Boston – Film: "Still Alice"

Ich war am 30.01.15 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Still Alice“ (dt. Titel: „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“, dt. Kinostart: 05.03.15) 99 min drama, adaptation
dir. Richard Glatzer, Wash Westmoreland cast: Julianne Moore, Alec Baldwin, Kristen Stewart, Kate Bosworth

Dr. Alice Howland (Julianne Moore) arbeitet als Linguistik-Professorin und ist schon sehr lange mit John (Alec Baldwin) verheiratet. Die Beiden haben drei erwachsene Kinder. Kurz nach ihrem 50. Geburtstag stellt sie an sich eine Veränderung fest. Zunächst sind es Wortfindungsstörungen, dann verläuft sie sich und auch Namen fallen ihr nicht mehr ein. Sie sucht einen Arzt auf, der einige Tests mit ihr durchführt und schließlich ein Frühstadium von Alzheimer diagnostiziert…

B- (Wertung von A bis F) „Still Alice“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lisa Genova.

„Still Alice“ ist nun kein überragender Film, Julianne Moore (A Single ManThe Kids Are All Right) macht ihn aber sehenswert. Es ist der Film, für den die zum fünften Mal für einen Oscar nominierte Schauspielerin – aller Wahrscheinlichkeit nach – den Academy Award gewinnen wird. Julianne Moore gibt hier eine solide Performance, aber es ist nicht die Beste ihres Lebens (dafür hat sie in der Vergangenheit zu oft brilliert). Julianne Moore wird mehr für ihre gesamte Karriere ausgezeichnet und dann reicht es auch, dass sie einmal mehr sehr gute Arbeit abliefert. Die stärkste Sequenz im Film ist für mich die, in der sie ihre eigene Videobotschaft abruft. Natürlich sind mir auch die Tränen gelaufen.

Gut gefallen hat mir auch Kristen Stewart. Sie spielt eine Schauspielerin, es ist eine recht uneitle Performance.

Es ist ein ungewöhnliches Regie-Projekt, beide Regisseure (Richard Glatzer und Wash Westmoreland) von „Still Alice“ sind miteinander verheiratet und Richard Glatzer leidet an der Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und ist zu großen Teilen gelähmt. Auch hat er seine Fähigkeit zu sprechen, verloren. Während der Dreharbeiten hat sich sein Zustand nochmal verschlimmert, zum Schluss hat er seine Regieanweisungen nur noch mit seinem Zeh in sein iPad eingegeben können und über eine Sprachfunktion übersetzen lassen.

Im letzten Jahr wurde bekannt, dass sich viele Academy-Mitglieder dieses „Sklavendrama“ nicht angeschaut haben und dennoch für 12 Years a Slave gestimmt haben, dass er den Oscar als Bester Film gewinnt. Dieses Jahr ist durchgesickert, dass viele Mitglieder von AMPAS den „Alzheimer-Film“ nicht gucken wollen, aber dennoch vorhaben, für Julianne Moore zu stimmen, dass sie ihren ersten Oscar gewinnt. Darüber kann man denken was man will, für mich zählt in diesen beiden Fällen mehr das Ergebnis.

„Still Alice“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2014 gezeigt.

Um sich für die Academy Awards zu qualifizieren, musste „Still Alice“ mindestens eine Woche lang im Jahr 2014 in einem kommerziellen Kino in Los Angeles County laufen. Der Film wurde ab 5.12.14 in L.A. und New York gezeigt, bevor er offiziell am 16.01.15 in den U.S.A. gestartet ist. Update: Julianne Moore wurde für ihre Rolle in „Still Alice“ am 22.2.15 mit dem Oscar ausgezeichnet.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Second Best Exotic Marigold Hotel“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Ich habe den ersten Teil nicht mal komplett gesehen. Dieser ist neben Maggie Smith, Bill Nighy, Judi Dench auch mit Richard Gere und David Strathairn. Dieser Trailer verrät, dass der Film Bollywood-mäßig ist und damit kann ich ihn unter keinen Umständen gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Fifty Shades of Grey“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Hausfrauen-Softporno
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „A Little Chaos“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kostümfilm von und mit Alan Rickman und auch mit Kate Winslet und Matthias Schoenaerts (mal in einer ganz anderen Rolle)
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Woman in Gold“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl u.a.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Danny Collins“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Tragikomödie mit Al Pacino, Annette Bening, Christopher Plummer und Bobby Cannavale
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Red Army“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Doku über russische Eishockey-Mannschaften während des Kalten Krieges.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Boston – Film: "American Sniper"

Ich war am 17.01.15 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„American Sniper“ (dt. Filmtitel: „Der Scharfschütze“, dt. Kinostart: 26.02.15) 132 min drama, biopic, adaptation
dir. Clint Eastwood cast: Bradley Cooper, Sienna Miller, Max Charles, Luke Grimes, Kyle Gallner

Der Texaner Chris Kyle (Bradley Cooper) tritt im Jahr 1999 den Navy SEALs bei und lässt sich als Scharfschützer ausbilden. Er heiratet Taya (Sienna Miller) und wird nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu seinem ersten Einsatz in den Irak geschickt. Seine Aufgabe als Scharfschütze ist vordergründig, seine Kameraden vor Selbstmordattentätern oder anderen Anschlägen zu schützen. Mit seiner Treffsicherheit wird er schon bald zu einer Legende.

B- (Wertung von A bis F) „American Sniper“ basiert auf Chris Kyles Memoiren „American Sniper: The Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History“.

Ein Spielfilm ist ein Spielfilm, auch wenn es sich um ein sogenanntes Biopic handelt, ist es immer noch ein Spielfilm. Ein Spielfilm ist keine Dokumentation und auch keine Schulungsgrundlage. Filmemacher müssen – in meinen Augen – in Biopics ein Leben nicht 1:1 wiedergeben, sie dürfen auch, um den Zuschauern eine spannende Geschichte zu erzählen, dramatisieren. Was sie aber nicht tun sollten, ist entscheidend die Tatsachen verdrehen oder die Charaktere so zu verändern, dass die porträtierte Persönlichkeit zu einer anderen wird, als sie ist/ bzw. war.

Dem Film „American Sniper“ habe ich entnommen, dass Chris Kyle ein (später) zwar traumatisierter, aber makelloser Held war. Die Geschichte im wahren Leben stellt sich aber etwas anders dar.

Ich fand es nicht leicht, „American Sniper“ zu bewerten. Insbesondere, da ich nur eine Woche zuvor Selma gesehen habe. Der Film, der in der diesjährigen Oscar-Saison wegen einer Kleinigkeit, die weder die Geschichte noch die Persönlichkeiten entscheidend anders gezeigt hat, in der Luft zerrissen wurde. Der Film, der in der diesjährigen Oscar-Saison wesentlich kritischer betrachtet werden sollte ist: „American Sniper“.

Clint Eastwood erzählt seine Version von Chris Kyles Leben und das ist eine amerikanische Kriegshelden-Geschichte. Nun sieht ein friedfertiger Europäer den Film sicherlich generell anders als ein kriegsbereiter und schießwütiger Macho-Amerikaner. Wenn man die U.S.A. nicht für the greatest country on earth hält, könnte man Probleme mit dem Film haben. Wer sich noch an das ganze absurde Trara erinnert, das die damalige Bush-Regierung veranstaltet hat, um ihre Bevölkerung und auch ihrer Verbündeten von der Notwendigkeit eines Irak-Krieges zu überzeugen, der könnte Probleme mit dem Film haben. Wenn man „American Sniper“ sieht, könnte man fast meinen, dass die Amerikaner diesen Krieg immer noch für gerechtfertigt halten.

Fehlereingeständnisse sind nicht so Clint Eastwoods Ding. Von dem konservativen Filmemacher bekommt man eine sehr einseitige Geschichte zu sehen. Es gibt nur schwarz und weiß – die Iraker sind die Bösen, die Amerikaner sind die Guten. In „American Sniper“ geht es darum, einen amerikanischen Helden zu feiern. Einer, der sich eingesetzt hat für sein Land und seine Kameraden. Chris Kyle war ein Elite-Soldat und Scharfschütze, der zur Legende wurde weil er mehr als 160 Iraker getötet hat.

So, jetzt habe ich aber „American Sniper“ mit einem B- bewertet. Ich habe die Politik und die Authentizität der Figur beiseite gelassen und dann ist der Film recht spannend und gut fotografiert. Die Szenen im Irak fand ich sehr atmosphärisch, auch wenn mich die dort geführten Telefonate manchmal beinahe aus dem Film warfen.

Bradley Cooper hat für diese Rolle ordentlich an Gewicht zugelegt. Sein Schönling-Image ist abgelegt und dadurch wirkt er irgendwie männlicher. Seine Performance ist sehr überzeugend und seine Oscar-Nominierung kann man vertreten. Bradley Cooper wurde für Silver Linings Playbook und für American Hustle für den Oscar nominiert. Gerade wurde er für „American Sniper“ mit seiner dritten Oscar-Nominierung in Folge bedacht. Drei Oscar-Nominierungen hintereinander sind sehr selten und ein Beweis dafür, dass die Academy-Mitglieder ihn mögen. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht. Derzeit sieht es so aus, als ob sich der Oscar-Gewinner in der Kategorie Bester Hauptdarsteller zwischen Eddie Redmayne (The Theory of Everything) und Michael Keaton (Birdman) entscheidet. Was wäre, wenn sich die Academy-Mitglieder nun nicht zwischen diesen Beiden entscheiden können und die Wahl auf Bradley Cooper fällt? Wenn man bedenkt, dass „American Sniper“ der mit großem Abstand erfolgreichste Film der diesjährigen Oscar-Filme ist, ist Bradley Cooper als Oscar-Gewinner nicht abwegig.

Ich habe den Film in einer komplett ausverkauften Vorstellung in einem riesigen Kinosaal gesehen. Als ich rauskam, standen bereits die Nächsten Schlange, um reingelassen zu werden. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal so erlebt habe.

Clint Eastwood ist mittlerweile 84 Jahr alt, er hat seine Karriere in der Branche als Schauspieler begonnen und arbeitet seit den 1970er Jahren auch als Regisseur. Wenn er als Regisseur einen Film dreht, ist er bekannt dafür, die Produktionskosten gering zu halten. Er braucht keine langen Drehzeiten. Szenen lässt er selten wiederholen, meistens nimmt er sie schon nach dem ersten oder zweiten Take ab. Clint Eastwood ist aber auch ein sehr politischer Mensch. Er ist Republikaner. In den 1980er Jahren war er Bürgermeister der kalifornischen Stadt Carmel. Während des Republikaner-Kongresses vor der letzten Präsidentschaftswahl hat er auf der Bühne mit einem leeren Stuhl geredet (und so getan als ob Barack Obama darauf sass) – unvergessen.

„American Sniper“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2014 gezeigt.

Bislang war Steven Spielbergs Film „Saving Private Ryan“ der erfolgreichste Kriegsfilm in den U.S.A. Der Film hat allein in den U.S.A. 216 Millionen Dollar eingespielt. „American Sniper“ wurde am 25.12.14 in ganzen vier Kinos in den U.S.A. gestartet. Am 17.1.15 hatte der Film seinen wide release auf insgesamt 3555 Leinwänden. Der Film hat an der Kinokasse sämtliche Rekorde gebrochen. Bis zum 29.01.15 hat der Film allein in seinem Heimatland 217 Millionen Dollar an der Kinokasse eingespielt. Jetzt ist „American Sniper“ der erfolgreichste Kriegsfilm in den U.S.A.

„American Sniper“ wurde kürzlich für sechs Academy Awards nominiert. Eine Oscar-Nominierung gab es für folgende Kategorien: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Bradley Cooper), Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt und Bestes adaptiertes Drehbuch. Update: Bei der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 hat „American Sniper“ einen Oscar (Bester Ton) gewonnen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Gunman“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Zwei meiner Lieblingsschauspieler (Sean Penn und Javier Bardem) in einem Actionthriller – na logisch gucke ich den.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Terminator Genisys“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: noch einer? Was die Welt so alles nicht braucht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Furious 7“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Der siebentausendste Teil der Reihe
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Chappie“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Neil Blomkamps neuer Film sieht aus wie ein Sci-Fi-Film für Teenager. Erschwerend dazu kommt, dass Dev Patel und Hugh Jackman mitspielen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Mad Max: Fury Road“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Ich gebe zu, dass ich nicht einen Teil dieser Reihe gesehen habe. Diesen muss ich sehen, nicht nur wegen Tom Hardy, der Trailer sieht wirklich krassgut aus – vor allen Dingen auf so einer riesigen Leinwand.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „In the Heart of the Sea“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Ron Howards neuer Film – da sehe ich derzeit noch keinen Grund, den Film zu sehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Kingsman: The Secret Service“
Bewertung des Trailers: A- (neuer Redband-Trailer)
Kommentar: Matthew Vaughns neuer Film, Comicbuch-Verfilmung mit Colin Firth, Michael Caine und Samuel L. Jackson
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

L. A. – Film: "Selma"

Ich war am 8.1.15 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Selma“ (dt. Kinostart: 19.02.15) 128 min drama
dir. Ava DuVernay cast: David Oyelowo, Tom Wilkinson, Giovanni Ribisi, Tim Roth, Carmen Ejogo, Cuba Gooding Jr., Oprah Winfrey, Alessandro Nivola, Martin Sheen, Dylan Baker, Henry G. Sanders, Stan Houston, Lorraine Toussaint

U.S.A. im Jahr 1965. Rassendiskriminierungen und Gewalt gegen afroamerikanische Bürger bestimmen das Land. Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King, Jr. (David Oyelowo) und viele andere Aktivisten mobilisieren die Bevölkerung, sich gegen die Rassentrennung aufzulehnen und für das Wahlrecht schwarzer Mitbürger zu kämpfen. Sie organisieren einen großen friedlichen Protestmarsch, beginnend in der Kleinstadt Selma bis zu der Hauptstadt Alabamas in Montgomery.

A- (Wertung von A bis F) Die in „Selma“ erzählte Geschichte beginnt mit Dr. Martin Luther King, Jrs. Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis und endet knapp drei Monate später.

Ich bin mit sehr großen Erwartungen in den Film gegangen. „Selma“ ist nach Boyhood (98% RT/ 100% Metacritic), der von den amerikanischen Kritikern am besten bewertete Film (99% RT/ 89% Metacritic) des Filmjahres 2014. „Selma“ war der letzte Film, den ich gucken wollte, bevor ich meine Top Ten-Liste 2014 erstelle. Der Film hat mich nicht enttäuscht. Bereits mit einer der Anfangsszenen (mit den Mädchen in der Kirche) wusste ich, hier einen ganz besonderen Film zu sehen.

Der Film gibt einen Einblick in das Leben des berühmten Bürgerrechtlers und gibt einem ein Gefühl dafür, was er für ein Mann war, wie er gedacht hat und was ihn letztlich ausgemacht hat. Ava DuVernay hat ihn nicht als Held gezeichnet, Er war ein ganz normaler Mann, der auch sein Müll rausbringen muss, private Probleme hatte und dem auch oft schon mal die Worte gefehlt haben. Man sieht wie er seine Reden vorbereitet und auch Zuhause probt. Man bekommt ein Gefühl für Dr. Kings rhetorischen Fähigkeiten und wie er Massen begeistern konnte. Selma ist aber auch ein Film über diese Zeit und nicht zuletzt über all die anderen Aktivisten, die sich dafür eingesetzt haben, dass afroamerikanische Bürger ein legales Wahlrecht bekommen.

Der Film lebt von seinen authentischen Schauspielern. Mit Ausnahme von Cuba Gooding Jr. (der mich komplett aus dem Film geworfen hat) und Tim Roth (der mich mit diesem Akzent leider auch völlig rausgebracht hat) bringt der Film nur exzellente Performances hervor. Der britische Schauspieler David Oyelowo trägt den Film, aber es sind auch die vielen afroamerikanischen Schauspieler, die den Film sehenswert machen.

In den U.S.A. wurde der Film dafür kritisiert, dass der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson (hervorragend gespielt von dem britischen Schauspieler Tom Wilkinson) nicht positiv genug gezeichnet wurde.

Ava DuVernay hat einen großartigen Film inszeniert. Man sieht, dass sie ein Auge für eindrucksvolle und einprägsame Szenenbilder hat. Die Regie- und Kameraarbeit (Kameramann Bradford Young Ain´t Them Bodies Saints, A Most Violent Year) haben mich besonders begeistert. „Selma“ ist ein dialogreicher Film, der sich aber auch Zeit für die Kraft der Bilder nimmt. Es gibt einige Gänsehaut-Momente. Die Szene mit dem Großvater, dessen Enkel getötet wurde und die finale Sequenz waren so stark, dass mir die Tränen gekommen sind.

„Selma“ ist erst Ava DuVernays dritter Kinofilm. Bevor sie ins Regiefach wechselte, arbeitete sie als Pressereferentin für einige Filmprojekte. Sie war angestellt, hat sich dann aber mit ihrer eigenen Marketingfirma selbständig gemacht. Sie kennt die Filmbranche, gerade was Kampagnen angeht, auch von der anderen Seite. Ava DuVernay drehte ihren ersten Film (einen Kurzfilm) erst im Jahr 2006. Nach einigen TV-Produktionen hat sie im Jahr 2010 mit „I Will Follow“ ihren ersten Kinofilm inszeniert. Mit ihrem zweiten Kinofilm („Middle of Nowhere“) hat sie bereits den Regiepreis auf dem Sundance Film Festival 2012 gewonnen. Jetzt mit ihrem dritten Film („Selma“) wurde sie als beste Regisseurin für einen Golden Globe nominiert. Sie ist die erste afroamerikanische Frau, die überhaupt in der Kategorie Beste Regie für den Golden Globe nominiert wurde. Was für eine Karriere – ich denke, dass wir in den nächsten Jahren noch sehr viel von Ava DuVernay hören/ bzw. sehen werden.

Ava DuVernay ist mit dem Originaldrehbuch zu „Selma“ bereits im Jahr 2007 von Studio zu Studio gezogen, um irgendwie ihren Film finanziert zu bekommen. Letztlich haben Oprah Winfrey und Brad Pitt den Film produziert. Oprah Winfrey ist es auch zu verdanken, dass der Film mit Paramount einen amerikanischen Verleiher gefunden hat. Oprah Winfrey spielt eine kleine Nebenrolle im Film. Sie gibt eine überraschend zurückhaltende und gute Performance.

Zum Schluss des Films gab es Applaus vom Publikum.

„Selma“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2014 gezeigt.

„Selma“ war für viele Oscar-Nominierungen im Gespräch. In der Oscar-Saison ist „Selma“ Opfer einer Schmutzkampagne geworden. Der Film hätte es verdient gehabt, in einigen Kategorien für den Academy Award nominiert zu werden. „Selma“ wurde aber nur für jeweils einen Academy Award in den Kategorien Bester Film und Bester Song („Glory“ von John Legend und Common) nominiert. Update: „Selma“ wurde auf der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 mit einem Oscar (Bester Song) ausgezeichnet.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Black or White“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Tragikomödie mit Kevin Costner und Octavia Spencer
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „McFarland USA“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: wieder so ein Sportsfilm mit Kevin Costner
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Boy Next Door“
Bewertung des Trailers: D (neuer Trailer)
Kommentar: Thriller mit J.Lo, John Corbett.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Wedding Ringer“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: RomCom mit Kevin Hart und Josh Gad. Ich kann nicht mal mehr diesen Trailer sehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: niemals!!!!

Trailer v. Film: „The Second Best Exotic Marigold Hotel“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Ich habe den ersten Teil nicht mal komplett gesehen. Dieser ist neben Maggie Smith, Bill Nighy, Judi Dench auch mit Richard Gere und David Strathairn. Dieser Trailer verrät, dass der Film Bollywood-mäßig ist und damit kann ich ihn unter keinen Umständen gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Terminator Genisys“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: noch einer? Was die Welt so alles nicht braucht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Project Almanac“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Zeitreisen-Sci-Film. Wenn der Name Michael Bay schon im Trailer auftaucht, bin ich raus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Ich war überrascht solche Trailer vor „Selma“ zu sehen – sind es doch hauptsächlich Filme, die sich jemand, der sich für „Selma“ interessiert, wahrscheinlich eher nicht angucken würde.

L. A. – Film: "Big Eyes"

Ich war am 8.1.15 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Big Eyes“ (dt. Kinostart: 23.04.15) 109 min drama, biopic
dir. Tim Burton cast: Amy Adams, Christoph Waltz, Danny Huston, Krysten Ritter, Jason Schwartzman, Terence Stamp

Im Jahr 1958 trennt sich Margarete (Amy Adams) von ihrem Ehemann und beginnt mit ihrer Tochter ein neues Leben in San Francisco. Margaret ist Künstlerin, auf ihren unverwechselbaren Bildern malt sie Kinder mit übergroßen Augen. Bald lernt sie den charmanten Maler Walter Keane (Christoph Waltz) kennen. Walter hat eine große Überzeugungskraft, bald heiraten sie und irgendwann verkauft er ihre außergewöhnlichen Bilder als seine…

C- (Wertung von A bis F) „Big Eyes“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Film greift Ereignisse aus dem Leben der amerikanischen Künstlerin Margaret Keane auf. Nach „Ed Wood“ ist dies erst Tim Burtons zweites Biopic.

Man kann gut nachvollziehen, was ausgerechnet Tim Burton an Margaret Keanes Bildern und ihrer Lebensgeschichte fasziniert. Leider hat sich diese Faszination nicht auf seinen Film übertragen. Vielleicht ist es auch nicht allein sein Fehler, dass der Film so öde ist. Die Geschichte ist schnell erzählt und dann wiederholt sich alles immer wieder und wieder. Ich war tatsächlich geneigt, das KIno zu verlassen, weil ich so gelangweilt war. Der einzige Grund der mich davon abgehalten hat, war Amy Adams (Doubt, Julie & Julia, The Fighter, The Muppets, American Hustle) Wenn irgendwas bzw. irgendjemand „Big Eyes“ sehenswert macht, dann sie.

Ich bin mittlerweile leider auch von Christoph Waltz etwas gelangweilt. Ich habe den Eindruck, dass er seit Jahren, in leicht abgewandelter Form, immer gleich spielt. Ich sehe keine große Wandelbarkeit bei ihm. Das wurde mir besonders klar, wenn er neben der so vielseitig begabten und wandelbaren Amy Adams spielt. Amy Adams hat ein viel nuancierteres Spiel und ist um Klassen besser als der zweimalige Oscar-Gewinner. Zu keinem Zeitpunkt spielen beide auf Augenhöhe. Er wirkt auch verkleidet und so richtig habe ich ihm seine Rolle auch nicht abgenommen. Hier ist mir aufgefallen, wie sehr sich Christoph Waltz schauspielerisch ins Zeug legt. In einer schier endlosen Szene im Gerichtssaal reicht es, bezeichnenderweise, sogar dem Richter mit Waltz`(also Walter Keanes) Schauspielerei. Gestört hat mich hier auch sein (deutscher) Akzent. Walter Keane war auch gar kein Deutscher.

„Big Eyes“ war ursprünglich für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, nominiert wurde er letztlich in keiner einzigen Kategorie. Amy Adams wurde für diese Rolle mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Amy Adams hätte für einen Oscar nominiert werden müssen, definitiv gibt sie – wieder mal – eine Oscar-Performance.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „A Little Chaos“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kostümfilm von und mit Alan Rickman und auch mit Kate Winslet und Matthias Schoenaerts (mal in einer ganz anderen Rolle
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Age of Adaline“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Drama mit Blake Lively, Harrison Ford und Ellen Burstyn. Der Film kann ganz gut sein, aber auch fürchterlich.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: RT Bewertungen abwarten

Trailer v. Film: „McFarland USA“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: wieder so ein Sportsfilm mit Kevin Costner
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Fifty Shades of Grey“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Hausfrauen-Softporno
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Second Best Exotic Marigold Hotel“
Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer)
Kommentar: Ich habe den ersten Teil nicht mal komplett gesehen. Dieser ist neben Maggie Smith, Bill Nighy, Judi Dench auch mit Richard Gere und David Strathairn. Dieser Trailer verrät, dass der Film Bollywood-mäßig ist und damit kann ich ihn unter keinen Umständen gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Paddington“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Dieser Trailer ist nicht so gut, der Film hat mir aber gefallen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Woman in Gold“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl u.a.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

L. A. – Film: "Into the Woods"

Ich war am 8.1.15 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Into the Woods“ (dt. Kinostart: 19.02.15) 125 min musical, fantasy, adaptation
dir. Rob Marshall cast: Meryl Streep, Emily Blunt, James Corden, Anna Kendrick, Chris Pine, Tracey Ullman, Christine Baranski, Johnny Depp, Lucy Punch, Lilla Crawford

Der Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt) wünschen sich sehnsüchtig ein Kind. Die Hexe (Meryl Streep) teilt dem Paar mit, dass sie das Haus der Beiden vor langer Zeit verflucht hat und es aus diesem Grund nicht mit ihrem Kinderwunsch klappt. Die Hexe ist aber bereit, ihren Fluch zurückzunehmen, wenn das Paar ihr vier Dinge bringt. Bis zum nächsten Vollmond, das ist in drei Tagen, sollen sie der Hexe einen Umhang so rot wie Blut, eine Kuh so weiß wie Milch, Haare so gelb wie Getreide und Schuhe so rein wie Gold bringen.

C+ (Wertung von A bis F) „Into The Woods“ basiert auf dem gleichnamigen Broadway-Musical von Stephen Sondheim. Das Bühnenstück hat im Jahr 1988 einige Tony Awards gewonnen und wurde im Jahr 2002 wiederaufgeführt und wurde dann sogar mit dem Tony Award for Best Revival ausgezeichnet.

Ich kenne das Drei-Stunden-Musical nicht, anhand der 2 Stunden-5-Minunten-Filmadaption kann man aber erahnen, dass einige (vielleicht entscheidende) Szenen der Schere zum Opfer gefallen sein müssen. Die letzten, ca. 30 Minuten wirken sehr wirr. Meryl Streep gibt ihre beste Performance im dritten Akt, sonst würde ich sogar so weit gehen, dass man den Film vorher hätte enden lassen sollen.

Meryl Streep hat gerade ihre – einen weiteren Rekord brechende – 19. Oscar-Nominierung für ihre Rolle in „Into the Woods“ erhalten. Natürlich wurde wieder rumgenölt, dass „die Streep“ wieder nominiert wurde. Klar ist sie der Liebling der Academy, man darf aber dabei nicht vergessen, dass sie nun mal auch ein Ausnahmetalent ist. Seit „Mamma Mia!“ weiss man spätestens, dass Meryl Streep auch singen kann. In „Into the Woods“ führt sie ihr erneut ihr Sangestalent vor. Meinetwegen kann sie dafür auch ihren vierten Oscar gewinnen.

Sehr gut gefallen hat mir hier auch Emily Blunt. Anna Kendrick, von der ich sonst ganz sicher kein Fan bin, kann ich durchaus bescheinigen, dass sie gesanglich talentiert ist.

Richtig Probleme hatte ich mit Rotkäppchen. Das Rotkäppchen ist furchtbar. Ich vermute, dass alle niedlichen oder hübschen Mädchen, die auch singen können, keine Zeit hatten – anders kann ich mir die Besetzung von Lila Crawford nicht erklären.

Einige Songs des Bühnenmusicals haben es nicht in die Filmversion geschafft. Zwei extra für die Filmversion neu komponierte Songs (einer davon für Meryl Streep geschrieben) haben es auch nicht in den fertigen Film geschafft. Meryl Strebs Song „Listen Up Children“, der zum Ende des Films noch mal aufgegriffen wird, hat mir am Besten gefallen.

„Into the Woods“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch. Am 15.01.15 wurde er in den Kategorien Beste Nebendarstellerin (Meryl Streep), Bestes Szenenbild und Bestes Kostümdesign nominiert. Diese Nominierungen sind alle gerechtfertigt, eine Nominierung in der Kategorie Bestes MakeUp und Beste Frisuren wäre aber auch angebracht gewesen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Spare Parts“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Film mit George Lopez. Warum haben sich Marisa Tomei und Jamie Lee Curtis dafür hergegeben?
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Selma“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Ava DuVernays Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Trailer v. Film: „Pitch Perfect 2“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Ein Musical mit Anna Kendrick im Leben reicht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Paul Blart: Mall Cop 2“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Wieder einer dieser unnötigen Fortsetzungsfilme. Ich weiss nicht, wer auf die Idee kam, dass Kevin James lustig ist.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Longest Ride“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: wieder eine Nicholas Sparks-Verfilmung, das ist die 17. Auch die wird sicher nicht an The Notebook heranreichen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Tomorrowland“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Sci-Fi-Abenteuer-Film mit George Clooney
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

Trailer v. Film: „Cinderella“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Kenneth Branaghs neuer Film. Cinderella-Story mit Cate Blanchett und Helena Bonham Carter.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 51%

L. A. – Film: "Inherent Vice"

Ich war am 7.1.15 in Los Angeles und am 17.1.15 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Inherent Vice“ (dt. Filmtitel: „Inherent Vice – Natürliche Mängel“, dt. Kinostart: 12.02.15) 148 min comedy, crime, adaptation
dir. Paul Thomas Anderson cast: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston Owen Wilson, Reese Witherspoon, Benicio del Toro, Martin Short, Maya Rudolph, Eric Roberts

Los Angeles im Jahr 1970. Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) arbeitet als Privatdetektiv und – naja – kifft recht viel. Seine Ex-Freundin und große Liebe Chasta Fay Hepworth (Katherine Waterston) taucht eines Tages bei Doc auf, und erzählt ihm von ihrem derzeitigen Freund, dem Millionär Mickey Wolfmann (Eric Roberts). Der jedenfalls ist jetzt verschwunden und Chasta vermutet, dass Wolfmanns Ehefrau und ihr Liebhaber etwas mit Wolfmanns Verschwinden zu tun haben. Doc ermittelt und unglücklicherweise bekommt er eine übergebraten und wacht neben der Leiche von Wolfmanns Leibwächter auf. Das ist alles sehr unerfreulich, vor allen Dingen weil er sich jetzt wieder mit dem Polizisten und seinem alten Widersacher Lt. Christian „Bigfoot“ Bjornson (Josh Brolin) rumschlagen muss.

A- (Wertung von A bis F) „Inherent Vice“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon.

Paul Thomas Anderson dreht Filme ganz nach meinem Geschmack. „Boogie Nights“, „Magnolia“, There Will Be Blood waren Filme, die in meiner Top Ten-Liste des jeweiligen Jahres gelandet sind und bei The Master frage ich mich heute, warum er nicht in meiner Bestenliste von 2012 platziert ist. „Inherent Vice“ ist PTAs erste richtige Komödie und hat selbstverständlich den Weg in meine Top Ten-Liste von 2014 gefunden.

Die Handlung in Paul Thomas Andersons Filmen ist eigentlich nie sonderlich wichtig. Es sind mehr die Charaktere mit denen man sich auf eine Reise begibt. So auch hier. Es ist sicherlich sehr mühsam, die einzelnen Puzzleteile der Erzählung zusammenzusetzen und wenn man Pech hat, ist es auch nicht von Erfolg gekrönt. Der Handlung ist etwas wirr und komplex, es werden viele Drogen konsumiert und selbst die Beteiligten, insbesondere der dauerbekiffte Doc (einmal mehr ein ganz natürliches Spiel von Joaquin Phoenix) können nicht immer unterscheiden, ob das und jenes jetzt tatsächlich passiert ist oder ob es der Fantasie entspringt. „Inherent Vice“ macht viel Spass, wenn man Doc einfach bei seinem Abenteuer begleitet. Einige Charaktere denen Doc begegnet stellen für ihn eine Herausforderung dar (so bekifft wie er ist, versteht er nicht immer alle Fragen oder Antworten), für den Kinozuschauer sind die Begegnungen in den meisten Fällen ein weiterer Gewinn. Es gibt einige bekannte Schauspieler, die hier kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Am Besten hat mir überraschenderweise Eric Roberts gefallen, aber auch Martin Short und Benicio del Toro sind großartig. Paul Thomas Anderson hat hier sogar das erste Mal seiner langjährigen Lebensgefährtin (Maya Rudolph) und Mutter seiner vier Kinder eine kleine Rolle gegeben.

Restlos alle Szenen – und ich meine wirklich jede einzelne Szene – mit Doc (gespielt von Joaquin Phoenix) und seinem Schokobananen-liebenden und Hippies-hassenden Widersacher Bigfoot (gespielt von Josh Brolin) sind der Knaller und so witzig, dass ich früher oder später oder manchmal gar die komplette Szene durch schallend lachen musste. Eigentlich hätten die beiden Figuren einen eigenen Film verdient.

Ich liebe Joaquin Phoenix. Es überrascht natürlich nicht sonderlich, wie grandios er auch in diesem Film ist. Er ist ein bekannter method actor und bereits bei I´m Still Here hatte ich mich gefragt, ob er eigentlich die gesamten Dreharbeiten zugedröhnt war. Die Frage kommt zu „Inherent Vice“ zwangsläufig wieder auf, aber er ist auch ein Ausnahmetalent und so ist es auch vorstellbar, dass er alles nur spielt. Fakt ist, dass er von seiner Filmfigur Doc untrennbar ist und alleine seine Gesichtsausdrücke den Kinobesuch wert sind.

Ich habe schon sämtliche Filme (Michael Clayton, Taking Woodstock, Robot & Frank, „Glass Chin“, Being Flynn, Night Moves) gesehen, in denen Katherine Waterston mitspielt, in „Inherent Vice“ ist sie mir das erste Mal aufgefallen. Sie ist die Tochter von „Law & Order“/“The Newsroom“ Schauspieler Sam Waterston und jetzt werde ich sie in jedem Fall wiedererkennen.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass „Inherent Vice“ schon bald das Etikett des Kiffer-Kultfilms anhaften wird.

Der Gitarrist von Radiohead (Jonny Greenwood) hat, wie zuvor schon bei PTAs Filmen „There Will Be Blood“ und „The Master“, den Score komponiert. Mein Lieblingssong auf dem Soundtrack ist „Vitamin C“ von Can (der Song, der zum Anfang gespielt wird)

„Inherent Vice“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2014 gezeigt.

In den U.S.A. ist der Film am 12.12.14 mit genau 5 Kopien landesweit gestartet. Seit dem 9.1.15 läuft er in 645 (und mehr) amerikanischen Kinos.

„Inherent Vice“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch. Am 15.01.15 wurde der Film mit zwei Academy Award-Nominierungen (Bestes adaptiertes Drehbuch und Bestes Kostümdesign) bedacht. In meine Augen hätte er mindestens auch in der Kategorie Bestes Make-up und beste Frisuren nominiert werden müssen.

A- (Wertung von A bis F) Mittlerweile habe ich „Inherent Vice“ ein zweites Mal im Kino gesehen. Das ist definitiv ein Film, den ich mir zig Mal angucken kann. Ich liebe den Film für seine Locations, seine Ausstattung, seine Szenen, seine Szenenbilder, seine Musik, seine Dialoge, für Doc und Bigfoot, für Doc alleine, für Docs Gesichtsausdrücke… Ganz sicher ist der Film jedoch nicht für jeden geeignet. Das erste Mal habe ich „Inherent Vice“ in einem Programmkino gesehen, da waren die Zuschauer von dem Film ähnlich angetan wie ich. Bei meinem zweiten Kinobesuch war ich in einem Kinocenter und habe beobachtet, dass einige Zuschauer die Vorstellung während des Films verlassen haben.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

sicherlich einige. Bei dem Film „A Most Violent Year“, den ich mir direkt davor angeschaut habe, gab es aber leider Tonprobleme und der Film musste neu gestartet werden, dadurch kam ich zu spät, um die Trailer zu sehen. Bei meiner zweiten Sichtung im Kino wurden folgende Trailer gezeigt:

Trailer v. Film: „Still Alice“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Alzheimer-Drama, das Julianne Moore den Oscar bescheren wird
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Danny Collins“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Tragikomödie mit Al Pacino (der immer schlechtere Perücken zu tragen scheint), Annette Bening, Christopher Plummer und Bobby Cannavale
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Terminator Genisys“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: noch einer? Was die Welt so alles nicht braucht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Focus“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Neuer Film mit Will Smith und „The Wolf of Wall Street“s Margot Robbie.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Run All Night“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Bei einem Liam Neeson-, Ed Harris-Actioner bin ich grundsätzlich an Bord
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Unfinished Business“
Bewertung des Trailers: B (Redband Trailer)
Kommentar: Komödie mit Vince Vaughn, Tom Wilkinson und Dave Franco. Der Film spielt in Berlin, schon alleine deshalb muss ich ihn gucken
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

L. A. Film: "A Most Violent Year"

Ich war am 7.1.15 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„A Most Violent Year“ (dt. Kinostart: 19.03.15) 125 min crime, drama

dir. J.C. Chandor cast: Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Albert Brooks, Alessandro Nivola,

New York im Winter des Jahres 1981. Abel Morales (Oscar Isaac) ist ein erfolgreicher Unternehmer. In letzter Zeit häufen sich jedoch die Fälle, dass die Fahrer, die sein Heizöl in den LKWs transportieren, überfallen werden. Die Fahrer sind verängstigt und dann wird auch noch seine Familie bedroht und das sind nicht die einzigen Probleme, die Abel Morales hat.

B+ (Wertung von A bis F) Nach „Margin Call“ und All is Lost ist „A Most Violent Year“ erst J.C. Chandors dritter Kinofilm. Für mich ist es sein – mit Abstand – bester Film.

Durch „A Most Violent Year“ bekommt man ein Gefühl für die Zeit, in der New York noch gefährlich, schmutzig und verrucht war. Man sollte sich von dem Filmtitel nicht in die Irre leiten lassen, „A Most Violent Year“ ist kein actionreicher und brutaler Film – es ist ein langsam erzählter Krimi, ein Drama und auch etwas Charakterstudie.

Ich hätte dem von Oscar Isaac (Inside Llewyn Davis, The Two Faces of January) gespielten Charakter Abel Morales noch stundenlang zuschauen können. Seine Szenen habe ich regelrecht aufgesaugt und wollte mehr über diesen Typen in Erfahrung bringen, wollte verstehen, wie er tickt. Oscar Isaac und Jessica Chastain geben ein glaubwürdiges und interessantes Paar ab. Die beiden Charaktere lieben sich und man kann nachvollziehen warum. Ich mag die Beziehung der Beiden. Beide haben unterschiedliche Moralvorstellungen und auch unterscheidet sie der familiäre Background. Er ist in die U.S.A. eingewandert und lebt im Prinzip den amerikanischen Traum. Sie kommt aus einer Mafia-Familie, ihr Vater und ihr Bruder sind Gangster und auch sie fackelt nicht lange, wenn es etwas zu erledigen gibt. Eigentlich bestimmt sie, aber sie liebt ihren Mann, idealisiert ihn und gibt sich weicher, um ihren Mann stark erscheinen zu lassen. Die Beiden führen eine sehr komplexe Beziehung. Eine vielschichtige Frauenrolle für Jessica Chastain (Take Shelter, Zero Dark Thirty, The Disappearance of Eleanor Rigby: Them) Albert Brooks habe ich zugegebenermassen erst gegen Ende des Films erkannt. Zuletzt habe ich ihn in Drive gesehen und irgendwie hatte ich ihn anders in Erinnerung, jedenfalls nicht mit glatten Haaren und übergroßer Brille.

„A Most Violent Year“ ist am 31.12.14 in ganzen vier Kinos in den gesamten U.S.A. gestartet. Der Film bekommt am 30.1.15 einen wide release. Ich habe den Film am 7.1.15 in einem meiner Lieblingskinos gesehen. Das „The Landmark in Los Angeles“ ist ein sehr schönes Programmkino, bei dem ich mich nicht auf einen bestimmten Film vorbereiten müsste, sondern quasi blind einen Film wählen könnte. Die The Landmark-Kinos haben eine wundervolle Auswahl vorwiegend anspruchsvoller Filme.

Als ich jetzt im Kino war, wurden ein paar Originalkostüme aus „The Imitation Game“ und „A Most Violent Year“ ausgestellt. Gleich in der ersten Szene des Films tragen Oscar Isaac und Jessica Chastain einen Mantel. Diese Mäntel sind im Kino hinter Glasvitrinen zu bestaunen. Ich habe ein paar Fotos aufgenommen. siehe unten.

„A Most Violent Year“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2014 gezeigt.

„A Most Violent Year“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Oscar Isaac), Bester Nebendarsteller (Albert Brooks, Elkes Gabel), Beste Nebendarstellerin (Jessica Chastain), Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik, Bester Song (America for Me)

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „True Story“

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Thriller mit Jonah Hill, Felicity Jones und James Franco

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „The Second Best Exotic Marigold Hotel“

Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer)

Kommentar: Ich habe den ersten Teil nicht mal komplett gesehen. Dieser ist neben Maggie Smith, Bill Nighy, Judi Dench auch mit Richard Gere und David Strathairn. Dieser Trailer ist so Bollywood-mäßig und damit kann ich den Film unter keinen Umständen gucken.

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%


Trailer v. Film: „Still Alice“

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Alzheimer-Drama, das Julianne Moore den Oscar bescheren könnte wird

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „While We´re Young“

Bewertung des Trailers: C+

Kommentar: Noah Baumbachs neuer Film mit Ben Stiller, Naomi Watts und Adam Driver. Ich habe ihn bereits auf dem New York Film Festival gesehen. Den Film ist um einiges besser als der Trailer es suggeriert.

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

IMG_3198IMG_3200IMG_3202

TV – Serie: "Transparent, 1. Staffel"

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Amazon-Studios-TV-Serie angeschaut:

„Transparent, 1. Staffel“ 10 x approx 30 min drama, comedy
dir. Jill Soloway, Nisha Ganatra cast: Jeffrey Tambor, Amy Landecker, Jay Duplass, Gaby Hoffman, Judith Light, Alexandra Billings, Bradley Whitford, Kathryn Hahn, Melora Hardin

Mort Pfefferman (Jeffrey Tambor) ist ein pensionierter Professor und schon lange von Shelly (Judith Light) geschieden. Die Beiden haben gemeinsam drei erwachsene Kinder. Mort teilt seinen Kindern mit, dass er das Haus der Familie verkaufen will, eigentlich wollte er ihnen etwas ganz anderes mitteilen, in letzter Minute verließ ihn aber der Mut. Eines Tages sieht Morts älteste Tochter Sarah (Amy Landecker) ihren Vater als Frau verkleidet. Auf Sarahs Frage, warum er denn als Frau verkleidet ist, antwortet Mort, dass er sein Leben lang als Mann verkleidet war. Mort möchte zukünftig als Frau durchs Leben gehen. Für seine Tochter ist das erstmal ein Schock, aber eigentlich hat sie genug eigene Probleme. Sie ist unglücklich verheiratet, hat zwei kleine Kinder und ist gerade dabei, sich in ihre Freundin (Melora Hardin) zu verlieben. Mort zögert noch, seinen anderen beiden Kinder, Josh (Jay Duplass), den erfolgreichen Musikproduzenten und seiner jüngsten Tochter Ali (Gaby Hoffman), die ihr Leben nicht so richtig auf die Reihe bekommt, von seinem Outing zu erzählen. Erst mal zieht er als Maura in ein Apartmentkomplex.

B+ (Wertung von A bis F) „Transparent“ ist eine zeitgeistige neue TV-Serie um einen Charakter, der/die sich als Transgender versteht.

Ich wusste quasi mit der ersten Einstellung, dass mir diese Serie gefällt.

Die Serie ist mitunter unglaublich komisch, aber auch tragisch, vor allen Dingen geht sie sensibel mit dem komplexen Thema Transsexualität um. Die Serie ist zum einen eine unkonventionelle Familienserie und zum anderen führt sie einen in eine ganz andere Welt und hinterlässt dabei ein wohliges, warmes Gefühl. Das liegt hauptsächlich an den außergewöhnlichen, sehr lebendigen und durchweg glaubwürdigen Charakteren, die einem viele schräge und zugleich normale Momente bescheren. Jeffrey Tambor ist die zentrale Figur und erweckt Maura zum Leben. Er spielt sie, als ob er sie zu hundert Prozent versteht. Jeffrey Tambor ist fantastisch. Gerade in den Szenen des Talentwettbewerbs (für Transgender) und in den Rückblenden, in denen man Maura und ihre ebenso liebenswerte Freundin Marcy sieht, bekommt man eine Idee davon, dass Fröhlichkeit und Traurigkeit in so einem nicht frei gewählten Leben ganz nah beieinander stehen.

Die Serie wurde von dem eigenen Leben der Serienmacherin, Produzentin und Regisseurin von sieben Folgen, Jill Soloway, inspiriert. Vor einigen Jahren hat sich ihr Vater als Transgender geoutet. Während der Dreharbeiten standen ihr auch einige Berater zur Seite.

„Transparent“ ist eine TV-Serie über das Suchen und Finden der eigenen Identität. Dabei gibt es keine festgeschriebenen Geschlechterrollen und es spielt auch keine Rolle, welche sexuelle Orientierung jemand hat. In „Transparent“ wird Toleranz gelebt. Die Serie zeigt, dass das Leben schon kompliziert genug ist, da braucht man sich nicht mit Themen (Trans- oder Homosexualität), die als normal gelten sollten, lange aufzuhalten oder die gar zerreden.

Erst kürzlich wurden in einigen Universitäten Kaliforniens die ersten genderneutralen Toiletten eingeführt.

Meine Lieblingsfolge: Folge 8 (Best New Girl)

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Mort/ Maura Pfefferman ist ein pensionierter, geschiedener Professor, der allein lebt. Mit seiner Ex-Frau Shelly (gespielt von Judith Light) hat er drei erwachsenen Kindern. Er ist Transgender. Ein Leben lang hat er in einem falschen Körper gelebt und will fortan als Frau durchs Leben gehen. Gespielt wird Mort/Maura von dem amerikanischen Schauspieler Jeffrey Tambor. Er ist den meisten durch die TV-Formate „The Larry Sanders Show“ und „Arrested Development“ bekannt. Er hat aber in einigen Kinofilmen („The Man Who Wasn´t There“, „Hellboy“ und Hellboy II, „The Hangover“-Trilogie) mitgespielt.

Sarah Pfefferman ist die älteste Tochter von Mort/Maura. Sie ist Hausfrau und verheiratet mit zwei kleineren Kindern. Hat eine zunächst heimliche Affäre mit einer Freundin. Gespielt wird Sarah von der amerikanischen Schauspielerin Amy Landecker. Sie hat Gastauftritte in zahlreichen TV-Serien („Law & Order“, „House“, „Revenge“) und auch in einigen Kinofilmen (Dan in Real Life, A Serious Man, Enough Said) mitgespielt.

Josh Pfefferman ist der Sohn von Mort/Maura. Er ist Musikproduzent, Hipster, hat verschiedene Freundinnen und ist nicht bindungsfähig. Gespielt wird Josh von dem amerikanischen Schauspieler, Regisseur, Autor und Produzenten Jay Duplass.(  Baghead, Cyrus, Jeff, Who Lives at Home) Er ist der Bruder von Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent Mark Duplass. (Cyrus, Jeff, Who Lives at Home, The One I Love)

Ali Pfefferman ist die jüngste Tochter von Mort/ Maura. Bislang hat sie ihr Leben noch nicht auf die Reihe bekommen. Ali wird von der amerikanischen Schauspielerin Gaby Hoffman gespielt. Sie hat bereits Kind als Schauspielerin gearbeitet, z.B. in „Field of Dreams“ und „Sleepless in Seattle“. Ich habe sie erst kürzlich in „Obvious Child“ und Wild  gesehen. Ali ist der einzige Charakter der Serie, den ich nicht mag. Vielleicht weil dieser Frauentyp so gar nicht mein Fall ist. Gaby Hoffman spielt Ali absolut glaubwürdig.

Shelly ist Mort/Mauras Ex-Frau und Mutter von Sarah, Josh und Ali. Shelly ist seit einigen Jahren ein zweites Mal verheiratet und kümmert sich um ihren, mittlerweile pflegebedürftigen Mann. Shelly wird von der amerikanischen Schauspielerin Judith Light gespielt. Sie war überwiegend im Fernsehen zu sehen. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle in der TV-Serie „Who´s the Boss?“, sie hat aber auch in „Law & Order: Special Victims Unit“ und der Wiederauflage von „Dallas“ regelmässig mitgespielt.

Davina ist die Freundin und Nachbarin von Maura. Gespielt wird sie von der amerikanischen Schauspielerin Alexandra Billings. Sie war im Jahr 2005 die erste tanssexuelle Schauspielerin, die einen transexuellen Charakter im Fernsehen gespielt hat.

Marcy ist die Freundin von Maura. Gespielt wird Marcy von dem amerikanischen Film- und Fernsehschauspieler Bradley Whitford. Bekannt ist er durch seine Rolle in „The West Wing“ geworden

Rabbi Raquel Fein wird von der amerikanischen Schauspielerin Kathryn Hahn gespielt. Sie hat in zahlreichen Kinofilmen ( Step Brothers, Our Idiot Brother, Bad Words) mitgewirkt.

„Transparent“ wurde kürzlich für zwei Golden Globes nominiert. Nominiert ist die Serie in den Kategorien Beste TV-Serie (Musical or Comedy) und Jeffrey Tambor als Bester Schauspieler in einer TV-Serie (Musical or Comedy). Update: Am 11.1.15 wurde die Serie und Jeffrey Tambor wohlverdienterweise auch mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Die Pilotfilme von „Transparent“ wurde erstmalig am 6. Februar 2014 über den Internet-Sender Amazon Instant Video gezeigt. Eine abgeänderte Pilotfilme und die restlichen neun Folgen waren dann ab dem 26.09.2014 über Amazon.com zugänglich. Es wurde bereits bestätigt, dass es eine zweite Staffel von „Transparent“ geben wird.

Das Opening:

Trailer zu sehen:

VOD – Film: "Force Majeure"

Folgenden Film habe ich mir über iTunes (U.S.) als Leihvideo angeschaut:

 

„Force Majeure“ (Originaltitel: „Turist“, dt. Filmtitel: „Höhere Gewalt“, dt. Kinostart: 20.11.14) 118 min drama
dir. Ruben Östlund cast: Johannes Kuhnke, Lisa Loven Kongsli, Clara Wettergren, Vincent Wettergren

 

Tomas (Johannes Kuhnke) und Ebba (Lisa Loven Kongsli) verbringen ihre Winterferien mit ihren beiden kleinen Kindern Vera (Clara Wettergren) und Harry (Vincent Wettergren) in einem noblen Ski-Resort in den französischen Alpen. Fünf Tage hat sich Tomas von seiner Arbeit freigenommen, um sie mit seiner Familie zu verbringen. Am zweiten Tag, die Familie sitzt gerade zum Mittagessen auf der Sonnenterrasse, ist eine Lawine dabei, sich vom Hang zu lösen. Die Schneemassen rasen auf das Restaurant zu. Das Verhalten des Familienvaters löst eine Ehekrise aus.

B+ (Wertung von A bis F) Der schwedische Film „Force Majeure“ ist ein hervorragendes, smartes Beziehungsdrama, das bis zum Schluss spannend bleibt. Für mich hat der Film leider ein unbefriedigendes Ende, ansonsten hätte er gute Chancen, in meiner Top Ten Liste zu landen.

Es ist ein psychologisch interessanter Film, der überall in der westlichen Welt verstanden wird und der zweifelsfrei große Diskussionen anregen kann. Männer und Frauen haben sicher nicht selten eine unterschiedliche Auffassung von dem Verhalten des Mannes.

Die Familie wird sehr glaubhaft portraitiert. Der Film fühlt sich für mich wie eine Reportage an, bei der eine normale, vierköpfige Familie über ein paar Ferientage begleitet wird. Das Ehepaar wirkt sehr verbunden und vertraut. Der Vorfall bzw. das Fehlverhalten des Mannes lässt der Ehefrau keine Ruhe, sie muss das für sich erst mal richtig einordnen, schließlich geht es um etwas Grundsätzliches. Richtig will oder kann sie sich mit ihrem Mann nicht aussprechen und so wird sie erst im Beisein von Anderen angriffslustig. Dadurch kommt es zu diesen peinlichen Situationen, in denen sich keiner wiederfinden will. Wer möchte schon in den Konflikt anderer Leute hineingezogen werden? „Force Majeure“ ist eine wunderbare Verhaltensstudie.

Der schwedische Filmemacher Ruben Östrund hat einen sehr puristischen und atmosphärischen Film inszeniert. Ein drohendes Szenario hat man praktisch von Anfang an vor Augen. Durch den wiederholenden Part eines klassischen Musikstückes (aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“) und anderen bewusst eingesetzten Geräuschen (Kanonenschläge, elektrische Zahnbürste, elektronisches Spielzeug) fühlt man sich nie sicher.

„Force Majeure“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2014 gezeigt und dort mit dem Preis der Jury in der Reihe Un certain regard ausgezeichnet. Der Film wurde am 24.10.14 in den U.S.A. in ganzen zwei Kinos gestartet. Den widest release hatte er in landesweit 68 Kinos. Ich habe den Film in der Originalfassung mit englischen Untertiteln als Leihvideo über iTunes (U.S.) gesehen.

„Force Majeure“ wurde von Schweden als Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars 2015 eingereicht. Er ist bereits auf der sogenannten Shortlist gelandet, ich gehe davon aus, dass er am 15.01.15 für den Academy Award nominiert wird.

Trailer zu sehen:

Berlin – Film: "The Imitation Game"

Ich war am 25.11.14 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Imitation Game“ (dt. Titel: „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“, dt. Kinostart: 22.01.15) 113 min drama, biopic, adaptation
dir. Morten Tyldum cast: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Charles Dance,

London im Jahr 1939. Der 27-jährige Alan Turing (Benedict Cumberbatch) ist ein brillanter Mathematiker und wird von dem britischen MI6 für ein Geheimprojekt engagiert. Er soll mit anderen Code-Spezialisten, unter der Leitung von Hugh Alexander (Matthew Goode), den als unentschlüsselbar geltenden Enigma-Code der Nazis knacken.

B+ (Wertung von A bis F) „The Imitation Game“ basiert auf dem Leben des legendären Mathematikgenies Alan Turing. Graham Moore schrieb das Drehbuch auf der Grundlage von Andrew Hodges´ Biografie „Alan Turing – Enigma“. Sein Drehbuch stand im Jahr 2011 auf Platz 1 von Hollywoods The Black List, der Liste der besten unverfilmten Drehbücher. „The Imitation Game“ ist das englischsprachige Regiedebüt von dem norwegischen Filmemacher Morten Tyldum („Headhunters“)

In der Oscar-Saison 2014/2015 sind „The Imitation Game“ und The Theory of Everything die beiden britischen Biopics, bei denen eigentlich klar ist, dass sie in einigen Kategorien unter den Oscar-Nominierten sein werden. Bei „Theory of Everything“ war ich mehr begeistert von den Szenenbildern, bei „The Imitation Game“ fand ich die Geschichte faszinierender und die Persönlichkeit sympathischer.

„The Imitation Game“ erzählt Teile der weitgehend unbekannten Lebensgeschichte eines Genies. Alan Turing fand ich von Anfang an fesselnd. Auch ist der Film sehr humorvoll, was vorwiegend von Alan Turings Persönlichkeit ausgeht. Am Ende des Films war ich froh, dass ich etwas aus seinem Leben erfahren habe.

Ich bin kein Fan von Benedict Cumberbatch (also keine der, wie es in den U.S.A. so schön heißt, Cumberbitches ), ich finde er sieht einfach seltsam aus. Und ich gebe zu, dass – als ich ihn das erste Mal im Fernsehen gesehen habe – ich mich regelrecht erschrocken habe. Wissentlich habe ich ihn jetzt in fünf Filmen (Tinker Tailor Soldier Spy, War Horse, The Fifth Estate, 12 Years a Slave und August: Osage County) gesehen, wirklich gut besetzt fand ich ihn in keinem Film. Das ändert sich mit „The Imitation Game“. Hier ist er idealbesetzt. Alan Turing war ein eigenwilliger, eigenbrötlerischer, sehr schüchterner, mit einem blitzschnellen Verstand gesegneter Visionär. Benedict Cumberbatch spielt ihn so, dass man diesen Außenseiter bezaubernd und liebenswert findet. Benedict Cumberbatch gibt für mich hier definitiv eine Oscar-Performance.

Mir haben aber auch Matthew Goode und Keira Knightley sehr gut gefalllen.

„The Imitation Game“ wurde in den U.S.A. dafür kritisiert, dass Alan Turings Charaker nicht in intimen Szenen mit anderen Männern gezeigt wurde. Seine Homosexualität spielt gegen Ende seines Lebens auch eine tragische Rolle, aber ich fand es für die Erzählung dieser Geschichte nicht nötig, entsprechende Szenen konkret zu zeigen.

„The Imitation Game“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller (Charles Dance, Matthew Goode), Beste Nebendarstellerin (Keira Knightley) Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik. Momentan hat „The Imitation Game“ wohl die größten Chancen auf einen Oscar-Gewinn in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch. Update: „The Imitation Game“ wurde auf der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 mit einem Oscar (Bestes adaptiertes Drehbuch) ausgezeichnet.

„The Imitation Game“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2014 gezeigt. Kurz darauf hat der Film auf dem Toronto International Film Festival 2014 den Publikumspreis gewonnen.

„The Imitation Game“ ist am 28.11.14 in vier Kinos in den U.S.A. gestartet. An dem darauffolgenden Freitag lief er bereits in 8 Kinos in den gesamten U.S.A. Mittlerweile wird der Film in 754 amerikanischen Kinos gezeigt. Im Vergleich dazu läuft ein Blockbuster in rund 3200 Kinosälen. Ich finde es für die Art von Filmen aber eine gute Strategie, den Film „klein“ herauszubringen und dann aufzustocken. das hat sich bereits dieses Jahr bei Birdman, Foxcatcher und Wild bewährt. Ich habe „The Imitation Game“ am 25.11.14 in einer Pressevorführung gesehen. Gezeigt wurde die OmU.

Offizieller Trailer zu sehen:

Deutscher Trailer zu sehen:

Benedict Cumberbatch kann ziemlich gut andere Schauspieler imitieren (und mal wieder ein Beweis, dass man Filme ausschließlich in der OV sehen sollte):