Berlin – Film: „The Light Between Oceans“

Ich war am 2.9.16 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„The Light Between Oceans“ (dt. Kinostart: 8.9.16) 128 min drama, adaptation
dir. Derek Cianfrance cast: Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz, Bryan Brown

 

 

Dezember 1918. Tom Sherbourne (Michael Fassbender) ist noch von dem Krieg traumatisiert und möchte zur Ruhe kommen. Er nimmt eine Stelle als Leuchtturmwärter auf einer kleinen Insel an. Er geniesst die Abgeschiedenheit. Ein paar Monate später lernt er auf dem Festland die junge Isabel. (Alicia Vikander) kennen. Sie verlieben sich, heiraten und sie zieht zu ihm auf die Insel. Sie wünschen sich Kinder, nur damit scheint es nicht so richtig zu klappen. Besonders Isabel ist verzweifelt, bis eines Tages ein kleines Boot mit einem neugeborenen Baby angetrieben wird…

 
B- (Wertung von A bis F) „The Light Between Oceans“ basiert auf M. L. Stedmans gleichnamigen Roman. Es ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Derek Cianfrance (Blue Valentine, The Place Beyond the Pines)

Eine Frau erleidet erst eine Fehlgeburt und kurz nach der zweiten wird ein neugeborenes Baby in einer Jolle angeschwemmt – das fordert den realitätsverbundenen Zuschauer schon etwas heraus. Wenn man die Fantasie-Pille geschluckt hat, kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung des Paares und das Drama nimmt seinen Lauf. Damit der Film einen richtig berühren kann, muss man sich wohl in einen der (später) drei Charaktere reinversetzen können. Glaubhaft war die innere Zerrissenheit von Michael Fassbenders Charakter. Fassy kann so etwas wie kaum ein anderer spielen. Im Verlauf der Geschichte sorgt das Verhalten seines Charakters aber auch wieder für ungläubiges Staunen. Im Ganzen ist es ein schön fotografierter, aber kein runder Film – auch wenn bei mir tatsächlich am Ende doch noch ein paar Tränen geflossen sind.

Der Filmemacher hatte Michael Fassbender gefragt, ob er sich vorstellen könnte, während der Dreharbeiten auch in der absoluten Einöde (1 1/2 Stunden weg von jeglicher Zivilisation) zu leben. Fassy konnte sich das gar nicht vorstellen. Schließlich hat er sich aber überreden lassen, wenigstens eine Nacht dort zu verbringen…Den Angaben des Filmemachers zufolge, musste er 5 Wochen später viel Überredungsarbeit leisten, um Michael Fassbender wieder aus der einsamen Idylle wegzubewegen. Zwischenmenschlich waren die Dreharbeiten vor zwei Jahren auch lohnenswert, seitdem sind die beiden Hauptdarsteller ein Liebespaar. Ich habe mir eingebildet, auf der Leinwand zu sehen, wie die beiden sich ineinander verliebt haben.

Es ist übrigens nicht das erste Paar, dass sich bei den Dreharbeiten eines Derek Cianfrance-Filmes kennengelernt hat – Ryan Gosling und Eva Mendes haben sich bei „The Place Beyond the Pines“ ineinander verknallt.

 
„The Light Between Oceans“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2016 gezeigt. Der Film ist in den U.S.A. am 2.9.16 gestartet. Der Film kommt am 8.9.16 in die deutschen Kinos. Ich habe den Film in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die deutsche Fassung.

 
Trailer zu sehen:

 
deutscher Trailer zu sehen:

NYC – Film: „Steve Jobs“

Ich war am 09.10.15 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Steve Jobs“ (dt. Kinostart: 12.11.15) 121 min drama, biopic, adaptation
dir. Danny Boyle cast: Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Jeff Daniels, Katherine Waterston, Michael Stuhlbarg

Ein Portrait über Steve Jobs.

B (Wertung von A bis F) „Steve Jobs“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Walter Isaacson.

Danny Boyle hat seinen neuesten Film wie ein Theaterstück inszeniert. Es sind drei Akte von jeweils ungefähr 40 Minuten. Die Ereignisse eines einzelnen Segments sind vor der jeweiligen Präsentation eines neuen Apple- (bzw. NeXT-) Produktes angesiedelt. Die erzählte Geschichte spielt hinter der Kulisse und zeichnet ein berufliches und privates Portrait von Steve Jobs. Der erste Akt spielt im Jahr 1984 als der erste, der Original Macintosh Computer vorgestellt wird, im zweiten Akt, im Jahr 1988, ist Steve Jobs mittlerweile nicht mehr bei Apple und stellt in seiner neuen Firma den schwarzen NeXT-Cube vor und im Jahr 1998, nach seiner Rückkehr zu Apple, den iMac. Jeder Akt in dem Film ist in einem anderen Format (16mm, 35mm und Digital) gedreht worden.

Ursprünglich sollte David Fincher (Fight Club, Zodiac, The Social Network, Gone Girl) Regie führen und Christian Bale sollte die Hauptrolle spielen. Nach einigen Unstimmigkeiten über die Finanzierung des Films stieg David Fincher aus dem Projekt aus und der Oscar-Gewinner Danny Boyle („Trainspotting“, „The Beach“, Slumdog Millionaire, 127 Hours) übernahm. Christian Bale distanzierte sich schließlich auch noch von dem Projekt und Danny Boyle hatte keinen Hauptdarsteller mehr. Leonardo DiCaprio war mal im Gespräch, Steve Jobs zu spielen, bis dann irgendwann Michael Fassbender die Hauptrolle übernahm.

„Steve Jobs“ ist ein ungewöhnlicher Danny Boyle-Film. Wenn man diesen Film sieht, ist seine Handschrift nur selten zu erkennen. „Steve Jobs“ könnte man fast als Aaron Sorkin-Film beschreiben. Der Film ist reich an brillanten Dialogen. Das von Aaron Sorkin (The Social Network, Moneyball, TV-Serie „The Newsroom) geschriebenen Drehbuch macht den Film aus. Aaron Sorkin gilt als einer der besten Drehbuchschreiber Hollywoods. Er hat eine eigene, so smarte, schnelle und messerscharfe Sprache kreiert. Die „Sorkin-Sprache“ wird von den Schauspielern gerne als moderne Shakespeare-Sprache bezeichnet. Die Texte müssen präzise so wiedergegeben werden wie sie im Skript stehen. Improvisationen sind tabu, es darf kein Satz abgewandelt werden, kein Füllwort eingebracht, nicht mal ein Wort in der Betonung geändert oder gar eine Pause eingebaut werden, wenn sie nicht dort hingehört. Wenn man nur etwas an einem sogenannten Sorkin-Text ändert (und da gebe ich u.a. Kate Winslet wieder) bricht die gesamte Poesie, der Rhythmus und die Kraft der Worte zusammen. Ich habe mir bislang noch nie ein sogenanntes Sorkin-Werk in der Synchronisation angeschaut. Ich kann mir kaum vorstellen, dass in der Übersetzung nichts von der Intensität verlorengeht. Der Film „Steve Jobs“ war für die Schauspieler jedenfalls mit exakter Vorbereitung, zahlreichen Proben und einigen Wiederholungen beim Dreh verbunden. Kate Winslet hat angegeben, dass eine der Anfangsszenen im ersten Akt 39x wiederholt werden musste.

Optisch hat Michael Fassbender (Hunger, Jane Eyre, Shame12 Years a Slave) nun keinerlei Ähnlichkeit mit dem Apple-Mitbegründer. Er hat auch zugegeben, dass er erst in seine Rolle reinwachsen musste. Und dabei kann man förmlich zuschauen. Michael Fassbender wird Steve Jobs immer ähnlicher. Am Anfang habe ich noch einen meiner Lieblingsschauspieler gesehen, der mich wieder mal mit einer ganz neuen Rolle begeistert. Mit Beginn des dritten Aktes habe ich regelrecht Gänsehaut bekommen, war schlichtweg verblüfft, wie sich Michael Fassbender in Steve Jobs verwandelt hat. Die Oscar-Nominierung ist ihm sicher, es ist aber durchaus denkbar, dass ihm diese Performance den Academy Award einbringt.

Ebenso oscarwürdig ist zweifelsfrei Kate Winslet. Im Gegensatz zu Fassy sieht man hier aber von Beginn an Joanna Hoffman und nicht die Schauspielerin. Zugegebenermassen hatte sie es auch etwas einfacher, jeder weiß wie der Apple-Chef aussah, die wenigsten aber wie Steve Jobs Marketing-Managerin und engste Vertraute.

Danny Boyles Film ist keine Heldenzeichnung von Steve Jobs. Er war sicherlich ein Genie, Visionär und ein Perfektionist, aber halt auch ein Kontrollfreak, charismatischer Größenwahnsinniger und ein A….. „Steve Jobs“ ist eine Charakterstudie dieses schwierigen Mannes. Wahrscheinlich wird es keinen Film geben, der aus ihm einen Sympathieträger macht, aber für mich wird er immer dafür verantwortlich sein, dass ich mir ein Leben ohne MacBook, MacBookAir, iPhone und iPod nicht mehr vorstellen kann (oder will).

Dieser Spielfilm gibt einem eine Idee davon, wie er getickt hat. Joanna Hoffman (gespielt von Kate Winslet) schien ihm als Einzige, richtig Paroli bieten zu können. Ihr gegenüber und später auch seiner Tochter Lisa (gespielt von Perla Haney Jardine, Ripley Sobo und Makenzie Moss) gegenüber erscheint Steve Jobs auch etwas zugänglicher und weniger hart. Man bekommt hier auch einen recht guten Eindruck von Steve Jobs Beziehung zu dem Computeringenieur Steve Wozniak (gespielt von Seth Rogen), dem Softwareentwickler Andy Herzfeld (herausragend gespielt von Michael Stuhlbarg) und zu Apple CEO John Scully (gleichbleibend großartig gespielt von Jeff Daniels) bekommen.

Meine Lieblingssequenz im Film ist eine Dialogszene zwischen Michael Fassbenders Jobs und Jeff Daniels Scully. Es ist eine Parallelmontage von Ereignissen aus dem Jahr 1984 und 1988. Diese Sequenz war in meinen Augen charakteristisch für Danny Boyle.

„Steve Jobs“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2015 gezeigt. Am 9.10.15 ist der Film in vier ausgewählten Kinos in New York und Los Angeles. gestartet. In NYC wurde der Film in nur zwei Kinos gezeigt. Ab dem 16.10.15 wird „Steve Jobs“ dann in ganzen 60 amerikanischen Kinos zu sehen sein und ab dem 23.10.15 in ganz U.S.A. Ich habe den Film am Eröffnungsabend in New York gesehen. Soweit ich das verfolgen konnte, waren alle abendlichen Vorstellungen in meinem Kino ausverkauft. Einige Repräsentanten von Universal Studios waren anwesend und haben einen ausführliche schriftliche Umfrage zu diesem Film durchgeführt. Neben den üblichen persönlichen Angaben und warum man ausgerecht diesen Film gewählt hat, wollten sie natürlich wissen wie einen der Film gefallen hat, aber – und das hat mich überrascht – haben sie auch einige Fragen zu dem vorgeschalteten Trailer des Coen Bros. Film „Hail, Caesar!“ gestellt. „Hail, Caesar!“ hat derzeit einen Kinostart von Februar 2016 in den USA. Ist Universal am überlegen, den Film noch dieses Jahr herauszubringen und damit in die Oscar-Saison 2015/2016 vorzuverlegen?

„Steve Jobs“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Michael Fassbender), Bester Nebendarsteller (Jeff Daniels), Beste Nebendarstellerin (Kate Winslet) Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien.

Update: „Steve Jobs“ hat 2 Oscar-Nominierungen (Bester Hauptdarsteller Michael Fassbender und Beste Nebendarstellerin Kate Winslet) erhalten.

Der großartige Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Film der Coens mit Josh Brolin, George Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „By the Sea“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Neuer Film von und mit Angelina Jolie Pitt (wann hat die Jolie eigentlich ihren Namen geändert?) und ihrem Gatten
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Joy“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: David O. Russells neuer Film, wieder mit Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Robert De Niro. Film läuft derzeit in den ersten Test Screenings
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Creed“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Wie viele Boxer-Filme muss ich eigentlich noch gucken? Rocky-Spin-off mit Sylvester Stallone.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Finest Hours“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Disney-Katastrophenfilm mit Chris Pine
Wie oft schon im Kino gesehen: x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: pfff

Trailer v. Film: „Miss You Already“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Tragikomödie. Bei Toni Collette bin ich grundsätzlich dabei, aber Drew Barrymore?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Rock the Kasbah“
Bewertung des Trailers: D+ (neuer Trailer)
Kommentar: Barry Levinsons neuer Film mit Bill Murray, Zooey Deschanel, Bruce Willis und Kate Hudson. Ich bin so gelangweilt von Bill Murray in solchen Komödien
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bei 95 % Rotten Tomatoes

Filmplakat von
Filmplakat von „Steve Jobs“ in New York
Filmplakat von
Filmplakat von „Steve Jobs“ in New York

VOD – Film: "Slow West"

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

„Slow West“ (dt. Kinostart: 30.07.15) 84 min western, drama
dir. John Maclean cast: Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius

Im Jahr 1870 begibt sich der 16-jährige Jay (Kodi Smit-McPhee) auf die Suche nach seiner großen Liebe. Er reist seiner Angebeteten Rose (Caren Pistorius) nach Amerika hinterher. Rose musste mit ihrem Vater aus Schottland fliehen, im Westen von Amerika wollten sie sich ein neues Leben aufbauen. Auf seinem Weg trifft Jay den mysteriösen Fremden Silas (Michael Fassbender). Silas bietet ihm an, ihn auf der gefährlichen Reise zu beschützen. Dafür soll ihn Jay bezahlen, aber führt Silas noch etwas anderes im Schilde?

A- (Wertung von A bis F) „Slow West“ ist ein poetischer Indie-Western mit einer eindrucksvollen Bildästhetik und unerwartet viel Witz. Es ist das Langfilmdebüt von Regisseur John Maclean.

Der australische Schauspieler Kodi Smit-McPhee ( The Road, Dawn of the Planet of the Apes) spielt hier den romantisch-verträumten Jungen in einer abgeklärten Erwachsenenwelt, in die er partout nicht reinpassen will. Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der viele Europäer nach Amerika kamen. Jeder kämpft irgendwie ums Überleben und für die Liebe bleibt da kein Platz.

Ich glaube mittlerweile, dass Michael Fassbender – ähnlich wie Viggo Mortensen – praktisch alles spielen kann. Fassy spielte in einem Quentin Tarantino-Film (Inglourious Basterds), in Kostümdramen ( u.a. in Jane Eyre), in Comic-Verfilmungen ( X-Men: First Class und X-Men: Days of Future Past), in einem Sklavendrama (12 Years a Slave) und in anderen Biopics (u.a. Hunger  und demnächst als Steve Jobs in Danny Boyles gleichnamigen Film), in einem Horrorfilm (Eden Lake), er war absolut überzeugend und nackt als Sexsüchtiger zu sehen (Shame) und als Android (in Prometheus), er hat in einer schrägen, aber tollen Indie-Tragikomödie (Frank), in dem er den gesamten Film über einen Pappmaché-Karton auf dem Kopf hat, gespielt und ist demnächst in der Shakespeare-Verfilmung („Macbeth“) zu sehen. Jetzt, nachdem ich ihn in „Slow West“ anbeten konnte, weiss ich, dass er auch im Western-Genre Zuhause ist.

Ben Mendelsohn (natürlich wieder rauchend und in einer XXL-Fellkutte) mit Michael Fassbender zusammen in einem Film zu sehen, ist natürlich ein Geschenk.

„Slow West“ in wieder ein Film von dem noch jungen amerikanischen Verleiher A24 Films Under the Skin, Locke, The Rover,   A Most Violent Year, Ex Machina), der mit diesem Film wieder beweist, dass er einfach ein verdammt gutes Händchen bei der Auswahl der Filme hat.

„Slow West“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2015 gezeigt. Dort hat er den World Cinema Grand Jury Prize: Dramatic gewonnen. Ursprünglich wollte ich den Film auf dem Tribeca Film Festival 2015 sehen. Ich habe mich dann aber umentschieden, weil „Slow West“ bereits knapp zwei Wochen später in die amerikanischen Kinos kommen sollte. Derzeit ist „Slow West“ in 54 Kinos in den gesamten U.S.A. zu sehen, gleichzeitig ist der Film auf VOD erschienen. Ich habe „Slow West“ auf Video on Demand gesehen. Es ist aber ein Film, der eine große Leinwand verdient. Bei mir lief er bislang leider nicht im Umkreis, er hat mir aber so gut gefallen, dass ich ihn mir innerhalb der 23-stündigen Leihdauer gleich 2x angeschaut habe.

„Slow West“ könnte in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2015 landen.

Trailer zu sehen:

VOD – Film: "Frank"

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

„Frank“ (dt. Kinostart: 27.08.15) 95 min drama, comedy
dir. Lenny Abrahamson cast: Domhall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Michael Fassbender, Scoot McNairy

Musik bestimmt Jons (Domhnall Gleeson) Leben. Immer hat er Ideen für neue Songs. Durch Zufall lernt er Don (Scoot McNairy) kennen. Er ist der Manager der Band Soronprfbs, die noch am selbigen Abend ein Konzert geben. Da deren Keyboarder ausgefallen ist, macht er Jon den Vorschlag, einzuspringen. Gebongt. Als er am Abend zum Gig auftaucht, lernt er eine ziemlich schräge Truppe kennen. Der Bandleader Frank (Michael Fassbender) hat die ganze Zeit ein riesigen Pappmaché-Karton auf seinem Kopf. Jon bekommt das Angebot, mit diesen Exzentrikern nach Irland zu fahren.

B (Wertung von A bis F) „Frank“ wurde von der Kunstfigur Frank Sidebottom inspiriert. Der mittlerweile verstorbene britische Komiker Chris Sievey hat diese Figur im Jahr 1984 ins Leben gerufen.

„Frank“ ist ein schräger Film, es ist eine schräge Geschichte und es sind auch schräge Songs – manchmal verstörend schräg, manchmal schön schräg. Nicht selten hatte ich das Gefühl, die Schauspieler aus nächster Nähe zu beobachten. Der Film hat etwas sehr Intimes. Besonders die Beziehung von Domhnall Gleeson und Maggie Gyllenhaals Charakteren fand ich amüsant.

„Frank“ entspricht nun nicht gerade meiner Idealvorstellung von einem Film mit Michael Fassbender (Hunger, Shame, 12 Years a Slave). Es grenzt für mich an Verschwendung, dass er beinahe die ganze Zeit dieses Pappmaché-Dings auf dem Kopf hat. Das Einzige was einem von Michael Fassbender bleibt, ist tatsächlich sein Körper und seine tolle Stimme und Sprache (hier singt sogar – und gar nicht so übel – und in einer Szene spricht er sogar Deutsch) Gegen Ende des Films sieht man den attraktiven Schauspieler aber dann dankenswerterweise mal ohne seine Maskierung.

„Frank“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt.

„Frank“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Nebendarsteller (Michael Fassbender)

Trailer zu sehen:

Montréal – Film: "X-Men: Days of Future Past"

Ich war am 03.07.14 in Montréal und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„X-Men: Days of Future Past“ (dt. Titel: „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“, dt. Kinostart war der 22.05.14) 131 min fantasy, action, sequel, adaptation
dir. Bryan Singer cast: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Halle Berry, Anna Paquin, Ellen Page, Peter Dinklage, Ian McKellen, Patrick Stewart

Im Jahr 2023. Die Sentinels haben die Macht übernommen. Die Mutanten stehen im Krieg mit diesen Robotern. Unzählige Todesfälle auf Seiten der Mutanten sind bereits zu beklagen. Professor X (Patrick Stewart) und Magneto (Ian McKellen) beschließen, Wolverine (Hugh Hackmann) fünfzig Jahre zurück in die Vergangenheit zu schicken, damit er dafür sorgt, dass die Sentinels nie kreiert werden. Ursprünglich hat Trask (Peter Dinklage) die Sentinels geplant, um seine Feinde, die Mutanten, auszulöschen.

B- (Wertung von A bis F) „X-Men: Days of Future Past“ basiert auf den Geschichten „Days of Future Past“ von Chris Claremont und John Byrne. Es ist eine Fortsetzung zu den Comic-Verfilmungen „X-Men: The Last Stand“ und X-Men: First Class.

Ich beurteile „X-Men Days of Future Past“ weder als Kenner noch als Fan dieser Comic-Reihe. Ich beurteile diesen Film als jemand der bevorzugt amerikanische Indie-Filme sieht, hin und wieder aber auch vor einem Blockbuster nicht zurückschreckt.

Mit Patrick Stewart, Ian McKellen, Michael Fassbender, James McAvoy, Jennifer Lawrence und Peter Dinklage werden die X-Men und Trask, der Feind der X-Men von einer Schauspiel-Elite verkörpert. Ich gebe zu, dass das für mich ein großen Reiz dieser Comic-Verfilmung ausmacht. Die Story um die Mutanten, die Aussätzigen, finde ich aber auch recht gelungen.

Für mich hat der Film erst richtig in der Vergangenheit, also im Jahr 1973, angefangen. Bis zu dem ganzen Zerstörungs-Gedöns hat er mir auch gut (übersetzt ungefähr B+) gefallen. Dann habe ich aber völlig den Faden verloren, Fassy, Sentinels, Halle Berry – wer, was und warum habe ich nicht wirklich verstanden und hat mich auch völlig erschöpft. Überhaupt ist der Film viel zu lang. Meine Lieblingsszene ist zweifelsfrei die Zeitlupenszene im Pentagon.

Wolverine mit seiner seltsamen Haartracht und seinem aufgepumpten Körper ist für mich der größte Störfaktor im Film. Zum einen finde ich diesen Mutanten am uncoolsten von allen und dann wird er auch noch von dem schlechtesten Schauspieler in diesem Film dargestellt. Hugh Jackman mit seinen max. zwei Gesichtsausdrücken erinnerte mich hier an eine etwas jüngere Ausgabe von Clint Eastwood.

Selbstverständlich wird es auch zu diesem Film eine Fortsetzung geben.

Ich habe den Film in der 2D-Fassung gesehen.

„X-Men: Days of Future Past“ ist auch für einige Oscars im Gespräch: Bester Ton, bester Tonschnitt und beste visuelle Effekte

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Into the Storm“
Bewertung des Trailers: B (neuer, dieses Mal Trailer)
Kommentar: Katastrophenfilm
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: nö, denke nicht

Trailer v. Film: „When the Game Stands Tall“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Sportfilm mit Laura Dern und Jim Caviezel
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Teenage Mutant Ninja Turtles“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Das kann doch wohl echt nicht deren Ernst sein.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: Pffff

Trailer v. Film: „Dawn of the Planet of the Abes“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Die Fortsetzung von „Rise“, den ich sehr mochte. Als ich diesen Trailer hier, Anfang Juli, das erste Mal gesehen habe, wusste ich nicht, ob ich damit klarkomme, dass Caesar englisch spricht. Gestern habe ich „Dawn“ gesehen, nur bei Koba hatte ich etwas Probleme.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Kingsman: The Secret Service“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Matthew Vaughns neuer Film, Comicbuch-Verfilmung mit Colin Firth, Michael Caine und Samuel L. Jackson
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

D.C. – Film: "The Counselor"

Ich war am 29.10.13 in Washington und habe mir im Kino angeschaut:

„The Counselor“ (dt. Kinostart: 28.11.13) 117 min crime, drama
dir. Ridley Scott cast: Michael Fassbender, Javier Bardem, Cameron Diaz, Penélope Cruz, Brad Pitt, Bruno Ganz, Rosie Perez, John Leguizamo, Toby Kebbell, Dean Norris

Ein Anwalt (Michael Fassbender) hat sich auf einen Drogendeal eingelassen. Alle Warnungen kommen zu spät, er muss mit Konsequenzen rechnen…

C- (Wertung von A bis F) Normalerweise mag ich gerade diese Art von Filmen. Wie kann man einen Film mit dieser Besetzung, einem angesehenen Regisseur und einem Autor, der hier zwar mehr oder weniger sein Drehbuchdebüt gibt, aber in der Vergangenheit schon brillante Vorlagen zu den Filmen No Country for Old Men und The Road lieferte, so gegen die Wand fahren?

In den U.S.A. hat „The Counselor“ vernichtende Kritiken bekommen, es gibt aber auch einige Cineasten, die das Werk lieben. Ich glaube, man kann sich aber darauf einigen, dass es ein seltsamer Film ist.

Warum funktioniert dieser Film nicht? Hauptsächlich ist es, meines Erachtens, das Drehbuch. Wenn man, wie Cormac McCarthy, großartige Bücher schreiben kann, heißt das noch lange nicht, dass man auch gelungene Drehbücher für Kinofilme verfassen kann. Die eine oder andere Erklärung oder Charakterbildung hätte dem Film vielleicht geholfen.

„The Counselor“ ist kein Film mit richtiger Story, wie man sich das so idealerweise vorstellt. Es ist eher eine Aneinanderreihung von wichtigtuerischen Macho-Gequatsche, teils großartigen Schauspielern in richtig guten und nicht so guten Szenen, allerhand Skurrilem, fantastischen Szenenbildern, ein paar brutalen Szenen, (gerade die beiden prägnanten Tötungsszenen hätten einen besseren Film verdient), Javier Bardem mit spaßiger Frise und einem scheußlich aussehenden Schmetterlingshemd und Cameron Diaz.

Über Cameron Diaz kann und wird man geteilter Meinung sein. Ihre Performance überschattet hier definitiv die der anderen Schauspieler. Einige sehen das als Oscar-Performance und andere, und dazu zähle ich mich, finden sie eher lustig, aber nicht gänzlich überzeugend. In meiner Vorstellung brach später bei ihren Auftritten auch Gelächter aus. Seit „There´s Something About Mary“ wurde sie immer wieder mit ihrer legendären „Haargel“-Szene in Verbindung gebracht. Die Zeiten sind definitiv vorbei, wenn man „The Counselor“ gesehen hat, fällt einem fortan zu Cameron Diaz definitiv eine ganz andere Szene ein.

Ridley Scotts „The Counselor“ ist in den U.S.A. gefloppt. Noch kurz bevor der Film erstmalig gezeigt wurde, war er für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Nebendarstellerin (Cameron Diaz). Ich sehe es noch nicht als komplett ausgeschlossen, dass Cameron Diaz eine Oscar-Nominierung erhält.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Hunger Games: Catching Fire“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Zweiter Teil der Trilogie. Gut, wenn ich Zeit habe, gucke ich ihn.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Lone Survivor“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Militär-Action-Film nach wahren Begebenheiten mit Mark Wahlberg und Eric Bana. Auch wenn die Musik schrecklich ist, der Film ist für mich erst mal zurück im Oscar-Rennen
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mmmh…

Trailer v. Film: „Grudge Match“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Ein Film, in dem Sylvester Stallone und Robert De Niro alternde Boxer spielen und gegeneinander kämpfen. Warum macht De Niro so was? Hier spielen aber auch Kim Basinger und Alan Arkin mit.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ich weiß nicht…

Trailer v. Film: „Jack Ryan: Shadow Recruit“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Action von und mit Kenneth Branagh, auch mit Chris Pine und Kevin Costner und Keira Knightley.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80% bei mind. 60% RT

Trailer v. Film: „American Hustle“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: David O. Russells neuer Film mit Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner und Jennifer Lawrence. Einer der wenigen sogenannten Oscar-Filme dieses Jahr, die noch nicht der Öffentlichkeit gezeigt wurden.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Book Thief“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Romanverfilmung mit Geoffrey Rush und Emily Watson. Oscar-Kandidat? Mal gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Secret Life of Walter Mitty“
Bewertung des Trailers: B+ (wieder neuer Trailer)
Kommentar: Ben Stillers Fantasy-Film mit ihm in der Hauptrolle und Kristin Wiig und Sean Penn. Bei diesem Trailer kam bei mir der dringende Wunsch auf, dass Ben Stiller nicht die Hauptrolle spielt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

D.C. – Film: "12 Years a Slave"

Ich war am 23.10.13 und am 29.10.13 in Washington und habe mir im Kino angeschaut:

„12 Years a Slave“ (dt. Kinostart: 16.01.14) 133 min drama, biopic, adaptation
dir. Steve McQueen cast: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Paul Giamatti, Lupita Nyong`o, Sarah Paulson, Brad Pitt, Quvenzhané Wallis, Dwight Henry

Saratoga, New York im Jahr 1841. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) ist ein gebildeter, gesellschaftlich anerkannter und freier Mann. Er hat eine Frau und zwei Kinder. Ein talentierter Musiker ist er, er spielt Violine. Er lernt zwei Männer kennen, die ihm einen Job anbieten. Für wenige Auftritte in Washington kann er gutes Geld verdienen. Solomon Northup schliesst sich den beiden Männern an, seine Frau und die Kinder sind sowieso für drei Wochen nicht in der Stadt. Noch bevor sie zurück sind, wird er wieder Zuhause sein. Nach einem Auftritt verbringt er einen netten Abend mit den Männern. Am nächsten Morgen wacht er eingesperrt in einem Kellerloch auf, er ist angekettet. Eine andere Identität soll er annehmen, denn er wird als Sklave in die Südstaaten verkauft…

A (Wertung von A bis F) „12 Years a Slave“ beruht auf einer wahren Geschichte. Der Film basiert auf Solomon Northups Autobiografie „Twelve Years a Slave“.

„12 Years a Slave“ ist kein Hollywoodfilm, kein Film über die Sklaverei, wie ihn sich Hollywood-Produzenten vorstellen. Der Film ist von einem Künstler, dem schwarzen britischen Künstler Steve McQueen.

Es hat nicht lange gedauert, jedenfalls keine dreißig Minuten, da wusste ich, dass „12 Years a Slave“ festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2013 landen wird. Vielleicht ist es sogar einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. „12 Years a Slave“ ist mit Sicherheit kein Film, den man so toll findet, dass man anschließend mit Konfetti um sich werfen möchte. Die Sklaverei ist sicherlich eines der schlimmsten Verbrechen, die die Amerikaner je begangen haben. Dieser Teil der amerikanischen Geschichte verdiente lange einen großartigen Film, „12 Years a Slave“ ist dieser Film. Er ist nicht nur wegen seiner Thematik bedeutend, künstlerisch ist es auch ein sehr facettenreicher Film.

Was für ein schreckliches Schicksal und was für eine unfassbare Geschichte. Ein freier Mann, der im Bundesstaat New York ein Leben in der Mittelschicht geführt hat, wird entführt, verkauft und landet schließlich als Sklave bei einem brutalen Plantagenbesitzer. Von einem Tag auf den nächsten ist sein komplettes vorheriges Leben vorbei. Als gebildeter Mensch, dummen, reichen und sadistischen Menschen ausgeliefert zu sein, ist wohl außerhalb jeglicher Vorstellungskraft. Solomon Northup muss die Identität eines entflohenen Sklaven annehmen, sich dumm stellen, lernen sich anzupassen, damit sein Leben nicht noch unerträglicher wird. Er muss sich mit seinem neuen Leben arrangieren, aber kann man das? Wird man nicht immer irgendetwas versuchen, um sich aus dieser grauenvollen Situation zu befreien? Solomon Northup entwickelt eine Überlebensstrategie, eigentlich ist es auch keine Strategie, er versucht einfach zu überleben. Dabei sieht und fühlt man, seine Hoffnung schwinden, jemals wieder aus dieser Gefangenschaft befreit zu werden. Spät im Film gibt eine sehr eindrucksvolle Szene, bei er man sieht, dass er alle Hoffnung verloren hat. Entgegen seiner Gewohnheiten beteiligt sich Solomon Northup langsam an einem Ritual der Sklaven, ab dem Moment hat er sich wohl damit abgefunden, selbst einer von ihnen zu sein.

Der Sound in dem Film, neben allen anderen Dingen, ist auch hervorragend. Die Filmmusik ist von Hans Zimmer, der sich aber sehr zurückhält. In den prägnantesten Szenen kommt der Film ohne (oder fast ohne) Musik aus. Es sind die Hintergrundgeräusche oder beispielsweise das Singen oder das Weinen eines der Charaktere, das von einer Szene in die nächste überlappt.

„12 Years a Slave“ ist ein beängstigend realistischer, atmosphärischer, sehr künstlerischer, in vielen Momenten aber auch kaum zu ertragender Film, an den man sich lange zurückerinnern wird. Steve McQueen ist kein Steven Spielberg, der Ereignisse oder Geschichten überdramatisiert und der die Gefühle der Zuschauer versucht, zu beeinflussen oder zu manipulieren. Beispielsweise gibt es hier ein Frau, eine Sklavin, die andauernd laut weint (sie hat auch allen Grund dazu), ich als Zuschauer wollte einfach, dass sie sich endlich beherrscht und ruhig ist. Steven Spielberg hätte diese Figur sehr wahrscheinlich ganz anders gezeigt, hochdramatische Musik unterlegt, etc.

„12 Years a Slave“ hat mich sehr berührt, aber ich habe mich gefragt, warum bei mir eigentlich so gut wie keine Tränen geflossen sind. Ich habe mir den Film innerhalb von einer Woche 2x angeschaut. Auch beim zweiten Mal war ich zu sehr in der Geschichte gefangen, irgendwie in Schockstarre, ein hilfloser Beobachter der Ereignisse, der unfähig ist, zu reagieren.

Auch bei diesem Film muss ich wieder dringend empfehlen, ihn in der Originalfassung zu gucken. Die Sprache spielt hier eine wichtige Rolle, die Sklaven, insbesondere Solomon Northup sprechen hier kultiviertes Englisch, nicht wie man es sonst aus einem Hollywood-Film oder einer Serie über die Sklaverei kennt.

Michael Fassbender hat angegeben, dass er kein weiteres Mal für eine Oscar-Kampagne zur Verfügung stehen wird. Das braucht er auch nicht, seine Performance ist so nuanciert, was er hier zeigt ist eine eindeutige Oscar-Performance. Michael Fassbender ist Edwin Epps. Das einzige was zu einer Nicht-Nominierung von Michael Fassbender führen kann, ist, dass sein Charakter grundböse ist. Die Academy ist solchen Charakteren nicht wohlgesonnen. Die bösen Filmfiguren, die in der Vergangenheit für einen Oscar nominiert und ausgezeichnet wurden (und da denke ich an Anthony Hopkins als Dr. Hannibal Lecter, Javier Bardem als Anton Chigurh oder Christoph Waltz als Hans Landa) hatten allesamt entweder etwas charismatisches, originelles oder charmant-witziges. Das bietet Michael Fassbender als Edwin Epps nicht. Heute ist der 1. November 2013 und ich kann mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, welcher Schauspieler Michael Fassbender diesen Oscar „klauen“ kann.

Der britische Regisseur Steve McQueen hat mit Hunger, Shame und „12 Years a Slave“ erst drei Spielfilme inszeniert. Alle drei Filme sind in meinen Augen großartig. In allen drei Filmen spielt Michael Fassbender entweder die Hauptrolle oder wie in „12 Years a Slave“ eine sehr wichtige Rolle. Steve McQueens Filme könnten nicht unterschiedlicher sein, und die Charaktere, die Michael Fassbender in diesen Filmen gespielt hat, könnten nicht verschiedener sein. Wenn man es bis heute noch nicht begriffen hat, dann spätestens mit „12 Years a Slave“, Michael Fassbender ist einer der besten Schauspieler unserer Zeit.

Es gab aber noch andere herausragende Performances in „12 Years a Slave“. Ich würde, aber da scheiden sich die Geister, auch Paul Dano für den Oscar nominieren. Er ist der fiese Rassist und zugleich ein armseliges Würstchen. Natürlich gibt auch Chiwetel Ejiofor eine Oscar-Performance. Seine Angst, seine Verzweiflung und seine Hoffnungslosigkeit transportiert sich auf den Zuschauer. Die Szenen zwischen Chiwetel Ejiofor und Michael Fassbender sind mit die besten im Film. Von Lupita Nyong ´o war ich zunächst nicht so beeindruckt, ich fand sie zu ausdruckslos. Aber hier hat eine zweite Sichtung des Films geholfen, definitiv hätte sie eine Oscar-Nominierung verdient, wesentlich eher als beispielsweise Oprah Winfrey.

Der einzige Schauspieler mit dem ich wirklich Probleme hatte, war Brad Pitt. Brad Pitt kann nichts dafür, dass er ein berühmter Hollywoodstar ist. Seine Präsenz hat mich aber unmittelbar aus dem Film katapultiert. Wenn man Michael Fassbender und Brad Pitt zusammen spielen sieht, dann sieht man ganz deutlich, wer der Schauspieler und wer der Filmstar ist. Brad Pitts Rolle im Film ist wichtig, für den Film wäre es besser gewesen, wenn ein anderer Schauspieler diesen Charakter gespielt hätte. Brad Pitt könnte aber dennoch seinen ersten Oscar gewinnen, nicht als Schauspieler (logisch), aber als Produzent von „12 Years a Slave“.

Ich war geneigt, einen Punktabzug zu geben. Brad Pitt, wie gesagt, der mich aus dem Film warf und bei der zweiten Sichtung empfand ich die Filmmusik zum Schluss auch etwas zu aufdringlich. Aber das ist mäkeln auf einem so hohen Niveau und eine Verschlechterung meiner Bewertung würde dem gesamten Film nicht gerecht werden, daher bleibe ich bei meiner Bewertung.

Die Oscar-Academy hat sich in den letzten paar Jahren viel Mühe gegeben, ihr Image zu verbessern. Viele neue Einladungen an junge Künstler wurden verschickt, die Academy sollte nicht mehr hauptsächlich aus weißen, alten Männern bestehen. Präsidentin der Academy ist seit einigen Monaten die Afro-Amerikanerin Cheryl Boone Isaacs. Die Academy könnte im Jahr 2014 den ersten schwarzen Regisseur mit einem Oscar auszeichnen. Ein fantastischer Film über die Sklaverei könnten den Oscar als Bester Film gewinnen.

„12 Years a Slave“ könnte nächstes Jahr Oscar-Geschichte schreiben und ich hoffe, er tut es.

„12 Years a Slave“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Chiwetel Ejiofor), Bester Nebendarsteller (Michael Fassbender), Beste Nebendarstellerin (Lupita Nyong ´o) Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Beste Kostüme, Bester Schnitt, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Ton, Bester Tonschnitt

„12 Years a Slave“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2013 gezeigt. Fortan galt er als Kritikerliebling und damit als Favorit auf den Oscar-Gewinn als Bester Film. Zu diesem Zeitpunkt hat aber noch niemand den Film „Gravity“ gesehen hat und entsprechend waren die sensationellen Einspielergebnisse von Gravity auch noch nicht bekannt. Das „12 Years a Slave“ nicht nur hervorragend bei den Kritikern ankommt, sondern auch bei dem Publikum, hat das Toronto International Film Festival 2013 gezeigt. Dort hat „12 Years a Slave“ den Publikumspreis gewonnen hat.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Mandela: Long Walk to Freedom“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Biopic über Nelson Mandela mit Idris Elba in der Hauptrolle.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x (3x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Nebraska“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Oscar-Film. Um so öfter ich den Trailer sehe, um so besser gefällt er mir.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x (4x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Best Man Holiday“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Komödie, bei der ich wohl eher nicht die Zielgruppe bin.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x (2x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Her“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Spike Jonzes neuer Film mit Joaquin Phoenix. Das ist ganz MEIN Film, vielleicht auch ein Oscar-Film. Dem Trailer nach auch eine Oscar-Performance von Joaquin Phoenix.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x (3x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%!!!

Trailer v. Film: „Pompeii“
Bewertung des Teasers: B
Kommentar: Film von Paul W.S. Anderson, der im Februar 14 ins amerikanische Kino kommt…der kann gar nicht gut sein. Da ich mir die Ausgrabungen von Pompeji dieses Jahr das erste Mal live angeschaut habe, habe ich mir überlegt, dem Film vielleicht doch eine Chance zu geben.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x (2x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 51%

Trailer v. Film: „Belle“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: britischer Kostümfilm mit Tom Wilkinson, Miranda Richardson, Matthew Goode, etc. Ich weiß trotzdem nicht…
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x (1x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 49%

Trailer v. Film: „Black Nativity“
Bewertung des Trailers: nicht bewertbar, da ich mir die Ohren zuhalten musste
Kommentar: Film mit Forest Whitaker, Angela Bassett, aber leider auch mit Jennifer Hudson und vor allen Dingen ihre quietschige Stimme
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x (1x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: niemals