Oscar-Gewinner 2016

Die diesjährige Oscarverleihung habe ich wieder in Deutschland gesehen. Die Red-Carpet-Show, wie üblich, weitestgehend auf CNN, dann notgedrungenerweise auf Pro7 geschaltet (wo ich zunächst wohlwollend festgestellt habe, dass nicht mehr „augenroll“ Steven Gätjen „augenroll“ die blöden Fragen am roten Teppich stellt…dann aber schnell realisierte, dass Annemarie Carpendale auch ausreichend Fremdschäm-Momente liefert). Es bleibt mir rätselhaft, warum man nicht einfach die gesamte Pre-Show von ABC überträgt. Wäre sicher auch nicht so kostspielig für Pro7 und würde den Deutschen mal zeigen, wie professionelle Interviews auf dem Roten Teppich ausschauen.

 

Zur Show.

Auch wenn die gesamte Verleihung mal wieder zu lang war, hat sie mir von Anfang bis Ende gefallen. Und das hat nichts damit zutun, dass „Spotlight“ den ersten und den letzten Oscar des Abends erhalten hat. Nein, ich fand Oscar-Gastgeber Chris Rock überraschend smart und witzig. In seiner Eröffnungsrede hat er sich nicht nur über die Academy und die „Weißen Oscars“ lustig gemacht, sondern auch über diejenigen, die der diesjährigen Oscar-Verleihung fernblieben. Mir gefielen auch die zahlreichen Einspiel-Filmchen, besonders als Chris Rock afro-amerikanische Kinogänger in Compton gefragt hat, ob sie die oscar-nominierten Filme gesehen hätten und die von diesen Filmtiteln noch nie gehört hatten.

Für die Vergabe der Oscars wurde dann eine ungewohnte, aber Sinn ergebende Reihenfolge der Kategorien gewählt. Ausgezeichnet wurden der Reihe nach: die Autoren, die Nebendarstellerin, die Kostümdesigner, die Setdesigner, Make-Up-Artisten, der Kameramann, die Cutterin, die Ton-Leute, die Visuelle Effekte-Leute, der animierte Kurzfilm, der Nebendarsteller, der animierte Langfilm, der kurze Dokumentarfilm, der lange Dokumentarfilm, der (Live Action) Kurzfilm, der fremdsprachige Film, die Filmmusik, der Filmsong, der Regisseur, die Hauptdarstellerin, Leo und der beste Film.

Dabei gab eine Überraschung und zwei Mega-Schocker: Die Überraschung war, dass der Oscar für visuelle Effekte nicht an „Star Wars: The Force Awakens“ ging und auch an keinen der, wie sonst üblich, nominierten Filme, sondern an „Ex Machina“. Darüber habe ich mich sehr gefreut, aber – zugegebenermassen – im Leben nicht damit gerechnet. Ich dachte, dass sie „Star Wars: The Force Awakens“ wenigstens einen Oscar geben. Der erste Schocker des Abends war einer über den ich mich richtig gefreut habe. Mark Rylance hat verdientermassen den Oscar als Bester Nebendarsteller gewonnen – oder anders – der absolute Favorit auf diesen Oscar war Sylvester Stallone und hat ihn eben nicht gewonnen. Danke AMPAS dafür! Der zweite Schocker war, dass der von vielen so gehasste „Spectre“-Song gewonnen hat und eben nicht der hochfavorisierte Song „Til It Happens To You“ von Diane Warren und der grauenhaften Gaga. Etwas leid tat es mir für die acht Mal für den Oscar nominierte Diane Warren.
Was die tatsächlichen Preisträger angeht, hätte es für mich nicht besser laufen können. „Spotlight“ gewinnt bester Film (und bestes Originaldrehbuch) und „Mad Max: Fury Road“ räumt die meisten technischen Kategorien und insgesamt 6 Oscars ab. Der beste Film („Spotlight) – und das zeigt auch gleich was für eine außergewöhnliche Oscar-Saison es war – hat nur einen weiteren Oscar gewonnen. Grundsätzlich wird der Oscar-Gewinner-Film mit insgesamt mindestens 3 Oscars ausgezeichnet. Das letzte Mal, dass ein Gewinner-Film insgesamt nur zwei Oscars gewonnen hat, war im Jahr 1952 und der Film hieß „The Greatest Show on Earth“.

Mir war klar, dass „Spotlight“ das Originaldrehbuch gewinnen wird, ich habe aber hin und her überlegt, welchen Oscar dieser Film noch gewinnen könnte. Das hat mich schier verrückt gemacht, letztlich hat mich in so einem engen Rennen einzig und allein das Preferential Voting davon überzeugt, trotzdem auf „Spotlight“ zu setzen. Ich stand wirklich kurz davor, auf den Wagen beinahe aller Oscar-Experten aufzuspringen und auf „The Revenant“ als Bester Film zu setzen.
Der beste Presenter war für mich dieses Jahr Louis C. K. Er hat die Kategorie Best Documentary Short Subject wirklich witzig verkündet und hat sich damit als zukünftiger Oscar-Gastgeber empfohlen.
Bei den Oscars 2016 gab es 24 Kategorien und ich habe dieses Jahr 19 richtig geraten (oder anders bei: Best Supporting Actor, Best Sound Mixing, Best Original Song, Best Visual Effects und Best Live Action Short Film habe ich falsch getippt). Wobei ich tatsächlich nicht rate und auch nicht (wie die meisten) abschreibe, sondern mir über jede einzelne Kategorie Gedanken mache. Mein Wett-Kumpel lässt sich stark von den Oscar-Experten beeinflussen und hat 17 richtig geraten. Auch ein guter Schnitt, aber ich habe unsere Wette gewonnen.

Alle Oscar-Gewinner 2016:

Best Picture: Spotlight
Best Director: Alejandro G. Inárritu (The Revenant)
Best Actor: Leonardo DiCaprio (The Revenant)
Best Actress: Brie Larson (Room)
Best Supporting Actor: Mark Rylance (Bridge of Spies)
Best Supporting Actress: Alicia Vikander (The Danish Girl
Best Original Screenplay: Spotlight
Best Adapted Screenplay: The Big Short
Best Cinematography: Emmanuel Lubezki (The Revenant)
Best Animated Feature: Inside Out
Best Foreign Language Film: Son of Soul (Ungarn)
Best Costume Design: Mad Max: Fury Road
Best Production Design: Mad Max: Fury Road
Best Makeup and Hairstyling: Mad Max: Fury Road
Best Film Editing: Mad Max: Fury Road
Best Sound Editing: Mad Max: Fury Road
Best Sound Mixing: Mad Max: Fury Road
Best Visual Effects: Ex Machina
Best Documentary Feature: Amy
Best Animated Short: Bear Story
Best Live Action Short: Stutterer
Best Documentary Short Subject: The Girl on the River: The Price of Forgiveness
Best Original Song: Writing´s on the Wall (Spectre)
Best Original Score: Ennio Moricone (The Hateful Eight)

Die Mode – The Best:

Charlize Theron (Dior)
Cate Blanchett (Armani Privé)
Julianne Moore (Chanel Haute Couture)
Chrissy Teigen (Marchesa)
Olivia Munn (Stella McCartney)
Benicio Del Toro
Leonardo DiCaprio

Die Mode – The Worst

Lady Gaga (Brandon Maxwell)
Heidi Klum (Marchesa)
Olivia Wilde (Valentino)
Kevin Hart

Einen Tag vor der Oscar-Verleihung wurde noch der Anti-Oscar, der Golden Raspberry Award verliehen. Die Goldene Himbeere im Jahr 2016 haben gewonnen:

Gleich zwei Filme wurden dieses Jahr zum schlechtesten Film gewählt: „Fantastic Four“ und „Fifty Shades of Grey“. Schlechtester Regisseur wurde Josh Trank (für „Fantastic Four“), Schlechtestes Prequel, Remake, Rip-off or Sequel hat auch „Fantastic Four“ „gewonnen“. Als schlechtester Schauspieler wurde Jamie Dornan (für seine Performance in „Fifty Shades of Grey“) ausgezeichnet, schlechteste Schauspielerin Dakota Johnson (für „Fifty Shades of Grey“), schlechtester Nebendarsteller ist Eddie Redmayne (für seine Performance in „Jupiter Ascending“ – ich persönlich hätte ihn auch für „The Danish Girl“ ausgezeichnet) und schlechteste Nebendarstellerin Kaley Cuoco-Sweeting (für „Alvin and the Chipmunks 4: Road Chip“ und „The Wedding Ringer“). Schlechtestes Paar auf der Leinwand wurde natürlich auch Jamie Dornan und Dakota Johnson (für „Fifty Shades of Grey“).

Sylvester Stallone hat den diesjährigen Redeemer-Razzie gewonnen. Vom größten Razzie-Gewinner aller Zeiten bekommt er diesen Award für seine solide Leistung in „Creed“.

 

Die 88. Academy Awards werden vor allen Dingen für diesen Moment in Erinnerung bleiben:

Oscar-Gewinner 2016, meine Wette

Heute ist der 27.02.16, ein Tag vor der Oscar-Verleihung. Wie in meinem alten Blog üblich, meine letzten Worte und meine Wette.

Eine wirklich chaotische Oscar-Saison geht zu Ende.

OscarsSoWhite

AMPAS hat auf die Oscars-So-White-Vorwürfe mit übertriebenen Aktionismus reagiert. Für das nächste Jahr (2017) hat die Academy Regeln aufgestellt, nach denen vielen älteren Academy-Mitglieder das Wahlrecht entzogen wird. Nach den neuen Regeln haben Academy-Mitglieder weiterhin ein lebenslanges Wahlrecht, wenn sie entweder bereits einen Oscar gewonnen haben oder für einen nominiert wurden oder sie in den letzten 10 Jahren oder in 3 Dekaden „aktiv“ im Filmbusiness gearbeitet haben. Wobei bislang noch nicht konkret beschrieben wurde, was „aktiv“ genau bedeutet. Schätzungsweise werden die Regeln noch abgeändert, die Empörung auf Seiten der Academy-Mitglieder ist jedenfalls bereits groß. So groß, dass einige wahlberechtigte Academy-Mitglieder bereits dieses Jahr gar nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen wollten.

Ich finde es auch eine Frechheit, den derzeitigen Academy-Mitgliedern zu unterstellen, rassistisch zu sein. Es ist stets eine knappe Entscheidung, welche Filme für den Oscar nominiert werden. Vielleicht haben ihnen die wenigen, in Frage kommenden Filme mit einer afro-amerikanischen Thematik („Straight Outta Compton“, Chi-Raq, Beasts of No Nation oder Creed) einfach nicht so gut gefallen wie die Filme, für die sie gestimmt haben. Vielleicht fanden die Schauspieler, die innerhalb der Academy für eine Oscar-Nominierung der Schauspieler abstimmen, andere Performances besser als die von Will Smith, Michael B. Jordan, Idris Elba oder Samuel L. Jackson. (Warum sie für Sylvester Stallone gestimmt habe, bleibt für mich jedoch ein zu beantwortendes Rätsel) Sind die Academy-Mitglieder alle deswegen rassistisch, weil am Ende Will Smith, Michael B. Jordan, Idris Elba oder Samuel L. Jackson keine Oscar-Nominierung erhalten haben? Für mich ist das Ganze eine Farce und ich finde es auch eine Respektlosigkeit gegenüber den Nominierten.

AMPAS hat aber auch eine sinnvolle Änderung für die diesjährige Oscar-Verleihung vorgenommen. Dieses Jahr wurden alle Oscar-Nominierten gebeten, eine Liste mit allen Personen, denen sie danken möchten, einzureichen. Wenn der Oscar-Gewinner dann aufgerufen wird und auf der Bühne steht, werden alle gelisteten Namen als Laufband eingeblendet und der Oscar-Preisträger kann in seiner Dankesrede etwas sagen, was ihm am Herzen liegt. Diese Änderung war eigentlich schon längst fällig.

AMPAS hat für die diesjährige Oscar-Verleihung auch auffällig viele nicht-weiße Präsentatoren geladen. Wer wird dieses Jahr die Königskategorie Bester Film verkünden? Seit 25 Jahren hat keine Frau mehr alleine den Best Picture Winner verkündet. Ich rechne damit, dass entweder eine Frau oder ein nicht-weißer Schauspieler (Oscar-Gewinner Morgan Freeman zum Beispiel) zum Schluss auf der Bühne steht. Wie wäre es, wenn mit eine Frau, vielleicht sogar eine afro-amerikanische Frau wie Oscar-Gewinnerin und ehemalige Oscar-Gastgeberin Whoopi Goldberg den wichtigsten Preis des Abends aushändigt? Damit könnte man ein Zeichen setzen.

Welcher Film gewinnt den Oscar als Best Picture? In meiner Analyse zu den diesjährigen Oscar-Kandidaten habe ich bereits geschrieben, dieses Jahr ist alles anders. Die Statistiken sind für die Katz. Diese Kategorie kann man weitestgehend nur raten. Es könnte „Spotlight“, „The Revenant“, „The Big Short“, ja sogar „Mad Max: Fury Road“ oder „Room“ gewinnen. Richtig wundern würde es mich bei keinem dieser Filme. Ich wünschte „Spotlight“ würde gewinnen. Ich habe mir letztens „Mad Max: Fury Road“ ein zweites Mal angeschaut und würde vor Freude in die Luft springen, wenn dieses visuelle Meisterwerk den Oscar als Bester Film gewinnt.

Ich komme aber immer mehr zu den Entschluss, dass „The Revenant“ die größten Chancen hat. In dem Moment, in dem ich das schreibe, fallen mir jedoch wieder die ganzen Faktoren ein, die gegen „The Revenant“ sprechen. Wenn „The Revenant“ dieses Jahr den Oscar als bester Film gewinnt, dann würde ein Film gewinnen, der – von allen nominierten Filmen – die meisten schlechten Kritiken kassiert hat. Es ist ein Film, den man liebt oder hasst. Man respektiert den Film für seine einzigartige Machart, aber diesen Film kann man nicht einfach nur mögen.

Wie wird der Gewinner-Film ermittelt?
Wenn die 6261 wählenden Academy Mitglieder ihren Wahlzettel ausfüllen, müssen sie eine Bestenliste aller 8 nominierten Filme erstellen. (Übrigens haben das viele Academy-Mitglieder noch nicht verstanden und wählen nur ihren Lieblingsfilm. Wenn sie dann auf den „falschen“ Film setzen, dieses Jahr beispielsweise „Bridge of Spies“ und keinen einzigen Film weiter gelistet haben, ist ihre Stimme nichtig – Erklärung s. Steve Pond von The Wrap). Platz 1 geht an ihren Lieblingsfilm, dann der Reihe nach, wie sie die Filme mögen. Der Film, der mehr als 50% aller Stimmen erhält, ist automatisch der Gewinner-Film. Wenn in der ersten Wahlrunde kein Film mehr als 50% der Stimmen erhalten hat, wird neu gezählt. Es werden die Stimmen des Films, der auf dem letzten Platz gelandet und ausgeschieden ist, genommen und geguckt, was diejenigen auf Platz 2 und 3, etc. gewählt haben. Diese Stimmen werden dann auf Platz 2 und 3, etc. verteilt, das wird so oft wiederholt bis ein Film mehr als 50% der Stimmen erreicht hat. „The Revenant“ wird wahrscheinlich viele Nr. 1 Stimmen erhalten, aber mehr als 50%, die für die erste Wahlrunde für einen Oscar-Film benötigt werden? In meinen Augen ist „The Revenant“ kein Nr. 2 oder Nr. 3 Film – das wären „Spotlight“ oder „The Big Short“ oder vielleicht auch „Mad Max: Fury Road“ oder „Room“. Die Produzenten (mit ungefähr 7000 Wahlberechtigten) haben für ihren Producer Guild Award (PGA) dasselbe Wahlsystem und auch die BFCA, eine Gruppe der amerikanischen Filmkritiker (mit ungefähr 300 Wahlberechtigten) um den Gewinner des Critic Choice Awards zu ermitteln – den PGA hat dieses Jahr „The Big Short“, den Critic Choice Award hat „Spotlight“ gewonnen.

 
Das Preferential Ballot System wurde vor einigen Jahren von Steve Pond von The Wrap ganz gut erklärt:

Ich habe mir dieses Video dieses Jahr noch mal angeschaut und ziehe die Schlussfolgerung, dass „The Revenant“ nicht der Film ist, auf den man sich einigen kann.

„Spotlight“, „Mad Max: Fury Road“ und „The Revenant“ sind in meiner persönlichen Bestenliste aus dem Jahr 2015 gelandet. ABER, wenn ich mit meinem Wahlzettel den Oscar-Gewinner-Film bestimmen könnte, würde ich die 8 nominierten Filme folgendermassen listen:

Spotlight
Mad Max: Fury Road
The Big Short
Room
The Revenant
The Martian
Brooklyn
Bridge of Spies

 

in der Hoffnung, dass Nr. 1. oder Nr. 2 gewinnt.

Vielleicht wählen aber doch noch mehr Academy-Mitglieder den Film des mexikanischen Filmregisseurs, um so auf die dummen OSCARS-SO-WHITE Angriffe zu reagieren. Sollte Iñárritu den Oscar als bester Regisseur gewinnen, ist es das sechste Jahr in Folge (nach Tom Hooper, Michel Hazanavicius, Ang Lee, Alfonso Cuarón und Alejandro G. Iñárritu) , dass kein amerikanischer Regisseur den Oscar gewinnt. Wenn Alejandro G. Iñárritu nicht nur als bester Regisseur ausgezeichnet wird, sondern auch „The Revenant“ die Kategorie Bester Film für sich entscheiden kann, dann schreibt er Oscar-Geschichte – das ist noch keinem Regisseur geglückt.

Die Briten haben mit ihren BAFTA auch kürzlich für „The Revenant“ als bester Film gestimmt. (ungefähr 500 Mitglieder in der Oscar-Academy sind britisch und könnten ihre Stimme auch diesem Film geben). Der BAFTA-Preis war der letzte wichtige Preis innerhalb der Filmindustrie. Das hat die meisten Oscar-Experten davon überzeugt, dass „The Revenant“ die Kategorie Bester Film gewinnt. Ich bin mir da nicht so sicher und setze mehr auf das Preferential Voting. Für meine Wette habe ich die Kategorie Bester Film als letztes eingetragen.

 
In welcher Kategorie könnte es wirklich zu einer Überraschung kommen?

Ich würde mich darüber freuen, wenn es in der Kategorie Bester Nebendarsteller zu einer Überraschung kommen würde. Alles deutet derzeit darauf hin, dass Sylvester Stallone den Oscar bekommt. Damit kann ich mich kaum abfinden. Auch wenn ich mittlerweile realisiert habe, dass nicht Sylvester Stallone den Oscar gewinnt, sondern die Figur Rocky Balboa. Trotzdem, kein Schauspieler hat mehr Anti-Oscar-Nominierungen als Sylvester Stallone. Er hat sogar die Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler des 20. Jahrhunderts gewonnen. Dieser Schauspieler soll jetzt für eine okaye Leistung und eine Figur, die er bereits 7x gespielt hat, den Oscar gewinnen?  Wenn man sich die Oscar-Saison als Ganzes anschaut, hat Sylvester Stallone und Leonardo DiCaprio die beste Kampagne dieses Jahr hingelegt.

Ein enges Rennen gibt es in der Kategorie Beste Nebendarstellerin. Die Favoritin ist Alicia Vikander (für The Danish Girl). In dieser Kategorie zeichnet AMPAS gerne den Newcomer aus, das It-Girl der Stunde und das wäre tatsächlich Alicia Vikander. Aber wie wäre ein Oscar-Gewinner-Bild mit dem „Titanic“-Pärchen Leonardo DiCaprio und Kate Winslet. Das wäre der zweite Oscar für Kate Winslet. Kate Winslet hat erst kürzlich den BAFTA für Steve Jobs gewonnen.

Wenn jemand die Oscar-Verleihung morgen live guckt, sollte er/sie auf ein paar Vorzeichen achten. Das macht die Sache auch gleich spannender. Sollte in der Kategorie Bester Nebendarsteller/ Beste Nebendarstellerin – wider Erwarten – Mark Ruffalo oder Rachel McAdams gewinnen, gewinnt „Spotlight“ auch noch das Beste Originaldrehbuch und dann vielleicht Bester Film. Die Kategorie Bester Schnitt ist für den morgigen Abend auch ein gutes Vorzeichen. Favorit in dieser Kategorie ist zweifelsfrei der Film „Mad Max: Fury Road“. Es ist der Film, der die meisten Filmschnitte hat. Eigentlich ist klar, dass George Millers Ehefrau den Preis erhalten müsste. Sollte der Beste Schnitt jedoch an „The Big Short“ gehen, gewinnt der Film auch Bestes adaptiertes Drehbuch und dann höchstwahrscheinlich Bester Film. Auch „Spotlight“ könnte in der Kategorie Bester Schnitt ausgezeichnet werden, auch dann hat „Spotlight“ sehr gute Chancen auf den Oscar als Bester Film. Wenn „The Revenant“ den Oscar in dieser Kategorie erhält, gewinnt sehr wahrscheinlich auch „The Revenant“ Bester Film. Sollte – und das ist aber ziemlich an den Haaren herbeigezogen – einer der ersten Preise des Abends  an Tom Hardy gehen, ist es vorbei – dann gewinnt „The Revenant“ mehr Preise als man sich ausmalen kann und hundertprozentig auch Best Picture.

Ich bin froh, wenn diese Oscar-Saison zu Ende geht, weil sie für mich in so vielen Bereichen keinen Sinn ergibt.

Diesen Blog hier habe ich erst seit wenigen Monaten. Mit den Oscars beschäftige ich mich aber bereits seit vielen Jahren. In meinem alten Blog habe jedes Jahr über die Oscar-Saison berichtet (und diese Beiträge konnte ich dankenswerterweise hier importieren).

In den letzten Jahren habe ich von den 24 Kategorien im Jahr 2015 ganze 21 richtig geraten, im Jahr 2014 habe ich meine Wette erstmalig verloren, aber 19 richtig geraten, im Jahr 2013 hatte ich einen Gleichstand mit meinen Rate-Kumpel und auch 19 richtig geraten, im Jahr 2012  18 Kategorien richtig geraten, im Jahr 2011 habe ich nur 15 richtig geraten, meine Wette aber trotzdem gewonnen.

Dieses Jahr bin ich mir in vielen Kategorien unsicher. Besonders unsicher war ich mir dieses Jahr in den Kategorien Sound Mixing und Sound Editing. Eigentlich war ich sicher, dass „Mad Max: Fury Road“ beide für sich entscheiden wird, aber dann ist da der „The Revenant“-Faktor. Auch schwierig fand ich die Kurzfilm-Kategorien.
Die Vernunft rät mir, bei Bester Film auf „The Revenant“ zu setzen, ich bleibe aber bei dem Film, auf den ich seit  meiner ersten Oscar-Prognose v. September 2015 gesetzt habe.

 

Kleine Zusammenfassung der nominierten Oscar-Filme:

und nochmal in Lego:

Oscar-Gewinner 2016 – meine Wette:

Best Picture: Michael Sugar, Steve Golin, Nicole Rocklin and Blye Pagon Faust, Producers (Spotlight)
Best Director: Alejandro G. Iñárritu (The Revenant)
Best Actor: Leonardo DiCaprio (The Revenant)
Best Actress: Brie Larson (Room)
Best Supporting Actor: Sylvester Stallone (Creed)
Best Supporting Actress: Alicia Vikander (The Danish Girl)
Best Original Screenplay: Josh Singer & Tom McCarthy (Spotlight)
Best Adapted Screenplay: Charles Randolph and Adam McKay (The Big Short)
Best Animated Feature: Pete Docter and Jonas Rivera (Inside Out)
Best Production Design: Production Design: Colin Gibson; Set Decoration: Lisa Thompson (Mad Max: Fury Road)
Best Cinematography: Emmanuel Lubezki (The Revenant)
Best Costume Design: Jenny Beavan (Mad Max: Fury Road)
Best Editing: Margaret Sixel (Mad Max: Fury Road)
Best Makeup and Hairstyling: Lesley Vanderwalt, Elka Wardega and Damian Martin (Mad Max: Fury Road)
Best Sound Mixing: Jon Taylor, Frank A. Montaño, Randy Thom and Chris Duesterdiek (The Revenant)
Best Sound Editing: Mark Mangini and David White (Mad Max: Fury Road)
Best Visual Effects: Roger Guyett, Patrick Tubach, Neal Scanlan and Chris Corbould (Star Wars: The Force Awakens)
Best Original Score: Ennio Morricone (The Hateful Eight)
Best Song: „Til it Happens To You“ (The Hunting Ground), Music and Lyric by Diane Warren and Lady Gaga
Best Foreign Language Film: Hungary (Son of Saul)
Best Documentary Feature: Asif Kapadia and James Gay-Rees (Amy)
Best Live Action Short: Jamie Donoughue (Shok)
Best Animated Short: Gabriel Osorio and Pato Escala (Bear Story)
Best Documentary Short: Sharmeen Obaid-Chinoy (A Girl in the River: The Price of Forgiveness)

 

Das Einzige was wirklich feststeht, ist, dass der diesjährige Oscar-Gastgeber Chris Rock der Academy ordentlich den Kopf waschen wird.

Boston – Film: „Where to Invade Next“

Ich war am 13.02.16 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Where to Invade Next“ (dt. Kinostart: 25.02.16) 119 min documentary
dir. Michael Moore

Der Dokumentarfilmer Michael Moore begibt sich nach Europa und schaut, welche tolle Ideen er den Italienern (Urlaubsregelung), den Franzosen (Kantinenessen in Schulen), den Deutschen (staatlich finanzierte Kuren und Vergangenheitsbewältigung) etc. abluchsen kann, um so etwas vielleicht in den U.S.A. einzuführen.

B (Wertung von A bis F) „Where to Invade Next“ ist die neueste Dokumentation von Michael Moore („Bowling for Columbine“, „Fahrenheit 9/11“ und Sicko)

Eines muss man Michael Moore lassen, seine Dokumentationen sind immer unterhaltsam. Wie schon bei seinen Vorgängerfilmen, führt der Dokumentarfilmer vorwiegend seinen eigenen Landsleuten auf eindrucksvolle Weise vor, was in ihrem Land alles schief läuft. Den meisten Europäern ist bekannt, wie z.B. das amerikanische und das europäische Sozial-System funktioniert, den direkten Vergleich hat Michael Moore hier aber wieder mal wahlweise  amüsant oder schockierend in Szene gesetzt. Ich habe den Film in einem amerikanischen Kino mit zahlreichen liberalen (andere würden sich einen Michael Moore Film nicht anschauen) U.S. Amerikaner gesehen und das hatte einen ganz besonderen Charme. Wenn der Filmemacher einige Europäer wie selbstverständlich davon erzählen lässt, dass sie knapp 7 Wochen bezahlten Urlaub haben, sogar ein 13. Monatsgehalt ausbezahlt bekommen und man ihnen sogar eine Kur auf Staatskosten gewährt, dann habe ich erstaunlich oft ungläubiges Lachen und unzählige staunende Wows meiner Mitzuschauer gehört.

 

In meinen Augen hätte er sich die Episode in Tunesien vollends sparen können und die eine oder andere europäische Episode wäre etwas kompakter auch noch wirksamer gewesen, ansonsten hatte ich für 2 Stunden das Gefühl, in einem Paradies zu leben.

„Where to Invade Next“ war für eine Oscar-Nominierung als Bester Dokumentarfilm im Gespräch.

 

„Where to Invade Next“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival gezeigt. Um sich für die Oscars 2016 zu qualifizieren, wurde „Where to Invade Next“ am 23.12.15 für eine Woche in ein paar ausgewählte amerikanische Kinos gebracht. Am 12.02.16 wurde der Film wiederaufgeführt und läuft seitdem in 308 amerikanischen Kinos. „Where to Invade Next“ wurde auf dem Berlin International Film Festival 2016 in der Sektion Berlinale Special gezeigt.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Touched with Fire„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama mit Katie Holmes und Luke Kirby
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „London Has Fallen„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Actionfilm und Fortsetzung zu Olympus Has Fallen
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Eye in the Sky„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: britischer Thriller mit Helen Mirren und Alan Rickman
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Demolition„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Jean-Marc Vallées neuer Film mit Jake Gyllenhaal und Naomi Watts
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „I Saw the Light„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic mit Tom Hiddleston und Elizabeth Olsen
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Captain America: Civil War„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Marvel-Mist, dritter Teil von Captain America mit Iron Man
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Oscar-Gewinner 2016 – meine Analyse

Mit Logik braucht man an das Oscar-Rennen 2015/2016 ganz sicher nicht zu gehen. Vielleicht werde ich, kurz bevor ich – einen Tag vor der Oscar-Verleihung – meine Wette abgebe, Zettel mit den potenziellen Gewinnern schreiben und dann einen ziehen. Diese Saison ist so unvorhersehbar wie selten eine zuvor.

Bei meiner Oscar-Prognose halte mich gerne an Statistiken, schaue auf Preise, die Kritiker vergeben und auf die noch wichtigeren Preise, die innerhalb der Filmindustrie verteilt werden. Ich lese viel, was die zahlreichen Oscar-Experten denken, lausche den Gerüchten und zwischendurch schaue ich immer wieder auf die Oscar-Saison als Ganzes. Kurz vor der Oscar-Verleihung lehne ich mich dann zurück und schaue mir den Verlauf der gesamten Oscar-Saison an, lasse in meiner Entscheidung einfliessen, wie sich potenzielle Oscar-Preisträger verhalten haben und versuche meine finale Prognose/ Wette mit dem Bauch zu entscheiden. Wenn man zu tief in der Materie steckt, neigt man zur Betriebsblindheit. Dieses Jahr kann man sich auf keine Statistik verlassen. Der Oscar-Favorit in der Kategorie Bester Film wechselt derzeit in einem wöchentlichen Abstand – ohne Übertreibung. Am 23.01.16 war es mit dem PGA-Gewinn The Big Short, am 30.01.16 war es mit dem SAG-Gewinn Spotlight seit letztem Samstag, 06.01.16, geht die Tendenz wieder zu The Revenant.

Üblicherweise hat man spätestens mit den Oscar-Nominierungen zwei klare Favoriten auf den Oscar-Gewinn Bester Film („Birdman“/„Boyhood“, „12 Years a Slave“/„Gravity“, „Argo“/„Lincoln“, „The King´s Speech“/„The Social Network“, „The Hurt Locker“/„Avatar“, etc.) Dieses Jahr gab es mit den Oscar-Nominierungen gleich vier Favoriten („Spotlight“, „The Big Short“, „The Revenant“ und „Mad Max: Fury Road“) auf die Königskategorie Bester Film. Tatsächlich hat aber jeder dieser Filme irgendetwas, was gegen ihn spricht. Erklärung weiter unten. Ein paar Fakten:

Grundsätzlich geht man davon aus, dass Bester Film und Beste Regie zusammengehen. Das ergibt auch einen Sinn. Wer ist schließlich für den Film verantwortlich? Wenn es in der Vergangenheit eine Trennung dieser beiden Kategorien gab, gab es immer Gründe dafür. (Beispiel „Argo“ – Ben Affleck wurde von AMPAS nicht als Bester Regisseur nominiert, Ang Lee wurde als Bester Regisseur ausgezeichnet, etc.). Dieses Jahr deutete vieles auf eine Trennung von Bester Film und Beste Regie hin. Bis letzten Samstag es so aus, als ob George Miller (für „Mad Mad: Fury Road“) den Regie-Oscar erhält und entweder „Spotlight“, „The Big Short“ oder „The Revenant“ als Bester Film ausgezeichnet werden. Mit dem DGA-Gewinn von Alejandro González Iñárritu ist aber alles wieder zurück auf Anfang.

 

 

Man muss ins Jahr 1949 und ins Jahr 1950 zurückgehen, als ein Regisseur für seine Regiearbeit 2x hintereinander ausgezeichnet wurde. Joseph Leo Mankiewicz hat im Jahr 1949 für „A Letter to Three Wives“ und ein Jahr später für „All About Eve“ gewonnen, aber nur für „All About Eve“ hat er sowohl Bester Film als auch Beste Regie gewonnen. Gewinnt Alejandro González Iñárritu ein Jahr nach „Birdman“ noch einmal für „The Revenant“ und dann Bester Film und Beste Regie? Damit wäre er der erste Regisseur in der Geschichte der Oscars überhaupt.

Oftmals haben Filme, die die meisten Oscar-Nominierungen erhalten haben auch die Kategorie Bester Film für sich entscheiden können. „The Revenant“ hat 12 Oscar-Nominierungen und „Mad Max: Fury Road“ hat 10. In den letzten 8 Jahren hat die Gilde der Produzenten mit ihrem PGA darüber entschieden, welcher Film ein paar Wochen später den Oscar erhält. Dieses Jahr hat „The Big Short“ den PGA gewonnen.

Grundsätzlich wird der Oscar-Gewinner-Film von AMPAS auch in der Kategorie Bestes Drehbuch (adaptiert oder Original) nominiert. Der letzte Film, der von AMPAS als Bester Film ausgezeichnet wurde und keine Drehbuch-Nominierungen erhalten hat, war der Film„Titanic“ – im Jahr 1997. Davor muss man sehr weit zurückgehen, nämlich ins Jahr 1965 zu dem Film „The Sound of Music“. Die dieses Jahr meist nominierten Filme „The Revenant“ und „Mad Max: Fury Road“ haben beide keine Nominierung für das Drehbuch erhalten.

Grundsätzlich hat ein Oscar-Gewinner-Film nicht nur 5 oder 6 Oscar-Nominierungen. Man muss ins Jahr 2006 und Martin Scorseses Film „The Departed“ und noch ein Jahr zurück zu dem völlig überraschenden Oscar-Sieger „Crash“ zurückkehren, als ein Film mit nur 5 oder 6 Nominierungen in der Kategorie Bester Film gewonnen haben. „The Big Short“ hat 5 Oscar-Nominierungen und „Spotlight“ hat 6 Nominierungen.

Kein Film über Journalisten hat jemals einen Oscar gewonnen.

In den meisten Fällen gewinnt der Film auf den sich ALLE einigen können. Da jede einzelne Branche auch über die Kategorie Bester Film entscheidet, gewinnt meist der Film, den alle mögen und keiner hasst. Meines Erachtens ist damit „Spotlight“ der Favorit und „The Big Short“ der Film, der „Spotlight“ gefährlich werden können. Ich habe von Stimmen einiger Academy-Mitglieder gehört, die mit „The Revenant“ nichts anfangen konnten, den Film zu anstrengend fanden oder ihn auch gar nicht gesehen haben und auch nicht vorhaben, ihn anzusehen. (aber trotzdem für Leonardo DiCaprio stimmen wollen).

PGA – Producers Guild Award
SAG – Screen Actors Guild Award
WGA – Writers Guild Award
DGA – Directors Guild Award
ACE-Eddie – American Cinema Editors Award, die den besten Schnitt eines Films auszeichnen
Cinemascore – zeigt an, wie das amerikanische Publikum am Eröffnungswochenende den Film bewertet hat. (Wertung von A+ bis F)

Rein rechnerisch können nur 3 Filme den Oscar als Bester Film gewinnen und das sind folgende:

„The Big Short“ hat zwar nur 5 Oscar-Nominierungen erhalten, dafür aber die wichtigsten. The Big Short ist der einzige Film, der alle wichtigen Nominierungen (DGA, SAG Ensemble, PGA und WGA und ACE-Eddie) innerhalb der Filmindustrie erhalten hat. Der Film kam sehr spät in die Oscar-Saison. Erstmalig wurde er am 12. November 2015 auf dem AFI Fest gezeigt. Keiner hatte diesen Film zu Beginn der Oscar-Saison auf dem Zettel. Gewonnen hat er, durchaus überraschend, den so wichtigen PGA, den Preis der Produzenten Gilde und den ACE Eddie in der Kategorie Beste Komödie oder Musical. Die Gewerkschaft der Produzenten und AMPAS haben dasselbe Wahlverfahren, das zu ihrem Gewinner-Film führt. Seit dem Jahr 2007 (mit „No Country for Old Men“) war der PGA-Gewinner-Film auch einige Wochen später der Oscar-Gewinner-Film. Was spricht gegen „The Big Short“ als Oscar-Gewinner-Film? Wenig, ich habe gehört, dass es bei den PGAs eine sehr knappe Entscheidung (zu dem Zweitplatzierten) gab. Hilfreich wäre, wenn man wissen würde, welcher Film der Zweitplatzierte war – das ist aber nicht bekannt. Gegen „The Big Short“ spricht, dass er nicht von der Gewerkschaft der Schauspieler für das beste Ensemble (der Preis ging an „Spotlight“) ausgezeichnet wurde und dass Adam McKay auch von der Gewerkschaft der Regisseure (dort konnte sich, ziemlich überraschend, Alejandro González Iñárritu durchsetzen) ignoriert wurde. Das Einzige was wirklich gegen „The Big Short“ spricht ist, dass man den Film gemeinhin als Komödie bezeichnen kann und Komödien gewinnen quasi nie den Academy Award als Bester Film. („The Big Short“ steht bei 88% Rotten Tomatoes, 213 Fresh Reviews, 29 Rotten, Stand 8.2.16 und hat einen CinemaScore von A-)

„The Big Short“ und „Spotlight“ sind die einzigen beiden Filme, die Nominierungen von PGA, WGA, DGA und SAG Ensemble erhalten haben. Auch haben beide Filme jeweils eine, so wichtige Oscar-Nominierung in der Kategorie bester Schnitt und eine beste Drehbuch-Nominierung.

„Spotlight“ hat 6 Oscar-Nominierungen erhalten, dafür aber die wichtigsten. Die einzige Nominierungen innerhalb der Filmindustrie die „Spotlight fehlt, ist eine ACE-Eddie-Nominierung. Man muss ins Jahr 1989 zurückgehen, um einen Film zu finden („Driving Miss Daisy“), der ohne eine Nominierung für den ACE Eddie den Oscar als bester Film gewonnen hat. Dafür wurde „Spotlight“ aber als Bester Film (SAG Best Ensemble) von der Schauspielgewerkschaft ausgezeichnet. Die Schauspieler bilden die größte Branche innerhalb der Academy-Mitglieder. Für mich ist „Spotlight“ der beste dieser vier drei Oscar-Favoriten und ein typischer Oscar-Gewinner-Film. („Spotlight“ steht bei 96% Rotten Tomatoes, 240 Fresh Reviews, 9 Rotten, Stand 8.2.16)

„The Revenant“ hat zwar mit 12, die meisten Oscar-Nominierungen. Der Film hat aber keine Oscar-Nominierung für das Drehbuch. Wie bereits weiter oben geschrieben, hatte zuletzt James Camerons Oscar-Gewinner-Film „Titanic“ auch keine Drehbuch-Nominierung. „The Revenant“ ist aber nicht mit einem mainstreamigen „Titanic“ vergleichbar. „The Revenant“ hat auch keine Nominierung der Gewerkschaft der Autoren (WGA) und auch keine der Schauspielgewerkschaft (SAG) für das beste Ensemble. Nie hat ein Film den Oscar als bester Film gewonnen, ohne vorher für den WGA und den SAG Award nominiert gewesen zu sein. „Braveheart“ hatte zwar eine WGA-Nominierung, aber war der letzte Film, der keine SAG-Ensemble-Nominierung hatte und trotzdem im Jahr 1996 den Oscar als Bester Film gewonnen hat. „The Revenant“ wurde für den PGA, ACE-Eddie und den DGA nominiert. Alejandro González Iñárritu, und das kam sicher für die meisten überraschend, wurde von der Gewerkschaft der Regisseure am letzten Samstag mit dem DGA ausgezeichnet. („The Revenant“ steht bei 83% Rotten Tomatoes, 233 Fresh Reviews, 49 Rotten, Stand 8.2.16 und hat einen CinemaScore von B+)

 
Der Film mit einer Aussenseiter-Chance ist:

„Mad Max: Fury Road“ hat mit 10, die zweitmeisten Oscar-Nominierungen. Der Film hat aber keine Oscar-Nominierung für das Drehbuch und auch keine einzige Schauspiel-Nominierung! Wie „The Revenant“ hat auch „Mad Max“ keine SAG-Nominierung der Schauspielgilde für das Beste Ensemble. Dafür wurde der Film für den ACE-Eddie nominiert und hat diesen Preis der Cutter in der Kategorie Bestes Drama gewonnen. Mittlerweile sehe ich es als quasi ausgeschlossen, dass „Mad Max: Fury Road“ den Oscar als Bester Film gewinnt. Ich hatte darauf gehofft, dass George Miller als Bester Regisseur ausgezeichnet wird. Meine Hoffnungen sind aber mit dem DGA-Gewinn für Alejandro González Iñárritu verpufft. („Mad Max: Fury Road“ steht bei 97% Rotten Tomatoes, 325 Fresh Reviews, 10 Rotten, Stand 8.2.16 und hat einen CinemaScore von B+)

Okay, quasi immer habe ich einen Lieblingsfilm unter den oscar-nominierten Filmen. Dieses Jahr schlägt mein Herz für „Spotlight“ und „Mad Max: Fury Road“. Ich würde es lieben, wenn „Spotlight“ Bester Film und zwei, drei andere Oscars gewinnt und wenn „Mad Max: Fury Road“ weitestgehend alle technische Kategorien für sich entscheidet.

 
Meine momentane Prognose zu einigen Oscar-Gewinnern ist:

 
Bester Film: Spotlight, The Revenant oder The Big Short (in der Reihenfolge sehe ich die Gewinner derzeit)
Beste Regie: Alejandro González Iñárritu (The Revenant)
Bester Hauptdarsteller: Leo (The Revenant)
Beste Hauptdarstellerin: Brie Larson (Room)
Bester Nebendarsteller: Sylvester Stallone (Creed)
Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander (The Danish Girl)
Bestes Originaldrehbuch: Spotlight
Bestes adaptiertes Drehbuch: The Big Short
Beste Kamera: Chivo (The Revenant)
Bester Schnitt: The Big Short
Beste visuelle Effekte: Star Wars: The Force Awakens
Beste Filmmusik: Ennio Morricone (The Hateful Eight)
Bester Animationsfilm: Inside Out
Bester fremdsprachiger Film: Son of Saul
Bester Dokumentarfilm: Amy

 

„Spotlight“ – Trailer zu sehen:

„The Revenant“ – Trailer zu sehen:

 

„The Big Short“ –  Trailer zu sehen:

„Mad Max: Fury Road“ –  Trailer zu sehen:

D.C. – Film: „The Revenant“

Ich war am 11.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Revenant“ (dt. Filmtitel: „The Revenant – der Rückkehrer“, dt. Kinostart war der 06.01.16) 156 min western, drama, adaptation
dir. Alejandro González Iñárritu cast: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck) befinden sich auf der Jagd. Hugh Glass führt eine Gruppe von Pelzhändlern durch die amerikanische Wildnis. Eines Tages wird er von einem Bären attackiert und schwer verletzt. Seine Jagdbegleiter kümmern sich zunächst um ihn, bis der Todgeweihte von seinem vermeintlichen Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) zurückgelassen wird. Hugh Glass kämpft sich zurück ins Leben und schwört Rache.

A- (Wertung von A bis F) Der Film wurde von einer wahren Geschichte inspiriert.
„The Revenant“ basiert auf Michael Punkes Buch „The Revenant: a Novel of Revenge“.

Handwerklich ist „The Revenant“ ein Meisterwerk. Erzählt wird eine klassische Überlebens- und Rachegeschichte. Die Story ist simple, Dialoge werden kaum benötigt.

Zugegebenermassen nehme sehr ungern Kollegen mit ins Kino, meist kann ich es irgendwie abwenden, in dem ich den Film/die Filme, die ich mir anschauen möchte, meinen potenziellen Begleitern schlecht rede (zu brutal, Liebesschnulze, viel Dialoge, sehr actionreich, sehr Indie, der Film hat schlechte Kritiken bekommen, aber ich will ihn trotzdem gucken – Notlügen halt – aber was soll man machen). Ich habe einfach keine Lust auf permanentes Gequatsche, will die Handlung oder die Gags nicht erklären, will auch nicht runterleiern, wo der und der Schauspieler noch mitgespielt hat und erst recht nicht, will ich während des Films, den ich vielleicht klasse finde, hören, wie gelangweilt sie sind. Ich will mir einfach den Film anschauen und zwar am allerliebsten alleine. Ich habe natürlich über die Jahre auch meine Erfahrungen sammeln dürfen. Bei „The Revenant“ habe ich ausnahmsweise eine Kollegin (freiwillig) mitgenommen. Den Abend zuvor hatten wir uns beide die Golden Globes angeschaut, sie wohnt in Irland (hatte also keine Probleme, alles zu verstehen – das ist auch manchmal ein Thema) und hatte auch einen, wie ich fand, guten Filmgeschmack. Das checke ich selbstverständlich auch vorher. Ich frage Kollegen immer gern nach ihren Lieblingsfilmen oder was sie gerne gucken und sollte sie oder er dann „Fack Ju Göhte“ ,Til Schweiger- oder Michael Bay-Filme, einer der Sex and the City-Filme oder (worst case scenario) einen Anne Hathaway-Film nennen, dann kann ich unter keinen Umständen mit der/oder dem ins Kino gehen. Logisch. Jedenfalls habe ich die Kollegin als „geeignet“ empfunden, mochte sie und fand es in diesem Fall interessant, im Anschluss an den Film, ihre Meinung zu „The Revenant“ zu hören.

Das Erste was wir beide unisono nach dem Film rausposaunten, war, wie überwältigend und intensiv diese Bilder waren, diese traumhaften Landschaftsaufnahmen, diese grandiose Kameraführung, dieses Wie-bloss-haben-sie-die-oder-die-Szene-gedreht?, diese Mama-Bär-Attacke, dieser phänomenale Sound (Gut, das kam mehr von mir, sie hatte sich schon zu Beginn des Films, Stöpsel in die Ohren gesteckt – ihr war es einfach zu laut). Wir waren uns aber auch einig darüber, dass es ein strapaziöses Kinoerlebnis war. Man fiebert mit Leo. Was muss der arme Kerl noch alles über sich ergehen lassen? Ich habe mich dabei ertappt, dass ich ihm schon gewünscht habe, zu sterben. „The Revenant“ ist ein Film, der fürs Kino gemacht ist und dem man auch auf der großen Leinwand sehen sollte. Alejandro González Iñárritus Vorgängerfilm Birdman hat es im Jahr zuvor schon in meine Bestenliste aus dem Jahr 2014 geschafft und dieses cineastische Erlebnis wurde nur zu gern in meine Bestenliste aus dem Jahr 2015 aufgenommen. Bevor ich mir „The Revenant“ im Kino angeschaut habe, habe ich gehört, dass der Film mit jeder Sichtung gewinnen soll. So sehr mir der Film auch gefällt, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich in nächster Zeit noch mal diesen Strapazen aussetzen will.

Das Erste was ich jetzt – 2 Wochen nachdem ich den Film gesehen habe – mit „The Revenant“ assoziiere, ist die Leistung von Leonardo DiCaprio und die von Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt Chivo). Seine Kamera ist permanent in Bewegung. Mit Ausnahme von einer Szene (am Lagerfeuer) wurden alle Szenen mit natürlichem Licht gedreht. Was auch bedeutete, dass nur eine Stunde pro Tag gedreht werden konnte. Es ist eine spektakuläre Arbeit, die tatsächlich den rekordbrechenden dritten Oscar (nach Gravity und Birdman) in Folge verdient hätte. Wenn die Academy-Mitglieder ihren Wahlzettel ausfüllen, erscheint übrigens nicht der Name des Kameramannes/ der Kamerafrau, sondern ausschließlich der Film. Chivos Mitnominierte sind Ed Lachman (für Carol), Robert Richardson (für, gerade ein zweites Mal gesehen, The Hateful Eight, John Seale (für Mad Max: Fury Road) und der 13x für den Oscar nominierte Roger Deakins (für Sicario). Schwer zu entscheiden, wer da gewinnen soll. Beste Kamera wird aller Voraussicht nach der Film gewinnen, der auch in den anderen technischen Kategorien ausgezeichnet wird.

Wenn ich etwas an „The Revenant“ auszusetzen habe, dann die Vater/Sohn-Geschichte und die spirituellen Rückblenden. Leonardo DiCaprio kann nichts für sein jugendliches Äußeres aber sein halbindianischer Sohn und er sehen sich vom Alter her viel zu ähnlich. Mich hat das gestört und leider rausgebracht.

Gewinnt Leo für diese Performance seinen langersehnten Oscar? Ja.

Leonardo DiCaprio setzt hier seine gesamte Physis ein und gibt zweifelsfrei eine oscarwürdige Performance. Ich persönlich finde, dass Leo in The Wolf of Wall Street eine noch bessere Performance gibt. Dafür hätte AMPAS ihn auszeichnen müssen. Die Academy wollte aber lieber einen abgemagerten Schönling, der endlich den Sprung von schlechten RomComs ins anspruchsvolle Charakterfach geschafft hat, würdigen. Schade, sehr schade.

Die 88. Academy Awards werden in Erinnerung bleiben, dass es die Verleihung war, bei dem Leonardo DiCaprio den Oscar gewann. Wenn er sich nicht noch etwas Heftiges zu Schulden kommen lässt, brauchen sie eigentlich nicht bis nach der Show zu warten, um seinen Namen auf die Statue einzugravieren. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass er für DIESE Performance in „The Revenant“ nicht gewinnt, dann muss er sich darauf einrichten, dass er wahrscheinlich NIE einen Oscar in einem jährlichen Wettbewerb gewinnen wird. NIE. Vielleicht wird er dann eines Tages (wie Schauspieler Cary Grant) mit einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, vielleicht wird ihm aber auch das verwehrt. Bestes Beispiel dafür ist Richard Burton, der 7x für den Oscar nominiert war und nicht mal einen Ehren-Oscar erhalten hat,

Ich hatte es bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt, AMPAS wird dieses Jahr erschreckend ernsthaft vorgeworfen, rassistisch zu sein. Fakt ist, dass der, nicht gerade mit viel Ausdruck und mit noch weniger Talent gesegnete, afro-amerikanische Jamie Fox einen Oscar gewonnen hat und ein Chamäleon wie Tom Hardy dieses Jahr mit „The Revenant“ seine erste Oscar-Nominierung erhalten hat.

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Tom Hardy hier mitspielt, hätte ich ihn wahrscheinlich gar nicht erkannt, vielleicht an seiner Stimme. Seine Performance ist herausragend – wie immer. Bei dieser Oscar-Nominierung fließt aber mit Sicherheit ein, dass er im Jahr 2015 auch ebenso überragend in Legend war und dazu noch in dem Besten-Film-Anwärter „Mad Max: Fury Road“ mitspielt.

Domhnall Gleeson hat mir hier auch recht gut gefallen. 2015 war für ihn tatsächlich ein großartiges Jahr. Er spielte in zwei für den Oscar nominierten Filmen (Brooklyn und halt „The Revenant“) mit und hat darüberhinaus noch in einem fantastischen Sci-Fi-Film (Ex Machina) und dem, vielleicht erfolgreichsten Film aller Zeiten „Star Wars: The Force Awakens“ mitgespielt.

Die Filmmusik in „The Revenant“ ist grandios. Der Score wurde leider schon vorab von AMPAS für die Oscars disqualifiziert. Nach den Regeln der Academy können grundsätzlich zwei Komponisten eine Musik für einen Film schreiben. Die beiden Musiker, der Japaner Ryuichi Sakamoto und der Deutsche Carsten Nicolai, besser bekannt unter dem Pseudonym Alva Noto, haben ihre Musik zwar eigens für „The Revenant“ komponiert, aber sie haben zusätzlich musikalische Werke mindestens eines anderen Künstlers (Bryce Dessner) verwendet. Es ist durchgeklungen, dass die Academy-Mitglieder vom Fachbereich Musik von der Filmmusik von „The Revenant“ beeindruckt waren, aber nicht auseinanderhalten konnten, welche Musik von welchem Komponisten ist. Schade, sonst hätte der Film sicherlich 13 Oscar-Nominierungen bekommen.

„The Revenant“ hat mit 12 Oscar-Nominierungen die meisten in der Oscar-Saison 2015/2016 erhalten (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio, Bester Nebendarsteller Tom Hardy, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bestes Make-up und beste Frisuren und Beste visuelle Effekte)

Dass der Film 12 Oscar-Nominierungen erhalten hat, zeigt, wie beliebt dieser Film bei den Academy-Mitgliedern innerhalb der einzelnen Fachbereiche ist. Der Oscar-Gewinn in der Königskategorie Bester Film ist jetzt – 5 Wochen vor der Verleihung – aber in weiter Ferne gerückt. Vor ein paar Tagen musste ich realisieren, dass rein statistisch gesehen The Big Short den Academy Award in der Kategorie Bester Film gewinnen wird.

„The Revenant“ hat bereits drei Golden Globes (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio) gewonnen.

Update: „The Revenant“ hat 3 Oscars (Beste Regie, Leonardo DiCaprio als Bester Hauptdarsteller und Chivo als Bester Kameramann) gewonnen.

„The Revenant“, Joy und The Hateful Eight waren die letzten drei potenziellen Oscar-Anwärter, die der amerikanischen Presse gezeigt wurden. „The Revenant“ startete am 25.12.15 in ganzen 4 amerikanischen Kinos. Seit  dem 8.1.16 wurde der Film dann landesweit in 3375 Kinos gezeigt. Mit den 12 Oscar-Nominierungen wurde die Kopienzahl noch mal erhöht. Mittlerweile ist er auf 3711 Leinwänden zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

 

Trailer v. Film: „Deadpool„
Bewertung des Trailers: B+ (Redband-Trailer)
Kommentar: Marvel-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Coen-Bros-Film mit Josh Brolin, Geoge Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Captain America: Civil War„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Marvel-Mist, dritter Teil von Captain America mit Iron Man
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „London Has Fallen„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Actionfilm und Fortsetzung zu Olympus Has Fallen
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Free State of Jones„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Bürgerkriegs-Action-Drama mit Matthew McConaughey
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 

San Francisco – Film: „Concussion“

Ich war am 03.01.16 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Concussion“ (dt. Filmtitel: „Erschütternde Wahrheit“, dt. Kinostart: 18.02.16) 121 min drama, adaptation, biopic
dir. Peter Landesman cast: Will Smith, Alec Baldwin, Luke Wilson, Paul Reiser, David Morse, Gugu Mbatha-Raw, Albert Brooks, Stephen Moyer

 

 

Pittsburgh, Pennsylvania im Jahr 2002. Der nigerianische Arzt, Dr. Bennet Omalu (Will Smith) ist in die U.S.A. ausgewandert und arbeitet dort als forensischer Pathologe. Als er den ehemaligen Profi-Footballer Mike Webster (David Morse) obduziert, stellt er erhebliche Kopfverletzungen fest. Als weitere ehemalige Football-Spieler auf seinem Obduktionstisch landen, stellt er eine Verbindung zwischen dem Profi-Football und den Mehrfach-Gehirnerschütterungen fest. Diese extremen Kopfverletzungen lösten bei einigen, noch jungen ehemaligen Spielern Demenz aus und trieb andere sogar in den Selbstmord. Dr. Omalu recherchiert und geht mit seinen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. Dadurch legt er sich mit der mächtigen NFL an.

 

 

C+ (Wertung von A bis F) „Concussion“ basiert auf Jeanne Marie Laskas GQ Exposé „Game Brain“. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte.

Der Film und auch Will Smith strengen sich wahnsinnig an, als bedeutend wahrgenommen zu werden. Das in „Concussion“ behandelte Thema ist in meinen Augen auch bedeutend, nur leider ist es der Film nicht. Ein „anspruchsvoller“ Film, der in den U.S.A. im Dezember ins Kino kommt, will natürlich auch bei dem großen Oscar-Spiel mitmischen. Wenn man sich nicht dem Spott der Oscar-Experten auszusetzen will, reicht es nicht, wenn man mit seinem Film oder seiner Performance alle Knöpfe drückt, die Oscar-Alarm auslösen, der Film muss wenigstens auch solide sein. „Concussion“ kann seinem eigenen Anspruch nicht gerecht werden. Ich wette, mit einem besseren Drehbuch, einem versierteren Regisseur und einem vielleicht passenderen Hauptdarsteller hätte man sich hier durchaus für die Oscars empfehlen können.

Ich mag Will Smith, sein Schauspiel ist zwar begrenzt, aber er ist nicht talentbefreit. Vordergründig sehe ich ihn allerdings als Filmstar, der in RomComs und Actionfilmen idealbesetzt ist. Hier ist er für mich falsch besetzt. Vielleicht bin ich in meinem Leben zu oft nach Lagos geflogen, aber Will Smith sieht definitiv nicht wie ein Nigerianer aus. Das störte mich von Anfang an und für sein „Jetzt-zeige-ich-euch-dass-ich-auch-mit-einem-kurios-nigerianischen-Akzent-sprechen-kann“ muss man als Zuschauer/Zuhörer auch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen. Es ist relativ unwahrscheinlich, aber vielleicht wäre „Concussion“ noch ein guter Film, wenn man dem Zuschauer diese völlig unnötige Liebesgeschichte erspart hätte.

Gugu Mbatha-Raw ist ganz hübsch, ihr Schauspiel kann ich noch nicht groß beurteilen, da ihre Figur hier einzig dazu dient, Will Smiths Charakter sympathischer und menschlicher erscheinen zu lassen. David Morse, bzw. sein Gesicht hat mich irritiert. Sein Gesicht sieht so aus, als hätte es jemand mit einer Luftpumpe aufgeblasen.

Als Gewinner geht hier wohl die NFL raus. Einzig die National Football League kann sich glücklich schätzen, dass „Concussion“ so wenig Aufmerksamkeit und wenig positive Presse bekommt.

In den U.S.A. ist eine riesige Debatte hinsichtlich der diesjährigen Oscar-Nominierungen entstanden. AMPAS wird vorgeworfen, rassistisch zu sein, weil sie ausschließlich „weiße“ Filme und Künstler für den Oscar nominiert haben. Was „Concussion“ und Will Smith angeht, die auch mal im Gespräch für etwaige Oscar-Nominierungen waren, kann ich nur sagen, dass der Film und auch der/die Schauspieler einfach nicht gut genug sind. Ich bin froh, dass sie Will Smith nicht trotzdem nominiert haben. Der Schauspieler wurde von AMPAS bereits 2 x für den Academy Award (für „Ali“ und „The Pursuit of Happyness“) nominiert. Aus Protest gegen die Nicht-Nominierung von schwarzen Künstlern, haben sich Will Smith und seine Frau entschlossen, am 28.02.16 nicht zur Oscar-Verleihung zu erscheinen. Bitte.

Will Smith wurde für einen Golden Globe in der Kategorie Bester Hauptdarsteller, Drama nominiert.

„Concussion“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2015 gezeigt. Der Film ist am 25.12.15 in den amerikanischen Kinos gestartet.

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

 

Trailer v. Film: „Risen„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Historienfilm mit dem nicht so guten Fiennes
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Ride Along 2„
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Fortsetzung der Action-Komödie mit Ice Cube und Kevin Hart
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Eddie the Eagle„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: britische Sport-Biopic-Komödie mit Taron Egerton (den ich kaum erkannt habe) und leider Hugh Jackman
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Gods of Egypt„
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: Fantasy-Mist mit Gerard Butler. Februar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Triple 9„
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: John Hillcoats neuer Film mit Casey Affleck und Woody Harrelson
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Coen-Bros-Film mit Josh Brolin, Geoge Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

D. C. – Film: „Anomalisa“

Ich war am 11.01.16 und am 12.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Anomalisa“ (dt. Kinostart: 21.01.16) 90 min animation, adaptation
dir. Charlie Kaufman, Duke Johnson voices: David Thewlis, Jennifer Jason Leigh, Tom Noonan

 

Der verheiratete Michael Stone (David Thewlis) ist Experte im Kundenservice. Er hat schon einige Ratgeberbücher zu diesem Thema geschrieben. Jetzt ist er nach Cincinnati geflogen, um sein neuestes Buch „How May I Help You Help Them?“ vorzustellen. Michaels Leben ist frustrierend und eintönig. Fakt ist, dass er das Gefühl hat, überall denselben Menschen zu begegnen. Alle Menschen in seinem Umfeld haben tatsächlich die gleiche Stimme (alle von Tom Noonan gesprochen). Im Hotel hört er in seinem Nachbarzimmer dann das erste Mal eine völlig neue Stimme. Er lernt die Dame zu der Stimme kennen. Lisa (Jennifer Jason Leigh) scheint etwas Besonderes zu sein…

A (Wertung von A bis F) „Anomalisa“ ist ein Animationsfilm, der mit der aufwendigen Stop-Motion-Technik gedreht wurde. Nach Synecdoche, New York erst der zweite Film, bei dem der Autor Charlie Kaufman (Being John Malkovich, Adaptation, Eternal Sunshine of the Spotless Mind) Regie führt. „Anomalisa“ basiert auf Charlie Kaufmans (unter seinem Pseudonym Francis Fregoli geschriebenen) gleichnamigen Bühnenstücks.

Seitdem ich seinerzeit „Being John Malkovich“ gesehen habe, ist Charlie Kaufman, der die Vorlage zu diesem wunderbar abgedrehten Film geschrieben hat, für mich ein Genie.

Auf der einen Seite führt einen „Anomalisa“ in die Welt der Geschäftsreisenden, auf der anderen Seite ist es eine Charakterstudie eines Mannes, der sich auf Kundenservice spezialisiert hat und den Banalitäten und Oberflächlichkeiten nerven. Er ist unglücklich verheiratet und hat dazu noch ein nerviges, ständig forderndes Kind. Vielleicht steht er kurz vor einem Nervenzusammenbruch. In jedem Fall leidet er an dem Fregoli-Syndrom. Er glaubt, dass verschiedene Personen in Wirklichkeit ein und dieselbe Person ist.

Und dann ist da Lisa, die so von ihrer Unsicherheit und ihrer Naivität geprägt ist und einen wahrscheinlich schon nach ihren ersten Worten auf den Keks gehen würde, in diese Frau verliebt sich Michael. Warum – man fragt es sich. Aber für Michael hat sie etwas Besonderes. Eine Zeit lang dachte ich tatsächlich, dass „Anomalisa“ eine Liebesgeschichte (für jeden Topf findet sich ein Deckel) erzählt, aber Charlie Kaufman ist viel zu zynisch und seine Geschichten sind viel komplexer. Der Film lässt viel Interpretationsspielraum.

Die Welt der Vielreisenden ist sehr gut beobachtet. Mir waren die banalen Gespräche und Situationen mit Taxifahrern und Hotelangestellten und sogar die Einrichtung des Hotels sehr vertraut. Ich habe mich sogar dabei wiedergefunden, wie man, wenn man sich etwas zu essen bestellen will, nicht weiß, auf welche Taste des Hoteltelefons man nun genau drücken soll. Oder dass die Schlüsselkarten eine Zimmertür entweder sofort öffnen oder es aus unerfindlichen Gründen halt nicht tun. Das war alles so real, dass ich zwischendurch immer wieder vergessen habe, hier eigentlich Puppen zuzuschauen.

Mich hat „Anomalisa“ so sehr begeistert, dass ich ihn mir gleich 2x angeschaut habe. Nach der ersten Sichtung war er allerdings schon ein fester Bestandteil meiner Top Ten Filme aus dem Jahr 2015.

Ich plädiere ja bekanntermassen generell dafür, alle Filme in der Originalfassung zu schauen. Ich versuche mich jedoch mit dieser Aussage zurückzuhalten und sie für unvermeidliche Beispiele aufzusparen. „Anomalisa“ ist so ein Fall. Die amerikanischen Synchronsprecher sind großartig. An dem ganzen Film arbeiten nur drei Sprecher. Ich hätte Jennifer Jason Leigh für diese Arbeit für den Oscar nominiert und nicht zwingend für The Hateful Eight allein für ihren Gesang. Selbstverständlich ist David Thewlis, der Michael Stone spricht, ebenso herausragend. Am Interessanten, aber etwas gewöhnungsbedürftig war Tom Noonons Arbeit. Er spricht alle anderen Figuren (Mann Frau, Kind). Wenn man nicht weiß, dass eine Person alle anderen Figuren spricht, kann es schon etwas irritierend sein.

„Anomalisa“ wurde für den Oscar als Bester Animationsfilm nominiert. Dies ist die 4. Nominierung für Charlie Kaufman. Er hat bereits einen Oscar für sein Originaldrehbuch für den wunderbaren Film „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ gewonnen.

„Anomalisa“ feierte seine Premiere auf dem Telluride Film Festival 2015. Anschließend wurde er auf dem Venice Film Festival 2015 gezeigt, wo er mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnet wurde. Der Film startete am 29.12.15 in genau 4 amerikanischen Kinos. Seit dem 8.1.16 war er dann in 17 und seit dem 15.1.16 in 37 Kinos landesweit zu sehen. „Anomalisa“ startet am 21.01.16 in den deutschen Kinos.

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Son of Saul„
Bewertung des Trailers: B (wortloser Trailer)
Kommentar: ungarisches Holocaust-Drama und sicherer Gewinner des Oscars als bester fremdsprachiger Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Lady in the Van„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: britisches Drama mit Maggie Smith
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

amerikanischer Aufsteller von "Anomalisa"
amerikanischer Aufsteller von „Anomalisa“
amerikanisches Filmplakat von "Anomalisa"
amerikanisches Filmplakat von „Anomalisa“