VOD – Film: „The Nightingale“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes/Apple TV (U.S.) als Leihvideo angeschaut: 

 

„The Nightingale“  136 min  drama, thriller 

dir. Jennifer Kent   cast: Aisling Franciosi, Baykali Ganambarr, Sam Claflin, Damon Herriman, Ewen Leslie, Harry Greenwood, Charlie Shotwell, Magnolia Maymuru 

 

Im Jahr 1825. Die 21-jährige Clare (Aisling Franciosi) ist eine junge Strafgefangene aus Irland. Sie wurde wegen eines Diebstahldeliktes zu einer siebenjährigen Strafe verurteilt und nach Australien deportiert. Ihre restliche Strafe arbeitet sie als Leibeigene des britischen Lieutenant Hawkins (Sam Claflin) ab. Als dem Offizier eine Beförderungsempfehlung versagt wird und Clares Ehemann (Charlie Shotwell) auch noch von dem frustrierten Hawkins verlangt, dass er seine Frau endlich freilässt, eskaliert die Situation…

 

B+ (Wertung von A bis F) Nach ihrem Regiedebüt The Babadook ist dies erst der zweite Spielfilm, bei dem die australische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Filmemacherin Jennifer Kent Regie führt. 

Die australische Gesellschaft ist einer britischen Strafkolonie entsprungen. „The Nightingale“ ist eine Art „australischer Western“, man bekommt eine Idee davon, wie das Schicksal weiblicher Strafgefangenen und das der Aborigines zu der Zeit ausgesehen haben könnte. 

Da sag einer noch mal Regisseurinnen wären zimperlich, würden davor zurückscheuen, exzessive Gewalt im Film zu zeigen.  Lynne Ramsay (You Were Never Really Here) und Jennifer Kent mit diesem Film beweisen das Gegenteil. Der Handlungsaufbau des Film, die erste halbe Stunde, ist kaum zu ertragen. Die Brutalität nimmt dann dankenswerterweise erst mal etwas ab und wir begleiten eine rachebesessene Clare, die sich zusammen mit einem Aborigine (Baykali Ganambarr – wie liebenswert und lustig ist Billy eigentlich?) durch die Wildnis auf den Weg macht, den Lieutenant und seine Kumpanen zu finden. Neben der eindrucksvollen Inszenierung ist die Beziehung zwischen Clare und dem Aborigine die große Stärke des Films. Die Hintergrundgeschichte der beiden ist auch gar nicht so unterschiedlich und nach anfänglicher Verachtung entwickelt sich zwischen ihnen auch eine Freundschaft. 

Das ist einer der Filme, den ich unbedingt im Kino sehen wollte. Leider hatte er die wenigen amerikanischen Kinos, in denen er lief, schneller verlassen, als ich gucken konnte. „The Nightingale“ wirkt sicher noch besser im Kino, ich bin aber im Nachhinein froh, dass ich ihn mit einer englischen Untertitelung sehen konnte.

„The Nightingale“ ist ein krasses, aber – vor allen Dingen – spannendes und atmosphärisches Rachedrama und einer meiner Top Ten-Filme aus dem Jahr 2019. 

Die australische „Oscar“-Academy, AACTA, hat „The Nightingale“ für 15 AACTA Awards nominiert. Gewonnen hat der Film in den Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin (Aisling Franciosi), Beste Nebendarstellerin (Magnolia Maymuru) und Bestes Casting. Der Film ist auch für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Baykali Ganambarr), Beste Hauptdarstellerin (Aisling Franciosi), Bester Nebendarsteller (Sam Claflin), Bestes Originaldrehbuch 

„The Nightingale“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2018 gezeigt. Dort hat der Film den Special Jury Prize und Baykali Ganambarr den Marcello Mastroianni Award gewonnen. Über ein Jahr später ist der Film am 2.8.19 in zwei amerikanischen Kinos gestartet. Landesweit lief er insgesamt in nicht mehr als 79 Kinos in den Vereinigten Staaten. Für Deutschland konnte ich noch keinen Kino- oder DVD, VOD-Start finden. 

Trailer zu sehen: 

VOD – Film: „Luce“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes (U.S.) als Leihvideo angeschaut:

 

„Luce“  110 min  drama, thriller, adaptation    

dir. Julius Onah  cast: Kelvin Harrison Jr., Octavia Spencer, Naomi Watts, Tim Roth, Brian Bradley, Norbert Leo Butz, Andrea Bang, Astro  

 

Luce (Kelvin Harrison Jr.) ist 17 Jahre alt und wurde von dem liberalen, weißen Ehepaar, Amy (Naomi Watts) und Peter (Tim Roth) adoptiert. Ursprünglich stammt er aus Eritrea und wurde dort sogar als Kindersoldat eingesetzt. Jetzt lebt Luce seit sieben Jahren in den Vereinigten Staaten, hat sich gut eingelebt, gilt an seiner Highschool als einer der besten und beliebtesten Schüler. Eines Tages zeigt sich seine Geschichtslehrerin, Mrs. Wilson (Octavia Spencer) besorgt und bestellt Luces Mutter ein. Der von Luce geschriebene Aufsatz zeigt eine politisch motivierte Gewaltbereitschaft und dann wurden auch noch illegale Feuerwerkskörper in seinem Spind gefunden…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Luce“ basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von JC Lee. Es ist nach „The Girl is in Trouble“ und The Cloverfield Paradox erst der dritte Film des nigerianisch-amerikanischen Filmemachers Julius Onah. 

„Luce“ ist ein spannendes Drama und dabei sehr nuanciert, genau wie die Performance des Hauptdarstellers Kelvin Harrison Jr. (The Birth of a Nation, „Mudbound“, It Comes at Night). 

Als wir als Zuschauer das erste Mal auf den Schüler Luce treffen, sehen wir ihn als eloquenten Redner. Er scheint sehr smart zu sein, sieht blendend aus, ist charmant und strahlt – ein Sonnenschein. Der Afroamerikaner ist ein Musterschüler an seiner Highschool. Seine (ebenfalls afroamerikanische) Geschichtslehrerin glaubt jedoch, bei Luce eine dunkle Seite entdeckt zu haben. In seinem Aufsatz las sie eine politisch motivierte Gewaltbereitschaft heraus, hat daraufhin sein Spind durchsuchen lassen und illegale Feuerwerkskörper entdeckt. Die besorgte Lehrerin informiert Luces Mutter. Wir erfahren, dass er von einem wohlhabenden, weißen Ehepaar adoptiert wurde, seine ersten zehn Jahre im kriegsgebeutelten Eritrea gelebt und sogar als Kindersoldat eingesetzt wurde. Seine Adoptiveltern sind jahrelang mit ihm zur Therapie gegangen, damit er die traumatischen Erlebnisse verarbeiten konnte. 

„Luce“ ist einer dieser Film, bei dem sich der Zuschauer selbst hinterfragen kann. Lassen wir uns beispielsweise einfacher von attraktiven, charmanten und charismatischen Menschen blenden? Teenager aus gutem Haus haben sicherlich generell bessere Chancen im Leben als Kinder, die aus einfachen Verhältnissen kommen. Durch den elterlichen Sozialstatus geniessen diese Kinder auch meist  ein besseres Ansehen als andere Kinder. Wenn die privilegierten Kinder sich dann noch integrieren, Teil einer Gemeinschaft sind, sich durch gute Leistungen hervorheben und bei Schülern und Lehrern gleichermassen beliebt sind, erfüllen sie genau das, was wir von ihnen erwarten. Luce ist solch ein Kind, ein Sympathieträger, der einen mit seinem Charme um den Finger wickelt. Dann kommt auf einmal diese Lehrerin und kratzt an seinem Image, verdächtigt ihn gar… „Luce“ ist ein Film über Vorteile und Schubladendenken, zunächst geht es aber darum, ob Luce tatsächlich diese dunkle Seite überhaupt hat. Warum sollte er? Was wäre seine Motivation?

„Luce“ ist ein ruhiger Film, bei dem man auf Zwischentöne achten muss. Kein Film, den man nebenbei gucken kann. Ich habe es versucht, es hat nicht funktioniert. Zunächst habe ich mich aber natürlich bemüht, ihn im Kino zu sehen. Wie so oft bei Independent-Produktionen, war der Film  leider sehr schnell wieder aus der amerikanischen Kinolandschaft verschwunden. Bei meiner ersten Sichtung auf Video on Demand war ich zu abgelenkt, habe zu viel nebenbei erledigt, ich fand ihn aber am Ende so interessant, dass ich ihn (innerhalb der Mietdauer von 48 Stunden) nochmal gesehen habe und dann hat er mich für die nächsten paar Tage nicht mehr losgelassen. 

„Luce“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Kelvin Harrison Jr.), Beste Nebendarstellerin (Octavia Spencer, Naomi Watts), Bester Nebendarsteller (Tim Roth), Bestes adaptiertes Drehbuch 

„Luce“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der Film ist am 2.8.19 in fünf amerikanischen Kinos gestartet. Er lief insgesamt in nicht mehr als 235 Kinos in den Vereinigten Staaten landesweit. 

Trailer zu sehen:

VOD – Film: „A Vigilante“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo auf iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„A Vigilante“ (dt. Filmtitel: „Vigilante – Bis zum letzten Atemzug“, dt. DVD-Start war der 31.05.19)  92 min   thriller 

dir. Sarah Dagger-Nickson  cast: Olivia Wilde, Morgan Spector, Tonye Patano, Judy Marte, Betsy Aidem

 

Sadie (Olivia Wilde) hilft Frauen dabei, von ihren gewalttätigen Männern loszukommen. Dabei scheut sie nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden. Sie hat einen unbändigen Hass auf Männer, die ihre Frauen und Kinder mißhandeln. Sadie war früher selbst ein Opfer häuslicher Gewalt, konnte jedoch fliehen und untertauchen. Eines Tages wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt…

 

B+ (Wertung von A bis F) „A Vigilante“ ist das Spielfilmdebüt der australischen Autorin und Filmemacherin Sarah Dagger-Nickson. Für diesen Film hat sie auch das Drehbuch geschrieben. 

Der Film zeigt zum einen, wie hilflos manche Frauen ihren gewalttätigen Männern ausgeliefert sind und zeigt auf der anderen Seite eine Frau, die misshandelte Frauen dabei unterstützt, von diesen Männern für immer loszukommen. Man könnte soweit gehen, diesen Film als einen feministischer Thriller zu bezeichnen.  

„A Vigilante“ hat einen gelungener Charakteraufbau, irgendwann fiebert man mit der Protagonistin. Olivia Wilde spielt die, nach außen hin starke Frau, körperlich trainiert und  gewaltbereit. Am Ende des Tages ist sie aber allein und verzweifelt. Sie war selbst Opfer, konnte aber fliehen und hat sich zurück ins Leben gekämpft. Irgendwann wird sie aber von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der Film nimmt einen emotional mit und ist ab einem gewissen Moment ungemein spannend. Die Anwendung direkter Gewalt erspart der Film dem Zuschauer beinahe völlig. Anhand der schweren Verletzungen kann man sich aber vorstellen, was geschehen ist. 

„A Vigilante“ wurde erstmalig auf dem South by Southwest Festival 2018 gezeigt. Über ein Jahr später ist der Film am 29.03.19 in den Vereinigten Staaten scheinbar nur auf VOD herausgebracht worden. In Deutschland ist der Film unter dem Filmtitel „Vigilante – Bis zum letzten Atemzug“ seit dem 31.05.19 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Trailer zu sehen:

 

 

 

VOD – Film: „The Hole in the Ground“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„The Hole in the Ground“ 91 min  thriller, horror 

dir. Lee Cronin  cast: Seána Kerslake, James Quinn Markey, James Cosmo, Simone Kirby, Steve Wall, Kati Outinen 

 

Sarah (Seána Kerslake) zieht mit ihrem Sohn Chris (James Quinn Markey) aufs Land. In der Nähe ihres Hauses am Waldrand befindet sich ein riesiger Krater. Eines Nachts hört Sarah laute Geräusche, ihr Sohn ist verschwunden. Dann taucht er jedoch wieder auf und seither bemerkt Sarah immer mehr Veränderungen im Verhalten ihres Sohnes. Irgendwann glaubt sie, dass der Junge nicht ihr Sohn ist…

 

B (Wertung von A bis F) „The Hole in the Ground“ ist das Langfilm-Debüt des irischen Autors und Filmemachers Lee Cronin („Ghost Train“). 

Das Erstlingswerk eines vielleicht nächsten großen Filmemachers zu sehen, ist für mich generell Grund genug, möglichst viele Regiedebüts zu schauen. Zu Beginn der Filmkarriere eines Regisseurs hat dieser meist nur ein geringes Produktionsbudget zur Verfügung und muss entsprechend mit seiner/ihrer Vision punkten. Ob jemand Talent hat, sieht man schnell. Lee Cronin hat ein Gespür für das künstlerische Gestalten und das Erzählen, das kann man bereits den ersten Einstellungen aus der Vogelperspektive und der Farbgebung der Szenerie entnehmen. Meine Neugierde auf diesen Film war damit geweckt, und das, noch bevor der Filmtitel eingeblendet wurde. Bei dem Film mochte ich besonders die düstere, aber klare auf das Wesentliche reduzierte Bildsprache. Etwas rummäkeln muss ich aber, der Film hätte mir der Schwarzblende enden müssen. Es folgen noch ein paar Szenen im Anschluss, die aber unnötig sind. 

„The Hole in the Ground“ erfindet den Horrorfilm sicherlich nicht neu, ich würde ihn als einen dieser neuen Indie-Kunsthorrorfilme bezeichnen. Den Grusel zieht dieser Film aus seiner atmosphärischen Inszenierung und der Ungewissheit, was hier nun eigentlich genau vor sich geht. Das Geschehen muss man für sich selbst interpretieren, es ist kein Film, der am Ende eindeutige Erklärungen liefert. 

Die Hauptdarstellerin Seána Kerslake empfand ich als sehr ausdrucksstark. 

„The Hole in the Ground“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2019 gezeigt. Der A24-Film wurde am 1.3.19 in 24 ausgewählten amerikanischen Kinos gestartet und zeitgleich auf VOD herausgebracht. Für Deutschland ist ein Kinostart am 02.05.19 geplant. 

Trailer zu sehen:

 

 

VOD – Film: „Deliverance“

Ich habe mir folgenden Film als Leihvideo über iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„Deliverance“ (dt. Filmtitel: Beim Sterben ist jeder der Erste“, dt. Alternativtitel: „Flussfahrt“, der westdeutsche Kinostart war der 10.10.1972)  109 min   thriller, drama, adaptation 

dir. John Boorman  cast: Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty, Ronny Cox, Billy Redden, Bill McKinney, James Dickey, Macon McCalman

 

Die vier Freunde aus Atlanta Ed (Jon Voight), Lewis (Burt Reynolds), Bobby (Ned Beatty) und Drew (Ronny Cox) begeben sich für das Wochenende auf eine Kanutour. In der abgelegenen Wildnis treffen die Großstädter  irgendwann auf zwei bewaffnete Hinterwäldler…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Deliverance“ basiert auf James Dickeys gleichnamigen Roman. Bei diesem Film aus dem Jahr 1972 hat der englische Filmemacher John Boorman („Excalibur“, „Hope and Glory“) Regie geführt.

Als der amerikanische Schauspieler Burt Reynolds kürzlich verstarb, ist mir – außer Paul Thomas Andersons „Boogie Nights“ – kein Film eingefallen, in dem er mitspielte. Burt Reynolds war in den 1970er Jahren ein Superstar, so habe ich es mir sagen lassen. Als bester Film, in dem er spielte, wurde mir wiederholt „Deliverance“ genannt. Dieser Film wurde für drei Oscars nominiert und Burt Reynolds wurde damit quasi über Nacht zum Star. Grund genug, mir diesen Film anzuschauen. 

„Deliverance“ ist eine Charakterstudie und ein spannender Thriller zugleich. Der Regisseur nimmt sich Zeit, den Zuschauer mit den Charakteren und der Situation, in der sie sich befinden, vertraut zu machen. Nach gut vierzig Minuten geraten zwei der Protagonisten in eine ziemlich brenzlige Lage, dann nimmt der Film seinen spannenden Lauf. John Boorman hat mit „Deliverance“ nicht nur einen hervorragenden Film inszeniert, er äußert über den Rahmen der Geschichte auch seine Gesellschafts- und Zivilisationskritik. 

Der Romanautor James Dickey, der während der Dreharbeiten mit dem Regisseur in einen einen heftigen Streit geriet, ist am Ende des Films in einem Cameo-Auftritt als Sheriff zu sehen.  

„Deliverance“ war im Jahr 1973 für drei Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bester Schnitt) nominiert, hat aber gegen den erfolgreichsten Film des Jahres 1972, Francis Ford Coppolas „The Godfather“, verloren.

„Deliverance“ ist am 30.7.1972 landesweit in den U.S.A. gestartet. In Westdeutschland war der Film seit dem 10.10.1972 zu sehen. Den Film kann man in Deutschland als Leih- oder Kaufvideo über sämtliche Portale erhalten. 

 

Der sehr seltsame Trailer (mit dem Banjo-Gedudel, das einzig mit der Handlung einen Sinn ergibt) zu sehen: 

VOD – Film: „First Reformed“

Folgenden Film habe ich mir über iTunes (U.S.) als Leihvideo angeschaut:

 

„First Reformed“  113 min  drama 

dir. Paul Schrader  cast: Ethan Hawke, Amanda Seyfried, Cedric („the Entertainer“) Kyles, Victoria Hill, Michael Gaston

 

Ernst Toller (Ethan Hawke) ist der 46-jähriger Pastor (Ethan Hawke) eines kleinen, bald zweihundertfünfzig Jahre alten Gotteshauses in einer Kleinstadt im Bundesstaat New York. Seine kleine Kirche nennt er „Souvenirshop“, da sich mehr Touristen dorthin verirren als Gläubige. Er ist einsam, schwer krank und auch kommen ihm Zweifel an seinem Glauben. Für ein Jahr will er jetzt ein handschriftliches Tagebuch führen und darin seine Gedanken dokumentieren. Mary (Amanda Seyfried), ein Mitglied seiner Gemeinde, bittet Reverend Toller mit ihrem Ehemann zu sprechen. Sie ist schwanger und ihr Mann leidet unter Depressionen, er ist ein Umweltaktivist und möchte kein Kind in diese Welt setzen…

 

B+ (Wertung von A bis F) „First Reformed“ ist der neue Film des amerikanischen Drehbuchautors („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „City Hall“) und Filmemachers („American Gigolo“, „Cat People“, „Affliction“) Paul Schrader. 

Nicht so einfach, diesen Film zu bewerten. Visuell hat mich der Film hundertprozentig angesprochen. Ich liebe die dunkle, schnörkellose Bildsprache, dieses Reduzierte, den minimale Einsatz von Filmmusik und Umgebungsgeräuschen und die Ruhe-vor-dem-Sturm-Atmosphäre. Als der Film dann plötzlich endete, war ich irritiert, etwas enttäuscht, völlig leer und hatte nicht mal den Ansatz einer Bewertung für den Film im Kopf. Nun gilt dieser Film als einer der besten amerikanischen Indies in diesem Jahr (2018), also blieb mir nichts anderes übrig, als ihm eine zweite Chance zu geben.

Paul Schrader hat in einem Interview angegeben, dass er erst im Schneideraum festgestellt hat, wie viel Ähnlichkeiten „First Reformed“ mit „Taxi Driver“, für den er seinerzeit das Drehbuch schrieb, hat. Ein Grund, mich vor meiner zweiten Sichtung, mal wieder, Scorseses Meisterwerk zu widmen. Und tatsächlich, die beiden Filme haben einige Gemeinsamkeiten.

„First Reformed“ ist einer dieser Film, der besser wird, umso öfter man ihn schaut. Visuell fand ich ihn gleich großartig, mit dem Protagonisten, einem einsamen Priester, der mit seinem Schicksal und seinem Glauben hadert, dem die Umweltverschmutzung- und zerstörung zunehmend zusetzt, konnte ich erst mal nicht so viel anfangen und dann das Ende, das man unterschiedlich deuten kann. Bei mir ist der Knoten erst mit der zweiten Sichtung, und vielleicht auch mit Hilfe von „Taxi Driver“, geplatzt und jetzt kann auch ich behaupten, in „First Reformed“ einen ziemlich guten Film gesehen zu haben. 

„First Reformed“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ethan Hawke), Beste Nebendarstellerin (Amanda Seyfried), Bestes Originaldrehbuch Update: Der Film wurde für einen Oscar in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch nominiert. 

Dieser A24-Film wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2017 gezeigt. In den U.S.A. ist der Film am 18.05.18 in vier Kinos gestartet. Der Film ist später in nicht mehr als 334 Kinos landesweit gelaufen. Als Kaufvideo und als Leihvideo ist er seit dem 21.08.18 bei iTunes (U.S.) erhältlich. Bislang ist noch kein Kinostart in Deutschland bekannt. 

Trailer zu sehen: 

VOD – Film: „Better Watch Out“

Ich habe mir folgenden Film über iTunes (U.S.) angeschaut:

 

„Better Watch Out“ (in D. ab dem 18.01.18 auf DVD) 89 min horror, comedy
dir. Chris Peckover cast: Levi Miller, Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Patrick Warburton, Virginia Madsen

 

Der 12-jährige Luke (Levi Miller) ist schon länger in seine Babysitterin, die 17-jährige Ashley (Olivia DeJonge), verknallt. Jetzt, als seine Eltern (Virginia Madsen, Patrick Warburton) zu einer Weihnachtsfeier eingeladen sind, und sie auf ihn aufpassen soll, versucht er sich an seine hübsche Aufpasserin ranzumachen. Etwas Champagner und ein Horrorfilm eignen sich dazu ja auch bestens, aber dann geschehen plötzlich auch im realen Leben seltsame Dinge…

 

B+ (Wertung von A bis F) „Better Watch Out“ ist der neue Film des kanadisch-australischen Autors und Filmemachers Chris Peckover („Undocumented“).

Vor fast einem Monat habe ich mir den Film, auf Empfehlung, mal bei iTunes ausgeliehen. Natürlich längst vergessen, aber das Gute bei iTunes ist, dass man auf den letzten Metern daran erinnert wird, dass die Leihdauer demnächst abläuft.

„Better Watch Out“ könnte man als „der etwas andere Babysitter-Horrorfilm“ beschreiben. Er ist smart, schwarzhumorig, schonungslos und an der einen oder anderen Stelle sogar überraschend. Unter dem Strich ein kurzweiliger und sehr zu empfehlender Sehspass.

Levi Miller (der hier den Zwölfjährigen Luke spielt) ist ein Name, den man sich merken sollte und wenn man schon dabei ist, sich Namen zu merken, dann auch den des Autors und Regisseurs. Mit dieser Inszenierung ist es glasklar, dass Chris Peckover – aller Wahrscheinlichkeit nach – schon bald bei einer Hollywood-Großproduktion sein Können unter Beweis stellen darf.

„Better Watch Out“ wurde erstmalig auf dem Fantastic Fest 2016 noch unter dem Titel „Safe Neighborhood“ gezeigt. Der Film ist am 6.10.17 landesweit in 25 amerikanischen Kinos gestartet und zeitgleich auf VOD herausgekommen. In Deutschland erscheint der Film am 18.01.18 auf DVD.

Trailer zu sehen: