D.C. – Film: „The Revenant“

Ich war am 11.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Revenant“ (dt. Filmtitel: „The Revenant – der Rückkehrer“, dt. Kinostart war der 06.01.16) 156 min western, drama, adaptation
dir. Alejandro González Iñárritu cast: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck) befinden sich auf der Jagd. Hugh Glass führt eine Gruppe von Pelzhändlern durch die amerikanische Wildnis. Eines Tages wird er von einem Bären attackiert und schwer verletzt. Seine Jagdbegleiter kümmern sich zunächst um ihn, bis der Todgeweihte von seinem vermeintlichen Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) zurückgelassen wird. Hugh Glass kämpft sich zurück ins Leben und schwört Rache.

A- (Wertung von A bis F) Der Film wurde von einer wahren Geschichte inspiriert.
„The Revenant“ basiert auf Michael Punkes Buch „The Revenant: a Novel of Revenge“.

Handwerklich ist „The Revenant“ ein Meisterwerk. Erzählt wird eine klassische Überlebens- und Rachegeschichte. Die Story ist simple, Dialoge werden kaum benötigt.

Zugegebenermassen nehme sehr ungern Kollegen mit ins Kino, meist kann ich es irgendwie abwenden, in dem ich den Film/die Filme, die ich mir anschauen möchte, meinen potenziellen Begleitern schlecht rede (zu brutal, Liebesschnulze, viel Dialoge, sehr actionreich, sehr Indie, der Film hat schlechte Kritiken bekommen, aber ich will ihn trotzdem gucken – Notlügen halt – aber was soll man machen). Ich habe einfach keine Lust auf permanentes Gequatsche, will die Handlung oder die Gags nicht erklären, will auch nicht runterleiern, wo der und der Schauspieler noch mitgespielt hat und erst recht nicht, will ich während des Films, den ich vielleicht klasse finde, hören, wie gelangweilt sie sind. Ich will mir einfach den Film anschauen und zwar am allerliebsten alleine. Ich habe natürlich über die Jahre auch meine Erfahrungen sammeln dürfen. Bei „The Revenant“ habe ich ausnahmsweise eine Kollegin (freiwillig) mitgenommen. Den Abend zuvor hatten wir uns beide die Golden Globes angeschaut, sie wohnt in Irland (hatte also keine Probleme, alles zu verstehen – das ist auch manchmal ein Thema) und hatte auch einen, wie ich fand, guten Filmgeschmack. Das checke ich selbstverständlich auch vorher. Ich frage Kollegen immer gern nach ihren Lieblingsfilmen oder was sie gerne gucken und sollte sie oder er dann „Fack Ju Göhte“ ,Til Schweiger- oder Michael Bay-Filme, einer der Sex and the City-Filme oder (worst case scenario) einen Anne Hathaway-Film nennen, dann kann ich unter keinen Umständen mit der/oder dem ins Kino gehen. Logisch. Jedenfalls habe ich die Kollegin als „geeignet“ empfunden, mochte sie und fand es in diesem Fall interessant, im Anschluss an den Film, ihre Meinung zu „The Revenant“ zu hören.

Das Erste was wir beide unisono nach dem Film rausposaunten, war, wie überwältigend und intensiv diese Bilder waren, diese traumhaften Landschaftsaufnahmen, diese grandiose Kameraführung, dieses Wie-bloss-haben-sie-die-oder-die-Szene-gedreht?, diese Mama-Bär-Attacke, dieser phänomenale Sound (Gut, das kam mehr von mir, sie hatte sich schon zu Beginn des Films, Stöpsel in die Ohren gesteckt – ihr war es einfach zu laut). Wir waren uns aber auch einig darüber, dass es ein strapaziöses Kinoerlebnis war. Man fiebert mit Leo. Was muss der arme Kerl noch alles über sich ergehen lassen? Ich habe mich dabei ertappt, dass ich ihm schon gewünscht habe, zu sterben. „The Revenant“ ist ein Film, der fürs Kino gemacht ist und dem man auch auf der großen Leinwand sehen sollte. Alejandro González Iñárritus Vorgängerfilm Birdman hat es im Jahr zuvor schon in meine Bestenliste aus dem Jahr 2014 geschafft und dieses cineastische Erlebnis wurde nur zu gern in meine Bestenliste aus dem Jahr 2015 aufgenommen. Bevor ich mir „The Revenant“ im Kino angeschaut habe, habe ich gehört, dass der Film mit jeder Sichtung gewinnen soll. So sehr mir der Film auch gefällt, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich in nächster Zeit noch mal diesen Strapazen aussetzen will.

Das Erste was ich jetzt – 2 Wochen nachdem ich den Film gesehen habe – mit „The Revenant“ assoziiere, ist die Leistung von Leonardo DiCaprio und die von Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt Chivo). Seine Kamera ist permanent in Bewegung. Mit Ausnahme von einer Szene (am Lagerfeuer) wurden alle Szenen mit natürlichem Licht gedreht. Was auch bedeutete, dass nur eine Stunde pro Tag gedreht werden konnte. Es ist eine spektakuläre Arbeit, die tatsächlich den rekordbrechenden dritten Oscar (nach Gravity und Birdman) in Folge verdient hätte. Wenn die Academy-Mitglieder ihren Wahlzettel ausfüllen, erscheint übrigens nicht der Name des Kameramannes/ der Kamerafrau, sondern ausschließlich der Film. Chivos Mitnominierte sind Ed Lachman (für Carol), Robert Richardson (für, gerade ein zweites Mal gesehen, The Hateful Eight, John Seale (für Mad Max: Fury Road) und der 13x für den Oscar nominierte Roger Deakins (für Sicario). Schwer zu entscheiden, wer da gewinnen soll. Beste Kamera wird aller Voraussicht nach der Film gewinnen, der auch in den anderen technischen Kategorien ausgezeichnet wird.

Wenn ich etwas an „The Revenant“ auszusetzen habe, dann die Vater/Sohn-Geschichte und die spirituellen Rückblenden. Leonardo DiCaprio kann nichts für sein jugendliches Äußeres aber sein halbindianischer Sohn und er sehen sich vom Alter her viel zu ähnlich. Mich hat das gestört und leider rausgebracht.

Gewinnt Leo für diese Performance seinen langersehnten Oscar? Ja.

Leonardo DiCaprio setzt hier seine gesamte Physis ein und gibt zweifelsfrei eine oscarwürdige Performance. Ich persönlich finde, dass Leo in The Wolf of Wall Street eine noch bessere Performance gibt. Dafür hätte AMPAS ihn auszeichnen müssen. Die Academy wollte aber lieber einen abgemagerten Schönling, der endlich den Sprung von schlechten RomComs ins anspruchsvolle Charakterfach geschafft hat, würdigen. Schade, sehr schade.

Die 88. Academy Awards werden in Erinnerung bleiben, dass es die Verleihung war, bei dem Leonardo DiCaprio den Oscar gewann. Wenn er sich nicht noch etwas Heftiges zu Schulden kommen lässt, brauchen sie eigentlich nicht bis nach der Show zu warten, um seinen Namen auf die Statue einzugravieren. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass er für DIESE Performance in „The Revenant“ nicht gewinnt, dann muss er sich darauf einrichten, dass er wahrscheinlich NIE einen Oscar in einem jährlichen Wettbewerb gewinnen wird. NIE. Vielleicht wird er dann eines Tages (wie Schauspieler Cary Grant) mit einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, vielleicht wird ihm aber auch das verwehrt. Bestes Beispiel dafür ist Richard Burton, der 7x für den Oscar nominiert war und nicht mal einen Ehren-Oscar erhalten hat,

Ich hatte es bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt, AMPAS wird dieses Jahr erschreckend ernsthaft vorgeworfen, rassistisch zu sein. Fakt ist, dass der, nicht gerade mit viel Ausdruck und mit noch weniger Talent gesegnete, afro-amerikanische Jamie Fox einen Oscar gewonnen hat und ein Chamäleon wie Tom Hardy dieses Jahr mit „The Revenant“ seine erste Oscar-Nominierung erhalten hat.

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Tom Hardy hier mitspielt, hätte ich ihn wahrscheinlich gar nicht erkannt, vielleicht an seiner Stimme. Seine Performance ist herausragend – wie immer. Bei dieser Oscar-Nominierung fließt aber mit Sicherheit ein, dass er im Jahr 2015 auch ebenso überragend in Legend war und dazu noch in dem Besten-Film-Anwärter „Mad Max: Fury Road“ mitspielt.

Domhnall Gleeson hat mir hier auch recht gut gefallen. 2015 war für ihn tatsächlich ein großartiges Jahr. Er spielte in zwei für den Oscar nominierten Filmen (Brooklyn und halt „The Revenant“) mit und hat darüberhinaus noch in einem fantastischen Sci-Fi-Film (Ex Machina) und dem, vielleicht erfolgreichsten Film aller Zeiten „Star Wars: The Force Awakens“ mitgespielt.

Die Filmmusik in „The Revenant“ ist grandios. Der Score wurde leider schon vorab von AMPAS für die Oscars disqualifiziert. Nach den Regeln der Academy können grundsätzlich zwei Komponisten eine Musik für einen Film schreiben. Die beiden Musiker, der Japaner Ryuichi Sakamoto und der Deutsche Carsten Nicolai, besser bekannt unter dem Pseudonym Alva Noto, haben ihre Musik zwar eigens für „The Revenant“ komponiert, aber sie haben zusätzlich musikalische Werke mindestens eines anderen Künstlers (Bryce Dessner) verwendet. Es ist durchgeklungen, dass die Academy-Mitglieder vom Fachbereich Musik von der Filmmusik von „The Revenant“ beeindruckt waren, aber nicht auseinanderhalten konnten, welche Musik von welchem Komponisten ist. Schade, sonst hätte der Film sicherlich 13 Oscar-Nominierungen bekommen.

„The Revenant“ hat mit 12 Oscar-Nominierungen die meisten in der Oscar-Saison 2015/2016 erhalten (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio, Bester Nebendarsteller Tom Hardy, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bestes Make-up und beste Frisuren und Beste visuelle Effekte)

Dass der Film 12 Oscar-Nominierungen erhalten hat, zeigt, wie beliebt dieser Film bei den Academy-Mitgliedern innerhalb der einzelnen Fachbereiche ist. Der Oscar-Gewinn in der Königskategorie Bester Film ist jetzt – 5 Wochen vor der Verleihung – aber in weiter Ferne gerückt. Vor ein paar Tagen musste ich realisieren, dass rein statistisch gesehen The Big Short den Academy Award in der Kategorie Bester Film gewinnen wird.

„The Revenant“ hat bereits drei Golden Globes (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio) gewonnen.

Update: „The Revenant“ hat 3 Oscars (Beste Regie, Leonardo DiCaprio als Bester Hauptdarsteller und Chivo als Bester Kameramann) gewonnen.

„The Revenant“, Joy und The Hateful Eight waren die letzten drei potenziellen Oscar-Anwärter, die der amerikanischen Presse gezeigt wurden. „The Revenant“ startete am 25.12.15 in ganzen 4 amerikanischen Kinos. Seit  dem 8.1.16 wurde der Film dann landesweit in 3375 Kinos gezeigt. Mit den 12 Oscar-Nominierungen wurde die Kopienzahl noch mal erhöht. Mittlerweile ist er auf 3711 Leinwänden zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

 

Trailer v. Film: „Deadpool„
Bewertung des Trailers: B+ (Redband-Trailer)
Kommentar: Marvel-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Coen-Bros-Film mit Josh Brolin, Geoge Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Captain America: Civil War„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Marvel-Mist, dritter Teil von Captain America mit Iron Man
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „London Has Fallen„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Actionfilm und Fortsetzung zu Olympus Has Fallen
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Free State of Jones„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Bürgerkriegs-Action-Drama mit Matthew McConaughey
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 

D. C. – Film: „Anomalisa“

Ich war am 11.01.16 und am 12.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Anomalisa“ (dt. Kinostart: 21.01.16) 90 min animation, adaptation
dir. Charlie Kaufman, Duke Johnson voices: David Thewlis, Jennifer Jason Leigh, Tom Noonan

 

Der verheiratete Michael Stone (David Thewlis) ist Experte im Kundenservice. Er hat schon einige Ratgeberbücher zu diesem Thema geschrieben. Jetzt ist er nach Cincinnati geflogen, um sein neuestes Buch „How May I Help You Help Them?“ vorzustellen. Michaels Leben ist frustrierend und eintönig. Fakt ist, dass er das Gefühl hat, überall denselben Menschen zu begegnen. Alle Menschen in seinem Umfeld haben tatsächlich die gleiche Stimme (alle von Tom Noonan gesprochen). Im Hotel hört er in seinem Nachbarzimmer dann das erste Mal eine völlig neue Stimme. Er lernt die Dame zu der Stimme kennen. Lisa (Jennifer Jason Leigh) scheint etwas Besonderes zu sein…

A (Wertung von A bis F) „Anomalisa“ ist ein Animationsfilm, der mit der aufwendigen Stop-Motion-Technik gedreht wurde. Nach Synecdoche, New York erst der zweite Film, bei dem der Autor Charlie Kaufman (Being John Malkovich, Adaptation, Eternal Sunshine of the Spotless Mind) Regie führt. „Anomalisa“ basiert auf Charlie Kaufmans (unter seinem Pseudonym Francis Fregoli geschriebenen) gleichnamigen Bühnenstücks.

Seitdem ich seinerzeit „Being John Malkovich“ gesehen habe, ist Charlie Kaufman, der die Vorlage zu diesem wunderbar abgedrehten Film geschrieben hat, für mich ein Genie.

Auf der einen Seite führt einen „Anomalisa“ in die Welt der Geschäftsreisenden, auf der anderen Seite ist es eine Charakterstudie eines Mannes, der sich auf Kundenservice spezialisiert hat und den Banalitäten und Oberflächlichkeiten nerven. Er ist unglücklich verheiratet und hat dazu noch ein nerviges, ständig forderndes Kind. Vielleicht steht er kurz vor einem Nervenzusammenbruch. In jedem Fall leidet er an dem Fregoli-Syndrom. Er glaubt, dass verschiedene Personen in Wirklichkeit ein und dieselbe Person ist.

Und dann ist da Lisa, die so von ihrer Unsicherheit und ihrer Naivität geprägt ist und einen wahrscheinlich schon nach ihren ersten Worten auf den Keks gehen würde, in diese Frau verliebt sich Michael. Warum – man fragt es sich. Aber für Michael hat sie etwas Besonderes. Eine Zeit lang dachte ich tatsächlich, dass „Anomalisa“ eine Liebesgeschichte (für jeden Topf findet sich ein Deckel) erzählt, aber Charlie Kaufman ist viel zu zynisch und seine Geschichten sind viel komplexer. Der Film lässt viel Interpretationsspielraum.

Die Welt der Vielreisenden ist sehr gut beobachtet. Mir waren die banalen Gespräche und Situationen mit Taxifahrern und Hotelangestellten und sogar die Einrichtung des Hotels sehr vertraut. Ich habe mich sogar dabei wiedergefunden, wie man, wenn man sich etwas zu essen bestellen will, nicht weiß, auf welche Taste des Hoteltelefons man nun genau drücken soll. Oder dass die Schlüsselkarten eine Zimmertür entweder sofort öffnen oder es aus unerfindlichen Gründen halt nicht tun. Das war alles so real, dass ich zwischendurch immer wieder vergessen habe, hier eigentlich Puppen zuzuschauen.

Mich hat „Anomalisa“ so sehr begeistert, dass ich ihn mir gleich 2x angeschaut habe. Nach der ersten Sichtung war er allerdings schon ein fester Bestandteil meiner Top Ten Filme aus dem Jahr 2015.

Ich plädiere ja bekanntermassen generell dafür, alle Filme in der Originalfassung zu schauen. Ich versuche mich jedoch mit dieser Aussage zurückzuhalten und sie für unvermeidliche Beispiele aufzusparen. „Anomalisa“ ist so ein Fall. Die amerikanischen Synchronsprecher sind großartig. An dem ganzen Film arbeiten nur drei Sprecher. Ich hätte Jennifer Jason Leigh für diese Arbeit für den Oscar nominiert und nicht zwingend für The Hateful Eight allein für ihren Gesang. Selbstverständlich ist David Thewlis, der Michael Stone spricht, ebenso herausragend. Am Interessanten, aber etwas gewöhnungsbedürftig war Tom Noonons Arbeit. Er spricht alle anderen Figuren (Mann Frau, Kind). Wenn man nicht weiß, dass eine Person alle anderen Figuren spricht, kann es schon etwas irritierend sein.

„Anomalisa“ wurde für den Oscar als Bester Animationsfilm nominiert. Dies ist die 4. Nominierung für Charlie Kaufman. Er hat bereits einen Oscar für sein Originaldrehbuch für den wunderbaren Film „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ gewonnen.

„Anomalisa“ feierte seine Premiere auf dem Telluride Film Festival 2015. Anschließend wurde er auf dem Venice Film Festival 2015 gezeigt, wo er mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnet wurde. Der Film startete am 29.12.15 in genau 4 amerikanischen Kinos. Seit dem 8.1.16 war er dann in 17 und seit dem 15.1.16 in 37 Kinos landesweit zu sehen. „Anomalisa“ startet am 21.01.16 in den deutschen Kinos.

Trailer zu sehen:

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Son of Saul„
Bewertung des Trailers: B (wortloser Trailer)
Kommentar: ungarisches Holocaust-Drama und sicherer Gewinner des Oscars als bester fremdsprachiger Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Lady in the Van„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: britisches Drama mit Maggie Smith
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

amerikanischer Aufsteller von "Anomalisa"
amerikanischer Aufsteller von „Anomalisa“
amerikanisches Filmplakat von "Anomalisa"
amerikanisches Filmplakat von „Anomalisa“

Meine Top Ten Filme aus dem Jahr 2015

Zeit, meine Top Ten Liste für Filme aus dem Jahr 2015 zu veröffentlichen.

Im Juli 2015 bin ich mit meinem kleinen Blog gezwungenermassen von blog.de zu wordpress gezogen. Das andere Portal hatte schlussendlich im Dezember 2015 geschlossen. Mittlerweile habe ich mich hier einigermassen eingelebt.

Hier also meine erst Top Ten-Liste in meinem „neuen“ Blog“

Da ich auch im Jahr 2015 die Möglichkeit hatte, mir Filme in den U.S.A. anzuschauen, versuche ich am Jahresende noch möglichst alle sogenannten Oscar-Anwärter zu gucken, bevor ich meine Liste erstelle. Da trickse ich dann jedes Jahr etwas, weil ich die letzten Filme (The Hateful Eight, The Big Short, Concussion, The Revenant und Anomalisa), genau genommen, in den ersten Tagen des Januars 2016 gesehen habe. Aber schließlich ist es ja meine Liste, also kann ich meine Regeln selbst aufstellen.

In meiner persönlichen Filmliste für das Jahr 2015 tauchen genau 106 Filme auf, die ich bewertet habe. 95 Filme habe ich davon im Kino gesehen (einige wie z.B. Inside Out, Beasts of No Nation, Spotlight, The Good Dinosaur, The Big Short und Anomalisa habe ich sogar mehrmals im Kino bzw. bei Beasts of No Nation auf Netflix gesehen – das habe ich aber nicht mal mitgezählt) und 11 Filme habe ich auf VOD oder DVD gesehen/ bzw. nachgeholt. Auch im Jahr 2015 habe ich es wieder auf drei Filmfestival (Berlinale, Tribeca Film Festival und New York Film Festival) geschafft. Außerhalb der Berlinale Ich habe ich es 7x in Deutschland (Pressevorführungen mitgezählt) ins Kino geschafft, ansonsten habe ich die Filme ausschließlich im Ausland (Seoul, Vancouver, Paris, Montréal, London, Amsterdam und Hongkong – und ansonsten in den U.S.A.) gesehen.

Eine Bestenliste zu erstellen, ist schwierig. Logisch –  insbesondere wenn man, wie ich, so viele gute Filme gesehen hat. Man neigt natürlich dazu sehr gute Filme, die man am Ende des Jahres gesehen hat, auf die Top Ten-Liste zu setzen, einfach nur weil die Filme noch so präsent sind. Das versuche ich zu vermeiden. Ich nominiere einfach vorab, wenn mir Filme außergewöhnlich gut gefielen.

Damit lebe ich bis heute hervorragend. Ansonsten möchte ich, dass meine Bestenliste mein jeweiliges Filmjahr irgendwie möglichst perfekt repräsentiert.

Zugegebenermassen gucke ich wenig wirklich schlechte Filme. Ich habe nun mal die Gelegenheit in den U.S.A. ins Kino zu gehen und dort wähle ich gezielt Filme (meistens Indies oder Oscar-Material) aus. Bevor ich einen Film auswähle, schaue ich bei dem Bewertungsportal Rotten Tomatoes nach und wenn durch eine geringe Prozentzahl energisch von dem Film abraten wird, vermeide ich es, den Film zu gucken.

Meine Lieblingsfilme des Jahres 2015 (in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe):

Ex Machina
Mad Max: Fury Road
Inside Out
The Lobster
Beasts of No Nation
Youth
Spotlight
The Hateful Eight
The Revenant
Anomalisa

 

Beinahe in meine Top Ten hätten es geschafft:

What We Do in the Shadows, White God, Kumiko, the Treasure Hunter, The Big Short und der HBO-Mehrteiler Olive Kitteridge

Eine lobende Erwähnung bekommen : Slow WestThe End of the Tour, die Folge „Kreise“ aus dem Polizeiruf 110 (Buch und Regie Christian Petzold) und definitv die erste Staffel der TV-Serie Mr. Robot

Die für mich besten Performances im Jahr 2015 (in keiner besonderen Reihenfolge): Paul Dano (Love & Mercy, Youth), Cate Blanchett (Truth), Abraham Attah (Beasts of No Nation), Jacob Tremblay (Room), Michael Fassbender (Steve Jobs), Kate Winslet (Steve Jobs), Peter Sarsgaard (Black Mass, Pawn Sacrifice), Mark Ruffalo (Spotlight), Tom Hardy (Legend), Ben Mendelsohn (Mississippi Grind und in der TV-Serie Bloodline), Brie Larson (Room), Charlotte Rampling (45 Years), Rooney Mara (Carol), Benicio Del Toro (Sicario), Mark Rylance (Bridge of Spies), Michael Shannon (sowieso und überall), Stanley Tucci (Spotlight), Liev Schreiber (Spotlight), Matthias Schoenaerts (Far From the Madding Crowd, The Danish Girl), Michael Sheen (Far From the Madding Crowd), Leonardo DiCaprio (The Revenant), Rooney Mara (Carol), Christian Bale (The Big Short), Samuel L. Jackson (The Hateful Eight)

Meine Neuentdeckung des Jahres 2015:

Emory Cohen (Brooklyn), Jacob Tremblay (Room), Daisy Ridley (Star Wars: The Force Awakens), Rami Malek (Mr. Robot), Alicia Vikander (Ex Machina, The Danish Girl)

 

 

Die schlechtesten Filme, die ich 2015 gesehen habe: Blackhat, The Loft (2015), Unfriended, Aloha, Jurassic World, Z for Zachariah, The WalkSecret in Their Eyes

 

Meiner Top Ten-Liste aus dem Jahr 2014 konnte man entnehmen, welche Filme mich am meisten für das Filmjahr 2015 interessierten:

Macbeth, dir. Justin Kurzel
Carol, dir. Todd Haynes
Midnight Special, dir Jeff Nichols
Knight of Cups, dir. Terrence Malick

diese vier Filme tauchten bereits das Jahr zuvor auf und wurden ins Jahr 2015 verschoben. Midnight Special wurde erneut verschoben, jetzt soll er im Jahr 2016 starten

und weiter:
The Revenant, dir. Alejandro Gonzáles Inarritu (in meiner Top Ten für 2015 gelandet)
Silence, dir. Martin Scorsese (ins Jahr 2016 verschoben)
Our Brand is Crisis, dir. David Gordon Green
Everest, dir. Baltasar Kormákur
Demolition, dir. Jean-Marc Vallee (ins Jahr 2016 verschoben)
Hail Caesar, dir. Joel and Ethan Coen (ins Jahr 2016 verschoben)
The Last Face, dir. Sean Penn (ist noch in Produktion)
By The Sea, dir. Angelina Jolie
Money Monster, dir. Jodie Foster (ins Jahr 2016 verschoben)
The Martian, dir. Ridley Scott
Truth, dir. James Vanderbilt
Crimson Peak, dir. Guillerma del Toro
The Early Years, dir. Paulo Sorrentino (in „Youth“ umbenannt und in meiner Top Ten für 2015 gelandet)
Flashmob, dir. Michael Haneke (habe nur noch „Happy End“ gefunden, der für das Jahr 2017 angekündigt ist)
Sea of Trees, dir. Gus van Sant (hatte in Cannes vernichtende Kritiken erhalten)

Letztlich waren es nur „Youth“ und „The Revenant“ die meine Erwartungen erfüllt haben.

Für das Jahr 2016 interessieren mich am meisten:

„Hail, Caesar!“, dir. Joel and Ethan Coen
„Silence“, dir. Martin Scorsese
„Money Monster“, dir. Jodie Foster
„La La Land“, dir. Damien Chazelle
„Snowden“, dir. Oliver Stone
„American Pastoral“, dir. Ewan MacGregor
„War on Everyone“, dir. John Michael McDonagh
„War Machine“, dir. David Michod
„Nocturnal Animals“, dir. Tom Ford
„Loving“, dir. Jeff Nichols
„Salt and Fire“, dir. Werner Herzog
„Certain Women“, dir. Kelly Reichardt
„Paterson“, dir. Jim Jarmusch
„Passengers“, dir. Morten Tyldum
„The Light Between Oceans“, dir. Derek Cianfrance
„Wiener-Dog“, dir. Todd Solondz
„The Promise“, dir. Terry George
„The Story of Your Life“, dir. Denis Villeneuve

 

 

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2014

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2013

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2012

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2011

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2010

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2009

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2008

Meine Top-Ten-Filme aus dem Jahr 2007

 

San Francisco – Film: „The Big Short“

Ich war am 02.01.16 in San Francisco und am 11.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 
„The Big Short“ (dt. Kinostart: 14.01.16) 130 min drama, comedy, adaptation, biopic
dir. Adam McKay cast: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt, Melissa Leo, Marisa Tomei, Rafe Spall, Jeremy Strong, John Magaro, Finn Wittrock, Tracy Letts, Margot Robbie, Selena Gomez

 

New York im Jahr 2005. Der Hedgefonds-Manager und Analyst Dr. Michael Burry (Christian Bale) findet heraus, dass die riskante Kreditvergabe für Immobilien früher oder später zu einem Finanzkollaps führen wird. Er realisiert, mit welchen Investitionen aus der drohenden Immobilien- und Finanzkrise profitiert werden kann.

Der Wertpapierhändler der Deutschen Bank, Jared Vennett (Ryan Gosling), hat von Burrys Investitionsplänen erfahren und möchte auch ein Stück von dem Kuchen abhaben. Er versucht den Trader Mark Baum (Steve Carell) und sein Team zu überzeugen, gegen das Finanzsystem zu wetten.

Die jungen ambitionierten Spekulanten Charlie Geller (John Magaro) und Jamie Shipley (Finn Wittrock) erfahren auch von der Immobilienblase und ziehen Jamies Nachbarn, den ehemaligen Top-Wertpapierhändler Rickert (Brad Pitt) ins Vertrauen.

B (Wertung von A bis F) „The Big Short“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis. Der Film beruht vage auf wahren Begebenheiten. Die Handlung erklärt wie es zu dem Platzen der Immobilienblase und dem weltweiten Bankencrash im Jahr 2008 kam und erzählt wie einige wenige, die das vorausgesehen haben, davon finanziell profitiert haben.

Es ist der neue Film von Adam McKay, der sich zuvor ausschließlich mit Komödien (Anchorman: The Legend of Ron Burgundy, Step Brothers, The Other Guys) einen Namen gemacht hat. „The Big Short“ ist sein erstes Drama, auch wenn es kein reines Drama ist.

Der Regisseur Adam McKay nutzt alle bekannten Regietricks, um seine komplizierte Story und die, mir so verhasste Finanzwelt unterhaltsam zu inszenieren. Er setzt mit seinem Film alles dran, cool und smart zu sein. Vielleicht kann man diesen drögen Stoff einem Mainstream-Publikum nicht anders vermitteln. Mir wirkte es aber mitunter zu aufgesetzt. Es ist originell aber auch irritierend wenn eine Traumfrau wie Margot Robbie (The Wolf of Wall Street) champagnerschlürfend in einem Schaumbad liegt und einem erklärt was Ramschhypotheken sind.
Ich mochte die Macho-Sprüche und die schnellen Schnitte, aber dann, als der Film etwas mehr in sich ruht, war er mir zu langgezogen. Der eine oder andere Charakter trägt sonderbare Frisuren oder Perücken, mich hat das rausgebracht, genauso wie Melissa Leos verwirrend seltsame Brille. Mir war auch nicht klar, was der Film eigentlich sein wollte, etwas Dokumentation, etwas Drama und etwas Komödie/Satire. Wenn man keine Ahnung von den Geschehnissen, die zu der Finanzkrise geführt haben, hat, ist „The Big Short“ sicher auch lehrreich.

„The Big Short“ ist ein Film über Außenseiter. Einen Helden sucht man in dem Film natürlich vergebens – wie auch – wenn es um gierige und skrupellose Banker und Spekulanten, Banken und Ratingagenturen geht. Für mich war Christian Bales Charakter, Dr. Michael Burry, noch am ehesten so etwas wie ein Sympathieträger. Dr. Burry ist Neurologe und wechselte aus Langeweile in die Finanzbranche. Er analysierte den Immoblienmarkt, entdeckte Fehler im System und war einer der Ersten, der die Immobilienblase, die später zu dem Bankencrash führte, erkannte. Christian Bale spielt den, an dem Asperger-Syndrom leidenden, exzentrischen, nuschelnden und leicht stotternden Dr. Burry auf eindrucksvolle Weise. Auch war Ryan Gosling wieder mal ein Hingucker. Ich war angewidert und fasziniert zugleich von diesem solariumgebräunten, schmierigen Jared Vennett, stelle ich mir doch genau so einen Banker aus dieser Zeit vor. Mir hat auch der kaugummikauende Vinny (Jeremy Strong) aus Steve Carells Team gefallen. Ansonsten ist „The Big Short“ ein Ensemble-Film und jeder erfüllt seine Aufgabe.

Wie man vielleicht herauslesen kann, bin ich etwas hin- und hergerissen von dem Film. Im Moment werden „The Big Short“ sogar sehr gute Chancen auf den Oscar-Gewinn als bester Film eingeräumt, daher werde ich ihn mir die Tage nochmal anschauen. Ich werde davon berichten.

B+ (Wertung von A bis F) Bei der zweiten Sichtung ist tatsächlich der Funke übergesprungen. Ich liebe weite Teile des Films. Der Film ist aber nicht perfekt und ich fand ihn auch immer noch zu lang. Beinahe wäre er in meiner Top Ten gelandet.

„The Big Short“ wurde erstmalig zum AFI Fest 2015 gezeigt. Bevor der Film gezeigt wurde, hatte ihn kein Oscar-Experte so richtig als ernstzunehmenden Oscar-Anwärter auf dem Schirm. Mittlerweile wurde der Film von den so wichtigen Filmpreisen innerhalb der Filmindustrie (SAG, PGA, WGA) nominiert. Es ist davon auszugehen, dass „The Big Short“ auch eine Oscar-Nominierung als bester Film erhält. Ich sehe „The Big Short“ neben Spotlight sogar mittlerweile als Favorit auf den Oscar-Gewinn als bester Film. „The Big Short“ hat vier Golden Globe-Nominierungen (Bester Film, Comedy, Bester Hauptdarsteller, Comedy Christian Bale und Steve Carell und Bestes Drehbuch) und sogar fünf BAFTA-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Nebendarsteller, Christian Bale und Bester Schnitt) erhalten.

„The Big Short“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester männlicher Haupt- (oder Neben-) darsteller (Steve Carell), Bester männlicher Nebendarsteller (Christian Bale, Beste weibliche Nebendarstellerin (Melissa Leo, Marisa Tomei), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien.

 „The Big Short“ hat 5 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller Christian Bale, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt) erhalten.

Update: „The Big Short“ hat einen Oscar (Bestes adaptiertes Drehbuch) gewonnen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Finest Hours„
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Disney-Katastrophen-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Revenant„
Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)
Kommentar: Alejandro González Iñárritus neuer Film mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Boss„
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Komödie mit Melissa McCarthy
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Risen„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Historienfilm mit dem nicht so guten Fiennes
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Everybody Wants Some„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Richard Linklaters neuer Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Zoolander No. 2„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Das erste Mal, dass ich einen Trailer im Kino sehe. Ich liebe den ersten „Zoolander“ also muss ich mir den auch anschauen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Nice Guys„
Bewertung des Trailers: A- (Redband Trailer)
Kommentar: Shane Blacks neuer Film mit einem ziemlich angedickten Russell Crowe und Ryan Gosling
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Filmplakat von "The Big Short" in der New Yorker U-Bahn
Filmplakat von „The Big Short“ in der New Yorker U-Bahn

 

San Francisco – Film: „The Hateful Eight – 70mm“

Ich war am 02.01.16 in San Francisco und am 25.01.16 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„The Hateful Eight – 70mm“ (dt. Kinostart: 28.01.16) 180 min  western, mystery, horror
dir. Quentin Tarantino cast: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demián Bichir, Tim Roth, Michael Madsen, Bruce Dern voice: Quentin Tarantino

 

Sechs, acht oder zwölf Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg in Wyoming. Im tiefen Schnee ist die Postkutsche mit dem Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) und seiner Gefangenen Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) unterwegs. Auf dem Weg nach Red Rock treffen sie auf den anderen Kopfgeldjäger (Samuel L. Jackson) und Chris Mannix (Walton Goggins). Da ein heftiger Schneesturm aufzieht, müssen sie für ein paar Tage einen Zwischenhalt in einer Hütte einlegen. Dort haben es sich aber bereits ein paar Fremde gemütlich gemacht.

 

 

A- (Wertung von A bis F) „The Hateful Eight“ ist nach „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, Jackie Brown“, „Kill Bill“, Death Proof, Inglourious Basterds und Django Unchained Quentin Tarantinos achter Spielfilm.

Selbstverständlich habe ich alle Filme von ihm gesehen, einige sogar mehrmals. In meinen Augen war sein letzter Film „Django Unchained“ der schlechteste, den er je gemacht hat. Da ich mich immer noch über den Film ärgere und weil ich hörte, dass „The Hateful Eight“ eher langweilig sein soll und dafür aber 3 Stunden lang, hatte ich schon keine Lust, mir den neuesten Tarantino-Film überhaupt anzuschauen.

Ich habe ihn mir aber natürlich trotzdem angeschaut und zwar – wie es sich der Filmemacher vorstellt – in der 70mm-Fassung. Dafür musste ich für die 11.00-Uhr-vormittags-Vorstellung unglaubliche 18 Dollar löhnen, bekam aber ein schön bebildertes Programm (ein paar Fotos habe ich weiter unten veröffentlicht) und musste eine, für amerikanische Verhältnisse absolut unübliche, Pause hinnehmen.

Der Film ist wie ein Theaterstück aufgebaut, er beginnt mit einer ca. 3-minütigen Ouvertüre. Keine weiteren 7 Minuten später wusste ich, dass ich, die Filmmusik (wie auch die anderen Tarantino-Soundtracks) haben will muss. Schon mit diesem traumhaften Bild als die Kutsche vor Minnie´s Haberdashery hält, war mir klar, dass mir dieser Film gefällt. Der Filmemacher macht dann zu dem richtigen Zeitpunkt eine Pause und direkt nach eben dieser Pause setzt er mit seiner Stimme als Erzähler fort. Seine Geschichte funktioniert und mit dem Verlauf des 4. Kaptitels wusste ich, dass ich „The Hateful Eight“ liebe und dass er festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2015 landet.

Quentin Tarantino nimmt sich viel Zeit für seine Erzählung. Man erkennt, dass er seine Figuren liebt, sie erhalten alle eine respektvolle Einführung und er gibt ihnen viel Raum. Der gesamte Film hat eine kammerspielartige Atmosphäre. Was die Sprache und die Dialoge angeht, zeichnete sich das immer schon als Tarantinos größte Stärke aus. Wenn man – wie ich – sein Regiedebüt „Reservoir Dogs“ und/oder die Anfangsszene aus „Inglourious Basterds“ liebt, wird man auch diesen Film mögen.

Vielen ist der Film zu langsam erzählt. Die Fans von Tarantinos actiongeladenen Gewalt- und Blutspektakel kommen aber auch auf ihre Kosten, nur müssen die sich halt etwas länger gedulden.

Was für mich diesen Film so großartig macht: die mit sehr viel Liebe zum Detail eingerichtete Hütte, die Kostüme (allein das Gebommel an dem Hut des Kutschers), die unfassbar schön fotografierten Bilder, die Dialoge, die Sprüche. Auch liebe ich es, wie er immer wieder auf Dinge zurückkommt, als eine Art running gag (Stichwort: Tür-Szene, Lincoln-Brief, halber Arm). „The Hateful Eight“ wäre auch wunderbar für die Theaterbühne geeignet, das ist vielleicht ein weiterer Grund, warum mir der Film so gut gefällt.

Nachdem Quentin Tarantino die erste Fassung seines Drehbuchs zu „The Hateful Eight“ fertigstellte und u.a. an drei seiner Schauspieler verschickte, ist das Skript bekanntlich im Internet aufgetaucht. Darüber hat sich Filmemacher so sehr geärgert, dass er den Film kurzerhand gar nicht drehen wollte. Er hat sich offensichtlich umentschieden, Änderungen im Drehbuch vorgenommen und – noch vor den Dreharbeiten – am 24.04.15, sogar eine exklusive Lesung in einem Kino in Los Angeles gehalten. Gern hätte ich im Publikum gesessen, als Quentin Tarantino, Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Amber Tamblyn, Walton Goggins, Michael Madsen, Tim Roth, Bruce Dern und James Remar live aus dem ersten Entwurf des „The Hateful Eight“-Skripts lasen.

Vermutlich haben Frauenrechtlerinnen und stets politisch Korrekte ein Problem mit dem Film. Die Gewalt gegenüber Daisy (gespielt von Jennifer Jason Leigh) und die häufige Nutzung des Wortes „Nigger“ erhitzt, zumindest in den U.S.A., die Gemüter. Samuel L. Jackson sagte in einem Interview, dass er überhaupt nicht nachvollziehen warum sie sich über den Gebrauch des „N“-Wortes aufregen. Er ist sicher, dass die sich damals – also sechs, acht oder zwölf Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg – ganz sicher nicht alle politisch korrekt äußerten und wenn sie halt zu oder über einen Afro-Amerikaner sprachen, dann wurde dieses Wort häufig genutzt. Damit hat er vermutlich Recht.

Schauspielerisch hat mir Samuel L. Jackson am Besten gefallen. Eigentlich sind alle Schauspieler exzellent. Der Einzige, der mich leider etwas rausgebracht hat, war Tim Roth. Ich mag den Schauspieler, nur diese Rolle sieht eindeutig so aus, als wäre sie für Christoph Waltz geschrieben. Sobald Tim Roth auftaucht, habe ich nur Christoph Waltz vor mir gesehen. Ich fand sogar, dass Tim Roth Christoph Waltz optisch und sprachlich sehr ähnelte.

Meine Empfehlung:  „The Hateful Eight“ unbedingt in der Originalfassung und möglichst in 70mm-Fassung sehen.

Bekanntermassen gibt es zwei Versionen des Films. Der filmverrückte Quentin Tarantino und sein Kameramann Robert Richardson haben den gesamten Film auf 65mm-Film gedreht. Zum Dreh musste die Objektive dafür eigens aus dem Archiv geholt werden. Das letzte Mal kamen sie im Jahr 1966 (für den Film „Khartoum“) zum Einsatz. In dem Ultra-Breitbild-Format (Ultra Panavision 70) wurden zuvor ausschließlich 10 Filme (u.a. „Ben Hur“ und „Mutiny on the Bounty“) im Kino präsentiert.

Die 70mm-Version von „The Hateful Eight“ ist 3 Stunden lang (plus einer 12 minütigen Pause). Die Multiplex-Version (Digital) unterscheidet sich etwas von der 70mm-Fassung und ist mit 168 Minuten auch etwas kürzer. Ich finde es löblich, dass Quentin Tarantino seinen Fans etwas Besonderes bieten will. Die sogenannte Roadshow, in der er ausschließlich die 70mm-Fassung seines Films zeigt, ist etwas Besonderes. Dabei war es für mich auch nicht weiter wichtig, dass diese ultra-breiten Aufnahmen nicht groß für Außenaufnahmen eingesetzt wurden. Die Geschichte spielt hauptsächlich an einem Ort, aber auch die ultra-breiten Aufnahmen wirken in dieser Hütte. Ich habe die 70-mm-Fassung in einem Kinocenter gesehen und war – für so ein Multiplex – von einem ungewöhnlich interessanten Publikum umgeben. Zum Schluss wurde von einigen Zuschauern  begeistert applaudiert.

A- (Wertung von A bis F) 3 Wochen nachdem ich mir die wunderbare 70-mm-Fassung angeschaut habe, hatte ich Zeit, mir die 168 minütige Mainstream-Version anzusehen. Schon mit den ersten Tönen des herausragenden Soundtracks ist mir das Herz aufgegangen. Alles was ich bereits bei der ersten Sichtung liebte, liebe ich selbstverständlich auch hier. Die 70mm-Fassung ist jedoch ein (seltenes) Event, dass sich kein Filmfan entgehen lassen sollte.

 

„The Hateful Eight“, „The Revenant“ und Joy waren die letzten drei potenziellen Oscar-Anwärter der Saison 2015/2016, die der amerikanischen Presse gezeigt wurden.

„The Hateful Eigth“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester männlicher Hauptdarsteller (Samuel L. Jackson), Bester männlicher Nebendarsteller (Walton Goggins, Kurt Russell, Bruce Dern), Beste weibliche Nebendarstellerin (Jennifer Jason Leigh), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien. Der Film hat drei Golden Globe-Nominierungen erhalten (Jennifer Jason Leigh als beste weibliche Nebendarstellerin, bestes Drehbuch und beste Filmmusik)

„The Hateful Eight“ hat 3 Oscar-Nominierungen (Beste Nebendarstellerin Jennifer Jason Leigh, Beste Filmmusik und Beste Kamera) erhalten.

Update: „The Hateful Eight“ hat einen Oscar (Beste Filmmusik) gewonnen.

„The Hateful Eight“ startete am 25.12.15 in den amerikanischen Kinos. Eine Woche lang wurde der Film – im Rahmen einer Roadshow-Präsentation – ausschließlich auf 100 Leinwänden auf 70mm-Film gezeigt. Seit dem 30.12.15 wurde der Film dann landesweit auch zusätzlich in der Mainstream-Version (Digital), in dann insgesamt 2474 Kinos gezeigt. In Deutschland ist der Film ab dem 28.01.16 im Kino zu sehen. Die 70mm-Fassung ist für Deutschland bislang für vier Kinos (Zoo-Palast in Berlin, Savoy in Hamburg, Schauburg in Karlsruhe und Lichtburg in Essen) bestätigt, in Einzelvorstellungen sogar die zu empfehlende OV- oder OmU-Fassung.

 

 

Trailer zu sehen:

Featurette zu der 70mm-Roadshow zu sehen:

 

Vor der 70mm-Fassung des Films wurden weder (kinoeigene) Werbung noch ein einziger Trailer gezeigt. Danke dafür.

amerikanisches Filmplakat zu "The Hateful Eight"
amerikanisches Filmplakat zu „The Hateful Eight“
Das Booklet zur Roadshow-Präsentation von "The Hateful Eight"
Bilder aus dem Booklet zur Roadshow-Präsentation von „The Hateful Eight“

Das Booklet zur Roadshow-Präsentation von "The Hateful Eight"

 

 

San Francisco – Film: „Spotlight“

Ich war am 18.11.15 in San Francisco und am 27.11.15 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Spotlight“ (dt. Kinostart: 25.02.16) 128 min drama
dir. Tom McCarthy cast: Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, John Slattery, Stanley Tucci, Billy Crudup, Brian d´Arcy James

 

Im Juli 2001 bekommt die Tageszeitung The Boston Globe mit Marty Baron (Liev Schreiber) einen neuen Chefredakteur. Die Redaktion des Spotlight-Teams recherchiert immer zu einem Thema. Spotlight ermittelt diskret, sorgfältig und oftmals über Monate. Marty Baron beauftragt den Redakteur von Spotlight Walter Robinson (Michael Keaton) und seine drei Reporter Michael (Mark Ruffalo), Sacha (Rachel McAdams) und Matt (Brian d´Arcy James), an einem Fall zu recherchieren. Es geht um jahrzehntelangen Kindesmissbrauch einiger katholischen Priester in Boston.

 

A- (Wertung von A bis F) „Spotlight“ basiert auf wahren Begebenheiten. Die Zeitung The Boston Globe deckte im Jahr 2002 den sexuellen Kindesmissbrauch von über 80 katholischen Priestern – allein im Raum Boston – auf. Darüber und wie die katholische Kirche versucht hat, den Missbrauch unter den Teppich zu kehren, schrieben einige investigative Journalisten eine Exklusiv-Story. Es war eine Serie an Artikeln, die seinerzeit den Pulitzer-Preis gewonnen hat.

Es ist ein Film von Schauspieler und Regisseur Tom McCarthy (The Station Agent, The Visitor, Win Win).

„Spotlight“ ist ein unaufgeregter Film, der es dennoch schafft von Anfang bis Ende zu fesseln. Mich hat der Film an Michael Manns Film „The Insider“ erinnert, einem meiner Lieblingsfilme.

„Spotlight“ wäre eine ausgezeichnete Werbung für eine Journalisten-Schule. Auch wenn es für heutige Verhältnisse schon fast gestrig wirkt wie die Reporter im Jahr 2001, als sie mit ihren Ermittlungen begannen, weitgehend ohne das Internet recherchierten. Der Film zeigt was guten Journalismus ausmacht. Die mühsame Ermittlungsarbeit, die Hindernisse, die sie überwinden mussten, aber irgendwann – Monate später – haben sie eine Story, auf die stolz sein können. Ich hätte ihnen noch ewig bei ihrer Arbeit zuschauen können.

„Spotlight“ ist ein Ensemble-Film wie er im Buche steht – ausnahmslos alle Schauspieler sind idealbesetzt und in ihrer Rolle überzeugend. Normalerweise habe ich ein Problem mit Rachel McAdams, aber sogar sie ist erstklassig, insbesondere in ihren Interviews mit Opfern und dem einen Priester. Ein paar Schauspieler aus dem Ensemble fand ich jedoch noch einen Tick besser als die anderen und das sind: Mark Ruffalo als hartnäckiger, leidenschaftlicher Reporter, Stanley Tucci als Opfer-Anwalt und Liev Schreiber als neuer Chefredakteur des Boston Globe.
Update nach dem 2. Kinobesuch:

A (Wertung von A bis F) Eine Woche nachdem ich „Spotlight“ das erste Mal im Kino gesehen habe, habe ich ihn mir ein zweites Mal angeschaut. Mit der ersten Sichtung war er bereits im engeren Kreis meiner Favoritenfilme für das Jahr 2015, mit dem zweiten Mal bin ich mir sicher, dass er in meiner Bestenliste auftaucht. Ich habe sogar meine Bewertung verbessert. Selten gebe ich uneingeschränkte Bestbewertung – für mich ist es aber ein perfekter Film.

Bei meiner 2. Sichtung ist mir zuallererst dieser einprägsame, leicht wiederzuerkennende und großartige Score von Howard Shore aufgefallen.

Der Film könnte im nächsten Jahr den Oscar als bester Film gewinnen. Jetzt ist es Ende November und es sieht danach aus, dass entweder „Spotlight“, The Martian oder „Joy“ um den Academy Award in der Kategorie Bester Film konkurrieren.

„Spotlight“ ist für folgenden Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Michael Keaton, Mark Ruffalo, Liev Schreiber, Stanley Tucci), Beste Nebendarstellerin (Rachel McAdams), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien.

„Spotlight“ hat 6 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller Mark Ruffalo, Beste Nebendarstellerin Rachel McAdams, Bester Schnitt, Bestes Originaldrehbuch) erhalten.

Update: „Spotlight“ hat 2 Oscars (Bester Film und Bestes Originaldrehbuch) gewonnen.

„Spotlight“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2015 gezeigt. Der Film ist am 6.11.15 in fünf Kinos in den U.S.A. gestartet. Seit dem 20.11.15 hat der Film seinen wide release und läuft in 897 amerikanischen Kinos. Bei meinem ersten Kinobesuch in San Francisco wurde zum Schluss applaudiert. Bei meinem zweiten Kinobesuch in einem beinahe ausverkauften Haus waren die Zuschauer hochkonzentriert und ich hatte den Eindruck richtig geschockt von dem was sie zum Schluss (weiß auf schwarz) zu lesen bekamen.

 
Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Joy“
Bewertung des Trailers: A- (neuer Trailer)
Kommentar: David O. Russells neuer Film, wieder mit Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Robert De Niro. Film  wurde erstmalig am letzten Wochenende gezeigt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Concussion“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama und Biopic mit Will Smith – der im Trailer einen sehr guten Eindruck hinterlässt – möglicher Oscar-Kandidat
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Big Short“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Eine Satire über die Finanz- und Immobilienkrise. Kaum einer versteht den Film gänzlich, aber gut soll er sein. Mit Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Film der Coens mit Josh Brolin, George Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Danish Girl“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic mit Eddie Redmayne, Alicia Vikander und Matthias Schoenaerts
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: bereits gesehen

Teaser v. Film: „Snowden“
Bewertung des Teasers: A-
Kommentar: Eindrucksvoller Teaser zu Oliver Stones neuem Film. Biografischer Thriller über Edward Snowden mit Joseph Gordon-Levitt, Melissa Leo, Tom Wilkinson, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Triple 9“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: John Hillcoats neuer Film mit Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Aaron Paul, Woody Harrelson und Kate Winslet
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Amsterdam – Film: „Youth“

Ich war am 05.11.15 in Amsterdam und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Youth“ (Originalfilmtitel: „La giovinezza“, dt. Filmtitel: „Ewige Jugend“, dt. Kinostart: 26.11.15) 119 min drama, comedy
dir. Paolo Sorrentino cast: Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda

Der pensionierte Komponist und Dirigent Fred Ballinger (Michael Caine) verbringt mit seiner Tochter Lena (Rachel Weisz) und seinem besten Freund Mick (Harvey Keitel) einen Urlaub in einem luxuriösen Wellness-Hotel in den Schweizer Alpen. Mick ist Regisseur und arbeitet an seinem neuen, wohl letzten Film. Fred Ballinger wird von einem Abgesandten des britischen Königshauses aufgesucht und gebeten, noch einmal ein Konzert anlässlich des Geburtstages des Gemahlen der Queen zu geben. Der berühmte Dirigent lehnt dies aus persönlichen Gründen ab und geniesst weiter seinen Urlaub.

A- (Wertung von A bis F) Nach „This Must Be the Place“ ist „Youth“ der zweite englischsprachige Film des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino.

Die Magie der Bilder. Wenn man nicht weiß, was darunter zu verstehen ist, sollte man sich von Paolo Sorrentinos bildgewaltigen Filmen verführen lassen. „Youth“ ist ein visuelles Meisterwerk. Ich glaube, ich brauchte keine 20 Minuten um zu wissen, dass dieser Film (wie bereits sein Vorgängerfilm The Great Beauty) unwiderruflich in meiner Bestenliste auftauchen wird.

Michael Caine ist ein Ausnahmeschauspieler. Allein wenn ich seine Stimme höre, wird mir warm ums Herz. Der zweimalige Oscar-Gewinner verleiht dem schlechtesten Film noch so etwas wie Würde. Die Lobeshymnen auf seine Performance in „Youth“ sind natürlich gerechtfertigt. Harvey Keitels Performance fand ich aber gleichwertig und wird bei den Kritikern zu selten hervorgehoben.

Ich liebe Paul Dano – sowieso und besonders seinen Charakter hier. Er spielt einen Hollywood-Schauspieler, mehr sei nicht verraten. In seinem Wesen, zurückhaltend, meist in sich ruhend, Situationen aufsaugend, wach und interessiert alles beobachtend, habe ich mich wahrscheinlich selbst wiedererkannt. Mit Danos Performance in „Youth“ als Unterstützung sollte es doch möglich sein, dass er eine so wohlverdiente Oscar-Nominierung für Love & Mercy bekommt.

Anfangs war ich etwas irritiert von Jane Fondas Auftritt, sie wirkte auf mich zunächst beinahe wie ein alternder Transvestit und ich wusste das nicht wirklich einzuordnen (rückblickend muss ihr Aussehen aber beabsichtigt sein, wenn man sich die Perfektion der restlichen Inszenierung des Filmemachers anschaut), dann aber wenn sie mit ihrem Monolog über die Filmindustrie loslegt und immer mehr in Fahrt gerät, war ich ganz bei ihr. Vielleicht ist Jane Fonda nicht länger als 6 oder 7 Minuten im gesamten Film zu sehen, aber ihre Performance ist nachhaltig.

„Youth“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2015 gezeigt. Der Film soll am 4.12.15 in einigen amerikanischen Kinos starten. Ich habe in einem Kino in Amsterdam gesehen. Gezeigt wurde die Originalfassung mit niederländischen Untertiteln.

„Youth“ wurde kürzlich fünfmal für den Europäischen Filmpreis nominiert und ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Michael Caine), Bester Nebendarsteller (Harvey Keitel), Beste Nebendarstellerin (Jane Fonda, Rachel Weisz), Bestes Originaldrehbuch und einige technische Kategorien

Update: „Youth“ hat 1 Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Song erhalten.

 

Der amerikanische Trailer gibt den Film nicht so gut wieder, daher habe ich mich entschieden, auf den internationalen Trailer hinzuweisen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Son of Saul“ (wortloser Trailer)
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: ungarisches Holocaust-Drama und wohl sicherer Gewinner des Oscars in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Star Wars: The Force Awakens“ (gezeigt in der OmU)
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: J.J. Abrams Star Wars-Film – interessiert mich null.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Kino in Amsterdam: Für mich war es das erste Mal, dass ich in Amsterdam im Kino war. In Amsterdam werden ALLE Filme in der Originalfassung mit niederländischen/ oder englischen Untertiteln gezeigt. Mit dem Kriterion (Roetersstraat 170, 1018 WE Amsterdam) habe ich ein sehr schönes Programmkino gefunden. Die Kinokarte kostete 9,50 EUR, dafür gibt´s aber freie Platzwahl (ich habe mir sagen lassen, dass dies leider nicht üblich ist in Amsterdam). Die Sitze zumindest im Kinosaal 1 waren neu und bequem. Insgesamt wurden 10 Minuten Werbung und Trailer gezeigt.

amerikanisches Filmplakat von "Youth"
amerikanisches Filmplakat von „Youth“
Das Kriterion in Amsterdam
Das Kriterion in Amsterdam

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Netflix – Film: „Beasts of No Nation“

Ich habe mir folgenden Film über Netflix (U.S.) angeschaut:

„Beasts of No Nation“ (ist seit dem 16.10.15 über Netflix weltweit zu sehen) 137 min drama, adaptation
dir. Cary Fukunaga cast: Idris Elba, Abraham Attah, Emmanuel Nii Adom Quaye, Annointed Wesseh

Der etwa 10-jährige Agu (Abraham Atta) lebt in einem bürgerkriegserschütterten westafrikanischen Land. Nachdem seine Mutter mit den kleinen Geschwistern aus dem Dorf geflüchtet ist, bleibt Agu mit seinem Vater und seinem älteren Bruder zurück. Als korrupte Regierungssoldaten ins Dorf einmarschieren, exekutieren sie sämtliche Bewohner, darunter auch Agus Vater und seinen älteren Bruder. In letzter Minute kann Agu noch in den Dschungel flüchten. Plötzlich ist er auf sich allein gestellt. Bald darauf gerät er in die Fänge einer bewaffneten Rebellentruppe. Deren Anführer ist der Commandant (Idris Elba), der Agu als Kindersoldat abrichtet.

A (Wertung von A bis F) „Beasts of No Nation“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Uzodinma Iweala. Es ist der neueste Film von Cary Fukunaga (Jane Eyre und die erste Staffel von „True Detective“). Cary Fukunaga hat hier nicht nur Regie geführt, er hat auch das Drehbuch geschrieben, die Kamera geführt und ist Produzent seines Films.

„Beasts of No Nation“ ist ein Film, der ins Kino gehört. Ich hätte ihn mir auch liebend gerne dort angeschaut. In Deutschland kommt er jedoch gar nicht ins Kino und in den USA muss man sich schon Mühe geben und viel Glück haben, ein Kino zu finden, das den Film überhaupt spielt (Erklärung weiter unten). So habe ich mir den Film unter widrigsten Bedingungen (ich hatte einen sehr langen Flug hinter mir, war ich-will-nur-noch-in-die-Wanne-und-dann-ins-Bett-müde und dazu noch auf einen 13-Zoll-Computerbildschirm) angeschaut. Die meisten Filme hätte ich unter diesen Umständen zwar auch angefangen (schließlich war es der erste Tag, an dem Netflix diesen Film erstmalig zur Verfügung stellte), sie aber nach einer halben Stunde ausgemacht und am nächsten Tag weitergeschaut. „Beasts of No Nation“ hat mich aber quasi von Beginn an gefesselt, gar aufgeregt, meinen Puls zum Rasen gebracht, mich schockiert und tief berührt.

Zunächst bekommt man eine kleine Einführung in Agus familiäre Situation (der kranke Großvater, der Vater, die Mutter, der ältere Bruder und die zwei jüngere Geschwister) und bekommt ein Gefühl dafür, wie sein Alltag aussieht und sieht was er für ein recht unbeschwerter Junge ist. Als sich die Lage in dem Bürgerkriegsgebiet zuspitzt, muss Agus Mutter mit dem Baby und der jüngeren Schwester flüchten. Er bleibt zurück, bei den Männern in ihrem Dorf, das sie vor Plünderern schützen wollen. Dann geht alles sehr schnell, die Regierungstruppen erreichen das Dorf, exekutieren die Bewohner und Agu schafft es, noch gerade so zu entkommen. Nur wohin? Von einem Moment auf den anderen hat der ungefähr 10-jährige Junge keine Familie mehr und ist im Dschungel völlig auf sich allein gestellt.

„Beasts of No Nation“ ist wie ein Tritt in die Magengrube. Es ist ein hochspannendes, sehr atmosphärisches, aber auch heftiges Drama. Ich hatte das Gefühl, alles aus nächster Nähe zu beobachten, bzw. beobachten zu müssen. Es gibt Szenen, die wahnsinnig viel vom Zuschauer abverlangen. Nach der Ermordung seines Vaters und Bruders ist er ängstlich und traumatisiert und dann steht der manipulative Commandant (hervorragend von Idris Elba portraitiert) vor ihm und zwangsrekrutiert Agu. Die folgenden Ereignisse sieht man quasi durch Agus Augen, man sieht seine Angst, seine Hilflosigkeit, seine Beobachtungen, sieht wie er versucht, sich anzupassen, nicht aufzufallen und diese grauenhafte Welt zu begreifen, in die er geraten ist. Für mich ist der Film ein glaubhaftes Portrait eines normalen afrikanischen Jungen, der keine Chance hat und in das Kindersoldatensein hineinwächst.

Abraham Attah empfiehlt sich hier für eine Oscar-Nominierung. Fraglich jedoch, ob er für eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller oder Bester Nebendarsteller ins Rennen geht. Der Erfahrung nach finden sich Kinder, egal wie groß und wichtig ihre Rolle in dem Film ist, meistens in der Kategorie Beste Nebenrolle wieder. Jüngere Beispiele dafür: Haley Joel Osment in „The Sixth Sense“, Abigail Breslin in „Little Miss Sunshine“ und Hailee Steinfeld in True Grit.

„Beasts of No Nation“ ist der erste von Netflix produzierte Spielfilm. Netflix geht neue Wege mit diesem Film. Durch die zeitgleiche Netflix- und Kinoauswertung eines möglichen Oscar-Anwärters bringt Netflix die Branche in Rage. Durch die amerikanischen Kinoauswertung qualifiziert sich der Film aber für die Oscars. Ob die Academy-Mitglieder einen Netflix-Film vielleicht dennoch ignorieren, bleibt abzuwarten.

„Beasts of No Nation“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, bzw. Bester Nebendarsteller (Abraham Attah), Bester Nebendarsteller (Idris Elba), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien.

Es bleibt auch die Frage, ob sich die AMPAS-Mitglieder diesen Film überhaupt anschauen wollen. Ich erinnere mich da zu gerne an die  Oscar-Saison 2013/14 und den Film 12 Years a Slave. Dieser Film hat zwar letztlich den Oscar als Bester Film gewonnen, es wurde aber bekannt, dass viele Academy-Mitgliedern sich den Film gar nicht angeschaut haben. Sie haben ihn aber dennoch gewählt, weil der Druck zu groß war und sie sich verpflichtet gefühlt haben. Es ist gerade 1 1/2 Jahre her, dass Steve McQueens Meisterwerk den Oscar gewonnen, nominieren die AMPAS-Mitglieder im nächsten Jahr jetzt wieder einen so krassen, unbequemen Film mit einer afrikanischen Thematik? Die Academy-Mitglieder erhalten stapelweise DVDs potenzieller Oscar-Anwärter nach Hause geschickt und erhalten Einladungen zu entsprechenden Screenings. Viele Academy-Mitglieder gucken die DVDs über die Weihnachtsfeiertage (kurz bevor sie ihre Stimme abgeben müssen). Selbstverständlich können sie nicht alle Filme gucken. Greifen sie jetzt zu dem Screener von „Beasts of No Nation“ oder doch lieber zu einem Gute-Laune-Film wie The Martian. Ich hätte es kürzlich noch nicht gedacht, aber „The Martian“ hat mittlerweile tatsächlich sehr gute Chancen auf eine Oscar-Nominierung als Bester Film. „The Martian“ hat ein hervorragendes Einspielergebnis in den U.S.A. erzielt und es hat sich herausgestellt, dass irgendwie alle den Film mögen und keiner ihn hasst. Beste Voraussetzung für eine Oscar-Nominierung.

„Beasts of No Nation“ muss sich einer weiteren Problematik stellen. Die ganzen Oscar-Kampagnen laufen und der Film ist in die Schusslinie geraten. Dem Film wird vorgeworfen, Afrika in einem zu schlechten Licht erscheinen zu lassen und das noch von einem „weißen“ Filmemacher. Cary Fukunaga ist US-Amerikaner, hat aber – wie der Nachname bereits vermuten lässt – japanische Wurzeln.

„Beasts of No Nation“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2015 gezeigt. Dort wurde Abraham Attah mit dem Marcello Mastroianni Award ausgezeichnet.

„Beasts of No Nation“ ist am 16.10.15 in 31 amerikanischen (und einigen britischen) Kinos gestartet. Die meisten amerikanischen Kinobetreiber haben es abgelehnt, den Film im Kino zu zeigen. Als Grund haben, die vorwiegend großen Kinoketten angegeben, dass sie, durch die zeitgleiche Auswertung des Films über Netflix kein – wie sonst üblich – 90-Tage-Exklusivrecht haben, den Film zu zeigen. Das Einspielergebnis an der amerikanische Kinokasse am ersten Wochenende war desaströs. Ich bin definitiv auch kein Fan von der Filmauswertung auf diesem Weg. Anspruchsvolle Filme und wie in dem Fall mögliche Oscar-Kandidaten gehören zuerst ins Kino und sollten zunächst auch nur so konsumiert werden. Netflix-Abonnenten streamen hauptsächlich leichte Kost und ein Film wie „Beast of No Nation“ ist genau das Gegenteil und wird in so einem Portal untergehen. Schade um so einen großartigen Film.

Selbstverständlich ist „Beasts of No Nation“ festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2015.

Trailer zu sehen:

NYC – Film: „The Lobster“

Ich war am 27.09.15 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Lobster“ 118 min drama, comedy
dir. Yorgos Lanthimos cast: Colin Farrell, Rachel Weisz, Jessica Barden, Olivia Colman, Lea Seydoux, John C. Reilly, Ben Whishaw

In einer etwas anderen Welt. Verwitwete, geschiedene oder getrennt lebende Menschen – halt Alleinstehende – sind für die Welt nutzlos und werden verhaftet. Sie müssen in einem abgelegenen Hotel einchecken und sind verpflichtet, innerhalb von 45 Tagen einen neuen Partner zu finden. Gelingt ihnen das, sind sie wieder Teil der Gesellschaft, scheitern sie, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und ausgesetzt. Die Hotelgäste können aber nicht einfach so vorgeben, eine neue Beziehung zu haben, sie müssen schon plausible Gemeinsamkeiten mit ihrem neuen Partner vorweisen (beispielsweise Nasenbluten). Bei dem Ganzen liegt es nahe vor der Verwandlung aus dem Hotel zu flüchten und in dem Wald mit den anderen geflüchteten, partnerlosen Menschen zu leben – wären da nicht die Hotelgäste, die regelmässige Jagden veranstalten. Wenn die Hotelgäste auf einen der flüchtigen Singles schießen und diesen betäuben, bekommen sie einen zusätzlichen Tag für die Partnersuche gutgeschrieben. David (Colin Farrell) wurde von seiner Frau verlassen und landet mit seinem Bruder Bob, einem Hund, (der bereits vor Jahren bei der Partnerwahl versagte) in dem Hotel. Die strenge Hotelmanagerin (Olivia Colman) macht ihn mit den Regeln vertraut und fragt ihn, in was für ein Tier er sich verwandeln lassen möchte. David hat sich entschlossen, in einen Hummer transformiert zu werden.

B+ (Wertung von A bis F) „The Lobster“ ist das englischsprachige Spielfilmdebüt des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos. Sein verstörenden Film Dogtooth war im Jahr 2011 überraschend für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.

„The Lobster“ ist nicht minder verstörend. Der Film ist skurril, zynisch, krass, wahnsinnig witzig, aber auch liebenswert und vor allen Dingen einzigartig.

Vordergründig ist „The Lobster“ eine Beziehungssatire, es ist aber auch eine Liebesgeschichte. Wenn man einen in eine solche verrückte Welt führt, muss man dem Zuschauer erklären, wie diese funktioniert. Der Filmemacher hat ein durchdachtes Regelwerk aufgestellt und so war ich von Beginn an gefesselt und fasziniert zugleich.

Was macht einen herausragenden Film aus? Für mich sind es Filme, die mir noch lange in Erinnerung bleiben. „The Lobster“ ist kein perfekter Film, aber da ist diese absurde Idee und diese abgefahrene Welt, die ich wahrscheinlich nie vergessen werde. An einige schräge Szenen (beispielsweise diese inszenierten Theaterstücke, die zeigen warum es wichtig ist, einen Partner zu haben) bringen mich jetzt noch zum Lachen, wenn ich nur an sie denke. Dann gibt es diese Szene beim Tanztee, bei der die strenge Hotelmanagerin (gespielt von der wunderbaren Olivia Colman, bekannt aus Tyrannosaur und der TV-Serie Broadchurch 1. Staffel und 2. Staffel) auf der Bühne steht und beginnt, zu singen – da sind mir beinahe die Tränen gelaufen, so glücklich hat mich dieser absurde Film zu dem Zeitpunkt bereits gemacht.

„The Lobster“ ist festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2015.

Ich habe den Film auf dem NYFF 53 gesehen und selbstverständlich ist dieser Film bei den New Yorkern begeistert aufgenommen worden.

„The Lobster“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2015 gezeigt. Auf diesem Festival hat der Film den Jury Prize und den Queer Palm gewonnen (zusätzlich wurde Bob mit dem Palm Dog Award ausgezeichnet). Wie bereits erwähnt, habe ich den Film auf dem New York Film Festival 2015 gesehen. Yorgos Lanthimos, Rachel Weisz und Ariane Labed (siehe Fotos) haben sich im Anschluss an den Film den Fragen des Publikums gestellt. Der Film hat bereits einen amerikanischen Verleiher, bislang aber noch keinen amerikanischen Starttermin. Sony Pictures hat die Vertriebsrechte für den deutschsprachigen Raum erworben.

Trailer zu sehen:

Kleiner Ausschnitt zu sehen:

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NYFF53 „The Lobster“ Q&A mit Ariane Labed, Rachel Weisz und Regisseur Yorgos Lanthimos
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NYFF53 „The Lobster“ Q & A mit Ariane Labed, Rachel Weisz und Regisseur Yorgos Lanthimos
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NYFF53 „The Lobster“ Q & A mit Ariane Labed, Rachel Weisz und Regisseur Yorgos Lanthimos

TV – Serie: „Mr. Robot, 1. Staffel“

Ich habe mir die komplette Staffel folgender TV-Serie angeschaut:

„Mr. Robot, 1. Staffel“ (Die erste Staffel von „Mr. Robot“ ist bereits im deutschen iTunes Store erhältlich) pilot: 64 min, 8 x approx. 45 min, finale: 54 min thriller, drama
dir. Niels Arden Oplev, Sam Esmail, Jim McKay, Nisha Ganatra, Deborah Chow, Christoph Schrewe, Tricia Brock cast: Rami Malek, Christian Slater, Portia Doubleday, Carly Chaikin, Frankie Shaw, Martin Wallström, Gloria Reuben, Michael Gill, Ben Rappaport, B.D. Wong

Elliot (Rami Malek) lebt in New York und arbeitet als Computeringenieur bei der Internetsicherheitsfirma Allsafe Security. Seine IT-Kenntnisse und Fähigkeiten nutzt er auch in seiner Freizeit. Er hackt sich über den Computer in das Leben anderer Menschen ein. Er schnüffelt Privates über ihm Nahestehende, aber auch Fremde aus. Dadurch kann er eine Verbindung zu seinen Mitmenschen aufbauen, kann herausfinden, wem er trauen kann und wem nicht. Elliot hat psychische Probleme. Er leidet unter einer Sozialphobie und Depressionen. Anders ist es ihm nicht möglich, eine Beziehung zu Menschen aufzubauen. Seine Probleme versucht er mit Drogen zu lindern. Elliot ärgert sich über so viele Dinge in der Gesellschaft. Im Vergleich zu anderen will er aber nicht teilnahmslos dabei zugucken, wie die Gesellschaft immer mehr zugrunde geht. Er will handeln, etwas gegen Ungerechtigkeiten und Korruption, aber vor allen Dingen gegen skrupellos agierende Großkonzerne unternehmen. Als der Zentralrechner des weltgrößten Konglomerats E Corp erneut gehackt wird, ruft man Elliot um die Sache aufzuklären und größeren Schaden abzuwenden. E Corp ist der Hauptauftraggeber seines Arbeitgebers All Safe aber auch Elliots größtes Feindbild. Er nennt E Corp Evil Corp, denn das beschreibt das Unternehmen am besten. Bald findet er heraus, dass fsociety hinter dem Hacker-Angriff auf E Corp steckt, auch entdeckt er eine verschlüsselte Nachricht an ihn persönlich. Nur wenig später wird er von einem mysteriösen Mann (Christian Slater) angesprochen. Er bietet Elliot an, seiner geheimen Hacker-Organisation fsociety beizutreten. Fsociety will E Corp zu Fall bringen.

A- (Bewertung von A bis F) „Mr. Robot“ ist die TV-Serie des Sommers 2015. Mit Olive Kitteridge und The Jinx – The Life and Deaths of Robert Durst habe ich dieses Jahr bereits zwei herausragende Fernsehproduktionen gesehen, „Mr. Robot“ ist aber auf dem besten Wege für mich die TV-Serie des Jahres zu werden.

Erstmalig bin ich auf dem Tribeca Film Festival 2015 auf diese Serie aufmerksam geworden. Im April 2015 wurde auf diesem New Yorker Filmfestival die Pilot-Folge von „Mr. Robot“ im Kino gezeigt. Ich habe sie zwar dort nicht gesehen, aber es hat sich in Nullkommanichts rumgesprochen, wie cool und zeitgeistig diese neue Serie zu sein scheint.

Serienschöpfer Sam Esmail wollte ursprünglich ein Drehbuch für einen Spielfilm schreiben. Dann hatte er aber immer mehr Ideen, die Figuren wurden komplexer, die Handlung umfangreicher, so dass ihm das Projekt als Serie geeigneter erschien. Sam Elliot traf sich dann mit den Verantwortlichen verschiedener Fernsehanstalten und stellte sein Konzept für eine TV-Serie vor. Dass „Mr. Robot“ dann ausgerechnet bei dem, nicht gerade für mutige und düstere Projekte bekannten amerikanischen Kabelsender USA Network gelandet ist, ist sonderbar. Sicherlich hätte eine Serie wie „Mr. Robot“ bei dem Streaming-Sender Netflix oder bei den amerikanischen Pay-TV-Sendern HBO und SHOWTIME eine größere Aufmerksamkeit erreicht und damit noch mehr Zuschauer und Fans gewonnen. So bleibt die Serie zunächst eine Insider-Kultserie.

Mit einigen Co-Autoren hat Sam Esmail die brillante Vorlage für diese außergewöhnliche TV-Serie geschrieben. Vor vielen Jahren war er selbst Hacker und ist immer noch mit vielen Computerhackern bekannt. In der Vergangenheit hat er sich zu oft darüber geärgert, wie die Hacker-Szene in Filmen oder auch TV-Serien portraitiert wurde. Wenn ich mich da an Hollywoods letzten Ausflug ins Hacker-Milieu erinnere (Michael Manns Film Blackhat), in dem der braungebrannte Surfertyp Chris Hemsworth einem weismachen wollte, er wäre ein Hacker, kann ich Sam Esmails Empörung durchaus nachvollziehen.

Sam Esmail hatte drei Inspirationsquellen für „Mr. Robot“: 1. der arabische Frühling (insbesondere die Ereignisse in Ägypten), 2. der Finanzkollaps im Jahr 2008 und 3. Korruption im Allgemeinen.

Die erste Staffel von „Mr. Robot“ prangert den wachsenden Narzissmus der Menschen an. Heutzutage sind Leute, die ihr Leben nicht über soziale Medien teilen wollen, eher die Seltenheit. Der Selbstdarstellungsdrang hat viele Menschen gepackt und sie inszenieren sich über Facebook und den ganzen anderen sozialen Netzwerken. Selbstverständlich ist dies – zusammen mit den von Sam Email genannten Inspirationsquellen – genau mein Thema. Mir bleibt bis heute rätselhaft, warum so viele Menschen (wenn es nicht beruflichen Zwecken dient) ihr Leben im Internet öffentlich machen. „Mr. Robot“ kritisiert soziale Medien und den leichtfertigen Umgang damit. Die Serie übt aber auch heftige Kritik an der heutigen Gesellschaft, der Verlogenheit von Berühmtheiten und Politikern und vor allen Dingen an dem unverantwortlichen Handeln, der Skrupellosigkeit von Großkonzernen, aber auch Einzelpersonen. Sind wirklich alle Menschen bestechlich? Eigentlich wird das gesamte System, in dem wir leben in frage gestellt. Mit allem was „Mr. Robot“ thematisiert und gerade mit den jüngsten Cyber-Angriffen auf Regierungen, Politiker (Hillary Clinton, etc.), Unternehmen (Sony Pictures, etc.) und auch Webseiten (aktuell das Fremdgeh-Portal Ashley Madison) trifft die Serie genau den Nerv der Zeit.

Was mir ungewöhnlich mutig dabei erschien, ist, dass „Mr. Robot“ nicht davon zurückscheut, Namen zu nennen. So bekommen einstige Helden, die die Öffentlichkeit getäuscht haben (Lance Armstrong, Biill Cosby, Tom Brady) ihr Fett weg, aber auch Starbucks, „The Hunger Games“-Bücher und Filme und natürlich auch die Marvel-Filme, aber auch wir, als Konsument dieser Produkte, Bücher und Filme, bekommen den Spiegel vorgehalten.

Evil Corp symbolisiert das Böse in der ersten Staffel von „Mr. Robot“. Es ist der weltgrößte Konzern, der von Elliot so gehasst wird und der zu Fall gebracht werden soll. E Corp ist ein Konglomerat aus vielen Unternehmen. Eigentlich heisst der Konzern E Corp, wird aber von Elliot Evil Corp genannt. Jedes Mal wenn über E Corp gesprochen wird, sagt oder hört Elliot (und damit auch wir als Zuschauer und Vertrauter von Elliot) Evil Corp. E Corp ist angelehnt an den amerikanischen Großkonzern Enron (selbst das Logo von E Corp gleicht dem des ehemaligen Energie-Unternehmens Enron). Bei dem Energie-Konzern Enron wurden seinerzeit im großen Ausmaß Bilanzen gefälscht. Anleger wurden um Milliarden betrogen. Die ehemaligen Chefs wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Der Skandal steht bis heute für die grenzenlose Gier von Unternehmensvorständen. Enron ist im Jahr 2001 Pleite gegangen.

Gerade durch die unkonventionelle Erzählweise unterscheidet sich „Mr. Robot“ von allen anderen Serien. Auch ist die Hauptfigur (Elliot) anders als alle anderen Hauptfiguren bekannter Serien. Vom Aussehen und seiner Psyche ist Elliot ungewöhnlich. Er strahlt etwas distanziertes, undurchsichtiges, ja rätselhaftes aus. Auf der anderen Seite stelle ich mir einen Hacker genau so vor wie Elliot. Rami Malek ist grandios in der Rolle. Rami Malek ist Elliot. Die Serie „Mr. Robot“ ist ohne ihn undenkbar. Als er kürzlich in einem Interview sagte, dass er privat mit Computern nicht viel am Hut hat, wollte ich es kaum glauben.

Elliot leidet unter einer sozialen Angststörung, Er ist nicht gerne in der Gesellschaft anderer Menschen, noch mehr hasst er es, berührt zu werden. Elliot ist einsam und depressiv. Er nimmt Drogen (Morphine). Hat er durch seinen Drogenkonsum eine zu ausgeprägte Fantasie oder gar Wahnvorstellungen? Bildet er sich bestimmte Dinge nur ein? Trug sich besagte Begebenheit tatsächlich zu? Existieren alle Personen mit denen sich Elliot beschäftigt? „Mr. Robot“ schickt den Zuschauer auf eine Reise. Wir, als Zuschauer, wurden von Elliot auserkoren, sein Freund, zu sein. Er vertraut uns seine Gedanken an – aber können wir uns als Zuschauer darauf verlassen, dass alles stimmt, was er uns erzählt? „Mr. Robot“ beginnt als Thriller und im Verlauf der ersten Staffel wechselt die Serie das Genre, wird u.a. zu einer Charakterstudie. Am Ende der ersten Staffel habe ich eine ganz andere Serie gesehen, als ich am Anfang vermutet habe und enttäuscht war ich darüber ganz und gar nicht.

„Mr. Robot“ ist keine Serie, die man oberflächlich oder nebenbei gucken kann. Dafür ist diese Serie zu komplex. Mir war es nicht mal möglich, alles bei einer Sichtung zu verarbeiten. Mit quasi jeder Begegnung, jeder Konversation, jeder Szene, jeder Folge erhält man als Zuschauer viele Informationen, manchmal sind es nur Kleinigkeiten, Feinheiten, mal sind es Personen, die vielleicht erst später von Bedeutung werden oder erst im Ganzen für die Story wichtig sind. Im Verlauf der zehn Folgen bekommt man irgendwann Fragen, die man sich seit Beginn der Serie stellte, beantwortet. Es wird aber auch die eine oder andere Frage beantwortet, die ich mir so nie gestellt hat und die durch die Auflösung für noch mehr Verwirrung sorgten.

Entgegen meiner sonstigen Sehgewohnheiten von TV-Serien, konnte ich das erste Mal seit sehr langer Zeit eine Serie nicht an einem Stück (d.h. zwar an mehreren Tagen, aber wann immer ich wollte) gucken. „Mr. Robot“ ist brandaktuell und erst vor drei Tagen, am 26.08.15 02.09.15 zu Ende gegangen. Da ich von Anfang an dabei war (im Prinzip schon Wochen vorher, da ich die Pilot-Folge bereits lange vor der Erstausstrahlung über das amerikanische iTunes gesehen habe), musste ich immer SIEBEN ermüdend lange Tage warten, bis die nächste Folge ausgestrahlt wurde. EINE GANZE WOCHE. Wenn eine Serie so nuanciert, kryptisch und verwirrend ist, ist das eine Tortur. (Anmerkung: in den U.S.A. wurden am 26.08.16 eine amerikanische Reporterin und ein Kameramann vor laufender Kamera erschossen. Das Staffelfinale von „Mr. Robot“ sollte am selbigen Abend ausgestrahlt werden. Da die finale Episode eine ähnliche Szene beinhaltet, hat sich USA Network aus Respekt vor den Opfern und Angehörigen das Staffelfinale um eine Woche verschoben. Alle Fans der Serie mussten entsprechend zwei Wochen auf das Staffelende warten) Auf der anderen Seite konnte ich mich durch diese Art der Sichtung viel intensiver und länger mit einer Serie auseinandersetzen. Konnte rätseln, spekulieren, Theorien aufstellen und wieder verwerfen, weiter rätseln und spekulieren, mir die Folgen ein zweites (oder auch drittes) Mal anschauen, bevor ENDLICH die neueste Folge ausgestrahlt wurde. Rückblickend möchte ich dieses besondere Erlebnis, „Mr. Robot“ genau so konsumiert zu haben, nicht missen. Vielleicht war die letzte Serie, die ich so förmlich aufgesaugt habe, David Lynchs „Twin Peaks“ (also zumindest bis es zu surreal wurde) – und das war im Jahr 1991.

Über die gesamten zehn Folgen der ersten Staffel spürt man eindeutig Einflüsse von David Lynch und David Fincher. David Finchers Film „Fight Club“ fällt mir da ein, aber auch vier weitere Lieblingsfilme von mir: „American Psycho“, „Taxi Driver“ und „Requiem for a Dream“. Ich fühlte mich aber manchmal auch an Filme wie „12 Monkeys“, „The Matrix“ oder „Black Swan“ erinnert oder gar die Netflix-Serie House of Cards und irgendwie auch an die Serie „Breaking Bad“. Eines der vielen Dinge, die ich an „Mr. Robot“ großartig finde, ist, dass es auch zahlreiche direkte popkulturelle Anspielungen gibt.

In amerikanischen TV-Serien ist es immer noch eher selten, dass es mehrere starke Frauencharaktere gibt. Ich finde es daher erwähnenswert, dass in „Mr. Robot“ einige interessante, vielschichtige weibliche Charaktere existieren. Wie die Serie ganz selbstverständlich Minderheiten einbindet ist sehr vorbildlich und fortschrittlich.

Außerdem ist die Musikauswahl (sowohl der elektronische Score von Mac Quayle als die auch ausgewählte Musikstücke) EXZELLLENT und fügt sich perfekt in die einzelnen Szenen und in die Geschichte ein.

Und nicht zuletzt liebe ich wie hier New York gezeigt wird.

Auf die Frage auf wie viele Staffeln „Mr. Robot“ ausgelegt ist, antwortete der Serienschöpfer vier, maximal fünf Staffeln. Die meisten Serienentwickler denken sich Stoff für eine, vielleicht zwei Staffeln aus. Wenn sich Serie dann als erfolgreich zeigt, müssen Autoren für weitere Staffeln zu der ursprünglichen Geschichte etwas dazu dichten. Das kann funktionieren, der Erfahrung nach gelingt es aber in vielen Fällen nicht. Bei „Mr. Robot“ bin ich sehr zuversichtlich. Sam Esmail hat offensichtlich eine Vision, einen Masterplan für seine Story. Der Showrunner Sam Elliot hat angegeben, dass die erste Staffel nur eine Art Prolog ist, die eigentliche Geschichte beginnt erst mit der zweiten Staffel.

Produziert wurde die Serie von Steve Golin und seiner Produktionsfirma Anonymous Content. Steve Golin hat großartige Kinofilme, wie „The Game“, „Return to Paradise“, „Being John Malkovich“, „Nurse Betty“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, „Babel“, Winter´s Bone, Seeking a Friend for the End of the World und kürzlich The End of the Tour produziert, aber auch die wunderbare erste Staffel von „True Detective“.

Dass mir „Mr. Robot“ gefällt, wusste ich bereits mit der 12. Minute der ersten Episode (genau betrachtet der Pilot-Folge, die nicht in die Episoden eingerechnet wurde). Mit der 49. Minute der Pilot-Folge war mir bereits klar, dass dies meine neue Lieblingsserie ist. Dabei störte es mich nicht im Geringsten, dass ich im Verlauf der ersten Staffel eine andere Serie zu sehen bekommen habe, als ich durch die Pilot-Folge vermutet habe.

Meine Lieblingsfolge: Kann ich leider nicht mehr beurteilen. Durch die Mehrfachsichtung habe ich kaum noch Abstand zu „Mr. Robot“. Nur soviel: Die Pilot-Folge ist sicherlich eine der besten Piloten, die ich je gesehen habe.

Mein Lieblingszitat der ersten Staffel: Give a man a gun and he can rob a bank, give a man a bank and he can rob the world.

Meine Empfehlung: 1. auch wenn es schwerfällt: Soziale Medien weitestgehend meiden und SICH VON NIEMANDEN DIE ERSTE STAFFEL VON „MR. ROBOT“ SPOILERN LASSEN. 2. Die Serie unbedingt im Original (hilfreich sind englische Untertitel) anschauen. 3. Die einzelnen Folgen mehrmals schauen, naja und selbstverständlich SICH NICHT VON DEM SAUBLÖDEN SERIENTITEL ABSCHRECKEN LASSEN. 4. Bei der letzten Folge, dem Staffelfinale unbedingt den Abspann abwarten, eine Szene kommt noch im Anschluss.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Elliot Alderson ist Ende 20 und arbeitet als Computeringenieur der Firma Allsafe Security. Sein Vater ist früh an Leukämie verstorben, das hat er bis heute nicht verarbeitet. Elliot ist sehr intelligent, ein Einzelgänger, der psychische Probleme hat. Er leidet unter einer Sozialphobie und Depressionen. Er kann die Nähe und den Körperkontakt von Menschen nicht ertragen. Seine Einsamkeit und die Depressionen bekämpft er mit Drogen (Morphinen). Er führt ein geheimes Doppelleben. Seine Hackerkenntnisse nutzt er, um sich in das Leben seiner Mitmenschen einzuhacken. Das ermöglicht ihm, eine Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen. Dabei versucht er die ihm Nahestehenden zu beschützen und, wenn er kriminelles Vergehen aufdeckt, scheut er sich nicht, dies den Behörden zu melden. Von der Gesellschaft ist er enttäuscht, er möchte die Welt verbessern bzw. retten. Er hasst den Großkonzern Evil Corp (eigentlich E Corp), weil er dieses Unternehmen für skrupellos hält und für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. Gerichtlich wurde er dazu verdonnert, regelmässig zu einer Psychotherapeutin (gespielt von Gloria Reuben) zu gehen. Eines Tages lernt Elliot Mr. Robot (gespielt von Christian Slater) kennen. Gespielt wird Elliot von dem amerikanischen Schauspieler Rami Malek. Er hat den Pharao in den Night at the Museum-Filmen gespielt. Ich habe ihn in The Master, Ain´t Them Bodies Saints, Short Term 12 und Oldboy gesehen.

Mr. Robot ist die Titelfigur dieser Serie. Er hat die Hackergruppe fsociety gegründet und ist Anführer dieser Untergrundorganisation. Mr. Robot rekrutiert Elliot. Mr. Robot wird von dem amerikanischen Schauspieler Christian Slater gespielt. Ich habe ihn das erste Mal in „The Name of the Rose“ gesehen, das war im Jahr 1986. In den 1990er Jahren war Christian Slater ein Star und in unzähligen, durchaus guten Filmen zu sehen: „True Romance“, „Murder in the First“, „Hard Rain“ und „Very Bad Things“. Irgendwann war er aber mehr durch seine Verhaltensauffälligkeiten in den Schlagzeilen als durch seine Rollen und Performances. Das hat seinem Ruf geschadet. In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um ihn geworden. Er hat zwar auch in ein paar Spielfilmen mitgewirkt, aber die sind meist nur wenigen Kinobesuchern zugänglich gemacht worden oder gleich auf DVD/VOD gelandet. Dafür hat Christian Slater in einigen TV-Serien gespielt, die aber auch früher oder später eingestellt wurden.

Tyrell Wellick arbeitet in einer Führungsposition bei Evil Corp. Er war ursprünglich war er als CTO bei Evil Corp vorgesehen. Tyrell ist mit Joanna (gespielt von Stephanie Corneliussen) verheiratet Sie erwarten gerade ihr erstes gemeinsames Kind. Tyrell ist sehr zielstrebig und geltungssüchtig. Er ist ein arroganter Widerling. Tyrell Wellick wird von dem schwedischen Schauspieler Martin Wallström gespielt. Mit „Mr. Robot“ gab der Schauspieler sein amerikanisches Debüt. Zuvor war er in einigen schwedischen TV- und Kinoproduktionen zu sehen.

Angela Moss ist Elliots beste Freundin. Sie kennen sich seit der Kindheit. Angelas Mutter ist – wie Elliots Vater – früh an Leukämie gestorben. Das verbindet Elliot und Angela. Angela ist aber auch Elliots Kollegin bei AllSafe. Seit zwei Jahren ist sie mit ihrem Kollegen Ollie (gespielt von Ben Rappaport) zusammen. Angela wird von der amerikanischen Schauspielerin Portia Doubleday portraitiert. Sie hat bereits in den Kinofilmen Youth in Revolt und Her  gespielt.

Shayla ist Elliots Nachbarin und seine Drogendealerin. Shayla wird von der amerikanischen Schauspielerin Frankie Shaw gespielt. Bislang hatte sie hauptsächlich Gastauftritte in TV-Serien. Auf dem Sundance Film Festival 2015 hat sie ihr Regiedebüt, den Kurzfilm „SMILF“ vorgestellt. Ihr Film wurde von der Jury mit einem Preis ausgezeichnet.

Darlene ist eine Hackerin bei fsociety. Mich erinnert Darlene an die junge Angelina Jolie. Gespielt wird Darlene von der amerikanischen Schauspielerin Carly Chaikin. Jahrelang gehörte sie zum festen Ensemble der TV-Serie „Suburgatory“.

Krista Gordon ist Elliots Therapeutin. Gespielt wird sie von der kanadischen Schauspielerin (und klassischen Sängerin) Gloria Reuben. Bekannt geworden ist sie durch ihre Hauptrolle in der Erfolgsserie „ER“. Sie hat aber auch in den Kinofilmen Lincoln und Admission mitgespielt.

Joanna ist Tyrells schwangere Ehefrau. Joanna wird von der dänischen Schauspielerin Stephanie Corneliussen gespielt. Sie hat u.a. in „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ gespielt.

Gideon ist Elliots Chef bei AllSafe. Gespielt wird er von dem amerikanischen Schauspieler Michael Gill. Er ist den meisten als amerikanischer Präsident der ersten Staffel von House of Cards bekannt.

Die erste Staffel von Mr. Robot wurde erstmalig vom 24.06.15 – 26.08.15 02.09.15 ausgestrahlt. Die Pilotfolge von „Mr. Robot“ wurde erstmalig auf dem South by Southwest Festival im März 2015 gezeigt. Dort wurde die 64-minütige Pilotfolge mit dem Publikumspreis für TV ausgezeichnet.

Noch bevor die Pilotfolge am 24.06.15 im Fernsehen zu sehen war, wurde die zweite Staffel bereits bestellt.

„Mr. Robot“ könnte in meiner Top Ten des Jahres 2015 landen.

Trailer zu sehen:

Ein kleiner Ausschnitt aus der Pilotfolge:

Der fantastische Score von „Mr. Robot“:

Ende September 2015 durch Zufall in der Lower East Side in Manhattan entdeckt:

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