrentino cast: Jude Law, Diane Keaton, Silvio Orlando, Javier Cámara, Cécile de France, James Cromwell, Scott Shepherd, Ludvine Sagnier, Toni Bertorelli

 

 

Der 47-jährige US-amerikanische Erzbischof Lenny Belardo (Jude Law) ist gerade zum Papst gewählt worden. Er nennt sich Papst Pius XIII. Er wurde in einem Waisenhaus von Schwester Mary (Diane Keaton) großgezogen. Jetzt steht sie ihm im Vatikan zur Seite, er macht sie zu seiner Beraterin. Damit hält er sich nicht an die bislang geltenden Regeln und er schockiert auch mit weiteren Änderungen. Papst Pius XIII ist Kettenraucher und lehnt es ab, sein Gesicht öffentlich zu zeigen, bzw. Fotos von sich machen zu lassen und zu seinen Kardinälen will er auch erst sprechen, wenn er wirklich etwas zu sagen hat. Der Staatssekretär des Heiligen Stuhls, Angelo Voiello (Silvio Orlando), hat gedacht, er hätte es leicht mit diesem jungen und unerfahrenen Papst. Weit gefehlt, Papst Pius XIII ist stur und unberechenbar…

 

 

C+ (Wertung von A bis F) „The Young Pope“ ist die erste TV-Serie des italienischen Filmemachers und Oscar-Preisträgers Paolo Sorrentino (The Great Beauty, Youth)

Ich wollte „The Young Pope“ lieben, schließlich sind Sorrentinos Filme „La grande bellezza“ und „Youth“ in meiner Top Ten gelandet. Es klang für mich auch zu verlockend, eine TV-Serie über einen jungen, attraktiven und US-amerikanischen Papst, der einen in die geheimnisumwitterte Welt des Vatikan führt. Natürlich hatte ich eine gewisse Erwartung, gewünscht habe ich mir eine TV-Serie, die satirisch mit dem Thema umgeht. Den Pontifex habe ich mir weltoffen und zeitgeistig vorgestellt, der mit einer Entschlossenheit seine Kirche in die Moderne führt. Auch wenn einer der ersten Szenen meine Hoffnung dahingehend bestätigte, stellt sich schnell heraus, dass diese Serie das genau nicht ist. Ehrlich gesagt gibt es auch kaum Story, die Serie ist mehr eine Charakterstudie eines Papstes, der eigensinnig und stur ist und noch dazu in einer Glaubenskrise steckt.

Nicht sonderlich überraschend geht es im Vatikan so vor, wie im Rest der Welt: Politik und Machstreben spielen eine große Rolle, durchgesetzt wird vieles durch Spionage, Verleumdungen und Erpressung. Der Vatikan ist selbstverständlich auch ein Ort der Eitel-, Befindlich- und Heimlichkeiten. Bekanntermassen gibt es in der katholischen Kirche eine hohe Anzahl von homosexuellen Priestern, dieses Thema wird auch in dieser TV-Serie angerissen, genauso wie der sexuelle Missbrauch von Kindern.

Die Serie ist voller Symbolik. Die Idee ist wunderbar, hin und wieder gefällt mir der Humor der Serie (beispielsweise wenn, die von Diane Keaton gespielte Schwester Mary ein Schlaf-Shirt mit der Aufschrift „I´M A VIRGIN BUT THIS IS AN OLD SHIRT“ trägt oder wenn der attraktive neue Papst seine prächtiges Papstgewand anzieht und der Song „I´m Sexy and I Know It“ dazu gespielt wird. Das Bühnenbild ist überragend und so einladend, dass ich mich am liebsten gleich auf meine nächste Rom-Reise begeben möchte. Auch das Kostümdesign ist, wie von Sorrentino zu erwarten, exzellent. Der Charakteraufbau ist bei einigen Figuren gelungen, leider führt er aber ins Nichts. Das empfand ich als Verschwendung. Der Serie mangelt es einfach an einem guten Drehbuch. Die Serie ist über weite Strecken ziemlich zäh. Um ehrlich zu sein, ich fand sie erst ab der 9. Episode richtig spannend.

 
Meine Lieblingsszene: Die Konversation mit Papst Pius XIII und dem italienischen Premierminister (in Episode 6)

Meine Lieblingsfolge: Episode 10

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Papst Pius XIII (geboren als Lenny Belardo) – der 47-jähriger ehemalige Erzbischof von New York ist gerade zum neuen Papst gewählt worden. Er wurde als kleines Kind von seinen Hippie-Eltern verlassen und ist mit Andrew (als Erwachsener gespielt von Scott Shepherd) in einem Waisenhaus von Schwester Mary (gespielt von Diane Keaton) großgezogen. Lenny und Andrew waren beste Freunde. Jetzt ist Lenny Papst und Andrew Kardinal. Papst Pius XIII ist charmant, selbstbewusst, sehr smart, aber auch arrogant, sich seiner Macht bewusst und unberechenbar. Er ist sehr konservativ und wirkt mitunter verbittert. Bis heute beschäftigt ihn, warum ihn seine Eltern als Kind einfach weggegeben haben. Gespielt wird Papst Pius XIII von dem englischen Schauspieler Jude Law. Mir ist er erstmalig in „Gattaca“ aufgefallen und kurz darauf in „Midnight in the Garden of Good and Evil“. Seinen großen Durchbruch hatte Jude Law wohl durch seine Rolle in Anthony Minghellas Patricia Highsmith-Verfilmung „The Talented Mr. Ripley“. Seither ist er in vielen britischen und amerikanischen Produktionen zu sehen. Für seine Rollen in „The Talented Mr. Ripley“ und „Cold Mountain“ hat er jeweils eine Oscar-Nominierung erhalten.

Schwester Mary hat im Waisenhaus Lenny und Andrew (als Erwachsene von Jude Law und Scott Shepherd gespielt) großgezogen. Nachdem Lenny nun als Papst Pius XIII im Vatikan residiert, beordert er Schwester Mary nach Rom. Er macht sie zu seiner Beraterin. Gespielt wird Schwester Mary von der amerikanischen Schauspielerin Diane Keaton. Die Amerikanerin hat früher viel mit Woody Allen gedreht, sie hat in der „The Godfather“-Trilogie mitgespielt und war unvergessen in „Baby Boom“, „Father of the Bride“ und neben Jack Nicholson in „Something´s Gotta Give“. Einen Oscar hat sie für ihre Rolle in „Annie Hall“ gewonnen, sie hat noch drei weitere Oscar-Nominierungen für „Reds“, „Marvin´s Room“ und „Something´s Gotta Give“.

 
Kardinal Michael Spencer ist der ehemaliger Erzbischof von New York und Lennys Mentor. Er wollte Papst werden und ist jetzt entsprechend desillusioniert, dass er nicht zum Papst gewählt wurde. Gespielt wird Kardinal Spencer von dem amerikanischen Schauspieler James Cromwell. Er hat einigen TV-Serien (z.B. „Six Feet Under“, „24“, „American Horror Story: Asylum“) und in vielen Spielfilmen mitgespielt, u.a. „Romeo is Bleeding“, „L.A. Confidential“, „The Queen“, „W.“ mitgespielt. James Cromwell hat eine Oscar-Nominierung für seine Rolle in „Babe“ erhalten.

Kardinal Angelo Voiello ist Staatssekretär des Heiligen Stuhls. Er zieht die Strippen in der römisch-katholischen Kirche. Gespielt wird Kardinal Voiello von dem italienischen Schauspieler Silvio Orlando. Er hat in zahlreichen italienischen TV- und Spielfilmproduktionen mitgespielt.

Monsignore Berndardo Gutierrez ist der päpstliche Zeremonienmeister. Gespielt wird Msgr. Gutierrez von dem spanischen Schauspieler Javier Cámara. Er hat in Pedro Almodóvars Filmen „Talk to Her“, „Bad Education“ und „I´m So Excited“ mitgespielt.

Sofia ist Marketing-Expertin des Heiligen Stuhls. Gespielt wird Sofia von der belgischen Schauspielerin Cécile de France. Sie hat in unzähligen französischen Spielfilmen mitgewirkt. Ich habe sie bisher nur in Clint Eastwoods Film Hereafter gesehen.

 
Die erste Staffel von „The Young Pope“ hat ein offenes Ende. Die Geschichte kann sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Eine zweite Staffel ist bereits bestellt.

Die ersten beiden Episoden von „The Young Pope“ wurden auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Die gesamte erste Staffel wurde erstmalig ab 21.10.16 auf Sky Atlantic in Italien ausgestrahlt, ab 27.10.16 dann in Großbritannien und Irland und ab dem 15.01.17 war sie dann auf HBO in den U.S.A. und Kanada zu sehen. Die Originalsprache ist Englisch und Italienisch. In Deutschland ist „The Young Pope“ mittlerweile auf DVD erhältlich.

Trailer zu sehen:

 
Der wunderbare Vorspann (3., 4., 5., 6., 7., 8. und 10. – in der 5. mit anderer Musikuntermalung) zu sehen:

2 Gedanken zu “TV – Serie: „The Young Pope“

  1. Danke dir für diesen sehr ausführlichen Bericht zur Serie. Ich habe bisher nur einen Teil der ersten Folge gesehen und bin irgendwie nicht ganz reingekommen. Dein Artikel hat mir aber irgendwie Lust gemacht es nochmal zu versuchen !

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