Netflix – Film: „I´m Thinking of Ending Things“

Folgenden Film habe ich mir auf Netflix angeschaut:

 

„I´m Thinking of Ending Things“ (in D. seit dem 4.9.20 auf Netflix zu sehen)   134 min  drama, adaptation  

dir. Charlie Kaufman  cast: Jesse Plemons, Jessie Buckley, Toni Collette, David Thewlis, Guy Boyd

 

Eine junge Frau (Jessie Buckley) ist noch nicht lange mit ihrem Freund, Jake (Jesse Plemons), zusammen. Nun wird sie von ihm mit dem Auto abgeholt, das erste Kennenlernen mit seinen Eltern (Toni Collette und David Thewlis) steht an. Es ist kalt, schneit sogar, keine Menschenseele auf den Landstraßen, die zu der abgeschiedenen Farm seiner Eltern führen…

 

A (Wertung von A bis F) „I´m Thinking of Ending Things“ basiert auf Iain Reids gleichnamigen Roman. Es ist nach Synecdoche, New York und Anomalisa der dritte Film, bei dem das  amerikanische Drehbuchgenie („Being John Malkovich“, „Adaptation“, „Confession of a Dangerous Mind“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“), der Filmemacher, Produzent und seit Kurzem auch Romanautor Charlie Kaufman Regie führt. 

Kann man sich eigentlich in einen Trailer verlieben? Als ich diesen das erste Mal sah, hatte ich ein wohliges Gefühl, ein Gefühl von Verliebtheit verbunden mit der Hoffnung, vielleicht in diesem Film eine große Liebe zu finden. Eigentlich war ich von allen Filmen, bei denen Charlie Kaufman seine Finger im Spiel hatte, irgendwo begeistert. Auch dieser Film ist ein Geschenk. 

Auf den allerersten Blick geht es um eine junge Frau, die seit ein paar Wochen mit Jake zusammen ist. Der holt sie eines Tages ab, die beiden fahren zu seinen Eltern, das erste Kennenlernen steht an. Während der Autofahrt lauschen wir als Zuschauer ihren Gedanken. „I´m Thinking of Ending Things“ ist etwas, was ihr immer wieder durch den Kopf geht. Will sie ihre Beziehung mit Jake beenden? Jake scheint irgendwie manchmal sogar ihre Gedanken lesen zu können…und dann ist da noch der Hausmeister einer Schule… Das ist der Beginn dieses Film, viel mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Jedenfalls ist es ein typischer Charlie Kaufman-Film, ein Film mit Tiefgang, dessen Handlung und Sinn man auch nur langsam entschlüsseln kann. Ein Thriller oder gar Horrorfilm, wie der Trailer und einige Szenen vielleicht vermuten lassen, ist es nicht…jedenfalls nicht, wenn man das Rätsel für sich gelöst hat. Dann ist es ein Drama und zwar eines, das mir sehr nahe gegangen ist. 

Jesse Plemons, der mich optisch immer mehr an den von mir so verehrten und viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman erinnert, spielt hier die Hauptrolle. „Jake“ wäre eine dieser Rollen, die zuerst Schauspielgenie PSH angeboten worden wäre. Jesse Plemons ist aber ein guter Ersatz, ich mag ihn mittlerweile richtig gerne. Die beiden hatten für Paul Thomas Andersons The Master seinerzeit sogar, als Vater und Sohn besetzt, gemeinsam vor der Kamera gestanden.

SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER 

„I´m Thinking of Ending Things“ ist ein Film mit einem unzuverlässigen Erzähler. Auf den ersten Blick ist es die junge Frau, die einen an ihren Gedanken teilhaben lässt. Sie redet immer davon, etwas beenden zu wollen. Will sie ihre Beziehung mit Jake beenden? Nicht nur ein Mal errät Jake scheinbar die Gedanken seiner Freundin. In Wahrheit ist die junge Frau und Jake ein und dieselbe Person. Die Story (Erinnerungsfetzen durchsetzt mit Fantasie) spielt sich in Jakes Kopf ab. Der junge Jake ist im Jetzt der ältere (ehemalige) Hausmeister (der im Film auch immer wieder auftaucht). Er beschäftigt sich schon länger mit dem Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die junge Frau entspricht entweder gänzlich Jakes Fantasie, ist also so etwas wie die Idealvorstellung einer Freundin, die er gerne gehabt hätte oder eine bunte Mischung aus allen Freundinnen, mit denen er mal zusammen war.

Scheinbar hat es Jake nie aus dem Kaff, in dem er geboren und aufgewachsen ist, rausgeschafft. Wie wäre sein Leben verlaufen, wenn er einen anderen Weg eingeschlagen hätte, vielleicht in eine größere Stadt gezogen wäre? Er hat als Hausmeister an einer Schule gearbeitet, ein gutmütiger Mann, dennoch haben sich einige Schüler(innen) über ihn lustig gemacht, ihm vielleicht sogar Streiche gespielt. Das hat ihn damals verletzt und das tut ihm heute noch weh. Niemand hat sich mal die Mühe gemacht, hinter seine Fassade zu blicken, Interesse an ihm bekundet. In Jake steckt weit mehr als nur „Hausmeister“. Er malt beispielsweise, ist sehr belesen, liebt Filme, aber seine große Leidenschaft sind Musicals. „Oklahoma!“ ist sein Lieblingsmusical. Ein Musical dessen Handlung auf dem Land spielt und von einer unglücklichen Liebe handelt. Auch in Jakes Leben ist die Liebe ein schwieriges Thema. Es gab Frauen in seinem Leben, immer mal wieder. Waren es nur Schwärmereien, kurze Begegnungen oder hatte er auch Beziehungen mit diesen Frauen namens Lucy, Louisa, Yvonne, Lucia, Ames? Die richtige große und langanhaltende Liebe gab es offensichtlich nicht in seinem Leben. Jetzt im Alter ist er einsam, krank, vielleicht leidet er sogar an beginnender Demenz. Wenn er sein Leben Revue jetzt passieren lässt, vermischen sich seine Erinnerungen. Die Beziehung zu seinen, längst verstorbenen Eltern war auch keine einfache. Irgendwann, als sie älter wurden, waren sie pflegebedürftig, es deutet vieles daraufhin, dass sie dement waren. Jake hatte sich um sie gekümmert, seine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt – vielleicht auch etwas, was er bis heute nicht richtig verarbeitet hat. In der oberflächlich erzählten Geschichte besucht der junge Jake mit seiner neuen Freundin seine Eltern, diese sind in jeder Szene in einem anderen Alters- bzw. Pflegestadium. Jetzt hat Jake genug vom Leben und von all den schmerzhaften Erinnerungen. Seine Hoffnung auf ein besseres oder anderes Leben, auf eine Liebe im selbigen hatte er schon lange begraben. Der Film (und Buch-)Titel bezieht sich darauf, dass er darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen. Am Ende stirbt er, scheinbar noch bevor er Selbstmord begehen kann. Er erleidet einen (Herz-) Infarkt im Auto, vielleicht erfriert er aber auch…

SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE 

Zugegebenermassen verlangt dieser surreale Film dem Zuschauer viel ab. Um die Handlung richtig zu enträtseln, bleibt einem nichts anderes übrig, als mindestens eine weitere Sichtung des Films. Vielleicht ist es aber auch dann nur etwas für eingefleischte Charlie Kaufman-Fans. “I´m Thinking of Ending Things“  ist sehr philosophisch und voller Literatur-, Film- und Musical-Referenzen. Des Rätsels Lösung oder wenigstens einige Szenen lassen unterschiedliche Interpretationen zu. 

Fast zeitgleich ist dieser Film mit Christopher Nolans Tenet veröffentlicht worden. Beide Regisseure spielen in ihren Filmen mit der Zeit. Während „Tenet“ keine Emotionen bei mir hervorrufen konnte, ich ihn nach nur wenigen Tagen bereits vergessen hatte, beschäftigt mich Kaufmans Werk jetzt seit ein paar Tagen. Zwei Mal habe ich mir den Film bereits angeschaut. Gerne hätte ich ihn in einem dunklen, kühlen Kinosaal genossen. Leider blieb mir nichts anderes übrig, als ihn auf meinem Laptop – zwar an einem leicht schattigen Plätzchen, aber – unter der griechischen Sonne zu schauen. 

„I´m Thinking of Ending Things“ ist jetzt bereits festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem (Oscar) Jahr 2020. 

Dieser Netflix-Film ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Beste Hauptdarstellerin (Jessie Buckley), Bester Hauptdarsteller (Jesse Plemons), Bestes adaptiertes Drehbuch

„I´m Thinking of Ending Things“ ist am 28.08.20 in einigen ausgewählten US-amerikanischen Kinos gestartet. Aufgrund der Corona-Situation in den Vereinigten Staaten wurde der Film aber bereits eine Woche später auf Netflix zur Verfügung gestellt. Auch in Deutschland ist er seit dem 4.9.20 exklusiv auf Netflix zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

ungünstige Bedingungen für die Sichtung eines meiner neuen Lieblingsfilme "I´m Thinking of Ending Things"
ungünstige Bedingungen für die Sichtung eines meiner neuen Lieblingsfilme „I´m Thinking of Ending Things“

Netflix – Serie: „Unorthodox“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„Unorthodox“ (in D. seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 50 min drama, adaptation

dir. Maria Schrader  cast: Shira Haas, Amit Rahav, Jeff Wilbusch, Dina Doron, Della Mayer

 

Die 19-jährige Esty (Shira Haas) lebt in der jüdisch-orthodoxen Satmar-Gemeinde in Williamsburg in New York City. Vor ein paar Monaten wurde sie mit Yanky (Amit Rahav) verheiratet. Sie ist unglücklich in ihrer Ehe und mit ihrem Leben und flieht eines Tages nach Berlin…

 

B (Wertung von A bis F) Die Miniserie „Unorthodox“ wurde von Deborah Feldmans Autobiographie „Unorthodox: The Scandalous Rejection of My Hasidic Roots“ inspiriert. Die amerikanische Autorin Anna Winger (u.a. „Deutschland 83“, „Deutschland 86“) und die deutsche Filmemacherin Alexa Karolinski (u.a. „Oma & Bella“) haben das Drehbuch geschrieben, bei den Rückblicken haben sie sich an Deborah Feldmans Memoiren gehalten, aber die gesamte Storyline in Berlin wurde umgeschrieben. Die zentrale Sprache dieses Mehrteilers ist Jiddisch. Bei allen vier Teilen führt die deutsche Schauspielerin („Keiner liebt mich“, „Aimée & Jaguar“, TV-Serie „Deutschland 83“), Drehbuchautorin („Meschugge“) und Regisseurin („Liebesleben“, „Vor der Morgenröte“) Maria Schrader Regie. Neben der Autorin, haben die beiden Drehbuchautorinnen, die Filmemacherin und die meisten Künstler vor und hinter der Kamera dieses Projekts jüdische Wurzeln. 

Als ich mir diesen Mehrteiler angeschaut habe, wusste ich nicht, dass es sich hierbei um eine deutsche (und amerikanische Ko-) Produktion handelt. Schnell wurde ich reingezogen in diese New Yorker Parallelwelt. Geschichten, die in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde spielen, finde ich generell faszinierend. Viel zu wenig weiß man über die in sich geschlossene, streng gläubige Gemeinde. Aber, ganz ehrlich, was für eine Frauen diskriminierende Kultur und Religion. Anzusehen, wie man innerhalb der Chassidischen Glaubensgemeinschaft mit Frauen umgeht, war kaum zu ertragen. Um so mehr ich in die, von zig Regeln bestimmten Welt eingetaucht bin, um so enger stand ich an Estys Seite, habe ihr innerlich die Daumen gedrückt, dass ihr die Flucht gelingt und sie für immer aus der Gemeinde aussteigt. Überhaupt lebt dieser Vierteiler durch Esty (bzw. durch die Schauspielerin Shira Haas). Was für eine starke, kleine Frau. Ich liebe ihr ausdrucksstarkes Gesicht mit diesen riesigen, dunklen Augen. Mit ihrer Präsenz und ihrem offensichtlichen Talent ist sie für mich bereits jetzt schon ein Star, von ihr werden wir sicherlich noch einiges hören und sehen. Das Drehbuch zu „Unorthodox“ und damit die gesamte Netflix-Produktion kommt leider nicht an die Brillanz ihrer Hauptdarstellerin ran. Man hätte die Geschichte anspruchsvoller erzählen können. Durch die Rückblenden kann man sich zwar ein recht gutes Bild von der ultraorthodoxen Welt und Estys Situation machen, aber die Fortsetzung der Geschichte in Berlin ist weit weniger gelungen. Manches hätte glatt in die deutsche Seifenoper-Landschaft gepasst. Auch gibt es einige Anschlussfehler, die mich immer wieder rausgeworfen haben. Mir hat aber gefallen, dass die tragische Geschichte immer mal wieder mit Situationskomik aufgelockert wird. Das „Wir-haben-keine-Probleme-wir-sind-alle-weltoffen-und-leben-Multikulti“-Berlin wirkte auf mich als Berlinerin auch zu sehr inszeniert.  

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Esther „Esty“ Shapiro ist 19 Jahre alt. Sie wurde in die jüdisch-orthodoxe Welt in dem New Yorker Stadtteil Williamsburg in Brooklyn hineingeboren. Die ursprünglich aus Ungarn stammenden Satmarer Juden sind eine chassidische, ultraorthoxe Gemeinde, die von Holocaust-Überlebenden nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Jiddisch ist bis heute die Sprache dieser Gemeinde. Als Esty drei Jahre alt war, hat Estys Mutter Leah (gespielt von Alex Reid) die Gemeinde verlassen. Sie wurde dann von ihrer geliebten Großmutter „Bubbe“ (gespielt von Dina Doron) und ihrer Tante Malka (gespielt von Ronit Asheri) großgezogen. Sie wurde vor einigen Monaten mit Yanky (gespielt von Amit Rahav) verheiratet. Esty ist unglücklich in ihrer Ehe, auch weil sich ihre Schwiegermutter (gespielt von Delia Mayer) permanent in die Ehe und in sehr private, intime Dinge einmischt. Sie lässt schließlich die ultra-orthodoxe Gemeinde hinter sich und flieht nach Berlin. Gespielt wird Esty von der israelischen Schauspielerin Shira Haas. Seit sie in ihrem Heimatland für einige Schauspielpreise nominiert und ausgezeichnet wurde, ist auch Hollywood auf sie aufmerksam geworden. Sie hat in internationalen Produktionen (u.a. „The Zookeeper’s Wife“, „Mary Magdalene“) mitgespielt und auch eine größere Rolle in der hochgelobten israelischen TV-Serie „Shtisel“.

Yanky Shapiro ist mit Esty (gespielt von Shira Haas) verheiratet. Es gibt Probleme in der Ehe, auch weil Yankys Mutter Miriam (gespielt von Delia Mayer) sich immer wieder einmischt. Eines Tages verschwindet Esty und Yanky und sein Cousin Moishe (gespielt von Jeff Wilbusch) machen sich auf die Suche nach ihr. Yanky ist mir ans Herz gewachsen, ganz liebenswert und putzig ist der, in manchen Szenen sieht er aus wie Elijah Wood. Gespielt wird Yanky von dem israelischen Schauspieler Amit Rahav. Er hat zuvor in einigen israelischen TV-Serien mitgespielt.

Moishe ist der Cousin von Yanky (gespielt von Amit Rahav). Er hat selbst schon einmal die Satmar-Gemeinde verlassen, hat scheinbar auch Schulden und muss etwas wieder gutmachen. Der Rabbiner  schickt ihn daher mit Yanky nach Berlin, um Esty zurück nach Williamsburg zu bringen. Gespielt wird Moishe von dem israelisch-deutschem Schauspieler Jeff Wilbusch. Bei dem Casting zu „Unorthodox“ hat er der Crew mitgeteilt, dass Moishes Story ihn an seine im realen Leben erinnert. Jeff Wilbusch stammt aus einer Satmar-Community und ist Jiddisch-Muttersprachler. Mir kam er bekannt vor, vermutlich von dem Mehrteiler „The Little Drummer Girl“ (über die ich eigentlich damals was schreiben wollte). Er hat aber auch in der deutschen TV-Serie „Bad Banks“ und in einigen anderen TV-Serien mitgespielt. 

„Unorthodox“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Best Actress, Limited Series (Shira Haas) Update: „Unorthodox“ wurde für 8 Emmys nominiert (Best Limited Series, Best Actress/Limited Series für Shira Haas, Best Directing/Limited Series für die deutsche Filmemacherin Maria Schrader, Best Writing für „Part 1“ und einige technische Kategorien) 

„Unorthodox“ ist seit dem 26.03.20 auf Netflix zu sehen. Empfehlenswert ist auch das Making Of zu dem Mehrteiler (ebenfalls auf Netflix zu sehen). Hier kommt auch die Vorlagenlieferantin Deborah Feldman zu Wort.

Trailer zu sehen:

 

Netflix – Film: „Homemade“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Homemade, Volume 1“ (in D. Seit 30.06.20 auf Netflix abrufbar)  17 x from 4 to 11 minutes  anthology

dir. Ladj Ly, Paolo Sorrentino, Rachel Morrison, Pablo Larrain, Rungano Nyoni, Natalia Beristáin, Sebastian Schipper, Naomi Kawase, David Mackenzie, Maggie Gyllenhaal, Nadine Labaki & Khaled Mouzanar, Antonio Campos, Johnny Ma, Kristin Stewart, Grunder Chadha, Sebastián Lelio, Ana Lily Amirpour  cast: Christopher Abbott, Sebastian Schipper, Peter Sarsgaard, Kristen Stewart, Amalia Kassai, Gurinder Chadha, Ana Lily Amirpour voices: Javier Cámara, Olivia Williams, Rachel Morrison, Cate Blanchett 

 

Während des Lockdowns aufgrund der Covid-19 Pandemie im Mai 2020 haben verschiedene Filmemacher und Künstler ihre Kreativität genutzt und einen Kurzfilm gedreht. 

 

A bis D- (Wertung von A bis F)  „Homemade, Volume 1“ zeigt 17 Kurzfilme von namhaften Künstlern während der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Produziert wurde das Ganze von dem chilenischen Filmemacher Pablo Larrain (Jackie), der selbst auch einen Film zu diesem Projekt beigetragen hat. Die Filme zeigen uns manchmal das Zuhause der Filmemacher und führen uns nach Paris, Rom, 3 x Los Angeles, 2 x Santiago, Lissabon, Mexico City, Berlin, Nara in Japan, Glasgow, irgendwo in Vermont, Beirut, Springs in New York, San Sebastián del Oeste in Mexico und London. 

Bei einer Sammlung an Kurzfilmen sind selten alle Filme wirklich sehenswert, einige davon hier waren aber trotzdem fantastisch fotografiert, einer war spannend (Episode 12), wirkte aber nicht so professionell gefilmt, ein paar fand ich regelrecht einschläfernd, einen fand ich sogar unerträglich (Episode 11). Unter den 17 Filmen ist aber sicher für jeden etwas dabei. Ich möchte mich nicht mit den nicht so guten aufhalten, daher nur eine eine kurze Zusammenfassung von den Kurzfilmen, bei denen es sich lohnt, mal reinzuschauen: 

 

Mein Lieblingskurzfilm: Episode 17 „Ride It Out“ A (Wertung von A bis F) Die iranisch-amerikanische Filmemacherin Ana Lily Amirpour („A Girl Walks Home Alone at Night“) hat den für mich besten Kurzfilm und einen wunderbaren Abschluss dieser Reihe gedreht. Cate Blanchett führt als Erzählerin durch den, in Los Angeles entstandenen Film. Es ist ein sehr poetischer Film, der diese besondere Stimmung in dieser außergewöhnlichen (Corona-)Zeit einfängt. In, vielleicht zehn Jahren könnten wir uns mit diesem kleinen Film bestimmt wieder in die Stimmung von dann damals reinversetzen.  

Aber auch die folgenden fand ich gelungen: 

Episode 2 B+ (Wertung von A bis F) Der italienische Filmemacher Paolo Sorrentino (The Great Beauty, TV-Serien The Young Pope und The New Pope) erzählt hier eine kleine Geschichte über das Eingesperrtsein mit den Plastikfiguren der Queen und dem Papst (in meiner kleinen Nebenrolle „The Dude“ Lebowski), gedreht in seinem Zuhause in Rom.  

Episode 3 „The Lucky Ones“ B+ (Wertung von A bis F) Die amerikanische Kamerafrau (Fruitvale Station, Black Panther) Rachel Morrison hat hier eine richtig schöne Erinnerung für ihren Sohn Wiley kreiert. Die Bilder sind fantastisch. Ein Lockdown in diesem noblen Zuhause mit so einer tollen Mama lässt sich sicher aushalten. Ich liebe, wie sie ihrem kleinen Sohn mit auf den Weg gibt, ein solches privilegiertes Leben zu schätzen, aber nicht zu vergessen, Kind zu sein („Be grateful but also be five“).

Episode 4 „Last Call“ : B+ (Wertung von A bis F) Der chilenische Filmemacher Pablo Larrain (Jackie) hat nicht nur dieses „Homemade“-Projekt ins Leben gerufen, er erzählt hier auch eine humorige Geschichte eines alten, einsamen Mannes im Alters- oder Pflegeheim, eine gute Pointe gibt es obendrauf. 

Episode 7 „Casino“ B+ (Wertung von A bis F) Dem deutschen Filmemacher Sebastian Schipper („Viktoria“) ist in seinem Berliner Zuhause langweilig. Ganz origineller 8-Minütiger ist ihm da gelungen, wie ich finde. 

Episode 10 „Penelope“ B+ (Wertung von A bis F) Die amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal („Secretary“, The Dark Knight) gibt mit diesem Film ihr Regiedebüt und hat hier einen dystopischen Sci-Fi-Kurzfilm mit ihrem Ehemann, dem brillanten Peter Sarsgaard, in ihrem Zuhause im Bundesstaat Vermont gedreht. 

Episode 14 „Crickets“ B- (Wertung von A bis F) Die amerikanische Schauspielerin Kristen Stewart lässt sich dabei filmen, wie sie unter Schlaflosigkeit leidet und scheinbar langsam den Verstand verliert. Schön fotografiert. 

Episode 15 „Unexpected Gift“ A- (Wertung von A bis F) Die britische Filmemacherin Gurinder Chadha („Bend it Like Beckham“, „Blinded by the Light“) lässt uns an ihrem Corona-Lockdown-Alltag mit ihrer Familie in ihrer traumhaften Wohnung (da würde ich sofort einziehen) teilhaben. Sie nehmen sich dabei nicht ernst und sind sympathisch, der Film ist lustig, aber auch traurig, ich muss mich, glaube ich, mal ihren Spielfilmen widmen. Dieser Kurzfilm ist mein zweitliebster. 

„Homemade“ ist seit dem 30.06.20 auf Netflix abrufbar. Da dieses Filmprojekt den Zusatz „Volume 1“ bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass die Kurzfilm-Reihe fortgesetzt wird. Darauf freue ich mich schon.

Trailer zu sehen: 

Netflix – Film: „Da 5 Bloods“

Ich habe mir folgenden Netflix-Film angeschaut:

 

„Da 5 Bloods“ (in D. seit dem 12.06.20 auf Netflix abrufbar)  155 min  drama, war, action

dir. Spike Lee  cast: Delroy Lindo, Jonathan Majors, Clarke Peters, Norm Lewis, Isiah Whitlock Jr., Chadwick Boseman, Mélanie Thierry, Paul Walter Hauser, Jasper Pääkönen, Jean Reno, Johnny Tri Nguyen, Veronica Ngo

 

Jahrzehnte nach ihrem Einsatz im Vietnamkrieg treffen sich die vier „Bloods“, die ehemaligen afroamerikanischen Kriegsveteranen Paul (Delroy Lindo), Eddie (Norm Lewis), Otis (Clarke Peters) und Melvin (Isiah Whitlock Jr.) wieder in Vietnam. Sie wollen die sterblichen Überreste von Norman (Chadwick Boseman), dem fünften und Anführer, ihrer damaligen Einheit bergen. Bei der Mission begleitet David (Jonathan Majors) seinen, an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidenden, Vater Paul und den Rest der Truppe. Und dann ist da noch ein vergrabener Goldschatz…

 

B- (Wertung von A bis F) „Da 5 Bloods“ ist der neue Film des afroamerikanischen Filmemachers und Oscar-Gewinners Spike Lee („Do the Right Thing“, „Malcolm X“, „25th Hour“, Chi-Raq, BlacKkKlansman).

„Da 5 Bloods“ wird sicherlich – mit dem unerträglichen Mord an George Floyd und den daraus resultierenden Protesten in den Vereinigten Staaten und weltweit – zum nahezu perfekten Zeitpunkt veröffentlicht. Die Botschaft(en) in Spike Lees neuestem Werk fand ich eindringlicher und bleibender als den Film selbst. 

So richtig weiß man ja manchmal nicht, was Spike Lee eigentlich für eine Geschichte erzählen will bzw.  welchem Genre seine Filme überhaupt zuzuordnen ist. „Da 5 Bloods“ ist ein (Anti-)Kriegsfilm, Drama über Kriegsveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Vater/Sohn-Drama, ein recht blutiger Abenteuer- und Actionfilm, einen kleinen Liebesfilm-Anteil gibt es auch, zwischendurch mutet der Film auch mal wie eine Reportage an, ständig streut er nebenbei Informationen und historisches Archivmaterial über afroamerikanische Bürgerrechtler oder Helden ein und Donald Trump (oder wie Spike Lee ihn nennt „Agent Orange“) durfte natürlich auch nicht fehlen. Kurzum „Da 5 Bloods“ wirkt ganz schön überfrachtet und in den ersten ca. 57 Minuten recht unaufgeräumt.

Mit seinem ersten Netflix-Film setzt Spike Lee ein klares politisches Statement, wie sinnlos und unmoralisch der Vietnam-Krieg war, wie wenig sich die amerikanische Regierung um die traumatisierten Rückkehrer gekümmert hat, dass gerade afroamerikanische Soldaten als Kanonenfutter herhalten mussten, aber in amerikanischen Mainstream-Filmen oder TV-Serien nie als Helden gefeiert wurden. Er zeigt auch den Zusammenhang vom Vietnamkrieg und Rassismus auf.

Die instrumentale Filmmusik (Terence Blanchard) empfand ich als zu dick aufgetragen. Manchmal passt der Score nicht mal zu den Szenen. Das ist mir bereits im ersten Akt, in der Szene, in der die kämpfenden GIs in der Rückblende gezeigt wurden, aufgefallen. Für die Rückblenden verändert Spike hier das Bildschirm/Leinwand-Format, lässt aber die alten Kriegsveteranen Paul, Eddie Otis und Melvin neben ihrem jungen, und später im Krieg gefallenen, Anführer Norman in den Szenen spielen. Das wirkt zunächst irritierend, man kann es jedoch auch so interpretieren, dass die Grausamkeit des Krieges die Männer bis heute nicht losgelassen hat.

Erkennbar ist Spike Lees neuester Film auch eine Hommage an die Filme „Apocalypse Now“ und „The Treasure of the Sierra Madre“, an die Band „The Temptations“ (allein die Namen der Protagonisten entsprechen denen der Bandmitglieder) und auch an Marvin Gaye.   

Schauspielerisch ist dieser Film durch die Bank hervorragend besetzt. Wenn jemand aus diesem Ensemble besonders positiv hervorsticht, ist es Delroy Lindo. Spike Lee nutzt in seinem Film die unterschiedlichsten Stilmittel, als Delroy Lindos „Paul“ die vierte Wand durchbricht und zu seinem Monolog ansetzt, musste ich schon schlucken. Eine Oscar-Nominierung (ob als beste Neben- oder Hauptdarsteller sei dahingestellt) würde ich befürworten. Ein Wiedersehen gibt es hier auch mit Paul Walter Hauser und Jasper Pääkönen aus „BlacKkKlansman“.

„Da 5 Bloods“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller (Delroy Lindo), Beste Nebendarsteller (Clarke Peters, Jonathan Majors) und einige technische Kategorien

Der Netflix-Film „Da 5 Bloods“ sollte erstmalig auf dem Cannes Filmfestival 2020 (außerhalb des Wettbewerbs) gezeigt werden. Durch die Corona-Krise wurde dieses Filmfestival ersatzlos gestrichen. Angedacht war, den Film im Mai oder Juni 2020 ins Kino zu bringen. Corona-bedingt waren jedoch die  Kinos geschlossen, entsprechend wurde der Film direkt auf Netflix zugänglich gemacht. Seit dem 12.06.20 ist er auf diesem Streamingportal – auch in Deutschland – abrufbar. Es ist aber davon auszugehen, dass Netflix „Da 5 Bloods“ mindestens in einem ihrer jüngst gekauften Kinos in Los Angeles und New York dieses Jahr (bzw. bis zum 28.02.21) noch mal auf der großen Leinwand präsentieren wird. 

Trailer zu sehen:

 

TV – Serie: „Hollywood“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

 

„Hollywood“ (auch in D. seit dem 1.5.20 auf Netflix zu sehen)  7 x approx. 50 min.   drama, alternate history 

dir. Ryan Murphy, Daniel Minahan, Michael Uppendahl, Janet Mock, Jessica Yu cast: Darren Criss, David Corenswet, Laura Harrier, Jake Picking, Jeremy Pope, Jim Parsons, Samara Weaving, Joe Mantello, Dylan McDermott, Holland Taylor, Patti LuPone, Queen Latifah, Michelle Krusiec, Maude Apatow, Mira Sorvino, Rob Reiner

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchen ein paar aufstrebende Schauspieler, ein Drehbuchautor und ein Filmemacher ihr Glück in Hollywood… 

 

B (Wertung von A bis F) Serienschöpfer des Netflix-Mehrteilers „Hollywood“ sind der amerikanische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Ian Brennan (u.a. TV-Serie „Glee“ und „Scream Queens“) und Ryan Murphy, der Serienschöpfer von so vielen TV-Projekten (u.a. „Nip/Tuck“, „Glee“, „American Horror Story“, The People v. O. J. Simpson: American Crime Story, Feud: Bette and Joan, The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story, Pose). 

Wie The Man in the High Castle und The Plot Against America gehört auch „Hollywood“ dem Genre der Alternativen Welt- (hier mehr Film-)geschichte an. Ryan Murphy nennt seine neue Miniserie „faction“, eine Mischung aus Fakten und Fiktion. 

Wie hätte sich Hollywood (und damit sicher auch die amerikanische Gesellschaft) vielleicht grundlegend verändert, wenn bereits in den 1940er Jahren die Einflussreichen etwas mehr Mut bewiesen hätten? Was wäre, wenn im Nachkriegshollywood eine Frau eines der großen Hollywood-Studios geleitet hätte und noch dazu, einfach ein Risiko eingegangen wäre? Was wäre, wenn Homosexuelle in der Goldenen Ära Hollywoods offen mit ihrer Sexualität umgegangen wären oder eine schwarze Schauspielerin im Jahr 1947 für eine Hauptrolle in einem großen Studiofilm besetzt worden wäre? 

In diesem Wunschtraum, diesem Märchen, das hier erzählt wird vermischen sich fiktive Charaktere und teils überzogene Versionen von realen Persönlichkeiten. So gab es bekanntermassen u.a. natürlich den Filmemacher George Cukor (Filme wie „The Philadelphia Story“, „Gaslight“ und Oscar-Gewinner für „My Fair Lady“ ), den Filmstar Rock Hudson, die erste dunkelhäutige Oscar-Gewinnerin Hattie McDaniel („Gone with the Wind“), die talentierte chinesisch-amerikanische Schauspielerin Anna May Wong, die seinerzeit sicherlich die perfekte Besetzung der chinesische Bäuerin in „The Good Earth“ gewesen wäre (die Rolle ging jedoch – wie es seinerzeit üblich war – an eine Weiße. Die deutsche Schauspielerin Luise Rainer gewann für die Rolle sogar den Oscar). Es gab aber auch den schmierigen und übergriffigen Hollywood-Agenten Henry Wilson und selbst den Zuhälter Scotty Bowers (in dieser Serie hat er den Namen Ernie West). Erst kürzlich habe ich die sehr sehenswerte Doku „Scotty and the Secret History of Hollywood“ gesehen. Scotty Bowers hat viele (insbesondere bi- und homosexuelle) Hollywoodstars junge Männer und Frauen „vermittelt“. Es gab übrigens auch die Schauspielerin Peg Entwistle, die sich in den 1930er Jahren vom „H“ des berühmten Hollywood(land)-Schriftzug in den Tod stürzte. Der fiktive Film, der in diesem Mehrteiler gedreht werden soll, basiert auf ihr Leben.

Ryan Murphys Tinseltown-Projekt konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Schwer fiel es mir auch nicht, in seine Wunschwelt einzutauchen. Der Mehrteiler zeigt, wie Hollywood im Studiosystem funktionierte, Schauspieler, Autoren, Regisseure, die exklusiv bei einem Major (hier das fiktive Studio Ace Studios) unter Vertrag standen. Ich liebe einfach generell alte Hollywood-Geschichten und den Glanz und Glamour, die die Verfilmungen meist ausstrahlen. Auch wenn diese Miniserie durchweg unterhaltsam ist, ein paar klasse Szenen und kreative Ideen bereithält. hätte „Hollywood“ in meinen Augen noch besser sein können. Dafür gibt es hier einfach zu viele Charaktere, die eingeführt werden. Jeder für sich hat eine eigene, meist gute Story, irgendwann brennt man für diese Charaktere, aber allgemein wirkt dieser Mehrteiler dadurch etwas überladen. Auch gibt es in meinen Augen ein paar Drehbuchschwächen (nicht sonderlich interessant fand ich die familiäre Story um Jack Castello und nicht besonders lebensnah erschien mir das Gespräch von Avis Amberg mit der Geliebten ihres Mannes, Ellens plötzliches Interesse an Richard „Dick“ Samuels und ihre Annäherungsversuche und auch Henrys kreative Einflussnahme). Dafür liebe ich das traum- und märchenhafte Ende von „Hollywood“.

Meine Lieblingsepisode: Wie sollte es anders sein: Episode 7 („The Hollywood Ending“) Es geht um die Oscars. Auch wenn mich hier störte, dass das Wording bei der Oscar-Verleihung nicht korrekt war, seinerzeit hieß es immer: „And the the winner is…“ und nicht „And the Oscar/the Academy Award goes to…“ 

Meine Lieblingsszene: In Episode 7 („The Hollywood Ending“) Hattie McDaniels rührende Geschichte rund um ihren Oscar und ihre eindringlichen Worte an die aufstrebende, afroamerikanische Schauspielerin Camille Washington. (Queen Latifah als Hattie McDaniel ist exzellent)

Meine Lieblingscharaktere:  

Richard „Dick“ Samuels ist leitender Produzent bei Ace Studios. Ein älterer feiner, in sich gekehrter Herr, der sich nicht traut, seine Homosexualität auszuleben. Dick habe ich ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Die ganze Geschichte um ihn ist auch herzzerreißend. Dick Samuels ist ein fiktiver Charakter. Gespielt wird er von dem amerikanischen Theaterschauspieler- und Regisseur Joe Mantello. 

 Henry Wilson ist der mächtige Hollywood Agent. Ich mag seine Figur einfach, weil sie so schön schrill und fies ist. Er ist schlagfertig und hat eine herrlich spitze Zunge. Ihn gab es wirklich. Henry Wilson hat sich junger Schauspieler angenommen, sie in großen Filmprojekten besetzt, aber dafür auch sexuelle Gegenleistungen gefordert. Den jungen Rock Hudson hatte er tatsächlich auch unter Vertrag, ihm auch erst seinen Namen gegeben und ihn zum großen Star gemacht. Mit einer Ausnahme (seiner exzentrischen Tanzeinlage in Episode 3 „Outlaws“ ) liebe ich Jim Parsons Verkörperung von Henry Wilson. Für diese Performance müsste er eigentlich den Emmy gewinnen. Bekannt wurde Jim Parsons durch seine Rolle in „The Big Bang Theory“

Nicht gleich erkannt habe ich Dylan McDermott als Tankstellenbesitzer und Zuhälter Ernie West, aber auch nicht Rob Reiner als Studiochef Ace Amberg und Mira Sorvino als ältere Schauspielerin, alle Drei sind aber auch schauspielerisch hervorzuheben. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Rock Hudson a.k.a. Roy Fitzgerald (bzw. in der Realität Roy Harold Scherer, Jr.) ist ein einfacher Junge aus der Provinz. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er nach Hollywood gekommen, um seinen Traum zu verwirklichen. Irgendwann kommt er bei dem schmierigen Talentscout und Hollywood-Agenten Henry Wilson (gespielt von Jim Parsons) unter Vertrag. Rock Hudson ist schwul und verliebt sich hier irgendwann in den schwarzen Drehbuchautor Archie Coleman (gespielt von Jeremy Pope). In der Realität war Rock Hudson einer der größten Stars der 1950er und 1960er Jahre und auch bei dem Hollywood-Agenten Henry Wilson unter Vertrag. Frauenhelden spielte er besonders überzeugend und sprach nie öffentlich über seine Homosexualität. Er gab aber im Jahr 1985 – kurz vor seinem Tod – bekannt, dass er an AIDS erkrankt ist und war damit der offiziell erste Prominente, der der damals noch relativ neuen Krankheit AIDS zum Opfer fiel. In „Hollywood“ wird Rock Hudson von dem, in Deutschland geborenen amerikanischen Schauspieler Jake Picking gespielt. Er hat bereits in einigen Kinofilmen (The Way, Way Back, Patriots Day, Sicario: Day of the Soldado) mitgespielt. 

Jack Castello ist mit seiner Frau (gespielt von Maude Apatow) aus dem Mittleren Westen nach Los Angeles gekommen. Seine Frau ist schwanger und er in Geldnot. Er beginnt für Ernie (gespielt von  Dylan McDermott) als Gigolo zu arbeiten, aber eigentlich träumt er davon, es als Schauspieler in Hollywood zu schaffen. Jack Castello ist ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Jack Castello von dem amerikanischen Schauspieler David Corenswet. Er hatte schon TV-Auftritte in einigen Serien, in Ryan Murphys Serie „The Politician“ spielt er sogar eine Hauptrolle.. 

Camille Washington ist eine dunkelhäutige, äußerst talentierte junge Schauspielerin. Sie ist bei Ace Studios unter Vertrag. Camille ist ein fiktiver Charakter, hier ist sie außerdem die Freundin des talentierten Jungregisseurs Raymond Ainsley (gespielt von Darren Criss). Gespielt wird Camille Washington von dem ehemaligen Model und der Schauspielerin Laura Harrier. Ihren Durchbruch hatte die Schauspielerin als sich Peter Parker in sie (also Liz) in Spider-Man: Homecoming verliebte. Auch hat sie in BlacKkKlansman mitgespielt. 

Claire Wood ist eine hübsche, blonde junge Frau, die unbedingt Schauspielerin werden will. Sie will es ohne ihren berühmten Namen schaffen und so hat die Tochter des Studiochefs Ace Amberg (gespielt von Rob Reiner) ihren Namen geändert. Claire ist auch ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Claire von der australischen Schauspielerin Samara Weaving. Sie hat schon in einigen TV-Serien („Home and Away“, „Ash vs Evil Dead“, „SMILF“) und in ein paar Kinofilmen (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Ready or Not“) mitgespielt. Der bekannte, englische Schauspieler Hugo Weaving ist Samaras Onkel. 

Archie Coleman ist ein afroamerikanischer Drehbuchautor. Bereits sein erstes Drehbuch wird hochgehandelt. Archie ist schwul und arbeitet anfänglich für den Tankstellenbesitzer und Zuhälter Ernie West (gespielt von Dylan McDermott). Dabei lernt er Roy Fitzgerald, a.k.a. Rock Hudson (gespielt von Jake Picking) kennen und lieben. Archie Coleman ist auch ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Archie Coleman von dem ziemlich tollen amerikanischen Theaterschauspieler Jeremy Pope. Der 27-jährige Schauspieler hat bereits zwei Tony-Nominierungen (für seine Performances in dem Bühnenstück „Choir Boy“ und dem Musical „Ain´t Too Proud“) und bald vielleicht schon eine Emmy- und irgendwann auch eine Oscar-Nominierung, da bin ich mir ziemlich sicher.  

Raymond Ainsley ist ein talentierter Jungregisseur, der bei Ace Studios unter Vertrag steht. Raymond hat selbst philippinische Wurzeln und lebt mit seiner Freundin, der dunkelhäutigen Schauspielerin Camille Washington (gespielt von Laura Harrier), zusammen. Auch er ist ein fiktiver Charakter. Gespielt wird Raymond Ainsley von dem amerikanischen Theater- und TV-Schauspieler und Sänger/Songwriter Darren Criss. Bekannt wurde Darren Criss durch die TV-Serie „Glee“, für einen seiner Songs in dieser Serie wurde er für den Emmy nominiert. Für seine Performance in The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story hat er einen Emmy gewonnen.

„Hollywood“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series/Movie, Best Actor/Actress/Supporting Actor/Atcress for a Limited Series/Movie Jim Parsons, Joe Mantello, Darren Criss, Jeremy Pope, Patti Lupone, Holland Taylor Update: „Hollywood“ wurde für 12 Emmys nominiert (darunter Best Actor/Limited Series für Jeremy Pope, Best Supporting Actor/Limited Series für Dylan McDermott und Jim Parsons, Best Supporting Actress/Limited Series für Holland Taylor, ansonsten nur technische Kategorien)

„Hollywood“ ist seit dem 1.5.20 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

Netflix – Film: „The Two Popes“

Ich habe mir folgenden Film über Netflix angeschaut: 

 

„The Two Popes“  (dt. Filmtitel „Die zwei Päpste“, seit dem 20.12.19 weltweit auf Netflix zu sehen)  125 min  drama, comedy, biopic 

dir. Fernando Meirelles   cast: Jonathan Pryce, Anthony Hopkins

 

Im Jahr 2005 wurde Kardinal Ratzinger (Anthony Hopkins) zum Papst gewählt. Sieben Jahre später plant der argentinische Kardinal Bergoglio (Jonathan Pryce), in den Ruhestand zu gehen. Er bittet Papst Benedikt XVI. darum, sein Rücktrittsgesuch zu akzeptieren. Kardinal Bergoglio erhält stattdessen aber eine Einladung, den Papst in seiner Sommerresidenz zu besuchen…

 

B- (Wertung von A bis F) „The Two Popes“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Ein Treffen zwischen Papst Benedikt XVI und dem argentinischen Kardinal Bergoglio fand aber wohl erst ein Jahr später, als Papst Benedikt XVI bereits zurückgetreten ist und Kardinal Bergoglio zum neuen Papst gewählt wurde, statt. Es ist der neue Film des brasilianischen Filmemachers und Drehbuchautos Fernando Meirelles („City of God“, „The Constant Gardener“, „Blindness“, 360). Das Drehbuch stammt von dem neuseeländischen Roman- und Sachbuchautor Anthony McCarten. Er hat auch die Vorlagen zu den Filmen The Theory of Everything, Darkest Hour und Bohemian Rhapsody geschrieben. 

Nahezu perfekt ist der Film, wenn er sich auf die beiden alten (Kirchen-) Männer mit ihren unterschiedlichen Ansichten konzentriert. Könnte es sich nicht genau so zugetragen haben? Die Szenen, in denen man sie einzeln sieht und all ihre Zusammentreffen fühlen sich authentisch an. Die Dialoge sind brillant und mitunter überraschend witzig. Die Performances lassen einen sogar vergessen, hier eigentlich Schauspieler zu sehen. Als ich den Film gedanklich schon auf meine Top Ten Liste gesetzt habe, kam die erste Rückblende, die sich mit Kardinal Bergoglios Vergangenheit beschäftigte und es sollte nicht die letzte sein. Ein richtig gutes Drehbuch hätte darauf verzichtet und das, was es mit den Flashbacks aussagen wollte, in die Dialoge eingebaut. Eigentlich ist „The Two Popes“ auch an Anthony McCartens eigenes Theaterstück angelehnt. 

Jonathan Pryce hat eine frappierende Ähnlichkeit mit Kardinal Bergoglio, dem späteren Papst Franziskus. Auch für Nicht-Gläubige wie mich ist der sich volksnah und menschlich präsentierende Geistliche eindeutig der Sympathieträger des Films. Eine Performance besteht aber immer auch aus Stimme und Sprache und gerade hier konnte Anthony Hopkins mit seinem nuancierten Spiel bei mir etwas mehr punkten. Letztlich interpretieren aber sowohl Anthony Hopkins als auch Jonathan Pryce die beiden Kirchenmänner auf eine Art, die einer Oscar-Performance gleichkommt. 

„The Two Popes“ ist einer der vier Netflix-Produktionen (The Irishman, Marriage Story und „Dolemite is My Name“), der in diesem Jahr für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch ist. „The Two Popes“ u.a. für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Jonathan Pryce), Bester Nebendarsteller (Anthony Hopkins), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien Update: „The Two Popes“ wurde für drei Oscars (Bester Hauptdarsteller (Jonathan Pryce), Bester Nebendarsteller (Anthony Hopkins) und Bestes adaptiertes Drehbuch nominiert. 

„The Two Popes“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2019 gezeigt. Der Netflix-Film läuft seit am 27.11.19 in ein paar ausgewählten amerikanischen Kinos und wurde auch ab dem 5.12.19 vereinzelt im deutschen Kino gezeigt. Seit dem 20.12.19 ist der Film weltweit auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

San Francisco – Film: „Marriage Story“

Ich war am 20.11.19 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Marriage Story“ (in D. seit dem 21.11.19 im Kino, ab dem 6.12.19 dann auf Netflix zu sehen)  136 min  drama, comedy

dir. Noah Baumbach cast: Adam Driver, Scarlett Johansson, Laura Dern, Alan Alda, Ray Liotta, Merritt Wever, Mickey Summer, Azhy Robertson, Julie Hagerty, Martha Kelly 

 

Der New Yorker Theaterregisseur Charlie (Adam Driver) und seine Ehefrau, die Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson), haben beschlossen, sich zu trennen. Nicole hat kürzlich eine Rolle in einem Pilotfilm für eine TV-Serie angenommen und will mit dem gemeinsamen achtjährigen Sohn Henry (Azhy Robertson) zurück zu ihrer Mutter (Julie Hagerty) und Schwester (Merrit Wever) nach Los Angeles ziehen… 

 

B (Wertung von A bis F) „Marriage Story“ ist der neue Film des New Yorker Drehbuchautors und Filmemachers Noah Baumbach (Margot at the Wedding, Frances Ha, While We´re Young, De Palma, The Meyerowitz Stories ). Noah Baumbach hat sich für sein Drehbuch von den Scheidungen befreundeter Paare, aber auch von seiner eigenen Scheidung mit der Schauspielerin Jennifer Jason Leigh inspirieren lassen. 

„Marriage Story“ ist ein Film über den schwierigen Prozess einer Scheidung. Charlie und Nicole sind zwei Kreative, die eine sehr enge Bindung haben. Seinetwegen ist sie damals von Los Angeles nach New York gezogen, sie, die Schauspielerin hat ihren Mann, den Theaterregisseur, immer unterstützt und ihre eigene Filmkarriere dabei schleifen lassen. Jetzt ist ihre Beziehung gescheitert, sie will mit dem gemeinsamen Sohn zurück nach Los Angeles ziehen. Der Film ist sicherlich auch eine Aufarbeitung der gemeinsamen Zeit von Nicole und Charlie mehr aber, wie man jetzt mit der Situation umgeht, dass beide ein gemeinsames Kind und einen unterschiedlichen Lebensmittelpunkt (New York und Los Angeles) haben. 

Bei seiner Erzählung verzichtet Noah Baumbach beinahe gänzlich auf Rückblenden. Gleich zu Beginn hören wir, die von dem Therapeuten initiierten Auflistungen, was Nicole und Charlie aneinander schätzen und lieben und entsprechend sind wir als Zuschauer im Bilde, was das für eine große Liebe war. Jetzt haben sie sich aber auseinandergelebt, die Trennung ist beschlossen und eigentlich sollte es eine harmonische werden. Es geht aber um das Sorge- und Besuchsrecht des achtjährigen Sohnes und schon bald stehen Anwälte am Start. Noah Baumbach versucht mit seiner Liebes- und Trennungsgeschichte, keine Partei zu ergreifen. Er erzählt seine Geschichte aus beiden Perspektiven, wobei die Sichtweise von Charlie sicherlich etwas überwiegt. Auch wenn es sich vielleicht ungewöhnlich anhört, ich habe mich dabei erwischt, mehr auf Charlies Seite zu stehen. Er war sicherlich nicht der perfekte Ehemann, im Scheidungsprozess nehme ich ihn aber als liebevollen Vater wahr, der sich bemüht, die Scheidung friedlich über die Bühne zu bringen –   nicht einfach, wenn Anwälte im Spiel sind.

„Marriage Story“ ist ein intensives Drama, das aber auch die Absurdität, die eine Scheidung mit sich bringen kann, darlegt. Sein auf 35mm-Film gedrehtes Drama lebt durch sein exzellentes Drehbuch und seine, durch die Bank authentischen Performances. Ich hätte mir gewünscht, die Geschichte etwas mehr als Film arrangiert zu sehen. Den kargen Regiestil (wenn man überhaupt davon sprechen kann, wenn eine, bzw. mehrere Kameras einfach aufgestellt wurden – so wirkte es auf mich jedenfalls) fand ich etwas dürftig. 

Adam Driver liefert für mich hier drei Oscar-Szenen (Teppichmesser-Sequenz, seine Interpretation des Songs „Being Alive“ und wenn er gegen Ende des Films mit seinem Sohn gemeinsam „etwas“, kein Spoiler an der Stelle, vorliest), aber auch Scarlett Johansson (der diese Kurzhaar-Frisur nicht gerade schmeichelt), Laura Dern, Ray Liotta, Alan Alda (auch wenn mich seine zitternde Hand etwas ablenkte) sind zu Recht für Oscar-Nominierungen im Gespräch. Als Bereicherung für den Film sehe ich aber auch die Schauspieler Julie Hagerty, Merritt Wever und besonders Martha Kelly als Evaluatorin. 

In meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen 2020 hatte ich mich für „Marriage Story“ als Oscar-Gewinner-Film entschieden. Das sehe ich, nachdem ich den Film gesehen habe, etwas anders. Davon abgesehen, gibt es seit gestern (23.11.19) auch mit Sam Mendes´Film „1917“ einen neuen Top-Oscar-Anwärter. „Marriage Story“ wird aber sicher für die meisten Kategorien, für die er im Gespräch ist, nominiert. Gewinnen könnte er meines Erachtens jedoch nur für Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch und vielleicht Bester Hauptdarsteller (Adam Driver).

„Marriage Story“ ist dieses Jahr einer der vier Netflix-Filmen (The Irishman, „The Two Popes“, „Dolomite is my Name“), der immer noch im Rennen für wichtige Oscar-Nominierungen steht. Der Film ist im Gespräch für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Adam Driver), Beste Hauptdarstellerin (Scarlett Johansson), Bester Nebendarsteller (Alan Alda, Ray Liotta), Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt  Update: „Marriage Story“ wurde für 6 Oscars nominiert (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Scarlett Johansson), Bester Hauptdarsteller (Adam Driver), Beste Nebendarstellerin (Laura Dern), Bestes Originaldrehbuch und Beste Filmmusik) Update: „Marriage Story“ hat einen Oscar (Beste Nebendarstellerin, Laura Dern) gewonnen. 

„Marriage Story“ wurde erstmalig auf dem Venice Film Festival 2019 gezeigt. Der Film wurde am 6.11.19 in fünf Kinos in den Vereinigten Staaten gestartet, die darauffolgende Woche war der Film dann in 16 amerikanischen Kinos landesweit zu sehen. Seit dem 21.11.19 ist der Film auch in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen. Ab dem 6.12.19 ist „Marriage Story“ dann weltweit auf Netflix abrufbar. 

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Waves„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Trey Edward Shults neuer Film, Oscar-Film, soweit ich gehört habe. Dem Trailer nach ist er dem Oscar-Gewinner-Film „Moonlight“ nicht unähnlich.

Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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Trailer v. Film: „63 Up„

Bewertung des Trailers: B+

Kommentar: Dokumentation 

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 


Trailer v. Film: „The Song of Names„

Bewertung des Trailers: B

Kommentar: Romanadaption mit Tim Roth und Clive Owen

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Atlantics„

Bewertung des Trailers: B-

Kommentar: senegalesisches Drama „Atlantique“, dass in Cannes den Großen Preis der Jury gewonnen hat. Netflix-Film

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht  

 

Das Clay Theatre in Frisco zeigt den Netflix-Film "Marriage Story"
Das Clay Theatre in Frisco zeigt den Netflix- Film „Marriage Story“

NYC – Film: „The Irishman“

Ich war am 27.09.19 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Irishman“ (ab dem 14.11.19 in Deutschland im Kino zu sehen, ab dem 27.11.19 weltweit auf Netflix abrufbar)   209 min    drama, crime, biopic, adaptation 

dir. Martin Scorsese  cast: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Harvey Keitel, Bobby Cannavale, Anna Paquin, Ray Romano, Jesse Plemons

 

Frank „The Irishman“ Sheeran (Robert De Niro) ist alt und einsam und blickt zurück auf sein Leben…

 

B+ (Wertung von A bis F) „The Irishman“ basiert auf Charles Brandts True Crime Bestseller „I Heard You Paint Houses“. Es ist der 26. Kinofilm des New Yorker Filmemachers Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „Goodfellas“, „The Departed“, Shutter Island, Hugo, The Wolf of Wall Street, Silence). Das Drehbuch zu „The Irishman“ hat der amerikanische Filmemacher („A Civil Action“, TV-Serie „The Night Of“) und Drehbuchautor („Schindler´s List“, „Gangs of New York“, Moneyball) Steve Zaillan geschrieben. 

„The Irishman“ ist eine Adaption von Charles Brandts Buch „I Heard You Paint Houses“. Für sein Buch hatte Brandt über einen Zeitraum von fünf Jahren den Mafia-Killer Frank „The Irishman“ Sheeran befragt. In der Mafia-Sprache umschreibt der „house painter“ einen Auftragskiller. „I Heard You Paint Houses“ waren die ersten Worte, die der legendäre amerikanische Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa zu Frank Sheeran sagte. 

Der von Robert De Niro gespielte Frank Sheeran ist ein alter, einsamer Mann, der in einem Pflegeheim lebt, wenn wir als Zuschauer das erste Mal auf ihn treffen. Der Zweite-Weltkriegsveteran erzählt von dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Mafia-Boss Russell Bufalino (gespielt von Joe Pesci) und, wie er dann begann, als Auftragskiller für die Mafia zu arbeiten. Irgendwann freundete sich Sheeran dann mit dem Gewerkschaftspräsidenten Jimmy Hoffa (gespielt von Al Pacino) an und arbeitete für ihn. Jimmy Hoffa hatte Verbindungen zur Mafia und verschwand im Jahr 1975 spurlos. Was es damit auf sich hatte, erfahren wir und auch, was das alles für Auswirkungen auf Sheerans Privatleben hatte. 

„The Irishman“ ist auf der einen Seite ein gelungenes Mafia-Epos und auf der anderen Seite eine ehrliche und am Ende auch rührende Charakterstudie über den titelgebenden Charakter. Auch wenn sich die Laufzeit von 3 1/2 Stunden recht lang anhört, war ich überrascht, wie wenig ich die Länge gespürt habe. Wenn ich an den Film zurückdenke, fallen mir als erstes die brillanten und witzigen Dialoge ein (allein für den „Fisch-Dialog im Auto“ würde ich mir den Film jetzt, sofort nochmal anschauen), dann die sehr starken letzten, vielleicht dreißig Minuten des Films, die vielen exzellenten Kamerafahrten und -einstellungen, Zeitlupen-Szenen und nicht zuletzt die Performances von Joe Pesci, Ray Romano, Al Pacino und Robert De Niro (letzterer insbesondere als alter Mann). „The Irishman“ spielt über vier Zeitebenen, zeigt Pesci und De Niro über einen Zeitraum von über 40 Jahren. Mit einer sehr aufwendigen und teuren Verjüngerungstechnik, an die man sich erst gewöhnen muss, die sich aber am Ende auszahlt, sehen wir die Charaktere in unterschiedlichen Stadien ihres Lebens. Mit dem jüngeren De Niro bzw. Frank Sheeran hatte ich meine Probleme. Naja eigentlich haben mich nur seine stahlblauen, glasigen Augen irritiert und manchmal hat mich auch sein wächsern wirkendes Gesicht etwas zu sehr abgelenkt. Zwei Mal musste ich mir kurz die Augen reiben, weil ich glaubte, in Joe Pesci (den ich eigentlich für einen der coolsten Typen des Planeten halte) plötzlich Gollum aus den „The Lord of the Rings“-Filmen gesehen zu haben.

Al Pacino neigt oft zur Übertreibung in seinem Spiel. Hier spielt er den stoischen Hitzkopf Jimmy Hoffa und ich wüsste keinen Schauspieler, der ihn besser hätte spielen können. Wenn er auf der Leinwand zu sehen ist, ist es fraglos sein Film. In den besten, bzw. witzigsten Szenen ist er meist beteiligt. Gegen Al Pacino geben Joe Pesci und De Niro eine sehr zurückgenommene Performance. Alle drei Schauspieler qualifizieren sich aber für den Oscar. Es ist wunderbar zu sehen, wie Pacino und De Niro, die in den letzten Jahren auch viele Schrottfilme drehten, jetzt mit 79 bzw. 76 Jahren noch einmal das zeigen, was sie eigentlich drauf haben. Das, wofür sie von vielen, wesentlich jüngeren Schauspielern noch heute so verehrt werden. Auch hervorragend, in einer kleineren Rolle, haben mir Ray Romano und Louis Cancelmi (der mit der Brille und dem Fisch in dem Auto) gefallen.

„The Irishman“ ist Martin Scorseses neunter Spielfilm mit Robert De Niro und der erste seit „Casino“ aus dem Jahr 1995. Seit Jahren suchten sie schon nach einem gemeinsamen Spielfilmprojekt. Als sie schließlich Charles Brandts Buch fanden, hatten sie Schwierigkeiten, eine Finanzierung für das Projekt zu bekommen. Ohne Netflix hätte es den teuersten und mit 3 1/2 Stunden längsten Scorsese-Film bis heute nicht gegeben. Der Film sollte ursprünglich 100 Millionen Dollar kosten, die Produktionskosten sind aber irgendwann explodiert (man spricht von 175 Millionen Dollar), wobei ein Großteil davon in die ausgeklügelte, digitale De-Aging-Technik floß. 

Joe Pesci wollte eigentlich immer als Musiker arbeiten, konnte aber sein Geld nur mit der Schauspielerei verdienen. Eines Tages riefen Robert De Niro und Martin Scorsese an, verpflichteten ihn für den Film „Raging Bull“. Mit „Goodfellas“ (für seine Performance gewann Pesci den Oscar) und „Casino“ gab es zwei weitere Filme, bei denen die Drei zusammenarbeiteten. Joe Pesci beendete im Jahr 1999 dann offiziell seine Filmkarriere. Auch wenn er hin und wieder mal in dem ein oder anderen Film einen Kurzauftritt hatte, erschien ihm kein Rollenangebot attraktiv genug, wieder eine größere Rolle in einem Film anzunehmen. Nach Angaben von De Niro und Scorsese mussten sie auch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, damit Joe Pesci ein weiteres Mal mit den beiden Ikonen in „The Irishman“ zusammenarbeitete. Für Al Pacino ist es, man glaubt es kaum, seine erste Kooperation mit Martin Scorsese.

„The Irishman“ ist natürlich bereits auf dem Papier ein Oscar-Anwärter. Scorsese, De Niro, Pacino, Pesci, Paquin, Drehbuchautor Steven Zaillian – alles Oscar-Preisträger. Ein Mafia-Epos ist etwas, was man mit dem Alten Hollywood verbindet. Ich weiß nicht, ob so ein Film es noch in der heutigen Zeit schafft, den Oscar tatsächlich zu gewinnen. „The Irishman“ wäre vielleicht der letzte Film dieser Art, der das könnte. Die Oscar-Gewinner-Filme der letzten Jahre waren alle nicht mehr sonderlich lang. In der Vergangenheit gab es aber einige Oscar-Gewinner-Filme mit einer Laufzeit von um die 200 Minuten, dazu gehören „Lord of the Rings: The Return of the King, „Titanic“, „The Godfather, Part II“ und etwas länger her „Ben Hur“ und natürlich „Gone with the Wind“. Nun ist „The Irishman“ ein Film von Netflix, die haben seit Roma die besten Oscar-Strategen der Branche am Start. Sie sind auch bei den letzten Oscars sehr weit gekommen, bis… (lassen wir das). Dieses Jahr haben sie mit „The Irishman“, „Marriage Story“, „The Two Popes“ und den jeweiligen Schauspieler einige Hochkaräter in petto. Auch werden sie eine Oscar-Kampagne für Eddie Murphy für seine Performance in „Dolemite is My Name“ führen. Auf welchen Film Netflix ihr Hauptaugenmerk setzt, wird sich zeigen. Im Moment (Anfang Oktober 19) sieht es aus, als ginge der Oscar für den Besten Film an Scorseses „The Irishman“, Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ oder Noah Baumbachs „Marriage Story“ – aber das kann sich auch noch ändern. 

„The Irishman“ ist einer meiner Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

„The Irishman“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Robert De Niro), Bester Nebendarsteller (Al Pacino, Joe Pesci), Beste Nebendarstellerin (Anna Paquin), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien Update: „The Irishman“ wurde für 10 Oscars nominiert (Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Joe Pesci und Al Pacino), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt und Beste visuelle Effekte)

„The Irishman“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist im Verleih des Streaming Portals Netflix und soll ab dem 1.11.19 In einigen ausgewählten Kinos in den Vereinigten Staaten zu sehen sein. Ich habe den Film am Eröffnungstag auf dem NYFF57 gesehen. Der Film war ursprünglich mit vier Vorstellungen für den 27.09.19 geplant. Aufgrund der riesigen Nachfrage des, in der Weltpremiere gezeigten Films, wurden aber immer mehr Vorstellungen hinzugefügt. Der Film soll ab dem 14.11.19 auch in ein paar ausgewählten deutschen Kinos gezeigt werden und ist dann ab dem 27.11.19 weltweit auf Netflix abrufbar. 

Trailer zu sehen:

 

NYFF57 Opening Afternoon Screening von "The Irishman"
NYFF57 Opening Afternoon Screening von „The Irishman“
NYFF 57, Opening Night, Film: „The Irishman“

Vor unserer 15.45 Uhr-Vorstellung gab es in dem Kino eine Pressevorführung. Während Joe Pesci und Al Pacino nach der PV an den enttäuschten Fans vorbei, in ihre Limousine huschten, gab Robert De Niro den dankbaren Fans bereitwillig Autogramme. 

Joe Pesci auf dem NYFF57 "The Irishman"
Joe Pesci auf dem NYFF57 „The Irishman“
Al Pacino auf dem NYFF57 „The Irishman“
Robert De Niro auf dem NYFF57 „The Irishman“

Netflix – TV-Serie: „When They See Us“

Ich habe mir folgenden Netflix-Mehrteiler angeschaut:

 

„When They See Us“ (seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen)  4 x approx. 70 min   drama, biopic 

dir. Ava DuVernay  cast: Jharrel Jerome, Asante Blackk, Caleel Harris, Ethan Herisse, Marquis Rodriguez, Vera Farmiga, Felicity Huffman, John Leguizamo, Famke Janssen, Niecy Nash, Aunjanue Ellis, Blair Underwood, Justin Cunningham, Jovan Adepo, Chris Chalk, Freddy Miyares, Marsha Stephanie Blake, Joshua Jackson

 

Am 19.04.1989 wurde eine 28-jährige, weiße Joggerin im New Yorker Central Park vergewaltigt und brutal misshandelt. Wie durch ein Wunder hat die Frau überlebt. Fünf dunkelhäutige Kinder im Alter von 14 bis 16 Jahren werden auf das Revier gebracht, stundenlang (ohne einen Erziehungsberechtigten) von den Polizisten verhört und unter Druck, zu einem Geständnis gezwungen. Bei den späteren Gerichtsverhandlungen werden Kevin Richardson (Asante Blackk), Antron McCray (Caleel Harris), Yusuf Salaam (Ethan Herisse), Raymond Santana (Marquis Rodriguez) und Korey Wise (Jharrel Jerome) schuldig gesprochen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der älteste der Teenager, der 16-jährige Korey Wise, landet sogar für vierzehn Jahre in einem Erwachsenengefängnis. Noch während Korey Wise seine Haftstrafe verbüsst, gesteht ein anderer Häftling, ein verurteilter Mörder, dass er die Joggerin im Jahr 1989 brutal überfallen, vergewaltigt und ihrem Schicksal überlassen hat. Die DNA-Tests beweisen, dass die Tat von diesem  Einzeltäter verübt wurde. Im Jahr 2003 wurde die Unschuld der Central Park Five bewiesen und die Urteile der Fünf aufgehoben. Nach einem, über elf Jahre andauernden Rechtsstreit wurde den fünf unschuldig verurteilten Männern eine Entschädigung von insgesamt 41 Millionen Dollar gezahlt. 

 

B+ (Wertung von A bis F) „When They See Us“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt von dem „Central Park Jogger Case“ aus dem Jahr 1989. Der Fall gilt als einer der größten Justizskandale der USA. Serienschöpferin und Regisseurin dieses Vierteilers ist die afroamerikanische Filmemacherin Ava DuVernay (Selma, 13th, „A Wrinkle in Time“). Kameramann der Miniserie ist Bradford Young (Ain´t Them Bodies Saints, Arrival, Where is Kyra?). 

„When They See Us“ ist zweifelsfrei harte Kost. Mir ging das Schicksal dieser Kinder sehr nah und ich habe eine solche Wut auf die amerikanische Polizei und Justiz bekommen, dass ich bei diesem Vierteiler immer wieder eine Pause einlegen musste. Darüberhinaus ist es mir aber auch schwergefallen, die Kinder/ bzw. späteren erwachsenen Männer und ihre Familien auseinanderzuhalten. Da ich dann aber die letzte Episode schlichtweg exzellent fand, habe ich mir alle vier Teile erneut angeschaut. Mit der zweiten Sichtung hat mir diese Miniserie auch noch besser gefallen. 

Dies ist ein Ensemble-Werk, bei dem alle Schauspieler zu dem Erfolg beitragen. Für mich sticht Freddy Miyares, der den älteren Raymond Santana spielt, vor allen Dingen optisch etwas heraus. Die preiswürdigstes Performance gibt – mit Abstand – Jharrel Jerome. Dieser Schauspieler brauchte zwei Castings, um die Serienschöpferin und Regisseurin Ava DuVernay davon zu überzeugen, dass er sowohl den naiven, leicht zurückgebliebenen 16-jährigen Jugendlichen, als auch den erwachsenen Korey Wise spielen kann. Damit ist er der Einzige der Fünf, der seinen Charakter als Teenager und als Erwachsener spielt. Was für eine Performance. Sollte die Mitglieder der TV-Academy bis zur finalen vierten Episode durchhalten – was eine gewisse Herausforderung darstellt – gewinnt Jharrel Jerome den Emmy in diesem Jahr. Jharrel Jerome ist ein Name, den man sich merken sollte.

Ava DuVernay ist eine politische Filmemacherin, so liess sie es sich auch nicht nehmen, den Part, den Donald Trump in dem Fall innehatte, zu zeigen. Der New Yorker Immobilienmogul hatte seinerzeit 85.000 Dollar für ganzseitige Zeitungsannoncen ausgegeben, in denen er sich für Wiedereinführung der Todesstrafe in New York stark machte. Mit anderen Worten: er forderte die Todesstrafe für die fünf (unschuldigen) Jugendlichen. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten wollte sich auf Anfrage dafür auch heute nicht entschuldigen. 

„When They See Us“ ist in seiner Inszenierung mitunter (beispielsweise bei der Musikauswahl) etwas zu aufdringlich. Ein manchmal etwas zurückgenommener Stil hätte diesem Mehrteiler nicht geschadet. 

 

In meinen Augen kann man das Leben nicht spoilern, dennoch eine kurze Spoilerwarnung für den Überblick auf die einzelnen Episoden: 

Part 1 Die Polizeiverhöre und daraus resultierenden Geständnisse zerstören von einem Moment auf den anderen das Leben der fünf Kinder.

Part 2 Sowohl Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft bereitet sich auf die Gerichtsverhandlungen vor. Schließlich: die eigentlichen Prozesse vor Gericht

Part 3 Die Zeit in der Jugendhaftanstalt für vier der Kinder und ihr späteres Leben als freie erwachsene Männer 

Part 4 Diese gesamte Episode ist dem ältesten der fünf unschuldig Verurteilten, Korey Wise, gewidmet. Da er bereits 16 Jahre alt war, ist er in einem Erwachsenengefängnis, dem berüchtigten Rikers Island (später in anderen Haftanstalten für Erwachsene) gelandet. Die Lebensgeschichte von Korey Wise hat mir fast das Herz gebrochen. Eine heftige Episode, aber für mich ganz klar die beste.

Spoilerwarnung zu Ende

 

Die sogenannten Central Park Five sind alle wichtige Charaktere in diesem Mehrteiler, dennoch möchte ich nur einen hervorheben, dem auch die letzte Episode gewidmet wurde:

Korey Wise ist sicherlich die tragischste Figur der „Central Park Five“. Er galt als keiner der Verdächtigen, hatte nur seinen 15-jährigen Kumpel Yusuf Salam auf das Polizeirevier begleitet. Korey Wise war der Einzige, der bereits 16 Jahre alt war und später nicht in Jugendhaft, sondern in ein Gefängnis für Erwachsene kam. Er hat eine furchtbare Mutter (hassenswert gespielt von Niecy Nash) und eine transsexuelle Schwester (gespielt von dem Transgender-Model Isis King), zu der er eine besondere Beziehung hat. Gespielt wird Korey Wise von dem afroamerikanischen Schauspieler Jharrel Jerome. Er hat bereits eine kleinere Rolle in dem, mit dem Oscar prämierten Film Moonlight gespielt. 

Zum Schluss dieses Mehrteilers erfährt man, wie die Central Park Five heute leben und sieht Originalfotos der Männer. 

Am 16.07.19 werden die Emmy-Nominierungen für das Jahr 2018/2019 bekanntgegeben. „When They See Us“ konkurriert mit Sharp Objects, True Detective, Escape at Dannemora, Fosse/Verdon „Chernobyl“ und „A Very English Scandal“ in einer Kategorie. 

„When They See Us“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, darunter Best Limited Series, Best Actor in a Limited Series/Movie (Jharell Jerome), Best Actress in a Limited Series/Movie (Niecy Nash, Aunjanue Ellis) Best Supporting Actress in a Limited Series/Movie (Vera Farmiga), Best Supporting Actor in a Limited Series/Movie (Michael Kenneth Williams) Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „When They See Us“ für 16 Emmys nominiert (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Jharrel Jerome), Lead Actress in a Limited Series (Niecy Nash, Aunjanue Ellis), Supporting Actor in a Limited Series (Asante Blackk, Michael K. Williams, John Leguizamo), Supporting Actress in a Limited Series (Vera Farmiga, Marsha Stephanie Blake)  „When They See Us“ geht damit mit den meisten Schauspiel-Nominierungen (8) ins Emmy-Rennen. Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

„When They See Us“ ist weltweit seit dem 31.05.19 auf Netflix zu sehen. 

Trailer zu sehen:

 

 

Netflix – Film: „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“

Ich habe mir folgenden Film auf Netflix (U.S.) angeschaut:

 

„Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ (in D. ab dem 4.7.19 auf DVD erhältlich)  109 min   drama, biopic, adaptation 

dir. Joe Berlinger  cast: Zac Efron, Lily Collins, Kaya Scodelario, Jeffrey Donovan, Dylan Baker, Jim Parsons, John Malkovich, Haley Joel Osment

 

Seattle im Jahr 1969. Die alleinerziehende Mutter Liz (Lily Collins) lernt den attraktiven Ted (Zac Efron) kennen. Die Beiden verlieben sich ineinander und kommen zusammen. Einige Jahre später verschwinden einige junge Frauen in Seattle. Ted Bundys Name landet irgendwann auf der Liste der Verdächtigen. Als im Bundesstaat Utah eine Frau ihrem Angreifer entkommen konnte und Ted später in einer Gegenüberstellung erkennt, landet er vor Gericht und wird wegen der Entführung sowie versuchten Mordes der Frau angeklagt. Liz glaubt zunächst weiter an seine Unschuld…

 

C+ (Wertung von A bis F) „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist eine Adaption von Elizabeth Kloepfers (unter dem Pseudonym Elizabeth Kendall), veröffentlichtem Buch „The Phantom Prince: My Life with Ted Bundy“. Der Filmtitel bezieht sich dabei auf die Aussage des Richters Richard E. Cowart, nachdem Ted Bundy schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde. Nach „Blair Witch 2“ ist dies erst der zweite Spielfilm, bei dem der amerikanische Dokumentarfilmer Joe Berlinger Regie führt. Nachdem Joe Berlinger mit dem Netflix-Mehrteiler Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes eine Dokumentation über Ted Bundy präsentierte, ist dies sein Spielfilm über den Serienmörder. 

Ted Bundy ist einer der bekanntesten Serienmörder der Vereinigten Staaten. Kurz vor seiner Hinrichtung hat er gestanden, über 30 Frauen getötet zu haben, wahrscheinlich waren es aber bis zu 100 Opfer. Bis heute weiß niemand, warum er die Frauen getötet hat. Der Spielfilm versucht nicht, darauf Antworten zu geben.

Der Spielfilm basiert auf den Memoiren von Elizabeth Kloepfer (a.k.a. Elizabeth Kendall) und konzentriert sich überwiegend auf die Beziehung, die die alleinerziehende Mutter mit dem Serienmörder hatte. Sie war mit Ted Bundy verlobt, hat sogar sechs Jahre mit ihm zusammengelebt und über viele Jahre an seine Unschuld geglaubt. „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ ist aber auch ein Porträt eines Soziopathen, der eine Fassade aufgebaut hat und durch seinen Charme und sein Charisma, Menschen manipulieren konnte. Was für eine Gefahr von diesem Mann ausging, kommt dabei nur in einer kleineren Sequenz am Ende des Spielfilms rüber. Wenn man nur diesen Film sieht und nichts über den Fall Ted Bundy weiß, kann man hier den Eindruck gewinnen, dass die Ereignisse für die Spielfilmversion dramatisiert wurden. Was Ted Bundys Lebenslauf angeht, hat sich vieles aber tatsächlich so zugetragen. Joe Berlinger möchte mit seinem Spielfilm vor allen Dingen zeigen, dass Monster nicht immer als solche erkennbar sind. Auch ein brutaler Frauenmörder kann normal und nett wirken. Der attraktive Ted Bundy wurde von vielen Frauen angehimmelt, selbst als er als Mehrfachmörder vor Gericht stand. Am Ende war die Beweislast zu groß, er konnte die Geschworenen durch seine beispiellose Show vor Gericht nicht blenden und wurde schuldig gesprochen. 

Auch wenn ich zuvor anderes gehört und gelesen hatte, ich konnte es nicht wirklich glauben, dass Zac Efron (also: DER Zac Efron) hier wirklich exzellent ist. Ist er aber tatsächlich. Er hat es sogar erstmalig geschafft hat, dass ich alles, was ich mit Zac Efron assoziiere, vergessen konnte. Für mich gibt er eine preiswürdige Performance. Seinetwegen (und auch wegen John Malkovich, der hier den Richter spielt) würde ich diesen, sonst eher langweiligen Spielfilm empfehlen.  Wer allerdings Interesse an Ted Bundy hat, dem möchte ich eher dazu raten, Joe Berlingers Netflix-Doku „Conversations with a Killer: The Ted Bundy Tapes“ anzuschauen. 

Zum Schluss des Film werden die Namen von Ted Bundys (bekannten) Opfern eingeblendet. Im Abspann sieht man Originalfilm- und Fotoaufnahmen. 

Dieser Netflix-Film ist im Gespräch für eine Oscar-Nominierung für Zac Efron als Bester Hauptdarsteller. 

„Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film läuft seit dem 3.5.19 in den U.S.A. (und auch einigen anderen Ländern) auf Netflix. Zeitgleich lief der Netflix-Film wohl in einigen amerikanischen Kinos. In Deutschland wird der Film voraussichtlich ab dem 4.7.19 auf DVD erhältlich sein. 

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