Golden Globe-Gewinner 2020


Als heute Nacht die Golden Globe-Verleihung übertragen wurde, habe ich ganz entspannt geschlummert…natürlich nicht. Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren war ich dieses Jahr wieder in Deutschland. Habe mich zunächst geärgert, dass die Globes nicht für jedermann zugänglich gemacht wurden (Wer hat schon Sky oder TNT Serie?), dann wurde ich aber dann doch bei YouTube fündig, habe mir erst die Red Carpet Show angeschaut und dann musste ich natürlich doch noch wach bleiben. Die Verleihung war sehr lang und zäh, hier ein paar Anmerkungen zur Show und den Gewinnern:

Ricky Gervais war „geht-so“-aufgelegt, ihm war – wie immer – alles egal, was hat er auch zu verlieren? Ich mochte den Epstein-Gag. Tom Hanks sah immer extrem unglücklich aus, wenn Ricky Gervais sprach, Martin Scorsese (obwohl Gervais auch einen Witz auf seine Kosten machte) hat sich hingegen scheinbar amüsiert. 

Immer wieder lief ein langhaariger, seltsamer junger Typ auf der Bühne im Hintergrund rum, erst war ich irritiert, dann fiel mir ein, dass Pierce Brosnans Söhne dieses Jahr die Golden-Globe-Botschafter sind. Eigentlich ist das eine schöne Tradition, die Söhne und Töchter der Schauspieler in dieser Show vorzustellen. Später am Abend hat Laura Dern gesagt, dass sie im Alter von 14 Jahren bei der Verleihung das erste Mal da war.

Ich habe mich wie verrückt über den Golden Globe für meine derzeitige Lieblingsserie „Succession“ gefreut. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, dachte eher der geht an „The Morning Show“. Egal wie der Abend sonst verläuft, ich bin happy…naja, mal sehen, wie lange ich das durchhalte… 

Schöne Laudatio von Kate McKinnon für Ellen Degeneres, die mit dem Carol Burnett Award (for Excellence in Television) ausgezeichnet wurde. Ich liebe Ellen und die hat natürlich auch wieder eine erfrischend normale und doch witzige Dankesrede gehalten.

Der zweite Golden Globe für die TV-Serie „Succession“ ging an den Hauptdarsteller Brian Cox. Für einen weiteren Globe ist Kieran Culkin nominiert, da ärgere ich mich gleich wieder, weil die HFPA Jeremy Strong nicht nominiert hat. Wahrscheinlich haben sie die Serie gar nicht gesehen, haben nur erfahren, dass es die coolste TV-Serie im Moment ist. 

Dann hat Quentin Tarantino den Globe für das Beste Drehbuch für „Once Upon a Time in Hollywood“ gewonnen. „Missing Link“ kurz darauf für den Besten Animationsfilm – Freut mich für Laika.

Was – in aller Welt – hat eigentlich Gwyneth Paltrow an? 

Wenigstens gewinnt nicht J.Lo den Globe, das ist wohl das Ende ihrer Oscar-Reise. Laura Dern ist auf dem besten Weg mit dem (Karriere-) Oscar ausgezeichnet zu werden.

Olivia Colman gewinnt, kenne ihre Performance nicht in der TV-Serie „The Crown“, sie ist aber sicher phänomenal, weil sie es einfach immer ist. 

Sehr souveräne Laudatio von der bildschönen, unfassbar talentierten Charlize Theron für Tom Hanks, der den Cecil B. DeMille Award, den Globe für das Lebenswerk gewann. Natürlich hat Mr. Hanks auch eine gute Rede gehalten. Zu dem Zeitpunkt waren beinahe 2 Stunden vergangen und kaum ein Film-Award wurde vergeben und ich hatte eigentlich keine Lust mehr weiter zu gucken. Leide aber eh unter Jetlag, also weiter. 

Mit gleich dem nächsten Globe der Mega-Schocker: Sam Mendes gewinnt als Bester Regisseur für seinen Film „1917“. Man denkt ja immer weiter, Oscars und so. Gerade, wenn man sich so ausgerechnet hat, dass es sich dieses Jahr wohl zwischen Bong Joon-Ho, Martin Scorsese und Quentin Tarantino entscheiden wird, zaubert die HFPA einen Globe für Sam Mendes aus dem Hut. Mmmh. Auf der anderen Seite: Das haben 87 Auslandsjournalisten in Hollywood entschieden, andere müssen nicht folgen. 

Darüber muss ich erst mal nachdenken, dann aber erst mal etwas Erfreuliches: Michelle Williams gewinnt für ihre Performance als Gwen Verdon in dem großartigen Mehrteiler Fosse/Verdon. Sie hält eine beeindruckende Rede für die Rechte der Frauen – wenn diese grauenhafte Tiffany Haddisch bloss nicht den Moment zerstören würde.  

Jetzt (nach Laura Dern) zweiter wichtiger Richtungsweiser diesen Abend: Brad Pitt gewinnt den Globe als Bester Nebendarsteller für „Once Upon a Time in Hollywood“. Er dankt LDC, Ist schon cool, der Pitt. Er führt keine Oscar-Kampagne für sich – braucht er wohl auch nicht. 

Der nächste Globe geht wohlverdient an Taron Egerton („Rocketman“). Nein ich werde mich nicht wieder über Rami Malek und „Bohemian Rhapsody“ auslassen. 

Es war zu befürchten, dass Awkwafina (für „The Farewell“) gewinnt. 

Ricky Gervais war lange nicht draußen. Ich vermisse ihn. 

Der nächste Golden Globe (Kategorie Beste Comedy/Musical) geht an „Once Upon a Time in Hollywood“. War in dem Moment definitiv davon auszugehen, da „Hollywood“ schon für das Beste Drehbuch und Bester Nebendarsteller gewann. Tarantinos Film für mich aber immer noch keine Komödie.

JOOOOOOOAAAAAAAAQQQQQQQUUUUUIIIIIIIIIIIINNNN, ich habe so die Daumen gedrückt. Was für ein toller Typ. Hat wohl mehrmals F*** gesagt, jedenfalls wurde es bei dem NBC-Stream ausgeblendet. 

Im Anschluss gewinnt – es war zu erwarten – Renee Zellweger für „Judy“. Ihr Kleid ist umwerfend, ich kann sie trotzdem nicht leiden. Muss aber zugeben, dass ich es etwas ungerecht fand, dass sie – im Vergleich zu Joaquin Phoenix – sehr wenig Redezeit bekam.

Jetzt endlich noch mal Ricky Gervais, der hat genug, ich auch, letzte Kategorie, Bester Film/Drama: „1917“ – war in dem Moment, nachdem der Film schon Regie gewann, nicht mehr sonderlich überraschend, aber insgesamt natürlich: zu verdauender Mega-Schocker.

 

Was bedeutet das für die Oscars?

Für die beiden sieht es sehr gut aus, sah es aber schon vor den Golden Globes:

Beste Nebendarstellerin: Laura Dern („Marriage Story“) 

Bester Nebendarsteller: Brad Pitt („Once Upon a Time in Hollywood“) 

 

Sie lässt sich wahrscheinlich kaum mehr aufhalten:

Beste Hauptdarstellerin: Renee Zellweger („Judy“) 

Bis vor kurzem gab es die Befürchtung, dass er vielleicht gar nicht für den Oscar nominiert wird, die ist ihm jetzt sicher, der Oscar aber noch nicht.

Bester Hauptdarsteller: Joaquin Phoenix („Joker“) 

Über alles andere muss ich noch mal nachdenken. Im Moment sieht es nach einem Rennen zwischen „Parasite“ und „Once Upon a Time in Hollywood“ (mit einer kleinen Chance für „1917“) aus. Für „The Irishman“ sieht es im Moment erst mal nicht so doll aus. 

Alle Golden Globe-Gewinner:

https://www.goldenglobes.com/articles/77th-golden-globe-awards-winners

Joaquin Phoenix´Dankesrede:

6 Gedanken zu “Golden Globe-Gewinner 2020

  1. Die Bedeutung rührt ja eher daher, dass es die erste große TV Award Show ist, sonst würde sich keiner für die Globes interessieren.
    Positiv: Jennifer Lopez wurde nicht ausgezeichnet (ich habe minimale Hoffnungen, dass sie nicht für den Oscar nominiert wird). Taron Egerton wurde ausgezeichnet (ich habe minimale Hoffnungen, dass er für den Oscar doch noch nominiert wird).
    Negativ: Awkwafina wurde ausgezeichnet, „The Irishman“ ging komplett leer aus. Renee Zellweger (ich hab mir gestern Abend „Chicago“ angesehen und kann sie immer weniger leiden, ich sehe in allem was sie macht Bridget Jones) hat gewonnen. Die hat schon einen lächerlich anmutenden Oscar (und viel zu viele Nominierungen) eingeheimst.
    „1917“ hab ich noch nicht gesehen, wenn der aber gut wird (wovon ich ausgehe), dann haben wir dieses Jahr die einzigartige Situation, dass ich alle Favoriten sehr gut finde und allen irgendwie den Oscar als Bester Film bzw Bester Regisseur gönnen würde. Bester Hauptdarsteller wird zum Duell Phoenix vs Driver, mit Favoritenstellung für Joaquim.

    Gefällt 2 Personen

    • „Die Bedeutung rührt ja eher daher, dass es die erste große TV Award Show ist, sonst würde sich keiner für die Globes interessieren“. Das predige ich seit vielen Jahren. Dieses Jahr ist die Bedeutung der GGs noch einen Tick wichtiger, weil es bisher noch kaum einen anderen Richtungsweiser für die Oscars gab. Die Academy-Mitglieder wählen noch bis morgen, vielleicht können die Globes noch den ein oder anderen Wähler beeinflussen.

      Jetzt mit der SAG-Nominierung und dem GG-Gewinn könnte es reichen für Taron Egerton, naja man wird sehen. Ja, mit der fast schon sicheren Oscar-Nominierung für Awkwafina habe ich mich abgefunden, auch wenn ich sie nach wie vor fragwürdig finde. Renee Zellweger, ich bin ja auch kein Freund von ihr, liefert schon eine sehr, sehr gute Performance und vor allen Dingen singt sie selbst. Irgendwie wäre der Oscar verdienter als bei…na Du weißt schon.

      Wenn „The Farewell“ und „Little Women“ nicht für den Oscar als Bester Film nominiert werden, mag ich sogar alle nominierten Filme. Gut, den einen oder anderen natürlich mehr.

      Nur weil ich es bei Dir jetzt schon so oft gelesen habe, er heißt Joaquin, nicht Joaquim. 😫

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      • Ich muss sagen, dass mich wundert wie wenig Beachtung Ana De Armas findet, die würde ich zum Beispiel nominieren, statt einer Awkwafina. Bei Taron Egerton hoffe ich einfach mal, dass er nominiert wird. Die Konkurrenz ist aber saustark. Muss mir mal Gedanken machen und mich in die Nominierungen der Gewerkschaften reinlesen, um eine Prognose zu treffen.

        Du magst „Little Women“ nicht? Ich hab bisher nur positive Stimmen gehört. Ich glaube, dass sie entweder „The Farewell“ oder „Little Women“ nominieren werden.

        Irgendwie hat sich in mein Hirn Joaquim eingespeichert, werde das aber in Zukunft vermeiden, Danke für den Hinweis.

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      • Na, es bleibt ein Fünkchen Hoffnung, dass The Farewell“ und „Little Women“ nicht nominiert werden. Ein befreundeter Oscar voter war von „1917“ und „Knives Out“ am meisten begeistert. Vielleicht rutscht „Knives Out“ rein und „Jojo Rabbit“ und Joker“. Das wäre perfekt. Es bleibt spannend.

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      • Bei Little Women kann ich mir fast gar nicht vorstellen, dass der mir nicht gefällt. „Lady Bird“ war doch sehr gut (die Tage nochmal gesehen, nachdem mir ein Freund, der mit dieser Art Film normalerweise nichts anfangen kann, von dem vorgeschwärmt hat). „Knives Out“ würde ich als Voter sicher nominieren. „Jojo Rabbit“ glaube ich auch, dann wird aber „Ford v Ferrari“ nicht nominiert und „Joker“ bin ich sicher, dass der nominiert wird. Der wird genug Fans haben.

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      • Es spricht ja nichts dagegen, dass Dir „Little Women“ gefällt. Mir war er zu lang und wirr in seiner Erzählweise. Ich kann mich zwar kaum noch an den Film aus dem Jahr 1994 erinnern, aber ich mochte ihn, wenigstens mehr als den hier. Hat auch gar nichts mit „Lady Bird“ zutun, den mochte ich ja auch sehr.

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