TV-Serie: „Escape at Dannemora“

Ich habe mir den folgenden Showtime-Mehrteiler angeschaut:

 

„Escape at Dannemora“(in D. seit dem 19.12.18 auf Sky zu sehen)   7 x approx. 60 min  drama, thriller, biopic 

dir. Ben Stiller  cast: Benicio Del Toro, Patricia Arquette, Paul Dano, Eric Lange, David Morse, Bonnie Hunt

 

 

Im Juni 2015 gelang den beiden verurteilten Mördern Richard Matt (Benicio Del Toro) und David Sweat (Paul Dano) die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora im Bundesstaat New York. Die Generalinspektorin des Staates New York, Catherine Leahy Scott (Bonnie Hunt), beginnt mit der Befragung von Tilly Mitchell (Patricia Arquette). Es macht den Anschein, als hätte die Gefängnisangestellte den beiden Häftlingen zur Flucht verholfen…

 

 

B+ (Wertung von A bis F) „Escape at Dannemora“ basiert auf wahren Begebenheiten. Der Mehrteiler erzählt die Geschichte eines spektakulären Gefängnisausbruchs aus dem Jahr 2015. Um die Ereignisse so authentisch wie möglich zu halten, haben sich die Autoren an den Bericht der Generalinspektorin des Staates New York gehalten. Gedreht wurde u.a. in der Stadt Dannemora und für Außenaufnahmen sogar in der Clinton Correctional Facility. Ben Stiller und sein Produktionsteam hatten darüberhinaus während des achtmonatigen Drehs viele Berater (Angestellte des Gefängnisses und Ermittlern, die an der intensiven Verbrecherjagd beteiligt waren) an ihrer Seite. Bei allen sieben Episoden hat der amerikanische Schauspieler („Meet the Parents“, „The Royal Tenenbaums“, „Starsky & Hutch“, While We´re Young, Brad´s Status), Drehbuchautor, Regisseur („Zoolander“, Tropic Thunder) und Produzent Ben Stiller Regie geführt. 

Der beste Gefängnisfilm für mich (und einer meiner liebsten Filme überhaupt) ist „The Shawskank Redemption“. Der spektakuläre Gefängnisausbruch in Dannemora erinnert an den in Frank Darabonts Film (bzw. Stephen Kings Buch). 

Ein Mehrteiler mit zwei meiner Lieblingsschauspieler (Benicio Del Toro und Paul Dano)? Motivation genug, dieses Projekt auf meine MUST-SEE-Liste zu setzen. „Escape at Dannemora“ zeigt auf der einen Seite, wie den zwei Häftlingen der Gefängnisausbruch gelang, ist aber auch ein Porträt der beiden Schwerverbrecher und eine Charakterstudie der Gefängnisangestellten, die den beiden zur Flucht verholfen hat. 

Man hätte diese Geschichte auch in vier oder fünf Episoden erzählen können, so wirkt es etwas gestreckt. Gefallen hat mir der Mehrteiler aber dennoch. 

Ich mag die Einleitung der Story. Zu Beginn die Dialog-Szene der Generalinspektorin mit der Gefängnisangestellten, die mit einer 360-Grad-Kamerafahrt auf „Tilly“ (der Protagonistin der Geschichte) endet. Auch mag ich, wie diese Szene in der finalen Episode wieder aufgenommen wird. Durch die Inszenierung bekommt man auch sehr schnell den Eindruck, dass die ganze  Bevölkerung der Kleinstadt Dannemora, entweder direkt oder indirekt für das Gefängnis arbeitet.

Etwas Probleme hatte ich mit der Charakterentwicklung von Benicio Del Toros Charakter Richard Matt. Er wird eingeführt als jemand, der alles unter Kontrolle hat, mit dem sich keiner im Knast anlegt. Ein Alpha-Mann, der  sehr smart und manipulativ ist. Schließlich hat er den Plan für den Gefängnisausbruch. Künstlerisch ist er auch begabt (übrigens werden ganz zum Schluss des Mehrteilers auch die Originalbilder von Richard Matt gezeigt). Wie ist aber dann sein irrationales Verhalten auf der Flucht zu erklären? Aber gut, so oder so ähnlich scheint es sich zugetragen zu haben. Ein weiteres Problem hatte ich mit der Erzählstruktur. 

Dramaturgisch ist dieser Mehrteiler etwas seltsam aufgebaut. Die ersten vier Teile lernt man die Charaktere und ihren Gefängnisalltag kennen. Natürlich ist einem bewusst, dass die beiden Häftlinge nicht unschuldig im Gefängnis sitzen, beide sind verurteilte Mörder. Man hegt aber irgendwo Sympathien für sie, ist bei ihnen, wenn sie ihren Fluchtplan umsetzen. Entsprechend ist die sechste Episode dann ein Schlag in die Magengrube. Hier, also sehr spät, erfährt man, aufgrund welcher brutalen Verbrechen Richard Matt und David Sweat im Gefängnis gelandet sind. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die Geschichte so zu erzählen. Üblicherweise werden solche Informationen in einigen Szenen am Anfang eingestreut.

Patricia Arquette zählt zu den Schauspielerinnen, die ich immer etwas unterschätze. Hier ist sie kaum wiederzuerkennen, aber glaubhaft als einfache, leicht übergewichtige Frau, die nie sonderlich viel Wert auf ihr Äußeres gelegt hat. Sie spielt eine frustrierte (Ehe-)Frau, die in einer Gefängnisschneiderei arbeitet. Nur dort fühlt sie sich auch anerkannt und wohl von den Männern (Sweat, später auch Hacksaw) begehrt. Die beiden Schauspieler Benicio Del Toro und Paul Dano machen den Mehrteiler sehenswert, letztlich ist es aber die Patricia Arquette-Show. 

Anmerkungen zu den Episoden

Part 6 – spielt ausschließlich in der Vergangenheit (am Anfang der Episode ist Ben Stillers Tochter, Ella Olivia Stiller, in ihrer ersten Rolle – sie spielt die Teenager-Autofahrerin, die von dem Sheriff angehalten wird – zu sehen)

Part 7 – die finale Folge ist meine Lieblingsepisode. Es ist mit einer Stunde und 39 Minuten auch die längste.

 

Den Audio-Kommentaren zu den einzelnen Episoden mit Ben Stiller, den Autoren, der Kamerafrau, den Cuttern, der Schauspielerin Patricia Arquette, u.a. kann man sehr viele interessante Informationen entnehmen. Insbesondere der Audio-Kommentar zu der letzen Episode mit dem, tatsächlich für die Jagd nach den flüchtigen Häftlingen Hauptverantwortlichen Chuck Guess fand ich sehr aufschlussreich. 

 

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Richard „Hacksaw“ Matt ist ein verurteilter Mörder, der in dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora einsitzt. Er hat sich mit dem Gefängnisinsassen David Sweat (gespielt von Paul Dano) angefreundet. Die beiden sitzen im sogenannten „Honor Block“, für Strafgefangene, deren Verhalten während der Haftzeit mustergültig ist. Den beiden glückt irgendwann die Flucht aus der Clinton Correctional Facility. Gespielt wird Richard Matt von dem amerikanischen Schauspieler Benicio Del Toro. Sein Talent konnte er in vielen Filmen, u.a. „The Usual Suspect“, „Fear and Loathing in Las Vegas“, „21 Grams“, Things We Lost In the Fire, Inherent Vice, Sicario und Sicario: Day of the Soldado) unter Beweis stellen. Für seine Performance in Steven Soderberghs „Traffic“ hat er den Oscar gewonnen. 

Joyce „Tilly“ Mitchell arbeitet in der Schneiderei des Hochsicherheitsgefängnisses in Dannemora. Sie ist seit über 20 Jahren mit Lyle (gespielt von Eric Lange) verheiratet und frustriert mit ihrem Leben. Sie hat eine Affäre mit dem Gefängnisinsassen David Sweat (gespielt von Paul Dano). Beiden verurteilten Mördern Hacksaw (gespielt von Benicio Del Toro) und David Sweat hat sie zur Flucht verholfen. Gespielt wird Tilly von der amerikanischen Schauspielerin Patricia Arquette. Sie hat in vielen Filmen, u.a. „True Romance“, „Flirting with Disaster“„Lost Highway“ und auch TV-Serien („Medium“, „Boardwalk Empire“, „CSI: Cyber“) mitgespielt. Für ihre Performance in Boyhood hat sie den Oscar gewonnen. Sie wurde auch bereits mit einem Emmy für ihre Rolle in der TV-Serie „Medium“ ausgezeichnet. Sie ist die Schwester der Schauspieler Richmond, Alexis, David und Rosanna Arquette. 

David Sweat ist ein verurteilter Mörder, der bereits seit 12 Jahren in dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora einsitzt. Er hat eine Affäre mit der Gefängnisangestellten Tilly (gespielt von Patricia Arquette). Befreundet ist er mit dem Gefängnisinsassen Hacksaw (gespielt von Benicio Del Toro). Den beiden gelingt schließlich auch die Flucht aus der Clinton Correctional Facility. Gespielt wird David Sweat von dem amerikanischen Schauspieler, Drehbuchautor und Filmemacher Paul Dano. Mir ist er das erste Mal in „Little Miss Sunshine“ aufgefallen, kurz darauf beeindruckte er bereits neben Daniel-Day Lewis in PTAs There Will Be Blood und seither gucke ich auch Filme seinetwegen. Er hat u.a. in The Good Heart, Being Flynn, 12 Years a Slave, Prisoners, Love & Mercy  und Youth mitgespielt. Mit Wildlife gab er sein Regiedebüt.

Gene Palmer ist ein Gefängniswärter, der sich mit dem Insassen Richard Matt (gespielt von Benicio del Toro) etwas angefreundet hat. Gespielt wird Gene Palmer von dem amerikanischen Schauspieler David Morse. Er hat in vielen Filmen („The Negotiator“, „The Green Mile“, Disturbia, The Hurt Locker und auch in einigen TV-Serien (u.a. „St. Elsewhere“, „Medium“, „True Detective“) mitgespielt. Für seine Performance in der  TV-Serie „House“ und dem Mehrteiler „John Adams“ hat er jeweils eine Emmy-Nominierung erhalten. 

Lyle Mitchell arbeitet im Gefängnis. Er ist seit über 20 Jahren mit Tilly (gespielt von Patricia Arquette) verheiratet. Lyle wird von dem amerikanischen TV- und Filmschauspieler Eric Lange gespielt. In vielen TV-Serien hatte er kleinere Gastauftritte, In dem Mehrteiler Waco und in den TV-Serien „The Bridge“ und  „Narcos“ hatte er eine größere Rolle. Auch war er in dem Film Wind River zu sehen. 

„Escape at Dannemora“ ist für einige Emmy-Nominierungen im Gespräch, u.a. Best Limited Series, Best Actress Limited Series/Movie (Patricia Arquette), Best Actor Limited Series/Movie (Benicio del Toro), Best Supporting Actor Limited Series/Movie (Paul Dano). Update: The Academy of Television Arts & Sciences hat „Escape at Dannemora“ für 12 Emmys nominiert  (darunter Limited Series, Lead Actor in a Limited Series (Benicio Del Toro), Lead Actress in a Limited Series (Patricia Arquette), Supporting Actor in a Limited Series (Paul Dano)  Die Primetime Emmy Awards-Verleihung findet am 22.09.19 statt, die Creative Arts Emmy Awards werden am 15.09.19 verliehen. 

Escape at Dannemora“ wurde erstmalig vom 18.11.18 – 30.12.18 auf dem amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime gezeigt. In Deutschland ist dieser Mehrteiler seit dem 19.12.18 auf Sky zu sehen. 

Trailer zu sehen: 

 

NYC – Film: „Brad´s Status“

Ich war am 30.09.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Brad´s Status“ (dt. Filmtitel: „Im Zweifel glücklich“, dt. Kinostart: 29.03.18) 102 min comedy, drama
dir. Mike White cast: Ben Stiller, Michael Sheen, Jenna Fischer, Luke Wilson, Jemaine Clement, Austin Abrams

 

Brad (Ben Stiller) ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat einen 17-jährigen Sohn (Austin Abrams). Er hat einen eigene Non-Profit-Organisation. Nachdem sein einziger Angestellter gekündigt hat, fällt er in eine Lebens- und Sinn-Krise. Dabei fallen ihm seine alten College-Freunde ein, jeder Einzelne hat es zu etwas gebracht. Hat Brad im Leben die falschen Entscheidungen getroffen…?

 

A- (Wertung von A bis F) „Brad´s Status“ ist der neue Film des amerikanischen Schauspielers, Autors und Filmemachers Mike White („Chuck & Buck“, „School of Rock“, HBO-Serie „Enlightened“). Mit Year of the Dog hat er sein Regiedebüt gegeben. Dies ist erst der zweite Kinofilm, bei dem er Regie führt. In diesem Film ist er auch in einer Nebenrolle als Brads ehemaliger Freund (der Hollywood-Regisseur) zu sehen.

„Brad´s Status“ ist eine smarte Tragikomödie. Mike White ist mit seinem neuen Film ein feiner, melancholischer Film über einen Mann in einer Midlife-Crisis gelungen. Der Protagonist Brad ist Ende Vierzig und fragt sich warum all seine College-Freunde es zu etwas gebracht haben und er ein Leben im Mittelmaß führt. Er vergleicht sein Leben mit dem Anderer. In meinen Augen sind das eher Männer-Probleme. Ich sehe gar keinen Sinn darin, sein Leben mit dem eines Anderen zu vergleichen. Warum sollten die, die beispielsweise mehr Geld verdienen oder berühmt sind, automatisch ein glücklicheres Leben führen? Der Film ist aber sehr gut geschrieben, auch wenn Brad nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, kann man seine Denke nachvollziehen und erlebt als Zuschauer die eine oder andere unangenehme Situation hautnah mit. Auf mich wirkte alles sehr real, was nicht zuletzt, der nuancierten Performance von Ben Stiller zu verdanken ist.

„Brad´s Status“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a.: Bester Hauptdarsteller (Ben Stiller), Bestes Originaldrehbuch

„Brad´s Status“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2017 gezeigt. Der Film ist am 15.09.17 in vier amerikanischen Kinos gestartet. Eine Woche später lief er in 453 Kinos landesweit. „Brad´s Status“ startet unter dem Filmtitel „Im Zweifel glücklich“ voraussichtlich am 29.03.18 in den deutschen Kinos.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer

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Trailer v. Film: „Breathe„
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Andy Serkis´offizielles Regiedebüt mit Andrew Garfield in der Hauptrolle.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „Novitiate„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama mit Melissa Leo
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue:100%

Trailer v. Film: „Professor Marston and the Wonder Women„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Biopic mit Luke Evans und Rebecca Hall. Die Besetzung überzeugt mich nicht
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Human Flow„
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Dokumentation
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Wonderstruck„
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Todd Haynes´neuer Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

NYC – Film: „The Meyerowitz Stories (New and Selected)“

Ich war am 02.10.17 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ (ab dem 13.10.17 weltweit auf Netflix zu sehen) 110 min drama, comedy
dir. Noah Baumbach cast: Adam Sandler, Ben Stiller, Emma Thompson, Dustin Hoffman, Elizabeth Marvel, Rebecca Miller, Adam Driver, Judd Hirsch, Grace Van Patten, Candice Bergen, Sigourney Weaver

 

Danny (Adam Sandler) ist bei seinem Vater zu Besuch. Er und seine Frau haben sich kürzlich getrennt. Seitdem er in New York ist, kommen einige Geschichten aus seiner Kindheit hoch, besonders als er erfährt, dass sein starrköpfige Vater das Haus verkaufen will. Von seinem Halbbruder Matthew (Ben Stiller) hat er schon sehr lange nichts mehr gehört. Bald müssen Danny, Matthew und ihre Schwester Jean (Elizabeth Marvel) mehr Zeit miteinander verbringen als ihnen lieb ist…

 

C+ Wertung von A bis F) „The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ ist der neue Film des amerikanischen Filmemachers Noah Baumbach („The Squid and the Whale“, Frances Ha, While We´re Young, Mistress America, De Palma)

Der Film ist eine Tragikomödie, mit mehr Tragik als Komödie. Sollte Woody Allen mal keine Filme mehr drehen, der New Yorker Noah Baumbach steht bereit, in seine Fußstapfen zu treten. Ich mag inzwischen einige Baumbach-Filme, „The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ wollte ich auch mögen, fand ihn aber zu unausgewogen, stellenweise zäh und teilweise zu sehr überzogen und anstrengend.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine New Yorker Künstler-Familie. Auch wenn kaum einer mit seiner/ihrer Kunst Geld verdient, sind sie alle künstlerisch-begabt und verschroben. Allein durch seine Existenz zusammengehalten wird die Familie von dem mittel-erfolgreichen Bildhauer und Vater Harold Meyerowitz (wunderbar gespielt von Dustin Hoffman). Der war mit mehreren Frauen verheiratet, aktuell ist er immer noch mit der esoterischen Maureen (klasse gespielt von Emma Thompson) zusammen. Seine drei Kinder (gespielt von Adam Sandler, Elizabeth Marvel und Ben Stiller) verarbeiten bis heute noch ihre Kindheit, jeder fühlte sich ungerecht behandelt und auch leiden sie immer noch unter der Vernachlässigung durch ihren Vater. Untereinander sind sich die Geschwister aber natürlich auch nicht grün, Geschwisterrivalitäten sind allgegenwärtig – aber jetzt wo der Vater immer älter und krank wird, müssen sie sich zusammenraufen.

Die Geschichte wird in fünf Kapiteln erzählt, wobei jeweils eines den Kindern („Danny“, „Matthew“ und „Jean“) gewidmet ist.

Das Ensemble macht den Film natürlich sehenswert. Adam Sandler überrascht hier, nicht so sehr, wie er mich seinerzeit in Paul Thomas Andersons „Punch-Drunk Love“ erstmalig positiv von sich überzeugte, aber schließlich habe ich ihn länger nicht in einer Rolle gesehen, in der mehr als nur Faxen macht. Wenn er hier mit seiner Filmtochter am Klavier sitzt und singt, beeindruckt das. Ansonsten hatte ich Elizabeth Marvel als neurotische Jean gar nicht erkannt, zuletzt hat sie sehr überzeugend die U.S. Präsidentin Elizabeth Keane in der sechsten Staffel von „Homeland“  gespielt.

In meinen Augen ist dieser Film bei Netflix gut aufgehoben, man kann ihn gucken, muss man aber nicht.

„The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ ist für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Bester Hauptdarsteller/Nebendarsteller (Adam Sandler) Bester Nebendarsteller (Dustin Hoffman, Ben Stiller), Bestes Originaldrehbuch

„The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2017 gezeigt. Um sich für die Oscars zu qualifizieren, soll der Film wohl in einigen amerikanischen Kinos gezeigt werden. Ab dem 13.09.17 ist er weltweit auf Netflix zu empfangen. Ich habe den Film auf dem New York Film Festival 2017 gesehen. Der Regisseur Noah Baumbach, sowie die Schauspieler Dustin Hoffman, Adam Sandler und Grace Van Patten haben den Film persönlich angekündigt. Im Anschluss an den Film wurde Noah Baumbach interviewt und stand den Fragen des Publikums zur Verfügung.

Trailer zu sehen:

 

 

Auf dem New York Film Festival 2017 kündigen Regisseur Noah Baumbach, Adam Sandler, Grace Van Patten und Dustin Hoffman (von links) ihren Film „The Meyerowitz Stories“ an.

 

Regisseur Noah Baumbach im Q & A zu seinem Film „The Meyerowitz Stories (New and Selected)“

 

NYC – Film: "While We´re Young"

Ich war am 28.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„While We´re Young“ (dt. Filmtitel: „Gefühlt Mitte Zwanzig“, dt. Kinostart: 30.07.15) 97 min comedy, drama
dir. Noah Baumbach cast: Ben Stiller, Naomi Watts, Adam Driver, Amanda Seyfried, Charles Grodin, Adam Horowitz

Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) sind Anfang/Mitte 40 und seit einigen Jahren verheiratet. Alle Paare um sie herum haben mittlerweile Kinder. Bei den Beiden hat es nie geklappt, mittlerweile genießen sie aber ihr Leben ohne Verpflichtung. Der Dokumentarfilmer Josh arbeitet nun seit bald zehn Jahren an seinem neuen Film. Eines Tages lernt er den jungen, kreativen Jamie (Adam Driver) kennen. Josh ist begeistert von diesem Hipster und freundet sich schnell mit ihm und seiner ebenfalls jungen Frau Darby (Amanda Seyfried) an. Das junge Paar hat einen ziemlichen Einfluss auf Josh und Cornelia. Josh plant sogar, ihm bei seiner Dokumentation zu helfen..

B (Wertung von A bis F) „While We´re Young“ ist eine smarte Tragikomödie.

Ich mochte besonders die erste Hälfte des Films. In meiner ausverkauften Vorstellung wurde so viel gelacht, dass man manchmal kaum die Dialoge verstehen konnte. Ben Stiller und Naomi Watts Charaktere sind glücklich verheiratet, nicht mehr ganz jung und kinderlos. Jetzt sind gerade auch noch ihre besten Freunde Eltern geworden. Dadurch sind und werden sie irgendwie ausgrenzt. Da kommt dieses junge Pärchen (Adam Driver und Amanda Seyfried) wie gerufen. Mit ihrer Unbeschwertheit und Kreativität bringen sie auch frischen Wind in die Beziehung von Josh und Cornelia. Ich mochte insbesondere diesen Aspekt, ist es doch im wahren Leben nicht anders. Immer wenn man neue, interessante Leute kennenlernt, inspirieren die einen und erweitern den eigenen Horizont.

Wenn es in einem Film einen hippen und charismatischen Typen gibt, der am liebsten Filme auf VHS guckt, eine riesige Schallplattensammlung hat, ganz altmodisch auf der Schreibmaschine rumhackt, Gesellschaftsspiele liebt, Rocksongs cool findet, die in den 1980er Jahren als supergurkig oder peinlich galten und kein Interesse daran hat, sein Leben mit anderen über Facebook und Twitter zu teilen, bin ich schon mal grundsätzlich dabei. In diesem Film wird dieser Typ von Adam Driver verkörpert wird, das macht die Sache nur noch besser. Adam Driver (Frances Ha, Lincoln, Inside Llewyn Davis, What If) finde ich mittlerweile einfach mega. Parallel zu dem jungen, freigeistigen Jamie sieht man das zwanzig Jahre ältere Pärchen das in ihrem Leben irgendwie festgefahren ist. Es hält sich für modern, beschäftigt sich die ganze Zeit mit ihren neuesten iPhones und iPads und guckt Film über VOD (obwohl sie bei der riesigen Auswahl nicht immer etwas finden). Gerade die Gegenüberstellung dieser beiden Generationen hat Noah Baumbach brüllend komisch inszeniert. Für mich hätte der Film ewig so weitergehen können. Später hat der Film aber eine Wendung und dadurch schwächelt er etwas. Mir war er auch etwas zu lang, die Schlussszene fand ich jedoch wieder toll. Außerdem fand ich es schön, Ben Stiller mal wieder in einem guten Film zu sehen. Es ist definitiv ein Film, den ich mir gerne ein zweites Mal anschaue.

Der Regisseur Noah Baumbach (The Squid and the Whale, Greenberg, Frances Ha) hat später angegeben, dass ihn sein eigenes Leben für diesen Film inspiriert hat. Er ist mit der Schauspielerin Greta Gerwig liiert und verbringt auch viel Zeit mit wesentlich jüngeren Menschen.

Ich hatte wahnsinnig viel Glück gehabt, eine der begehrten Kinokarten für das Suprise Screening (in den vergangenen Jahren gab es ein Secret Screening) auf dem New York Film Festival 2014 zu ergattern. Viel wusste man nicht, einzig:  Don’t miss this highly anticipated 2015 release from a New York Film Festival favorite!

Grundsätzlich bin ich nicht der Typ, der in Sneak Previews geht (weder in den U.S.A., noch in Deutschland), die Gefahr ist einfach zu groß, irgendeinen Murks zu sehen. Ein surprise oder secret screening auf dem Filmfestival in New York ist jedoch eine ganz andere Nummer. Hier konnte ich hundertprozentig davon ausgehen, dass ein Film gezeigt wird, den ich mir sowieso angeschaut hätte. Im Jahr 2011 wurde auf dem New York Film Festival bei dem secret screening erstmalig Martin Scorseses Hugo und im Jahr 2012 Steven Spielbergs Lincoln gezeigt (Im Jahr 2013 gab es kein secret screening). Dieses Jahr gab es eine Umbenennung des Events und schnell die wildesten Spekulationen, welcher Film gezeigt wird. Bekommt man wieder einen potentiellen Oscar-Kandidaten zu sehen?

Ich hatte mich mit einigen Festival-Besuchern unterhalten und es formte sich irgendwann die Gewissheit, dass Noah Baumbachs „While We´re Young“ gezeigt wird. Nicht schlecht, aber noch mehr hätte ich mich über „American Sniper“ oder „A Most Violent Year“ (die auch in den engen Kreis der Wahrscheinlichkeit gerückt sind) gefreut. Die Veranstalter haben es aber spannend gemacht und tatsächlich erst wenige Minuten vorher bekanntgegeben, welcher Film tatsächlich gezeigt wird. Noah Baumbach wurde dann auf die Bühne gebeten (das Ensemble kam dann kurze Zeit später dazu) und verkündete unter tosendem Gelächter, dass er hier ist, um Christopher Nolans „Interstellar“ zu präsentieren.

Die Schauspieler Adam Driver, Ben Stiller und Naomi Watts und der Regisseur Noah Baumbach haben sich im Anschluss an den Film sehr sympathisch und witzig gegeben und sich den zahlreichen Fragen des Publikums gestellt. Ich habe ein paar Fotos reingestellt.

„While We´re Young“ hat bereits einen amerikanischen Verleih (A24), der Film wird jedoch aller Voraussicht nach tatsächlich erst im Jahr 2015 in die amerikanischen Kinos kommen. Da der Film wohl auch nicht für eine Woche in Kinojahr 2014 (wie für Oscar-Nominierungen erforderlich) in einem kommerziellen Kino in L.A. County gezeigt wird, ist der Film auch nicht mehr länger im Gespräch für Oscar-Nominierungen im Jahr 2014.

„While We´re Young“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2014 gezeigt.

Trailer zu sehen:

New York Film Festival

Das New York Film Festival (NYFF) gilt als Prestige-Filmfestival. Nach Venedig, Telluride und Toronto hat sich mittlerweile das New York Film Festival als Festival etabliert, das wichtige Oscar-Filme (erstmalig) zeigt. Erstmalig gab es das Festival im Jahr 1963. Die Filme werden von Film Society of Lincoln Center ausgesucht. Obwohl ich so oft in New York bin, war ich tatsächlich im Jahr 2014 das erste Mal auf dem NYFF. Aber gut, ich war dieses Jahr auch das erste Mal seit langer Zeit wieder auf der Berlinale und lebe in Berlin. Im Jahr 2014 wurden u.a. Gone GirlInherent Vice und Citizenfour als Weltpremiere gezeigt.

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Detroit – Film: "Tropic Thunder"

Ich war am 13.08.08 in Detroit und habe mir im Kino angeschaut:

„Tropic Thunder“ (dt. Kinostart 18.09.08) 107 min comedy
dir. Ben Stiller cast: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey Jr., Nick Nolte, Jay Baruchel, Brandon T. Jackson, Steve Coogan, Danny McBride, Matthew McConaughey, Tom Cruise

Drei der egozentrischsten Hollywoodstars, Tugg Speedman (Ben Stiller), Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) und Jeff Portnoy (Jack Black) wurden für das Vietnamkriegsdrama „Tropic Thunder“ verpflichtet. Am Filmset in Südostasien läuft jedoch einiges schief, der Regisseur hat bereits schon weit mehr Geld ausgegeben, als dies die Zustimmung des fiesen Produzenten Les Grossman (Tom Cruise) findet. Kurzerhand werden die drei verwöhnten Topschauspieler zusammen mit den beiden Jungschauspielern Alpa Chino (Brandon T. Jackson) und Kevin Sandusky (Jay Baruchel) in ihren Soldatenkostümen im tiefsten Dschungel ausgesetzt, um vermeintlich besonders realistische Szenen mit versteckten Kameras zu drehen. Auch als sie von dem lokalen Drogenkartell angegriffen werden, ist ihnen nicht bewusst, dass gar kein Film mehr gedreht wird und so versuchen sie, möglichst authentisch ihre Rolle zu spielen…

A- (Wertung von A bis F) Persönlich hätte es mir gereicht, knappe zwei Stunden Robert Downey Jr. zuzuschauen, wie er einen Schwarzen mimt. Hier wird einem aber noch weit mehr geboten. Der Film ist eine on location gedrehte, actionreiche idealbesetzte Komödie, die sich hauptsächlich über die Filmindustrie und über eitle Schauspieler lustig macht. Ben Stiller und die Produktionsfirma werden allerdings in den U.S.A. gerade u.a. von den amerikanischen Paralympics (den sogenannten SPECIAL OLYMPICS) verklagt, weil sie zu oft das Wort RETARD benutzten und sich über Behinderte lustig machen. Nun, in dem Film wird sich über kaum eine Minderheit nicht lustig gemacht…mehr möchte ich dazu nicht sagen. Man kann in „Tropic Thunder“ auch raten, welche drei Topschauspieler hier parodiert werden. Vermutlich: Ben Stiller (Sylvester Stallone), Robert Downey Jr. (Russell Crowe) und Jack Black (Eddie Murphy), dies kann man schon zu Beginn des Films in den genialen Fake-Trailer begutachten. Neben zahlreichen Cameos, fällt in den meisten Besetzungslisten des Films ein Name auf, der einen zunächst die Augen rollen und dann am Geisteszustand Ben Stillers zweifeln lässt: Tom Cruise. Die komplette Filmkarriere von Tom Cruise betrachtend, hätte ich nicht gedacht, dass ich nach „Magnolia“ nocheinmal aussprechen würde, dass er zumindest Ansätze hat, schauspielern zu können. Sein vermutlich an Harvey Weinstein erinnernden Charakter ist unglaublich gut und besonders die Schlussszene hat mich sprachlos zurückgelassen…

Trailer zu sehen:

„sehr gut“