Berlin – Film: „The Dead Don´t Die“

Ich war am 19.06.19 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Dead Don´t Die“ (dt. Kinostart war der 13.06.19)  103 min  comedy, horror 

dir. Jim Jarmusch  cast: Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, Chloe Sevigny, Steve Buscemi, Danny Glover, Caleb Landry Jones, Rosie Perez, Iggy Pop, RZA, Selena Gomez, Tom Waits

 

Durch Polar-Fracking hat sich die Erdachse verschoben. In dem amerikanischen Provinzkaff Centerville häufen sich seither seltsame Dinge. Haus- und Nutztiere verschwinden spurlos, Handy-Akkus sind plötzlich leer, Uhren bleiben stehen und dunkel scheint es auch nicht mehr zu werden. Dann werden Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray) und Officer Ronnie Peterson (Adam Driver) zu dem örtlichen Diner gerufen, dort liegen zwei bestialisch zugerichtete Leichen. Officer Ronnie hat da so eine Ahnung, vielleicht stecken Zombies dahinter…

 

B- (Wertung von A bis F) „The Dead Don´t Die“ ist der neue Film des amerikanischen Autorenfilmers Jim Jarmusch („Down by Law“, „Night on Earth“, The Limits of Control, „Only Lovers Left Alive“, Paterson).

Man könnte den gesamten Film als eine Promotion für den (Titel-) Song „The Dead Don´t Die“ von Sturgill Simpson halten. Viel mehr ist Jim Jarmuschs erster Zombie-Film aber als Kritik an Politik und Gesellschaft zu verstehen. Eigentlich ist es nur ein Einsiedler, Kinder in einer Besserungsanstalt und der Polizist Ronnie die den Ernst der Lage hier erkennen (letztere aus einem anderen Grund). Alle anderen sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder generell desinteressiert und/oder schenken der Politik Glauben, die ihren Bürgern weismachen will, dass das Fracking am Nordpol natürlich nichts mit der seltsamen Geschehen auf der Erde zutun hat und somit alles „Fake News“ ist. Selbstverständlich gibt es mit Steve Buscemis Charakter auch eine Kritik an dem Trump-Wähler ansich, u.a. fällt er durch sein rotes Basecap mit dem sinnbefreiten Aufdruck „Keep America White Again“ auf und wittert hinter allem eine Verschwörung. Wenn dann selbst die Untoten nach Wi-Fi, Blootooth, Süßigkeiten, Kaffee, Chardonnay etc. gieren, ist das sicher auch als eine Kritik an der (Kosum-) Gesellschaft zu sehen. Der Film ist – auch wenn er im Horrorgenre angesiedelt ist –  zu keinem Zeitpunkt gruselig, er nimmt sich aber auch selbst nicht sonderlich ernst, dafür sorgen schon die zahlreichen Meta-Referenzen. Allgemein betrachtet ist der Film nicht wirklich rund, aber Jim Jarmusch schafft es immer wieder mit seinem Stammpersonal und kauzigen Charakteren eine Atmosphäre zu kreieren, in der man sich wohl fühlt und in der man für eine gewisse Zeit verweilen möchte. 

„The Dead Don´t Die“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2019 gezeigt. Es war der Eröffnungsfilm. Der Film ist am 14.06.19 in 613 amerikanischen Kinos gestartet. Mittlerweile läuft er landesweit in 690 US-Kinos. In Deutschland läuft er seit dem 13.06.19 in den Kinos. Ich habe den Film in der OV im regulären deutschen Kino gesehen. 

Trailer zu sehen: 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „O Beautiful Night„

Bewertung des Trailers: B 

Kommentar: deutscher Film 

Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „They Shall Not Grow Old„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der OmU) 

Kommentar: Peter Jacksons neuer Film, Doku über den Ersten Weltkrieg

Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken


Trailer v. Film: „Kursk„

Bewertung des Trailers: B (Trailer in der dt. Synchro) 

Kommentar: Thomas Vinterbergs neuer Film über das Kursk-Unglück mit Matthias Schoenaerts, Colin Firth, August Diehl und Matthias Schweighöfer

Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x

Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100% 

Netflix – TV-Serie: „Russian Doll“

Ich habe mir folgende Netflix-Serie angeschaut:

 

„Russian Doll“  (dt. Serientitel: „Matrjoschka“, seit dem 1.2.19 auf Netflix zu sehen)  8 x approx. 25 min  comedy, drama  

dir. Leslye Headland, Jamie Babbit, Natasha Lyonne  cast: Natasha Lyonne, Greta Lee, Yul Vazquez, Charlie Barnett, Elizabeth Ashley, Rebecca Henderson, Brendan Sexton III, Dascha Polanco, Chloe Sevigny 

 

Nadia (Natasha Lyonne) durchlebt ihren 36. Geburtstag immer und immer wieder. Hat sie ein Déjà-vu oder hat es vielleicht etwas mit dem Israeli Joint zutun, den ihr ihre Freundin Maxine (Greta Lee) gegeben hat? Nadia steckt irgendwie in einer endlosen Zeitschleife fest. Sie muss herausfinden, warum und wie sie da wieder herauskommt…

 

B (Wertung von A bis F) Die Serienschöpfer von „Russian Doll“ sind drei amerikanische Frauen: die Comedian, Schauspielerin und Synchronsprecherin Amy Poehler („Saturday Night Live“, TV-Serie „Parks and Recreation“ Baby Mama, Inside Out), die Schauspielerin Natasha Lyonne (TV-Serie „Orange is the New Black“) und die Dramaturgin, Autorin und Regisseurin Leslye Headland. Natasha Lyonne spielt in dieser Serie auch die Hauptrolle. 

Optisch zählt die Protagonistin Nadia zu den Frauen, die mir gar nicht liegen. Sobald sie jedoch den Mund aufmachte, habe ich die schlagfertige, gerne schlecht gelaunte und zynische New Yorkerin direkt in mein Herz geschlossen. Nadia ist nun auf ihrer Geburtstagsfeier, stirbt irgendwann und landet wieder auf ihrer eigenen Geburtstagsparty, undsoweiterundsoweiter. Wie sie versucht, dem Ganzen einen Sinn abzugewinnen ist wirklich amüsant, anzuschauen. Mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten. Es lohnt sich aber definitiv, mal einen Blick zu riskieren, eine Episode ist auch nur knapp eine halbe Stunde lang. Insgesamt ist die die TV-Serie nur rund vier Stunden lang. 

„Russian Doll“ ist sehr „New York“ (genauer East Village) und repräsentiert vieles, was ich an der Stadt und ihren Bewohnern so liebe. Die Serie lebt natürlich durch ihre Protagonistin Nadia. Um Nadia in ihrer ganzen Blüte zu erleben, bleibt einem jedoch nichts anderes übrig, als die Kurz-Serie in der Originalfassung (damit man nichts der teils brillanten Dialogen verpasst, vielleicht mit englischen Untertiteln) zu sehen. Ich habe einige Male lauthals lachen müssen, fand den Soundtrack cool und die gesamte Staffel wirklich kurzweilig. 

Gegen Ende (gerade mit der siebenten Episode „The Way Out“) schwächelt „Russian Doll“ etwas, das Staffelende fand ich dann auch nur mittel. 

Meine Lieblingsepisode: Definitiv Episode 3 („A Warm Body“), die habe ich mir auch mehrmals angeschaut. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen: 

Nadia ist New Yorkerin und entwickelt Videospiele. Gerade ist sie 36 Jahre alt geworden. Ihre beste Freundin Maxine (gespielt von Greta Lee) hat ihr eine Geburtstagsparty organisiert. Nadias Katze Oatmeal ist seit drei Tagen verschwunden. Naja und dann stirbt sie und erlebt ihren Geburtstag wieder und wieder…Gespielt wird Nadia von der amerikanischen Schauspielerin Natasha Lyonne. Sie hat in den „American Pie“-Filmen mitgespielt, richtig bekannt wurde sie jedoch durch ihre Rolle in der TV-Serie „Orange is the New Black“. Für ihre Performance in dieser Serie wurde sie auch für einen Emmy nominiert.

Alan wollte eigentlich seiner Freundin Beatrice (gespielt von Dascha Polanco) einen Heiratsantrag machen, es kommt aber alles anders. Eines Tages trifft er auf Nadia. Gespielt wird Alan von dem amerikanischen Schauspieler Charlie Barnett. Mir kam er bekannt vor, vermutlich habe ich ihn in der nicht so guten Serie „Secrets and Lies“ registriert. Die anderen TV-Serien in denen er mitspielte „Chicago Fire“ und „Valor“ habe ich nicht gesehen. Charlie Barnett hat sogar mal in einer Episode von „Orange is the New Black“ mitgespielt. 

Maxine ist einer der besten Freundinnen von Nadia (gespielt von Natasha Lyonne). Max ist mein zweitliebster Charakter der Serie. Gespielt wird Maxine von der koreanisch-amerikanischen Schauspielerin Greta Lee. Sie kam mir auch bekannt vor. Sie hat beispielsweise in den TV-Serien Nurse Jackie und „Wayward Pines“ mitgespielt. 

John ist Nadias Ex-Freund. Gespielt wird John von dem kubanisch-amerikanischen Schauspieler Yul Vazquez. Er hat in vielen Kinoprojekten („American Gangster“, „Che: Part One & Two“, Captain Phillips, Kill the Messenger, Glass Chin, Last Flag Flying) mitgespielt. Auch hatte er eine größere Rolle in der HBO-Serie „Divorce“. 

Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Russian Doll“ für 13 Emmys nominiert (darunter Comedy Series, Lead Actress in a Comedy Series (Natasha Lyonne).Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen.

„Russian Doll“ läuft in Deutschland auch unter dem Titel „Matrjoschka“ und ist seit dem 1.2.19 auf Netflix zu streamen. Eine zweite Staffel ist bereits im Gespräch. 

Trailer zu sehen: 

 

Berlin (ale) – Film: „Golden Exits“

Ich war am 13.02.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„Golden Exits“ 94 min drama
dir. Alex Ross Perry cast: Emily Browning, Adam Horovitz, Jason Schwartzman, Chloe Sevigny, Mary-Louise Parker, Analeigh Tipton, Lily Rabe

 
Nick (Adam Horovitz) wurde von seiner Schwägerin Gwen (Mary-Louise Parker) beauftragt, den Nachlass ihres Vaters zu katalogisieren. Für diese Arbeit hat Nick eine Assistentin, Naomi (Emily Browning), angestellt. Naomi ist 25 Jahre alt und kommt aus Australien, für ein paar Monate wird sie in New York bleiben. Nicks Frau Alyssa (Chloe Sevigny) macht sich Gedanken darüber, ob ihr Mann sie mit seiner Assistentin betrügt. Und dann ist da noch Buddy (Jason Schwartzman), er ist der einzige Bekannte, den Naomi in New York hat – aber auch er ist verheiratet.

 

 

D+ (Wertung von A bis F) „Golden Exits“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Alex Ross Perry („Listen Up Philip“, Queen of Earth).

 
Um es vorweg zu nehmen, Alex Ross Perrys „Queen of Earth“ habe ich vor zwei Jahren auf der Berlinale gesehen und fand ihn ganz gut, „Listen Up Philip“ fand ich hingegen so unerträglich, dass ich ihn nicht bis zu Ende schauen konnte. „Golden Exits“ fällt jetzt leider wieder eher in die zweite Kategorie der Filme des 32-jährigen Autors und Regisseurs, auch wenn ich diese männliche Hauptfigur (gespielt von Ex-Beastie Boy Adam Horowitz) etwas sympathischer fand.

Kurz gefasst ist „Golden Exits“ ein Film über frustrierte New Yorker, Es handelt sich um Bessergestellte, bei denen die Frauenfiguren dazu verdammt sind, unsicher und unglücklich zu sein und nichts Besseres zutun haben, als die die gesamte Zeit darüber zu grübeln und sich zu unterhalten, ob der Mann fremd geht. Mann denkt währenddessen darüber nach, wie er die Australierin ins Bett bekommt bzw. sich nicht von ihr den Kopf verdrehen lässt. Das ist alles unbeschreiblich langweilig. (Neurotische) Männer können sich in diesem Film vielleicht wieder finden, genauso wie in Alex Ross Perrys Werk „Listen Up Philip“ – für Frauen ist das etwas dürftig und wirkt gestrig. Die Begeisterung auf der Berlinale hielt sich auch in Grenzen. Als der Film zu Ende war (und obwohl die Zuschauer wussten, dass der Filmemacher im Saal war) hat es auffällig lange gedauert, bis etwas Applaus einsetzte.

 
„Golden Exits“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2017 gezeigt. Ich habe den Film auf der Berlinale 2017 gesehen. Auf dem 67. Berlin International Film Festival lief der Film in der Sektion Forum. Gezeigt wurde die OV. Der Autor und Regisseur Alex Ross Perry stand nach dem Film zu einem Q & A zur Verfügung.

Teaser (die Eröffnungsszene) zu sehen:

 

Berlin (ale) – Film: „The Dinner“

Ich war am 11.02.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„The Dinner“ (dt. Kinostart: 19.10.17) 120 min drama, thriller, adaptation
dir. Oren Moverman cast: Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan, Rebecca Hall, Chloe Sevigny

 
Der ehemalige Geschichtslehrer Paul (Steve Coogan) und seine Ehefrau Claire (Laura Linney) wurden von Pauls Bruder, dem viel beschäftigten Kongressabgeordneten Stan Lohmann (Richard Gere) und seiner Frau Katelyn (Rebecca Hall) zum Essen eingeladen. Sie speisen in einem sehr exklusiven Restaurant. Es gibt eine Familienangelegenheit über die gesprochen werden muss…

 

 

B (Wertung von A bis F) „The Dinner“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des niederländischen Schriftstellers Herman Koch. Es ist der neue Film des israelisch-amerikanischen Drehbuchautors und Filmemachers Oren Moverman („Rampart“, The Messenger).

 
Die Geschichte wird in sechs Kapiteln erzählt („Aperitif“, „Appetizer“, „Main Course“, „Cheese Course“, „Dessert“ und „Digestif“). Zwei besser gestellte Elternpaare treffen sich zum Abendessen in einem Nobelrestaurant. Auf der einen Seite der ambitionierte Kongressabgeordnete, der für das Gouverneursamt kandidiert mit seiner Ehefrau (Richard Gere und Rebecca Hall) und auf der anderen Seite der ehemalige Geschichtslehrer mit seiner Gattin (Steve Coogan und Laura Linney). Die Söhne beider Familien haben ein schwerwiegendes Verbrechen begangen. Das erfährt der Zuschauer langsam aus den Rückblenden. Währenddessen lernt man die Charaktere immer besser kennen, erfährt von der einen oder anderen psychischen Krankheit in der Familie und von der schwierigen Beziehung der beiden Brüder untereinander. Am Ende steht die Frage, wie man nun mit der Situation umgeht.

 
Oberflächlich betrachtet erinnert der Film an Roman Polanskis „God of Carnage“. „The Dinner“ ist aber nicht so hysterisch und nervig. Auch gibt es in diesem Film mit Steve Coogans zynischem Paul mindestens einen Sympathieträger in der Viererkonstellation. Auch ist es sein Charakter, der zumindest anfangs für Humor sorgt. Es ist ein düsteres Charakter- und Familiendrama, das durchaus zu fesseln weiß und was die Charaktere angeht, hält der Film auch eine Überraschung parat.

Schauspielerisch haben mir Steve Coogan und Laura Linney am besten gefallen.

 
„The Dinner“ wurde erstmalig auf der Berlinale 2017 gezeigt. Auf dem 67. Berlin International Film Festival lief der Film im Wettbewerb. Gezeigt wurde die OmU. „The Dinner“ startet am 5.5.17 in den amerikanischen Kinos. Ein deutscher Kinostart ist derzeit für den 19.10.17 anvisiert.

Trailer zu sehen:

 

TV – Serie: "Bloodline, 1. Staffel"

Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

„Bloodline, 1. Staffel“ 13 x 50 min drama, thriller
dir. Johan Renck, Adam Bernstein, Todd A. Kessler, Jean de Segonzac, Alex Graves, Tate Donovan, Dan Attias, Simon Cellan Jones, Michael Morris, Ed Bianchi, Carl Franklin, cast: Kyle Chandler, Ben Mendelsohn, Linda Cardellini, Sam Shepard, Sissy Spacek, Chloe Sevigny, Norbert Leo Butz, Jacinda Barrett, Jamie McShane

Die Familie Rayburn führt seit 45 Jahren eine Hotelanlage auf den Florida Keys. Die Mutter Sally (Sissy Spacek) und der Vater Robert (Sam Shepard) haben vier erwachsene Kinder. John (Kyle Chandler), Meg (Linda Cardellini) sind erfolgreich in ihrem jeweiligen Beruf als Polizist und Anwältin. Der jüngste Sohn Kevin (Norbert Leo Butz) macht sein eigenes Ding, so richtig hat er noch nichts auf die Reihe bekommen. Das schwarze Schaf der Familie ist allerdings der älteste Sohn, Danny (Ben Mendelsohn). Als sich Danny jetzt zu der Feier anlässlich des 45-jährigen Jubiläums des Hotels ankündigt, werden die restlichen Familienmitglieder etwas nervös. Es dauert nicht lange, dass sich die Brüder streiten und dann teilt ihnen Danny auch noch mit, dass er generell zurück nach Hause kommen und im Familienbetrieb helfen will. Die Geschwister sollen abstimmen, ob er bleiben darf. Dannys alter Kumpel Eric (Jamie McShane) will derweil mit Danny wieder ein krummes Ding drehen.

B- (Wertung von A bis F) „Bloodline“ ist ein klassisches Familiendrama mit einem nicht geringen Krimi-Anteil. Besonders stark ist die Serie in meinen Augen aber nur dann, wenn sie sich auf die Familien- und Charakterstudie besinnt. Diese Netflix-Serie ist von den Serienmachern, die bereits die hervorragende Serie „Damages“ hervorgebracht haben.

Ich liebe abgeschlossene Mehrteiler. Ein Grund dafür ist, dass man, im Gegensatz zu einem Kinofilm, viel Zeit für die Einführung und die Entwicklung einzelner Charaktere hat. In „Bloodline“ lernt man jeden Charakter kennen, weiss irgendwann (bzw. glaubt zu wissen) wer die Guten und die Bösen in der Familie sind. Man sieht die Problematik der einzelnen Figuren, die komplizierte Beziehung der vier erwachsenen Geschwister untereinander und dann kommen langsam Geheimnisse ans Tageslicht. Und immer wieder Manipulationen, Lügen und/ oder fiese Schwindeleien. So glaubhaft diese Familie ist, sie ist auch ein ganz filigranes Gebilde. Eigentlich bedarf es nur eines Lüftchens, dass dieses Gebilde zusammenbricht. Nur braut sich auf den Florida Keys ein ordentliches Gewitter zusammen. Eine Geschichte aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit schwebt Unheil drohend über den Rayburns.

Die Atmosphäre der Florida Keys hat mich sofort in den Bann gezogen. Die Hitze, die salzige Luft, eine kleine Brise vom Wasser, der tropische Regen, die Serie vermittelt einem, wie es sich anfühlt, dort zu sein. Die Kulisse ist traumhaft. Mir hat auch der langsame Spannungsaufbau gefallen. Ich fand es clever (auch wenn es sich erst in Episode 11 auszahlt), dass es unter den Geschwistern einen Polizisten und eine Anwältin gibt. Es gibt vieles was man bei „Bloodline“ positiv hervorheben kann und doch war ich zum Schluss verärgert.

Auf die ganzen Vorschauen, die während der einzelnen Episoden gezeigt wurden, hätte ich verzichten können und den Erzähler (John), der durch die Episoden führt, fand ich auch unnötig. Damit hätte ich mich aber vielleicht abgefunden, wenn ich nicht von den letzten beiden Episoden (12 und 13) so enttäuscht wäre. Mit Ausnahme von Johns Ansprache ist die 13. Folge wirklich schlecht und als Staffelende einer sonst soliden Drama-Serie nicht würdig. Das Ende ist viel zu konstruiert und wenn man die erste Staffel im Ganzen betrachtet, wird keine runde Geschichte erzählt. Mittlerweile habe ich gehört, dass den Serienmachern zu Beginn von „Bloodline“ auch noch nicht klar war, wie sie die Staffel enden lassen – und genau so fühlt sich das leider auch an.

Zu den einzelnen Episoden:

Episode 5. Vermutungen was Danny angeht, werden spätestens zum Schluss dieser Folge bestätigt.

Episode 10. Ich liebe das längere Gespräch zwischen John und Danny.

Episode 13. Ich mochte Johns Ansprache vor seinen leicht verdutzten Geschwistern. Ansonsten ist es die schwächste Episode dieser Staffel.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Danny Rayburn ist der älteste Sohn der Familie. Er gilt als das schwarze Schaf der Rayburns. Ist einige Jahre untergetaucht und kehrt jetzt, anlässlich der Feier zum 45-jährigen Jubiläum des Hotels, zurück. Er möchte wieder Teil der Familie sein, stösst aber auf Ablehnung. Durch Danny habe ich den Einstieg in die Serie gefunden. Er hat chronische Schmerzen, guckt zu tief ins Glas und raucht zu viel (lässt sich Ben Mendelsohn eigentlich vertraglich zusichern, dass sein Film- oder Seriencharakter Kette raucht?), vielleicht sollte er es auch mit den Drogen lassen. In der Vergangenheit hat er Mist gebaut. Heisst das, dass er ein schlechter Mensch ist? Mal gucken. Für mich ist Danny zweifelsfrei der interessanteste Charakter der ersten Staffel von „Bloodline“. Danny wird von dem australischen Schauspieler Ben Mendelsohn gespielt. Der Charakterschauspieler zeigt sich hier mal von einer ganz anderen Seite. Diese unschuldslammige und Mitleid erregende Facette seines Schauspiels kannte ich bislang noch nicht von ihm. Mir gefiel es auch, dass er seiner Serienmutter (gespielt von Sissy Spacek) sehr ähnlich sieht. Bei der Recherche war ich auch überrascht, wie „jung“ er noch ist. Er ist erst 46 Jahre alt, in Bloodline hätte ich ihn auch älter geschätzt. Erstmalig ist er mir in einem meiner Lieblingsfilme des Jahres 2010 Animal Kingdom gesehen. Dann war er noch in The Dark Knight Rises, The Place Beyond the Pines und kürzlich in einem weiteren meiner Lieblingsfilme, dieses Mal des Jahres 2014 ( Starred Up) mitgespielt. Danny Rayburn ist mein Lieblingscharakter von „Bloodline“.

John Rayburn ist der zweitälteste Sohn der Rayburns. Er arbeitet als Polizist und ist mit Diana (gespielt von Jacinda Barrett) verheiratet. Sie haben zwei Kinder im Teenageralter. Er hat einen Wiedergutmachungsbedarf was seinen älteren Bruder Danny angeht. John ist sicher der Sympathieträger der Serie. Gespielt wird John Rayburn von dem amerikanischen TV- und Kinoschauspieler Kyle Chandler. Bekannt geworden ist er durch die Serie „Friday Night Lights“. Dafür hat er auch einen Emmy-Award gewonnen. Seit dem Ende von „FNL“ ist er auch recht häufig in Kinofilmen Super 8, Argo, Zero Dark Thirty, The Spectacular Now, The Wolf of Wall Street zu sehen.

Kevin Rayburn ist der jüngste Sohn der Rayburns. Er bekommt sein Leben nicht so richtig auf die Reihe. Er nimmt Drogen und trinkt zu viel Alkohol. Seine Emotionen hat er auch nicht unter Kontrolle. Verheiratet ist er mit Belle (gespielt von Katie Finneran). Gespielt wird Kevin Rayburn von dem amerikanischen Theaterschauspieler Norbert Leo Butz. Als Musical-Darsteller hat er bereits zwei Tony-Awards gewonnen. Er war aber auch in einigen Kinofilmen zu sehen, u.a. Dan in Real Life,  Higher Ground und Disconnect.

Meg Rayburn ist die Tochter der Rayburns. Sie arbeitet als Anwältin und ist seit fünf Jahren mit dem Polizisten Marco (gespielt von Enrique Murciano) zusammen. Sie arbeitet auch für ihren Vater und berät die Familie in rechtlichen Dingen. Meg wird von der amerikanischen Schauspielerin Linda Cardellini gespielt. Sie hat in der TV-Serie „ER“ und auch in zahlreichen anderen TV-Produktionen mitgespielt.

Marco ist Polizist und Kollege von John Rayburn. Seit fünf Jahren führt er mit Meg Rayburn eine Beziehung. Marco wird von dem Schauspieler Enrique Murciano gespielt. Bekannt geworden ist er durch die TV-Serie „Without a Trace“. Er war aber auch in einigen Kinofilmen wie „Traffic“ oder Dawn of the Planet of the Apes zu sehen.

Sally Rayburn führt das Hotel auf den Florida Keys. Sie ist die Mutter von Danny, John, Kevin und Meg und Frau von Robert (gespielt von Sam Shepard). Sally wird von der amerikanische Charakterschauspielerin (und Sängerin) Sissy Spacek gespielt. Sie hatte ihren Durchbruch als Carrie in dem gleichnamigen Horrorfilm aus den 1970er Jahren. Für den Film Coal Miner´s Daughter hat sie den Oscar gewonnen. Sie hat ein gutes Händchen für die richtigen Projekte und liefert bis heute brillante Arbeit in Kinofilmen, wie z.B. „Missing“, „JFK“, „Affliction“, „The Straight Story“, „In the Bedroom“, „North Country“, Get Low  ab.

Robert Rayburn ist das Familienoberhaupt und mit Sally (gespielt von Sissy Spacek) verheiratet. Er ist Vater von Danny, John, Kevin und Meg. Gespielt wird Robert Rayburn von dem amerikanischen Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard. Er hat einen Pulitzer Prize für sein Bühnenstück Buried Child gewonnen. Auch ist er immer wieder in Kinofilmen (z.B. Mud, August: Osage County, Out of the Furnace, Cold in July) zu sehen.

Eric O´Bannon ist Dannys bester Freund und auf Bewährung draussen. Eric O´Bannon wird von dem amerikanischen TV-Schauspieler Jamie McShane gespielt. Er hat in zahlreichen Fernsehproduktionen, u.a. in „Sons of Anarchy“, „Southland“ mitgewirkt, war aber auch schon in einigen Kinofilmen (z.B. „Thor“, ArgoNightcrawler, Gone Girl) zu sehen.

Chelsea O´Bannon arbeitet als Krankenschwester und ist Erics Schwester. Chelsea bzw. CeCe (wie sie von Danny genannt wird) wird von der amerikanischen Schauspielerin Chloe Sevigny gespielt. Ich kenne die Indie-Queen tatsächlich seit ihrer Debütrolle in Larry Clarks Skandalfilm „Kids“ und dann hat sie immer wieder kleinere Rollen in gute Filmen „Boys Don´t Cry“, „American Psycho“, „Dogville“, „Shattered Glass“ gespielt. Jahrelang hatte sie auch eine Hauptrolle in der HBO-Serie „Big Love“. Derzeit spielt sie immer noch in der Serie „American Horror Story“.

Vorspann zu sehen:

Trailer zu sehen:

Die ersten beiden Episoden von „Bloodline“ wurden bei der Berlinale 2015 gezeigt. Die komplette erste Staffel wurde ab dem 20.03.15 auf Netflix zur Verfügung gestellt. Eine zweite Staffel von „Bloodline“ wurde bereits bestellt.

DVD – Film: "My Son, My Son, What Have Ye Done"

Folgenden Film habe ich mir auf DVD angeschaut:

„My Son, My Son, What Have Ye Done“ 91 min drama
dir. Werner Herzog cast: Michael Shannon, Willem Dafoe, Chloe Sevigny, Michael Pena, Brad Dourif, Udo Kier

Detective Havenhurst (Willem Dafoe) und Detective Vargas (Michael Pena) werden in San Diego zu einem Tatort gerufen. Eine Frau wurde mit einem antiken Schwert förmlich abgeschlachtet. In einem Nachbarhaus, hat sich der scheinbar verwirrte Sohn der Getöteten, Brad McCullum (Michael Shannon), schwerbewaffnet mit offenbar zwei Geiseln verschanzt. Seine Verlobte Ingrid (Chloe Sevigny) teilt den Polizisten mit, dass Brad McCullum seitdem er von einer Reise aus Peru zurück ist, sich stark verändert hat…

D- (Wertung von A bis F) Der Film wurde durch wahre Begebenheiten, die sich im Jahr 1979 zugetragen haben, inspiriert.

Werner Herzog kann gute Filme machen, es bereitete mir immer großes Vergnügen, seiner Zusammenarbeit mit Klaus Kinski zuzuschauen, auch habe ich seinen vorletzten Film Rescue Dawn noch gut in Erinnerung. Die (billige) Machart von „My Son, My Son, What Have Ye Done“, die Kameraführung, der nervige Score und einige so unglaublich sinnlose Szenen lässt mich diesen, mit den für mich unerträglichen letzten Film von Werner Herzog („Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans“) vergleichen. Auch wenn es anstrengend war, und sehr viel Disziplin erforderte, so habe ich aber „My Son“ bis zu Ende durchgehalten. Grundsätzlich sehe ich Willem Dafoe, Chloe Sevigny und auch Udo Kier gerne, aber auch deren pure Präsenz hat mich nicht milde stimmen lassen. Wenn mich sogar die Performance von meinem neuen Lieblingsschauspieler Michael Shannon teilweise unruhig auf der Couch hin und her rutschen lässt, muss an diesem Projekt etwas extrem schief gelaufen sein.

Trailer zu sehen:

DVD – "3 Needles"

Auf DVD habe ich mir gerade folgenden Film angeschaut:

„3 Needles“ 127 min drama
dir.
Thom Fitzgerald cast: Lucy Liu, Stockard Channing, Shawn Ashmore, Olympia Dukakis, Chloe Sevigny, Sandra Oh, Ian Roberts, Tanabadee Chokpikultong

China
Ping (Lucy Liu) reist mit ihrem weissen VW-Bus durch das ländliche China und zahlt Bedürftigen für deren Blutspende fünf Dollar. Sie gibt an, für die staatliche Gesundheitsbehörde zu arbeiten, verkauft aber in Wahrheit die Blutkonserven später auf dem Schwarzmarkt. Da sie den mittellosen Menschen zu katastrophalen hygienischen Bedingungen Blut abnimmt, hat sie nicht das erste Mal eine AIDS Pandemie ausgelöst…

Montreal, Kanada
Vor einiger Zeit wurde der Pornodarsteller Denys (Shawn Ashmore) HIV-positiv getestet. Um seiner Tätigkeit weiterhin nachgehen zu können und somit den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, verheimlicht er seine Infektion. Für den notwendigen monatlichen Gesundheitstest nimmt er seinem sterbenden Vater Blut ab. Als jedoch sein Vater stirbt und sein todbringendes Geheimnis entdeckt wird, muss Mutter Olive (Stockard Channing) einen neuen Weg finden, um sich und ihren Sohn zu unterstützen…

Südafrika
Die katholische Ordensschwester Clara (Chloe Sevigny) kommt nach Südafrika um mit den Nonnen Hilde (Olympia Dukakis) und Mary (Sandra Oh) missionarische Arbeit zu leisten. Zusätzlich assistieren sie Ärzten in einem Sterbehospiz. Clara ist von der Armut und der daraus resultierenden schnellen Verbreitung von AIDS so sehr erschüttert, dass sie selbst bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen…

B (Wertung von A bis F) Intensiver Episodenfilm zum Thema AIDS. Erzählt werden drei drastische Geschichten, die auf drei unterschiedlichen Kontinenten spielen. Bezeichnend dabei ist, dass bei jeder Geschichte Armut bzw. Geldnot eine wichtige Rolle spielt. Auch die den Filmtitel gebenden Nadeln haben eine bedeutende Funktion. Die Geschichte über den Pornodarsteller und seiner Mutter hat mich dabei am meisten berührt. Insbesondere Stockard Channing („Heartburn“, „The First Wives Club“) gibt hier eine überragende Performance. Auch die chinesische Geschichte mit Lucy Liu („Kill Bill 1 und 2“, „Lucky Number Slevin“) in der Hauptrolle ging mir sehr nah. Einzig die letzte Geschichte fand ich nicht so ergreifend.

Trailer zu sehen: