Berlin (ale) – Film: „Light of My Life“

Ich war am 10.02.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Light of My Life“  110 min  drama

dir. Casey Affleck  cast: Anna Pniowksky, Casey Affleck, Tom Bower, Elisabeth Moss, Hrothgar Mathews, Timothy Webber 

 

Ein Vater (Casey Affleck) zeltet mit seiner 11-jährigen Tochter Rag (Anna Pniowksky) mitten im Wald. Die beiden machen jedoch keinen Campingausflug, vor einigen Jahren brach eine Pandemie aus, wodurch die weibliche Population nahezu ausgelöscht wurde. Rag ist scheinbar immun gegen den Virus. Bei Begegnungen mit anderen Männern versucht der Vater, sein Kind zu verstecken oder als Junge auszugeben. Bald müssen sie sich jedoch wieder einen neuen Zufluchtsort suchen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Light of My Life“ ist nach einer Kollektion an Kurzfilmen und der Mockumentary  I´m Still Here die dritte Regiearbeit des amerikanischen Schauspielers und Oscar-Preisträgers Casey Affleck (Manchester by the Sea). Für diesen Film hat er auch das Drehbuch geschrieben und spielt eine der Hauptrollen. 

Zu Beginn hat mich dieser Film an Debra Graniks wunderbares Werk Leave No Trace erinnert. Auch hier leben Vater und Tochter im Wald, fern von jeglicher Zivilisation. Nur in Casey Afflecks Film – so erfährt man bald – ist vor Jahren eine Pandemie ausgebrochen, die einen erheblichen Teil der weiblichen Population ausgelöscht hat. Was es mit dem Virus auf sich hat, wird weitgehend offen gelassen, ist auch nicht relevant, ohne Frauen ist die Gesellschaft aus der Balance geraten. Gerade die Vorstellung, wie wohl eine Gesellschaft ohne Frauen aussieht, fand ich faszinierend. Gerne wäre ich da noch etwas tiefer eingetaucht. Affleck konzentriert sich in seiner Erzählung jedoch hauptsächlich auf die beiden Protagonisten. Seine Inszenierung macht es einem leicht, sich in die  Charaktere und ihrer Situation hineinzuversetzen. So spürt man, sobald Fremde auf der Bildfläche auftauchen, auch die Bedrohung und man wird immer tiefer in ihre Geschichte hineingezogen.  

Was ich jedoch nicht verstanden habe, warum handelt der Vater in der vorgegebenen Situation eigentlich so verantwortungslos und hat seiner Tochter nicht beigebracht, wie sie notfalls ohne ihn zurecht kommen und überleben kann. Wäre das nicht seine Aufgabe? Stattdessen erzählt er seiner 11-Jährigen dass er sie immer beschützen wird. 

„Light of My Life“ ist ein sehr langsam erzähltes, atmosphärisches Überlebensdrama, dass durch seine beiden Protagonisten lebt. Einige spannungsgeladenen Momente, in diesem sonst ruhigen Film, sind mir noch heute sehr präsent. 

„Light of My Life“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2019 gezeigt. Dort lief er in der Sektion Panorama. Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen. Gezeigt wurde die Originalfassung. Der Film hat derzeit weder einen amerikanischen noch einen deutschen Verleih gefunden. Update: „Light of My Life“ ist am 9.8.19 in einigen amerikanischen Kinos gestartet. 

Bisher gibt es noch keinen Trailer, aber einen kurzen Ausschnitt aus der Anfangsszene :

 

NYC – Film: „The Old Man & the Gun“

Ich war am 29.09.18 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Old Man & the Gun“ (dt. Filmtitel: „Ein Gauner & Gentleman“, dt. Kinostart: 28.03.19) 93 min  crime, comedy, biopic, adaptation

dir. David Lowery  cast: Robert Redford, Casey Affleck, Sissy Spacek, Danny Glover, Tom Waits, Keith Carradine, John David Washington, Elisabeth Moss 

 

Im Jahr 1981 fahndet Detective John Hunt (Casey Affleck) nach einem alten Mann, der in den letzten zwei Jahren mehrere Banküberfälle begangen haben soll. Der Bankräuber Forrest Tucker (Robert Redford) sieht den Fahndungsaufruf des Detectives irgendwann im Fernsehen. Daraufhin hinterlässt der alte Mann bei seinem nächsten Banküberfall eine persönliche Nachricht für Hunt….

 

C (Wertung von A bis F) Der Film erzählt die Lebensgeschichte des amerikanischen Bankräubers  Forrest Tucker. Seine Banküberfälle waren nicht immer von Erfolg gekrönt und entsprechend saß er auch einige Male im Gefängnis. Ihm soll es jedoch über achtzehn Mal gelungen sein, aus dem Gefängnis auszubrechen. Das Drehbuch zu „The Old Man & the Gun“ basiert auf David Granns gleichnamigen Artikel im The New Yorker. Dies ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers David Lowery (Ain´t Them Bodies Saints, A Ghost Story). 

Das meiste soll auf einer wahren Geschichte beruhen, so erfährt man. Ich habe mir während des Films aber die Frage gestellt, ob man diese Lebensgeschichte wirklich verfilmen musste. Die Bankräuber-Story plätschert recht einfallslos und mitunter unrealistisch vor sich hin. Im Hintergrund dann noch dieses einlullernde Klavier-Geklimper oder ähnliches Gedudel und ich hatte meine Mühe, nicht einzuschlafen. 

Dieser Film versteht sich vermutlich als eine Hommage an die Hollywood-Legende Robert Redford. Auf jeden Fall wird dem 82-jährigen Schauspieler geschmeichelt was das Zeug hält. In „The Old Man & the Gun“ spielt er einen 74-Jährigen und wird von einem Bankmanager sogar als zwischen 50 und 60 Jahre alt (aber eher 50) beschrieben. Bitte? Ich musste direkt noch mal nachschauen, wie alt Robert Redford tatsächlich ist, hätte ich ihn sogar noch etwas älter als 82 Jahre geschätzt. Das Gesicht seiner 68-jährige Filmpartnerin Sissy Spacek ist nur durch einen Weichzeichner-Filter zu sehen, ein solcher Filter hätte Redfords falten- und furchenreichem Gesicht sicher auch gut getan. 

Vor der Premiere dieses Films hat Robert Redford groß angekündigt, mit der Schauspielerei aufzuhören. Dies sollte der letzte Film sein, in dem man ihn als Schauspieler sieht. Da Robert Redford nie als Schauspieler einen Oscar gewonnen hat, wurde er, bevor irgendjemand den Film sah, natürlich gleich für eine Oscar-Nominierung gehandelt. Seine Performance ist aber nicht Oscar-würdig und mittlerweile hat der Schauspieler auch zurückgerudert. Vielleicht klappt es ja bei seinem nächsten Film mit dem Schauspiel-Oscar. Er hat aber bereits einen Regie-Oscar (für Ordinary People) und einen Oscar für sein Lebenswerk gewonnen. 

„The Old Man & the Gun“ war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Robert Redford), Beste Nebendarstellerin (Sissy Spacek), Bestes adaptiertes Drehbuch

„The Old Man & the Gun“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2018 gezeigt. Der Film ist am 28.09.18 in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft der Film in 1,042 Kinos landesweit. In Deutschland soll der Film unter dem Titel: „Ein Gauner & ein Gentleman“ am 28.03.19 in den Kinos starten.

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Favourite„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat. Yorgos Lanthimos neuer Film mit Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits auf dem NYFF56 gesehen


Trailer v. Film: „Green Book„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: ziemlich sicherer Oscar-Kandidat mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „A Star is Born„

Bewertung des Trailers: B+ 

Kommentar: ziemlich sicherer Oscar-Kandidat von und mit Bradley Cooper

Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „What Men Want„

Bewertung des Trailers: C-

Kommentar: Komödie, eine scheinbar völlig unlustige noch dazu. Mit Taraji P. Henson und Tracy Morgan 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ganz sicher nicht 


Trailer v. Film: „Can You Ever Forgive Me?„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat mit Melissa McCarthy und Richard E. Grant

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „Hunter Killer„

Bewertung des Trailers: C

Kommentar: Actioner mit Gerard Butler und Gary Oldman

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht


Trailer v. Film: „The Front Runner„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: Jason Reitmans neuer Film, Biopic über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart. Hugh Jackman in der Hauptrolle

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%


Trailer v. Film: „On the Basis of Sex„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: möglicher Oscar-Kandidat mit Felicity Jones als RBG 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

London – Film: „A Ghost Story“

Ich war am 18.08.17 in London und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„A Ghost Story“ (dt. Kinostart: 07.12.17) 90 min drama, fantasy 
dir. David Lowery cast: Casey Affleck, Rooney Mara

 

M (Rooney Mara) und C (Casey Affleck) sind ein Paar. Die beiden sind sich sehr nah. Eines Tages verstirbt C. Von den Mitmenschen und seiner Partnerin unbemerkt, verbringt er seine Zeit als Geist wieder in ihrer Nähe. Er kann einfach noch nicht loslassen – während das Leben um ihn herum weitergeht…

 

A- (Wertung von A bis F) „A Ghost Story“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers David Lowery (Ain´t Them Bodies Saints, „Pete´s Dragon“).

„A Ghost Story“ ist einer dieser Filme, den man entweder richtig gerne mag oder mit dem man kann gar nichts anfangen kann. Ein Dazwischen gibt es – glaube ich – nicht. Casey Affleck gilt nicht unbedingt als wandelbarster Schauspieler, auch habe ich mir sagen lassen, dass er durch seine Eskapaden in den letzten Jahren nicht gerade an Beliebtheit gewonnen hat. Diesen Film kann man aber auch gucken, wenn man sein Gesicht nicht sehen möchte, da er die meiste Zeit des Films ein Bettlaken über den Kopf trägt.

„A Ghost Story“ ist ein Film über Trauerbewältigung, Einsamkeit und wie schwer es fällt, wenn man ein Zuhause gefunden hat, dieses wieder verlassen zu müssen. Dabei ist das Zuhause nicht zwingend ein Ort, sondern hauptsächlich ein Gefühl.

Kaum eine Geistergeschichte wird aus der Perspektive des Geistes erzählt. Dieser Film schaffte es mich, mit seiner ruhigen und langsamen Erzählweise zu überzeugen. Für die melancholische Grundstimmung war der schöne Score des amerikanischen Komponisten Daniel Hart nicht unerheblich. Als es zu der Begegnung mit dem anderen Geist kommt, sind bei mir bereits das erste Mal die Tränen geflossen.

In einem meiner Lieblingsfilme (Sofia Coppolas „Lost in Translation“) erfährt man nicht, was Bill Murrays Charakter Scarlett Johanssons Charakter zum Abschied ins Ohr flüstert. Natürlich überlegt man als Zuschauer, was er ihr mit auf den Weg gegeben hat. Aber eigentlich ist es egal, weil man die Charaktere und ihre Beziehung verstanden hat. Einen ähnlich tiefgründigen Moment gibt es auch in diesem Film mit einem Zettel, den Rooney Maras Charakter hinterlässt. Auch hier habe ich die innige Beziehung der beiden verstanden und konnte mich auch irgendwo in den Geist reinversetzen. Die Produktionskosten von „A Ghost Story“ betrugen bescheidene 100,000 Dollar – mir zeigt das auf eindrucksvolle Weise, dass man mit einem sehr kleinen Budget eine große Geschichte erzählen kann. Toller Film.

Besonders lobenswert ist, dass der Regisseur David Lowery, nach der erfolgreichen Disney-Produktion „Pete´s Dragon“ mit diesem Film zurück zu seinen Indie-Wurzeln gekehrt ist. Für diesen Film hat er ein besonderes Format (1,33:1) gewählt.

„A Ghost Story“ ist ein Film meines amerikanischen Lieblingsverleihers A24 und auch dieser Film bewirbt sich um einen Platz in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2017.

„A Ghost Story“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2017 gezeigt. Der Film ist am 7.7.17 in vier ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er in 329 Kinos landesweit. Für Deutschland ist bislang kein Kinostart bekannt. Ich habe den Film in London gesehen. In Großbritannien ist der Film am 11.08.17 in mehr als 100 Kinos gestartet. Update: Ein deutscher Kinostart ist für den 07.12.17 geplant.

 

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Limehouse Golem„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Britischer Thriller mit Bill Nighy
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „American Made„
Bewertung des Trailers: B (anderer Trailer)
Kommentar: Doug Limans neuer Actionfilm mit Tom Cruise – wie lange will der eigentlich immer dieselbe Rolle spielen?
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Goodbye Christopher Robin„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Kostümdrama über A.A. Milne und seine Inspiration für die Winnie-the-Pooh-Geschichten. Ich liebe Winnie-the-Pooh. Film mit Domhnall Gleeson und Margot Robbie (die ich im Trailer nicht erkannt habe)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

Kino in London 

Das letzte Mal war ich im November 2015 in London im Kino. Da wir mal wieder unser Crewhotel gewechselt haben und jetzt in Kensington residieren, habe ich mir – der Einfachheit halber – ein neues Kino gesucht. In der riesigen Westfield Mall habe ich ein nettes Kinocenter gefunden. Die Kinokarte kostete 11.49 GBP, meinen Sitzplatz musste ich bereits an der Kasse aussuchen und Werbung inkl. Trailer dauerten ca. 20 Minuten.

NYC – Film: „Manchester by the Sea“

Ich war am 2.10.16 in New York und am 26.11.16 in Chicago habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Manchester by the Sea“ (dt. Kinostart: 19.1.17) 137 min drama
dir. Kenneth Lonergan cast: Casey Affleck, Lucas Hedges, Michelle Williams, Kyle Chandler, Tate Donovan,  Gretchen Mol, Matthew Broderick

 

 

Lee Chandler (Casey Affleck) lebt in Boston und arbeitet als Hausmeister. Eines Tages erfährt er, dass sein Bruder Joe (Kyle Chandler) gestorben ist. Er war zwar herzkrank, aber so plötzlich hat niemand mit seinem Ableben gerechnet. Lee fährt in seine Heimatstadt, Manchester-by-the Sea, zurück und kümmert sich um seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges). Im Testament hat ihn sein Bruder als Vormund für den Jungen bestimmt. Mit dieser Verantwortung ist Lee überfordert…

 
A- (Wertung von A bis F) Nach den Filmen „You Can Count on Me“ und Margaret ist „Manchester by the Sea“ erst die dritte Regiearbeit des New Yorker Drehbuchautors und Filmemachers Kenneth Lonergan.

Als ich mein Ticket für Manchester by the Sea“ gekauft habe, habe ich mich bereits darauf eingerichtet, deprimiert aus dem Kino zu kommen. Der Film ist jedoch anders, als ich erwartete. Es ist ein Drama, traurig – klar, aber auch unglaublich witzig, manchmal wurde in der Vorstellung so viel und so laut gelacht, dass man beinahe Mühe hatte, die Dialoge komplett zu verstehen.

Der Humor resultiert hauptsächlich aus der authentischen und lebensnahen Beziehung von Lee und Patrick. Der Alltag der Beiden bietet viel Situationskomik und auch ist die Kommunikation dieser beiden glaubwürdigen Persönlichkeiten teilweise brüllend komisch. Die Beziehung wirkt so echt, es hätte auch eine Reportage über einen Onkel und seinen nervigen Teenager-Neffen sein können.

 
Casey Affleck spielt hier einen introvertierten, sympathischen jungen Mann – einen ganz normalen Typen, der natürlich nicht fehlerfrei ist. Ich erinnere mich an eine Situation in einer Bar, bei der ich – in dem Moment – nicht wirklich nachvollziehen konnte, warum er auf eine bestimmte Art reagierte. Wie das Schicksal bei Lee zugeschlagen hat, warum Lee von den Einwohnern in Manchester als DER Lee Chandler bezeichnet wird, erfährt der Zuschauer in Rückblenden. Man sieht, wie das Schicksal bei ihm zugeschlagen hat und warum er es nicht länger in dem Kaff ausgehalten hat. Jetzt bekommt er von jetzt auf gleich die Vormundschaft für seinen 16-jährigen Neffen aufs Auge gedrückt. Als Zuschauer nimmt man teil an dem Leben dieser Beiden, der Teenager mit seinen riesigen Teenager-Problemen und der Onkel, der nicht so richtig weiß, wie er damit umgehen soll. Irgendwann steht man Lee und Patrick so nah, dass man Teil der Familie sein könnte. Ich weiss nicht warum, aber ich hatte die ganze Zeit befürchtet, dass Lee und Patrick am Ende noch etwas Schreckliches zustösst. Es ist die Angst, die man bei Menschen hat, die einem nahestehen.

„Manchester by the Sea“ ist, meiner Meinung nach, einer der besten Filme des Jahres 2016. Es ist ein intensiver, aber unaufgeregter Film, der nicht auf ein spektakuläres Ende hinarbeitet.

 

Update: Nach der zweiten Sichtung des Films, ist „Manchester by the Sea“ festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2016.

Diese Performance wird Casey Affleck nach „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ höchstwahrscheinlich seine zweite Oscar-Nominierung einbringen. Rückblickend betrachtet ist ER der Film, es ist seine Geschichte und ihn habe ich immer noch direkt vor Augen. Mit den Afflecks als Schauspieler habe ich mich immer schwer getan. Ben Affleck fand ich erstmalig in Gone Girl gut, was aber weniger an seiner Performance als mehr daran lag, dass er für die Rolle idealbesetzt war. Casey Affleck ist natürlich der eindeutig besserer Schauspieler der beiden Brüder, aber irgendwie fand ich auch ihn immer überschätzt. Mit „Manchester by the Sea“ sehe ich das erstmalig anders, hier wäre es sogar gerechtfertigt, wenn er mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Wobei man hier auch ganz klar sagen muss, dass er für die Rolle auch perfekt besetzt ist. Im Moment ist Casey Affleck sogar der Favorit auf den Oscar-Gewinn als bester Hauptdarsteller ist. In einer Nebenrolle ebenso erstklassig ist Lucas Hedges. Viele Kritiker loben die Performance von Michelle Williams in den Himmel, das kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Sie ist gut – das ist sie immer, aber hier steht sie im Schatten von Casey Affleck und Lucas Hedges.

 
„Manchester by the Sea“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Bester Nebendarsteller (Lucas Hedges, Kyle Chandler), Beste Nebendarstellerin (Michelle Williams), Bestes Originaldrehbuch, Beste Filmmusik. Update: „Manchester by the Sea“ wurde für insgesamt 6 Oscars nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Bester Nebendarsteller (Lucas Hedges), Beste Nebendarstellerin (Michelle Williams), Bestes Originaldrehbuch. Gewonnen hat „Manchester by the Sea“ zwei Academy Awards (Bester Hauptdarsteller Casey Affleck, Bestes Orginaldrehbuch).

„Manchester by the Sea“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2016 gezeigt. Der Film startet am 18.11.16 in einigen amerikanischen Kinos. In Deutschland ist der Film ab dem 19.1.17 zu sehen. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2016 gesehen.

 
Trailer zu sehen:

 

 

 

Hong Kong – Film: "Interstellar"

Ich war am 06.11.14 in Hongkong und habe mir im Kino angeschaut:

„Interstellar“ (dt. Kinostart war der 06.11.14) 169 min sci-fi
dir. Christopher Nolan cast: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Wes Bentley, David Gyasi, Michael Caine, Jessica Chastain, John Lithgow, Casey Affleck, Topher Grace, David Oyelowo, Ellen Burstyn, Mackenzie Foy, Timothee Chalamet

Große Sandstürme bedrohen die Welt. Die Nahrung und auch der Sauerstoff wird auf der Erde langsam knapp. Cooper (Matthew McConaughey) arbeitet als Landwirt und bewirtschaftet ein riesiges Maisfeld. Nach dem Tod seiner Frau lebt er nun mit seinem Schwiegervater (John Lithgow), seiner 10-jährigen Tochter Murph (Mackenzie Foy) und seinem 15-jährigen Sohn Tom (Timothee Chalamet) auf der Farm. Früher hat er als Ingenieur und Testpilot für die NASA gearbeitet. Seitdem die NASA ihre Arbeit offiziell eingestellt hat, arbeitet Cooper als Bauer. Die NASA arbeitet aber seit Jahren an einem geheimen Weltraum-Projekt und bittet Cooper eine Weltraum-Mission zu leiten. Es soll erforscht werden, ob es in einer anderen Galaxie einen bewohnbaren Lebensraum für die Menschen gibt. Dafür muss sich Cooper auf unbestimmte Zeit von seiner Familie trennen. Auf der Weltraum-Mission wird er von den Astronauten Amelia (Anne Hathaway), Doyle (Wes Bentley) und Romilly (David Gyasi) begleitet.

C- (Wertung von A bis F) „Interstellar“ ist überambitioniertes Popcorn-Kino.

„Interstellar“ ist einer von Christopher Nolans Puzzleteile-Filmen, in der er möglichst viele smarte Ideen und komplizierte Handlungsstränge einbringt, der aber – in meinen Augen – an seinem eigenen Anspruch scheitert. Während des Films hat mich „Interstellar“ einige Male an Inception erinnert – mit dem Unterschied, dass mir „Inception“ wesentlich besser gefallen hat.

„Interstellar“ hat eine Laufzeit von 169 Minuten – das ist für das Sci-Fi-Genre schon auf dem Papier zu lang. Im Kino habe ich zig Mal auf die Uhr geschaut und bin unruhig auf meinem Kinosessel hin- und hergerutscht. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so gelangweilt habe. Gut, ich bin eh kein großer Freund von Sci-Fi-Filmen, insbesondere Filme über die Raumfahrt finde ich selten faszinierend. Die Sci-Fi und Fantasy-Filme, die mich begeistern, sind die bei denen mir eine außergewöhnliche Story erzählt wird und/ oder bei der ich – im besten Fall – in eine andere Welt eintauchen kann. Interessante Charaktere oder irgendetwas Spektakuläres sind dabei immer hilfreich. Christopher Nolan bringt in meinen Augen nichts davon. Gut, man sollte „Interstellar“ zugutehalten, dass es kein Franchise, Remake, Reboot und auch keine Comic-Verfilmung ist. Heutzutage ist das für einen Hollywood-Blockbuster ja leider schon eine Seltenheit. Jonathan Nolan hat mit seinem Bruder Christopher das Drehbuch zu dem Film verfasst.

Die Charakterbildung und der gesamte erste Akt sind etwas dürftig. Die NASA hat scheinbar nur auf Matthew McConaugheys Charakter Cooper gewartet hat (warum haben sie ihn dann eigentlich nicht kontaktiert?) und dass sich Cooper dann so schnell von seiner Familie verabschiedet und, vor allen Dingen, seine geliebte Tochter auf unbestimmte Zeit zurücklässt, fand ich seltsam. Christopher Nolan ist nun nicht für gefühlvolles Kino bekannt, hier hätte aber etwas in den Charakteraufbau investiert werden müssen. Ich fand zwar die Videobotschaften, die Cooper von seinen Kindern erhält und die Vater/Tochter-Szene am Krankenhausbett bewegend, aber nur weil ich solche Szenen generell rührend finde und nicht weil der Charakter- und Beziehungsaufbau dazu geführt haben. Matthew McConaugheys Charakter scheint auch einzig eine Bindung zu seiner Tochter zu haben. Sein Sohn ist Cooper (und ganz offensichtlich auch den Nolan-Brüdern, die das Drehbuch verfasst haben) offensichtlich völlig egal. Ansonsten ist der letzte Akt des Films auch eine Katastrophe.

Vielleicht hätten talentiertere bzw. wandelbarere oder auch unbekanntere Schauspieler in den Hauptrollen noch etwas rausholen können. Matthew McConaughey habe ich zwar noch den Vater, den Farmer, wenn ich ein Auge zudrücke auch den Ingenieur abgenommen, aber den Astronaut und Retter der Menschheit definitiv nicht. Anne Hathaway habe ich garantiert nicht die Wissenschaftlerin und Astronautin abgenommen. (und überhaupt fand ich es unerträglich, sie so lange in einem Film zu sehen) Zu keinem Moment habe ich in dem Film etwas anderes als die beiden Schauspieler Matthew McConaughey und Anne Hathaway gesehen. So sehr ich Matthew McConaughey für seine schauspielerische Leistung in True Detective noch gelobt habe, so wenig überzeugend fand ich ihn hier. Lange bevor er sich dazu entschlossen hat, Charakterschauspieler zu werden, habe ich immer betont, wie sehr ich seine Sprache und Stimme mag. Die Zeiten sind mit seiner Oscar-Dankesrede und jetzt im „Interstellar“ vorbei. In „Interstellar“ redet er gefühlt pausenlos und das Gequatsche, seine Stimme, seine Sprache, sein Rumgenuschel gingen mir wahnsinnig auf die Nerven.

Der 44-jährige Filmemacher Christopher Nolan ist einer der mächtigsten Regisseure Hollywoods. Es gibt wenige Regisseure, die von einem Hollywood Studio quasi einen Blanko-Scheck ausgehändigt bekommen und dann so viel Freiheiten geniessen wie er. Er ist auch einer der wenigen großen Regisseure, der im Digitalzeitalter seine Filme noch mit der analogen Technik dreht.

Ich will ja kein Spielverderber sein, aber 165 Millionen Dollar sehe ich „Interstellar“ nicht an. Die visuellen Effekte sind okay, beeindruckendes habe ich aber teilweise im letzten Jahr in Gravity gesehen.

Ich habe „Interstellar“ in einer 2-D-Vorstellung (in der OV mit chinesischen Untertiteln) gesehen. Während des Films war mir aber bereits klar, dass die IMAX-Fassung hier wohl die weitaus bessere Wahl gewesen wäre.

Christopher Nolans Film The Dark Knight war der Grund, dass die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) im Jahr 2009 ihre, für den Oscar zu nominierenden Filme von 5 auf 10 bzw. dann ab dem Jahr 2011 Jahr von 5 auf bis zu 10 erhöhten. Die Idee, die dahinter steckte, war, dass ein hervorragend gemachter Blockbuster auch die Möglichkeit bekommen soll, für den Academy Award nominiert zu werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn ein unbekannterer Regisseur „Interstellar“ inszeniert hätte, niemals ernsthaft über den Film im Bezug auf Oscar-Nominierungen als Bester Film und Beste Regie gesprochen worden wäre. Jedes Jahr gibt es meistens mindestens einen Film, der die Zuschauer, die Kritiker und die Academy-Mitglieder spaltet, in dieser Oscar-Saison ist es wohl „Interstellar“.

„Interstellar“ ist im Gespräch für folgende Oscar-Nominierungen: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Matthew McConaughey), Beste Hauptdarstellerin (Anne Hathaway), Bester Nebendarsteller (Matt Damon), Beste Nebendarstellerin (Jessica Chastain), Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bestes Make-up und beste Frisuren, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Besten visuelle Effekte und Beste Filmmusik. Update: „Interstellar“ wurde bei den Oscars 2015 mit fünf Oscar-Nominierungen (Beste visuelle Effekte, Beste Filmmusik, Bestes Szenenbild, Bester Ton und Bester Tonschnitt) versehen. Bei der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 wurde der Film mit einem Oscar (Beste visuelle Effekte) ausgezeichnet.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Hector and the Search of Happiness“
Bewertung des Trailers: C+ (neuer Trailer)
Kommentar: britische Romanverfilmung mit Simon Pegg und Rosamunde Pike. Leider spielt die Ferres mit.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Hunger Games: Mockingjay – Part 1“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar:Jetzt der dritte Teil, der in zwei Parts ins Kino kommt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Montréal – Film: "Out of the Furnace"

Ich war am 07.12.13 in Montréal und habe mir im Kino angeschaut:

„Out of the Furnace“ (dt. Filmtitel: „Auge um Auge“, dt. Kinostart: 03.04.14) 116 min drama, thriller
dir. Scott Cooper cast: Christian Bale, Casey Affleck, Woody Harrelson, Willem Dafoe, Forest Whitaker, Sam Shepard, Zoe Saldana

Im Jahr 2008 in einer Kleinstadt in Pennsylvania. Russell Baze (Christian Bale) ist Fabrikarbeiter und macht sich Sorgen um seinen im Sterben liegenden Vater und seinen jüngeren Bruder Rodney Jr. (Casey Affleck). Rodney Jr. war während seiner Armeezeit einige Male im Irak und hat seitdem nicht wieder Fuß gefasst. Nun befürchtet Russell, dass sein Bruder auf die falsche Bahn gerät. Als er selbst einen folgenschweren Verkehrsunfall baut, muss er eine Haftstrafe absitzen. Als Russell aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles geändert und sein Bruder gerät immer tiefer ins Schlamassel…

C+ (Wertung von A bis F) Nach dem Film Crazy Heart (der Jeff Bridges seinen langverdienten Oscar verschaffte) ist „Out of the Furnace“ erst Scott Coopers zweiter Spielfilm, bei dem er Regie führt. Der Filmemacher zeigt einem hier etwas von einer Welt, von der er etwas zu verstehen weiß. Es ist eine wirtschaftlich heruntergekommene Gegend, in der eine hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit herrscht. Jeder ist froh einen Job zu haben, auch wenn es harte Arbeit in der Stahlfabrik ist und sie sich für ihr Leben etwas anderes vorgestellt haben. Casey Afflecks Charakter ist Veteran, von seinen Kriegseinsätzen heimgekehrt und mit seinem Trauma allein gelassen. Die Charaktere in „Out of the Furnace“ finde ich alle authentisch und fesselnd. Beinahe ausnahmslos alle Figuren hätte ich nur wahnsinnig gerne in einer besseren Geschichte, in einem besseren Film gesehen.

Vielleicht wäre Film gelungener wenn er sich darauf konzentriert hätte, ein Drama sein zu wollen. Irgendwann sieht man aber ein Rachethriller. Meines Erachtens hat der Film große Schwächen im Drehbuch, aber auch in der Regieführung.

Dafür gibt Christian Bale eine hervorragende Performance. Gerade heute habe ich ihn in American Hustle gesehen, beide Rollen sind so unterschiedlich und zeigen einmal mehr, was für ein fantastischer Schauspieler er ist. In „Out of the Furnace“ sieht er mit seinen langen Haaren dabei auch noch unfassbar sexy aus.

Auch sieht man Woody Harrelson wieder mal von einer ganz anderen Seite. Willem Dafoe sehe ich immer gerne und auch er spielt eine ungewöhnliche Type. Sogar Casey Affleck gibt in diesem Film eine solide Performance.

Nur schade, dass der Film nicht überzeugen kann.

„Out of the Furnace“ war für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Christian Bale), Bester Nebendarsteller (Woody Harrelson, Casey Affleck), Bestes Originaldrehbuch,

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film: „The Wolf of Wall Street“
Bewertung des Trailer: B (neuer Trailer)
Kommentar: Seit September habe ich keinen „Wolf“-Trailer mehr im Kino gesehen. Martin Scorseses neuer Film mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Matthew McConaughey, etc. Der Film gilt als heißer Oscar-Anwärter.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „August: Osage County“
Bewertung des Trailer: B
Kommentar: Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks. Tragikomödie mit Meryl Streep, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch, Chris Cooper, Ewan McGregor, Juliette Lewis, Abigail Breslin, Sam Shepard
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „That Awkward Moment“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: RomCom mit Zac Efron, Miles Teller, Michael B. Jordan. Ich kann mir keinen Film mit Zac Efron angucken, auch wenn ich Miles Teller und Michael B. Jordan gerne sehe.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ?

Trailer v. Film: „Sabotage“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Action/Thriller mit Arnold Schwarzenegger (der auf mich wie Clint Eastwood wirkt) und Sam Worthington (den ich im Trailer gar nicht erkannt habe)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0 %

NYC – Film: "Ain´t Them Bodies Saints"

Ich war am 18.08.13 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„Ain´t Them Bodies Saints“ 90 min drama
dir. David Lowery cast: Casey Afleck, Rooney Mara, Ben Foster, Keith Carradine, Nate Parker

Texas, irgendwann in den 1970er Jahren. Nach einer wilden Schießerei, bei der die schwangere Ruth (Rooney Mara) einen Polizisten trifft, nimmt Bob (Casey Affleck) die Alleinschuld auf sich und sitzt Bob im Gefängnis. Ruth soll ihr gemeinsames Kind aufziehen. Jahrelang schreibt er ihr Liebesbriefe aus dem Gefängnis. Er versucht mehrmals, aus dem Gefängnis auszubrechen. Als ein Fluchtversuch schließlich gelingt ist, sind sich alle sicher, dass er früher oder später Kontakt zu Ruth und der inzwischen bald 4-jährigen Tochter aufnehmen wird…

B- (Wertung von A bis F) „Ain´t Them Bodies Saints“ ist ein ruhiges, aber stimmungsvolles Drama.

Die Story ist etwas dünn, aber visuell sieht der Film sehr ansprechend aus (noch mehr war ich von dem Score angetan). Hier bleiben aber nicht nur die Taten des Gangsterpärchens und einige Verbindungen der einzelnen Figuren etwas im Dunkeln, der Regisseur David Lowery und sein, mit Talent gesegneter Kameramann Bradford Young haben die ganzen Dreharbeiten einfach ins Dunkle verlegt. Sicherlich sieht es auch wesentlich cooler aus, wenn die Charaktere nur bei Sonnenuntergang oder nachts schön in Szene gesetzt werden und man sie mitunter nur schemenhaft sieht. Ich hätte mir aber gewünscht, die Mimik und die Gesichter der Protagonisten auch richtig zu erkennen. Von seiner ursprünglichen Version ist der Film künstlerisch korrigiert/ geschnitten worden, vielleicht hätte man ihn an den richtigen Stellen gleich mal etwas aufhellen können.

Ich weiß nicht, was die alle an Casey Affleck finden. Gut, ich bin im Allgemeinen kein Freund der Affleck-Brüder als Schauspieler. (Nach Ben Afflecks erschütternd schlechten Performance als Daredevil verbleibt es völlig rätselhaft, wie Warner Bros. darauf kommt, ihn als neuen Batman zu besetzen). Casey Affleck ist natürlich der eindeutig talentiertere Schauspieler der beiden. Ihn halte ich jedoch auch für überschätzt. Ich mag seine weinerliche Stimme nicht, außerdem nuschelt er immer vor sich hin und redet, als ob er einen übergroßen Kaubonbon im Mund hat.

Rooney Mara ist hervorragend in ihrer Rolle, ebenso Keith Carradine Ben Foster hat mir am besten gefallen – wie so oft – überzeugt er auch hier mit seinem reduzierten, intensiven Spiel.

Derzeit sind folgende Oscar-Nominierungen für das Jahr 2014 im Gespräch: Casey Affleck (Bester Hauptdarsteller), Rooney Mara (Beste Hauptdarstellerin), Ben Foster (Bester Nebendarsteller) und Bradford Young (Beste Kamera)

„Ain´t Them Bodies Saints“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt. Dort wurde er noch in seiner ursprünglichen Filmlänge von 105 Minuten gezeigt. Auf dem Sundance Film Festival hat er den Special Jury Prize: Cinematography gewonnen.

Trailer zu sehen:

Im IFC Center wurden vor diesem Film keine Trailer geschaltet.