San Francisco – Film: „Marriage Story“

Ich war am 20.11.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Marriage Story“ (in D. seit dem 21.11.19 im Kino, ab dem 6.12.19 dann auf Netflix zu sehen)  136 min  drama, comedy

dir. Noah Baumbach cast: Adam Driver, Scarlett Johansson, Laura Dern, Alan Alda, Ray Liotta, Merritt Wever, Mickey Summer, Azhy Robertson, Julie Hagerty, Martha Kelly 

 

Der New Yorker Theaterregisseur Charlie (Adam Driver) und seine Ehefrau, die Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson), haben beschlossen, sich zu trennen. Nicole hat kürzlich eine Rolle in einem Pilotfilm für eine TV-Serie angenommen und will mit dem gemeinsamen achtjährigen Sohn Henry (Azhy Robertson) zurück zu ihrer Mutter (Julie Hagerty) und Schwester (Merrit Wever) nach Los Angeles ziehen… 

 

B (Wertung von A bis F) „Marriage Story“ ist der neue Film des New Yorker Drehbuchautors und Filmemachers Noah Baumbach (Margot at the Wedding, Frances Ha, While We´re Young, De Palma, The Meyerowitz Stories ). Noah Baumbach hat sich für sein Drehbuch von den Scheidungen befreundeter Paare, aber auch von seiner eigenen Scheidung mit der Schauspielerin Jennifer Jason Leigh inspirieren lassen. 

„Marriage Story“ ist ein Film über den schwierigen Prozess einer Scheidung. Charlie und Nicole sind zwei Kreative, die eine sehr enge Bindung haben. Seinetwegen ist sie damals von Los Angeles nach New York gezogen, sie, die Schauspielerin hat ihren Mann, den Theaterregisseur, immer unterstützt und ihre eigene Filmkarriere dabei schleifen lassen. Jetzt ist ihre Beziehung gescheitert, sie will mit dem gemeinsamen Sohn zurück nach Los Angeles ziehen. Der Film ist sicherlich auch eine Aufarbeitung der gemeinsamen Zeit von Nicole und Charlie mehr aber, wie man jetzt mit der Situation umgeht, dass beide ein gemeinsames Kind und einen unterschiedlichen Lebensmittelpunkt (New York und Los Angeles) haben. 

Bei seiner Erzählung verzichtet Noah Baumbach beinahe gänzlich auf Rückblenden. Gleich zu Beginn hören wir, die von dem Therapeuten initiierten Auflistungen, was Nicole und Charlie aneinander schätzen und lieben und entsprechend sind wir als Zuschauer im Bilde, was das für eine große Liebe war. Jetzt haben sie sich aber auseinandergelebt, die Trennung ist beschlossen und eigentlich sollte es eine harmonische werden. Es geht aber um das Sorge- und Besuchsrecht des achtjährigen Sohnes und schon bald stehen Anwälte am Start. Noah Baumbach versucht mit seiner Liebes- und Trennungsgeschichte, keine Partei zu ergreifen. Er erzählt seine Geschichte aus beiden Perspektiven, wobei die Sichtweise von Charlie sicherlich etwas überwiegt. Auch wenn es sich vielleicht ungewöhnlich anhört, ich habe mich dabei erwischt, mehr auf Charlies Seite zu stehen. Er war sicherlich nicht der perfekte Ehemann, im Scheidungsprozess nehme ich ihn aber als liebevollen Vater wahr, der sich bemüht, die Scheidung friedlich über die Bühne zu bringen –   nicht einfach, wenn Anwälte im Spiel sind.

„Marriage Story“ ist ein intensives Drama, das aber auch die Absurdität, die eine Scheidung mit sich bringen kann, darlegt. Sein auf 35mm-Film gedrehtes Drama lebt durch sein exzellentes Drehbuch und seine, durch die Bank authentischen Performances. Ich hätte mir gewünscht, die Geschichte etwas mehr als Film arrangiert zu sehen. Den kargen Regiestil (wenn man überhaupt davon sprechen kann, wenn eine, bzw. mehrere Kameras einfach aufgestellt wurden – so wirkte es auf mich jedenfalls) fand ich etwas dürftig. 

Adam Driver liefert für mich hier drei Oscar-Szenen (Teppichmesser-Sequenz, seine Interpretation des Songs „Being Alive“ und wenn er gegen Ende des Films mit seinem Sohn gemeinsam „etwas“, kein Spoiler an der Stelle, vorliest), aber auch Scarlett Johansson (der diese Kurzhaar-Frisur nicht gerade schmeichelt), Laura Dern, Ray Liotta, Alan Alda (auch wenn mich seine zitternde Hand etwas ablenkte) sind zu Recht für Oscar-Nominierungen im Gespräch. Als Bereicherung für den Film sehe ich aber auch die Schauspieler Julie Hagerty, Merritt Wever und besonders Martha Kelly als Evaluatorin. 

In meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2020 hatte ich mich für „Marriage Story“ als Oscar-Gewinner-Film entschieden. Das sehe ich, nachdem ich den Film gesehen habe, etwas anders. Davon abgesehen, gibt es seit gestern (23.11.19) auch mit Sam Mendes´Film „1917“ einen neuen Top-Oscar-Anwärter. „Marriage Story“ wird aber sicher für die meisten Kategorien, für die er im Gespräch ist, nominiert. Gewinnen könnte er meines Erachtens jedoch nur für Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch und vielleicht Bester Hauptdarsteller (Adam Driver).

„Marriage Story“ ist dieses Jahr einer der vier Netflix-Filmen (The Irishman, „The Two Popes“, „Dolomite is my Name“), der immer noch im Rennen für wichtige Oscar-Nominierungen steht. Der Film ist im Gespräch für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Adam Driver), Beste Hauptdarstellerin (Scarlett Johansson), Bester Nebendarsteller (Alan Alda, Ray Liotta), Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt  

„Marriage Story“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2019 gezeigt. Der Film wurde am 6.11.19 in fünf Kinos in den Vereinigten Staaten gestartet, die darauffolgende Woche war der Film dann in 16 amerikanischen Kinos landesweit zu sehen. Seit dem 21.11.19 ist der Film auch in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen. Ab dem 6.12.19 ist „Marriage Story“ dann weltweit auf Netflix abrufbar. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Waves„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Trey Edward Shults neuer Film, Oscar-Film, soweit ich gehört habe. Dem Trailer nach ist er dem Oscar-Gewinner-Film „Moonlight“ nicht unähnlich.

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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Trailer v. Film: „63 Up„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Dokumentation 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „The Song of Names„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Romanadaption mit Tim Roth und Clive Owen

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Atlantics„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: senegalesisches Drama „Atlantique“, dass in Cannes den Großen Preis der Jury gewonnen hat. Netflix-Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht  

 

Das Clay Theatre in Frisco zeigt den Netflix-Film "Marriage Story"
Das Clay Theatre in Frisco zeigt den Netflix- Film „Marriage Story“

NYC – Film: „The Irishman“

Ich war am 27.09.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Irishman“ (ab dem 14.11.19 in Deutschland im Kino zu sehen, ab dem 27.11.19 weltweit auf Netflix abrufbar)   209 min    drama, crime, biopic, adaptation 

dir. Martin Scorsese  cast: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Harvey Keitel, Bobby Cannavale, Anna Paquin, Ray Romano, Jesse Plemons

 

Frank „The Irishman“ Sheeran (Robert De Niro) ist alt und einsam und blickt zurück auf sein Leben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Irishman“ basiert auf Charles Brandts True Crime Bestseller „I Heard You Paint Houses“. Es ist der 26. Kinofilm des New Yorker Filmemachers Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „Goodfellas“, „The Departed“, Shutter Island, Hugo, The Wolf of Wall Street, Silence). Das Drehbuch zu „The Irishman“ hat der amerikanische Filmemacher („A Civil Action“, TV-Serie „The Night Of“) und Drehbuchautor („Schindler´s List“, „Gangs of New York“, Moneyball) Steve Zaillan geschrieben. 

„The Irishman“ ist eine Adaption von Charles Brandts Buch „I Heard You Paint Houses“. Für sein Buch hatte Brandt über einen Zeitraum von fünf Jahren den Mafia-Killer Frank „The Irishman“ Sheeran befragt. In der Mafia-Sprache umschreibt der „house painter“ einen Auftragskiller. „I Heard You Paint Houses“ waren die ersten Worte, die der legendäre amerikanische Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa zu Frank Sheeran sagte. 

Der von Robert De Niro gespielte Frank Sheeran ist ein alter, einsamer Mann, der in einem Pflegeheim lebt, wenn wir als Zuschauer das erste Mal auf ihn treffen. Der Zweite-Weltkriegsveteran erzählt von dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Mafia-Boss Russell Bufalino (gespielt von Joe Pesci) und, wie er dann begann, als Auftragskiller für die Mafia zu arbeiten. Irgendwann freundete sich Sheeran dann mit dem Gewerkschaftspräsidenten Jimmy Hoffa (gespielt von Al Pacino) an und arbeitete für ihn. Jimmy Hoffa hatte Verbindungen zur Mafia und verschwand im Jahr 1975 spurlos. Was es damit auf sich hatte, erfahren wir und auch, was das alles für Auswirkungen auf Sheerans Privatleben hatte. 

„The Irishman“ ist auf der einen Seite ein gelungenes Mafia-Epos und auf der anderen Seite eine ehrliche und am Ende auch rührende Charakterstudie über den titelgebenden Charakter. Auch wenn sich die Laufzeit von 3 1/2 Stunden recht lang anhört, war ich überrascht, wie wenig ich die Länge gespürt habe. Wenn ich an den Film zurückdenke, fallen mir als erstes die brillanten und witzigen Dialoge ein (allein für den „Fisch-Dialog im Auto“ würde ich mir den Film jetzt, sofort nochmal anschauen), dann die sehr starken letzten, vielleicht dreißig Minuten des Films, die vielen exzellenten Kamerafahrten und -einstellungen, Zeitlupen-Szenen und nicht zuletzt die Performances von Joe Pesci, Ray Romano, Al Pacino und Robert De Niro (letzterer insbesondere als alter Mann). „The Irishman“ spielt über vier Zeitebenen, zeigt Pesci und De Niro über einen Zeitraum von über 40 Jahren. Mit einer sehr aufwendigen und teuren Verjüngerungstechnik, an die man sich erst gewöhnen muss, die sich aber am Ende auszahlt, sehen wir die Charaktere in unterschiedlichen Stadien ihres Lebens. Mit dem jüngeren De Niro bzw. Frank Sheeran hatte ich meine Probleme. Naja eigentlich haben mich nur seine stahlblauen, glasigen Augen irritiert und manchmal hat mich auch sein wächsern wirkendes Gesicht etwas zu sehr abgelenkt. Zwei Mal musste ich mir kurz die Augen reiben, weil ich glaubte, in Joe Pesci (den ich eigentlich für einen der coolsten Typen des Planeten halte) plötzlich Gollum aus den „The Lord of the Rings“-Filmen gesehen zu haben.

Al Pacino neigt oft zur Übertreibung in seinem Spiel. Hier spielt er den stoischen Hitzkopf Jimmy Hoffa und ich wüsste keinen Schauspieler, der ihn besser hätte spielen können. Wenn er auf der Leinwand zu sehen ist, ist es fraglos sein Film. In den besten, bzw. witzigsten Szenen ist er meist beteiligt. Gegen Al Pacino geben Joe Pesci und De Niro eine sehr zurückgenommene Performance. Alle drei Schauspieler qualifizieren sich aber für den Oscar. Es ist wunderbar zu sehen, wie Pacino und De Niro, die in den letzten Jahren auch viele Schrottfilme drehten, jetzt mit 79 bzw. 76 Jahren noch einmal das zeigen, was sie eigentlich drauf haben. Das, wofür sie von vielen, wesentlich jüngeren Schauspielern noch heute so verehrt werden. Auch hervorragend, in einer kleineren Rolle, haben mir Ray Romano und Louis Cancelmi (der mit der Brille und dem Fisch in dem Auto) gefallen.

„The Irishman“ ist Martin Scorseses neunter Spielfilm mit Robert De Niro und der erste seit „Casino“ aus dem Jahr 1995. Seit Jahren suchten sie schon nach einem gemeinsamen Spielfilmprojekt. Als sie schließlich Charles Brandts Buch fanden, hatten sie Schwierigkeiten, eine Finanzierung für das Projekt zu bekommen. Ohne Netflix hätte es den teuersten und mit 3 1/2 Stunden längsten Scorsese-Film bis heute nicht gegeben. Der Film sollte ursprünglich 100 Millionen Dollar kosten, die Produktionskosten sind aber irgendwann explodiert (man spricht von 175 Millionen Dollar), wobei ein Großteil davon in die ausgeklügelte, digitale De-Aging-Technik floß. 

Joe Pesci wollte eigentlich immer als Musiker arbeiten, konnte aber sein Geld nur mit der Schauspielerei verdienen. Eines Tages riefen Robert De Niro und Martin Scorsese an, verpflichteten ihn für den Film „Raging Bull“. Mit „Goodfellas“ (für seine Performance gewann Pesci den Oscar) und „Casino“ gab es zwei weitere Filme, bei denen die Drei zusammenarbeiteten. Joe Pesci beendete im Jahr 1999 dann offiziell seine Filmkarriere. Auch wenn er hin und wieder mal in dem ein oder anderen Film einen Kurzauftritt hatte, erschien ihm kein Rollenangebot attraktiv genug, wieder eine größere Rolle in einem Film anzunehmen. Nach Angaben von De Niro und Scorsese mussten sie auch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, damit Joe Pesci ein weiteres Mal mit den beiden Ikonen in „The Irishman“ zusammenarbeitete. Für Al Pacino ist es, man glaubt es kaum, seine erste Kooperation mit Martin Scorsese.

„The Irishman“ ist natürlich bereits auf dem Papier ein Oscar-Anwärter. Scorsese, De Niro, Pacino, Pesci, Paquin, Drehbuchautor Steven Zaillian – alles Oscar-Preisträger. Ein Mafia-Epos ist etwas, was man mit dem Alten Hollywood verbindet. Ich weiß nicht, ob so ein Film es noch in der heutigen Zeit schafft, den Oscar tatsächlich zu gewinnen. „The Irishman“ wäre vielleicht der letzte Film dieser Art, der das könnte. Die Oscar-Gewinner-Filme der letzten Jahre waren alle nicht mehr sonderlich lang. In der Vergangenheit gab es aber einige Oscar-Gewinner-Filme mit einer Laufzeit von um die 200 Minuten, dazu gehören „Lord of the Rings: The Return of the King, „Titanic“, „The Godfather, Part II“ und etwas länger her „Ben Hur“ und natürlich „Gone with the Wind“. Nun ist „The Irishman“ ein Film von Netflix, die haben seit Roma die besten Oscar-Strategen der Branche am Start. Sie sind auch bei den letzten Oscars sehr weit gekommen, bis… (lassen wir das). Dieses Jahr haben sie mit „The Irishman“, „Marriage Story“, „The Two Popes“ und den jeweiligen Schauspieler einige Hochkaräter in petto. Auch werden sie eine Oscar-Kampagne für Eddie Murphy für seine Performance in „Dolemite is My Name“ führen. Auf welchen Film Netflix ihr Hauptaugenmerk setzt, wird sich zeigen. Im Moment (Anfang Oktober 19) sieht es aus, als ginge der Oscar für den Besten Film an Scorseses „The Irishman“, Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ oder Noah Baumbachs „Marriage Story“ – aber das kann sich auch noch ändern. 

„The Irishman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Robert De Niro), Bester Nebendarsteller (Al Pacino, Joe Pesci), Beste Nebendarstellerin (Anna Paquin), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien 

„The Irishman“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist im Verleih des Streaming Portals Netflix und soll ab dem 1.11.19 In einigen ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten zu sehen sein. Ich habe den Film am Eröffnungstag auf dem NYFF57 gesehen. Der Film war ursprünglich mit vier Vorstellungen für den 27.09.19 geplant. Aufgrund der riesigen Nachfrage des, in der Weltpremiere gezeigten Films, wurden aber immer mehr Vorstellungen hinzugefügt. Der Film soll ab dem 14.11.19 auch in ein paar ausgewählten deutschen Kinos gezeigt werden und ist dann ab dem 27.11.19 weltweit auf Netflix abrufbar. 

Trailer zu sehen:

 

NYFF57 Opening Afternoon Screening von "The Irishman"
NYFF57 Opening Afternoon Screening von „The Irishman“
NYFF 57, Opening Night, Film: „The Irishman“

Vor unserer 15.45 Uhr-Vorstellung gab es in dem Kino eine Pressevorführung. Während Joe Pesci und Al Pacino nach der PV an den enttäuschten Fans vorbei, in ihre Limousine huschten, gab Robert De Niro den dankbaren Fans bereitwillig Autogramme. 

Joe Pesci auf dem NYFF57 "The Irishman"
Joe Pesci auf dem NYFF57 „The Irishman“
Al Pacino auf dem NYFF57 „The Irishman“
Robert De Niro auf dem NYFF57 „The Irishman“

Netflix – TV-Serie: „When They See Us“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„When They See Us“ (seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 70 min   drama, biopic 

dir. Ava DuVernay  cast: Jharrel Jerome, Asante Blackk, Caleel Harris, Ethan Herisse, Marquis Rodriguez, Vera Farmiga, Felicity Huffman, John Leguizamo, Famke Janssen, Niecy Nash, Aunjanue Ellis, Blair Underwood, Justin Cunningham, Jovan Adepo, Chris Chalk, Freddy Miyares, Marsha Stephanie Blake, Joshua Jackson

 

Am 19.04.1989 wurde eine 28-jährige, weiße Joggerin im New Yorker Central Park vergewaltigt und brutal misshandelt. Wie durch ein Wunder hat die Frau überlebt. Fünf dunkelhäutige Kinder im Alter von 14 bis 16 Jahren werden auf das Revier gebracht, stundenlang (ohne einen Erziehungsberechtigten) von den Polizisten verhört und unter Druck, zu einem Geständnis gezwungen. Bei den späteren Gerichtsverhandlungen werden Kevin Richardson (Asante Blackk), Antron McCray (Caleel Harris), Yusuf Salaam (Ethan Herisse), Raymond Santana (Marquis Rodriguez) und Korey Wise (Jharrel Jerome) schuldig gesprochen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der älteste der Teenager, der 16-jährige Korey Wise, landet sogar für vierzehn Jahre in einem Erwachsenengefängnis. Noch während Korey Wise seine Haftstrafe verbüsst, gesteht ein anderer Häftling, ein verurteilter Mörder, dass er die Joggerin im Jahr 1989 brutal überfallen, vergewaltigt und ihrem Schicksal überlassen hat. Die DNA-Tests beweisen, dass die Tat von diesem  Einzeltäter verübt wurde. Im Jahr 2003 wurde die Unschuld der Central Park Five bewiesen und die Urteile der Fünf aufgehoben. Nach einem, über elf Jahre andauernden Rechtsstreit wurde den fünf unschuldig verurteilten Männern eine Entschädigung von insgesamt 41 Millionen Dollar gezahlt. 

 

B+ (Wertung von A bis F) „When They See Us“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt von dem „Central Park Jogger Case“ aus dem Jahr 1989. Der Fall gilt als einer der größten Justizskandale der USA. Serienschöpferin und Regisseurin dieses Vierteilers ist die afroamerikanische Filmemacherin Ava DuVernay (Selma, 13th, „A Wrinkle in Time“). Kameramann der Miniserie ist Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Arrival, Where is Kyra?). 

„When They See Us“ ist zweifelsfrei harte Kost. Mir ging das Schicksal dieser Kinder sehr nah und ich habe eine solche Wut auf die amerikanische Polizei und Justiz bekommen, dass ich bei diesem Vierteiler immer wieder eine Pause einlegen musste. Darüberhinaus ist es mir aber auch schwergefallen, die Kinder/ bzw. späteren erwachsenen Männer und ihre Familien auseinanderzuhalten. Da ich dann aber die letzte Episode schlichtweg exzellent fand, habe ich mir alle vier Teile erneut angeschaut. Mit der zweiten Sichtung hat mir diese Miniserie auch noch besser gefallen. 

Dies ist ein Ensemble-Werk, bei dem alle Schauspieler zu dem Erfolg beitragen. Für mich sticht Freddy Miyares, der den älteren Raymond Santana spielt, vor allen Dingen optisch etwas heraus. Die preiswürdigstes Performance gibt – mit Abstand – Jharrel Jerome. Dieser Schauspieler brauchte zwei Castings, um die Serienschöpferin und Regisseurin Ava DuVernay davon zu überzeugen, dass er sowohl den naiven, leicht zurückgebliebenen 16-jährigen Jugendlichen, als auch den erwachsenen Korey Wise spielen kann. Damit ist er der Einzige der Fünf, der seinen Charakter als Teenager und als Erwachsener spielt. Was für eine Performance. Sollte die Mitglieder der TV-Academy bis zur finalen vierten Episode durchhalten – was eine gewisse Herausforderung darstellt – gewinnt Jharrel Jerome den Emmy in diesem Jahr. Jharrel Jerome ist ein Name, den man sich merken sollte.

Ava DuVernay ist eine politische Filmemacherin, so liess sie es sich auch nicht nehmen, den Part, den Donald Trump in dem Fall innehatte, zu zeigen. Der New Yorker Immobilienmogul hatte seinerzeit 85.000 Dollar für ganzseitige Zeitungsannoncen ausgegeben, in denen er sich für Wiedereinführung der Todesstrafe in New York stark machte. Mit anderen Worten: er forderte die Todesstrafe für die fünf (unschuldigen) Jugendlichen. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten wollte sich auf Anfrage dafür auch heute nicht entschuldigen. 

„When They See Us“ ist in seiner Inszenierung mitunter (beispielsweise bei der Musikauswahl) etwas zu aufdringlich. Ein manchmal etwas zurückgenommener Stil hätte diesem Mehrteiler nicht geschadet. 

 

In meinen Augen kann man das Leben nicht spoilern, dennoch eine kurze Spoilerwarnung für den Überblick auf die einzelnen Episoden: 

Part 1 Die Polizeiverhöre und daraus resultierenden Geständnisse zerstören von einem Moment auf den anderen das Leben der fünf Kinder.

Part 2 Sowohl Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft bereitet sich auf die Gerichtsverhandlungen vor. Schließlich: die eigentlichen Prozesse vor Gericht

Part 3 Die Zeit in der Jugendhaftanstalt für vier der Kinder und ihr späteres Leben als freie erwachsene Männer 

Part 4 Diese gesamte Episode ist dem ältesten der fünf unschuldig Verurteilten, Korey Wise, gewidmet. Da er bereits 16 Jahre alt war, ist er in einem Erwachsenengefängnis, dem berüchtigten Rikers Island (später in anderen Haftanstalten für Erwachsene) gelandet. Die Lebensgeschichte von Korey Wise hat mir fast das Herz gebrochen. Eine heftige Episode, aber für mich ganz klar die beste.

Spoilerwarnung zu Ende

 

Die sogenannten Central Park Five sind alle wichtige Charaktere in diesem Mehrteiler, dennoch möchte ich nur einen hervorheben, dem auch die letzte Episode gewidmet wurde:

Korey Wise ist sicherlich die tragischste Figur der „Central Park Five“. Er galt als keiner der Verdächtigen, hatte nur seinen 15-jährigen Kumpel Yusuf Salam auf das Polizeirevier begleitet. Korey Wise war der Einzige, der bereits 16 Jahre alt war und später nicht in Jugendhaft, sondern in ein Gefängnis für Erwachsene kam. Er hat eine furchtbare Mutter (hassenswert gespielt von Niecy Nash) und eine transsexuelle Schwester (gespielt von dem Transgender-Model Isis King), zu der er eine besondere Beziehung hat. Gespielt wird Korey Wise von dem afroamerikanischen Schauspieler Jharrel Jerome. Er hat bereits eine kleinere Rolle in dem, mit dem Oscar prämierten Film Moonlight gespielt. 

Zum Schluss dieses Mehrteilers erfährt man, wie die Central Park Five heute leben und sieht Originalfotos der Männer. 

Am 16.07.19 werden die Emmy-Nominierungen für das Jahr 2018/2019 bekanntgegeben. „When They See Us“ konkurriert mit Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, Fosse/Verdon „Chernobyl“ und „A Very English Scandal“ in einer Kategorie. 

„When They See Us“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter Best Limited Series, Best Actor in a Limited Series/Movie (Jharell Jerome), Best Actress in a Limited Series/Movie (Niecy Nash, Aunjanue Ellis) Best Supporting Actress in a Limited Series/Movie (Vera Farmiga), Best Supporting Actor in a Limited Series/Movie (Michael Kenneth Williams) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „When They See Us“ für 16 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Jharrel Jerome), Lead Actress in a Limited Series (Niecy Nash, Aunjanue Ellis), Supporting Actor in a Limited Series (Asante Blackk, Michael K. Williams, John Leguizamo), Supporting Actress in a Limited Series (Vera Farmiga, Marsha Stephanie Blake)  „When They See Us“ geht damit mit den meisten Schauspiel-Nominierungen (8) ins Emmy-Rennen. Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„When They See Us“ ist weltweit seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

 

 

Netflix – Film: „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“

Ich habe mir folgenden Film auf Netflix (U.S.) angeschaut:

 

„Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ (in D. ab dem 4.7.19 auf DVD erhältlich)  109 min   drama, biopic, adaptation 

dir. Joe Berlinger  cast: Zac Efron, Lily Collins, Kaya Scodelario, Jeffrey Donovan, Dylan Baker, Jim Parsons, John Malkovich, Haley Joel Osment

 

Seattle im Jahr 1969. Die alleinerziehende Mutter Liz (Lily Collins) lernt den attraktiven Ted (Zac Efron) kennen. Die Beiden verlieben sich ineinander und kommen zusammen. Einige Jahre später verschwinden einige junge Frauen in Seattle. Ted Bundys Name landet irgendwann auf der Liste der Verdächtigen. Als im Bundesstaat Utah eine Frau ihrem Angreifer entkommen konnte und Ted später in einer Gegenüberstellung erkennt, landet er vor Gericht und wird wegen der Entführung sowie versuchten Mordes der Frau angeklagt. Liz glaubt zunächst weiter an seine Unschuld…

 

C+ (Wertung von A bis F) „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist eine Adaption von Elizabeth Kloepfers (unter dem Pseudonym Elizabeth Kendall), veröffentlichtem Buch „The Phantom Prince: My Life with Ted Bundy“. Der Filmtitel bezieht sich dabei auf die Aussage des Richters Richard E. Cowart, nachdem Ted Bundy schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde. Nach „Blair Witch 2“ ist dies erst der zweite Spielfilm, bei dem der amerikanische Dokumentarfilmer Joe Berlinger Regie führt. Nachdem Joe Berlinger mit dem Netflix-Mehrteiler Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes eine Dokumentation über Ted Bundy präsentierte, ist dies sein Spielfilm über den Serienmörder. 

Ted Bundy ist einer der bekanntesten Serienmörder der Vereinigten Staaten. Kurz vor seiner Hinrichtung hat er gestanden, über 30 Frauen getötet zu haben, wahrscheinlich waren es aber bis zu 100 Opfer. Bis heute weiß niemand, warum er die Frauen getötet hat. Der Spielfilm versucht nicht, darauf Antworten zu geben.

Der Spielfilm basiert auf den Memoiren von Elizabeth Kloepfer (a.k.a. Elizabeth Kendall) und konzentriert sich überwiegend auf die Beziehung, die die alleinerziehende Mutter mit dem Serienmörder hatte. Sie war mit Ted Bundy verlobt, hat sogar sechs Jahre mit ihm zusammengelebt und über viele Jahre an seine Unschuld geglaubt. „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ ist aber auch ein Porträt eines Soziopathen, der eine Fassade aufgebaut hat und durch seinen Charme und sein Charisma, Menschen manipulieren konnte. Was für eine Gefahr von diesem Mann ausging, kommt dabei nur in einer kleineren Sequenz am Ende des Spielfilms rüber. Wenn man nur diesen Film sieht und nichts über den Fall Ted Bundy weiß, kann man hier den Eindruck gewinnen, dass die Ereignisse für die Spielfilmversion dramatisiert wurden. Was Ted Bundys Lebenslauf angeht, hat sich vieles aber tatsächlich so zugetragen. Joe Berlinger möchte mit seinem Spielfilm vor allen Dingen zeigen, dass Monster nicht immer als solche erkennbar sind. Auch ein brutaler Frauenmörder kann normal und nett wirken. Der attraktive Ted Bundy wurde von vielen Frauen angehimmelt, selbst als er als Mehrfachmörder vor Gericht stand. Am Ende war die Beweislast zu groß, er konnte die Geschworenen durch seine beispiellose Show vor Gericht nicht blenden und wurde schuldig gesprochen. 

Auch wenn ich zuvor anderes gehört und gelesen hatte, ich konnte es nicht wirklich glauben, dass Zac Efron (also: DER Zac Efron) hier wirklich exzellent ist. Ist er aber tatsächlich. Er hat es sogar erstmalig geschafft hat, dass ich alles, was ich mit Zac Efron assoziiere, vergessen konnte. Für mich gibt er eine preiswürdige Performance. Seinetwegen (und auch wegen John Malkovich, der hier den Richter spielt) würde ich diesen, sonst eher langweiligen Spielfilm empfehlen.  Wer allerdings Interesse an Ted Bundy hat, dem möchte ich eher dazu raten, Joe Berlingers Netflix-Doku „Conversations with a Killer: The Ted Bundy Tapes“ anzuschauen. 

Zum Schluss des Film werden die Namen von Ted Bundys (bekannten) Opfern eingeblendet. Im Abspann sieht man Originalfilm- und Fotoaufnahmen. 

Dieser Netflix-Film ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung für Zac Efron als Bester Hauptdarsteller. 

„Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film läuft seit dem 3.5.19 in den U.S.A. (und auch einigen anderen Ländern) auf Netflix. Zeitgleich lief der Netflix-Film wohl in einigen amerikanischen Kinos. In Deutschland wird der Film voraussichtlich ab dem 4.7.19 auf DVD erhältlich sein. 

Trailer zu sehen: 

TV-Serie: „After Life, 1. Staffel“

Ich habe mir folgende Netflix-Serie angeschaut:

 

„After Life, 1. Staffel“ (in D. seit dem 8.3.19 auf Netflix zu sehen)   6 x approx. 30 min  comedy, drama 

dir. Ricky Gervais  cast: Ricky Gervais, Tom Basden, Tony Way, Diane Morgan, Mandeep Dhilon, Ashley Jensen, David Bradley, Kerry Godliman, Penelope Wilton 

 

Seit dem Tod seiner geliebten Frau Lisa (Kerry Godliman) sieht Tony (Ricky Gervais) keinen Sinn mehr im Leben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich das Leben nimmt, aber erst mal muss er sich um seine Hündin Brandy kümmern. Dafür beschließt er, künftig einfach das zutun, wozu er Lust hat und auch nur noch das zu sagen, was ihm gerade einfällt und dabei keine Rücksicht mehr auf seine Mitmenschen zu nehmen. Was hat er schon zu verlieren? 

 

B+ (Wertung von A bis F) „After Life“ ist die neue Serie des englischen Stand-up-Comedian, Schauspielers („Night at the Museum“) Autors, Regisseurs („The Invention of Lying“) und Serienschöpfer („The Office“, „Extras“) Ricky Gervais. Ricky Gervais spielt in dieser Serie auch die Hauptrolle. 

Ich liebe Ricky Gervais. Mit seinem (trockenen, sehr schwarzen) Humor trifft er treffsicher genau mein Humorzentrum. Unvergessen natürlich seine provokanten Auftritte als viermaliger Golden-Globe-Gastgeber. Er ist gesegnet mit einer brillanten Beobachtungsgabe und dem Mut, Dinge (die andere denken) einfach auszusprechen. Das zeigt sich auch in seiner Serienfigur „Tony“. Dass diese Kurzserie nur sechs Episoden (von jeweils nicht mal 30 Minuten) beinhaltet, war mir zuvor nicht bewusst. Ich war – zugegebenermassen – etwas enttäuscht, dass sie so schnell zu Ende war. 

„After Life“ thematisiert Depressionen, aber auf eine sehr unterhaltsame und witzige Art. Der Protagonist Tony ist ein Mann, dessen langjährige große Liebe gestorben ist. Seither sieht er keinen Sinn mehr im Leben, betäubt seinen Schmerz mit Alkohol. Er würde sich wahrscheinlich selbst das Leben nehmen, wenn er sich nicht um seine Hündin und seinen, an Demenz erkrankten Vater kümmern müsste. Schließlich fasst er den Entschluss, künftig nur noch das zu tun, wozu er Lust hat, Höflichkeitsgeplänkel über Bord zu werfen und anderen Menschen immer geradeheraus seine Meinung zu sagen. Als trauernder Witwer wird ihm seine direkte Art sowieso keiner richtig übel nehmen. Das Ganze führt zu alltäglichen Situationen, die einfach unglaublich komisch sind. Begünstigt durch den Fakt, dass Tony als Redakteur einer kostenfreien Tageszeitung arbeitet und ständig mit Menschen konfrontiert wird, die unbedingt in der Zeitung stehen wollen. Es sind aber auch die kleinen Alltagssituationen, bei denen Tony auf seinen Postboten, seinen Therapeuten, seine nervige Bürokollegin usw. trifft, die mich herzhaft lachen ließen. 

Auch wenn ich es nicht bei jedem einzelnen Film oder jeder TV-Serie extra erwähne, bin ich generell der Meinung, dass man Film- und Fernsehprojekte ausschließlich in der Originalsprache (egal welche Sprache) konsumieren sollte. Bei „After Life“ sollte man nicht mal auf die Idee kommen, sich eine synchronisierte Fassung anzuschauen. Tipp: englische Untertitel. Zweiter Tipp: die gesamte Kurzserie zwei Mal schauen, bzw. wenn man gerade schlechte Laune hat, einfach eine Episode gucken.   

Zu einzelnen Episoden:

Episode 2: Ich liebe das Ende dieser Folge (unterstützt von Elton Johns „Rocket Man“)

Episode 4: Das Ende dieser Folge fand ich ungewöhnlich und sehr mutig.

 

Die Charaktere im Einzelnen:

Tony lebt in einer Kleinstadt und arbeitet für das lokale Anzeigenblatt The Tambury Gazette. Herausgeber der Zeitung ist sein Schwager Matt (gespielt von Tom Basden) Kürzlich ist Tonys geliebte Frau Lisa (in Rückblenden gespielt von Kerry Godliman) gestorben. Fünfundzwanzig Jahre waren sie verheiratet. Seit Lisa nicht mehr da, sieht er keinen Sinn mehr im Leben. Er ist depressiv, wenn er seine geliebte Hündin Brandy nicht füttern müsste, hätte er sich wahrscheinlich längst das Leben genommen. Er hat aber auch noch einen Vater (gespielt von David Bradley), der an Alzheimer erkrankt ist und in einem Pflegeheim lebt. Tony sieht nicht mehr länger einen Vorteil daran, anderen Menschen gegenüber rücksichtsvoll und höflich zu sein und hat beschlossen, jetzt immer genau das zu sagen, was er denkt. Gespielt wird Tony von dem britischen Allround-Talent Ricky Gervais. Als Autor, Regisseur, Hauptdarsteller, Serienschöpfer, für sein Stand-Up-Special und sein Golden-Globe-Programm wurde er insgesamt dreiundzwanzig Mal für den Emmy nominiert. Davon hat er drei Emmy-Trophäen (eine als Hauptdarsteller für seine TV-Serie „The Office“, eine als Hauptdarsteller für seine TV-Serie „Extras“ und eine für seine Comedy-Serie „The Office“) erhalten. 

Matt ist Herausgeber der lokalen Zeitung The Tambury Gazette. Einer kostenloses Zeitung, die sich durch Anzeigen finanziert. Matt ist der Schwager von Tony (gespielt von Ricky Gervais) und Bruder der verstorbenen Lisa. Gespielt wird Matt wird von dem englischen Comedian und Schauspieler Tom Basden. 

Anne hat ihren langjährigen Ehemann Stan verloren. Sie lernt Tony (gespielt von Ricky Gervais) auf dem Friedhof kennen. Gespielt wird Anne von der englischen Schauspielerin Penelope Wilton. Sie hat in vielen Spielfilmen (u.a. „Calendar Girls“, „Shaun of the Dead“, „Matchpoint“) mit und hatte auch eine größere Rolle in der britischen Erfolgsserie „Downton Abbey“. 

Ray ist der Vater von Tony (gespielt von Ricky Gervais). Ray ist an Demenz erkrankt und lebt in einem Pflegeheim. Ray wird von dem englischen Schauspieler David Bradley gespielt. Bekannt ist er sicherlich durch die „Harry Potter“-Filme und vielleicht durch die TV-Serie „Game of Thrones“, ich kannte ihn aus der TV-Serie Broadchurch und den Filmen „Hot Fuzz“ und Harry Brown.

„After Life“ steht seit dem 8.3.19 auf Netflix (weltweit) zur Verfügung. Mittlerweile wurde bekanntgegeben, dass es eine zweite Staffel der Serie geben wird. 

Trailer zu sehen: 

 

Netflix – TV-Serie: „Russian Doll“

Ich habe mir folgende Netflix-Serie angeschaut:

 

„Russian Doll“  (dt. Serientitel: „Matrjoschka“, seit dem 1.2.19 auf Netflix zu sehen)  8 x approx. 25 min  comedy, drama  

dir. Leslye Headland, Jamie Babbit, Natasha Lyonne  cast: Natasha Lyonne, Greta Lee, Yul Vazquez, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Rebecca Henderson, Brendan Sexton III, Dascha Polanco, Chloe Sevigny 

 

Nadia (Natasha Lyonne) durchlebt ihren 36. Geburtstag immer und immer wieder. Hat sie ein Déjà-vu oder hat es vielleicht etwas mit dem Israeli Joint zutun, den ihr ihre Freundin Maxine (Greta Lee) gegeben hat? Nadia steckt irgendwie in einer endlosen Zeitschleife fest. Sie muss herausfinden, warum und wie sie da wieder herauskommt…

 

B (Wertung von A bis F) Die Serienschöpfer von „Russian Doll“ sind drei amerikanische Frauen: die Comedian, Schauspielerin und Synchronsprecherin Amy Poehler („Saturday Night Live“, TV-Serie „Parks and Recreation“ Baby Mama, Inside Out), die Schauspielerin Natasha Lyonne (TV-Serie „Orange is the New Black“) und die Dramaturgin, Autorin und Regisseurin Leslye Headland. Natasha Lyonne spielt in dieser Serie auch die Hauptrolle. 

Optisch zählt die Protagonistin Nadia zu den Frauen, die mir gar nicht liegen. Sobald sie jedoch den Mund aufmachte, habe ich die schlagfertige, gerne schlecht gelaunte und zynische New Yorkerin direkt in mein Herz geschlossen. Nadia ist nun auf ihrer Geburtstagsfeier, stirbt irgendwann und landet wieder auf ihrer eigenen Geburtstagsparty, undsoweiterundsoweiter. Wie sie versucht, dem Ganzen einen Sinn abzugewinnen ist wirklich amüsant, anzuschauen. Mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten. Es lohnt sich aber definitiv, mal einen Blick zu riskieren, eine Episode ist auch nur knapp eine halbe Stunde lang. Insgesamt ist die die TV-Serie nur rund vier Stunden lang. 

„Russian Doll“ ist sehr „New York“ (genauer East Village) und repräsentiert vieles, was ich an der Stadt und ihren Bewohnern so liebe. Die Serie lebt natürlich durch ihre Protagonistin Nadia. Um Nadia in ihrer ganzen Blüte zu erleben, bleibt einem jedoch nichts anderes übrig, als die Kurz-Serie in der Originalfassung (damit man nichts der teils brillanten Dialogen verpasst, vielleicht mit englischen Untertiteln) zu sehen. Ich habe einige Male lauthals lachen müssen, fand den Soundtrack cool und die gesamte Staffel wirklich kurzweilig. 

Gegen Ende (gerade mit der siebenten Episode „The Way Out“) schwächelt „Russian Doll“ etwas, das Staffelende fand ich dann auch nur mittel. 

Meine Lieblingsepisode: Definitiv Episode 3 („A Warm Body“), die habe ich mir auch mehrmals angeschaut. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen: 

Nadia ist New Yorkerin und entwickelt Videospiele. Gerade ist sie 36 Jahre alt geworden. Ihre beste Freundin Maxine (gespielt von Greta Lee) hat ihr eine Geburtstagsparty organisiert. Nadias Katze Oatmeal ist seit drei Tagen verschwunden. Naja und dann stirbt sie und erlebt ihren Geburtstag wieder und wieder…Gespielt wird Nadia von der amerikanischen Schauspielerin Natasha Lyonne. Sie hat in den „American Pie“-Filmen mitgespielt, richtig bekannt wurde sie jedoch durch ihre Rolle in der TV-Serie „Orange is the New Black“. Für ihre Performance in dieser Serie wurde sie auch für einen Emmy nominiert.

Alan wollte eigentlich seiner Freundin Beatrice (gespielt von Dascha Polanco) einen Heiratsantrag machen, es kommt aber alles anders. Eines Tages trifft er auf Nadia. Gespielt wird Alan von dem amerikanischen Schauspieler Charlie Barnett. Mir kam er bekannt vor, vermutlich habe ich ihn in der nicht so guten Serie „Secrets and Lies“ registriert. Die anderen TV-Serien in denen er mitspielte „Chicago Fire“ und „Valor“ habe ich nicht gesehen. Charlie Barnett hat sogar mal in einer Episode von „Orange is the New Black“ mitgespielt. 

Maxine ist einer der besten Freundinnen von Nadia (gespielt von Natasha Lyonne). Max ist mein zweitliebster Charakter der Serie. Gespielt wird Maxine von der koreanisch-amerikanischen Schauspielerin Greta Lee. Sie kam mir auch bekannt vor. Sie hat beispielsweise in den TV-Serien Nurse Jackie und „Wayward Pines“ mitgespielt. 

John ist Nadias Ex-Freund. Gespielt wird John von dem kubanisch-amerikanischen Schauspieler Yul Vazquez. Er hat in vielen Kinoprojekten („American Gangster“, „Che: Part One & Two“, Captain Phillips, Kill the Messenger, Glass Chin, Last Flag Flying) mitgespielt. Auch hatte er eine größere Rolle in der HBO-Serie „Divorce“. 

Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Russian Doll“ für 13 Emmys nominiert (darunter Comedy Series, Lead Actress in a Comedy Series (Natasha Lyonne).Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen.

„Russian Doll“ läuft in Deutschland auch unter dem Titel „Matrjoschka“ und ist seit dem 1.2.19 auf Netflix zu streamen. Eine zweite Staffel ist bereits im Gespräch. 

Trailer zu sehen: 

 

Netflix – Serie: „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“  (dt. Doku-Titel: „Ted Bundy – Selbstporträt eines Serienmörders“, seit dem 24.01.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 55 min   documentary

dir. Joe Berlinger  cast: Stephen Michaud, Hugh Aynesworth, Bob Keppel, Ted Bundy

 

Vor dreißig Jahren, am 24.01.1989, wurde der berüchtigte Serienmörder Ted Bundy hingerichtet. Er gestand, mehr als dreißig Frauen getötet zu haben. Wahrscheinlich gehen aber weit mehr Morde auf sein Konto… 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes“ ist eine vierteilige Doku-Serie. Bei diesem Streaming-Format hat der amerikanische Filmemacher Joe Berlinger („Paradise Lost“-Trilogie, „Metallica: Some Kind of Monster“), Regie geführt. Der Regisseur hat Ted Bundy sowohl diese Doku-Serie als auch den Spielfilm „Extremely Wicked, Shocking Evil and Vile“ gewidmet. Dieser wurde jetzt erstmalig auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival vorgestellt und soll voraussichtlich noch dieses Jahr in die Kinos kommen. 

Ich liebe True Crime-Formate ob in Podcast-, Doku oder Spielfilmform (The Jinx,  „Making a Murderer“, The Imposter, Foxcatcher, O.J.: Made in America, The People v. O. J. Simpson, The Assassination of Gianni Versace usw…), außerdem mag ich generell Serienmörder-Stories, demzufolge habe ich natürlich direkt auf „Play“ gedrückt, als die vierteilige Doku-Serie über Ted Bundy bei Netflix veröffentlicht wurde. 

Ted Bundy war gut aussehend, charmant, gebildet, redegewandt, hatte ein abgeschlossenes Psychologie-Studium, begann sein Jura-Studium, hat nebenbei Wahlkampf für einen republikanischen Politiker gemacht, hatte Freundinnen mit denen er normale Beziehungen führte – was hat diesen Mann dazu veranlasst, so viele Frauen zu töten? 

Im Jahr 1980 versuchten die beiden Journalisten Stephen Michaud und Hugh Aynesworth der rätselhaften Persönlichkeit von Ted Bundy auf die Spur zu gehen. Zu dem Zeitpunkt der Interviews war er bereits ein verurteilter Serienmörder und saß in der Todeszelle. Er wollte Journalisten seine Geschichte erzählen und irgendwie erreichen, dass sein Fall neu aufgerollt wird. Über einen Zeitraum von sechs Monaten haben die Journalisten mit dem berüchtigten Serienmörder gesprochen, dabei entstanden rund 100 Stunden Interview-Material auf ca. 75-80 Kassetten. 

Dieser Doku-Mehrteiler führt einen in die U.S.A. der 1970er Jahre. Seinerzeit gab es erstmalig das Phänomen der Serienmörder (Charles Manson, Son of Sam, The Hillside Strangler, John Wayne-Gacy, etc.). Im Jahr 1974 verschwanden auf einmal, zunächst im Bundesstaat Washington, viele junge Frauen. Der Ted Bundy-Fall bringt einen zwangsläufig auch zu den Anfängen des Profilings des (neuen) FBIs (hierzu kann ich nur die brillante Neflix-Serie Mindhunter empfehlen). Die Kriminaltechnik und die Technik im Allgemeinen waren logischerweise noch nicht auf dem Stand von Heute. Eine DNA-Analyse gab es noch nicht und die Ermittlungsteams der Polizei  in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten waren auch noch nicht untereinander vernetzt. Dadurch konnte Ted Bundy über einen längeren Zeitraum in mindestens fünf verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten über 30 Frauen töten. Relativ am Anfang seiner Mordserie galt er sogar mal als Hauptverdächtiger, musste aber wieder freigelassen werden, da es einfach schwer war, ihm Taten nachzuweisen. Ins Visier der Gesetzeshüter kam er (jedes Mal) durch eine simple Verkehrskontrolle. Bundy war einer der ersten Serienmörder, der später, als er in der Todeszelle saß, mit dem FBI zusammenarbeitete und Täterprofile für Serienmörder erstellte. 

Ich finde den deutschen Titel dieser Doku-Reihe etwas irreführend. Ted Bundy war sicherlich ein Narzisst und hätte die Aufmerksamkeit geliebt, die ihm diese Dokumentation entgegenbringt. Es ist aber kein Selbstporträt dieses Serienmörders. Dieser Doku-Mehrteiler geht der Frage nach, was Ted Bundy für eine Persönlichkeit war, zeichnet seinen Lebenslauf (und seine gestandenen Morde) chronologisch nach. Ich fand es verstörend, aber auch wahnsinnig faszinierend, Ted Bundy in den Film- und Audioaufnahmen zu sehen und seine Stimme zu hören. Es kommen aber auch viele andere zu Wort, beispielsweise die beiden Journalisten, die ihn interviewten, viele Weggefährten von Ted Bundy, sowie die damals ermittelnden Polizisten, sein Psychologe, sein Verteidiger, selbst seine Mutter, seine Ex-Freundin Elizabeth Kloepfer und sogar eines seiner Opfer, die ihm entkommen konnte. Die Dokumentation arbeitet viel mit Archivfotos und Original Audio- und Filmaufnahmen, von denen man sich letztendlich selbst ein Bild von diesem berüchtigten Serienmörder machen kann. 

Schockiert hat mich, was Ted Bundy in der amerikanischen Gesellschaft bewirkt hat. Von Frauen, die den vor Gericht stehenden Serienmörder anhimmelten bis hin zu den Amerikanern, die sich vor dem Gefängnis versammelten und seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl wie ein Volksfest feierten. Sein Prozess in Florida war die erste Gerichtsverhandlung, die live im Fernsehen übertragen wurde. Das hat einen bis dahin nie da gewesenen Medienrummel ausgelöst. 

„Conversations with a Killer: The Ted Bundy Tapes“ ist seit dem 24.01.19 auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen: