Seattle – Film: "A Single Man"

Ich war am 07.01.10 in Seattle und habe mir im Kino angeschaut:

„A Single Man“ (dt. Kinostart: 08.04.10) 99 min drama, adaptation
dir. Tom Ford cast: Colin Firth, Julianne Moore, Matthew Goode, Ginnifer Goodwin, Lee Pace, Nicholas Hoult

1962 in Los Angeles. Der britische College-Professor George Falconer (Colin Firth) hat vor sieben Monaten seinen langjährigen Lebensgefährten Jim (Matthew Goode) bei einem Autounfall verloren. Er kommt nicht über diesen schweren Schicksalschlag hinweg und möchte seinem Leben ein Ende setzen…

A- (Wertung von A bis F) „A Single Man“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Christopher Isherwood.

„A Single Man“ ist einer meiner TOP TEN Filme aus dem Jahr 2009, um ehrlich zu sein, stand der Film schon gedanklich auf meiner Liste, als ich davon erfahren habe, dass der Modeschöpfer Tom Ford sein Regiedebüt gibt. Als dann der erste Trailer veröffentlicht wurde, war ich nicht enttäuscht und schließlich hat der fertige Film meine Erwartungen erfüllt.

Nun habe ich ein Faible für die 1960er Jahre und kann mich dann schon mal an der Garderobe, den aufwendigen Stylings, den Accessoires, den Inneneinrichtungen, der Architektur und den Autos satt sehen. Es sind aber in „A Single Man“ nicht nur die ästhetischen Bilder, die Tom Ford mit seinem künstlerischen Auge so detailgenau präsentiert, es ist auch die Geschichte über Liebe, Trauer und Aussichtslosigkeit, die mich mitgenommen hat.

Mir ist nicht bekannt, wie Tom Ford auf die Idee kam, Colin Firth („Bridget Jones´s Diary“, „Love Actually“, „Girl With a Pearl Earring“, „Mamma Mia!“) ) für die Rolle des George zu besetzen. Mir wären bei der genauen Rollenbeschreibung zunächst sicherlich andere Schauspieler eingefallen. Im nachhinein kann ich mir jedoch keinen geeigneteren Schauspieler für diese Rolle vorstellen. Ich bin froh, dass er die Gelegenheit bekommen hat, einmal einen so ganz anderen Charakter zu verkörpern. Colin Firth transportiert die Gefühlslage seiner Filmfigur zu hundert Prozent, er ist für mich hier unersetzbar und gibt damit eine klare Oscar-Performance.

Auch Julianne Moore („Boogie Nights“, „Magnolia“, „Far From Heaven“ ) überzeugt hier. Eigentlich hat sie auch noch nie enttäuscht, es waren in letzter Zeit nur einige ihrer Filme, zu denen ich keinen Zugang fand. Nicholas Hoult, der 12-jährige Junge aus „About a Boy“, ist mittlerweile so erwachsen geworden. Ich habe ihn nicht erkannt, jedoch hat seine intensive Performance in „A Single Man“ bei mir auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film:“The White Ribbon
Bewertung des Trailers:C+
Kommentar: Michael Hanekes Film, der vor wenigen Tagen mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: ca. 2x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100 %

Trailer von Film:“The Last Station“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Der sogenannter Award-Film „Ein russischer Sommer“ mit Helen Mirren, Christopher Plummer und James McAvoy
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 80 %

Trailer von Film:“A Prophet“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: französsiches Mafiadrama, das in Cannes mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, für viele andere wichtige Filmpreise nominiert und auch teilweise ausgezeichnet wurde und bei der Oscar-Verleihung gegen Michael Hanekes „The White Ribbon“ („Das weiße Band“) antritt.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100 %

Trailer von Film:“Crazy Heart“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Jeff Bridges wurde gerade für seine Rolle in diesem Film mit einem Golden Globe ausgezeichnet
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100 %

Trailer von Film:“North Face“
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: deutscher Bergsteiger-Film „Nordwand“
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 0 %

Meine TOP TEN FILME 2009

In dem Zeitraum vom 01.01.-31.12.2009 sind genau 274 Filme (die grundsätzlich eine Chance auf eine Best Picture Nominierung bei den Oscars haben) in den amerikanischen Kinos gestartet. Die Academy gab bekannt, dass seit dem Jahr 2005 ein auffälliger Rückgang der Filmstarts zu verzeichnen ist. (2005: 311, 2006: 307, 2007: 306 und 2008: 281 Filme) Unter diesen Filmen muß sich derzeit die Academy entscheiden, welche zehn Filme sie für einen Oscar nominieren will. Die Nominierung für den Academy Award wird am 02.02.2010 bekanntgegeben, die Oscar-Verleihung ist am 07.03.2010.

Ich habe im letzten Jahr einen neuen persönlichen Rekord gebrochen und insgesamt 93 Filme im Kino gesehen (die Filme, die ich auf Pay-TV gesehen habe zählen mit, da sie entweder eine Premiere vor dem offiziellen US-Kinostart hatten oder wenigstens zeitgleich gestartet sind). Von den 93 Filmen habe ich 91 Filme in den U.S.A. gesehen, 1 Film in Südafrika und 1 Film in Kanada, leider habe ich es im letzten Jahr nicht einmal geschafft, in Deutschland ins Kino zu gehen – das muß und wird sich ändern! Es sei noch erwähnt, dass ich zwei Filme doppelt im Kino gesehen habe („Up“ und „Where the Wild Things Are“) und insgesamt 8 Filme auf 3D.

Für 2009 habe ich es nicht geschafft, meine Lieblingsfilme in eine Reihenfolge zu bringen. Dies sind meine TOP TEN FILME 2009:

The Hurt Locker
Up
Bronson
The Road
(500) Days of Summer
A Serious Man
A Single Man
Coraline
District 9
The Messenger

Es ist in der Tat zum ersten Mal passiert, dass meine komplette TOP 5 („The Hurt Locker“, „Up“, „(500) Days of Summer“, „Coraline“ und „District 9“) vom Sommer in meiner TOP TEN gelandet ist. Liegt es daran, dass die sogenannten Saison-Filme zu schwach sind?

Wichtige Film, die ich bisher nicht gesehen habe ich: „The White Ribbon“, „Precious“, „The Blind Side“, „The Lovely Bones“, „Crazy Heart“, „The Last Station“, „The Princess and the Frog“, „The Maid“, „Amreeka“, „The Damned United“, „Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans“ und auch nicht geschafft: „The Watchmen“

Nicht in meine TOP TEN geschafft, dennoch außergewöhnlich gut gefallen haben mir: „Adventureland“, „Is Anybody There?“, „Drag Me to Hell“, „Pontypool“, „Star Trek“, „Ponyo“, „Moon“, „The September Issue“, „Zombieland“, „New York, I Love You“, „Where the Wild Things Are“, „Uncertainty“, „An Education“, „Up in the Air“, „It´s Complicated“ und „Fantastic Mr. Fox“

Wenn es gerecht zugehen und ausschließlich die beste Performance zählen würde, geht der Oscar im März an:

Best Actor: Colin Firth für „A Single Man“
Best Actress: Marion Cotillard für „Nine“
Best Supporting Actor: Christoph Waltz für „Inglourious Basterds“
Best Supporting Actress: Vera Farmiga für „Up in the Air“

Schlimm, aus verschiedenen Gründen fand ich folgende Filme:

„The Unborn“, „Confessions of a Shopaholic“, „The Informers“, „New in Town“, „Away We Go“, „Orphan“, „The Collector“, „Paper Heart“, „Angels & Demons“, „The Stepfather“, „The Box“ und „The Fourth Kind“ und (das muss dringend dokumentiert werden) „The Blind Side“

Ansonsten drängen sich folgende Fragen auf: Wo war Philip Seymour Hoffman im Jahr 2009? Wo wird Joaquin Phoenix im Jahr 2010 sein? Geht Christian Bales Karriere nun endlich den Bach runter? Macht Jared Leto nun nur noch Musik? Macht Christoph Waltz jetzt richtig Karriere in Hollywood? Kommt Jack Nicholson endlich wieder zur Oscar-Verleihung im März? Bekommt Meryl Streep nun endlich wieder einen Oscar (obwohl sie ihn für ganz andere Filme verdient hätte)? Ganz aktuell noch, wird Sandra Bullock tatsächlich mit einem Oscar ausgezeichnet?

…und persönlich frage ich mich, ob es mir im Jahr 2010 wohl besser gelingt, der Musik von/ und den Berichten über Michael Jackson (R.I.P.) und Lady Gaga zu entgehen?

In jedem Fall werde ich im Jahr 2010 nicht so viele Filme in den U.S.A. schauen. Dieses Jahr werde ich mir wieder mehr den Rest der Welt anschauen…

New York City – "The Road"

Ich war am 04.12.09 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

The Road (dt. Kinostart: 07.10.2010) 119 min drama, adaptation, science fiction
dir. John Hillcoat cast: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Robert Duvall, Guy Pearce, Molly Parker, Charlize Theron

Die letzten Tage der Welt sind angezählt, ein Mann (Viggo Mortensen) und sein 11-jähriger Sohn (Kodi Smit-McPhee) versuchen sich durch die karge Winterlandschaft zu schlagen. Sie sind ständig auf der Suche nach Lebensmitteln und einem Platz zum Schlafen und leben in permanenter Angst vor Dieben und Kannibalen…

A (Wertung von A bis F) Dankenswerterweise gibt es brillante Schriftsteller wie Cormac McCarthy („No Country for Old Men“). Er hat mit seinem Buch „The Road“ einen Pulitzer Prize gewonnen, die Filmrechte verkauft und offenbar in gute Hände gelegt. Durch seine Romanvorlage hatten kreative Filmschaffende die Möglichkeit, auch ein filmisches Meisterwerk zu erschaffen.

Wenn man einen Endzeitfilm wie Roland Emmerichs Katastrophen erwartet, wird man bitter enttäuscht. Dass man so einen Film dahinter vermuten könnte, liegt meines Erachtens daran, dass man von manchen Trailern auf eine falsche Fährte geführt wird. „The Road“ ist eine faszinierende Charakterstudie und ein Drama und für mich eines der besten Dramen überhaupt. Das schließt natürlich nicht aus, dass der Film spannend ist. Ich habe von Anfang bis zum Ende mit beiden Protagonisten mitgefiebert, ihren Weg begleitet, die meisten Entscheidungen des Vaters (Viggo Mortensen) irgendwo nachvollziehen können, aber auch die Zweifel des Sohnes (Kodi Smit-McPhee). Beeindruckend fand ich das Setdesign, das die Trostlosigkeit so glaubhaft zeigt und den dazu passende Score von Nick Cave.

Viggo Mortensens intensive Performance wird es – wenn es im nächsten Jahr gerecht zugeht – jedem anderen Schauspieler schwer machen, ihm im Oscar-Rennen zu schlagen. Robert Duvall, und ich gebe es an dieser Stelle nur ungern zu, habe ich nicht erkannt. Allerdings hat der „alte Mann“ einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und ich wollte recherchieren, wer ihn so überzeugend gespielt hat. Als selbstverständlich würde ich folgende Nominierungen für den Academy Award sehen: Bester Film, bestes adaptiertes Drehbuch, bester Schauspieler (Viggo Mortensen), vielleicht sogar bester Nebendarsteller (Robert Duvall).

„The Road“ ist einer der wenigen Filme, bei denen ich nach nur ein paar Einstellungen wusste, dass dies „mein“ Film ist. Der Vollständigkeithalber bleibt dann nur noch zu erwähnen, dass der Film festgesetzt in meiner TOP TEN für Filme aus dem Jahre 2009 ist.

Trailer zu sehen:

„grandios“

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film: „The Imaginarium of Doctor Parnassus“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Terry Gilliams Fantasy Spektakel mit Star-Besetzung
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer von Film: „Greenberg“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Tragikomödie mit Ben Stiller und Rhys Ifans, Ben Stiller als Neurotiker…mmmh?
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Philadelphia – Film: "The Messenger"

Ich war am 28.11.09 in Philly und habe mir im Kino angeschaut:

„The Messenger“ (dt. Kinostart: 03.06.10) 105 min drama
dir. Oren Moverman
cast: Ben Foster, Woody Harrelson, Samantha Morton, Jena Malone, Eamonn Walker

Der U.S. Soldat Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) kommt von seinem Irak-Einsatz zurück und bekommt, für seine verbleibende Armee-Zeit, eine neue Aufgabe zugeteilt. Zusammen mit seinem Vorgesetzten Captain Tony Stone (Woody Harrelson) sollen sie den Angehörigen gefallener Soldaten die Todesnachricht übermitteln.

A (Wertung von A bis F) Intensives Drama, das auf so vielen Ebenen funktioniert und mich durchweg gefesselt hat. Der Regisseur Oren Moverman greift in seinem Spielfilmdebüt sowohl auf ein solides Drehbuch als auch auf die Kunst der Improvisation zurück. Die Charaktere Will und Tony werden mit unerträglichen Situationen konfrontiert, in denen sie den Familienangehörigen bzw. Ehepartnern mitteilen sollen, dass ihre Liebsten nicht mehr am Leben sind. Dabei wussten die beiden Schauspieler Ben Foster und Woody Harrelson nicht, was sie hinter der jeweiligen Tür erwartet. Sie mussten spontan auf die Reaktionen der „Angehörigen“ reagieren und das haben sie mit Bravour gemeistert. Man sieht den Charakteren förmlich die Sprach- und Hilflosigkeit an.

Ben Foster („Pandorum“) und Woody Harrelson („Natural Born Killers“) sind authentisch in ihren Rollen. Aber auch Samantha Morton („Sweet and Lowdown“, „In America“), bei der ich immer geneigt bin, sie für selbstverständlich zu nehmen, besticht hier wieder mit ihrer Natürlichkeit. Nicht unerwähnt lassen möchte ich ein überraschendes und großartiges Cameo. Woody Harrelson hat für meinen Geschmack für einen kurzen Moment in einer Szene zu dick aufgetragen, was aber seine komplette Performance hier nicht in Frage stellt. Von Ben Foster hingegen war ich von der ersten Minute bis zum Schluß überzeugt. Ben Foster ist einfach dieser heimgekehrte Soldat, der nach einer Perspektive im Leben und nach einem Platz für sich sucht. Mir hat es beinahe wehgetan, dass ihm dann noch von der Armee eine solche psychische Belastung zugemutet wird. Bei meinem Beitrag zu dem Film Pandorum hatte ich schon erwähnt, dass er mich an den jungen Sean Penn erinnert, hier sah ich mich nur in meinem Eindruck bestägt. Seine Stimme, seine Sprache und irgendetwas in seiner Persönlichkeit erinnern mich sehr an einem meiner absoluten Lieblingsschauspieler. Langsam muß ich mal mit seiner Arbeit in vorangegangen Filmen befassen und werde demnach erst einmal „3:10 to Yuma“ ganz oben auf meine Must-See-Liste setzen.

„The Messenger“ hat in diesem Jahr schon zahlreiche Preise abgeräumt, u.a. auf der BERLINALE´09, ich bin sicher – und darüber würde ich mich sehr freuen – dass er bei der Nominierung für den Academy Award im nächsten Jahr nicht unberücksichtigt bleibt. (inbesondere in den Kategorien: Bester Film, bestes Drehbuch und für den Schauspieler Ben Foster und vielleicht sogar eine zweite Oscar-Nominierung für Woody Harrelson)

Trailer zu sehen:

„grandios“

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film: „Up in the Air“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Clooneys möglicher Oscar-Film
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer von Film: „The White Ribbon“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Michael Hanekes Film, der in Cannes die Goldene Palme gewann und sich jetzt als deutscher Beitrag für einen Oscar als bester ausländischer Film bewirbt.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer von Film: „Brothers“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Jim Sheridans mögliches Oscar-Drama mit Natalie Portman, Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: ca. 7 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer von Film: „Broken Embraces“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Ich liebe Almodovar-Filme, den werde ich aber auf DVD schauen.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Philadelphia – Film: "An Education"

Ich war am 27.11.09 in Philly und habe mir im Kino angeschaut:

„An Education“ (dt. Kinostart: 18.02.10) 100 min drama, adaptation
dir. Lone Scherfig cast: Peter Sarsgaard, Carey Mulligan, Alfred Molina, Rosamund Pike, Dominic Cooper, Olivia Williams, Emma Thompson

1961 in London. Die 16-jährige Jenny (Carey Mulligan) ist eine hervorragende Schülerin, die sich auf eine Universitätsausbildung in Oxford vorbereitet. Eines Tages lernt sie den charmanten Mittdreißiger David (Peter Sarsgaard) kennen. Der weltmännische David zeigt der jungen Jenny das Leben und die Liebe…

A- (Wertung von A bis F) Ich habe zwar in diesem Jahr schon ein paar Filme gesehen, die eine wichtige Rolle bei der kommende Oscar-Verleihung spielen könnten, aber mit „An Education“ wird für mich offiziell die Saison eingeläutet. Als großer Filmfan ist dies für mich die schönste Zeit eines jeden Kinojahres. In erster Linie bedeutet das, dass ich in den nächsten zwei oder drei Monaten (hoffentlich) mit keinen schlechten Filmen im Kino konfrontiert werde und ich mich nicht zu einer entsprechenden Bewertung gezwungen sehe.

Der Film „An Education“ ist eine Adaption der gleichnamigen Autobiografie der britischen Journalistin Lynn Barber. Das Drehbuch zum Film hat der Autor Nick Hornby („High Fidelity“, „About a Boy“) geschrieben.

Der Film ist ein wunderbares Drama, das wesentlich mehr Humor beinhaltet, als ich geglaubt hätte. Die Charaktere sind vielschichtig und in jeder einzelnen Rolle idealbesetzt. Die Chemie und Anziehungskraft von Jenny und David werden durch die beiden Schauspieler glaubhaft transportiert. Auch habe ich mich in die Swinging Sixties versetzt gefühlt.

Peter Sarsgaard („Boys Don´t Cry“, „Empire“, „Shattered Glass“ ) ist endlich wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und damit zu dem, was er am besten kann. Ich hoffe, dass er in Zukunft die Finger von schlechten Hollywood-Produktionen lässt und sich wieder darauf konzentriert, komplexe Charaktere in bedeutenden Indie-Filmen zu spielen.

Bei Carey Mulligan hat es einen Moment gedauert, bis ich zu hundert Prozent von ihr überzeugt war. Vermutlich habe ich zu viel Schwärmereien über sie und ihre Performance im Vorfeld gelesen. Der von einigen Kritikern zu lesende Vergleich zu Audrey Hepburn war auch nicht hilfreich. Davon sollte man sich gedanklich lösen und sich einfach auf dieses frische britische Talent einlassen. Sie ist definitiv entzückend in dieser Rolle und zum Filmende hatte ich auch das Gefühl, dass ich sie schon ewig kenne.

In dem Ensemble hat mich Alfred Molina am meisten überrascht. Nicht dass ich ihn jemals schlecht gefunden hätte, hier gefällt er mir aber besonders.

Auch wenn der Film zum Ende minimal schwächelt, wären für mich – alles in allem – mindestens fünf Nominierungen für einen Academy Award gerechtfertigt (Bester Film, bestes adaptiertes Drehbuch und für die Schauspieler Carey Mulligan, Peter Sarsgaard und definitiv Alfred Molina).

Trailer zu sehen:

„sehr gut“

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film: „Me and Orson Welles“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Claire Danes immer gerne, aber Zac Efron…er soll hier glaubhaft eine Beziehung zu einer Frau darstellen ? 8|
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 0%

Trailer von Film: „The White Ribbon“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Michael Hanekes Film, der in Cannes die Goldene Palme gewann und sich jetzt als deutscher Beitrag für einen Oscar als bester ausländischer Film bewirbt.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer von Film: „The Young Victoria“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Emily Blunt sehe ich immer gerne. Mit Kostümfilmen habe ich es im Moment nicht so.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: ca. 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 60%

Trailer von Film: „Broken Embraces“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Ich liebe Almodovar-Filme, den werde ich aber auf DVD schauen.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Toronto – Film: "Bronson"

Ich war am 03.11.09 in Toronto und habe mir im Kino angeschaut:

„Bronson“ (dt. DVD-Veröffentlichung am 18.02.2010) 92 min drama, biopic
dir. Nicolas Winding Refn cast: Tom Hardy, Terry Stone, Matt King, James Lance, Amanda Burton

Im Jahre 1974 begeht der 19-jährigie Michael Peterson einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Postamt. Seine Beute sind 26 britische Pfund und 18 Cents. Er wird zu sieben Jahre Haft verurteilt. Aufgrund div. Gewalttätigkeiten gegenüber Mitgefangenen und Wärtern, Geiselnahmen und der Anzettelung mehrerer Aufstände im Gefängnis wird seine Strafe immer wieder erhöht. Michael Peterson, der sich später Charles Bronson nennt, sitzt bis zum heutigen Tag in einem britischen Gefängnis, seit mittlerweile 34 Jahren, davon 30 Jahre in Einzelhaft. Zwischendurch wurde er auch für unzurechnungsfähig erklärt und wurde ein paar Mal in die geschlossenene psychiatrische Anstalt gesteckt. Charles Bronson gilt als Britanniens gewalttätigster Gefängnisinsasse. Der Film „Bronson“ versucht sich, der Person zu nähern. Tom Hardy spielt die Hauptrolle.

A (Wertung von A bis F) Man kann meinen Geschmack nicht präziser treffen als mit diesem Film. Natürlich haben grundsätzlich Filme, die im Zusammenhang mit den Oscar-Nominierungen genannt werden, meine Aufmerksamkeit. Hier hat aber der Zusatz, dass es sich bei „Bronson“ um den „Clockwork Orange“ des 21. Jahrhunderts handelt, dazu geführt, dass ich schon kurze Zeit später aufgeregt und erwartungsvoll im Kino saß. „Bronson“ ist verstörend und grandios zugleich, daher hinkt der Vergleich zu Stanley Kubricks Meisterwerk nicht. Beide Charaktere, Alex DeLarge aus „Clockwork Orange“ und Charles Bronson aus diesem Film sind sich dabei sicher auch nicht unähnlich, beide leben in ihrer eigenen Realität und es liegt nahe, dass sie nicht vollkommen zurechnungsfähig sind. Nur wird in „Bronson“ über eine reale Person erzählt. Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn versucht einem, Charles Bronson in drei mehr oder weniger surrealen Abschnitten näher zu bringen. Der Film beginnt als Theaterstück, in dem Charles (der immer berühmt sein wollte) sich gibt, wie er immer gesehen werden wollte. Dann gibt es eine Episode die zeigt wie Charles Bronson entlassen wurde und an ziemlich genau 69 Tagen versucht, ein Leben ausserhalb der Gefängnismauern aufzubauen. Im abschließenden Teil ist er im Gefängnis zurück und und man nimmt ihn als Künstler war, der verrückt ist oder auch nicht…

Tom Hardy („Marie Antoinette“, „Dot the I“, RocknRolla) ist hier herausragend. Ich würde mich freuen, wenn er für diese Rolle für einen Oscar nominiert wird. Definitiv wäre es gerechtfertigt, den Film „Bronson“ im nächsten Jahr für einen Academy Award zu nominieren. Es steht außer Frage, dass „Bronson“ in meiner eigenen Top Ten Liste für Filme aus dem Jahr 2009 einen festen Platz eingenommen hat.

Trailer zu sehen:

„grandios“

Chicago – Film: "A Serious Man"

Ich war am 15.10.09 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„A Serious Man“ (dt. Kinostart: 21.01.10) 105 min drama, comedy
dir. Joel Coen, Ethan Coen cast: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolff, Peter Breitmayer, Alan Mandell, Amy Landecker, Adam Arkin, Jessica McManus

1967. Für Physik-Professor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) kommt es gerade ganz dick. Seine Frau Judith (Sari Lennick) will die Scheidung, sein Sohn Danny (Aaron Wolff) hört in der Hebrew School Rockmusik und kifft, seine Tochter Sarah (Jessica McManus) klaut Geld für eine geplante Nasen-OP, ein Student versucht ihn zu erpressen und sein arbeitsloser Bruder Arthur (Richard Kind) hat sich bei ihm eingenistet und kommt mit dem Gesetz in Konflikt. Larry ist überfordert und fragt sich warum ihm das alles passiert. Er sucht nach Antworten…

A (Wertung von A bis F) Nachdem ich von „Burn After Reading“ eher enttäuscht war, stand für mich bei „A Serious Man“ bereits nach wenigen Momenten schon fest, dass dies für mich ein klarer „A“-Film ist. Jedes Bild, jede Szene ist von soviel Schönheit und Liebe zum Detail geprägt. Joel und Ethan Coen gelten als Perfektionisten mit einer ganz eigenen Vision, in diesem Film zeigt sich das besonders.

Alleine beim Ensemble stellt sich schnell die Frage, woher die Coens diese tollen, weitgehend unbekannten Schauspieler nehmen. Hier sind ausnahmslos alle so perfekt für und in ihrer Rolle, dass ich es zum Ende des Films beinahe schade fand, dass dies nur ein Spielfilm ist und keine Reality Show aus den 1960er Jahren.

In einem Interview hat der Theaterschauspieler Michael Stuhlbarg erzählt, dass er eigentlich für die Eröffnungsszene vorgesprochen hat. Die Coens waren auch gleich sehr angetan und haben sich kaputt gelacht, sich aber erst fünf oder sechs Monate später wieder gemeldet und ihn gebeten, nocheinmal vorzusprechen, diesmal für die Hauptrolle und die Rolle von Arthur. Michael Stuhlbarg hat sich für beide Rollen vorbereitet, vorgesprochen, die Coens waren wieder sehr angetan und haben sich erneut kaputt gelacht, jedoch wieder erst einmal nichts von sich hören lassen. Zehn Wochen vor Beginn der Dreharbeiten bekam er schließlich den ersehnten Anruf, dass er die Hauptrolle spielt. Michael Stuhlbarg ist überwältigend als Larry Gopnik und man kann sich vorstellen, wieviel die Coens bei den Dreharbeiten zu lachen hatten.

„A Serious Man“ ist jedoch eindeutig keine Komödie, es ist eher ein Drama mit einem ganz speziellen Humor. Der Film wird nicht jedermanns Geschmack treffen. „A Serious Man“ gilt als der persönlichste Coen Bros. Film. Sie sind als Söhne jüdischer Akademiker in St. Louis Park in Minnesota aufgewachsen. Genau dort spielt der Film und dass einige Kindheitserinnerungen eingeflossen sind, ist eindeutig.

Die in „A Serious Man“ erzählte Geschichte ist natürlich von Joel und Ethan Coen selbst geschrieben, diese haben sie mit Hilfe ihres sozusagen beinahe „hauseigenen“ Kameramannes Roger Deakins in Szene gesetzt, später haben sie den Film, wie üblich, unter ihrem Pseudonym Roderick Jaynes selbst geschnitten.

Im nächsten Jahr werden zum ersten Mal seit 1943 zehn Filme in der Kategorie BESTER FILM für den Oscar nominiert. Ich bin sicher, dass „A Serious Man“ darunter sein wird. Hoffentlich bekommt auch der, derzeit wahrscheinlich beste DP Roger Deakins wieder eine Nominierung, sowie die Schauspieler: Michael Stuhlbarg, Fred Melamed, Aaron Wolff, Sari Lennick usw., usw, usw…

Trailer zu sehen:

„hervorragend“