San Franciso – Film: „Uncut Gems“

Ich war am 29.12.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Uncut Gems“ (dt. Filmtitel: „Der schwarze Diamant“, in D. wird der Film wahrscheinlich ab dem 31.01.20 auf Netflix zu sehen sein)  135 min   crime, drama 

dir. Josh Safdie, Benny Safdie  cast: Adam Sandler, Lakeith Stanfield, Idina Menzel, Judd Hirsch, Eric Bogosian, Julia Fox, Kevin Garnett, Keith Williams Richards, Mike Francesca

 

Howard Ratner (Adam Sandler) ist ein Schmuckhändler in New York. Er ist ein verheirateter Familienvater, hat eine Geliebte (Julia Fox) und ist spielsüchtig. Howard hat nicht unerhebliche Spielschulden, jetzt hat er aber einen besonderen Stein aus Äthiopien bekommen…

 

A- (Wertung von A bis F) „Uncut Gems“ ist der neue Film der New Yorker Filmemacher und Brüder Josh und Benny Safdie („Daddy Longlegs“, „Heaven Knows What“, „Good Time“)

Nach einer, für den Film zunächst ungewöhnlichen Anfangssequenz, die in eine ausgefuchsten Titelsequenz übergeht landet man schließlich da, wo wir uns als Zuschauer die nächsten zwei Stunden aufhalten: in Howard Ratners völlig chaotischem Leben. Dort angekommen dachte ich für einen Moment, das halte ich nicht über zwei Stunden aus. Die unruhige Kameraführung, schnellen Schnitte, Musik, vielen Charaktere und das laute Rumgequatsche – mir war da einfach zu viel los. Man gewöhnt sich aber daran und es wird auch ruhiger. 

Der Film spielt in einer speziellen Welt, der des New Yorker Diamanten Viertels (gut, ein richtiges Viertel ist es nicht, in einem kleinen Teil der 47th Street sind, vorwiegend jüdische Geschäftsleute mit ihren Juweliergeschäften angesiedelt und bieten ihre Diamanten und ihren Schmuck an.) Die Safdie-Bros. etablieren in ihrem Film eine Reihe an Nebencharakteren, Howard Ratner ist aber unsere Orientierung in der erzählten Welt. Der New Yorker Juwelenhändler führt ein Leben auf der Überholspur. Er macht ständig Geschäfte, trifft eine dumme Entscheidung nach der anderen, dass man ihn als Zuschauer am liebsten schütteln möchte. Irgendwann hatte er sich aber mit den falschen Leuten angelegt und hat Schulden bei einem, nicht gerade zu Späßen aufgelegten Kredithai (und zugleich…kein Spoiler an der Stelle). Das bringt ihn aber nicht davon ab, weiter Geld bei Sportwetten zu setzen. Längst hat er die Kontrolle über sein Wettverhalten verloren. Er macht immer weiter, braucht den Adrenalin-Kick. Die Ehefrau ist von Howard und seinem, völlig aus dem Ruder gelaufenen Händlerleben längst nicht mehr begeistert, aber er hat ja auch seine temperamentvolle Geliebte…Howards Leben ist, ich sagte es anfangs, chaotisch. 

 Die Autoren- und Regiebrüder erzählen ihre Geschichte konsequent, haben sich dabei von niemanden reinreden lassen. „Uncut Gems“ ist aber auch eine Charakterstudie, wobei man schnell merkt, wie sehr sie ihre Hauptfigur mögen. Sie haben sie greifbar und doch nuanciert ausgearbeitet und Adam Sandler erweckt Howard zum Leben. Er hatte für seine Rolle viel recherchiert und Interviews geführt, egal wie er es geschafft hat, er überzeugt. Nicht das erste Mal  („Punch-Drunk Love“, Reign Over Me, The Meyerowitz Stories (New and Selected)) zeigt Adam Sandler dass er mehr als nur Clown sein kann. Aber auch Lakeith Stanfield, Idina Menzel, Julia Fox (in ihrer ersten Rolle), der ehemalige Basketballer und NBA-Star Kevin Garnett (der sich selbst spielt) und besonders Eric Bogosian haben sich zu recht einen Platz in diesem Film erspielt.

Besonders hat mir gefallen wie die Safdies hier immer wieder kleine Informationen streuen, die aber alle am Ende irgendwo einen handlungsrelevanten Sinn ergeben. 

„Uncut Gems“ ist ein fesselndes, witziges, intensives, aber vor allen Dingen abgefahrenes Filmereignis und einer meiner Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

„Uncut Gems“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Adam Sandler), Bestes Originaldrehbuch 

„Uncut Gems“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2019 gezeigt. Der A24-Film ist am 13.12.19 in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Seit dem 25.12.19 ist der Film landesweit in 2,341 Kinos in den Vereinigten Staaten zu sehen. In Deutschland wird der Film voraussichtlich nicht ins Kino kommen, der A24-Film wird bei Netflix unter dem Titel „Der schwarze Diamant“ am 31.01.20 zu sehen sein. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „Bad Boys for Life„

Bewertung des Trailers: B (neuer, dieses Mal Redband-Trailer) 

Kommentar: 3. und vielleicht letzter Teil von „Bad Boys“ mit Will Smith und Martin Lawrence 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

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Trailer v. Film: „Birds of Prey„

Bewertung des Trailers: B (neuer, okayer Trailer)

Kommentar: Superhelden-Film mit Margot Robbie, Mary Elizabeth Winstead, Ewan McGregor 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bei 90% RottenTomatoes – vielleicht 


Trailer v. Film: „The Gentlemen„

Bewertung des Trailers: B+  (neuer Trailer) 

Kommentar: Nachdem Guy Ritchie seit RocknRolla entweder Filme machte, die mich nicht interessierten oder die ich blöd fand, hier scheinbar wieder etwas, was an seine alten, brillanten Filme erinnert. Mit Matthew McConaughey, Michelle Dockery, Colin Farrell und Hugh Grant

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Photograph„

Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)

Kommentar:  Drama mit Kelvin Harrison Jr. und Lakeith Stanfield

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich denke schon 


Trailer v. Film: „The Woman in the Window„

Bewertung des Trailers: D

Kommentar:  Der Trailer verrät mir wieder zu viel, ansonsten sieht Joe Wrights neuer Film aber interessant aus. Thriller mit Amy Adams, Gary Oldman, Julianne Moore, Tracy Letts, Anthony Mackie, etc. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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Trailer v. Film: „Saint Maud„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar:  A24-Horrorfilm mit Jennifer Ehle

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Meine Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019

In meiner persönlichen Filmliste für das Jahr 2019 sind insgesamt 82 aktuelle Filme enthalten. Davon habe ich 8 Filme auf VOD oder HBO gesehen. Von den 82 aktuellen Filmen habe ich 7 neue Filme über Netflix gesehen (Paddleton, Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile, The Silence, Atlantics, American Factory, I Lost My Body, The Two Popes) Zusätzlich zu diesen sieben Netflix-Filmen konnte ich zwei aktuelle Netflix-Filme im Kino sehen: „The Irishman“ und „Marriage Story“ (beide Filme habe ich mir später mindestens noch ein Mal auf Netflix angeschaut).

Die verbleibenden 67 Filme (inkl. „The Irishman“ und „Marriage Story“) habe ich im Kino gesehen. Im Jahr 2019 hatte ich es wieder auf drei Filmfestivals (Berlinale, Tribeca Film Festival und das New York Film Festival) geschafft. Im Jahr 2019 war ich leider nur bei zwei Pressevorführungen (Cold Pursuit und Long Shot). In Deutschland war ich regulär 5 x (Us, John Wick: Chapter 3 – Parabellum, Rocketman, The Dead Don´t Die, Pain & Glory) Im Kino. Ich war ich 3 x Hongkong (Zweitsichtung von „Us“, Spider-Man: Far From Home, Parasite) im Kino und ansonsten habe ich die Filme ausschließlich in den U.S.A. bzw. Kanada gesehen. 

Da ich vorwiegend in den U.S.A. ins Kino gehe, versuche ich am Ende des Jahres noch möglich alle sogenannten Prestige- bzw. möglichen Oscar-Filme unterzubringen, bevor ich meine Top-Ten-Liste erstelle. Das gelang mir dieses Jahr zum ersten Mal tatsächlich noch im Jahr 2019. Die Filme, die ich mir noch in den letzten Tages des Jahres 2019 angesehen habe, waren: Bombshell, Richard Jewell, Honeyland, Uncut Gems, American Woman (es war für mich der zweite Film mit diesem Titel, dieser von Regisseur Jake Scott), 1917 und Little Women.

Nicht geschafft habe ich folgende, mögliche Top Ten-Kandidaten:  A Hidden Life, Les Misérables, Just Mercy, Portrait of a Lady on Fire und Monos  

Meine Bestenliste besteht nicht zwingend aus aus den, von mir am besten bewerteten Filmen, in meiner Top Ten-Liste will ich einfach versuchen, mein Filmjahr zu repräsentieren. 

In meiner Top Ten für Filme des Jahres 2019 gibt es auch wieder keinen Platz 1-Film. Gelistet sind sie in der Reihenfolge, in der ich die Filme gesehen habe. Dieses Jahr ist ein australischer Film dabei, aber ansonsten sind es dieses Mal tatsächlich nur US-amerikanische Produktionen. In meine Bestenliste hat es dieses Jahr – mal wieder – eine TV-Serie geschafft.

Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2019 (in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe):

Us

Midsommar

The Last Black Man in San Francisco

The Irishman

Joker

The Lighthouse

Honey Boy

Queen & Slim

The Nightingale

Uncut Gems

und die TV-Serie „Succession“ (1. und – vor allen Dingen –  2. Staffel)

Folgende Filme hätten es beinahe in meine Top Ten geschafft (ebenfalls in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe): Arctic, Diane, The Mustang , Luce und vielleicht sogar Parasite und Jojo Rabbit, wenn ich die Filme ein zweites Mal gesehen hätte)

 

Die für mich besten Performances des Jahres 2019:

Joaquin Phoenix (Joker)

Jeremy Strong (TV-Serie Succession)

Jharell Jerome (TV-Serie When They See Us)

Charlize Theron (Long Shot, Bombshell) 

Taron Egerton (Rocketman)

Zac Efron (Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile)

Leonardo DiCaprio (Once Upon a Time in Hollywood) 

Al Pacino (The Irishman)

Willem Dafoe und Robert Pattinson (The Lighthouse)

Kevin Harrison Jr. (Luce)

Adam Driver (Theater: Burn/ This und Film: Marriage Story)

Noah Jupe (Honey Boy)

Christian Bale (Ford v. Ferrari) 

Tracy Letts (Ford v. Ferrari ) 

Matthias Schoenaerts (The Mustang) 

Lupita Nyong´o (Us) 

Sam Rockwell und Michelle Williams (TV-Serie Fosse/Verdon ) 

Sam Rockwell (Jojo Rabbit, aber noch besser in Richard Jewell)

Anthony Hopkins und Jonathan Pryce (The Two Popes )

Emma Thompson (Late Night) 

 

Meine Neuentdeckungen des Jahres 2019:

Noah Jupe (Honey Boy) 

Ana De Armas (Knives Out) 

Jeremy Strong (TV-Serie Succession) 

Jharell Jerome (TV-Serie When They See Us) 

Merrit Wever (TV-Serie Unbelievable) 

Kelvin Harrison Jr. (Luce und Waves) 

Archie Yates (Jojo Rabbit) 

Mary Kay Place (Diane) 

 

Ich wähle die Filme, die ich mir anschaue immer recht gezielt aus, daher sehe ich relativ wenig schlechte Filme. Hin und wieder muss aber ich auch leiden. 

Aus den unterschiedlichen Gründen haben mir folgende Filme nicht wirklich bis gar nicht gefallen:

Der Goldene Handschuh

The Souvenir

Greta

Something Else

Ad Astra

The Silence (Netflix-Film)

 

Wirklich gehasst habe ich nur folgenden Film: 

Keinen, „Ad Astra“ war aber einfach entsetzlich langweilig.

 

Bei einem Film habe ich das Kino verlassen: 

The Lego Movie 2: The Second Part

 

Insgesamt gesehen, war das Jahr 2019 ein sehr gutes Filmjahr. Auch habe ich wieder viele  Serien/bzw. Mehrteiler gesehen. Nicht über jede hatte ich Zeit, etwas zu schreiben. Hier meine 2019er Serien/Mehrteiler mit meiner Bewertung – in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe: 

You (C+)

Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes (B+)

Russian Doll (B)

Retribution (C-)

Dirty John (C)

True Detective, 3. Staffel (B-)

Homecoming (C-)

The Disappearance of Madeleine McCann (D+)

After Life (B+)

Escape at Dannemora (B+)

What We Do in the Shadows (mochte ich nicht wirklich, habe ich daher nicht zu Ende geschaut)

Fosse/Verdon (A-)

When They See Us (B+)

Chernobyl (B-)

The Act (mochte ich nicht wirklich, habe ich auch nicht zu Ende geschaut) 

Fleabag (mochte ich nicht wirklich, habe ich auch nicht zu Ende geschaut) 

Barry, 2. Staffel (mochte ich sehr, warum habe ich die nicht zu Ende geschaut? Hole ich nach) 

Mindhunter, 2. Staffel (A-)

Succession, 1. Staffel (B+)

Unbelievable (B)

Succession, 2. Staffel (A) 

Big Little Lies (B+)

 

Folgendes ist aus meiner Top Ten Filme aus dem Jahr 2018 kopiert. Gelistet hatte ich, welche Filme mich am meisten für das Filmjahr 2019 interessierten. Die durchgestrichenen Filme habe ich gesehen, „The Irishman“ und „Us“ sind in meiner Top Ten gelandet.

The Irishman, dir. Martin Scorsese

Where´d You Go, Bernadette, dir. Richard Linklater  

Us, dir. Jordan Peele

Once Upon a Time in Hollywood, dir. Quentin Tarantino

The Gemini Man, dir. Ang Lee (nicht geschaut)

Untitled Artificial Intelligence Courtroom Project, dir. Darren Aronofsky (verschoben)

The King, dir. David Michod (nicht geschaut) 

A Beautiful Day in the Neighborhood, dir. Marielle Heller 

The Woman in the Window, dir. Joe Wright (ins Jahr 2020 verschoben) 

Ford v. Ferrari, dir. James Mangold

Jojo Rabbit, dir. Taika Waititi 

Shirley, dir. Josephine Decker (ins Jahr 2020 verschoben) 

The Dead Don´t Die, dir. Jim Jarmusch

 

Für das Filmjahr 2020 interessieren mich am meisten:

The Woman in the Window, dir. Joe Wright

Shirley, dir. Josephine Decker 

(beide Filme aus meiner Liste aus dem Vorjahr) 

Mank, dir. David Fincher 

I´m Thinking of Ending Things, dir. Charlie Kaufman

The Trial of the Chicago 7, dir. Aaron Sorkin

Annette, dir. Leos Carax 

Last Night in Soho, dir. Edgar Wright

The French Dispatch, dir. Wes Anderson 

Nightmare Alley, dir. Guillermo del Toro 

Next Goal Wins, dir. Taika Waititi 

The Card Counter, dir. Paul Schrader

The Lodge, dir. Veronika Franz, Severin Fiala

Da 5 Bloods, dir. Spike Lee

On the Rocks, dir. Sofia Coppola 

Promising Young Woman, dir. Emerald Fennell

Wendy, dir. Benh Zeitlin 

Soul, dir. Pete Docter PIXAR

VOD – Film: „The Nightingale“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes/Apple TV (U.S.) als Leihvideo angeschaut: 

 

„The Nightingale“  136 min  drama, thriller 

dir. Jennifer Kent   cast: Aisling Franciosi, Baykali Ganambarr, Sam Claflin, Damon Herriman, Ewen Leslie, Harry Greenwood, Charlie Shotwell, Magnolia Maymuru 

 

Im Jahr 1825. Die 21-jährige Clare (Aisling Franciosi) ist eine junge Strafgefangene aus Irland. Sie wurde wegen eines Diebstahldeliktes zu einer siebenjährigen Strafe verurteilt und nach Australien deportiert. Ihre restliche Strafe arbeitet sie als Leibeigene des britischen Lieutenant Hawkins (Sam Claflin) ab. Als dem Offizier eine Beförderungsempfehlung versagt wird und Clares Ehemann (Charlie Shotwell) auch noch von dem frustrierten Hawkins verlangt, dass er seine Frau endlich freilässt, eskaliert die Situation…

 

B+ (Wertung von A bis F) Nach ihrem Regiedebüt The Babadook ist dies erst der zweite Spielfilm, bei dem die australische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Filmemacherin Jennifer Kent Regie führt. 

Die australische Gesellschaft ist einer britischen Strafkolonie entsprungen. „The Nightingale“ ist eine Art „australischer Western“, man bekommt eine Idee davon, wie das Schicksal weiblicher Strafgefangenen und das der Aborigines zu der Zeit ausgesehen haben könnte. 

Da sag einer noch mal Regisseurinnen wären zimperlich, würden davor zurückscheuen, exzessive Gewalt im Film zu zeigen.  Lynne Ramsay (You Were Never Really Here) und Jennifer Kent mit diesem Film beweisen das Gegenteil. Der Handlungsaufbau des Film, die erste halbe Stunde, ist kaum zu ertragen. Die Brutalität nimmt dann dankenswerterweise erst mal etwas ab und wir begleiten eine rachebesessene Clare, die sich zusammen mit einem Aborigine (Baykali Ganambarr – wie liebenswert und lustig ist Billy eigentlich?) durch die Wildnis auf den Weg macht, den Lieutenant und seine Kumpanen zu finden. Neben der eindrucksvollen Inszenierung ist die Beziehung zwischen Clare und dem Aborigine die große Stärke des Films. Die Hintergrundgeschichte der beiden ist auch gar nicht so unterschiedlich und nach anfänglicher Verachtung entwickelt sich zwischen ihnen auch eine Freundschaft. 

Das ist einer der Filme, den ich unbedingt im Kino sehen wollte. Leider hatte er die wenigen amerikanischen Kinos, in denen er lief, schneller verlassen, als ich gucken konnte. „The Nightingale“ wirkt sicher noch besser im Kino, ich bin aber im Nachhinein froh, dass ich ihn mit einer englischen Untertitelung sehen konnte.

„The Nightingale“ ist ein krasses, aber – vor allen Dingen – spannendes und atmosphärisches Rachedrama und einer meiner Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

Die australische „Oscar“-Academy, AACTA, hat „The Nightingale“ für 15 AACTA Awards nominiert. Gewonnen hat der Film in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin (Aisling Franciosi), Beste Nebendarstellerin (Magnolia Maymuru) und Bestes Casting. Der Film ist auch für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Baykali Ganambarr), Beste Hauptdarstellerin (Aisling Franciosi), Bester Nebendarsteller (Sam Claflin), Bestes Originaldrehbuch 

„The Nightingale“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2018 gezeigt. Dort hat der Film den Special Jury Prize und Baykali Ganambarr den Marcello Mastroianni Award gewonnen. Über ein Jahr später ist der Film am 2.8.19 in zwei amerikanischen Kinos gestartet. Landesweit lief er insgesamt in nicht mehr als 79 Kinos in den Vereinigten Staaten. Für Deutschland konnte ich noch keinen Kino- oder DVD, VOD-Start finden. 

Trailer zu sehen: 

San Francisco – Film: „Queen & Slim“

Ich war am 29.11.19 in San Franciso und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Queen & Slim“ (dt. Kinostart: 09.01.20)   132 min  drama, thriller 

dir. Melina Matsoukas  cast: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith, Chloe Sevigny, Bokeem Woodbine, Flea, Indya Moore

 

Als Slim (Daniel Kaluuya) Queen (Jodie Turner-Smith) nach ihrem ersten Date nach Hause fährt, werden sie von einem Polizisten angehalten. Die Situation eskaliert, am Ende stirbt der Polizist und Queen und Slim sind auf der Flucht….

 

A-(Wertung von A bis F) „Queen & Slim“ ist das Spielfilmdebüt der renommierten, afroamerikanischen Musikvideo, Werbe- und TV-Regisseurin Melina Matsoukas. Das Drehbuch stammt von der afroamerikanischen Schauspielerin, Drehbuchautorin (u.a. TV-Serien „Bones“„Master of None“) und Produzentin Lena Waithe.

Bevor ich mir „Queen & Slim“ anschaute, dachte ich – nachdem was ich oberflächlich über den Film las – dass es sich bei diesem Film um eine „schwarze Bonnie & Clyde“-Version handelt. Die Geschichte ähnelt jedoch eher der des Roadmovies „Thelma & Louise“, die Titelcharaktere hier sind keine flüchtigen Kriminellen. Sie wurden aufgrund ihrer Hautfarbe, in eine Situation gebracht, bei der sie aus Notwehr einen weißen Polizisten töteten. In den Vereinigten Staaten ist das keine günstige Ausgangsposition für Schwarze. Slim denkt eher rational, will die Polizei verständigen, Queen, die ihre Erfahrungen als Anwältin für Strafrecht gemacht hat, überzeugt ihn jedoch, zu fliehen. Die Dashcam-Aufnahme aus dem Polizeiauto wird innerhalb kürzester Zeit zum viralen Hit, was dazu führt, dass sie als Polizisten-Mörder landesweit gesucht werden und gleichzeitig in der Black Community als Symbolfiguren gefeiert werden, die sich gegen Polizeiwillkür und Polizeigewalt gewehrt haben.

Regiearbeit fällt auf, wenn sie besonders gut oder schlecht ist, diese hier fand ich außergewöhnlich gut. Ich mochte aber auch die Prämisse, zwei eigentlich Fremde, die durch eine Ausnahmesituation zusammengeschweisst werden. Von einem Moment auf den anderen ändert sich ihr Leben. Queen (Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) hatten sich über Tinder kennengelernt, waren aber nicht sonderlich begeistert voneinander und hätten sich vielleicht nach ihrem ersten Date nie wieder gesehen. Dann kam es zu dem Vorfall mit dem rassistischen Polizisten, die Situation eskalierte, am Ende war der Polizist tot und Queen und Slim auf der Flucht. Die beiden grundverschiedenen Persönlichkeiten müssen sich nun – auf ihrer Flucht – erst mal kennenlernen, wohin dabei die Reise in ihrem Leben geht, weiß keiner so genau. Die Beziehung von Queen & Slim stammt nicht aus der Feder eines fantasiereichen Autors für Hollywood-Romanzen, alles was sich zwischen den beiden entwickelt, fand ich zu jedem Zeitpunkt glaubhaft. Ich liebe die gesamte Sequenz in dieser Spelunke. 

Es gibt in diesem wunderbaren Roadmovie jedoch eine Szene, die für mich aus dem Nichts kam. Ich weiß nicht, was sich die Drehbuchautorin und die Regisseurin dabei gedacht haben, was sie damit aussagen wollten. Ich sehe „Queen & Slim“ auch vordergründig nicht als politisches Drama, sondern mehr als ausgezeichnet inszenierten und fotografierten, spannenden Film, der in keiner guten, aber sich irgendwo real anfühlenden Welt spielt. Gerne möchte ich mehr von dem Team Waithe/Matsoukas sehen. 

Als ich Get Out das erste Mal sah, hätte ich nie gedacht, dass Daniel Kaluuya mal einer der Schauspieler sein wird, der mich auch in anderen Filmen beeindrucken könnte. Bis heute habe ich „Get Out“ fünf Mal gesehen und fand Kaluuya jedes Mal besser, in Widows spielte er dann mal einen Fiesen und nun zeigt der britische Schauspieler (was man kaum glauben kann, weil er akzentfrei Amerikanisch spricht) in diesem Film wieder eine ganz andere Facette seines Schauspiels. Das ehemalige Model Jodie Turner-Smith hat eine starke Präsenz in diesem Film. Gefreut habe ich mich auch, die transsexuelle Schauspielerin Indya Moore (aus der TV-Serie „Pose“) In einer kleinen Rolle zu sehen.

Das Filmjahr 2019 nähert sich langsam dem Ende zu, ich habe noch ein paar Filme zu schauen. „Queen & Slim“ könnte aber in meiner Top Ten landen. Update: „Queen & Slim“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2019.

„Queen & Slim“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Daniel Kaluuya), Beste Hauptdarstellerin (Jodie Turner-Smith), Bestes Originaldrehbuch 

„Queen & Slim“ wurde erstmalig auf dem AFI-Fest 2019 gezeigt. Der Film ist am 27.11.19 in 1,690 amerikanischen Kinos gestartet. Für Deutschland ist ein Kinostart für den 09.01.20 geplant. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Just Mercy„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar:  Destin Daniel Crettons neuer Film mit Michael B. Jordan, Jamie Foxx und Brie Larson

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Star Wars: The Rise of Skywalker„

Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer) 

Kommentar: neunter Part der Saga – gähn

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Little Women„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Neu-Verfilmung des gleichnamigen Romans und neuer Film von Greta Gerwig mit Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Laura Dern, Meryl Streep, etc. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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Trailer v. Film: „The Rhythm Section„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Reed Moranos neuer Film, Actionthriller mit Blake Lively und Jude Law, startet im Januar, schwieriges Startdatum…

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Uncut Gems„

Bewertung des Trailers: A- (Redband-Trailer) 

Kommentar: Neuer Film der Safdie Bros. mit Adam Sandler. Ich glaube, die Filme der Brüder sind nicht meins.

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Underwater„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Sci-Fi-Thriller mit Kristen Stewart und Vincent Cassel 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Photograph„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar:  Drama mit Kelvin Harrison Jr. und Lakeith Stanfield

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich denke schon 


Trailer v. Film: „Black Christmas„

Bewertung des Trailers: D

Kommentar:  Horrorfilm, Trailer verrät wieder gesamten Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich denke nicht 

TV-Serie „Succession, 2. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Succession, Staffel 2“ (seit dem 10.11.19 in D. über Sky zu sehen oder über den iTunes Store zu erwerben)  10 x approx. 60 min  satire, comedy, drama 

dir. Mark Mylod, Andrij Parekh, Shari Springer Berman and Robert Pulcini, Matt Shakman, Becky Martin, Kevin Bray  cast: Brian Cox, Jeremy Strong, Sarah Snook, Kieran Culkin, Alan Ruck, Nicholas Braun, Matthew Macfadyen, J. Smith-Cameron, Holly Hunter, Jeannie Berlin, Cherry Jones, Hiam Abbass, Peter Friedman, Dagmara Dominczyk, Justine Lupe, James Cromwell, Caitlin FitzGerald

 

Was genau hat Logan Roy (Brian Cox) vor?

 

A (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der HBO-Serie „Succession“ ist der britische TV-Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong („In the Loop“, „Four Lions“). Erzählt wird von dem mächtigen Medienmogul Logan Roy und seiner Familie. Ähnlichkeiten von Logan Roy und Rupert Murdoch mit ihren jeweiligen Familien und Waystar Royco und News Corp sind natürlich nur rein zufällig. Produziert haben die Serie u.a. der amerikanische Schauspieler und Drehbuchautor Will Ferrell (Step Brothers, The Campaign) und der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Adam McKay (The Big Short, Vice). Die Ereignisse der zweiten Staffel knüpfen relativ nahtlos an denen der ersten Staffel an. 

Mein Beitrag zur ersten Staffel liegt jetzt zwei Monate zurück, in der Zwischenzeit lief die Fortsetzung erstmalig auf HBO und die erste Staffel wurde mit zwei wohlverdienten Emmys (Drehbuch für das Staffelfinale und den besten Score für den Vorspann) ausgezeichnet. Leider stand bei den diesjährigen Emmys die letzte Staffel von „Game of Thrones“ im Weg, sonst hätte „Succession“ sicher den Emmy für die Beste Dramaserie gewonnen. 

Ich liebe Filme und Serien, die mich in eine, mir völlig fremde Welt führen, mir diese anhand von Charakteren und Geschichten näher bringen. Erklären, so dass ich diese Welt verstehe. Genau das schafft „Succession“ und ist dabei unglaublich witzig. Hier blickt man hinter die Kulissen einer superreichen dysfunktionalen Familie. Die Roys haben so gut wie keine Berührungspunkte mit der normalen Bevölkerung, sie haben natürlich Bedienstete, aber der Kontakt beschränkt sich darauf, ihnen Anweisungen zu erteilen. Wenn sie unter Druck stehen, geben sie diesen an ihre Untergebenen weiter. Den Unterschied zwischen dem engsten Roy-Familienkreis, ihren wichtigen Geschäftspartnern und allen Anderen sieht man, wenn sie aus Sicherheitsgründen in den Safe/Panic Room gebracht werden. Wenn die Familie Roy den eigenen Vergnügungspark besuchen will, wird der kurzerhand für die anderen Besucher gesperrt. Sie haben riesige Anwesen und Luxus-Wohnungen in Bestlage, werden bei kurzen Strecken in SUVs oder Limousinen (Kendall auch mal auf dem Motorrad) kutschiert, sind aber ansonsten überwiegend in Hubschraubern und Privatjets unterwegs oder verbringen Zeit auf ihrer Jacht. Milliardäre bleiben unter sich, machen Geschäfte mit ihresgleichen. Wenn es um Geld geht, geht es gleich um sehr viel Geld. Die, vermutlich zwischen Anfang 30 und Mitte 50-jährigen Roy-Kinder müssen sich für ihre größeren Ausgaben immer Papas Okay holen und wenn dem etwas nicht in den Kram passt, können sie ihre Wünsche gleich begraben. Manchmal könnte man den Roy-Nachwuchs fast bemitleiden. Es gibt jedenfalls keinen Grund, sie zu beneiden. Die Serie ist ein fiktives, bitterböses Drama und zugleich eine Satire, aber könnte es sich nicht so oder so ähnlich bei den Murdochs oder irgendeiner anderen Milliardärs-Familie zugetragen haben bzw. zutragen? 

In der Familie Roy werden harte Kämpfe ausgetragen. Der Vater, Logan Roy (gespielt von Brian Cox), ist ein Medienmogul, hat das Medienimperium Waystar Royco aufgebaut, er weiß über alles und jeden, innerhalb seiner Familie und in seinem Konzern, Bescheid. Logan Roy ist zwar schon alt, aber noch nicht gewillt, seine Macht abzugeben. Schon gar nicht an seine Kinder, von denen er keinen wirklich ernst nimmt. Allen vier Kindern (gut, Connor ist nicht interessiert, wie wir seit der ersten Staffel wissen, er hat andere Ambitionen) fehlt in Logans Augen das Rückgrat und der Killerinstinkt, den sie seiner Meinung brauchen, um Waystar Royco zu leiten. Vielleicht hat gerade diese Kaltblütigkeit am Ende doch eines der Kinder. Die zweite Staffel steckt bis zur tatsächlichen letzten Sekunde voller Spannung und auch Überraschungen. 

Die erste Staffel war das Amuse-Gueule vor dem mehrgängigen kreativen Dinner in einem Drei-Sterne-Restaurant, was die zweite Staffel, für mich darstellte. Ohne die erste Staffel wird man nicht nachvollziehen können, wie exzellent, die zweite ist. Ich hatte den Eindruck, dass es in der Fortsetzung etwas ernsthafter, dramatischer zugeht. Auf der anderen Seite habe ich bei jeder einzelnen Episode mehrmals lauthals lachen müssen. Mir ist schleierhaft, wie die Schauspieler ihre trockenen und bösartigen Sprüche raushauen können, ohne dabei mit der Wimper zu zucken.

In dieser Staffel geht es um Übernahmen, einen handfesten Skandal, Täter und Opfer und natürlich um Macht und Führungsansprüche der Roy-Geschwister.

Ein kleiner Auszug meiner Lieblingssequenzen:

  • die gesamte Sequenz mit Kendall bei Vaulter (Episode 2, „Vaulter“)
  • die gesamte Sequenz um den rechtsradikalen ATN-Nachrichtensprecher Mark Ravenhead und Connor und Willa bei der Beerdigung von „Mo“ (Episode 4, „Safe Room“)
  • die aussagekräftige Sequenz mit Roman, Shiv und – vor allen Dingen – Kendall und ihrer Mutter (Episode 7, „Return“)
  • die gesamte Sequenz in Schottland. Über Logans Kindheit ist bislang kaum etwas bekannt, daher sind die geringsten Informationen schon willkommen, außerdem mag ich die gesamte Dynamik dieser Episode, „Grexit“ und natürlich Kendall mit ein paar Hochs und Tiefs (Episode 8, „Dundee“)
  • meine absolute Lieblingssequenz ist jedoch das Staffelende (die letzten, vielleicht zehn Minuten von Episode 10 „This is Not for Tears“

Meine Lieblingscharaktere:

In der ersten Staffel hatte ich keinen wirklichen Lieblingscharakter, am meisten habe ich mich sicher über Roman Roy (gespielt von Kieran Culkin) und das Zusammenspiel von Tom Wamsgans und Cousin Greg  (gespielt von Matthew Mcfadyen und Nicholas Braun) amüsiert. Auch in der zweiten Staffel sorgt Roman natürlich mit seinem rätselhaften Sexleben und seinem Sarkasmus für viele Lacher. Greg hingegen orientiert sich langsam um, für die zweite Staffel gibt es zwei (wenn man genau hinschaut, am Ende mit Greg & Ken sogar drei) interessante neue Paarungen: Roman & Gerri und Shiv & Tom. Letztlich ist aber auch sonst jeder einzelne Hauptcharakter vielschichtig und hat seine eigene Geschichte. Bei der zweiten Staffel hat sich jedoch ein Charakter direkt in mein Herz gespielt: Kendall Roy.

Mit der Figur Kendall Roy habe ich auch einen neuen Lieblingsschauspieler: Jeremy Strong. Ich hatte diesen Schauspieler bislang noch gar nicht auf dem Schirm. In der ersten Staffel war seine Serienfigur noch zu grün hinter den Ohren, ich konnte ihn noch nicht wirklich ernst nehmen, außerdem war er der, der mit den Coolen spielen wollte. Coolness kann man aber bekanntlich nicht erzwingen und daher wirkte er oft lächerlich. Er war – um es auf den Punkt zu bringen – der Loser. Kendall ist aber der Einzige der Roy-Kinder, der sich mit dem Mediengeschäft richtig auskennt, jahrelang arbeitete er schon in einer leitenden Position bei Waystar Royco und stand am Anfang der ersten Staffel sogar kurz davor, die Nachfolge von Logan Roy anzutreten…. bis Papa Roy es sich anders überlegt hat. In der zweiten Staffel ist Kens Leben von Ups and Downs bestimmt. Gedemütigt und am Boden, er konsumiert natürlich immer noch Drogen, dann wirkt er auf einmal gefasst und überlegt, manchmal wie ferngesteuert, dann ist er wieder so ein Sausack, macht den Eindruck, als wäre ihm alles egal, kurz darauf wirkt er wieder emphatisch, sehr souverän, angriffslustig, knallhart, dann möchte man ihn wieder einfach in den Arm nehmen, trösten, dann dieser Rap, uswuswusw…Definitiv ist Kendall die faszinierendste Figur der zweiten Staffel. Bei meiner Zweitsichtung der Staffel (die ich übrigens nur jedem ans Herz legen kann, da man bei dieser handlungsdichten und dialogreichen Serie unmöglich alles beim ersten Mal  erfassen kann), war ich manchmal sogar ein bisschen in Kendall verliebt. 

In den letzten paar Wochen habe ich quasi jede freie Minute damit verbracht, „Succession“ zu gucken. Die erste Staffel habe ich, wie alle guten Serien, zwei Mal geschaut. Die zweite Staffel hatte ich schon zwei Mal geschaut, dann war ich erkältet, hatte keine Lust auf Filme oder neue Serien und habe sie mir noch ein weiteres Mal angeschaut. Und auch bei der dritten Sichtung habe ich tatsächlich noch immer wieder etwas Neues entdeckt, mich über Gesichtsausdrücke oder wieder über den Dialogwitz kaputt gelacht und – wie die Male zuvor – meinen Spass mit dieser einfach unfassbar brillant geschriebenen Serie gehabt. 

Definitiv ist „Succession“ keine Serie, die man nebenbei schauen kann, die Handlungsdichte ist viel zu groß, wenn man ein Mal blinzelt, verpasst man schon was. 

 

In meine jährliche Top Ten hatte ich schon einige wenige Male auch eine TV-Serie aufgenommen, die ersten beiden Staffeln von „Succession“ sind jetzt bereits festgesetzt in meiner Top Ten 2019.  Update: Die erste und die zweite Staffel von „Succession“  sind in meiner Bestenliste für 2019 gelistet.

 

Die wichtigsten Charaktere hatte ich bereits in meinem Beitrag zur ersten Staffel vorgestellt, Ein paar für die zweite Staffel wichtige Charaktere, ein Unternehmen und einen TV-Sender möchte ich hier noch vorstellen: 

Gerri ist Wirtschaftsanwältin, leitet die Rechtsabteilung bei Waystar Royco und ist eine wichtige Beraterin für Logan Roy (gespielt von Brian Cox), außerdem gehört sie quasi zur Familie, war  Taufpatin von Logan Roys einziger Tochter, Shiv (gespielt von Sarah Snook), und ist mittlerweile auch für den jüngsten Sohn der Roys, Roman (gespielt von Kieran Culkin), eine enge Beraterin. Gespielt wird Gerri von der amerikanischen Schauspielerin J. Smith-Cameron. Sie hat in vielen TV-Serien (u.a. TV-Serie „True Blood“, ,TV-Serie „Rectify“) gespielt und hat auch in einigen Kinofilmen („In & Out“, Margaret) mitgewirkt. 

Cyd Peach leitet den Nachrichtensender ATN, der zu Waystar Royco gehört. Gespielt wird Cyd von der amerikanischen Schauspielerin Jeannie Berlin. Die mittlerweile 70-jährige war nicht durchgehend auf dem Bildschirm bzw. auf der Leinwand zu sehen. Ich habe sie in den Filmen Margaret und Inherent Vice, sowie der wunderbaren TV-Serie TV-Serie „The Night Of gesehen. Sie hat für ihre Performance in „The Heartbreak Kid“ eine Oscar-Nominierung erhalten. 

Rhea Jarell ist CEO des rivalisierenden Medienkonzerns PGM. Logan Roy will PGM aufkaufen. Rhea hat einen ähnlichen schmutzigen Humor wie die Roys. Gespielt wird Rhea von der amerikanischen Schauspielerin Holly Hunter. Sie hat in den Coen Bros.-Filmen „Raising Arizona“ und „O Brother, Where Art Thou?“ gespielt und auch beispielsweise in dem großartigen Film „Broadcast News“, Sie hat in der TV-Serie „Saving Grace“ und dem Mehrteiler TV-Serie „Top of the Lake mitgewirkt. Sie wurde 6 x für den Emmy nominiert, hat zwei Emmys (für „Roe vs. Wade“ und „The Positively True Adventures of the Alleged Texas Cheerleader-Murdering Mom“) gewonnen. Außerdem wurde sie vier Mal für den Oscar nominiert („Broadcast News“, „The Firm“, „The Piano“ und „Thirteen“), für „The Piano“ hat sie den Oscar gewonnen. 

Naomi ist die Cousine von Nan Pierce (gespielt von Cherry Jones) Sie ist das schwarze Schaf der Familie Pierce, vielleicht kommt sie daher so gut mit Kendall klar. Naomi wird von der amerikanischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Annabelle Dexter-Jones gespielt. Sie war u.a. in Holy Motors, „Under the Silver Lake“ und der HBO-Serie „The Deuce“ zu sehen. 

ATN ist ein amerikanischer Nachrichtensender, ein Propaganda-Sender der Republikaner, gleichzusetzen mit Rupert Murdochs TV-Sender Fox News. Wer schon mal in den Genuss gekommen ist, die Berichterstattung dieses Senders zu verfolgen, ist ratlos. Wie ist es rechtlich überhaupt möglich, so viele Lügen zu verbreiten? 

PGM ist ein großes Medienunternehmen, dass seit 150 Jahren im Familienbesitz ist. Die Matriarchin ist Nan Pierce (gespielt von Cherry Jones). CEO von PGM ist Rhea Jarell (gespielt von Holly Hunter) Waystar Royco hat vor Jahren schon mal versucht, PGM zu übernehmen. Logan Roy unternimmt in der zweiten Staffel einen erneuten Versuch.  Familie Pierce ist alter Geldadel, dagegen sind die Roys neureich. Die Pierces sind liberal und demokratisch und halten gar nichts von den Roys. PGM gehört ein liberaler Nachrichtensender, der in den Augen der meisten, der einzige Sender ist, der „richtige Nachrichten“ bringt, insbesondere im Vergleich zu Waystar Roycos Propagandasender ATN. Shiv Roy meldet Bedenken an, Pierce zu kaufen: „If we own all the news, I do actually wonder where I’ll get my fucking news…You´ve got The Times, The Post, editors of Pierce and a couple of hundred angry women on Twitter and that’s about it“

Die erste Staffel von „Succession“ wurde erstmalig v. 3.6.18-5.8.18 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO gezeigt und war für die im September 2019 verliehenen Emmys qualifiziert. Nominiert war „Succession“ für insgesamt 5 Emmy-Awards (Outstanding Drama Series, Outstanding Directing for a Drama Series (für Adam McKay und die Pilotfolge „Celebration“), Outstanding Writing for a Drama Series (für Jesse Armstrong und die finale Episode „Nobody is Ever Missing“). Außerdem war die Serie für zwei Primetime Creative Arts Emmy Awards (Outstanding Casting for a Drama Series und Outstanding Original Main Title Theme Music) nominiert. Die Serie hat zwei Emmys (Outstanding Writing und Outstanding Original Main Title Theme Music) gewonnen. 

Die zweite Staffel von „Succession“ lief erstmalig vom 8.11.19 – 13.10.19 auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO und qualifiziert sich dadurch für die Emmys im Jahr 2020. In Deutschland kann man die zweite Staffel seit dem 10.11.19 auf Sky sehen oder über den deutschen iTunes Store (wohl auch in der, unbedingt empfehlenswerten Originalversion) erwerben. Update: Die 2. Staffel von „Succession“ wurde für insgesamt 18 Emmys nominiert. Davon allein 9 Schauspiel-Emmy-Nominierungen (für Brian Cox, Jeremy Strong, Nicholas Braun, Kieran Culkin, Matthew Macfadyen, Sarah Snook, James Cromwell, Cherry Jones und Harriet Walter), natürlich als beste Drama-Serie, zwei Regie-Nominierungen für die Episoden „Hunting“ und „This Is Not For Tears“, eine Drehbuch-Nominierung für die Episode „This Is Not For Tears“, für das beste Casting einer Drama Serie und noch einige technische Kategorien

Eine dritte Staffel wurde bereits bestätigt. 

Trailer der zweiten Staffel zu sehen: 

 

 Vorspann zu sehen:

 

New Yorker Bus mit Werbung von "Succession"
New Yorker Bus mit Werbung von „Succession“

L. A. – Film: „The Lighthouse“

Ich war am 27.10.19 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Lighthouse“ (dt. Filmtitel: „Der Leuchtturm“, dt. Kinostart: 28.11.19)  110 min  drama, thriller, horror  

dir. Robert Eggers  cast: Willem Dafoe, Robert Pattinson

 

Ende des 19. Jahrhunderts. Der Leuchtturm-Wärter (Willem Dafoe) und sein Assistent (Robert Pattinson) werden auf der kleinen, abgelegenen Insel abgesetzt. Vier Wochen sollen sie dort vor der Küste in Maine arbeiten. Es kommt schon bald zu Spannungen und der Konflikt zwischen den beiden Männern spitzt sich langsam zu….

 

A- (Wertung von A bis F) „The Lighthouse“ ist nach The Witch erst der zweite Spielfilm, bei dem der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Robert Eggers Regie führt. Das Drehbuch zu diesem Film hat er zusammen mit seinem Bruder Max geschrieben. 

Der Film hat die Intensität eines brillanten Theaterstücks und ist ummantelt von der Inszenierung eines visionären Filmemachers. Robert Eggers beschreibt seinen Film passenderweise mit: „Nothing good can happen when two men are trapped alone in a giant phallus.“

Das erste was auffällt ist das ungewöhnliche Format, fast quadratisch ist die Leinwand, die scharfen, perfekt ausgeleuchteten Bilder (dabei viele Nahaufnahmen), sind schwarz/weiß, die beiden Männer sprechen in einer altenglischen, speziellen Sprache (wie bereits bei Eggers Erstlingswerk). Das alles verstärkt die Wirkung, dass wir hier in einer weit zurückgelegenen Zeit und die Männer sich in einer beklemmenden Situation befinden. Durch die Inszenierung habe ich keinen Moment mit der Rahmenhandlung gefremdelt. Isoliert auf einer kleinen Insel, auf engstem Raum sehen wir die beiden Männer. Für vier Wochen sind ein alter erfahrener Leuchtturmwärter und sein junger Helfer auf sich allein gestellt und sollen ihren Auftrag erfüllen. Der zottelige Alte (gespielt von Willem Dafoe) fällt schnell durch schlechtes Benehmen und respektloses Verhalten auf, ist laut, provoziert und erteilt dem jungen Mann (gespielt von Robert Pattinson) Anweisungen. Während der Junge körperlich schwere und niedere Tätigkeiten ausübt, fragt man sich, was eigentlich der Alte während der Arbeitszeit treibt. Zu dem Grundkonflikt bestehend aus Isolation und Nähe gesellen sich schnell die inneren Kämpfe. Es kommt zu Spannungen und sehr bald zu offenen Konfrontationen. 

„The Lighthouse“ ist ein packendes Kammerspiel, ein Thriller- und irgendwo Horrorfilm, aber auch ein Psycho- und Charakterdrama, manchmal absurd und sehr witzig. Man weiß nie so richtig, was als Nächstes passiert. 

Ich liebe den Film für seine eigenwillige Machart. Für die auf Film gedrehten schwarz/weiß-Bilder wurden Vintage-Kameralinsen genutzt, die den Look noch verstärken, dass es sich um Filmmaterial von Ende des 19. Jahrhunderts handelt. Die visuelle Sprache des Films ist besonders, so wurden für die einzelnen Szenen die Kameras zuerst positioniert, die Schauspieler mussten sich dann ihren Raum suchen. Normalerweise ist es genau andersherum. Der Film müsste jetzt, sofort bei allen ernstzunehmenden Filmpreisverleihungen für die Beste Kamera ausgezeichnet werden. Bereits am Anfang, wenn man auf die kleine Insel mit ihrem Leuchtturm zusteuert, macht man unweigerlich eine kleine Zeitreise. Kaum zu glauben, dass die Szenenbildner diese Bauten eigens für diesen Film erschufen.

Robert Pattinson und Willem Dafoe sind eins mit ihren Rollen geworden, zweifellos liefern beide Schauspieler eine oscarwürdige Peformance. 

Die beiden Filmemacher Robert Eggers und Ari Aster (Hereditary, Midsommar) sind für mich derzeit, die beiden faszinierendsten Regie-Hoffnungen. Beide setzen in ihren Filmen auf Atmosphäre und Stimmung und haben dabei eine völlig andere Herangehensweise und einen sehr präzisen und einzigartigen Stil. Ich bin gespannt auf ihren weiteren Weg, beide präsentieren dieses Jahr erst ihr zweites Werk. 

Ari Asters „Midsommar“ und Robert Eggers „The Lighthouse“ sind beides Film, die in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2019 festgesetzt sind. Update: „The Lighthouse“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2019.

Die Oscar-Strategen von A24 haben sich darauf geeinigt, für Robert Pattinson eine Oscar-Kampagne als Bester Hauptdarsteller und Willem Dafoe als Bester Nebendarsteller zu führen. Strategisch mag das klug sein, für mich sind aber beide gleichwertig in ihrer Präsenz. 

„The Lighthouse“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Robert Pattinson), Bester Nebendarsteller (Willem Dafoe), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Update: „The Lighthouse“ wurde für einen Oscar (Beste Kamera) nominiert.

„The Lighthouse“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat Robert Eggers für seinen Film den FIPRESCI Prize gewonnen. Der A24-Film ist am 18.10.19 in acht amerikanischen Kinos gestartet. Eine Woche später war er bereits in 586 Kinos in den Vereinigten Staaten zu sehen. Unter dem Filmtitel „Der Leuchtturm“ soll der Film ab dem 28.11.19 auch in den deutschen Kinos zu sehen sein. 

Trailer zu sehen:

 

Vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Rhythm Section„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Reed Moranos neuer Film, Actionthriller mit Blake Lively und Jude Law, startet im Januar, schwieriges Startdatum…

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Parasite„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Bong Joon-hos Oscar-Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen


Trailer v. Film: „Waves„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Trey Edward Shults neuer Film, Oscar-Film, soweit ich gehört habe. Dem Trailer nach ist er dem Oscar-Gewinner-Film „Moonlight“ nicht unähnlich.

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Antlers„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Scott Coopers neuer Film, dieses Mal Horrorfilm mit Jesse Plemons. Der Trailer ist toll

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Turning„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Horrorfilm mit Mackenzie Davis und Brooklyn Prince

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht 


Trailer v. Film: „Uncut Gems„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Neuer Film der Safdie Bros. mit Adam Sandler. Ich glaube, die Filme der Brüder sind nicht meins.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Knives Out„

Bewertung des Trailers: A- 

Kommentar: Rian Johnsons neuer Film: Willkommen zurück in der Indie-Welt. Mit Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Michael Shannon

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Richard Jewell„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Clint Eastwoods neuer (Oscar- ?)Film. Biopic mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Kathy Bates, Jon Hamm, Olivia Wilde

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: „Joker“

Ich war am 9.10.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Joker“ (dt. Kinostart war der 10.10.19)  122 min  drama, thriller, adaptation 

dir. Todd Phillips  cast: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Frances Conroy, Bill Camp, Brian Tyree Henry, Brett Cullen, Shea Whigham 

 

1981 in Gotham City. Arthur Fleck (Jooaquin Phoenix) hat psychische Probleme und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Clown. Er lebt mit seiner kranken Mutter (Francwes Conroy) zusammen und träumt davon, Stand-Up-Comedian zu werden. Sein Held ist der Late Night Talkmaster Murray Franklin (Robert De Niro). Ein Leben lang muss Arthur Schläge und Demütigungen einstecken, bis es eines Tages zu viel wird….

 

A (Wertung von A bis F) „Joker“ basiert auf den Charakteren der DC Comics. Es ist der erste Film, der die Vorgeschichte des titelgebenden Comic-Antihelden erzählt, es ist aber kein Teil des DC Extended Universe. „Joker“ ist der neue Film des amerikanischen Schauspielers, Drehbuchautors, Produzenten und Regisseurs Todd Phillips („Starsky & Hutch“, The Hangover, Part II, Part III, War Dogs). 

Ich würde den Film nicht allein dem Genre der Superhelden-Filme zuordnen. Üblicherweise bekommt man zu Beginn solcher Filme das Marvel- oder DC-Logo eingeblendet. Hier hat Warner Bros. darauf verzichtet, der Film sollte für sich stehen. „Joker“ zeigt, dass eine Comic-Adaption auch ohne Action und ohne Charaktere mit Superkräften auskommen kann.

Ein Film, der die Zuschauerschaft spaltet, hat in meinen Augen schon mal vieles richtig gemacht. Es hätte mich schon sehr überrascht, wenn ich den Film nicht gemocht hätte. Joaquin Phoenix als Arthur Fleck/Joker in einem Film, der genau das ist, was der Trailer verspricht: ein düsterer, komplexer Film. Der Film wird dafür kritisiert, dass, er keine Botschaft hat. Nun, hat er auch nicht,„Joker“ bietet dafür Spielraum für eigene Interpretationen. Der Film regt zu Diskussionen an und schafft damit schon weit mehr, als die meisten Filme. 

Für mich ist es hauptsächlich ein Film über toxische Männlichkeit. Es ist aber auch ein Film über psychische Erkrankungen und wie Menschen vom Staat und der Gesellschaft mit ihren Problemen allein gelassen werden. „Joker“ zeigt zugleich aber auch eine Gesellschaft, in der es immer rücksichtsloser zugeht, in der die Wut der Bürger größer wird, eine Sehnsucht nach einer Richtung und Vorbildern herrscht. Vorbilder werden dann in irgendwelchen Berühmtheiten gefunden, (der Film kritisiert den Starkult) und die Abgehängten finden eine Zugehörigkeit in irgendwelchen extrem fragwürdigen politischen Bewegungen (hier: Kill the Rich).

Auch wenn der Film zu Beginn der 1980er Jahre spielt, spiegelt er auch unsere gegenwärtige Zeit wieder. Wenn man die Nachrichten verfolgt, vergeht kein Tag, an dem ein Mann nicht aus Eifersucht, verletztem/r Stolz/ Eitelkeit, aus Frustration oder puren Hass oder auch gerne auch mal, weil jemand „die Familienehre retten will“, durchdreht, grundlos andere Menschen angreift oder seine (Ex-) Freundin oder Frau, seine komplette Familie, seine (ehemaligen) Arbeitskollegen oder – wen auch immer – schwer verletzt oder gar tötet. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in unserer Gesellschaft haben wir ein Problem mit „toxic masculinity“ und es wird Zeit, dass dieses Thema angegangen wird. 

Arthur Fleck ist über einen längeren Zeitraum einfach ein einsamer Außenseiter mit seelischen Problemen. Vielleicht ist er sogar autistisch, er versteht die Signale anderer Menschen nicht, wird missverstanden, verliert zunehmend den Blick auf die Wirklichkeit, ist aber auf der anderen Seite durchaus anpassungswillig, sogar empathisch und definitiv will er niemandes etwas Böses. Relativ zu Beginn wird er von einer Horde Jugendlicher grundlos zusammengeschlagen. Sein ganzes Leben wird er bereits gedemütigt, Arthur Fleck ist ein Opfer der Gesellschaft. Er ist ein psychisch kranker Mensch, der Hilfe braucht, bevor er vielleicht zu einer Gefahr für die Gesellschaft wird. Aus Sparmaßnahmen versagt der Staat dann seinem hilfsbedürftigen Bürger weitere Therapiemaßnahmen. Arthur fühlt sich alleingelassen und das Unheil nimmt seinen Lauf. Bezeichnend sein, nachdenklich stimmender Satz in seinem Tagebuch, „I hope my death makes more cents than my life“ Wohlgemerkt „cents“ nicht „sense“. 

Auf diesen Film bezogen, verliert Arthur Fleck langsam seine Identität und seine Menschlichkeit und wird zum „Joker“. Langsam, weil zwei Drittel des Films sehen wir Arthur Fleck, der einmal – mehr oder weniger – aus Notwehr handelte und später dann, nichts mehr zu verlieren hatte und bewusst jemanden in seinem engeren Umkreis tötete. Das war zumindest für mich der Moment, in dem Arthur Fleck zum Joker wurde. Natürlich rechtfertigt nichts seine späteren Taten. Hier sehen wir eine Gesellschaft, die solche Psychopathen hervorbringt, am Ende steht wieder die toxische Maskulinität, dieses Mal verkörpert durch den Joker und den vielen, seine, sich von ihm inspiriert fühlenden Trittbrettfahrern. „Joker“ zeigt einen möglichen Werdegang eines psychisch labilen Menschen und ist eine Charakter- und Seelenstudie, dabei verherrlicht der Film aber nicht diesen Täter. 

Joaquin Phoenix gibt eine große Performance, sehr intensiv, sehr nuanciert. Es gab keinen Moment, in dem ich nicht wusste, was Arthur Fleck ausmacht und was in ihm vorging. Joaquin Phoenix ist Arthur Fleck/der Joker. Mit seinem ausgemergelten Körper und samt seinen Ticks, seinem unkontrollierten Lachen und seinem improvisierten Ausdruckstanz zeigt er eine völlig andere Interpretation des Jokers als Jack Nicholson (in Tim Burtons „Batman“) oder Heath Ledger (The Dark Knight ). „Joker“ hat durchaus ein paar Drehbuch- und Regie-Schwächen, die Joaquin Phoenix für mich jedoch völlig wegradieren kann. Am Ende habe ich den Film nur als Ganzes wahrgenommen. Dieser Film ist mit einem anderen Schauspieler nicht vorstellbar. Für die Rolle hat er 25 Kilos abgenommen. Um seine Performance richtig erfassen zu können, muss man den Film in der Originalfassung sehen. Joaquin wurde 3 x („Gladiator“, „Walk the Line“, The Master) für den Oscar nominiert. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass es am Ende des Jahres eine Performance gibt, die den Oscar mehr verdient hätte, als diese. Ich habe aber auch noch nicht alle Filme gesehen.

Es ist Joaquin Phoenix erste (und hoffentlich letzte) Rolle in einer Comic-Verfilmung. Bislang hat er nur in Filmen gespielt, die kaum Geld an der Kinokasse eingespielt haben. Mir kommt da sofort der einstige Charakterschauspieler Robert Downey Jr. und den Verlauf seiner Karriere in Erinnerung. Bei Joaquin Phoenix bin ich aber sehr zuversichtlich, dass er sich nicht an Disney bzw. ein anderes Filmstudio verkauft.

Natürlich ist „Joker“ eine Hommage an Martin Scorseses Charakterstudien „Taxi Driver“ und noch mehr „The King of Comedy“ (in dem De Niro den psychisch labilen Rupert Pupkin spielte und davon träumte, Stand-Up-Comedian zu werden, in „Joker“ übernahm De Niro quasi den Part von Jerry Lewis). Mich erinnerte „Joker“  aber auch an drei meiner anderen Lieblingsfilme „Fight Club“, „American Psycho“ und You Were Never Really Here.

„Joker“ ist selbstverständlich jetzt bereits schon einer meiner Top Ten Filme aus dem Jahr 2019. Update: „Joker“ ist einer meiner Top Ten-Filme des Jahres 2019.

Grundsätzlich ist ein Superhelden-Film kein Oscar-Anwärter. Allein Joaquin Phoenix in der Rolle bringt den Film schon ins Gespräch für Oscar-Nominierungen. Da der Film dann aber noch auf zwei, bzw. drei wichtigen Herbstfestivals (Venedig, Toronto und New York) gezeigt wurde, zeigt, dass man sich hinsichtlich der Oscars etwas verspricht. 

„Joker“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Joaquin Phoenix), Beste Nebendarstellerin (Frances Conroy) und einige technische Kategorien Update: „Joker“ ist bei den 92nd Academy Award für die meisten Oscars (11) nominiert worden. Er hat eine Oscar-Nominierung für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Joaquin Phoenix), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik, Bestes Kostümdesign und Bestes Make-up und beste Frisuren erhalten. Update: „Joker“ hat zwei Oscars (Bester Hauptdarsteller, Joaquin Phoenix und Beste Filmmusik gewonnen)

„Joker“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2019 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat der Film den Hauptpreis, den Goldenen Löwen, gewonnen. Der Film startete am 4.10.19 in 4,374 amerikanischen Kinos. In Deutschland ist der Film seit dem 10.10.19 im Kino zu sehen. 

Trailer zu sehen: 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Knives Out„

Bewertung des Trailers: A- (neuer, dieses Mal Teaser) 

Kommentar: Rian Johnsons neuer Film: Willkommen zurück in der Indie-Welt. Mit Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Michael Shannon

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Star Wars: The Rise of Skywalker„

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: neunter Part der Saga – gähn

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Gretel & Hansel„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Ernsthaft? Horrorfilm und Januar-Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „The King´s Man„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Prequel zu den Kingsman-Filmen. Regie Matthew Vaughn mit Ralph Fiennes 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „1917„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Sam Mendes neuer (Oscar- ?)Film, Erste-Weltkriegsgeschichte, eigentlich interessiert mich der Film nicht sonderlich, aber der Trailer ist schon gut.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „Knives Out„

Bewertung des Trailers: A- (zweiter vor „Joker“ gezeigter, dieses Mal richtiger Trailer) 

Kommentar: Rian Johnsons neuer Film: Willkommen zurück in der Indie-Welt. Mit Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Michael Shannon

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Terminator: Dark Fate„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Pfffffffffffff

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Richard Jewell„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Clint Eastwoods neuer (Oscar- ?)Film. Biopic mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Kathy Bates, Jon Hamm, Olivia Wilde

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Zombieland: Double Tap“

Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer) 

Kommentar: Fortsetzung zu Zombieland

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Doctor Sleep„

Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer) 

Kommentar: Verfilmung von Stephen Kings Buch/Fortsetzung von „The Shining“ mit Ewan McGregor 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Ein Bild, dass ich Ende September in New York aufgenommen habe
Ein Bild, dass ich Ende September in New York aufgenommen habe

 

...an der Kinokasse meines New Yorker Kinos
an der Kinokasse meines New Yorker Kinos

TV-Serie – „Succession, 1. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

 

„Succession, Staffel 1“ (in D. beispielsweise über den iTunes Store zu erwerben)  10 x approx. 60 min  comedy, drama 

dir. Adam McKay, Mark Mylod, Adam Arkin, Andrij Parekh, Miguel Arteta, S. J. Clarkson   cast: Brian Cox, Jeremy Strong, Nicholas Braun, Kieran Culkin, Matthew Macfadyen, Alan Ruck, Sarah Snook, Hiam Abbass, Peter Friedman, Justine Lupe, Eric Bogosian, James Cromwell 

 

Logan Roy (Brian Cox) ist ein sehr einflussreicher Medienmogul, Waystar Royco zählt zu den größten Medienkonzernen der Welt. Nun ist er aber nicht mehr der Fitteste und eigentlich war es abgemacht, dass er zu seinem 80. Geburtstag die Leitung seines weltweiten Imperiums seinem zweitältesten Sohn Kendall (Jeremy Strong) überträgt. Der alte Herr hat es sich jedoch anders überlegt…

 

B+ (Wertung von A bis F) Serienschöpfer der HBO-Serie „Succession“ ist der britische TV-Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong („In the Loop“, „Four Lions“). Erzählt wird von dem mächtigen Medienmogul Logan Roy und seiner Familie. Logan Roy hat selbstverständlich rein gar nichts, also überhaupt nichts, mit Rupert Murdoch zutun. Auch sind die Ähnlichkeiten von Waystar Royco und News Corp natürlich nur rein zufällig. Produziert haben die Serie u.a. der amerikanische Schauspieler und Drehbuchautor Will Ferrell (Step Brothers , The Campaign) und der amerikanische Drehbuchautor und Filmemacher Adam McKay (The Big Short, Vice). Adam McKay hat auch bei der Pilotfolge Regie geführt. 

Es gibt TV-Serien, die perfekt in die Zeit passen, in der sie erstmalig ausgestrahlt werden. Ich erinnere mich da besonders an die erste Staffel von Mr. Robot (im Jahr 2015) und The Handmaid´s Tale (im Jahr  2017). „Succession“ kreist um das meinungsmachende Imperium von Logan Roy und ist eine Serie über Supereiche, die über die Gestaltung der Gesellschaft mitbestimmen, ohne selbst einen Bezug zur „normalen“ Bevölkerung zu haben. Damit passt „Succession“, in meinen Augen, genau in die Zeit 2018/2019 usw. 

Zugegebenermassen springe ich dieses Mal etwas spät auf den Zug auf. Auch wenn ich im letzten Jahr bereits an der ersten Staffel interessiert war, gab es einfach zu viele hervorragende Serien, die meine Aufmerksamkeit erforderten. An den überragenden Kritiken der aktuell laufenden zweiten Staffel komme ich nun aber definitiv nicht mehr vorbei. Zunächst musste ich mir aber die erste Staffel anschauen. 

Hier geht es um die „Roys“, die dem amerikanischen Geldadel angehören, genauer die zu den sogenannten „1%“ zählen. Megareiche, die mit sich selbst überfordert sind, die Bodenhaftung völlig verloren haben, sich vermutlich selbst und alle anderen hassen. Sie begegnen anderen, aber selbst ihren engsten Familienmitgliedern, mit einer unglaublichen Überheblichkeit, Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit. So hauen sich die einzelnen Charaktere permanent irgendwelche Gemeinheiten um die Ohren. Was die Kinder von Logan Roy betrifft, suchen diese letztendlich nach Aufmerksamkeit und Bestätigung. Definitiv ist dies keine Serie, bei der man mit, auch nur einem der Beteiligten tauschen will und wenn man es nicht eh schon wüsste, wäre das hier der Beweis, dass Geld nicht glücklich macht. Gute Menschen oder gar Sympathieträger sucht man in dieser Serie vergeblich. Die Charaktere wären eigentlich kaum zu ertragen, wenn das Ganze nicht als schwarze Tragikomödie aufgezogen wäre. Die Dialoge sind unglaublich brillant. Ich weiß nicht, wie oft ich lauthals lachen musste. Meine unbedingte Empfehlung: die Serie in der Originalfassung, vielleicht mit englischen Untertiteln, schauen.

Die Besetzung jedes einzelnen dieser komplexen Charaktere ist makellos. 

Schauspielerisch und inszenatorisch ist „Succession“ manchmal so überzeugend, dass man glaubt, eine Reportage über diese dysfunktionale Milliardärs-Familie zu sehen. 

Greg, der Cousin von Connor, Kendall, Roman und Shiv, ist nicht im Wohlstand aufgewachsen und reicht damit vielleicht am Anfang noch am ehesten als Identifikationsfigur für den Zuschauer. Zumindest sieht man die superreichen Roys anfänglich durch seine (scheinbar naiven) Augen.

Am meisten habe ich mich sicher über den, von Kieran Culkin verkörperter Roman Roy amüsiert. Vielleicht ist er sowas wie mein Lieblingscharakter der Serie. Es macht aber auch wahnsinnig viel Spaß, den Möchtegerns und irgendwie Außenseitern Greg und Tom (gespielt von Nicholas Braun und Matthew Macfadyen) zuzuschauen. Brian Cox hebt das Niveau jedes Projektes und ist die perfekte Besetzung des Logan Roy. Brian Cox zeigt hier über die gesamte erste Staffel einige Facetten seines Talents.

Was wären Schauspieler ohne ihre Stimme und ihre Sprache? Synchronisationen nehmen ihnen genau das, das sollte man sich immer vor Augen halten. 

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich es kaum erwarten kann, wie es mit den Charakteren in der zweiten Staffel weitergeht und ich endlich wieder diesen tollen Score hören kann.

 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Logan Roy ist in Schottland geboren. Er hat sich selbst ein Imperium aufgebaut, dadurch fällt es ihm auch schwer, seinen verwöhnten Kindern, die noch nichts in ihrem Leben erreicht haben, die Nachfolge seines Lebenswerks zu überlassen. Logan ist der CEO eines der weltweit größten Medienkonzerne: Waystar Royco. Ähnlichkeiten zu Rupert Murdoch sind, wie gesagt, rein zufällig. Er ist in dritter Ehe mit Marcia (gespielt von Hiam Abbass) verheiratet. Er hat mit Connor (gespielt von Alan Ruck), Kendall (gespielt von Jeremy Strong) und Roman (gespielt von Kieran Culkin) drei Söhne und eine Tochter: Siobhan (gespielt von Sarah Snook). Logan ist 80 Jahre alt und wollte eigentlich kürzer treten und die Führung seines Konzerns seinem zweitältesten Sohn Kendall überlassen. Er hat es sich aber anders überlegt. Gespielt wird der Patriarch von dem schottischen Schauspieler Brian Cox. Der Theater-, TV- und Filmschauspieler hat in unzähligen Kinofilmen („Braveheart“, „The Bourne Identity“, Zodiac, The Escapist, The Good Heart) und TV-Serien („Deadwood“, „The Game“, „Penny Dreadful“) mitgespielt. Für seine Performance in der TV-Serie „Nuremberg“ hat er einen Emmy gewonnen. Für seine Rolle in der TV-Serie „Frasier“ wurde er für einen weiteren Emmy nominiert. 

Kendall „Ken“ Roy ist der zweitälteste Sohn (aus 2. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Eigentlich sollte Kendall die Nachfolge seines Vaters als CEO bei Waystar Royco antreten, Logan hat es sich jedoch anders überlegt. Kendall hat eine Drogenvergangenheit, was wohl auch ein Grund für seine Ehefrau Rava (gespielt von Natalie Gold) war, ihn mit den beiden Kindern zu verlassen. Gespielt wird Kendall von dem amerikanischen Schauspieler Jeremy Strong. Auch wenn ich wahrscheinlich noch nicht erwähnt habe, hat er in einigen hervorragenden Kinofilmen (Lincoln, Robot & Frank, Zero Dark Thirty,  The Big Short, Molly´s Game) mitgespielt. Auch war er u.a. in den TV-Serien „The Good Wife“ und „Masters of Sex“ zu sehen.

Roman „Rome“ Roy ist der jüngste Sohn (aus 2. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Roman arbeitet bei Waystar Royco, naja, er arbeitet nicht wirklich, aber er hat dort ein Büro.  Gespielt wird Roman von dem amerikanischen Schauspieler Kieran Culkin. Seine erste Rolle hatte er neben seinem Bruder Macauley in „Home Alone“. Er hat in ein paar guten Filmen („The Cider House Rules“, „Igby Goes Down“, Margaret) mitgespielt. Auch hat er in der zweiten Staffel der TV-Serie „Fargo“ mitgewirkt. 

Siobhan „Shiv“ Roy ist die einzige Tochter (aus der 2. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Sie ist die Halbschwester von Connor (gespielt von Alan Ruck) und die Schwester von Kendall und Roman (gespielt von Jeremy Strong und Kieran Culkin) Sie arbeitet als politische Beraterin. Demnächst will sie ihren langjährigen Freund Tom Wambsgans (gespielt von Matthew Macfadyen)  heiraten. Gespielt wird Shiv von der australischen Schauspielerin Sarah Snook. Sie war bereits in einigen Kinofilmen (u.a Steve Jobs, The Glass Castle, Winchester) zu sehen. 

Connor „Con“ Roy  ist der ältester Sohn (aus der 1. Ehe) von Logan Roy (gespielt von Brian Cox).  Con lebt auf einer abgelegenen Ranch in New Mexico. Willa (gespielt von Justine Lupe) ist sowas wie seine Freundin, auch wenn er sie kennenlernte, als er ihre Dienste als Callgirl in Anspruch nahm. Das sorgt auch immer wieder für böse Spitzen in ihre Richtung. Connor wird von dem amerikanischen Schauspieler Alan Ruck gespielt. Unvergessen ist er natürlich als „Cameron“ in „Ferris Bueller´s Day Off“. Seither hat er in vielen TV-Serien („Mad About You“, „Spin City“, „The Exorcist“) mitgespielt und war auch in ein paar Kinofilmen („Speed“, War Machine) zu sehen. Neben seiner Ehefrau, Mireille Enos (TV-Serie „The Killing“) hat Alan Ruck in der TV-Serie „The Catch“ gespielt. 

Tom Wambsgans ist der langjährige Freund/später Verlobte von Shiv Roy (gespielt von Sarah Snook). Er arbeitet bei Waystar Royco. Gespielt wird Tom von dem englischen Schauspieler Matthew Macfadyen.  Er hat in einigen Kinofilmen (u.a. „Pride & Prejudice“, „Death at a Funeral“, Frost/Nixon) und TV-Serien („Spooks“, „Ripper Street“) mitgespielt. 

Marica Roy ist die dritte Ehefrau von Logan Roy (gespielt von Brian Cox). Gespielt wird Marcia von der israelischen Schauspielerin („Paradise Now“, „Munich“, The Visitor) und Regisseurin Hiam Abbass. 

Greg ist der Enkel von Logan Roys Bruder Ewan (gespielt von James Cromwell)), damit ist er ein Cousin von Kendall, Roman, Shiv und Connor. Greg selbst ist nicht im Wohlstand aufgewachsen, am Anfang sieht man die ultrareichen Roys mit seinen Augen. Er wirkt etwas naiv und unbeholfen, zeigt aber schon bald einen gewissen Ehrgeiz. Gespielt wird Greg von dem amerikanischen Schauspieler Nicholas Braun. Er hat in einigen TV-Serien (u.a. „10 Things I Hate About You“) und Kinofilmen (u.a.The Perks of Being a Wallflower) mitgewirkt. Nicholas Braun ist sehr groß (fast 2 Meter), was in dieser Serie tatsächlich öfter auffällt. 

Die erste und die zweite Staffel von „Succession“  sind in meiner Bestenliste für 2019 gelistet.

Die erste Staffel von „Succession“ wurde für fünf Emmys nominiert, u.a. Outstanding Drama Series, Outstanding Directing for a Drama Series (für Adam McKays Pilotfolge), Outstanding Writing for a Drama Series (für den Serienschöpfer Jesse Armstrong und die finale Episode der ersten Staffel„Nobody is Ever Missing“) 

Die erste Staffel von „Succession“ wurde erstmalig v. 3.6.18 – 5.8. 18 auf HBO gezeigt. Die zweite Staffel läuft seit dem 11.8.19 auf HBO. Eine dritte Staffel ist bereits bestätigt. In Deutschland kann man die OV der ersten Staffel über den deutschen iTunes Store erwerben. 

Trailer zu sehen:

 

Vorspann zu sehen:

 

 

San Francisco – Film: „The Last Black Man in San Francisco“

Ich war am 3.8.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Last Black Man in San Francisco“  121 min   drama

dir. Joe Talbot  cast: Jimmie Fails, Jonathan Majors, Danny Glover, Mike Epps, Finn Wittrock, Thora Birch

 

Jimmie (Jimmie Fails) kann sich keine eigene Wohnung in San Francisco leisten und lebt bei seinem besten Kumpel Mont (Jonathan Majors) und dessen Opa (Danny Glover). Er träumt aber schon ewig davon, in das viktorianische Haus, das sein Opa im Jahr 1946 gebaut hat, einzuziehen. Als dieses Haus eines Tages leersteht, sieht er seine große Chance…

 

A- (Wertung von A bis F) „The Last Black Man in San Francisco“ ist das Regiedebüt (Spielfilm) von Joe Talbot. Der Film erzählt vage seine Geschichte und die seines besten Freundes Jimmie Fails. Jimmie Fails spielt sich dabei in diesem Film selbst.  

In den Großstädten der Welt sind die Mieten in den letzten Jahren teils ins Unermessliche gestiegen, es werden nur noch Luxus-Wohnungen bzw. -Häuser gebaut, die sich die „normalen“ Einwohner immer weniger leisten können. Die Familien, die seit Generationen in einer Stadt leben bzw. die Bewohner, die in einer Stadt aufgewachsen sind, müssen müde und hilflos dabei zuschauen, wie sie aus ihrer Heimat gedrängt werden, um Platz für Wohlhabende zu machen. Mitunter sind es aber genau diese Einheimischen, die die Stadt erst zu dem Sehnsuchtsort für Touristen und Wohlhabende gemacht haben. Ich beobachte immer mehr, dass schöne Cafés & Restaurants, kleine Boutiquen und originelle Geschäfte in den Innenstädten der weltweit schönsten Städte verschwinden. Dafür gibt es an jeder Ecke irgendwelche Luxus-Läden, Banken und Drogerie-, Fast Food- und Bekleidungsketten. Die Städte verlieren zunehmend an Flair. 

Gentrifizierung ist ein interessantes Thema für einen Film. Normalerweise ist es mir gleich, ob ich einen Film in einer Stadt sehe, in der die Geschichte spielt. Hier empfand ich es relevant, insbesondere, wenn ich auf meinem Rückweg zum Hotel, den unzähligen Obdachlosen und Drogenabhängigen auf den Straßen (die sich in den letzten zwanzig Jahren, die ich nun San Francisco regelmäßig bereise, mehr als verdoppelt haben) begegnet bin. Der Regisseur zeichnet ein authentisches Bild samt der Problematik seiner Heimatstadt und geht der Frage nach, wie man im Leben ein Zuhause findet. Auch ist „The Last Black Man in San Francisco“ ein Film über eine Freundschaft. 

Die Regie eines Films fällt mir immer dann ins Auge, wenn sie besonders gut oder besonders schlecht ist. Joe Talbots Inszenierung hat mich richtig mitgerissen. Er zeigt die Vielfältigkeit der Einwohner dieser, so weltoffenen Stadt, mal in Nahaufnahme und mal Zeitlupe und lässt einem durch Momentaufnahmen etwas an der Atmosphäre teilhaben. Ich liebe, liebe, liebe die Sequenz, die mit einer sehr schönen Version des Songs „San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair)“ unterlegt ist. Überhaupt ist der Soundtrack fantastisch. Schauspielerisch habe ich auch nichts zu mäkeln. Ich hätte schwören können, dass ich Jimmie Fails bereits in einem anderen Film gesehen habe. Kann ich aber nicht, da dies tatsächlich der erste Spielfilm ist, in dem er mitspielt. 

Für mich ist „The Last Black Man in San Francisco“ einer der besten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Er bewirbt sich damit um einen Platz in meiner Top Ten. Update: „The Last Black Man in San Francisco“ ist einer meiner Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

„The Last Black Man in San Francisco“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Jimmie Fails), Bester Nebendarsteller (Jonathan Majors, Danny Glover), Bestes Originaldrehbuch

„The Last Black Man in San Francisco“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Auf diesem Filmfestival hat der Film den U.S. Dramatic Special Jury Award gewonnen und Joe Talbot wurde für seine Regie mit dem U.S. Dramatic Directing Award ausgezeichnet. Der A24-Film ist am 07.06.19 in sieben Kinos in den U.S.A. gestartet. Mittlerweile läuft der Film landesweit in 207 Kinos. Für Deutschland ist bislang noch kein Kinostart geplant. 

Trailer zu sehen:

 

Vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Them That Follow„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Thriller mit Olivia Colman, Kaitlyn Dever, Lewis Pullman – auch wenn ich wegen der Schlangen wahrscheinlich Albträume haben werde, muss ich den sehen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Brian Banks„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Biopic mit Greg Kinnear 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken 


Trailer v. Film: „Luce„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Drama mit Naomi Watts, Octavia Spencer und Tim Roth

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Art of Racing in the Rain„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Romanverfilmung und neuer Film von Simon Curtis.

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „Gemini Man„

Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer) 

Kommentar: Sci-Fi-Actionthriller mit Will Smith. Neuer Film von Ang Lee, der leider schon länger keinen richtig guten Film präsentiert hat.

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: wahrscheinlich schon 


Trailer v. Film: „The Goldfinch„

Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer) 

Kommentar: Romanverfilmung mit Nicole Kidman, Ansel Elgort, Sarah Pauslon u.a.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Downton Abbey„

Bewertung des Trailers: B- 

Kommentar: Ich habe die Serie nie gesehen, jetzt also der Film dazu. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Montréal – Film: „Midsommar“

Ich war am 19.07.19 in Montréal und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Midsommar“ (dt. Kinostart: 26.09.19)  140 min.  drama, horror

dir. Ari Aster cast: Florence Pugh, Jack Reynor, William Jackson Harper, Will Poulter, Vilhelm Blomgren

 

Dani (Florence Pugh) muss eine Familientragödie verarbeiten, ihr langjähriger Freund Christian (Jack Reynor) ist ihr dabei keine große Hilfe. Eigentlich wollte der sich auch schon länger von ihr trennen. Jetzt erfährt Dani, dass er bereits vor einiger Zeit eine Reise mit seinen Freunden Josh (William Jackson Harper) und Mark (Will Poulter) gebucht hat. Ihr Freund Pelle (Vilhelm Blomgren) hatte sie in sein Heimatdorf nach Schweden eingeladen. Dort wird in diesem Jahr ein ganz besonderes Fest gefeiert. Kurzerhand fährt Dani nun mit. Schon bald müssen die Amerikaner aber feststellen, dass die Mitglieder dieser Kommune höchst befremdliche Rituale pflegen….

 

A (Wertung von A bis F) „Midsommar“ ist nach Hereditary der zweite Spielfilm, bei dem der  Autorenfilmer Ari Aster Regie führt. 

Ich liebe diesen Film. Es ist nicht so sehr, was für eine Geschichte präsentiert wird, sondern wie sie erzählt wird. Wenn man sich darauf einlassen kann und will, lädt Ari Aster einen ein, einige Zeit in einer obskuren Sekte zu verbringen, ohne dass man selbst einen Schaden davonträgt oder gar sein Leben verliert. Ich bin immer noch verblüfft, wie er es vollbracht  hat, diese Atmosphäre zu kreieren. Ich hatte tatsächlich das Gefühl hat, mit den anderen Neuankömmlingen (den vier Amerikanern und zwei Engländern) zeitgleich in dieser seltsamen Kommune anzukommen. Der Film führt einen durch seinen langsamen und ruhigen Aufbau in diese, so andere Welt.

Alles an dieser Idylle mit ihren scheinbar glücklichen, weißbekleideten schwedischen Menschen in ihrem Dorf mit den schlichten Häusern, die im Inneren detailreich verzierte Wände haben, den Tisch-Ritualen, etc. habe ich aufgesaugt als wäre ich vor Ort und mir würde die schwedische Sonne ins Gesicht brutzeln. Irgendwann kippt natürlich die Stimmung, eines der bizarren religiösen Rituale schockiert bis ins Mark. Dann ist man als Zuschauer aber bereits bei den Charakteren, das Schicksal der Einzelnen nimmt seinen Lauf und als aufmerksamer Zuschauer ahnt man, was kommt. Das Ende – im Gegensatz zu Asters Vorgängerfilm „Hereditary“ – fügt sich dann auch homogen in die Szenerie. 

Gestalterisch ist dieser Film ein Meisterwerk. „Midsommar“ ist das Werk eines visionären Künstlers, von denen es in der neuen Generation von Filmemachern nur ganz wenige gibt. Es wird der Vergleich zu Stanley Kubricks Inszenierungen gezogen und das kommt nicht von ungefähr. Im Gegensatz zu dem legendären Filmemacher schreibt Ari Aster aber auch die Geschichten zu seinen Filme selbst. Für den 33-jährige New Yorker war sein Erstlingswerk (Spielfilm) „Hereditary“ ein Familiendrama, im Gerüst eines Horrorfilms.  Auch mit seinem neuen Film bedient sich der Filmemacher der Stilmittel des Horrorfilms, aber eigentlich ist es ein tief verstörendes Melodrama, das auf brillante Weise die Verarbeitung von Schmerz und Trauer zeigt. Anders ausgedrückt, die Zuschauer, die einen reinen Horrorfilm sehen wollen, können mit diesem Film sicher nicht viel anfangen. Dafür passiert in diesem fast 2 1/2 Stunden-Film einfach zu wenig und die eigentliche Spannung und der Grusel kommen hier hauptsächlich durch die transportierte Atmosphäre und Stimmung. Der Zuschauer, der ein reines (Beziehungs- oder Trennungs-) Drama erwartet, wird aber mit diesem Film auch nicht glücklich. Dafür sind einige Szenen zu krass und blutig. „Midsommar“ ist daher am besten als ein gelungenes Zusammenspiel aus Drama und Horrorfilm zu beschreiben. Hervorheben möchte ich jetzt nur noch, dass mir gefallen ist, wie der Filmemacher das Atmen und das Schreien hier arrangiert und teilweise in die Handlung einbettet hat. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, Sequenzen, in denen bewusstseinserweiternde Drogen konsumiert werden, jemals so realistisch und nachhaltig beeindruckend inszeniert gesehen zu haben.

Vor Beginn der Dreharbeiten hatte Ari Aster ein komplett ausgearbeitetes Konzept für seinen Film im Kopf und hat das dann später mit den besten gestalterischen Möglichkeiten umgesetzt. Aus technischer Sicht (Regie, Schnitt, Kamera, Filmmusik, Sound-, Production- und Kostümdesign) ist der Film Perfektion. 

Man sollte diesen Film unverfälscht sehen. Eine synchronisierte Fassung des Films sollte nicht in Betracht gezogen werden. Er eignet sich außerdem perfekt für das Kino. Ich werde versuchen, den Film ein weiteres Mal im Kino sehen. Ari Aster hat bereits eine extended version für die DVD-Auswertung angekündigt. 

„Midsommar“ wird die Zuschauerschaft spalten, für mich ist der Film bereits jetzt festgesetzt als einer meiner Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2019. Update: „Midsommar“ ist einer meiner Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019.

„Midsommar“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Florence Pugh) 

„Midsommar“ ist ein A24-Film, der am 3.7.19 in 2,707 amerikanischen Kinos gestartet ist. Ich habe den Film in Kanada gesehen. Der Film startet am 26.09.19 in Deutschland. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer: 

Trailer v. Film: „Once Upon a Time in Hollywood„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: Quentin Tarantinos neunter Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Ad Astra„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: James Grays neuer Film. Sci-Fi mit Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%


Trailer v. Film: „It Chapter Two„

Bewertung des Trailers: A-

Kommentar: Fortsetzung zu dem Horrorfilm aus dem Jahr 2017. Habe weder Original noch Remake gesehen.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „The Death & Life of John F. Donovan„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Xavier Dolans neuer Film mit Susan Sarandon, Kit Harrington, Natalie Portman, Jacob Tremblay. Ich bin kein Freund von Xavier Dolan und auch nicht von seinen Filmen. 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „My Spy

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Actionkomödie

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%