TV – Serie: „True Detective, 3. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„True Detective, 3. Staffel“ (in D. auf VOD erhältlich)  8 x approx  60 min  drama 

dir. Jeremy Saulnier, Daniel Sackheim, Nic Pizzolatto  cast: Mahershala Ali, Carmen Ejogo, Stephen Dorff, Scoot McNairy, Ray Fisher, Mamie Gummer, Michael Greyeyes, Michael Graziadei, Steven Williams, Sarah Gadon

 

Im Jahr 2015 in Arkansas. Wayne Hays (Mahershala Ali) ist im Ruhestand. Im Jahr 1980 hat er als Detective bei der Polizei in Arkansas gearbeitet. Ihn beschäftigt immer noch ein Verbrechen aus diesem Jahr. Damals wurde die Leiche eines 12-jährigen Jungen entdeckt und seine 10-jährige Schwester als vermisst gemeldet. Er hatte seinerzeit mit seinem Partner Roland West (Stephen Dorff) in dem Fall ermittelt. Jetzt 35 Jahre später ist er von zunehmender Demenz geplagt und wird nochmal mit dem Fall konfrontiert. Für ein True Crime-Projekt wird er befragt und versucht sich die Tage und Wochen nach dem Verbrechen ins Gedächtnis zu rufen. Auch die Entwicklungen zehn Jahre später, als dieser Fall neu aufgerollt wird, kommen dabei wieder ans Tageslicht. Seine mittlerweile verstorbene Ehefrau (Carmen Ejogo) hatte seinerzeit ein Buch über den ungelösten Fall und über die Auswirkungen auf ihr Familienleben geschrieben. Er hatte es nie gelesen… 

 

B- (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der „True Detective“-Reihe ist der amerikanische Roman- und Drehbuchautor Nic Pizzolatto. Jede der drei Staffeln erzählt eine abgeschlossene Geschichte. Während bei der kompletten ersten Staffel der amerikanische Filmemacher Cary Fukunaga (Jane Eyre, Beasts of No Nation) Regie führte sollte ursprünglich bei der dritten Staffel auch nur ein Filmemacher die künstlerische Leitung übernehmen. Die Inszenierung aller acht Episoden des amerikanischen Filmemacher Jeremy Saulnier (Blue Ruin, Green Room) hätte ich nur allzu gern gesehen. Später hiess es, er teilt sich die Regiearbeit mit Serienschöpfer Nic Pizzolatto. Fakt ist, Jeremy Saulnier ist, nachdem er die ersten zwei Episoden abgedreht hatte, etwas überraschend als Regisseur ausgestiegen. Der TV- und Film-Regisseur Daniel Sackheim (TV-Serie Ozark, „The Glass House“) hat dann bei vier Episoden die Regie übernommen und Nic Pizzolatto gab mit Episode 4 und 5 sein Regiedebüt.

Die zweite Staffel, die Pizzolatto nach dem Erfolg der ersten schnell aus dem Hut gezaubert hat, hatte mich nie wirklich interessiert. Entsprechend ist es bei mir jetzt fünf Jahre her, dass ich True Detective gesehen habe. Als ich jetzt die dritte Staffel begann, fühlte ich mich schnell wieder an die erste erinnert. Ein Detective wird vorgeladen und zu einem Verbrechen befragt, an dem er vor Jahren ermittelte. Während die erste Staffel in Louisiana spielte, ist die Handlung der dritten Staffel in den auch recht pittoresken Ozarks, im Nordwesten des Bundesstaates Arkansas, angesiedelt. Der Serienschöpfer, Produzent, Autor und Neu-Regisseur Nic Pizzolatto hat selbst ein paar Jahre in Fayetteville im Bundesstaat Arkansas gelebt.

Die dritte Staffel springt – wie bereits die solide Ursprungsstaffel mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson – zwischen mehreren Zeitebenen. Hier ist es das Jahr 1980, 1990 und 2015. Als Werkzeug, um in die dritte Zeitebene zu gelangen, wird hier recht smart (nicht wie bei Halloween) ein True Crime-Format eingesetzt. 

Vordergründig ist „True Detective“ wohl als Charakterstudie anzusehen. Hier wird man als Zuschauer über einen Zeitraum von 35 Jahren zum Wegbegleiter von Wayne Hays (und zu einem geringeren Anteil auch von seinem Partner Roland West). Ich mag die Charakterentwicklung. Dadurch wird auch eine gewisse Spannung aufgebaut, wenn man als Zuschauer überlegt, wie es zu der Veränderung der Lebenssituation und auch der Partnerschaft der beiden Polizisten (gespielt von Mahershala Ali und Stephen Dorff) gekommen ist. Das eigentliche Verbrechen ist dabei der rote Faden. Die Aufklärung des Verbrechens ist recht unspektakulär, beinahe banal. Jede Zeitebene hat seine eigene Farbgebung und ein bestechend realistisches, detailgetreues Set- und Kostümdesign.

Ich mag die dritte Staffel hauptsächlich aufgrund ihrer Machart und der Performance von Mahershala Ali.  Er strahlt eine Ruhe und Selbstsicherheit aus, ist unglaublich wandelbar und kann überzeugend Typen auf beiden Seiten des Gesetzes spielen. Hier spielt er einen Mann im Alter von 34, 44 und knapp 70 Jahren. Mir kam es bei diesem Projekt vor, als würde ich eine Art Boyhood, sehen, bei dem tatsächlich erst mit einem Abstand von 10 bzw. 25 Jahren die Dreharbeiten fortgesetzt wurden. Nie wirkt es, als wäre Mahershala Alis Charakter Wayne Hays  auf „älter“ oder „alt“ geschminkt. Selbst seine Stimme und Sprache, die Körperhaltung, sein Gang verändern sich – wie im normalen Leben – über so einen längeren Zeitraum – eine sehr facettenreiche Performance. Das trifft auch zum großen Teil auf Stephen Dorff und seinen Charakter Roland West zu. Mahershala Ali musste den Serienschöpfer Nic Pizzolatto erst überreden, dass er in der dritten Staffel die Hauptrolle übernimmt. Ein rassistischer Aspekt sollte nicht dominierend sein. Ist es auch glücklicherweise nicht, der Rassismus wird mehr subtil thematisiert. 

Meine Lieblingsepisoden: 1. und 2.  („The Great War and Modern Memory“, „Kiss Tomorrow Goodbye“)

Meine Lieblingsszenen: Das erste Zusammentreffen zwischen Wayne Hays und Roland West nach über zwanzig Jahren (Episode 5 „If You Have Ghosts“) aber auch viele anderen Szenen zwischen den beiden älteren Herren im Jahr 2015 haben mich berührt. 

„True Detective“ ist sicherlich keine Serie für Freunde der temporeichen Erzählung. Auch die dritte Staffel schreitet mit einem ähnlich langsamen Tempo voran wie die erste. In meinen Augen bedarf es keiner acht Folgen, die Geschichte hätte man auch in fünf oder sechs Folgen erzählen können. Das Staffelfinale („Now Am Found“) hingegen ist strukturell etwas missraten (so gibt es eine Auflösung, die besser an das Ende der vorletzten Episode gehört hätte) außerdem ist die letzte Folge im Ganzen etwas verwirrend. Später habe ich gelesen, dass der Serienschöpfer und Autor Nic Pizzolatto rund zwei Stunden für die finale Episode einplante, die aber auf knapp 80 Minuten gekürzt werden musste. Die Beantwortung einer bestimmten Frage, die sich mir stellte, ist vielleicht dem Schnitt zum Opfer gefallen. Die beiden finalen Szenen der dritten Staffel lassen Raum für Interpretationen. 

 

SPOILER

Die Szenen mit Wayne und seiner Tochter Becca fand ich seltsam. Vater und Tochter haben sich seit längerer Zeit nicht mehr gesehen, es wird aber nie genau erklärt, warum. Dann fährt Wayne zu der Adresse, vergisst aber, was er da eigentlich wollte, ruft seinen Sohn an und lässt sich von ihm abholen. Dann steht ihm aber plötzlich auch seine Tochter gegenüber und fährt ihren Vater nach Hause. Später besucht Roland seinen Freund Wayne. Wayne sitzt mit seiner Tochter und seiner Schwiegertochter auf der Veranda. Waynes Sohn stellt seine Frau vor. Waynes Tochter wird von niemanden beachtet, auch nicht von Roland begrüßt. Entspringen die Szene mit Wayne und seiner Tochter Waynes Fantasie, seinem Wunsch seine komplette Familie samt Freund Roland um sich zu haben? Ich fand es etwas irritierend. 

Die Serie endet dann zunächst mit einer Rückblende. Wayne sitzt in einer Bar und macht Amelia eine Art Heiratsantrag, später verlassen sie die Bar gemeinsam. Als sie aus der Bar schreiten, erscheint helles Licht. Da könnte man „den Himmel“ bzw. ein gemeinsames „Leben nach dem Tod“ reininterpretieren, aber nicht zwingend. Zum Abschluss sieht man Wayne dann in Dschungel in Vietnam. In der allerletzten Szene wendet sich Wayne zurück, blickt fast in die Kamera. Das Ende kann man verschieden interpretieren, so richtig konnte ich mir da erst keinen Reim darauf machen. Definitiv bezweifle ich, dass Wayne schon länger tot ist. Ich deute dieses abstrakte Ende eher so, dass Wayne nun bereit ist loszulassen, von seinen Vietnamerfahrungen, diesem Fall, der ihn über 35 Jahre beschäftigte und nun auch von seiner längst verstorbenen Frau Amelia (auch wenn ich die Beziehung nie so richtig nachvollziehen konnte und ich immer noch nicht weiß, wann und woran sie eigentlich gestorben ist). Dazu passt auch der Song, der das Finale untermalt: „St. James Infirmary Blues“. Das Thema Erinnerung bestimmte die gesamte dritte Staffel, auch dafür wäre es ein solider Abschluss. 

SPOILER ENDE

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Wayne „Purple“ Hays ist ein Vietnam-Kriegsveteran und im Jahr 1980 ein 34-jähriger Detective bei der Arkansas State Police. Er ermittelt, zusammen mit seinem Partner, Detective Roland West (gespielt von Stephen Dorff) in dem Mord- und Vermisstenfall der 12- und 10 Jährigen Kinder. Der Fall konnte seinerzeit nicht geklärt werden und wird zehn Jahr später neu aufgerollt. Weitere 25 Jahre später ist Wayne Hays 70 Jahre alt, längst pensioniert und wird von den Produzenten eines True Crime Formats erneut an den Fall erinnert. Er ist aber mittlerweile an Demenz erkrankt und hat starke Erinnerungslücken. Wayne Hays wird von dem afroamerikanischen Schauspieler Mahershala Ali in drei Lebensphasen gespielt. Ich habe mal überlegt, wann mir der Schauspieler erstmalig aufgefallen ist. Dunkel kann ich mich an eine kleinere Rolle in der ersten Staffel von House of Cards erinnern, das war 2013. Ebenfalls dunkel erinnern kann ich mich, dass er in den letzten beiden Parts von „The Hunger Games“, Mockingjay Part 1 und Part 2 mitgespielt hat. Richtig schauspielerisch aufgefallen ist er mir, bzw. erstmalig namentlich erwähnt habe ich ihn in meinem Beitrag aus dem Jahr 2016 für den Film Free State of Jones, dann natürlich in Hidden Figures und Moonlight (wofür er mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet wurde). In der Nacht, in der die letzte Episode der dritten Staffel von „True Detective“ erstmalig auf HBO ausgestrahlt wurde, hat Mahershala Ali seinen zweiten Oscar für Green Book gewonnen. (Übrigens war Matthew McConaughey den US-Amerikanern vor seinem Oscar-Gewinn (für Dallas Buyers Club) im Jahr 2014 ähnlich präsent wie jetzt Mahershala Ali im Jahr 2019 vor seinem 2. Oscar-Gewinn. Von Januar bis März 2014 lief nämlich die erste Staffel von „True Detective“ auf HBO). Beide Schauspieler haben den Oscar also – mehr oder weniger – auch für „True Detective“ gewonnen. Mahershala Ali hat vor und seit seiner Kinokarriere auch in einigen TV-Serien mitgespielt (u.a. „Crossing Jordan“, „The 4400“, „Treme“, wie gesagt, „House of Cards“ und „Marvel´s Luke Cage“. Für seine Performance in „House of Cards“ wurde er für einen Emmy nominiert.

Roland West ist Detective bei der Arkansas State Police und Partner von, wie er ihn nennt „Purple“ (gespielt von Mahershala Ali). Roland hat einen Draht zu dem Vater des ermordeten Jungen und des vermissten Mädchens Tom (gespielt von Scott McNairy). Roland West wird von dem amerikanischen Schauspieler Stephen Dorff gespielt. Stephen Dorffs junger Roland West hat mich hier mehrmals an den jungen Dennis Quaid erinnert. Leider hat mich sein Haarteil manchmal etwas abgelenkt. Stephen Dorff hat in einigen Fernsehserien (u.a. Roseanne) mitgewirkt und auch in einigen Kinofilmen (u.a. „Blade“, Public Enemies, Somewhere, The Iceman) mitgespielt. 

Amelia ist Lehrerin, beginnt irgendwann Bücher zu schreiben und ist die spätere Ehefrau von Wayne Hays (gespielt von Mahershala Ali). Gespielt wird Amelia von der dunkelhäutigen britischen Schauspielerin Carmen Ejogo. Sie hat in einigen amerikanischen Kinofilmen (u.a. „The Brave One“, „Pride and Glory“, „The Purge: Anarchy“, Selma, Born to Be Blue, Roman J. Israel, Esq. mitgespielt. Auch hat sie in einigen Serien mitgewirkt, u.a. „Kidnapped“,  „Chaos“. 

Lucy Purcell ist die Mutter des ermordeten 12-jährigen Will und der vermissten 10-jährigen Julie. Sie ist Alkoholikerin und mit Tom (gespielt von Scoot McNairy) verheiratet. Gespielt wird Lucy Purcell von der amerikanischen Schauspielerin Mamie Gummer. Als Kind spielte sie bereits neben ihrer Mutter Meryl Streep in „Heartburn“, ihr Schauspieldebüt als Erwachsene gab sie jedoch in dem Film The Hoax, namentlich genannt habe ich sie erstmalig im Jahr 2007 in meinem Beitrag zu dem Film Evening. Sie hat auch in einigen anderen Kino- und TV-Projekten mitgespielt (u.a. „Stop-Loss“, Taking Woodstock, Side Effects, „Ricky and the Flash“, TV-Serie „The Good Wife“). Auch spielt sie erfolgreich Theater. 

Tom Purcell ist der Vater des ermordeten 12-jährigen Will und der vermissten 10-jährigen Julie. Tom ist mit Lucy (gespielt von Mamie Gummer) verheiratet. Gespielt wird Tom Purcell von dem amerikanischen Schauspieler Scoot McNairy. Mit Scott McNairy habe ich offensichtlich ein Problem. Ich habe ihn schon in zig Kinofilmen (Argo, 12 Years a Slave, Non-Stop, The Rover, Frank, War Machine), gesehen, finde ihn auch meist gut oder wenigstens nicht auffällig schlecht. Ich kann mir aber einfach sein Gesicht nicht merken bin sozusagen gesichtsblind was ihn angeht. Wahrscheinlich würde ich ihn nie in einem Film selbst erkennen, ich kann mir gar nicht erklären, warum das so ist.  Ein Allerweltsgesicht hat er nun auch nicht. Seltsam. 

Auch diese Staffel ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch (u.a. Beste Limited Series, Bester Schauspieler einer Mini-Serie, Mahershala Ali). Update:The Academy of Television Arts & Sciences hat die dritte Staffel von  „True Detective“ für 9 Emmys nominiert (darunter Lead Actor in a Limited Series (Mahershala Ali) Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

Die dritte Staffel von „True Detective“ wurde vom 13.1.19 – 24.2.19 erstmalig auf HBO gezeigt. In Deutschland ist die dritte Staffel über VOD (iTunes, etc.) erhältlich. 

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

TV-Serie: „Barry, 1. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Barry, 1. Staffel“ (in Deutschland über SKY zu sehen oder den iTunes Stores zu erwerben)  8 x approx. 30 min  comedy, crime, drama, thriller

dir. Bill Hader, Maggie Carey, Hiro Murai, Alec Berg  cast: Bill Hader, Stephen Root, Sarah Goldberg, Paula Newsome, Glenn Fleshler, Anthony Carrigan, Henry Winkler, Cameron Britton  

 

Barry (Bill Hader) ist ein Ex-Marine, der durch seinen Einsatz in Afghanistan depressiv wurde. Fuches (Stephen Root), ein Freund seines Vaters, den Barry als Onkel sieht, hat ihn damals unter seine Fittiche genommen. Mittlerweile ist er sein Zwischenhändler, denn Barry arbeitet als Profikiller. Sein neuer Auftrag führt ihn nach Los Angeles. Für den tschetschenischen Mafiaboss Goran Pazar (Glenn Fleshler) soll er einen Mann töten. Seine Zielperson findet er in einem Schauspiellehrgang. Von der Gruppe wird Barry fälschlicherweise auch für einen Schauspieler gehalten. Schon bald bekommt er Anerkennung und findet sogar Gefallen an der Schauspielerei – vielleicht wäre das ein neuer Start für ihn, denn Barry steckt in einer großen Lebenskrise. So einfach lässt sich sein bisheriges Leben aber natürlich nicht abschütteln, die Tschetschenen haben eine gewisse Erwartung an ihn…

 

B+ (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der neuen HBO-Serie sind der amerikanische Autor (TV-Serie „Seinfeld“) und TV-Regisseur („Curb Your Enthusiasm“) Alec Berg und der amerikanische Comedian („Saturday Night Live“) und Schauspieler Bill Hader (Adventureland, The Skeleton Twins, Trainwreck). Bill Hader spielt in dieser Serie die titelgebende Hauptrolle und hat zusätzlich bei den ersten drei Episoden Regie geführt. Dies ist Bill Haders Regiedebüt. 

„Barry“ ist eine ungewöhnliche Serie. Am Ende der rund vier Stunden, die die erste Staffel tatsächlich nur zeitlich in Anspruch nimmt, hat man eine andere Serie, als zu Beginn. Einfach zu kategorisieren ist das Ganze definitiv nicht. Die Serie ist dem Genre Krimi sowie (düstere) Comedy zuzuordnen. Es gibt einiges an Situationskomik, dabei spielt die Serie auch mit Vorurteilen. „Barry“ hat auch einen gewissen Drama-Anteil und gibt – wie ich mir habe sagen lassen – einen fast schon dokumentarischen Blick auf Schauspielschüler und einen Schauspiellehrgang in Hollywood. Am Ende der ersten Staffel macht es fast den Anschein, als würde es in Richtung Thriller gehen. In der vielfältigen Serien-Landschaft ist diese neue Serie ungewöhnlich. Für eine Serie, die unter Schauspielschülern in Hollywood spielt, gibt es erwartungsgemäß viele Referenzen auf Filme und Schauspieler. 

Bill Hader spielt den Antihelden Barry. Barry ist erstklassig als Auftragsmörder, vor allen Dingen, weil er annimmt, dass seine Opfer es auch irgendwie verdient haben, von ihm getötet zu werden (vergleichbar vielleicht mit Dexter der gleichnamigen Serie). Ihn plagt jedoch zunehmend sein Gewissen und schließlich gerät er in eine Sinn- und Lebenskrise. Als er – mehr oder weniger – durch Zufall in einen Schauspiellehrgang gerät, fühlt er sich dort aufgehoben. Zu Beginn ist er ein schlechter Schauspieler, bis er langsam lernt, seine Emotionen zu kanalisieren und in seine Performance einfliessen zu lassen. Bill Hader gibt hier eine sehr nuancierte Performance. Das Casting der gesamten Serie ist aber exzellent. 

In jedem Fall empfiehlt es sich, die Serie ein zweites Mal zu sehen. Zwischen meiner ersten und zweiten Sichtung der ersten Staffel von „Barry“ lagen die Emmy-Nominierungen und diese neue Serie hat, wenig überraschend, auch bei der Television Academy Eindruck hinterlassen. 

Wer mich kennt oder meine Beiträge hin und wieder liest, weiß, dass ich Filme und Serien ausschließlich in der Originalfassung gucke.  Ich versuche, dieses sensible Thema nicht auszureizen und versuche eigentlich nur noch daraufhin hinzuweisen, wenn ich es als unerlässlich ansehe, ein bestimmtes Film- oder Fernsehprojekt in der OV bzw. OmU zu sehen. Da die  TV-Serie „Barry“ u.a. im Umfeld von angehenden Theaterschauspielern angesiedelt und man mit entsprechenden Performances rechnen sollte, die Serie einen guten Wortwitz und teils eine akzentreiche Sprache hat, ist definitiv davon abzuraten, sie in der Synchro zu sehen. Bei „Barry“ musste ich tatsächlich selbst die schmerzhafte Erfahrung machen, wie deutsche Synchronsprecher Performances und Dialoge hinhunzen. Meiner eigenen Unaufmerksamkeit geschuldet, habe ich mir diese  Serie im deutschen iTunes Store zuerst in der synchronisierten Fassung heruntergeladen. Ich kaufe eigentlich überwiegend im amerikanischen Store und hatte mir schon lange nichts mehr im deutschen gekauft. Entsprechend wusste ich nicht, dass man bei Kauf eines Films oder einer Serie nicht mehr auf andere Sprache zugreifen kann. Wie dem auch sei, 2 Folgen von „Barry“ habe ich in der deutschen Synchro gesehen und kann daher aus erster Hand bestätigen, dass zwischen der Originalfassung und der Übersetzung Welten liegen. 

 

Meine Lieblingsepisode: Die finale Folge („Chapter Eight: Know Your Truth“), außerdem liebe ich die letzten ca. 15 Minuten der siebenten Folge („Chapter Seven: Loud, Fast, and Keep Going“) 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Barry Berkman/ Block ist ein ehemaliger Marine, der seit Jahren als Auftragsmörder arbeitet. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Los Angeles. Er ist unzufrieden mit seinem Leben, leidet an Depressionen und kommt durch Zufall in die, von Gene M. Cousineau (gespielt von Henry Winkler) angeführte Schauspiel-Gruppe. Hier fühlt er sich erstmalig akzeptiert und findet auch Interesse an der Schauspielerei. Außerdem hat er sich in eine der Schauspielschülerinnen, Sally (gespielt von Sarah Goldberg), verknallt. Gespielt wird Barry von dem amerikanischen Stand-up-Comedian, Autor und Schauspieler Bill Hader. Berühmt wurde er durch seine Arbeit bei Saturday Night Live. Er arbeitet auch viel als Synchronsprecher für Animationsfilme und -serien, hat aber mittlerweile sein Schauspieltalent in Indies und größeren Produktionen (Adventureland, The Skeleton Twins, Trainwreck) auch schon einige Male unter Beweis stellen können. Bill Hader ist eigentlich mehr als Comedian bekannt, um so interessanter ist seine Rolle in „Barry“, bei der er sämtliche Nuancen seines Talents zeigen kann. Für seine Arbeit bei SNL wurde er für, mittlerweile vier Emmys nominiert. Kürzlich hat er für „Barry“ weitere vier Emmy-Nominierungen erhalten, neben den Kategorien Schauspiel und Regie, wurde er noch für seine Autorentätigkeit belohnt und dafür, dass er die Serie produziert.

Fuches war ein Freund von Barrys Vater. Nach Barrys traumatischen Erfahrungen als Marine in Afghanistan hat er ihn aufgefangen und ihm eine neue Aufgabe gegeben  Barry sieht ihn als seinen Onkel an. Fuches wird von dem amerikanischen Schauspieler Stephen Root gespielt. Auch er leistet viel Synchronarbeit für Animationsfilme. Für mich war Stephen Root einer dieser Schauspieler, dessen Gesicht, ich kenne, aber dessen Namen mir nicht bekannt war. Er hat in einigen TV-Serien, u.a. True Blood, „Justified“ mitgespielt, aber auch in vielen Kinofilmen No Country For Old Men, Everything Must Go, Selma, Trumbo mitgewirkt. Erst im letzten Jahr war er in Get Out zu sehen. 

Goran Pazar ist ein tschetschenischer Mafiaboss. Barry (gespielt von Bill Hader) hat über Fuches (gespielt von Stephen Root), den Auftrag angenommen, den vermeintlichen Liebhaber von Gorans Frau zu töten. Goran wird von dem amerikanischen Schauspieler Glenn Fleshler gespielt. Auch er fällt für mich in die Kategorie „oft gesehen, der Name ist mir trotzdem nicht bekannt“. Glenn Fleshler hat in vielen TV-Serien, u.a. „Boardwalk Empire“, True Detective, The Night Of mitgespielt, war aber auch in einigen Kinofilmen (All Good Things, A Most Violent Year, Suburbicon zu sehen. 

Gene M. Cousineau ist Schauspiellehrer. Als Schauspieler ist er selbst nicht sonderlich erfolgreich, dafür leitet er einen Schauspiellehrgang. Einer seiner Schauspielschüler ist irgendwann Barry (gespielt von Bill Hader). Gene M. Cousineau wird von dem legendären amerikanischen Schauspieler Henry Winkler gespielt. Berühmt wurde er für seine Rolle als Fonzie bzw. The Fonz in der 1970er Jahre-Serie „Happy Days“. In dieser TV-Serie hat er neben dem damaligen Schauspieler, der heutigen Regie-Größe Ron Howard gespielt. Später hat er immer wieder mit Ron Howard zusammengearbeitet. Er hat auch u.a. in den Serien „Arrested Development“,„Royal Pains“ und „Parks and Recreation“) mitgewirkt. Für seine Rolle in „Happy Days“ wurde er für drei Emmys nominiert. Außerdem hat er eine Emmy-Nominierung für seine Gastrolle in den Serien „Battery Park“ und „The Practice“ und aktuell ist er für seine Performance in „Barry“ für einen Emmy nominiert.  

NoHo Hank ist die rechte Hand des tschetschenischen Gangsterbosses Goran Pazar (gespielt Glenn Fleshler). NoHo wird von dem amerikanischen Schauspieler Anthony Carrigan gespielt. Er hat sich bisher hauptsächlich durch Serien (u.a. „The Forgotten“, “The Flash“, „Gotham“) einen Namen gemacht. 

Detective Janice Moss ist die ermittelnde Polizistin in dem Fall des ermordeten Schauspielschülers. Sie tappt ziemlich im Dunklen, aber dann doch irgendwie nicht. Janice wird von der amerikanischen Schauspielerin Paula Newsome gespielt. Vorwiegend ist die Schauspielerin durch TV-Serien (u.a. „Ally McBeal“, „Dharma & Greg“, Transparent) bekannt. Sie hat aber auch in Kinofilmen („Little Miss Sunshine“ und Things We Lost In the Fire) mitgewirkt. Ich mag die Serienfigur Janice sehr gerne und könnte mich über sie totlachen.  

Den Schauspieler Cameron Britton (der einen der Serienmörder in der exzellenten Serie Mindhunter spielt) habe ich sofort an seiner Stimme erkannt. Diese Stimme erkenne ich aus einer Millionen Stimmen heraus. In „Barry“ spielt er einen IT-Mitarbeiter des Polizeipräsidiums in Los Angeles. Kürzlich wurde er übrigens für seine Performance in „Mindhunter“ für den Emmy nominiert. 

Apropos Emmys. „Barry“ ist im Jahr 2018 für 13 Emmys (darunter Outstanding Comedy Series, Outstanding Lead Actor in a Comedy Series, Bill Hader, Outstanding Supporting Actor, Henry Winkler, Outstanding Directing) nominiert worden. Update: „Barry“ hat drei Emmys gewonnen: Outstanding Lead Actor in a Comedy Series (Bill Hader), Outstanding Supporting Actor in a Comedy Series (Henry Winkler) und Outstanding Sound Mixing for a Comedy

Die erste Staffel von „Barry“ wurde vom 25.03.18 – 13.05.18 erstmalig auf HBO ausgestrahlt. Sie bildet eine vielversprechende Basis für weitere Staffeln. Eine zweite Staffel ist bereits bestätigt. In Deutschland kann man „Barry“ bei dem Pay-TV-Sender Sky sehen oder über den iTunes Store erwerben. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

TV-Serie: „Big Little Lies“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Miniserie angeschaut:

 

„Big Little Lies“ (in Deutschland seit dem 19.05.17 auf DVD zu erhalten, im Free-TV ab dem 30.05.18 auf VOX um 20.15 Uhr zu sehen) 7 x approx. 55 min drama, mystery, adaptation
dir. Jean-Marc Vallée cast: Reese Witherspoon, Nicole Kidman, Shailene Woodley, Alexander Skarsgard, Laura Dern, Adam Scott, Zoé Kravitz, James Tupper, Jeffrey Nordling

 

Monterey, Kalifornien. Bei einer abendlichen Schulveranstaltung wurde jemand ermordet, weder der Mörder noch der Täter sind bekannt. Rückblick. Die Sommerferien sind zu Ende. Die alleinerziehende Jane Shapman (Shailene Woodley) ist gerade mit ihrem sechsjährigen Sohn nach Monterey gezogen. Noch vor dem ersten Schultag lernt sie Madeline Mackenzie (Reese Witherspoon) kennen. Madeline macht sie auch mit ihrer besten Freundin Celeste Wright (Nicole Kidman) bekannt. Janes Sohn, Madelines Tochter und die Zwillinge von Celeste gehen alle in dieselbe erste Klasse der örtlichen Grundschule. Noch am ersten Tag behauptet die Tochter von Renate (Laura Dern) von Janes Sohn gewürgt worden sein. Würde sich Madeline nicht gleich auf Janes Seite schlagen, wäre sie und ihr Sohn bestimmt schnell aus der Gemeinschaft ausgegrenzt worden. Aber auch Madeline hat ihre Probleme, sie hat es immer noch nicht überwunden, dass Nathan (James Tupper) sie vor fünfzehn Jahren für die wesentlich jüngere Bonnie (Zoe Kravitz) verlassen hat. Celeste führt mit ihrem, um einiges jüngeren Ehemann Perry (Alexander Skarsgard) eine sehr leidenschaftliche Beziehung, aber er wird ihr gegenüber zunehmend gewalttätig. Warum ist Jane eigentlich nach Monterey gezogen?

B (Wertung von A bis F) „Big Little Lies“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Liane Moriaty. Es ist die neue Serie des Serienschöpfers und TV-Produzenten David E. Kelly („L.A. Law“, „Chicago Hope“, „Ally McBeal“, „Boston Legal“). Bei allen sieben Episoden hat der kanadische Filmemacher Jean-Marc Vallée (The Young Victoria, Dallas Buyers Club, Wild, Demolition) Regie geführt. Dies ist sein erstes TV-Projekt.

Ein Mordfall umrahmt die Geschichten von mehreren Familien in einem kleinen kalifornischen Küstenörtchen. Wenn der Mord nicht am Anfang und Ende des Mehrteilers gestanden und mich zwischendurch mit Andeutungen, wer der Täter und wer der Mörder sein könnte, immer wieder raus gerissen hätte, hätte mir „Big Little Lies“ noch besser gefallen. So wird zusätzlich eine Spannung aufgebaut, die dieser Mehrteiler nicht nötig hat. Erst im letzten Teil wird aufgelöst, wer Opfer/Täter sind und das kam für mich bei einem der beiden etwas aus dem Nichts. Eigentlich geht es aber hauptsächlich um die Geschichten dreier Mütter (Madeline, Celeste und Jane), von denen jede ein Geheimnis hat. Begleitet wird ihr Alltag von jeder Menge (in meine Augen nervigen) Kindern und ansonsten Intrigen, Mobbing, häuslicher Gewalt, Ehetherapie und Ehebruch.

In der ersten Folge erfährt man davon, dass ein sechsjähriger Junge ein gleichaltriges Mädchen gewürgt haben soll. Ausgerechnet der Sohn der gerade zugezogenen Jane (gespielt von Shailene Woodley) soll die Tochter der frustrierten Renata (gespielt von Laura Dern) angegriffen haben. Jane ist sowieso schon als Außenseiterin in der Stadt der Reichen und Schönen leicht zu erkennen, dieser Vorfall hätte sie leicht ins gesellschaftliche Aus schießen können, wenn sich nicht die kämpferische Madeline (gespielt von Reese Witherspoon) eingemischt und auf ihre Seite gestellt hätte.

Die Wrights (gespielt von Nicole Kidman, Alexander Skarsgard mit ihren sechsjährigen Zwillingssöhnen) sind die für mich spannendste Familie. Nach außen hin eine Bilderbuch-Familie, ein geradezu unverschämt attraktives Paar mit Kindern, die sogar ich toll finde. Die beiden Eheleute führen eine sehr leidenschaftliche Beziehung, bald wird aber klar, dass es in diesem Traumhaus zu Gewalttätigkeiten kommt.

Mit Ausnahme von Alexander Skarsgard und Laura Dern spielt in dieser Miniserie nun kein Schauspieler mit, den ich sonderlich mag. Shailene Woodley finde ich furchtbar und Reese Witherspoon kann ich eigentlich auch nicht leiden. Nicole Kidman halte ich zwar für talentiert, was sie mir jedoch jedes Mal von Neuem beweisen muss, weil mich entweder ihr zugebotoxtes, mimikloses Gesicht erschreckt oder ablenkt oder ich mich daran erinnere, dass sie mal mit diesem Sekten-Psycho eine – wie auch immer gelagerte – Beziehung führte. Mit Botox hat sie sich scheinbar in letzter Zeit etwas zurückgehalten. In den Therapiesitzungen zeigt Nicole Kidman wie fantastisch sie als Schauspielerin sein kann. Sie gibt für mich die beste Performance des Ensembles, gefolgt von Alexander Skarsgard (der erneut unwiderstehlich aussieht) und tatsächlich Reese Witherspoon. Letztgenannte ist hier wirklich klasse, wahrscheinlich war sie noch nie besser. Lobenswert erwähnen möchte ich auch Adam Scott (der sogar singen kann).

Meine Lieblingsepisode: habe ich nicht, meine Lieblingsszenen sind alle Szenen mit der Ehetherapeutin und Nicole Kidmans (und Alexander Skarsgards) Charakter.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Madeline ist scharfzüngig und streitsüchtig. Sie ist mit Ed (gespielt von Adam Scott) verheiratet. Die beiden haben eine gemeinsame sechsjährige Tochter, Chloe. Madeline hat mit ihrem Ex-Mann Nathan (gespielt von James Tupper) auch noch die Teenager-Tochter Abigail. So richtig hat sie es noch nicht überwunden, dass Nathan sie damals für die jüngere Bonnie (gespielt von Zoe Kravitz) verlassen hat. Ihre beste Freundin ist Celeste (gespielt von Nicole Kidman). Gespielt wird Madeline von der amerikanischen Schauspielerin Reese Witherspoon. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle in „Legally Blonde“. Ein paar Jahre später hat sie mit ihrer ersten Oscar-Nominierung für „Walk the Line“ gleich den Academy Award gewonnen. Sie hat eine weitere Oscar-Nominierung für Wild erhalten.

Celeste ist Anwältin hat ihren Job aber aufgegeben und ist nur noch Ehefrau von Perry (gespielt von Alexander Skarsgard) und Mutter der sechsjährigen Zwillinge Josh und Max. Ihre beste Freundin ist Madeline (gespielt von Reese Witherspoon). Gespielt wird Celeste von der australischen Schauspielerin Nicole Kidman. Mir ist sie das erste Mal in „Dead Calm“ aufgefallen. Sie hat in zahlreichen Filmen („Moulin Rouge!“, „The Others“, „Dogville“, „The Stepford Wives“, Stoker) mitgespielt. Für ihre Performance in „The Hours“ hat sie einen Oscar gewonnen, sie hat drei weitere Oscar-Nominierungen für „Moulin Rouge!“, Rabbit Hole und Lion erhalten. Außerdem wurde sie für ihre Performance in „Hemmingway & Gellhorn“ für den Emmy nominiert.

Jane ist alleinerziehende Mutter des sechsjährigen Ziggy und erst kürzlich nach Monterey gezogen. Im Gegensatz zu ihren neuen Freundinnen Madeline und Celeste (gespielt von Reese Witherspoon und Nicole Kidman) ist sie nicht wohlhabend. Gespielt wird Jane von der amerikanischen Schauspielerin Shailene Woodley. International bekannt wurde sie wohl wahrscheinlich durch die „Divergent“-Serie. Ihr Spielfilmdebüt gab sie in The Descendants, sie hat aber auch in The Spectacular Now und Snowden mitgespielt.

Renata ist eine erfolgreiche, aber irgendwie frustrierte Geschäftsfrau, sie ist mit Gordon (gespielt von Jeffrey Nordling) verheiratet und Mutter der sechsjährigen Tochter Amabella. Gespielt wird Renata von der amerikanischen Schauspielerin Laura Dern. Sie hat in den David Lynch-Filmen „Blue Velvet“, „Wild at Heart“ und „Inland Empire“ mitgespielt und ist aus dem Indie-Kino (99 Homes, Certain Women, Wilson) nicht mehr wegzudenken. Laura Dern hat zwei Oscar-Nominierungen für „Rambling Rose“ und Wild und fünf Emmy-Nominierungen für „Afterburn“, „Fallen Angels“, „Ellen“, „Recount“ und „Enlightened“. Laura Dern ist die Tochter der Schauspieler Diane Ladd und Bruce Dern.

Perry ist der Ehemann von Celeste (gespielt von Nicole Kidman). Die beiden haben sechsjährige Zwillingssöhne. Gespielt wird Perry von dem schwedischen Schauspieler Alexander Skarsgard. Durch seine Rolle als Eric Northman in True Blood wurde er international bekannt. Er hat in einigen guten Indies (u.a. Disconnect, The East, What Maisie Knew, The Diary of a Teenage Girl) gespielt und ist der Sohn von Schauspieler Stellan Skarsgard.

Bei den Fernseh-Oscars (den Primetime Emmy Awards) in der Kategorie Beste Miniserie konkurriert „Big Little Lies“ dieses Jahr (2017) bisher vor allen Dingen mit den Serien The Night Of und Feud: Bette and Joan und der 3. Staffel „Fargo“. „Big Little Lies“ ist für einige Emmys im Gespräch, u.a. Beste Limited Series, Beste Hauptdarstellerin (Limited Series) Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Beste Nebendarstellerin (Limited Series) Shailene Woodley, Bester Nebendarsteller (Limited Series) Alexander Skarsgard, Adam Scott und einige technische Kategorien. Update: „Big Little Lies“ wurde am 13.07.17 für 16 Emmy-Awards nominiert. Nominiert wurde die Mini-Serie in den Kategorien Outstanding Limited Series, Oststanding Lead Actress in a Limited Series or Movie (Nicole Kidman und Reese Witherspoon), Oststanding Supporting Actress in a Limited Series or Movie (Laura Dern und Shailene Woodley), Outstanding Supporting Actor in a Limited Series or Movie (Alexander Skarsgard), Outstanding Directing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special, Outstanding Writing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special, Outstanding Casting for a Limited Series, Movie or Special, Outstanding Cinematography for a Limited Series or Movie, Outstanding Single-Camera Picture Editing for a Limited Series or Movie, Outstanding Contemporary Costumes for a Series, Limited Series or Movie, Outstanding Hairstyling for a Limited Series or Movie, Outstanding Makeup for a Limited Series or Movie (Non-Prosthetic), Outstanding Sound Mixing for a Limited Series or Movie, Outstanding Music Supervision. Die Verleihung der Emmy-Awards findet am 17.09.17 in Los Angeles statt. Update: „Big Little Lies“ hat am 17.09.17 von 13 Emmy-Nominierungen, acht Emmy-Awards gewonnen, darunter outstanding limited series, outstanding directing for a limited series, movie or dramatic special, outstanding lead actress in a limited series or movie (Nicole Kidman), outstanding supporting actor in a limited series or movie (Alexander Skarsgard), outstanding supporting actress in a limited series or movie (Laura Dern), outstanding casting for a limited series, movie or special

Update: „Big Little Lies“ war ursprünglich als Mehrteiler konzipiert, auch bei den Emmys 2017 entsprechend eingereicht. Kurz nachdem dieser Mehrteiler sämtliche Emmys abgeräumt hat, wurde bekannt, dass es wohl eine zweite Staffel geben wird. Mittlerweile hat HBO bekannt gegeben, dass die zweite Staffel 7 Episoden beinhaltet, seit dem Frühjahr 2018 gedreht wird, aber voraussichtlich erst im Jahr 2019 auf HBO ausgestrahlt wird. 

„Big Little Lies“ wurde erstmalig v. 19.02.-02.04.17 auf HBO ausgestrahlt. Der Mehrteiler war in Deutschland ab dem 19.05.17 auf DVD erhältlich. Im Free-TV ist dieser Mehrteiler auf VOX ab dem 30.05.18 um 20.15 Uhr (3 Episoden hintereinander), 06.06.18 um 20.15 Uhr (2 Episoden hintereinander), 13.06.18 um 20.15 Uhr (2 Episoden hintereinander) zu sehen. 

Trailer zu sehen:

Vorspann (mit einem wunderbaren Ohrwurm) zu sehen:

 

TV – Serie: „The Night Of“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

 

„The Night Of“ (dt. Serientitel: „The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht“, auch in D. auf VOD erhältlich, ab 16.3.17 auf Blu-ray und DVD) 8 x approx 60 min crime, drama, adaptation
dir. Steven Zaillain, James Marsh cast: John Turturro, Riz Ahmed, Bill Camp, Jeannie Berlin, Amara Karan, Michael Kenneth Williams, Peyman Moaadi, Poorna Jagannathan, Ben Shenkman, Afton Williamson

 

 

New York City. Jackson Heights, Queens. 24. Oktober 2014. Der 23-jährige pakistanisch-amerikanische Student Nasir, genannt „Naz“ (Riz Ahmed) möchte unbedingt auf eine Party in Manhattan. Sein Kumpel hat ihn aber versetzt und so schnappt er sich, ohne Erlaubnis, kurzerhand das Taxi seines Vaters, um nach Manhattan zu fahren. Dort steigt eine junge Frau in das Taxi. Sie ist hübsch und Nasir verbringt etwas Zeit mit ihr. Nach ein paar Drinks und Drogen wacht Nasir irgendwann in der Küche ihres Upper-West-Side-Apartments auf. Kurze Zeit später findet er die junge Dame brutal ermordet in ihrem Schlafzimmer. Nasir verlässt fluchtartig das Haus. Detective Dennis Box (Bill Camp) ermittelt in dem Mordfall, die Beweise sind erdrückend und Nasir gilt für ihn schon bald als Hauptverdächtiger. Der Anwalt John Stone (John Turturro) ist wegen eines seiner Klienten auf dem Revier, als er von Nasirs Fall erfährt….

A- (Wertung von A bis F) „The Night Of“ basiert auf dem BBC-Mehrteiler „Criminal Justice“ von Peter Moffat. Die Serienmacher sind Richard Price, der Vorlagen u.a. zu den Filmen „Sea of Love“, „Clockers“ und der HBO-Serie „The Wire“ geschrieben hat und der Autor und Regisseur Steven Zaillian. Steven Zaillian hat u.a. die Drehbücher für „Schindler´s List“, „Clear and Present Danger“, Moneyball und The Girl with the Dragon Tattoo geschrieben.

Der Achtteiler lässt den Zuschauer zum einen rätseln, ob Nasir die junge Frau vielleicht doch ermordet hat, ist aber hauptsächlich eine Charakterstudie eines jungen pakistanisch-amerikanischen Studenten und eines neurotischen Anwalts. Letztlich ist es auch ein Familien-, Gefängnis- und Gerichtsdrama.

Die Story ist nicht neu, ein junger Mann wird verdächtigt, eine junge Frau getötet zu haben. Er kann sich nur bruchstückhaft an den Abend, den er mit ihr verbracht hat, erinnern, Drogen und Alkohol waren im Spiel, der junge Mann wacht irgendwann auf und findet das Mädchen ermordet – hat er sie umgebracht? Dann der erfahrene Polizist, der an dem (seinem letzten) Fall ermittelt und ein abgehalfterter Verteidiger. Hat man alles schon mal in Spielfilmen oder TV-Serien gesehen und doch ist „The Night Of“ anders und unbedingt empfehlenswert.

Wenn mir eine neue Serie richtig gut gefällt, dann schaue ich sie mir 2 x an. Mit einem zeitlichen Abstand von einem Monat habe ich mir „The Night Of“ selbstverständlich ein zweites Mal angeschaut.

Ich liebe so unfassbar viel an der Serie – wo soll ich anfangen? Der düsterer Look eines David Fincher-Films, wie Manhattan gezeigt wird, das Polizeirevier, die Charaktere, allen voran Detective Box (gespielt von Bill Camp). Box verkörpert einen normalen Polizisten, er sieht aus wie einer, verhält sich wie einer und trickst im legalen Rahmen. Box wirkt nicht wie ein Cop aus einer TV-Serie. Mein anderer Lieblingscharakter ist die Staatsanwältin Helen Weiss (gespielt von Jeannie Berlin). Die Wandlung, die die Zentralfigur Nasir vollzieht, ist faszinierend und glaubwürdig – vor allen Dingen durch die brillante Darstellung des Schauspielers Riz Ahmed. John Turturro ist sowieso immer sehenswert, hier mochte ich besonders die Katzen-Geschichte, die sich durch die gesamte Staffel zog und auch starke Parallelen zu Nasirs Leben zeigt. Durch „The Night Of“ habe ich aber auch etwas Neues über das amerikanische Rechtssystem gelernt. Vielleicht sind einige mit dem Staffelende unzufrieden, mir hat sie mit der zweiten Sichtung noch besser gefallen und ich liebe die letzte Szene.

Die Besetzung ist – mit einer Ausnahme (Der Schauspieler, der am Ende der Serie den Richter spielt, wäre meiner Meinung nach als Hausmeister glaubwürdiger besetzt) – durchweg exzellent.

Eigentlich gibt es nur eine Sache, die mich irritierte. Da ich grundsätzlich nicht spoiler, kann ich nur umschreiben, es hat mit dem späteren Opfer zutun. Gleich zu Beginn gibt es etwas Fragwürdiges in Bezug auf ihren Charakter, das kann doch nicht nur mir aufgefallen sein. Genau eine dieser eindeutigen Fragen stellt John Turturros Charakter jedoch erst in der 6. Episode (ab der ungefähr 50. Minute).

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

 

 

Nasir „Naz“ Khan – ein schmächtiger, unscheinbarer 23-jähriger amerikanischer Student pakistanischer Herkunft  und plötzlich der Hauptverdächtiger in dem Mordfall einer jungen Frau ist. Nasir wird von dem großartigen englischen Schauspieler Riz Ahmed gespielt. Er hat u.a. in dem Film „Four Lions“ mitgespielt. Mir ist er erstmalig in dem Film The Reluctant Fundamentalist aufgefallen. Außerdem hat er noch in Nightcrawler und „Jason Bourne“ mitgespielt.

 

 

John Stone ist Nasirs Verteidiger. Zuvor hat er vorwiegend Drogendealer und Prostituierte vertreten. John Stone zählt nicht gerade zu den besten Anwälten. Er leidet an einem fiesen Hautausschlag. Ursprünglich sollte John Stone von dem Schauspieler James Gandolfini gespielt werden. Nach dem Tod von James Gandolfini hat der amerikanische Schauspieler John Turturro die Rolle übernommen. Mich begleitet Turturro seitdem ich mich richtig für das Kino interessiere. Er hat viel mit den Coen Bros. (z.B. „Miller´s Crossing“, „Barton Fink“, „The Big Lebowski“) und mit Spike Lee („Do the Right Thing“, Jungle Fever“, „Summer of Sam“) gedreht. Im letzten Jahr  habe ich ihn in dem italienischen Film „Mia Madre“ und neben Woody Allen in Fading Gigolo gesehen.

Dennis Box ist der erfahrene Polizist, der in dem Fall der ermordeten jungen Frau ermittelt. Zusammen mit der Staatsanwältin (gespielt von Jeannie Berlin) ist Box meine Lieblingsfigur der Serie. Ich mag wie er seinen Job als Cop ausübt. Gespielt wird er von dem amerikanischen Theater- und Filmschauspieler Bill Camp. Mir war er sehr vertraut, nachdem ich mir seine Filmografie angeschaut habe, wusste ich auch warum. In zig Filmen habe ich ihn bereits gesehen. Geachtet hatte ich auf ihn bislang nicht. Mitgewirkt hat er u.a. in Compliance, Lincoln, 12 Years a Slave, Love & Mercy, Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance).

 

 

Freddy ist ein sehr einflussreicher Gefängnisinsasse mit dem sich Nasir auseinandersetzen muss. Gespielt wird er von dem amerikanischen Schauspieler Michael K. Williams. Er ist durch seine Rolle in der TV-Serie „The Wire“ bekannt geworden. In der Serie „Boardwalk Empire“ hat er auch gespielt, aber er war auch in Kinofilmen wie Gone Baby Gone, 12 Years a Slave und Inherent Vice zu sehen.

 

 

Helen Weiss ist die Staatsanwältin in dem Fall der ermordeten jungen Frau. Mrs. Weiss ist meine zweitliebste Figur der Serie. Ich liebe ihr latent angewidertes Charaktergesicht, ihre spröde, leicht entrückte und doch konzentrierte Art, ihre kratzige, ruhige und trotzdem etwas schrille Stimme. Gespielt wird Mrs. Weiss von der amerikanischen Schauspielerin Jeannie Berlin. Vor ein paar Monaten habe ich erst in meinem Beitrag zu Woody Allens Café Society über sie geschwärmt. Mit ihrer Performance hier hat sie sich quasi aus dem Stand zu einer meiner neuen Lieblingsschauspielerinnen entwickelt. Wie kann es sein, dass sie meiner Aufmerksamkeit so lange entgangen ist? Der Name sagte mir immer etwas, im Jahr 1972 hat sie eine Oscar-Nominierung für „The Heartbreak Kid“ erhalten. Sie hat immer wieder längere Drehpausen eingelegt. In den Kinofilme Margaret und Inherent Vice hat sie gespielt. Jeannie Berlin wäre perfekt für die Coen Bros – warum haben die sie noch nicht entdeckt? Fragen über Fragen, Hauptsache ich sehe sie jetzt öfter.

Höchstwahrscheinlich gibt es eine zweite Staffel von „The Night Of“.

Die erste Staffel ist für das Jahr 2017 für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch. „The Night Of“ wurde für drei Golden Globes (Beste Miniserie/TV-Film und Bester Hauptdarsteller einer Miniserie/TV-Film für Riz Ahmed und John Turturro) nominiert. Update: „The Night of“ wurde am 13.07.17 für 13 Emmy-Awards nominiert. Nominiert wurde die Mini-Serie in den Kategorien Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actor in a Limited Series or Movie (für Riz Ahmed und John Turtorro), Outstanding Supporting Actor in a Limited Series or Movie (für Bill Camp und Michael Kenneth Williams), Outstanding Directing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special (für „The Art of War“ und „The Beach“), Outstanding Writing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special, Oustanding Casting for a Limited Series, Movie or Special, Outstanding Cinematography for a Limited Series or Movie, Outstanding Single-Camera Picture Editing for a Limited Series or Movie, Outstanding Sound Editing for a Limited Series, Movie or Special, Outstanding Sound Mixing for a Limited Series or Movie. Die Verleihung der 69. Emmy Awards findet am 17.09.17 statt. Update: „The Night Of“ hat am 17.09.17 von 13 Emmy-Nominierungen, fünf Emmy-Awards gewonnen, darunter outstanding lead actor in a limited series or movie (Riz Ahmed)

„The Night Of“ wurde erstmalig vom 10.07.16 – 28.08.16 auf HBO ausgestrahlt. Parallel zur US-Ausstrahlung war der Mehrteiler auch in Deutschland auf Sky zu sehen. Derzeit ist der Mehrteiler auch in Deutschland auf VOD zu sehen. Auf Blu-ray und DVD ist „The Night of“ ab dem 16.3.17 erhältlich.

 

 

Trailer zu sehen:

 

 

Vorspann zu sehen:

 

 

TV – Serie: "The Jinx – The Life and Deaths of Robert Durst"

Ich habe mir folgende HBO-Serie angeschaut:

„The Jinx – The Life and Deaths of Robert Durst“ (dt. Titel: „Der Unglücksbringer: Das Leben und die Tode des Robert Durst“, dt. Erstausstrahlung ab dem 14.05.15 auf SKY Atlantic) 6 x approx 45 min documentary
dir. Andrew Jarecki cast: Robert Durst, Andrew Jarecki

Der New Yorker Multi-Millionär Robert Durst geriet schon mehrfach unter Mordverdacht. Für den Tod seines Nachbarn im Jahr 2001 wurde er angeklagt und obwohl er zugegeben hat, Morris Black erschossen und seine Leiche zerstückelt zu haben, wurde er – Dank seiner brillanten Verteidiger – von der amerikanischen Rechtsprechung freigesprochen. Seine damalige Ehefrau Kathie ist seit dem 31.1.1982 spurlos verschwunden. Als der Fall Im Jahr 2000 neu aufgerollt wurde und die Pressesprecherin und enge Freundin von Robert Durst, Susan Berman, befragt werden sollte, ist sie wenig später erschossen aufgefunden worden. Diese Doku-Serie beleuchtet die Fakten zu den einzelnen Fällen, gibt Einblicke in das Leben und in die Psyche des rätselhaften Robert Durst.

A- (Wertung von A bis F) Die sechsteilige Dokumentation „The Jinx – the Life and Deaths of Robert Durst“ beschäftigt sich mit der Lebensgeschichte von Multi-Millionär Robert Durst und mit den drei Mordfällen, die ihm zu Last gelegt wurden. Der Regisseur Andrew Jarecki hatte bereits im Jahr 2010 einen Spielfilm über den exzentrischen Robert Durst inszeniert. Bei dem Kinofilm All Good Things mit Ryan Gosling und Kirsten Dunst wurden zwar die Namen geändert, erzählt wurde die Geschichte aber nach wahren Begebenheiten. Robert Durst scheint dieser Film gefallen zu haben, denn er kontaktierte den Regisseur und bot ihm sogar an, sich von ihm interviewen zu lassen.

Über die HBO-Serie „The Jinx“ wurde erst kürzlich in allen, sowohl amerikanischen als auch internationalen Medien berichtet, weil der 71-jährige Robert Durst in dieser Dokumentationsreihe versehentlich die Morde gesteht und exakt einen Tag vor der Ausstrahlung des letzten Teils unter Mordverdacht festgenommen wurde.

„The Jinx“ ist wirklich eine äußerst gelungene, sehr fesselnde Doku-Serie. An der Machart gibt es kaum etwas, was ich aussetzen kann. Das Einzige was ich seltsam finde, ist tatsächlich das Timing der Verhaftung. Die Interviews wurden an drei Tagen im Jahr 2010 geführt, ein weiteres Interview erfolgte im Jahr 2012.

Der Regisseur hat für diese Dokumentation zehn Jahre recherchiert und eindeutig belastende Beweise die für Robert Dursts Schuld an wenigstens einem Mordfall gefunden. Ich mag ja diese Geschichten über wahre Verbrechen („Aktenzeichen XY ungelöst“, „Medical Detectives“, „Anwälte der Toten“, die „Serial“-Podcast, etc. ), ob sie nun aufgeklärt werden oder immer noch nach dem Täter gefahndet wird – irgendwie üben diese Geschichten eine besondere Faszination auf mich aus.

Da bildet „The Jinx“ natürlich keine Ausnahme. Original Audio- und Videoaufnahmen bekommt man zu hören und zu sehen. Sämtliche Leute, Bekannte, Verwandte, Freunde von den Opfern und Robert Durst, seine zweite Ehefrau (sie alleine macht die Dokumentation schon sehenswert), Polizisten, Anwälte, die Staatsanwältin, die in dem damaligen Fall involviert waren, werden befragt. Andrew Jarecki hat seine Dokumentation auch mit vielen eindrucksvoll nachgestellten Szenen inszeniert – es ist eine bunte Mischung was diesen Doku-Sechsteiler so unterhaltsam macht. Besonders bzw. erstklassig wird diese Doku-Serie jedoch durch die Interviews mit Robert Durst. Diese Dokumentation ermöglicht dem Zuschauer, sich ein eigenes Bild von diesem undurchsichtigen und eigenbrötlerischen Typen zu machen. Robert Durst stammt aus einer der reichsten Familien New Yorks.

Robert Durst sprechen zu hören, zu sehen wie er andauernd blinzelt, diese kalten Augen, seine Ausdrucksweise, seine emotionslosen Schilderungen, die Selbstgespräche.. Man sollte bei „The Jinx“ nicht mal auf die Idee kommen, diese Dokumentationsreihe in synchronisierter Form zu sehen. Robert Durst ist zweifelsfrei eine Ausnahmeerscheinung. Wenn sich ein Drehbuchautor so einen skurrilen Charakter für einen Spielfilm ausgedacht hätte, würde man diese Figur wohl als „übertrieben“ abstempeln. Wahrscheinlich werde ich Robert Dursts prägnante Stimme und Sprache nie mehr aus meinem Kopf bekommen.

Mir gefällt der raffinierte Spannungsaufbau dieser Dokumentation. Zunächst erfährt man etwas von einem Mordfall, eine zerstückelte Leiche, dann das mysteriöse Umfeld des Toten und irgendwann führt die Spur zu diesem Exzentriker Robert Durst. Am Ende der ersten Folge hat man bereits so viel über diesen Mann erfahren und dann setzt er sich vor die Kamera. Er redet in der ersten Folge noch gar nicht, durch seine pure Präsenz habe ich aber regelrecht Gänsehaut bekommen. Als Zuschauer kann man es kaum abwarten, was Robert Durst zu all dem zu erzählen hat. Der Multi-Millionär hat seit mehr als zehn Jahren keine Fernsehinterviews gegeben und so sind diese Interviews natürlich einzigartig.

Auch wenn man im Groben Robert Dursts Geschichte kennt, hält der Regisseur mit jeder Folge irgendwie eine Überraschung parat. Ich habe erst kürzlich endlich Andrew Jareckis nicht minder interessante, für den Oscar nominierte Dokumentation „Capturing the Friedmans“ nachgeholt. Optisch wirkt Andrew Jarecki zwar auch irgendwie seltsam, aber mir gefällt die Arbeit dieses Regisseurs.

Die ersten beiden Episoden von „The Jinx – The Life and Deaths of Robert Dursts“ wurden erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2015 gezeigt.

Die komplette Doku-Reihe „The Jinx“ wurde erstmalig vom 8.2.15-15.3.15 auf HBO ausgestrahlt.

Der großartige Vorspann zu sehen:

Trailer zu sehen:

HBO-Films: "Olive Kitteridge"

Ich habe mir folgende HBO-Miniserie angeschaut:

„Olive Kitteridge“ (in D. über iTunes zu sehen) 4 x approx. 60 min drama, adaptation
dir. Lisa Cholodenko cast: Frances McDormand, Richard Jenkins, Zoe Kazan, Rosemarie DeWitt, Ann Dowd, Bill Murray, Peter Mullan, John Gallagher Jr., Devin Druid

Die Mathelehrerin Olive Kitteridge (Frances McDormand) lebt in dem kleinen Küstenörtchen Crosby. Sie ist mit dem Apotheker Henry (Richard Jenkins) verheiratet. Die Beiden haben einen 13-jährigen Sohn (Devin Druid). Olive kann Menschen ganz gut analysieren, ist aber nicht gerne in ihrer Gesellschaft, Henry ist da viel offener und geselliger. Gerade hat er die junge begeisterungsfähige Denise (Zoe Kazan) eingestellt, er mag ihre unbefangene Art. Glücklich scheint das Leben von Olive und Henry nicht zu sein.

A (Wertung von A bis F) „Olive Kitteridge“ basiert auf der gleichnamigen Sammlung von Kurzgeschichten von Elizabeth Strout. Das Buch hat im Jahr 2009 den Pulitzer Prize gewonnen.

„Olive Kitteridge“ ist keine Serie, es ist ein Film in vier Teilen. Ein Mehrteiler bzw. eine Mini-Serie ist das TV-Format, das ich am liebsten gucke. Bei diesem Mehrteiler hatte ich das Buch nicht gelesen und hatte mich auch sonst nicht informiert, worum es genau geht. Ich hatte keine Kritik gelesen, wusste lediglich von der Besetzung und den Preisen, mit denen diese Mini-Serie bereits kurz nachdem sie auf HBO ausgestrahlt wurde, prämiert wurde. Hin und wieder mag ich es ganz gerne, mich von einem Projekt komplett überraschen zu lassen.

„Olive Kitteridge“ ist ganz klar als Drama zu kategorisieren, es ist aber auch eine gut beobachtete Charakterstudie. Die Figurenzeichnung ist exzellent. Man hat ausreichend Zeit, um die Titelheldin und andere Charaktere kennenzulernen, mit ihnen warm zu werden, sie (insbesondere was Olive angeht) versuchen zu verstehen und – was mich betrifft – so von ihr berührt zu werden, dass ich mich außerstande sah, mich wieder zu beruhigen als der Film vorbei war. „Olive Kitteridge“ ging mir wirklich sehr nahe.

Die erste Folge habe ich bereits vor einer Weile geguckt. Ich war neugierig und wollte nur mal reinschauen. Das Gesehene gefiel mir, leider hatte ich überhaupt keine Zeit, mir auch nur einen weiteren Teil anzugucken. Den zweiten Anlauf begann ich dann Wochen später, mittlerweile war so viel Zeit verstrichen, dass ich mich nicht mehr richtig an den ersten Teil erinnerte. Entsprechend habe ich mir den ersten Teil erneut angeschaut. Eigentlich wollte ich nur zwei Teile gucken und am nächsten Tag fortsetzen. Mit der zweiten Folge war ich dann aber so gefesselt von Olive (und ein paar anderen Figuren), dass ich nicht anders konnte, als bis zum Schluss zu gucken. Vergleichbar mit einem guten Freund, den man nicht alleine lassen kann, wenn er in Schwierigkeiten steckt.

Manchmal, und das geht mir durch die unzähligen Begegnungen durch meinen Job häufig so, mag ich einfach bestimmte Menschen und kann andere wiederum von vornherein nicht leiden. Wenn mich jemand dann fragt warum, kann ich es nicht immer benennen. Zu einigen Menschen fühlt man sich einfach hingezogen, bei anderen stört einen etwas, ohne dass derjenige vielleicht von vornherein irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Die Chemie muss einfach stimmen.

Die Chemie zwischen mir und Olive Kitteridge stimmt. In der Mini-Serie gibt es einige interessante Charaktere. Der Titelfigur galt aber meine gesamte Aufmerksamkeit und Zuneigung. Ich fand sie einfach faszinierend, wollte wissen, was sich hinter ihrer rauen Schale verbirgt, was sie spröde und unnahbar werden ließ, wie ihr Leben verläuft, ob sie irgendetwas in ihrem Leben bereut, was ihr bestimmte Menschen bedeuten, wie andere auf ihre direkte Art und ihre Eigenarten reagieren, usw. Ich hatte so viele Fragen, wie man sie immer hat, wenn jemand Interessantes in sein Leben tritt. Vielleicht habe ich nicht auf all meine Fragen eine Antwort bekommen. Manchmal gibt es Menschen, die einfach in einigen Bereichen undurchsichtig bleiben und die man gerade daher noch spannender findet. Olive ist sicherlich eine Persönlichkeit, die es einem leicht macht, sie ins Herz zu schließen. Ich mag Menschen, die unverstellt und anders sind und die sich nicht verbiegen lassen, weil sie es entweder nicht können oder nicht wollen. Man erlebt Olive Kitteridge über einen Zeitraum von 25 Jahren. Mit der dritten Folge (und zwar schon zu Beginn) sind mir die Tränen gelaufen, nicht das irgendetwas Besonderes passiert ist. In der letzten Folge sah ich mich nicht mehr in der Lage, mich zusammenreissen zu können. Ich war zu diesem Zeitpunkt zu tief mit der komplexen Olive (und ein paar anderen Figuren) verbunden.

Frances McDormand ist Olive Kitteridge. Die amerikanische Schauspielerin ist stets brillant, diese Performance bildet aber den vorzeitigen Höhepunkt ihres kreativen Schaffens. Es ist keine Performance, die auf den ersten Blick ins Auge fällt. Es sind mehr die leisen Töne, die Stimmung, die sie mit ihrer nuancierten Performance transportiert. Es gibt nur wenige Schauspieler, die das beherrschen. Wenn „Olive Kitteridge“ ein Kinofilm aus dem Jahr 2015 wäre (und ich finde es schade, dass es keiner ist), dann wäre Frances McDormands Performance, die die es bei den nächsten Oscars zu schlagen gilt. Da es aber nunmal eine TV-Produktion ist, ist ihr der Fernseh-Oscar „Emmy“ wohl sicher. Von der Schauspielgarde wurde sie hierfür bereits im Januar mit einem SAG-Award ausgezeichnet.

Aber auch Henry ist eine Figur, die man schnell ins Herz schließt. Er macht es einem natürlich auch leichter als seine Frau Olive, ihn zu mögen. Richard Jenkins zeigt sich auch wieder mal in Bestform. So klar, wie die Figuren definiert sind, so klar erkennt man auch, was Olive und Henry für eine Ehe führen. Man spürt die Gewohnheit, die Vertrautheit, die Liebe, aber auch auf der anderen Seite kann man die Verachtung greifen, die Olive ihrem Henry manchmal entgegenbringt. Besonders mochte ich aber auch die Beziehung zwischen Olive und O´ Casey.

Eine Lieblingsfolge habe ich bei diesem Vierteiler nicht. In der dritten Folge geschieht etwas, womit ich in dieser Art von Film überhaupt nicht gerechnet habe. Das hat mich komischerweise auch unter Stress gesetzt. Gut gefallen hat mir auch, wie die Barsängerin bestimmte Klassiker vorträgt. Nicht nur, dass die Songs einen geeigneten Platz im Film finden und die Handlung unterstützen, bei manchen Songs (insbesondere bei einem meiner Lieblingssongs „Close to You“) wird mir einfach immer warm ums Herz.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass „Olive Kitterdige“ u.a. von Tom Hanks und Frances McDormand produziert wurde, Die amerikanische Filmemacherin Lisa Cholodenko („Laurel Canyon“, The Kids Are All Right) hat Regie führt.

Die Charaktere im Einzelnen:

Olive Kitteridge arbeitet als Mathelehrerin und ist seit vielen Jahren mit Henry (gespielt von Richard Jenkins) verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, Christopher (gespielt von Devin Druid bzw. als Erwachsener von John Gallagher Jr.). Mit den wenigsten Menschen kann sie was anfangen, sie beobachtet und analysiert Menschen, aber will sie nicht in ihrer Nähe haben. Olive hat ein großes Herz, aber zeigt ganz selten Gefühle und verschreckt andere mit ihrer Übellaunigkeit und ihrem Zynismus. Sie ist nicht wirklich glücklich, vielleicht sogar depressiv. Depressionen liegen in ihrer Familie, ihr Vater litt daran. Manche Menschen können nicht über ihren Schatten springen, nicht mal wenn sie es ernsthaft versuchen. Ich liebe ihren Charakter. Ihr Charakter ist ganz klar beschrieben und dadurch konnte ich ihr Denken und ihr Verhalten oft nachvollziehen. Gespielt wird Olive Kitteridge von der wunderbaren Frances McDormand. Die Oscar-Gewinnerin („Fargo“) und Tony-Gewinnerin (für ihre Rolle in dem Theaterstück „Good People“) bewirbt sich mit dieser Rolle um einen Emmy-Award. Frances McDormand begleitet mein Filmleben schon so lange, weil sie einfach ein Talent hat, in den richtigen Filmen mitzuspielen. In dem Coen Bros Film „Blood Simple“ gab sie ihr Spielfilmdebüt. Dort hat sie den Regisseur Joel Coen kennengelernt und vom Fleck weg geheiratet. Mittlerweile sind sie 32 Jahre verheiratet. Gespielt hat Frances McDormand in zahlreichen Spielfilmen: „Raising Arizona“, „Mississippi Burning“, „Primal Fear“, „Almost Famous“, „The Man Who Wasn´t There“, „Laurel Canyon“, Miss Pettigrew Lives for a Day, Moonrise Kingdom

Henry arbeitet als Apotheker und ist seit Jahren mit Olive (gespielt von Frances McDormand) verheiratet. Sie haben einen Sohn, Christopher. Henry ist immer freundlich, im Gegensatz zu seiner Frau ein sehr herzlicher, lebensfroher und geselliger Mensch, der unter der lieblosen Ehe mit seiner Frau Olive leidet. Spätestens mit der dritten Folge hat mich Henry zu Tränen gerührt. Gespielt wird Henry von dem amerikanischen Schauspieler Richard Jenkins. Vielen ist er vielleicht durch die HBO-Serie „Six Feet Under“ bekannt. Lange davor war er aber schon in Kinofilmen zu sehen („Hannah and Her Sisters“, „Sea of Love“, „Wolf“), er hat in einigen Coen Bros-Filmen mitgespielt („The Man Who Wasn´t There“, „Intolerable Cruelty“ und „Burn After Reading“). Für seine Rolle in The Visitor wurde er für den Oscar nominiert. Für seine Rolle in „Olive Kitteridge“ hat er eine SAG-Nominierung erhalten und bewirbt sich damit zweifelsfrei um eine Emmy-Award-Nominierung.

Denise ist eine Angestellte von Henry. Sie ist ein junges, einfach gestricktes, unsicheres Mädchen. Henry ist von ihrer Fröhlichkeit und Unbeschwertheit angetan, Olive ist genervt von ihr und ihrem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein. Ich kann verstehen, warum Olive sie nicht mag. Gespielt wird Denise von der amerikanischen Schauspielerin Zoe Kazan. Sie ist die Enkelin des legendären Film- und Theaterregisseurs und Oscar-Gewinners Elia Kazan („A Streetcar Named Desire“, „On the Waterfront“, „East of Eden“). Zusammen ist sie mit einem der besten Jungschauspieler, Paul Dano. Ich habe zahlreiche Kinofilme „The Savages“, „Fracture“, „Revolutionary Road“, „It´s Complicated“, „Meek´s Cutoff“ gesehen, in denen Zoe Kazan mitspielt. Ich mag sie am meisten, wenn sie kleinere Rollen spielt und mir nicht auffällt. Sie sollte keine Hauptrolle wie in Ruby Sparks oder What If bekleiden.

Christopher ist der Sohn von Olive und Henry. Olive und ihr Sohn haben ein schwieriges Verhältnis. Christopher wird von zwei Schauspielern gespielt. Devin Druid verkörpert den 13-jährigen Christopher und der amerikanische Schauspieler John Gallagher J.r spielt den erwachsenen Christopher. John Gallagher Jr. ist ein Theater-, Film- und Fernsehschauspieler. Für seine Rolle in dem Musical „Spring Awakening“ hat er bereits einen Tony-Award gewonnen. Ich habe ihn in den Kinofilmen „Pieces of April“, „Jonah Hex“, „Margaret“ und Short Term 12 gesehen. Bekannt ist er aber selbstverständlich auch aus der HBO-Serie The Newsroom

Jim O Casey arbeitet als Englischlehrer und ist ein Kollege und Freund von Olive. Sie sind sich beide sehr ähnlich. Er ist ein Eigenbrötler und zynisch. Er ist einer der wenigen Menschen, die Olive wirklich mag. Ich mag Jim O´Casey logischerweise auch sehr gerne. Gespielt wird er von dem großartigen schottischen Schauspieler Peter Mullan. Den meisten wird Peter Mullan wohl durch seine Rolle in den „Harry Potter“-Filmen bekannt sein. Ich habe nie einen dieser Filme gesehen, mir war er noch ganz frisch in Erinnerung durch die Mini-Serie Top of the Lake. Er hat aber auch in einigen meiner Lieblingsfilme („Shallow Grave“, „Trainspotting“ und Tyrannosaur) mitgespielt.

Jack Kennison spielt eine wichtige Rolle in der Mini-Serie. Er kommt zwar erst in der letzten Folge richtig zum Einsatz, aber er kommt gerade im richtigen Moment. Gespielt wird Jack Kennison von dem amerikanischen Schauspieler Bill Murray. Bill Murray hatte nach seinem letzten filmischen Fehltritt St. Vincent bei mir noch einiges wiedergutzumachen. Ich bin immer noch unfassbar sauer auf die pure Existenz dieses Films und seine furchtbare Performance. Das liess mich beinahe vergessen, in welchen tollen Filmen er über die Jahre gespielt hat. Bill Murray hat für seine Rolle in einem meiner Lieblingsfilme „Lost in Translation“ eine Oscar-Nominierung erhalten. In den U.S.A. wurde er in den 1970er Jahren durch „Saturday Night Live“ berühmt. In Deutschland kennt man ihn wohl erst seit den 1980er Jahren, vor allen Dingen durch „Caddyshack“ und „Ghostbusters“. Ich mag ihn besonders in den ganzen Indie-Filmen, in denen er spielte („Rushmore“, „Coffee and Cigarettes“, „Broken Flowers“, „The Darjeeling Limited“, Get Low)

Der Mehrteiler „Olive Kitteridge“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2014 gezeigt. Die Mini-Serie wurde ab dem 2.11.2014 auf HBO an zwei Tagen ausgestrahlt und war jetzt schon für zahlreiche TV-Preise nominiert. Gewonnen hat Frances McDormand bislang einen SAG-Award für ihre Rolle und auch wurde die Regisseurin Lisa Cholodenko mit einem DGA Award ausgezeichnet. Die Autorin Jane Anderson konnte bei den WGAs als Siegerin für ihr Drehbuch hervorgehen. Man kann davon ausgehen, dass Olive Kitteridge einige Emmy-Nominierungen und Awards einheimsen wird. Update: „Olive Kitteridge“ war für 13 Emmy Awards nominiert und hat 6 Emmys gewonnen. Ausgezeichnet wurde „Olive Kitteridge“ in folgenden Kategorien: Outstanding Limited Series, Outstanding Lead Actor in a Limited Series or a Movie (Richard Jenkins), Outstanding Lead Actress in a Limited Series or Movie (Frances McDormand), Outstanding Supporting Actor in a Limited Series or a Movie (Bill Murray), Outstanding Supporting Actress in a Limited Series or a Movie (Zoe Kazan), Outstanding Directing for a Limited Series, Movie or a Dramatic Special, Outstanding Writing for a Limited Series, Movie or a Dramatic Special und Outstanding Casting for a Limited Series, Movie or a Special

Der Vorspann zu sehen:

Trailer zu sehen:

HBO-Films: "The Normal Heart"

Folgenden HBO-Film habe ich mir angeschaut:

„The Normal Heart“ 133 min drama, adaptation
dir. Ryan Murphy cast: Mark Ruffalo, Jonathan Groff, Matt Bomer, Taylor Kitsch, Jim Parsons, Alfred Molina, Julia Roberts, Corey Stoll

Im Sommer des Jahres 1981. Der schwule Autor Ned Weeks (Mark Ruffalo) fährt nach Fire Island, um dort mit seinen Freunden zu feiern. Einer von Neds schwulen Freunden, Craig (Jonathan Groff) zeigt plötzlich erste Symptome einer ernstzunehmende Krankheit. Die New York Times hat erst kürzlich einen Artikel über eine seltene Krebskrankheit, an der homosexuelle Männer erkranken und sterben, publiziert. Zurück in New York wendet sich Ned an die querschnittsgelähmte Ärztin Dr. Brookner (Julia Roberts). Sie ist eine der wenigen Ärzte, die sich nicht davor scheuen, die Erkrankten dieser unerforschten Epidemie zu behandeln. Als Mitbegründer der GAY NATIONAL HEALTH CRISIS versucht Ned mithilfe der Ärztin, ein Bewusstsein für die neue Krankheit zu schaffen und legt den Schwulen nahe, sich bei ihren sexuellen Kontakten zu schützen. In den Homosexuellenkreisen stösst ihr Ansinnen aber auch auf großen Widerstand, viele sehen ihre sexuelle Freiheit in Gefahr. Ned lernt dann den New York Times Journalisten Felix (Matt Bomer) kennen und verliebt sich…

C+ (Wertung von A bis F) „The Normal Heart“ basiert auf dem gleichnamigen, teils autobiografischen Bühnenstück von Larry Kramer. Das Theaterstück wurde erstmalig im Jahr 1985 aufgeführt. Eine Broadway-Wiederaufführung des Theaterstückes wurde im Jahr 2011 gefeiert und mit drei Tony Awards ausgezeichnet.

Auch das Drehbuch für die filmische Adaptation wurde von dem Dramatiker Larry Kramer verfasst. Inszeniert wurde der Film von Ryan Murphy („Nip/Tuck“, „Glee“, „American Horror Story“).

Die Handlung führt in die New Yorker Schwulenszene der Jahre 1981-1984 und erzählt mehrere Geschichten rundum den Beginn einer seinerzeit noch unbekannten, neuen Krankheit. Es verbreitet sich eine ansteckende tödliche Krankheit, aber keiner weiß genau, wie sie übertragen wird. Als Homosexuellen-Seuche macht sie die Runde, die Bevölkerung gerät in Angst und den Betroffenen ist noch nicht klar, wie sie damit umgehen sollen. Die Ärztin Julia Roberts vermutet, dass diese mysteriöse Krankheit durch sexuelle Kontakte übertragen wird, Beweise hat sie dafür aber noch nicht.

Ich würde den Film definitiv als sehenswert bezeichnen. Der Film hat natürlich gute Ansätze und vom Thema her ist es ein Film, der mich grundsätzlich interessiert.

„The Normal Heart“ hat zwar ein paar sehr emotionale Szenen, der Film als solches hätte mich aber mehr berühren müssen. Der Film ist einfach nicht gut strukturiert. Vielleicht wäre es besser, wenn sich das Geschehen tatsächlich auf wenige Charaktere konzentriert hätte. Man wird hier mit unzähligen Todesfällen konfrontiert, aber da man zuvor quasi nichts über die Charaktere erfährt, gehen einem die Schicksale der Einzelnen auch nicht so nahe. Gestört hat mich auch, dass die Kamera quasi permanent in Bewegung ist. Erst im Nachhinein habe ich gelesen, dass Julia Roberts ihrem (Kamera-) Mann Danny Moder hier wohl einen Job verschafft hat.

Die Schauspieler haben mir alle recht gut gefallen, auch wenn mitunter der eine oder andere Schauspieler (z.B. Julia Roberts) zu einer übertriebenen Performance neigt.

Mark Ruffalo spielt hier einen schwulen AIDS-Aktivisten Ned Weeks. Mark Ruffalo in einer so ganz anderen Rolle zu sehen, fand ich bemerkenswert. Seine Filmfigur habe ich ihm definitiv abgenommen und dass er sich in Matt Bomers Charakter verknallt hat sowieso. Das nämlich, kann nicht schwer zu spielen gewesen sein. Matt Bomber („Flightplan“, „Magic Mike“, TV-Serie „White Collar)“ hat hier eine überraschend intensive Ausstrahlung und eine einnehmende Präsenz.

„The Normal Heart“ ist ein TV-Film von und teils mit offen schwulen Künstlern, was leider heutzutage immer noch zu selten ist.

„The Normal Heart“ wurde auf HBO erstmalig am 25.05.14 ausgestrahlt. Der Film hat den Emmy für den besten TV-Film im Jahr 2014 gewonnen. Nominiert war der Film aber noch für zahlreiche andere Emmy-Awards, u.a. waren die Schauspieler Mark Ruffalo, Julia Roberts, Jim Parsons, Joe Mantello, Alfred Molina und natürlich Matt Bomer nominiert.

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