HBO-Films: „Coastal Elites“

Ich habe mir folgenden Film auf HBO angeschaut:

 

„Coastal Elites“   87 min   drama, satire 

dir. Jay Roach  cast: Bette Midler, Dan Levy, Issa Rae, Sarah Paulson, Kaitlyn Dever 

 

Im Jahr 2020 hören wir fünf amerikanischen Persönlichkeiten zu, die etwas zu der derzeit noch amtierenden U.S.-Administration, den unfassbaren Aussagen ihres Präsidenten, seinem Vize, eventuell weiteren vier qualvollen Jahren dieser Regierung und zu Corona zu sagen haben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Coastal Elites“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Jay Roach („Meet the Parents“, Dinner for Schmucks, The Campaign, Trumbo, Bombshell) 

„Coastal Elites“ ist der perfekte Film für den Moment, irgendwann im September 2020. Nicht mal zwei Monate vor der U.S.-Präsidentschaftswahl am 3.11.20 greift der Film die Wut über Donald Trump und seinen Klan auf, wie er sein Land, selbst Familien spaltet, die Angst vor einer möglichen Wiederwahl und dann ist da noch die Corona-Pandemie, die in den Vereinigten Staaten einfach nicht in den Griff bekommen wird.

„Coastal Elites“ erzählt am Ende sogar eine runde Geschichte. Der erste Monolog „Lock Her Up“ beginnt im Januar 2020, da sitzt die sehr aufgebrachte, pensionierte Lehrerin (Bette Midler) auf einer New Yorker Polizeistation. Sie wurde von einem Mann angezeigt und gibt ihre Aussage zu Protokoll. Sie erzählt und fängt natürlich irgendwann an, über Donald Trump und Ivanka zu schimpfen. Der zweite Monolog „Supergay“ findet bereits zwei Monate später, im März 2020, in Los Angeles statt. Es ist ein Zoom-Meeting, bei dem wir einem offen schwul lebenden Schauspieler (Dan Levy), der mit seinem Therapeuten redet, zuhören. Er erzählt von seinem Casting für den ersten schwulen Superheldenfilm, aber auch über den U.S.Vize-Präsidenten Mike Pence und seine Meinung zu Homosexuellen. Im Juni 2020 dann der dritte Monolog „A Blonde Cloud“. Eine sehr wohlhabende, junge Afroamerikanerin (Issa Rae) spricht via Zoom mit ihrer ehemaligen Mitschülerin. Beide kannten Ivanka Trump aus ihrem Elite-Internat. Die hübsche Afroamerikanerin erzählt von einem kürzlichen Wiedersehen mit der Trump-Tochter. Der vierte Monolog „Because I Have to Tell Someone“ führt uns zurück in den Mai 2020, eine Frau, (Sarah Paulson) gibt live Online-Meditation-Kurse und erzählt von ihrem letzten Treffen mit ihrer Trump-unterstützenden und Corona-leugnenden Familie in Wisconsin. Der letzte Monolog „President Miriam“ führt uns dann in den April 2020 zurück. Eine, aus Wyoming stammende und in einem New Yorker Krankenhaus arbeitenden, Krankenschwester (Kaitlyn Dever) erzählt an ihrem letzten Tag von ihrem Alltag in den letzten Wochen und einer ganz besonderen Begegnung. 

Am meisten liebe ich sicherlich Bette Midlers Schimpftirade. Diese jüdische New Yorker Lady ist greifbar, real und liebenswert, ich unterschreibe jedes Wort, das sie sagt und ihre Geschichte berührt am meisten. Aber alle anderen Monologe sind auch unbedingt hörens- und sehenswert. Alle fünf Schauspieler überzeugen auf der ganzen Linie. 

„Coastal Elites“ ist seit dem 12.09.20 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO zu sehen. 

Trailer zu sehen: 

HBO-Films: „Bad Education“

Ich habe mir folgenden HBO-Film angeschaut:

 

„Bad Education“ (in D. ab dem 22.07.20 bei Sky Ticket zu sehen) 108 min  drama, comedy, biopic, adaptation 

dir. Cory Finley  cast: Hugh Jackman, Allison Janney, Geraldine Viswanathan, Alex Wolff, Ray Romano, Annaleigh Ashford

 

Im Jahr 2002 in Roslyn, Long Island im Bundesstaat New York. Rachel (Geraldine Viswanathan) ist Reporterin der Schülerzeitung und schreibt an einem Artikel über ein Bauprojekt der Roslyn High School. Der Bezirksschulinspektor von Roslyn, Dr. Frank Tassone (Hugh Jackman), ermutigt noch die Schülerin und so taucht sie immer tiefer in die Finanzunterlagen der Schulbehörde. Bei ihrer Recherche findet sie schließlich heraus, dass scheinbar ein paar Millionen Dollar unterschlagen wurden und Dr. Tassone und seine Vertreterin Pam Gluckin (Allison Janney) scheinen daran nicht gerade unschuldig zu sein …

 

B+ (Wertung von A bis F) „Bad Education“ basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist eine Adaption von Robert Kolkers New York Magazine Artikel „The Bad Superintendent“. Erzählt wird von dem bis heute größten Fall an Unterschlagung von Schul- und Steuergeldern in einem Schulbezirk in den Vereinigten Staaten. „Bad Education“ ist nach Thoroughbreds erst der zweite Film, bei dem der amerikanische Regisseur Cory Finley Regie geführt hat. 

Dr. Frank Tassone war in der Schulaufsicht und bei Schülern, Eltern, Lehrern und Verwaltungsmitarbeitern gleichermassen beliebt. Während seiner Amtszeit hat es die Roslyn High School auch sogar auf Platz 4 der besten öffentlichen Schulen in den Vereinigten Staaten geschafft. Nun hat er und seine Vertreterin Pam Gluckin aber über einige Jahre mehrere Millionen Dollar an Schul- und Steuergeldern unterschlagen und sich damit ein schönes Leben gegönnt. In diesem Film wird nicht so sehr beleuchtet, wie die beiden auf die Idee gekommen sind und wie durchdacht ihr Plan war, bzw. nicht war, das Kind ist hier längst in den Brunnen gefallen. Die beiden hatten sich an ihren ausschweifenden Lebensstil gewöhnt und, wären nicht irgendwann einige Ungereimtheiten aufgefallen, hätten sie ewig so weiter gemacht. Dank einer eifrigen Schülerreporterin wird der Fall später in Gänze aufgeklärt. „Bad Education“ ist ein Film über einen Skandal, ein Porträt über die Beteiligten, aber nicht zuletzt auch ein Film über guten Journalismus. 

Der Film ist schlüssig und interessant erzählt. Stilistisch hat mir die Parallelmontage, die mit Moby´s „In This World“ unterlegt ist, besonders gefallen. Schauspielerisch ist natürlich die Oscar-Gewinnerin Allison Janney (I,Tonya) ganz weit vorne, auch gut gefallen hat mir Annaleigh Ashford (die, die Nichte von Allison Janneys Charakter spielt) und einmal mehr konnte mich auch Ray Romano (The Big Sick , The Irishman) begeistern. Hugh Jackman kann mich selten überzeugen, hier gibt er sicherlich eine seiner besten und glaubwürdigsten Performances. 

„Bad Education“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best TV Movie, Best TV Movie/Limited Series Actor (Hugh Jackman), Best TV Movie/Limited Series Supporting Actress (Allison Janney), Best TV Movie/Limited Series Supporting Actor (Ray Romano) Update: „Bad Education“ wurde für zwei Emmys (Best Actor/Limited Series or Movie für Hugh Jackman und Outstanding TV Movie) nominiert. 

„Bad Education“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2019 gezeigt. Bei HBO wurde der Film erstmalig am 25.04.20 ausgestrahlt. In Deutschland ist der Film ab dem 22.07.20 bei Sky Ticket zu sehen. 

Trailer zu sehen:

 

 

TV – Serie: „Run“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Run“ (in D. seit dem 13.4.20 auf Sky zu sehen)  7 x approx. 30 min  comedy, romance, thriller

dir. Kate Dennis, Natalie Bailey  cast: Merritt Wever, Domhnall Gleeson, Phoebe Waller-Bridge, Archie Panjabi, Tamara Podemski, Shaun J. Brown, Rich Sommer, Stephen McKinley Henderson 

 

Ruby (Merritt Wever) und Billy (Domhnall Gleeson) kennen sich seit dem College, waren seinerzeit sogar ein Paar. Dann haben sich aus den Augen verloren, zuvor hatten sie jedoch eine Vereinbarung getroffen:  Wenn einer der beiden jemals dem anderen das Wort „Run“ per SMS schreibt und der andere mit „Run“ antwortet, lassen beide alles stehen und liegen und treffen sich in einem bestimmten Zug von New York nach Chicago. Jetzt, fünfzehn Jahre später, ist es soweit…

 

B+ (Wertung von A bis F) Serienschöpferin von „Run“ ist die englische Autorin (TV-Serie „Killing Eve“) und Bühnenregisseurin („Fleabag“) Vicky Jones. Produziert wurde diese Serie u.a. von DryWrite, einer Produktionsfirma, die Vicky Jones zusammen mit ihrer guten Freundin Phoebe Waller-Bridge gegründet hat. Bei vier Episoden hat die australische Regisseurin Kate Dennis (u.a. TV-Serie The Handmaid´s Tale) Regie geführt, bei zwei Episoden die australisch-englische Regisseurin Natalie Bailey (u.a. „Avenue 5“), bei einer Episode der amerikanische Musikvideo- und TV-Regisseur (u.a. „Suits“, „The Americans“, „Black-ish“, Succession 2. Staffel) Kevin Bray.

„Run“ hat eine wendungsreiche Handlungsentwicklung und ist dabei charmant und kurzweilig. Wenn ich „RomCom“-Serie schreibe, schreckt das sicher viele ab. Wenn man diese Kurzserie jedoch in ein Genre pressen möchte, ist das sicher das passendste. Die Grundidee ist originell. Was wäre denn, wenn man mit seiner/m Ex einen Pakt geschlossen hätte, sich ein Codewort zu texten und wenn der jeweils andere entsprechend antwortet, sich so schnell wie möglich, auf einer zuvor vereinbarten Zugfahrt wiederzusehen. Den Kontakt hatte das Paar schon viele Jahre zuvor abgebrochen. In den vergangen Jahren hatte der eine oder andere das Codewort genutzt, der andere aber nicht geantwortet, nun – nach über 15 Jahren – ist es soweit. Die Serie wird mit viel Situationskomik und kleineren Thriller-Elementen erzählt. Ein paar Logiklücken lassen sich aber auch finden, richtig störend empfand ich diese aber nicht. Bislang war ich kein großer Freund des Zugfahrens, „Run“  lässt das Zugreisen jedoch in einem völlig neuem Licht erscheinen. Das Zugfahren erscheint hier völlig entspannt, irgendwie cool und sogar romantisch. Am liebsten würde ich schon bald mal eine längere Zugreise quer durch die Vereinigten Staaten planen. 

„Run“ ist eine ideale Kurzserie (keine der sieben Episoden dauert länger als 30 Minuten) zum Bingen. Bei meiner Erstsichtung habe ich mir aufgrund der Aktualität immer nur eine Episode die Woche anschauen können, was ich etwas unglücklich fand. Ein Grund für mich, sie mir ein weiteres Mal anzugucken. Die beiden großartigen Schauspieler Merritt Wever und Domnhall Gleeson machen einzeln bereits jedes Film- oder Fernsehprojekt sehenswert, hier geben sie zusammen ganz überzeugend dieses außerordentliche Paar. 

Von Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) glaubte ich bislang, sie nicht leiden zu können. Hier fand ich sie als Laurel sehr amüsant, gar sympathisch, insbesondere im Zusammenspiel mit Babe Cloud. Was mich zu den von mir favorisierten Szenen der Serie führt:

Meine Lieblingsszenen: in Episode 6 („Tell“) und Episode 7 („Trick“) alle Szenen mit Laurel (gespielt von Phoebe Waller-Bridge) und der Polizistin Babe Cloud (gespielt von Tamara Podemski) 

 

Über die beiden Protagonisten möchte ich nicht zu viel verraten:  

 

Ruby wird von der amerikanischen Schauspielerin Merritt Wever gespielt. Bekannt geworden ist sie durch die TV-Serie Nurse Jackie. Sie aber auch seither auch in anderen TV-Serien (u.a. „The Walking Dead“, „Godless“, Unbelievable) gespielt und war auch in einigen Kinofilmen (u.a. Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance), Marriage Story) zu sehen. Merritt Wever hat zwei Emmys für die TV-Serien „Nurse Jackie“ und „Godless“ gewonnen und hat noch eine weitere Emmy-Nominierung für ihre Performance in der TV-Serie „Nurse Jackie“ erhalten. 

Billy wird von dem irischen Schauspieler Domhnall Gleeson gespielt. Er hat in unzähligen Filmen (u.a. Never Let Me Go, Frank, Ex Machina, Brooklyn, The Revenant, „Peter Rabbit“) mitgespielt. Er hat eine Tony-Nominierung für seine Performance in Martin McDonaghs Theaterstück „The Lieutenant of Inishmore“ erhalten. Domhnall Gleeson ist der Sohn des legendären Schauspielers Brendan Gleeson (In Bruges, „The Guard“), die beiden haben in einigen Filmen sogar bereits zusammengespielt (u.a. Calvary), in mother! stand Domhnall mit seinem Vater und sogar seinem Bruder Brian vor der Kamera. 

„Run“ wurde erstmalig v. 12.04.20 bis 24.05.20 auf HBO ausgestrahlt. Seit dem 13.04.20 ist die Kurzserie in Deutschland auch auf Sky zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

 

TV – Serie: „Years and Years“

Ich habe mir folgenden BBC One-Mehrteilers angeschaut:

 

„Years and Years“ (in D. über Apple TV+ und den Pay-TV-Sender Starzplay über Amazon Prime zu sehen)   6 x approx. 60 min  drama, sci-fi

dir. Simon Cellan Jones, Lisa Mulcahy  cast: Rory Kinnear, T´Nia Miller, Anne Reid, Ruth Madeley, Russell Tovey, Jessica Hynes, Emma Thompson, Lydia West, Maxim Baldry, Jade Alleyne, Sharon Duncan-Brewster

 

Manchester, England. Vom Jahr 2019 an begleiten wir die britische Mittelstandsfamilie Lyons 15 Jahre lang. Die Groß- und Urgroßmutter Muriel (Anne Reid) und ihre vier Enkel Stephen (Rory Kinnear) mit seiner Frau Celeste (T´Nia Miller) und ihren beiden Töchter, Daniel (Russell Torvey) und sein Lebenspartner, die alleinerziehende und im Rollstuhl sitzende Rosie (Ruth Madeley) und schließlich die politische Aktivistin Edith (Jessica Hynes). In diesen fünfzehn Jahren macht die Technologie rasante, gesellschaftsverändernde Fortschritte und es kommt zu einer Verkettung von Entwicklungen – ein Part davon ist eine Entscheidung, des für eine zweite Amtszeit bestätigten US-Präsidenten Donald Trump. Alles hat nicht nur Auswirkungen auf die Familie Lyons, sondern auf die britische Gesellschaft und den Rest der Welt. Und nebenbei strebt in Post-Brexit-Großbritannien die Populistin Vivienne Rook (Emma Thompson) nach politischer Macht…. 

 

A- (Wertung von A bis F) Serienschöpfers des britischen Mehrteilers „Years and Years“ ist der englische Autor und Produzent Russell T Davies („Queer as Folk“, „Doctor Who“, „A Very English Scandal“). Bei den ersten vier Episoden hat der britische Filmemacher Simon Cellan Jones („Some Voices“, TV-Serien: „Treme“, „Boardwalk Empire“, „Jessica Jones“, „Ballers“) Regie geführt, bei den letzten beiden Episoden die irische Filmemacherin Lisa Mulcahy (TV-Serien: „The Clinic“, „Red Rock“, „The Moonstone“).

„Years and Years“ ist eines der am besten geschriebenen und gespielten Charakter- und Familiendramen, die ich je gesehen habe. Hinzu kommt – und das macht diese Miniserie so besonders – dass hier eine, nicht sehr ferne (dystopische) Zukunft gezeichnet wird, die man sich leicht vorstellen kann und dadurch unglaublich beängstigend ist.

Mit meiner Inhaltsangabe habe ich mich möglichst kurz gehalten, dieser Mehrteiler wirkt am besten, wenn man so wenig wie möglich darüber weiß. Daher meine dringende Empfehlung: einfach die erste Episode – rund 60 Minuten – bis zum Ende schauen, mich hat die Serie dann so gepackt, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

„Years and Years“ spielt in Manchester, im Post-Brexit-Großbritannien von 2019-2034. Die eigentliche Geschichte beginnt aber erst richtig im Jahr 2024. 

In letzter Zeit habe ich mich ab und an mal darüber beschwert, dass in Hollywood-Filmen heutzutage alles so übertrieben politisch korrekt sein muss. Manchmal kam es mir schon so vor, dass man nur für die Außenwirkung oder den asiatischen Markt, die eine oder andere Rolle in einem Blockbuster vergab. Hier – und das liegt nicht allein daran, dass es ein britisches TV-Projekt ist, vielmehr ist es die Schreibe, passt es. Nichts fühlt sich aufgesetzt oder „der Quote wegen“ an. Es wird nicht thematisiert, warum Stephen eine schwarze Frau geheiratet hat, warum Rosie im Rollstuhl sitzt und ihr Sohn asiatische Wurzeln hat oder, dass Daniel schwul ist. Es ist einfach so.  In der Familie Lyons gibt auch noch Trans (-human, -gender) und ein Migrant spielt auch eine nicht unerhebliche Rolle. Das hört sich vielleicht jetzt für den einen oder anderen anstrengend an, ist es aber nicht. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, alle glaubhaft und greifbar und auch hilft ihr typisch englischer Humor das Ganze etwas aufzulockern. Jeder der vier Geschwister (Stephen, Edith, Daniel und Rosie) hat einen eigenen, starken Handlungsstrang. 

Meine Lieblingsepisode: Episode 4, trotz der ganzen Tragik

Meine Lieblingsszene: Grans „This is the world we built“-Rede in Episode 6

Meine Lieblingscharakter: rückblickend ist es wahrscheinlich Gran, ich liebe ihre Bissigkeit, ihre Weisheit und dass sie an richtiger Stelle Herz zeigt. Beschäftigt hat mich allerdings die Frage, wie alt Gran eigentlich ist. Optisch ist natürlich Viktor Goyara (gespielt von Maxim Baldry) ein Hingucker. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Stephen Lyons ist der älteste der Lyons Geschwister. Er arbeitet als Finanzberater und lebt mit seiner dunkelhäutigen Frau Celeste (gespielt von T´Nia Miller) und den beiden gemeinsamen Töchtern in London. Gespielt wird Stephen von dem englischen Schauspieler Rory Kinnear. Seine bekannteste Rolle ist die des „Bill Tanner“ in den letzten vier James Bond-Filmen. Auch hat er u.a. in The Imitation Game und einigen TV-Serien (u.a. „Penny Dreadful“) mitgespielt. 

Daniel Lyons ist der Bruder von Stephen (gespielt von Rory Kinnear), Edith (gespielt von Jessica Hynes) und Rosie (gespielt von Ruth Madeley). Er ist in der Verwaltung beim Wohnungsamt tätig. Gerade kümmert er sich um Unterkünfte für Asylsuchende. Er lebt offen schwul und hat einen Lebensgefährten. Gespielt wird Daniel von dem englischen Schauspieler Russell Torwey. Er hat in zahlreichen TV-Serien (u.a. in „Doctor Who Confidential“, „Looking“, The Night Manager, „Quantico“) mitgespielt und war auch in dem einen oder anderen Spielfilm (Pride, „The Good Liar“) zu sehen. 

Rosie Lyons ist die jüngste der Lyons Geschwister. Sie arbeitet in einer Schulkantine, ist alleinerziehend und hat zwei kleinere Kinder. Durch eine Fehlbildung der Wirbelsäule (Spina bifida) ist sie so körperlich beeinträchtigt, dass sie im Rollstuhl sitzt. Gespielt wird Rosie von der englischen Schauspielerin Ruth Madeley. Sie ist selbst mit dieser Fehlbildung der Wirbelsäule geboren. Sie hat schon in einigen Theater- und TV-Projekten (u.a. „Outnumbered“, „Cold Feet“) mitgewirkt. 

Edith Lyons ist die zweitälteste der Lyons Geschwister. Sie ist politische Aktivistin und war viel im Ausland. Gespielt wird Edith von der englischen Schauspielerin Jessica Hynes (bis zum Jahr 2007 unter dem Namen Jessica Stevenson). Sie hat in zahlreichen TV-Projekten (u.a. „The Royle Family“, „Spaced“, „Doctor Who“) und einigen Kinofilmen (u.a. „Shaun of the Dead“, „Bridget Jones: The Edge of Reason“, „Paddington 2“) mitgespielt. Sie hat eine Tony-Nominierung für ihre Performance in „The Norman Conquests“

Celeste arbeitet als Buchhalterin und ist mit dem ältesten der Lyons Geschwister, Stephen (gespielt von Rory Kinnear), verheiratet. Sie haben zwei Töchter. Gespielt wird Celeste von der dunkelhäutigen, englischen Schauspielerin T´Nia Miller. Sie hat in einigen TV-Projekten (u.a. „Witless“, „Marcella“, „Free Rein“) mitgespielt. 

Muriel „Gran“ ist die Matriarchin der Lyons Familie. Sie ist die Großmutter der vier Lyons Geschwister. Da die Lyons-Geschwister vermutlich zwischen Mitte 30 und Mitte 40 sind, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie alt ihre Oma ist. Gespielt wird Gran von der englischen Theater-, TV- und Filmschauspielerin Anne Reid. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle in der beliebten englischen Soap Opera „Coronation Street“. Sie hat auch in vielen Spielfilmen (u.a. „The Mother“, „Hot Fuzz“, „The Aeronauts“) mitgespielt. 

Vivienne „Viv“ Rook ist eine sehr wohlhabende Geschäftsfrau, die eine politische Karriere startet. Die charismatische Populistin gründet ihre eigene Partei und spaltet natürlich die britische Bevölkerung. Selbst in der Familie Lyons hat Viv Rook mindestens einen Befürworter. Gespielt wird Viv Rook von der brillanten englischen Schauspielerin und Drehbuchautorin Emma Thompson. Sie hat anfangs öfter mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh („Henry V“, „Peter´s Friends“, „Much Ado About Nothing“), zusammengearbeitet und in unzähligen Filmen (unvergessen in „The Remains of the Day“ und „Love Actually“, „Nanny McPhee“ und dem TV-Mehrteiler Angels in America, erst kürzlich wieder in Late Night) mitgespielt. Emma Thompson wurde 5 x für den Oscar nominiert (als Schauspielerin bzw. Drehbuchautorin der Filme „Howards End“, „The Remains of the Day“, „In the Name of the Father“ und „Sense and Sensibility“), Gewonnen hat sie zwei Oscars, ein Mal als Schauspielerin für ihre Performance in „Howards End“ und ein weiteres Mal als Autorin für das beste adaptierte Drehbuch von „Sense and Sensibility“. Außerdem war sie 7 x für den Emmy nominiert hat einen Emmy-Award für ihren Gastauftritt in der TV-Serie „Ellen“ gewonnen. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem englischen Schauspieler und Produzenten Greg Wise hat sie zwei Kinder. 

„Years and Years“ wurde erstmalig vom 14.05.19 – 18.06.19 auf BBC One ausgestrahlt. Auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO ist die Miniserie seit dem 24.06.19 zu sehen. In Deutschland kann man diesen Mehrteiler über Apple TV+ und bei dem Pay-TV-Sender Starzplay über Amazon Prime schauen. 

Trailer zu sehen:

TV-Serie – „The Plot Against America“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Miniserie angeschaut:

 

„The Plot Against America“ (in D. seit dem 17.03.20 auf Sky zu sehen) 6 x approx. 60 min  drama, alternate history, adaptation

dir. Minkie Spiro, Thomas Schlamme   cast: Zoe Kazan, Morgan Spector, Caleb Malis, Anthony Boyle, David Krumholtz, Azhy Robertson, John Turturro, Winona Ryder, Michael Kostroff, Ben Cole, Ed Moran 

 

Im Juni 1940. In Europa herrscht Krieg. Der Nationalheld Charles Lindbergh (Ben Cole) plant, gegen den amtierenden Präsidenten Franklin D. Roosevelt bei der US-Präsidentschaftswahl im November anzutreten. Lindbergh macht Stimmung gegen die Briten, Juden und die derzeitige Regierung und verspricht der amerikanischen Bevölkerung, sich aus dem Krieg in Europa rauszuhalten. In Weequahic, New Jersey lebt der jüdische Versicherungsvertreter Herman Levin (Morgan Spector) mit seiner Frau Bess (Zoe Kazan), dem 15-jährigen Sohn Sandy (Caleb Malis), dem 10-jährigen Sohn Philip (Azhy Robertson) und seinem Neffen Alvin (Anthony Boyle). Das Ehepaar Levin registriert langsam die Veränderungen im eigenen Land. Bess´Schwester Evelyn (Winona Ryder) macht sich derweil Sorgen, nie einen Mann zum Heiraten zu finden, dann trifft sie aber auf den verwitweten Rabbiner Lionel Bengelsdorf (John Turturro), der jüdische Geistliche unterstützt Charles Lindbergh bei seiner Präsidentschaftskampagne…

 

B+ (Wertung von A bis F) Der Mehrteiler „The Plot Against America“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Romanautors Philip Roth („American Pastoral“, „The Human Stain“, „Indignation“). Philip Roths Buch stammt aus dem Jahr 2004, die jetzige Verfilmung aus dem Jahr 2020 weist aber sicher durchaus gewollt Parallelen zur letzten US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 auf. Serienschöpfer sind die amerikanischen Autoren und Produzenten David Simon und Ed Burns (TV-Serien „The Wire“, „Generation Kill“). Bei den ersten drei Episoden führte die englische TV-Regisseurin Minkie Spiro (TV-Serien: „Downton Abbey“, „Better Call Saul“, Fosse/Verdon) Regie, bei den letzten drei Episoden der amerikanische TV-Produzent und Regisseur Thomas Schlamme („Sports Night“, „The West Wing“).

Wie bereits die TV-Serie The Man in the High Castle gehört auch „The Plot Against America“ dem Genre der Alternativweltgeschichte an. 

Charles Lindbergh war tatsächlich gegen eine Beteiligung der USA am Zweiten Weltkrieg. Er war der bekannteste Sprecher des America First Committee, das u.a. von dem späteren US-Präsidenten Gerald Ford gegründet wurde. Er war offenbar nicht nur ein „American Firster“, sondern auch ein Antisemit und galt als Hitler-Unterstützer. Nachdem seine Gesinnung in einigen seiner Reden deutlich wurde, war seine politische Karriere am Ende. Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 1940 wurde Franklin D. Roosevelt zum dritten Mal im Amt bestätigt. Die Familie Levin in diesem Mehrteiler ähnelt der des Romanautors mit „Philip“ als jungen Philip Roth. In seiner Romanvorlage heißt die Familie tatsächlich auch Roth und die Geschichte über eine fiktive Kindheit in New Jersey wird in der Ich-Form erzählt. Soviel zu den Fakten. Fiktion und Wirklichkeit überschneiden sich aber hier.

Was wäre, wenn der amerikanische Flieger- und Nationalheld sich zur US-Präsidentschaftswahl aufgestellt und von der republikanischen Partei auch nominiert worden wäre? Hätte nicht jeder amerikanische Wähler durchschaut, was für ein Populist Charles Lindbergh ist, was für faschistische und antisemitische Züge er hat und ihn entsprechend nicht zum Präsidenten im Jahr 1940 gewählt? Lindbergh begeisterte hier aber die Bevölkerung mit seiner America-First-Politik und damit, dass er sich gegen eine amerikanische Kriegsbeteiligung aussprach. Einige Zweifel konnte er zusätzlich ausräumen, als den etwas unbedarfte Rabbiner Lionel Bengelsdorf als Unterstützer gewinnen konnte. Was wäre, wenn Charles Lindbergh nun tatsächlich im November 1940 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden wäre? Damit beschäftigt sich dieser Mehrteiler.

Die gesellschaftlichen Veränderungen vor und nach seiner Wahl erlebt man hier aus Sicht der jüdisch-amerikanischen Familie Levin und ihrem Umfeld in Weequahic, New Jersey. Die antisemitischen/rassistischen Strömungen im Land sind nicht gleich für jedermann erkennbar und auch für die Familie Levin nicht gleich bedrohlich, aber immer mehr sicht- und greifbar. Selbst in der Familie Levin gibt es unterschiedliche Meinungen. Während das Ehepaar Herman und Bess Levin (gespielt von Morgan Spector und Zoe Kazan) äußerst beunruhigt die Geschehnisse verfolgt, bewundert ihr 15-jährige Sohn Sandy (gespielt von Caleb Malis) Charles Lindbergh, die ältere Schwester von Bess, Evelyn (gespielt von Winona Ryder) verliebt sich in den Rabbiner und Lindbergh-Unterstützer Lionel Bengelsdorf (gespielt von John Turturro) und Hermans Neffe Alvin (gespielt von Anthony Boyle) will gegen die Nazis in Europa kämpfen. Da die Vereinigten Staaten nicht am Krieg beteiligt sind, geht er nach Kanada und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. 

„The Plot Against America“ spielt in der Zeit von Juni 1940 bis zum 3. November 1942. Diese alternative Weltgeschichte beschäftigt sich in dieser Zeit mit der Gefahr, die von Populisten ausgeht. Im Gegensatz zu Deutschland leben die Amerikaner in einer Demokratie. Man sieht, wie schnell sich Hass verbreiten kann und man ohne eigenes Zutun plötzlich zu den Anderen gehören kann und in seinem eigenen Land nicht mehr sicher ist. 

Ich fand „The Plot Against America“ anfangs recht schwerfällig, im Ganzen ist dieser Mehrteiler aber sehr gelungen. Für die Erzählung hat man sich hier einfach nur die Zeit genommen, die sie brauchte. Die tatsächliche Gefahr offenbart sich nur langsam, aber die Bedrohung frisst sich immer mehr ins Bewusstsein. 

Das komplette Szenenbild ist sehr hochwertig und führt einen unweigerlich in die damalige Zeit. Die Ausstattung, die Kostüme, die Autos, das Kino, in der sich die Amerikaner ein Mal die Woche über die neuesten Nachrichten in den Vereinigten Staaten bzw. dem Rest der Welt (mit vielen Originalfilmaufnahmen) informieren – das wirkt schon sehr authentisch. 

Meine Lieblingsepisode: keine

Meine Lieblingscharaktere: Seldon, der Nachbarjunge der Levins. Er ist im gleichen Alter wie der 10-jährige Philip Levin. So gerne würde Seldon Philips bester Freund sein, der putzige Junge wirkt immer etwas einsam und traurig. Gespielt wird Seldon von dem amerikanischen Schauspieler Jacob Laval. 

Seldon ist aber nur ein Nebencharakter, von den Leitcharakteren ist Bess Levin mein Lieblingscharakter (gespielt wird Bess von der amerikanischen Schauspielerin Zoe Kazan), ihren Charakter habe ich weiter unten vorgestellt. 

Mein Hassfigur des Mehrteiler: da gibts natürlich viele, aber von den Hauptcharakteren kann ich Evelyn am wenigsten ertragen. Gespielt wird sie von Winona Ryder, bei der es sich leider in der letzten Episode gezeigt hat, dass sie schauspielerisch mit der Rolle überfordert ist.

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Herman Levin ist Versicherungsvertreter und Familienvater. Er ist Jude, ohne dass der Glaube und die Religion einen großen Platz in seinem Leben einnimmt. Verheiratet ist er mit Bess (gespielt von Zoe Kazan). Die beiden haben mit Sandy und Philip (gespielt von Caleb Malis und Azhy Robertson) zwei Söhne. Herman kann Ungerechtigkeiten nicht ertragen, ist sehr stolz und mutig und wird damit seine Familie noch in Gefahr bringen. Gespielt wird Herman von dem amerikanischen Schauspieler Morgan Spector. Er hat in einigen Independentfilmen (u.a. The Drop, Chuck, A Vigilante) und auch einigen TV-Serien (u.a. „Person of Interest“, „Boardwalk Empire“, 7. Staffel von Homeland) mitgespielt. 

Elizabeth „Bess“ Levin ist Hausfrau und mit Herman (gespielt von Morgan Spector) verheiratet. Sie haben zwei Söhne, den Teenager Sandy (gespielt von Caleb Malis) und den 10-jährigen Philip (gespielt von Azhy Robertson). Auch hat sie mit Evelyn (gespielt von Winona Ryder) eine ältere Schwester. Weiter oben habe ich es bereits geschrieben, dass Bess mein Lieblingscharakter dieses Mehrteilers ist. Sie ist vernünftig, trifft richtige Entscheidungen, zeigt Herz und Stärke, was man gerade in der finalen Episode sieht. Gespielt wird Bess von der amerikanischen Schauspielerin und Drehbuchautorin Zoe Kazan. Eigentlich war ich kein großer Fan der Schauspielerin (Ruby Sparks, What If), hier hat sie mir aber ausgesprochen gut gefallen. Für ihre Performance in dem großartigen Mehrteiler Olive Kitteridge wurde sie für den Emmy nominiert. Zoe Kazan ist die Enkelin der griechisch-amerikanischen Regie-Legende Elia Kazan („A Streetcar Named Desire“, „On the Waterfront“, „East of Eden“) Außerdem hat sie mit einem meiner Lieblingsschauspieler, Paul Dano, ein Kind. 

Evelyn Finkel ist Bess´ältere Schwester. Sie kümmert sich um ihre Mutter. Evelyn macht sich Sorgen, keinen Mann mehr abzubekommen. Irgendwann lernt sie aber den Rabbiner Lionel Bengelsdorf (gespielt von John Turturro) kennen. Evelyn ist mein Hasscharakter dieses Mehrteilers. Gespielt wird Evelyn von der amerikanischen Schauspielerin Winona Ryder. Sie war Ende der 1980er und in den 1990er Jahren („Beetlejuice“, „Edward Scissorhands“, „Reality Bites“, „The Crucible“) ein großer Star. In den letzten Jahren war sie mehr in TV-Projekten, u.a. in „Stranger Things“ zu sehen. Für ihre Performance in  „The Age of Innocence“ und „Little Women“ wurde sie jeweils mit dem Oscar nominiert. 

Lionel Bengelsdorf ist Rabbiner und unterstützt Charles Lindbergh (gespielt von Ben Cole) bei seiner Präsidentschaftwahl. Ohne diesen, etwas unbedarften jüdischen Geistlichen wäre Lindbergh wohl nie U.S.-Präsident geworden.  Lionel ist Witwer und lernt irgendwann Evelyn Finkel (gespielt von Winona Ryder) kennen. Gespielt wird Lionel Bengelsdorf von dem amerikanischen Schauspieler, Autor und Filmemacher („Barton Fink“, „The Big Lebowski“, TV-Serie The Night Of) John Turturro. Für seine Performance in den TV-Serien „Monk“ und „The Night Of“ wurde er jeweils mit dem Emmy nominiert. 

„The Plot Against America“ wurde für einen Emmy nominiert (Outstanding Cinematography for a Limited Series or Movie)

„The Plot Against America“ wurde erstmalig vom 16.3.20 – 20.4.20 auf HBO ausgestrahlt. In Deutschland läuft die Miniserie seit dem 17.05.20  auf Sky, ab dem 20.05.20 dann auch in der deutschen Synchronfassung.

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

TV – Serie: „The New Pope“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„The New Pope“ (in D. seit dem 20.02.20 auf Sky Atlantic zu sehen) 9 x approx. 60 min  drama

dir. Paolo Sorrentino  cast: Silvio Orlando, Cécile de France, Javier Cámara, John Malkovich, Mark Ivanir, Jude Law, Ulrich Thomsen, Henry Goodman, Maurizio Lombardi, Massimo Ghini, Nora Waldstätten, Marilyn Manson, Sharon Stone 

 

Papst Pius XIII (Jude Law) liegt nun bereits seit neun Monaten im Koma. Drei Herztransplantationen sind schon missglückt, es wird Zeit, einen neuen Papst zu bestimmen. Der Kardinalstaatssekretär Angelo Voiello (Silvio Orlando) sieht sich selbst als geeignetsten Kandidaten, aber eine Zweidrittelmehrheit im Konklave zu bekommen, scheint nahezu unmöglich. Jeder der Kardinäle hat schließlich seine eigene Vorstellung von dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche. Nach endlosen Runden kann man sich endlich auf einen Kandidaten einigen. Kardinal Viglietti (Marcello Romolo) scheint von seiner Wahl völlig überrascht. Er realisiert aber schon bald, welche Macht er als neuer Pontifex hat. Er nennt sich Papst Franziskus II und fordert Bescheidenheit und Demut, will den Armen helfen. Kurz nach seiner Amtseinführung bietet er Flüchtlingen und Migranten Unterschlupf im Vatikan. Auch will er die prunkvollen Kreuze und Ringe der Kardinäle und eigentlich das gesamte Vermögen des Kirchenstaates an die Armen verschenken…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The New Pope“ ist die Fortsetzung zu Paolo Sorrentinos Vorgängerserie The Young Pope aus dem Jahr 2017. Serienschöpfer und Regisseur über alle Episoden ist wieder der italienische Filmemacher und Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino (The Great Beauty, Youth). 

Ich liebe Paolo Sorrentinos meist satirischen oder gar sarkastischen, aber immer starken Inszenierungen. Seine opulenten und symbolhaften Bildkompositionen sind einzigartig, einige sind so perfekt wie Gemälde.  Mit „The New Pope“ führt er uns mit seiner Geschichte – wie sollte es anders sein – wieder in die geheimnisumwitterte Welt des Vatikans. Natürlich geht es um Macht, Manipulation, Korruption, Skandale, Intrigen, Erpressungen, Eitelkeiten, Selbstfindung, Glaube, Glaubenszweifel, Religion, Bigotterie, Fanatismus, Wunder, Heilige und Huren, Verführung, Homosexualität, Sex, aber auch ganz klar um die Liebe. Mir gefiel die zweite Staffel von Sorrentinos Serie um einiges besser als die erste, auch wenn die Geschichte sich in ihrer gesamten Pracht erst später entfaltet. Aber bis dahin sind es immer wieder tolle Szenen, kreative Ideen, das Ganze mit brillant gewählter, cooler Musik vertont, eine – durch die Bank – perfekte Besetzung, erneut eine wunderbare Serienfigur (Staatssekretär Voiello) und bereits ab Folge 2 natürlich John Malkovich – das alles brachte mich nie in Verlegenheit, vorzeitig abzubrechen. 

Silvio Orlando kann ich gar nicht genug loben, das ist wahrscheinlich die Rolle seines Lebens. Ich liebe diesen allwissenden, gewitzten Staatssekretär des Vatikans mit seiner putzig lispelnden Aussprache und seinem sehr starkem italienischen Akzent.

Am Ende ist „The New Pope“ eine tolle und außergewöhnliche Serie, die ich mir gleich noch mal ein zweites Mal angeschaut habe. Da diese Staffel reich an Charakteren und Handlung ist und alle raffinierten Einzelheiten wahrscheinlich mit einer Sichtung allein nicht zu erfassen sind, empfehle ich auch, sie ein weiteres Mal zu gucken. 

Meine Lieblingsepisode: 8  – diese Folge ist Perfektion und hier zeigt sich spätestens, dass sich die ganze Staffel von „The New Pope“ lohnt, die finale Folge ist dazu nur noch der krönende Abschluss. 

Lieblingsszenen: 

  • in Episode 2 das Gespräch zwischen Kardinal Sir John Brannox und dem Staatssekretär des Vatikans Voiello. Zusammengefasst: Brannox: Humans are blaming everything on others, we Catholics at least blame everything on God. Voiello: Actually we give him all the credit. Brannox: Is that not the same thing? 
  • in Episode 4 die Szene mit Marilyn Manson (wie sieht der eigentlich mittlerweile aus?) und dem Papst 
  • in Episode 5 die Szene mit Sharon Stone (die sich wie auch Manson selbst spielt) und dem Papst 

Aber ansonsten auch unbedingt auf den Vorspann aber auch den Abspann mit einigen originellen Tanzeinlagen achten. 

Meine Gedanken in den letzten zehn Minuten der finalen Episode: Aha, ja, glaubwürdig (das Sicherheitspersonal muss durchdrehen), okaaay – nicht wirklich realistisch, aber tolle Bilder, auch die Geräusche als die Musik aussetzt, beeindruckende Szenen für das Staffelende, tja, und nu? Einblendung des Serientitels. Blick in die Zukunft, gefällt mir…What the fuck? (was sich mehr auf die nachempfundene Szene aus einem berühmten Klassiker bezieht). Klasse Ende, ich wünschte, es würde keine Fortsetzung geben. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Kardinal Angelo Voiello ist der Staatssekretär des Vatikans. Seit Ewigkeiten bekleidet er dieses Amt, zieht die Strippen im Hintergrund und sieht langsam seine Zeit gekommen, selbst Papst zu werden. Gespielt wird Kardinal Voiello von dem italienischen Schauspieler Silvio Orlando. Er hat in zahlreichen italienischen TV- und Spielfilmproduktionen mitgespielt.

Kardinal Bernardo Gutiérrez zählt zum engen Kreis von Kardinalstaatssekretär Voiello aber später auch dem Papst John Paul III. Gespielt wird Gutierrez von dem spanischen Schauspieler Javier Cámara. Er hat in Pedro Almodóvars Filmen „Talk to Her“, „Bad Education“ und „I´m So Excited“ mitgespielt.

Kardinal Sir John Brannox besitzt ein riesiges Anwesen in England. Dort lebt er mit seinen schwerkranken Eltern, die aber in einem anderen Flügel seines Schlosses residieren und seit dem frühen Tod von Johns Zwillingsbruders mit ihm kein Wort reden. Sir John wirkt leicht exzentrisch ist aber verletzlich und scheint auch irgendein Geheimnis zu haben. Der als moderat geltende Kardinal ist der Wunschkandidat einiger Kardinäle und wird später auch zum Papst gewählt. Er nennt sich Johannes Paul III. Gespielt wird Sir John Brannox von dem amerikanischen Schauspieler John Malkovich. Er hat in vielen Kinofilmen ( u.a. „Dangerous Liasons“, „Of Mice and Men“, „Burn After Reading“, Changeling) mitgespielt. Malkovich galt immer schon als einer der interessantesten Charakterschauspieler, ihm wurde dann sogar der originelle Film „Being John Malkovich“ gewidmet. John Malkovich hat auch bereits als Regisseur („The Dancer Upstairs“) gearbeitet und produziert gelegentlich auch Kinofilme („Juno“, „The Perks of Being a Wallflower“) Er wurde zwei Mal für den Oscar (für „Places in the Heart“ – seine erste offizielle Rolle in einem Kinofilm – und „In the Line of Fire“) nominiert. Außerdem hat er drei Emmy-Nominierungen für die TV-Formate „Death of a Salesman“, „RKO 281“ und „Napoléon“ erhalten. Für seine Performance in Volker Schlöndorffs TV-Film „Death of a Salesman“ wurde er mit dem Emmy ausgezeichnet. 

Sofia Dubois ist die PR-Managerin des Heiligen Stuhls. Gespielt wird Sofia von der belgischen Schauspielerin Cécile de France. Sie hat in unzähligen französischen Spielfilmen mitgewirkt. Ich habe sie bisher nur in Clint Eastwoods Film Hereafter gesehen

Der amerikanische Papst Pius III liegt nach einem Herzinfarkt im Koma. Mehrere Herztransplantationen sind bereits gescheitert. Er wird als lebender Heiliger gesehen und erscheint einigen Gläubigen und Geistlichen als Geist und Berater. Am Ende dieser Staffel muss man sich fragen, wer ist Lenny? Gläubige haben dazu sicher eine eindeutige Antwort.  Gespielt wird Papst Pius XIII von dem englischen Schauspieler Jude Law. Mir ist er erstmalig in „Gattaca“ aufgefallen und kurz darauf in „Midnight in the Garden of Good and Evil“. Seinen großen Durchbruch hatte Jude Law wohl durch seine Rolle in Anthony Minghellas Patricia Highsmith-Verfilmung „The Talented Mr. Ripley“. Seither ist er in vielen britischen und amerikanischen Produktionen zu sehen. Für seine Rollen in „The Talented Mr. Ripley“ und „Cold Mountain“ hat er jeweils eine Oscar-Nominierung erhalten.

Der Abschluss der zweiten Staffel ist für mich nahezu perfekt, Paolo Sorrentino plant aber eine weitere Staffel, er sieht dieses Projekt als Trilogie. 

Überwiegend ist auch diese Staffel in der italienisch und englischen Sprache. Episode 2 und 7 von „The New Pope“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2019 gezeigt. Vom 10.01.20 – 07.02.20 lief die gesamte Staffel dann erstmalig auf HBO. In Deutschland ist die Serie seit dem 20.02.20 bei Sky Atlantic zu sehen.

Trailer von „The New Pope“ zu sehen:

 

ein Vorspann zu sehen:

 

der noch besserer Vorspann, ab Episode 7 zu sehen:

 

TV – Serie: „The Outsider“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„The Outsider, 1. Staffel“ (in D. auf Sky Atlantic zu sehen)  10 x approx. 60 min   drama, crime, thriller, horror, adaptation

dir. Jason Bateman, Andrew Bernstein, Igor Martinovic, Karyn Kusama, Daina Reid, J.D. Dillard, Charlotte Brändström  cast: Ben Mendelsohn, Cynthia Erivo, Bill Camp, Julianne Nicholson, Mare Winningham, Paddy Considine, Jason Bateman, Yul Vazquez, Marc Menchaca, Jeremy Bobb, Max Beesley, Derek Cecil 

 

In Cherokee City, Georgia wird die übel zugerichtete, blutüberströmte Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Es sieht sogar so aus, als wäre das Kind regelrecht zerfleischt worden. Einige Indizien, Fingerabdrücke und Zeugenaussagen deuten daraufhin, dass der Familienvater und beliebte Lehrer und Baseball-Trainer Terry Maitland (Jason Bateman) der Mörder ist. Det. Ralph Anderson (Ben Mendelsohn) ermittelt in dem Fall und lässt Terry schließlich festnehmen. Der besteht aber darauf, zum vermeintlichen Tatzeitpunkt nicht mal in der Stadt gewesen zu sein. Es tauchen Beweise auf, die Terrys Aussage stützen, aber da sind immer noch DNA-Spuren am Tatort und die Zeugenaussagen, Terry kann unmöglich an zwei Orten gleichzeitig gewesen sein. Irgendetwas stimmt doch hier nicht und wer ist dieser unheimliche Typ mit dem Kapuzenpulli?

 

B (Wertung von A bis F) „The Outsider“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Stephen King („The Shining“, „Misery“, “The Shawshank Redemption“). Serienschöpfer ist der amerikanische Roman- und Drehbuchautor Richard Price („The Color of Money“, „Sea of Love“, „Shaft“, TV-Serien „The Wire“ und The Night Of). Regie führen u.a. der Schauspieler und Filmemacher Jason Bateman und die Filmemacherin Karyn Kusama (The Invitation, „Destroyer“). 

Ich kannte Stephen Kings Buch nicht und wusste auch nicht wirklich, worauf ich mich einlasse. Im amerikanischen Kino zeigen sie – bevor die Trailer gezeigt werden und der Film offiziell beginnt – oft Vorschauen von TV-Serien, die demnächst anlaufen. Da wurde ich vor einigen Monaten auf „The Outsider“ aufmerksam. Ben Mendelsohn, Bill Camp und Cynthia Erivo in einer scheinbar spannenden, düsteren Serie – das habe ich mir natürlich sofort notiert. Worum es hier genau geht, erfährt man erst nach ein paar Episoden. Der langsame Handlungsaufbau und die vielen Charakter haben auch etwas verhindert, dass ich gleich richtig in diese Serie reinfand. Dennoch gefiel mir was ich sah, in der Folge 5 („Tear Drinker“) gruselte ich mich erstmalig richtig und fand es dann kaum auszuhalten, dass ich immer eine gesamte Woche auf eine weitere Episode warten musste. „The Outsider“ ist anfangs mehr Drama/ Krimi, aber mit einer mysteriösen Geschichte und schließlich Thriller mit übernatürlichen Horror-Elementen. 

Es ist keine TV-Serie, die man nebenbei gucken kann. Dafür gibt es einfach zu viele Charaktere und handlungsrelevante „Kleinigkeiten“, die man schnell verpassen kann. Das war für mich auch ein Grund dafür, dass ich alle zehn Episoden bei der zweiten Sichtung in zwei Sitzungen geschaut habe. 

Ben Mendelsohns Ralph Anderson führt einen hier durch die gesamte Story. Er ist der ermittelnde Cop in dem Kindermordfall. Ralph hat aber noch ein eigenes Päckchen zu tragen, sein Sohn ist vor einem Jahr gestorben. Durch einen „Vorfall“ wird er dazu verdonnert, zum Psychologen zu gehen. Das ist natürlich gar nicht sein Ding, Er ist sehr rational, glaubt einzig an die Dinge, die er sieht. Als in dem aktuellen Kindermordfall dann plötzlich schwer erklärbare, ja übernatürliche Dinge die Auflösung bestimmen, kann er damit schlecht umgehen. Det. Ralph Anderson taugt sicher für die meisten Zuschauer als Identifikationsfigur. Ich sehe Ben Mendelsohn wahnsinnig gerne. Ich weiß nicht, ob mir das vorher schon aufgefallen ist, aber ich mag auch seine raue, tiefe  Stimme und nuschelige Sprache. Schauspielerisch ist er sowieso top, durch die Bank sind aber alle Schauspieler sehr gut und auch perfekt besetzt. Hervorheben möchte ich aber dennoch besonders Cynthia Erivo, Bill Camp und Julianne Nicholson. 

Um so mehr ich darüber nachdenke, um so mehr mag ich, wie die Serie (und wahrscheinlich auch die Romanvorlage) mit dem Thema Schmerz und Trauer umgeht. Leidende, Trauernde, körperlich oder psychisch Verletzte sind sicher auch verwundbarer, also anfälliger für, ja weiteren Schmerz, der ihnen zugefügt wird. Oder anders herum, wie hier, das Böse fühlt sich vom Schmerz angezogen. Vielleicht sind diese Menschen auch oftmals offener für Übernatürliches. Ein Todesfall innerhalb der Familie hat zweifelsfrei Auswirkungen auch auf den Rest der selbigen, auch das wird hier in, mitunter interessante Geschichten eingebettet. 

Ich kann nicht behaupten, dass am Ende dieser zehn Episoden jedes einzelne Detail für mich in einem Zusammenhang gebracht wurde. Es bleiben einige Fragen, was ich aber nicht als störend empfand. 

Meine Lieblingsepisode: Folge 5 („Tear-Drinker“)

Mein Lieblingszitat, gerade in dem hier dargestellten Zusammenhang: „An outsider knows an outsider“

Im Staffelfinale („Must/Can´t“) gibt es während des Abspanns ein, bzw. zwei wichtige Szenen! Also nicht vorher ausmachen. Zur letzten Episode und diesen Abspann-Szenen habe ich mir ein paar Gedanken gemacht bzw. habe ich ein paar Fragen:

 

 

SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER

Noch in der Höhle mit El Cuco: Warum fragt Holly „Wer ist Terry“ (Sie weiß doch ganz genau, wer Terry ist, deshalb wurde sie engagiert)

Warum wird zum Schluss der finalen Episode Frankie Peterson Grabstein eingeblendet, interpretiere ich da zu viel herein, endet die Staffel letztlich nur so wie sie anfing, mit seinem Tod? 

Abspann-Szenen: 

Holly hat im Badezimmer-Spiegel Jack gesehen und hat unmittelbar zum Spiegel gegriffen und ihren Nacken begutachtet, mmmh. Wir als Zuschauer können ihren Nacken nicht sehen. 

Warum spielt Holly mit ihren Haaren (hat sie vorher nie getan)? Warum hört sie Musik? (irgendwann hat sie mal verlauten lassen, dass sie gar keine Musik mag). 

Auf Hollys Unterarm ist definitiv ein Kratzer zu sehen. 

Warum wird der Song „Washington Square“ von dem ihr Ralph erzählt hat (die Anekdote mit seiner Mutter) zum Schluss im Radio gespielt? Das wusste ich tatsächlich nur, weil ich mir immer englische Untertitel einblende und dort die Songs auch genannt werden. 

Holly ist (zusammen mit El Cuco) der Außenseiter dieser Geschichte, wie sie selbst am Ende der Serie äußert. El Cuco kratzt ein Opfer, häutet sich bis er schließlich in einen anderen Körper wandert, die Form des Opfers angenommen hat. Für seine Transformation braucht er ungefähr 27 Tage. Holly leidet unter dem Verlust von Andy, ist verwundbar, hat bereits einen Kratzer auf dem Unterarm  (Ralph hat einen Kratzer im Gesicht, er scheint sich aber langsam mit dem Tod seines Sohnes abgefunden haben)

Frage: Deutet es jetzt darauf hin, dass Holly langsam unter dem Einfluss von El Cuco steht? Wenn sie sich in ihn verwandeln würde, hätte sie sicher keinen Kratzer. Sie könnte aber unter seinem Einfluss stehen, wie Jack seinerzeit. Scheinbar ist ihr bewusst, dass das passieren könnte. Ich habe mir die letzte Episode, wie alle anderen Folgen, ein zweites Mal angeschaut, konnte nicht erkennen, dass Holly gekratzt wurde. Alles sehr mysteriös.

SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE 

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Det. Ralph Anderson ist der ermittelnden Polizist in dem Fall des getöteten Jungen. Er ist mit Jeannie (gespielt von Mare Winningham) verheiratet, die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, der ein Jahr zuvor an Krebs gestorben ist. Ralph hat den frühen Tod seines Sohnes immer noch nicht richtig verarbeiten können. Gespielt wird Ralph Anderson von dem australischen Schauspieler Ben Mendelsohn. Mir ist er tatsächlich das erste Mal in einem meiner Lieblingsfilme Animal Kingdom aufgefallen. Seither habe ich ihn in unzähligen Filmen (u.a. Starred Up, Slow West, Mississippi Grind, Darkest Hour) gesehen. Auch war er großartig in der TV-Serie „Bloodline“. Für seine Performance in den drei Staffeln dieser Serie wurde er drei Mal für den Emmy nominiert, für die zweite Staffel von „Bloodline“ hat er den Emmy gewonnen. 

Holly Gibney ist eine Privat-Ermittlerin. Sie hat autistische Züge, ist dem Übernatürlichem offen und hat einige besondere Gaben. Da die Gesetzeshüter in dem Fall des getöteten Jungen nicht weiterkommen, wird sie einbezogen. Gespielt wird Holly von der englischen Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin Cynthia Erivo. Cynthia Erivo kommt vom Theater, war in einigen TV-Produktionen („Mr. Selfridge“, „Broad City“) zu sehen. Ich war überrascht, dass Cynthia Erivos Filmographie erst drei, bereits abgedrehte Filme (Widows, Bad Times at the El Royale und „Harriet“) umfasst. Für ihren dritten  Film („Harriet“) hat sie dieses Jahr gleich zwei Oscar-Nominierungen (Beste Hauptdarstellerin und Bester Song) erhalten. Für ihre Hauptrolle in dem Broadway-Musical „The Color Purple“ hat sie den Tony gewonnen. Sie hat außerdem für „The Color Purple“ einen Grammy für das Best Musical Theater Album und einen Emmy für Outstanding Musical Performance in a Daytime Program gewonnen. Die Chancen stehen hervorragend, dass die erst 33-jährige Cynthia Erivo schon bald einen Oscar gewinnt und damit zu einer der wenigen, sogenannten EGOT-Gewinner (die einen Emmy, Grammy, Oscar und Tony gewonnen haben) gehört. 

Lt. Yunis Sablo ist ist Lieutenant des GBI (Georgia Bureau of Investigation), somit für die Strafverfolgung des Staates Georgia zuständig. Er arbeitet mit Det. Ralph Anderson (gespielt von Ben Mendelsohn) zusammen. Yunis wird von dem kubanisch-amerikanischen Gitarristen (der Bands Urgent und Diving for Pearls) und Schauspieler Yul Vazquez gespielt. Er hat in einigen TV-Serien (Bloodline , The Looming Tower, „Midnight, Texas“, Russian Doll) mitgewirkt und war auch bereits in großen Filmproduktionen („Traffic“, „War of the Worlds“, „American Gangster“, „Che: Part One & Two“, Captain Phillips, Last Flag Flying) zu sehen. 

Jeannie Anderson ist die Frau von Det. Ralph Anderson (gespielt von Ben Mendelsohn). Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, Derek, der ein Jahr zuvor an Krebs gestorben ist. Jeannie ist dem Übernatürlichen nicht ganz so abgeneigt wie ihr Gatte. Gespielt wird Jeannie von der amerikanischen Schauspielerin Mare Winningham. Zu sehen war sie in unzähligen Serien (u.a. The Affair, „American Horror Story: Hotel“, sie hat aber auch kleinere Rollen in Kinofilmen (Philomena, Dark Waters) gespielt. Mare Winningham wurde insgesamt  7 Mal für den Emmy nominiert (für ihre Performance in „Amber Waves“, „Love is Never Silent“, The Boys Next Door“, „George Wallace“, „Law & Order: Special Victims Unit“, Mildred Pierce und „Hatfields & McCoys“). Gewonnen hat sie zwei Emmys für „“Amber Waves“ und „George Wallace“. Sie hat außerdem eine Oscar-Nominierung für ihre Performance in dem Film  „Georgia“ aus dem Jahr 1995.

Terry Maitland ist Lehrer und Baseball-Trainer für Kinder.  Er wird verdächtigt, einen Jungen getötet zu haben. Terry ist mit Glory (Julianne Nicholson) verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, Maya und Jessa. Gespielt wird Terry von dem amerikanischen Schauspieler, Regisseur  und Produzenten Jason Bateman. Er hat bereits als Kind in „Little House on the Prairie“ gespielt und spielt seither in unzähligen Filmen (Juno, Up in the Air, Disconnect, The Gift, Game Night) und vielen TV-Serien („Arrested Development“, Ozark) mit. Für die TV-Serien „Arrested Development“ und „Ozark“ wurde er insgesamt für 7 Emmys (als Schauspieler, Regisseur und Produzent) nominiert. Im letzten Jahr hat er für eine Episode von „Ozark“ einen Emmy als Regisseur gewonnen. Bei den ersten beiden Episoden von „The Outsider“ führt Jason Bateman auch Regie. 

Glory Maitland ist die Frau von Terry (gespielt von Jason Bateman). Gespielt wird Glory von der amerikanischen Schauspielerin Julianne Nicholson. Bekannt ist sie den meisten wahrscheinlich durch die TV-Serie „Law & Order: Criminal Intent“, sie hat aber auch in anderen TV-Serien, u.a.  Boardwalk Empire und „Masters of Sex“ mitgespielt und war auch in kleineren Rollen in Kinofilmen (August: Osage County, Black Mass, Novitiate und I, Tonya zu sehen. 

Howard Salomon ist der Anwalt von Terry und Glory Maitland (gespielt von Jason Bateman und Julianne Nicholson). Gespielt wird Howard Salomon von dem wunderbaren amerikanischen Schauspieler Bill Camp. Ich weiß nicht warum, aber mir ist er erst sehr spät, genauer: mit der TV-Serie: The Night Of erstmalig aufgefallen. Seither gucke ich mir aber TV-Serien (The Looming Tower) und Filme mitunter sogar schon seinetwegen an. Seine erste Filmrolle hatte er in „Reversal of Fortune“. Ich habe ihn u.a. in Lincoln, 12 Years a Slave, Birdman, Molly´s Game, Skin, Dark Waters gesehen. Der Charakterschauspieler wurde für seine Performance in der TV-Serie „The Night Of“ für den Emmy nominiert. Auch wurde er für seine Darstellung in dem Theaterstück „The Crucible“ für den Tony nominiert. 

Claude Bolton saß bereits einige Male im Gefängnis, ist jetzt auf Bewährung draußen, arbeitet in dem Stripclub Peach Crease und will den Tatverdächtigen Terry Maitland (gespielt von Jason Bateman) blutverschmiert gesehen haben. Gespielt wird Claude von dem englischen Musiker, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Paddy Considine. Er hat in unzähligen Filmen, u.a. „Hot Fuzz“, „The Bourne Ultimatum“, The World´s End, Child 44, „The Death of Stalin“ mitgespielt. Er ist aber auch für das Drehbuch und die Regie von einem meiner Lieblingsfilme, Tyrannosaur, verantwortlich. Im letzten Jahr wurde er für seine Performance in dem Theaterstück „The Ferryman“ für den Tony nominiert. 

Det. Jack Hoskins ist Polizist und Kollege von Det. Ralph Anderson. Jack ist Jäger und Scharfschütze, kürzlich wurde er von seiner Frau verlassen. Det. Jack Hoskins wird von dem amerikanischen Schauspieler Marc Menchaca gespielt. Er hat in zahlreichen TV-Serien (u.a. der ersten Staffel von Homeland und Ozark, und „The Sinner“) mitgespielt. 

„The Outsider“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch. Update: „The Outsider“ wurde für einen Emmy nominiert (Outstanding Guest Actor in a Drama Series für Jason Bateman)

„The Outsider“ wurde erstmalig v. 12.1.20 – 8.3.20 auf HBO gezeigt. In Deutschland ist diese Miniserie (oder TV-Serie) bei Sky Atlantic zu sehen. Offiziell ist noch keine zweite Staffel bestätigt. Zwei Szenen inmitten des Abspanns der finalen Episode, lassen aber vermuten, dass es eine Fortsetzung gibt. „The Outsider“ hat für HBO extrem gute Einschaltquoten erzielt. Außerdem wenn man bei AppleTV und HBO genau hinschaut, sieht man, dass bei „The Outsider“ für  2 Staffeln angelegt ist. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

TV – Serie: „True Detective, 3. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„True Detective, 3. Staffel“ (in D. auf VOD erhältlich)  8 x approx  60 min  drama 

dir. Jeremy Saulnier, Daniel Sackheim, Nic Pizzolatto  cast: Mahershala Ali, Carmen Ejogo, Stephen Dorff, Scoot McNairy, Ray Fisher, Mamie Gummer, Michael Greyeyes, Michael Graziadei, Steven Williams, Sarah Gadon

 

Im Jahr 2015 in Arkansas. Wayne Hays (Mahershala Ali) ist im Ruhestand. Im Jahr 1980 hat er als Detective bei der Polizei in Arkansas gearbeitet. Ihn beschäftigt immer noch ein Verbrechen aus diesem Jahr. Damals wurde die Leiche eines 12-jährigen Jungen entdeckt und seine 10-jährige Schwester als vermisst gemeldet. Er hatte seinerzeit mit seinem Partner Roland West (Stephen Dorff) in dem Fall ermittelt. Jetzt 35 Jahre später ist er von zunehmender Demenz geplagt und wird nochmal mit dem Fall konfrontiert. Für ein True Crime-Projekt wird er befragt und versucht sich die Tage und Wochen nach dem Verbrechen ins Gedächtnis zu rufen. Auch die Entwicklungen zehn Jahre später, als dieser Fall neu aufgerollt wird, kommen dabei wieder ans Tageslicht. Seine mittlerweile verstorbene Ehefrau (Carmen Ejogo) hatte seinerzeit ein Buch über den ungelösten Fall und über die Auswirkungen auf ihr Familienleben geschrieben. Er hatte es nie gelesen… 

 

B- (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der „True Detective“-Reihe ist der amerikanische Roman- und Drehbuchautor Nic Pizzolatto. Jede der drei Staffeln erzählt eine abgeschlossene Geschichte. Während bei der kompletten ersten Staffel der amerikanische Filmemacher Cary Fukunaga (Jane Eyre, Beasts of No Nation) Regie führte sollte ursprünglich bei der dritten Staffel auch nur ein Filmemacher die künstlerische Leitung übernehmen. Die Inszenierung aller acht Episoden des amerikanischen Filmemacher Jeremy Saulnier (Blue Ruin, Green Room) hätte ich nur allzu gern gesehen. Später hiess es, er teilt sich die Regiearbeit mit Serienschöpfer Nic Pizzolatto. Fakt ist, Jeremy Saulnier ist, nachdem er die ersten zwei Episoden abgedreht hatte, etwas überraschend als Regisseur ausgestiegen. Der TV- und Film-Regisseur Daniel Sackheim (TV-Serie Ozark, „The Glass House“) hat dann bei vier Episoden die Regie übernommen und Nic Pizzolatto gab mit Episode 4 und 5 sein Regiedebüt.

Die zweite Staffel, die Pizzolatto nach dem Erfolg der ersten schnell aus dem Hut gezaubert hat, hatte mich nie wirklich interessiert. Entsprechend ist es bei mir jetzt fünf Jahre her, dass ich True Detective gesehen habe. Als ich jetzt die dritte Staffel begann, fühlte ich mich schnell wieder an die erste erinnert. Ein Detective wird vorgeladen und zu einem Verbrechen befragt, an dem er vor Jahren ermittelte. Während die erste Staffel in Louisiana spielte, ist die Handlung der dritten Staffel in den auch recht pittoresken Ozarks, im Nordwesten des Bundesstaates Arkansas, angesiedelt. Der Serienschöpfer, Produzent, Autor und Neu-Regisseur Nic Pizzolatto hat selbst ein paar Jahre in Fayetteville im Bundesstaat Arkansas gelebt.

Die dritte Staffel springt – wie bereits die solide Ursprungsstaffel mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson – zwischen mehreren Zeitebenen. Hier ist es das Jahr 1980, 1990 und 2015. Als Werkzeug, um in die dritte Zeitebene zu gelangen, wird hier recht smart (nicht wie bei Halloween) ein True Crime-Format eingesetzt. 

Vordergründig ist „True Detective“ wohl als Charakterstudie anzusehen. Hier wird man als Zuschauer über einen Zeitraum von 35 Jahren zum Wegbegleiter von Wayne Hays (und zu einem geringeren Anteil auch von seinem Partner Roland West). Ich mag die Charakterentwicklung. Dadurch wird auch eine gewisse Spannung aufgebaut, wenn man als Zuschauer überlegt, wie es zu der Veränderung der Lebenssituation und auch der Partnerschaft der beiden Polizisten (gespielt von Mahershala Ali und Stephen Dorff) gekommen ist. Das eigentliche Verbrechen ist dabei der rote Faden. Die Aufklärung des Verbrechens ist recht unspektakulär, beinahe banal. Jede Zeitebene hat seine eigene Farbgebung und ein bestechend realistisches, detailgetreues Set- und Kostümdesign.

Ich mag die dritte Staffel hauptsächlich aufgrund ihrer Machart und der Performance von Mahershala Ali.  Er strahlt eine Ruhe und Selbstsicherheit aus, ist unglaublich wandelbar und kann überzeugend Typen auf beiden Seiten des Gesetzes spielen. Hier spielt er einen Mann im Alter von 34, 44 und knapp 70 Jahren. Mir kam es bei diesem Projekt vor, als würde ich eine Art Boyhood, sehen, bei dem tatsächlich erst mit einem Abstand von 10 bzw. 25 Jahren die Dreharbeiten fortgesetzt wurden. Nie wirkt es, als wäre Mahershala Alis Charakter Wayne Hays  auf „älter“ oder „alt“ geschminkt. Selbst seine Stimme und Sprache, die Körperhaltung, sein Gang verändern sich – wie im normalen Leben – über so einen längeren Zeitraum – eine sehr facettenreiche Performance. Das trifft auch zum großen Teil auf Stephen Dorff und seinen Charakter Roland West zu. Mahershala Ali musste den Serienschöpfer Nic Pizzolatto erst überreden, dass er in der dritten Staffel die Hauptrolle übernimmt. Ein rassistischer Aspekt sollte nicht dominierend sein. Ist es auch glücklicherweise nicht, der Rassismus wird mehr subtil thematisiert. 

Meine Lieblingsepisoden: 1. und 2.  („The Great War and Modern Memory“, „Kiss Tomorrow Goodbye“)

Meine Lieblingsszenen: Das erste Zusammentreffen zwischen Wayne Hays und Roland West nach über zwanzig Jahren (Episode 5 „If You Have Ghosts“) aber auch viele anderen Szenen zwischen den beiden älteren Herren im Jahr 2015 haben mich berührt. 

„True Detective“ ist sicherlich keine Serie für Freunde der temporeichen Erzählung. Auch die dritte Staffel schreitet mit einem ähnlich langsamen Tempo voran wie die erste. In meinen Augen bedarf es keiner acht Folgen, die Geschichte hätte man auch in fünf oder sechs Folgen erzählen können. Das Staffelfinale („Now Am Found“) hingegen ist strukturell etwas missraten (so gibt es eine Auflösung, die besser an das Ende der vorletzten Episode gehört hätte) außerdem ist die letzte Folge im Ganzen etwas verwirrend. Später habe ich gelesen, dass der Serienschöpfer und Autor Nic Pizzolatto rund zwei Stunden für die finale Episode einplante, die aber auf knapp 80 Minuten gekürzt werden musste. Die Beantwortung einer bestimmten Frage, die sich mir stellte, ist vielleicht dem Schnitt zum Opfer gefallen. Die beiden finalen Szenen der dritten Staffel lassen Raum für Interpretationen. 

 

SPOILER

Die Szenen mit Wayne und seiner Tochter Becca fand ich seltsam. Vater und Tochter haben sich seit längerer Zeit nicht mehr gesehen, es wird aber nie genau erklärt, warum. Dann fährt Wayne zu der Adresse, vergisst aber, was er da eigentlich wollte, ruft seinen Sohn an und lässt sich von ihm abholen. Dann steht ihm aber plötzlich auch seine Tochter gegenüber und fährt ihren Vater nach Hause. Später besucht Roland seinen Freund Wayne. Wayne sitzt mit seiner Tochter und seiner Schwiegertochter auf der Veranda. Waynes Sohn stellt seine Frau vor. Waynes Tochter wird von niemanden beachtet, auch nicht von Roland begrüßt. Entspringen die Szene mit Wayne und seiner Tochter Waynes Fantasie, seinem Wunsch seine komplette Familie samt Freund Roland um sich zu haben? Ich fand es etwas irritierend. 

Die Serie endet dann zunächst mit einer Rückblende. Wayne sitzt in einer Bar und macht Amelia eine Art Heiratsantrag, später verlassen sie die Bar gemeinsam. Als sie aus der Bar schreiten, erscheint helles Licht. Da könnte man „den Himmel“ bzw. ein gemeinsames „Leben nach dem Tod“ reininterpretieren, aber nicht zwingend. Zum Abschluss sieht man Wayne dann in Dschungel in Vietnam. In der allerletzten Szene wendet sich Wayne zurück, blickt fast in die Kamera. Das Ende kann man verschieden interpretieren, so richtig konnte ich mir da erst keinen Reim darauf machen. Definitiv bezweifle ich, dass Wayne schon länger tot ist. Ich deute dieses abstrakte Ende eher so, dass Wayne nun bereit ist loszulassen, von seinen Vietnamerfahrungen, diesem Fall, der ihn über 35 Jahre beschäftigte und nun auch von seiner längst verstorbenen Frau Amelia (auch wenn ich die Beziehung nie so richtig nachvollziehen konnte und ich immer noch nicht weiß, wann und woran sie eigentlich gestorben ist). Dazu passt auch der Song, der das Finale untermalt: „St. James Infirmary Blues“. Das Thema Erinnerung bestimmte die gesamte dritte Staffel, auch dafür wäre es ein solider Abschluss. 

SPOILER ENDE

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Wayne „Purple“ Hays ist ein Vietnam-Kriegsveteran und im Jahr 1980 ein 34-jähriger Detective bei der Arkansas State Police. Er ermittelt, zusammen mit seinem Partner, Detective Roland West (gespielt von Stephen Dorff) in dem Mord- und Vermisstenfall der 12- und 10 Jährigen Kinder. Der Fall konnte seinerzeit nicht geklärt werden und wird zehn Jahr später neu aufgerollt. Weitere 25 Jahre später ist Wayne Hays 70 Jahre alt, längst pensioniert und wird von den Produzenten eines True Crime Formats erneut an den Fall erinnert. Er ist aber mittlerweile an Demenz erkrankt und hat starke Erinnerungslücken. Wayne Hays wird von dem afroamerikanischen Schauspieler Mahershala Ali in drei Lebensphasen gespielt. Ich habe mal überlegt, wann mir der Schauspieler erstmalig aufgefallen ist. Dunkel kann ich mich an eine kleinere Rolle in der ersten Staffel von House of Cards erinnern, das war 2013. Ebenfalls dunkel erinnern kann ich mich, dass er in den letzten beiden Parts von „The Hunger Games“, Mockingjay Part 1 und Part 2 mitgespielt hat. Richtig schauspielerisch aufgefallen ist er mir, bzw. erstmalig namentlich erwähnt habe ich ihn in meinem Beitrag aus dem Jahr 2016 für den Film Free State of Jones, dann natürlich in Hidden Figures und Moonlight (wofür er mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet wurde). In der Nacht, in der die letzte Episode der dritten Staffel von „True Detective“ erstmalig auf HBO ausgestrahlt wurde, hat Mahershala Ali seinen zweiten Oscar für Green Book gewonnen. (Übrigens war Matthew McConaughey den US-Amerikanern vor seinem Oscar-Gewinn (für Dallas Buyers Club) im Jahr 2014 ähnlich präsent wie jetzt Mahershala Ali im Jahr 2019 vor seinem 2. Oscar-Gewinn. Von Januar bis März 2014 lief nämlich die erste Staffel von „True Detective“ auf HBO). Beide Schauspieler haben den Oscar also – mehr oder weniger – auch für „True Detective“ gewonnen. Mahershala Ali hat vor und seit seiner Kinokarriere auch in einigen TV-Serien mitgespielt (u.a. „Crossing Jordan“, „The 4400“, „Treme“, wie gesagt, „House of Cards“ und „Marvel´s Luke Cage“. Für seine Performance in „House of Cards“ wurde er für einen Emmy nominiert.

Roland West ist Detective bei der Arkansas State Police und Partner von, wie er ihn nennt „Purple“ (gespielt von Mahershala Ali). Roland hat einen Draht zu dem Vater des ermordeten Jungen und des vermissten Mädchens Tom (gespielt von Scott McNairy). Roland West wird von dem amerikanischen Schauspieler Stephen Dorff gespielt. Stephen Dorffs junger Roland West hat mich hier mehrmals an den jungen Dennis Quaid erinnert. Leider hat mich sein Haarteil manchmal etwas abgelenkt. Stephen Dorff hat in einigen Fernsehserien (u.a. Roseanne) mitgewirkt und auch in einigen Kinofilmen (u.a. „Blade“, Public Enemies, Somewhere, The Iceman) mitgespielt. 

Amelia ist Lehrerin, beginnt irgendwann Bücher zu schreiben und ist die spätere Ehefrau von Wayne Hays (gespielt von Mahershala Ali). Gespielt wird Amelia von der dunkelhäutigen britischen Schauspielerin Carmen Ejogo. Sie hat in einigen amerikanischen Kinofilmen (u.a. „The Brave One“, „Pride and Glory“, „The Purge: Anarchy“, Selma, Born to Be Blue, Roman J. Israel, Esq. mitgespielt. Auch hat sie in einigen Serien mitgewirkt, u.a. „Kidnapped“,  „Chaos“. 

Lucy Purcell ist die Mutter des ermordeten 12-jährigen Will und der vermissten 10-jährigen Julie. Sie ist Alkoholikerin und mit Tom (gespielt von Scoot McNairy) verheiratet. Gespielt wird Lucy Purcell von der amerikanischen Schauspielerin Mamie Gummer. Als Kind spielte sie bereits neben ihrer Mutter Meryl Streep in „Heartburn“, ihr Schauspieldebüt als Erwachsene gab sie jedoch in dem Film The Hoax, namentlich genannt habe ich sie erstmalig im Jahr 2007 in meinem Beitrag zu dem Film Evening. Sie hat auch in einigen anderen Kino- und TV-Projekten mitgespielt (u.a. „Stop-Loss“, Taking Woodstock, Side Effects, „Ricky and the Flash“, TV-Serie „The Good Wife“). Auch spielt sie erfolgreich Theater. 

Tom Purcell ist der Vater des ermordeten 12-jährigen Will und der vermissten 10-jährigen Julie. Tom ist mit Lucy (gespielt von Mamie Gummer) verheiratet. Gespielt wird Tom Purcell von dem amerikanischen Schauspieler Scoot McNairy. Mit Scott McNairy habe ich offensichtlich ein Problem. Ich habe ihn schon in zig Kinofilmen (Argo, 12 Years a Slave, Non-Stop, The Rover, Frank, War Machine), gesehen, finde ihn auch meist gut oder wenigstens nicht auffällig schlecht. Ich kann mir aber einfach sein Gesicht nicht merken bin sozusagen gesichtsblind was ihn angeht. Wahrscheinlich würde ich ihn nie in einem Film selbst erkennen, ich kann mir gar nicht erklären, warum das so ist.  Ein Allerweltsgesicht hat er nun auch nicht. Seltsam. 

Auch diese Staffel ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch (u.a. Beste Limited Series, Bester Schauspieler einer Mini-Serie, Mahershala Ali). Update:The Academy of Television Arts & Sciences hat die dritte Staffel von  „True Detective“ für 9 Emmys nominiert (darunter Lead Actor in a Limited Series (Mahershala Ali) Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

Die dritte Staffel von „True Detective“ wurde vom 13.1.19 – 24.2.19 erstmalig auf HBO gezeigt. In Deutschland ist die dritte Staffel über VOD (iTunes, etc.) erhältlich. 

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

TV-Serie: „Barry, 1. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Barry, 1. Staffel“ (in Deutschland über SKY zu sehen oder den iTunes Stores zu erwerben)  8 x approx. 30 min  comedy, crime, drama, thriller

dir. Bill Hader, Maggie Carey, Hiro Murai, Alec Berg  cast: Bill Hader, Stephen Root, Sarah Goldberg, Paula Newsome, Glenn Fleshler, Anthony Carrigan, Henry Winkler, Cameron Britton  

 

Barry (Bill Hader) ist ein Ex-Marine, der durch seinen Einsatz in Afghanistan depressiv wurde. Fuches (Stephen Root), ein Freund seines Vaters, den Barry als Onkel sieht, hat ihn damals unter seine Fittiche genommen. Mittlerweile ist er sein Zwischenhändler, denn Barry arbeitet als Profikiller. Sein neuer Auftrag führt ihn nach Los Angeles. Für den tschetschenischen Mafiaboss Goran Pazar (Glenn Fleshler) soll er einen Mann töten. Seine Zielperson findet er in einem Schauspiellehrgang. Von der Gruppe wird Barry fälschlicherweise auch für einen Schauspieler gehalten. Schon bald bekommt er Anerkennung und findet sogar Gefallen an der Schauspielerei – vielleicht wäre das ein neuer Start für ihn, denn Barry steckt in einer großen Lebenskrise. So einfach lässt sich sein bisheriges Leben aber natürlich nicht abschütteln, die Tschetschenen haben eine gewisse Erwartung an ihn…

 

B+ (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der neuen HBO-Serie sind der amerikanische Autor (TV-Serie „Seinfeld“) und TV-Regisseur („Curb Your Enthusiasm“) Alec Berg und der amerikanische Comedian („Saturday Night Live“) und Schauspieler Bill Hader (Adventureland, The Skeleton Twins, Trainwreck). Bill Hader spielt in dieser Serie die titelgebende Hauptrolle und hat zusätzlich bei den ersten drei Episoden Regie geführt. Dies ist Bill Haders Regiedebüt. 

„Barry“ ist eine ungewöhnliche Serie. Am Ende der rund vier Stunden, die die erste Staffel tatsächlich nur zeitlich in Anspruch nimmt, hat man eine andere Serie, als zu Beginn. Einfach zu kategorisieren ist das Ganze definitiv nicht. Die Serie ist dem Genre Krimi sowie (düstere) Comedy zuzuordnen. Es gibt einiges an Situationskomik, dabei spielt die Serie auch mit Vorurteilen. „Barry“ hat auch einen gewissen Drama-Anteil und gibt – wie ich mir habe sagen lassen – einen fast schon dokumentarischen Blick auf Schauspielschüler und einen Schauspiellehrgang in Hollywood. Am Ende der ersten Staffel macht es fast den Anschein, als würde es in Richtung Thriller gehen. In der vielfältigen Serien-Landschaft ist diese neue Serie ungewöhnlich. Für eine Serie, die unter Schauspielschülern in Hollywood spielt, gibt es erwartungsgemäß viele Referenzen auf Filme und Schauspieler. 

Bill Hader spielt den Antihelden Barry. Barry ist erstklassig als Auftragsmörder, vor allen Dingen, weil er annimmt, dass seine Opfer es auch irgendwie verdient haben, von ihm getötet zu werden (vergleichbar vielleicht mit Dexter der gleichnamigen Serie). Ihn plagt jedoch zunehmend sein Gewissen und schließlich gerät er in eine Sinn- und Lebenskrise. Als er – mehr oder weniger – durch Zufall in einen Schauspiellehrgang gerät, fühlt er sich dort aufgehoben. Zu Beginn ist er ein schlechter Schauspieler, bis er langsam lernt, seine Emotionen zu kanalisieren und in seine Performance einfliessen zu lassen. Bill Hader gibt hier eine sehr nuancierte Performance. Das Casting der gesamten Serie ist aber exzellent. 

In jedem Fall empfiehlt es sich, die Serie ein zweites Mal zu sehen. Zwischen meiner ersten und zweiten Sichtung der ersten Staffel von „Barry“ lagen die Emmy-Nominierungen und diese neue Serie hat, wenig überraschend, auch bei der Television Academy Eindruck hinterlassen. 

Wer mich kennt oder meine Beiträge hin und wieder liest, weiß, dass ich Filme und Serien ausschließlich in der Originalfassung gucke.  Ich versuche, dieses sensible Thema nicht auszureizen und versuche eigentlich nur noch daraufhin hinzuweisen, wenn ich es als unerlässlich ansehe, ein bestimmtes Film- oder Fernsehprojekt in der OV bzw. OmU zu sehen. Da die  TV-Serie „Barry“ u.a. im Umfeld von angehenden Theaterschauspielern angesiedelt und man mit entsprechenden Performances rechnen sollte, die Serie einen guten Wortwitz und teils eine akzentreiche Sprache hat, ist definitiv davon abzuraten, sie in der Synchro zu sehen. Bei „Barry“ musste ich tatsächlich selbst die schmerzhafte Erfahrung machen, wie deutsche Synchronsprecher Performances und Dialoge hinhunzen. Meiner eigenen Unaufmerksamkeit geschuldet, habe ich mir diese  Serie im deutschen iTunes Store zuerst in der synchronisierten Fassung heruntergeladen. Ich kaufe eigentlich überwiegend im amerikanischen Store und hatte mir schon lange nichts mehr im deutschen gekauft. Entsprechend wusste ich nicht, dass man bei Kauf eines Films oder einer Serie nicht mehr auf andere Sprache zugreifen kann. Wie dem auch sei, 2 Folgen von „Barry“ habe ich in der deutschen Synchro gesehen und kann daher aus erster Hand bestätigen, dass zwischen der Originalfassung und der Übersetzung Welten liegen. 

 

Meine Lieblingsepisode: Die finale Folge („Chapter Eight: Know Your Truth“), außerdem liebe ich die letzten ca. 15 Minuten der siebenten Folge („Chapter Seven: Loud, Fast, and Keep Going“) 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Barry Berkman/ Block ist ein ehemaliger Marine, der seit Jahren als Auftragsmörder arbeitet. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Los Angeles. Er ist unzufrieden mit seinem Leben, leidet an Depressionen und kommt durch Zufall in die, von Gene M. Cousineau (gespielt von Henry Winkler) angeführte Schauspiel-Gruppe. Hier fühlt er sich erstmalig akzeptiert und findet auch Interesse an der Schauspielerei. Außerdem hat er sich in eine der Schauspielschülerinnen, Sally (gespielt von Sarah Goldberg), verknallt. Gespielt wird Barry von dem amerikanischen Stand-up-Comedian, Autor und Schauspieler Bill Hader. Berühmt wurde er durch seine Arbeit bei Saturday Night Live. Er arbeitet auch viel als Synchronsprecher für Animationsfilme und -serien, hat aber mittlerweile sein Schauspieltalent in Indies und größeren Produktionen (Adventureland, The Skeleton Twins, Trainwreck) auch schon einige Male unter Beweis stellen können. Bill Hader ist eigentlich mehr als Comedian bekannt, um so interessanter ist seine Rolle in „Barry“, bei der er sämtliche Nuancen seines Talents zeigen kann. Für seine Arbeit bei SNL wurde er für, mittlerweile vier Emmys nominiert. Kürzlich hat er für „Barry“ weitere vier Emmy-Nominierungen erhalten, neben den Kategorien Schauspiel und Regie, wurde er noch für seine Autorentätigkeit belohnt und dafür, dass er die Serie produziert.

Fuches war ein Freund von Barrys Vater. Nach Barrys traumatischen Erfahrungen als Marine in Afghanistan hat er ihn aufgefangen und ihm eine neue Aufgabe gegeben  Barry sieht ihn als seinen Onkel an. Fuches wird von dem amerikanischen Schauspieler Stephen Root gespielt. Auch er leistet viel Synchronarbeit für Animationsfilme. Für mich war Stephen Root einer dieser Schauspieler, dessen Gesicht, ich kenne, aber dessen Namen mir nicht bekannt war. Er hat in einigen TV-Serien, u.a. True Blood, „Justified“ mitgespielt, aber auch in vielen Kinofilmen No Country For Old Men, Everything Must Go, Selma, Trumbo mitgewirkt. Erst im letzten Jahr war er in Get Out zu sehen. 

Goran Pazar ist ein tschetschenischer Mafiaboss. Barry (gespielt von Bill Hader) hat über Fuches (gespielt von Stephen Root), den Auftrag angenommen, den vermeintlichen Liebhaber von Gorans Frau zu töten. Goran wird von dem amerikanischen Schauspieler Glenn Fleshler gespielt. Auch er fällt für mich in die Kategorie „oft gesehen, der Name ist mir trotzdem nicht bekannt“. Glenn Fleshler hat in vielen TV-Serien, u.a. „Boardwalk Empire“, True Detective, The Night Of mitgespielt, war aber auch in einigen Kinofilmen (All Good Things, A Most Violent Year, Suburbicon zu sehen. 

Gene M. Cousineau ist Schauspiellehrer. Als Schauspieler ist er selbst nicht sonderlich erfolgreich, dafür leitet er einen Schauspiellehrgang. Einer seiner Schauspielschüler ist irgendwann Barry (gespielt von Bill Hader). Gene M. Cousineau wird von dem legendären amerikanischen Schauspieler Henry Winkler gespielt. Berühmt wurde er für seine Rolle als Fonzie bzw. The Fonz in der 1970er Jahre-Serie „Happy Days“. In dieser TV-Serie hat er neben dem damaligen Schauspieler, der heutigen Regie-Größe Ron Howard gespielt. Später hat er immer wieder mit Ron Howard zusammengearbeitet. Er hat auch u.a. in den Serien „Arrested Development“,„Royal Pains“ und „Parks and Recreation“) mitgewirkt. Für seine Rolle in „Happy Days“ wurde er für drei Emmys nominiert. Außerdem hat er eine Emmy-Nominierung für seine Gastrolle in den Serien „Battery Park“ und „The Practice“ und aktuell ist er für seine Performance in „Barry“ für einen Emmy nominiert.  

NoHo Hank ist die rechte Hand des tschetschenischen Gangsterbosses Goran Pazar (gespielt Glenn Fleshler). NoHo wird von dem amerikanischen Schauspieler Anthony Carrigan gespielt. Er hat sich bisher hauptsächlich durch Serien (u.a. „The Forgotten“, “The Flash“, „Gotham“) einen Namen gemacht. 

Detective Janice Moss ist die ermittelnde Polizistin in dem Fall des ermordeten Schauspielschülers. Sie tappt ziemlich im Dunklen, aber dann doch irgendwie nicht. Janice wird von der amerikanischen Schauspielerin Paula Newsome gespielt. Vorwiegend ist die Schauspielerin durch TV-Serien (u.a. „Ally McBeal“, „Dharma & Greg“, Transparent) bekannt. Sie hat aber auch in Kinofilmen („Little Miss Sunshine“ und Things We Lost In the Fire) mitgewirkt. Ich mag die Serienfigur Janice sehr gerne und könnte mich über sie totlachen.  

Den Schauspieler Cameron Britton (der einen der Serienmörder in der exzellenten Serie Mindhunter spielt) habe ich sofort an seiner Stimme erkannt. Diese Stimme erkenne ich aus einer Millionen Stimmen heraus. In „Barry“ spielt er einen IT-Mitarbeiter des Polizeipräsidiums in Los Angeles. Kürzlich wurde er übrigens für seine Performance in „Mindhunter“ für den Emmy nominiert. 

Apropos Emmys. „Barry“ ist im Jahr 2018 für 13 Emmys (darunter Outstanding Comedy Series, Outstanding Lead Actor in a Comedy Series, Bill Hader, Outstanding Supporting Actor, Henry Winkler, Outstanding Directing) nominiert worden. Update: „Barry“ hat drei Emmys gewonnen: Outstanding Lead Actor in a Comedy Series (Bill Hader), Outstanding Supporting Actor in a Comedy Series (Henry Winkler) und Outstanding Sound Mixing for a Comedy

Die erste Staffel von „Barry“ wurde vom 25.03.18 – 13.05.18 erstmalig auf HBO ausgestrahlt. Sie bildet eine vielversprechende Basis für weitere Staffeln. Eine zweite Staffel ist bereits bestätigt. In Deutschland kann man „Barry“ bei dem Pay-TV-Sender Sky sehen oder über den iTunes Store erwerben. 

Trailer zu sehen:

 

 

 

TV-Serie: „Big Little Lies“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Miniserie angeschaut:

 

„Big Little Lies“ (in Deutschland seit dem 19.05.17 auf DVD zu erhalten, im Free-TV ab dem 30.05.18 auf VOX um 20.15 Uhr zu sehen) 7 x approx. 55 min drama, mystery, adaptation
dir. Jean-Marc Vallée cast: Reese Witherspoon, Nicole Kidman, Shailene Woodley, Alexander Skarsgard, Laura Dern, Adam Scott, Zoé Kravitz, James Tupper, Jeffrey Nordling

 

Monterey, Kalifornien. Bei einer abendlichen Schulveranstaltung wurde jemand ermordet, weder der Mörder noch der Täter sind bekannt. Rückblick. Die Sommerferien sind zu Ende. Die alleinerziehende Jane Shapman (Shailene Woodley) ist gerade mit ihrem sechsjährigen Sohn nach Monterey gezogen. Noch vor dem ersten Schultag lernt sie Madeline Mackenzie (Reese Witherspoon) kennen. Madeline macht sie auch mit ihrer besten Freundin Celeste Wright (Nicole Kidman) bekannt. Janes Sohn, Madelines Tochter und die Zwillinge von Celeste gehen alle in dieselbe erste Klasse der örtlichen Grundschule. Noch am ersten Tag behauptet die Tochter von Renate (Laura Dern) von Janes Sohn gewürgt worden sein. Würde sich Madeline nicht gleich auf Janes Seite schlagen, wäre sie und ihr Sohn bestimmt schnell aus der Gemeinschaft ausgegrenzt worden. Aber auch Madeline hat ihre Probleme, sie hat es immer noch nicht überwunden, dass Nathan (James Tupper) sie vor fünfzehn Jahren für die wesentlich jüngere Bonnie (Zoe Kravitz) verlassen hat. Celeste führt mit ihrem, um einiges jüngeren Ehemann Perry (Alexander Skarsgard) eine sehr leidenschaftliche Beziehung, aber er wird ihr gegenüber zunehmend gewalttätig. Warum ist Jane eigentlich nach Monterey gezogen?

B (Wertung von A bis F) „Big Little Lies“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Liane Moriaty. Es ist die neue Serie des Serienschöpfers und TV-Produzenten David E. Kelly („L.A. Law“, „Chicago Hope“, „Ally McBeal“, „Boston Legal“). Bei allen sieben Episoden hat der kanadische Filmemacher Jean-Marc Vallée (The Young Victoria, Dallas Buyers Club, Wild, Demolition) Regie geführt. Dies ist sein erstes TV-Projekt.

Ein Mordfall umrahmt die Geschichten von mehreren Familien in einem kleinen kalifornischen Küstenörtchen. Wenn der Mord nicht am Anfang und Ende des Mehrteilers gestanden und mich zwischendurch mit Andeutungen, wer der Täter und wer der Mörder sein könnte, immer wieder raus gerissen hätte, hätte mir „Big Little Lies“ noch besser gefallen. So wird zusätzlich eine Spannung aufgebaut, die dieser Mehrteiler nicht nötig hat. Erst im letzten Teil wird aufgelöst, wer Opfer/Täter sind und das kam für mich bei einem der beiden etwas aus dem Nichts. Eigentlich geht es aber hauptsächlich um die Geschichten dreier Mütter (Madeline, Celeste und Jane), von denen jede ein Geheimnis hat. Begleitet wird ihr Alltag von jeder Menge (in meine Augen nervigen) Kindern und ansonsten Intrigen, Mobbing, häuslicher Gewalt, Ehetherapie und Ehebruch.

In der ersten Folge erfährt man davon, dass ein sechsjähriger Junge ein gleichaltriges Mädchen gewürgt haben soll. Ausgerechnet der Sohn der gerade zugezogenen Jane (gespielt von Shailene Woodley) soll die Tochter der frustrierten Renata (gespielt von Laura Dern) angegriffen haben. Jane ist sowieso schon als Außenseiterin in der Stadt der Reichen und Schönen leicht zu erkennen, dieser Vorfall hätte sie leicht ins gesellschaftliche Aus schießen können, wenn sich nicht die kämpferische Madeline (gespielt von Reese Witherspoon) eingemischt und auf ihre Seite gestellt hätte.

Die Wrights (gespielt von Nicole Kidman, Alexander Skarsgard mit ihren sechsjährigen Zwillingssöhnen) sind die für mich spannendste Familie. Nach außen hin eine Bilderbuch-Familie, ein geradezu unverschämt attraktives Paar mit Kindern, die sogar ich toll finde. Die beiden Eheleute führen eine sehr leidenschaftliche Beziehung, bald wird aber klar, dass es in diesem Traumhaus zu Gewalttätigkeiten kommt.

Mit Ausnahme von Alexander Skarsgard und Laura Dern spielt in dieser Miniserie nun kein Schauspieler mit, den ich sonderlich mag. Shailene Woodley finde ich furchtbar und Reese Witherspoon kann ich eigentlich auch nicht leiden. Nicole Kidman halte ich zwar für talentiert, was sie mir jedoch jedes Mal von Neuem beweisen muss, weil mich entweder ihr zugebotoxtes, mimikloses Gesicht erschreckt oder ablenkt oder ich mich daran erinnere, dass sie mal mit diesem Sekten-Psycho eine – wie auch immer gelagerte – Beziehung führte. Mit Botox hat sie sich scheinbar in letzter Zeit etwas zurückgehalten. In den Therapiesitzungen zeigt Nicole Kidman wie fantastisch sie als Schauspielerin sein kann. Sie gibt für mich die beste Performance des Ensembles, gefolgt von Alexander Skarsgard (der erneut unwiderstehlich aussieht) und tatsächlich Reese Witherspoon. Letztgenannte ist hier wirklich klasse, wahrscheinlich war sie noch nie besser. Lobenswert erwähnen möchte ich auch Adam Scott (der sogar singen kann).

Meine Lieblingsepisode: habe ich nicht, meine Lieblingsszenen sind alle Szenen mit der Ehetherapeutin und Nicole Kidmans (und Alexander Skarsgards) Charakter.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Madeline ist scharfzüngig und streitsüchtig. Sie ist mit Ed (gespielt von Adam Scott) verheiratet. Die beiden haben eine gemeinsame sechsjährige Tochter, Chloe. Madeline hat mit ihrem Ex-Mann Nathan (gespielt von James Tupper) auch noch die Teenager-Tochter Abigail. So richtig hat sie es noch nicht überwunden, dass Nathan sie damals für die jüngere Bonnie (gespielt von Zoe Kravitz) verlassen hat. Ihre beste Freundin ist Celeste (gespielt von Nicole Kidman). Gespielt wird Madeline von der amerikanischen Schauspielerin Reese Witherspoon. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle in „Legally Blonde“. Ein paar Jahre später hat sie mit ihrer ersten Oscar-Nominierung für „Walk the Line“ gleich den Academy Award gewonnen. Sie hat eine weitere Oscar-Nominierung für Wild erhalten.

Celeste ist Anwältin hat ihren Job aber aufgegeben und ist nur noch Ehefrau von Perry (gespielt von Alexander Skarsgard) und Mutter der sechsjährigen Zwillinge Josh und Max. Ihre beste Freundin ist Madeline (gespielt von Reese Witherspoon). Gespielt wird Celeste von der australischen Schauspielerin Nicole Kidman. Mir ist sie das erste Mal in „Dead Calm“ aufgefallen. Sie hat in zahlreichen Filmen („Moulin Rouge!“, „The Others“, „Dogville“, „The Stepford Wives“, Stoker) mitgespielt. Für ihre Performance in „The Hours“ hat sie einen Oscar gewonnen, sie hat drei weitere Oscar-Nominierungen für „Moulin Rouge!“, Rabbit Hole und Lion erhalten. Außerdem wurde sie für ihre Performance in „Hemmingway & Gellhorn“ für den Emmy nominiert.

Jane ist alleinerziehende Mutter des sechsjährigen Ziggy und erst kürzlich nach Monterey gezogen. Im Gegensatz zu ihren neuen Freundinnen Madeline und Celeste (gespielt von Reese Witherspoon und Nicole Kidman) ist sie nicht wohlhabend. Gespielt wird Jane von der amerikanischen Schauspielerin Shailene Woodley. International bekannt wurde sie wohl wahrscheinlich durch die „Divergent“-Serie. Ihr Spielfilmdebüt gab sie in The Descendants, sie hat aber auch in The Spectacular Now und Snowden mitgespielt.

Renata ist eine erfolgreiche, aber irgendwie frustrierte Geschäftsfrau, sie ist mit Gordon (gespielt von Jeffrey Nordling) verheiratet und Mutter der sechsjährigen Tochter Amabella. Gespielt wird Renata von der amerikanischen Schauspielerin Laura Dern. Sie hat in den David Lynch-Filmen „Blue Velvet“, „Wild at Heart“ und „Inland Empire“ mitgespielt und ist aus dem Indie-Kino (99 Homes, Certain Women, Wilson) nicht mehr wegzudenken. Laura Dern hat zwei Oscar-Nominierungen für „Rambling Rose“ und Wild und fünf Emmy-Nominierungen für „Afterburn“, „Fallen Angels“, „Ellen“, „Recount“ und „Enlightened“. Laura Dern ist die Tochter der Schauspieler Diane Ladd und Bruce Dern.

Perry ist der Ehemann von Celeste (gespielt von Nicole Kidman). Die beiden haben sechsjährige Zwillingssöhne. Gespielt wird Perry von dem schwedischen Schauspieler Alexander Skarsgard. Durch seine Rolle als Eric Northman in True Blood wurde er international bekannt. Er hat in einigen guten Indies (u.a. Disconnect, The East, What Maisie Knew, The Diary of a Teenage Girl) gespielt und ist der Sohn von Schauspieler Stellan Skarsgard.

Bei den Fernseh-Oscars (den Primetime Emmy Awards) in der Kategorie Beste Miniserie konkurriert „Big Little Lies“ dieses Jahr (2017) bisher vor allen Dingen mit den Serien The Night Of und Feud: Bette and Joan und der 3. Staffel „Fargo“. „Big Little Lies“ ist für einige Emmys im Gespräch, u.a. Beste Limited Series, Beste Hauptdarstellerin (Limited Series) Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Beste Nebendarstellerin (Limited Series) Shailene Woodley, Bester Nebendarsteller (Limited Series) Alexander Skarsgard, Adam Scott und einige technische Kategorien. Update: „Big Little Lies“ wurde am 13.07.17 für 16 Emmy-Awards nominiert. Nominiert wurde die Mini-Serie in den Kategorien Outstanding Limited Series, Oststanding Lead Actress in a Limited Series or Movie (Nicole Kidman und Reese Witherspoon), Oststanding Supporting Actress in a Limited Series or Movie (Laura Dern und Shailene Woodley), Outstanding Supporting Actor in a Limited Series or Movie (Alexander Skarsgard), Outstanding Directing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special, Outstanding Writing for a Limited Series, Movie or Dramatic Special, Outstanding Casting for a Limited Series, Movie or Special, Outstanding Cinematography for a Limited Series or Movie, Outstanding Single-Camera Picture Editing for a Limited Series or Movie, Outstanding Contemporary Costumes for a Series, Limited Series or Movie, Outstanding Hairstyling for a Limited Series or Movie, Outstanding Makeup for a Limited Series or Movie (Non-Prosthetic), Outstanding Sound Mixing for a Limited Series or Movie, Outstanding Music Supervision. Die Verleihung der Emmy-Awards findet am 17.09.17 in Los Angeles statt. Update: „Big Little Lies“ hat am 17.09.17 von 13 Emmy-Nominierungen, acht Emmy-Awards gewonnen, darunter outstanding limited series, outstanding directing for a limited series, movie or dramatic special, outstanding lead actress in a limited series or movie (Nicole Kidman), outstanding supporting actor in a limited series or movie (Alexander Skarsgard), outstanding supporting actress in a limited series or movie (Laura Dern), outstanding casting for a limited series, movie or special

Update: „Big Little Lies“ war ursprünglich als Mehrteiler konzipiert, auch bei den Emmys 2017 entsprechend eingereicht. Kurz nachdem dieser Mehrteiler sämtliche Emmys abgeräumt hat, wurde bekannt, dass es wohl eine zweite Staffel geben wird. Mittlerweile hat HBO bekannt gegeben, dass die zweite Staffel 7 Episoden beinhaltet, seit dem Frühjahr 2018 gedreht wird, aber voraussichtlich erst im Jahr 2019 auf HBO ausgestrahlt wird. 

„Big Little Lies“ wurde erstmalig v. 19.02.-02.04.17 auf HBO ausgestrahlt. Der Mehrteiler war in Deutschland ab dem 19.05.17 auf DVD erhältlich. Im Free-TV ist dieser Mehrteiler auf VOX ab dem 30.05.18 um 20.15 Uhr (3 Episoden hintereinander), 06.06.18 um 20.15 Uhr (2 Episoden hintereinander), 13.06.18 um 20.15 Uhr (2 Episoden hintereinander) zu sehen. 

Trailer zu sehen:

Vorspann (mit einem wunderbaren Ohrwurm) zu sehen: